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Samstag, 18. Juli 2020

Hundert Jahre Politik der Unfreiheit

Mit dem nächsten Artikel über Ayn Rand aus diesem Blog, die im August 2010 hier erschienen sind, schließt sich diese Trilogie. Als Teil einer Reminiszenz an vergangene Artikel, die zeigen sollen, daß im Grunde fast alles, was uns heute zustößt, worin wir uns heute befinden, bereits vor vielen Jahren vorhergesehen und gedacht war. Etwas, das jedem mit halbwegs ausgebildeter Vernunft möglich war, dessentwegen sich der VdZ also gar nicht sonders rühmt. Und Ayn Rand zeigt ja, daß das auch vor achtzig oder hundert Jahren bereits möglich war. 

Was heißt ... wer im Rahmen des abendländischen Denkens steht, sieht, daß schon vor tausend, ja zweitausend und mehr Jahren jenes Erfassen des Wirklichen bestand, das im Ewigen verankert jede historische Gegebenheit in Hinblick auf Bestehen oder Vergehen zu beurteilen vermochte. Ein Denken, das das Abendland selbst zunehmend und in einem Gesamtatem (der damit ein Ausröcheln war) verlassen und schließlich in der Aufklärung endgültig pervertiert hat - stehen wir heute in der Frucht der Aufklärung! Wir stehen heute in der Realität dessen, was ein Rousseau bereits vor zweihundert Jahren gedacht und eingeleitet hat! 

Und Rand stand ein gutes Stück ebenfalls in dieser Tradition, wenn sie sich auch verhalten hat wie die Mannschaft in einem Segelschiff, das im Sturm auf jene Seite läuft, die sich gerade neigt, und deshalb aus subjektiver "Erfahrung" als zu leichtfertig rezipierte "Realität" meint, im Gegenteil liege das heilende Rezept. Aber richtig zeigt Ayn Rand, daß es im 20. Jahrhundert eine weltweite Generalbewegung zum Staatsinterventionismus gab. Dieser zeigt am deutlichsten, daß es weltweit (und im Gegensatz zur landläufigen Meinung, daß sich Ost und West unvereinbar unterschieden) seit über hundert Jahren zu einer Gesamtbewegung hin zu Zentralismus und Mechanismus gab. Als welcher die Gesellschaften der Bürger aufgefaßt wurden, die somit zu einem vermeintlich beliebig gestaltbaren Objekt der Politik wurden. 

Was vielfach übersehen wird ist, daß das Begreifen der Verantwortung der Politik damit ebenfalls ausufert, wenn die Gesellschaft und der Mensch als technischer Apparat, als mechanistischer, in rein materialen Prozessen stattfindender Ablauf verstanden wird. Der wie eine Maschine zu bestimmen ist. Damit aber muß sich Politik auch in einem Maß als verantwortlich sehen, das jeden Teil der Gesellschaft zu bestimmen hat. Wenn das nicht oder nicht gleich passiert, so nur aus sentimentaler "Rücksicht" auf Befindlichkeiten, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen Scheinworten wie "Freiheit" Bedeutung beimessen.

Wie wenig aber an die elementare Bedeutung der Freiheit des Menschen als Schlüssel zu Geschichte und Geschick der Bürger geglaubt wird, zeigt die Corona-Krise in erschreckendem Maß. Diese im Grunde auf einer Verachtung der Integrität des Menschen in seiner Schicksalslage - einem personalen Gott gegenüber - aufbauende "Verantwortung" hat eine Politik hervorgebracht, die sekundäre Qualitäten des Lebens (bestimmte Konsummittel, vor allem aber Gesundheit), also Qualitäten, die in jedem Fall erst der eigentlichen Sinndimension des Lebens NACHfolgen, dabei meist nicht mehr als Symptom, nicht Ziel für sich sind, zu ersten Zielen macht. Und damit Politiker hervorbringt, die den wirklichen Lebenssinn mit leichter Hand beiseite drängen, um sich in mechanistischen Ablaufspielen zu beweisen. 

Wobei das Wort Spiel in diesem Zusammenhang beschädigt wird. Denn eine mechanistische Auffassung des Menschen (und eine solche liegt der gesamten Corona-Krise dominant zugrunde) kann gar kein Spiel hervorbringen. Weil das Element der Freiheit nur Zuflucht bei Willkür findet. Aber nicht jenem Schöpferischen Raum läßt, das über das Tor zum Transzendenten erst Leben zeugt wie bedeutet. 

Leben heißt nämlich nicht ZUERST, bestimmte physische Abläufe und Funktionen zu erhalten (denn woher "Leben" kommt, weiß auch die beste mechanistische Welttheorie nicht, es bleibt also auch dort ein Geheimnis, das allerdings nicht mehr als Geheimnis geachtet, sondern ins Regal des Wiß- und Beherrschbaren gestellt und damit entwürdigt, degradiert wird), sondern Leben heißt dem Transzendenten Raum zu geben, ja ist selbst der Atem des Transzendenten, also des Göttlichen Geistes. 

In diesem Rückgriff auf einen Artikel in diesem Blog aus dem August 2010 wird unter Bezug auf Ayn Rands Theorien die Kritik des amerikanischen Interventionismus speziell im Jahre 2008, also der letzten "großen Weltwirtschaftskrise" (die bis heute nicht vorbei ist), vorgelegt. Mit der These, daß es die Politik in ihrem Wahn war, durch direkte Eingriffe das persönliche Lebensschicksal der Bürger zu verändern ("zu verbessern"), die das lebendige (weil von Menschen betriebene) Gefüge der Wirtschaft so durcheinander brachte, daß es in einem Kollaps enden MUSZTE. 

Gezielt wurden als "Antidiskriminierungsmaßnahme" (mit dem Nebeneffekt, bestimmte Wählergruppen an sich zu binden) Kredite zu Bedingungen vergeben, die dem normalen menschlichen Zueinander (und zwar auch, ja gerade in der Nächstenliebe) widersprachen. So, wie das geschieht, wenn die Vernunft ausgeschaltet und durch Richtlinien gelähmt wird, deren Folgen keine Wirtschaft der Welt mehr auszutragen vermag.

Damit haben wir den aktuellen Bezug mehr als uns lieb sein könnte. Wer hier so manches Motiv der BLM - Black Lives Matter erkennt, liegt nicht so falsch. Die eben nicht auf Nächstenliebe beruht, sondern auf dem Vorhaben einer auf bestimmten Gleichheits- und Gutheitsphantasien umgebrochene Maschinenreparatur fußt. Die aber einem lebendigen Gefüge nicht nur widerspricht (und zwar prinzipiell), soviel Ungerechtigkeit es tatsächlich geben mag, sondern eben, wie gesagt, das menschliche Schicksal aus jedem Wirklichkeitsdialog herausreißt und nach menschlicher Vorstellung richtigstellen möchte. 

So "gut gemeint" das alles auch sein mag (wobei der VdZ genau das bestreitet, diese "Gutheit" ist eine Lüge, vor sich selbst wie allen anderen gegenüber), so katastrophal und schädigend für ein Gesamtgefüge ist es. 
Die Welt wurde noch nie durch Weltverbesserer besser. Vielmehr wurde sie durch sie zur Hölle, aus besagten Gründen! Sie verhindert das Leben, will es bis zu jenem Moment aussetzen, bis es nach bestimmten Vorstellungen abläuft. 
Und das ist seit langem in einer Politik erkennbar, die von einem Scheitern zum nächsten eilt, aber ihre Phantasie wahre Eskapaden schlagen läßt, externe Schuldige und Sündenböcke zu suchen. Ob Kommunismus oder Nationalsozialismus oder Faschismus - das 20. Jahrhundert hat gezeigt, wohin diese Form der Weltauffassung führt. 
Aber wir haben nicht nur nichts daraus gelernt, im Gegenteil: Wir glauben mehr denn je an diese Konzepte! Ja unser Denken ist ihr Denken. Das 21. Jahrhundert scheint ihre Realisierung sogar durch technische Entwicklung zu vervollkommnen weil (scheinbar) in Totalität - jeden, alles, jeden Ort umfassend - umsetzen zu können.  
Damit wäre das letzte Hindernis, das das 20. Jahrhundert noch vor sich hatte, und das (wie wir längst glauben) rein technischer Natur war, beseitigt. Die Zustimmung, die der Corona-Wahn in der Bevölkerung findet, macht deshalb mit Recht Angst vor jedem nächsten Tag. 
Denn wir brauchen gar nicht mehr darüber nachzudenken, OB Totalitarismus kommen wird, und wie wir ihn verhindern könnten. Wir HABEN ihn bereits. Wir haben ihn nämlich genau auf jener Stufe, die seine schrecklichste ist: Getragen von den Opfern selbst. Als Hölle auf Erden. 
Und damit haben wir es mit etwas ganz anderem zu tun. Mit der Erhörung des Gebets ganzer Völker. Der von uns vor die Tür verwiesene Gott straft uns damit am schwersten: Er läßt die Welt tatsächlich in unsere Hände gleiten. Vielleicht als einzige Möglichkeit für uns, doch noch zu lernen, denn die paradoxe Intention (die dem vordergründigen, formulierten Wollen nachgibt, es also zuläßt und wirklicht) ist oft ein letztes Mittel, um den Menschen von einem Wahn zu heilen. Und Gottferne ist ein Wahn.
Hier also nun der Artikel aus dem August 2010. Nichts davon ist weniger aktuell. Das ist eben erst Denken: Das Bergen von Strukturen der Wirklichkeit, die es immer sind, die historisches Geschehen konstituieren. Was wirklich passiert, ist immer unsichtbar. Das Sichtbare, das sinnlich Erfaßbare erzählt uns lediglich davon.
 
 
In den Zeitungen fanden sich Artikel die monierten, daß Frauen gegenüber Kreditvergaben restriktiver gehandhabt würden, als dies Männern gegenüber geschah. Man riet deshalb zu Kreditinstituten, die über Internet verfügbar wären, dort würden Frauen als Kreditempfänger sogar die Mehrheit bilden. Und sie nennen es "Frauendiskriminierung".

***

In Zusammenhang mit besagtem Artikel über Ayn Rand, der russischen Apothekerstochter, die 1926 nach Amerika geflohen war, und dort eine beachtliche Karriere als Philosophin hingelegt hatte. Sie warnte eindringlichst vor staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen, das nur funktionieren könne, wenn man es den freien Kräften überließ. Jeder Eingriff staatlicherseits aber wäre zutiefst geprägt von Egoismen politischer Kräfte, und KÖNNE deshalb nur verheerend wirken, weil jede Gesellschaft ein komplexes, aber auch filigranes System eines (sich immer wieder selbst regulierenden) Gleichgewichts eines Volksganzen sei.

Deshalb wehrte sie sich auch vehement gegen den in ihren Augen völlig verkehrten Interventionismus, den Roosevelt in den 1930er Jahren einführte, und der fatale Folgen für die Weltwirtschaft haben MUSZTE. Denn im selben Zuge mußten die entscheidenden Stabilitätsfaktoren, die Rückbindung der Währungen an Maß und Menschengerechtheit, aufgegeben werden. (Denkt man ihre Thesen durch, so kommt man folgerichtig zu den Ereignissen 2008f., denn die Wirtschaftskrise dieser Jahre ist exakt auf diese Ursachen zurückzuführen.)

Ayn Rands Einfluß ist also nicht nur theoretisch gar nicht zu überschätzen, sondern auch praktisch. Denn zu ihren Schülern zählte unter anderem Ronald Reagan, aber auch der langjährige Chef der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan. 

Und über ihn schreibt die FAZ Folgendes:

(Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929 - Parallelen zu heute)

In einem Essay von 1966 kam Alan Greenspan angesichts der Finanzkrise von 1929 zu dem Ergebnis, daß die Spekulationsblase vom unmäßigen Papiergeldfluss kreiert wurde, den die Federal Reserve 1927 in die Banken pumpte. Als daraufhin die britische Regierung mit der gänzlichen Aufgabe des Goldstandards voranging, löste sie den weltweiten Bankencrash aus. Er wäre, wie Greenspan glaubt, zu vermeiden gewesen, hätten die Wohlfahrtsstaat-Advokaten aller Länder nicht ihre historische Chance gewittert. Denn solange der Goldstandard herrschte, waren sie gezwungen, den Machterhalt durch unpopuläre Steuern aufs Spiel zu setzen.

Also lösten sie sich vom Gold und erzeugten einen Rausch der Machbarkeit auf Kosten privater Sparer: „Seines akademischen Jargons entkleidet, ist der Wohlfahrtsstaat nichts weiter als ein Mechanismus, durch den Regierungen den Besitz der produktiven Mitglieder einer Gesellschaft beschlagnahmen und einer breiten Palette von Wohlfahrtszwecken zuführen.“
 
Indem Greenspan das „schäbige Geheimnis“ der damaligen Regierung benennt, legt er auch den Finger auf eine der Ursachen der heutigen Krise: „Die Aufgabe des Goldstandards erlaubte es den Wohlfahrtsstaatlern, das Bankensystem als Instrument zur unbegrenzten Kreditvergabe zu gebrauchen. Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Konfiszierung durch Inflation zu bewahren.“

Sätze wie diese machen Greenspan zur enigmatischsten Figur der Bankenkrise. Er war es, der nach dem 11. September den Leitzins auf ein Prozent herabsetzte und mit der dann zwingend folgenden Kreditschwemme den Immobilienboom auslöste: ein Konsum-Mekka auf Pump. Nicht nur hatten die Sparer nichts von ihrem Vermögen, sie waren auch die künftigen Leidtragenden der auf Taubenfüßen nahenden Inflation. Gelockerte Richtlinien sorgten dafür, dass der Eigenkapitalquotient der Banken im Verhältnis zu ihren Schulden auf 1:30 gesenkt wurde. Die finanziellen Garantien, die es den Banken möglich machten, über ihre Verhältnisse zu leihen, übernahm der Staat. Diese Großzügigkeit schlug vor zwei Jahren in Form von siebenhundert Milliarden Dollar zu Buche, mit denen die Zentralbank die faulen Immobilienkredite aufkaufte. Diese nur von einer hypothetischen Zukunft gedeckte Summe bedeutet de facto eine immense Verringerung des aktuellen Dollarwerts. Der steigende Goldpreis gibt eine Vorstellung von der historischen Entwertung der amerikanischen Währung: Heute zahlt man 1.220 Dollar für eine Unze Gold, bis ins 20. Jahrhundert waren es rund zwanzig Dollar, weniger als zwei Prozent des heutigen Kurses.

Modell für einen Systemwechsel
All dies hat nicht nur mit dem Rätsel Greenspan, sondern auch eine Menge mit den von Ayn Rand vorausgesagten Entwicklungen zu tun. Finanzielle Rücklagen stärken die von ihr propagierte Unabhängigkeit des Individuums, machen es frei von politischen Eingriffen und nach eigenen Vorstellungen handlungsfähig. In diesem Sinne müsste Ayn Rand ganz oben auf der Leseliste der autonomen Szene stehen. Denn durch die finanzpolitische Zentralisierung verschiebt sich die persönliche Verantwortung von unten nach oben. Der Zwang, der dann zur Stabilisierung der Verhältnisse nötig wird, verstärkt die Gewaltbereitschaft im Ganzen.

Ayn Rand war sich darüber im Klaren, dass ihr Modell, wenn nicht auf einen Systemwechsel, dann auf die Abschaffung des Systems als solchem hinauslief. Entspricht es doch der tief implementierten Struktur der Moderne, Verantwortung an Systeme zu delegieren, deren Entscheidungsträger die Folgen ihres Handelns nicht mitzutragen haben.

Wie also konnte Alan Greenspan, der sich noch kürzlich in einem Fernsehinterview zu seiner Lehrerin Ayn Rand bekannte, die zynische Spirale der Dollarentwertung mitbedienen und heraufbeschwören, was er selbst einen Finanz-Tsunami nannte? Fehlte ihm das Rückgrat, angesichts der eklatanten Verletzung seiner Prinzipien zurückzutreten, oder hielt er die Papiergeldflut für das geringere Übel? Bei der Anhörung im Kongress Anfang April gab er gewunden zu, dass die Leitzinssenkung 2003 ohne seine Zustimmung und auf politischen Druck hin erfolgt war.
 
Bei dem unentwirrbaren Gespinst der Vorwürfe, die seit September 2008 kursieren, geht es auch um eine Schuld, die zu schmerzhaft ist, um offen benannt zu werden. Das 1977 vom amerikanischen Kongress verabschiedete Antidiskriminierungsgesetz („Community Reinvestment Act“) verpflichtete Banken, Kredite auch in Stadtbezirke zu vergeben, die ihren bisherigen Vergabestandards nicht entsprachen. Der Dokumentarfilmer Peter Krieg wies darauf hin, dass ein weiteres Gesetz von 1991 den „Vergleich von Kreditverträgen nach Rassenzugehörigkeit ermöglichte - mit dem erwartbaren Ergebnis, dass die Banken offenbar proportional mehr Kredite an Weiße als an Schwarze vergaben.

Dies interpretierte die Politik als Ungerechtigkeit seitens der Banken, die umgehend durch öffentlichen Druck, noch mehr ,antidiskriminierende' Vorschriften und Lockerung des Standards für Kreditvergaben korrigiert werden musste. Wer sich dennoch an seriöse und bewährte Kreditstandards hielt, dem drohten Gesetzgeber und Zentralbanken hohe Geldstrafen an.“ Die regierungseigenen Banken Fannie Mae und Freddy Mac gaben das Tempo vor, mit dem sich durch Verpackung von faulen Krediten Profite erwirtschaften ließen. Wie bekannt, wurde die sich abzeichnende Pleite über Immobilienjunkbonds global verteilt, deren fahrlässig positive Bewertung die Regierung duldete.

***
Anmerkung: Der VdZ ist nicht unbedingt der Ansichten Greenspans, der wie alle Amerikaner ein sehr selektives Verhältnis zur Geschichtsforschung hat, um es gelinde auszudrücken. Amerikaner sind sicher die falschen, geht es um Geschichte. Die Aufgabe des Goldstandards durch Großbritannien in den 1920er Jahren (der dann neben den meisten übrigen Staaten, nicht aber, zum Beispiel Österreich, die USA in den 1930ern folgte) hatte mehrere Ursachen: einmal war das Pfund als Weltflucht- und -reservewährung auf eine Volkswirtschaft bezogen, die sich als zu schwach definierte, diese weltweiten Spannungen auszugleichen. 

Denn zahlreiche Staaten begannen als Gegenmaßnahme gegen ihre "Hauskrisen" die Pfundvorräte gegen Gold (zum verbrieften Kurs!) einzutauschen, und diese Last wollte Großbritannien nicht länger tragen. Nun entschied sich das Empire, die Rolle des "leading players" der Weltwirtschaft (wohl auch in Vorahnung des bald bröckelnden Weltreichs) aufzugeben. Es war also eine politische, staatsmännische Entscheidung, in der Großbritannien nach dem Ersten Weltkrieg seine Rolle als führende Macht der Welt - preisgab. Mit fatalen Folgen für Europa.

Diese Rolle übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die USA, und der Dollar. Und es ist zu beobachten, daß sie selbst diese Rolle allmählich auf-, und an China (oder Indien) übergeben wird. In der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise hat ja bereits China ein wenig diese Rolle gespielt.


*090720*

Freitag, 17. Juli 2020

Aber Gold ist auch keine Lösung


In dieser zweiteiligen Ausführung zu Ayn Rand steht deren Forderung nach einem Goldstandard im Mittelpunkt der Überlegungen zu einer Entwicklung des Papiergeldes (oder: FIAT-Geld). Was Rand richtig sah, war, daß das Papiergeld, das letztlich nur noch aus Aufzeichnungen und dem Vertrauen besteht, daß es durch reale Werte gedeckt ist, und das heißt letztlich immer durch menschliche Arbeit und menschlichen Lebensvollzug. 

Etwas, das der vielleicht schärfste Kritikpunkt an den sogenannten Corona-Maßnahmen ist - es steckt im Wort "menschlich". Nicht sentimental gemeint, aber eben auf keinen Fall als reduktives Begreifen des Menschseins als Summe von technisch auflösbaren Bedürfnissen und Inhalten. Menschsein ist für keine Politik der Welt jemals auf bestimmte Merkmale reduzierbar, die auch durch technische Hilfsmittel (wie das Versorgen mit Geld, das gedruckt wird, dessen Wert, wenn überhaupt nur in der Zukunft zu erarbeiten ist, um "die notwendigen Bedürfnisse zu decken", wie es hieß) zu erfüllen wären. 

Der Shutdown (oder Lockdown) hat vielmehr das Menschsein gar nie bedacht. Das in einer unendlichen Fülle von zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen, persönlichen Zusammenhängen besteht, die, so wie geschehen total abzuschneiden ohne jede Übertreibung eine Form von Folter darstellt. So etwas kann nur dummen, verblödeten und völlig verbildeten Menschen einfallen, die der Zufall, persönlicher Ehrgeiz - Politik darf nie Ziel und Erfüllungsfeld persönlichen Geltungsbedarfs sein! Wer Politik betreibt muß deshalb von einem Ansehen ausgehen, das er bereits besitzt, nicht, das er sich erst erwerben muß! - und gemeingefährliches Kalkül bestimmter gesellschaftlicher Interessensgruppen auf eine Stelle geschoben hat, an der sie dermaßen ungemessene Wirkmöglichkeiten haben, daß es ein Leichtes ist, die wirklichen Grundlagen gesellschaftlichen Lebens wie mit einer Atombombe zu Asche zu verbrennen. 

Die Loslösung vom Goldstandard hat damit zu tun. Warum? Weil sie das wesentliche Betriebsmittel der Politik in unseren Formen von Demokratie - Geld (das immer heißt: Steuern, das immer Belastung der Bürger bedeutet) - vom Wert zu binden vermochte. Wert wurde dadurch zu einer Vorgabe, die es zukünftig zu erfüllen gilt, und ist nicht etwas, das "bereits realisiert ist". Zwar ist es nicht klug, auf Goldstandard zu beharren, weil er jede Wirtschaftsdynamik erdrückt. Und anders als manches Saubergequatsche ist jede menschliche Gesellschaft auf Wachstum ausgelegt, und zwar in Menschen wie in realisierten, vorhandenen und geschaffenen Werten. Nur starre, tote, absterbende Gesellschaften stagnieren und regredieren damit, und das drückt sich auch in ihren Wert (=Geld)gefügen aus. 

Die Alternative dazu ist aber eben nicht liberalistischer Kapitalismus, sondern eine Wirtschaftsform, die genau so wenig beschreibbar ist wie es die Menschen selbst sind. Die aber vom Grundprinzip der Nächstenliebe (und damit Gottesverehrung, denn nur daraus kann Nächstenliebe entstehen wie wachsen) und NICHT von Konkurrenz (als "survival of the fittest") getragen ist. Welches Prinzip das Gute, Edle, Schöne unter den Menschen sogar ausschaltet, und damit jede Kultur (als historische Gestalt einer Gesellschaft) zugrunde richtet.

Garantiert keine Lösung ist aber, was wir seit hundert Jahren mehr oder weniger ungebrochen erleben: Eine Gesellschaftsform vom Staat bis hin zur Familie, in der alles auf Schulden, also auf erst zukünftig zu errichtender, spekulativer Werte aufbaut. Dieses Casinoverhalten muß (sic!) scheitern, weil sich einerseits mathematische, progressive Linearität und menschliche Dis-Linearität im Schicksalsspiel gegenüberstehen.

Für jeden Menschen ist deshalb Geld KEINE lineare, sicher berechenbare Größe, sondern Teil eines Dialogs mit dem (persönlichen, also im eigenen Willen agierenden wie reagierenden) Sein selbst.

Das zu begreifen ist so einfach, daß man sich nur wundern kann, daß die Schuldenthematik bestenfalls die Rolle eines netten "ach ja, da war doch noch was ...?" in unseren Debatten führt. Ernst scheint es niemand mehr zu nehmen. Schon gar nicht die Jungen, die bereits in unseren Sozialstaatssystemen aufgewachsen und von dieser Schein-Mechanik (die eine glatte Lüge ist) geprägt sind. Aber in der Ablehnung dieses mechanistischen Sozialstaats, der Nächstenliebe auf Techniken und Methoden herunterbricht, trifft sich die katholische Sicht des Gemeinwohls wieder mit der Auffassung einer (liberalen) Ayn Rand.


*110810* Fragwürdige Geldentwicklung - Ayn Rand (2)

Die Wurzeln dessen, was Amity Shlaes, eine amerikanische einflußreiche Kolumnistin (Photo), den „Staatskapitalismus des Jahres 2009“ nennt, entdeckte Ayn Rand im „Sherman Act“ von 1890, „einem lächerlichen Flickwerk von undurchsichtigen, unfairen Gesetzen, das amerikanische Unternehmen drangsaliert, zur Ader läßt und sogar erpresst“.

Anmerkung: In den Gesetzen von 1890 hat die USA - in Reaktion auf das ausufernde Wirtschaftswachstum und die entstehende beziehungsweise drohende Kumulierung von Marktmacht - als Waffe gegen Monopolisierung die Möglichkeit eingeführt, Unternehmen zu entflechten, zu zerschlagen, wenn ihre Macht zu groß wird. Dieses Gesetz findet bis heute Anwendung, so wurden in den letzten Jahrzehnten AT&T, IBM und Microsoft aus diesem Punkt angeklagt und mit Zerschlagung gedroht, alle Verfahren wurden aber wieder eingestellt. Als spektakulärste Fälle des 20. Jahrhunderts aber waren Standard Oil, American Tobacco und DuPont per staatlichem Eingriff zerschlagen worden.

Ein besonderer Dorn im Auge war Ayn Rand die Aufhebung des Goldstandards: Papier, doziert einer ihrer Helden „ist eine Hypothek auf Werte, die nicht existieren, assistiert von einem Gewehr im Rücken derer, auf deren Produktivität man sich verlässt. Papier ist ein Scheck, den legalisierte Vandalen sich auf ein Konto ausstellen, das ihnen nicht gehört. Machen Sie sich auf den Tag gefasst, an dem der Scheck mit dem Verweis platzt: Konto überzogen.“  *110810* 


Donnerstag, 16. Juli 2020

Sogar ausgesprochen aktuell


Natürlich wissen wir, daß es mit Ayn Rand ein ideologiebezogenes Problem gibt. Als Vertreterin eines sehr harten Liberalismus, in dem jeder Eingriff in das gesellschaftliche Leben (und das heißt das, was sie als Wirtschaft bezeichnet) als falsch und schädlich gesehen wird, kann sie unsere Zustimmung nicht finden. Denn anders als die Ideologie des Liberalismus sehen wir nicht den Kampf aller gegen alle, mit dem Ziel des "survival of the fittest", des Überlebens der Tüchtigsten (sozusagen), als ideales Klima einer Gesellschaft, wie immer sie organisiert ist, sondern für uns ist die Nächstenliebe das einzige Ferment eines allgemeinen Wohllebens - also das Gemeinwohl. Das jeden Egoismus beschneiden muß, wo er dieses Wohl aller bedrängt. 

Gemeinwohl heißt freilich nicht die Gleichmacherei, die der Sozialismus vorsieht, und es heißt auch nicht, daß alle viel Wohlstand zu haben hätten, und sei es durch obrigkeitlichen Eingriff. Individuelles Geschick hat immer mit individuellem Schicksal zu tun, und das heißt, daß jeder Einzelne letztlich auch selbst und allein dem Schöpfer gegenübersteht. Und daß sein Leben ein Dialog mit Gott ist, kein abstrakter Mechanismus, dem man dann Gott so irgendwie dazuflickt. 

Wie auch immer, es soll nur angedeutet werden, daß wir, wenn wir nun einige alte, hier vor manchmal zehn und mehr Jahren erschienene Artikel, wie die nun folgenden von Ayn Rand wieder ins Schaufenster stellen, damit nicht deren Gesamtphilosophie in den Vordergrund schieben wollen. Sondern es soll das gezeigt werden, was an Liberalen im Allgemeinen zu schätzen ist: Wo aus ihrem Fluch insofern ein Segen wird, als die Liberalen getreu ihrem Grundsatz, daß alles eine Grenze nur dort finden darf, wo es jemandem ins Gehege kommt, oft recht gut Zeitsymptome erkennen. 

Deswegen sind auch Rands Artikel (erneut) lesenswert, weil die Russin, die 1926 vor der kommunistischen Diktatur aus Leningrad nach den USA geflohen ist, oft sehr gut vorhersah, wohin sich der Westen entwickeln würde: Letztlich zu einer Afterversion des Kommunismus! Sie hatte darin völlig Recht. Genau das haben wir heute. Rand ist in vielem, was sie vor achtzig oder hundert Jahren schrieb, sogar ausgesprochen aktuell.


*060810* Eine beeindruckende Frau - Ayn Rand (1)

Die FAZ bringt einen Bericht über die russisch-amerikanische Philosophin des Individualismus, Ayn Rand, die 1926 nach Amerika ausgewandert ist, und dort beachtlichen geistigen Einfluß gewann. Sie war zeitlebens leidenschaftliche Gegnerin der Linken und allen Versuchen des Staates, in die Lebensgestaltung des Einzelnen durch "Sozialmaßnahmen" einzugreifen, zutiefst feind.

Ihrer Ansicht nach entwickelte sich die Gesellschaft als Ganzes bestmöglich dann, wenn sie auf dem Egoismus und den Kräften jeweiliger Selbstentfaltung alleine aufgebaut ist. Jeder Versuch, diesen Individualismus durch egalitären Kollektivismus zu brechen, geht zutiefst an der Würde und Freiheit des Menschen vorbei. Sie sagte Amerika, aber vor allem auch Europa, voraus, daß diese Kontinente im Volkssozialismus enden würden, die die letzten Reste kulturschaffender Initiative erstickt haben.

Die Atmosphäre im Petersburg ihrer Kindheit bezeichnete Ayn Rand als „glanzvollste in der Geschichte der Menschheit“, getragen von „tiefem wechselseitigem Respekt, einem heute unvorstellbaren Wohlwollen und einer selbstbewussten Großmut, die man füreinander und für das Leben empfand“. Mit diesem Ideal schrieb sie drei Romane, mehrere Drehbücher und Theaterstücke und brachte ihr Weltbild auch in zahlreichen Essays zu Papier. Ihr erster Roman, „We the Living“, ist im Leningrad der frühen Zwanziger angesiedelt und hinterlässt einen lebhaften Eindruck nicht nur von Kälte, Enge und Mangel, sondern auch vom geistigen Schreckensregiment der Revolutionäre. Das Studium an der Leningrader Hochschule machte Ayn Rand mit dem Marxismus vertraut und weckte ihre Leidenschaft für endlose Debatten.

In einem ihrer berühmtesten Romane läßt sie zwischen den Proponenten Toohey und Roark folgenden Dialog ablaufen:

„Wir leben im Geiste“, erläutert Tooheys Gegenspieler, der Architekt Howard Roark, „die Existenz ist der Versuch, dieses Leben in physische Realität zu überführen. Jede Form des Glücks ist privat. Unsere größten Augenblicke sind persönlicher Natur, selbstmotiviert, unberührbar. Vor der promiskuitiven Menge verbergen wir die Dinge, die uns heilig oder kostbar sind.“

Doch Toohey weiß, dass sich die Seele brechen lässt: „Sorge dafür, dass der Mensch sich klein fühlt. Flöße ihm Schuldgefühle ein. Töte seine Hoffnungen und seine Integrität. Wenn seine Seele den Respekt vor sich selbst verliert, hast du ihn in der Hand. Die Natur lässt kein Vakuum zu. Nimm der Seele ihren Inhalt - und du kannst sie nach Belieben füllen.“

*060810*


*090720*

Samstag, 23. Februar 2013

Wucherungen (2)

Teil 2) Warum sie sich beeilen, 
ihre Schäfchen aufs Trockene zu bringen




Daß solche Menschen auch keine Beziehung zu "Steuern" haben, deshalb problemlos zu besteuern sind (womit man ihnen ja lustigerweise einen Gutteil ihres Zuviel ohnehin wieder abnimmt, allerdings mit den entscheidenden  Nebeneffekten) oder - wie bei EU-Beamten - keine Skrupel haben, Maßnahmen zu verhängen, die von Subsidiarität so weit entfernt sind wie Stanzösen von schöpferischer Arbeit, liegt somit in der Natur der Sache. Sehen sich solche Menschen doch zwangsläufig (weil im eigenen Erleben verankert, das ihnen die Struktur des "Wirklichen" vermittelt) gesellschaftliches Geschehen als Geschehen von für sich bestehenden und lenkbaren Mechanismen. Womit sie den heute gerade über "höhere" Bildung vermittelten Inhalten bestens entsprechen. Es ist im gegenständlichen Fall also conditio sine qua non, daß EU-Beamte vor allem formal höchste Qualifikationen vorweisen können.

Wie weit auch entfernt vom ursprünglichen Gedanken des Beamten, der sein Amt als Ehrenamt ansah, als Pflicht zum Dienst an der Gemeinschaft übernahm, als Priester der Reichsidee. Sodaß sich mit seiner Amtsführung ganz andere Qualitäten verbanden, als sich Menschen, die nach allen Richtungen abgesichert und von der Lebenswirklichkeit wie in Kokons eingehüllt abgepuffert sind, auch nur vorstellen können.

Man stelle sich nur vor, wie sich ein Beamter einem Staatsminister gegenüber verhält und positioniert sieht, dessen Einkommen noch deutlich unter seinem liegt. Hier drücken sich sehr reale Machtverhältnisse und konkretes Machterleben aus. Hier drückt sich sehr konkret das innere Selbstverständnis der EU aus, als Machtzentrum, das sich nicht auf Bereiche beschränkt, die im Einzelstaat nicht gelöst werden können aber - sagen wir es so - im Rahmen des Weltgefüges notwendig geworden sind, sondern das sich überhaupt als übergeordnete Instanz der Staaten überhaupt begreift.

Der Kaiser - und die EU ist und war exakt diese Instanz als Nachbildung, ein Otto von Habsburg (und einige Gründerväter der EU gleichfalls) war davon beseelt - hat sich nie als Regulator für alles und jedes verstanden. Sondern seine Aufgaben als die Aufgaben des Reiches waren klar auf jene Agenden beschränkt, die dieses Reich auch direkt betrafen: auf Verteidigung staatsübergeordneter Strukturen (wie Kirche, Religion, aber auch kontinentale Fragen, wie in der Auseinandersetzung mit Großmächten, wie großen Feinden aus anderen Kulturgefügen), und auf die Garantie der inneren Rechtssicherheit, dabei aber nicht einmal auf einzelne Rechtsinhalte, sehr wohl aber auf die allen gleichen Rechtsprinzipien (die ja wiederum in der Religion des Einzelnen gründen).

Das Reich war nie als Super-Staat zu verstehen (und wenn wurde es mißverstanden), sondern war auf eine Kultur kulturbezogen. Während die EU zielgenau dorthin strebt: zu einem josefinischen System der Zentralmacht, unter dem jeder Bürger direkt der EU gegenüber steht, Staaten nur noch Verwaltungs- und Umsetzungsorgane der Zentrale sind.

Alles das ist und war in der EU politisch gewollt und durchgesetzt, dabei in der Regel bloße Folge mangelnder geistiger Durchdringung.  Weil längst zuvor in den meisten Staaten selbst Prinzip der Politik. Wer aber die wahren Ursachen des Umstands sucht, daß unsere Wirtschafts- und Staatssysteme außer Rand und Band geraten und nicht mehr sanierbar scheinen, wer die wirklichen Ursachen selbst für die Finanzkrise sucht, die nur ausdrücken, was in den Wurzeln nicht stimmt, sollte dort ansetzen, diesen Zusammenhängen nachgehen. Er wird überrascht sein.
Aus den persönlichen Beziehungen und Formen von Arbeit und Lohn entfremdet, hinausgeschleudert in abstrakte Systeme und neue, abstrakte Werte, deren Definitionsnotwendigkeit zwangsläufig in den Händen der Systemschöpfer liegt, wurden die Arbeitenden zu manipulierbaren, technisch organisierten Massen, in denen der Einzelnen nur noch technischen, abstrakten Gebilden gegenübersteht.

Von denen eine neue und beachtliche Schichte von Funktionärseliten blendend lebt, die eifrig versucht, sich für alle Zukunft abzusichern. Und währenddessen die entindividualisierten Massen mit Scheinwohlstand und Scheinmacht am Gängelband hält, und dabei elegant mundtot macht. Wenn sie aufwachen, was nur heißen kann: wenn die Menschen zu ihrer eigenen Wahrnehmung wieder aufwachen, soll es zu spät sein. Weil das aber nur eine Frage der Zeit ist, ist Zeit wesentlichstes Material der Eliten. Denn sie stehen tatsächlich unter Zeitdruck.**







**Wenn sich aus zahlreichen Berichten und Beobachtungen über Hitler EINES mit Sicherheit sagen läßt, so ist es sein manchmal eigentümlich wirkendes Getriebensein. Carl J. Burckhart berichtet z. B. eindrücklich, wie seltsam es ihn anmutete, Hitler als jemanden zu erleben, der sich ständig unter Zeitdruck fühlte. Er ahnte, ja wußte aber, daß ihm nicht viel Zeit bleibt, daß er vor allem durch ständige Aktivität das Zusichkommen der Menschen verhindern und hinauszögern mußte. Es war sein größter, sein wirklicher Feind.

Warum "Hitler", und überhaupt an dieser Stelle: so oft Hitler? Als Faschismuskeule? Nein. Sondern weil Hitler prototypisch und erstmals in Vollgestalt das Wesen heutiger Politik und Gesellschaftspolitik verwirklichte. Wer daraus weitere Lehren ziehen möchte, sei dazu durchaus ermuntert. 





***

Freitag, 22. Februar 2013

Wucherungen (1)

Die Welt veröffentlichte jüngst eine Gehaltsstatistik, aus der hervorgeht, daß es weit über 4.000 EU-Beamten in Brüssel gibt, die mehr als die deutsche Bundeskanzlerin, weitere 1.760, die mehr als der deutsche Bundespräsident, und weitere 37.400, die mehr als Bundestagsabgeordnete verdienen. Denn die Steuersätze dieses Eigengebildes EU mit seinen 45.000 Beamten liegen auch noch deutlich unter nationalen Einkommenssteuern.





Nicht eingerechnet sind dabei jede Menge "Zusatzgeräusche", Spesen und Zulagen, die für einen guten Teil der Brüsseler Beamten höhere Netto- als Bruttogehälter bedeuten, wie die Bild-Zeitung berichtet. Daß solche Entlohnung natürlich besonders niedrige Sozialabgaben und großzügige -regelungen nach sich ziehen, liegt auf der Hand.

Wie die EU selbst das sieht? Sie brauche doch die Besten. Also müsse man auch entsprechend zahlen. So kann man es auch sehen - daß die EU vor lalem jene holt, die ihren Zwecken am besten dienen. Trösten wir uns somit: über uns wachen in Brüssel tausende Staatssekretäre und Ministrable.* Und alle Mär über Politiker, die weil sie im jeweiligen Inland scheitern, nach Brüssel auf Versorgungsposten weggelobt werden - umoveatur ut amoveatur - ist pure Verleumdung. 

Was mit Menschen charakterlich passiert, die zu viel verdienen, deren Selbstwertgefühl über nicht ihrem wahren Grad des Selbstbesitzes als Mensch entsprechende Gehälter aufgetrieben wird, kann man im Alltag hinlänglich beobachten. Man braucht sich nur umzublicken. Politisch-ideologische Zielsetzungen haben die notwendige Entsprechung von Weite der Persönlichkeit und Weite der Mächtigkeit (die sich auch in Geld ausdrückt) der konkreten Lebenskreise völlig ausgehebelt. Aber hinter diesen Charakterlandschaften steht die Bewegungsmacht von 1 Billion Euro (EU-Budget), schreibt die FAZ. Das liegt der Größenwahn auf der Fensterbank. Was sollte solche Menschen hindern sich berufen zu fühlen, ganz Europa zu verändern?

Diese Erscheinungen sind natürlich keineswegs auf Brüssel beschränkt. Sie stellen sich hier nur markanter dar. Sie sind ein Krankheitsbild ganz Europas. Mit der fatalen Folge, daß der weit überwiegende Teil der Bevölkerungen Österreichs und Deutschlands zu viel verdient, während ein kleinerer Teil zu wenig oder gar viel zu wenig verdient. Denn der heutige Mensch verdankt sein Einkommen abstrahierten Rechenmodellen, nicht dem Zueinander von individueller menschlicher Gesamtwirklichkeit (auf welchem Grundsatz erst das entsteht, was "freier Markt" genannt wird).

Unser gesamtes Wirtschaftsgefüge wird bzw. wurde dadurch bis in die Branchenverteilung hinein in eine abstrakte technizistische, nicht mehr in sich stimmige Richtung verschoben. (Jüngstes Großbeispiel: Die "Energiewende".) Getrieben noch dazu von einem Verhalten, das dem von Dieben analog ist (ohne hier natürlich Menschen auf diese Weise direkt zu inkriminieren, sie sind meist nicht einmal "schuld" an ihren hohen Einkommen, nützen lediglich die Gelegenheit). 

Der Umgang mit Geld hat so mit einem Geschehen, in dem Menschen mit Bedarf in den Produkten wie in ihrer Hervorbringung schöpferischen Wirklichkeiten begegnen, nichts mehr zu tun. Sehr viel Geld wurde damit nie Eigentum in seinem eigentlichen Sinn, als gewissermaßen ausgelagerter, entsprechender Teil der Persönlichkeit, die das Außen mehr oder weniger weit ergriffen hat. Es ist Eigentum nur dem Namen nach, und muß gesetzestechnisch entsprechend abgesichert werden. Als technisches Mittel von Menschen, die lediglich die Bedienungsanleitung "Geld" gelesen und mehr oder weniger gelernt haben. Das ihnen bloß über die Anwendungsklugheit mehr Macht zur Bewegung des Außen einräumt, als ihrer Reife entspricht. Das sie deshalb als Charaktere verdirbt.

Ein Merkmal überhaupt dieser Zeit, das systematisch durch die Technik dem kleinen Geist große Hebel überantwortet. Ja, meist steckt hinter der Hauptlosung vieler - Demokratisierung - gar nicht mehr als die Unbotmäßigkeit kleiner Kinder, die nach der Fernbedienung der Welthebel schreien. Und das in ganz konkreter Weise durch die Einkommenssituation der Menschen diese in Möglichkeiten versetzt, die sich dahingehend auswirken, daß das Kleingeistige die großen Wirkungsebenen bestimmt. So, wie man einem Fünfjährigen einen Herkulesarm überläßt, mit dem dieser dann seinen Willen durchsetzen kann. Was sich darin deutlich zeigt, daß diejenigen, die die Folgen wirklich zu tragen haben, sehr wohl sehr substantiell in der Pflicht bleiben.*

Als Gegenreaktion beginnt die Politik Lüge und  Manipulation als Notwendigkeit zu sehen. Medien, die (durch die Technik umgewandelte, abstrahierte, nur noch daran schwach erinnernde) Agora der Antike, das Althing der Germanen, Nachfolge und Ersatz der Marktplätze und Bäder, werden politisch essentielle Instrumente.



Teil 2 morgen) Warum sie sich beeilen,
ihre Schäfchen aufs Trockene zu bringen




*Vielleicht interessiert den geneigten Leser in diesem Zusammenhang das im Netz kaum noch aufzutreibende weil wegen "Urheberrechtsverstößen" sorgsamst (aber doch noch nicht lückenlos) entfernte Video (bzw. über dieses Link) über die Arbeits- und Entlohnungsmoral in Brüssel.

**Das eigentliche Thema von "Atlas shrugged" von Ayn Rand, übrigens. Bei allen Fehl- und Schieflagen, die Rand's Philosophie sonst hat, drückt sich in ihren Werken genau diese (berechtigte) Wut aus. Daß in einer Zeit allgemeiner Unanständigkeit selbstverständlich und in gesetzlich bemerkenswert klar artikulierten Ausnützungs- und Enteignungsverhältnissen die immer weniger werdenden Substanzträger die Last dessen zu tragen haben, was andere in ihrem Rausch anrichten. Dabei sind sie es - auch und gerade heute - denen die Gesellschaften es verdanken, daß sie nicht abstürzen. Der Schwanz wedelt auch bei uns längst mit dem Hund. Und wenn es eine hervorstechendes Merkmal des heraufziehenden Neuzeit gibt, so ist es das, daß Fortschritt und Machtgewinn durch jene kam, die auf Anstand pfiffen, es nur verstanden, die Substanz anderer auszunützen. Napoleon ist ein illustratives Beispiel dafür. Sie sind es auch, die bedenkenlos Technik implementieren. Von der die Menschheit in ihrer Geschichte immer wußte, daß sie zum Mittel der Unanständigkeit wird, die Welt letztlich destruiert, und deshalb nur höchst vorsichtig und begrenzt einzusetzen ist. Nicht Mangel an Wissen hat den Menschen der Antike gehindert, technizistische Gesellschaften aufzubauen, sondern Mangel an Niedertracht, die Welt derartig ihres Wesens und ihrer Würde zu berauben. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Prometheus-Mythos zu lesen: nicht als Held, wie es heute meist getan wird, sondern als wahrer Übeltäter.

Diese Tendenz aber, diese in Tat umgewandelte Wut (über eine tatsächliche Ungerechtigkeit, keine Frage) bedeutet das Aufkündigen des Staatsganzen, sein wirklicher Zerfall, der ein Zerfall der Solidarität ist, des pars pro toto. Und solche Tendenzen zeigen sich heute in vielfacher Hinsicht, und an Enden, wo man es nicht vermuten würde. So im Kommentar von Robert Menasse zum Ausgang der Abstimmung über das Bundesheer in Österreich, wo sich die Bevölkerung gegen ein vorgeschlagenes Berufsheer, für die allgemeine Wehrpflicht entschied. Menasse fordert aus dem Umstand, daß sich Ältere für die Wehrpflicht, Jüngere eher für das Berufsheer entschieden, daß nunmehr auch die Älteren durch Pensionskürzungen bezahlen sollten, was die Jungen ohnehin ablehnten. Menasse hätte damit aber gewaltigen Erklärungsbedarf, was er unter Demokratie - die sonst in seinem Munde in goldenen Lettern glänzt - überhaupt versteht.

Wobei uns das aus seinem Munde eben gerade nicht überrascht. Denn Fazit seiner monatelangen (übrigens von ausreichenden Subventionen getragene) Befassung mit der EU in Brüssel selbst war eine nachlesbare Stellungnahme, in der er die EU begeistert akklammierte, ja ein bedingungsloses Ja zur Zentralisierung Europas aussprach, WEIL sie als josefinischer, aufklärerischer Überstaat auftritt. 






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Mittwoch, 22. Dezember 2010

Most men here are repressors.

They hide their feelings. That makes women very unhappy.

Interview mit Ayn Rand im Jahre 1979, in dem sie ihre Philosophie darstellt.



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Samstag, 18. Dezember 2010

Schwungvolles Fazit - III

Teil III)  Was Ayn Rands wirklich Stärke ist? Sie wirkt für einen Europäer ... befreiend!


Was Ayn Rands wirkliche Stärke ist, ist eine gewaltige Nüchternheit, ein beeindruckender Realismus, die sie so vieles so klar sehen läßt. Genau deshalb findet sich so manche Übereinstimmung mit aristotelisch-thomistischer, scholastischer Metaphysik, von der Rand offenbar aber wenig wußte. Und das auf eine Art, mit Nuancen, mit Zuständen die sich in den Figuren finden, die wirklich einzigartig sind, und gar nicht konstruiert wirken - dieser Vorwurf kommt ja öfter, wenn die gute alte Psychologie eben weil sie so offensichtlich wahr ist, mancher überholter Konventionalität bezichtigt wird.

Wo Rand gar manches zum Namen bringen, das für einen Europäer - und ein solcher bin ich ja - wirklich neu, aber erlösungsbedürftig war. Hier kommt es erstmals zur Sprache, hier wird es einem bewußt, hier atmet man auf, daß diese Gefühle aus dem dunkelen Keller hervorgeholt werden, wo man sie nur dumpf ahnte, aber nicht um ihre Existenz wußte.

Man wirft Ayn Rand vor, keine Künstlerin zu sein, sondern Philosophin, die ihre Philosophien in Metaphern kleide. Nein, ich bin völlig gegenteiliger Ansicht. Ihre Traktate, die sie in Monologform verpackt, oft fast quälend lang, dabei nie uninteressant, gewiß, sind philosophisch eigentlich schwach, widersprüchlich, und utopistisch (ich habe hier bereits einmal darüber geschrieben: ihre Beschreibung des Paradieses, der Utopie, ist sogar regelrecht lächerlich. Und man hat beim Lesen ständig das Gefühl, daß Ayn Rand das sehr wohl spürte, so kraftlos, so "laberig" ist auch die Sprache in diesen Passagen.)

Es ist der künstlerische Wert, das Ausleuchten so geheimer Winkel, daß man gar nicht wußte, daß sie bestehen, es ist die Identifikation mit Gefühlen, die sie in Figuren darstellt, die man als befreiend erlebt, die das Buch und Ayn Rand lesenswert machen. Schon gar für einen Europäer. Ja, gerade für uns Europäer.

Und das ist eine der Aufgaben von Kunst: das ist ihre kathartische Wirkung. Wenn Unfreiheiten aufbrechen, und der Blick frei(er) wird für das Ganze, wieder fähig zum Staunen, und damit zum Erkennen.


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Freitag, 17. Dezember 2010

Schwungvolles Fazit - II

Fortsetzung) Ayn Rand ist dennoch Künstlerin - ihre Philosophie gibt ihr nur Rückendeckung

Alleine von "Atlas shrugged" (dessen deutsche Übersetzung seit vielen Jahren vergriffen ist) werden in dieser Intention jährlich 350.000 Exemplare an Lehrer und Entscheidungsträger kostenlos versandt!  Denn sie beschreibt dort konzentriert sehr präzise jene Haltungen und Politik, die uns heute zum Verhängnis wurden, was in diesen Jahren ja so offen zu Tage tritt. Und das, obwohl das Buch schon 1957 erschienen ist!

Man muß diesen missionarisch-befeuerten Stimmen (die Amis schaffen es einfach nicht, von etwas überzeugt zu sein, ohne sofort die Welt ebenfalls dazu bekehren zu wollen, und sie verhalten sich wie Abstinenzler nach dem ersten Glas Whiskey) Unbehagen an unserer Zivilisation, jetzt, nach zwei Jahren Krise, nach so vielen Einbrüchen, und weiteren Gefahren, die über unseren Köpfen schweben, dann kann einem auch in Europa angst und bang werden.

Denn mehr und mehr fließt wieder Blut in den nie tot gewesenen Leib einer sozialistischen Utopie, die mit Schrecken beweist, daß es der Materialismus, der Kommunismus, geschafft hat, sich von seinen angerichteten Katastrophen nicht nur zu entschulden, sonder erneut so zu tun, als wäre er die schöne, neue Welt. Weil er gar nie dort war, wo man ihn vermutete ... Er war hier. Nicht dort. Die Mauer fiel, weil es nichts mehr zu tun gab, und sie fiel nicht von West nach Ost, auf daß die Freiheit ströme, sondern umgekehrt. Das war immer meine These.

Ayn Rand ist eine Utopistin, nur von der anderen Seite, um es so abzukürzen, ohne daß es stimmte. Und mit vielem ihrer Aussagen kann man nicht einverstanden sein, sie sind unwahr, falsch gedacht, und oft erstaunlich menschenfremd und unrealistisch, was bei ihr ein wenig überraschend wirken könnte. Aber es sei ihr sogar ihre generelle Religionskritik verziehen - denn was sie sagt, könnte man durchaus als Kritik am Protestiantismus, am Calvinismus vor allem, am daraus geborenen Puritanismus bezogen sehen, und dann - stimmt es. Dann ist es sogar psychologisch haargenau getroffen!

Und nicht nur das, sondern es finden sich viele Stellen, wo sie eine exakte Philosophiekritik liefert, die in ihrer Einfachheit besticht. So, wenn sie schreibt, daß zwar die Gegenwartsphilosophie die Existenz von "etwas", also die Identität von Dingen leugnet, weil alles nur Bewegung sei, gleichzeitig aber übersieht, daß es nur Bewegung und Verwandlung von "etwas" gibt. Oder wenn sie schreibt, daß heutige Philsophen die Existenz von allem bestreiten, während dieselben Philosophen auf den Lohnlisten jener stehen, die durch harte Arbeit dafür sorgen sollen, daß es doch etwas - zum Beißen, für eben diese Philosophen - gibt. Mit einem Leben, das nicht existiert, angeblich; mit einem Verstand, der nur Epiphänomen von Zellenprozessen ist; angeblich; mit.

Oder daß jene Moral einfordern, indem sie "das Leben" zur Sünde erklären (einer der Hinweise auf die protestantische Erfahrung, s.o.), und Gewinne zur verdammenswerten Früchten der Gier erklären, die gleichzeitig genau von jenen Gewinnen leben, die im Sozialstaat umverteilt werden. Jene (Politiker), die nie etwas errichten, aber alles daran setzen, das Errichtete unter ihre Gewalt zu bekommen; die nie denken, aber das Gedachte kontrollieren wollen.

Fortsetzung folgt: Was Ayn Rands wirkliche Stärke ist? Sie wirkt für einen Europäer ... befreiend.

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Donnerstag, 16. Dezember 2010

Schwungvolles Fazit - I

Es finden sich ja zahlreiche Bonmots, in den über sechzig Seiten, als letzter steiler Anstieg vor dem Ende des 1100 kleinstbedruckte Seiten-Schmökers "Atlas shrugged", in dieser unglaublich billigen (in vielfachster Wortbedeutung, nicht zuletzt den Preis betreffend: 6 Euro, frei Haus!) 50th-Anniversary-Edition. 60 Seiten, in denen Ayn Rand noch einmal ausholt, und ihre Philosophie kompiliert vorstellt. Verpackt in eine Radioansprache, einer Generalabrechnung jener (und zwar der Besten), die es satt hatten, ihre Leistungen aufkündigten, davonliefen, weil sie sich in einer Gesellschaft wiederfanden, die meinte, die Welt würde auch auf den Kopf gestellt funktionieren. Weil längst eine verantwortungslose, unmoralische, vor allem aber aller Vernunft abholde, ideologieverdorbene Mehrheit auf Kosten und Konto von immer weniger lebte, die aus Liebe zu den Dingen immer noch alles gaben.

Sie hat, gerade vor dem Hintergrund heutiger sozialstaatlicher (um nicht zu sagen: sozialistischer, es träfe es besser) Wirklichkeiten in weit mehr recht, als man ihr in ihrer eigentlichen Kreuzverweigerung, in ihrer Verkennung der Welt als gebrochen, in ihrem Atheismus, den sie sehr vehement vertritt, in ihrer Utopie alles könnte gut werden,wenn nur ..., in der sie letztlich verfangen ist, zugestehen sollte. Was sonst als Utopie sollte in einer Welt ohne Transzendenz bleiben, als die Utopie eines materiellen Paradieses auf Erden? Was sonst als "romantic" sollte bleiben (und wie ihre Frauenfiguren leidenschaftlich sind!), in einer Welt die keine Liebe kennt, das Gut also nur noch über "interest" definieren kann? Und so weiter, und so fort.

Aber als korrigierender, ja notwendiger und sogar (potzdeibelnocheinmal) angebrachter Reaktion tut es gut, sie zu lesen, ist es tatsächlich Trost. Denn es gibt den Moment, wo das Verweigern einer Last sogar Pflicht sein kann, es gibt ihn, Thomas v. Aquin handelt ausführlich davon. Und so muß man Ayn Rand auch als jenen Teil des berühmten Spruchs sehen, wo es heißt, man handele so, als hinge alles von einem ab. Daran fehlt es nämlich wirklich: an der simpelsten Vernunft, an existentieller Ernsthaftigkeit, mit der der Welt begegnet wird, in Vollkaskomentalität, aber unkontrolliertem Willkürwahn. Daß Rand den zweiten Teil - Doch erwarte alles von Gott - auch gleich selbst übernimmt, ist ein anderes Kapitel. So weit sind wir hier noch nicht.

Eines der besten, zusammenfassendsten Worte von Rand, die 1905 in Rußland geboren wurde, 1929 vor den Kommunisten in die USA floh, es dort nit ihren Büchern, nach langen Durststrecken, zu beträchtlichem Einfluß schaffte, und 1982 starb, lautet sinngemäß  (und nur ein wenig aktualisiert) so:

Daß wir in einer Zeit leben, in der Dinge verbraucht werden, die (noch) nicht produziert wurden, daß Erfindungen vermarktet werden die noch nicht erfunden wurden, daß Mühen belohnt werden die nie geleistet wurden, daß Bewunderung verlangt wird auch ohne entsprechende Leistung, daß (eine falsch verstandene) Liebe verlangt wird die unverdient ist, weil Bestrafung angebracht wäre, daß Bedürfnisse angemeldet werden die niemand bezahlen kann.

Was sie da schreibt, ist nahezu uneingeschränkt wahr, und war es nicht nur bis zur Krise, Rand beschreibt auch das gesellschaftspolitische Klima, das in Europa längst herrscht, und vor dem in den USA so vielen angst und bang ist. Aus diesem Blickwinkel versteht man die ungeheure Popularität recht gut, die Ayn Rand derzeit, in einer gewaltigen Renaissance, in den USA genießt. Wo ihre Bücher Millionenauflagen erfahren, und wo eigene Ayn-Rand-Gesellschaften, so typisch amerikanisch-naiv-begeistert, die Rettung der Welt proklamieren, vorausgesetzt daß diese sich endlich zu ihrer Philosophie bekehrt.


Fortsetzung in Teil II) Warum Ayn Rand aber Künstlerin ist, keine Philosophin

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Montag, 13. Dezember 2010

Einmal ist eben Schluß. Wie gesagt.

Das Lebensgefühl, daß Ayn Rand so ins Zentrum Ihres Schreibens und Denkens gestellt hat, ist auch in Europa höchst real und präsent, nur dachte ich bisher, es sei gut verborgen. Das des Leistungsstreiks. Wo es jene satt haben, die noch ihre fünf Sinne beisammen haben, und weil sie auch noch Herz und Moral haben, den karren weiterziehen, obwohl er von der Politik und einer demoralisierten Bevölkerung ständig weiter beladen wird.

Falsch gedacht? Nun gibt es die erste Warnung deutscher Unternehmer. Unternehmer. Nicht Manager oder Kapitalverwalter oder Politikehrgeizlinge oder Bankbeamte, wörtlich. Mit bei diesem Verband sind Namen wie Oetker (Lebensmittel), Haub (Tengelmann) und Görtz (Schuhe).

In einem offenen Brief haben Sie Kanzlerin Merkel offiziell gewarnt: Sollte tatsächlich die marode Wirtschaft Europas auf Kosten der gesunden "saniert" werden - um nichts anderes geht es bei all den Verbindlichkeiten, die um "die Wirtschaft" und ganze Staaten zu retten, von Deutschland bzw. allen zumindest noch halbwegs gesunden, leistungskräftigen Ländern (nur auf denen sind solche Aktionen ja aufgehangen, worauf sonst?) eingegangen werden - sollte diese Politik also weiterhin betrieben werden, würden sie Deutschland verlassen (müssen).

„Wir Unternehmer müssen dann rechnen, ob es sinnvoll ist, noch in Deutschland zu bleiben“, sagte der Präsident der Vereinigung, Patrick Adenauer. Zudem verlangte er, grundsätzlich die Konstruktion des Euroraums zu überdenken: „Man muss jetzt schauen, wer überhaupt noch im Euro bleiben sollte.“ Deutschland allein sei wohl zu klein, „aber es wäre sicherlich sinnvoll, sich mit den Ländern zusammenzutun, die eine ähnlich solide Haushaltspolitik verfolgen.“

Nun sollen ja noch "Euro-Bonds"ausgegeben werden, die - welch Unglaublichkeit im Grunde - die Schuldner mit der durch die Schulden "gesicherten" Bonität besichern ... Eine Geldvermehrungsmaschine ohne Limit, um den Euro zu retten, denn giengen Staaten der Euzrozone in Konkurs, wäre die Währung ganz Europas am Ende. Was nur ein einziges Opfer kennen würde: jene, die durch solidere Staatsfinanzen nicht bankrott sind. Zu retten wird nämlich gar nichts sein. Aber auch das Gesunde wird ruiniert werden, unter dem "Schutzschirm" für Europas Bankrotteure. Diese Warnungen hört man längst allerorten. Durch die Vermischung der Schulden aller Staaten der EU in einem gemeinsamen Kredittopf wird jede Risikoabschätzung eine Frage des Aberglaubens, und der Schaden für die derzeit noch gesünderen Länder ist gar nicht absehbar, die Währung nicht zu halten.

Sieht man davon ab, daß die erste Konsequenz dieser Niveaunivellierung für Deutschland zu erwartende jährliche Mehrkosten für Zinsen von rund 17 Milliarden Euro sind, schreibt die FAZ in einem weiteren Artikel. Weil der Gemeinschaftszinssatz über jenem liegen wird, den Länder mit nach wie vor guter Bonität derzeit berechnet bekommen, mit Ländern wie Griechenland und Irland, die anstatt der rd. 1,8 Prozent Deutschlands 7 bis 10 Prozent bezahlen. Abgesehen von den folgen für die heimische Kreditwirtschaft, und damit auf die Wirtschaft, denn auc h für die würden die Zinsen steigen. Und das obwohl derzeit geplant ist, "nur" 40 % der jeweiligen Staatsschulden solcherart umzuschulden, der Rest der Kredite nach wie vor frei aufgenommen werden muß, oder kann, was sich neuerlich auf die Bonität dieses Gemeinschafts-Schuldentopfs auswirken wird. Und zwar kaum zu seinem Besseren.

Nicht alle maroden Staaten haben arme Bürger
Mit grotesken Auswirkungen: denn die Frage ist nicht, daß "reich" für "arm" zahlt, sondern "solide" büßt für "unsolide". Z. B. Irland hat eine miserable Bonität als Staat, doch der Reichtum der Iren ist größer als der jedes Deutschen! (Dort ist der Staat quasi der Esel, dem alles aufgepackt wurde.) Die Frage ist also mit Gewißheit zu beantworten: daß nicht das Ganze gerettet wird, sondern auch noch die letzten Wackeren, die erst auf einem Flügel die Lungenentzündung haben, ihre Gesundheit in die Schlacht werfen müssen. In Zahlen: Es geht um Kreditvolumina von rund 3,8 Billionen Euro, für die "alle" (= die Gesunden) bürgen. Solange - wie jetzt - aber manche Staaten nur neue Schulden auf alte draufpacken, kann man davon ausgehen, daß diese Schulden von diesen Staaten nicht mehr bezahlt werden können.

Daß die Proteste in Deutschland heftig sind, hat somit sehr handfeste Gründe. Nicht anderes sehen es die Leistungsträger (und das ist eine Minderheit, das sind also nicht die, die am politischen Ruder sind!) in Ayn Rands "Atlas shrugged". Sie streiken, und weigern sich, weiterhin all die Ideologien und Eitelkeiten und Verrücktheiten der offiziellen Politik zu finanzieren, um dann sogar noch stillschweigend zusehen zu müssen, wie sie bei lebendigem Leib im Namen einer aberwitzigen "Sozialpolitik und bewußt mußdeuteten Solidarität gehäutet und - über Inflation wie letztlich über direkte Maßnahmen als ultimo ratio, um sie der staatlichen Politik genehm zu machen - enteignet werden.

Was hier nun in der Frankfurter Allgemeinen zu lesen ist, klingt schon so. Und den Brief, den ein Verband "Familienunternehmer" abgeschickt hat, könnten und sollten gleich noch die Väter, und alle mit noch genug Verstand - so wenige das noch sind, hierzulande - auf deren Schultern nämlich längst alles ruht, mitunterschreiben.

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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Gesetze des Bankerott

"The law of identity does not permit you to have your cake and eat it, too. The law of causality does not permit you to eat your cake before you have it. But if you drown both laws in the blanks of your mind, if you pretend to yourself and to others that you don't see - then you can try to proclaim your right to eat your cake today and mine tomorrow, you can preach that the way to have a cake is to eat it first, before you bake it, that the way to produce is to start by consuming, that all wishers have an equal claim to all things, since nothing is caused by anything. The corollary (=logische Folge) of the causeless in matter is the unearned in spirit."

John Galt, in "Atlas shrugged" (Ayn Rand)

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Donnerstag, 2. Dezember 2010

Aber einmal geht nichts mehr

John: "Es ist Deine Schuld, wenn ich leide! Es ist Dein moralisches Versagen! Ich bin Dein Bruder, also bist Du für mich verantwortlich, aber Du hast versagt, meine Wünsche zu erfüllen - also bist Du schuldig. Alle Führer der Menschheit haben das so getan, seit Jahrtausenden - wer bist Du, daß Du nun sagst, es wäre anders? Du bist so verdammt stolz auf Dich, hältst Dich für gut und rein - aber Du kannst nicht gut gewesen sein, solange ich leide. Mein Leid ist die Meßlatte für Deine Sünde. Meine Zufriedenheit ist die Meßlatte für Deine Tugend. 

Bildrechte Tripadvisor
Dir paßt Die Welt nicht, so wie sie ist? Aber ICH MÖCHTE diese Welt, so wie sie ist, warum sollst immer Du Deinen Willen haben? Jetzt möchte ich auch meinen Willen, und diese Welt gibt mir meinen Anteil an Autorität, sie erlaubt mir, mich wichtig und bedeutend zu fühlen - also sorge dafür, daß sie funktioniert! Tu etwas, egal was, woher soll ich denn wissen, was Du tun sollst? DU hast alle die Talente, Du hast das Privileg von Persönlichkeitsstärke, nicht ich, Du bist verpflichtet zu handeln. Ich habe dafür das Recht auf meine Schwäche, für die ich nichts kann. Das ist eine moralische Tatsache!"

Dagny: "Ha, Du und Deinesgleichen, ihr glaubt, ihr könnt einem Farmer die Maschinen wegnehmen, das Saatgut verderben, die Scheunen abreißen weil ihr das Holz braucht, und das Vieh aus dem Stall entführen, und trotzdem stellt er sich dann jeden Herbst hin, und bringt jene Ernte ein, die Euch ernährt? Ihr müßt begreifen, daß das nicht geht, ein für allemal: es geht nicht, es funktioniert nicht, einmal ist Schluß!"

(Gespräch zwischen Dagny Taggert und ihr ihrem Bruder John, in "Atlas Shrugged", von Ayn Rand)

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Dienstag, 30. November 2010

Without feelings

"Whenever anyone accuses some person of being 'unfeeling', he means that that person is just. He means that that person has no causeless emotions and will not grant him a feeling which he does not deserve. He means that 'to feel' is to go against reason, against moral values, against reality. He means ... 

Observe that You never hear that accusation in defense of innocence, but always in defense of guilt. You never hear is said by a good person about those who fail to do him justice. But you always hear is said by a rotter about those who treat him as a rotter, those who don't feel any sympathy for the evil he's committed or for the pain he suffers as a consequence.

That's true - that is what I do not feel. But those who feel it, feel nothing for any quality of human greatness, for any person or action that deserves admiration, approval, esteem. These are the things I feel."

Dagny Taggert in "Atlas Shrugged" (Ayn Rand)

*301110*

Donnerstag, 18. November 2010

In der Utopie lächerlich

Es überrascht eigentlich nicht wirklich, daß Ayn Rand in "Atlas shrugged" ausgerechnet dort völlig abstürzt, wo es darum geht, den Gegenentwurf zur zerstörten Welt zu bringen: im "Tal der Gegenwelt", in der sich alle jene finden, die der Welt dort draußen entflohen sind. Sie haben alle gestreikt, der Welt ihren Dienst aufgekündigt, weil sie allesamt als Sklaven mißbraucht wurden, von einer Nomenklatura, die die totale Macht nur deshalb an sich reißen konnte,  weil sie mit einer Niedrigkeit spielte, die den Anständigen fern bleibt, weil fern bleiben muß.

Oder ist es nicht lächerlich, wenn in ehemaliger Fluglinienbesitzer nun Gemüse im Vorgarten züchtet, und angeblich glücklich wie nie ist, und zwar nicht, weil er nun Zeit und Ruhe für anders hat, nein: weil er eine Methode fand, aus seinen paar Glashäusern durch findige Ideen ein Drittel mehr Zucchini herausgeholt zu haben, als jeder Gemüsebauer "draußen"? Weil doch keine Arbeit schlecht ist - sie nur schlecht getan werden kann? Während der Lastwagenfahrer als Ausnahme einmal kein Universitätsprofessor oder ehemaliger Industriekapitän ist, der nun glücklich Straßen mit einer neuen Teermischung ausflickt, sondern tatsächlich ein Lastwagenfahrer war, der aber mehr aus seinem Leben machen will, vielleicht studieren ... ? Da wird die mit Sicherheit ungewöhnlich gescheite Rand regelrecht ärgerlich dumm, und man kann sie riechen, die Amerikaner, die ja alles und jedes zur plumpen, dummen Missionsidee ausformen, mit der sie die Welt retten wollen. Genau daran scheint Rand in dieser Passage ihres Werkes zu scheitern.

Da wirkt sie wie gelähmt, weil sie etwas versucht, das nicht funktioniert, und ohne es zu wollen exakt den Finger auf die wirkliche Problematik gelegt hat: das Leben ist nämlich im Guten nicht deshalb bestimmbar, weil es im Schlechten analysierbar wird. Die Alternative zum Schlechten ist nicht die neue Utopie, als Gegenentwurf zu den Linken, sondern das Aufhören des Schlechten, das in "Restquanten" immer nur zu ertragen bleibt. Mehr geht nicht, will man dem Menschen nicht genau das nehmen, worum es eigentlich geht: seine Würde, seine Freiheit.

Jedes Festmachen einer Vision in einer Utopie muß scheitern und lächerlich werden, und es gibt in der Kirche, in der Bibel, nicht eine einzige, wirkliche Beschreibung des Lebens im Paradies. Da wird das Schlaraffenland zum Tollhaus, weil täglich gebratene Hähnchen keine wirkliche Vision sind, sondern dem Satten Brechreiz erregen. Weil Leben nicht in Einzelphänomenen festmachbar, sondern ein täglich fließender Prozeß eines nie fixierbaren Zueinander ist. Ja, genau das ist eben Leben und Freiheit. Es ist auch nicht, wie Rand als eines der vielen unbeholfenen, ja lächerlich wirkenden Beispiele ernsthaft als Alternative anführt, das Zahlen in Goldmünzen, statt in einer wertlosen Papierwährung. Auch der Wert des Goldes ist nicht absolut, sondern in seiner Analogie zu suchen, die eine menschlich religiöse Haltung verlangt, weil in ihr gründet - nicht in einem absoluten Materialwert. Der ist auch bei Gold nicht rational faßbar.

(Jeder Versuch, Gold in seinem Wert utilitaristisch zu erklären, scheitert ja - Seltenheit? Schönheit? Verarbeitbarkeit? Umgekehrt ist keine Alternative schaffbar, nicht mit Platin, oder Lacthinoide, oder Actinium, oder wie alle sonstigen seltenen Metalle heißen, die in Wahrheit - bei wirklichen Zusammenbrüchen pflegen auch z. B. Handys nutzlos zu werden - eben nur relativ sind.)

Spätestens, als sie über die Schauspieler berichtete, die kein Engagement mehr erhielten, weil sie nicht von der Schlechtigkeit der Menschen berichten, sondern das Schöne, Bleibende an der Welt zeigen, zumindest suchen, den Glauben an jedermanns Bestimmung wachrufen wollten, unterbrach ich die Lektüre für einige Tage.

Das Richtige läßt sich nicht sagen. Es ist das, was übrigbleibt, wenn alles Falsche entfernt wird. Nur das läßt sich exakt erkennen, erfassen. Entscheidend ist ob jemand darauf vertrauen kann, daß dann tatsächlich nicht nur etwas bleibt, sondern daß dann das entscheidende Gute bleibt und Gestalt hat.

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Mittwoch, 10. November 2010

Macht über den Mann

Es ist ein eigenes Thema, ein eigenes Kapitel, wie Ayn Rand, selber Frau, die Liebe der Frauen zu ihren Männern zeichnet. In "Atlas shrugged" zeigen sie sich als in höchstem Maß berechnend, und welcher Mann hat sie nicht so erfahren. Nicht nur, daß sie ihre Leistung darin sehen, den Mächtigen zu beherrschen, worüber sie ihren sozialen Status untereinander definieren, worüber sie ihre Machtkämpfe austragen. Sondern die Mittel, die sie dazu wählen, sind umso bemerkenswerter dargestellt, als diese Darstellung tatsächlichen Erfahrungen nur zu sehr entspricht: der Einzelfall (und so ist die Kunst), zeigt das Allgemeine. (Umgekehrt wäre es Philosophie.)

Ayn Rand, NY, 1964 - Copyright
Die Gattin des Stahltycoons Hank Rearden hält ihren Mann mit einem simplen Trick klein: sie zeigt sich seinen leiblichen Wünschen überlegen, füht ihn damit am Gängelband. Ihre Hingabe im Bett ist mehr als dosiert, sodaß ihm immer klar wird, daß er in dieser so wichtigen Sache von ihr abhängt, daß diese Befriedigung für ihn nur Gnadenerweis von ihr ist, den er sich zu erdienen hat. Alle ihre Aktivitäten, ihre Einbindung in "soziale Kreise", dienen im Grunde nur der Verfestigung der Fundamente ihrer moralischen Überlegenheit, die sich natürlich auf eine manichäische Aufspaltung von Lust, Leib, und Moral zuspitzt. Sie differenziert (unzulässig), indem sie den männlichen Wunsch zum Trieb degradiert, in dem er unter ihr (die sie diesen "Trieb" bei weitem nicht so fordernd erlebt wie der Mann) bleibt. (Während auch der Wunsch, diese "Getriebenheit", ja keine Unfreiheit und damit moralische Verwerflichkeit bedeutet, sondern eine ganz natürliche, richtige Zueinandergeworfenheit von Mann und Frau, in natürlich unterschiedlicher Art und Intensität, anzeigt.) Sie besudelt also seine Ziele, sein Begehren, macht deren Erfüllung zu einem zeremoniellen Akt der Selbstverdemütigung ihrer selbst - damit er sich unterlegen weiß.

Dafür gestattet sie ihm sogar Verhältnisse zu Huren - würde er davon Gebrauch machen. Sie stimmt scheinbar großmütig einem Verhältnis zu, von dem sie weiß, das er ihr nicht mehr verheimlichen kann, und benützt es sogar, um ihn noch weiter mit schlechtem Gewissen gefügig zu machen - sie lebt ein noch großzügigeres Leben. Sie wird erst in dem Moment beunruhigt und wütend, ja wird in dem Moment tatsächlich zerstörerisch, wo sie bemerkt, daß sie keine Macht mehr über ihn hat, weil er diese Frau (eine außerordentlich angesehene Unternehmerin, also alles andere als eine Hure) nicht nur liebt (das wäre ihr noch gleichgültig), sondern weil diese Frau seine Macht nicht für ihren sozialen Rang benötigt - und ihn damit frei läßt, aus ihrer Macht über ihn emanzipiert.

Man muß dem, was Rand darstellt, nicht beipflichten, man kann es kritisieren. Aber es bleibt extrem scharf beobachtet, und in seinen Fakten befreiend wahrhaftig, in einer Offenheit angesprochen, wie sie in der europäischen Literatur fehlt.

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Dienstag, 9. November 2010

Hölle der Liebe

10, 12 Seiten dauert sie, die Passage in "Atlas shrugged", in der Ayn Rand einen jungen Mann erzählen läßt, was für ein Schrecken sich aus der verwirklichten Utopie entwickelt hatte, die bis heute immer noch lebt, ja die gerade heute so populär scheint. Das Beklemmende dabei ist, daß man sich diese ganzen Seiten über ständig sagt: ja, das stimmt, ja, das habe ich auch schon erlebt, ja so ist es, ja so habe ich das erlebt, ja, so sind die Menschen. Und Rand birgt dabei etwas im Wort, das so tief verborgen war, daß man dankbar aufstöhnt, weil es nun befreit ist, weil es nun vor Augen steht.

Es geht um das Schicksal einer Motorenfabrik, die einst berühmt für ihre Präzisionsarbeit war. Der Firmengründer hatte sich damit ein Vermögen erwirtschaftet, und das Unternehmen stand bestens da, als er starb. Seine Erben freilich hatten eine grandiose Idee: sie beriefen eine Firmenversammlung ein, und darin verkündeten sie den Beginn einer neuen Ära.

Hinfort soll niemand mehr ungleich bezahlt oder behandelt werden, sondern jeder nach seinem Vermögen einerseits, und nach seinen Bedürfnissen anderseits. Zwar erhält jeder ein Grundgehalt, das seinen Sockel-Lebensbedarf deckt - Miete, Gas, Strom, etc. - aber alles darüber hinaus, und zwar wirklich alles, von der Gesundenversorgung bis zu Hobbies und Anschaffungen, wird "nach Bedarf" zugeteilt. Umgekehrt muß jeder die Arbeit verrichten, die er zu verrichten in der Lage ist, ohne daß es Auswirkungen auf seine Bezahlung hätte.

Der Bedarf wird in Kommitees ermittelt, die regelmäßig tagen. Ebenso die Arbeit, die jemand zu verrichtenin der Lage ist.

Was sich nun entfaltet, ist ein vier Jahre dauernder Schrecken, der statt der erwarteten Harmonie, statt des erwarteten Glücks für alle, eine einzige Hölle zum Ende hat, in der Haß das alles bestimmende Gefühl ist. Es reichte hier der Platz nicht, um zu schildern, was erst langsam, dann immer rascher einsetzte. Aber es ist so plausibel, daß man am Ende der Schilderung meint, den Horror selbst erlebt zu haben. Denn man kennt ihn, in Ansätzen oder direkt - ja, so sind die Menschen! Nicht als Ausnahme, sondern die Ausnahme ist die Regel.

Ich will nur kurz andeuten: mehr und mehr wurde die Arbeit ein Wettbewerb, wer weniger zu leisten vermochte; die wenigen, die ausreichend Charakter hatten, um ihn nicht zu verlieren, verließen die Firma, und es waren ausnahmslos die Tüchtigsten; jeder fühlte sich mehr und mehr ungerecht behandelt, was die Zuerkennung von "Bedarf" anbelangte - Neid und Mißgunst wurden zum bestimmenden Gefühl, die Menschen spionierten einander sogar aus, um zu widerlegen, daß deren Bedarf weniger gerechtfertigt war als der eigene; lebenserhaltende, aber teure Krankenbehandlungen wurden ein Problem auf Leben und Tod, und schließlich kulminierte die Situation im Fall einer älteren Mitarbeiterin, deren sehr aufwendige Operation zwar "zuerkannt" wurde, die aber am Vortag auf nicht geklärte Weise ums Leben kam. Aber das Beispiel ist noch viel zu plakativ gegen all die subtilen Formen, die Rand schildert, in denen sich die Menschen aufreiben und alles Menschliche sich zersetzt: aus dem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, in dem alle gleich waren, wurde eine Hölle ohne Entrinnen, denn für die Mitarbeiter wurde es unmöglich, andere Arbeitsstellen zu finden, weil ihnen der entsprechende Ruf der Leistungsverweigerung vorauseilte.

Alles wurde argumentiert, aber nichts war mehr richtig. Der unterdrückte, nicht zu artikulierende Haß auch auf die Firmenerben, die allen etwas angetan hatten, das so unartikuliert in völligem Widerspruch stand zu dem, wie das Unternehmen nach außen aber -  "sozial" und "voller Nächstenliebe" - dargestellt wurde, so wie jene sich auch selbst darstellten, wurde immer handgreiflicher.

Schließlich gerät das Unternehmen in mehr und mehr Schwierigkeiten, die Substanz ist verbraucht, selbst staatlich "gewünschte" Kredite gibt es schließlich auch keine mehr, Aufträge werden wenn nur noch erteilt, um das "gesellschaftliche Experiment" zu stützen, bis auch diese Quellen versiegen, denn die Mängel an den Produkten steigen exorbitant, und was einst ein Qualitätsprodukt war, wurde zu einer Reklamationsgarantie. 

Man hat das Gefühl, als hätte Ayn Rand eine Parabel auf unsere Gegenwart gezeichnet. Die Firma, das ist unsere europäische Gesellschaft, das sind unsere Staaten. Alles, was sie hier zeichnet, ist uns aus dem Alltagsleben bekannt, man muß kaum etwas übersetzen oder umdeuten. Damit wird dieses Bild zu einer beklemmenden Vision der nächsten Zukunft. Und man schließt die Seiten nicht einfach mit dem Gefühl, einen Blick in die Hölle gemacht zu haben, sondern man hat den Eindruck, bereits mitten in ihr drin zu stehen.

Aber als wollte sich noch ein zusammenfassender Satz aufdrängen, geht einem der letzte Absatz dieser Episode nach. Dort gesteht der junge, geläuterte Mann nämlich etwas ein, das den Schlüssel bildet. Er meinte, daß in Wahrheit jeder, der diesem Experiment zugestimmt hatte, es nie wirklich überlegt oder abgeschätzt hatte, es war jedem gleichgültig, denn allen, ausnahmslos allen ging es um eine einzige Hoffnung: dadurch, daß alle gleich wurden, bald auch das zu besitzen, als der nächste, der einem übergeordnet war, ihnen voraus hatte. Bald auch dessen Boot, dessen Schwimmbecken, dessen Golfausrüstung, dessen Wohlstand erreichen zu können, der einem sonst, im "freien Wettbewerb", vorenthalten blieb.

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Samstag, 6. November 2010

Zeugnis menschlichen Mutes

Look around, he said. A city is the frozen shape of human courage - the courage of those men who thought for the first time of every bolt, rivet and power genrator that went to make it. The courage to say, not "it seems to me", but "It is" - and to stake one's life on one's judgement.

Ayn Rand, in "Atlas shrugged"
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It is - and to stake one's life on one's jedgement. Vielleicht kann man das Wesen von Persönlichkeit in diesen Satz komprimieren, er enthält das wohl Entscheidende: den Schritt in die Insecuritas - auf den Punkt zu, wo sich Welt und Gott berühren.

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Dienstag, 26. Oktober 2010

Falsche Idole

Es war ein schwerer und umso typischerer Fehler, läßt Ayn Rand die Figur des Ragnar Danneskjöld in "Atlas shrugged" sagen, einen Mann wie Robin Hood zum Idol hochzujubeln. Denn Robin Hood vertritt exakt jenes Prinzip, das die Welt zugrunde richtet: Er beraubt diejenigen, die etwas erreicht, und verteilt es an jene, die das nicht haben. Ihn zum Idol zu erheben war ein perfider Plan, und hat die Moral der Menschen mitgeholfen, zu untergraben: Daß es nämlich verwerflich ist, vom Gelde anderer zu schmarotzen. Robin Hood war so gesehen der Revolutionär des sozialistischen Wohlfahrtsstaates, denn er setzte den Maßstab durch, daß das Bedürfnis, der Wunsch, nicht die Leistung, Maßstab der Zuteilung ist.

Danneskjöld, ein berüchtigter Räuber, macht es in Rand's Roman genau umgekehrt: Er beraubt den Staat und Staatsbetriebe, und verteilt das Geld an Leistungsträger, die vom Staat ausgeplündert werden, weil sie die einzigen sind, die all die Sozialtöpfe füllen, aus denen sich die Schmarotzer und Mediokren, die Betrüger und Straßenräuber, die geschickten Rechtsverdreher und korrupten Wissenschaftler, einfach alle die Trittbrettfahrer menschlicher Leistung, bedienen.

"What I actually am, Mr. Rearden, is a policeman. It is a policeman's duty to protect men from criminals - criminals being those who seize wealth by force. It is a policeman's duty to retrieve stolen property and to return it to its owners."

 
*261010*

Dienstag, 19. Oktober 2010

Sexualität muß sich selbst Zweck sein (5)

Fortsetzung von Teil 4

The other kind of half is the man whom people call practical, the man who despises principles, abstractions, art, philosophy and his own mind. He regards the acquisition of material objects as the only goal of existence - and he laughs at the need to consider their purpose or their source. He expects them to give him pleasure - and he wonders why the more he gets, the less he feels. 

He is the man who spends his time chasing women. Observe the triple fraud which he perpetrates upon himself. He will not acknowledge his need of self-esteem, since he scoffs at such a concept as moral values; yet he feels the profound self-contempt which comes from believing that he is a piece of meat.

He will not acknowledge, about he knows that sex is the physical expression of a tribute to personal values. So he tries, by going through the motions of the effect, to acquire that which should have been the cause. He tries to gain a sense of his own value from the women who surrender to him - and he forgets that the women he picks have neither character nor judgement nor standard of value. 

He tells himself that all he's after is physical pleasure - but observe that he tires of his women in a week or a night, that he despises professional whores and that he loves to imagine he is seducing virtuous girls who make a great exception for his sake. It is the feeling of achievement that he seeks and never finds. What glory can there be in the conquest of a mindless body?


Ayn Rand, in "Atlas shrugged"


*191010*

Montag, 18. Oktober 2010

Sexualität muß sich selbst Zweck sein (4)

Fortsetzung von Teil 3
 
You're the man who would know that just as an idea unexpressed in physical action is contemptible hypocrisy (Heuchelei, Anm.), so is platonic love - and just as physical action unguided by an idea is a fool's self-fraud, so is sex cut off from one's code of values. It's the same issue, and You would know it. Your inviolate sense of self-esteem would know it.

You would be incapable of desire for a woman you despised. Only the man who extols the purity of a love devoid (leer, Anm.) of desire, is capable of the depravity of a desire devoid of love. But observe that most people are creatures cut in half who keep swinging desperately to one side or to the other.

One kind of half is the man who despises money, factories, skyscrapers and his own body. He holds undefined emotions about non-conceivable subjects as the meaning of life and as his claim to virtue. And he cries with despair, because he can feel nothing for the woman he respects, but finds himself in bondage to an irresistible passion for a slut from the gutter. He is the man who people call an idealist. 

Ayn Rand, in "Atlas shrugged"
Wird fortgesetzt

 
*181010*