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Montag, 3. Januar 2022

Warum Bonelli dramatisch falsch liegt (2)

Klugheit ist nicht Rationalismus, sondern durchherzte Entscheidung. Jedes Urteil ist Frucht einer Hingeneigtheit zur Wahrheit. Unlogik gründet also in einer Haltung der mangelnden Ehe mit der personalen Wahrheit. Die Wahrheit über Corona war deshalb von Anfang an bereits VORrational ENTSCHIEDEN. Die Haltung dazu ist NICHT RELATIV. - Aber inmitten seiner Schwurbelei verweist Grün in seinem Vortrag, in dem er sich mit "Entscheidung" befaßt, auf etwas sehr Richtiges. (Und NUR in diesem Punkt sollte man ihm auch hier zuhören, NUR in diesem Punkt, ich betone es.) Genau daraus aber (anders als durch den Zugriff aufs Irrationale - das sich in mancher Hinsicht zufällig mit dem Vorrationalen deckt; das Vorrationale ist aber immer noch logisch, nur nicht apriori so erkennbar - könnte er das Thema eh nicht mehr bewältigen) erwächst eine richtige Sichtweise (die für Grün Flucht ist, aber genug davon). Der Mensch ist in eine Entscheidung gestellt." Genau. Richtig. Die erste Entscheidung des Menschen ist eine ontologische Tatsache, keine "psychologische Hilfskategorie", damit man sich im Leben leichter tut.

Sonntag, 2. Januar 2022

Warum Bonelli dramatisch falsch liegt (1)

Wenn man von einem falschen Menschenbild (Freud) ausgeht, kann man zu keinem rechten Situationsurteil kommen.

QR Vortrag Bonelli
Das läßt sich kurz zusammengefaßt über das sagen, was Bonellei in einem auf Video abrufbaren Vortrag als "leges artes" der Psychiatrie vorstellt. In dem er erklärt, "wie der Mensch tickt." Ein hoher Anspruch! Dem aber Bonellig aus mehreren Gründen nicht nachkommt weil das nicht kann. Denn diese Frage würde eine philosophische Auseinandersetzung verlangen, die Bonelli nie geleistet hat. 

(Und, das wagen wir hier zu sagen, aus persönlichen Gründen auch nicht leisten kann, sonst wäre er kein Psychiater nach heutigem Zuschnitt geworden. Was eine so allgemeine Zustandsbeschreibung ist, daß man ohne viel Bedenken sagen kann, daß KEIN Absolvent der heutigen Psychologie in Europa zum Menschen überhaupt etwas Relevantes zu sagen hat. Alles, was dabei herauskommt sind Pseudolösungen, Pseudoerklärungen, die aber nie etwas erklären, sondern einen ganzen Rattenschwanz an Folgen hier, an ungeklärten Voraussetzungen dort mit sich führen, sodaß sie im Grunde in Sophistereien und Schlagworten - "Zwangsritual", "Narzißmus", "Paranoia", etc. etc. - ersaufen.) 

Wobei nicht einmal das zu konnotieren ist, weil Bonelli sowieso im Relativismus erstickt,

Freitag, 26. November 2021

Beharren auf dem Geheimnis unserer selbst

Daß das ein Grundsatzfehler ist, ist allgemein gar niemandem mehr bewußt. Aber dahinter steht nicht nur ein materialistisch-technizistisches Menschenbild, dahinter steht nicht nur eine Auflösung von Geist in "Sprechratio" (Verstand nennt man es meist, aber der Begriff ist m. E. nicht angebracht, schon gar nicht, wenn man es "Vernunft" nennt), viel eher ist es "eine Art Sprachgebrauch"), sondern vor allem ein gravierender Mangel an Nächstenliebe, die die Liebe zur Ganzheit einer Person ist, oder sie ist nicht.

Die davon ausgeht, daß jeder Mensch aus seinem direkten Gegenüber - Gott, das Sein, das personale Sein, das Sein das Person bzw. die Beziehungsdynamik von drei Personen mit unterschiedlicher Charakteristik ist - ein Geheimnis ist, und daß deshalb dieses Geheimnis auch eine Ansprache von Gott selbst (in Jesus Christus, den Gott-Menschen, der sich IM MENSCHSEIN als Ähnlichkeit widerspiegelt, was bis zur personalen Dynamik geht) an mich und an die Welt ist. Weshalb jeder dem Gegenüber mit Respekt und Wohlwollen begegnen sollte (wobei es eigentlich ein Müssen wäre, aber es verlangt unbedingt Freiheit), um ihn in Apperzeption aufzunehmen. ("Wer einen von diesen Kleinen in meinem Namen aufnimmt ...") Um ihn dann (nach-leidend, passum, im Erleiden) zu erkennen, das heißt sein Sein zu erfahren (und sich dazu dann zu stellen).

Deshalb reicht es bei weitem nicht, Menschenrechte zu fixieren, die sich aufs nackte Überleben beziehen, sondern es braucht den unbedingten Respekt vor der Ganzheit des Anderen als Begegnenden. Und als Kulturgut schon gar nicht. Denn hier braucht es diese Verankerung des "ertragenden Seinlassens" (soweit es nicht meine sachlichen Verantwortungsbereiche anbelangt, die aber eben einen Sachbezug, ein gemeinsam zu Tuendes brauchen) in dem ich dem anderen sein Geheimnis belasse. 

Ex factis, non ex dictis amici pensandi - Achte auf das, was jemand tut, nicht auf seine Worte. Danach suche dann Deine Freunde, aus Ihrer Gestalt! 
Wer trägt sich schon auf der Zunge? (Antonio della Caraffa, "Sentencas")

Dienstag, 21. September 2021

Die Maske verdeckt nur Zweitrangiges

Was ich mit "Küchenpsychologie" meine ist dem Leser klar? Ich habe diesen Begriff im Zusammenhang mit nicht immer sehr nachsichtigen Kommentaren zu so manchen "Institutsleitern" und hochgelahrten Seelendeutern verwendet. Weil jene sich in allen möglichen "Kritischen Medien" in die Debatte mit dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit einmischen. Wo sie unter anderem den Kampf gegen die verpflichtend vorgeschriebenen Gesichtsmasken unter Hinweis auf schwerste psychische Schäden aufzunehmen vorgaben. 

Die damit verbunden seien, daß doch der arme Mensch, ja noch mehr das arme Kindelein das Lachen des Menschleins gegenüber, der tiefen Bedeutung des oft kleinsten Mundverziehens, ja der Teilhaftigwerdung an dem gesamten Mienenspiel der hehren Menschengemeinde entbehren müsse. Solcherart würde es einer emotionsarmen Umwelt gegenübergestellt, die sein Seelenleben bei minus 90 Grad einfrieren lasse, Langzeitschäden garantiert.

Zwar bin ich auch gegen Gesichtsmasken, aber aus anderen Gründen. Allen voran der kleinbürgerlich-bösartige Zwang gegenüber dem Nächsten, der umso mehr seine fröhlichen Urstände feiert als - wie sich seit eineinhalb Jahren, seit Beginn dieses ganzen Zirkus, den als "Pandemie" zu bezeichnen sich immer noch so viele "Führungspersönlichkeiten und Meinungsführer" entblöden, pausenlos gezeigt hat - eine halbwegs vernünftige Regelung gar nicht möglich ist. 

Samstag, 3. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (4)

Was aber, wenn es ganz anders ist? Oder: Von der Heimtücke der Schuld. - Bislang hat sich das alles wie von selbst geschrieben. Erklärung folgte auf Erklärung, und die Logik der Sprache zog acht Seiten Manuskript aus dem tiefen Bauch der Verarbeitungsmaschinerien. Aber ist es wirklich so? Sind Veganismiker und Vegetarier tatsächlich Vertreter der Wiedereinführung des Matriarchats? Oder sollten wir es nicht zumindest einmal versuchen, die Sache viel stärker von der Schuld her aufzuziehen. Denn das Matriarchat zu wählen ist ja identisch mit der Vermeidung von Schuld. 

Jetzt hat aber Schuld etwas Heimtückisches. Weil sie ein Widerspruch zum ontischen Gefüge dessen ist, was einerseits der Welt zugrunde liegt (also über die Idee durch die wollende Liebe Gottes "zum Weltwerden schiebt"), und anderseits den, der gegen diese Ordnung verstößt (weil allem Weltsein eine ideenhafte Ordnung zugrunde liegt, die jener Ort ist, an dem alleine sie bestehen kann), eine reale Spannung in sich verspürt. Die Abführung verlangt. Sei es, daß man sie in Alkohol und Drogen versenkt, sei es, daß man sie in Ersatzhandlungen abführt, WENN die Handlung, die diese Spannung auf natürliche Weise abführen würde, so tabuisiert und abgelehnt wird, daß sie nicht in Frage kommt.

Freitag, 2. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (3)

Zurück von der Pinkelpause, erschrickt der Vergewaltiger der Mutter vor sich selbst. Es wird ernst.Gott und Erde stehen also in einem Widerstreit, in dem Gott - natürlich ist er immer der Sieger! - die "Mutter Erde" zu vergewaltigen aufruft, als er den Ruf ausstößt: Macht Euch die Erde untertan! Was er nach dem Sündenfall im Fluch des Verstoßes aus dem Paradies noch einmal nachschärft. Als er der Frau das Schicksal zuspricht, daß sie vom Manne nicht nur beherrscht wird, sondern diese Herrschaft durch ein viel tiefer gehenderes Begehren herbeisehnen wird. 

Damit haben wir genug Material gesammelt, um die Aussage begreiflich zu machen, ja sie sogar zu unterstützen. Daß im Veganismus/Vegetarianismus** das Matriarchale als jener Lebensuntergrund wieder aufersteht, der ohne schöpferischen Eingriff auszukommen meint. Und dem Erlebnis des gottähnlichen Menschseins im Willen, der aus dem Vorhandenen "Neues" macht, der die Vorgänge der Natur düpiert und "ausnützt", eine Absage erteilt. Sodaß auch uns immer deutlicher wird, warum die bewußte Wahl von Pflanzen als Lebensmittel einen ganzen Kosmos an Weltanschauungen und Lebenshaltungen enthält.

Montag, 11. Mai 2020

Psychische Folgen enormen Ausmaßes

Die in Buenos Aires beheimatete Assoziation katholischer südamerikanischer Psychoanalytiker (ACATPA.org) wies jüngst in einer Aussendung darauf hin, daß als Folge der weltweiten Beschränkungsmaßnahmen für soziales Leben in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mittel- und langfristig mit einem dramatischen Ansteigen endogener Depressionen zu rechnen ist. Diese werden in den nächsten Monaten und Jahren mit einer Wucht ausbrechen, die kaum überschätzbar ist und die Regierungen in ihren Auswirkungen völlig überraschen wird. 

Dabei werden diese Depressionen nicht einmal durch Beschränkungen des Lebens des Einzelnen herbeigeführt, sondern rühren aus der Tatsache, daß dem Einzelnen "die Welt abhanden kommt". Das heißt: Genommen wird. Die volle Darstellung des Lebens im sozialen Umfeld ist aber kein verzichtbares Accessoire, sondern steht in direkter Entsprechung zur Persönlichkeit des einzelnen. Sie ist wesentlicher Halt im Leben jedes Einzelnen in der Teilhabe an einem adäquaten (!) Leben, und damit zur Entfaltung des individuellen Lebens existenznotwendig. 

Auch wenn derzeit die Menschen keine buchstäblichen Zäune und Mauern umgeben, so ist der gesellschaftliche Shutdown einer Inhaftierung in den psychologischen Auswirkungen gleichzusetzen, ja dieser überzuordnen. Denn diesmal sind die Gefängniswärter und die Gerichtssprechung, die zur Haft verurteilte, sogar internalisiert.

Fehlt die Anregung eines historisch dem Einzelnen selbst zugewachsenen Lebensumfeldes, bleiben die inneren Kräfte des Menschen unbeantwortet und werden sogar wieder amorph, das heißt verlieren ihre konkrete Gestalt. Damit indistinkt gemacht, wenden sie sich gegen deren Träger selbst. Zumal die Argumentation einer "absoluten Lebensgefahr" jede Orientierung dieser Kräfte nach außen genommen ist. Denn jedes Gegenargumentieren (Denken als Handlungsleitlinie in eine Zeit hinein) ist angesichts eines in gewisser Hinsicht übersteigerten Lebenswertes aussichtslos. 

Mit psychologischen Aporien, also unlösbaren Widersprüchen, die das Krankheitsbild von Schizophrenie/Schizoidität erfüllen. Die Umwelt wird somit nicht nur als absenter Gegenstand der Sehnsucht, sondern als in höchstem Maß gewaltsam wahrgenommen.
Somit ist mit einem extremen Ansteigen von Psychopathologien dieser Kategorie zu rechnen. Am häufigsten wahrscheinlich in der Form von Selbstverletzungen als unlenkbarer, irrationaler Äußerungsdrang. Sei es direkt durch handgreifliche Wundenerzeugung, sei es indirekt durch ungerechtfertigt defensives, ja selbstrestringierendes Verhalten. 
In jedem Fall fehlen unseren Gesellschaften jene Kräfte, die gerade nach so einer Wirtschaftskrise, die folgen wird beziehungsweise unausbleiblich ist, gegenhalten oder einem Wiederaufbau zugewendet werden könnten.



*190420*

Montag, 22. April 2019

Der Mann bittet nicht um Anerkennung seiner Stellung

Es gibt ein echtes Problem mit Jordan Peterson. Das vermutlich einem guten Teil seiner Anhänger nicht klar ist. Denn sonst würde Folgendes passieren: Die Zuhörer würden nach einem oder mehreren seiner Vorträge ausbleiben. Warum? Sie würden das, was sie hier im Kopf geklärt erfahren, konkret umsetzen. Würden ihr Leben leben, und nicht weiter vom Trunk der Selbsterkenntnis trinken, den Peterson bis in Tiefen weiterreicht, wo man sich fragen muß, ob der normale Mensch wirklich dorthin gehen muß. Und zwar auf diese Weise.

Lassen wir alle weltanschaulichen Probleme einmal beiseite, die bei Peterson wirkliche Vorbehalte notwendig machen. Lassen wir das beiseite. Was bei dieser Art von medialer Tätigkeit das größte Problem ist, ist, daß das Tun dessen, was Peterson als "richtig" darstellt (und wovon theoretisch ganz viel stimmt) eine völlig andere Lebenskategorie ist als das Reden darüber. Und es braucht auch andere Kategorien als dort zu sitzen, und in solche Sprachwelten einzutauchen.  

Die Kategorie, mit der Männer heute ihre Schwierigkeiten haben - und beileibe nicht nur sie, Frauen nicht weniger, aber auf andere Weise: in der Reaktion, in der Begegnung nämlich - ist die der Gestalt. Denn das, was eine Gestalt aussagt und tut ist nicht zuerst eine verbale Aktion, mit der mögliche Widerstände ausgeräumt werden können. Männliches Handeln (und Handeln ist per se männlich) ist eine Frage der Diskretion. Es ist die Frage der Treue zu sich, angesichts dessen, was mit "Verantwortung", wie Peterson es als "Sinn des Lebens" darstellt, nur indirekt zu tun hat. Es ist die Treue zu einer Sache. Und die Fokussierung auf eine Sache. 

Im darüber Reden wird aber die Kontur der Gestalt, und Handeln, Sachen erledigen ist eine Angelegenheit der reinen Gestaltenkonturen, aufgelöst. Sie verläßt die Ebene der Haltungen, und wird zur Angelegenheit der besseren Rhetorik. Das mag für einen Universitätsprofessor noch gewisse Vordergründigkeit und Wichtigkeit haben. Aber im Leben draußen schaut das ganz anders aus. Nachgerade zum Gegenteil ist männliches Handeln (als Gestalt) oft genau davon bestimmt, es nicht "zu rechtfertigen", also das Eingeständnis dessen, an dem gehandelt wird, oder den es betrifft, durch bessere Argumentation zu erwirken, sondern es einfach zu tun. 

Und DAS ist das Problem des Mannes heute. Hier kommt es auf wirklichen Mut, auf Mut zum Tode an. 

Der VdZ hat den dringenden Verdacht, daß die Tatsache, daß 90 Prozent der Konsumenten von Petersons Videos und Vorträgen deshalb (junge) Männer sind, weil sie sich diese zwar intellektuelle, rationale Gewißheit dafür bestätigen wollen, daß sie Männer sein dürfen (denn auch daran mangelt es ja heute extrem), daß sie also zu Recht fühlen dürfen, was sie fühlen (darauf läuft es im Grunde hinaus), aber damit alles im Vorfeld des eigentlichen Mannseins bleibt. Ja fast ein weiblicher Zug ist, an die Welt heranzugehen. 

Welt wird nicht gestaltet (versuchen wir es andersrum), in dem die Dinge sich über verbale Kommunikation (und Übereinstimmung) so ineinander verhängen, daß sich daraus dann eine Tat, ein Werk ergibt. Welt wird gestaltet, indem die Dinge die Spannung zueinander aushalten, also die Integrität des anderen ALS Gestalt nicht antasten. Sondern nur von den Konturen ausgehen, und diese als sie selbst seiend belassen. 

Es ist nicht männlich, ständig den Konsens mit dem anderen zu suchen, auch dann nicht, wenn man ständig die Überlegenheit des Arguments pflegt. Und das (und nur das) zeigt sich im häufigen Besuch solcher Vorträge wie denen von Peterson. Es ist männlich ohne Rückfrage an diesen intellektuellen Bauschbogen zu tun, was man gerade meint, tun zu sollen. 

In Petersons Vorträgen und der Atmosphäre, die sie vorstellen, ist es wie in Mutters Bauchhöhle gut reden. Aber sie führen nicht ans Eigentliche heran - und das ist das männliche Handeln. Sie reden nur darüber. Und sie bauen damit zugleich aber nicht die Kraft auf, aus der dann Handeln folgen würde. Die würde nur entstehen, wenn man mutig in die Welt springt und handelt. Auch auf die Gefahr hin, daß es falsch ist. Aber dazu muß man vor allem das Gesprächsgeräusch im Kopf wegschieben. 

Mannsein ist eine immanente, indirekte Sache. Sie ist nicht explizit. Sie ist diskret. Und sie ist unabhängig davon, ob die Umwelt sie akzeptiert oder nicht. Die Gedankenwelt Petersons wirkt über weite Strecken wie ein Versuch, die Welt zu "überzeugen", daß er Mann sein dürfte. Wenn er es denn wäre. Es ist über weite Strecken einem Verhalten vergleichbar, die Schwerter, die man fürchtet, sobald man aufsteht und eine Richtung einschlägt, zum Verschwinden zu bringen.

Oder, um es noch anders zu sagen: Mannsein heißt nicht darum zu werben, daß man recht hat. Mannsein heißt an sich zu handeln, als hätte man (immer) recht. Und dieses Recht ist nicht über Diskussion und Intellektualität einzufordern, damit es einem dann gewährt werde. Es ist ein Recht, das zu nehmen für den Mann Pflicht ist.

Hierarchie und damit einer Stellung in ihr ist keine Hierarchie, wenn man zuerst um Erlaubnis bitten muß, ob man so tun dürfe, als gäbe es sie. Sie ist Hierarchie REAL erst in dem Augenblick, als sie angewandt wird. Ja, gewiß, dann bricht der Sturm der Gegenwart los, gewiß. Aber es geht eben darum, die Angst vor diesem Sturm zu überwinden, und TROTZDEM so zu handeln, wie es der realen Stellung in der Hierarchie entspricht. Und genau nicht zu fragen, ob der andere das auch billigt oder verstanden hat.*

Denn schöpferisches Leben ist ein Leben in der Haltung des Gehorsams. In jede Richtung. Gehorsam, als Tor zum Schöpferischen, als das was die Dinge aus sich heraus- in die Welt hineintreibt, damit zur Welt macht, die eine Welt der Gestalten (nicht der Plaudereien) ist, kommt aber nicht dort in die Welt, wo der andere sich überlegen soll, ob er nun gehorsam ist. 

Dieses entscheidende Element kommt in Petersons Sichtweisen gar nicht vor. Dieses Element wird sogar - unmännlich! - zum posthoc sich findenden Ausfluß von "Kompetenz", von Leistung umdefiniert. Aber genau das ist es nicht, und genau das ist auch nicht das, was das Leben gelingen läßt. Das ist Materialismus. Leistung trägt zum Leben bei, gewiß, aber sie ist nicht der Ausgangspunkt. Agere sequitur esse - das Handeln folgt dem Sein. Das Sein ist also die Frage. Und das Sein ist eine Frage des Ausgespanntseins auf einen Ort, der einem vorausgeht. Nicht folgt, weil man "fähig", "kompetent" etc. ist. 

Dort erst wird die Bedingung erfüllt, der Boden bereitet, auf dem Leistung und Kompetenz wachsen und aufstehen können. Aber selbst wenn man inkompetent ist - die wesentliche Haltung ist auf den Ort bezogen, an dem man steht. Nicht auf die Leistung. Dort liegt auch der Sinn des Lebens! Und dort liegt das Kreuz, aus dem einzig neues Leben in die Welt strömt.

Deshalb ist auch sein Urteil falsch, wenn es darum geht, das aggressive Verhalten von Männern einzuschätzen, sagen wir: wenn sie Rocker werden, mit Harley Davidsons herumgurken und Stahlketten schwingen. Es ist die berechtigte, ja richtige Reaktion von Männern inmitten einer Gesellschaft, die die konkrete, äußere Ordnung aufgelöst hat und verweigert, sodaß sich das Mannsein nicht mehr bewähren und damit wirklichen kann. Rocker repräsentieren deshalb die Sehnsucht nach einer vorausliegenden, konkreten, sozialen Ordnung, nicht individuelles psychisches Stolpern oder Psychopathologie.


Das macht aber wohl einen Gutteil seines enormen medialen Erfolges aus: Daß die Männer sich vorsagen können, daß sie Männer sind, ohne es sein zu müssen, weil sie den wirklichen Schritt zur Gestalt nicht machen müssen. Und daß Peterson ihnen vormacht, daß das so bleiben kann. Indem er eine Wohlfühlstunde nach der anderen anbietet.






*Diese Unmännlichkeit, weil Figurlosigkeit in der Welt, ist bestenfalls dem Künstler oder Philosophen vorbehalten. Wie Rilke (der VdZ glaubt: in einer seiner Duineser Elegien) schreibt: Der Dichter gehört eigentlich der Welt der Mädchen an ... Wir wollen freilich einschränken: Wenn er jung ist. Wenn sein immer eigenes, originales Archetyp noch nicht Gestalt angenommen hat.




*080219*

Donnerstag, 1. November 2018

Wenn schon ein Tabu brechen, dann dieses (6)

Teil 6)


Mittlerweile aber kann man den Begriff "Juden" nicht einmal mehr in den Mund nehmen, will man nicht eines "Haßverbrechens" beschuldigt werden. Schon gar nicht, will man über sie nachdenken und gar kritisch über sie nachdenken. Niemand würde zwar bestreiten, daß man "die Deutschen" sagen kann. Aber bei Juden darf das nicht geschehen. Den Beweis liefert ja, daß Deutschland (die Deutschen) nach 1945 hohe Reparationszahlungen an Juden und an Israel geleistet hat. Also sehen die Juden sich selbst auch als "die Juden", als Einheit, die sich in einem kollektiven Verhältnis zu einem anderen Kollektiv befinden, "den Deutschen". Und diese haben eine Schuld abzutragen. Auch wenn man ganz gewiß nicht davon sprechen kann, und zwar in beiden Kollektiven, daß "jeder Einzelne" Schuld hat oder Anspruch auf Gutmachung. Noch dazu sind die Juden weltweit sehr gut vernetzt und organisiert.

Medien, die Psychologie, die Pornoindustrie, das Glücksspiel - wer wollte bestreiten, daß ganze Branchen, die sehr direkt und maßgeblich an der moralischen Zersetzung der Kultur beteiligt sind, von Juden dominiert werden. Die heutigen Mißbrauchsvorwürfe, noch dazu selektiv (denn niemand spricht z. B. von ebenfalls gegenwärtig aufgedeckten Mißbrauchsskandalen im amerikanischen Schulwesen, wo man allein von 5000 weiblichen Lehrern spricht, die mit Minderjährigen sexuelle Kontakte hatten) ist schon deshalb besonders pikant, weil es - auch das bestreitet niemand, auch und schon gar nicht die Juden selbst - die "jüdische Operation Hollywood" war, die das gesamte moralische Klima in den USA als maßgebliche Waffe geformt und sexualisiert haben. Da muß es doch gestattet sein sich Gedanken dazu zu machen, daß heute auffällig viele jüdische Anwälte in Prozessen gegen die Kirche engagiert sind, um vor Gericht hohe und höchste Gutmachungszahlungen an Mißbrauchsopfer von der Kirche zu erstreiten. Erst verführt man - dann klagt man an.

Zurück zum Fall um Richter Brett Kavanaugh und dem, was hier so massiv versucht wurde. Was alles sich auf die Aussage eindampfen läßt, daß jemand, der glaubt oder ernst nimmt, was die Katholische Kirche sagt, nicht geeignet sein soll, das Amt eines Höchstrichters auszuüben. Weil die katholische Lehre und ihre Institutionen - immer noch! - als einzige dieser Moralzersetzung entgegensteht, die man durchaus als "jüdische Operation gegen die Mehrheitsgesellschaft" bezeichnen kann. Nicht nur potentiell steht die Kirche dagegen, was man zynischerweise einwerfen könnte. Wenn man ignoriert, wie viel in der Praxis der konkreten Kirche und des Klerus immer noch an Widerspruch gegen die Unmoral besteht. 

Die Medienlandschaft hat sich zum Lynchmob entwickelt. Und sie ist nur ein Instrument neben dem effektiven Werkzeug der Psychologie heutigen Maßstabs. Sie dienen beide einer Gruppe von Menschen, die es geschafft hat, zwar die Kirche anklagen zu können - als Ganzes, als Gruppe, mit einer Kollektividentität und Kollektivverantwortung - sich selbst aber quasi in Luft aufzulösen. Sich, sobald man sie kritisieren will sofort unter dem Nebel des Antisemitismusvorwurfs aufzulösen, und zu sagen: Es gibt uns ja gar nicht, wir sind für nichts verantwortlich. Denn wenn etwas vorfällt (Weinstein), waren es höchstens Einzelne. 

Es muß in einer freien Gesellschaft möglich sein, Verantwortliche zu nennen und zu kritisieren. Und diese Verantwortlichen sind als Gruppe in einer kollektiven Identität und dieser zuschreibbaren Haltungen sehr wohl zu identifizieren. Die sich als erstaunlich stringente Abfolge präsentieren, die man ob dieser Stringenz als Strategie bezeichnen muß. Die sich in der ontologischen Verfaßtheit des Judentums nach Christus angelegt findet.









*071018*

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Wenn schon ein Tabu brechen, dann dieses (5)

Teil 5)

 
Damit wird auch klar, daß diese Haltung und Sichtweise - der Mensch "muß" seine Triebe ausleben, eine andere Motivik und Chance gibt es nicht, will man zu Reife und Glück gelangen - das gesamte Bündel der "sexuellen Befreiung" aufknüpft. Mit Homosexualität und heute gar "Variabilität", mit Gender-Identitätsauflösung in LGBT, und so weiter und so fort. Bis hin zur Pädophilie, bis hin zur Pornographie. Die Folgen für jede Gesellschaftsordnung sind desaströs. Und Juden spielen eine bei weitem dominierende, als maßgebende Rolle dabei. Die ausschlaggebendsten Untersuchungen dazu, die genau das bestätigen, stammen übrigens gleichfalls ... von jüdischen Autoren und Intellektuellen. 

Natürlich gibt all das niemandem das Recht, Juden zu verfolgen, ihnen Leid zuzufügen. Das hat die Kirche mit ihrem "sicut Iudaeus non" eindeutig gesagt. Aber es muß das Recht einer Gesellschaft, einer Mehrheit geben, auflösenden, sie schwächenden Einfluß zurückzuweisen. Denn man kann diese Haltung zur Mehrheitsgesellschaft über die gesamte Geschichte seit Christi Geburt verfolgen. Schon die Römer haben sich mit diesem unerschöpflichen Widerspruchsgeist auseinandergeschlagen, bis sie zur radikalsten Lösung griffen - der Auslöschung einerseits, anderseits der Vertreibung der Juden, als Beginn der Diaspora. 

Über die moralische Aufweichung und deren Folge, der Folge der Unterwerfung unter Triebe ("Spontaneität"), der daraus folgenden Unfreiheit und Haltlosigkeit der jungen Menschen, geht der Weg zu Vereinzelung und Anonymität, zu Konsumismus, Glücksspiel und Spekulation, woraus nur Schulden einen Ausweg bieten. Der sicherste Weg, um die Hand auf jemandes Eigentum zu legen. Und wem gehören die größten Bankhäuser? Wenn man die Verschuldung der Privathaushalte in unseren Ländern ansieht, dann kann man doch kaum noch davon sprechen, daß wir "reich" wären oder "Eigentum" hätten. Das ist weitenteils nur noch Theorie. Bis hin zu Wirtschaftsformen, die eine Verschuldung der Unternehmen unausweichlich machen. Das war in Amerika nicht anders, es war und ist nur die spezifische amerikanische Variante. Aber sie hat eine nachvollziehbare Geschichte. Und das ist eine Geschichte mit den Juden. Im Video rund um Minute 30 führt es Jones in einem Parforceritt eines historischen Kurzüberblicks aus.

Iß die verbotene Frucht, dann wirst Du weise ...

Mittlerweile befinden wir uns in einer zweiten Phase, dem nächsten Schritt in einem Vorgehen, das man mit "seduce and accuse" - "verführe und beschuldige dann" zusammenfassen kann. (Wer ist für dieses Vorgehen bekannt? Eben. Der Teufel.) Erst hat man die Kirche beschuldigt, ihre Priester durch Triebunterdrückung krank zu machen. Diese hat das unglaublicherweise auf- und ernstgenommen, und die Tore zur Sexualität geöffnet. Nun steht sie in der Situation, daß sie genau diese "Befreiung" des Klerus (männlich wie weiblich) zu einer Gesellschaft mit vielen Missetätern gemacht hat und den Geist, den man freiließ, nicht mehr in die Flasche zurückkriegt.


Morgen Teil 6)



*111018*

Dienstag, 30. Oktober 2018

Wenn schon ein Tabu brechen, dann dieses (4)

Teil 4)



Ab Minute 21 geht E. Michael Jones auf die Verwirrungen ein, die Freudianische Psychologie angerichtet hat. Deren Weg von zahllosen jüdischen Proponenten gekennzeichnet ist. Einer davon war Eric Ericson (originaler Name: Salomon), dessen "Stufenlehre" als Merkmal der Persönlichkeitsentwicklung weithin akzeptiert wurde. Wo sich auf "Stufe 6" am Weg zu geistiger Gesundheit auch sexuelle Aktivität gesellt. Es ist einfach eine Behauptung, die sich auf ein evolutionäres Menschenbild stützt, das keinen Geist und keine Freiheit (nur Willkür) kennt. Die natürlich nur im Geist möglich ist. 

Ist die menschliche Psyche (Seele) an den Leib gebunden, weil einfach dessen Auswuchs (epiphänomenal, also nur ein anders erscheinendes, im Grunde aber materielles, mechanistisches Phänomen von Gehirnmasse als Nervenzentrum, samt dessen Synapsen), dann ist das menschliche Denken ebenfalls an einen Verstand gebunden, der rein als Bedürfnisbefriedigung aus dem Überlebenstrieb heraus gesehen wird. Einen tieferen Sinn für Selbstbeherrschung und Selbstbesitz - Freiheit als Freiheit sich zu sich zu verhalten, also nach Vernunft zu entscheiden - gibt es dann nicht. Und Kultur, Familie, Staat, ja Ordnung überhaupt wird zur Zwangsanstalt, die nur den Sinn hat, kein Chaos unter den Menschen in ihrem Kampf um Bedürfnisbefriedigung ausbrechen zu lassen. Jede geordnete soziale Struktur ist dann nur eine pragmatische, an sich aber sinnlose Organisationsform, die die Menschen deshalb wählen, weil sie das Überleben besser sichert als das Alleinsein. Der prinzipielle Antrieb aller menschlichen Aktivitäten aber ist der Trieb, also der "Wille des Fleisches", denn der Mensch "ist ja nicht mehr".

Diese als wissenschaftlich höchst erfolgreich kolportierten Thesen haben sich leider auch in der Kirche und speziell in der Priesterausbildung verbreitet. Gerade dort haben sie den Hauptgegner - im Zölibat (bzw. in der Keuschheit). Das nach dieser Vorstellung der durch Triebentwicklung gesteuerten Stufenentwicklung (mit "Stufe 8" als "Stufe reifer Erwachsenheit") natürlich nicht nur sinnlos wird, sondern den jungen Mann (bzw. den Menschen) sogar auf einer unterentwickelten, unreifen Stufe festhält. Gerade in der derzeitigen Mißbrauchskrise gibt es deshalb nicht wenige die behaupten, daß das Zölibat "Schuld" an der unreifen Sexualität der Priester habe und Mißbrauch geradezu unausweichlich mache. Denn außer Triebunterdrückung gibt es ja kein Mittel, um die sexuelle Betätigung in Zaum zu halten. Aber jede Triebunterdrückung drängt zur Explosion, zumal in einer Autoritätsstellung. 

Nun kann man sagen: Bitte, weil ein Jude diese Thesen (die sich entsprechend publizistisch gefördert rasant ausbreiteten) aufgestellt und verkündet hat, kann man daraus doch nicht schließen, daß "die Juden" letztlich sogar verantwortlich für die Mißbrauchskrise sein sollen? Moment, meint Jones, so einfach ist das nicht. Denn es ist unbestritten, daß die Juden die Psychologie (vor allem in der Psychoanalyse) der letzten hundert Jahre dominieren. Mehr noch: Psychiatrie und Psychoanalyse sind eine Form jüdischen, revolutionären Denkens. Wir haben es hier also von der ganzen Art des Denkens und der Weltsicht mit einer "jüdischen Wissenschaft" zu tun. 

Und hier beginnt die Grundsituation des Judentums zu wirken. Das in der Situation steht, sich gegen das Sein (durch die Ermordung von Jesus Christus) und damit gegen Gott gestellt zu haben und in dieser Haltung verharrt. Damit ist es ein aufzeigbarer (und das haben auch, ja vor allem viele jüdische Schriftsteller und Denker getan) Impuls, eine gewissermaßen ontologische Geneigtheit, faktisch unterstützt durch die historisch bedingte Diaspora, die die Juden überall als Minderheit fand, die sich gegen eine Mehrheitsgesellschaft behaupten mußte. Die noch dazu und immer identisch mit Ordnung ist. Der Feind ist also die bestehende Ordnung, das gibt dem Judentum immer einen revolutionären Charakter. So wurden Juden überall und in jedem Volk als Feinde der Ordnung angesehen, und so wurde ihr Verhalten geprägt. 

Das sich in der Psychoanalyse genau dieser Motivik bedient. Denn die Psychoanalyse Freuds (als erster, der sie "erfand") zielt auf eine Auflösung der Gestalt ab. Und löst die Psyche und deren Bewegungen in neue Grundkonstellationen auf. Eben in Evolution, in einen Kampf aller gegen alle, statt wie die vormalige Psychologie als ontologische Situation des Menschen (mit einer Geist-Seele) vor dem Sein, vor Gott. Wahrheit wird damit relativ und zu einer bloßen "Absicht", zur Triebbefriedigung zu gelangen, die sich in der menschlichen Psyche ihre oft sehr verschlungenen Wege und vor allem Umwege sucht, um - gegen die herrschende Moralordnung als Waffe der Unterdrückung der Mehrheit und Macht - zum Ziel zu gelangen.

Nun ist das zwar in einem Funken wahr, vor allem dort, wo der Mensch mangels Wahrheit und damit Geist unfrei ist, weil dcr Mensch sich selbst sein bester Lügner ist. Aber es läßt die letzthinnigen Seelenkräfte und -bestrebungen nicht mehr begreifen. Stattdessen wird eine neue Weltsicht implementiert, wie der Fisch seinen Köder am Angelhaken schluckt, die den Menschen immer unverständlicher macht, einerseits, und ihm andererseits ein völlig neues Grundschema seines Denkens einpflanzt. Das ihn nicht mehr in die Lage versetzt, Sein und Welt und Ordnung zu begreifen. 

Die solcherart geprägten Sichtweisen sind vielmehr einem Korsett vergleichbar, das dem Menschen angezogen wird, in dem ein durch immer weiter notwendige Sophisterei (also Rhetorik in ihrer schlechtesten weil rein pragmatisch-relativen Variante) gebildete eigene Wirklichkeit "tragend" wird. Und die gesamte Weltsicht nach und nach verdunkelt weil die Wirklichkeit, das Begegnende falsch, in Wahrheit sogar denunziatorisch interpretiert. Denunziatorisch, weil es allem Begegnenden selbst wieder reine Triebbefriedigungsabsicht unterstellt, dem anderen also jede Freiheit und jeden Geist abspricht. Damit muß jede soziale Ordnung, jede Kultur mit der Zeit zerfallen, weil sie nicht mehr in der Lage ist, sich schöpferisch zu gestalten - ohne Wahrheit, ohne Sein, in (solipsistischer) Täuschung zerfällt alles. Wirklichkeitsgerechtes Handeln und Verhalten wird rein zufällig. 

Weshalb die bekanntesten jüdischen Psychoanalytiker - oder solche, die damit umgehen, wie Woody Allen - in Zynismus und andauernde Ironie fallen, weil die Welt definitiv sinnlos wird. Und wenn es einen Grundzug an Amerikanern heute gibt, dann ist es ja auch der: Sie sind in einem Maß selbst-/ironisch bis zynisch, daß es gar nicht mehr möglich ist, mit ihnen ernsthaft zu reden. Denn wird die Ironie/der Zynismus zur Grundhaltung, dann löst sich alles auf, das ist ja das Wesen der Ironie. Und erklärt, warum sie manchmal auch tatsächlich sinnvoll und befreiend ist, also dem Denken "frische Luft zufächelt". Aber eben deshalb, WEIL sie auflösend wirkt. Anders, als der Humor oder gar die Heiterkeit, die das Leben, die Welt als Spiel betrachten, in dem man zwar die Regel strikt befolgen muß, aber sich selbst und seine Absichten nicht so wichtig nimmt.


Morgen Teil 5) 





*101018*

Mittwoch, 9. November 2016

Das Denken einer Minderheit

Die Frankfurter Schule übernahm das Paradigma, alles, was auch nur irgendwie als "anti-jüdisch" eingestuft werden konnte, als pathologisch zu betrachten. Wenn das auch für eine deutsche Schule nach 1945 zumindest irgendwie verstehbar - wenn auch als wissenschaftlicher Ansatz schlicht unhaltbar ist, denn es ist Ideologie - bleibt, so richtete sich die Analyse auf alles, was das Selbstsein überhaupt herstellen konnte. Und das war - die Familie. Und das war deshalb das, was sie überhaupt begründen konnte, und das war die paternale Struktur, der Vater somit. Von dort geht Identität aus, und deshalb war er der Hauptangriffspunkt.

Lassen wir einmal vor, daß diese Betrachtungsweise nur auf der Grundlage der Umdefinition von Seele, also auf einer völlig neuen Anthropologie überhaupt möglich ist. Darin ist alleine schon ein genuin tiefer antichristlicher Affekt zu erkennen. Denn im Christentum und seinem Bezug auf die Natur erkannte man die Stütze dieser paternalen Struktur. Wir belassen es beim Querverweis auf Rousseau, der die menschliche Kultur erstmals als Anti-Natur qualifizierte. Kein anderes Dogma übernahm hierzulande die geistige Führung.

Der Grundimpuls der gesamten Frankfurter Schule wurde sohin immer maßgeblicher: Wissenschaft wurde durch Politik (Moral) ersetzt, und wir stehen heute vor einem ultimativen Schritt dazu: In der Post Normal Science wird Wahrheit auf den Universitäten immer durchgängiger durch neue Wertdogmen, schöpferisches, freies Denken durch Zweckoptimierung auf diese Moraldogmen hin ersetzt. Was Adorno so wirkmächtig in die Welt setzte, war also nicht neu. Neu war nur die mediale Kraft, die er sich zu Nutze machte, und in der er in Deutschland auf eine tief traumatisierte, wehrlose, von zahlreichen Denkverboten bereits gelähmte geistige Landschaft traf. (Seine so wirkmächtige Schrift "Der autoritäre Charakter" wurde übrigens von der Jüdischen Gesellschaft erstmals herausgegeben.

Was schon deshalb niemandem dabei auffiel war, daß die daraus entstandene Pathologisierung der normalen Familie (und darin vor allem des Vaters) und damit der ganzen Gesellschaft (wobei Volk und Gesellschaft noch deutlich als eins zu sehen waren) nur auf eine Gruppe nicht anzuwenden war: nämlich die Juden selbst. Dabei war genau diese starke Familienstruktur der Garant für sie, über all die Jahrhunderte trotz aller historischen Wechselfälle überhaupt als Identität erhalten zu bleiben! Ohne starke Familie wären die Juden als Juden gar nicht bestanden, sondern hätten sich assimiliert, als Volk aufgelöst. Ganz offensichtlich also traf auf sie nicht zu, was die Frankfurter Schule als "pathologischen Effekt" zu erkennen meinte: Daß nämlich eine (nach herkömmlichen Begriffen) intakte Familie, ja daß starkes Gruppenbewußtsein und ethnisch-religiöse Solidarität (als handgreiflichstes Merkmal von Gruppenidentität) pathologische Nachkommen "produziert". Die interessengelenkte Sicht einer Minderheit wurde also zur allgemeinen Sicht, die nur noch aus den zwei Positionen "Welt und Jude" bestand.

Also war es - wie gesagt: aus irgendwie nachvollziehbaren, wenn auch nicht gerechtfertigten Gründen - die Sichtweise einer Minderheit, einer geschlossenen Gruppe, der Juden also, die zur Kollektivsicht mit (weltweiter) normativer Kraft aufstieg. Und sich in der political correctness definitiv zum Affekt gegen alles Eigene entwickelte.

Darin könnte man tatsächlich den Selbstverteidigungsimpuls einer Minderheit (der Juden) erkennen, den dieser (unser) gesamter Kulturraum mittlerweile internalisiert hat. Und der sich gegen alles richtet, was Identität als zugesprochenen Ausgangspunkt des Menschseins überhaupt je ausgemacht hat.

Speziell in unseren Ländern war ab 1945 sogar mit Militärgewalt durchgesetzt alles Selbstsein zensiert, und alle Gestalt nur noch dem "Nicht-Antijudaismus" eingegliedert, als oberstes Prinzip von Politik und Denken. Auf weltweiten Maßstab in Form eines Super-Dogmas ausgeweitet, wurde es zu einem Impuls der Auflösung jeder völkischen Gruppe ("ethnic cleansing", wie es jüngst im UN-Abkommen "Habitat III" weiter beschlossen wurde), die auch in Amerika (wo sich Judaismus und "Black Movement" verbanden) brutal durchgesetzt wurde - der Multikulturalismus hielt überall Einzug, mit seinem vornehmsten Mittel der Umsetzung: der Migration, die überhaupt nur "funktionierte", wenn alle religiösen und ethnischen Gruppen ihre Identität und wechselseitige Bezogenheit dieser Faktoren aufgaben. Fällt die Identität, fällt die Gestalt, fällt die Religion, wird zur Pseudologie, zur subjektiven Psychodynamik.

Welche Ausrichtung deshalb den Katholizismus (den man durchaus als Haupt- weil eigentlichen Feind betrachten kann) in seinen Grundfesten erschütterte. Den man aus genau diesem Grund zu einer Art universalistischen, ortslosen, ja virtuellen Heilsgefühligkeit umzubauen, weil irgendwie in diese neue Wertewelt hinein zu retten versucht hat. (Kirche ist ohne Kultur undenkbar, denn ihre Gestalt IST jeweilige Kultur.) Immerhin fehlte ihm nun (wie sich spätestens mit dem 2. Vatikanum zeigte) seine ontologische Position in der Welt, die man nun aufzulösen begann: Als allein-seligmachende Kirche, ohne welchen Anspruch sie sich ja selbst widerspricht. Aber die Botschaft des Kreuzes als Weg zum Heil ist ohne Verwurzelung, ohne sehr konkrete Verortung und Einbindung überhaupt nicht begreifbar, und im entwurzelten, entschränkten Zustand wird sie regelrecht ausgelöscht. Denn Gestalt IST autoritative Herrschaft von Form über Materia. Und Gestalt ist der Hauptangriffspunkt der Frankfurter Schule.

Das geschah und geschieht durch die Auflösung der Liturgie, denn sie IST diese Botschaft, die alle andere Gestalten zeugende Gestalt. Das Christentum wurde aber weitgehend liturgie-befreit und ist notwendig zu einer Verhaltenslehre und -moral verkommen, ist damit gar kein Christentum mehr, denn Religion kann nur im Kult und aus ihm bestehen. Wo kein Kult - da nicht einmal ein Begriff von Gott. Um wieviel mehr muß dies für die Heilige Messe der Kirche gelten, die als ihr Zentralgeheimnis den unvereinbaren Gegensatz zum Judaismus tagtäglich erneuert? (Damit muß sich Judaismus sogar gegen die Kunst selbst wenden, und das ist auch passiert.)

Ist es also wirklich fernliegend, in diesem Auslöschen des Kreuzes eine Analogie zu einem Grundproblem des Judentums NACH Christus zu sehen? Das (auf diese Weise) gar keine andere Chance hatte als die Geburt des Erlösers nicht nur zu leugnen, sondern zu bekämpfen? Sie haben ontologisch betrachtet gegen die Ordnung Gottes verstoßen, sich dagegen gewandt, sie verneint, verweigert, ja bekämpft.

Da liegt es durchaus nahe zu sehen, daß der Grundimpuls des "Judaismus" darin besteht, gegen die Ordnung zu rebellieren. Den Judaismus also als wo immer er auftritt als revolutionären Impuls zu erkennen, der sich gegen alles richtet, was auf dieser (christlichen, göttlichen) Ordnung beruht. Und damit ist das gesamte Abendland (samt seinen epigonalen Kulturen wie Amerika) direkt adressiert. Wer den Talmud etwas kennt wird ihn nur so interpretieren können.*

Noch einmal, um es zu verdeutlichen, denn das Thema ist gewiß sensibel, zumindest in unseren Ländern: Niemals kann dies dazu führen, ein Volk aus rassischen, ethnischen Gründen abzulehnen oder gar zu vernichten.² Darin liegt ein schwerer Irrtum. Doch ist es von großer Wichtigkeit zum Selbstverständnis, den Vorwurf des "Antisemitismus" endlich dorthin zu verweisen, wo er hingehört - aber das ist ganz sicher nicht im Nachdenken über jene geistigen Einflüsse und Irrtümer der Fall, die unser Denken mit schweren Schatten belegen und deshalb jedes Verstehen von uns und unserer Zeit zu verunmöglichen. 

Es ist deshalb erhellend, wenn man erkennt, daß diese Einflüsse einer Gruppe zuzuschreiben sind, die sich ALS Gruppe selbst, wenn es nicht jedem daraus bewußt ist, gewissen Zielen zugewandt hat und zuwendet, weil sie von gewissen ontologischen Konstellationen geprägt ist - wie jede Gruppe, und wie jedes Individuum, das immer Teil einer Gruppe ist. Die in diesem Fall ein revolutionärer Impuls gegen das Sein ist. Erst auf dieser Ebene ist dann ein offenes Zuwenden zum anderen - und damit auch zu den Juden - überhaupt möglich. 

Denn durch den Verstand, die Vernunft nicht geborgene, damit objektiviert und dem Willen unterworfene, weil erst so unterwerfbare ontologische Gegebenheiten - also wirkliche, weil erst so und auf diese Weise wirksame Konstellationen - haben die fatale Eigenschaft, daß sie sich in irrationalen Impulsen und Ersatzhandlungen äußern. In einem Handlungsimpuls, dem man gewisse Energie zuschreiben muß, die den Menschen dann schiebt, und meist einfach auf Umwegen Entlastung als Handlung sucht.

Nachdem diese Sichtweisen (wie sie die Frankfurter Schule exemplarisch entworfen hat), weil sie unwahr sind wie Zwangsknebel wirken, die die ontologische Konstellation unserer Kultur, der Menschen darin, zu unterdrücken versucht, ist ein solcher irrationaler Umschlag nur eine Frage der Zeit. Und seine Vorbeben sind längst zu erkennen. Denn wenn jemand einen Grund für die (übrigens: von klugen Köpfen schon seit Jahrzehnten erkannten) nicht entladene Handlungsenergie sucht, die mit der leichtgemachten Verleumdung als "populistische Rechtsbewegungen" immer noch unter der Knute gehalten werden sollen, dann wird er in diesem Ursachenkomplex tatsächlich fündig werden. 

Solange das aber nicht geschieht, solange weiterhin diese Denkverbote bestehen, ist der Höhepunkt dieser Entwicklungen noch lange nicht erreicht. Solange wird er auf einen irrationalen Vulkanausbruch zusteuern, der einem Supervulkan gleich alles umbrechen wird. Denn dem System der geistigen Unterdrückung, auf dem die Gegenwart praktisch des gesamten Kulturraumes von der Politik gehalten wird, werden über kurz oder lang die Kräfte der Systemwächter ausgehen, und die Hast, mit der sie vollendete Tatsachen zu schaffen versuchen, um diese Bedrückung aufrechtzuhalten, wird nicht nur nicht genügen, sondern die Gesamtexplosion umso katastrophischer machen.**




*Es muß einem klar sein, daß ohne die Erlösung durch Jesus Christus, das Alte Testament zu einem über weite Strecken inhaltsleeren, enttäuschenden, "dunklen" Buch wird, von dem sich nichts erfüllt hat. Der Atheismus unter Juden ist deshalb weit verbreitet. Anderseits wird auch das Neue Testament ohne diese hier angesprochene ontologische Tatsache (die meist internalisierten Denkverboten zum Opfer fällt) unverstehbar, ja man müßte dann einen guten Teil daraus aus "moralischen Gründen" sogar streichen und das Christentum heute als Religion überhaupt neu definieren. Was, so nebenbei, ja tatsächlich längst versucht wird. Kurioses Detail am Rande: Am schwersten betrifft dies sogar den Lutherismus, denn auch Luther läßt sich nur dann verstehen - soll nicht ein großer Teil seiner Aussagen zur bloßen historischen Kuriosität (mit moralisch dem heutigen Menschen verwerflich erscheinenden Schlagseiten) herabsinken. Und wirklich können wir ja zuweilen bereits diese "Säuberung Luthers" beobachten.

²Der Antisemitismus des Hitlerismus ist das schlagendste Indiz für die geistige Impotenz eines in sich gar nie konsistenten Ideologie-Eklektizismus, des sogenannten Nationalsozialismus. Selbst Mussolini hat 1933 Hitler in einem Brief dazu aufgefordert, den Antisemitismus aufzugeben. Er hat aber verdeckt, daß es Hitler nie gelungen ist, die wirklichen geistigen und kulturellen Probleme des Judaismus zu adressieren und politisch-gerecht zu lösen. Nicht zufällig fiel der Hitlersche Antisemitismus in eine Zeit, in der die Assimilierung der Juden in Deutschland enorme Dynamik angenommen hatte (90 Prozent der jungen jüdischen Männer heirateten 1932 bereits christliche Frauen, 30 Prozent der Jüdinnen christliche Männer, jeweils mit enormen Taufkonversionsraten), der Judaismus also dabei war, weitgehend überhaupt zu verschwinden. Hitler selbst hat den Judaismus (als Gruppenphänomen) neu belebt und aufgeblasen. Erst sehr vorsichtig, weil (ethnischer) Antisemitismus in Deutschland so gut wie nicht bekannt war, wie selbst ausländische Botschafter in ihre Heimat berichteten. Die Judenprogrome Europas in der Geschichte zuvor waren ebenfalls nie ethnisch-rassisch begründet, sondern soziale und sozialpsychologische Phänomene des Judaismus. (Wir werden an dieser Stelle in den nächsten Wochen und Monaten noch sehr eingehend darüber berichten.)

**Daß dies genauso von den "rechten Bewegungen" gesagt werden muß, wo dieser ontologische Kraftimpuls nur auf andere, aber keineswegs im Denken und Sprechen geborgene, objektivierte Weise einen Ausweg sucht, macht die Sache nicht gerade besser. Denn noch immer sind fast alle diese Bewegungen lediglich vom "Bild des Fehlenden" geprägt. Das den fatalen Nachteil hat, daß es in so gut wie keinem Fall "direkt" erreicht (also etwa "wiederhergestellt") werden kann.





*081116*

Sonntag, 16. Oktober 2016

Die Generation der Überzähligen (2)

Teil 2)  Von der Sühne unserer eigenen Taten,
die wir im Leiden an der Gegenwart zu tragen haben 
- Man steht immer in einer Generationenkette





Der VdZ würde das nicht hier darstellen, wenn er es nicht als typisches, ja allzu typisches und so viel erhellendes Schema begriffen hätte. Das erst aus seinen Gesamtverhängungen verstehbar wird, aber nun unsere Gegenwart so prägt. Denn die Geister, die wir damals riefen, wozu auch der VdZ sein Teil beitrug - wir werden sie nicht mehr los. Und sie sitzen uns heute im Genick und plagen uns. Denn alles, wirklich alles, was man im Leben anstrebt, wird eines Tages Wirklichkeit. Nur erkennt man die Zusammenhänge dann oft nicht mehr, weil man eingespannt ins Geflecht des täglichen Treibens, gestützt von der Angst um die Existenz, das Wirkliche nicht sieht, das man in Wahrheit etabliert. Was der VdZ damals getan hat war nur möglich, weil er selbst überzählig war (sogar doppelt - als elftes von zwölf Kindern war er auch in der Familie marginalisiert und ungebraucht.) Damit hatte er keine Bindungen, keine übernommenen Grenzen zu berücksichtigen, sondern im Gegenteil: Er mußte sich überlegen, wie er diese Grenzen überschreiten konnte, um "neue Welten" zu gründen.

Diese Generation der Überzähligen, als Generation der "geburtenstarken Jahrgänge" der späten 1950er, frühen 1960er Jahre, die geprägt ist vom Gefühl nicht gebraucht zu werden, hat ihre Strategien natürlich auch an ihre Kinder weitergegeben. Denn Kinder werden nicht durch irgendwelche Theorien "erzogen" oder geformt, sondern sie übernehmen ganz selbstverständlich und zu allererst einmal die Art, in der die Eltern der Welt begegnen. Und darin ist die Art der Mutter absolut entscheidend. Ja, die Art der Welt zu begegnen, ist die Art der Mutter dem Vater zu begegnen, und geht von dort aus, im Maß der Objektwerdung der Welt (die väterlich, als im Wort ist), in die immer weitere Umgebung hinaus. In dieser vom Einssein mit der Mutter zuerst übernommenen, weil in ihre Identifikation übergegangene Art also, begegnen sie dann der Welt der äußeren Kultur und Gesellschaften, dem Staat alsohin und natürlich auch allem zu Lernenden.

Es hat als Stimmung der Zeit alle erfaßt, so wie immer eine Zeitstimmung alle erfaßt. Denn man muß eine Generation immer als Ganzes - und als Glied in einer Generationenkette - begreifen. Die Generation der Überzähligen hätte in ihren Strategien niemals so leichtes Spiel gehabt, wenn ihr nicht eine Generation vorangegangen wäre, die (nach dem Krieg) auf jeden Fall gebraucht wurde, deren Position gar nie in Frage stand, die also unvorsichtig und unaufmerksam und damit leicht zu überraschen, auf das Neue nicht vorbereitet war. So hat der VdZ auch seine Lehrer erlebt - sie konnten die neuen Fragen nicht beantworten; heute weiß er, warum das gar nicht geht, weil die Art des Neuen eine andere ... inhumane ... Kategorie des Verhaltens ist.

Auch die, die damals "gebraucht" wurden, also etabliert waren, waren und sind ja vom selben geprägt, im Gegenteil: sie sind noch verkrampfter am Erhalten ihrer Position interessiert, denn sie wissen um eine Lawine in ihrem Rücken, die sie zurückzuhalten haben, die ihnen bei jedem Nachgeben, Raummachen sofort den Platz streitig machen könnte.

Worin sich die Vehemenz erklärt, mit der das heutige Establishment jede Opposition existentiell, ja mit direkter Vernichtungsabsicht bekämpft. Das insgesamt ein Establishment der "neuen Welten" ist, weil die Überzähligen, die wie der VdZ keine Grenzen aus dem Herkunftsort kannten, weil kennen durften um zu überleben, ihre Ideen und Lebensweisen über die Veränderung der Grundmotive, der geistigen Inhalte etabliert habe. Der "Marsch durch die Institutionen" hat exakt dieses Gepräge.

Hier wird nicht behauptet, daß der hier angerissene Verweis auf die "Generation der Überzähligen" alles und jedes erklären würde. Es erforderte noch viel zu sagen, was aber die Zusammenhänge im Einzelnen noch weiter aufhellen müßte und könnte. So der Umschlag des Erlebens der Nicht-Gebrauchtheit (als Erleben der Nicht-Gewolltheit) in die Übersteigerung in der Erziehung, die heute jedes Kind zum Gott erheben möchte, der sich doch so direkt begründen läßt - weil er auf dem Erleben des Menschen als nicht gewollt aufruht, das nun kompensiert, in einem Theater "korrigiert" wird. So die Zusammenhänge mit einer Situation unserer Länder (denn kaum wo ist dieses Problem so schlagend wie in den Verliererstaaten von 1914/18 bis 1939/45), in der diese Länder und Völker selbst als ungewollt behandelt wurden (und: werden). So die nur auf den ersten Blick widersprüchliche Art, daß sich Überzähligkeit auf zwei Weisen äußern kann, die scheinbar gegeneinander stehen: In liebdienerischer Unterwürfigkeit und in unversöhnlicher, grundsätzlicher Rebellion.

Aber der Leser möge sich doch mit dem VdZ fragen, ob nicht diese Grundstimmung so vieles zu erhellen hilft, was uns heute scheinbar als solitäre, im Einzelnen jeweils gesetzte, einzeln gewollte Handlung begegnet - die plötzlich als Teil einer Gesamtbewegung gesehen werden kann. Ob nicht dieses Phänomen der Überzähligkeit, das diese Generation so geprägt hat, dann, wenn es begriffen bzw. zugelassen wird, auch das eigene Handeln ein Stück weit zu befreien, weil zu begreifen hilft. Ein Phänomen, das wie jede tiefe Grundkonstellation das Große genauso wie das Kleine, Unscheinbare strukturiert, als wäre es einfach ein ... Fraktale.



*280816*

Samstag, 15. Oktober 2016

Die Generation der Überzähligen (1)

Aber bleiben wir in Anknüpfung an das gestern angeschlagene Thema noch ein wenig dabei, bei dieser Generation der Überzähligen, der auch der VdZ angehört. Der eine Schulzeit extremer Selektion erlebte, in der sich ein guter Teil der Schüler wie einen unnötigen Reizblinddarm empfinden mußte. Die Schulen waren allesamt zu klein, hektisch wurde begonnen (!), neue zu bauen, als wäre alles so überraschend gewesen und über Nacht gekommen. Erst in den 1970ern hat sich diese Situation allmählich wieder beruhigt. Es war die Zeit der Spezialschulen. Man begann, das Schulwesen in ein Fachschulwesen zu splitten. 

Der "Nutzen" wurde plötzlich ausschlaggebend, und das kann gar nicht anders sein bei einer Generation, deren Erfahrung die der Nutzlosigkeit und Überzähligkeit war. Handelsakademien, Höhere Technische Lehr- und Versuchs-Anstalten (HTL), Frauenbildungsanstalten wurden zum Trend, der die Allgemeinbildenden Gymnasien (als Vorbereitung zum Studium) nach und nach "entlastete", bis wir sie heute nahezu marginalisiert haben. Das Stichwort von der "Innovation" - und was hat die 1970er, 1980er Jahre mehr gekennzeichnet als "Innovationen"? als der Computer begann, den Alltag zu durchdringen? - wurde prägend. 

Und die große Überschußmenge an Menschen hatte auch kaum eine andere Wahl als sich ständig etwas Neues einfallen zu lassen. Wer also nicht in eine vererbte Identität eingebunden war, war gezwungen, völlig neue Felder aufzutun. Ein Drittel, wenn nicht die Hälfte dieser Generation, davon betroffen, begann, sich alles mögliche Neue einfallen zu lassen. Nicht nur das. Merkmal dieser Generation war auch, daß sie begann, die Nachfage nach diesen neuen Ideen zu "schaffen". Denn die war nicht da! 

Wie oft hat sich diese Situation schon in der Vergangenheit wiederholt. Das 19. Jahrhundert, vor allem ab der Mitte, nachdem die Bevölkerungszahlen in Europa explodiert waren, war ein Jahrhundert der revolutionären Ideen, die allesamt einen Nachteil hatten: Sie waren zuerst beim eigentlichen Stammkreis der Bevölkerung ganz und gar nicht nachgefragt. Sie waren also "links". Die Nachfrage nach ihnen mußte aber erst geschaffen werden - und das taten diese Überzähligen, indem sie begannen, den Hauptstamm, den Kern der Kultur anzugreifen (so weit sie nicht nach Amerika auswanderte). Woraus hätte sich sonst Gebrauchtheit ergeben können?

Zugleich aber lag und liegt in diesen Überzähligen ein enormes Potential an Selbsthaß, denn Liebe wird zuerst durch Gebrauchtheit erfahren: Liebe ist ja die Zusage (und Erfahrung im Geliebten), in jedem Fall gewollt und prinzipiell notwendig zu sein! 

Der sich in ausgesuchter Neigung zur Selbstzerstörung, aber auch zur Zerstörung der Konkurrenten einen Ersatzweg suchte. (Das Mobbing begann sich seine Wurzeln zu bilden, auf die die heutige Blüte aufsetzten konnte.) Das beginnt beim Rassenwahn und endet in der Abtreibung, der heutigen Form der Auslöschung ungewollter Konkurrenz um einen Platz im Leben. Wenn es einen Impuls gab, der die Zeit vor dem 1. Weltkrieg kennzeichnete, so war es das stille Begehren der Überzähligen (Kunst), das Vorhandene, den angestammten Kulturbereich, der sie nicht brauchte, zu zerstören, zu entwerten und in seinen Grundfesten in Frage zu stellen (Psychoanalyse). Selbst die Invertierung der Kunst (Impressionismus - Expressionismus als zwei Seiten derselben Medaille) ist als Reaktion zu verstehen, in der sich eine im Außen untergehende, unnötige Generation neue Welten suchte.

Als der VdZ 1985 ein Bauunternehmen (Holzhäuser) gründete - aus demselben Impuls: Er erfuhr sich im vorhandenen Betrieb als nicht integriert und integrierbar, also mußte er seine eigene Welt schaffen - war die größte Frustration des Anfangs, sich nunmehr auf einem reinen Verdrängungsmarkt wiederzufinden. Der ihm im Grunde täglich signalisierte: Eigentlich brauchen wir dich nicht! Das "Produkt" gibt es bereits und die Unternehmen, die es herstellen. Also begann er zum einen, an einem Produkt zu arbeiten, das "neu" war. Und zum anderen, die Nachfrage danach zu steigern, in dem er begann, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, in der er das Herkömmliche in Frage stellte. (Was angesichts der unglaublichen Bausünden der 1970er Jahre gar nicht so schwer war.) Und zu Anfang bediente er sich dabei durchaus der damals aufkommenden Weltuntergangsszenarien: Umweltverschmutzung, und vor allem dem aufgekommenen Gesundheitswahn, der damals noch eine Randerscheinung (der Überzähligen ...) war. Damit wuchs das Unternehmen mit enormer Geschwindigkeit: Die Menschen mußten ihr Leben zu ändern bereit sein war die Botschaft dabei. Und schon sehr viele waren es.

Das alles gibt er unumwunden zu, und er tut es mit dem Empfinden von Reue (bzw. begreift er die Gegenwart auch als Sühne für die eigenen Sünden). Eine Schuld, die sich nur abschwächt, daß er bald erkannte, daß da etwas nicht stimmte. Denn aus all diesen Ideen waren überall schon Religionen geworden, denen er als Priester dienen sollte. Denn er bot eines jener Produkte an, wie sie damals überhaupt aufgekommen waren (IKEA zeigt es am deutlichsten): Produkte, die einen Lebensstil verkörperten, und es war ein revolutionärer Lebensstil, der vor keinem Bereich und Tabu Halt machte. Das ging so weit, daß er in großem Stil sogar Häuser für Migranten nach Deutschland lieferte. Also zog er 1991 die von kaum jemandem verstandene und tatsächlich nur schwer zu verstehende Reißleine ... das Wissen um die letzthinnige Sinnlosigkeit und Widersprüchlichkeit zu seinen eigenen Lebenshaltungen war ihm nicht mehr zu bewältigen.

Widersprüchlichkeit, die aber in einer Art Notwehr entstand. Die ihm vermeintlich keine andere Wahl ließ als "neue Welten" zu erschaffen, die tatsächlich neue Welten waren: Weil sie nicht einfach nur eine Aufgabe waren, sondern die sich auch aus neuen Motiven heraus diese Aufgabe erst schuf. Motive, die aber gleichfalls erst zu schaffen waren. Indem sie die Menschen dort packten, wo es um die geistigen Grundlagen ihrer gesamten Lebensweise ging. Waren sie davon überzeugt, fanden sie diese neuen Bedürfnisse in der vorhandenen, etablierten Welt nicht mehr befriedigt. So entstand ein "neuer Markt", dem die alte Wirtschaftswelt in gewisser Hinsicht zumindest zu einem großen Teil und vor allem: strukturell, hilflos gegenüberstand. 

Morgen Teil 2)  Von der Sühne unserer eigenen Taten, 
die wir im Leiden an der Gegenwart zu tragen haben 
- Man steht immer in einer Generationenkette




*280816*

Dienstag, 7. Juli 2015

Ex factis, non ex dictis amici pensandi (2)


Teil 2) Auf daß die Herdfeuer erlöschen




Oder will auch nur irgendjemand behaupten, daß ein Mensch, der bereit ist, die Welt in einem Ausmaß zu zernichten, das mit enormem finanziellem Einsatz, der jede Volkswirtschaft austrocknen MUSZ, weil er ökonomisch völlig sinnlos ist, die Lebenskraft von Völkern schwächt und irgendwann vernichtet, daß so eine Mensch Natur, Welt und Schöpfung (die immer mit menschlicher Kultur verbunden ist) LIEBT? Sind nicht Techniker, Technizisten - auch diese Behauptung unterschreibt der VdZ aus Beobachtungen jederzeit - immer besonders muttergebundene, mutterbeherrschte, wie väterkastrierte Wesen? Ist nicht gerade die Technik (und die heutige Ökologie in ihrer dogmatischen Verweisung auf "Wisssenschaft als Handlungsimperativ" ist pure Technik, purer Technizismus) der einzige Weg des Schwächeren, die - leibliche! Leib als Medium des Weltseins! - Stärke des Stärkeren zu überbieten?*

Könnte nicht die Stoßrichtung "carbonfree" auch aussagen, daß sie sich gegen das "nie verlöschende Herdfeuer" wendet, das die Frau zu hüten hat - ihre seit Menschengedenken eigentliche Aufgabe, in alle Dimensionen des Weltseins umfassende Realsymbolik für das einzig Lebensspendende, die Liebe? Sie finden das übertrieben, werter Leser? Der VdZ nicht. Denn man muß die Welt so denken. Nur so ist sie human, nur so ist sie in der Vorsehung - dem Wissen, der Vernunft - des personalen Gottes geborgene Schöpfung. Nur so ist sie schöpferisch.

Es wird also tatsächlich Zeit, meint der VdZ, anders zu denken, gerade in Schöpfungsfragen. Sonst kommt man nicht weiter. Die bloße Gegnerschaft gegen die Sprechfiguren des Ökologismus führt zu nichts, im Gegenteil, sie erhält einen Wahn am Leben, der die Welt in nie gewesenem Ausmaß beschädigen möchte, und sich dabei "Umweltschutz" oder gar "Liebe zur Schöpfung" nennt. Das ist seine Charakteristik: Fanatismus, Zerstörungswut mit Ersatzcharakter. Darin wird das Offensichtlichste nicht mehr gesehen.

Viktor Frankl schlägt in solch einem Fall deshalb vor, dem von solchem Wahn Befallenen nicht zu opponieren, sondern im Gegenteil: darin zu bestärken. Nur so erhält diese Denkfigur das Gewicht eines Gedankens, einer Gestalt, die Gravitation entwickelt, zur Erde zurückwill. Denn es ist zuvor diese Opposition, die seine Haltung am Leben hält, und ihm damit selber den Weg versperrt, aus Gründen des Erhaltens im Sein, dessen Verlust er fürchtet, das auch nominell zu wollen, was er sowieso will. Die Opposition ist es also, die ihn in in einer Haltung befestigt, die ihn nicht sehen läßt, was er in Wahrheit tut.










*Ist nicht das, genau das auch der tiefere Grund, warum selbst die Kirche - die Mutter der Welt selbst! - dabei ist, eine eigentümliche Verschwisterung mit dem Ökologismus einzugehen, denn das ist der größte Effekt, den die jüngst veröffentliche Enzyklika Laudato Si haben wird? Denn wenn diese in manchen Ansätzen freilich ganz anderes aufreißt - ihre Verwertbarkeit, ihr Umbrechen in Nutzen, das was als Funktion übrigbleibt, liegt woanders. Sie stärkt ganz real nicht die, denen die Schöfung als Gottesgabe heilig ist - sie stärkt die, die von Schöpfung (und Gott) gar nichts wissen wollen, denen dieser Begriff bestenfalls fromme, nützliche Metapher ist. 

Die wirkliche Botschaft, einen Schellnhuber in den päpstlichen Rat der Wissenschaften einzuladen, liegt dort: In einer Entheiligung durch (moralistischen) Technizismus. Mit einem Papst, der sich fast offen (wie immer ist er auch hier zurückgezuckt, jede Festmachungsmöglichkeit ist ihm ja feind) gegen die Vernunft (aber dafür für eine rationalistische, auf Denkzwänge umgebrochene Wissenschaft) ausspricht - und das heißt: Gegen den Vater, dafür pausenlos Verhaltensmaßregeln für kleinste Alltäglichkeiten in die Welt schießt. Die eigentümlichen Berichte über das bis heute nicht ganz geklärte Verhalten Bergoglio's während der argentinischen totalitären Militärdiktatur könnte hier eine weitere erhellende Note zufügen. Sucht er prinzipiell, in wirrem Instinkt, die Nähe zur - faktischen, als Moral starken - Macht, um von ihrem Schatten zu profitieren, wie Frauen es eben tun?




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Montag, 6. Juli 2015

Ex factis, non ex dictis amici pensandi (1)

Die Frage müßte doch in Wirklichkeit ganz anders lauten: Welche unterbewußten, chthonischen Antriebe bewegen die Kämpfer gegen die Erderwärmung? Denn es ist mehr als auffällig, daß der Umstieg zu "nachhaltigen Energiegewinnung" mit einem von Jahr zu Jahr noch deutlicher gestiegenen Verbrauch an fossilen Brennstoffen korreliert. Das thematisiert Hans-Ulrich Jörges, der das im Juni stattgefunden habende Treffen der G7 zu Fragen des Klimawandels bespricht. Und dabei zu dem Schluß kommt, daß die Politiker dort allesamt glatt gelogen haben: Denn während sie vollmundig den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter verkünden, treibt etwa die USA ihre Öl-, Gas- und Kohleproduktion (samt Verbrauch) in nie gewesene Höhen.

Und dieser Ansatz ist es auch, der den VdZ zunehmend beschäftigt: Man will offenbar genau das Gegenteil von dem erreichen, was man vorgibt. Denn das ist das Ergebnis.

Denn auch die deutsche "Energiewende", die ganz Europa mitzwingt, hat aus selbst dem simpelsten Gemüt nachvollziehbaren Gründen genau die gegenteiligen Effekte. Noch nie waren Kohle- und Atomkraftwerke - europaweit gesehen - von so hoher Bedeutung. Nicht TROTZ, sondern WEGEN der Energiewende als Umstieg auf "erneuerbare Energiequellen". Dazu kommt eine Verwüstung deutscher Landschaft, wie sie die Menschheit noch nie gesehen hat. Möge sich bitte der Leser diese kleine Photoshow zu Gemüte führen, und weitere Beispiele ließen sich in Massen anführen. 

Wenn auch das bloße Öffnen der Augen genügen würde, wenn man etwa durch das nördliche Burgenland oder die norddeutschen Landschaften fährt, wo von Landschaft oder Natur, oder Dächerlandschaften, wo von Kulturform gar nicht mehr gesprochen werden kann, die zu reinen technischen Nutz-Einrichtungen verkommen sind.

Könnte es also sein, daß die Figur des Gesprochenen, die Sprechfiguren, die unbewußte Auslagerung - in Stellvertreter- wie Sündenbockfunktion, in jedem Fall: als Scheintheater - jenen Nebel bilden sollen, der verhindern soll, wie Doderer es einmal ausdrückt, daß die Richtung aus der das Geschützfeuer kommt erkannt werden soll? Ist nicht zumindest einer der Gründe auch darin zu suchen, daß von einer Lösung "nur in globalem Maßstab" gesprochen wird, weil die Wirklichkeitsnähe schon so weit verloren ist, daß Folgen für die eigene Sittlichkeit - und nur daraus ließe sich eine "Wende" konstruieren - auszuschließen sind, weil sittliche, charakterliche Mühe, weil Rückbindung an die göttliche Vorsehung durch Eintreten in Gottes Willen bedeuten würden, und NUR DIE kann eine Veränderung bedeuten, NUR DIE kann die Welt verwandeln - von wo das Wort "Wende" ja kommt? Reden nicht (und der VdZ kennt da einige Fallbeispiele) die größten Wendepropheten längst davon, daß individuelles Verhalten "gar nichts bringt", weil nur große, noch größere, globale "Lösungen" (will heißen: per Gesetzen zwanghafte Regelungen)

Das Motiv der "ökologisch Bewegten" liegt, daran hat der VdZ keinen Zweifel, NICHT in einer Liebe zur Natur, zum Wesen der Schöpfung, zum Leben. Es liegt ganz, und zwar wirklich ganz woanders. Und das gilt es zu sehen, und immer schärfer zu sehen. Das muß zu Wort kommen, um gedacht zu werden. In neuen Ansätzen. Was heißt es, wenn man das Geheimnis der Welt selbst zunehmend in Technikgerüste spannt, um es zu beherrschen? Wut auf die Mutter? Verborgener Versuch, den Vater doch zum Sieg zu führen? Sind solche Ansätze nicht weit vielversprechender, um das Problem zu verstehen? Zumal der VdZ sofort, aus dem Stand, aus Beobachtung heraus, der Behauptung zustimmen würde, daß die Ökologiebewegten der Gegenwart durchweg aus einer familiären, identitären Situation stammen, in der Entmännlichung, Kastration herrscht, in der das Weib - durch funktionalisierte Moral, welche die hierarchische Stellung des Mannes durch Universalisierung von Moral aushebelt - herrscht.

Damit aber wehrlos gemacht, weil existentiell an diese Moral gebunden (die es sprachlich-gedanklich nicht mehr aufzulösen wagt, weil es sonst ins Nichts fiele), wendet sich die Wut gegen die Mutter - aber auf ganz andere Weise. Und richtet sich gegen das Wesensbild des Mütterlichen selbst, das im selben Atemzug, im Doppelschlag, auf ein Wesen zurückgestutzt werden soll. Dazu bietet die Natur perfektes Objekt.



Morgen Teil 2) Auf daß die Herdfeuer erlöschen




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Montag, 27. Oktober 2014

Fehlerhafte Triebe (3)

Teil 3) Nachgedanken, auch zur Hochbegabtenproblematik. 
Oder zum Irrsinn der "freien Wahl" des Geschlechts



Welche Bedeutung also diese Integration - die sich in der Psychologie als "Sublimierung von Trieben" eingeführt hat - bzw. Unterordnung von jeweils "narzißtischeren" (Freud) Lustgewinnen unter höhere Antriebe hat, die als temporäre Unterstufen der jeweiligen Höherentwicklung eines Organismus (hier: Mensch) zu seiner Vollgestalt zwar nicht verschwinden, aber in ihrer Rolle dem Gesamtziel des Lebendigen eingegliedert werden, kann weiter ausgeführt werden.

Vorneweg ein weiteres und viel erzählendes Beispiel aus der Literatur, Wolfgang Köhlers Studien an Schimpansen entnommen. Ihm ist es nämlich gelungen, eine Schimpansin dazu zu bringen, auf einen Teil ihrer Nahrung zugunsten eines hungrig gehaltenen Männchens zu verzichten. Obwohl sie selbst noch nicht gesättigt war. ABER das ist ist nur dann gelungen, wenn die Schimpansin menstruierte, also das sexuelle Verhältnis zum Männchen ausgeschaltet war.

Nicht der Vernunft untergeordnet, siegt also bei Tieren tatsächlich so etwas wie eine reine Triebordnung, die von sich zuerst ausgeht. Doch ist der Mensch kraft seiner Freiheit als gestaltbares Selbstverhältnis dazu in der Lage, diese "höhere" Handlung TROTZ anderer bestehender und unerfüllter Triebe (und Verlangen) zu gestalten. Es ist allerdings eine Frage der Reife, der Vernunftfähigkeit, die durch egoistischere Triebe und Haltungen (aber auch Gedankengebilden, die Normen und Werte in "Vernunftgebilde" - als Verstandesgliederung - einbetten) empfindlich gestört werden kann.

Umgekehrt zeigt sich die Verrücktheit eines pädagogischen Ansatzes, der wie heute davon spricht, daß jedes Kind "sonderbegabt" wäre, nur weil es in der jeweiligen Altersstufe eine spezifischere Neigung zu bestimmtem Tun zeigt. Reifung, Aufwachsen bedeutet ja genau das: in einer jeweiligen Stufe mit einem dieser Stufe entsprechenden Antrieb konfrontiert zu werden, der sich im weiteren Wachsen und Reifen dann in die nächsthöhere Stufe wieder integriert! 

Deshalb bedeutet in vermutlich den (aus der persönlichen Beobachtung des VdZ zu schließen, aus der heraus er sogar dramatische Fehlurteile kennt, die junge Menschen fundamental in ihrer Vernunftentwicklung geschädigt haben) allermeisten Fällen das Konstatieren von "Sonder- und Hochbegabungen" bei Heranwachsenden schlichtweg eine Neurotisierung desjenigen jungen Menschen, und ganz sicher keine "Förderung einer Hochbegabung". Es bedeutet das Behindern des Weges zur Vollreife des noch Heranwachsenden durch Hypertrophierung, durch Finalisierung eines jeweiligen Vorreifestadiums.

Gleiches, in gewissem Sinn aber Umgekehrtes, läßt sich von bestimmten vor- und unreifen Stadien etwa der sexuellen Orientierung sagen, Christa Meves hat einmal sehr richtig darauf hingewiesen. Denn selbstverständlich muß sich auch der Heranwachsende mit noch ungeformten sexuellen Antrieben auseinandersetzen, und diese in sein Insgesamt integrieren, das heißt: zur Vollform führen. Insofern hat JEDER Heranwachsende sexuell "indifferente" Neigungen. Die es eben in spezifische Form erst zu bringen, zu integrieren gilt. In diesem Fall: im Hineinwachsen in die notwendige Differenzierung der Polarität alles Schöpferischen.

Ebenfalls aus diesem Blickwinkel läßt das ADHS-Syndrom ganz andere Schlüsse zu, als gemeinhin gezogen werden. Denn hier sind ungeformte Antriebe die Ursache für eine für den Betroffenen - den man als "verwahrlost", meist sogar wohlstandsverwahrlost bezeichnen muß - nicht kanalisierbare Antriebskraft.

Oder wie viele Beispiele aus seiner Erfahrung soll der VdZ anführen, wo selbst Endzwanziger einfach keine Lebensform gefunden haben, weil sie einer "Nicht"-Erziehung ausgesetzt waren die ihnen zumutete, sie könnten in jeder Lebensphase nur aus ihren Antrieben heraus erschließen, was sie in ihrem Leben zu tun hätten. Und damit auch selber entscheiden könnten, welche Schulen oder welche Ausbildungen oder welche Gewohnheiten sie wie lange oder wie oft wahrzunehmen bedürften? Denen dann ihre tief existentielle Verwirrtheit - nicht selten von größenwahnsinnigen, eitlen und ehrgeizigen, dabei selbst gescheiterten, und in Wahrheit nur trägen, zutiefst unreifen,l also in juvenilen und infantilen Stadien festsitzenden Eltern - auch noch als "kreative Veranlagung" schöngeredet wurde und wird, worauf sie gerne zugreifen, weil sie ihr Leben einfach nicht (mehr) ordnen und damit vernünftig gestalten können?

Diese Gegebenheit des Verhältnisses Antrieb - Persönlichkeit auch noch unter den Titel "Jugendliche wären zu hohem Prozentsatz homosexuell" oder "in ihrem Geschlecht ambivalent" zu verbuchen, sie quasi ihr Geschlecht "aussuchen zu lassen", ist nicht nur verbrecherisch unverantwortlich - es zeigt, in welcher Bösartigkeit, Dummheit und Verwirrung wir uns kulturell bereits befinden.





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Sonntag, 26. Oktober 2014

Fehlerhafte Triebe (2)

Teil 2) Unkultur als Weg zur Perversion





Kultur wird somit als "Symbol-Archiv" verstehbar, an und in dem sich der Mensch je neu zu sich - in seiner bereits erkannten und möglichen Höhe - finden kann. Sie ist wie eine jeweilige Rückführung zu sich selbst, eine Art Abrufen, Erinnern des Selbst an sich.** Der Mensch muß also in eine Kultur hinein erzogen werden, in der er eine Gestalt anzunehmen lernt, in der das dialogische Wechselspiel des alltäglichen Begegnenden ebenso enthalten ist, wie deren geformte Kommunikation mit seinen jeweiligen Lebenstriebstufen.

Erwachsenwerden heißt also, die jeweils an sich noch ungeistigen (aber auf Geist ausgerichteten, deshalb mit dem Lebensalter ansteigend und fordernder in Vernunftstrukturen einzugliedernden) Lebensstufen zu formen zu lernen, und dem höheren Gesamtziel dienend - der Freiheit des Geistes - als Persönlichkeit einzufügen.

Bleibt der Mensch in seiner konkreten fleischlichen Prägung festgehalten in "unteren" Stufen, bleibt deren Drängen (!) nach Anbindung in den Geist² also unbeantwortet, so wendet sich die Geistigkeit von oben her (der Leser möge die manchmal vielleicht allzu bildhafte Sprache verzeihen, mit der versucht wird, das komplexe Geschehen auf so wenige Sätze einzudampfen) auf diese zurück. Hier beginnt zum einen die Neurose³, die Perversion, der Fanatismus, die Hysterie.  Der Geist findet quasi kein anderes Material, auf das er sich wenden kann, und versucht seine Prinzipien diesem ungewichteten Leib einzuprägen. ***

Und diese Geistigkeit ist jener Grad der menschlichen Reife - zu der prinzipiell jeder Mensch berufen ist, ja zu dem es ihn immer drängen wird, ob er das weiß oder nicht - in der der Mensch sich in Selbstbesitz als Vernünftigen findet, der sich von einem "dynamischen", transzendenten Ich her zu sich verhalten kann. Und aus diesem Ich heraus versucht er sein Sein als Mensch - mit Leib und Seele - zu erlangen, indem er sich die Teilhabe an diesem Sein quasi erarbeitet. Je vollkommener er sich in dieser "pyramidalen", hierarchichen Verfaßtheit entwickelt, desto mehr steht er als Ganzes in diesem Sein, an dem er analog teilhaftig wird. 

Das er sich also nicht geben kann, doch kann bzw. muß er aus sich heraus alles tun, um diese Analogie zu erfüllen, um SO am Sein teilzuhaben. Untere Stufen, um es so zu sagen - ohne daß dies alles eben wie in Scheiben aufzutrennen wäre, es ist immer ein Ganzes, das nur von seiner höchsten Möglichkeit her zu verstehen ist - sind also nicht, wie in einer Summe, eben nur geringere Stufen der Vollkommenheit, sondern sie sind Mängel am Ganzen des Menschseins.

Wo er in unteren Stufen hängt, ist er einem Faß mit Leck vergleichbar, dem für die oberen Etagen quasi die fleischliche Lebenskraft fehlt (und Lebenskrafrt zielt auf Gestalt, auf Gesamtverwirklichung als Mensch, mit Leib und Seele im Geist). Klartext: Bleibt er etwa in sexualistischer Ebene hängen, oral, anal, wie immer man diese immer sehr komplexe Lage eines Menschen sehen kann oder muß, fehlt der Anlage zur Geistigkeit ihre Entfaltungskraft. Ohne diesen Anspruch aber je aufgeben zu können, denn er liegt in der Wesensverfaßtheit jedes Einzelnen - ontologisch - begründet.


Morgen Teil 3) Nachgedanken, auch zur Hochbegabtenproblematik.
Oder zum Irrsinn der "freien Wahl" des Geschlechts



²Es wird gerne übersehen, daß ja die Natur nicht darin ihr Glück findet, in einem rohen Zustand belassen zu werden. Sondern sie "sehnt sich" nach Formung, nach Sinn, nach Einbindung in die Kulturwelt des Menschen, und damit nach höchstem Sinn. Denn so findet sie selber zu ihrer eigenen größeren Entfaltung. Nehmen wir ein simples Beispiel aus dem Alltag: Nehmen wir einen Hund als Haustier. Wer genau schaut sieht, daß dieses Tier regelrecht danach lechzt, vom Menschen mit Aufgaben bedacht zu werden. Sieht, mit welcher Begierde und Freude es sich in menschliche Strukturen einbinden läßt, was beim Hund bis zu gewissen Formen dem Menschen analogen Seelenlebens führen kann. 

Jedes Tier erwartet vom Menschen nämlich, daß er seine Herrschaft über es wahrnimmt und es selbst somit zur höchstmöglichen Erfüllung führt. Denn auch das bloße Tier, der bloße lebende Organismus der Pflanze, ist auf Geist ausgerichtet, insofern ontologisch transzendent, ohne dieses Ziel aber - mangels Vernunft als Selbstverhältnis - selbst erfüllen zu können. Denn alles Leben will zum Einen, zu Gott. Und der ist Geist. Und was die Welt rägt ist LOGOS, ist Sinn. Nur aus Sinn aber nährt sich Leben. Alle unteren, sagen wir: rein vitalen Ebenen sind zu diesem (Welt-)Sinn nur Analogie.

**Deshalb gibt es eben Unkultur, ja Anti-Kultur, denn hier wird die Frage nach der Wahrheit (und der nur in ihr möglichen Klugheit, ja Weisheit) entscheidend. Nicht alles, was also institutionalisiert ist, ist auch zugleich Kultur im Vollsinn, sondern kann auch kulturalisierte Unkultur sein, die den Menschen von sich wegführt. Johannes Paul II. hat also sehr richtig von der "Kultur des Todes" gesprochen, in die sich der Westen entwickelt hat. Die Stellung der Sexualität in der faktischen Öffentlichkeit ist etwa als klare Neurotisierung zu verstehen.

³In welche Richtung dies zu verstehen ist, illustriert ein Beispiel aus der Naturbeobachtung, Rudolf Bruns "Neurosenlehre" entnommen: Ein in der Gefangenschaft überfressenes Eichhörnchen hört trotzdem nicht auf, dem phylogenetisch nicht-egoistischen, also "höher ausgerichteten" Sammeltrieb - Vergraben von Nüssen als Vorsorge - zu folgen. Es scharrt dabei törichterweise sogar auf einem Parkettboden, um es vermeintlich einzugraben. 

***Gerade in den Perversionen findet sich deshalb erstaunlich klar ein höheres, allgemeineres, geistiges Prinzip ausgedrückt, das um Durchsetzung, um Leibprägung - weil auf Gesamtwirklichkeit des Menschen ausgerichtet - kämpft und dabei mit viel Kraft nach Verwirklichung (nach außen, in Gestalt) drängt, und auf einen Leib und ein Selbst (als psychische Struktur im Verhältnis nach außen) mit dieser und jener Prägung, manifestierter Haltung, Neigung, Gewohnheit oder auch Denkmöglichkeit etc. trifft.




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Samstag, 25. Oktober 2014

Fehlerhafte Triebe (1)

Es ist einer der verhängnisvollsten Fehler Sigmund Freuds gewesen, den Menschen als ein Kompositum von Einzeltrieben zu sehen, deren beide mächtigste in seiner Konzeption die Libido sowie der ihr entgegenstehende Todestrieb sind, der die "natürlichen", biologischen Kräfte der Libido durch Lebensverneinung zu formieren sucht. Und dabei auch wieder im Überlebenstreben der Natur verankert ist, denn Freud - das vergißt man gerne - ist materialisitscher Evolutionist, und der menschliche Geist ist für ihm lediglich ein Epiphänomen, also eine andere Sichtweise derselben rein biologischen, chemisch-physikalischen Vorgänge.

Wer sein Triebkonzept in allen Implikationen (die Freud meinte nicht nur ignorieren, sondern umschiffen zu können, denn er wollte mit Philosophie nie etwas zu tun haben) aber ausfaltet sieht, welch enormen Einfluß es auf das allgemeine Denken entwickelte, und heute fast als allgemein Sichtweise betrachtet werden muß.

Aber so kann man den Menschen nicht sehen, so ist er nicht. Freud hat eben immer nur an Kranken, an Neurotikern gearbeitet, und von da her recht offensichtlich auch sein falsches Konzept entwickelt (bei allem, was seinen Gedanken sonst an Inspirativem und auch Richtigem beigemessen werden muß). 

Man muß vielmehr die "Einzeltriebe" als Auswirkungen des einen und einzigen Lebenswillens (und insofern "-trieb") sehen. Wie ein Baum, der im Zuge seines Wachstums zur Gesamtheit nach und nach einzelne Phasen durchmacht, in denen je ein Aspekt des Menschen (wie er im Erwachsenen, im günstigen Fall, ganz ausgefaltet ist) stärker (immer im Dialog mit der Welt zu sehen) wirkt. Weil quasi seine Stufe dran ist. 

Bleibt freilich ein Mensch in einer dieser Stufen hängen, gelingt es nicht, diese Stufe je weiter zu integrieren, in die nächste höhere Stufe - bis zur Geistigkeit des Erwachsenen - einzubetten, die jeweils die vorangegangen Stufenen in sich birgt, so bleibt er natürlich in diesem vorgängigen Stadium gewissermaßen "hängen". Es hypertrophiert unter Umständen sogar, und beginnt ihn zu beherrschen. 

Der Todestrieb, den Freud mit der Moral (bzw. in weiterer Konzeption: mit dem Vater) gleichsetzt, wird also zugunsten des narzißtischen Triebes (Ödipus als mythologisch-symbolischer Archetyp) zu schwach. So Freud, für den das Leben als Mensch, in der Kultur, nur so möglich und damit aus dem Tod geboren wird. Denn nur über Verbot (Tabu) kann sich Kultur somit entfalten. So Freud, für den damit das "Sublimieren" der Primärtriebe (mit dem Sexualtrieb als zentralen, alles beherschenden darunter) in Sekundärtriebe (als "Kulturtriebe", die auf Gattung gehen) zu einer Form des Todestriebes wird, der dem eigentlichen Leben des Individuums entgegensteht und es über kulturelle, gemeinschaftliche Institutionen und Formen "zwingt". Der Primärtrieb läßt sich für diese Triebkonzeption also nur "zwingen".

Aber Geist ist etwas ganz anders als Moral, und schon gar nicht als "Verbotssituation" zu begreifen. Und wer nur einen Vogel beobachtet, der zuerst seine Jungen versorgt, um dann selbst zu essen, sieht die Widerlegung. Reife ist nicht eine Frage der Stärke des Todestriebes - der über Unterdrückung (und Kollektiv) funktioniert. Selbst, wenn Verbote gewiß eine praktische Rolle spielen.* Er ist die Konstitution des Menschen als sich in der Vernunft selbst besitzender, ergreifender, der über die Begegnung mit der Welt, über die Erkenntnis, über die Ausreifung der Beziehungen zu den begegnenden Dingen, der Welt, zu sich selber kommt.

Der "Todestrieb" Freuds findet eine gewisse Analogie jallerdings in der Erscheinung der Reife, die nämlich tatsächlich ein Selbstvergessen - insofern: ein Sterben - bedeutet, in der sich das Ich dann je neu aus den transzendenten Quellen erhält.

In stufenweisem Aufbau, der aber nie eine Summe ist, sondern immer nur eine Etappe mit je stärkerer Betonung des noch nicht Geistigen, wo die nächste Stufe die vorhergehende(n) besitzt oder besitzen sollte, steht am (gar nie abschließbaren) Zielpunkt seine Geistigkeit, seine Freiheit (die sich im Selbstverhältnis im Verzicht auf das Selbstische - im "geistigen Sterben" also - erst vollkommen ausdrückt). Die nur weltimmanent, nur materialistisch-evolutionistisch tatsächlich nicht begreifbar sein KANN. Denn sie ist in ihrem Wesen transzendent, nur vom Transzendenten her überhaupt verstehbar.



Morgen Teil 2) Unkultur als Weg zur Perversion


*Was man sehr gerne übersieht ist, daß der Mensch in seiner Verfaßtheit ja einem rhythmisch oszillierenden Zustand - Schlaf/Wachen, Ruhe/Aktivität, etc. etc. - eher gleicht, als einem starren, "immer gleichen" Dasein, das er ja gar nie erreicht und erreichen KANN. Im Wachen braucht man kein Moskitonetz, weil man sich gegen diese Feinde zu wehren vermag. Der Mensch als Person ist ein immer aktuelles Geschehen, kein statisch fixierbarer Zustand, das in der Kultur je seine Pole soweit institutionalisiert, als sie ihn zu seinem größten Möglichkeiten auszustrecken helfen, ohne jeden Einzelschritt immer wieder neu setzen und durchkämpfen zu müssen.

Aber es ist klar: Wo eine geistige Struktur fehlt, diese nur im Materiellen vorhanden ist, wie im Materialismus des Evolutionismus, kann es Entwicklung nur in starren Stufen geben, weil das jeweilige Menschlein kein "Backup" hat, aus dem er sich je neu vom Moment der passiven Entspannung her zur Vollgestalt hervorbewegt, die nur geistig - im Erkenntnismaß - konzipiert sein kann.



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