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Donnerstag, 22. Februar 2018

Wahrheit interessiert nicht mehr

Aus einer Rede von Vaclav Klaus, dem vormaligen Ministerpräsidenten der Tschechei, gehalten auf der Konferenz der Association des Climato-réalistes, Musée Social in Paris am 7. Dezember 2017.


Wie kann man das ändern? Ich wage mal zu sagen, dass die Wissenschaft selbst dies nicht bewerkstelligen kann. Die Doktrin der globalen Erwärmung [The Global Warming Doctrine (GWD)] basiert nicht auf Wissenschaft. Demzufolge kann die wissenschaftliche Diskussion selbst diese Doktrin nicht in Verruf bringen.

Ich befürchte außerdem, dass eine entscheidende Änderung auch mit neuen empirischen Daten nicht kommen wird. Es ist offensichtlich, dass die derzeitigen Temperaturdaten weder alarmistische oder apokalyptische Standpunkte der Gläubigen bestätigen noch deren quasi-wissenschaftliche Hypothesen bzgl. einer ausschließlichen Relation zwischen Kohlendioxid und Temperatur. Wie wir alle wissen, zeigten die statistischen Daten keine globale Erwärmung während der 18 Jahre von 1998 bis 2015.

Ideologie, nicht Wissenschaft

Die immer tiefere Diskussion über Formalitäten wird uns auch nicht helfen, weil die Unterstützer der Globalen-Erwärmungs-Doktrin daran nicht interessiert sind.

Deren Gedanken sind die Gedanken von Ideologen, nicht von Wissenschaftlern oder Klimatologen. Daten und Theorien, wie anspruchsvoll sie auch immer daherkommen, werden deren Standpunkte nicht ändern.

Gleiches gilt für die ökonomische Dimension dieser Debatte. Falls jemand Kohlendioxid-Emissionen reduzieren oder ganz eliminieren will, muss er entweder eine Revolution der ökonomischen Effizienz hinnehmen (welche die Emissions-Intensität bestimmt) oder damit beginnen, einen weltweiten wirtschaftlichen Niedergang zu organisieren. Nichts anderes ist möglich.


***

Was Klaus hier sagt kann man mittlerweile auf sämtliche Lebensbereiche übertragen. Wahrheit interessiert niemanden mehr. Man hat ein neues Kriterium - die "Moral". Die eine Lösung auch außerhalb der Wahrheit kennt. Dasselbe, so sagt Klaus ebenfalls in dieser Rede, ist ihm zu Zeiten des Kommunismis begegnet. Auch dort - noch dazu - kam die Moral im Schandfetzen angeblicher "Wissenschaft" daher. Im selben Gewand, in der eine angeblich noch Wissenschaft seiende "postwissenschaftliche Wissenschaft" daherkommt, die zugunsten der Moral die Freiheit und damit die Wahrheit für aufgebbar hält. Wenn die Welt gerettet werden muß, zählt Wahrheit doch nicht mehr?

Es gibt aber kein Gut ohne Wahrheit. Auch der Klimawahn ist eine Variante des satanischen Prinzips der Weltvernichtung.

Wenn etwas am Klimawa(h)ndel apokalyptisch ist, dann dies. Wie immer aber lebt der Satanismus nicht von der Kraft seiner (immer sehr wenigen) Proponenten, sondern von der Zulassung der aus Schwäche Dummseinwollenden. 

Die Hölle ist nicht voll von Teufeln. Sie ist voll von Charaktermüll, der den Dämonen Raum gab und ihnen die Welt überließ, damit sie es weiterhin in ihren Windeln warm hatten.






*040218*

Donnerstag, 7. Juli 2016

Nicht Umwelt, sondern Macht ist das Ziel

Es gibt so etwas wie "natürliche Ressourcen" überhaupt nicht, schreibt Vaclac Klaus in "Blauer Planet in grünen Fesseln". Weder die Ägypter noch das 18. Jhd. noch die Araber im 20. Jhd. haben mit Erdöl überhaupt etwas anfangen können, sieht man von vereinzelten Arzneizwecken ab. Primäre Ressourcen können deshalb auch nicht knapp werden. Und was nicht knapp ist, hat auch keinen Preis. 

Die Bronzezeit ist nicht zu Ende gegangen, weil es keine Bronze mehr gab, die Eisenzeit nicht weil es kein Eisen mehr gab, sondern weil den Menschen etwas anderes eingefallen ist. Das einzige was knapp werden kann sind die einzigen wirklichen Ressourcen, und das sind die menschliche Erfindungsgabe, die Gabe des Menschen sich anzupassen, sich etwas einfallen zu lassen, und vor allem seine schöpferische Lust, seine Lebensbedingungen laufend zu ändern. Erst sie hat (und "erzeugt") einen Preis. Wie die Geschichte zeigt, sind die meisten der Dinge, die unser wirtschaftliches Leben heute bestimmen, vor 100 Jahren nicht einmal dem Begriff nach bekannt gewesen. Wie also sollten wir vorhersehen, was in 100 Jahren das Leben der Menschen bestimmt? Noch nie in der Menschheitsgeschichte aber ist diese Ressource knapp geworden. Sie war immer da, und hat das Leben der Menschen permanent verändert. Erst wenn sie enden würde, könnte es aus werden. (Aber der Mensch hat eben in Gott auch Anteil an dessen Unendlichkeit; Anm.)

Der Ökologismus, schreibt Klaus weiter, geht von einem starren Begriff sowohl von Umwelt aus, als auch von Gegenwart, die er linear in die Zukunft verlängert. Das widerspricht auch jeder empirischen Erfahrung, zeigt aber etwas anders: Die größenwahnsinnige Selbstüberschätzung, in der man meint, die Gegenwart wäre nicht nur jeder Vergangenheit überlegen, sodaß diese sich endgültig be- und verurteilen ließe, sondern sie wäre auch der Endpunkt menschlicher Entwicklung. Sie übersieht, daß wir in einer Umwelt leben, die dynamisch ist, die sich fortlaufend veränderte, und die vor allem der Mensch laufend verändert hat. Als die Römer zu uns kamen, kamen sie in ein unfreundliches, unwirtliches, lebensfeindliches Gebiet. Als sie wieder gingen, war es ein fruchtbarer, weitgehend schon kultivierter Lebensraum, in dem ein Wohlstand aufgekommen war, der die angrenzenden Völker gierig danach greifen ließ.* Woraufhin er wieder verfiel.

Wäre es richtig, den Hirten in Anatolien vor 2000 Jahren aus heutiger Sicht vorzuwerfen, daß ihre Ziegenherden alles abgefressen haben, weshalb Berghöhen verödeten? Sie haben getan, was am naheliegendsten war, und Menschen die heute dort leben tun etwas anderes, und nach wie vor leben dort Menschen. Umwelten sind ein immer dynamisches Geflecht unendlicher Wechselbeziehungen, die wir nicht nur nicht kennen, nach wie vor nicht, sondern die auch ins Weltall hin offen sind, ja - siehe: Sonne - vermutlich sogar von dort entscheidend (wenn nicht überhaupt nur von dort) geprägt sind. Sie plötzlich auf ein paar Faktoren zu reduzieren um "globale" Entwicklungen zu prognostizieren ist schiere Dummheit.**

Deshalb sind auch Hochrechnungen über "künftige Klimakosten", die diesen oder jene Reduktion des BIP über Steuern zugunsten von "Klimaschutzmaßnahmen" angeblich rechtfertigen würden, ökonomisch haltloses Schwadronieren. Denn jeder Wert "diskontiert sich".² Nicht nur kann niemand vorhersagen, wie sich welche Maßnahmen und Folgen (wenn denn schon) zukünftig als Kosten zu Buche schlagen weil diesen oder jenen Preis haben, sondern sogar die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß veränderte Techniken und Wertbeziehungen diesen Aufwand nicht einmal bemerkbar machen werden. (Beispiel: Vor 150 Jahren wäre der relative Aufwand enorm gewesen, Land für Getreide in so hoher Ertragsdichte wie heute zu bewässern, wie es durch weniger Feuchtigkeit benötigende Sortenzüchtungen mittlerweile nötig ist. Und nur ein freier Markt konnte das leisten, denn jede zentral gesteuerte "Entwicklung" leidet, wie sich nachweisen läßt, zeitlich-exponentiell unter Informationsverlust, wird also degressiv-reduktiv.)

Was sollte damit gezeigt werden? Der Ökologismus (und der auf ihm aufbauende Ökonomismus) baut aus seinen Ansätzen heraus schon auf einer völligen Überbewertung der Folgen heutiger Maßnahmen auf. Im ihm Guten wie im ihm Schlechten.

Für Entwicklung aber braucht es Freiheit, schöpferische Lust, und braucht freie Preisentwicklung als Wirklichkeitsmaßstab. Niemals kann ein Staat von außen ökonomische Entwicklungen vorgeben und bewirken. Das ist Unsinn, und gegen die menschliche Verfaßtheit. Oder - es wäre Unsinn, wenn es nicht um etwas anderes ginge. 

Denn im Ökologismus, sagt Klaus (der es Environmentalismus nennt), geht es überhaupt nicht um Umwelt, das ist glatte Lüge und vorgeschobenes Argument, wie sich leicht beweisen läßt: Keine ökologische Bewegung hat noch jemals erreicht, was sie vorgab, erreichen zu wollen. Wenn es zu Verbesserungen gab, dann war das dem Erfindungsgeist zahlloser einzelner Menschen zuzuschreiben. Und sie hat ja auch immer wieder sehr schnell vergessen, wogegen sie gerade einmal einen Feldzug führt.

Es ist uns nicht einmal möglich zu sagen, was und wieviel ein Grad Celsius Lufttemperaturveränderung in 100 Jahren überhaupt bedeutet, und das auch noch in unterschiedlichsten Weltgegenden. Denn die Welt als hoch komplexes System hat sich pausenlos verändert und tut das weiterhin, und so hat sich auch das Klima ständig verändert. Gleichzeitig ist der Kontext unserer Bewertungssysteme ganz anders und zu jeder Zeit anders als heute.

Das Ziel des Ökologismus liegt eben ganz woanders: Macht. Und ihr Gegner ist die Freiheit der anderen Menschheit. Um die zu beschränken braucht es die Einschüchterung in Gestalt einer tödlichen Bedrohung und Schuldgefühle auf Basis eines festgeschriebenen Paradieseszustands, die den Verlust des Glaubens an die eigene Kraft bewirkt und die von irdischen Heilsbringern abhängig macht.




*Der VdZ hat schon mehrmals von jener Zugreise von Salzburg nach Wien erzählt, in der ihm gegenüber eine UN-Beamtin aus Thailand zu sitzen gekommen war. Die ihm die ganze Zeit über erzählte, wie glücklich die Österreicher sein könnten, in einem solchen reichen Land zu leben, wo es sich leicht im Wohlstand leben ließe. Während es in Thailand so hart sei zu überleben. Sie hat ihn mit großen Augen angesehen als er ihr erzählte, daß das alles Kulturleistung ist, mühsam von den Vorfahren aus Urwald und Wildnis in 1000 Jahren herausgearbeitet. Und daß dabei die religiöse Haltung - Welt als von Gott gegebene Aufgabe - die entscheidende Rolle gespielt hatte. Sie glaubte es auch nicht, denn ihr Sermon von den armen, benachteiligten Völkern, denen wir von unserem unverdienten Reichtum abzugeben hätten, war fest eingebrannt.

**Gerade aus der Erfahrung der Entwicklung der Zivilisation, so lange es Menschen gibt, die immer ihre eigene Gegenwart mit eigenen Wertbezügen haben als unsere heutige Gegenwart ausmacht, sind materielle Dinge praktisch immer einem Preisverfall unterworfen, verlängert man sie in die Zukunft. Das ist eines der gewichtigen Argumente für die Bedeutung von Zinsen für Wertsicherung. Was uns heute an Dingen als wertvoll erscheint, wird morgen mit hoher Sicherheit weniger wert sein, weil sich die Wertbezüge jeden Tag ändern. (Natürlich kann das auch umgekehrt der Fall sein, diesen Gedanken findet der VdZ seltsamerweise nicht bei Klaus: Wo vor 100 Jahren ein damals fast wertloser Steinacker war, ist dasselbe Grundstück heute als U-Bahn-Haltestelle mitten in bebautem Gebiet von einem Vielfachen des Wertes. Nur - wissen konnte man das vor 100 Jahren nicht. Und nur weil es sogar damals wertlos war, ist vielleicht jene Siedlung entstanden, die es heute so wertvoll macht. So ist eben menschliches Leben und Kultur, so ist Welt. In der es absolute dingliche Werte nicht gibt.)

²Was wie eine ökonomisch-mathematische Haarspalterei aussehen könnte ist als analoge Betrachtung von hoher Bedeutung. Sie nimmt Bezug auf die Geschichtlichkeit des Menschen, die auch ein geschichtliches Wertgefüge ist. Die Diskussion um die Höhe des sogenannten "sozalen Diskontsatzes" ist von großer Bedeutung, weil sie fast metaphysisch zeigt, wie sich gegenwärtige Ding- und auch Wissenswerte zukünftig entwerten weil überholt werden. Viele Ökonomen sind deshalb der Ansicht, daß heutige Werte sogar exponentiell verlieren, d. h. daß heutiges Wissen (oder Dinge, Technik etc.) in fünf Jahren (bei sagen wir jährlich 6 %) 30 %, in 10 aber 90 % oder noch mehr Wert verloren haben? Wundert es da, daß unter dem Argument, Umweltkosten würden sich in zukunft vervielfachen, von Ökologisten fast immer soziale Diskontsätze von nahezu Null angenommen werden, d. h. heutige Werte in ferne Zukunften transponieren? Der Hintergrund dieser Diskussion ist also das oft vorgebrachte Argument, Klimaschutz heute hätte wirtschaftliche Notwendigkeit, weil die Kosten in der Zukunft NOCH HÖHER sein würden. Das ist aus den hier darzustellen versuchten PRINZIPIELLEN ÖKONOMISCHEN Gründen nicht richtig!





*230516*

Dienstag, 12. August 2014

Argumente

Man muß natürlich vorsichtig sein in seiner Meinungsbildung über größere politische Zusammenhänge, denn dem gemeinen Mann stehen nur sehr ausgesuchte Informationen zur Verfügung. Auch die Kenntnis von Personen in den betreffenden Ländern hilft oft nur wenig, im Gegenteil kann es den Blick noch deutlicher trüben. Denn das Abstrakte läßt sich erst erkennen, wenn man von eigenen Interessen absehen kann.

Aber was Vaclav Klaus in diesem Artikel über den Fall Ukraine - Rußland schreibt, deckt sich so weitgehend mit dem hier Vorzufindenden, daß der VdZ aus dem vorhandenen Material schon recht gut gedeutet haben dürfte. Aus dem er lediglich Prinzipien ablas und Vektoren anlegte. Klaus, der gewiß mehr Einblicke hat (und als Präsident der Tschechei hatte) als der VdZ bestätigt das nun noch durch zahlreiche Details. Die der geneigte Leser dort im Wortlaut nachlesen möge.

Die Ukraine, so interpretieren wir Klaus, hat es bis heute nie geschafft, einen stabilen Staat aufzubauen. Wirtschaft und politische Strukturen sind in den zwanzig Jahren seit ihrer formalen Unabhängigkeit nie ausreifend zu einem Staat gereift, das Land ist völlig heruntergekommen und hat keine staatliche Tradition, an die es anknüpfen könnte. Mit dem Konflikt West- und Ostukraine, mit vorwiegend russischer Bevölkerung, zugleich aber dem wirtschaftlichen Schwergewicht des Landes. Und - mit größerer Rußlandnähe. Die Unzufriedenheit, die sich so leichtfertig über demokratische Prozesse hinweggesetzt hat, ist deshalb in der Westukraine beheimatet. Und dort sucht man das Heil in einer Integration in die EU mit starker Anlehnung an die USA. 

Das wollen aber die Russen der Ostukraine aus verständlichen Gründen nicht. Detail am Rande: die offiziellen ukrainischen Soldaten auf der Krim sind nach deren Unabhängigkeitserklärung und (von Rußland angenommene) Bitte um Anschluß an Rußland in Scharen zu den Russen übergelaufen. 

Sie sehen das eigentliche Rußland in relativer Ordnung und mit immer besser funktionierender Wirtschaft, die auch Wohlstand schafft, dastehen. Es hat diese Transformationen seit der Wende wesentlich besser bereits bewältigt, ja hat es sogar geschafft, sich wieder auf der Weltbühne zurückzumelden. Die Dämonisierung Putins durch den Westen ist, so Klaus, nicht Politik der EU, sondern Ablenkungsmanöver um zu verschleiern, daß die EU gar keine Strategie - und schon gar keine Einigung im Inneren darüber - hat. Außer das neblichte und auffällig amerikabezogene Ziel, ihren Einfluß bis an die Grenzen Rußlands zu erweitern. Das gehört aber nicht zu den Zielen etwa der Tschechei, die an einer Verschärfung nicht interessiert sind und Rußland nicht in die Enge treiben wollen. Denn das tut die EU.

Das Argument, daß die separatistischen Bestrebungen deshalb zu verdammen seien, weil sie sich gegen die ukrainische Verfassung richteten, sei schlichtweg hanebüchen. Denn dann hätte es in der Weltgeschichte nie Veränderungen gegeben. Selbst die Tschechei hat ja 1918 gegen die Verfassung Österreich-Ungarns verstoßen. Gesetze haben nur dann Sinn, wenn sie von der Bevölkerung getragen werden. Staatsgrenzen müssen dem Empfinden der Menschen Rechnung tragen. Weicht das Rechts- und Raumempfinden der Menschen ab, werden sie sich über kurz oder lang auch durchsetzen und jene staatlichen Ordnungen suchen, die es befriedigen.

Und dennoch muß man größte Vorsicht anmahnen: Denn was Klaus nicht bewußt sein will (und die Gründe dafür sind evident: er würde seine eigene Legitimität damit in Frage stellen) ist, daß er gefährlich mit der Auflösung des Staatsbegriffs jongliert. Wenn aber Staaten nicht mehr souveräne, respektierte und generell gleichwertige Subjekte des internationalen Handelns (in einem kollektiv geordneten Raum) sind, dann bleibt kein einziges wirklich substantielles Subjekt mehr übrig. Dann löst sich jeder Rechtsraum auf. Und so weit scheinen wir ja längst zu sein: In einem Zuhalten auf Zustände der Gewaltverhältnisse, wie wir sie vor 1500 Jahren in mühsamem Voranschreiten bereits überwunden haben. 

Wo sich die Subjekte als solche selbst definieren, und - eiderdautz - immer kleinere Gemeinschaften werden, bis es nur noch Einzelpersonen sind, und denen fehlt erst recht der Status als gleichwertige Partner. Man kann sich nicht einfach als Subjekt selbst definieren. Wo das geschieht ist die Provokation des anderen notwendige Folge, denn Subjekt bedeutet immer die Gleichzeitigkeit der Gegebenheit DURCH DEN ANDEREN mit. Es ist deshalb nicht zufällig und Symptom, wie widersprüchlich heute schon argumentiert wird, wenn es um Kriterien für Staat und Völker und Selbstbestimmung etc. geht. Hier ist es der Wunsch einer Volksgruppe nach Autonomie der zählt, dort gilt er plötzlich nicht mehr. Hier ist es religiöse Gemeinschaft, dort plötzlich nicht. Hier völkische Merkmale, dort sind sie verpönt. Hier die Forderung nach Staatsauflösung, dort nach Souveränität eines Staates. All das sind warnende Zeichen des Verlusts des Bodens für Recht, das nicht einfach positivistisch gesetzt gedacht werden kann. Aus Pragmatismus, wie Ordnung und Gesetz seit Kant so verkehrt daherkommt, weil es nicht mehr mit den Dingen in Zusammenhang gesehen werden kann. (Kants Vernunftbegriff bleibt ja "blind".)

Es ist der Verlust des Bezugs zu unserer Vergangenheit, daß wir uns nicht mehr vorstellen können und unseren Vätern nicht mehr glauben, was es wirklich heißt, in einem (völker-)rechtsfreien (und substantiell religionsfreien, säkularisierten) Raum leben zu müssen, in dem sich jeder selbst sein Recht verschaffen muß. Denn das ist dann wirkliche Hölle auf Erden, mit der Europa so leichtfertig spielt.




*120814*

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Seher des Wirklichen

Anders als der Verfasser dieser Zeilen will Vaclav Klaus etwas bewirken, mitmischen. Und so wird er nicht müde, immer wieder dasselbe zu sagen. In dem er völlig recht hat. Denn Klaus scheint einer der ganz ganz wenigen Politiker zu sein, die noch ihren Verstand beisammen haben, wie man so schön sagt. Deren Reden noch nicht zu einem fundamentlosen Sophismus verkommen ist. Und damit in der Lage sind, Wirklichkeit zu sehen und zu benennen. 

Diese Woche erscheint ein nächstes Buch von ihm, in dem er der Tschechei sogar zum Austritt aus der EU rät. Die Presse schreibt: Die EU trägt laut Klaus zu all dem Schlechten bei, was in der tschechischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft geschieht. Der Ex-Präsident sprach von "Überregulierung, Souveränitätsverlust der nationalen Regierungen, Dispersion von Verantwortung". Die politischen Parteien verlören die Fähigkeit, Grundsätzliches durchzusetzen.

Freilich, ein Beigeschmack bleibt. Denn Klaus gehörte 1996 zu jener Fraktion, die den Beitritt der Tschechen zur EU forcierten, und Klaus hat 2003 den EU-Beitrittsvertrag signiert. Wie es jedem damals erging, der sich dagegen aussprach, davon kann der Verfasser dieser Zeilen ein Lied singen. Sie haben nur das gesagt, was Klaus nun als Altersweisheit von sich gibt. Denn es war vorhersehbar. Und jene, die meinten, es würde anders kommen, weil man es anders gestalten könnte, haben unter mangelndem Realitätssinn, unter fehlender Erfahrung mit der Wirklichkeit der Menschen und unseren Zuständen gelitten. Sodaß sich Klaus gefallen lassen muß daß man ihn in die Riege jener einreiht, die den Mund voll, aber die Hände untätig halten, weil sie in Wahrheit Angst vor der Wirklichkeit haben, und sich deshalb dem oberflächlichen Funktionalismus ausliefern, Ablaufoptimierung betreiben, und dabei die Sinnfrage nicht stellen.

Technokraten, Bürokraten. Menschen, deren Grundstrukturen der Persönlichkeit nie an der wirklichen Wirklichkeit geformt wurden, die als mittlerweile überwältigende Gesellschaftsschicht, die an Wirklichkeitsverlust leidet, ganze Generationen bereits gelehrt hat, daß das was ihnen zustößt nichts mit ihrem Handeln zu tun hat. Daß es eine Separatwirklichkeit gibt, in der sie wie in einem Kunstland ihr Leben verbringen können.

Solche Menschen haben auch Angst, zu handeln. Solche Menschen haben auch Angst vor jeder möglichen Reaktion, die sie sich heftig ausmalen. Weil sie keine Ahnung haben, wie Menschen und Wirklichkeiten wirklich sind. Alltag in Kirche, Politik, staatsabhängigen Wirtschaftssektoren, im Bildungs- und Kunstsektor. Solche Menschen sind unfähig zu handeln. Aber sie sind Meister der Rechtfertigung.

Und sie sind Meister der "späten Einsichten". Beobachtbar etwa an jenen, die heute in den Ruhestand treten, und auf einmal beginnen, "Politik" zu betreiben, die so ganz anders ist als jene, die sie früher betrieben haben, als sie nur versuchten, ihre Schäflein aufs Trockene zu bringen. Die jene Feiglinge und Systemmitschwimmer waren, die das eingebrockt, in erster Linie zugelassen haben, durch Nichthandeln, Wirklichkeitsangst und Kriechertum, worüber sie sich heute in ihren netten Alterssitzen bei edlem Rotwein und Schmankerln aus handverlesenen Bauernbetrieben beschweren. Menschen, die der Welt auch noch das Letzte abbetrügen wollen, um ihr Leben noch ins Trockene zu bringen, so lange das noch geht und dabei nur fortsetzen, was sie je betrieben haben: Ihre Vorteile zu wahren. Um ihre Rente, oder ihre Renditen für Anlagen zu sichern. Die ihnen jene erarbeiten sollen, die sie zuvor im Stich gelassen haben, als sie ihnen noch gleichgültig sein konnten. Eine Generation, die tatsächlich meint, etwas aufgebaut zu haben.

Ja, Traumschlösser. Die sie nie bezahlt haben.



***


Mittwoch, 17. Juli 2013

Wannen das Höhere sich auflöst (2)

Teil 2) Entweder nationalstaatlich - oder gar nicht





Menschliche Gesellschaften haben der menschlichen Art gemäß, die sich in seiner natürlichen Entwicklung erkennen läßt, gleichfalls je aufsteigende Kreise der Selbstausdehnung, der Weltintegration - Persönlichkeitsentfaltung, mit anderem Wort. Es beginnt bei der Grenze der Mutter-Kind-Beziehung, und weitet sich allmählich in immer weitere zwischenmenschlich-gesellschaftliche Kreise. Die sich je weiter umso geistiger in ihre Ursprung darstellen. Wobei schon die Mutter-Kindbeziehung ihrem Wesen nach geistig (auf die Persönlichkeit orientiert) ist, man beachte nur das Inzestgebot, der Austausch untereinander ritualisiert ist und darin das Wesen der Begegnung als Darstellung (und nur darin) verwirklicht.

Deshalb ist auch das menschliche Wirken in bestimmten Umfangsdimensionen, die durchaus in Zahlen zu fassen sind, eingebettet, sich lediglich aber sehr bestimmt in der Art unterschieden wie im Schneeballsystem ausfalten. Zwei, fünf (Familie), zwanzig (Großfamilie), hundert (Sippe, Nachbarschaft, Gemeinde), tausend (Landkreis), zehntausend (Staat). Größer ist das menschliche Wesen nicht ausgelegt, historisch wurde die menschliche Ansprechgröße, sein maximal möglicher persönlicher Wirkkreis auf diese Größe - etwa (5-10.000) - beschränkt gesehen. 

In der Antike begann an diesem Punkt die Kolonialtätigkeit. Weil die nun überzählige Bevölkerung den Staat verlassen mußte. Ab hier kann nur noch ein Repräsentationssystem einsetzen: Wo einer für 10.000 steht, was übrigens dem alten Adelsbegriff entspricht. Es macht keinen Sinn für einen dieser 10.000, in (sagen wir) zwischenstaatliche Angelegenheiten einzugreifen, diese Ebene hat völlig neue und andere Gesetze und Inhalte in ihrem Zueinander. Die sich zwar in allem Unteren wiederfinden, aber in völlig anderer Art. Während "der, der für 10.000 steht", sich von dieser unteren Art abstrahiert haben muß, um dieser Ebene der Beziehung zu entsprechen. Auch das ist ja das traditionelle Selbstverständnis des Adels gewesen, das Aufgehen in einer abstrakten Repräsentation. 

Nur in diesem Größenverhältnis aber kann noch verantwortete persönliche Wahlentscheidung für das Ganze - die es in Fällen wie Krieg oder Ausstoßung gab -  überhaupt getroffen werden, weil zwischenmenschlicher Austausch egal welche Mehrheit noch auch den etwa anders Meinenden mit einschließt. Darüber hinaus besteht die Gefahr wirklicher Gewaltherrschaft der Mehrheit über die Minderheit, droht also das Auseinanderbrechen in Gruppierungen.*

Darüber hinaus müssen deshalb die Repräsentanten diese Entscheidung treffen, und zwar IM ABSTRAHIERTEN SINNE DER 10.000. Die sich in immer größeren Verbänden erneut in hierarchischen Stufen, aber mit strukturell gleichen Aufträgen (der "Querbalken") zusammenfinden, bis zum Allerhöchsten, dem König oder gar Kaiser, welch letzterer aber von andere Kategorie ist.

Das ist das stärkste Argument in der Kritik des Zentralismus, das stärkste in jeder Föderalismusdebatte. Weil Zentralismus alle Zwischenebenen auflöst, um nur als Einzelner allen Einzelnen direkt gegenüber zu stehen. Weil in ihm das Unterste eine ihm nicht adäquate Ebene antrifft, deshalb in seiner Art gar nicht Zupassendes erhalten wird können. Umgekehrt steht das Zentrum als viel zu mächtiges (weil übersteigendes, andere Wirkprinzipien bewegendes) Gegenüber dem Einzelnen gegenüber.

Wenn vor einiger Zeit der Journalist Christian Ortner ein Buch herausgab, in dem er den Sinn der Demokratie hinterfragt, weil die Bevölkerung gar nicht wissen kann, WAS sie in den Wahlen überhaupt entscheidet, so meint er genau da (ohne es zu wissen: er meint, etwa durch ein "Mehr" an Information wäre das behebbar.) Die Abstrakivebenen der Repräsentation des Ganzen sind niemals stufenüberspringend transformierbar. Unterwirft man dieses Ganzheitsprinzip aber der "untersten" Stufe, in Abstimmungen, Wahlen, verliert die oberste Stufe ihre Abstraktion - sie wird "banal", vermag nicht mehr zusammenzufassen.

Umgekehrt darf ein höchstes Prinzip (grundsätzlich) niemals direkt stufenüberspringend eingreifen. Es wird die Ordnung sämtlicher unteren Stufen auflösen, und das gesamte Volk in ein Chaos stürzen - es fehlt die Transformationsmöglichkeit. Es darf nur abstraktiv entscheiden, was "für alle" - ohne jede Konkretion - gilt. (Ohne noch diskutiert zu haben, obwohl es sich aus dem Gesagten ergibt, nach welchen Kriterien und Orientierungen es dieses überhaupt darf oder muß.) Das Kleine, Alltägliche des Lebens im Detail zu regeln, kann niemals Aufgabe eines höchsten Prinzips sein. Es überschreitet unzulässig seine Zuständigkeit.

Im Versuch, das zu illustrieren: Die hohe Mathematik beschäftigt sich mit dem Zueinander von Größen, die aus dem Integral einer Datenkette hervorgehen. Die Erkenntnisse, die sie daraus gewinnt, zeigen zwar die Prinzipien des Vorgehens "auf der Straße", aber der Kaufmann um die Ecke kann damit nichts anfangen. Es wird auch sinnlos sein, ihn in die Geheimnisse der Integralrechnung einzuweihen, und er wird es auch nicht wollen. Seine Anspruchsebene liegt ganz woanders - sagen wir der Anschaulichkeit wegen: in Erlässen über Märkte oder Waren. Je konkreter, vereinzelter die Dinge werden, desto mehr müssen sie auf der ihnen zugeordneten Ebene geregelt werden.

Zugleich wird damit verstehbar, daß eine zentrale Einheit niemals ein Prinzip "schaffen" kann. Es kann nur ausdrücken - darstellen - und als solches verwirklichen, das allen Teilen gleichermaßen zu Grunde liegt! Nur im Maß dieser Übereinstimmung mit der Natur des Vereinzelten kann eine Zentrale überhaupt "stark" sein. Sonst wird sie zur Diktatur, zur Zwangsanstalt. Es wird sträflich unterschätzt, daß die Kritik an der EU in Wirklichkeit keine praktische, sondern eine weltanschauliche Auseinandersetzung über das, was "Natur" bedeutet, anzeigt! Der Kontinent ist geistig viel tiefer aufgespalten und zersplittert, als man zur Kenntnis nehmen will.

Deshalb benötigen auch zwischenstaatliche Verbände eine (in diesem Sinne) föderalistisch-hierarchische Gliederung, mit jeweiligen Ebenen und Strukturen, die zueinander in einem ritualisierten Verhältnis stehen und sich in der Art begegnen, auf der dieser Verband gründet - als Staatenbund etwa. Ein Gegenüber EU : Bürger wäre in jedem Fall eine Katastrophe des Zentralismus. Die im Extremfall einer gesamteuropäischen "demokratischen" Direktwahl nur noch verschlimmert würde, weil es (wie im Mißbrauch!) eine Zustimmungssituation bewirkt, in der der Einzelne sich gebunden fühlt, ohne aber das verantworten zu können (und zu sollen), was er tatsächlich entschieden hat.

Löst man umgekehrt das Nationalprinzip auf, wo eine Nation der anderen gleichwertig gegenübersteht, wird eine EU automatisch zum Spielball der quantitativ mächtigeren Nationen oder Weltanschauungen. Etwas anders anzunehmen wäre schlichtweg naiv - oder bösartig und mit Hintergedanken. Aus dieser Argumentationskette ist zu verstehen, wenn Vaclav Klaus immer wieder davon sprach, daß es "gar keinen Europäer" gäbe. Er hat darin völlig recht. Eine auf weltanschauliche Fronten abstrahierte Politik, die von oben nach unten dekretieren kann, würde eine Katastrophe der Unmenschlichkeit und Utopie auslösen, und Europa in ein Chaos der Selbstentfremdung und Entzweiung stürzen.

Will man Europa einen, so wird es nur über eine Reform - als Wiedererstarkung - der eigentlichen Aufgaben der von unten nach oben gehenden Strukturen und der hierarchischen Repräsentation möglich sein. Alles andere wird zum Totalitarismus, der damit die eigentliche Lebenskraft, die schöpferische Kraft der Menschen, auslöscht. Denn es gibt dieses einende Prinzip der Geisteshaltung nicht mehr, auf das sich eine EU berufen könnte, bzw. ist es äußerst schmal  - und nur in dieser Breite kann Einigung überhaupt stattfinden. Also müssen sich untergeordnete Stufen schützen und bewahren können, um nicht ihrer selbst entfremdet zu werden. Und nur aus dieser Unangegriffenheit heraus kann - wenn - Einheit erwachsen.





*Das kann durch ein Parteiensystem im heutigen Sinn, wo sich also Weltanschuungen gegenüberstehen, NICHT aufgefangen werden, wie auch etwa Simone Weil darlegt. Denn hier wird bereits eine andere Art der Meinungsbildung verlangt, die den Entscheidungshorizont der Einzelnen übersteigt. Auch die Praxis zeigt, daß weltanschauliche Unterschiede auf der Ebene persönlicher Begegnung niemals so dezidiert sind, weil das Gemeinsame im zwischenmenschlichen Lebensvollzug und Entscheidungshorizont immer überwiegt, wie sie es in ihrer theoretischen Gestalt werden. Das ist das Wunderbare in den DonCamillo-Peppone-Geschichten, die genau das zeigen. Mit Parteiprogrammen höherer Rangordnung aber treten unweigerlich zerspaltende weil artfremde, artübersteigende Elemente ins Leben.

Darüber hinaus stehen sich auf der Ebene der Weltanschauungen Unvereinbarkeiten gegenüber, die jeden demokratischen Konsens scheitern lassen müssen, weil bestimmte Dinge vom individuellen Gewissen aus jeweils gar nicht toleriert werden DÜRFEN. Das trifft Christen in der Auseinandersetzung mit der faktischen Welt heute sogar noch weit mehr, weil absoluter und unbedingter, als Nicht-Christen. 





***

Dienstag, 16. Juli 2013

Wannen das Höhere sich auflöst (1)

Hegel schreibt einmal in seiner Replik auf den Pantheisten Spinoza, der überhaupt keine andere Substanz als Gott sieht, daß das Endliche nur durch ein anderes Endliches begrenzt wird (und damit es selbst wird). Insofern muß es an dieser Berührungslinie dieser beiden ein Gemeinsames geben, eines das beide in einer Art anspricht bzw. von beiden angesprochen wird.

Beziehung auf anderes ist somit Grenze, erst sie hält etwas über dem Nichts (das aber eben nichts ist, auch kein "nichts", kein Sein hat) Deshalb halten alle Dinge einander im Dasein, indem sie einander "das andere" sind. Zu sagen, dieses oder jenes IST, heißt zuvor zu sagen: es ist jenes NICHT.

Ein anderer "Ketzer", Giordano Bruno, für den überhaupt alles Seiende als Sein mit dem einen Sein Gottes direkt zusammenfällt, als Teil des Ganzen, beschreibt einen anderen wichtigen Gedanken: Wenn man sich den Kreis in seinem Radius immer größer und größer vorstellt, so wird die Runde des Kreises eines Moments in eine Gerade überspringen. Das eine stirbt, das andere entsteht. Worin Bruno irrt ist freilich, daß es keinen Übergang vom Kreis zur Geraden gibt. Die Wesensübergänge springen eben, sie gehen nicht ineinander über. Für Bruno's Gedanken ist das gar nicht unwichtig.

Doch ist ein weiterer Gedanke dazu wichtig. Der, daß sich dieser Übergang von einem ins andere in hierarchischen Stufen vollzieht. Nach "oben", und nach "unten", und auf je andere Weise.

Leo Gabriel nennt diese Stufen "Translationsstufen". Sie sind jeweils Vielfalt zu mehr Einheit zusammenfassende Abstraktionen. Von Stufe zu Stufe muß also das Abstraktive, das diese Stufe darstellt, als Allgemeines, das in den unteren Stufen zwar enthalten aber ins je Konkretere, Gestaltnehmendere ausgefaltet ist, enthalten sein. Bis in der höchsten Stufe alles enthalten ist, aber nur noch als geistiges Prinzip. Wie es die Religion dann tut, die das Wesen aller Dinge angeht, aber nur noch dieses Wesensprinzip darstellt und weitergibt. Ebenso ist es mit allen menschlichen Gesellschaften, bis zum König, Kaiser, der das Prinzip eines Reichs, eines Staates verkörpert und am Leben hält.

Als Arbeitsteiligkeit ist dieses Prinzip einfach verständlich: Je differenzierter, spezialisierter die (unteren) Teile sind, desto wesentlicher wird das je höhere, bis zum Zentralprinzip, das alles zu einem Ganzen fügt. Aus diesem Zentrum erhält alles seine Bedeutung. Kultur bedeutet also nichts anderes als das je weitere Ausfalten einerseits, das wiederum nur möglich ist, weil es in ein immer größeres, umfassenderes, "gerechteres" Ganzes eingefügt ist.

Der Weltaufbau versteht sich also hier als komplexere, höhere, einfachere Gestalten, Dinge, dort niedrigere, in ihre Vielfalt sich aufspaltende. Das Verhältnis der Einzelteile zueinander, ihre Bedeutung, bestimmt sich also vertikal aus der Hierarchie. Zerfällt das Zentralprinzip, löst sich alles in Bestandteile anderer Art und Bedeutung auf. Der Mensch als Beispiel zerfällt nach dem Tod, der nur "ein" Tod ist, also nicht der einzelner Teile, in alle möglichen Elemente, die zuvor in einem Fleisch/Leib zu Einem geeint waren. Hierarchie und Teile bedingen einander, bringen aber auch einander hervor. Wobei das je höhere Prinzip das je erstere, wichtigere ist, und je mehr Abstrahiertes als seine Wesensart in sich enthält. Es ist mit den je unteren niemals gleich, es transformiert diese in eine andere Art.

Der Schlüssel der Kommunikation der Ebenen untereinander liegt jeweils in der Grenze, die zwischen ihnen liegt. Denn in dieser - oder: als diese - werden die Dinge transformiert. In den Formenübergängen ist jeweils die niedrigere Gestalt in der höheren (abstrahierter) enthalten, oder umgekehrt, geht die niedrigere aus der höheren (bzw. deren Tod) hervor, aber gleichfalls anders, in anderer Bedeutung.

So ist die Vielfalt der Dinge aufeinander zugeordnet, einerseits, und ist innerhalb dieser Vielfalt hierarchisch gegliedert. All das läßt sich in der gesamten Natur ausgezeichnet beobachten.

Damit ist aber auch klar, daß ein "Überspringen" von Stufen dem Wesen der Dinge zuwider ist. Denn ein (sagen wir) zwei Stufen über einem Ding A befindliches anderes Ding D hat die um zwei Stufen abstrahiertere, transformierte Art von A, aber eine transformierende Grenze zu Ding A selbst nicht. Es braucht die dazwischenliegenden Stufen, um mit Ding A in Kontakt, in derselben Welt und jeweiliger Bedeutungsebene - mit jeweils konkretem Sinn - zu sein. Auch die anorganische Natur, ja das ganze Weltall ist in einer solchen Stufenordnung zueinandergerichtet, baut sich auf - und keine Stufe kann übersprungen werden.

Die Art der Hierarchie, die Weise ihres Wirkens, definiert sich wiederum aus der Wesensart und Bedeutung des Geordneten. Insofern kulminiert es in Papst  und Kaiser (König, Präsident, etc.), als Zueinanderordnung, einem Kreuz vergleichbar. Denn die gesamte irdische Vielfalt, vom Kieselstein über die Steinrose und den Flottelhabicht bis zum Bauern und Bürgermeister und Landeshauptmann, kulminiert im irdischen Prinzip, dem Kaiser. Das jedes dieser Einzelteile und -stufen aber wieder durchpulsende Prinzip, das diese überhaupt erst zu Einzelteilenmacht, ist durch den Papst (in den den Ebenen je zugeordneten Bischöfen, Dechanten, Pfarrer, etc.) verkörpert. Eines kann also das andere nicht ersetzen, keines dieser Geist-Welt-Abstrakta ist weniger wichtig, aber je anders.

Je höher die Stufe, desto mehr wird also das Prinzip eines Organismus als "an sich" bedeutender, und kulminiert in den Vertretern dieser Stufe.

Das, was diesen Wandel, diese Transformation bewirkt, ist nicht in dem einen, und nicht in dem anderen enthalten - es ist also transzendent, es ist ein Drittes, ein Transzendentales. Das, was Heraklith dem Feuer, dem Kampf als Ergebnis zuschrieb. Es ist kein simples "Funktionsprinzip", es ist ein Art-Prinzip: In der Selbsttranszendenz einer Stufe nimmt diese am höheren teil.

Prinzipiell haben je hierarchisch aneinandergrenzende Stufen ein und dieselben Grundstrebungen - in ihrer Aktivität den Austausch mit der oberen Grenze (auch hier aber: in einem Sterben), um am je Höheren teilzuhaben, in seinem Sterben als Verlust der Kraft zum Selbstsein das Absinken zur unteren, auch hier bis zum Tod, der immer ein Tod eben jener Stufe des momentanen Selbstseins ist.

Übertragen wir das ganz naiv (aber als Analogie richtig, weil es ein ähnliches, strukturell gesehen beide erfassendes Geschehen ist) auf die menschliche Gesellschaften, so zeigt sich, daß zwischen dem König und dem Bauern kein Berührungspunkt, keine Artgleichheit (wie oben zu verstehen) besteht. Denn das Menschsein läßt sich ja ohne Begrenztheit genauso wenig denken, es hat immer Gestalt, und es hat immer einen Platz in einer Gesamtordnung, eine Stufe, die es einnimmt - einen Sinn, eine Bedeutung.

Auch umgekehrt wird der Bauer nicht gehoben, indem er Stufen überspringt - und zum Kaiser geht. Er wird an diesem nicht mehr, sondern gar nicht mehr teilhaben können, weil er "entartet", seiner Art nicht gemäß handelt. 

Es braucht somit für den König den Kanzler, der den Minister, der den Beamten, und erst zwischen dem Beamten und dem Bauern besteht wieder jene Übergangsnaht, von der hier die Rede ist. Hier besteht natürlicher Wirkzusammenhang.

Nichts anders ist in der societas perfecta nachgebildet, der vollkommenen menschlichen Gesellschaft. Und zwar vom Papst über die Bischöfe, diese über die Priester, zum Gläubigen, haben erst so alle die Teilhabe an dem einen Ganzen, das in sich jede Stufe zu einem ganzen macht genauso, wie es der weltlichen Stufe einerseits quer steht, anderseits ihr diese Ausprägung ALS Art als Prinzip vermittelt.

Das, was ein Papst, der twittert (oder ständig in der Menge badet) macht, ist also keineswegs päpstliches Wirken. Es ist ein artfremdes seltsames "Etwas", das unruhig bleibt, weil es alle Stufen überspringt. Es fehlt der "Transformationsort", die Grenze - die im "Ritual", im "Zeremoniell" zum liturgischen, tänzerischen Berührungsort wird. Die rituelle, zeremonielle Formel enthält jeweils diesen Transformationsknoten, und entspricht dem Inhalt des Transformierten ("verdaulich gemachten"). In jenem Spiel, wo eins dem anderen begegnet, um sich mitzuteilen, und sich wieder zu entfernen. Ein Spiel hört wieder auf.

Deshalb hat jede Stufe ihre Rituale, in denen sie sich selbst repräsentiert, abstrahiert, zusammenfaßt, und in diesen Ritualen begegnet sie den jeweiligen angrenzenden Stufen, um sich mitzuteilen - in eins zu fügen, eins zu werden.

Inadäquate Stufenbegegnungen stehen damit auch nicht in einer Zueinanderordnung des Höheren zum Niederen - sie stehen in GAR KEINER Zueinanderordnung, das Zentralprinzip wird zu "nichts", löst sich ins Einzelne auf.

Genau so wie ein Präsident, der am Würstelstand sein Abendessen einzunehmen pflegt (will man es nicht als liebenswürdige ansehen, als vereinzelte Sonderheit, die das ja genau deshalb ist, weil es nicht artgemäß ist, was jeder nur solange und deshalb weiß, als das Prinzip sonst stark dargestellt wird.) Er schwächt das Staatsprinzip, reduziert damit den Staatsorganismus auf seine ent-ordneten Restfunktionen, enthebt die Menschen und ihr Tun ihrer Bedeutung, worauf ein Kampf dieser Menschen untereinander einsetzt, weil niemand ohne Stufe, ohne Bedeutung, ohne Sinn ÜBERHAUPT leben kann - die Einheit geht verloren.

Je höher die Stufe, desto reiner stellt sie das grundlegendste, abstrakteste Wesen von allem dar. Ihre Art der Bewegung - das Ritual, das Zeremoniell - stellt alles in seinen Prinzipien dar, was in seinem Organismus lebt, hält es in allen durch deren Teilhabe lebendig, erweckt es gar. Die Auflösung, die Nichtung des Höheren, Ganzen schwächt oder nichtet also das Prinzip der Teile.

Im Versuch, es etwas zu illustrieren: Ein Wasserrohr in einem Atomkraftwerk hat eine andere Bedeutung - obwohl es in beiden Fällen "nur" Rohr ist - als in einem Gartenbrunnen. Das Brunnenrohr kann zwar entfernt, der Brunnen inaktiviert und das Rohr in einem (aktiven) Atomkraftwerk verwendet werden, nicht aber umgekehrt. Seine Bedeutung, das Ritual, in dem damit umgegangen wird, ist in beiden Fällen unterschiedlich. Sie definiert sich aus dem Wirkkreis des Ganzen, in dem es Teil ist.



Teil 2 morgen) Entweder nationalstaatlich - oder gar nicht





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Dienstag, 4. Dezember 2012

Blind für die Realität

Vaclav Klaus
Er ist hier ein Dauergast, und immer wieder gerne gehört und zitiert - Vaclav Klaus, bis zur nächsten Wahl noch Präsident der Tschechischen Republik. 

Klaus vertritt immer schon ein Europa der Nationen. Den gegenwärtigen, immer energischer eingeschlagenen Weg zu einer EU der Zentralisierung sieht er als gefährlichen Irrtum. "Es gibt ihn nicht, den Europäer," ist einer seiner Standardsätze. Europa ist ein virtueller Begriff, der keine Lebensrealität hat. Es gibt nur Tschechen, Polen, Franzosen oder Italiener. Der Kronen Zeitung gab er unlängst ein nächstes Interview, das seine Klugheit erneut unter Beweis stellt. Auszugsweise sei nur ein Absatz daraus zitiert:


"Krone": Welche Botschaft richten Sie heute an die Europäische Union?
 
Klaus: Es ist nicht möglich, der übernationalen Organisation Europäische Union eine Botschaft zu schicken, denn diese Organisation beziehungsweise Institution hat keine Augen und Ohren. Man kann eine Botschaft an die EU- Politiker richten, aber die haben kein Interesse an einer Botschaft. Soeben kam ich von Laos, von einem zweitägigen Gipfeltreffen EU - Asien zurück, wo alle europäischen Spitzenpolitiker anwesend waren. Mir scheint, sie hören nicht zu und nehmen die Realität nicht wahr. Keine – von wem auch immer geschriebene oder ausgesprochene – Botschaft kann so stark und wirksam sein wie das, was uns allen, die wir in Europa leben, die Realität mitteilt. Die Politiker wollen diese Realität nicht sehen.



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Montag, 27. August 2012

Arrogante Propaganda

Immer wieder von Neuem kann man bewundernd oder gar neiderfüllt nach dem Nachbarn Tschechei blicken, deren Elite immer wieder politische Kräfte von einer freien Denkungsart hervorbringt, die einem den Eindruck vermittelt, damit verglichen in einem Umfeld psychotischer, zumindest psychisch schwer angeschlagener Narren zu leben, die die Atmosphäre des öffentlichen Lebens umso verkrampfter zu kontrollieren versuchen. Darunter deren Präsident, Vaclav Klaus, der hier schon öfter zitiert wurde. Eine der Stimmen, die einen zumindest darin bestärken, daß man vielleicht doch nicht verrückt ist, weil die eigene Meinung von der einer Staatsdoktrin gleichenden "zu habenden" so grundsätzlich abweicht. Inmitten einer Meinungslandschaft, die (selbst schon bis in die persönlichsten Beziehungen hinein, weil auch social media in vielem diesen Charakter aus sicher heraus haben) utilitaristisch nur noch aus Propaganda besteht, ob von dieser oder jener Seite.

In diesem Punkt kann dem Liberalismus - so problematisch (und im übrigen alles andere als einheitlich) manche in seinem Geist vertretene Position ist - dem Klaus gewiß zuzurechnen ist, sogar vielfach zugestimmt werden, weil er zumindest Gegenposition gegen die ideologisierte Dunstglocke bedeutet, die einem oft die Luft zum Atmen zu nehmen droht. So, wie man im Verkehr mit Amerikanern manchmal aufatmet, weil deren Selbstironie für gewisse Zeit befreiend wirkt (bis man merkt, daß er ausweglos ist, weil sich dahinter gar keine Substanz verbirgt.) 

Denn auf der Grundlage einer Menschensicht, die Leben und Wirtschaften als Vollzug lebendiger Individuen (als Darstellung) begreift, ist er noch eher akzeptabel und vernunftkompatibel, wie der kranke Utopismus, der uns hierzulande beherrscht. So sehr das ein "Bruderkrieg" ist, so deckungsgleich nämlich liberale Grundpositionen mit dem metaphysiklosen Materialismus der Gegenwart sind.

Erice (das antike Eryx) auf der Insel Sizilien
Die International Business Times bringt eine von Vaclav Klaus gehaltene Rede auf einem Kongress der World Federation of Scientists in Erice auf Sizilien gehaltene Rede. Dessen Thema das Phänomen der "Klimaerwärmung" und ihrer Behaupter war. Welche Klaus ohne Umschweife Vertreter einer Ersatzreligion nennt, die von einer Haltung erschreckender Arroganz getragen werden.


“… Als jemand, der persönlich die zentrale Planung mit dem Versuch die ganze Gesellschaft von einem einzigen Ort aus zu steuern, erlebt hatte, fühle ich mich verpflichtet, gegen die Argumente und Ziele der Gläubigen der Lehre der “Globalen Erwärmung” zu warnen.

Ihre Argumente und Ziele sind sehr ähnlich zu denen, die vor Jahrzehnten vom Kommunismus verwendet wurden. Die Arroganz, mit der die Panikmacher der globalen Erwärmung und ihre Mitläufer in der Politik und in den Medien ihre Ansichten präsentieren, ist erschreckend. Sie wollen den Markt unterdrücken, sie wollen die gesamte Gesellschaft kontrollieren, die Preise (direkt oder indirekt durch verschiedene Maßnahmen, einschließlich Steuern) diktieren, kurz sie wollen den Markt für sich „nutzen”.

Ich stimme mit Ray Evans über die Orwellsche Verwendung der Worte ‚Markt’ und ‚Preis’ überein: Damit sollen Menschen davon überzeugt werden, eine Kontrolle über ihr Leben zu akzeptieren. Alle allgemeinen wirtschaftlichen Argumente gegen solche Versuche müssen wiederholt werden. Es ist unsere Pflicht, dies zu tun.

Zum Schluss stimme ich vielen ernsthaften Klimatologen zu, die sagen, dass die Erwärmung, die wir erwarten können, sehr gering sein wird. Ich stimme Bob Carter und anderen Wissenschaftlern zu, die sagen, dass es schwierig ist “zu beweisen, dass der menschliche Einfluss auf das Klima gemessen werden kann”, weil “dieser Effekt in der Variabilität der natürlichen Klimaveränderungen verloren” geht.

Vorausgesetzt, dass es keine irrationalen Versuche gibt, die menschlichen Einwirkungen auf die globalen Temperaturen zu mindern, werden die wirtschaftlichen Verluste, die wir verbunden mit einer Erwärmung erwarten können sehr klein sein. Der Verlust in Folge eines völlig nutzlosen Kampfes gegen die globale Erwärmung würde weit größer sein…”

Mehr gibt es dazu kaum zu sagen.

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Freitag, 9. Dezember 2011

Wie sollte es sonst sein?

Vaclav Klaus
Schon öfter an dieser Stelle, und er wird es wohl auch weiterhin, ist der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus erwähnt worden. Denn seine Aussagen sind in ihrer Klarheit und vor allem in ihrem Mut dieser Erwähnung wert.

Freilich, was er nun beklagt, was er nun schildert, ist nur "weise", wenn man sich eine andere Hälfte dazudenkt. Die fehlt nämlich. Es ist die der fundamentalen Demokratiekritik, weil sie in der heutigen Form, und bei diesen Staatengefügen, ein untaugliches Instrument menschlicher Organisation ist.

Das Wesen des Menschen ist hierarchisch, und also ist es auch jede Gesellschaft. Darüber zu klagen, was sich real nun in Europa an Machtkonstellation findet, ist müßig. Hätte es je anders kommen können? Ja im Gegenteil, jetzt wird es erst spannend.

Denn selbstverständlich gilt, was für den Einzelnen gilt, auch in umgelegter Form auf das Zueinander der Staaten! Und nun werden sich - das wage ich hier zu prophezeien - jene nie gelösten Konflikte und Fragestellungen ganz neu stellen, die aus dem 19. Jhd. heraus (nein, schon viel früher ... ich rede hier von Jahrtausenden) in zwei Weltkriegen gemündet haben. Die erfolglos genau diese Frage klären sollten: die der realen Machtverhältnisse am europäischen Kontinent, eingebunden in globale Machtfragen.

Aber hier also Klaus, wie ihn die Kronen Zeitung zitiert:

"Merkel und Sarkozy haben die enorme Kraft, jegliche Entscheidung durchzusetzen, zu der sie gelangen und die die gesamte EU, einschließlich der Tschechischen Republik, betrifft", kritisiert der Staatschef.

Er habe mehrmals erlebt, dass die deutsche Kanzlerin und der französische Präsident "in einen Nebenraum gehen, nach einer halben Stunde zurückkehren" und dann einen Vorschlag präsentieren. "Und dieser Vorschlag wird angenommen", wird Klaus in der tschechischen Tageszeitung "Lidove noviny" zitiert.

In der derzeitigen Krise der Euro- Zone sei die Kraft von Merkel und Sarkozy noch stärker geworden, weil die EU- Institutionen "ganz zahnlos" und "in dieser Hinsicht auch wertlos" seien. Jemand habe die Macht ergreifen müssen, und nur die beiden hätten momentan die reale politische Kraft, so Klaus.

Man dürfe die Kritik nicht persönlich nehmen, hielt Klaus fest: "Mir geht es nicht um Merkel und Sarkozy, sondern um das Tandem der zwei stärksten europäischen Länder. Und dieses hätte nie so viel Entscheidungsmacht, wenn zuvor nicht die Rolle der einzelnen nationalen Staaten so dramatisch eingeschränkt worden wäre."
Papandreou schießt gegen Ex- Kollegen

Auch der ehemalige griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sparte bei einem Gastauftritt beim Parteitag der deutschen Grünen nicht mit Kritik an seinen europäischen Ex- Kollegen. Wenige starke Akteure und nicht die Gemeinschaft der Staaten würden die Maßnahmen beschließen, sagte er, ohne Namen zu nennen.

Gemeint waren aber offenkundig Merkel und Sarkozy, die mehrere Maßnahmen gegen die Schuldenkrise in der Euro- Zone durchgesetzt hatten. Den konservativen Parteien in Europa warf Papandreou vor, mit fremdenfeindliche Ressentiments und nationalistische Tendenzen zu spielen. Nötig sei eine weitere europäische Integration, "Multikulturalität ist kein schmutziges Wort", sagte der sozialistische Politiker weiter. Europas Verschiedenheit könne Stärke sein und nicht Schwäche.



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Mittwoch, 29. Oktober 2008

Mut hat er ja!

Eines muß man den Tschechen lassen: Sie haben einen Präsidenten, der es wagt, selbstständig zu denken, und das auch zu sagen, sich gegen allen Mehrheitsdruck zu behaupten. Dazu hatte und hat in Österreich niemand den Mumm. Wie diese aktuelle Stellungnahme im Standard, wo Klaus in wenigen Worten springende Punkte anführt, die 1993/94 in den Mund zu nehmen von den brutalen, pubertären Meinungsmachern in Politik und Kirche als nazistischer Populismus denunziert wurde. Vielleicht ist es das, was die Österreicher von den Tschechen lernen können: Mut zur eigenen Meinung zu haben, auch wenn man alleine ist.

... Es sei erst 19 Jahre her, dass man in Freiheit leben könne, sagte Klaus ... Vor vier Jahren sei Tschechien freiwillig der EU beigetreten und habe damit einen Teil seiner Souveränität abgegeben. Entscheidungen über öffentliche Angelegenheiten rückten erneut weiter von der Tschechischen Republik weg, meinte Klaus. "Ob dieser Schritt für unsere Bürger einen Beitrag oder eine weitere späte Enttäuschung bedeuten wird, wage ich nicht zu prophezeien. Dies wird erst ein historischer Rückblick zeigen", so der Präsident.

Man solle zwar die Allianz mit jenen Ländern schätzen, die auf denselben Werten aufgebaut seien. Allerdings solle man sich nicht "übertriebene Illusionen über ihren Altruismus machen". Auch diese Länder hätten ihre eigenen staatlichen und nationalen Interessen, so wie sie sie immer gehabt hätten. "Die Geschichte ist nicht beendet. Auch das Geschehen der letzten Wochen bestätigt das", so Klaus.

Angesprochen auf die weltweite Finanzkrise sagte der Staatschef weiters, die Tschechen lebten in einem Land, das die dramatischen Erschütterungen der Finanzmärkte nur mittelbar betrifft. "Unsere eigene Währung und das damit verbundene selbstständige Finanzsystem trennt uns von ihnen. Die Geldeinlagen unserer Bürger und Firmen sind daher gleich sicher wie in den vergangenen Jahren. Ein vernünftiger Optimismus ist angebracht", betonte Klaus, der seit Jahren zu den Kritikern der einheitlichen europäischen Währung gehört.




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