Als alles zerfiel, schlug die Stunde der Autonomen, der Besserwisser und der Türsteher: Als alles zu verschwinden drohte, kam der Ruf nach Rettung auf. Und als Retter traten die Eigentlichen mit ihren Nebengebäuden hervor; und dort war der Schmerz verschwunden, war alles gar nicht so schlimm - Wir wissen somit auch, daß Narzißmus sich in einer Form von Türsteher-Mentalität äußert. Dieser auf einer anderen Ebene - ein Archetyp, eine Konstruktionsgrammatik, jeweils mit Kostümen, die auf anderen Welt- und Seins-Ebenen ganz andere Figuren zu erzeugen scheinen - völlig gleichkommt. In der der Türsteher den Einlaßbegehrenden auf eine Art begegnet, in der er tatsächlich zum Unternehmen WIRD, dessen Tore er bewacht. Wo er es "besser weiß", als die offiziellen Richtlinien sagen, und nicht nur das: Genau in diesem Abweichen von den offiziellen Richtlinien äußert sich seine Macht erst so richtig. Hier wird sie erlebbar, hier wird sie zum Gewinn, der sich aus der Dankbarkeit jener ergibt, die, obwohl sie den Richtlinien nicht entsprechen, eingelassen werden. Es liegt alles in seiner Hand.
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Montag, 30. August 2021
Sonntag, 29. August 2021
Extra ecclesiam (2)
Sein wie Gott, oder: Wenn der Türsteher es besser weiß als der Chef - Das gesagt, weil Wallner noch eine Tür als Türsteher bewacht. Eine, die NICHT die der Katholischen Kirche ist. Denn genauso, wie er sagt, daß jeder, der Jesus Christus als Gott anerkennt, zur Kirche als Heilsgemeinschaft (das sind Synonyme) gehört, völlig unabhängig, ob er explizit "zur Kirche" gehört (also bereits auf die Dreifaltigkeit getauft ist), genau so muß dann stimmen, daß NICHT zur Kirche gehört, der NICHT die Dreifaltigkeit bzw. Jesus Christus bejaht, völlig unabhängig davon, ob er getauft ist oder nicht.
Wir lassen das hier so stehen, der Leser möge sich selbst sein Bild machen. Aber nicht ohne zuvor auch gehört zu haben, daß das oben Gesagte nicht stimmt, nimmt man es einfach so, wie es da steht. Denn die Taufe prägt als Standessakrament dem Täufling ein unauslöschliches Merkmal ein. Das als Pflicht und Form einer Forderung gleichkommt, der er mit seinem Leben zu genügen hat. Umso schwerer wiegt, wenn er diese innere Zugehörigkeit durch sein Leben nicht erfüllt. Da hat es der Nicht-Getaufte sogar leichter.
Worauf aber wollen wir hinaus? Daß Wallner ein massives Narzißmus-Problem hat, darauf wollen wir hinaus. Denn wer Gott nicht ähnlich wird, versucht ihn zu imitieren.
Samstag, 28. August 2021
Extra ecclesiam (1)
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| QR Wallner auf k-tv |
Es macht das hier angesprochene Problem noch leichter verstehbar, wenn man diese Theologie in dem noch umfassenderen Rahmen sieht, in dem die Kirche seit den 1930er Jahren (gipfelnd im Zweiten Vatikanischen Konzil) hier über versuchte Liturgie-Innovationen (in denen Stift Klosterneuburg mit Pius Parsch, aber auch ein Münchner Theologe vom Rang eines Romano Guardini eine gewichtige Rolle spielen) und dort über Versuche, die Theologie an ihren Rändern so aufzuweichen - merken wir uns: Grenzen, Tore, Torwächter ... es spielt unten seine Rolle - daß sie auch für der Kirche Fernstehende leichter annehmbar ("verständlich") wird.
Und in gewissem Sinn ist das fast jeder der sogenannten "Katholiken". So wie jede, wirklich jede Religion in ihrer faktischen Gelebtheit ein ungeheuer weiter Raum rund um einen Kern ist, den lauter "Häresien" umflirren.
Mittwoch, 6. Januar 2016
Das Wahre ist durch Gestalt - Zugleich: Medienkritik
[Wesentlich ist] daß ohne die ästhetische Erkenntnis weder die theoretische noch die praktische Vernunft zu ihrem ganzen Vollzug gelangen können. Fehlt dem Verum (dem Wahren; Anm.) jener Splendor (Glanz; Anm.), der für Thomas das Merkmal des Schönen ist, dann bleibt die Wahrheitserkenntnis sowohl pragmatisch wie formalistisch: es geht in ihr dann lediglich um Feststellung richtiger Tatsachen und Gesetze, mögen die letztern Seinsgesetze oder Denkgesetze, Kategorien und Ideen sein.
Fehlt aber dem Bonum (dem Guten; Anm.) jene Voluptas (sinnlicher Genuß; Anm.) die für Augustinus das Anzeichen seiner Schönheit ist, dann bleibt auch der Bezug zum Guten sowohl utilitaristisch wie hedonistisch: es geht bei ihm dann lediglich um die Befriedigung eines Bedürfnisses durch einen Wert, ein Gut, mag dieser nun objektiv in der befriedigenden Sache oder subjektiv im Strebenden fundiert sein.
Erst das Ansichtigwerden einer Ausdrucksgestalt in der Sache gibt dieser jene Tiefendimension zwischen Grund und Erscheinung, die als eigentlicher Ort der Schönheit nun auch den ontologischen Ort der Seinswahrheit aufdeckt, und befreit den Strebenden zu der geistigen Distanz, die das gestalthafte Schöne in seinem Ansichsein (und nicht bloß für-mich-Sein) liebenswert und erst so erstrebenswert macht. [...]
[Tritt man so] auf Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, zu, so drängt sich unbedingt der Satz auf: hier ist eine Gestalt vor den Blick des Menschen gestellt. Wie immer es um die Verborgenheit Gottes [...] in Christus stehen mag - das erste ist doch, daß hier echte, "lesbare" Gestalt und nicht bloß ein Zeichen oder eine Anhäufung von Zeichen steht. Christus kann Zeichen wirken und setzen, und diese Zeichen werden in bedeutsamen Zusammenhang mit ihm selber stehen; aber er selbst ist mehr und anderes als nur Zeichen.
[Er ist also kein genialer, religiöser oder sonstwie toller Mensch, wie die rationale Erkenntnis sagen könnte und würde.] Er wird überhaupt erst in seiner Gestalt erkannt, wenn seine Gestalt als die gott-menschliche gesehen und verstanden wird, was dann freilich den Glauben an seine Gottheit zugleich einfordert und schon voraussetzt. [Nur als solche Gestalt ist er überhaupt zugänglich], nicht anders als eine Blume nur dann gesehen wird als was sie sich gibt, wenn sie als Erscheinung einer bestimmten Lebenstiefe gesichtet und "empfangen" wird. [Erst wenn der Betrachter an derselben Tiefe teilhat, wie das Betrachtete, vermag er was immer er sieht als das zu erfassen, was es wirklich ist beziehungsweise als was sie sich gibt.]
[Tritt man so] auf Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, zu, so drängt sich unbedingt der Satz auf: hier ist eine Gestalt vor den Blick des Menschen gestellt. Wie immer es um die Verborgenheit Gottes [...] in Christus stehen mag - das erste ist doch, daß hier echte, "lesbare" Gestalt und nicht bloß ein Zeichen oder eine Anhäufung von Zeichen steht. Christus kann Zeichen wirken und setzen, und diese Zeichen werden in bedeutsamen Zusammenhang mit ihm selber stehen; aber er selbst ist mehr und anderes als nur Zeichen.
[Er ist also kein genialer, religiöser oder sonstwie toller Mensch, wie die rationale Erkenntnis sagen könnte und würde.] Er wird überhaupt erst in seiner Gestalt erkannt, wenn seine Gestalt als die gott-menschliche gesehen und verstanden wird, was dann freilich den Glauben an seine Gottheit zugleich einfordert und schon voraussetzt. [Nur als solche Gestalt ist er überhaupt zugänglich], nicht anders als eine Blume nur dann gesehen wird als was sie sich gibt, wenn sie als Erscheinung einer bestimmten Lebenstiefe gesichtet und "empfangen" wird. [Erst wenn der Betrachter an derselben Tiefe teilhat, wie das Betrachtete, vermag er was immer er sieht als das zu erfassen, was es wirklich ist beziehungsweise als was sie sich gibt.]
Hans Urs von Balthasar, in "Herrlichkeit"
*060116*
Sonntag, 29. November 2015
Harmonischer Übergang, nicht Widerspruch
Ja, es stimmt, schreibt Hans Urs v. Balthasar in der Hinführung zu seiner "Herrlichkeit", daß eine beträchtliche Anzahl theologischer Entwürfe, und darunter tiefste wie die des Johannes vom Kreuz, Bonaventura oder Dionysius vom Areopag, nicht dem entsprungen sind, was man heute als wissenschaftliche Theologie, deren Kriterien denen der Naturwissenschaft sogar entnommen sind, bezeichnet. Aber sie können ihr gleichermaßen nicht widersprechen, der Übergang ist fließend - und homogen. Die gewissermaßen natürliche Theologie des habitus fidei vivae, der sich durchaus nur an der Schönheit orientiert, geht fast unmerklich in das donum Spiritus Sancit intelligentiae und scientiae über und darin auf.
Es ist also zwischen der Theologie der dilettanti und der wissenschaftlichen Theologie kein Widerspruch, und auch gar kein Widerspruch möglich. Wer hier einen Konflikt oder gar eine wechselseitige Aufhebung hineinzuzeichnen will hat sich hahnebüchen vergriffen. [Gerade die Mystik ist ja auch die höhere Form des innerweltlichen intellectus, nicht seine Verneinung! sofern sich zum weltlichen Intellekt - bei einem Getauften! - überhaupt eine prinzipielle Unterscheidung treffen läßt; Anm.]
Gerade die größten Theologen wie ein Thomas von Aquin, ein Bonaventura, Anselm oder Albertus sind in ihre Werken sichtlich getragen von der Synthese von Begeisterung und Heiligkeit, der persönlichen Hineingenommenheit in die Schönheit, die aus den Mysterien Christi leuchtet, und dabei in der hellsten, klarsten Logik erstrahlt.
Ihrem historischen Ursprung nach war und ist auch heute Dichtung und Theologie - eins. Die erste Sprache der Menschheit war das Gedicht, der "rim", der bildhafte Reim auf Welt und Wirklichkeit, und das älteste Dokument der Menschheit mit Gewißheit die Bibel als vollkommenstes Werk der Poesie, auch als sie noch nicht oder nicht in dieser Form aufgeschrieben war.
Gerade die größten Theologen wie ein Thomas von Aquin, ein Bonaventura, Anselm oder Albertus sind in ihre Werken sichtlich getragen von der Synthese von Begeisterung und Heiligkeit, der persönlichen Hineingenommenheit in die Schönheit, die aus den Mysterien Christi leuchtet, und dabei in der hellsten, klarsten Logik erstrahlt.
Ihrem historischen Ursprung nach war und ist auch heute Dichtung und Theologie - eins. Die erste Sprache der Menschheit war das Gedicht, der "rim", der bildhafte Reim auf Welt und Wirklichkeit, und das älteste Dokument der Menschheit mit Gewißheit die Bibel als vollkommenstes Werk der Poesie, auch als sie noch nicht oder nicht in dieser Form aufgeschrieben war.
***
Samstag, 31. Oktober 2015
Am Namen ist alles verhangen
Wenn Hans Urs v. Balthasar schreibt, daß die Wahrheit "symphonisch" sei, so hat er darin natürlich recht. Balthasar meint es ja auch keineswegs so, als wäre die Wahrheit das faktische Ergebnis einer Vermengung subjektiver Ansichten. Vielmehr ist es auf das bezogen, was Wahrheit ihrem Wesen nach ist: Die lebendige Präsenz des Logos in der jeweiligen Geschichte. Insofern ist sie auf gewisse Weise flüssig, nie fertig. Aber sie ist die Sprache IN der Sprache, hinter der Sprache. Sie ist immer neu und wird erneuert, weil sie immer historisch ist wie sein muß. Nur hierin läßt sich auch so etwas wie ein Entwicklungs-, ein Fortschrittsgedanke verankern. Sie hat die Tendenz weil Sendung, universal zu werden.
Daraus ergibt sich auch eine nicht geringe Verpflichtung, das Gesprochene eines Sprachraums zu kennen, und sich diesem zu öffnen, um die Sprache hinter der Sprache zu sehen. Schon aus dem Wesen des Mediums heraus muß das in erster Linie "Buch" heißen. Erst wenn keine relevanten Bücher mehr veröffentlicht würden, wäre ein geistiger Raum wirklich tot - und das hieße: ungeistig geworden. Gottseidank sind wir im deutschen Sprachraum aber noch nicht so weit. Vielleicht gab es ohnehin nie mehr Menschen, die diese Sprache hinter der Sprache je hören und in aktuelle Sprache übersetzen konnten. Der große, allergrößte Rest muß diese Sprache empfangen, um durch sie zu sich selbst frei - losgebunden aus den Getriebenheiten der jeweiligen Gegenwart, die er nunmehr in Besitz nehmen kann - zu werden.
Denn das Wesen des Menschen ist personale Zugeschriebenheit - die menschliche Gesellschaft (und jeder Mensch ist nur als Teil einer solchen, mit einem Ort, Mensch, als Bestimmung wie als Auftrag) ist einem Seilzug vergleichbar, in dem jeder Mensch an einem ihm übergestellten hängt, bis in die einzige Möglichkeit, wie Welt (die nur im Menschen hängen kann, sonst wäre sie nicht) überhaupt bestehen kann: in der Verhängung im Gottmenschen Jesus Christus, dessen Name selbst das Sein IST.* In dem alle Menschen als Menschheit (die jeder Einzelne stellvertretend repräsentiert; das ist im übrigen dann ecclesia, Kirche) in dieser personalen-persönlichen Seilzugverhangenheit hängt, sich im Einzelnen konstituiert, und in ihm besteht. Und zwar - in seinem Namen, der die Wahrheit ist.
Daraus ergibt sich auch die Pflicht, den Künstlern (in einem vergleichbaren Stand mit den Priestern, den Heiligen und den Königen) zuzuhören. Denn sie sind es, die gar nicht anders können, per existentieller Notwendigkeit, als die Sprache mit Sprache zu füllen, die ihnen das Ewige, das sie im Zeitlichen sehen, zuträgt. Sie nicht als pure Behauptung in der Welt, als Griff zur Sicherheit in einer prinzipiellen Unsicherheit zu traitieren. Ihr Leiden ist das Außerhalbstehen, das Freistehen von Interessen, die gelebte Einsamkeit (die also doch auf die Gemeinschaft bezogen ist), und das begnadet sie zum Sehen des Ewigen im Präsenten, Aktuellen, zum Auslesen dessen aus dem Faktischen. Das sie in seinen Forderungen und Zügen überwinden, also ins Ewige rückführen, läutern müssen.
*Keineswegs also konnte Gott die Namensgebung seines Sohnes den Menschen überlassen. Mit der Botschaft des Engels kam deshalb der Name. Das berühmte Jesus-Gebet der orthodoxen Kirche gründet hier. Alle menschliche Erwartungshaltung an Jesus selbst - man denke an so viele letzte Worte, auch in verzweifelten Situationen, in denen die Menschen "Jesus" rufen - ist die abgestufte, historische Leiblichkeit dieser menschheits-substantiierenden Wahrheit seines Namens. Die menschliche Eigenschaft, dem "Namen" eines Menschen alles zuzuschreiben (sich "einen Namen machen", in der der Rang eines Menschen umfaßt wird, etc.) - nämlich die Stellung in diesem erwähnten Seilzug - hat gleichfalls hier ihre Wirklichkeit.
***
Donnerstag, 13. August 2015
Theologie der Getrenntheit (3)
Teil 3) Das vielbesprochene Leid der Kinder - Probleme und Scheinprobleme
Noch eine Bemerkung zum Leid
der Kinder: Kinder leiden am Schwinden der sichtbaren Präsenz der
Vollidee der Ehe, auf der sie selber in ihrer Menschwerdung aufbauen.
Das Ablösen der Kinder vom Elternhaus im Erwachsenenstadium zeigt ja,
wie relativ und temporär Eltern als physische Präsenz sind. Aber sie
sind immerbleibend - als Idee. Der Schmerz der Kinder ist deshalb temporär. Er würde erst existentiell, wenn die Idee entschwände, in die sie sich eingebettet erfahren und auf die sie wesensmäßig hinorientiert sind.
Jeder Mensch ist nur die
Individualisierung (und DAMIT Unwiederholbarkeit, Einzigartigkeit) des
EINEN MENSCHSEINS - das umgekehrt erst in der (historisch-kulturell
geprägten) Individualisierung zum Menschsein wird. Jeder Mensch ist
deshalb gleichzeitig auf das Eine Menschsein wie auf die Individuen als
deren Träger ausgerichtet, und zwar: je spezifischer die Menschen sind,
desto mehr sind die Stellvertreter des EINEN MENSCHSEINS.
Kein
Kind wünscht das Entschwinden auch nur eines Elternteiles, selbst wenn
man als Außenstehender zum Urteil kommen könnte, es wären "schlechte"
Eltern. Wenn das scheinbar doch einmal der Fall ist, sind noch ganz
andere Dinge zu hinterfragen, und zwar meist beim verbleibenden
Elternteil. Ihr Leid bezieht sich vielmehr auf die ontologische
Fundiertheit, auf die sie eigentlich hinorientiert sind, und auf die sie
einen Anspruch haben, der nicht nur auf die physischen Eltern
beschränkbar ist, sondern in der gesamten Mitwelt gefunden werden muß.
Es gab in früheren Zeiten sehr gewiß nicht weniger "Waisen" bzw.
"Halbwaisen" als heute. Weil die Wahrscheinlichkeit für Männer wie
Frauen, früher zu sterben, durch die andere Lebensführung weit höher
war. Aber es gibt keine Anzeichen dafür, daß dies zu einem
gesellschaftlichen Trauma geführt hätte. Vielmehr wurden die je
fehlenden Ehepartner rasch ersetzt, und vor allem aber: die gesamte
Umgebung hielt das Wesen, die Idee von Vater- und Mutterschaft
aufrecht.
Das Trauma bei Verschwinden der physischen
Präsenz eines Elternteils hat seinen tieferen Grund darin, daß die Idee
natürlich nur in einem faktischen, konkreten Menschen real, vorhanden
sein kann. Deshalb bindet sich natürlich das Erleben der Idee des Ganzen
aneinen konkreten Menschen - den, der eben zuerst da ist, die Eltern.
Aber
Kinder brauchen "einen" Vater, "eine" Mutter, nur dort erfüllen die
Individuen ihre Sendung. Und das kann ihnen vielfach sogar die Umgebung
stellvertretend bieten. Bleibt die Idee gleich, ist der physische
Wechsel eines Partners sogar leicht verkraftbar. Das, was heute als
"individualistischer Anteil" behandelt wird, liegt gerade bei Eltern,
vor allem aber beim Vater, nicht an der Physis, sondern in der Erzählung
tradierbar. Dort kann es auch präsent gehalten werden. Während es bei
der Mutter tatsächlich an der Physis liegt - aber an EINER Physis als
Mutter, also ohnehin weniger an ein bestimmtes Individuum gebunden ist.
Der Verlust eines Elternteiles ist ein Schmerz, keine Frage, aber er ist
temporär, er ist überwindbar, wie jeder natürliche Tod der Eltern
zeigt, den ja jeder durchzuleben hat. Die Defizite bei noch nicht
erwachsenen Kindern sind aber weitgehend zumindest ausgleichbar, denn
bei Kindern ist auch die Individualisierung noch nicht so ausgeprägt.
Ihnen sind die Eltern - je kleiner sie sind, desto mehr - noch keine
"Gegenstände", dazu werden sie erst. Eltern sind zumal kleinen Kindern
"Archetypen".
Die Frage von Begabungen und Talenten und
deren Entfaltung wird heute praktisch völlig falsch eingeschätzt.
Persöniche, ererbte Anlagen sind lediglich Instrumente IN EINE BESTIMMTE
SITUATION HINEIN gewirktlicht zu werden. Diese Situation aber ist nicht
absolut, sie ist historisch und situativ von den gestellten Aufgaben
abhängig, auf die - und hier beginnt dann die Rolle der Individualität -
jeder Mensch individuell reagiert. Und zwar automatisch, immanent. Das
macht noch deutlicher, warum Eltern ersetzbar sind, das macht auch
deutlich was hier bereits mehrfach abgehandelt und in den Satz
zugespitzt wurde: Es gibt gar keine Talente. Nicht als Dinge für sich.
Die
sentimentalische Verwirrtheit, die mit diesem Themenkreis heute
verbunden ist, und leider auch weithin den Katholizismus (der darüber
doch am meisten wissen müßte, weil er tief realistisch ist bzw. wäre)
durchgiftet hat, hat vielfach aber heute Scheinprobleme geschaffen, um
deren Lösung sich dann in den unsinnigsten, ja kontraproduktiven
Maßnahmen bemüht wird. Es wäre Zeit, die ontologische Problematik neu
präsent zu machen, und diese Fragen in erneuerter Sehschärfe zu
reflektieren.
Die Sentimentalität, in der dieser Themenkreis meist rettungslos versinkt, ist nichts als die Falle eines Versuchs, die wirkliche Problematik abzuschieben, und in eine nahezu dämonisch gewordene "Gestimmtheit" zu verlagern, die nur der Selbstgerechtigkeitspose dient. Lösen läßt sich damit gar nichts, im Gegenteil, der real zu beobachtende Umgang mit dem Thema macht die Dinge meist nur noch schlimmer, weil er den wesentlichen Zusammenhängen, in denen alleine das Thema zu bewältigen wäre, die aber die Frage nach der persönlichen Sittlichkeit sehr ernsthaft stellen, ausweicht.
Und sie läßt sich nicht lösen, wenn man sie außerhalb religiöser Fragen zu lösen sucht. Denn die Ersterfahrung des gezeugten Menschen ist die der Erfahrung Gottes, im Sein, von dem es bedingungslos abhängt, und aus dem es sich mehr und mehr in der Individualisierung zum einen löst, zum anderen verbindet. Diese Erfahrung ist aber konkret - durch die Eltern, in denen dem Kind zuerst Gott begegnet, und die als Nicht-Gott, als seine Stellvertreter zu erfahren, der größte Schritt zur Erwachsenheit bedeutet. Weshalb das 4. Gebot die Grundlage allen Menschseins ist und bleibt, denn in jedem Fall waren sie der reale Zugang zum Sein. Aber in ihnen begegnet dem Kind der Geist, die Idee, und aus ihr lebt es. Wer also die Idee des einen Menschen in der Polarität Mann-Frau verletzt, macht die Erfahrung Gottes, des reinen Geistes, defiziös. Und das hat erst wirkliche, schwerwiegende Auswirkungen auf den Menschen, weil es seine spätere Haltung zur Wahrheit direkt betrifft.
Nicht wer sich trennt ist deshalb der Sündige. Sondern wer diese Idee Gottes, dessen Abbild der Mensch (in der Mann-Frau-Einheit) ist, dem Kind vorenthält weil ablehnt. Als (fehlende) Ergänzung, die immer präsent sein kann und muß. "Ich bin König - ihr müßt mich spielen." Wer Vater sagt, sagt auch Mutter. Wer Frau sagt, sagt auch Mann. Wer Eltern sagt, sagt Kind. Wer Kind sagt, sagt Eltern. Als ontologische Aussage über eine Idee, aus der alles im Geist der Liebe zur Fruchtbarkeit im Gefüge der Welt hervorgeht, wenn man sie ergreift. Nicht als Elemente psychologischer Funktionalitätsspiele. Weil aber jeder Mensch immer seinem Anruf durch die Idee hinterherhinkt, ist die "Scheidung" benannte "Trennung" eines Ehepaares nur ein gradueller Unterschied, kein Quantensprung. Den setzt nur die Abkehr von der Idee der Einheit im Zueinander - dem Willen Gottes. Erst die Halbkugel die glaubt, sie könne eine ganze Kugel sein, die nicht mehr auf die fehlende andere Hälfte verweisen möchte, hat ein wirkliches Problem.
Und sie läßt sich nicht lösen, wenn man sie außerhalb religiöser Fragen zu lösen sucht. Denn die Ersterfahrung des gezeugten Menschen ist die der Erfahrung Gottes, im Sein, von dem es bedingungslos abhängt, und aus dem es sich mehr und mehr in der Individualisierung zum einen löst, zum anderen verbindet. Diese Erfahrung ist aber konkret - durch die Eltern, in denen dem Kind zuerst Gott begegnet, und die als Nicht-Gott, als seine Stellvertreter zu erfahren, der größte Schritt zur Erwachsenheit bedeutet. Weshalb das 4. Gebot die Grundlage allen Menschseins ist und bleibt, denn in jedem Fall waren sie der reale Zugang zum Sein. Aber in ihnen begegnet dem Kind der Geist, die Idee, und aus ihr lebt es. Wer also die Idee des einen Menschen in der Polarität Mann-Frau verletzt, macht die Erfahrung Gottes, des reinen Geistes, defiziös. Und das hat erst wirkliche, schwerwiegende Auswirkungen auf den Menschen, weil es seine spätere Haltung zur Wahrheit direkt betrifft.
Nicht wer sich trennt ist deshalb der Sündige. Sondern wer diese Idee Gottes, dessen Abbild der Mensch (in der Mann-Frau-Einheit) ist, dem Kind vorenthält weil ablehnt. Als (fehlende) Ergänzung, die immer präsent sein kann und muß. "Ich bin König - ihr müßt mich spielen." Wer Vater sagt, sagt auch Mutter. Wer Frau sagt, sagt auch Mann. Wer Eltern sagt, sagt Kind. Wer Kind sagt, sagt Eltern. Als ontologische Aussage über eine Idee, aus der alles im Geist der Liebe zur Fruchtbarkeit im Gefüge der Welt hervorgeht, wenn man sie ergreift. Nicht als Elemente psychologischer Funktionalitätsspiele. Weil aber jeder Mensch immer seinem Anruf durch die Idee hinterherhinkt, ist die "Scheidung" benannte "Trennung" eines Ehepaares nur ein gradueller Unterschied, kein Quantensprung. Den setzt nur die Abkehr von der Idee der Einheit im Zueinander - dem Willen Gottes. Erst die Halbkugel die glaubt, sie könne eine ganze Kugel sein, die nicht mehr auf die fehlende andere Hälfte verweisen möchte, hat ein wirkliches Problem.
Nun endlich die versprochenen Anmerkungen zu obigem Versuch.
*Diese
Frage ist schon deshalb spannend, weil die Realität genau das zeigt:
Daß bei Scheidungen zumindest einer der Beteiligten einen "anderen"
Partner wünscht, das heißt: sich als Stellvertreter eines ANDEREN Seins
begreift, als ihm real im Seienden des Partners gegenübersteht, der
dieses Sein nicht teilt, also nicht Stellvertreter des Ganzen ist (oder
so erlebt wird). Denn man lebt immer bezogen auf und mit der
umgreifenden Idee, nie mit dem "realen Gegenstand".
**So
gut wie alle Diskussionen bei oder nach Scheidungen gehen ja um dieses
Tragen des Schmerzes, oder dem Versuch, ihm auszuweichen. Dazu gehört
übrigens auch die selten dumme Rederei von der "Einvernehmlichkeit", die
ein niederer Versuch ist, jede Verantwortung abzulehnen, und damit die
Möglichkeit des Schmerzes zu vermeiden - auf Kosten des Insgesamt, das
man quasi gemeinsam verweigert.
***Praktisch
ist das viel einfacher, als man meint. Denn die Weiterführung der zuvor
vom Mann festgelegten alltäglichen Lebensweise und Wertordnung ist
schon der Großteil der Miete. In der Treue dazu spricht also der Mann
(im Sinne der genannten "idea") immer noch weiter zu den Anwesenden.
****Jährlich landen alleine in Österreich rund 1700 Männer nach Scheidungen im faktischen Zustand der Obdachlosigkeit weil völligen Mittellosigkeit. Viele tausend weitere sind (alleine; noch dazu; für viele besteht schon aus existentiellen Gründen kein anderer Ausweg, als sich einen neuen Partner zu suchen) kaum noch in der Lage, ein "normales" oder auch nur bescheidenes Leben zu führen. Und das OHNE Klärung von Schuld!
****Jährlich landen alleine in Österreich rund 1700 Männer nach Scheidungen im faktischen Zustand der Obdachlosigkeit weil völligen Mittellosigkeit. Viele tausend weitere sind (alleine; noch dazu; für viele besteht schon aus existentiellen Gründen kein anderer Ausweg, als sich einen neuen Partner zu suchen) kaum noch in der Lage, ein "normales" oder auch nur bescheidenes Leben zu führen. Und das OHNE Klärung von Schuld!
***
Mittwoch, 12. August 2015
Theologie der Getrenntheit (2)
Teil 2) Anmerkungen zur Praxis - Anmerkungen
Deshalb hört die (ideale) Anwesenheit des jeweiligen (fehlenden)
Partners nicht auf, auch wenn physische Trennung der Ehegemeinschaft
stattfand. Wobei die "Trennung von Tisch und Bett" als Verfahren völlig
zu Unrecht weithin außer Gebrauch gekommen ist. Denn sie befaßt sich mit
Schuld, und sie befaßt sich mit der Frage, ob eine physische Trennung
angebracht ist. Das entläßt die Partner aus der prinzipiell durch rein
subjektives Urteil NICHT beantwortbaren Frage, ob der Schritt zur
Trennung gerechtfertigt ist oder nicht. Gewissensfestigkeit läßt sich
nur bei fremdem und autoritativ-hierarchisch richtig ergangenem Urteil.
Ist
die Trennung erfolgt, beginnt die Verantwortung der Umgebung des nun
getrennten Paares (bzw. der Familie) vollauf zu greifen. Die der Männer,
um den Mann physisch zu vertreten - stellvertretend, nie ihn ersetzend,
also: in dessen Sinn, hätte er sich nicht abgewandt - und der Frauen,
die die physisch fehlende Mutter vertreten sollten. Was alles natürlich
nie ganz geht, aber weitgehend sehr wohl möglich ist. Unrealistisch?
Herrschaften, wozu meint man denn, sei der Pate gut, der ja immer noch
üblich ist? Er IST genau diese Stellvertretung für den Ernstfall.
Erst auf diesem Weg ist auch eine "sanatio ex radice"
der Ehe praktisch möglich. Denn nur in dieser Haltung kann der
allenfalls doch wieder zurückkehrende Part relativ einfach wieder seine
Stelle einnehmen, die er zuvor verweigert hat. Bei dem Wildwuchs, in dem
die Trennungen heute ablaufen, ist das schon faktisch meist völlig
ausgeschlossen - der zurückkehrende Teil findet nur noch verbrtannte
Erde vor, er hat gar keinen objektiven Platz mehr im Gefüge, an dem er
längst ersetzt wurde. Vom Zurückbleibenden, von der Idee von jemandem
anderen. Und das muß auch die Prüfkriterium sein: Die Frage, ob der
andere jederzeit wieder in seine Stelle eintreten könnte. Könnte.
Selbst, wenn er das nie mehr tun wird. Der Fehlende ist tot, in der
praktischen Weise unterscheidet er sich kaum davon, als ob er faktisch
gestorben wäre. Aber das heißt nicht, daß er nicht weiter wirken muß.
"Ich bin der König - ihr müßt mich spielen."***
Entsprechend
muß auch die Erziehung der Söhne und Töcher aus solchen getrennten Ehen
erfolgen. Sie müssen an die Idee des Fehlenden genau so angeähnelt
werden, als wäre er hier. Und manche Probleme, die praktisch daraus
entstehen, lassen sich eben nicht lösen. Die Meinung, man müßte solche
Defekte und die daraus entstehenden Schmerzen vermeiden oder gar
"ausgleichen", führt erst recht zu viel Zerstörung in der Psyche des
Heranwachsenden. Der das, was nun praktisch-faktisch fehlt, ja am
Schmerz erfährt, und daraus später tatsächlich nachbilden kann. Denn der
Schmerz läßt das Bild des Ganzen erst recht erkennen, ja im Leidenden
erstehen.
Meist mißverstanden und fehlgeleitet sind Versuche, den physischen Kontakt mit den Kindern durch den verlassenden Partner aufrechtzuhalten. In den allermeisten Fällen - der VdZ kennt sogar nur solche Fälle - sind Ehe aber geschieden, weil die innere, idelle Ordnung nicht gewahrt war, und nach der Scheidung nicht gewahrt bleibt. Deshalb ist es völlig logisch, daß gerade Männer einen quasi amikalen Kontakt nach einer Scheidung niemals akzeptieren können. Die Praxis zeigt genau das: Männer brechen zu zwei Dritteln jeden Kontakt mit den Kindern ab, zu einem Drittel gleich, zu einem Drittel nach spätestens fünf Jahren. (Genau so, wie zwei Drittel der geschiedenen Männer nach spätestens fünf Jahren krank werden.) Die heute so üblichen Versuche, trotzdem eine Art "heile Welt - so gut es eben geht" herzustellen, richten großen Schaden an.
Die finanzielle Seite ist in unseren Ländern ohnehin bereits so eng staatlich reglementiert (sodaß sie den Fehlenden - eben! - ersetzt, UM eben diese ideelle Ordnung unnötig zu machen, denn den Ideologien der letzten Jahrhunderte geht es nur DARUM), oder durch Sozialzuwendungen abgefedert (denn in den allermeisten Fällen überfordert die neu entstehende Situation - zwei Haushalte sind nun zu führen - die finanzielle Leistungskraft des Versorgungspflichtigen)****, daß sie in der Praxis nicht relevant ist. Damit wird, wenn das behauptet wird, dieses Argument nur zur Verleumdung verwendet. Trennung ist vor allem eben eine Männerproblematik, eine Problematik der Entväterlichung durch die Frau, die in 90 % der Fällen automatisch das Sorgerecht für allfällig verbleibende Kinder erhält. Dieser Punkt wäre tatsächlich auch in der Rechtssprechung zu überdenken, weil er von der Verschuldensfrage bestimmt sein muß. Ziel muß sein, die Kindern jenem Partner zuzusprechen, der NICHT das Wesen der Ehe verweigert. Die Begründung ergibt sich aus oben Gesagtem. Also müßte umgehend das Prinzip der "Einvernehmlichkeit" aus dem Gesetz wieder gestrichen werden - denn in solchen Fällten müßten eigentlich beiden die Kinder entzogen werden. Eine Trennung ohne Klärung der Schuldfrage ist nicht möglich.
Meist mißverstanden und fehlgeleitet sind Versuche, den physischen Kontakt mit den Kindern durch den verlassenden Partner aufrechtzuhalten. In den allermeisten Fällen - der VdZ kennt sogar nur solche Fälle - sind Ehe aber geschieden, weil die innere, idelle Ordnung nicht gewahrt war, und nach der Scheidung nicht gewahrt bleibt. Deshalb ist es völlig logisch, daß gerade Männer einen quasi amikalen Kontakt nach einer Scheidung niemals akzeptieren können. Die Praxis zeigt genau das: Männer brechen zu zwei Dritteln jeden Kontakt mit den Kindern ab, zu einem Drittel gleich, zu einem Drittel nach spätestens fünf Jahren. (Genau so, wie zwei Drittel der geschiedenen Männer nach spätestens fünf Jahren krank werden.) Die heute so üblichen Versuche, trotzdem eine Art "heile Welt - so gut es eben geht" herzustellen, richten großen Schaden an.
Die finanzielle Seite ist in unseren Ländern ohnehin bereits so eng staatlich reglementiert (sodaß sie den Fehlenden - eben! - ersetzt, UM eben diese ideelle Ordnung unnötig zu machen, denn den Ideologien der letzten Jahrhunderte geht es nur DARUM), oder durch Sozialzuwendungen abgefedert (denn in den allermeisten Fällen überfordert die neu entstehende Situation - zwei Haushalte sind nun zu führen - die finanzielle Leistungskraft des Versorgungspflichtigen)****, daß sie in der Praxis nicht relevant ist. Damit wird, wenn das behauptet wird, dieses Argument nur zur Verleumdung verwendet. Trennung ist vor allem eben eine Männerproblematik, eine Problematik der Entväterlichung durch die Frau, die in 90 % der Fällen automatisch das Sorgerecht für allfällig verbleibende Kinder erhält. Dieser Punkt wäre tatsächlich auch in der Rechtssprechung zu überdenken, weil er von der Verschuldensfrage bestimmt sein muß. Ziel muß sein, die Kindern jenem Partner zuzusprechen, der NICHT das Wesen der Ehe verweigert. Die Begründung ergibt sich aus oben Gesagtem. Also müßte umgehend das Prinzip der "Einvernehmlichkeit" aus dem Gesetz wieder gestrichen werden - denn in solchen Fällten müßten eigentlich beiden die Kinder entzogen werden. Eine Trennung ohne Klärung der Schuldfrage ist nicht möglich.
Morgen Teil 3) Das vielbesprochene Leid der Kinder -
Probleme und Scheinprobleme.
Und: Endlich die gesammelten Anmerkungen
***
Dienstag, 11. August 2015
Theologie der Getrenntheit (1)
Ein erster Versuch
Den wirklichen Ausweg aus der eigentlich sich am Stand drehenden Diskussion um die Problematik des Getrenntseins von (Ehe-)Paaren - die eine gesamtgesellschaftliche Problematik allererster Dramatik ist - kann nur eine Theologie der Getrenntheit bieten, die von der innertrinitarischen "matrix" der Stellvertretung ausgeht. In der das Wesen des einen das Wesen des anderen insofern mitsetzt, als es sich gegenseitig den Geist zuhaucht. Sodaß zwei in Einem geeint, aber erst durch diese Verschiedenheit geeint wird.
Den wirklichen Ausweg aus der eigentlich sich am Stand drehenden Diskussion um die Problematik des Getrenntseins von (Ehe-)Paaren - die eine gesamtgesellschaftliche Problematik allererster Dramatik ist - kann nur eine Theologie der Getrenntheit bieten, die von der innertrinitarischen "matrix" der Stellvertretung ausgeht. In der das Wesen des einen das Wesen des anderen insofern mitsetzt, als es sich gegenseitig den Geist zuhaucht. Sodaß zwei in Einem geeint, aber erst durch diese Verschiedenheit geeint wird.
Das trifft auch auf Mann-Frau, als Ganze zum Menschen werden und gemacht (weil sich je dem anderen im Gesetztsein als Anrede durch ein Du verdankend) nur in der Ehe, zu. Und es überhöht das Reden von einem "so leben als wäre man verheiratet", will dieses nicht zu einer Kasperliade werden.
Es gibt im Schauspiel den alten Spruch: "Ich bin der König - Ihr müßt mich spielen." Die Präsenz, das Sein des Königs muß von allen mitgelebt werden. Er steht ihnen gegenüber, in seiner Beziehungsgestalt, und sie müsse ihn leben, selbst wenn er nicht körperlich präsent ist.
Und in diesem Sinn müssen geschiedene Eheleute, die nie mehr zusammen leben werden (können), den je fehlenden Teil stellvertretend übernehmen. (Wie es ja im übrigen zusammenlebende Ehepaare ohnehin tun.) Dabei geht es um den Knackpunkt, daß es keine Trennung ohne Schuld gibt. Schuld ber heißt, schreibt H. U. v. Balthasar einmal sehr schön, nicht die aktive böse Tat, sondern das vorenthalten der Stellvertretung, in der ein Ding den Bezug auf seine Idee verweigert, aus der alleine es sich entfalten würde. Und sich als Ding erwiese, das immer ein FÜR DEN ANDEREN ist, weil jedes Ding (Seiende) ein FÜR JEMANDEN ist.
Analog eben der Trinität, in der die Dreipersönlichkeit sich in diesem totalen Füreinander (das sie wiederum eint, und das ist es, was sie eint) zum Einen (Gott) macht. Oder, in der Ehe: In der dieses Für den anderen, das der eine (oder beide) verweigert, vom anderen "mitgespielt" wird: Indem er auf eine Weise lebt, in der dieses Für-den-anderen des anderen (der sündigt, dieses also verweigert) in die eigene existentielle Spannung übernommen wird. Und das heißt genau nicht: ERSETZEN. Es heißt: Stellvertretung. Die den Platz des anderen freihält, worin der Stellvertretende also den Vertretenen zu sich selbst befreit, an seiner statt handelt, noch einmal: ohne ihn zu ersetzen. (Denn wer ersetzt, nichtet.)
Wo das Seiende sich vom Sein abwendet, auf kurz oder lang damit ins Nichts fällt (und die Hölle ist die völlige Abwesenheit von Bezügen, die permanente Abwendung von diesem Sein, die verewigte, festgefrorene Haltung der Verweigerung der Stellvertretung, der Maske sozusagen), ist sein Faktisches defiziös. Seine reale, faktische Gestalt vermittelt in ihrem Sein nicht das und nicht in jener Fülle, wie sie sollte. (Denn Name, Begriff ist Auftrag.) Deshalb ist sie durchaus manchmal dann zu meiden, als Gebot der Klugheit, ja gar manchmal der Pflicht.
Davon zu träumen, daß Geschiedene also in jedem Fall wieder zueinander finden sollen, ist Traum, Illusion, kein prinzipieller Weg, als Ziel verstanden. Das Leben ist meist komplex, und es entwickelt sich (auch in der Zeit der Trennung) weiter. Auch ist der Schmerz, der aber ein innerweltlicher ist, daß der andere fehlt (das gilt auch für allfällige Kinder), nicht zu beheben oder wegzuleugnen. Selbst wenn ein Abgetrennter (als der, der ging, sagen wir) versucht, lieb und nett und freundlich zu sein, so wird er nie mehr als ein unerfülltes Versprechen bleiben.
Aber es ist die Verschuldensfrage, die Frage der Sünde, die entscheidende Frage.² Ohne sie ist das Problem prinzipiell nie heilbar, sondern immer eine offene Wunde der Verweigerung, unter Umständen von beiden Ehepartnern. Denn der Nicht-Schuldige ist es dann, der stellvertretend das Versagen des anderen mittragen muß, und er ist es auch, der das kann. Ob es der ist, der bleibt, oder der ist, der geht. (Nicht jeder, der geschieden ist, ist somit Sünder. Auch ist der dumme Satz, der oft zu hören ist, daß "zwei dazugehören", dumm weil er falsch ist. Denn es ist höchstwahrscheinlich nur einer aus dem Paar.*) So werden sogar sehr reale Folgen, auch allfällige Auswirkungen auf Kinder, weitgehend abgemildert, ja ihrer Tiefendimension beraubt, "harmlos", weil sie nur noch auf einer innerweltlich-menschlichen Ebene bleiben.
Und hier ist der Begriff der Sühne einzuführen. Denn in diesem Ertragen des Schmerzes, der aus der Stellvertretung des anderen (der sich aber verweigert) fließt**, hebe ich diesen anderen wieder in jene Stelle, von der er sich abgewandt hat.
Und hier ist der Begriff der Sühne einzuführen. Denn in diesem Ertragen des Schmerzes, der aus der Stellvertretung des anderen (der sich aber verweigert) fließt**, hebe ich diesen anderen wieder in jene Stelle, von der er sich abgewandt hat.
In solcher Haltung der Stellvertretung, die sich in diese Haltung der Sühne (fast von selbst) ergießt, wirkt damit sogar bei Geschiedenen die Gnade des Ehesakraments weiter (und zwar auf fundamentale Weise für beide!), das sich auf jene Ganzheit bezieht, die der Nicht-Stellvertretende ablehnt und verdunkelt. (Das gilt übrigens auch für die temoräre Ablehnung, wie sie in der Sünde der Fall ist, ohne daß es sich in Scheidung äußern müßte, betrifft im Grunde also jeden.) Aber es ist dieses Ganzheitsbild, diese umfassende Idee, die der Stellvertretende unterfaßt, und damit (z. B. den Kindern) selbst bei Trennung noch nahebringt. Denn der Mensch lebt vom Wirklichen, das ein Unsichtbares ist - der Mensch sieht immer Ideen.
Morgen Teil 2) Anmerkungen zur Praxis - Anmerkungen
²Es ist auffällig, daß gerade zum Thema Ehe auch von "aufrechten Katholiken" direkte überlieferte Aussagen des Heilands Jesus Christus regelrecht ignoriert werden. Als weigerte man sich, sie verstehen zu wollen. Denn erst unter der hier versucht auszufaltenden Perspektive, so der VdZ, ist etwa der Satz verstehbar, daß niemand eine Ehe scheiden könne AUSZER im Fall des Ehebruchs. (u. a. Mt.19ff; wie sich die Übersetzung auf "Unzucht" als rein körperlich-sexueller Akt zugespitzt hat, wäre eine Untersuchung wert.)
Zugleich sagt Jesus, daß eine Frau schon nur lüstern anzusehen die Ehe bräche. Etc. etc. Das (alleine) auf die Sinnenfreude mancher etwas leichtfertiger Menschen hinzuschnitzen, die halt allzu leicht der üppigen Nachbarin oder dem charmanten Burschen auf den Leim gehen, ist puritanisch-protestantischer Moralismus, und oft sogar nur eine Lüge des Neids oder gar der in Haß umgebogenen Gier, weil man sich diese Lebensfreude versagen muß, geschuldet - nicht der Sorge ums Seelenheil des anderen, dem das in der Gewohnheit zur dauernden seelisch-geistigen Abkehr werden könnte. Das ist zu beichten, und dann zu vergessen.
All das bezieht sich vielmehr auf die Hingeordnetheit zum Ordo Gottes, der ein Zueinander von Ideen ist, die die Menschen, die darein eintreten wie unter ein Dach, binden und prägen oder gar hervorgehen lassen ("Das Amt macht den Minister"). Ehe ist keine Anstalt der Moralisten. Sie ist eine der Ontologen. Der bloße physische Akt des "Seitensprungs" spielt gerade in diesem Punkt oft eine erstaunlich kleine und temporäre Rolle. Während die wirklichen Ehebrüche heute ganz anders laufen, ja ... allgemeiner Usus in unseren Ländern geworden sind. Auch nämlich unter "Religiösen". Als Ignoranz der Idee des Menschen gegenüber. Nicht wer einen Moment lang (oder länger) schwach wird ist der große Sünder, sondern der, der die Idee des Menschen, und damit die der Ehe, ablehnt. Denn dessen Ehe ist so lange gar nicht heilbar, selbst wenn er lebte wie ein Mönch. Er lebt in der Sünde wider den Heiligen Geist. Das ist nicht zu beichten. Das kann nicht vergeben werden, weil der Mensch es selbst umkehren muß. Man kann nicht beichten, die Freiheit zu mißachten. Beichte ist selbst ein Akt der Freiheit, so wie die Sünde.
Auch das Problem der Jugend, die schon so früh und immer früher durch die Betten hüpft, ist nicht primär, daß sie durch die Betten hüpft. Sondern daß sie die Idee der Ehe ablehnt und meist nicht einmal mehr kennt. Erst von ihr aus ist der Leib als die Kostbarkeit begreifbar, die er ist: Stellvertreter, Ort der durchleuchtenden Idee Gottes. Aber das hat sie gar nicht mehr erfahren - in den Eltern (und hier: vor allem in der Mutter)! Denn die Kinder geben ganz genau jene Ideen wieder, die sie über uns, in unserer physischen Präsenz und Lebensart, kennengelernt haben. Es ist ihre eigene Basis.
P. S. Schon wieder die Mütter? Woran sind denn nicht sie schuld? Tja, bei Kindern - fast an allem ... Aber warum darüber aufregen? Wird nicht heute lautstark überall verlangt, die Macht und Leistung der Frauen in den Vordergrund zu schieben? HIER IST EINE DAVON. Sie haben auch das Gelingen der Kindererziehung in der Hand, ja sie haben alles in der Hand, weil sie die Antwort der Welt in der Hand haben. "FIAT - Mir geschehe, wie Du es gesagt hast."
Zugleich sagt Jesus, daß eine Frau schon nur lüstern anzusehen die Ehe bräche. Etc. etc. Das (alleine) auf die Sinnenfreude mancher etwas leichtfertiger Menschen hinzuschnitzen, die halt allzu leicht der üppigen Nachbarin oder dem charmanten Burschen auf den Leim gehen, ist puritanisch-protestantischer Moralismus, und oft sogar nur eine Lüge des Neids oder gar der in Haß umgebogenen Gier, weil man sich diese Lebensfreude versagen muß, geschuldet - nicht der Sorge ums Seelenheil des anderen, dem das in der Gewohnheit zur dauernden seelisch-geistigen Abkehr werden könnte. Das ist zu beichten, und dann zu vergessen.
All das bezieht sich vielmehr auf die Hingeordnetheit zum Ordo Gottes, der ein Zueinander von Ideen ist, die die Menschen, die darein eintreten wie unter ein Dach, binden und prägen oder gar hervorgehen lassen ("Das Amt macht den Minister"). Ehe ist keine Anstalt der Moralisten. Sie ist eine der Ontologen. Der bloße physische Akt des "Seitensprungs" spielt gerade in diesem Punkt oft eine erstaunlich kleine und temporäre Rolle. Während die wirklichen Ehebrüche heute ganz anders laufen, ja ... allgemeiner Usus in unseren Ländern geworden sind. Auch nämlich unter "Religiösen". Als Ignoranz der Idee des Menschen gegenüber. Nicht wer einen Moment lang (oder länger) schwach wird ist der große Sünder, sondern der, der die Idee des Menschen, und damit die der Ehe, ablehnt. Denn dessen Ehe ist so lange gar nicht heilbar, selbst wenn er lebte wie ein Mönch. Er lebt in der Sünde wider den Heiligen Geist. Das ist nicht zu beichten. Das kann nicht vergeben werden, weil der Mensch es selbst umkehren muß. Man kann nicht beichten, die Freiheit zu mißachten. Beichte ist selbst ein Akt der Freiheit, so wie die Sünde.
Auch das Problem der Jugend, die schon so früh und immer früher durch die Betten hüpft, ist nicht primär, daß sie durch die Betten hüpft. Sondern daß sie die Idee der Ehe ablehnt und meist nicht einmal mehr kennt. Erst von ihr aus ist der Leib als die Kostbarkeit begreifbar, die er ist: Stellvertreter, Ort der durchleuchtenden Idee Gottes. Aber das hat sie gar nicht mehr erfahren - in den Eltern (und hier: vor allem in der Mutter)! Denn die Kinder geben ganz genau jene Ideen wieder, die sie über uns, in unserer physischen Präsenz und Lebensart, kennengelernt haben. Es ist ihre eigene Basis.
P. S. Schon wieder die Mütter? Woran sind denn nicht sie schuld? Tja, bei Kindern - fast an allem ... Aber warum darüber aufregen? Wird nicht heute lautstark überall verlangt, die Macht und Leistung der Frauen in den Vordergrund zu schieben? HIER IST EINE DAVON. Sie haben auch das Gelingen der Kindererziehung in der Hand, ja sie haben alles in der Hand, weil sie die Antwort der Welt in der Hand haben. "FIAT - Mir geschehe, wie Du es gesagt hast."
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Samstag, 18. Juli 2015
Im König sind alle betroffen
Aber der Frage ist noch viel weiter nachzugehen - nämlich der nach den Zusammenhängen zwischen Autorität, Stellvertretung und Gemeinschaft.
Denn in der Zubehörigkeit zu einer Gemeinschaft, über die hier bereits gesprochen wurde, ist im Einzelnen auch die Gemeinschaft selbst mit verknüpft. Denn der Mensch ist als Sozialwesen auf Gemeinschaft(en) hingeordnet, und die Gemeinschaft(en) auf ihn. Beide sind nicht ersetzbar, je ersetzt müßten beide hypothetisch je andere sein. Sodaß in dem einen das andere mit angetroffen wird - und zwar: stellvertretend. Das heißt, daß das je eine für das je andere handelt, ohne es zu ersetzen. Aber es zieht es in diese Handlung mit hinein. Damit natürlich auch im Versagen, der Sünde, aber natürlich auch im Sieg.
Es ist die Gemeinschaft, die Zugehörigkeit, die den einzelnen sohin zu sich selbst bringt, in der Wirklichung, die er dann vollzieht, wenn er sich transzendiert, also von sich weg blickt, sich in eine Aufhabe hinein gibt. So wird der Einzelne ja zu sich (nicht eben, indem er auf sich blickt - dort findet er nichts Originäres; er findet sich selbst erst im Du bzw. "fürs Du".)
Nun ist das eine Gemeinschaft - und damit den Einzelnen - Ordnende die Hierarchie, die Ordnung. Als Autorität, als Leitung umfaßt deren Träger die ihm im Gehorsam jeweils untergegebene Gemeinschaft der Einzelnen, bis hin zur obersten Leitung - im König, im Kaiser der Welt - die alles umfängt, jeden der Einzelnen, und jede der kategorial enthaltenen Gemeinschaften. (Im Staat also: alle.) Nicht als Ersatz, sondern als Stellvertretung: er handelt im Namen der von ihm Vertretenen, ohne diese zu verdrängen.
Jeder Ort in einer Gemeinschaft, die ein unendlich komplexes System sein kann, hat die ihm zugeordneten Über- wie Unterordnungen. So, wie jede Aufgabe eben ein Wirkfeld hat, das ihm als materia dient, aber auch den Auftraggeber. Kein Mensch hat keinen Auftrag, hat keine Aufgabe - als "auf etwas zu", als Sinn, den es zu erfüllen gilt. Sinn heißt zugleich: Autorisierung. Autorität. Und nur innerhalb dieser Sinnerfüllung, dieser Aufgabe liegt damit seine Stellvertretung des Ganzen, der Gemeinschaft, der er zugehört.
Aus dem Gesagten wird damit nachvollziehbar, wie deshalb der Leiter, die Autorität, zum Stellvertreter des Ganzen (als jeden Einzelnen mit Ort Versehende) wird. Und wie damit auch der Leiter an allem mitzuleiden hat, was der Einzelne verbricht - wir wären beim Königsopfer, wie es die Menschheitsgeschichte seit je kannte und kennt, in der Union von König* als Stellvertretung des Volkes nach oben - Stellvertretung Gottes nach unten. Das sich meist dann in König und Priester - Kaiser und Papst - gespalten hat.
Aber der König oder Kaiser (oder Vater oder Chef oder dessen Frau als seine Stellvertreterin - eine Tautologie, übrigens, denn die Frau ist die Stellvertreterin des Mannes und als solche (!) - nicht als dessen Ersatz! - Stellvertreterin des Ganzen ...) ist nie ganz rein. Er lädt immer Schuld auf sich. Diese Schuld wiederum trifft nun auch die von ihm Vertretenen, die Einzelnen etc. Weshalb in allen Völkern und zu allen Zeiten eine sittenlos-sündhafte Regierung als Ursache dafür angesehen wurde, daß das Volk (unter der Strafe Gottes) zu leiden hat. Im alten deutschen Recht ging das bis zum Absetzungsrecht.
Umgekehrt ist das Hinopfern des Königs, als reale Praxis historisch einerseits, anderseits in anderer Gestalt bis heute allgegenwärtig (wenn es einem Land schlecht geht, wird die Regierung abgesetzt, oder tritt zurück; das ist ganz exakt dasselbe, wenn auch profaniert, also im Gnadenwirken weitgehend kastriert; der Versuch eines Ursache-Wirkungsdenkens ist reines rituelles Scheingefecht), in derselben Logik begründet.
Denn die Opfergabe unterfaßt je nach ihrer Größe die Existenz eines Menschen, der opfert. Sie ist deshalb nie absolut groß oder klein, sondern relativ (die Witwe, die ihre letzten beiden Groschen opferte, gab mehr als die Reichen, die von ihrem Vielen etwas abgaben: ihr Opfer war praktisch Ganzopfer; zur Illustr.) Und damit im König - alles umfassend, das größte Opfer: wo der König sich selbst opferte, um das Volk mit dem Willen Gottes (im Geist - alles beginnt und wurzelt im Geist) zu einen. Weshalb man im Opfer das Beste, Reinste suchte, um es hinzugeben. (Im Tempel zu Jerusalem wurden die Opfer von den Priestern sogar geprüft.) Dazu gehört vor allem das Blut, der Sitz des Lebens. Und dazu gehört sogar der am Teller heute noch zurückgelassene "Anstandsbissen", der auf das Opfer zurückgeht, indem man sich nicht ganz satt ißt.
Wir sind somit in der weiteren Verlängerung dieser Gedanken beim stellvertretenden Opfer Jesu Christi. Denn so, wie die Autorität, der Leiter seine jeweilige Gemeinschaft(en) und Einzelnen umfaßt, eigentlich: unterfaßt, so wird im Gottmenschen (in dem jeder Mensch sein Urbild, seine Herkunft im Geiste hat) die gesamte Menschheit unterfaßt. Wir werden das hier noch weiter reflektieren.
*Wir müssen hier keine "demokratischen Abstufungen" einführen - die Demokratie ist keineswegs eine "Abschaffung" der Monarchie, sondern sie ist eine kürzer getaktete Wahlmonarchie mit weit mehr Schwachstellen. Nur so war sie auch von den Griechen verstanden, und mit Vorsicht behandelt. Der Gewählte IST aber dann König, mit einer Machtausstattung, die den eigentlichen Monarchien praktisch immer weit (!) überlegen ist. (Noch vor 250 Jahren hatte ein durchschnittlicher Europäer niemals in seinem Leben mit der Regierung zu tun, sondern lebte, wie es ihm gefiel. Heute UNVORSTELLBAR.) Ein heutiger, demokratisch gewählter Bundeskanzler oder Ministerpräsident hat mehr persönliche Macht, als sie die Könige in der überwiegenden Zahl der Fälle je hatten. (England ist sogar heute noch ein Extremfall der Machtlosigkeit.) Die Schwäche der demokratischen Idee liegt hauptsächlich in der gewillkürten Befristung, und im Umstand, daß sie nur personal, und deshalb nur bis zu einer recht begrenzten Wählergröße (die Griechen setzten sie mit ca. 9.000 Menschen an, Simone Weil bei 50.000) funktionieren kann; ab da muß, aber erst ab da darf sie in ein Repräsentativ-/Stellvertretungssystem - aber immer noch nach personalen Prinzipien (S. Weil fordert ein Verbot von Parteien) - übergehen. Das System der Schweiz könnte dem also schon näher kommen, aber der VdZ kennt es nur oberflächlich.
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Mittwoch, 6. Mai 2015
Höchste Spannung zur Empfängnis
Das letzte große Interview mit Hans Urs von Balthasar. Mit sehr inspirierenden Gedanken, auch zur Stellung der Frau. "Der Mann kann nur repräsentieren. Die Frau aber IST die Kirche. Sie wird von Gott befruchtet. Ausgehend von seinem Grundverhältnis zur Materie, findet sich Gott der Gottesmutter der Frau in der höchsten Form gegenüber." - "Ich glaube, daß die Geschichte von einzelnen Menschen entschieden wird." - "Integralismus ist wie Mehltau, der alles tötet." - "Die Kirche will hinaus, über ihre Grenzen hinweg, sie ist kein abgeschlossener Verein. Im Gegensatz zum Judentum, das immer zurück will, ins Heilige Land."
Liest man Balthasar, ist es wie ein Schreiten auf Schollen, die jede für sich wabern, und sehr leicht und immer wieder tatsächlich nachgeben. Man kann ihn wohl nur verstehen, wenn man die Person als Beziehung begreift, in die das geschaffene Ich gestellt wird, und die zu entwickeln, in realer Beziehung zur Wirklichkeit zu bringen lebenslange und nie endende Aufgabe ist. Sicherheit gibt es nur in Gott. Aber nicht, weil sich die Schollen befestigen, auch nicht, ja schon gar nicht in der Dogmatik, sondern weil diese Insecuritas Bedingung für die Offenheit für das Sein, für die grundlegendste und erste Beziehung des Menschen zu Gott ist. So wird Poesie zum ersten Lebensgrund, ohne daß sie auf Denken verzichten könnte, sondern in einer Doppelbewegung Vernunft und Glaube in Freiheit konstituierenden Mut zur Gestalt bringt. Die Welt als menschliche Geschichte wird damit zum Drama der Einzeugung ("Durch Maria zu Jesus!"), die sich in der Sünde von dieser Seinsempfänglichkeit entfernt, ansonsten aber der menschlichen Gestaltung unterliegt.
Liest man Balthasar, ist es wie ein Schreiten auf Schollen, die jede für sich wabern, und sehr leicht und immer wieder tatsächlich nachgeben. Man kann ihn wohl nur verstehen, wenn man die Person als Beziehung begreift, in die das geschaffene Ich gestellt wird, und die zu entwickeln, in realer Beziehung zur Wirklichkeit zu bringen lebenslange und nie endende Aufgabe ist. Sicherheit gibt es nur in Gott. Aber nicht, weil sich die Schollen befestigen, auch nicht, ja schon gar nicht in der Dogmatik, sondern weil diese Insecuritas Bedingung für die Offenheit für das Sein, für die grundlegendste und erste Beziehung des Menschen zu Gott ist. So wird Poesie zum ersten Lebensgrund, ohne daß sie auf Denken verzichten könnte, sondern in einer Doppelbewegung Vernunft und Glaube in Freiheit konstituierenden Mut zur Gestalt bringt. Die Welt als menschliche Geschichte wird damit zum Drama der Einzeugung ("Durch Maria zu Jesus!"), die sich in der Sünde von dieser Seinsempfänglichkeit entfernt, ansonsten aber der menschlichen Gestaltung unterliegt.
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Sonntag, 5. April 2015
Des Schönen ansichtig werden
"Die Bibel ist voll der göttlichen Herrlichkeit (Gloria, Doxa, Kaböd, Schechina), ja die ganze Offenbarung ist, mitsamt dem Geheimnis von Sünde und Kreuz in ihrer Mitte, gerade in ihren Abschlüssen (Paulus, Johannes), aber schon im Alten Testament als Hervorstrahlen der göttlichen Herrlichkeit gezeichnet. Ohne diesen Aspekt würde die ganze Religion, so wahr und so gut sie sonst wäre, zu einer Sammlung von richtigen Sätzen und nützlichen Einrichtungen herabsinken.
Einzig das Schöne begeistert die Menschen und reißt sie zu der "noblen Tollheit" hin (Nietzsche), die jener totale Lebenseinsatz ist, wie Christus ihn von den Seinen fordert.
Nur wenn das Christliche der heutigen Welt noch einmal als das höchste Schöne gezeigt werden kann, hat es, menschlich gesprochen, Chancen, zu überleben. Der personale Glaube setzt ein ursprüngliches Sehen voraus, wie jede Geisteswissenschaft."
Aus einem Klappentext zu "Herrlichkeit" (1. Band) von Hans Urs von Balthasar
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