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Dienstag, 15. September 2026

Alles ist Gnade. - Leistung ist immer Ausweis einer funktionierenden Struktur

Besonders deutlich wird die Geschenkhaftigkeit (Gnade) der Existenz im Beruf des Schauspielers. Denn er lebt von einer Wirkung, die in seinem bloßen Existieren gründet. 

Der fatale Irrtum entstand mit dem Hochmittelalter, an dessen Spitze sich alles (also nicht nur im Schauspiel, aber in den Künsten am deutlichsten) auf ein "Können", auf individuelle Technik umgelegt hat. 

Beim Schauspiel läßt sich aber nur "füllen", was in jedem ganz normalen Leben vorhanden ist. Deshalb glauben auch so viele (schon gar heute), daß sie zum  Schauspiel "befähigt" (talentiert usw.) sind. Der Schauspieler (meinte schon Max Reinhard) braucht also jene Fähigkeiten, die in einer Zeit, einer Kultur "normal" und gebräuchlich sind. Er muß also ein guter Bauarbeiter, Verkäufer, Landarbeiter, Kaufmann, Politiker sein, um es dann auf einer Bühne "sein" zu können.

Dazu muß er sohin in einem normalen Leben untauglich sein. Weil er formbar, weich wie Wachs sein muß - gehorsam! - um einerseits diese Inhalte des normalen Lebens in sich aufnehmen zu können, um anderseits aber unfähig dazu zu sein, damit das Auslangen zu finden. Und zwar prinzipiell. Das heißt, er kann keine normale Identität ausfüllen, bleibt "leer", und damit immer unzufrieden, unruhig, ungesättigt im normalen Leben. 

Was ihn dann ausmacht, kann er selbst aber gar nicht bestimmen weil machen. Das kann nur das Publikum. Das ihm Wirkung zuschreibt, die "einfach da" ist, die aber nicht begründbar ist. Denn in den Hinsichten der Welt kann man ihn nur kritisieren, ja ablehnen. So wie man jeden ablehnt, der in einem Beruf untüchtig ist. 

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Untüchtig aber, weil es ihm an Hingabe, an Gehorsam fehlt, denn das ist der Grund für die Untüchtigkeit von einem Drittel der Bevölkerung. 

Ein weiteres Drittel ist gehorsam genug, um bürgerliche Identität auszufüllen und zu ergreifen. Als Pflicht, wie es auch dem nächsten Drittel auferliegt, aus dem sich dann jene 10 % ergeben, die zu Führungsaufgaben begabt sind. Die kein Autoritätsproblem haben, denen man gehorcht, ohne daß sie im Grunde wissen, warum das so ist. Begabt sogar dazu, einen Organismus zu gründen und zu organisieren, ihm also jene hierarchische Struktur zu geben, die ihn dann erst bestehen läßt. ohne daß sein Bestand ständige (nicht punktuell, denn wo immer Menschen tätig sind, sind sie es in Amplituden, schwankend zwischen Stärke und Schwäche) Gewalt, durch "Strenge" braucht.

Damit aber wird klar, daß in Strukturen (Kulturen, Gesellschaften), wo es an Autorität fehlt, wo jede Position (angeblich) durch Leistung erreichbar ist, weil von Leistung abhängt, angeblich, die charakterlichen Strukturen zunehmend vom NEID vergiftet werden. 

Weil es an Anerkennung der Gnadenhaftigkeit der Stellung in einer Hierarchie fehlt, sobald ihre Bedingung menschlich von jedem erreichbar in Leistung gründet. 

Leistung ist aber ein Kriterium der Benadung, des Funktionierens einer an ich geschenkhaften Ordnung und Hierarchie. Wo diese unangefochten besteht, nicht gefährdet ist und von niemandem angezweifelt wird, kann sie wie eine geölte Maschine "funktionieren", kann jemand an einem Ort, in einer Position, "etwas leisten". Geschenkhaft, weil das, was eigentlich etwas leistet, nicht von ihm abhängt, sondern von der Idee, vom Plan einer Struktur. 

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Der Oberste, der "Chef", der Fürst, der König (usw.) muß es dann sein, der jene Menschen auswählt, die für jeweilige Positionen taugen. Dieser Prozeß muß freilich generationenabhängig volatil sein, darf nicht (z. B. über Gesetze mit physischer Abstammungsvorschreibung) von der Struktur losgelöst einzelnen Erblinien überantwortet werden, wie es fatalerweise ab dem Hochmittelalter mit dem Adel geschehen ist.

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Damit ist auch eine Funktion, ein Ort innerhalb einer Gesellschaft - und damit auch der Schauspieler - in der Physiognomie BEDINGT. Ist von außen sichtbar. So, wie beim Schauspieler die Rolle mit der Umgebung "sichtbar" wird. Und zwar sofort, und ohne daß etwas beigetragen werden muß. 

Ein "gutes Gesicht" ist nicht  mehr, aber auch nicht weniger "Leistung", wie der Produktionsausstoß etwa, der im bürgerlichen Existieren (ein!) Kriterium der Hierarchie wurde. Denn was wäre Wirkung anders als "Leistung", die `- wie alles - Gnade ist?