Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
Dieses Blog durchsuchen
Freitag, 20. Oktober 2023
Filmempfehlung
Sonntag, 13. Februar 2022
Ein schweres Unrecht
Den haben sie ja ordendlich gehirngewaschen. Vermutlich hat er schon jahrelanges "Gewalt-Deprogramming" durch die Selige Psychologenschar hinter sich. Die ihm ein neues Rationalitätskonstrukt eingezogen haben, und hatten leichtees Spiel, weil er zuvor sicher zu wenig reflektiert war. Ah, und grad hör ich's: Er war beim Psychologen ... da kommt dann sowas raus. Motto: Völlige Depersonalisierung, um ihn dann zum "funktionierenden Mitglied der Gesellschaft" zu machen. Besser seelisch tot, nicht wahr? Warum das alles? Weil das Strafrecht keine adäquate gesellschaftliche Vorgehensweise mehr abbildet.
![]() |
| QR Interview mit einem Mörder |
Sonntag, 25. Oktober 2020
Das Wirken des Heiligen Geistes (3b)
Teil 3b) Die notorisch mäandernden Anmerkungen
Auch ein nächstes Argument zählt nicht, wiewohl FRATELLI TUTTI es sogar explizit erwähnt. Nämlich jenes, daß es in einem weltweiten Verbot der Todesstrafe um das Verhindern einer in der Praxis tatsächlich (und gar nicht selten, ja zumeist sogar) mißbräuchlich verwendeten Todesstrafe geht. Weil die Todesstrafe natürlich, das muß man zugeben, weit häufiger zur Beseitigung unliebsamer Opposition eingesetzt wird denn als gerechtfertigtes, ja notwendiges (!) Mittel eines Staates, der das Wesen der Strafe einerseits, ihre Funktion im Leben eines Volkes (und Staates) anderseits erfüllen würde.
Denn das Mittel wird auch in diesem Fall nicht durch den Zweck geheiligt. Und man kann kein Gut (in diesem Fall: Abstellen der Mißbräuche) bewirken, wenn man in sich falsche Mittel (generelles Verbot der Todesstrafe) einsetzt.
Wobei der Papst bereits hinlänglich gezeigt hat, daß er dieses "in sich" nicht versteht, ja glatt ablehnt, wenn seinen Absichten etwas im Weg steht. Denn er weiß es schon, wenn es ihm paßt. Wenn er etwa sagt, daß die Todesstrafe "in jedem Fall" abzulehnen sei. Da gibt es also doch ein "in sich" Schlechtes?
Was, um es mit den Worten von Sepp Breitschniedling zu sagen, "einmal schon gar nicht geht."
Wenn es aber darum geht, ein Unrecht zu verhindern (in einer mißbräuchlich verwendeten Todesstrafe) gilt sinngemäß dasselbe Argument wie oben: Das der Sühne. Denn in der Sühne hat auch das Unrecht seinen Sinn! Für die Menschheit zum einen (in der stellvertretenden Sühne, die dem gesamten Menschheitskörper sozusagen zugute kommt), für das Individuum, das in der Seele fortbesteht und beim Endgericht wieder zum ganzen Menschen (= Seele UND - neu geschaffener - Leib) wird. Und der Sinn ist jene Dimension, um die es im Leben überhaupt geht! Denn nur im Sinn existiert die Übereinstimmung mit dem logos, dem Sinn, dem "auf-zu" der Schöpfung.
Um nicht zuletzt auf den bei Franziskus ebenfalls oft genug geschundenen Begriff der "Würde" des Menschen einzugehen. Denn es ENTSPRICHT GENAU der Würde des Menschen, ihn ernst zu nehmen, auch in seiner Tat gegen eine Gemeinschaft, und ihn damit der Sühne für fähig und damit für adäquat zur Tat straffähig - auch in der Todesstrafe - zu sehen.
Die Ablehnung der Todesstrafe (als gerechtes Strafmittel einer Gemeinschaft) hat also keine sachliche Begründung. Sie gründet vielmehr in jener (jawohl, wir nennen es beim Namen: in der Widerlichen!) Sentimentalität, in der subjektives und völlig relatives, wesentlich irrationales "Fühlen" zum Maßstab der Ethik gemacht wird. Das fällt ebenfalls aber unter die Kategorie Sepp Breitschniedling.
Es wird Zeit endlich mit dem substanzlosen Hollywood-Blödsinn aufzuhören, daß sentimentale Menschen auch gute Menschen seien. Sie sind nachgerade das Gegenteil.
**Was notwendig ist, will man der Schizoidität nicht zum Opfer fallen, will man sich also nicht "gaslighten" lassen. Weil der Schizoide ständig über die Wahrheit der Gestalt, des sinnlich Erfaßbaren an der Welt, hinwegzutäuschen versucht. Der Schizoide (Vorsicht, Schizophrenie ist nicht Schizoidität! Sondern noch einmal etwas anderes, wenn auch wesensverwandt) macht einem also "ein X für ein U vor", salopp formuliert, er "erklärt ein Gesehenes zu einem anderen", und kann und tut dies kraft seiner Autorität (der spezifischen durch eine formale hierarchische Linie, sowie der allgemeinen, die dem Gebot der Herzensöffnung entspringt und damit dem Begegnenden "Autorität" quasi "schenkt").
Dieser Autoritätsbezug ist das Besondere an der Schizoidität. Womit diese seinem Gegenüber die allererste anthropologische Anbindung an die Wahrheit selbst - die Sinne - aus der Hand zu schlagen versucht, um sie für die eigene Deutung (die eine Lüge ist) aufzusprengen.
***Auch die schöne Tradition, daß als Urheber eines Werkes nicht der gilt, der etwas ausführt, sondern der, der es in Auftrag gibt - sodaß also Papst Franziskus Fratelli tutti GESCHRIEBEN hat, auch wenn er selber vermutlich die Tastatur einer Schreibmaschine nicht einmal angerührt haben wird - hat hier einmal eine tiefere Aussage.
Die wir uns vor Augen führen wollen indem wir zum einen beachten, daß es immer "der Geist" ist, der etwas bewegt, daß das Wirkliche also immer das Unsichtbare, das Geistige ist, und zum anderen sehen, daß dieses Wissen, das die Grammatik einer Haltung war (so wie immer das wirklich Gewußte die Grammatik von Haltungen ist), unserer Kultur noch bis ins 12. Jahrhundert immanent war.
Erst im 13. Jahrhundert begann sich der Ausführende aus dem Insgesamt herauszulösen, was wir als eines der ersten und ernstzunehmenden Symptome des Zerfalls des Abendlandes begreifen können. Erst DAMIT, erst indem der Mensch sein Wirken seinem "Können", also einer immer mehr für sich stehenden und zu behandelnden Funktionalität zuschreibt, löst sich eine Gemeinschaft auf. Weil sie ihren Gehorsam verliert, und der Einzelne mehr und mehr autonom wird. Was sich dann in der Geschichte auch genauso zeigt.
Und sei es, daß der solcherart "autonom gewordene Mensch" auch jeden Schutz der Gemeinschaft verliert (Gemeinschaft wird dann durch Gesellschaft und vor allem "Staat" und "'Verrechtung/Recht" ersetzt) und somit unsere Gesellschaften zu leichten Opfern von Interessen werden konnten, die nicht dem Gemeinwohl, sondern der Partikularität entsprungen sind bzw. dienen.
*071020*
Unterstützen Sie dieses Blog!
Samstag, 24. Oktober 2020
Das Wirken des Heiligen Geistes (3a)
Teil 3a) Die notorisch mäandernden Anmerkungen
*Wir wollen zuerst einmal den Unsinn aufgreifen, der in Fratelli tutti über Migration steht. Der beim völligen Unverständnis von Bezogenheit auf Land ansetzt. Keineswegs steht JEDEM ALLES LAND zur Verfügung! Vielmehr kann man Menschsein nicht denken ohne konkrete Verehelichung an ein BESTIMMTES Land, an einen bestimmten Ort. Nur so kommt der Mensch "vor". Und diesem Land gegenüber hat er insofern Verantwortung, als er nicht nur diesen, ihm überantworteten Raum als Ort, in dem der konkrete Mensch einen Platz hat, der in einem konkreten Beziehungsgeflecht (Kultur bzw. Sozialität) steht, verpflichtet ist, sondern diese Verpflichtung heißt auch, daß er diesem Raum ("Boden") seine Erhaltungsfähigkeit bewahren muß.
Denn Boden (hier stimmen die Aussagen der Enzyklika) bzw. Eigentum ist nur insofern eine Größe, als es uns von Gott "geliehen", zur Nutznießung übergeben ist. Uns! Nicht als absolutes Eigentum, gewiß. Aber wir haben damit auch die Aufgabe - wie auch das Recht! - ihn zu nutzen. Insofern haben wir ihn als Geschenk (im Rang einer Leihgabe). Aber hier haben wir ihn auch zu schützen! Um nicht zuerst dem Bestand "der Menschheit" zu gewährleisten, solche universalen Kategorien entziehen sich unserem menschlichen Denken überhaupt, ja DÜRFEN nicht einmal angetastet werden!
Das Allgemeine geht dem Einzelnen voraus, ja, wir haben es hier auch schon oft geschrieben. Aber das Einzelnsein ist immer ein Spezifischsein. Und insofern hat der Einzelne, in Pflicht wie Recht, auch einen Bezug zu Dingen (Boden etc.), die wir als "Eigentum" bezeichnen. Denn das ist ebenfalls Teil der Ähnlichkeit mit Gott: Dem die gesamte Schöpfung als Eigentum (zu seiner rückhaltlosen Verwendung) gehört. Wenn aber Gott Eigentum HAT, dann auch seinem Ebenbild. Bei Gott ist Eigentum absolut, beim Menschen nur in abgeleiteter Form, weil es einen absoluten Eigentümer gibt, nicht zwei geben kann. Dem Menschen ist also alles Leihe. Dieses Eigentum (in diesem nicht absoluten Rang) muß ein Staat aber ebenfalls schützen. Und deshalb hat auch ein Volk eine Eigentumsbeziehung zu einem bestimmten Boden (Raum).
Es ist Gott gegenüber sogar verpflichtet, diesen Raum zu verteidigen, nötigenfalls mit Gewalt. Keinesfalls hat deshalb (wie in Fratelli tutti allen Ernstes behauptet, jeder Mensch das Recht, sich egal wo niederzulassen! Das hängt von der Bereitschaft jener Gemeinschaft ab, die einen bestimmten Raum bewohnt und in ihre Gesamtkultur integriert, davon durchdrungen hat.
Im übrigen trifft diese Situation nur jene Menschen, die bereits entwurzelt SIND, oder die gar keine Wurzeln (also verantwortliche Anbindung an den Boden WEIL an eine Gemeinschaft, die immer eine Kulturgemeinschaft ist) WOLLEN. Die also Boden wirklich nur NÜTZEN wollen, ohne ihn, weil einer Gemeinschaft wie einer Generationenfolge moralisch weil durch Verbindlichkeitsempfindungen als rechtlichen Grundrahmen verpflichtet sind. Und das heißt ebenfalls: Eigentum.
Ethnologisch - man beachte etwa die umfänglichsten Studien, die P. W. Schmidt angestellt hat, um speziell diese Frage zu untersuchen - kommt es deshalb in KEINER Kultur der Erde vor, daß die Menschen OHNE EIGENTUM leben! Und zwar auch Eigentum am Boden! Daß das so ist, ist zwar nicht immer so ganz leicht zu sehen, aber es ist so. Und es ist so - man höre und staune! - wo sich die Menschen aus der Hand Gottes geschaffen sehen.
Sämtliche sozialistischen Utopien entstammen einer romantischen, realitätsfernen Fehlinterpretation. Die der Aufklärung entstammt, und einen Neuentwurf "des Menschen" vornahm. In dem man einen "Idealzustand im noch völlig kulturlosen Urmenschen" ("edler Wilder") annahm. Was nicht nur theoretisch nicht stimmt, sondern auch praktisch nirgendwo "bei den Wilden" vorkommt.
Was hingegen dabei herauskommt, wenn Menschen KEINE Verwurzelung mit dem Boden haben, auf dem sie "leben", wo sie also nur "wohnen" (letztlich wie Nomaden, denn morgen wollen sie vielleicht weiterziehen, weil es irgendwo "besser" ist), erleben wir nicht nur jeden Tag, sondern es IST DIE EIGENTLICHE URSACHE FÜR DIE UMWELTPROBLEME, die Laudato Si und Fratelli Tutti angeblich so ernst nimmt.
Die Lösung von Mensch und Boden durch Eigentumsverbot ist sogar der Grund, warum gerade sozialistische wie kapitalistische Gesellschaften die schwersten Umweltzerstörungen verursacht haben. Dem, der in keiner verbindlichen Beziehung zum Land steht, auf dem er lebt, ist ununterscheidbar, wo die Grenze zwischen "Kultur" und "Müll" (als der Ordnung ausgegliederte, dem Chaos zurückgegebene Materie) ist.
Und dann wollen wir (nur einmal) den Irrtum bezüglich der Todesstrafe herausgreifen, einer der Irrtümer in der Enzyklika. Von dem Papst Franziskus wohl meint, daß er mit seiner wiederholten Behauptung (und nun sogar in einer Veränderung des erst 1993 herausgegebenen Römisch-Lehramtlichen Katechismus) doch irgendwann als katholisch festnageln zu können. Was nicht geht. Denn nicht nur würde damit eine Lawine ausgelöst werden, die letztlich das gesamte Lehrgebäude einstürzen lassen würde.
Was zwar nicht die Wahrheit selbst, sondern deren lediglich Inkarnation verdunkeln würde, aber alles andere als vertrauensbildende Maßnahme ist. Freilich, Papier ist geduldig. Und auch wenn Franziskus es noch tausendmal wiederholt - es wird nicht wahrer. Deshalb wird diese Sichtweise, die nicht ins Gefüge der katholischen Wahrheit und Lehre paßt, in der Welt keinen Bestand haben.
Sprich: Es wird zu Situationen kommen, in der sich die Kirche (bzw. Glieder von ihr) mit realen Forderungen (nach Todesstrafe) konfrontiert sieht. In der jedoch die Wahrheit und Richtigkeit der Todesstrafe evident wird! Plötzlich gerät aber die offizielle Lehre mit dieser Wirklichkeit und Wahrheit in offensichtlichen Konflikt. So nebenbei reißt eine solche Unwahrheit - wie bei einem Dammbruch - ein immer größeres Loch. Auch das wird evident werden. Dieses Loch wird aber ein Schisma hervorrufen. Scheinbar aus "ganz anderen" Gründen. Aber in Wahrheit aus einem einzigen Grund.
Uns geht es hier also darum darauf zu verweisen, daß in diesem Unverständnis der Todesstrafe, das sich hier offenbart, ein weit tieferer und schwerer, ein grundsätzlicher Irrtum verborgen ist. Nämlich der, was denn das Wesen von Strafe (und damit von Erlösung!) überhaupt sei. Und das beginnt NICHT bei praktischen Aspekten wie dem "Selbstschutz des Staates". Sondern das beginnt bei der Sühne und deren Erlösungswirkung.
Man muß jede Strafe nämlich zuallererst als sühnende Wiedergutmachung gegenüber jener Gemeinschaft verstehen, gegen die man durch die Tat verstoßen hat. Und hier gilt das Prinzip der Adäquatheit, sprich: Die Sühne muß der Tat entsprechen! Die Strafe ist also ein Element der Gerechtigkeit.
Nur durch ein dem Vergehen entsprechendes, ja dieses eventuell sogar leicht übersteigendes Leiden (siehe das Leiden Christi, das in derselben Wesenserfüllung der Gerechtigkeit seinen Sinn hat!) wird ein Wiedereinstieg in diese Gemeinschaft (aus der man sich mit einem Vergehen nämlich selber ausschließt) wieder möglich. Und das kann in manchen Fällen eben bedeuten, daß der Wiedereinstieg nur mit dem Tod möglich ist.
Ein Widerspruch ist das nur für diejenigen, die dieses irdische Leben absolut setzen. Und nicht sehen, daß diese Welt zur Gefallenheit und zum Vergehen verdammt ist (durch die Ur- bzw. damit Erbsünde des ersten Menschenpaares), wir also auf das Kommen einer zukünftigen und dann aber endgültigen Welt warten (die in der Kirche bereits ihre Inkarnation hat, in der dieses Zukünftige ins Gegenwärtige hineinragt), daß also diese heutige, irdische Welt der Menschen in einer gewaltigen Kontinuität steht.
Die mit dem irdischen Tod nicht unterbrochen wird! Weil die Zeit (und in der Erbsünde sind wir zu dieser Zeit verurteilt, was mit dem Bruch in der Erkenntnis zusammenhängt, die von einem Schauen zu einem - möglichen - Verstehen durch den Verstand wurde) in dieser Ewigkeit nicht mehr existiert. Somit ist der Delinquent, der durch eine Todesstrafe entleibt wird, noch immer "existent", wenn auch nur noch in seiner Geist-Seele.
Aber auf die kommt es ja an, bei der Neuschöpfung am Jüngsten Tag, wenn Gott uns aus unseren Gräbern hervorruft! Somit ist die Sühne des Delinquenten der entscheidende Moment, in dem auch seine Seele in den Himmel gehoben wird, sodaß er am Jüngsten Tag als Erlöster, als Geretteter seinen Platz in der Neuen Schöpfung erhalten wird. Wäre seine Sühne nicht ausreichend, würde er an dieser Gerettetheit (soweit wir Menschen es sagen können) gar nicht mehr teilnehmen. Und DAS begründet die Todesstrafe bzw. überhaupt das Strafwesen einer Gesellschaft.
Unterstützen Sie dieses Blog!
Freitag, 23. Oktober 2020
Das Wirken des Heiligen Geistes (2)
Teil 2) Vorwärts zum Guten zurück!
Denn es ist praktisch vollständig vergessen! Auch wenn wir noch unzählige Relikte, sogar in unserem Alltag, sogar in den alltäglichsten Lebensgewohnheiten und Vollzügen, finden, die direkt daraus entstammen und bewahrt wurden. Wir können also sogar davon sprechen, daß im Wesen der Kirche diese Vision einer wahrhaft menschlichen Kultur mitten unter uns ist! Und wir nur danach greifen müssen, wollen wir diese wahrhaft humane - und damit göttliche, weil von Gott durchdrungene - Kultur in die Realität umsetzen.
Denn wir haben das bereits einmal geschafft, die Geschichte beweist es. Freilich immer im Rahmen einer realistischen Welthaltung, die diese Utopie niemals zu Ideologie und Zwangsimperativ werden lassen kann. Weil genau diese Realistik, die darum weiß, daß der Mensch zur Sünde neigt und Tag für Tag in Sünde fällt, aber auch Tag für Tag daraus aufstehen muß, zu ihrem unabdingbaren Wesensbestandteil gehört.
Warum das so ist, von welcher realistischen Utopie (eine nur scheinbare contradictio in adjectio!) Fratelli tutti handelt ohne es zu wissen, und warum wir deshalb diese neue Enzyklika mit Staunen und Freude aufnehmen, werden wir in den folgenden Ausführungen begründen. Soweit kann man bereits ankündigen, daß wir durchaus mit dem Papst auch darin übereinstimmen, wenn diese Visionen dem Kapitalismus der Gegenwart ein Ende ankündigen.
Morgen Teil 3a) Die notorisch mäandernden Anmerkungen
*071020*
Unterstützen Sie dieses Blog!
Donnerstag, 22. Oktober 2020
Das Wirken des Heiligen Geistes (1)
Selbst wenn man die Enzyklika FRATELLI TUTTI als nächste Unsäglichkeit dieses Papstes einstufen muß, die von Irrtümern*, Fehleinschätzungen, Widersprüchen, Wirrnissen und sogar buchstäblichen Ausflügen in den Sozialismus nur so strotzt, würde man ihre Worte 1:1 nehmen.
Weshalb dem Verfasser jener Zeilen, die als Enzyklika hohen Stellenwert haben weil sie Denkimperative aufstellen, das heißt, man muß sie ins eigene Denken einfließen lassen, ob man will oder nicht, denn es ist immer noch der Gehorsam, der den Blutkreislauf der Gnade aufrecht hält, nicht "richtig oder falsch". Was aber nicht heißt, daß man Falsches auch so übernehmen muß. Und Falsches findet sich in Fratelli Tutti in einem derartigen Ausmaß, daß es unmöglich scheint, das alles ausreichend zu besprechen.
Und - es lohnt auch gar nicht. Dafür sorgt schon die höchst ambivalente Sprache und Geformtheit des Dokuments, das wie eine Gummiwand alles und nichts und jedes anspricht, ohne es zu bändigen und zu ordnen. Als wollte der Verfasser gar nicht, daß man sich ernsthaft mit dem Text auseinandersetzt. Wollte er aber stattdessen, wie es der Unvernunft, aber auch der diktatorischen Gewalt gemäß ist, daß der Text einfach widerspruchslos übernommen, angenommen und "befolgt" wird? Das wollen wir mal nicht annehmen, auch wenn es naheläge, so zu denken.
Ah ja, heißt es ja deshalb gleich zu Beginn: Es werde ja nur "geträumt". Und darum wohl auch die Sprache, in der die Enzyklika veröffentlicht wurde. Italienisch. Nicht das Latein der Kirche. Aber gut, Franziskus war ja schon bisher Meister der Verwirrung, was die Gestalt (weil Ort, Bestimmung, Rang etc.) von Dokumenten anbelangt. Und das scheint wohl seine Aufgabe zu sein: Es ist ein Aufruf selbst aufzustehen.
Also muß man viel zwischen den Zeilen suchen, um den Heiligen Geist aufzuspüren, der dann auch der wahre Geist des Gehorsams ist, in dem Fratelli tutti betrachtet werden muß. Der sich in der Tradition der Kirche scheinbar gar nicht finden läßt!
Sogar dem Papst blieb nichts anderes übrig, als pausenlos auf von ihm selbst verfaßte Schriften und von ihm selbst getätigte Aussagen Bezug zu nehmen. Wie es eben bei unkatholischen, ja antikatholischen Aussagen ist. Die nämlich nicht mit dem zweitausendjährigen Lehramt in Übereinklang zu bringen sind, weil sich zu viele Aussagen nicht weiterbauen, was "nirgendwo gesagt wurde".
Wie soll man also dazu stehen, daß selbst Papst Franziskus "Belege" dafür nicht finden konnte, daß er mit seinen diesmaligen Aussagen (die in Laudato Si bereits angebahnt sind) im Strom der Tradition schwimmt? Wenn, dann ist es also eine Tradition, die er selbst erst begründet hat. Was natürlich eine contradictio in adjectio ist.
Aber irgendwo muß er doch sein, dieser Strom, es ist doch der Papst? Irgendwo muß doch auch bei diesem Papst das Katholische zu finden sein, wie auch Kardinal Müller meint, der es offenbar auch einfach satt hat, ständig mit unkatholischen Papstaussagen konfrontiert zu sein?
Und sei es und sei es eben ... in der Dialektik. Zum ersten Beispiel. Was nichts anderes heißt als daß der Heilige. Geist im Widerspruch, den etliche der päpstlichen Aussagen erregen MÜSSEN, weil sie unkatholisch sind. Und das Katholische ja nicht einfach ein willkürliches dogmatisches Gebäude ist, so wie die Spielanleitung von Backgammon, sondern weil das Katholischsein seinem Wesen nach in der allgemeinen menschlichen Vernunft lebendig ist. Sodaß nicht-katholisch-sein immer auch heißt: Unvernünftig sein!
ABER der Widerspruch hat noch eine ganz andere Eigenschaft, und auf die kommt es uns an dieser Stelle an. Im Widerspruch ist der Widersprechende GEZWUNGEN, das Wahre, das Richtige DARZUSTELLEN. Zu sagen, zu leben, zu zeigen, welche Daseinsebene auch immer.
Was nichts anderes heißt als daß der Apologet insofern "mehr" Mensch wird, weil es (historisch, also in der Zeit) kein statisches Menschen-Dasein gibt, sondern weil Menschsein immer ein actu ist! Das heißt, daß nur der Mensch lebt (und in der Wahrheit sein kann), weil und soweit er sich selbst (!) bewegt. Sagen wir es simpel: Nie ist der Mensch so lebendig als dort, wo er widerspricht.
Das bedeutet, daß wir unter diesem Papst - und hier ist tatsächlich der Ort, wo wir vor ehrfürchtigem Staunen vor der Größe und Weisheit Gottes in Lobpreis ausbrechen müssen! - zu einem Christkatholischsein aufgerufen sind, in dem wir das Katholische pausenlos selbst suchen (und hoffentlich finden) müssen, um es dann lebendig wie noch nie in die Welt hinein zu stellen. Und das ist keineswegs zynisch (oder sarkastisch) gemeint!
Werden wir jetzt aber wieder konkret, und kommen wir zu FRATELLI TUTTI, die Papst Franziskus am Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober 2020 promulgiert (also auf die Menschheit losgelassenen) hat. Seiner somit zweieinhalbten Enzyklika. Bei der ersten, LUMEN FIDEI, herausgegeben 2013, hat noch Benedict XVI. mitgeschrieben. Offiziell zählt sie aber für diesen Papst, der 2015 noch LAUDATO SI herausgab.
Und benützen wir dieses vom Umfang her einem Buch entsprechende Dokument genau so, wie es schon in den ersten Absätzen angeraten wird: Als Traumlandschaft und als Steinbruch. Letzteres heißt nicht mehr und nicht weniger als daß wir hergehen, und Bestandteile, Sätze, Worte, Aussagen ohne jede Rücksicht auf einen Gesamtsinn herausnehmen. Denn einen solchen Sinn hat diese Enzyklika nicht.
Alles, was als "seine Aussage" (also "sein Sinn") bezeichnet wird, sind posthoc hinein- oder drübergeschobene Sinnkonstrukte mehr oder weniger Gutmeinender. Die hartnäckig davon ausgehen, daß es doch in einem päpstlichen Lehrschreiben doch so eine durchgängige, einzige Aussage geben muß. Der VdZ sagt es frei heraus, und das gilt für dieses gesamte Pontifikat, daß man bei diesem Papst den Sinn (logos) ganz woanders suchen muß als in seinen expliziten Aussagen und Lehrschreiben. Diesen Papst kann nur noch jemand begreifen, der bereits katholisch IST, und der bereit ist, Franziskus nur auf der Ebene dessen DASEINS als Autorität in sein Herz aufzunehmen bzw. dessen Tore zu öffnen.
Und in diesem Punkt hat der VdZ eine Überraschung für jene bereit, die meinen, der VdZ, der anfänglich Papst Franziskus schärfstens und fast verzweifelt kritisiert hat, und sogar so scharf analysiert und als hochgradig schizoid erkannt hat. Schizoidität aber bedeutet, daß ihr nur mit Wesensbezogenheit begegnet werden kann.** Und diese Überraschung hat zum einen mit dem Wesen der Schizoidität zu tun. Denn der Schizoide verwendet formal (und formell) die Wahrheit. Er setzt sie nur für seine Lüge ein. Somit ist das, was wir in dieser Enzyklika finden, nichts anderes als Folgendes, und das ist nicht nur gut, das ist er, der Heilige Geist:
In Fratelli tutti öffnet der Papst das Denken auf einen Horizont hin, der das menschliche Leben und Wirtschaften, ja das Menschsein überhaupt, wieder in einen kulturellen Kontext einordnet, der so "revolutionär" ist, weil er ein radikales RESTAURIEREN des Abendlandes bedeutet. Das nicht weniger ist als ein Zurücksteigen ins Hohe Mittelalter.
In Fratelli tutti gelingt es dem Papst zwar NICHT, eine Vision zu entwerfen, wie er es verspricht, wenn er gleich zu Anfang von "Träumen" spricht - auch das entspricht dem Wesen des Schizoiden, daß er seine expliziten Ziele nicht nur verfehlt, sondern zum Gegenteil geraten läßt - aber wir erkennen tatsächlich dieses "Träumen".
Und wenden uns jenen Träumen zu, die unserer (bzw. einer) Kultur nicht nur einzig sinnvolles Ziel sein können, sondern die darin an das Wesen unserer eigenen abendländischen Kultur anknüpfen weil entbergen.
Technischer Hinweis: Die mäandernden, in diesen Mäandern aber jeweils eigene Seen bildenden, also durchaus für sich stehen könnenden Anmerkungen stehen nach dem zweiten in den dritten und letzten Teilen, in zwei Tagen, zu lesen.
*071020*
Unterstützen Sie dieses Blog!
Dienstag, 4. August 2020
Geschlagen von Gottes Strafen
So spricht der Herr: Ebenso verderbe ich die stolze Pracht Judas und Jerusalems, wie groß sie auch sei. Dieses böse Volk weigert sich, auf meine Worte zu hören, es folgt dem Trieb seines Herzens und läuft anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und sie anzubeten; es soll daher wie dieser Gürtel werden, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Denn wie sich der Gürtel den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, daß sich das ganze Haus Juda mir anschmiegte - Spruch des Herrn -, damit es mein Volk und mein Ruhm, mein Preis und mein Schmuck wäre. Sie aber haben nicht gehorcht. (Jer 13,6-11) |
So spricht der Herr: Setzt Eure Zukunft auf Eure eigenen Gedanken. Setzt Eure Zukunft damit auf die Sinnlosigkeit. Denn ich bin es, spricht der Herr, der Anfang und Ende, der logos und Sinn ist, der alle Schöpfung durchdringt und der Weg, Wahrheit und Leben ist.
Die sogenannte "erneuerbare Energie" als "Lösung" ist vollkommen sinnlos. Sie ist wie in einem Akt der Selbstbestrafung Sühne. Sühne also auch hier! Corona, alles ... Sühne! Blut! Opfer vor Gott! der Schritt zum Menschenopfer ist deshalb nur noch sehr klein!
Es ist ein Schritt um Jahrhunderte zurück, und ein Entschluß wider alle Logik. In der Energiefrage wird ein wesentlicher, ja der wesentlichste Ziegel aus dem Gebäude der Gesellschaften herausgezogen. Die Folge wird ein Totalzusammenbruch der Lebensweise sein.
Weil die als Kulturleistung erreichte hohe Energiedichte und Verarbeitungshöhe zugunsten einer absurd niedrigen Energiedichte aufgegeben wird. Das entspricht einem verheerenden Zivilisationsrückschritt, der sich in ungeheurem Tempo mit progressivem Verlauf vollziehen wird.Sie mußten, um zur Solar- und Windenergie zurückzukehren, um den bisherigen lächerlich geringen, aber sehr sehr teuren (im übrigen aber selbst nach den vorgeblichen "Klimarettungsabsichten" und im Gesamtsinn des Ökologischen absurden weil kontraproduktiven) Effekt zu erzielen, eine Kapazität aufbauen, die bereits derzeit das Dreifache des Bedarfs ausmacht.
Die Corona-Wirtschaftsrettungsmaßnahmen - wieder: Rettung, überall: Rettung der Welt! - werden diese Sinnlosigkeit - wieder: Sinnlosigkeit! Überall: Sinnlosigkeit! Corona, Klima, Energie, Wirtschaft ... sinnlos! - noch weiter vertiefen. Und damit hunderte Milliarden und schließlich Billionen Euro nutzlos verbrennen.
Geld ist nur sinnvoll in seinem Bezug zu Wert. Wert aber ergibt sich aus zwei Dimensionen: Der Arbeit einerseits, als Vollzugskonkretion, als Moment des Kultes (der immer auf Schönheit Wahrheit Gutheit ausgerichtet ist, selbst wo er scheinbar nur "zwischenmenschlich" wie im Schmuck ist, der nichts anderes ist als das Eintauchen des Geschmückten in die Sphäre des Ewigen, des an sich Schönen, Wahren, Guten) anderseits.
Die "erneuerbare Energie" ist in ihrem Wesen als ökonomische wie ökologische Maßnahme nicht nur nutzlos, sie ist sinnlos. Könnte also nur Wert aus Kult beziehen.
Damit wird definitiv klar, womit wir es zu tun haben. So, wie die Weltrettung aller dieser Arten, ist auch die "erneuerbare Energie" in sich sinnlos. Denn nutzlos ist nur ein Aspekt, der aber wie im Kult, zu dem die Kunst gehört, nicht sinnlos sein muß.
Also kann sie nur durch religiöse Überhöhung "sinnvoll" werden. Weil dies aber kein Sinn aus und auf Gott zu ist, also nicht logos, sondern Willkür und Positivismus, wird der Kult der Weltrettung, ermächtigt durch globale Umfassendheit und technische Machbarkeit, die menschlichen Kulturen wie ein Tornado bis auf den nackten Boden auslöschen.
![]() |
| Alle Rechte bei DI Eberhard Wagner |
Dienstag, 10. März 2020
Interessant, aber nicht bewiesen
Unterstützen Sie dieses Blog!
Sonntag, 2. Februar 2020
Warum fühlen sich aber die Schweden unter Schock? (2)
Wie es zur Gründungszeit des Islam auch war, übrigens. Sie wird in einem Staat enden, das kann man mit Sicherheit schon jetzt sagen. Schon gar, weil diesem Staat gar niemand vertraut.** Und weil Schweden selbst sich nie durch Segregation abgegrenzt hat, heißt das: Ein neues Schweden, das nur den Besitzer wechselt.
In dem die skrupelloseren - und das sind die der perspektivlosen Zuwanderer, ob als Clans, ob als Gangs - die Oberhand gewinnen. Denn das schwedische (wie auch das unsrige) Polizeisystem war nie auf eine Verdunstung selbstverständlicher, nur durch (zuerst und nur dann relevant: religiös zu gründende) soziale Einheit mögliche Solidarität und Einheit eines Volkes.
**Und das, bitteschön, ist doch keine Eigenschaft, die nur die Migranten haben! Das ist bereits allgemeines Daseinsgefühl, wie erst jüngst eine Allensbach-Studie ergab. Diesmal waren aber nicht die Schweden, diesmal waren WIR geschockt ... Wir? Naja, sagen wir so.
***Der Leser möge dieses ordinäre Wort, diesen Ausflug in die Gossensprache verzeihen. Aber er entspricht leider der Wirklichkeit: Die ist ordinär, und keineswegs so nobel, weil die Ideen, die hinter dem heutigen Meinen und Welt-auffassen stehen, einfach ordinär sind.
Samstag, 1. Februar 2020
Warum fühlen sich aber die Schweden unter Schock? (1)
Kein Land der Welt hat den Kultikulturalismus so konzentriert implementiert, schreibt die NZZ. Kein Land war so "tolerant", in keinem (europäischen) Land die "Freiheit" durch sexuelle Befreiung, der erste und entscheidende Faktor der Verdunstung aller Formen natürlicher sozialer Struktur und Verbindlichkeit*, beginnend bei der Familie. Daraus folgt die Auflösung aller traditionellen Bindungsformen zugunsten neuer, täglich neu zu schaffenden Kuschelecken des Wohlgefühls. Kein Land der Welt hat für diesen ausgemachten Schwachsinn, der wie alle heutigen Schwachsinnigkeiten unter dem Glitzermantel der ultimativen Autorität der "Wissenschaft" daherkommt, so viel Geld dafür ausgegeben.
Unterstützen Sie dieses Blog!
Mittwoch, 19. Juni 2019
Aber wen interessiert das?
Die Freigabe der Abtreibung aber hat auch die Müttersterblichkeit um rein gar nichts gesenkt. Der einzige Unterschied ist ganz anderer Art: Ob es medizinisch und durch sachgerechte Information der Mütter eine gute Versorgung gibt, um damit Komplikationen bei Schwangerschaften zu begegnen. Nur so sinkt die Müttersterblichkeit. Die Freigabe und Organisierung der Abtreibung (bei der die Todesrate für einen der beteiligten Menschen 100 Prozent beträgt) hat damit nichts zu tun.
Und die Höllenöfen anheizen.
Unterstützen Sie dieses Blog!
Samstag, 16. März 2019
Zu jüngst besprochenen Pollmer'schen Anlässen
Sonntag, 26. August 2018
Voodoo im Vatikan
Zusatz: Der VdZ hat sich vor Jahren mit den Prinzipien befaßt, die in der Todesstrafe impliziert, die überhaupt mit "Strafe" verbunden sind. Und damals zu zeigen versucht, daß sie keineswegs ein Problem reiner Praxis ist, sondern geistig tiefe Wurzeln im Insgesamt katholischer Betrachtung besitzt. Es geht hier ums Gesamtverständnis von Sühne zum einen, um eine Ablehnung des Nominalismus aber zum anderen.
Denn der Mensch ist nur verständlich, wenn man ihn eingebettet in eine soziale Umgebung, ja generell als "Teil innerhalb eines Ganzen" sieht. Gegen das er mit einer falschen, bösen Tag verstößt, aus dem er sich desintegriert. Erst so wird das Wesen der Strafe begreifbar. Kurz: Die Strafe (und damit die Todesstrafe) IST Teil der Re-Integration eines Täters. Sie schließt nicht, wie völlig verdreht argumentiert wird, von der Rehabilitation aus. Sie IST deshalb, und zwar genau als Strafe, auch als Todesstrafe, Teil der Zuerkenntnis von Würde, weil sie die Schwere, die geistige Wirklichkeit einer Tat respektiert, und nimmt sie nicht. Das zu behaupten ist zeitgeistverschwurbelter Unsinn.
Leider hat sich die Kirche aus Vorsicht zu lange auch auf den Begriff "Notwehr einer Gesellschaft" beschränkt. Und neben dem reduziert-umgedeuteten Wort von der "Re-Integration" den Aspekt der Tatwiederholung zu sehr betont. Vermutlich, um dem Zeitgeist nicht zu sehr zu widersprechen. Das trifft aber das Problem nicht, und es macht auch das Wesen von Strafe nicht klar. (Wie unklar das ist, zeigt auch die "Pastoral", die diesen Aspekt seit langem fast vollständig ausklammert, ja verheimlicht, als würde man sich dafür zu schämen haben.) Die Todesstrafe hängt alleine von der Tat (z. B. Mord - Strafe und Tat müssen in einem oft recht direkten Verhältnis stehen, WEIL die Strafe eben es ist, die re-integriert) ab, und sie ist auch dann gerecht, wenn diese Tat einmalig war.
Strafe - auch Todesstrafe - ist somit kein peripheres Problem, das sich mit der Zeit ändern könnte. (Das wäre höchstens z.B. die Technik der Hinrichtung. Oder wenn sie zum Unrecht mißbraucht wird.) Das hat die Kirche deshalb nie anders gesehen. Wer deshalb diesen Ziegel aus dem Gesamtgebäude zieht, bringt - wie immer im Katholischen - das ganze Gebäude zum Einsturz. Sentimentalität hat hier nichts verloren. Der Leser möge Überlegungen dazu in den beiden Teilen - EINS - ZWEI aus 2016 nachlesen.
Sonntag, 14. August 2016
Aber die EU HAT DOCH Todesstrafe!
Denn warum die EU-Häupter ein so fadenscheiniges Argument gegen die Türkei ins Treffen führt, daß die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei nicht mit den EU-Werten etc. vereinbar wäre, muß absolut schleierhaft bleiben. Am wahrscheinlichsten aber ist: Sie wissen gar nicht, was sie da unterschrieben haben. Denn daß die EU-Staatsoberhäupter und so gut wie alle Politiker Europas (die Bürger sowieso) tatsächlich nicht wissen, was überhaupt da so an Verträgen rechtsverbindlich und gültig ist, hat sich ja 2015 in reichstem Maße bestätigt.
Im Lissabon-Vertrag, den sämtliche EU-Staaten ratifiziert haben, steht explizit:
Freitag, 12. August 2016
Bresche ins Verwirrungsdickicht (2)
Und Täter FORDERN Strafe, ja sie fordern ANGEMESSENE Strafe! Sie WOLLEN Sühne. Wer keine Sühne will, will ja auch gar keine Re-Integration! So ein Mensch KANN deshalb gar nicht "resozialisiert" werden. (Die katastrophalen Irrtümer, die dem heutigen "Resozialisierungswahn" zugrunde liegen sind ja kaum zu zählen.) Das ist eine uralte Weisheit der Menschenkenntnis. Und jeder Mensch mit Verantwortung - wie Eltern - wird das aus der Kindererziehung bestätigen. Einem Kind (bzw. einem Menschen) angemessene Strafe vorzuenthalten ist sogar ein hinterhältiger Akt der Unbarmherzigkeit. Und Strafe braucht auch jene Öffentlichkeit, die sie durch die Tat betrifft! Deshalb waren ja bis in die Neuzeit Bestrafungsakte ÖFFENTLICH. So hat das Volk nämlich auch gelernt, Sühne des Täters in Vergebung zu wandeln. Wer einmal am Pranger stand, war am nächsten Tag wieder mehr oder weniger normales Mitglied der Gesellschaft. Und bei dem Bäcker, der heute "geschupft" wurde (also etwa bis an die Grenze des Ertrinkens in den Fluß getaucht), kaufte man morgen ohne Bedenken wieder die Semmeln, mit denen er betrogen hatte.
Erst so begreift auch ein Kind (in seinem Hineinreifen in den Selbstbesitz im Willen) allmählich, wo der Unterschied zwischen einem Mißgeschick und einer bösen Tat liegt, ehe das zu einer Haltung wird. Das zu unterscheiden ist manchmal nicht leicht, aber Eltern müssen das tun. Und man muß ihnen über Strafe und Umkehr (Reue, Wille zur Gutmachung, Wille zur Reintegration, zur Wiedereinsetzung in den alten Stand) Wege dazu zeigen. Zeigen, daß es die Strafe ist, die das Tor zum "alles ist wieder gut" bedeutet. Das müssen gerade Kinder real erfahren.
Gibt man Tätern (bei Kindern ist das besonders eingehend zu beobachten) diese Sühne nicht oder nicht in ausreichendem Maß, gehen sie immer weiter UM eine gerechte Reaktion zu erzwingen. "Straflosigkeit bringt Keckheit. Keckheit aber Ausschweifung."
Ebenfalls bedeutend ist das Tragen der Sühne (die eine Strafe ist) für die Opfer bzw. derjenigen, die an einer bösen Tat zu leiden hatten. Denn nur wenn der Täter auch sühnen - also: wieder zurück - WILL, kann ihm jene Vergebung gewährt werden, in der er wieder Teil der Gemeinschaft wird. Man kann sich nicht selbst entschulden (das Wort von "Ich entschuldige mich!" ist deshalb höchst problematisch, weil nominell falsch und kein Akt der Vergebung), sondern er muß von jenen "entschuldet" werden, deren Gemeinschaft er mit seiner Tat verlassen hat. Bereitschaft, eine Strafe anzunehmen ist deshalb der grundlegende Akt für Umkehr. Und diese endet eben nicht mit dem physischen Leben, im Gegenteil.
Auch ist etwa eine lebenslängliche Gefängnisaufbewahrung keineswegs in allen Fällen eine Alternative. Zum einen ist diese Strafe alles andere als "hochbarmherzig", denn dem Pönitenten wird jede Lebensentfaltung entzogen, die Gefängnisstrafe kann also durchaus das Maß gerechter Strafe überschreiten. Das muß individuell betrachtet werden und hängt vom Täter ab, ob er beim Fortleben im Gefängnis zu einer Umkehr gelangen kann - oder nicht. Und wer den Alltag in vielen Gefängnissen kennt muß wissen, daß das oft sehr fraglich ist. Es gibt ja den Spruch: Wer eine Straftat begangen hat aber noch kein Verbrecher war, wird das Gefängnis als Verbrecher verlassen.
Man kann gleichermaßen einer Gesellschaft nicht immer zumuten, über Generationen Maßnahmen (wie Gefängnisunterhaltung) mit Hochsicherheitsvorkehrungen zu betreiben, die enormen Aufwand brauchen, ohne daß deren Ausgang absehbar ist. (In diesem Sinn argumentiert Robert Spaemann einmal über die Endlagerung von Atomkraftwerks-Rückständen: Es ist sehr oft nicht zulässig, folgende Generationen mit Maßnahmen zu binden, die sie schwer belasten werden.) Eine verantwortliche menschliche Entscheidung muß sich immer im Gleichklang mit einer überschaubaren, halbwegs berechenbaren Zukunft befinden. Darüber hinaus gehende Entscheidungen zu treffen ist NICHT ETHISCH ZULÄSSIG weil es sich nicht in der Verantwortung der Entscheider befindet.
Aber aus dem Gesagten ergibt sich auch, daß Schwerverbrecher, denen die Todesstrafe VORENTHALTEN wird, aus KATHOLISCHER ANTHROPOLOGIE (und Weisheit der Pädagogik) HERAUS dazu drängen werden, nächste und gar noch schwerere Straftaten zu vollbringen. Denkt man in den Kreisen derjenigen, die die absolute Bannung der Todesstrafe fordern (und sie gar noch als unchristlich darstellen) denn nicht mehr nach?
Daß die Todesstrafe von "bösen" Regimes mißbraucht werden kann, ist ein ganz anderes Problem. Denn mißbrauchen läßt sich so gut wie alles, das bringt die Freiheit mit sich. Aber die Kirche hat das Ertragen von Ungerechtigkeit ebenfalls nie als ULTIMATIVE Katastrophe angesehen, sondern immer dazu aufgerufen, sie als Martyrium für die Menschheit selbst fruchtbar zu machen. Und so nebenbei: Erwachsenheit heißt immer und in erster Linie auch damit leben zu lernen, daß die Welt der Menschen fast pausenlos ungerecht ist. So wenig das natürlich anzustreben ist.
"Es gibt zwei Menschen auf der Erde, die jedes Wort sorgfältig abwägen müssen, das sie sagen. Einmal ist es der Präsident der USA, denn was er sagt kann schwere Konsequenzen in Krieg und Frieden haben. Und dann ist es der Papst."
Donnerstag, 11. August 2016
Bresche ins Verwirrungsdickicht (1)
Jede Sünde, jede Straftat hat ja mehrere Ebenen der Leidtragenden, und fordert aber auf jeder dieser Stufe Sühne zur Reintegration, zur Wiederherstellung. Da sind einmal die direkten Opfer, dann etwa Hinterbliebene, dann ist da die Gesellschaft, und dann ist auch jede böse Tat ein VERGEHEN GEGEN DAS SEIN SELBST, also GEGEN GOTT, den reinen Geist. Ohne Sühne gibt es keine Versöhnung mit Gott! Darin liegt ja das ganze Geheimnis unserer Erlösung. (Wobei der VdZ ohnehin in den letzten Jahren den Eindruck gewinnt, daß sich gerade in sogenannten katholischen Kreisen eine absurde Erlösungstheologie breitmacht, die gar kein Kreuz mehr "braucht", es bestenfalls als reduziertes Singulärereignis einzelner "Schicksalsschläge" und ähnliches - nicht aber als Grundhaltung - sehen kann. Und das ist tatsächlich unkatholisch.)

