Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 14. Juni 2022
Der Weise, der schon 1998 alles kommen sah (2)
Montag, 13. Juni 2022
Der Weise, der schon 1998 alles kommen sah (1)
Freitag, 6. Mai 2022
Auf der Suche nach einer Ordnung (2)
Warum? Weil es den Atomkrieg riskiert? Nein. Vor einem Atomkrieg sollten wir weit weniger Angst haben, als uns eingeredet wird, weil das manchem sehr nützlich ist. Sondern weil es sich in einen Gestus hineinreißen hat lassen, in dem es das Anderssein Rußlands, auch sein Komplementärsein nicht mehr dulden will.
Wo es daherfaselt, es wolle "unabhängig" sein. 'Als gäbe es eine soziale Beziehung OHNE Abhängigkeit, als wäre nicht diese selbst das, was wir als Beziehung bezeichnen; eine Bziehung zu gestalten, wozu es immer die Form braucht, also einen offiziellen Ritus, der darstellt, was diese Beziehung ist. Wo es also alles auslöschen möchte, was Europas östlichen Teil ALS Europa akzeptiert, respektiert, und sein Eigensein betreiben läßt, das heißt auch: Seine Beziehungen im kleineren, mehr lokalen Rahmen gestalten läßt, und sei es durch einen lokalen Krieg.
Donnerstag, 25. Juli 2019
Der Ort definiert das Leben (2)
*Dieser Satz, diese Wahrheit wird leider heute völlig miß- beziehungsweise überhaupt nicht mehr verstanden. Er wird nämlich dahingehend interpretiert, daß wir uns immer erst um das "große Ganze" kümmern müssen, nicht um das kleine Lokale. Also - erst Globalisierung, dann wird auch das Regionale gut. Das ist genau das Gegenteil von richtig, es ist völlig falsch! Denn das ein Regionales, Proprietäres übersteigende Insgesamt, das jeweils alles Regionale in ein nächstes Überregionales, größeres Ganzes integriert, ist GAR NICHT im Erfahrungs- und Gedankenhorizont des je von ihm Eingeschlossenen. Es übersteigt dieses immer unendlich. Unendlich? Ja, weil es als Ganzes nicht in Teile auflösbar ist, und somit unserer Gestaltungsvollmacht gar nicht unterliegt. Vielmehr können wir immer nur in unserem ureigensten lokalen, regionalen, individuellen (etc.) Rahmen denken und handeln.
Man kann allem Übersteigenden, allem Ganzen nur als "Gestalt" begegnen, der einzigen Rezeptionsform, die ein "Ganzes" erfassen kann. Aber jedes Ganze hat eben seine nächsten, eigenen Kategorien! Damit bleibt nur die "Ehrfurcht" als erkenntnisgemäße Haltung. (Das Erkennen ist immer ein Kommunizieren, ein personaler Akt, also ein wesensgemäßes Zueinander von Gestalten.) Das Ganze kann deshalb nur bestaunt, nie aber "gemacht" werden. (Weshalb Ehrfurcht vor allem Geschöpflichen, Dinglichen, Persönlichen die einzige wirklich menschengemäße Haltung ist.)
Ein Beispiel: Der Junge, der Schüler (etc.) kann nie die geistige Welt des Erwachsenen (Lehrers) zur Gänze in Gedankenkategorien auflösen, das heißt verstehen.* Das ist bestenfalls in abgegrenzten Teilen möglich. Das Ganze aber kann er als Gestalt aufnehmen und erinnern. (Man beachte die Rolle der Sympathie - siehe Max Scheler! - im Erkenntnisprozeß.) Allmählich und mit dem Grad der Reifung wird sich deren innere Grammatik (wie sie die Gestalt enthält beziehungsweise diese trägt) aus der Erinnerung heraus aneignen können, wenn auch nie ganz (weil alles Personsein heißt, Individuum zu sein: So etwas wie "seine eigene Art". So, wie jeder Ort schon das Individuelle bewirkt. Und nichts ist am selben Ort wie ein anderes.
Wer meint, das größere oder große Ganze machen zu können, ist wie ein Kind, das seinen Legobaukasten hat und nun meint, die Welt exakt so bauen zu können, daß sie wie die Welt "ist".
Die Katastrophe rund um den Aralsee ist das exakt illustrierende Beispiel: Hier wurde "im Großen" gedacht und gehandelt, und dabei alles Kleine zerstört, und damit erst recht das Große. Die Austrocknung des Aralsees hat bewirkt, daß sein zurückbleibendes, nun vom Wind verblasenes Salz (Wasservertrocknung) sogar die umgebende Landwirtschaft zerstört hat. Der Mensch kann nur im Kleinen (technisch) denken. Das Große wird sich ihm IMMER entziehen, es ist unendlich komplex.
Das Reden, daß wir das Weltklima nur global lösen und retten können und müssen, nicht durch individuelles Handeln und individuelle, direkte Verantwortung, ist also das hundertprozentige Gegenteil von der Wahrheit - es ist ein Irrtum, wenn nicht eine Lüge. Das "Weltklima retten" zu wollen wird also nicht nur mit absoluter Sicherheit völlig unberechenbare Wirkungen haben, sondern es wird sich vor allem an einem Punkt auswirken: Es wird LOKAL Störungen und Probleme verursachen.
Der jeweils größere Rahmen bestimmt zwar die Beziehungen der ihm zugewiesenen Teile, also der seiner Ordnung zubestimmten Orte und Teilorte, aber im Sinne einer Festlegung, nicht im Sinne eines "Tuns". Handeln, tun kann somit einerseits nur der ureigenste kleine Ort, anderseits kann er es nur im Rahmen einer Bestimmung vom größeren Ganzen her, der IHM sein Wesen gibt. Also - in der individuellen, "kleinsten" Wesenserfüllung beginnend.
*Heimito von Doderer bezeichnet deshalb die (nachfreudianische) Psychologie, die genau das zu können von sich behauptet, als Geisteskrankheit.
Mittwoch, 24. Juli 2019
Der Ort definiert das Leben (1)
Wenn auch die Anwohner sich nicht vorstellen können, daß er jemals wieder zur alten Größe und Pracht zurückgelangt, regt sich Hoffnung und mancher trifft bereits Vorbereitungen auf die nähere Zukunft. Indem er etwa beginnt, alte Boote wieder flott zu machen, indem er versucht, sich an die Fischfangtechniken der Väter zu erinnern. Mancher Junge plant sogar bereits wieder, sein Leben wie die Vorfahren als Fischer am See zu verbringen. Schon gibt es auch in Aralsk, dem Hauptort und früheren Haupthafen der Region, der heute dreißig Kilometer vom See entfernt liegt, in den Läden wieder frischen Fisch aus dem See.
Am verblüffendsten fand der Biologe, daß Lebewesen ihren "Fraßfeinden" keineswegs in einer bloßen Abwehrsituation gegenüberzustehen scheinen, sondern sogar die Zahl ihres Nachwuchses nach den Freßfeinden orientieren. Also diesen sättigen, um dann ihren bestandserhaltenden Nachwuchs zu gebären. Umgekehrt, nehmen die Fraßfeinde "Rücksicht", und schränken ihre Jagd und ihr Fortpflanzungsverhalten ab einem gewissen Zahlenverhältnis Esser: Nahrung ein. Das sich grosso modo somit äußerst stabil hält.
Desaströs wirkt nur eines: Wenn Ortsfremde in ein bestehendes Biotop gelangen. Denen fehlt jeder Bezug zum Ganzen, und ein Lebensraum verändert sich dramatisch, ja kann überlebensfeindlich werden. Übrigens vor allem für die Zuzüglinge. Sie gehen von einem Insgesamt aus, das dem, in dem sie sich jetzt befinden, nicht entspricht.
Alle Lebewesen leben offenbar in einem "Feld", einem Lebensraum, einem abgrenzbaren Ort beziehungsweise Ineinander von Orten, meint Woltereck. Die bestimmte ideelle (ontologische) Beziehungsknoten enthalten müssen, sonst ist das Verhalten ganzer Populationsgefüge, die sich zu einem Ganzen verhalten, das mit der Umgebung nahtlos ineinanderfließt, nicht erklärbar. Ganzheiten, Felder, die dann auf das individuelle Verhalten einwirken und mit diesem korrespondieren. Der Ort definiert das Wesen, ja ist in gewisser Weise das Wesen der Dinge und alles Lebendigen.*
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Mittwoch, 12. Dezember 2012
Böse Wirtschaftskrise
Dienstag, 9. November 2010
Ein Pack
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| Aral-See - jetzt und einst (ahnbar) |
Kaum eine Woche, in der nicht Meldungen wie die in der Presse auftauchen, weil man nun doch, da und dort (und zum Höheren Ruhme Österreichs sei es gesagt: Innsbruck tut sich da noch wohltuend hervor: die prüfen wenigstens ab und zu mal etwas nach!) rechnet man zur Abwechslung wirklich, und überlegt einmal längst getroffene Feststellungen genauer, um dann zu etwas, sagen wir: abwiegelnderen, Inhalten zu kommen.
Diesmal des Inhalts, daß man also doch, vielleicht, eventuell, das Abschmelzen der Gletscher in seinen Auswirkungen etwas überschätzt hätte. Natürlich, nicht generell, in ein paar hundert Jahren sind die weg, zweifelsfrei, und wie die weg sind, da wird uns noch Hören und Sehen vergehen. Aber jetzt, also so mit Hochwasser in Bangladesh und so, mit dramatischen folgen für 40 bis 50 % der Weltbevölkerung im Jahre 2035 und so, vielleicht doch nicht. Denn wenn man sich's so recht überlegt, es gibt ja auch den Monsun, und wenn dann noch Land zwischen Monsun und Schmelzwasser ...
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| Quelle: Wikipedia |
Der Aralsee?! Aber der ist schon zu 90 % ausgetrocknet! Weil sein Wasser in der Sowjetunion ohne jede Rücksicht zum Baumwollanbau in Kasachstan und Usbekistan benutzt wurde. Noch in den 1970er Jahren haben wir im Russischunterricht die Bilder von den glücklichen Baumwollkollektiven als Zeugen sowjetischen Pioniergeists und wissenschaftlicher Leistung gesehen. Damals war er noch in der Größe der Schweiz. Heute? Liechtenstein. Kommt hin.
Man nannte so etwas immer: Pack. Bleiben wir dabei.

