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Dienstag, 3. Mai 2022

Gedankensplitter (1218)

Und du meinst, diese Coronabelagerungen und -bedrängungen durch die Machthabenden wären der Schaden gewesen? Weit gefehlt, sagte F, als wir die Gasse in einem Tempo hinanschritten, daß ich meinte, oben nur noch tot anzukommen. 

Es ist nur ein Auftakt gewesen. Es ist nur die Vorahnung, die Kleinprobe zu einem bluttriefenden Religionskrieg, der uns bevorsteht. Diesmal hat der Feind den Mutnoch nicht gehabt, sein Wollen offen zu sagen. Aber er hat in seinem Tun bereits gezeigt, worauf er abzielt. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die blutigste Religionsverfolgung einsetzen wird. Diese Heilssehnsucht, die sich in der Gesundheits-Narretei austobt, ist eine zutiefst religiöse Sehnsucht nach dem Paradies. Und nach EINEM Paradies, das einen umgibt, und das ganz rein ist.

Und diesmal wird es noch mehr als Macht des Schicksals auftreten, und dabei die Lust der Eliten ausdrücken, die uns beherrschen. Die so klein, so niedrig sind, wie vielleicht noch nie, weil sich Autorität udn Hierarchie auf die Perosnen beschränkt, uns also gar kein AMT beherrscht, dessen Repräsentant oder Innehabe nur eine Färbung ist, nicht die Gewalt selber. Und sie tun es, indem sie uns einer große, einer uns sicher übersteigenen Macht ausliefern. 

Sonntag, 6. Februar 2022

Ein vielseitig anwendbares Modell

Alexander Solschenizyn schreibt im (ich glaube) zweiten Band seines "Archipel Gulag", daß das Ende der Arbeitslager der Sowjetunion, das der Ära Chruschtschow folgte, gar nicht so sehr eine Frage neu einkehrender Menschlichkeit war. So wurde es zwar verkauft, gewiß, immerhin ging es um die Rechtfertigung eines Schicksals, das JEDEN ZEHNTEN BÜRGER der Sowjetunion direkt betraf. So viele Millionen waren auf Frist oder bis zum Lebensende in solchen Lagern gewesen, oder dort dann verschwunden. Und ALLE Sowjetbürger lebten mit der ständigen Angst, weil der Machtapparat unberechenbar war. 

Auch geht es in diesem Punkt nicht darum, daß diese Lager eine wahrlich seltsame gesellschaftliche Einrichtung waren, weil hier jeweils subjektive Haßmotive und menschliche Niedrigkeiten eine gewissermaßen legitimierte Ableitungseinrichtung (Siehe Anmerkung*) geschaffen hatten.

Nein. Worum es uns hier geht ist der unterschätzte Punkt, daß diese Lager, in denen die Insaßen zu Sklaven wurden, deren Arbeitskraft man bis zum letzten Funken Leben auspreßte, zu Verlustgeschäften wurden. Wie man es auch aus dem amerikanischen Sklavenbetrieb weiß, bringt der Einsatz von Sklaven nichts, wenn man nicht gleichzeitig dafür sort, daß diese Sklaven ein relativ gutes Leben eführen konnten. Ein Leben, das ihnen auch die Lust, Leistung zu bringen, nicht raubte.

Dienstag, 6. Oktober 2020

Mögliches ist - im Rückblick erkennbar - ausnahmslos real geworden

Bei diesem Video aus der Arbeit von James Corbett "Corbett Report" sei der Leser, wenn er ohnehin über diese Dinge weiß oder zu wissen meint, gleich auf die Sequenzen ab Minute 10:45 hingewiesen. Die Bilder, die dort zu sehen sind und die nur Lesern mit starken Nerven zugemutet werden sollten - aus China, den USA, Australien, England, den Philippinen, usw. - zeigen Modi der Umsetzung der UN-Richtlinien die Gesundheit der Weltbevölkerung betreffend, wie sie 2005 von der Weltgemeinschaft der Staaten beschlossen wurde. 

Der Leser sei auf den springenden Punkt hingewiesen: Wenn es bei Covid19 immer wieder darum zu gehen scheint, daß es ja "nur" um eine kurzfristige Pandemie mit entsprechenden Handlungsnotwendigkeiten gehe, und daß sämtliche Eingriffe in persönliche Freiheiten nur vorübergehender Natur seien, dem sei gleich gesagt, daß er in der sprichwörtlichen Pendeluhr schlafe. 

Denn mitnichten und -neffen sind diese Maßnahmen temporär. Sie sind erstens weltweit ausgefeilt, montiert und implementiert, sodaß es zweitens nur eines (buchstäblich) winzigen Fingerdrucks braucht, um jederzeit und (wie sich real zeigt:) permanent nicht nur ein Kontroll-, sondern ein brutales Korrektions-Instrument für die Bevölkerungen zu haben. 

Das sich niemand wohl träumen hätte lassen, der vor dem Jahr 1980 geboren ist und 1984 oder Brave New World in der Schule als Pflichtlektüre gelesen hat. Um jedoch nicht, wie vorgegeben, gewappnet gegen solche Erscheinungen zu sein, sondern um - "weil wir uns ja davon distanzieren, deshalb kann das ja nicht da sein" - nicht mehr zu sehen, daß er bereits mitten in solch einer Welt lebt. 

Dazu möge doch der Leser bitte auch aufhören, Fahrenheit 451 mit wohligem Schauder zu sehen und sein Gläschen Cabernet Villeneuve 1998 dabei zu schlürfen. Was ein absurdes Bild ergibt: Hier die Leute, die in die Glotze starren und sich entsetzen, und dort das Fenster, gleich daneben, das den Blick freigibt auf eine Szenerie, die dem Film nicht nur 1:1 entspricht, sondern auch noch übertrifft. 
Die Bilder, die unten zu sehen sind, und nur einen glimpse, einen kurzen Auf- und Einblick darstellen, sind genug erschütternd und schockierend. Und sie sind auch bei uns Realität. Nur hat jede Gesellschaft - also auch die unsere - eben ihren eigenen Weg, Idealbilder zu vermeiden (wie jene des bildhaften Schreckens als Urbild, wozu der Politik bzw. der Macht Produkte der Kunst leider auch recht nützlich sein können), um das wirklich (und strukturell) selbe Geschehen, das ihn aktuell umgibt, nicht realisieren zu müssen (weil genau das nicht zu sollen und ... zu wollen.)

Und wer immer noch nicht zu überzeugen ist, wo wir sind, und wo wir sein werden, der möge Folgendes bedenken: Mindestens seit 2001, diesem fatalen 9/11-Ereignis, ist eine einzige Linie hin zum Totalitarismus zu beobachten! Die mittlerweile - Corona und Klima, das sind die aktuellen Trigger, als Türöffner zum Ausleben schlimmster Phantasien durch eine kranke Elite.  

Der Präsident der Philippinen sprach etwa erst in diesen Monaten davon - und er illustriert damit noch eindrücklicher, worum es real, werter Leser, ganz real! und in diesem Augenblick geht - daß er philippinische Bürger, die sich nicht an die verhängten Gesundheitsmaßnahmen zur Covid19-Weltseuche halten, mit jenen Drohnen, die ohnehin bereits alles überwachen was ein Gesicht und zwei Beine hat, und somit identifizierbar und bewertbar (sic!) sind, auch erschießen lassen werde. Herrschaften, das ist kein Spaß, das ist kein Scherz aus der Flimmerbude, und das ist schon gar kein Anflug von Humor eines leisen, leichten und poetischen Weltcharakters. 

Beiseite: Auch in Australien sind bekanntlich solche Worte bereits offen ausgesprochen worden. Offenbar hat dieser Teil der Welt eine ganz spezifische Neigung, die vom Blut völlig unabhängig ist.

Was wir hier sehen, ist nichts sonst als ein Blick in jene Welt, die wir seit Jahrzehnten vorbereitet haben, und die sich, beginnend mit 9/11, von apokalyptischer Katastrophe zu apokalyptischer Katastrophe in jeweiligen Schritten etabliert hat. Wir SIND bereits in dieser Schreckenswelt, sie ist keine Utopie, und so zu tun, als gäbe es ja "Gesetze", bei uns!, in zivilisierten Ländern, und so weiter, die solche "Mißbräuche verhindern", der ist nicht einfach naiv. Der ist gefährlich dumm. 

Der weiß nicht, daß immer in der Weltgeschichte das Mögliche auch das Reale geworden ist und ganz sicher weiter werden wird. Der hält auch jetzt, in dieser "Covid-Pandemie", die Augen geschlossen und sieht somit nicht, daß sich einzelne Staaten (und seien sie noch so stark und groß) sich nicht aus jener geschlossenen Kette losreißen können, in der die ganze Welt in einer nie gesehenen Verkettung und Interdependenz zusammengeschlossen ist. 

Da mag zum Beispiel Österreich die Grenzen offen halten, mutig und heldenhaft stur, und gegen das gesamte nachbarliche Umfeld in Europa - die Aktionen und Reaktionen dieser Staaten sind dermaßen zwingend, daß sich auch ein "Heldenkanzler Kurz" schnurstracks beugen muß. (Nur beschäftigt er mit Steuergeldern eine die gesamte Nation umfassende weil finanziell abhängig gemachte Medienlandschaft, weshalb er sein Tun so gut vertuschen und umfärben kann, daß er vielen immer noch als Weißer Hirsch in einem unübersehbaren Rudel Schwarzer Zombies gilt.

Und flugs werden am nächsten Tag dieselben (und noch schärferen) "Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung" verhängt. Ach ja, denn es geht ja längst um "Biosecurity" als dem höchsten Gut staatlichen Eintanzens.*




*Wer immer noch auf der Suche nach dem Willen der Vorsehung bei einem dermaßen absurden Geschehen wie der "Corona-Pandemie" ist, der möge einmal beginnen, Spuren wahrzunehmen. Wie etwa darüber nachzudenken, ob es nicht Zusammenhänge zwischen der Absage des nächsten Opernballs (2021) "aus Gründen der öffentlichen Gesundheitssicherung", und dessen rasantes Abschmieren in die Dekadenz geben könnte.
Wie wahr, wie wahr!
Denn es gibt etwas, das diesem Staatsereignis wesenhaft widerspricht, wegen "kranker Gehirne" - woraufhin sich das Wesen eines Dings natürlich "wehrt". Warum? Weil dessen Organisationskomitee erst im Vorjahr (und als dezisiver Höhepunkt, denn er läßt den Sinn, den logos entfleuchen, beschlossen hatte, ein homosexuelles "Paar" (zwei Frauen) zur Eröffnungsgala zuzulassen. 

Was außerdem von einer eleganten Ironie begleitet wird. Denn diese beiden Frauen SIND gar kein "Paar" (wie die Organisatoren meinten), sondern haben nur den Irrsinn der Zeit und die unsägliche Dummheit der Organisatoren geschickt ausgenützt. Um sich mit diesem Trick der Behauptung, den Dummheiten der "sexuellen Vielfalt" nach dem Munde zu reden, somit die Vorurteile neuer Art auszunützen, die uns so blind machen, sogar bevorrangten Zugang zu diesem hermetischen Ereignis zu verschaffen. Dessen ungebrochen maßstabgebende Bedeutung mißbraucht wurde.



*140820*

Mittwoch, 8. April 2020

Illustration des Grauens (3)

Teil 3)


Marx hatte in einem Punkt recht: Wenn er auf die inneren Widersprüche des Kapitalismus hinwies, diese auch darlegte, dann konnte er das deshalb, weil er damit die ideologische Verfaßtheit des Kapitalismus durchschaute. Der wie jede Ideologie letztlich in einer Rechtfertigungsstrategie gründet, die persönliches Versagen, Schuld und Schwäche durch ein angeblich ideales Ziel schön redet.

Diese inneren Widersprüche aber hatte auch und schon gar der Marxismus, der auf eine Weise die Irrtümer der Menschheit zusammenfaßte. Und auf der Grundlage des auf seine Weise genialen Weltsystems Hegels, der den Geist in die materialistische Weltanschauung integrierte, ja materialisierte, dieses angeblich ein für allemal selbstrechtfertigende System des Marxismus schuf. Auf den der Kommunismus zurückgriff, der diese Weltanschauung in die Realität umsetzen zu wollen vorgab. Und dabei elegant überging, daß die Bedingungen in Rußland, die ihm die Gelegenheit zum Putsch im Oktober 1917 in den Schoß fallen ließ, so gar nicht den Marxschen historischen Bedingungen und Voraussetzungen entsprach.

Diese Widersprüche waren und sind es auch, die jedes ideologische Weltsystem über kurz oder lang auf einen einzigen Punkt führt: Den der bloßen, nackten Angst, dem des nackten Terrors. Denn Ideologie zeigt über kurz oder lang ihr wahres Gesicht, und das ist das der fehlenden Vernunft.  Wo aber Vernunft fehlt bleibt nur innerweltliches, irdisches Tun. Und in diesem muß der Mensch scheitern. Dieses Scheitern kann man auf eine Weise tragisch nennen, denn es erfüllt deren Natur. Würde damit nicht etwas Erhabenes verbunden sein, das dem Marxismus in seiner Realitätsform nicht zusteht. Denn in dieser seiner Form ist er böse, ja "das Böse".

In einem solchen System der klandestinen Widersprüche kommt deshalb der böse Charakter nach oben. Auch im Kommunismus setzten sich von Anfang an die expliziten Verbrecher als Leitfiguren durch, fielen aber freilich nicht selten irgendwann ihrem eigenen System zum Opfer. Denn das Böse, das vom Schlechten nur einen Hauch entfernt ist, holt immer noch Böseres (und Schlechtes) nach oben.
Auch den Kommunisten blieb nur eines, was eben bleibt, wenn die Vernunft fehlt, wenn der Leitfaden fehlt, der durch die Welt und die Zeit führt. Ihm blieb nur die Angst als Mittel, das ein Volk und eine Gesellschaft zusammenhält.
Der Kommunismus hatte deshalb keinen schlimmeren Feind als die Vernunft. Die er zur bloßen, innerweltlichen, jede Transzendenz (die doch so evident, so empirisch ist!) abstritt und fernhielt, also zur bloßen Rationalität erniedrigte und verleumdete. Aber wo unterscheidet sich hier unsere Gegenwart, die Gegenwart des Westens davon?




Dienstag, 7. April 2020

Illustration des Grauens (2)

Teil 2)



Hier der zweite Teil der ARTE-Dokumentation, die übrigen Teile folgen in den nächsten Tagen. Behalte der Leser im Auge, daß sie keine Dokumentation ist, aus oben angerissenen Gründen, sondern lediglich eine interessante Illustration einer ansonsten etwas anderen Wahrheit. Die noch viel schrecklicher ist, als es scheinen mag (die Doku wirkt regelrecht verharmlosend). Und daß sich zur Gegenwart Parallelen ziehen lassen, die zu finden diese Doku sogar noch erschwert. Wenn aber das Ewige, das Bleibende, also auch das Gegenwärtige (oder in Teilen Gegenwärtige, das, was nur ein anderes Kleid hat, aber von derselben Wirklichkeit getragen und geschaffen wird) nicht erkennbar wird, wozu sollte Geschichte (und wozu sollten Geschichten) dann dienen?

Und wozu macht man dann eine Dokumentation? Vielleicht gar um zu belegen, daß man sich "davon" selbstverständlich distanziert?
Das "nie wieder", das im Falle des Kommunismus seinen Ton der Halbherzigkeit ohnehin kaum verbergen kann, ist heute doch kaum mehr als eine Frage um die Farbe der Uniformhemden, die Formation der Aufmärsche, und der gefälligeren Grußgeste.




Morgen Teil 3)

Montag, 6. April 2020

Illustration des Grauens (1)

Gegen die auf ARTE in diesen Monaten (zufällig mit dem Studium der Schriften von Solschenizyn durch den VdZ zeitlich zusammenstimmend) gebrachte Dokumentation über den GULAG hat der VdZ einiges einzuwenden.

Einmal wird derselbe Fehler begangen wie so oft, auch in der Betrachtung des Hitlerismus übrigens, daß eine posthoc-Interpretation, mit der man versucht, diese Zeit zu verstehen, die noch dazu die Ganzheit der Wirklichkeit weit verfehlt, über geschichtliche Ereignisse und Ereignisfolgen drübergestülpt wird.

So wird eine Linie der Idee und des Planes über Geschehnisse drübergestülpt, die die Geschehnisse selbst gar nicht getrieben hat. Sieht man davon ab, daß die "gefundenen" Ideen meistens gar nicht stimmen.

Und dann wird (oft vermutlich auch verlockt durch einfach eben vorhandenes Material) die zufällige, einzelne und vereinzelte Wahrheit der Tatsachen in den Materialien der Dokumentation zu einem falschen Wesensbild gefügt. Eine wirkliche Ideenlinie aber läßt sich durch den Kommunismus gar nicht finden! Vielmehr war die geschichtliche Abfolge - wie der Hitlerismus - von zufälligen, rein persönlichen und psychologisch Niedrigem und Niedrigstem motivierten Geschehnissen, die wie im Falle des Kommunismus oft einfach etwa von Neid, Eifersucht und Gier getrieben waren.

Von Motiven, die in jedem Fall aus einer zu geringen Wirklichkeitssättigung stammen, die den Menschen zu rationalistisch strukturiertem, falschem Weltbild führt, und durch das Bedürfnis bestimmt ist, ein Scheinbild von Welt zu erschaffen.

In diesem Fall entsteht aber außerdem noch der Eindruck, daß der (letztlich vom selben Weltbild wie der Marxismus gestützte) Liberalismus der Filmemacher einen Ausweg sucht, wie trotz der offensichtlichen Greueltaten des Kommunismus doch ein Ausweg für eine sozialistische Welt (im Kleid des Liberalismus) besteht. Ganz nach dem altbekannten, ach so zynischen Spruch, daß "die Idee ja gut, die Ausführung aber halt schlecht gewesen war."

Teil 1)





Morgen Teil 2)


*Die Fragwürdigkeit der Motive hinter dieser Dokumentation erschließt sich auch aus dem im Film immer wieder verwendeten Lied über den "Heiligen Krieg", ein auch heute in Rußland beliebtes und oft gesungener Hymnus. Darin wird die Würde und das Heilige besungen, das ein Volk erheben läßt, um für sein Leben zu kämpfen. Stalin hatte nach 1941 bewußt an das patriotische Gefühl der Russen appelliert, eine immer gerne sprudelnde Quelle dieses Volkes. Das eben wie ein Bär aufsteht und droht, aber doch letztlich ein weiches Herz hat - für beides steht der Bär. Im "Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945", wie der Zweite Weltkrieg in Rußland heißt, hat sich dieser Bär aus Kraftquellen erhoben, die mit dem Kommunismus nichts zu tun hatten, von denen er sogar profitierte und dann schamlos ausnützte. Stalin wußte das, und wir wissen das. ARTE wohl auch, aber die Gründe, dieses Lied hier einzusetzen und damit Gegenwartsbezug zum heutigen Rußland zu schaffen, das sich erdreistet, patriotische Gefühle zu hegen, liegen auf der Hand.




*160220*
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Sonntag, 22. März 2020

Neulich unter Stalin (3)

Aber wäre er nicht auch fähig gewesen zu einem jener Monster zu werden, wie sie Merkmal des Systems waren? Solschenizyn stellt sich die Frage, und er, der viele Jahre das System GULAG durchmessen hat, der es von allen Seiten kennt, kann diese Frage nicht beantworten. Es wäre möglich gewesen, schreibt er stattdessen, und er könnte nicht sagen, was ihn davon abgehalten hat, NICHT in den NKWD einzutreten, nicht einer der Schergen zu werden.

Woher kam sie überhaupt, diese Wolfsbrut im russischen Volk? Ist sie nicht von unserem Stamm, von unserem Blut? Es ist eine grausige Frage: Wäre aus mir ein gleicher Henker geworden, wenn das Leben ein bißchen anders gelaufen wäre?

Denn sie waren als Studenten, als Jugendliche unfaßbar naiv, und voller Hoffnung auf die versprochene, leuchtende Zukunft der Sowjetunion. Sie liefen eben am Tag, mit ihren Fahnen und Parolen der strahlenden Welt des Sozialismus. Die Schergen aber arbeiteten, die Gefängniswagen fuhren in der Nacht.

Und ein Vierteljahrhundert später, hätte man da nicht sagen können: Jetzt aber, jetzt hat man das System durchschaut, von der Folter erfahren, von den rund um uns herum brodelnden Verhaftungen, von den vollen Gefängnissen, den Lagern wissen können. Aber immer noch - nein! [...] Woher hätten wir über die Verhaftungen wissen und warum darüber nachdenken sollen? Daß alle Honoratioren der Gegend abgesetzt, abgelöst wurden - das war uns entschieden gleichgültig. Wenn diese oder jene Mitstudenten über Nacht weg waren, wenn zwei oder drei Professoren verschwanden, was machte es? Wurden halt die Prüfungen leichter. 

Der Kampf gegen den inneren Feind war eine logische Aufgabe des historischen Materialismus, die Vorlesungen sprachen unverblümt davon. Was das aber hieß machte sich niemand klar. Und wie groß doch die praktischen Vorteile waren, wenn man einfach im System blieb?! Warum also nicht dem NKWD beitreten? Das war doch allemal besser als ein kümmerlich bezahlter Lehrerposten irgendwo in einem gottverlassenen Landkreis. Die NKWD-Schulen lockten stattdessen mit üppigen Naturalien und doppeltem bis dreifachen Gehalt. Was hatte wenigstens die meisten auch seiner Mitstudenten, was ihn also abgehalten, was zum "Nicht-Bösen" werden lassen, wo doch alle Argumente dafür sprachen?

Was wir empfanden, hatte aber keine Worte. (Und wenn, dann hätten wir sie aus Angst einander nicht anvertraut.) Irgendwo, nicht im Kopf - in der Brust saß der Widerstand. Von allen Seiten können sie auf dich einreden: "Du mußt!" und dein eigener Kopf ruft im Chor: "Du mußt!"
Bloß die Brust sträubt sich: Ich will nicht, ES STINKT. Ohne mich, wie ihr wollt, aber ich bleibe draußen!

Das kam von weit her, von Lermontow vermutlich. Von jenen Jahrzehnten russischen Lebens, als es für einen anständigen Menschen, offen und laut gesagt, keinen schlimmeren Dienst gab als den des Gendarmen. Nein, von weiter zurück.
Das waren, ohne daß wir es wußten, nur die Kupfermünzen der Kopeken, mit denen wir uns von den vorväterlichen Goldrubeln loskauften, von jener Zeit, da die Sittlichkeit noch nicht als etwas Relatives galt und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse einfach mit dem Herzen getroffen wurde.

Später wird er freilich einmal schreiben, daß er begreifen hat müssen, daß man genau diese Gefühle ablegen muß, will man ein System wie das des GULAG überleben. Man muß alles Menschliche, jedes Gefühl, jedes Mitgefühl mit dem anderen, jede liebende Erinnerung, alles ablegen - man muß zum Stein werden, will man das System, will man die Verhöre, will man den GULAG überleben.

Wird fortgesetzt



Dienstag, 17. März 2020

Neulich unter Stalin (2)

Zar Alexander II., auf den insgesamt sieben Attentate verübt wurden, ließ sich einmal im St. Petersburger Untersuchungsgefängnis für eine Stunde in der Zelle Nr. 227 einsperren. Denn er wollte wissen, wie sich die Verurteilten fühlten. Und bei aller Gewalt, die er verwendete, um die anarchistischen und sozialistischen Strömungen in seinem Reich zu bekämpfen, ist dieses System eingebettet in das kulturelle gesellschaftliche Umfeld zu verstehen. Was immer man über die Zarenherrschaft sagen will, man kann ihnen nicht absprechen, daß ihr Bemühen, ihre Regierung und ihr Handeln vom Geistigen her zu sehen, nicht einfach nur Gebot, sondern persönliches, sittliches Bedürfnis war. 

Das sich im Volk fortsetzte, und Rang und Stand und Stellung der Verhafteten auf heute kaum faßbare Weise respektierte. Allein darin zeigt sich ein gravierender Unterschied zur Gewalt, die das sowjetische System seit Lenin, vor allem aber dann unter Stalin, über das Volk kommen ließ. Vor allem aber zeigt sich, wie sich daraus die Entsittlichung des ganzen Volkes ausbreitete, das nur noch den Kopf gebückt zu halten lernte.

Kultur aber bedeutet immer, den Kopf zu erheben!

Unter dem Zaren war es undenkbar, daß etwa ein Offizier von einem ihm rangmäßig unterstellten Mann verhört worden wäre. Im Sowjetsystem war aber genau dies grundlegendes Motiv, in einer Gesellschaft, in der angeblich "alle gleich" waren. In Wahrheit waren nun dem Haß der Subalternen Tür und Tor geöffnet, die alle Möglichkeiten hatten sich an Personen und Gesellschaftsschichten "zu rächen", an die sie sonst nie herangekommen wären. Was lag doch alleine in der Demütigung, im Sadismus einem Adeligen gegenüber, sofern sich später überhaupt noch einer fand (der nicht ermordet oder ins Ausland geflohen war) für Genugtuung! 

Besonders aber im Apparat der Geheimpolizei und der Geheimdienste war dieses Motiv entscheidend für die uferlose Gewalt, die Unmenschlichkeit, für die Entfesselung primitivster Lüste und Triebe, die dort herrschte, meint Alexander Solschenizyn in "Archipel GULAG". Dazu kam die Stellung in der Öffentlichkeit, wo dieses System quer durch alle Schichten gefürchtet war, weil es nicht der normalen gesellschaftlichen Hierarchie eingeordnet war, sondern quer zu dieser auf alle Schichten durchgreifen konnte.

Hier ein "Held der sozialistischen Arbeit", dort ein verdienter Künstler, oder ein hochdekorierter Kriegsheld? Einmal hingeblasen, und weg war er.

Was war es dann doch für eine Genugtuung, wenn ein einfacher Leutnant des NKWD die Frau eines Oberstleutnants der Armee vergewaltigen und nötigen konnte, ohne daß sich deren Ehemann wehren konnte. Wie leicht war es nun doch, überall geachtet weil gefürchtet zu werden. In jeder Versammlung, egal welcher Art, war das Wort des dümmsten Schinders in der Lage, sämtliche Beschlüsse umzustoßen. Kaum war bekannt, daß man einem dieser Systemdienste angehörte, waren die Tore zu allem und jedem weit aufgestoßen, mit dem man das übliche Gefühl für Anstand oder Scham aushebeln konnte.

Wenn einer aber so stark ist, daß er durchaus nicht aufgeben will, alle deine Methoden zunichte macht? Du bist wütend? Tu dir ja keinen Zwang an! Es ist ein enormer Genuß, ein Höhenflug! - deiner Wut freien Lauf zu lassen, außer Rand und Band zu geraten, wo dich keiner aufhält!" Brust heraus und rette sich wer kann! Genau der Zustand ist's, in dem man Priester an den Haaren durchs Zimmer schleift oder an die Decke hängt, dem Mann auf den Knien ins Gesicht pißt, ihm langsam seinen Hoden zerquetscht, der Frau eine Flasche in den Unterleib rammt, daß sie an den Verletzungen später stirbt. Nach der Raserei fühlst du dich als echter Mann! Und fürs Protokoll läßt du dir eine Sekretärin kommen, und die ist hübsch, verlier' also keine Zeit und greif hinein in ihre Bluse. Wegen des anwesenden Bürschleins brauchst du dich nicht zu schämen, der ist kein Mensch, der ist nur ein Häftling. Vor wem überhaupt sollst du dich genieren? Wäre dumm, deine Lage nicht zu nutzen. Dem einen wird deine Kraft imponieren, die anderen werden aus Angst nachgeben. Ist dir ein Mädel über den Weg gelaufen, merk dir bloß den Namen - und sie gehört dir, wohin soll sie denn? Hast du am Weib eines anderen Gefallen gefunden - sie ist dein! Denn den Gatten aus der Welt zu schaffen kostet dich keine Mühe.

Nichts war zu niedrig, nichts zu banal, man kommt beim Lesen der Zeugenprotokolle nicht aus dem Staunen heraus. Der eine will nur die Handschuhe, der andere die Feldtasche, die du umgehängt hast, dem dritten geht es nur um dein Zigarettenetui, welches nur eine Schachtel ist, aber die ist in wunderschönem Purpur gefärbt.  Tausend Weißbücher, schreibt Solschenizyn, würden nicht ausreichen, alle diese Fälle auszuzeichnen. Die Habgier war unermeßlich, das System ein einziges Raubsystem, das sich keineswegs auf kleine Dinge beschränkte. Waggonweise verschwanden Ladungen und endeten in privaten Datschen, scharenweise wurden Frauen requiriert, um Wodkaexzesse mit erotischen Erlebnissen zu garnieren. Man mußte nur darauf achten, daß sich niemand rächen konnte.

Es ist unvorstellbar, schreibt der spätere Literaturnobelpreisträger, daß sich auch nur ein Untersuchungsrichter, auch nur ein Minister dafür interessiert hätte, was ein von ihm verurteilter Gefangener fühlte oder wie er dachte.
Sie sind von Dienst her nicht verpflichtet, ein Bedürfnis nach Bildung, Kultur und tieferen Einsichten zu haben - so bleiben sie denn ohne. Sie sind von Dienst wegen nicht verpflichtet, logisch zu denken - so lassen sie es denn auch sein.
[...] Die Untersuchungsrichter, die waren doch die letzten, an die selbsterfundenen Fälle zu glauben. Sie haben doch nicht allen Ernstes amtliche Konferenzen ausgenommen, einander und sich selbst einreden können, daß sie Verbrecher entlarven? Und haben trotzdem Protokolle zu unserem Verderb geschrieben, fein säuberlich, Blatt um Blatt. Am Ende war's glatt Unterweltsmoral: "Stirb du heute und ich - morgen!"

[...] Sie verstanden, daß die Fälle erfunden waren, und dienten dennoch fleißig Jahr für Jahr. Wie das? ... Entweder sie zwangen sich, nicht zu denken (was an und für sich schon den Menschen zerstört), meinten einfach: Es muß sein! Die für uns Instruktionen schreiben, können nicht irren. 
"Hauptsache, wir kriegen den Mann - um den Fall sind wir nicht verlegen!" Das war in ihren Kreisen ein beliebter Witz, eine stehende Redewendung. In unserer Sprache hieß es "foltern", in der ihrigen - "gute Arbeit leisten". Die Frau des Untersuchungsrichters Nikolai Grabischtschenko (Wolgakanal) säuselte beim kleinen Hofklatsch: "Mein Kolja ist eine tüchtige Kraft. Einer hatte lange nicht gestanden, bis sie ihn Kolja übergaben. Der brauchte nur eine Nacht - und das Geständnis war fertig."

Die Quoten, die Zahlen von Verhafteten waren vorgeschrieben. Und die Gebietsverantwortlichen taten mit viel Phantasie alles, sie zu erfüllen. Daß es keine zu Verhaftenden mehr gab war ohnehin völlig unmöglich.  

Und Stalin selbst hätte es nicht geglaubt. Er hätte IHNEN nicht geglaubt! Weil er nicht glaubte, daß er in einem Gebiet, einer Stadt, einer Armeegruppe plötzlich keine Feinde mehr hätte.

Wird fortgesetzt


Sonntag, 21. Juli 2019

Wenn Verschwörungen keine Theorien mehr sind (2)

Teil 2)



4. Die CIA betrieb illegal und heimlich und in ungeheurem Umfang an ahnungslosen Bürgern Experimente zur Kontrolle von Verhalten, Gedanken und Vorgängen im Gehirn
Schon in den 1970er Jahren ist öffentlich gemacht worden, daß der CIA in den 1950ern und 1960ern ein Programm unter dem Namen "MKULTRA" betrieb, in dem an tausenden Amerikanern Experimente angestellt wurden, wie man deren Gedanken und Gefühle kontrollieren und verändern konnte.  Dabei ist noch immer der Großteil der Akten unter Verschluß. Aber was man aus den veröffentlichten Dokumenten ersehen kann, ist erschreckend genug. Die illegalen Versuche "studierten" durch Verabreichung von Drogen (vor allem LSD), wie Menschen zu verändern wären. Ebenso wurden psychologische Folter, sexueller Mißbrauch und direkte Folter als Mittel angewandt, um die Psyche von Probanden zu brechen. Das steht heute sogar auf Wikipedia. Ebenso wurde mit Erpressung experimentiert, indem Personen in verfängliche Situationen gelockt wurden, die man heimlich dokumentierte und filmte.

Eine weitere Versuchsreihe war darauf ausgerichtet, Menschen zu "deprogrammieren", das heißt durch Drogen oder Elektroschocks ihr Gedächtnis auszulöschen und anschließend "neu zusammenzusetzen". Prozesse von Opfern, die den Staat verklagen, laufen bis in unsere Tage. Dabei kommen immer wieder Details zu Tage, die den Verdacht erhärten, daß die nicht bekannt gegebenen Versuche und Verbrechen in Umfang und Qualität jedes menschliche Vorstellungsvermögen übersteigen. Sogar Waffen wurden entwickelt, darunter eine Pistole, die Herzinfarkte bewirkte. Riesige Gelder wurden auch an Universitäten und Krankenhäuser transferiert, die mit dem CIA zusammenarbeiteten und etwa Patienten als Versuchskaninchen zur Verfügung stellten oder "Auftragsstudien" durchführten, um "menschliches Verhalten" zu studieren. Diese Programme liefen zumindest bis 1970. Hier die öffentlich gemachte Dokumentation zu dieser Tatsache.





5. Es gibt weitreichende Untersuchungen, wie durch Chemikalien männliche Frösche dazu gebracht werden können, sich in weibliche Frösche zu verändern.

Warum dieser Punkt in die Liste kam ist dem VdZ freilich nicht ganz nachvollziehbar. Denn dazu muß man keine "geheimen Kenntnisse" haben, das ist seit achtzig Jahren und mehr klares Wissen der Biologie. Nachdem die Gestaltnahme zum Männlichen immer ein "Zusatzprozeß" ist, in dem durch genetische Anlage einer genuin (scheinbar) amorphen=weiblichen Eigrundlage soweit verändert, daß daraus ein männliches Wesen wird, kann dieser Prozeß natürlich gestört werden. Die Folge sind Fehlbildungen oder Hermaphroditentum, wie wir auch bei Menschen feststellen können. Das allein auf "Atrazin" (ein Pestizid) zurückzuführen oder auf Hormonbeigaben im Trinkwasser und ähnliches ist aber verfehlte Interpretation des Möglichen.

Man kann den Männlichkeitsprozeß stören, ja, aber nicht definitiv aufheben. Er bleibt dann eben unerfüllte Potenz. Vor allem aber darf man nicht den Fehler machen, von Amphibien (wo das am häufigsten beobachtet werden kann, so daß es dort sogar zu einer Bestandsgefahr werden kann) auf den Menschen zu schließen. Denn erstens sind Amphibien besonders anfällig dafür, ihre "Gestalt" ist "weich", um es so zu sagen, also relativ niedrig stehend. Die Kraft, sozusagen, der Materia eine dauerhafte Form aufzuprägen, ist noch relativ schwach und nicht zentral. Die direkte Wechselwirkung mit der materiellen Umwelt ist somit sehr ausgeprägt.

Beim Menschen wirkt das Ganze in jedem seiner Teile

Während der Mensch eine prinzipiell andere fundierte Seele hat - eine Geistseele eben, deren Formprägung von Idee ausgeht und hierein mündet. Die die körperlichen Prozesse untrennbar durchdrungen hat, von Beginn der Empfängnis an. Das heißt, daß die menschliche Form beziehungsweise Substanz immer "vollkommen" weil mit ihrem (individuell seienden) Urbild verbunden ist, und damit als je ganzer Mann oder ganze Frau, so daß nur ihre historisch-faktische Gestaltwerdung beeinträchtigt (erschwert) werden kann. Ungefähr so, als würde man einem Menschen von Geburt an einen Arm am Rücken festbinden oder amputieren.

Gerade dieser letzte Fall zeigt, daß es zwar tatsächlich Verschwörungen gibt, keine Frage, als geheime Vorgänge, die mit uns und unserer Geschichte und Politik zu tun haben. Aber viele der Ängste, die davor bestehen, haben ihren Grund in einem fehlerhaften, völlig unzureichenden, materialistischen, mechanistischen Menschenbild, das wir selbst haben und zu dem wir verbildet wurden. Vor allem, wo es darum geht, was man uns durch Substanzen oder Psychoprogramme "antun" kann. So daß viele Ängste unberechtigt sind. Selbst wenn die Vorgänge - wie man sieht - Tatsachen und keine Verschwörungstheorien paranoider Idioten sind, und selbst wenn die Initiatoren mancher Programme selber daran glauben, daß sie tiefgreifende Änderungen beim Menschen vornehmen können.

Das fällt dann "lediglich" unter eine andere Kategorie: Grausamkeit, Größenwahn, Hochmut, Unmenschlichkeit, etc. Man kann uns manches im Leben erschweren, gewiß, man kann uns das Leben zur Hölle machen, gewiß, und es ist angebracht alles zu tun, um sich zu wehren und unsere Lieben zu schützen, damit sie nicht fallen, nicht gebrochen werden. Denn unseres Sinnes - und nur daraus lebt man, das ist unsere eigentliche Substanz! - kann uns niemand ernsthaft berauben, wenn wir es nicht zulassen. Und dazu gehört ... das Kreuz, als Schlüsselpunkt, als entscheidender Punkt. Denn es ist der Eintrittspunkt des Lebens. Wo wir uns also nicht in den Tod - in Jesus Christus - stellen, übergeben wir uns in den wirklichen Tod, der nicht mehr zum Leben weist, weil wir alles in unseren eigenen, eigensinnigen (also nicht logos-verweisenden) Händen halten.

Wenn, dann machen wir uns unsere Paranoia oft also tatsächlich selber. Und viele Ängste, die wir haben, "sollen" wir haben, weil sie uns schwächen. Der irrende Mensch steht immer (!) auf schwankem Grund und braucht die Angst des anderen, um selbst stärker zu wirken und seine eigene Angst (vor dem Nichts) zu überspielen. Viele der Dinge, die man meint, mit uns anstellen zu können, stammen aber aus derselben Dummheitsküche wie jene Lügen- und Irrtumssuppe, von der wir oft genug eine zu große Portion genommen haben. Und an Bedrohungen glauben, die es gar nicht gibt, oder mit denen wir leicht fertig werden können. Daß es heute so viele dieser Bedrohungen gibt, hängt in allererster Linie nur damit zusammen: Weil wir schon so verbildet, unvernünftig weil nicht mehr in der wirklichen Wirklichkeit, auch nicht mehr in festen, Halt gebenden, immer wieder "erdenden" sozialen Strukturen verwurzelt sind, so daß man uns leicht und viel einreden kann.

Dennoch ist der 20-minütige-Film "Fünf Verschwörungstheorien, die sich als richtig herausgestellt haben" recht interessant.




Samstag, 20. Juli 2019

Wenn Verschwörungen keine Theorien mehr sind (1)


1. Der CIA ist massiv in Drogenhandel verwickelt
Was mit der "French Connection" nach dem Zweiten Weltkrieg begann, wo sogar die Mafia unter dem speziellen Schutz des CIA stand, ging über eigene Fluglinien aus Südostasien (Heroin), Afghanistan und Nicaragua weiter. Der Zweck war und ist, diese Organisation vom Kongress unabhängig und damit unkontrollierbar zu machen. Dazu mußte man eigene und verdeckte Finanzierungsquellen aufstellen. Und das konnte man am elegantesten mit Drogenhandel. Nicht nur indem man ihn beschützte und daraus kassierte, sondern in dem man ihn selbst durchführte und Suchtgifte in ungeheurer Menge heimlich in die USA einschleuste. Und dort über ein Dealernetz verhökerte. Zahllose Tote gehen auf das Konto dieser verdeckten Operationen. Die heute niemand mehr bestreitet.

Daß das der Fall war und ist, haben nicht nur darin involvierte Personen, sondern auch zahlreiche Kongressuntersuchungen bestätigt. Sogar Hollywood hat sich des Themas mittlerweile angenommen, und einige (darunter sogar recht gute) Filme produziert, die sich manchmal fast übertrieben an historische Tatsachen halten.

2. Die Regierung der USA verwendet Chem-Trails
Natürlich gibt es das heute nicht mehr. Aber schon seit langem hat der amerikanische Kongress bestätigt, daß insgesamt über 250 "Experimente" vorwiegend militärischen Charakters stattgefunden haben, beginnend 1950 mit der Ausbringung von (tödlichen) Bakterienstämmen, um einen Terrorangriff zu simulieren und dessen Abwehr zu üben. Die Folge war mindestens ein Toter und zahlreiche Menschen, die in Krankenhäuser eingeliefert werden mußten. Und hier sind ausnahmsweise alle Zusammenhänge dokumentiert. Ähnliche Versuche fanden am laufenden Band statt, nicht nur über Freiflächen, sondern auch über amerikanischen Großstädten. Niemand bestreitet heute, daß die Beeinflussung von Wetter zu einem der heißesten militärischen Projekte zählt.

Bis heute bestreitet das Militär, was aber offiziell als "Military Preservation Act" bekannt wurde und von jedermann einsehbar genau das zum Inhalt hat. Denn der Kongress hat diese geheimen Programme sehr offiziell genehmigt. Es gab auch zahlreiche Berichte in US-Medien. Die aber erstaunlicherweise jedesmal nach kurzer Zeit wieder verstummten. Dennoch bestreitet niemand bereits eingesetzte Wetterveränderungsmaßnahmen durch Ausbringung von Chemikalien in die Atmosphäre. Wie in Vietnam, wo es zum täglichen Handwerk gehörte, um den Vietcong im Dschungel zu bekämpfen, Starkregen auszulösen. Ähnliche Maßnahmen sind darüber hinaus ohnehin in vielen Staaten der Welt bekannt geworden, unter anderem in England, wo sie in den 1950ern eine schwere Flutkatastrophe mit mehreren Toten auslösten. Aber wir reden hier ja nur von Amerika.

3. Die US-Regierung führt selbst Terrorangriffe durch, die als "false flag"-Operationen anderen in die Schuhe geschoben werden.
Auch das bestreitet heute niemand mehr. Dabei ist die Idee nicht neu, sie begleitet die Geschichte seit Menschengedenken: Um entweder den Feind oder die eigene Bevölkerung zu täuschen, wird ein Akt gesetzt, der (der Begriff kommt von der Marine, wo solches Vorgehen sehr häufig war, um eine Reaktion oder Flucht möglichst hinauszuzögern) "unter falscher Flagge" stattfindet, so daß die Schuldigen nicht auszumachen sind, oder eine Beteiligung jederzeit abgestritten werden kann. Die Liste der offiziell aufgedeckten und eingestandenen false flag-Operationen ist sehr lang, auch in der Neuzeit. Ob die Schweden in ihrem beabsichtigten Angriff auf Rußland im 18. Jahrhundert die USA vor Kuba in ihrem Angriff auf Spanien, die Japaner in der Mandschurei 1930, die jüdischen Geheimoperationen vor 1946 mit ihren Terroranschlägen auf britische und amerikanische Einrichtungen, die den Muslimbruderschaften in die Schuhe geschoben wurden, die Amerikaner 1964 mit der angeblichen Attacke der nordvietnamesischen Kommunisten im Golf von Tomkin, die das schon lange geplante Eingreifen in den Vietnamkrieg rechtfertigen sollten.

Oder die Briten mit dem behauptet ägyptischen Flugzeugangriff auf ein US-Forschungsschiff in der Suezkrise, um die Amerikaner in den Sechs-Tage-Krieg 1967 zu ziehen, die Bombenanschläge auf russische Einrichtungen 1999 mit hunderten Toten, die das von Rußland geplante militärische Eingreifen im Tschetschenienkrieg vorbereiteten, die ominöse Zerstörung der (drei) Türme des Welthandelszentrum im September 2001, die den Freibrief für ein militärisches Eingreifen in Afghanistan ausstellten, obwohl die Frage nach den Schuldigen alles andere als geklärt ist, und es in Wahrheit klare Aussagen dazu gibt, daß die Afghanen den Bau einer US-Pipeline mitten durch ihr Land genehmigen sollten, entweder unter dem Druck von Bomben oder durch Geld, was sie dennoch ablehnten, und ein voll ausgearbeiteter militärischer Einsatzplan für Afghanistan nachweislich schon am 4. September 2001 am Tisch des US-Präsidenten lag, sieben Tage VOR den 9/11-Angriffen.

Morgen Teil 2)





Sonntag, 29. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (3)

Teil 3)


Als die Mohawks als nächstes dem Jesuitenpater Speere ins Fleisch stoßen, betet der laut: Jesus, habe Erbarmen mit uns! Und die Huronen, die mit ihm gemartert werden, wiederholen seine Worte. Um diesen Priestergiganten endlich zum Schweigen zu bringen, schneiden ihm deshalb die Peiniger die Unterlippe weg. Dann nehmen sie einen Speerschaft und stoßen ihm diesen in den Rachen. Aber immer noch gibt Brébeuf keinen Schmerzenslaut von sich. 

Also holen sie nun seinen jungen Mitbruder, Pater Gabriel Lalement. Auch er ist nackt. Sie schnallen rund um seine Hüfte einen Gürtel aus Birkenrinde. Wir werden zu einem Spektakel für die Welt gemacht, für die Engel und die Menschen, ruft Lalement aus. Er wird an einen Marterpfahl direkt neben Brébeuf gebunden, ehe die Mohawks seinen Gürtel anzünden. 

Mittlerweile haben die Indianer rund um Brébeufs Nacken ein Halsband aus rotglühenden Tomahawk-Klingen gelegt, vorne drei, hinten drei. Das hat den Sinn, daß er jedesmal, wenn er seinen Oberkörper um den Schmerz zu lindern nach vorn oder nach hinten beugt, von der anderen Seite umso mehr verbrannt wird. Wieder stößt er aus: Jesus, hab Erbarmen mit uns! 

Die Indianer toben vor Haß und Wut, weil sie den Pater nicht brechen können. Zunächst schnallen sie auch ihm einen Hüftgürtel aus Rinde um und stecken diesen in Flammen. Und nun treten Huronen, die vom Glauben aus Angst vor den Martern abgefallen sind, an ihn heran, und gießen ihm in einer Nachäffung der Taufe kochendes Wasser über den Kopf und verspotten ihn: Wir taufen Dich, damit Du im Himmel glücklich bist! Du weißt ja, ohne gute Taufe kann niemand gerettet werden! Du hast doch immer vom Wert des Leidens erzählt, Du solltest also glücklich sein, daß wir Dich leiden lassen. 

Immer noch gibt Brébeuf keinen Klagelaut von sich. Nun werden ihm aus seinen Beinen Streifen von Fleisch geschnitten. Das die Indianer dann vor seinen Augen essen in der Hoffnung, endlich den außergewöhnlichen Mut des Priesters zu brechen. Der aber betet laut für seine Peiniger. Die Indianer toben immer mehr vor Wut. Sie schneiden ihm die Nase ab, dann seine Oberlippe, und schließlich seine Zunge. Sie stecken ihm eine brennende Fackel in den Mund und reißen ihm die Augen aus den Höhlen. Dann schleifen sie ihn zu einem Podest und schneiden ihm die Füße ab. Daraufhin skalpieren sie ihn. Schließlich öffnen sie seinen Brustkorb, reißen ihm das Herz heraus und essen es. In der Hoffnung, den außergewöhnlichen Mut des Priesters in Besitz zu nehmen, trinken sie sein Blut, bis sie dem Leichnam mit einem Tomahawk das Gesicht spalten. 

Pater Lalement wird noch die ganze Nacht weitergefoltert, langsam und sorgfältig, um ihn nicht vorzeitig zu töten. Also bringen sie ihn stets nur an den Rand des Todes, um ihn dann wieder ins Leben zurückzuholen. Im Morgengrauen schneiden sie ihm die Zunge heraus, reißen ihm die Augen heraus, stecken ihm glühende Kohlen in die leeren Augenhöhlen, und schneiden ihm dann die Hände und die Füße ab. Aber das Herz des jungen Priesters schlägt immer noch. Also schneiden sie auch ihm Fleisch vom Körper und essen es, skalpieren ihn, öffnen seinen Brustkorb und schneiden ihm das Herz heraus, essen es, trinken sein Blut. Auch er hat während der ganzen Tortur nicht einen Moment geklagt.

Dabei wäre Lalement gar nicht zur Mission vorgesehen gewesen. Seine Oberen zweifelten an seiner Konstitution. Er sei zu schwach für die Härte der Mission in Kanada, meinten sie. Vielleicht stimmt es, vielleicht war er physisch wirklich nicht der Stärkste. Trotzdem hielt er sechzehn Stunden der härtesten Martern durch.


***

Am Ende der "Biberkriege" 1640 bis 1701, in denen die Irokesen ihr Stammesgebiet ausweiten und sich das Monopol als einzige Fellhändler (und als Mittler zwischen den Weststämmen und den Handelsniederlassungen an der Ostsee) aneignen wollten, werden die christianisierten Huronen (neben anderen mit den Franzosen verbündeten Stämmen) durch die vereinten Südstämme der Irokesen unter der Führung der Mohawk in einem Genozid vollständig ausgelöscht oder vertrieben sein. Sie konnten den Angriffen von Feinden, die in Gier und Haß keine Grenzen kennen und keine Grenzen kennen wollen, die in Dämonie versunken sind, nicht standhalten. Es war einer der grausamsten, blutigsten Kriege in der Geschichte Nordamerikas, der die gesamte Geographie der Indianer Nordamerikas dauerhaft veränderte. Die Huronen sind letztlich als Märtyrer gestorben. Wenige Jahre später verloren die Irokesen die niederländischen Händler, und die immer zahlreicher einsiedelnden Franzosen und Engländer übernahmen den Handel selbst. Letztlich war also alles umsonst gewesen.

***

Den vollen Sinn und Wert des stellvertretenden, sühnenden Leidens, den Wert des Martyriums, können wir nur begreifen, wenn wir begreifen, daß die Getauften in der Kirche in einem geistigen "mystischen" Leib zusammengeschlossen sind. In diesem Zusammengehören kraft der Taufe als "Kirche" ist das, was dem Teil geschieht, dem Ganzen geschieht, und umgekehrt.

Es ist ein Organismus und insofern eine Antwort auf den Universalienstreit des späten Mittelalters, der die Möglichkeit, die Erlösung Christi zu begreifen, immer mehr ausgetrocknet hat, weil er die Stellvertretung nicht mehr begreifen ließ. In dem es nämlich darum ging, ob universale Begriffe, Abstrakta sozusagen, Gattungsbegriffe, übergreifende, zusammenfassende Begriffe eine objektive Wirklichkeit sind oder nur Gedankendinge. Denn wenn sie geistige, abstrakte, aber reale Wirklichkeiten sind, kann diese Stellvertretung gedacht werden. Letztendlich läßt sich also auch die Erlösung durch Jesus Christus nur dann begreifen, wenn wir begreifen, daß Christus "als Mensch" dieses "volle Menschsein an sich", an dem wir teilhaben, je mehr wir Christus ein- und angehören, ihm ähnlich sind, in das göttliche innertrinitarische Leben hineingeholt hat. Durch seine Fleischwerdung.

Die Märtyrer Kanadas, von deren einigen oben gehandelt wird und von denen es insgesamt hunderte, wenn nicht tausende gibt, haben also mit Gewißheit der Kirche insgesamt, aber auch dort, jenen Boden bereitet, aus dem sie sich in Kraft entfalten hatten können. Immerhin war Kanada zumindest in seinem französischen Westen - also dem Raum der katholischen Kirche - immer ein tief katholisches Land gewesen. Daß es heute mit umso größerer Vehemenz von den Dämonien der Gegenwart gebeutelt wird - Genderismus, political correctness, Verrücktheiten sonder Zahl sind dort auf eine Weise implementiert, die man nur noch als kollektiven Wahnsinn bezeichnen kann - kann man deshalb nur als ebenso wütenden Haß verstehen, wie ihn die Mohawk angesichts des unglaublich mutig ertragenen Martyriums der beiden Jesuitenpater Jean le Brébeuf und Gabriele Lalement erfaßt hat. Denn es ist tatsächlich das Blut der Märtyrer, das den Samen der Christenheit bedeutet.



*190418*

Samstag, 28. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (2)

Teil 2) Einfügen in die Lebenswelt


Dabei stellte Jean de Brébeuf fest, daß die Sprache der Huronen viele Begriffe nicht kannte, die aber für ein Verständnis des Glaubens unumgänglich waren. Die Franziskaner zuvor hatten dies dadurch "gelöst", also sie die fehlenden Begriffe durch englische oder lateinische Wörter einführen wollten, was natürlich ohne jeden Erfolg blieb. Brébeuf verfaßte hingegen nicht nur in jahrelanger Arbeit eine Grammatik des Huronischen, sondern versuchte, das in diesen notwendigen Begriffen erfaßte in Huronisch zu umschreiben.

So kannten die Huronen die Begriffe Vater oder Mutter oder Bruder etc. nicht. Obwohl ihre Sprache in vielerlei Hinsicht durchaus komplex und vollständig war (Fälle, Geschlecht etc.) kannten sie diese Beziehungen nur, wenn sie in Verbindung mit einem Possessivpronomen vorkamen, also: Mein, Dein, etc. So konnten sie aber schon mit dem Kreuzzeichen "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes" nichts anfangen! Brébeuf dachte lange nach, und suchte schließlich bei den Ordensoberen in Frankreich um die Genehmigung der Formel "Im Namen unseres Vaters und seines Sohnes und ihres Heiligen Geistes" an. Was theologisch subtil und wahr ist, und ihm auch gewährt wurde.

Die Jesuiten in der Mission waren intellektuelle Giganten, hoch gebildet und kultiviert. Doch sie nahmen auf sich, sich in primitivste Gesellschaften zu integrieren, und die Wahrheit des Glaubens vollgültig und wahr in die einfachen Verhältnisse zu transformieren. Brébeuf erhält bald unter den Huronen den Spitznamen "Der Mann, der alles trägt". Sie akzeptieren und mögen ihn, aber dennoch muß er ständig damit rechnen, daß sie ihn umbringen. 

Das Martyrium

Mitte der 1640er Jahre bricht der "Biberkrieg" aus. Die südlichen Irokesenstämme dringen in die Bibergründe der großen Seen im Norden ein, und machen den Huronen eine ihrer Lebensgrundlagen streitig. Am 16. März 1649 haben Pater Brébeuf und sein junger Mitbruder Lalement gerade die Messe fertig gelesen, als die Irokesen auch das Huronendorf überfallen, in dem die Jesuiten leben. Und deren Bewohner großteils bereits christianisiert sind. Alle werden gefangen genommen. Die meisten Huronenchristen werden auf der Stelle abgeschlachtet, ihre Schädel mit Tomahawks gespalten, ihre Kehlen durchgeschnitten. Alte, Kranke, Kinder, Frauen werden in Langhäuser getrieben und diese angezündet, sie verbrennen bei lebendigem Leib. 

Brébeuf und Lalement werden wie die noch verbliebenen Huronenchristen gefesselt und in das Nachbardorf St. Ignatius (alles in Ontario, an der Ostseite des Lake Huron/Huronsees) getrieben, das die Irokesen bereits zuvor geplündert und niedergemacht hatten.

Es gibt Berichte von den nun folgenden Ereignissen durch später entflohene Huronen, die es bis zur Jesuitenmission schafften. Der Jesuit Christophe Regnault ging daraufhin an den Ort des Todes der beiden Mitbrüder zurück, und fand deren Überreste und die Spuren der Ereignisse so, wie es berichtet worden war. Sein Bericht geht wie so viele andere Berichte sofort nach Frankreich.

Die Jesuitenpater werden zwar als das besondere Objekt der Folter angesehen, gemartert werden aber alle gefangenen Huronenchristen. Die mit dem rituellen "Gassenlauf" beginnt. Einem Spießrutenlauf, wo die Opfer von den eine Gasse bildenden Indianern (in der Mehrheit Mohawks, aber auch andere Stämme aus der "Allianz der sechs") mit allem geschlagen werden, was denen in die Hände kommt. Bleiben sie stehen, werden sie totgeschlagen. Zusammen mit den Huronenchristen, reißt man den Patres die Kleider vom Leibe und schickt sie in die Gasse. Mit Müh und Not überstehen die Jesuiten diesen ersten Durchgang

Währenddessen haben andere Mohawks und Algonkins und Seneca bereits Wälle aus Feuerholz und Ästen rund um die Marterpfähle aufgerichtet und entzündet. Zunächst aber werden die Jesuiten mit den Huronenchristen gemeinsam in eine kleine Hütte gesperrt, die einmal als Kapelle hergerichtet hätte werden sollen. Die Christen trösten einander, die Priester erteilen allen nacheinander die Absolution. Schließlich holt man Brébeuf und die Huronen zur Marter.

Im nun beginnenden nächsten Durchgang (die Irokesen sind berühmt dafür, daß sie Marteropfer nur soweit quälen, als sich diese wieder erholen, so daß die Qualen über Tage gestreckt werden können) werden den Gefangenen die Finger gebrochen. Dann werden alle Fingernägel herausgezogen, und alte Frauen und Kinder kommen und nagen an den Enden der Finger. Dann wird Brébeuf allen voran an den Marterpfahl gestellt und daran gefesselt. Als der Pater an seinem Pfahl herantritt, küßt er ihn.

Zunächst legen die Indianer Glutnester um seine Füße, und fahren ihm mit brennenden Fackeln am Körper langsam hinauf und hinunter.  Besonders langsam sind sie zwischen seinen Beinen, in den Achselhöhlen, und um den Hals. Das Fleisch des Heiligen beginnt bereits Blasen zu bilden. Aber er gibt keinen Laut von sich. Das beeindruckt sichtlich die Peiniger. Deshalb beginnen sie, ihm mit ihren Messern tiefe Fleischwunden zuzufügen. 

Während aller dieser Torturen wendet sich Brébeuf immer wieder an seine Mitbrüder, die mit ihm gemartert werden, und tröstet sie: Meine Söhne, sagt er, meine lieben Brüder, laßt uns in unserer Bedrängnis die Augen zum Himmel heben! Laßt uns nicht vergessen, daß Gott Zeuge unserer Leiden ist, und schon bald wird er unsere alles übertreffende Belohnung sein. Laßt uns im Glauben sterben, laßt uns auf ihn und auf die Erfüllung seiner Verheißungen hoffen. Ich habe um euch mehr Sorge als um mich. Bleibt fest, am Ende unserer Leiden erwartet uns die Fülle der Gnade, und die Glückseligkeit wird ewig währen. 


Morgen Teil 3)



*190418*

Freitag, 27. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (1)

1539 wurden die Jesuiten gegründet. 1615 hatten sie bereits dreizehntausend Mitglieder, obwohl der Gründer des Ordens, der Hl. Ignatius von Loyola, die Höchstzahl der Mitglieder auf sechzig begrenzt hatte. Der Zulauf war enorm, dabei waren sie durch ihre ungeheure Strenge bekannt. 1645 betrieben sie am europäischen Kontinent bereits fünfhundertzwanzig Hochschulen und Seminare.

In einem Zeitalter, in dem die Wissenschaft erstmals in Europa zu einer nie gesehen Blüte kam, gehörten die Jesuiten zur absoluten geistigen Elite des Kontinents. Fünf, sechs, sieben Sprachen waren üblich, und unter heutigen Bedingungen würde wohl jeder der damaligen Jesuiten zu den Hochbegabten zu zählen sein, die ein Leben in Forschung und Wissenschaft vor sich hätten.  

Aber sie sahen eine ihrer Hauptaufgaben - neben Bildung und Erziehung - in der Mission. Und trotz ihrer intellektuellen Führerschaft in Europa, war der Drang der Jesuitenbrüder in die Mission, wo sie auf alles das verzichteten, das ihnen in Europa Ansehen und Anerkennung hätte bringen können, so groß, daß die Ordensoberen im 17. Jahrhundert extrem sieben mußten und konnten. Denn gerade die Besten drängte es am stärksten in die Welt, um das Evangelium zu verbreiten und den Menschen die Erlösung zu bringen. Sie sahen mit der allergrößten Klarheit die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, begriffen am hellsten, was diese Erlösung brachte. 

Und in der Mission kam es ganz besonders auf ein Leben im Streben nach Heiligkeit an. Den Jesuiten war damals völlig klar, daß nur ein Heiliger auch missionieren konnte. Missionare mußten also nicht nur psychisch absolut stabil und intellektuell auf voller Höhe sein, sie mußten vor allem im geistigen und geistlichen Leben auf voller Höhe sein. Und die Glanztaten die die damaligen Jesuiten erbrachten, stehen bis heute an Ehrenplätzen in den Geschichtsbüchern.

Umso mehr ist dieser Drang der damaligen geistigen Elite in die Welt bemerkenswert, als sich bald herausstellte, daß ein Missionar nicht nur oft mit extremen Strapazen und Anforderungen fertig werden, sondern überaus häufig mit dem Martyrium rechnen mußte. Allein zwischen 1645 bis 1660 wurden zweihundert Jesuiten von Indogenen umgebracht. Kaum ein Jesuitenmissionar erlebte sein vierzigstes oder gar ein fünfzigstes Lebensjahr, ein höheres Alter war überhaupt extrem selten. Und dennoch drängten die Jesuiten in Europa darauf, ließen ein Leben an Universitäten und in Lehrstuben zurück, um unter den härtesten Bedingungen den Glauben zu verbreiten. Getrieben von einer Liebe zu den Seelen, wie sie eben Heiligen ansteht.

Dafür hatten sie Erfolge, die zuvor nie gesehen wurden, und die die manchmal doch recht dürftigen Erfolge der Franziskaner weit in den Schatten stellten. Franz Xaver etwa, der später in China starb, hatte alleine in Indien, wo die portugiesischen Franziskaner kaum etwas weitergebracht hatten, schätzungsweise eine Million Menschen getauft und bekehrt. Er war es auch, der hundert Jahre vor den Ereignissen in Kanada, von denen unten die Rede sein wird, die jesuitische Missionsmethode begründete. Die immer erst eine lange Phase des genauen Studiums der Gastkultur vorsah. Ja, erst einmal mußte sich der Missionar quasi assimilieren, erst dann konnte er missionieren. 

Also sollten, auf der Basis einer bestmöglichen Sprachkenntnis, Ähnlichkeiten mit dem katholischen Glauben erkannt und als Anknüpfungspunkt verwendet werden. Das persönliche Vertrauen wurde dadurch gewonnen, als jeder Missionar sich bemühte, die Lebensweise der indigenen Völker so weit wie möglich anzunehmen und als "einer der ihren" unter ihnen zu leben.

Die Mission in Neufrankreich-Kanada

Als einer der härtesten Böden für eine Mission galten die Indianer Nordamerikas. Teilweise lebten die Indianerstämme in Zuständen, die unbeschreiblich waren. Das galt vor allem für die meisten der Stämme in Neufrankreich im Osten des heutigen Kanada, wo im Gebiet der großen Seen im Süden die sogenannten "Sechs Stämme" lebten, die unter dem Sammelnamen "Irokesen" ein so passables "Föderalsystem von Staaten" eingerichtet hatten, daß es sogar für die Gründerväter der Vereinigten Staaten gewisse Vorbildfunktion hatte. Ihnen standen nördlich der großen Seen die Huronen gegenüber, deren kultureller Zustand ganz besonders erbärmlich war.

Wir haben heute ganz umfassende Berichte und Schilderungen aus jener Zeit und von jenen Kulturen. Denn jeder Jesuitenmissionar sandte fortlaufend Bericht an die Zentrale in Paris. Dort sammelte man diese Berichte und legte so im Laufe der Zeit eine schließlich siebzig gewaltige Folianten umfassende Chronik an, das heute ein unschätzbares Archiv genauester Kultur- und Tätigkeitsbeschreibungen darstellt. Und aus dieser Chronik stammt auch der Bericht von einem der unglaublichsten Fälle von Martyrium, dem von Jean de Brébeuf, der am 16. März 1649 als Märtyrer starb. Ihm zur Seite sein weit jüngerer Mitbruder, Gabriel Lalement.

Jean de Brébeuf

Jean de Brébeuf wurde am 25. März 1593 in Frankreich geboren und trat erst im Alter von vierundzwanzig Jahren dem Jesuitenorden bei. Nach Studium, Noviziat und Priesterweihe, sowie drei Jahren als Universitätslehrer in Rouen ging er endlich, seinem brennenden Wunsche nach, 1625 nach Neufrankreich (Kanada). Er blieb bei den Huronen für den Rest seines Lebens, also 24 Jahre, bis zu seinem schrecklichen Tod. 1925 wurde er selig-, zusammen mit sieben weiteren Jesuiten-Missionaren 1930 heiliggesprochen. 1940 erhob ihn Papst Pius X. zum Patron Kanadas.

Als Brébeuf in Quebec in Kanada ankam, das damals ein kleines Fort von der Größe eines halben Fußballfeldes war, war die Mission durch die Franziskaner dort so gut wie gescheitert. Mit unendlicher Geduld näherte sich der Jesuit den ersten Huronen, ging ihnen immer tiefer nach und lebte schließlich drei Jahre mitten unter ihnen, teilte vor allem ihre harte Lebensweise. Dabei sprach er drei Jahre praktisch kein Wort, sondern hörte nur zu, studierte nur ihre Sprache und ihre Lebensweise. Aber noch immer blieb er äußerst vorsichtig, lebte dazu in ständiger Todesgefahr, denn ein ausbleibender Regen, einmal Unglück bei der Jagd, und er hätte jederzeit erschlagen werden können. Aber das unterschied sie auch fundamental von den Missionsbestrebungen der Protestanten, die diese Wege nie gingen und entsprechend erfolglos blieben.

Ganz langsam gewann Brébeuf die Zuneigung und das Vertrauen der Indianer, schließlich adoptierte ihn sogar eine alte Frau, und er war fortan halbwegs geschützt. Aber erst 1635 ließen sich die ersten Indianer taufen. Als 1640 eine Windpockenepidemie fast die Hälfte der Huronen hinwegraffte, begannen ihn die Huronen ob seiner Furchtlosigkeit, mit der er bei ihnen aushielt, endgültig zu bewundern, und erste Massentaufen fanden statt. Bald nahm die Bekehrung der Huronen großen Umfang an, und der ganze Stamm änderte nach und nach seine Lebensweise. Es sollte sich für sie tragisch auswirken, umso mehr verdienen sie unsere Achtung. Denn den Indianern waren die Folgen wohl bewußt: Das Christentum macht auf eine gewisse Weise gegen das Böse wehrlos, denn es ist durchdrungen vom Prinzip, daß kein Gut durch ein schlechtes Mittel angestrebt werden kann. Diese Wahrheit über das Sein ist das vielleicht am meisten am Christentum Unterschätzte.

Die Lebensumstände der Huronen

Bis zum Eintreffen Brébeufs lebten die Huronen in unsäglichen Zuständen. Sie wohnten (wie fast alle der Indianerstämme in Neufrankreich) zu zwanzig bis vierzig Menschen unterschiedlichster Familien in aus Rinde und Ästen erbauten Langhäusern, in deren Mitte offene Feuer als Kochstelle und Wärmequelle in den extrem kalten, langen Wintern und überaus feuchten Übergangszeiten brannten. Nur ein kleines Abzugsloch im Dach ließ den Rauch entweichen. Somit fiel einem im Inneren ob des bissigen Rauchs das Atmen schwer, und die Augen Brébeufs waren ständig rot, tränten und bissen.

Die hygienischen Umstände waren extrem. Jeder urinierte oder defäkierte wo immer es ihm gerade einfiel. Dazu kamen die Hunde, die ein gleiches taten. Dennoch spielten die Kinder am Boden. In den Hütten stank es bestialisch. Man wusch sich kaum. Was für ein gewaltiger Unterschied etwa zu den in Mexiko lebenden Azteken, die hygienischer lebten als die eintreffenden Spanier.

Überall herrschte aggressive Promiskuität. Orgien standen an der Tagesordnung. Was mit sich brachte, daß die Stämme viele Fragen wie das Erbrecht matrilinear (aber patriarchal) geregelt hatten, weil kaum jemand seinen Vater, sondern nur seine Mutter kannte. 

Regelmäßig fand ritualisierte Folter statt, und zwar an Gefangenen und Sklaven ebenso wie willkürlich aneinander. Die mit Methoden ungeheurer Brutalität und Raffinesse ausgeführt wurde. Die Nahrung war übelschmeckend, nährstoffarm, zufällig und primitiv, und nach hygienischen Gesichtspunkten widerlich. Die Grundnahrung bestand aus in bloßem Wasser gekochtem, geschmacklosem Wildgetreide, ab und zu mit Aal oder was eben leicht gefunden wurde. 

Schamanen und Medizinmänner hatten Einfluß auf jede Lebensregung, und hielten die indianische Bevölkerung in einer Atmosphäre pausenloser Furcht und Unberechenbarkeit, also in einer alle beherrschenden Dämonie. Sie vor allem davon zu befreien war Brébeufs innerstes Anliegen, und sein Herz brannte in einer Liebe zu diesen Menschen, wie sie eben Heiligen möglich ist. Er wollte ihre Seelen retten, wollte ihnen die Erlösung von dieser Dämonie bringen.


Morgen Teil 2) Einfügen in die Lebenswelt



*190418*

Samstag, 28. Februar 2015

Geschichte der Geschichte von der Inquisition (2)

Teil 2) Propaganda ändert den Geschichtslauf eines Kontinents + Der BBC-Film




Dieses katholische Spanien war eben die globale Supermacht des 16. und 17. Jhds., ein Riesenreich, mit finanziell schier unbegrenzten Mitteln, die es den Strömen von Gold und Silber und riesigen Gewinnen aus dem Handel verdankte, die den überseeischen Besitzungen zu verdanken waren. Der Bankrott Spaniens im 17. Jhd. führt sich sogar auf diese inflationären Goldmengen zurück, der keine Produktivität mehr gegenüberstand, weil niemand mehr arbeiten mußte. 10 % der Bevölkerung war überhaupt ins Kloster gegangen, und wer etwas durch Leistung erreichen wollte, ging nach Übersee, wo jeder Mann gebraucht wurde und es an Aufgaben nicht mangelte.

Eine Macht, die es zu zerstören galt, deren Feinde - und damit Unterstützer jeder Form von Bekämpfung, also auch der Verleumdung - zahlreich waren und vor keinem Mittel zurückschreckten. Bis hin zu Lügenlegenden wie jene des von König Philipp II. angeblich ermordeten eigenen Sohnes Don Carlos, die sich über Bühnenwerke bis in unsere Tage (Filme!) als brauchbares Vehikel eines recht neuzeitlichen (quasi sogar "demokratischen") Revolutionsgeistes so verbreitet hat. Wie ja überhaupt unser Bild von der Vergangenheit extrem von einer jede historische Wahrheit völlig auf den Kopf stellenden Propaganda revolutionärer Bewegungen der Neuzeit geprägt ist. Wie sehr, ist uns überhaupt nicht bewußt, denn wer ist schon an einer historischen Wahrheit interessiert, die die Wohltaten der Gegenwart als Selbstbelügung entlarven würde? Diese Gegenwart lebt nachgerade von einer dämonisierten Vergangenheit, woraus sie ja die Legitimation für "Neuerungen" schöpft. 

Den größten politischen Coup landete die Gegenpropaganda freilich, als sie im 16. Jhd. durch Flublätter die Lüge verbreitete, Spaniens Inquisition würde gar die Vernichtung aller häretischen Bevölkerungen Europas betreiben. Damit wurde die Haltung ganzer Länder Spanien gegenüber maßgeblich beeinflußt.

Aber Inqusitionsbeamte waren universitär ausgebildete Rechtsexperten, oft nicht einmal Priester! Sie als fanatische, dunkle Kleriker darzustellen, denen es nur um grenzenlos sadistische Folter ging, die jeden staatlichen Henker um Längen übertraf, war eine bewußte Verleumdung, die sich in einer Art Verschwörungstheorie versiegelte. Aufgrund der Probleme des Riesenreiches entwickelte sich die spanische Rechtswissenschaft seit dem 16. Jhd. so, daß sie dem Rest von Europa um Jahrhunderte vorauseilte. Nicht zuletzt wurde in Spanien ein Völkerrecht entwickelt, das in seinen Grundzügen bis heute als maßgebend angesehen wird, und noch 200 Jahre später französisch-englische koloniale Rechtsfindung in den Schatten stellte.
Daß die Inquisition also sogar einen enormen Rechtsfortschritt markierte, und ihre Motive keineswegs im Dunkel bösartiger Priestermacht liegen, beweist alleine die penible schriftliche Dokumentation, die für jeden Fall angelegt wurde, und eine Aufarbeitung auch heute möglich macht.*   

Tatsächlich wurde, wie historische Forschung ergibt, die Folter nur sehr selten eingesetzt. Alleine von den 7.000 Úntersuchungsfällen in Valencia (über all die 350 Jahre) wurden nur knapp 2 % auch der Tortur unterworfen, die nie länger als 15 Minuten dauerte, die nur bei der Hälfte auch wiederholt wurde. Keinen einzigen Fall gab es, wo sie aber öfter als zweimal eingesetzt wurde. Im übrigen war Follter ein in ganz Europa bis ins 18. Jhd. übliches Befragungsmittel, das sich weit exzessiveren Gebrauchs erfreute, als durch die Inquisition. Die Aktenlage ergibt eindeutig, daß die Inquisition die Tortur deutlich weniger einsetzte, als jede staatliche Rechtssprechung, die sich gerne uns heute unfaßbar grausamer Mittel aus nichtigsten Anlässen bediente.

Dazu kommt, daß schon die rein personell dürftige sowie die damals mangelhafte technische Ausstattung (Reisemittel, oder das schlechte Straßennetz der damaligen Zeit), dazu das komplexe Geflecht von Privilegien und gesellschaftlichen Sonderrechten unter der städtischen Bevölkerung, Macht und Einfluß der Inquisition sehr beschränkt hielten. Außerdem traf sie (nicht zuletzt durch die Gerüchte und Verleumdungen) immer mehr auf eine "Mauer des Schweigens" in der Bevölkerung. Die heutige Vorstellung, sie hätte die gesamte spanische Gesellschaft in der Hand gehabt, ist völlig unhaltbar: ihr fehlten Mittel, Machtstellung und Möglichkeiten. Schon gar nicht konnte sie Herrscher beherrschen.

In Spanien gab es weniger Verurteilungen wegen Häresie, als im gesamten übrigen Europa, und außerhalb von Spanien gab es überhaupt nur ganz wenige Verurteilungen aus diesem Grund. Nirgendwo hatten Verdächtige rechtlich derartig "saubere", redliche Verfahren zu erwarten. Alleine in England oder Frankreich gab es je das Vielfache an Todesurteilen wegen Glaubensabweichungen.

Die spanische Inqusition war regelrecht "human", und lehnte die meisten der in Europa öffentlich üblichen Methoden strikt ab. Sie regelte in Instruktionen peinlich genau, welches Mittel wie eingesetzt werden durfte. Selbst die Gefängnisse der Inquisition waren die "besten" von ganz Spanien, ja sie weigerte sich oft sogar, staatliche Gefängnisse weden der dortigen furchtbaren Haftbedingungen zu nutzen, wenn sie keine eigenen hatte. Es gab Fälle, so die BBC-Dokumentation, in denen Häftlinge in öffentlichen Gefängnissen absichtlich Blasphemien äußerten, um in die Gefängnisse der Inquisition überstellt zu werden. Während umgekehrt nicht wenige Inquisitionsbeamte die Sinnhaftigkeit von Folter überhaupt anzweifelten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Vorwürfen der Hexerei, die im Volk eine große Rolle spielten, stand sie sogar grundsätzlich sehr kritisch, ja ablehnend gegenüber, war auf jeden Fall ihrer Rechtsbildung gemäß beweisorientiert. Und lehnte Hexenglauben dann grundsätzlich als Wahn und Aberglauben ab.

Bis spätestens im 18. Jhd. die Inquisition völlig nebensächlich wurde, und sich um Dinge wie Alkoholismus oder "Schwören in einer Kirche" befaßte. Die gesellschaftlichen Veränderungen Europas hatten auch in Spanien längst zugeschlagen. Als die Propaganda ihren Höhepunkt erreichte, im Frankreich der Revolution des 18. Jhds., war die Inquisition schon völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, bis sie im 19. Jhd. offiziell aufgelöst wurde. Aber der Mythos der Inquisition wurde wieder und wieder bemüht, als Symbol für Unterdrückung und Despotie, die durch ein moderneres, aufgeklärteres Europa besiegt werden mußte. Bis sie, bis dieser Mythos in den Systemen des Kommunismus sowie im Amerika der 1950er Jahre erstmals jene furchtbare Gestalt annahm, die man zuvor als instrumentalisierbaren Inbegriff des Schreckens ... erfunden hatte.







*Niemand Geringerer als Heimito von Doderer, ein Historiker im buchstäblichen Sinn, übrigens, nicht nur im metaphorischen als Schriftsteller, meint, daß aus seiner Beschäftigung damit allfällige Mißbräuche vor allem dort auftragen, wo persönliche Süppchen gekocht wurden, mit nicht seltem sexuellem Hintergrund.
**Internet, Twitter, social media sind deshalb als weitere Zuspitzung dieser Frage keineswegs "neutrale Möglichkeiten", sondern bewirken einen neuen, gewaltigen Protestantisierungsschub. Und zwar wie der Buchdruck durch die Natur ihres Selbstseins, keineswegs einfach durch "verbalisierte Inhalte". Darüber wurde hier schon eingehend gehandelt. Aber noch mehr als beim Buchdruck, wird dies - ein schweres Versäumnis, nicht nur der Kirche! - nicht gesehen oder ausreichend rezipiert.
***Auch die Geschichte von der sogenannten "Päpstin Johanna" entstand in diesem Umkreis. Übrigens mit einer Motivation, die heutige Motive, diese Geschichte aufzugriffen, grotesk erscheinen läßt: Diese erfundene Geschichte sollte nämlich die Kirche deshalb desavouieren, unglaubwürdig machen, weil sie zeigen sollte, daß die Kirche so schlecht war, daß sogar Frauen den Papstthron erlangen konnten.
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Freitag, 27. Februar 2015

Geschichte der Geschichte der Inquisition (1)

Nach wie vor sind im britischen Raum historische Einblicke ihrer Objektivität und oft vor allem ihrer globalen Betrachtungsweise von auffallend höherer Qualität als solche aus dem hiesigen Sprachraum. Zumal heute. Dieser BBC-Bericht aus der Reihe "Timewatch" behandelt die spanische Inquisition, die im Volksmythos zum Inbegriff des Bösen in der Kirche, ja DER Kirche geworden ist. Nichts ist aber ferner von der historischen Wahrheit. Und es ist empfehlenswert, diese nüchternere, faktenorientierte Aufarbeitung des Themas zu sehen, das die geläufigen Meinungen zu dem Thema als Unsinn entlarvt. Sodaß selbst die hier angegebenen 3-5000 Opfer in Spanien während ihrer Dauer über 350 Jahre als Schätzung zu hoch gegriffen sein dürfte. Fazit des Films: Nirgendwo in Europa brannten WENIGER Scheiterhaufen mit Ketzern (darunter nur wenige, schließlich ja gar keine Hexen mehr), als in Spanien, und nirgendwo war die Stellung von Abweichlern im Glauben eines Landes rechtlich besser. Und das ist ein Verdienst ... der Inquisition. 

Und dennoch hat sie ein unausrottbares Image als Inbegriff von religiösem Fanatismus und grausamer Bösartigkeit. Während über die weit schlimmeren Zustände im restlichen Europa, das über denselben Zeitraum gerechnet an die 150.000 Glaubensabweicher (und Hexen) verbrannte bzw. exekutierte, niemand mehr spricht. Die historische Wahrheit scheint nach wie vor niemanden zu interessieren, nach wie vor werden Filme etwa produziert, an deren Machern historische Fakten spurlos vorbeigegangen sind, die lediglich den völlig falschen und vielfach instrumentalisierten Mythos davon aber perpetuieren. Wie kam es dazu?

1469 erfolgte erstmals seit der Zeit der Römer die Einigung Spaniens durch Heirat Ferdinands von Aragon mit Isabella von Kastilien. Aber es war damals allen klar, daß es eine politische Union auf Dauer nur geben könne, wenn auch die Religion des Volkes einheitlich war. Deshalb wurde 1480 eine Institution geschaffen, die diese Klärung auf einen Glauben, das Christentum, beobachten sollte - die Inquisitionsbehörde. Ganz Europa gratulierte Spanien zu dieser modernen Einrichtung, denn ganz Europa war derselben Ansicht wie Praxis, aber nirgendwo war das Vorgehen gegen Ketzer so fortschrittlich-human geregelt.

Daß sich auch viele Juden (denen anders die Ausweisung drohte) recht pragmatisch arrangiert hatten, weil sie anders wenig Aussicht auf gesellschaftliche hohe Positionen hatten, wurde mit zunehmendem (und gewiß nicht einfach unberechtigtem) Mißtrauen beobachtet. Mit dem Aufkommen des Protestantismus aber drohte eine dramatische Spaltung, wie sich an Deutschland sehen ließ, die auch dort direkte politische Auswirkungen hatte, welcher Umstand ja der Verbreitung des Protestantismus durch Hilfe der Fürsten nicht unbedingt hinderlich war. Sieht man von den beträchtlichen materiellen Gewinnen ab, die die durch die Ausschaltung der Kirche mögliche Konfiskation von Kirchengütern (die der Kirche aus genau umgekehrten Gründen ja dereinst zugewachsen waren: weil nur durch die Kirche eine Verwaltung, eine Kulturisierung des Landes möglich war, wozu sie auch ihren materiellen Unterhalt leisten können mußte, also teilten die Fürsten und Könige ihr Land und Vermögen zu) den Landesherren einbrachte.

Es war zudem die von allen, vom Volk wie von der Kirche, erwartete Aufgabe als "Verteidiger des Glaubens", die die habsburgischen Kaiser, allen voran Karl V., dazu zwang, Maßnahmen gegen die Zersplitterung der Kirche zu setzen. Aber die Reformatoren waren höchst effizient in ihrer Protestantisierungskampagne - sie nutzen erstmals höchst effektiv das neu aufkommende Medium des Buchdrucks, das nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Buchdruck und Protestantismus bedingen einander regelrecht.** Erstmals waren ganz neue, höchst effiziente Methoden der Propaganda zur Beeinflussung von Meinungen im Volk möglich. Im Grunde also: ein heimtückischer Weg einer indirekten, heimlichen Auseinandersetzung über Ideen, der das damaligen Empfinden von Ritterlichkeit, als Ethik der Auseinandersetzhung mit offenem Visier, aushebelte, und sei es mit Verleumdung. So verhielt sich kein Mensch mit Ehre und Ritterlichkeit.

Der Protestantismus, der sich vor allem in deutschen Gefielden rasend schnell ausbreitete, erkannte Spanien und die Habsburger als Bollwerk gegen seine Ausbreitung. Was eignete sich da besser als Spanien, seine Inquisition und den Katholizismus gleich mit zu dämonisieren? Mythen wurden in die Welt gesetzt, die klare Verleumdungen waren.*** Auch über die Inquisition, wie 1567 von unbekannter Hand unter dem Pseudonym Montanus. Auf diese rasch und weltweit verbreitete Schrift geht das heutige Bild der spanischen Inquisition, aber auch das Bild des Spanien seit der beginnenden Neuzeit zurück. Als Hort der Gier, des Neides, der Intoleranz, ja des Terrors und der Grausamkeit.



Morgen Teil 2) Propaganda ändert den Geschichtslauf eines Kontinents + Der BBC-Film




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Dienstag, 13. Januar 2015

Eine Linie: Überwachung - Mißbrauch - Folter (2)


Teil 2) Bis sich Amerika in Afghanistan 
sogar mit selbst gelieferten Raketen abschießen ließ




Die Untat, die bei der Folter begangen wird, überschreitet deshalb jeden fiktiven Schaden, wie er durch mögliche weitere Untaten (Attentate etwa) des Gefolterten und seiner Komplizen oder Gesinnungsgenossen entstehen könnte. Denn sie richtet weit tieferen, weitreichenderen Schaden an, der sich eines Tages auch sehr konkret äußern wird. Sie zerbricht das Insgesamt der Welt, damit auch das, was man Frieden nennt, um eines berechenbaren, kurzfristigen Effektes willen. 

Folter unterscheidet sich also auch sehr grundlegend von der bloßen Zufügung von Schmerz, etwa aus Haß, oder sogar aus ungeordneten Neigungen. Hier wird leider viel zu wenig unterschieden, weil der Gegenwart SCHMERZ das Problem scheint. Aber das ist es nicht. Jemanden schlecht zu behandlen, ihn zu schlagen, Gefangenen wenig zu essen zu geben, ihnen ihr Leben zu erschweren, was auch immer - solange es identifizierbar bleibt, die personale Integrität des anderen nicht nur respektiert, sondern genau dadurch respektiert, weil es ohne sie wirkungslos wäre, und sei es, weil der Peiniger etwas "zurückzahlen" will - unterscheidet sich kategorial von Folter, auch wenn sich im Äußeren oft wenig Unterscheid zu zeigen scheint. Folter zielt auf die personale Desintegration eines Menschen ab, und das ist ihr Verbrechen.

Daß deshalb auch der nun an die Öffentlichkeit gelangte Bericht über die Folterpraktiken der amerikanischen Geheimdienste nach 9/11 attestiert, daß die Verhörpraktiken keinerlei brauchbare "Ergebnisse" weil Erkenntnisse brachte, liegt in der Natur der Sache. Folter KANN gar nicht der Wahrheit dienen. Ihre Ergebnisse sind keineswegs sicherer als die bloße logische Deduktion! Denn dem Gefolterten kann gar nicht geglaubt werden. Weshalb es Lüge, wenn nicht Ausweis amerikanischer Dummheit ist, manche angeblich verhinderte Anschläge, oder die Ergreifung von Osama bin Laden (sowieso ein eigenes Kapitel der Fragwürdigkeiten, man sehe dazu den TV-Bericht von Scholl-Latour), die lediglich Propaganda-Element war und ist, den Folterpraktiken zuzuschreiben.






Nicht anders, als dieselbe USA, aber natürlich immer schon auch Deutschland, England, etc., ihren Bürgern angedeihen lassen, die um möglicher Verhinderung von Verbrechen willen alles überwachen, was ihnen unter die Finger kommt. Womit Staaten, Politiker, zu Verbrechern werden, denn die Totalüberwachung IST ein Verbrechen, weil es zumindest Verbrechen vorbereitet. Sodaß schon der Versuch, sich der Überwachung zu entziehen, zum Verdachtsmoment wird, der weitere Maßnahmen der Entwürdigung des anderen - damit: nicht mehr Mensch, er gehört nicht mehr der Gemeinschaft der eigentlichen Freien an, die unter dem Recht stehen - legitimiert.

Daß solche Länder sich tatsächlich noch erdreisten, das Wort vom "Menschrecht", von der "Menschenwürde", von der "Freiheit" noch im Mund zu führen, ist alleine schon eine der lautesten Grotesken der Gegenwart. Sie haben nicht einmal den Mut, sich zu dem zu bekennen, was sie im angerufenen Namen des Guten sind und anrichten. Kein primitiver Stamm im Amazonas wäre zu solch einer Bestialität fähig. Der im Namen der Gottebenbildlichkeit dem Menschen allmählich geboten scheint, sich dagegen zu erheben.

Wer den islamistischen Terror noch nie unter diesem Gesichtspunkt gesehen hat, hat ein sehr reales Wirklichkeitsproblem. Gerade damit der Katholik, der den Islamismus, den Anti-Amerikanismus, ja den Anti-Westen-Effekt weiter Teile der Welt - als tief ontologisch begründete Erscheinung - nicht wenigstens prinzipiell verstehen kann.

Sehen Sie, zur Abrundung des Gesagten, einen Bericht des + Peter Scholl-Latour, über Islamismus und amerikanischem Kampf gegen den Terror.Amerika ließ sich in Afghanistan sogar mit den Taliban selbst gelieferten Raketen abschießen. Im übrigen war fast alles, was offiziell erzählt wurde, eine Lüge, um die Folter zu rechtfertigen. Geneigter Leser, dre Sie mir wieder einmal bis an diesen Punkt gefolgt sind: Können Sie sich vorstellen, was in Menschen, ja einem Volk abgeht, das sich mit solchen Lügen, die jedem eigengefaßten Augenschein widersprechen, konfrontiert sieht? Was sollen diese Länder, diese Völker, diese Menschen über den Westen (und über das Christentum, in dessen Namen die USA sogar zum Kreuzzug ausziehen) denken? Wenn der Hauptfeind der Amerikaner - die "Al Kaida" als Bedrohung - in diesen Ländern, die nun mit bomben und Raketen niedergenagelt wurden, nicht einmal bekannt war? Haben wir es hier nicht mit einem unfaßbaren Spektakel zu tun, mit dem regelrecht Verrückte die Welt überziehen?

Der VdZ hat so manche Menschen der Erde kennengelernt. Aber genau daraus hat er eine tiefe Erfahrung gemacht, die ihm vom Wesen des Menschen so viel erzählt hat: Daß nämlich die Vernunft überall auf der Welt die gleiche ist. NICHT aber der Verstand, die Sprechweise, die Lesart. Aber das Menschsein selbst, das ist gleich, überall, auf allen Erdteilen, in allen Kontinenten und Ländern, und sogar - in allen Religionen, wenn auch genau deshalb alle Religionen ihr Problem haben, weil sie einen Vernunftschaden haben, weil ihnen die personalisierte Vernunft, Jesus Christus, der Boden aller Vernunft, fehlt. So "extrem" manche zu denken scheinen, oder so extrem sie dargestellt werden. Es geht um die Vernunft! Und hier erfährt der VdZ vieles im Westen, in den USA, als Versuch, die Menschheit für dumm zu verkaufen. Nicht mangels Rationalität! Sondern mangels Vernunft. Weil mangels Sittlichkeit.







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