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Sonntag, 27. November 2022

Den Blick aufs Gute gerichtet

Wenn es mir nicht gut geht und ich nciht schlafen kann, dann zähle ich das, womit ich gesegnet bin - anstelle von Schafen.
When I'm worried and I can't sleep, I count my blessings instead of sheep. And I fall asleep counting my blessings. 
When my bankroll is getting small, I think when I had none at all. And I fall asleep counting my blessings
Man kann tatsächlich nicht genug davor warnen, sich an die Betrachtungen des Schlechten, Negativen zu binden. Es erkennen, es anschauen, ja es genau anschauenn- ja, das ist notwendig. Aber darüber hinaus zählt doch die (sehr thomistisch zu stellende) Frage, wie es dann aber sein kann, daß es die Welt überhaupt NOCH GIBT. 

Es muß also für Gott etwas geben, das es ihm wert erscheine läßt, sein Sein weiterhin an die Menschen mitzuteilen. Und das tut er tatsächlich - und er tut es in seinem realen Erscheinen unter uns Menschen. In jeder Heiligen Messe, in den Schönheiten er Kunst, in den Getragenheiten durch reales, fleischliches, blutvolles Leben. 

Sonntag, 3. Juli 2022

Was sich unterscheidet

Das Wort des Augustinus soll hier stehen, und nciht mehr weite rkommentiert werden, es spricht für sich. Es zeigt darin einen wesentlichen Grundirrtum in den Annahmen über die Welt selbst. , in dem wir leben. Nicht die Sonne - die am Vierten  (!) Tag geschaffen wurde - gibt das Licht, durch das wir sehen, sondern sie ist WEGEN des Lichts, ist Analogon zum wahren Licht der Schöpfung, diesem Anfang aller Welt. Und ihre Aufgabe ist nicht die Erhellung des Geistes, sondern ein Glied in der Kette einer Schöpfung, in der alles mit allem zusammenhängt, und alles einander zur Nahrung dient, um im Gastmahl mit Gott ein ohnendliches Lob anzustimmen.

Oh, da spürt man das Knirschen im Gebälk des so übergescheiten Menschen des 21. Jahrhunderts, angesichts einer Denkweise, die alles auf den Kopf stellt, was ihm Gewißheit scheint. Die wie ein Mühlstein um einenhals liegt, und ihn ins Nichts zieht. Sodaßnur eine Frage gilt: Was erwartet sich diese Mensch? Geh und verschwinde, heißt es in der dazugehörigen Tageslesung aus dem Buch Amos. Der dem Volk etwas höchst Unangenehmes sagt: Daß es auf dem Kopf steht, und deshalb das Land verlieren und in der Versklavung enden wird. Geh, verschwinde mit diesem Denken, sagt ihm der König Jerobeam, und sondere Deine Miesepeterei gefälligst woanders ab. 

Montag, 28. März 2022

Man denkt sich, weil man gedacht wurde (Aktualisierte Fassung)

Sie finden hier die Überarbeitung und Erweiterung eines Beitrags aus 2015. Dessen Gedanken ich für recht aktuell und von hoher Wichtigkeit einschätze, sodaß ich mir erlaube, ihn in neuer Form noch einmal vorzusetzen.

Wenn es Leute gibt, schreibt Franz von Baader einmal, die behaupten, sie wüßten vom Absoluten nichts, so ist die Frage, ob man ihnen trauen und glauben darf, sei es daß sie bewußt die Unwahrheit reden, sei es daß sie ihre eigenen Gedanken nicht verstehen, sei es daß sie bis zum Zustande der Verwilderung entartet sind. Denn die Grade der Klarheit des Beuwßtseins sind unendlich und es kann in einem Ich ein so geringer Grad vorhanden sein, daß der Gedanke des Unendlichen nur noch als dumpfe Ahnung vorhanden ist.

In irgendeiner Form aber ist der Gedanke des Unendlichen im Ich immer vorhanden, und verschwände der letzte Rest  der Ahnung desselben, so müßte das Bewußtsein selbst verschwinden.

Denn das Ich kann sich seiner selbst nur bewußt werden, wenn es sich als begrenzt erfährt. Es kann sich aber nur als begrenzt erfahren, wenn es (in logischer Folge, in der die Weltdinge wie eine Rampe vorzustellen sind) zuvor das Unbegrenzte erfährt. So, wie es aber auch das Unbegrenzte nur weiß, weil es das Begrenzte weiß. Zeitlich gleichzeitig, logisch aber in Hierarchie, weil ein sich selbst erfassendes Ich nur in der Struktur eines überhaupt sich damit absoluten selbsterfassenden Ich möglich ist.

Montag, 17. Mai 2021

Wissen durch Gewißheit

Wenn wir darüber sprechen, woher wir was wissen, und wie es abzuleiten wäre, was das denn wäre - das Gewußte, das somit in einer gewissen Gewißheit über die Wahrheit als Eigenschaft der uns umgebenden Welt steht, dann gibt es dafür keine Her- und Ableitung. Sondern das Wissen gehört zu den nicht mehr hinterfragbaren Tatsachen des Menschen. Zu denen, wie schon Aristoteles sagt, und worauf auch Thomas von Aquin sich bezieht, Dinge gehören, die "einfach so sind". Die weiter zu hinterfragen keinen Sinn hat, weil es uns nicht mehr hinterfragbar ist. Wie die Tatsache, DASZ ES ETWAS GIBT. DASZ ETWAS IST. DASZ ETWAS ES SELBST IST. Sie wissen, werter Leser, diese berühmten ersten drei Sätze, die man dann Syndeiresis nennt. Zumalen sie alle Menschen auf der ganzen Welt in gleicher Weise haben und kennzeichnen. 

Somit ist auch das Wissen nicht aus Wissenschaft oder Gelehrtentum oder Vertrauen oder Autorität ableitbar. (Von den wie eine Feder auf den Hut gesteckten Wissensdingen, die sich auf Diktat beziehen, wollen wir hier natürlich gar nicht reden, zu widerlich sind sie.) Es ist auch nicht in erster Linie aus einer Beziehung zu Menschen, also sozial ableitbar. Es ist nur beschreibbar, und seine Bedingungen sind nur aus der Erfahrung, aus der Beobachtung ableitbar. So wie die Tatsache, daß das Wissen aus jenem Licht stammen muß, das uns gegeben ist, um eben die Welt ZU SEHEN. 

Donnerstag, 7. Mai 2020

Warum etwas warm ist

(Ein erstes Ans-Licht-holen als erster Versuch.) Es gibt nur eine Quelle von Wärme, und das ist das Feuer. Wie in der Sonne, und wie man annimmt: in der Erde, wie in jedem Himmelskörper. Darauf schließt man aus der Tatsache, daß man je tiefer man bohrt, es umso wärmer wird. Wobei nicht übersehen werden sollte, daß die Menschheit noch nie tiefer gebohrt hat als rund 13.000 Meter. Im Verhältnis zum Durchmesser der Erde lächerlich wenig. Der zweite Grund, warum man darauf schließt, ist die heiße Magma, die bei Vulkanen austritt. Das sei nur vorausgeschickt.

Was ist aber beobachtbar? Daß sich alles erwärmt, was der Sonne ausgesetzt ist. Die Sonnenstrahlung, also das Licht, wird in zwei gleichzeitig auftretenden Phänomenen klassifiziert. Licht ist einerseits eine Welle, anderseits ein Massentransport. Was es ist, weiß man nicht, Lichtstrahlen weisen beide Eigenschaften auf, je nachdem, wie man sie ansieht beziehungsweise mißt.

Nächste Voraussetzung ist, daß man seit Newton als Naturkonstante eine "Gravitation" annimmt. Das heißt, daß man eine Anziehungskraft der Masse annimmt. Die sich freilich nicht bestätigt. Zwar ist ein Zueinander von Körpern beobachtbar, aber das kann mit Masse (als Ursprungs-Qualität, also erstursächlich) nichts zu tun haben.

Die Quantenphysik zeigt, daß es so etwas wie eine "Masse", also eine "Materie", gar nicht gibt. Alles löst sich in Bewegung, in energetische Felder auf, und das nur, wenn und so weit und so lange es in Beziehung steht. Dann ist es als "etwas" erkennbar und definierbar.

Es gibt kein "Atom" als Urmasse, als etwas, das "ein Ding" ist. Es ist ein Ort, nicht mehr. Es ist ein Energieschwingen, als wesenhaftes Zueinander von Orten, die in diesem Zueinander in Bewegung stehen, sich verhalten, und insofern Energiezustände haben. 

Der VdZ glaubt (und es ist ein Glaube weil eine Prämisse) deshalb nicht an eine "Gravitation", von der kein Wissenschaftler noch je sagen konnte, was sie sein soll, denn jene "Materie", die anziehen solle, gibt es gar nicht, Materie ist im letzten keine Materie. Es ist ein Zueinander von Gestalten, ja, und insofern "allgemeines Gesetz", als meist zu beobachtendes Verhalten von Dingen, das zu bestimmten Eigenschaften in Beziehung steht, aber keine Naturkonstante, die mechanistisch über allem liegt. Und geht man nach dem Astrophysiker Unzicker, so lassen sich im Weltall genügend Phänomene beobachten, die der Gravitationstheorie widersprechen. Vorausgesetzt, man nimmt sie nicht als Erkenntnis-Prae-Formierende (Postulat) des Beobachters an. Denn man sieht ja nur, was man "sehen will", und kann, da muß man nicht erst Kant bemühen. Der Dumme sieht auch in den gescheitesten Büchern oder Aussagen buchstäblich "nichts".

Licht hat die Eigenschaft, den Gegenstand, den es bescheint, in Schwingungen zu versetzen. Damit wird das Eigensein eines Dings, eines Stoffes aktiviert. Licht. Erkenntnis. Wahrheit. Wo kein Licht hinkommt, dort ist es kalt. Die Pole zeigen es genau so, wie die Tiefen der Meere. Wäre die Erdoberfläche wirklich warm, dann wäre es in den tiefen Ozeanen auch warm. Aber - es wird kälter, je ferner die Wasser dem Licht sind, je tiefer man mißt. Bis zum für Wasser überhaupt möglichen Punkt, es würde sonst in Eis erstarren. Wir wissen, das Wasser sich nicht so verhält. Es geht nicht unter vier Grad Celsius, schließt man es vom Licht aus.

Deshalb ist es im Weltall sehr sehr kalt. Warum? Dort würden doch auch die Strahlen der Sonne herumfleuchen und -kreuchen? Eben. Das Licht ist nicht aus sich heraus "warm". Warm ist nur ein Gegenstand, der beschienen wird. Lichtstrahlen an sich sind nie "warm". Warm ist nur ein Gegenstand, der je nachdem in welchen Bereichen von Licht beschienen wird, und damit zu schwingen beginnt. In Eigenfrequenz. Im Maß seines Eigenkönnens. Im Maß seines Eigen-Sein-Wollens. 

Im Fall des "Laser" etwa, weil er von besonders viel Licht (weil gebündelt) beschienen wird. Gegen seine naturgemäße Sendung. Darum zerstört der Laserstrahl auch. Wie beim Krebs, werden die Einzelteile in wesensfremde Schwingung versetzt. Denn Wesen hat mit Ort, also mit dem Insgesamt zu tun, in dem ein Ding (ein Molekül, was auch immer) steht.

Das bedeutet, daß durch die Sonne der Erde keine irgendwie material zu nennende "Energie" zugeführt wird. Sondern das Licht regt die Eigenenergie der Erde an, um sich dann - bestenfalls - der mitgeführten Masse zu bedienen. Damit ist auch klar, daß die Energiesumme der Erde immer GLEICH bleiben muß. (Das entspricht auch dem zweiten thermodynamischen Grundgesetz.) Nur, wenn die innere (geistige) Potenz der Erde steigt (Mensch), vermag er - via vertikale Aufsplitterung, weg von der Materie, hin zum nicht materialen Geist - die Gesamtmanövriermasse der Erde erhöhen. Ohne daß sich deren "Materiegewicht" erhöht. Das einzige, was sich ändert, ist ihr Energieverhalten. Verhalten, nicht "Verbrauch". (Denn Energie ist immer nur Umwandlung der einen Form in eine andere Form von Energie.)



Freitag, 17. Januar 2020

Unsinn Energieeffizienz

Wohin separiertes, eingeschränktes, arbeitsteilig-fragmentiertes "Fachdenken" führen kann, zeigt das berühmte Beispiel der Glühbirnen. Irgendeinem Technokraten in Brüssel fiel es unangenehm auf, daß bei herkömmlichen Glühbirnen - die eigentlich Heizspiralen betreiben, deren Nebenausbeute Licht ist - nur fünf Prozent der eingesetzten Energie auch als Licht wieder herauskam. 95 Prozent wurden als "Verlust" durch Wärmeabstrahlung angesehen. 

Die Folgen sind bekannt: Glühbirnen wurden verboten, und durch ökologisch aberwitzige Energiesparapparate oder LED-Lampen ersetzt, beide noch dazu schädigend fürs Augenlicht. Eine weitere Folge davon aber war noch gravierender: Die nunmehr den Lichtquellen fehlende Wärmeabstrahlung, mit dem wunderbaren Zusammenhang, daß das Licht umso mehr dann gebraucht wird, wenn die Außentemperaturen auch niedriger sind (nachts, oder winters), muß nun durch zusätzliche Heizungsleistung ergänzt werden. Selbst wenn man also in CO2-Kategorien denke (was immer man davon halten mag), ist die Umweltschutzmaßnahme ins völlige Gegenteil gekippt. Insgesamt stieg der Energieverbrauch, auch durch den hohen Aufwand, den die Herstellung solcher Energiesparlampen bedeuten. Die Lampen waren nun zwar "energieeffizient". aber die Menge der umgewandelten (vulgo "verbrauchten") Energie gestiegen.

Das Beispiel ist deshalb gut geeignet, weil natürlich davon ausgegangen werden kann, daß hierbei spezielle Sonderinteressen bestimmter Industrien eine maßgebliche Rolle spielten. Die Wahrheit ist, daß in den allermeisten Fällen Glühbirnen energietechnisch weit sinnvoller sind als etwa LED-Lampen. Die meinetwegen in einem Kühlraum Sinn haben. Aber praktisch gar nicht in Wohnräumen. Es muß also jedem frei bleiben, welche Lösung er wählt, sie ist immer sehr spezifisch. Dennoch muß die Allgemeinheit die Kosten für ein verfehltes arbeitsteilig-fachverengtes, verallgemeinertes Denken tragen.

Das Effizienzdenken, schreibt Jürgen Weigl, ist immer das Denken "ich will alles für mich," und erzwinge das möglichst auch vom anderen. Mit Nutznießern, selbstverständlich. Es bedeutet aber immer eine Einschränkung auf einen Teilaspekt, der nie das Ganze sieht und berücksichtigt. Die Kosten trägt der Bürger. Diesem Effizienzdenken steht sein schlichter Spargedanke gegenüber. Der auf einem viel umfassenderen, dem Mitfühlen entstammenden "Leben und leben lassen" beruht und dem Individuum überlassen bleiben muß, weil er immer individuelle Form hat. Er braucht Wahlfreiheit, in denen er sein Wissen anwendet, nicht normierte Gedanken, wie sie immer üblicher werden. So daß wir es heute schon weit mehr mit normierten Meinungen, aber nicht mit Wissen zu tun haben.

Gewinn und Verlust aus Energieumwandlungsprozessen sind immer das Resultat von subjektiven Meinungen und Nutzen, die eine Entscheidung von gut und böse voraussetzen. Denn einen "Verlust" von Energie gibt es nicht, sie wird immer verwandelt, nicht "verbraucht". Von Verlusten spricht man aber, wenn ein bestimmter Effekt nicht direkt gefördert wird. Ob sie das aber im Ganzen gesehen sind hängt von weit mehr Umständen ab.

Und doch hat die Effizienz eine große Bedeutung, aber in anderer Hinsicht. Dann nämlich, wenn wir zum Beispiel riesige Mengen Sonneneinstrahlung - die einzige Energiezufuhr, die die Erde genießt - zur Gänze über einer bestimmten Fläche abfangen, davon nur einen kleinen Teil (wegen geringer Effizienz) in Strom umwandeln, und den Rest, in Wärme umgewandelt, ungenützt wieder in die Atmosphäre abstrahlen, damit aber dem Boden entziehen. So fehlt diese Energie den übrigen Naturbereichen, die regelrecht verhungern. Und das könnte Auswirkungen haben, von denen wir heute noch nicht einmal träumen. Es sind aber Albträume.

Sparsamkeit heißt, daß die ankommende Energie (die letztlich immer von der Sonne kommt) in allen Formen, in die sie umgewandelt wird, möglichst viel Arbeit und damit Nutzen ermöglicht. Als Abwärme siehe oben etwa, oder für die Lebewesen im Boden. Das geschieht aber bei Solarpanelen zum Beispiel nicht. Die zwar extrem viel, ja in ihrem Bereich sämtliche Energie den Lebenskreisläufen der Erde durch Abfangen entziehen, diese Energie aber nur zu geringem Grad nützlich umwandeln, und mit dem Rest wie riesige Konvektoren die Luft heizen, diese somit sinnlos nach oben und zurück ins Weltall letztlich schicken, und so tatsächlich Energie verschwenden.




Samstag, 21. Dezember 2019

Es ist ein Ros entsprungen

Wo das Dunkel am tiefsten ist, wendet sich die Nacht zum Tage hin.
In die tiefste Dunkelheit hinein wird der Welt das Licht geboren.








Freitag, 13. Januar 2017

Licht vom Licht - Versuch über die Stufen der Hierarchie

Man kann sich den hierarchischen Aufbau der Schöpfung so vorstellen, daß ein universales, überhelles Licht sich nach unten hin in jeweils einer nächsten Stufe - dem Seienden, den "Dingen", dem, das "etwas ist"- wie durch ein Prisma bricht. Jede dieser nunmehr auseinanderfallenden Spektralfarben wird in einer nächsten Stufe, in der es weiter auf ein "etwas" trifft, von diesem neuerlich gebrochen. Das passiert in alle Richtungen und Ebenen, mit dem Zentralausgangspunkt des unendlichen, universalen Lichts, aus dem alles stammt, und in dem alles enthalten war und ist. Sein muß, beständig sein muß, weil es diese Farbenbrechung, die man als "Wesen" der Dinge bezeichnen könnte, nur gibt, solange dieses Zentrallicht besteht.

Jene Punkte, an denen sich das Licht bricht, sind Einheiten der Welt - Seiendes, das von seinem Wesen definiert wird. Was kein Wesen hat ist auch nicht, denn "was" sollte es auch sein? Dieses Wesen ist also die jeweilige gebrochene Lichtfacette. Und sie steht darin niemals nur für sich. 

Die Welt ist kein auseinandergefallenes Licht, ist keine bloß summative Sammlung von Atomen, sondern jedes dieser Teile enthält sein Bezüge auf die unmittelbare Umgebung, auf seine Herkunft, und auf das Ganze. Nichts kann also einfach nur "aus sich heraus seiend" begriffen werden, sondern in ihm zeigt sich indirekt zumindest weit mehr. Denn es ist Beziehung. Keine Spektralfarbe ist "aus sich", sondern - wie jeder Maler weiß - bezieht es sein Selbstsein untrennbar und "gleichzeitig" aus dem Umfeld, der Beziehung auf das Nächste und das Insgesamt. 

Das Beispiel, das der Verständlichkeit halber mit möglichst einfachen, alltäglichen Begriffen* zu arbeiten versucht, funktioniert übrigens auf gleiche Weise mit den Tönen, die in gewisser Weise sogar dem Licht vorausgehen, denn ohne Ton, ohne Schwingung gäbe es das Licht nicht, und was die Dinge formiert, also zu einem "Etwas" macht ist sogar zuerst der Ton. In ihm bricht sich dann das Licht bzw. führt es den Ton als "Schwingung", als Frequenz, als Rhythmus mit sich. Alles "das etwas ist" ist deshalb zuerst ein Hörendes. Was nicht hört kann nicht einmal leuchten, als brechen des Zentrallichts. Was sich nicht auf diesen Ton - nennen wir ihn: logos, Wort, als das was auf etwas hinzielt, sich auf etwas zu bewegt, Sinn - bezieht, und zwar laufend, also als Seinsmodus bezieht, fällt ins Nichts.   

In diesem Seiendsein (als ein "etwas das ist", weil und nur soweit es am Sein überhaupt, am Licht überhaupt teilhat) hat alles das "etwas ist" zwar ein gewisses Eigensein, aber nur, solange es im Begriff steht, der dieses "etwas das ist" als einen Bezugsknotenpunkt konstituiert wie faßt. Damit ist klar, daß alles immer nur bzw. auch  nur aus seinen Beziehungen² erkennbar sein kann.**

Alles Lichthafte ist somit nicht direkt erkennbar, sondern nur über seine Brechung, über die Dinge. In der Erkenntnis dieser Dinge kann der Erkennende (und das muß ein Subjekt sein, weil ein subjektiver Akt notwendig ist, um es zu erfassen, ein Entschluß, "in diesem Ton zu schwingen", der bei der Pflanze stumme Ausgerichtetheit nach dem Licht (über die Sonne), der beim Tier Instinkt, beim Menschen aber Wille als geistige Gerichtetheit ist) am Lichtspektrum im Erkannten teilhaben, um daraus indirekt am gesamten Licht teilzuhaben. 

Damit ist nachvollziehbar, daß es keine Gesamtheit der Schöpfung als "Einheit der Welt" geben kann, die diese Zueinanderordnung der Dinge, in der das jeweils Untere vom Oberen abhängt, das Obere auf das Untere aber ausgerichtet ist, sich in ihm nämlich seiner Selbst und seiner Mächtigkeit erfreuend, nicht beachtet. Diese Zueinandergeordnetheit (Hierarchie) ist damit überhaupt der Weg, in dem die Welt sein kann - oder ins Nichts fällt. 

Mit der Erkenntnis der Dinghaftigkeiten (dessen, was "etwas ist") wird also im Einzelnen, im Erkennenden das Zentrallicht angestrebt, und mit dem Wachsen der Erkenntnis (das zu einem Wachsen der Erkenntnis der Bezüglichkeiten wird) wird im Erkennenden das Zentrallicht "wirklich", indem er es immer mehr in dessen Gestus nachahmt, indem er dem Zentrallicht also ähnlich (analog) wird.

Die Stufen der Schöpfung lassen sich deshalb anhand dieser Disposition auf das Ganze, das Zentrale hin ordnen. Erst daraus läßt sich die Geistigkeit des Menschen auch erfassen, die auf das Lichthafte (als das eigentliche Wirkliche nämlich!) ausgerichtet ist. Bei allem Nicht-Menschlichen fehlt dieser geistige Impuls, und er ist dort in nur je beschränkterer Weise vorhanden, der etwa bei der Pflanze ganz von seiner Umgebung abhäng, beim Tier bereits etwas weiter zu sehen ist (und bis zur Intelligenz geht), um im Menschen den Gesamtgestus des Universalen zu fassen vermag. 

Der Mensch ist deshalb ja auch in der Lage, es sich überall auf der Erde einzurichten, und mit allem auf irgendeine Weise zurechtzukommen, wenn er genug Geist - logos, Sinn, Licht ... - in Analogie nachgebildet, also in seinem Existieren als und in der Welt realisiert hat. Und er kann dies kraft seiner Beziehungsbezogenheit, er kann dies kraft seiner Position innerhalb jener Hierarchie, in die hinein er gestellt ist, in die hinein er als logos-Analogie aus logos heraus geschaffen, gezeugt und geboren ist.

Das Maß des je individuellen Geistes des Menschen ist also zwar prinzipiell auf das Universale ausgerichtet, aber je nach seiner Stellung in dieser vom Licht ausgehenden, also Heiligen Ordnung kann er nicht nur ausschließlich je seine Facette, seine Farbe und Tönung realisieren, sondern gerade IN diesem Realisieren seines Ortes (denn er bzw. alles "was etwas ist" ist damit ja auch Ort, aus logos heraus), liegt seine Teilhabe am Universalen. In dieser Tönung liegt als Bezogenheit, in der jeder Teil vom Ganzen erzählt, seine Möglichkeit zur Teilhabe am Zentrallicht.




*Begriffe sind Verweise auf den logos und brauchen deshalb die Offenheit auf ihn hin, sonst werden sie tot und unbegreiflich, reine Verschubgegenstände in einer sinnentleerten Sprache. 

²Der Leser möge nur irgendeinen Gegenstand zur Hand nehmen, egal welchen, und ihn einmal aus dieser Warte betrachten. Sofort wird ihm klar werden, daß dieser scheinbar kleine, für sich stehende Gegenstand ein Gesamterzählung der Welt enthält, daß sein scheinbar so begrenzter Sinn - und wenn es nur ein Löffel oder ein Wörterbuch ist, das vor ihm liegt - auf all seinen Ebenen eine indirekte Erzählung der ganzen Welt ist. Daraus wird auch klar, daß es - Calderon zeigt es so schön in seinem "Großen Welttheater" - zwar eine hierarchisch-kulturelle Bezogenheit als Einordnung in "oben und unten" von allem gibt, und daß diese wesentlich ist, also nicht "zu vernachlässigen", daß sich daraus aber kein Unterschied der Würde der Menschen ableiten läßt, sondern im Gegenteil: daraus alle in derselben Würde stehen. Wenn man heute also von "Gleichberechtigung" u.ä. spricht, so ist im rechten Verständnis nur diese gleiche Würde gemeint, die aber NIEMALS die hierarchische Bezogenheit aufheben kann, sondern im Gegenteil: sie voraussetzt und sogar braucht. 

Wer eine Matroschka betrachtet, diese russische Puppenkonstruktion, wo in einer ununterbrochenen Kaskade eine je kleinere Puppe in einer je größeren steckt, kann eine Ahnung bekommen, was damit gemeint ist: Sie tragen alle das gleiche Bild, aber sie sind alle an ihrem "hierarchischen" Ort. Man kann eine Matroschka nicht beliebig zusammenbauen, sonst erhält man nicht das Ganze, das, worauf sich die jeweilige Größe der Teilpuppen bezieht und für dessen Gesamtheit es notwendig ist.

**Die Quantenphysik hat vor allem das gezeigt: Nichts, kein Teilchen ist "für sich", sondern es ist nur "actu", also nur als Aktives überhaupt, und darin von seiner Umgebung, seinen Bedingungen bedingt wie diese gleichermaßen bedingend. Das Newtonsche Konzept der Physik, in der alles als "für sich stehend" betrachtet und gemessen wird, ist mit der Quantenphysik nicht (oder  nur in einer gewissen Herabstufung, einer Art "reduktiven, in Dingheiten gefaßten Ding-Welt", vereinbar.





*101216*

Dienstag, 27. September 2016

Warum wir Abkühlung erwarten müssen

Wie die Auswirkungen sein werden ist nicht sicher vorhersagbar, aber daß die Sonnenaktivität in den nächsten Jahrzehnten dramatisch abnehmen wird, wird immer sicherer vorhersehbar. Eine Studiengruppe der Northumbria University unter Prof. Valentina Zharkowa hat dazu einen neuen Beitrag gleistet, indem sie nun schon über viele Jahre die Magnetfelder der Sonne untersucht und meint, allmählich Zusammenhänge zu erkennen.

Es wurden zwei Geschehenslinien des solaren Magnetismus erkennbar, die aus unterschiedlichen Tiefenschichten der Sonne stammen dürften, die aber miteinander korrespondieren. Indem sie sich entweder verstärken - was hohe solare Aktivität bedeutet - oder neutralisieren - was das Fehlen von Solaraktivität bedeutet. In bestimmten Phasen treffen diese Interferenzen auf eine Weise zusammen, in der sich die magnetische Wirkung dieser drei Zyklen der Sonne zur Gänze eliminiert. In letzter Zeit ist ja auffällig, daß es kaum noch Sonnenflecken gibt. Das trifft exakt mit dem momentan beobachteten Zyklenverhalten zusammen, dürfte also zusammenhängen.

Alles deutet also darauf hin, daß wir uns in dieser Phase äußerst schwachen Sonnenmagnetismus die Erde betreffend befinden. Und das könnte das sein, was bereits als "Maunder-Minimum" bekannt ist, und für die letzte neuzeitliche "kleine" Eiszeit im 17. Jhd. verantwortlich gemacht wird, in der die Gletscher auch in den Alpen stark wuchsen und etwa den Goldabbau in den Hohen Tauern zum Erliegen brachten. (Die damaligen aufgegebenen Stollen sind in den letzten Jahren durch Gletscherrückgang wieder aufgetaucht.) Aus bestimmten Gründen nimmt die Forschein aber an, daß es nur halb so lang dauern wird wie im 17. Jhd.

Wenn dem so ist, und die Forschungen deuten darauf hin, dann steht der Erde von 2020 bis 1053 eine Zeit deutlicher Abkühlung bevor. Denn geringe solarische Aktivität bedeutet, daß die Erde von Magnetfeldern der Sonne nur wenig umfaßt wird. Damit öffnet sich die irdische Atmosphäre der übrigen kosmischen Einstrahlung. Es kommt durch Ionisierungsprozesse zu vermehrter Wolken- und Niederschlagsbildung, und das führt zu kälterem und niederschlagsreicherem Wetter. Die hohe Sonnenaktivität der letzten drei jahrzehnte ist umgekehrt dafür verantwortlich, daß es im Verhältnis weniger Wolkenbildung gab. Sodaß die höhere Sonneneinstrahlung auch das Wetter der Erde in den zurückliegenden 30 Jahren êtwas wärmer (wenn auch regional sehr unterschiedlich) ausfallen ließ. (Die Zahl der Sonnentage ist dabei entscheidend, und sie ist regional sehr unterschiedlich. Sind sie an einem Ort gestiegen, stiegen auch die Temperaturen im Schnitt*. Mit der großen Schwierigkeit, daß die Verbauungsdichte so stark zunahm, sodaß Wärmeinseleffekte kaum überhaupt Aussagen über Temperaturen zulassen.) Die Indizien mehren sich, daß dieser Trend sich umkehrt.

Dabei könnte uns helfen, daß wir heute mehr Gase in der Atmosphäre haben, die die Wirkungen im Vergleich zum 17. Jhd. etwas abschwächen könnten. Freilich, sicher können wir uns diesbezüglich nicht sein. Es wird aber spannend.








*Wir weisen darauf hin, daß die Materie nur Materie ist, WEIL sie vom Licht angewegt dieses "imitiert", erst zu "etwas" macht - Materie, die es real nur als Dinghaftigkeit gibt, ist in gewisser Weise selbst (analog) "Licht", wie die Kernphysik weiß. Als dieses Selbstsein, das ein Schwingen "als" bestimmtes (spektral-partiales) Licht ist,  sondert alles Wärme ab, wenn es sich selbst vollzieht. Es ist also nicht die Wärme, die zuerst da ist, sondern das Licht, das Selbstsein, das ein Mit-sein und nur insoweit "Welt" ist.

So nebenbei: Die Genesis schreibt, daß die erste Tat der Schöpfung die der Schöpfung von Himmel und Erde war. Aber die Erde war wüst und formlos. Also schuf Gott DAS LICHT. Gott sah, daß es GUT war, trennte es von der Finsternis (die also nicht gut war), und nannte das Licht Tag, und die Finsternis Nacht. Dann trennte Gott das Wasser vom Land, indem er es unter die Feste stellte, trennte das Wasser in jenes unter wie in jenes ober der Feste, welch letztere er Himmel nannte. Nun, am dritten Tag, schuf er Land und Meer. Dann schuf er die Lebewesen zu laden wie zu Wasser. Und jetzt, jetzt erst, am VIERTEN TAG, schuf Gott die Sonne. Sie sollen ANZEIGEN, wann Tag und wann Nacht ist. Die Sonne sollte den Tag BEHERRSCHEN. Licht war aber VOR DER SONNE.

Manchmal hat man den Eindruck, daß man die Genesis noch nie genau gelesen hat, obwohl man sie zumindest zu Ostern jedes Jahr gehört hat.





*140816*

Sonntag, 31. Juli 2016

Alles ist nur, weil es korrespondiert

Was also das Licht "leistet" ist Anruf an alles Dinghafte zu sein, diesem erfaßten Lichtquant zu antworten - und zwar: durch Anähnlichung. Erst in dieser Anähnlichung empfängt es jene Kraft,  an der es nunmehr durch seine Realität Anteil hat, in der es selbst sein kann.*

Dieses Selbstsein (zu dem das gewissermaßen physikalische, emanierte Licht als tragender Finger Gottes, des Seins überhaupt, anwegen will) ist aber kein autonomistisches Selbstsein, ein Dingseinkönnen, das für sich möglich wäre. Sondern es ist nur in der Realität und als Realität in einem unüberschaubaren (und in seinen Möglichkeiten unendlichen weil historischen, in der Zeit je auseinandergefalteten) Beziehungsgeflecht zu sehen. Jedes Ding ist also nur Ding weil und insofern es in einer Bezogenheit steht, udn das heißt auch: Abhäüngigkeit. 

Denn die Schöpfung - alles, was Sein im Seienden hat, als Übernahme einer Ähnlichkeit mit dem Licht - strebt in seiner Tendenz zu einem Erhalt in seiner Gesamtheit und als Gesamtheit, und teilt einander den jeweils adäquaten Aspekt des Lichtes (analog, das heißt ähnlich, aber in einer je anderen Form, so wie Sonnenstraholen sich im Prisma - dessen "Geheimnis" seine Form, seine Lenkung der einfallenden Lichtstrahlen ist! - brechen und in Farben aufspalten) mit.

So ist einerseits die reale Schöpfung tatsächlich quantitativ-summativ, aber als endliche Schöpfung nicht unendlich, und doch ohnendlich weil potentiell ohnendlich. Das heißt, daß eine je aktuelle Präsenz der Dinge (die aber immer nur ein Durchgang in Aktivität ist, aus Vergangenheit in ein unbestimmbares Zukünftiges) zwar nur endlich sein kann (und schon gar in der Vergangenheitsbetrachtung, denn was wir sehen ist auch immer Vergangenheit), aber als Aktives (ohne das es nicht wäre) genau nicht in dieser Endlichkeit fixiert ist.

Unendlichkeit als Gegenwärtigseiendes** ist nur im (zeitlosen) Geist möglich, den man wie einen Anschluß des Endlichen ans Unendliche sehen könnte. Es ist deshalb nur dem Menschen möglich, der sich AUF der Schöpfung zu dieser Ohnendlichkeit (in der das Leben nicht aufhört) aufschwingen muß bzw. kann bzw. dazu gerufen ist.

Antwort aber kann nur etwas geben, sagt Thomas v. Aquin (s.th. bzw. d.v.), wenn es zuvor verschieden war, also ein "Proprium" - etwas Eigenes - hatte. Nur dann kann es sich angleichen.  Im letzten ist dieses Verschiedene nur dem Menschen möglich, weil er im (freien) Urteil auch DAGEGEN urteilen kann. Dinge, Tiere, Pflanzen können sich nicht DAGEGEN entscheiden, ihre Aktivität ist ausschließlich erleidend, sie sind nicht frei. Dinge, Pflanzen, Tiere sind als Entitäten (Seiende), die ihr Seiendsein erleiden, die gewissermaßen "an sich selbst leiden", und NUR insofern können sie sein. Der Mensch kann auch nicht-sein (im Irrtum) oder nicht-sein-wollen (in der bösen Tat).

Der Mensch kann und muß (!) sich zum Licht verhalten, er kann gar nicht ohne Antwort bleiben. Sodaß es (immer) an ihm liegt, die Welt ins Sein und sogar in die Ohnendlichkeit zu führen (in Anähnlichung, NICHT aus eigener originärer Schaffenskraft!) - oder nicht. Und er kann es tun durch Suchen der Wahrheit, die also als dynamischer (personaler) Prozeß, als Aktivität verstanden werden muß. Sie IST nicht einfach eine "gedankliche Richtigkeit", auch wenn sie damit zu tun hat, sich darin ausdrückt.***

Zugleich wird deutlich, daß die Freiheitserfahrung wie -realisierung direkt an eine personale Begegnung mit der Welt (und deren Sein als gespiegeltes, schattenhaftes, unverfügbares Sein in ihr) gekoppelt ist.



*Man täuscht sich also sehr leicht, wenn man meint, daß die Sonnenstrahlen die Energie "für" den offenen Blumenkelch HABE, der sie auffange und DAVON zehre. In Wahrheit tanzt das Ding (die Blume in dem Fall) mit dem Sonnenstrahl den Tanz des Selbstseins, und hat in der Antwort die ihm aufnehmbare Kraft, weil es an ihrem Wirklichsein nun teilhaben kann, so lange der Sonnenstrahl das auch will. Wir dürfen uns die Welt und die Dinge also nicht einfach wie eine Billardkugel und einen Queue vorstellen, sondern als Aktivität und Zuneigung ZWEIER Seiten - korrespondierend! Und es korrespondiert NUR ALS GESTALT und IN GESTALT.

Simples (und gewiß mangelhaftes) Beispiel, um es ein wenig anschaulicher zu machen: Eien Maschine zerfällt, wenn sie nicht die ihr adäquate Antwort gibt. Zugleich ist sie ein Beispeil dafür, was dem Menschen möglich ist: denn er kann durchaus eine Art "zweiter Welt" schaffen. Aber er kann es nur, in dem er auf Dinge zurückgreift, die in ihrer primordialen Art auf die erste Wirklichkeit - Sonne, Licht - zurückgeht. Die Maschine ist auf eine Weise Menschenwerk, transzendierte Urdynamik sozusagen. Aber sie ist in allem von der ersten Wirklichkeit abhängig, in allen ihren Teilen. Ohne göttliches Wissen keine Idee, ohne primordiale Welt (der "Rohstoffe", sagen wir es so) keine Maschinenteile.

**Gegenwart ist ja ein Paradoxon: Denn genau das Gegenwärtigsein hat kein konkretes Seiendes, sondern IST Konkretion im Übergang von Vergangenem zum Zukünftigen. So ist zwar alles nur, weil es gegenwärtig ist, aber in diesem gegenwärtig sein ist es nie real - und doch nur darin real. Alles ist also nur in Aktivität (actu) real. Als käme es in gewisser Hinsicht nur auf diese Antwort an, um real zu sein, nicht auf ein manifestes reales Dingsein, das nie statisch gedacht werden kann. (Statisch ist nur das Tote, und nicht einmal das, denn es zerfällt, überläßt man es dem Selbstsein.)

***Vielleicht kann man es so ausdrücken: Es GIBT zwar (potentiell) "richtiges Denken", aber das gibt es nur in personaler Teiladäquation an eine Teilwahrheit. Für eine Gesamtwahrheit, die alle Dinge in rechte Ordnung stellen kann (wozu ein unendlicher Intellekt nötig wäre; wer Wahrheit "denken" will, rational denken will, wird auf Unendlichkeit bzw. Unerschöpflichkeit und Ungenügendheit stoßen; hier wäre nur noch die Poesie, die Kunst als Darstellungsmedium möglich), reicht es nicht aus. "Richtiges Denken" versagt also unmittelbar an ihren Rändern - in den Bezügen und Beziehungen der Dinge. Deshalb ist die Frage nach dem "richtigen Denken" (in der Wahrheit bzw. mit diesem Anspruch) eine ganz konkrete, je individuelle Frage der Gestaltung der Beziehung eines Menschen zu Gott (denn AUS dieser Beziehung austreten kann er sowieso nicht.) Aus diesem Grund findet sich in der Art, wie jemand denkt, was er spricht, sagt, welche "Richtigkeiten" in seinem Denken zu finden sind und wie er damit umgeht, auch ganz konkret eine Art lexikalischer Niederschrift und Matrix seiner Verhältnisgestaltung zu Gott und über sich selbst.




*090616*

Sonntag, 13. September 2015

Liturgie als Einbruch des Lichts in die Welt

Sehr schöne, sehr fundamentale, das Wesen des Katholischen, ja der Erlösung, das die in der Kirche so reale Inkarnation Gottes ausgezeichnet erfassende Aussagen in einem Video aus St. Afra, den Institut Philipp Neri in Berlin.








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Sonntag, 15. Februar 2015

Man denkt sich, weil man gedacht wurde

Wenn es Leute gibt, schreibt Franz von Baader einmal, die behaupten, sie wüßten vom Absoluten nichts, so ist die Frage, ob man ihnen trauen und glauben darf, sei es daß sie bewußt die Unwahrheit reden, sei es daß sie ihre eigenen Gedanken nicht verstehen, sei es daß sie bis zum Zustande der Verwilderung entartet sind. Denn die Grade der Klarheit des Beuwßtseins sind unendlich und es kann in einem Ich ein so geringer Grad vorhanden sein, daß der Gedanke des Unendlichen nur noch als dumpfe Ahnung vorhanden ist. 

In irgendeiner Form aber ist der Gedanke des Unendlichen im Ich immer vorhanden, und verschwände der letzte Rest  der Ahnung desselben, so müßte das Bewußtsein selbst verschwinden.

Denn das Ich kann sich seiner selbst nur bewußt werden, wenn es sich als begrenzt erfährt. Es kann sich aber nur als begrenzt erfahren, wenn es (in logischer Folge, in der die Weltdinge wie eine Rampe vorzustellen sind) zuvor das Unbegrenzte erfährt. So, wie es aber auch das Unbegrenzte nur weiß, weil es das Begrenzte weiß. Zeitlich gleichzeitig, logisch aber in Hierarchie, weil ein sich selbst erfassendes Ich nur in der Struktur eines überhaupt sich damit absoluten selbsterfassenden Ich möglich ist.

Deckungsgleich ist dieser Gedanke mit jenem, daß jemand, der Gott leugnet, erst recht sein Wissen um ihn zugibt. Denn es läßt sich nicht leugnen, was zuvor gewußt wird.  (Dem Agnostiker fehlt also "lediglich" der Wille, sein Denken in strenger Logik fortzuführen.)

Das Schwinden der Identitäten, das heute zweifellos zu beobachten ist (begleitet von einer Gegenbewegung: dem  willentlichen Konstruieren einer Identität), verläuft (auf einer anderen, bereits konkreteren, ausgefleischlichteren Ebene) in Korelation zum Ausdämmern des Bewußtseins des Unendlichen. 

Wo das Bewußtsein des Unendlichen aber wirklich schwinden sollte, löste sich auch das eigene Bewußtsein, das Selbst auf. Der Mensch fiele in den Irrsinn, er könnte sich nicht mehr festigen und würde zerfließen. 

Und er vermöchte es auch dort nicht mehr, wo er sich nicht im Glauben - dessen Wortdeckung mit "Ge-loben", sich also anverloben, sich zueignen, auf die Wurzel des Glaubens im Willen, also als Akt, hinweist - an das Unendliche, Gott, zu verankern vermag. Dieser Akt selbst allerdings ist nicht eigene Setzung! ("Gott gibt das Wollen und das Vollbringen") sondern ist nur dann möglich, wenn das Ich sich als gewollt begreift, der Willensakt also seiner Natur folgt. In der er das Einfügen in einen vorausliegenden Willensakt ist. So, wie ja das Befolgen eines Gesetzes (und darauf beruht jedes Erkennen der Welt) nur das Einfügen in ein vorausliegendes Sein (und Wesen) ist. Wo das Denken nicht gehorsam und welt-/dingkonform sein wollte, bliebe die Welt vollkommen unverständlich, und der Mensch könnte rein gar nichts mehr tun. 

Im selben Sinne ist auch das Sich-selbst-Denken, das Bewußtsein seiner, nur möglich, weil diesem Akt ein bereits Gedacht-werden (im Unendlichen) vorausliegt. Ohne den Gehorsam diesem göttlichen Denken gegenüber, wäre dieser Akt des Sich-selbst-Denken gar nicht möglich.

Im "cogito ergo sum" des Descartes weiß also zwar der Mensch von sich und seiner Existenz, aber er weiß von sich nur, weil er (in logischer, nicht zeitlicher Folge) bereits vom Unendlichen weiß. Und er weiß dies nur wenn er davon ausgeht, daß er geschaffen wurde, also ihm selbst vorausliegenden, zu erfüllenden Sinn hat. Und das ist nur möglich, wo es einem absoluten, unendlichen Sinn (=Vernunft) gleicht - also gott-ebenbildlich sein will. Damit wird es Analogie zu Gott, freilich aber nicht zu Gott selbst. Und er weiß auch um diese Differenz, sonst wüßte er nicht von sich. 

Wüßte somit der Mensch nicht um seine prinzipielle Vernünftigkeit (als Sinnhaftigkeit, das heißt als Ausgerichtetheit auf ein zu Erfüllendes, das FÜR IHN in der Welt ist, soll heißen: der Welt hinzuzufügen ist), könnte er auch die Welt nicht in Sinnverhältnissen stehend wissen, also denkend zur Vernunft ordnen, also erkennen. Sein Denken würde sich auflösen. (Wessen Ich sich also in obigem Sinn auflöst, kann auch nicht vernünftig denken - etwas, das bei Geisteskranken ja zu beobachten ist.)

Deshalb ist der allergewisseste Gedanke der Gedanke von Gott. In dem Sinn muß er gar nicht gefaßt werden, weil er der Denkbewegung ohnehin bereits vorausliegt. 

Von dem zwar (vom Menschen aus betrachtet) kein direkter Beweis zu führen ist. Denn wenn ein Gott ist (und wie gesagt, davon geht jeder Mensch und also DIE MENSCHHEIT, das Wesen des Menschseins immanent aus), dann übersteigt er selbst alles, was das nur geschöpflich denkbare Menschsein ist, unendlich. Weil aber alles nur auf eine Art gedacht werden kann, die seinem Wesen entspricht, müßte sohin der Mensch tatsächlich selbst Gott sein. Nur Gott kann sich selbst denken. Wohl aber kann er das "unter ihm" denken, also den Menschen. Wo dieser Gott direkt zu denken wähnt, steht er im Widersinn, und damit in einer Aporie. Schon der Begriff Gott ist ja das Denken von etwas, das des Menschen denken übersteigt. Sich für Gott zu halten ist deshalb nie mehr als ein Wahn, der auf einem Nicht-gewahr-Sein seiner selbst beruht.

Aber sehr wohl ist ein indirekte Beweisführung möglich, als ein "notwendiges Schließen auf". Oder, wie Viktor Frankl es einmal sagt: Durst ist der Beweis dafür, daß es Wasser gibt.  Selbst wenn es nicht da bzw. sichtbar da ist müßten wir deshalb davon ausgehen, daß es Wasser GIBT.

Auf diesem jedem Menschen gewissesten aller Gedanken ruht jede weitere Gewißheit, nur so kann er überhaupt leben, und sein Leben entfalten.* Dies alles nun betrachtend können wir nun verstehen wenn davon gesprochen wird, daß Gott selbst das Licht der Welt(erkenntnis) ist. So wie die Wahrheit dieses Licht in seiner Weltrealität ist, ohne das bzw. ohne die alles zerfallen würde. Alles was ist ist in sie eingebettet. Und im selben Maß ist das Licht das, in dem alles ist, und aus dem alles ist.²

Im selben Sinn ENTSPRINGT die Erkenntnis bzw. Gewißheit Gottes nicht aus der in sich verbleibenden Natur- oder Weltbetrachtung, also quasi "von unten heraus", sondern diese kann eine in jedem Menschen bereits vorhandene Gewißheit nur ERWECKEN, zum Gedanken anstoßen, und so zur Welt führen, ja in gewisser Weise "gebären" - in (weil aus) der Gestalt der Wahrheit.** Genau so, wie umgekehrt eine Lüge, ein Irrtum (der somit - fast - immer aus einer Unsittlichkeit stammt³), diese Gewißheit verdecken, verdrängen, und schließlich sogar final erwürgen. Und damit entweder zum Irrsinn führen, oder zur entselbsteten Scheme, zum Handschuh gewissermaßen, den ein anderer, fremder Wille ausfüllt und bewegt als wäre es ein für sich stehender, integerer Mensch.***



*Wird im weiteren, konkreteren Denken deshalb die Gewißheit von Gott aufgelöst, so muß nicht nur ein logischer Fehler vorliegen, sondern es lösen sich auch, je spezifischer die Gedanken werden progressiv mehr, alle weiteren Gewißheiten auf. Etwas, das sich im Relativismus bestens beobachten läßt.

²Man beachte dabei die Analogie, die die Quantenphysik kennt: alles ist im letzten ... Licht, heißt es da. Ein Gleichnis (bereits in Gestalthaftigkeit, wobei: aus Wirkungen erschlossen) für die geistige Wirklichkeit, die sich im Denken erschließen kann, weil das Denken selbst ja aus dieser Wirklichkeit stammt, wenn es denn Nach-Denken ist. "Denn im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort WAR Gott." (Beginn des Johannesevangeliums)

**Grundwirklichkeiten, denen der Rationalist durch (die Welterfahrung ausgrenzen sollende) Konstruktion eines Ich - und der Welt als Folge - zu entgehen sucht. Er ist also auf der Flucht zum einen vor sich selbst, zum anderen vor dem Unendlichen, um das er weiß, weshalb er ja darauf reagiert, und zugleich vor der Welt ALS Wirklichkeit, in der er zweifellos das ihm selbst Bewußte vorfände.

³Wir verweisen damit auf die Diskussion, ob es eine "in sich schlechte Tat" gibt, die auszuführen also immer Sünde ist. Von jenen, die dies bestreiten, wird meist angeführt, daß es den Irrtum gäbe, und daß somit der irrende Mensch gar nicht zu sündigen vermöge. Aber das übersieht diesen Zusammenhang, wie Josef Seifert in seiner Untersuchunt über "Die Wahrheit" auseinanderlegt: Weil der Irrtum eben immer (bis auf einige wenige Fälle eines "gewaltsam implementierten Irrtums", der aber im speziellen für die Leibessünden, um die es hier meist geht, nicht gelten kann, denn der Leib bleibt dem Menschen quasi immer) auf einer Unsittlichkeit, also auf einer vorauliegenden moralisch qualifizierten Entscheidung beruht. Wer "irrt" (sagen wir in Bezug auf Sexualität, auf den Ehebruch) hat sich bereits zuvor FÜR DIE ABWEICHUNG VOM WISSEN GOTTES (wie wir es hier auseinandergelegt haben) entschieden. 

***Hier ist die Rede von jener Erfülltheit mit dem Geist des Bösen, die in der Erfahrung zeigt, daß der "wirklich Böse" eiskalt, nüchtern und scheinbar emotions- und bewegungslos das Gute zerstört.



*150215*
Leicht überarbeitet *140322*

Sonntag, 2. März 2014

Über das Geschenk Sprache zum Geist

"Nachdem ich den Kindern und Neubekehrten die Grundbegriffe des Glaubens beigebracht hatte, gab ich ihnen zu jedem einzelnen Glaubensartikel eine kurze Erklärung, die ich in der Volkssprache abgefaßt hatte, sie ist dem Fassungsvermögen der Eingeborenen angepaßt, und ich lasse sie an Stelle der Gebete lernen; ich habe die Methode schon auf den Molukken erprobt. Die Erklärung ist so aufgebaut, daß innerhalb eines Jahres die Grundwahrheiten unseres Glaubens gelehrt werden können, wenn man die Leute täglich etwa zwanzig Worte auswendig lernen läßt. 

Dazwischen muß die Geschichte von der Ankunft Christi oft wiederholt werden, damit sie sich, im Einklang mit den Erklärungen über den Glauben, tief in die Herzen senke. Auf diesem Wege dringen die Eingeborenen ganz allmählich in die Wahrheit ein und entfremden sich dem alten Spuk- und Zauberglauben, den die Heiden noch heute wie einst um ihre Götzen breiten."


Der Hl. Franz Xaver in einem Brief an den Hl. Ignatius von Loyola, 
geschrieben am 2. Jänner 1548, über die Mission in Malakka



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Sonntag, 5. Januar 2014

Zum Sehen entflammt

Steigt also die Gnade des Heiligen Geistes auf einen herab, so zeigen sich ihm nicht etwa die gewöhnlichen faßbaren Dinge der Sinnenwelt, sondern etwas, das er noch nie geschaut hat und das über alle Vorstellungen geht. Da belehrt der Heilige Geist den Geist dieses Menschen über die höheren und verborgenen Geheimnisse, von denen der göttliche Paulus sagt, "daß kein Auge sie gesehen und kein Ohr sie gehört hat und der Verstand selbst sie nicht fassen kann". 

Und damit du verstehst, wie unser Geist die Geheimnisse wahrnimmt, überlege einmal genau das, was ich dir sage: Hältst du Wachs weit ab vom Feuer, bleibt es hart, und du kannst es nehmen und greifen, wirfst du es aber ins Feuer hinein, gleich wird es schmelzen, es geht in Flammen auf und brennt und wird ganz zu Licht, und schließlich geht es mit ihm vollständig zu Ende. 

So auch mit dem menschlichen Geist: Ist er mit sich allein und hat Gott nicht gefunden, dann versteht er das, was ihn rings umgibt, nach seinen gewöhnlichen Kräften; naht er sich aber dem Feuer der Gottheit, so wird er vollkommen von diesem göttlichen Feuer ergriffen; dann wird er ganz zu Licht, er brennt auf in der Flamme des Heiligen Geistes und vergeht in den göttlichen Gedanken, und nicht mehr vermag er dann sein eigenes Denken und Wollen im Gedankenfeuer Gottes zu fassen.


Der Heilige Maximus an den Hl. Gregor den Sinaiten (14. Jhd.)




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Dienstag, 15. Oktober 2013

Alles nach dem Sinn befragt

Was wirklich ist ist erkennbar daran, daß es wirkt. Ein Ding (vereinfacht formuliert: alles was als Ding in der Welt ist bzw. diese Welt ist) ist nur insofern, als es wirklich ist, und also als es wirkt.

Nun wirkt alles nur auf eine Art, und zwar auf "seine" Art (so vielschichtig die sein mag). Das heißt, alles wirkt einem "Wesen" nach. Und in diesem Wirken "Ist" es actu, tätig. Wirklichsein heißt also tätig sein.

Dinge sind für uns erkennbar nur, insofern sie tätig sind, insofern sie wirken*. (Ein Glas ist nur ein Glas, wenn es die Wirkung eines Glases hat. Diese wiederum erschließt sich uns aus der sinnlichen Erfassung des Wirkens.) Und darin ist das, was wir erkennen - das, was ihr Sinn ist. Nur aus Sinn heraus also läßt sich Welt erkennen. Was sinnlos ist, können wir nicht erkennen. Man nehme nur das Erlebnis heran, wenn wir etwas begegnen, das wir als sinnlos sehen. Wir können das nicht erkennen, und insofern kann es nicht in uns eingehen, wir können es uns nicht aneignen, weil wir uns nur "etwas" - und damit etwas Wirkendes, und damit etwas Seiendes, und damit etwas Sinnvolles (Dinge also nur, soweit wir ihren Sinn erfassen) aneignen.

Das bedeutet, daß das Aktive in allem Seienden, das was es sein will, und alles Seiende will wirken, seiner Art nach Wirken, sein Sinn ist. Das, was die Dinge sie selbst sein läßt ist ihr Wesen. Als das, was ihre Möglichkeit ist. Insofern also etwas aktiv sein Mögliches verwirklicht, wirkt es - und hat Anteil am Sein. (Kein Ding IST aber sein Sein - der Läufer IST nicht sein Laufen.) Das Sein ist also das, was alles Seiende sein läßt, das überhaupt nur seiend ist, insoweit es am Sein Anteil hat.**

Das Sein ist es also, was alles wirklich sein läßt. Und weil alles Wirkliche "tätig" ist, wirkt, ist das Sein selbst tätig: es läßt alles Seiende sein, ja "will" daß alles Seiende möglichst vollkommen ist, um so das Sein zu repräsentieren. Was daraus erkennbar ist, daß alles Seiende sein "will". (Alles widersetzt sich seiner Vernichtung, alles versucht seiner Art gemäß zu wirken.)***

Das Seiende ist also vergleichbar (s. u. a. Thomas v. Aquin) mit dem Leuchten eines LeuchteNDEN (=dem Sein). So wie alles Seiende das Wirken eines Wirklichen ist. Und zwar hat alles Seiende nur sofern Wirklichkeit, als es seinen Sinn erfüllt - "actu" ist, tätig ist.

Woraus erkennen wir, daß das Seiende vom Sein erzählen muß? Weil wir aus der Welt sehen, daß alles nur seiner Art gemäß wirken kann, und deshalb seine Wirkung (die Wirkung alles Seienden) seiner Art gemäß IST, und damit von ihm erzählt. Wir erkennen aus der Wirkung die Ursache. Wenn also etwas Seiend ist - am Sein Anteil hat - dann muß uns in seinem Seiendsein das Sein erscheinen, in seinem Wesen, in seinem Sinn.****

Wir erkennen also "nur" Sinn, und unsere Weltkenntnis ist eine Kenntnis des Sinngefüges, in dem alles Sinnliche zueinander steht. Als "Leuchten" des Sinns überhaupt, des absoluten Sinns, der sich als erste Ursache von allem Seienden "als Welt" offenbart.

Wozu sich die Dinge, die Seiendseienden, "aktiv" an seinem Sinn (indem es wesensgemäß agiert) beteiligen müssen. Nur insofern haben sie Anteil am Sein. (Denn sie SIND nicht ihr Licht, sie tragen, zeigen es nur, weisen darauf hin.) Und sie sind nur, wenn Sein in ihnen ist, aus dem heraus sie erst Akt der Teilhabe sein können. Alles Seiende IST also nur in diesem Akt der Teilhabe am Sein.



*Wir erkennen nur über "Empathie", über Einfühlung in die Dinge, die über unsere Sinne "in uns eindringen". Wir erkennen nur, was seinen Sinn erfüllt, und zwar insoweit es seinen Sinn erfüllt. Erkennen ist anderseits damit ein subjektiver Akt, aber es ist nur insofern "wahr", als wir uns dem Ding gemäß bewegen lassen, ihm entsprechend "aussagen" - wirklichkeitsgemäß aussagen. Erkennen ist also keine primäre Frage der Ratio, sondern der persönlichen Reife, der Bereitschaft zur Wirklichkeitsoffenheit, aus der heraus wir die Ratio gestalten. Das zeigt übrigens, warum JEDE Ideologie, jedes Denkverbot wirklichkeitsfern machen MUSZ, als Schaden an der Grundhaltung des Erkennens und damit an unserer Fähigkeit, wirklickeitsgemäß zu denken und zu handeln überhaupt.

**Weil bei Lebewesen Anteilhabe am Sein und Leben dasselbe ist, ist auch Sein und Leben gleichzusetzen. - Ziehen wir den Gedanken im Schnelltempo durch: Weil nun alles, was lebt, aus einem Prinzip heraus lebt - das wir Seele nennen - und dieses Prinzip sich in drei Stufen vorfindet (vegetativ - sensitiv - geistig beim Menschen), so ist der seelische Akt der Akt der Teilhabe am Sein. Was für den Menschen heißt - daß er aus dem Geist lebt, an dem er Anteil hat, sodaß jener Geist (der Wahrheit) gleich bzw. vergleichbar dem Leben selbst sein muß. Der (als Sein, an dem von der Seele Anteil genommen wird) ein Akt der Seele gegenüber sein muß. So wie alles Sein ein Akt dem Seienden gegenüber ist.

***Aus dem Gesagten ergibt sich aber auch, daß "Wirkung" vom Wesen und Sinn eines Dings nicht abzutrennen ist. Genau das, was Methodizismus und Technizismus aber tut, der sich auf die Hervorrufung von (entdinglichten, von den Dingen losgeschlagenen) Wirkungen bezieht.

****Wenn heute in der Physik von der "Aufgabe des Kausalitätsprinzips" die Rede ist, so heißt das nicht, daß die Welt doch a-kausal ist, sondern daß die Physik mit den weltimmanenten Erklärungsmodellen nicht mehr auskommt. Dann heißt das, daß die Physik sagt, daß die Welt aus sich selbst heraus - also rationalistisch - NICHT erklärbar ist. (Siehe dazu Gödel.) Während aus dem oben Gesagten hervorgeht, daß SINN nicht etwas ist, das den Dingen übergestülpt werden muß oder kann, sondern aus den Dingen selbst hervorgeht. Und das heißt: daß die Sinnfrage aus der rationalistischen Wissenschaft heraus (die darauf verzichtet, sich selbst zu überschreiten) nicht beantwortbar sein kann, weil sich Sinn von den Dingen nicht lösen läßt, sondern ihrer realen Existenz - real - zugrundeliegt. Was die Physik an ihre Ursprünge zurückführt, wo sie nämlich Metaphysik war (und in Wahrheit immer geblieben ist.)




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Mittwoch, 12. Juni 2013

Vom Einen zum Vielen (3)

Teil 3) Nachsatz. Konsequenzen





Das versucht Darzustellende hat natürlich Konsequenzen. Denn es zeigt, daß das Bemühen zu einer Rechristianisierung Europas oder der Welt, das sich auf eine Restauration der Innerlichkeit beruft, fruchtlos, wenn nicht gefährlich ist. Weil das scheinbar, dem Worte nach "rechte Tun"  in Wirklichkeit eine andere Seinsbewegung hat - und das Falsche bewirkt. Hier auf das Wunder der Gnade zu hoffen ist Vermessenheit.

Leider aber ist festzustellen, daß viele Bemühungen der Gegenwart genau das versuchen. Wo sie rational, mit Vernunftanspruch auftreten, sind sie oft nicht mehr als Versuche, das rationale Gebäude abzustimmen, das die Kirche quasi hinterlassen hat. Anstatt die Vernunft je neu zu schöpfen! 

In sehr vielen Fällen aber tritt diese (wenn auch verstehbare) Gegenbewegung als bloße Frömmigkeitsbewegung auf, die den Anspruch auf Welt stillschweigend aufgegeben hat. Also auf derselben Weltentwertung beruht, wie am Beispiel Indiens zu zeigen versucht wurde. Das bildet sich in oft sehr subtiler Weise aus - wie im Opus Dei. In dieser Hinsicht und unter Einbeziehung des bisher Erkennbaren, erhält damit aber auch das von höchster Stelle verkündete Schlagwort von der "Entweltlichung" den bedrohlichen Charakter eines fatalen Trugschlusses, der der Wirklichkeit der Welt nicht gerecht werden, sondern ihr entfliehen will. Wie ... in Indien.

Eine Reform der Welt kann natürlich nicht darin bestehen, ein Paradies auf Erden einrichten zu wollen. Das ist nie direkte Aufgabe des Menschen gewesen, und daß uns das auch gar nicht mehr möglich ist, ist ausreichend begründbar. Insofern liegt seine Aufgabe tatsächlich nicht "in dieser Welt". Aber sie kann auch nicht in einer Re-Moralisierung liegen, die das Wesen der Dinge nicht in ihrer Erfüllung selbst, sondern lediglich in einer Art "Gebrauch" sieht. Ethik kann nur aus Wesenswahrheit kommen. Dort liegt aller Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber. Ein Zug, der im übrigen auch allem religiösen Empfinden in allen Religionen gleich ist, und selbst die ethische Basis des Rationalisten ist, dem es ja nur an einem Unverständnis der Vernunft mangelt.

Weil es eben darum geht, die Welt als Selbstopfer Gottes in der Reinheit der Liebe ihm selbst vor Augen zu bringen, ist das was der Mensch zu tun hat gerade aber in seiner Freiheit ALS Welt zu suchen, in der größtmöglichen Seinsdimension, die ihm möglich ist: Als Teilhabe an der Liebe Christi, die es selbst ist, die die Welt vor die Augen des Vaters trägt.

Aber das verlangt auch ein Ansetzen am Ort des Kreuzes - und das ist die konkrete Welt. Mit all ihrem konkreten Tagesablauf, der nicht in sich banal, sondern nur ohne das Licht der Vernunft banal wird. Denn die Vielfalt menschlichen Seins ist nicht leerer Wahn, sondern sie ist es, die jenen Lobgesang darstellt, den Kirche eigentlich meint: Gemeinschaft der vollkommenen Weltgemeinschaft. Vollkommen in der Liebe, die das Sein ins Seiende treibt.

Wenn man etwas als Sendung verstehen will, so liegt sie darin: in der je konkreten Gestalt des Lebens. Nicht in deren Auflösung um eines vermeintlich nur innerlich möglichen Glückes wegen. Wer einen konkreten Ansatz sucht, sollte also durchaus bei den Jesuiten suchen - aber bei jenen, die in Paraguay alle Möglichkeiten, aber auch alle tatsächlichen Vorläufigkeiten zeigten. Die in beeindruckender Klugheit und Weisheit bei der menschlichen Kultur ansetzten. Nicht in Frömmlerei und Pharisäismus. Ihr Arbeitsfeld ist beispielhaft dem gleich, das jeder Mensch vorfindet. Heute aber nicht anders, als vor 500 oder 1500 Jahren.

Die Aufgabe des Menschen kann nie anders heißen als: Kultur. In der er sein Menschsein zur konkreten Entfaltung bringt - im Werkstück, im Familienleben, im gelungenen und gerechten Handel, in der entfalteten Liturgie, im poetischen Theaterstück, in Lied und Dichtwerk. Das ist die Quintessenz auch aller Philosophie der Menschheitsgeschichte, die in ihrer Stringenz in der Erfassung der Welt als Analogie und Abbildhaftigkeit der Wirklichkeit der Dreifaltigkeit mündet. Es ist die Basis aller Vernunft: Das Wort, das Gott war, das ausging, und das Fleisch geworden ist. Das Licht, von dem das Feuerwerk der Farbe ausgeht.





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Dienstag, 11. Juni 2013

Vom Einen zum Vielen (2)

Teil 2) Ins Personale zurückgeholte Vernunft





Was nicht heißt, daß es nicht in allen Religionen Einzelne geben kann, die diese Unfreiheiten erkennen, und vielleicht lediglich den Zugang zur Offenbarung des Alleinen nicht haben. Aber der Synkretismus der Gegenwart, der längst eine Allgemeinerscheinung ist, in dem also alle Religionen "eins" sind oder sein sollen, erkennt nicht (mehr) den prinzipiellen Unterschied, häufig, weil er den Katholizismus gar nicht (mehr) versteht.

Wo sich das Rationale nicht erledigt hat, sondern in einer wirklich umfassenden Offenbarung erst zur Kraft der Vernunft steigert. Die Offenbarung Christi hat auch die weltimmanente Rationalität durchleuchtet, das Reich der Vernunft ist nicht auf das Irdische begrenzt, aber in bloßer weltimmanenter Rationalität - die ja nur Anfang einer allumspannenden Vernunft sein kann - nicht erschöpfbar, ja unzureichend. Damit wird im Vielen das Eine gesehen, und es ist Ausfluß Gottes, der Vernunft IST.*

Die Entwicklung in den Vedas, die sich in ihrem Kern ebenfalls als Offenbarungen verstehen, daß dieser all-eine Gott selbst aber dem Menschen nicht direkt erkennbar ist, und zwar aus Gründen der Vernunft bzw. deren Wesen, ist spät, und sie weist bereits auf die zunehmend notwendige philosophische Ausprägung, dem Durchdringen mit dem Verstand, hin, als Folge des Zerfalls des Lebensganzen, wo das Leid immer mehr ins Blickfeld gerät. Das aber gelang dort nicht, das indische Denken verlief sich in theologische Spekulation, und darüber zerlief das konkrete Leben, das sich vom Religiösen ablöste. Aus einer ursprünglich äußerst lebens- und weltbejahenden Religion wurde im Zerfall der umfassenden Lebenssicherheit eine Religion des Asketentums, der Abwendung von der Welt. Der unbekannte Gott wurde nicht bekannt. Eine eigentlich zwangsläufige Folge - ohne Inkarnation Gottes selbst, wie es in Bethlehem hunderte Jahre später passierte, in dem Wahrheit Fleisch wurde, sodaß sich die Welt selbst in die Vernunft mit hineinhob.

Denn das Wissen, das erste und alles weitere aufbauende Wissen des Menschen ist nicht ein "Wissen von", sondern in ihm ist das Wissen selbst Sein - ein Sein-Denken, in der Form der Teilhabe dem Menschen zugängig, als Objekt der Sinne. Die reale Auswirkung einer Religion ohne inkarnierten Gott ist der fehlende Zugang zur tiefsten Vernunft. Diese Schwelle kann der Mensch aus sich heraus nicht überschreiten. Er bleibt in Ahnung und Gefühl. Es fehlen ihm sozusagen die Schlüsselbegriffe, aus denen heraus sein weiteres Denken erhellt werden kann. Er driftet entweder in Rationalismus ab, oder in bloßes religiöses, außerhalb strikter Riten haltloses Gefühl. Das Innere aber muß von aller empirischen Inhaltlichkeit gereinigt werden, um zur Erlösung von Leid und Tod zu gelangen. Die Welt verliert jede positive Bedeutung.

Weshalb der irrationale Religiöse Riten oder "Überzeugungen" oder Techniken, Methoden zu finden sucht, nur sie geben ihm Halt. Der irrationale Religiöse ist es damit auch, der fanatisch wird. Ihm wird das Begegnende immer zur potentiellen existentiellen Gefahr. Der Rationalist hingegen, der im Glauben an eine weltimmanente Rationalität erstarrt, daran gleichfalls fanatisch festhält, verdrängt seine religiösen Ahnungen überhaupt, taucht sie in scheinrationales Licht, oder tut ohne zu wissen was er tut, um sich dem Gefühl zu doch noch aufzureißen, dessen Wirkung er sich hinwiederum vergewissern muß. Beide Formen verschwimmen so gut wie immer ineinander, und sie zeigen idente, nur anders gelagerte Symptomatik. Etwa, indem der irrational Religiöse "theologistisch" wird, also sein Denken absolut an theologische Formeln anpaßt, dogmatistisch, ritualistisch und/oder moralistisch wird, und damit erst recht die Wirklichkeit als Begegnungsort mit Gott, dem Sein, verdeckt. Immer im Druck des Selbstvergewisserungszwangs - etwa im beweishaften "Erleben". Die Kombinationen sind zahllos und meist hoch komplex, denn die Wirklichkeit der Wirklichkeit kann niemand ganz ausblenden, sie umhüllt ihn immer.

Auch heute ist in unserer aus aller Einheit gerissenen, auseinander gefallenen Kultur der Mensch in den ruinenhaften Teilstücken dieser Kultur nunmehr mit Fragen konfrontiert, die auf einer (im wesentlichen: immanent philosophischen) Ebene liegen, die dem Einzelnen auf diese Weise gar nicht zugängig ist. Das Weltgefühl ist dem Einzelnen auf der Ebene, auf der die Fragen auftauchen, dem Rationalen, rational nicht mehr bewältigbar. Die meisten der heutigen Fragen sind deshalb entweder irrelevant, oder greifen in Bereiche, die die ihrer Art gemäße Lösekraft des Einzelnen weit übersteigen. Weshalb wir heute in einem schier unübersehbaren, durchaus wirren Geflecht menschlichen Daseins leben, das ein "glauben an und glauben jemandem" ist, auf der Schwelle zum vollständig Irrationalen. Die Worte schließen den Menschen ihr eigenes Inneres, ihre zentralen Fragen, gar nicht mehr auf.

Menschliches Wissen auch als Bewußtsein ist aber immer an personale Autorität gebunden, denn so ist das menschliche Wesen angelegt: personal. Denn das ist das Grundwesen der Welt - die nicht sinnlos ist.

Philosophie ist nicht eine Generalerscheinung des Menschen, sondern eine kulturell bedingte, sehr spezifische Leistung. Bricht, wie in Europa (und überall sonst noch in der Geschichte ist dasselbe zu beobachten) passiert, die Einheit der Kultur innerhalb der Religion auseinander, so wird nach und nach der Einzelne mit Fragen überschwemmt, die er auf die kulturell-faktisch gegebene Weise nicht mehr beantworten kann. Hier wird die Philosophie zur wirklichen Leistung.

Das ist umso tragischer, als die kulturelle Entwicklung als Zerfall der gesellschaftlichen Ordnungen zur Tatsache führt, als der Einzelne zwingend aufgefordert wird, sich sein Urteil auch über seine eigenen Grundlagen selbst zu bilden, um seinen Ort als Grundlage seines Daseins überhaupt zu bestimmen. Diese Frage muß zuerst geklärt sein, sonst wird jeder verrückt, völlig unfähig zu denken. Und sie wird bei jeder noch so kleinen Berührung mit der Welt, bei jeder noch so kleinen Tat (und alles, was ein Mensch ist, ist im Gegenzug Tat) neu aufgerissen. Die er in stetig neu aufzugreifendem Selbstgespräch - denn das ist letztlich Denken - neu zu bewältigen hat. Denn die Flucht in Romantizismen, Sondergesellschaften, Scheinordnungen oder zwanghaften, auch moralischen Neuordnungen wie Faschismen oder Kommunismen, aber selbst scheinbar orthodoxen Erneuerungsbewegungen und so mancher Gemeinschaften, erlöst ihn nicht aus dieser nur individuell zu bewältigenden Unruhe, der immer neu aufbrechenden Sorge um das rechte Handeln.

Ist die geistige Grundlage einer Zeit krank, und das heißt duchaus: ihre Öffentlichkeit, ihre (verbale) Oberfläche, vermag diese Gedankenzusammenführung nicht mehr zu einem Ergebnis zu finden. Dabei entscheiden aber ganz andere (nicht direkt religiöse), in gewisser Weise zufällig zu nennende Faktoren - wie die Faktizität hierarchischer Zuordnungen, die praktisch-faktische Lebensordnung seiner wirklichen existentiellen Situation als Grundlage seiner Welterfahrung** - über seinen Zugang zu Gott und Religion. Auf daß der Mensch das finde, was er immer sucht und was sich hinter allem Mühen und Streben und Umsichschlagen verbirgt: die Ruhe und den Frieden im Einen.


Teil 3 morgen) Nachsatz. Konsequenzen



*Die in der Gnosis weltimmanent wird. Dort besteht Transzendenz nur dem Namen nach - der Mensch vermag in ihr aufzugehen, sie quasi in sich identifizierend, zusammenfallend "herunterzuholen".

**Daran schließt ja die hier so vehement vorgetragene Kritik am Sozialstaat an, der nämlich eine Erodierung der Grund-Welterfahrung und damit eine Austrocknung des Menschseins nach sich zieht. Indem der Sozialstaat die Verlagerung eben dieses Menschseins in die Technik bedeutet. Richard von Weizsäcker sei als einer von vielen genannt, die bereits bei der Intensivierung des Sozialstaates vor 100 Jahren eindringlich vor den pädagogischen Folgen gewarnt hat. Die Entwicklung der menschlichen Haltungen, wie wir sie heute sehen und meinen, sie seien das zufällige Ergebnis freier zivilisatorischer Entwicklung, waren bis auf Punkt und Beistrich vorherzusehen.





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Montag, 10. Juni 2013

Vom Einen zum Vielen (1)

Vielfach wird argumentiert, daß der Monotheismus eine Entwicklung aus dem Polytheismus darstellt. Betrachtet man aber eine polytheistische Religion - wie die indische -, so stellt man das Gegenteil fest. Dann stellt man fest, daß der Polytheismus eine Folgeerscheinung kultureller Diversifikation darstellt. 

Gerade die Veden zeigen es in ihrer Entwicklung. Mit der Entfaltung einer Kultur im Fortschreiten der Zeit wurden je einzelne Aspekte des "Gesamtgottes" (den wohl alle polytheistischen Religion haben, betrachtet man ihr Verständnis davon genauer) für sich gestellt, entwickelten eine Art Eigenleben. Und daraus erwuchs der sogenannte Vielgötterglaube, weil hinter diesen spezifischen Erscheinungen spezifische Wirkmächte gesehen wurden.

Das hat viel mit der Entwicklung der Philosophie und ihrer Leistungskraft auf der einen Seite zu tun (die indische Philosophie, um beim Beispiel zu bleiben, hat sich aus der Metaphysik und Religion entwickelt), ist zum anderen - wie in Judentum, Christentum und Islam (der direkt an die Offenbarungskraft des Christentums anschließt, sie aber zu übertreffen meint) - gebunden an eine Offenbarung. Aus deren integrativer Kraft der Wahrheiten heraus erst alle Aspekte der Welt integriert werden können. Umgekehrt belegt sich das Gesagt aus dem historischen Umstand, daß in Indien wie in Griechenland leicht nachweisbar die Philosophie zum Zeitpunkt eines entwickelten Polytheismus entstand, als Versuch, das Viele wieder ins Eine* zu führen.

Gerade in den Vedas fallen sie aber wieder, in gewahrter Vagheit der Gestalt, in diesen Einen Gott zusammen, was belegt, was hier gesagt wird. Dort aber wird es zur "Priestertechnik", wie in Ägypten oder Babylon, schreibt Georg Misch. Zur widerspruchslosen rationalen Auflösung reichte die rein religiöse, disparat und widersprüchlich gewordene Bewegung nicht mehr, wiewohl der Bezug auf den allein-einzigen Gott (quasi: daneben) bestehen bleibt, weil nicht auflösbar ist. Die rein theologischen Grundbegriffe des Einen Gottes also bleiben erhalten.

In der Grundbewegung aber sind beide erwähnten Religionstypen gleich: Sie haben aus einer Zentralwahrheit heraus nach und nach, in historisch bedingten Prozessen, mit denen sich die Herausforderungen und Aspekte wandeln, ihre Lehrsysteme entwickelt. Sodaß sich in jedem Detail das Zentralgeheimnis wiederfindet, so wie das Licht sich im Prisma von der Einheit zur Vielheit (man beachte die religiöse Bedeutung des Regenbogens!) bricht.

Bis sich der personale Bezug des Religiösen mehr und mehr in metaphysisch-philosophische Systeme hinein auflöste, die in ihrer Reinform, den gnostischen Bewegungen, dieses Wissen selbst, abstrahiert, zu Gott selbst machten. Rein verbal (als Äquivokation) eine gar nicht so falsche Sicht - ihr Irrtum liegt auf anderer, eben praktischer und menschlicher Ebene der Unfreiheit (Klartext bei der Gnosis: Hochmut!)

HIERIN läßt sich das Verbindende (und nominell scheinbar, aber meist nur scheinbar Ähnliche, oft genug bloß Äquivoke) aller Religionen finden. Aber es hat keine Aussage über ihre soteriologische Dimension, hier muß alle "Panreligiosität" ihre Grenze finden. Denn das "Revolutionäre" des Christentums ist nur zum Teil aus ihrer Offenbarungswahrheit verstehbar. Hierin finden sich viele Parallelen und gemeinsame Grundzüge mit anderen, ja allen Religionen der Welt. Die theologischen Spekulationen der Vedas stimmen z. B. mit theologischen Deutungen der Dreifaltigkeit bemerkenswert überein!

Aber alles liegt in der Seinsdimension ihrer Heilswirkung - in der realen Inkarnation dieses "Gesamtgottes" selbst. Und das ist der zentrale Punkt der Unterscheidung aller Religionen und Heilswege auch untereinander. Dort wird auch die indische Religion zum Pantheismus, weil Welt und Gott in allem in eins fällt. Feuer IST ihnen Gott. Das Rind (Quell des Lebens) IST Gott, in Selbstzeugung Gottes (über den Weg Feuer - Erde - Leben etc.) entstanden. Aber selbst hierin noch in vielem mit katholischer Spekulation (z. B. Gottesmutter - Tochter des Sohnes ...) vergleichbar.

Nur von dieser Warte aus betrachtet wären die Unterschiede der Religionen also nur graduell zu sehen. Das Katholische des Christentums umfaßt aber tatsächlich alle Vielheiten der Welt in sich, und zwar nicht graduell, sondern prinzipiell anders. Weshalb der Zugang zu ihm in der je subjektiven Weise geöffnet oder verhindert liegt, in der der Einzelne sein Heil, das Ziel seiner Grundsehnsucht erblickt.

Sodaß sich auf dieser Ebene - nennen wir sie: kulturell - eine neue Ebene der Parallelen und Gemeinsamkeiten durchaus erblicken läßt. Aber hier liegt die Ebene der Freiheit. Das Allumfassende kann nur die Gesamtebene der Freiheit sein. Wer deshalb das Katholische zur Konfession umdeutet, macht denselben Fehler, wie ihn alle übrigen Religionen machen - er drängt sich (als einzig erkennbare Lösung) auf eine unfreie Wirkebene. Deshalb sind auch die pastoralen Wege (nennen wir so) aller dieser nicht-katholischen Religionen nicht nur ungeeignet oder graduell mangelhaft, sondern prinzipielle Verfehlung.

Im Katholizismus wird dieses Wissen, die Wahrheit selbst wieder in das Personale hineingenommen, der Ebene des rein Rationalen also wieder entrissen, in der das Wissen in sich austrocknet. (Deshalb auch neigt der Rationalismus ja zum Obskuren, zum "Geheimnisvollen" - als Versuch eines Auswegs. Rationalität, zeigt beweishaft Gödel, ist in sich nicht begründbar. Sie braucht also ein offenbarendes, jenseitige, transzendentes Element. Gödel verfiel in Spuk- und Verschwörungsglauben ... Oder wie Menschen, die mit der Relativitätstheorie argumentieren, und jeden Dienstag ihre Reiki-Meisterin besuchen.)



Teil 2 morgen) Ins Personale zurückgeholte Vernunft




*Georg Misch, der diese Entwicklungen ausgezeichnet ordnet, nennt dieses "Eine" den "nacktesten Ausdruck für den metaphysischen Gegenstand."







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Mittwoch, 22. Mai 2013

Licht das alles durchdringt

[Der vergeistigete Asket] verwandelt sich, und alle Eigenschaften seines natürlichen Wesens verändern sich. "Wer die Gnade hat", - sagt der hl. Makarius der Große - "hat einen anderen Verstand, einen anderen Sinn, eine andere Weisheit als die Weisheit dieser Welt." 

Das Mönchtum selbst ist gar nichts anderes als Geistigkeit, und die Geistigkeit kann nicht umhin, Mönchtum zu sein. Und hier, für das mönchische Bewußtsein, wird die ganze Weit zu einer anderen. Indem sich der Mönch vom irdischen Leben entfernt, nähert er sich dem universalen Leben. "Nach der inneren Stimmung der Seele" - so sagt Nikita Stifatos - "verändert sich die Natur der Dinge"; "wer das wahre Gebet und die Liebe erlangt hat" - bezeugt derselbe - "der hat keine Unterscheidung der Dinge, der unterscheidet den Gerechten nicht vom Sünder, sondern liebt alle gleichmäßig und richtet sie nicht, wie auch Gott die Sonne leuchten läßt und den Regen sendet über Gerechte und Ungerechte." 

Indem der Asket das Universum segnet, sieht er in den Dingen überall und immer göttliche Erscheinungen und göttliche Schriftzeichen; jede Kreatur ist für ihn eine Leiter, auf der die Engel Gottes in das Erdental herabsteigen; alles Irdische ist ein Bild des Himmlischen. Die ganze Natur ist für ihn ein "Buch", wie der hl. Antonius der Große von sich gesagt bat.


Pawel Florenski, in "Säule und Grundfeste der Wahrheit"


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Sonntag, 22. Mai 2011

Licht der Welt

Wir sehen nicht das Licht, das von der Sonne kommt, direkt. Wir sehen nur das Licht, das von den Gegenständen, dem Geschaffenen kommt. Die es von der Sonne erst aufnehmen müssen, um sich dann "zu entscheiden", was sie wieder abgeben, und uns damit erkennen lassen. Alles irdische Licht ist eine Analogie dieses einen Lichts, aber es ist gesättigt von Konkretem, das das Licht in sich trug. Nur über dieses Konkrete aber erhalten wir Wissen, Kunde vom Licht selbst.

Alles auch verhält sich zu diesem Licht. Und in diesem Maß der Verarbeitung und der Haltung dazu gibt es dieses Licht, das es empfängt, weiter. Das Heilige leuchtet!

Pawel Florenski beklagt, daß bei Rembrandt (bzw. in der Renaissance) das Leuchten dargestellt ist, statt daß das Dargestellte selber leuchtet. Plötzlich ist da die Behauptung, die Illusion, nicht mehr das Reale.

Das Photo freilich ist überhaupt nur noch Behauptung: es erzählt von einem Vorgefallenen, das am Bild selbst aber nicht passiert, sonder das eine bereits vorhandene Vorstellung im Betrachter anspricht. Sodaß sich die Frage stellt: können wir von einer Photographie überhaupt überrascht werden? (Das Internet ist ein vielleicht sogar ausschließlich photographisches Medium.)

Copyright: Energizer (Batterien, USA)


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