Es ist nicht die Widerspruchsfreiheit, die heute ultimative Wahrheiten und Erkenntnisse formiert, auf denen aufgebaut ganze Weltbilder stehen (und fallen) Es sind ganz bestimmte Verhaltensweisen, ja dogmatisierte, nicht zu hinterfragende Moralsätze, die wie Rambo durch die Diskurslandschaften laufen, und alles kurz und klein schießen, sobald sie Fuß gefaßt haben.
Es sind Beispiele wie das jüngst beobachtete. Wo ein Militärhistoriker, im Interview gefragt, einen Fall schildert, der ihn belehrt habe, daß er fundamental und zu 100 Prozent irren könne. Das sei ihm im Fall Israel passiert. Wo er früher stets zu dessen scharfen Kritikern gehört habe, weil er ihnen das vorwarf, was Israelkritiker grosso modo diesem 1948 ausgerufenen Staat vorwerfen. Daß er mit menschenunwürdigen Mitteln vorgehe, um sich Lebensraum zu schaffen wie zu verteidigen.
Da habe ihn, so der Historiker (der zuvor lange erklärt, wie wissenschaftliches Arbeiten, das er zum Prinzip erhoben habe, vonstatten zu gehen habe, im Wesentlichen: als Referenzsystem, in dem alles sagbar sei, es müsse nur durch Quellen belegt und durch Quellenkritik abgesichert sein) ein Freund Folgendes gefragt: Er solle sich vorstellen er sei homosexuell. In welchem Land dieses geographischen (man könnte sagen: islamischen) Raumes woller er nun, vor die Wahl gestellt, denn leben?
Da habe er scharf nachgedacht, und sei zu der für ihn überraschenden Folgerung gelangt, daß da nur Israel in Frage komme. Gerade also das Land, dem er moralisch gesehen die Existenz abspreche - zumindest unter den gegenwärtigen Prämissen - sei das Land seiner Wahl. Während er in jenen Ländern, die er (wieder: moralisch gesehen) Israel gegenüber im Recht sähe, um Gottes Willen nicht leben wolle. Wo er als Homosexueller am nächsten Baukran aufgeknüpft würde. Das habe ihn von einer Stunde zur anderen umdenken lassen, und heute sei er strikter Verteidiger Israels weil dessen Lebensweise und gesellschaftlicher Moralordnung.
Die ich vereinfachend als LIBERAL bezeichnen möchte.
Das ist nicht nur ein Beispiel unter so manchen, das ich hier als Beleg und Quelle (sic!) zitiere. Sondern es vergeht praktisch kein Tag, an dem ich dieses selbe Prinzip nicht als wahres Totschlagwerkzeug wüten sehe. Wo die Liberalität als SICHERES DOGMA gilt, dem was immer nun auftaucht und die als moralisch testierte Lebensordnung gefährdet geopfert wird.
Was immer Liberaslität bzw. Liberalismus auch sein möge. Denn die Liberalität hat ja Grenzen, das müssen - müssen! - gerade Liberale fortwährend eingestehen. Weil zur Ordnung menschlicher Gesellschaft Liberalität einfach nicht ausreiche! Wie sich an einem vor zehn, fünfzehn Jahren populär gewordenen Spruch (und Buchtitel) zeigt, wo es heißt "Keine Toleranz den Intoleranten!"
Aber genau dort zeigt sich das ganze Elend des Liberalismus. Denn woher kommt die Legitimität einer Beschränkung des Liberalismus als Lebens- und Verhaltensprinzip? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Aus Dogmen, deren Entstehung nicht weiter hinterfragbar ist. Und wer immer das bestreitet hat Unrecht, und das läßt sich ganz leicht (also durch als wissenschaftlich angesehene Quellenkritik) belegen.
Dann zählt plötzlich nicht mehr, was im Geistigen geschieht, und sich in der Realität als plötzliches Verstummen zeigt. Wo zuvor noch so eloquent argumentierende Personen oft buchstäblich zu stotern beginnen, und man ganz deutlich sehen kann, wie ihr geistiges Gerüst knirschend zum Stillstand kommt, weil Denkverbote (aus Dogmen) das Denken nicht zur widerspruchslosen Wahrheit leiten, als nähmen sie sie sanft an der Hand.
Denn das genau tun Dogmen, das genau sollen sie ja tun: Sie sollen das menschliche Denken und Urteilen, das sich in einer vorerst noch nicht ausreichend gedachten Urteilsnotwendigkeit findet, also in einer Zwangslage, aus der der Einzelne sich zumindest vorerst nicht selbst befreien kann, sanft an der Hand nehmen und leiten, um letzenendes doch am Ziel der Wahrheit anzukommen. Deren fundamentalste Eigenschaft die Widerspruchslosigkeit ist!
Denn das übersehen wir allzu oft! In dem Punkt lassen wir uns zu oft auch von diesem (liberalen!) Spruch verführen, in dem es da heißt, daß es KEINE WAHRHEIT gebe. Weil (zum Beispiel als Argument verwendet) ja letzten Endes ALLS SUBJEKTIV sei. Auch das ein solches Totschlagargument, mit dem die Berserker unter den Gewissenslandschaften wüten, die allesamt und ganz seltsamerweise auf dem Grundsatz beruhen, der alles Fragen und Suchen auslöst und treibt: Sie suchen das, was es angeblich nicht gibt, womit wir bei einer weiteren grundlegenden Eigenschaft von Wahrheit wären: ABSOLUTHEIT.
Womit wir beim nächsten (im Ungarischen übrigens sehr schön das Synonym für zwei, zweites usw.) Grundsatz von Wahrheit wären. Von der wir bisher in ABSOLUTHEIT und WIDERSPRUCHSLOSIGKEIT uns langsam zu dem vortasten, was auch über Gott ausgesagt wird und werden muß, soll der Begriff nicht sinnlos werden.
An welcher Stelle wir uns ein kleines Augenzwinkern nicht verkneifen können. Denn wenn es da heißt, daß es keine Wahrheit gibt, dann wird im selben Atemzug das exakte Gegenteil ausgesagt. Denn diese "Wahrheit" ist dann genau das, was Wahrheit angeblich gar nicht ist: absolut. Universal, also alles Subjektive übergreifend. Widerspruchsfrei, zumindest in Hinblick auf Welt, Weltordnung und -gesetzlichkeit, mit denen eine Aussage übereinstimmen muß, will sie nicht auch in diesem Punkt sinnlos werden, womit alles Sprechen und Denken sinnlos würde.*
Aber wie oft, um auf den Punkt zu kommen, habe ich schon erlebt, daß mit einem Schlag und wie von Geisterhand bewegt die Denkbewegung eines Menschen zum Stillstand kommt, weil in einem Gespräch plötzlich ein Moralgrundsatz, eine unhinterfragbare Verhaltensweise auftaucht, die riesenhafte Gestald annimmt und mit energischer Geste verlangt: Halt, bis hierher, und nicht weiter. Von diesem Gebot weg, von diesem Dogma her, muß nun also alles bisher Gesagte und Gedachte neu aufgerollt werden.
Würde das aber geschehen, würde von diesem nicht hinterfragbaren, nicht überschreitbaren Punkt aus, der sich dann unweigerlich zurückwendet und den ganzen bisherigen Weg - unter neuer Absolutheit, Bestimmung eines notwendig zu erreichenden Endpunktes alles Denkens und Urteilens - erneut gehen will, um zu suchen, auf welchem Weg man zu diesem Ziel gelangt.
Diese Prüfung aber ist nicht möglich. Sodaß man erlebt, wie das Denken des Betroffenen in einer Art Zeitlupe zum Stillstand kommt. Plötzlich tritt sogar Schweigen ein, und man beläßt in der Ungelöstheit, was dorthin fiel, weil man genau sieht, daß man sich aus diesem Loch nicht mehr befreien kann. Vielmehr würde man dann das verlieren, was für das Menschsein absolut und unverzichtbar bestimmend ist: die Vernunftbegründetheit, aus der dann die Freiheit folgt, in der man AUF SICH SELBST GESTELLT den Weg durch diese Welt findet.
Womit wir übrigens bei einer nächsten göttlichen Eigenschaft angelangt sind, nämlich der absoluten Freiheit, die auf der und in der Wahrheit beruht. Freiheit und Wahrheit sind somit unteilbar! Ebenso wie die Widerspruchslosigkeit nicht abtrennbar ist.
Was alles zu dem Umstand führt, daß alles Werk die Eigenschaften seines Hervorbringers trägt! Sodaß aus dem Werk heraus beschränkte, aber sichere Aussagen über den Schöpfer möglich werden, wie schon Aristoteles sagt, wenn er über Gott nachdenkt. Das ist also der Grund, warum die Wahrheit nicht nur möglich ist, sondern ohne das Begreifen der Welt und des Menschen ALS Geschaffenes, ja mehr noch: Des Menschen als Gottes Ab- und Ebenbild, damit als Krone der Schöpfung, auf die dieses gigantische, einfach nur noch staunenswerte Gesamtsystem der Bezogenheiten, damit der Hierarchien ausgerichtet ist, daß also ohne dieses Begreifen unserer Wirklichkeit als einer Wirklichkeit des Menschen VOR GOTT gar nicht denkbar und reaslisierbar ist.
Ein Mensch, der die Welt nicht als Schöpfung sieht, wird also immer und ausnahmslos (und in dem Maß, als sich sein Denken ausgebreitet hat, was umgekehrt, wenn das nicht geschieht, eine weitere Pathologie ist, denn Menschsein heißt, sich in der Vernunft ganz zu umfassen, sich also in dieser Vernünftigkeit zu durchdringen) in unauflösbaren Widersprüchen landen. Er wird über kurz oder lang verrückt werden. Und zwar nicht als Ausnahme oder Sonderfall!
Aber damit ist auch klar, daß das Bestreiten der Geschöpflichkeit des Menschen (und der Welt) - wie es in der Evolutionsthese geschieht - zu genau so einer Aporie (=Unauflöslichkeit eines Widerspruchs) führt. Weil heute aber (im Westen) diese Thesen so weit verbreitet sind, können wir beobachten, wie sich der Westen immer tiefer in eine Widersprüchlichkeit treibt, aus der es kein Entkommen gibt. Und in der sich die Fähigkeit der Menschen, überhaupt mit der Welt sachgerecht umzugehen, in progressivem Voranschreiten auflöst.
Können wir nicht aber genau das beobachten? Müssen wir nicht aus der realen und alltäglichen Erfahrung auf genau diesen Punkt kommen? Auf den Schluß, daß wir diese Welt, in der wir leben, nicht mehr verstehen.
Worauf dann immer tiefere Verstrickung in Probleme folgt, die wir nicht mehr lösen können, und wo jeder Lösungsversuch nur einen ganzen Blumenstrauß weiterer Unlösbarkeiten nch sicht zieht. Woraus mit der Zeit ein Gefühl erwächst, als würden wir von den Geschehnissen, ja von der Welt selbst ... erwürgt werden. Könnte es nicht sein, daß eine Unmenge von Evidenzen genau das belegt (=wissenschaftliche Quelle), was dann daraus weiter erfolgt: Depression, Lebensunlust (siehe dann: Demographie), Verzweiflung samt Zuflucht zu einer ganzen Palette von Trösterlein, die von kleinen wie großen Drogen reicht.
Wenn es im Englischen DRUGS heißt, sind ja auch Medikamente gemeint, und das ist präziser wie im Deutschen, ergibt die in Fachkreisen häufige Aussage Sinn, in der man sagt, daß z. B so enorm verbreitete Psychopharmaske wie Ritalin - alleine in den USA spricht masn von 3 Millionen Süchtigen - in Wahrheit nur legalisierte Drogen sind.
Wobei wir in diese Palette der reinen Existenzhilfen aber nicht nur chemische Drogen einordnen, sondern alle möglichen Verhaltensstörungen nicht vergessen, die stets in mehr oder weniger ausgebaute Weltanschauungen und Rechtfertigungsdbilder, meist in der Dimension ganzer Moralordnungen. Wie etwa bei EßstörungeN; zu denen auch Erscheinungen wie Veganismus gehören. Aber wir wollen viele der heutigen sogenannten "Religionsformen" nicht übergehen, von denen der weit überwiegende Teil als psychische Störung, ja Pathologie gesehen werden muß. Und wir wollen nicht das riesige Feld der Psychotherapien übergehen, von denen die meisten selbst psychische Störungen sind. Oft genug ganz genau jene Pschopathologien, die zu kurieren sie behaupten, erst implementieren und ausbauen.
Warum unsere Kulturentwicklung in den Wahnsinn führen mußte - Kurz und gut: Wenn man von Verrücktheit der Gegenwart spricht, wenn wir sehr gut (und oft genug von Liberalen beklagt, denn darin sind sie naturgemäß stark: Im Beklagen und sogar Aufzeigen von Störungen) darin sind, der Wahrheit entsprechend von Wahnsinn und Geistesstörung dieser Zeit sprechen, dann passiert etwas, das wir von einem Computervirus kennen. Daß sich die Störung erst ab dem Moment und in progressiver Entwicklung reaslisiert, wie wir das Programm aufrufen und etablieren.
Und das heißt heute ganz konkret sogar, daß wir in dem Moment, in dem wir mit den heutigen Wahrheiten agieren, also Denkbewegungen ausführen, einem System zum Opfer fallen, das uns in Widersprüche drückt, die wir nicht mehr auflösen können. Sodaß es zum Zufall** wird, ob wir in unserem Urteilen und Handeln noch jene Gesetze finden, die das Geflecht und Gerüst dessen sind, was wir als MENSCH und MENSCHLICH bezeichnen, und als einzig erstrebenswerte Lebensordnung herbeisehnen.
*Mit einem weiteren Verweis auf den Umstand, daß oft und mangels ausreichender Durchdachtheit - von welcher zu sprechen ohne das Prinzip der Widerspruchslosigkeit und Absolutheit an sich schon sinnlos wäre - Begriffe wie Relativität oder Widersprüchlichkeit, die es angeblich zu ertragen gäbe, nicht ausreichend von Begriffen wie Paradoxon und Universalität geschieden wird. Denn sehr oft ist ein Widerspruch kein Widerspruch, sondern etwas anderews, etwa ein Paradoxon.
**Ich könnte hier noch den Begriff des "Wunders" einführen. Tue es aber aus dem einzigen Grunde nicht, daß die Schöpfung selbst ein einziges, unausgesetztes Wunder und Schauspiel des Wunderbaren IST. Das Problem ist also nicht das Wunder selbst, das als einziger wirklich passender Schlüssel zur Schöpfung untrennbar gehört. Sondern daß die hier gemeinten Denksysteme des Widerspruchs ihre pathologische, ja letale Wirkung genau darin entfalten, daß wir den Zugang zum Wunder und vor allem zur Quelle des Wunderbaren verlieren.
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