Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Sonntag, 25. September 2022
Selbst-Denken muß man lernen (2)
Samstag, 24. September 2022
Selbst-Denken muß man lernen (1)
Freitag, 23. September 2022
Über den Gewaltsinn der Rhetorik (2)
Die höchste Kunst. Die Inkarnation der Wahrheit selbst. Die Antwort der Freiheit. - In einer rhetorisch guten Rede wird also wenn dann nur beiläufig "überzeugt", aber schon gar nciht "überredet." Sondern es wird die Gestalt der Wahrheit sichtbar gemacht. Durch den Rhetor, der in dieser Wahrheitssuche erfahrne und weit vorangeschritten ist - also: Gebildet . weil dem Sein nach geformt.) Seine Rede endet in einem Bild des Seins, das nun für alle sichtbar ist.
Was nicht heißt, daß es alle Hörenden ergreifen müssen, das bleibt ein Akt der jeweiligen urteilenden Person überlassen, die zur Freiheit berufen ist, auch wenn sie sie mißbraucht. Aber dem Willigen, dem "guten Wilens" (siehe den Chor der Engel bei de rGeburt des Sohne sgotes. "Friede den Menschen guten Willens ...")
Eben so wenig, wie Gott zwingt, zuwingt also auch die Wahrheit. Sie FORDERT, ja sie hat in sich auffordernden Charakter (wie jeder weiß, wie sehr die Logik "zwingt", man muß sich förmlich überwinden, gegen sie zu handeln, ABER man kann es, weil man frei ist) Sie ist nichtimmerleicht zu erkennen, weil jeder Mensch in einem unendlich komplexen Gemisch von Interessen, Schwächen, Verletzheiten, Vorlieben, Tugenden oder Lastern steckt, aus dem heraus es nicht immer leicht ist, so frei zu sein, das Wirken des Seins an sich (im Erkennen, das s. o. ein Nachformen - Mimesis! - ist) zuzulassen, zu bejahen ("Guter Wille") und dann auch als Kleid überzusteifen, also in Treue zu vertreten.
Donnerstag, 22. September 2022
Über den Gewaltsinn der Rhetorik (1)
Eine Sache, die mir schon lange unter den Nägeln brennt, ist die sachgerechte Darstellung dessen, was Rhetorik überhaupt ist. Denn auch diesen Begriff umschwebt ein Nebel, unter dem der wahre Gehalt dessen, was Rhetorik ist und was erst verstehen läßt, warum in der Antike die Rheotik überhaupt als umfassender Raum der Bildung verstanden wurde, fast verschwunden ist. Dadurch konnten sich Mißbraäcueh, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, wie Wesensmerkmals selbst an diesem Begriff festsetzen, die aber den Blick soigar auf das verhindert, was wirkliche Bildung überhaupt ist.
Wo immer heute von Rhetorik gesprochen wird, tun sich die Redner schwer, ihn von Propaganda, Überredung (die sie von "Überzeugung" ununterscheidbar machen) und illegitimen Machtaspekten zu scheiden. Das hat seinen Grund in zwei Bereichen. Deren einer ist die allmähliche Degradation unserer Kultur seit dem Hochmittelalte,r die man ohne jeden Abstrich als sittlichen VErfall sehen kann. Der dann durch religiöse Begriffe genau als solcher, nur aufeine andree Ebene transponiert, verstanden werden kann.
Freitag, 26. November 2021
Beharren auf dem Geheimnis unserer selbst
Die davon ausgeht, daß jeder Mensch aus seinem direkten Gegenüber - Gott, das Sein, das personale Sein, das Sein das Person bzw. die Beziehungsdynamik von drei Personen mit unterschiedlicher Charakteristik ist - ein Geheimnis ist, und daß deshalb dieses Geheimnis auch eine Ansprache von Gott selbst (in Jesus Christus, den Gott-Menschen, der sich IM MENSCHSEIN als Ähnlichkeit widerspiegelt, was bis zur personalen Dynamik geht) an mich und an die Welt ist. Weshalb jeder dem Gegenüber mit Respekt und Wohlwollen begegnen sollte (wobei es eigentlich ein Müssen wäre, aber es verlangt unbedingt Freiheit), um ihn in Apperzeption aufzunehmen. ("Wer einen von diesen Kleinen in meinem Namen aufnimmt ...") Um ihn dann (nach-leidend, passum, im Erleiden) zu erkennen, das heißt sein Sein zu erfahren (und sich dazu dann zu stellen).
Deshalb reicht es bei weitem nicht, Menschenrechte zu fixieren, die sich aufs nackte Überleben beziehen, sondern es braucht den unbedingten Respekt vor der Ganzheit des Anderen als Begegnenden. Und als Kulturgut schon gar nicht. Denn hier braucht es diese Verankerung des "ertragenden Seinlassens" (soweit es nicht meine sachlichen Verantwortungsbereiche anbelangt, die aber eben einen Sachbezug, ein gemeinsam zu Tuendes brauchen) in dem ich dem anderen sein Geheimnis belasse.
Ex factis, non ex dictis amici pensandi - Achte auf das, was jemand tut, nicht auf seine Worte. Danach suche dann Deine Freunde, aus Ihrer Gestalt!
Wer trägt sich schon auf der Zunge? (Antonio della Caraffa, "Sentencas")
Mittwoch, 3. November 2021
Er hatte nichts anderes (2)
Was mir spätestens seit der Ausstellung über Albrecht Dürers Lebenswerk bewußt ist, die ich vor Jahren in Wien besucht hatte. Denn die ersten Bilder und Zeichnungen von Dürer sind auch keine Kunstwerke, sondern tot, wie die von Hitler. Auch Dürers erste Zeichnungen sind naiv und ungelenk. Aber man sieht, wie sich mit der Befassung damit der Meister entwickelte. Und ab irgendeinem Punkt wurden alle Bilder, die uns überliefert sind, Kunstwerke. In denen das Dargestellte zu dem wird, was es darstellt.
Hitler kam nicht so weit. Der Krieg unterbrach sein Malen (von Postkarten), und ein neues Lebensgebiet tat sich auf. Eines, in dem ihm der Zusammenhang von Leben und Politik. Durch die Vorgänge in der neu entstandenen Republik neuer Art. Denn nun mußten alle sich an etwas herantasten, das ihnen neu war, und von dem nicht einmal klar war, was eigentlich das Ziel sein sollte.
Dienstag, 2. November 2021
Er hatte nichts anderes (1)
Adolf Hitler war nicht so, wie man sich gemeiniglich einen guten Redner vorstellt, schreibt Peter Longerich in seinem 2015 erschienen "Hitler". In der er sich, wie er gleich im Vorwort schreibt, darum bemühte, einen Verdacht zu beweisen, der sich im Laufe seiner Forschungen zur Gewißheit erhärtete. Daß nämlich dieser Mann nicht einfach nur durchschnittlich, sondern sogar ein ziemlich unterdurchschnittlicher, platter, banausischer Mensch war. Das zu erkennen läßt aber mehr als bislang berücksichtigt erkennen, daß das Handeln eines Menschen in einem ungeheuren Ausmaß in seine Zeit eingebunden, mit ihr in Dialog ist, und daß sich Phänomene nur in ihrem Insgesamt verstehen lassen, niemals aus dem Einzelding selbst heraus. Die Zeit hat sich also ihren Hitler gebildet, könnte man sagen, und erst in zweiter Linie Hitler die Zeit, in der er gelebt hat.
Und so muß man auch manche Zuschreibungen neu durchdenken. Etwa die, daß Hitler ein "so hervorragender Redner" gewesen ist. Wäre er das nämlich noch heute? Wie würden wir heute auf ihn reagieren? Es gibt viele Augenzeugen seiner Reden, die übereinstimmend berichten, daß er sich bei diesen Reden, mit denen er seine Karriere und die der NSDAP aufbaute, wie ein Irrer aufführte. Er geriet in diesen Reden, die in der Regel drei, vier Stunden dauerten, völlig außer sich, und monologisierte schier ohne Ende. Seine Mimik, seine Gestik wurde nach jeweils einer kurzen Anlaufzeit dermaßen exzentrisch, daß manche entsetzt waren. Das Haar hing ihm während dieser Stunden wirr ins Gesicht, sodaß er manchen auch dämonisch wirkte. Hatte er geendigt, war seine Kleidung klitschnaß, er selbst völlig aufgelöst und erschöpft. So sank er auf ein Häuflein zusammen, als ein völlig anderer Mensch als noch Minuten zuvor.
Montag, 4. Mai 2020
Beim Diskutieren über die Corona-Krise
Deshalb sind Meinungen Thesen, dem Vorgehen in der Wissenschaft absolut vergleichbar, die durch Evidenzen einerseits (also Welterfahrung), durch Belege anderseits gestützt werden, die durch Bezug auf Autoritäten (auch Wirklichkeit ist Autorität, ja muß es sein) sind was sie sind: Anschauungen, Meinungen, etc. Nicht mehr, nicht weniger.
Und deshalb ist es auch so, daß die hohe Zustimmung zur Corona-Panik der Politik (die Zahlen dürften zwischen 90 und 95 Prozent liegen, was enorm ist) mit dem Ergreifen einer Identität als Stand und Ort in der Welt begreifbar sind. Dieses Ergreifen einer Identität (als Sollensbild) kann aus persönlichem Wollen herstammen, aber auch aus erzwungenem Wollen-Sollen, wie es z. B. durch Angst oder Täuschung erfolgt.
"Die WHO ist für mich ein rotes Tuch. Sie hat in ihrer ALLMACHT zahlreiche Verbrechen begangen." Das sagt Bhakdi. Die WHO wurde noch nie von jemandem geführt, der über eine medizinische Ausbildung verfügt hat.
Bhakdi zeigt damit eine wesentliche Voraussetzung zur Wahrheitsoffenheit: Den Freimut, den nur Angstfreiheit bringt. Deren er sich natürlich leicht rühmen kann, denn - das gibt er zu - in Pension ist. Umso mehr fällt ihm auf, daß wir in unseren Ländern keine Freiheit mehr haben, deren wir uns so unverständlich leicht berauben lassen. Wir, sagt er, können heute aber nicht einmal mehr fliehen, wie vor neunzig Jahren. (Leider auch nicht mehr nach Österreich, sagt er.) Weil es überall auf der Welt gleich geworden ist.
Wir diskutieren in solchen Dingen oft nur über den autoritativen Stand einer Bezugsperson, DER wir glauben, aber noch mehr: Die wir in gewisser Weise "sein" wollen, zu deren Seinskreis wir also zugehören wollen. Ansehen, Autorität usw. von gesellschaftlich akzeptierten, hoch oder höher eingeordneten Figuren spielen also in all diesem Streit eine riesige Rolle.
Sonntag, 5. Januar 2020
Letzte Worte eines weisen Mannes (2)
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Samstag, 4. Januar 2020
Letzte Worte eines weisen Mannes (1)
- Wenn auch die Kenntnis der Literatur* für ein Land unerläßlich ist, so ist gleichermaßen gewiß, daß sie nicht unterschiedslos an jeden weitergegeben werden sollte. Ein Leib, der überall Augen hat, würde zu einem Ungetüm verkommen, das noch dazu rasch Mode würde. Was geschähe aber mit einem Staat, wenn allen seinen Subjekten die Kenntnis der Literatur vermittelt würde. Man würde in ihm bald wenig Gehorsam, dafür aber viel Stolz und Unverschämtheit finden.
- Der Handel mit Literatur würde bald den von Gütern, aus denen allein der Wohlstand eines Staates hervorgeht, übertreffen. Er würde damit zuerst die Landwirtschaft, diese verläßliche und treue Fruchtbarkeit eines Volkes, ruinieren, und dann binnen absehbarer Zeit die Quelle des Soldatentums austrocknen. Deren lebensspendende Läufe mehr von den Rohheiten der Ignoranz als von den Feinheiten der Erkenntnis gespeist werden.
- Ohne Zweifel würde sich Frankreich mit Quatschköpfen füllen, die sich mehr der Zerstörung guter Familien und dem Erschüttern der öffentlichen Ordnung widmen, als irgendetwas Sinnvolles für das Land zu leisten.
- Wenn man das Lernen durch Verbreitung unter allen möglichen Arten von Menschen profanierte, würde man bald sehr viele Menschen erleben, die zwar fähig sind, viele Zweifel zu streuen, aber nicht, solche auch ausräumen zu können. Viele wären dann weit mehr in der Lage, der Wahrheit zu widersprechen, als sie zu verteidigen.
- Aus diesem Grund ist es für Staatsmänner in einem gut regierten Staat wünschenswert, zwar viele Lehrer zu haben, die Meister der mechanischen Künste (gemeint sind v. a. Handwerker; Anm.) sind, aber weniger solche der Freien Künste.
*Mit Literatur meint Richelieu nicht die schöngeistige Literaturkunst der Dichter und Literaten, wie sie heute verstanden wird, sondern die schulische und akademische Bildung generell, die sich auf Medien, Büchern etc. aufbaut. Dasselbe gilt für "Freie Künste", die nichts mit "Kunst" in einem eingeschränkten Sinn zu tun haben, wie es heute verwendet wird, sondern die geistige Tätigkeit generell, in ihrem Unterschied zu Handwerk und Handarbeit meint.
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Samstag, 13. April 2013
Beobachtung einer Diskussion
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Montag, 8. Oktober 2012
Denken wie gedruckt
In diesem Aufsplitten der Sprache ist es nur noch das Tüpfelchen auf dem i, daß sich mit der Reformation ein Textverständnis als "selbstevident" durchzusetzen begann - auf der Grundlage des Buchdrucks, des Drucks der Bibel! Und mit dieser Luther-Bibel vor allem setzte sich a-regional eine neue Sprache durch, das Neuhochdeutsche, wie wir es heute kennen, ursprünglich eine Kunstschöpfung aus den Kanzleien des Kaisers. Wie das Latein eine Sprache, die niemand als Muttersprache sprach.
Samstag, 6. Oktober 2012
Frauenliteratur
Freitag, 5. Oktober 2012
Spitze des Werks
So sehr - und es sei darauf hingewiesen - gerade die bewußte Verweigerung dieser Ordnung Ausdruck (wie in der Postmoderne) sein kann. Aber genau darin ist wieder Aussage: der Sinnlosigkeit der Welt. Insofern aber alles andere als neu. (Der Verfasser erinnert sich an eine Diskussion in einem Seminar an der Universität zu Jakob Michael Reinhold LENZ' "Der Hausmeister", wo die Peripetie ... in einem plötzlichen und "sinnlosen" Lottogewinn stattfindet. Lenz wußte ganz genau, was er da tat: Eine sinnlose Welt kann nur über im Zufall verlaufen. Die Dinge der Welt - die Handlung des Stücks ist bis dahin exakt gebaut - enden nicht nach ihrer Logik. Übrigens hat so gut wie niemand der Studenten das zu erkennen vermocht, ihnen blieb es vorerst einfach sinnlos. Sie hätten also auch so ein Stück nicht zu verfassen vermocht, weil diese Sinnlosigkeit genau den Hintergrund des Sinns braucht.)
Deshalb ist es völlig logisch, daß eine Zeit, in der Sinnlosigkeit herrscht, und sei es, daß sie proklamiert wird, also "sein soll", auch eine Urheber-Diskussion lostritt. Für das Sinnlose gibt es keinen Urheber, der Zufall ist von jedem lieferbar. Das Humane ist eben - der Sinn! Und jeder Zuschauer, jeder Konsument beweist es immer wieder aufs Neue: er SUCHT Sinn! Nur so kann er das Wahrgenommene in jene Einheit eingliedern, aus der alleine er überhaupt leben kann. Niemand kann ohne Zentrum leben, sein Handeln wäre völlig inkonsistent, und er würde in Unruhe zergehen! Jeder lebt aus einem einzigen Zentrum heraus, und das sucht er, lebenslang und in allem, was ihm begegnet.
