Heiligkeit bedeutet letztlich, mit der "wahren Natur" der Schöpfung in eins gekommen zu sein, also vollkommen erkennen. Denn in allem ist Gottes Wort enthalten, und in allem sohin die eine einzige Wahrheit als Schatten erkennbar. Jeder Irrtum ist somit auch ein Abweichen von der Anähnlichung mit Gott (und das bedeutet Heiligkeit: nicht Göttlichkeit, aber größtmögliche Ähnlichkeit mit ihm.)
Das heißt aber nicht, daß dem Heiligen ALLES offensteht, und er ALLES in der Schöpfung (in Gott bzw. aus ihm heraus) gleichermaßen erkennbar ist, oder erkannt wird. Sondern Heiligkeit ist an den Ort gebunden, in den hinein ein Mensch geboren wurde, und worin sich sein Lebensauftrag (an und in dem er heilig werden soll) birgt und offenbart. Aber weil Gott in allem ist, ist er es in der Tiefe, aber nicht unbedingt in der Breite.
Ja, gerade in der Bescheidung kann ein Auftrag der Heiligkeit liegen. Ja, auf eine Weise liegt er genau darin.
UND DOCH liegt in allem alles. Ist das Ohnendliche in allem Endlichen erreichbar, und zwar ÜBER DIE NATUR, über die Weise des Weges, des Objekts, über das Ohnendlich durchscheint, also Gott erkennbar ist.
Und darauf kommt es ja an. Der Holzfäller ohne jeden Schulabschluß braucht sich also nicht zu sorgen, daß sich Gott ihm entzöge, weil er keinen Hochschulabschluß hat. Zwar wird ihm die ART UND WEISE des Diplomanden nicht zugängig bleiben, in dem, worauf es aber ankommt - EINSSEIN MIT GOTT - hat er nicht nur die gleichen, sondern vielleicht sogar die besseren Karten.
Sein Studium darf und soll sich sogar auf das Leben der Bäume und Sträucher beschränken. In seiner Einfachheit liegt sogar der Vorteil, weniger gefährdet zu sein, abzuirren und sich in Teilen zu verlieren, die in ihre rechte Ordnung zu bringen dem G'studierten meist, ja allermeist so gar nicht leicht fällt.
Unabhängig von der Versuchung, schon in der ersten Zutrittsbedingung zum Licht des Höchsten, dem Hinwerfen vor Gott, dem inbrünstigen Flehen ob der eigenen Bedürftigkeit, ganz gräulich zu versagen - in der Demut, was noch mehr heißt: im Vermeiden der Hochmut.
Und somit nicht dem zu erliegen, woran das Abendland so verdammlich weitgehend unterlegen ist - der GNOSIS. In der der Mensch meint, sich die Heiligkeit selbst und durch intellektuelle Erkenntnis SELBST VERSCHAFFEN zu können, ja nicht nur Gott ähnlich, sondern WIE ER SELBST, das heißt GOTT ZU SEIN.
Denn der Sinn des Lebens liegt GENAU NICHT in der SELBSTMÄCHTIGKEIT, wie manch einer heute behauptet. Und worin er links ist wie meine linke Hand, auch wenn er dreimal RECHTS draufschreibt oder draufgeschrieben bekommt.