Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Industrie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Industrie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. Juli 2022

Der Skandal liegt woanders

Nein nein, so klein und in Nebensätzen neben der "positiven Nachricht", daß es viel viel Teuerungsabgleich bei kleinen Pensionen geben wird, lassen wir das nicht durchgehen. Schon gar nicht, weil es das österreichische Sozialversicherungssystem betrifft, das seinem Wesen nach zu einem Unrechts- und sogar Raubsystem geworden ist. Mit dem kinderreiche Eltern, die einzige Säule auf der ein Sozialsystem (bzw. Pensionssystem) basieren kann, brutal und zynisch enteignet wurden, sonst ginge so ein Soziales System, mit dem andere sich als Wohltäter etabliert haben, erst gar nicht.

Aber was habe ich an dieser Stelle noch dazu vorhergesagt? Genau das ist eingetreten. Die Zusammenlegung der Sozialversicherungen, die die Koalition der Kurz-ÖVP mit der Strache-FPÖ vor drei Jahren als Erfolgsgeschichte und beweis effizienten Regierens verkauft hat, ist nicht nur an sich falsch (weil es weiter die Identität und damit den Solidargedanken überhaupt weiter und sogar stark schwächt), sondern wird auch enorme Kosten mit sich bringen. Nun stellt genau das der Rechnungshof in einer "Kritik" fest. Aber geh!. 

Freitag, 10. Juni 2022

Der objektive Beweis

Tulsa Massaker
Rache an der Medizin
- Der junge Mann, der kürzlich in einem Hospital in Tulsa/Oklahoma (USA) willkürlich 4 Personen erschoß, ehe er sich selbst richtete, hat sich für durch Fehlbehandlung (eine Operation am Rücken) zugefügtes Leid gerächt. Seine Tötungen fanden gezielt statt. Er hat sich die "Schuldigen" an seinen Qualen genau überlegt, zwei Waffen gekauft, und sie dann gezielt exekutiert. Unter den Opfern ist auch der Chirurg.

Erst eine Woche davor gab es einen ähnlichen Vorfall, bie dem als verbindendes und damit Allgemeines der leichte Zugang zu Waffenbesitz in den USA angeführt wird. Zu leicht, zu verlockend ist diese Erklärungn. ABer ist es eine Erklärung? Gibt es nicht eine ganz andere Allgemeine, die nur weniger offensichtlich, aber noch symptomatischer und noch dramatischer ist? Denn könnte man diese
Mike Adams
 
Taten nicht als Reaktionen auf die Tatsache sehen, schreibt Mike Adams auf "Natural News", daß die Medizin zunehmend zu einer Veranstaltung von Gewalt an den Menschen geworden ist?

Viel zu viele Behandlungen werden bereits als medizinischer Standard angesehen, die in Wahrheit schwere Verletzungen der Menschwürde, in vielen Fällen pure Gewalt sind, die an den Menschen ausgeübt wird. Darunter auch blanker Mord, wie bei Abtreibungen, oder Verstümmelungen im Namen einer geisteskrank gewordenen Anthropologie, wie sie bei der Praxis der Organtransploantationen zur Regel wurde, wo man über eine bequeme, aber falsche Definition des menschlichen Todes lebenden Menschen lebenswichtige Organe entnimmt, um sie anderwärtig zu verwenden. Man denke aber auch an den Irrsinn, der sich bei Geschlechtsumwandlungen bereits abspielt. 

Montag, 23. Mai 2022

Der Plan ohne Plan

Wenn hinter all dem ein Plan steckt, dann hat er sich sehr gut versteckt. Normalerweisel nimmt man an, daß ein Plan auch eine Ordnung zum Ziel hat. Aber was diese Ordnung nun sein solle, die man da anstrebt, will sich nicht erschließen. Und in der Krise, die sich "Ukraine" nennt, offenbaren sich Widersprüche, die anmuten, als wären sie die Ausblühungen eines längst übersättigten Gemischs, durch das man 100.000 Volt durchgeschickt hat, sodaß die nun aussinternden Inhaltstoffe wie zufällig vor uns zu liegen kommen - aber keinen Plan ergeben. Sondern wie das wirre Sammelsurium der Bausteine eines Hauses wirken, die nebeneinander und zufällig aufgelegt werden. Eines Hauses, das man gerade abreißt.

Damit sind alle die Widersprüche gemeint, die sich derzeit aus der konkreten (vor allem Außen-)Politik offenbaren. Einerseits will Amerika die Weltmacht behaupten, anderseits schwächt es sich permanent in der Basis, von der aus sie das bewerkstelligen könnte. Handfestes Beispiel: Gerade eben hat Joe Biden die Pipeline von Alaska nach den USA endgültig gestrichen. Über sie sollten aber jene 800.000 Barrel Öl in die Industrieen der Staaten fließen, die man bislang von Rußland bezogen hatte, und nun aus dem eigenen Land beziehen hätte können. 
Was für ein Plan könnte also da dahinterstehen? War es nicht Roosevelt, der einmal gesagt hat, daß in der Politik nichts zufällig geschieht, selbst wenn es so aussieht?

Sonntag, 31. Oktober 2021

Gedankensplitter (1355b)

Flugsand und Perspektiven. Die Volksstimme. - Diese seinerzeitige Wochenzeitung der Kommunisten Österreichs (ich hatte sie jahrelang abonniert, ah, jetzt weiß ich es wieder, eine Bestellkarte, die mit besonders günstigen Studenten-Abos warb, war den Unterlagen beigelegen, die ich bei der Immatrikulation in Graz erhalten hatte) war ja billig gewesen. So wie alles billig war, was in deren Verlag entstanden ist nur das Parteiorgan der Kommunisten. (Siehe Anmerkung**)

Woher auch immer, ob aus Wien, Moskau, Berlin, Bucuresti oder Budapest, Druckwerke dieser Provenienz waren untereinander absolut ähnlich. Sie rochen sogar gleich. Wie meine Marx-Lenin-Übersichtswerke, die stehen noch heute in meiner Bibliothek (und riechen noch immer stark, wenn man sie aufschlägt). Sie sind aber wenig wert, wie ich oft genug gesehen habe, daß allen diesen Ausgaben oft die interessantesten Stellen und Schriften ... fehlen.

Jedenfalls leistete sich dieses Druckwerk einer Wochenzeitung mit dem Selbstverständnis eines Parteiorgans mit einer "verkauften" Auflage von 4.000 oder 5.000 Exemplaren (Mitgliedschaft in der KPÖ schloß ein Abonnement im Jahresbeitrag mit ein) den unfaßbaren Luxus, über dessen Sinn scheinbar niemand auf konservativer Seite nachdachte, dutzende Ausbildungsstätten für Journalisten zu bieten. Vor zwanzig, dreißig Jahren gab eine Untersuchung. 
 

Samstag, 30. Oktober 2021

Gedankensplitter (1355a)

[Man erzählt sich von] allen wahrhaft großen Menschen, daß sie mehr Typen als Individuen gewesen seien. 
(Richard von Schaukal, Erkenntnisse und Betrachtungen)

Persönlichkeit entfaltet sich in dem Maß, als der Mensch sich auf einen Ort hin überschreitet. Nicht im "Selbst sein wollen" liegt also die Größe, sondern in der Bereitschaft zu empfangen, dessen, was immer da kommt, indem man sich an eine Aufgabe, an eine Identität, an eine (immer erhaltene, einem übergebene) Position in der Welt hingibt.  

***

Im Magna-Autozulieferteilebau-Werk in Graz, der Hauptstadt der Steiermark (eine Fabrik, die übrigens auch und im Auftrag von Mercedes, BMW etc. jährlich zehntausende Autos baut, das aber nicht an die große Glocke hängt, um die Automobilfirmen/-marken, ihre Kunden am Teilemarkt, nicht zu vergraulen), in diesem Werk also wurden ab Ende September die Werkskantinen für alle Ungeimpften gesperrt. Während die Firma nichts dagegen hat, daß am Fließband Geimpfte und Ungeimpfte nebeneinander stehen, miteinander arbeiten, wird beim Essen diskriminiert. Eine eigene Kantine für Ungeimpfte gibt es natürlich nicht. 

Wohlgemerkt: Wir reden hier von GESUNDEN. Die behandelt werden, als hätten sie eine Seuche. Während die Geimpften doch aus einem Grund geimpft worden sind, den man "Immunität" nennt. Wie sie bei Genesenen besteht.

Nachdem es also nicht um Gesundheitsaspekte gehen kann, denn dann dürfte man die Gesunden überhaupt nicht mehr beschäftigen, stellt sich die Frage, was damit bewirkt werden soll. Und wer soll nun wen noch anstecken? Oder handelt Magna einfach bewundernswert klug, weil die Gesunden vor der Infektion durch die Geimpften geschützt werden? 

Auch möglich. Aber einen merkwürdigen Umstand sollte man denn doch beseitigen. Den, daß so getan wird, als hätten Gesunde einen Mangel! Indem man sie zu UN-....(irgendwas) macht. Dabei sind SIE DIEJENIGEN DIE KEINEN MANGEL HABEN, und darin jedem Geimpften völlig überlegen. 
Wir leben aber überhaupt in einer Zeit, in der das Normale zum Mangel wird. Und sich alle möglichen Parteiungen und Bewegungen die größte Mühe geben, Rezepte zu verbreiten, mit denen das Normale, das Gesunde zu einem Ungesunden und Unnormalen wird. 
KEINES DIESER REZEPTE ABER, DAS NICHT SELBST ES IST, DAS KRANK UND ABNORMAL MACHT.

***

Noch ein Wort zu Graz:

Sonntag, 16. Mai 2021

Der Samstag Nachmittag Film - der sich mit der Betrachtungsdauer umstülpt (2)

Teil 2) Wäre da aber nicht auch noch ein anderer Gedanke,
der wie eine Versuchung in die Hosenbeine der
Interpretation gekrochen kommt. Wäre da nicht ...


Nun haben wir also gestern jene Seite des Films "Ein Herz kehrt heim" besprochen, die ihn mehr "für sich stehend" sieht. Aber das ist noch nicht alles, will man ein Ding sehen. Dazu gehört auch beim Kunstwerk der Ort, an dem es steht. Dazu gehört also die Gesamtsituation Deutschlands in jenen Jahren. Das oben schon zitierte Deutschland des Wirtschaftswunders.

QR Doku Nazis und Geld
Soferne das überhaupt eines war - wir wollen das nicht weiter vertiefen. Denn es braucht wohl Engländer als Historiker, um solche Dinge zu erkennen und zu sagen. Und Amerikaner, um sich schließlich gar nix mehr zu scheißen, und gegen Ende der sehr interessanten ARTE-Dokumentation über das Wirtschaftssystem bis 1933 bis 1945 folgendes festzustellen: 

Von einem Wirtschaftswunder in Deutschland kann man nicht sprechen, wenn man nicht die eigentlich desaströse Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches zum Verständnis heranzieht, die durch ihre Geldproduktion auf einen Totalkollaps zusteuerte. Deren Geldberge bis 1945 - es gab mehr und mehr Geld (weil alle ja "verdienten"), aber nix mehr zu kaufen, weil die gesamten Rohstoffe in die Rüstung flossen (sogar die Düngemittel wurden für Sprengstoffe herangezogen, was sich fatal für die Ernte NACH Kriegsschluß auswirkte) - man mit der Währungsreform 1949 fast betrügerisch wieder los wurde.

Sonntag, 28. März 2021

Bis zum Staub, aus dem alles ist (2)

 Teil 2) Soziologische Strukturen und ihre Ideen


Nun freilich, auch den VdZ stört Unordnung, die immer gleichbedeutend ist mit Dingen, die nicht geliebt, die in keiner Ordnung gehalten werden. Was können dabei doch noch sinnvolle Zielsetzungen sein? Vielleicht Müllzerkleinerer, vielleicht durch Mikrobeninjektionen aufbereitete Müllhalden, die durch einen möglichst reichhaltigen Müllmix in möglichst kurzer Zeit einen möglichst weiten biologischen Raum bieten. Eine verschimmelte Gurke neben einem Plastikfrettchen könnte etwa das beste Mittel sein, um die Zeit abzukürzen, in der das Plastik zerfällt, und sich in die ersten Materiestufen zurück gliedert - Staub. Erde. Dreck also.

Aber für sich gesehen sind Aktionen wie "Plastikverbot", mit dem wir es freilich längst zu tun haben, vollkommen sinnlos, ja sogar gefährlich. Unser Leben verläuft immer innerhalb einer Kultur. Und hat sich darin eine ungeheuer komplexe Gemengelage geschaffen, in der jedes Teil seinen Platz hat, und so gut wie alles mit so gut wie allem zusammenhängt. 

Man kann nicht einfach einen Baustein herausziehen und meinen, was auch immer mit ihm zusammenhängt sei nun gelöst. Dieses Ganze ist eben nicht einfach als "Summe" von Teilen zu sehen, ja nicht einmal nur als unentwirrbar komplexes Durch- WEIL Miteinander von Dingen, die in Beziehungen stehen, und deshalb immer innerhalb von Prozessen stehen. Sondern die Dinge brauchen einander! Deshalb verlangt Umgang mit der Umwelt in erster Linie größte Bedachtsamkeit und Ehrfurcht der Überlieferung gegenüber. Und das ist vor allem den Weltrettern an die Stirne zu nageln. 

Plastik ist unverzichtbar, und es ist als Problem gesehen ganz sicher nicht kurzfristig lösbar. Je mehr Arbeitsschritte aber angewandt werden, um das Plastik zu behandeln, desto mehr muß uns klar sein, daß jeder solcher Arbeitsschritte Energie KOSTET, und deshalb die Gesamtrechnung mit dem Müll nie aufgeht. 

So, wie sich keine Gesamtrechnung (als Mosaik, dessen Gesamtbild in Gottes Hand liegt, zu dem alles Ding einen Platz in einem Gesamtgefüge beiträgt) dieser vielzitierten "Zivilgesellschaft" (was für ein Unsinn! wie verbreitet aber als Schlagwort) ausgeht. Die da mit dem einzelnen Steinchen meint, das Gesamtbild in die Hand nehmen zu können. Und damit unausbleiblich Erwartungen schafft, die niemand erfüllen kann, und damit ein ungeheures Potential der Frustrationspotentiale schafft, die zur Aggressionsbereitschaft wird.

"Die Welt ist nicht so, wie sie ist, weil so viele Schlechtes tun. Sondern weil nur wenige Gutes tun," heißt es in dem Film. Mit diesem unerträglichen Aktivistenmotto endet er sogar, als Botschaft, die hängen bleiben soll. Unerträglich, weil überhaupt wahr erst, wenn man definiert, was "gut" ist. Das "Gute" der Öko-Aktivisten ist es jedenfalls nicht. Das hier Gemeinte ist es jedenfalls nicht, weil das Gesamtbild nicht als geschenikhafte Einsenkung gesehen wird, sondern als Produkt des eigenen Tuns, das auf wundersame Weise ein unserem Willen entsprechendes Gesamtbild "schafft", 

In "Risk and Culture" zeigt Mary Douglas, daß es eine "ökologische Bedrohung an sich" nicht gibt. Vielmehr gibt es eine bestimmte Auswahl von Gefahren, deren Auswahl selbst eine profunde Aussage über die psychosozialen Strukturen einer Kultur sind. Die mit ihren unterbewußten Ängsten, die sublimiert werden, mit ihren Bewältigungsstrategien von Schuld und Sinnleere (sic!) zu tun haben. Aber nicht mit einer "absoluten Umweltgefahr." 

Das ist schon daran erkennbar, daß sie nie rational sind! Sie sind nicht einmal "empirisch", wie natürlich bei allen diesen Dingen behauptet wird, die als Sublimierungen dienen. Und sie sind auch keiner "freien" Wahl entsprungen. Urteile darüber, was gefährlich ist und was gut ist sind immer sozial, damit ökonomisch, psychologisch und religiös bedingt, und sie sind auch immer eines: Sie sind grenzwertig im Sinne von grenzüberschreitend. Von Menschen, die sich an den Rändern der Kultur sehen, dieser eigentlich gar nicht mehr zugehörig, obwohl sie von ihr abhängig sind. 

Diese Widerspruchshaltung ist also nie wirklich auf Ablösung ausgerichtet, sondern auf ein Selbst-Gefühl, um sich in der Abgrenzung durch den Widerspruch gewissermaßen "selbst wahrzunehmen." (Man sieht somit die Nähe zum Narzißmus.) Das wird auch darin deutlich, daß - eben! - Gesamtkonzepte, konstruktive Gegenentwürfe immer fehlen, über einen nur angerissenen Charakter einer Alternative nie hinausgehen, die anzustreben es vor allem natürlich an Risikobereitschaft fehlt. Schöpferisches aber braucht diese "Gewalt", in der sich der schöpferische Mensch ins Nichts fallen läßt. 

Deshalb ist der Charakter der Öko-Bewegungen an sich auf die Gruppenexistenz ausgerichtet, sind alle Gegenbehauptungen bloße Attitüde. Sämtliche ihrer Werte sind deshalb so abstrakt, daß jeder sie befürwortet, niemand sie verneinen würde.

Das Gutmenschentum, das soll damit gesagt werden, ist keine Einzelerscheinung. Es ist an sich eine (Douglas sagt sogar: sektenhafte) Gruppenerscheinung mit identitätsorientierter Funktion: Sie soll im bestehenden (kritisierten, "hinterfragten") Gesellschaftsganzen einen anderen Weg zum Elitären ermöglichen, ohne die Wehen des Schöpferischen (das eigentlich das Elitäre begründet, das ja in einem Schöpfergott gipfelt) durchmachen zu müssen. 

Jene Bewegungen aber, die sich gegen "Umweltverschmutzung" wenden, die also (gewissermaßen) Schmutz kritisieren, sind eine Analogie zum "Reinsein wie Gott." Der Umweltsaubermann sublimiert den psychologischen Anspruch auf Göttlichkeit. Darin liegt aber auch die Wahrheit der oben zitierten Aussagen über die Zusammenhänge von Hygiene und Wohlstand (als Weltbesitz).

Gut ist etwas nur, wenn es auch wahr und damit schön ist. Gutes außerhalb des logos (Sinn, Ausrichtung auf) gibt es also nicht. Und das heißt: Gutes zu tun ist eine Frage des Gehorsams dem Sinn gegenüber, in den alles eingebettet ist. Noch enmal: Weil es dieses Ding ohne solchen übergeordneten, das Einzelne umfassenden Sinn nicht geben würde. 

Wie also kann es Gutes geben, das keinen Sinn hat? Dieses Gute ist kein Bild, das abzubilden ist, wie es die Generation der post-68er Intellektuellen glaubt. Die bereits in solidem Wohlstand aufgewachsen, intellektuell gut ausgebildet, den Elterngenerationen "überlegen" wurden. 

Für sie hat sich das Gute von den Dingen gelöst. Für sie wurden die Dinge zur Idee, wurden die Ideen das, was die Welt jederzeit, beliebig und radikal "ändert". Ihre Ideen sind "reiner" als die Dinge, und damit sind die Öko-Eliten, die gegen Umweltverschmutzung antreten und damit den Eltern die Dinge aus der Hand nehmen, auch die Göttlicheren.

Aber das Gute ist ein Wille, den Sinn einer Sache zu stärken, wie er in deren Wesen angelegt ist, und somit im ehrfürchtigen Hegen des Dinglichen den Sinn zu bejahen. Und darin beginnt das Gute direkt an der Haut, denn hier beginnt es in der Liebe, die es ebenfalls nur konkret am Ding gibt, und die allen Dingen somit zugrunde liegt. 

In der Liebe zum Ort, an dem wir stehen, und an all dessen Beziehungen, die er hat, weil und so lange er ist. Denn alles Seiende ist ein Schnittpunkt des Lichts, der die empfangene Liebe schöpferisch zu einem Sein umsetzt und (erst) darin, als abgewandeltes, durch eines Individualität verändertes Licht weitergibt.

Von den Dingen weg, von der Ordnung der Dinge weg, in der sie stehen, bedeutet somit ein Losreißen vom Sinn. Und macht die Reinheitshandlung zu einer nur noch symbolischen Handlung eines Gutheitsbildes, die nicht mehr nach Sinn fragen darf. Umso mehr findet sich somit in den Öko-Umweltschutzbewegungen und -ideen in sich stehende, gut zu sein vorgebende Einzelhandlungen, die aber im großen Ganzen keinen Sinn mehr ergeben. Die nur noch Ablaufoptimierungen, bloßer Technizismus sind, der seine Gutheit aus einem ablaufimmanenten Logizismus ableitet. 

Dessen Formeln den Ordnungsträgern der Elterngeneration unbekannt sind, weil deren Vorgangsweise und Lebensprinzip das des Sinns war. Auch das "Plastikverbot" (das ohnehin kaum ein Prozent des verwendeten Plastik betrifft, aber kaum jemanden unbehelligt läßt) richtet im Ganzen gesehen mehr ökologischen Schaden an, als es solche beheben könnte.

An diesem Thema zeigt sich somit exemplarisch, was der gesamten Öko-Bewegung zugrunde liegt. Die im Einzelnen von vielerlei "Logik" begleitet wird, die wie ein Begleitwalzer über alles drübergelegt wird, die aber sinnlos ist. Sodaß sie auch nur Unsinn produziert. Weil alles vom Sinn ausgeht, wird auch diese Öko-Zielsetzung (wie jede andere) nur Schaden und sinnlose Geldvernichtung bringen. Als Last, die die Menschen zu tragen haben werden. Denn die Last des Lebens selbst bemißt sich nach dem Räderwerk des Sinns.


*220321*

Samstag, 27. März 2021

Bis zum Staub, aus dem alles ist (1)

Es gibt im Handeln zwei Ebenen, die voneinander - seltsamerweise? ja, seltsamerweise, für ein gewisses Denken auf jeden Fall - völlig unabhängig sind. Das eine ist, daß jeders Handeln einem Bild folgt, einem Gestaltbild. Und insofern den ganzen Leib des Menschen einschließt, samt dem, was das Geistige am meisten vorbereitet und prägt, dem sensitiv-seelischen. 

Dann aber gibt es die Ebene des Sinns, des Wahren, des Richtigen. Auf dieser Ebene erschließt sich der Sinn des Menschen als Ganzes, denn hier entscheidet sich, ob ein Handeln sinnvoll ist oder nicht. Ein Beispiel: Es kann wunderbar befriedigend sein, Geschirr zu waschen, und man kann dabei herrlich soziale Verknüpfungen abarbeiten.

Was man aber nicht sieht ist, daß das herrlich glänzende Porzellan vom Nächsten, von dem ich aber nichts wußte, in den Müll geworfen wird. Weil niemand das Geschirr noch braucht, und nicht nur beim nächsten Essen nächstes frisches Geschirr zur Verwendung kommen wird, sondern mit dem Wegwerfen ein Überangebot an Tellern abgebaut werden soll. 

Es war also sinnlos, sich so viel Mühe zu geben, das warme Wasser zu organisieren, die Seife, die Handtücher zum Polieren. Und es war im Ganzen sinnlos, zuvor mit anderen zu streiten, wer denn nun diese lästige Aufgabe erfüllt.

Diese umständliche Einleitung (die natürlich etwas vereinfacht, oft ist es etwas komplizierter) kam dem VdZ in den Sinn, als er die Dokumentation auf Servus TV "Plastik" sah. Wo von Beginn an großes Augenmerk auf die individuelle Aufgabe gelenkt wird, die da schlicht lautet: Plastik ist zu vermeiden! Und jeder habe dazu seinen Beitrag zu leisten. Höhepunkt war ein Satz, der wie ein Motto gleich zu Beginn vom Sprecher vorgesetzt wurde, und zu dem wohl ein großer Teil der Zuseher zustimmend nicken würde, ja der sogar "tiefgründig" wirkt. Und der da heißt: Die Natur produziert keinen Müll. Aber dieser Satz ist ... nicht richtig.

Denn sehr wohl produziert "die Natur" Mülle, Abfall. Und sie verfährt damit genau so wie mit allem, was der Mensch, der alles, was er hat, verwendet, ge- und verbraucht, womit er produziert und arbeitet und Geschirr abwäscht, der einzigen Ressource, die er hat. Und das ist - die Natur. Dieselbe Natur, die angeblich "keinen Müll" produziert, macht beim Menschen eine Ausnahme. Der zwar dieselben Bestandteile verwendet, wie "die Natur", der daraus aber seltsamerweise "Müll" herstellt. Wie kann das sein?

Eben. Es kann gar nicht sein. Denn auch das, was der Mensch durch verschiedenste chemisch-technische Prozesse in bestimmte Möglichkeiten verwandelt, die den natürlichen Stoffen innewohnen, und die der Mensch ob gewisser Eigenschaften herausfindet und kompiliert oder destilliert und extrahiert und was auch immer.

Das Treiben, Plastik zu vermeiden, ist aber sinnlos. Es ist sinnlos, wenn nicht gleichzeitig auf bestimmte Funktionen verzichtet wird, die Plastik derzeit erfüllt. Und weswegen es nicht nur erfunden, sondern so vielfach und von Jahr zu Jahr mehr (!) eingesetzt wird. So gut wie KEINE Maschine, die wir verwenden, kommt ohne Plastik aus, und unser technisch hochgezüchtetes Leben ist ohne Plastik völlig undenkbar, ja ruht auf den Schultern von Plastik.

Aktivismus in jeder Form sollte also sozial geächtet werden, weil es eine Zerstörung unserer Kultur verlangt. Anders ist ein Verzicht auf Plastik nicht durchführbar. Er würde ein völliges Verändern der Art verlangen, wie wir leben. DARÜBER kann man dann diskutieren, meinetwegen. 

Aber dieser Aktivismus, mit dem wir immer mehr zu tun haben, und der wie ein Massenrechen durch die Reihen der Menschen fährt, um aufzugabeln, was immer ihm in die Zinken gerät, ist eine reine Alibihandlung, und insofern sogar eine glatte Lüge. Er ist ausnahmslos eine symbolische Handlung, die nach bestimmtem Bilde geformte körperliche Gestalt imitieren soll, von der wir aus der Vergangenheit erfahren haben, daß sie als "gut" klassifiziert wurde. Und vor allem eines: Im Rahmen unserer sozialen Konstrukte hoch geschätzt und mit weit ausholender Geste belobigt wird. Sodaß er sich als soziale Norm aufspielt, die da behauptet, eine Moral zu installieren, die der Rettung der Welt dient.

Es kann nur einen Weg geben, um "Müll" zu reduzieren, und der hat mit Zeit zu tun. Im Film finden sich einige Beispiele, auch wenn dieses Machwerk (das das Genre Dokumentation als Propaganda und Einklatscher für eine bestimmte Stimmung mißbraucht) darauf viel zu wenig und viel zu wenig grundsätzlich eingeht. Denn die Aussage, daß Plastik zwischen zwanzig und mehreren hundert Jahren braucht, um abgebaut zu werden, überbringt eine erstaunliche Botschaft! Nämlich die, daß jedes Plastik mit der Zeit verschwindet weil durch natürliche Prozesse mannigfacher Art in immer feinere Bestandteile zerlegt wird. Ja sogar manchen Lebewesen (wie manchen Wasserpflanzen samt deren Parasiten, womit die Nahrungskette ja erst am Anfang steht, die letztlich beim Menschen endet) wichtige Bestandteile liefert.

Man kann Vorgänge finden, die diese Zeit reduzieren, die das Naturmaterial Plastik braucht, um entweder durch andere Lebewesen zerlegt und verdaut, durch verändernde Prozesse wie Temperaturunterschiede, mechanisches Einwirken (alleine die Wellen im Meer wirken wie Mahlsteine; die angebliche "Plastikinsel" im Pazifik hat es nicht nur nie gegeben, es gibt sie nach wie vor nicht; bis das Plastik dort anlangen würde, ist es bereits zerlegt) oder gemäß dem Zweiten thermodynamischen Grundgesetz durch Entropie und manchmal mehrere Stufen weit in so grundlegende Grundbestandteile zerfällt, die möglich und erwünscht sind. Bis zum Staub. So gut wie immer gibt es dazu reichste Unterstützung durch Lebewesen, ob groß oder winzig klein, die von den Plastikteilen sogar leben, die sie konsumieren, verdauen, und auf niedrigere Materieebenen zerlegt wieder ausscheiden. Bis zum Staub eben. Man schätzt, daß nur zwei bis drei Prozent des Plastiks, das in den Ozeanen landet, ein oder zwei Jahre "überlebt". Es kann auch gar nicht anders sein, denn sonst wären die Ozeane tatsächlich voll mit Plastik. Aber das sind sie nicht! All das Gerede vom Mikroplastik, das "überall" zu finden ist, ist in der verwendeten Art eine Lüge.

Aber dafür wird etwas Wichtiges verschwiegen. Daß praktisch alle Zwischenschritte, die gesetzt werden, um Plastikmüll zu vermeiden, nicht nur (energie-)aufwendig und im Ganzen völlig sinnlos sind. Weil sie dem großen Ziel (einer liebenden, schützenden Behandlung der Natur) widerläufig und kontraproduktiv sind. Oder gar noch mehr Müll verursachen (weil keinen Ort haben, also im großen, universalen Nichtort des Zerfalls zu Staub enden) wie es Plastik tut. 

Man denke an den Ersatz von Plastiksäckchen im Verkauf durch Naturfasern. Eine hier seinerzeit vorgestellte Studie aus Kalifornien ist dieser Frage nachgegangen, und zu einem erschütternden Ergebnis gekommen. Insofern ist das Thema ein besonders illustratives Beispiel dafür, wie unsinnig ökologisches "Denken" sein kann, ja, in seiner Grundverfaßtheit auch ist. Weil es dem Handeln immanent seiende Qualitäten (im Wesentlichen immer: Liebe), die es ohne dieses Handeln also gar nicht gibt, zu angeblich für sich stehenden Dingen macht.

Alleine der Transportaufwand für Textilsäckchen anstelle der früheren Plastiktüten verfünffacht sich im Verlauf sämtlicher Anwendungsstufen. Dazu kommt der Aufwand für das Handling, die Lagerprobleme, nicht nur durch die größere Menge, sondern durch Verrotten, den Mangel an Hygiene, die Umweltbelastung" durch das Waschen, der vielfache Energieverbrauch für die Herstellung. Und wenn gar noch Recycling dazukommt, läuft die Rechnung völlig aus dem Ruder. Mit dem sensiblen Bereich, der mit Naturstoffen nicht zu lösen ist: Die Hygienestandards alleine in den Bereichen Medizin und Lebensmittel sind ohne Plastik überhaupt nicht mehr einzuhalten. 

Wir sollten nicht vergessen, daß der Wohlstand in unseren Ländern, der letztlich sogar ein Wohlleben durch verlängerte Lebenszeit ist, ist ausschließlich einem völlig anderen Hygienekonzept zu verdanken, als es weite Teile der Welt bis heute pflegen. Mary Douglas bringt es einmal sogar auf die Spitze, in dem sie schreibt, daß (wenn man es komplett durchdenkt) größerer Wohlstand immer auf höheren Hygienestandards beruht. Denn Hygiene bedeutet nicht nur Unvermischtheit, sondern ist eine Frage der Ordnung. Und das Vermögen zu Wohlstand ist zuerst ein Vermögen des Ordnens weil der Herrschaft über die Lebensbedingungen. Man schätzt, daß mindestens ein Drittel des Plastiks, das in die Ozeane gelangt, alleine aus medizinisch-hygienischem Material stammt!

Morgen Teil 2) Soziologische Strukturen und ihre Ideen


*220321*

Donnerstag, 14. Januar 2021

Die Reduktion der Frage nach dem Warum

Es ist das Thema des Films "Der eiserne Weg", und es ist das Thema des Jahrhunderts, ja der Knackpunkt unserer Kultur. Jene Weggabelung, an der sie falsch abbog. Und sich nunmehr auf den Bau von Hochhäusern und Wolkenkratzern, deren Spitzen allesamt in den Nebeln und Wolken verschwinden, verlegte. Es war nicht die Technik, die einbrach, das wird falsch gesehen, denn Technik würde nicht einbrechen, wenn sie nicht für jenen oder diesen Nutzen hätte. Dabei muß zwischen jenen unterschieden werden, die sie einsetzen, und jenen, die davon profitieren. Die das zumindest meinen. 

Wobei sie nicht bemerken, daß sie immer zwischen zwei Fällen unterscheiden: Im einen geht es um den Zuerwerb einer Erleichterung, in der ihr Leben fortan verlaufen könne. Im anderen um den Verzicht auf jene Lebensmomente, die mit dem längeren Weg der weniger perfektionierten Technik verbunden waren.

Aber es gibt noch einen Punkt, und der erscheint überhaupt als der Wichtigste. Mit der Technik ist ein Welterleben verbunden, das die Welt selbst beherrschbar macht. Was keineswegs heißt "begreifbarer", nein, nur: Beherrschbarer. Man schneidet aus der Welt ein Bündel Zusammenhänge von Ursache und Wirkung heraus, und erzeugt das, was mit dieser kleinen oder großen Maschine (je nach Ausschnitt) eben beherrscht und hergestellt werden kann. 

Im erwähnten Film geht es um diese Fragen. Die im 19. Jahrhundert sämtliche Menschen der abendländischen Kultur erfaßten. Daß sie mit den Antworten auf diese Fragen auch so grundsätzliche Weichen stellten ist den allerwenigsten klar gewesen. AM meisten noch den Besitzern und Betreibern der Maschinen, die sich in progressivem Tempo ausbreiteten, und einen Lebensbereich nach dem anderen herausrissen, umfaßten, beherrschten, und so die Lebensweise selbst umgestalteten.

Aber eben nicht nur in technischen Abläufen. Sondern in der Wahl von Wirklichkeiten. Denn nach und nach entstand so allgemein die Vorstellung einer Welt, die bis ins letzte zu erfassen, und bis ins letzte zu beherrschen ist. Aus einer Welt, die uns gegeben und zur Verwendung wie Verwaltung überantwortet ist, deren wahres Wesen aber so umfassend ist, daß es dem Menschen niemals gehören kann, stattdessen nur einem gehört, dem Urheber aller Dinge, dem Urheber und Betreiber der Welt selbst - Gott, wurde eine Welt, der das alltägliche Erfahren eine ganz andere Wirklichkeit zusprach: Die der menschlichen Herkunft und Herrschaft, damit Machbarkeit. 

Der Mensch des 20. Jahrhunderts war somit ein Mensch, der meinte, alles sei machbar und ihm zu eigen. Damit wuchs seine Verantwortung, und damit die Notwendigkeit, seine Herrschaft auszuüben. Das vergangene Jahrhundert war somit folgerichtig gekennzeichnet von Ideen, die die Beherrschung der Erde (mit der Tendenz, darüber hinaus und in den Kosmos auszugreifen) zum Programm machten. Das nennt man nun Ideologien. Also die von einer Idee ausgehende, von dieser Idee und Logik beherrschte Grammatik der Welt. Der naheliegendste Zielpunkt dabei war der Mensch, die Kultur, die Gesellschaft. 

Alles das hatte man - selbst aufs Spiel gesetzt, selbst in die Gottesprobe geworfen (und kein Gott griff scheinbar ein, um das Riskierte zu retten) - zerfallen erlebt. In vielen Kriegen, mit einem durch die Technik der Waffen eskalierenden Maß an Leid und Blut. 

Die destillatorische Reduktion der Frage nach dem Warum

Das ist der innerste Kern von Faschismus und Kommunismus und wie die -ismen alle heißen, es ist der innerste Kern aber auch der Vorstellung von Problemen der Welt und deren physischer Verfaßtheit. Und auf letztere wollen wir den Blick lenken.  

Denn mit der Technik entstand eine Vorstellung einer Welt, die so ganz anders war - und man konnte das ja scheinbar beobachten: Funktionierte Technik nicht? Konnte man mit ihr nicht die Lebenswirklichkeit in einer Totalitarität umgreifen, die nicht mehr zu überbieten scheint? Sagte uns die Psychologie nicht, daß es auch im Innenleben des Menschen, im "Geistigen", gar keine Transzendenz gab, sondern daß alles "weltintern erklärbar" war?

Was keinem auffiel war, daß die Frage nach dem Warum auf eine Weise reduziert wurde, die das Warum überhaupt aufgab. Sondern sich mit einer Erklärung über die technischen Abläufe zufrieden gab. Die aber gar kein Warum erklären weil enthalten! Warum ein Schotterberg verschwindet ist nicht damit erklärt, daß ihn ein Bagger verschaufelt und auf Lastwagen verladen hat. Sondern weil ein menschlicher Wille, also ein "rein geistig Ding", es so angeordnet und bewirkt hat.

In "Der eiserne Weg" wird deshalb Einiges recht gut sichtbar. Auch wenn die Position der Filmmacher recht klar ist. Mit diesem Film ist sogar eine Ära gekennzeichnet, die in jenen Jahren begann, und uns heute voll umfangen hält: Eine andere Behandlung der Frage nach dem Warum. Deren Beantwortung gar keine Antwort mehr isset, sondern die Antwort einfach weiterschiebt, und immer weiter, bis sie im Nebel des Hochhauses verschwindet und der Frager hoffentlich sein Interesse verliert.  

Der VdZ hat eine diesbezügliche Stelle daraus markiert, auch wenn es deren einige gäbe. Es ist eine fünf Minuten dauernde Sequenz, die ab der 47ten Minute des Videos beginnt. Da wird ein Baum gefällt, und stützt auf einen Arbeiter, einen Bauern.*

Was wird dort sichtbar?

Da sagt der eine, der schon zuvor durch frommes Verhalten aufgefallen, daß dieser Unfall ein Zeichen Gottes sei. Das wischt der andere, der moderneren Sinnes ist (was er im Film auch beweist, ja, womit er die erzählte Geschichte überhaupt an sich reißt) glatt vom Tisch. Es sei kein Zeichen Gottes gewesen. "Es war ein Baum."

Und er hält sich dabei natürlich für überlegen weil gescheiter als dieses dumme Bauernpack, das sowieso nicht begreife, was da rundherum vor sich gehe. Und daß die Macher des Filmes auch dieser Auffassung sind ist kaum zu übersehen. Es ist der Grundtenor des Filmes, der da auch zeigen möchte, daß man sich nicht angemessen behaupten könne, wenn man nicht diese technische Ursache-Wirkungs-Ebene sehe und heranziehe. Denn nur dort sei auch um eine gerechtere, also schönere Welt zu kämpfen. 

Ist das so? Was ist da passiert? Es wird einfach eine reduzierte Welt herangezogen. Die Vorgänge werden aus einem breiten, ja so umfassenden Wirklichkeitsfeld, daß es für den Menschen in der Unzugänglichkeit des Wissens und Vorsehens und Willens Gottes ausläuft, herausgefischt und für sich gestellt. Wie Figuren in einem Tischtheater steht nun eine völlig andere Welt vor einem. Eine, die an der Haut der Menschen, an den Mauern des Hauses, an den Zäunen der Welt, der auf technische Vorgänge und Verhältnisse reduzierte, endet. 

Die selbst natürlich nur Interpretation sind, was im 20. Jahrhundert schließlich denn doch aufgefallen ist, sodaß sich - unter der Prämisse strikten Transzendenzverbotes - die Welt überhaupt aufzulösen begann, das Denken als Unzulänglich für die Welt und die Welt somit unerkennbar und unverstehbar ist. Alles Denken, alles Sprechen (aber natürlich auch alles Religiosieren) ist somit ein mit mildem, nachsichtigem Lächeln zu versehendes Spielfeld der Dummen, Minderbemittelten. 

Über die die Schichte der Klugen, der Wissenden steht, die ihr Geheimnis, daß es gar keine Welt gibt, schließlich sogar für sich behält. Höchstens in den Zirkeln und Salons der Eingeweihten diskutiert, und mit einigen Flaschen Toskaner Rotweines, über dessen Finessen zu unterhalten weit ertragreicher ist als die Diskussion über Sein und Welt, hinunterspült.

Das alles, weil die Frage nach dem Warum nur bis zu einer Grenze zulässig ist, die sich dort befindet, wo das Warum begänne: Bei der Frage nach jenem Weltgesamten, wo es erst wirklich Antworten gäbe.

Sodaß der einfache Bauer, der im Film recht simpel und beschränkt rüberkommt, weit mehr Recht hat als der kluge Nachbar. Weil der nach einem Warum sucht, und ein DARUM kennt. Über das nachzudenken sich erst lohnen würde, weil es wirklich die Welt erklärt. Als so umfängliches Wirkliches, daß es in Gebet und demütig-dankbarer Beziehungsgestaltung viel treffsicherer zu adressieren ist als jede Wissenschaft es vermöchte. Denn die Welt ist im Sinn geborgen. Und sie ist aus Sinn entstanden.

Aber was für einen Sinn hätte ein technischer Ablauf - als sich selbst? Wäre das nicht nur eines: Eine sinnlose Welt? Aber warum lebt der Mensch dann noch? Und warum gibt es ihn überhaupt? Aus technischen Ablaufgründen? Das, bitte schön, ist aber keine Antwort auf die alles entscheidende Frage, die nach dem WARUM. Und in dieser Welt und Wirklichkeit wird plötzlich alles neu begreifbar. Weil in einer Welt des Sinnes tatsächlich alles ein Zeichen ist. Alles.

Auch ein Baum, der auf einen Bauern stürzt. Er wird nun wirklich zu einem Zeichen, zu einer Antwort der Wirklichkeit, ohne daß behauptet wird, daß diese Antwort immer leicht zu entziffern ist. Aber unter der Prämisse einer sinnvollen Welt erst wird diese Welt sichtbar, und erst dann begreifbar. 

In einer Fülle und in einem Reichtum, der dem plumpen Sack, der sich aufs Fressen, Saufen und Huren beschränkt, weil ihm nichts sonst als seichte, auf die körperlich-sinnliche Ebene beschränkte Freuden an dieser Welt bleiben, die in Wahrheit das Auspressen einer trockenen Zitrone sind. Denn nur im Sinn, nur im Logos - der objektiv der Welt untergelegt ist, der sie formt, der sie trägt - wird auch Freude zuteil. Eine Freude, die jedes Huren um Dimensionen übersteigt. 

Wer aber so denkt, reißt der Welt einen Teil heraus, und wundert sich dann nicht nur, daß das Teilegescheppere in der Hand so leblos ist, sondern wirft mit diesem auch die Welt selbst fort. Und genau das ist im 19. Jahrhundert nicht nur passiert, sondern genau das ist es, was hinter dem aufkommenden Ideenstreit steht. 

In dem immer nur persönliche, beschränkte Interessen streiten, und zwar auf BEIDEN Seiten: Der der rücksichtslosen Gier (=Kapitalismus), und der des neiderfüllten Lasters (=Sozialismus), also der selben (!) sittenlosen Gier des Mächtigeren, der mächtig wurde, weil er besser wußte, wie er seine Selbstsucht durchsetzen konnte. Sodaß alles Fragen nach dem Warum nur noch in der Frage endete - und das ist tatsächlich passiert, in so einer Welt leben wir heute tatsächlich - warum man diese Mechanismen, diese Technik der Weltausquetschung, nicht selber besser in die Hände bekam, und wie man das erreichen könnte. 

Sie beide benützen dieselbe Technik: Die der Leidvermeidung, aus Angst vor dem Schmerz und dem Tod, inmitten einer zum Guckkasten reduzierten, aber sinnlosen Welt. Hinter beiden Seiten also steht eine Entscheidung zur Sinnlosigkeit, die die Frage nach dem Warum gar nicht beantworten will, sondern sie nur benützt, um das Erkennen des Logos der Welt zu verhindern.

Sodaß die Frage noch einmal zu stellen wäre: Warum, bitte schön, soll man durch das Herausgreifen beschränkter Abläufe (in einer ebenso begrenzten, ja willkürlich begrenzten Welt, sodaß die Naturwissenschaften nur noch ein Streit um die willkürliche Antwort auf die Frage ist, wo man diese Grenzen denn setzen solle) die Frage nach dem Warum nicht mehr stellen? Denn es fällt nicht ein Baum. Es geschieht ein Vorgang in der unendlichen und unendlich reichen Wirklichkeit, der - ob so oder so - ein Zeichen ist, das sichtbar wurde.



*Bauern sind das erste, kaum wirklich distinkte, definierte Reservoir der arbeitenden Schichten eines Volkes, in denen aber alles Ausdifferenzierte enthalten ist. Die Bauernschaft ist somit die Grundmenge eines Volkes, dessen dritte Schichte, aus der sich im 19. Jahrhundert als erste das Proletariat herausdestilliert hat. Denn die Reduzierung der (freien) Bauern war der Zerstörung deren Lebensgrundlagen geschuldet, und brachte die Notwendigkeit mit sich, an Orte zu gehen, an denen sie überleben konnten. Das waren meist die Städte, als die Orte, an denen es Arbeitgeber - die Industrie - gab. 

Bauern bilden somit (sogar als Allgemeinbegriff zulässig) die breite Basis der Pyramide eines gesellschaftlichen Organismus, deren nach oben folgende Schichten als nächste die des Kriegers und Soldaten kennt, und oben von der Kaste der Adeligen, Geistlichen, Künstler, Philosophen und Lehrer kennt, die im Gipfel in das Transzendente eintaucht: In die Nebel, die das verbindende Moment von menschlicher Gesellschaft und Gott im König umfängt.


*110121*

Dienstag, 27. Oktober 2020

Die Zwillinge Sozialstaat und Kapitalismus brauchen nur Geld (2)

Teil 2) Wirtschaft und Politik brauchen nur noch eines: Geld


Arbeitskräfte braucht man dafür nur noch wenige. Selbst das Wasser "brauchen" die wenigen Standorte dieser Branche nur noch zum Ablassen der Chemieabfälle. Denn das Hauptgeschäft wird mehr und mehr Beschichtung und Verarbeitung, das gut ausgebildete und vernünftige Arbeiter braucht, die es hier gibt. Dafür aber mit Materialien umgeht, die (gelinde gesagt) "heikel" sind.

Nicht mal das hiesige Holz, das es hier im Überfluß gibt, brauchen solche Papierkonzerne noch. (Und das ist der Grund, warum die Waldfläche in Österreich alleine in den letzten Jahrzehnten um zehn Prozent zugenommen hat.) Aber die Zellulose für das europäische Papier wird in gigantischen Mengen aus Südafrika und Südamerika (gewonnen aus schnellwüchsigem Bambus!) geholt. Das Land und Boden auslaugt, der natürlich ebenfalls diesen Konzernen gehört

Trotz der langen Transportwege ist das noch immer um die Hälfte billiger. Denn Globalismus hat eine Achillesferse, hat eine Grundbedingung, und das ist der Transport. Rockefeller wurde ja gar nicht reich "durch das Öl". Er wurde reich und Monopolist, weil er die Transportwege kontrollierte. Gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet ist der Transport aber nur deshalb "billig" (und Globalisierung möglich), weil er den Hauptanteil seiner Kosten (als direkte und konkrete Belastung) auf die soziale Mitwelt umwälzt. 

Kostenwahrheit würde also ein Ende des Globalismus bedeuten! Weil es den Transport extrem verteuern würde. Und das hat mit Öl oder "fossilen Brennstoffen" nur wenig zu tun. Und das ändert sich mit "nachhaltigen Energieformen" nicht nur nicht, sondern wird noch schlimmer. 
Sagen Sie aber das einmal einem "Wirtschafts-", sagen sie das einmal einem "Ökologie-Experten." Daß eine Gesundung unserer "Umwelt" und eine Reform der Art unseres Wirtschaftens schon alleine dadurch, ja fast kann man sagen: Nur! dadurch in die Wege geleitet wird, wenn man umfassende Kostenwahrheit beim Transport einführen würde.

Aber wir wollten es so. Zumindest die Politik wollte - und will! - das alles so. Warum? Weil sie große Einmütigkeit mit dieser globalisierten Industrie hat. Denn beide brauchen nur eines: GELD. Geld und funktionierende Menschen.

Warum machen solche "Erfolgsgeschichten" so traurig? Wobei das Maß der Traurigkeit ganz gewiß weit höher ist, weil viel mehr Menschen diese Traurigkeit teilen, ob bewußt oder (wie meist) unbewußt, weil ihre Sicht der Welt die Gründe für diese berechtigte, richtige, echte Trauer gar nicht erfaßt, sondern diese Traurigkeit sogar in gezielter Lüge ("Depressionen", "Burn out" usw. usf.) zu etwas "anderem" erklärt.

Wußten Sie, geneigter Leser, daß das, was die meisten Menschen (vermutlich auch Sie) glauben, daß nämlich Diamanten "selten" sind, und daß sie deshalb (!) so wertvoll und teuer sind, überhaupt nicht stimmt? Wußten Sie, daß es weltweit so viele Diamanten (bzw. -fundorte) gibt, daß dieser Stein, der nicht einmal besonders "schön" ist (weil so gut wie keine ästhetischen Eigenschaften, die werden per Schliff und Lichtbrechungsmythen dazuphantasiert), spottbillig sein müßte? WENN es nicht ganz besondere Umstände gibt ... die auf die Cleverness von Leuten wie Cecil Rhodes und Nathan Rothschild zurückgehen. Die nämlich in Südafrika und Rhodesien Rohstoffe suchten, aber nur wenig fanden. Außer fruchtbares Land und ein äußerst förderliches Klima. Aber im Boden waren (neben Kohle usw., doch auch die war damals bzw. ist heute eher nur lokal von Bedeutung, weshalb man sie ja aus dem Rennen stoßen will) ... diese durchsichtigen Steine, dieser gepreßte Kohlenstoff. 

Da kam ihnen die Idee, eine ganz neue Form des Geschäftemachens zu etablieren. Eine, in der man nicht Angebot und Nachfrage, sondern einen ganzen Markt in der Hand hatte. Und der erste Schritt dazu war, aus dem Diamanten einen Mythos zu machen, also gewissermaßen seine umfassende Wertschätzung (das eigentliche Kriterium des Preises) selbst zu schaffen. Wozu natürlich gehörte, "den Diamanten" - also die weltweite Diamantenproduktion (die für industrielle Zwecke weit wichtiger ist als für Schmuck) - in die Hand zu bekommen. Warum mußte man diesen Mythos schaffen? 

Eben, weil man auf diesen Stein weltweit gar nicht so viel Wert legte. (Oder weiß der Leser auch nur EIN wertvolles Stück aus der Zeit VOR dem 19. Jahrhundert, das überhaupt Diamanten einsetzt? Eben! Diamanten galten unseren Vorvätern als vulgär! Es gab ihn ja überall, und er war ästhetisch nahezu eigenschafts- und damit wertlos. Gerade der Einsatz als Schmuckstein, als Inbegriff des Edlen und Teuren, der damit einherging, war somit neu. Und dazu mußte man den Diamanten "machen," um seinen Wert in die Höhe zu treiben. Durch Propaganda (Nachfrageseite) wie durch die Macht, den gesamten Markt (also auch die Angebotsseite) zu kontrollieren. Indem man sie buchstäblich besaß.

Das niederländische Diamantenkonsortium De Beers kontrolliert auch heute gut neunzig Prozent des weltweiten Diamantenmarktes. Aber darauf war dann die Marketingstrategie ausgerichtet. In der man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann, den Diamanten als "das Besondere" aufzubauen, den jeder "haben mußte". Was natürlich bei der Ehe beginnt.

Also wie so viele Marketingstrategien. Der Leser würde nicht glauben, wie nüchtern Marketing und Verkauf die Welt oft sehen. Wie gut dieser Bereich, der es sich nicht leisten kann, an der Wirklichkeit vorbei zu agieren, die Realitäten zur Kenntnis nimmt. Und wie berechnend er damit umgeht. In diesem Fall mit der Bedeutung der dauerhaften Zweisamkeit - und die gibt es nur in der Ehe - für den Menschen. Samt der in Wirklichkeit nach wie trotz aller Ideologien.

Gewissermaßen als "Bückware", wir haben darüber schon geschrieben: Daß unsere Wirtschaft in dem Maß heimlich, "unter dem Ladentisch", also als "Bückware" agiert, in dem die Politik den Menschen Ideologie in die Gehirne drückt wird am Marketing klar. Das völlig unbeeindruckt von Ideologie eine Linie der traditionellen Rolle des Mannes gegenüber der Frau fährt, denn Marketing für den Endverbraucher muß erfolgreich sein.

Wußten Sie auch, geschätzter Leser, daß dieses Diamanten(fast)monopol von De Beers (und einigen wenigen derer Kooperationspartner) einer der Gründe ist, warum es in machen Landstrichen Afrikas nicht und nicht Frieden gibt? Es geht um Diamanten. Und das ist mit dem Begriff Blutdiamanten gar nicht wirklich beschrieben. 

Das ist nicht nur ein kleines Detail, sondern es ist Teil einer perfide gesteuerten Ablenkungsstrategie, die getreu der Gesamtstrategie den GESAMTEN Markt beherrscht, also auch die "Kritik". DARAUF zielt seit Jahrzehnten wirklich "gute" Public Relations, wirklich "gutes" Marketing, und wirkliche Strategie von Machtakkumulation in jedem, also auch und vor allem sogar dem politischen Bereich ab: 
Sie beeinflußt oder besitzt nicht nur die Kritik, sondern sie schafft sie sich. Selber. Unaufgefordert. Pro-Aktiv. Damit keiner die wirkliche Dimension des eigenen Handelns entdeckt.

Denn daß es um Diamanten in ganz anderer Hinsicht geht, darf nicht offiziell werden, sonst sind die in hundertfünfzig Jahren aufgebauten strategischen Positionen beim Teufel. Die zu bewahren und weiter auszubauen global agierende Oligarchennetzwerke vor nichts zurückscheuen. 

Auch nicht davor, jedes Land, in dem wieder einmal Diamanten gefunden werden, zu destabilisieren, um genau diese Diamanten ebenfalls unter ihre Hand zu bekommen. Und sei es, daß diese Funde niemandem anderen (!) nutzen. Was nicht einmal ganz unberechtigt ist, nimmt man kapitalistische Maßstäbe. Denn den Mythos, daß Diamanten wertvoll, selten und deshalb so teuer sind, haben diese Männer künstlich geschaffen. 

Ein Mythos, den niemand zerstören will und wird. Warum? Weil so viele daran sehr sehr gut verdienen. Weil vor allem die Politik "der Demokratie" davon profitiert, wenn sich das Kapital konzentriert. Denn Kapitalismus ist "state sponsored usury", ist staatsgestützter und -geförderter Wucher. 
Und Wucher ist die von Wert losgelöste Taktik, die Arbeitskraft des anderen, diese einzig wertschaffende Kraft, in eines Hände zu bekommen, das heißt: Den anderen skrupel- und morallos zu versklaven. Und das heißt: Den arbeitenden Menschen jedweder Selbstverfügungskraft zu berauben. Und das heißt: Die Freiheit des Menschen - und damit Kultur an sich! - zu eliminieren. 
Eine geldzentrierte Wirtschaft, ein geldzentrierter Lebensvollzug heißt nämlich, atmet man die Begriffe von Simone Weil, das Leben auszulöschen, und den Menschen zu töten.


*081020*

Montag, 26. Oktober 2020

Die Zwillinge Sozialstaat und Kapitalismus brauchen nur Geld (1)


Markt St. Gallen in der Obersteiermark
Markt Sankt Gallen (Obersteiermark)
Eine der täglichen Nachrichten über Unternehmenskonkurse und/oder Entlassungen (pardon, "Freistellungen", oder "Kurzarbeit") in den Zeitungen machte den VdZ betroffen. Denn hier geht es um einen kleinen Ort, der von einer großartigen Burg dominiert wird, um Sankt Gallen in der Obersteiermark. Zwei, drei Kilometer vor dem Ort, wenn man vom Ennstal kommend ins Tal der Laussa einfädelt (buchstäblich, es geht zwischen zwei Bergrücken durch ein Nadelöhr), befand sich diese Fabrik, die nun geschlossen wird. Und genau vor der befindet sich die Abzweigung hin zu jener Alm, zu der man sich vom Tal aus auf einer schmalen, aber stets erstaunlich gut asphaltierten Straße in die Höhe schraubte. 

St. Gallen (Stmk.) - Hauptplatz
Vor siebzig Jahren stand auf genau diesen Gründen sogar mal eine richtige Papierfabrik. Die Gebäude hat man in den späten 1980ern dem Erdboden gleich gemacht, und auf diesen Gründen hat man eine neue Fabrik gebaut. Die als Zweigbetrieb eines Verpackungsunternehmens (also gewissermaßen branchengleich) geführt wurde. Ich meine mich erinnern zu können, daß viel Subventionsgeld geflossen ist, weil es in dieser Gegend nicht nur kaum Firmen gab, also keine Arbeitsplätze, sondern weil man die enorme Abwanderung stoppen zu wollen begann. 

Eisenerz ist ja auch nicht weit. Diese alte Stadt, die ich in der Kindheit noch als "große", vor allem wichtige und prosperierende Stadt der "Erzfurche" erlebt hatte, die über den Alpenpaß zu den Eisenstädten Leoben und Kapfenberg verlief. Eisenerz hatte damals fünfzehntausend Einwohner. Und ist heute, nachdem der Eisenabbau durch Maschinen erledigt wird, auf fünftausend geschrumpft ist. 

Wir hatten sogar einen der Dachstühle der alten, wunderbar atmosphärischen Gebäude der Papierfabrik - alte Gewerbebetriebe haben einen ganz eigenen Flair - abmontiert und mit Traktor auf die Alm geschleppt. Als Bauholz wer weiß wofür. Naja, was nimmt man nicht alles geschenkt.

Ehem. Vogtei v. Stift Admont - Ruine Gallenstein
Und nun das Ende dieser Fabrik, die zu einem Verpackungsunternehmen gehörte. Unrentabel. Vermutlich hat man aber ohnehin schon lange gekämpft, weil der Nutzen dieser Produktionsstätte nur nach anderen (aber für eine Kultur, für einen Staat, für das Gemeinwohl weit substantielleren) Kriterien zu bewerten war, nicht nur in Geld. Nicht zuletzt vermutlich wegen Corona, das ja - ei, wie nützlich! - "Zombieunternehmen" geräuschlos (mit)ausputzt.

Was für das soziale Gefüge dieser kleinen Marktgemeinde, deren Bestand seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen ist, enorme Auswirkungen haben muß. Sankt Gallen hat heute nur noch knapp tausendsiebenhundert Einwohner. 

Sankt Gallen ist eben eines der Opfer der "Rentabilitätssteigerung" der Stahlproduktion in der steirischen Erzfurche, die Jahrtausende (!) von Holz und Eisenerz gelebt hat. Auch dieser uralte Ort hat seit den 1960er Jahren nahezu die Hälfte seiner Bevölkerung verloren. Die Metallverarbeitung ist weg, Holz spielt immer weniger Rolle, und nun auch Papier, das wenigstens noch weiterverarbeitet worden ist. Weil aber die gesamte übrige Wirtschaft im Grunde von der Grundproduktion abhängt, gibt es kaum noch schöpferische Arbeitsplätze. Soweit überhaupt noch geboren, sind die Jungen in die Ballungszentren, Graz, Wien, Linz abgewandert. 

Auch der Tourismus ist eher eine Phantasie von Politikern in Wahlreden denn Realität. Touristen haben ein todsicheres Gespür für Orte, über denen Leichengeruch hängt, und meiden sie. Hundert entlassene Leute machen aber gut vier- bis fünfhundert Betroffene. Das sind zwanzig bis dreißig Prozent der Bewohner des Ortes, die für unbestimmte Zeit das Brot des wahren Betriebsmittels der heutigen Sozialstaaten essen werden. Das aus der einzigen Produktion stammt, die in Krisenzeiten sogar besser denn je floriert: Die Produktion von Geld. Aber Geld hält keine sozialen Gefüge! Das tut nur Einheit im Lebensvollzug.

Und die gab es früher, in jedem Tal, in jedem Kleinraum, und damit im gesamten Alpenvorland, das eine verwurzelte Bevölkerung aufwies. Die Rede ist von jenem Landstrich am nördlichen Rand der Alpen, wo das Flachland ins Gebirgige übergeht. Also nicht Fisch, nicht Fleisch, sozusagen, aber entzückend in den Kleinigkeiten und Details. In so gut wie jedem jedem der zur Donau entwässernden Flüsse, in deren Tälern bestanden viele Jahrhunderte lang blühende Sozio- und Biotope, und unter anderem gab es Papierfabriken. Neben dem Eisen eine der Lokomotivenbranchen, die einen ganzen Zug an Waggons einer Folge- und Zulieferwirtschaft angehängt hatten. Und einen je ganz eigenen Menschenschlag hervorbrachte, den man sogar an der Dialektfärbung erkennen konnte. 

Es gab ja alles, als Gottesgeschenk. Denn Gott schenkt dem Menschen immer und überall alles. Er setzt ihn immer in ein Gewebe der wechselseitigen Ernährung, wie es der Schöpfung eben entspricht. Sodaß er immer an seinem Geburtsort findet, was er zum Überleben braucht. Auch wenn es nicht immer ganz leicht zu finden ist. Aber alles, selbst das Schwierige hat ja auch seinen Sinn.

So fanden die Menschen auch im Laussatal, wo Sankt Gallen liegt, was sie zum Überleben brauchten. Holz, Wasser, damit mechanischen Antrieb und später Elektrizität. Für Eisenhämmer und Pressen, für Schleifmühlen, Walzen und Kalander, für Rüttelsiebe für die Büttenpapiere, und die Reißwölfe des jahrhunddertelang hervorragend funktionierende Recyclingsystem, das der Altextilien und des daraus gefertigten Lumpenpapiers. 

Geschaffen wurde immer viel. Denn vor allem gab es hier arbeitsfreudige weil sozial verwobene, mit dem Land und seiner Topographie verwurzelte weil davon geprägte, darauf zu geformte Menschen. Die ihr Tagewerk nicht "wegen des Geldes" erledigen, sondern weil sie dort leben, ihre Kinder großziehen und ihr Haus bauen wollen, wie es jeder Mensch eben will. Und dazu gehört Arbeit und die Aufgabe, die man vorfindet. Auf jeder Ebene des Daseins geht es ums Ewige, sozusagen, und dessen irdischem Schatten, der Nachhaltigkeit, von der heute so viel geredet wird. Wen wundert es da, daß man in diesen Tälern sogar heute noch viel Frömmigkeit antrifft?

Ein Heute, in dem man staunend sieht, wie viele solche kleinen "Industrie"betriebe es noch bis vor siebzig, neunzig Jahren hier gegeben hat. Sodaß man noch eine Vorstellung davon erhalten kann, wie eng Arbeit, Sinn, Verwurzelung, Innovation und Produktivität zusammenhängen. An diesen und um diese Betriebe hat sich das Gemeinwohl unserer Heimat aufgerichtet, von dem wir heute zehren. Aber eben - NUR noch zehren. 

So weit weg ist diese Aura des Aufbauens, der wirklichen Produktivität, so weit entfernt stehen wir zum wirklich Sozialen, so entfernt ist jeder Bezug zu Substanz, daß der Normalbürger sich heute eine solche kleinteilige und verwurzelte Wirtschaft gar nicht mehr vorstellen kann. 
Er kann sie nur noch "erträumen". Und in utopistischen und ideologisierten Phantasien "ausmalen". Aber dieses Ausmalen ist schon verräterisch. Es verrät sich in Zusätzen wie "jaaa, früher schon, aaaber ...", in denen man auswählt. Denn wir wissen es heute ja besser. Alles wissen wir besser, denn wir sind so mündig geworden. Eben. Mündig. Losgetrennt von den Pfründen, aus denen Wissen stammt - das übernommen werden muß, will es überhaupt Wissen sein. 
Aber in diesem sinnentleerten Gerede, in dem wir uns heute bewegen, in dem wir "denken", "meinen", alles "frei", fällt nicht auf, daß genau das, was Gemeinwohl gedeihen und solche Soziotope, ja "Heimat" entstehen läßt längst abgelehnt wird. 
Die wesentlich ein Gewebe aus zwischenmenschlichen, persönlichen Verbindlichkeiten und einer darauf wie daraus bezogenen Verhaltensregel, also Moral sind. Denn der Preis dafür ist den heutigen Menschen zu hoch: Hingebende Bindung, die wiederum Gehorsam bedeutet. Mit "Wasch mich, aber mach mich nicht naß!" läßt sich aber nichts aufbauen. Nur formlos phantasieren.

Das Papiergeschäft erledigen heute (und da ist diese Branche nur symptomatisch, gleich wie alle übrigen) ganz wenige, dafür riesige, globale Konzerne. In Europa sind es zwei oder drei, die die Branche abdecken. Die aber nicht nur so groß sind, daß sie Staatsbedeutung haben, sondern selbst wiederum riesigen globalen Finanztrusts gehören, die über der Erde schweben weil nirgendwo mehr zu Hause sind. 

Alle sie gehören wiederum Gold- und Diamantenriesen, wie de Beers* einer ist. Dem (über den Mondi-Konzern) auch die Neusiedler gehört, in deren einer Tochtergesellschaft der VdZ vor siebenundzwanzig Jahren als Quality Assurance Manager und Controller gearbeitet hatte. Die selber der Grund dafür war, daß eine der kleinen Papierfabriken nach der anderen mangels Rentabilität (die irgendwann nur noch als spezifische Geldproduktion gesehen wurde) aufgegeben werden mußte.

Man kann aber nicht zwei Herren dienen, Gott UND dem Mammon. Man muß sich für einen von den beiden entscheiden, sie sind nicht vereinbar. Und wir haben uns entschieden.

 

Teil 2) Wirtschaft und Politik brauchen nur noch eines: Geld


*Der VdZ meint sich an eine Zeitungsnotiz zu erinnern, daß sich das schon wieder geändert, Neusiedler schon weitergewanderet ist. Aber was spielt "Eigentum an bestimmten Unternehmen", was spielt Arbeit, Verwurzelung, Sinn in der Sphäre der Giganto-Finanzen noch für eine Rolle, außer daß es ... alles letztlich denn doch trägt. Und die Welt der Hochfinanz unermüdlich an jenem Ast sägt, auf dem sie sitzt. Warum kann sie das? Weil sie ohnehin von den Staaten, nein, von der Politik getragen wird.



*081020*

Montag, 5. Oktober 2020

Rational irrational geworden

"Die chinesischen Forscher Long QX, Tang XJ, Shi QL und andere fanden nun heraus, welche T-Zellen des menschlichen Immunsystems als Reaktion auf frühere Infektionen mit Corona-Viren gebildet werden. Es handelt sich dabei um Gedächtniszellen, welche die Immunantwort des Körpers auslösen und im Idealfall für die rasche Bekämpfung von Viren sorgen.

Bis zu 50 Prozent der Blutspender hatten bereits Immunzellen gegen Corona-Viren.

Die chinesischen Forscher beschäftigten sich zunächst mit dem Blut genesener ehemaliger Corona-Patienten. Die Überraschung bestand später darin, daß sich dieselben T-Zellen auch im Blut von Menschen fanden, die nie eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus SARS-Cov-2 hatten. Hinzu kommt, dass diese T-Zellen auch im Blut von Blutspenden vergangener Jahre ab zumindest 2015 nachgewiesen werden konnten. So wurden in Folgestudien im Blut von 20 bis 50 Prozent der Blutspender T-Zellen gegen SARS-Cov-2 nachgewiesen. In Österreich wurde Blut aus der Zeit von 2018-2019 untersucht. Dabei wurden in 30 Prozent der untersuchten Proben die entsprechenden T-Zellen gefunden."

Wenig Überraschendes aus dem "Wochenblick" vom 17. September 2020

***

Ein nächstes sehr fundiertes Interview mit William M. Briggs findet der Leser unter diesem Link. Briggs geht dabei nicht nur auf den Unsinn der Corona-Statistiken ein, sondern macht auf ein grundsätzliches Problem der Medizin aufmerksam. Die sich zu einer "Befundmedizin" gewandelt hat. 

Untersucht der Mediziner aber nur unter einem eingeschränkten Blickwinkel eines Teilbefundes nach "Werten", und weitet er seinen Blick nicht auf das Gesamte des Menschen, den er vor sich hat, erfolgt fast zwangsläufig ein Fehlurteil über dessen Gesundheitsgrad. 

Dazu hat vor allem die Statistik beigetragen, die aufgrund einer mißverstandenen Wahrscheinlichkeit ("P"-Werte) aus Korrelationen zwischen Datenreihen zu einer "Sicherheit" führt, die ein P-Wert niemals hat! Briggs erklärt sehr gut nachvollziehbar, warum das so ist und sein muß. Eine Reihe der hervorragendsten Statistiker der USA fordern deshalb schon lange (mit Briggs), daß die Wahrscheinlichkeiten aus den Statistiken verbannt werden. Ihre Über-Sicherheit, die sie zwangsläufig erzeugen, hat nämlich eine ganze Branche verwirrt und ebenso gefährlich wie unbrauchbar gemacht.

Der Pharmaindustrie war das freilich mehr als Recht. Denn einerseits hat sie damit ihre Geschäftsgrundlage erheblich erweitert, und anderseits hat die Senkung der "Grenzwerte" ihren Grund auch darin, daß ein Mensch mit (sagen wir) "zu hohem Blutzuckerwert" im Gesamtbild gesund erscheint, das aber gar nicht sein "dürfte". WEIL statistisch "erwiesen" ist, daß hohe Blutzuckerwerte mit pathologischen "Diabetiker-Krankheitsbildern" einhergehen bzw. umgekehrt. Nur - das "beweist" eben genau nicht, daß diese Werte tatsächlich eine Krankheit anzeigen! 

Durch die Senkung dieser Sollwerte aber hat die Pharmaindustrie (die maßgeblich und nicht zuletzt über Forschungsmilliarden in der "Wissenschaft" mitmischt) mit einem Schlag hunderte Millionen "Patienten", die Medikamente brauchen, die genau auf die Senkung dieser Teilwerte abzielen. Die Nebenfolgen und nicht zuletzt die Folgekosten für Volkswirtschaften und Gesundheitssysteme sind aber beträchtlich! 

Warum ging und geht das so einfach? Briggs nennt es beim Wort: Diese Aussage war politisch erwünscht. Deshalb hat jeder Recht, selbst wenn er falsch liegt (wie so mancher Untergangsprophet, der alle paar Jahre eine tödliche Pandemie ausruft, ohne daß sie stattfindet, von Schweinegrippe bis zu Corona), der dem politischen Willen folgt. Ein Irrtum wird ihm dann gerne verziehen (man denke an den Berliner Viruspapst Drosten), und beim nächsten Mal wird ihm wieder "geglaubt", wird also auf der Grundlage seiner Vorhersagen (siehe: Wahrscheinlichkeitswerte!) politisch gehandelt.

Wissenschaftler, die diesem politischen Willen nicht entsprechen, werden dafür ausgegrenzt, mundtot gemacht, ignoriert oder gar geschädigt, um sie aus dem Spiel zu nehmen.

Dienstag, 28. Januar 2020

Ein hartnäckiges Gerücht (2)

Teil 2) Vorsicht mit Lorbeerkränzen


Renault R5, Baujahr 1972
Zurück zur Geschichte oder sagen wir: Zur Legende. Die führenden Funktionäre haben aus verschiedenen Gründen, über die man nur spekulieren könnte (denn ganz einleuchtend ist keine der dann nötigen Erklärungen), angeblich dieses bahnbrechende, wegweisende Konzept abgelehnt. Daraufhin hätten die Zwickauer die Pläne kurzentschlossen VW angeboten, und dessen Manager hätten sofort zugeschlagen.

Um kurz darauf mit dem Golf aufzutauchen, welches VW, das damals in einer substantiellen Krise stand (der Käfer war am absteigenden Ast, ein Alternativkonzept für ein nächstes Massenauto aber nicht vorhanden), in die Lage versetzte, das Feld sozusagen "von hinten" aufzurollen, und sehr bald sämtliche Konkurrenten am Weltmarkt zu überholen.

In der BRD längst bekannt:
Kompakter Glas 04, Bj. 1960 (!)
Nimmt man einmal aus, daß VW mit seinem hohen Anteil an Staatsbeteiligung ein spezieller "Feind" des Ostens war, wäre aber aus anderen Gründen bei so einer Geschichte nicht nachvollziehbar, warum VW das hätte getan haben sollen. Der 1975 auf den Markt gebrachte Golf 1 hatte nichts von so einem Konzept, außer die Raumidee, und die war auch nicht neu. Der kommende Golf war sogar in der Karosserie anders aufgebaut. 

Und VW hätte zudem nichts für ein Raumkonzept dieser Art bezahlen müssen, wenn es diese Ideen nicht schon selbst gehabt hätte. Weil die gesamte europäische (und bald auch die japanische) Konkurrenz mit solchen Modellen bereits am Markt WAR. Schon lange sogar. Der Glas 104 etwa wurde schon 1960 auf den deutschen Markt gebracht. Und die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Und das technische Konzept des Golfs hatte VW bereits 1970 mit dem K70 des späteren Golfs produziert.

VW K70, Baujahr 1970
Es war nur noch ein bißchen früh für alle diese Wagen gewesen. Der Zeitgeist für solch ein Auto war erst ab der Mitte der 1970er Jahre so weit gediehen, daß die Nachfrage danach tatsächlich explodierte. Ab da stimmte Form und Inhalt erst zusammen.

Und was war da neu am Zeitgeist? Der Funktionalismus brach sich endgültig Bahn. Überall, nicht nur am Automarkt. Die Autos, die seither gebaut werden, zumindest am Massenmarkt, zumindest beim "Auto für jedermann", haben den ursprünglichen Ansatz der Idee Auto auf den Kopf gestellt. Bislang war "Gestalt" und der Ordnungsraum, in dem sich Gestalt fand und befand, der Ausgangspunkt, und die Technik füllte diese Gestalt. Nun war es umgekehrt. Es ging um Funktionen, um auf bestimmte Aspekte hin reduzierte "Leistung". Design, Art, ja Lebensart wurde zum Zusatzpünktchen, zur eigenen Sache, die man den Dingen nur noch wie Quasten - wenn auch nicht wirklich nötig - umhängte.

Den klaren Zusammenhang aber, den Wahrheit und Schönheit und Gutheit mit Freiheit und schöpferischem Leben sowie einem gedeihlichen Ganzen (sic!) einer Gesellschaft und so auch einer Volkswirtschaft haben, müssen wir hier nicht noch einmal aufzeigen. Der Leser kann es außerdem selbst sehen. Denn spätestens seit dieser Zeit schustern wir (v. a. politisch) nur noch an Reparaturmaßnahmen herum, um die getroffenen Entscheidungen irgendwie noch auf "gut" zu trimmen, weil es ihnen allen sichtbar an so vielem mangelt. Was wir aber seither nur noch posthoc sehen. (Deshalb auch der Aufschwung des Liberalismus zur alleinseligmachenden Ideologie heute. Er macht es genauso, weiß alles erst im Nachhinein, aber dann viel besser.)

Peugeot 104, Baujahr 1972
Die Ingenieure in der ehemaligen DDR waren denen im Westen was die intellektuelle Kapazität anbelangt um nichts unterlegen, im Gegenteil, oft überlegen, weil Meister der Improvisationskunst, die Selbständigkeit beim Denken verlangt, was den Menschen im Westen immer mehr abhanden gekommen ist. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen, und muß ihnen nicht auch den VW-Golf als Goldmedaille umhängen, das haben sie nicht notwendig. Denn VW in Wolfsburg hätte diese Nachhilfe nicht gebraucht.

Es bleibt, und das ist nachweis- und belegbar, daß AUCH die Ingenieure in Zwickau sehr genau wußten, was sich am weltweiten Automarkt abspielte, und wohin der Zeitgeist im Westen ging. Ja, sie ahnten es sehr früh, als noch nichts am Markt wirklich darauf hinwies. Aber darin waren sie nicht die einzigen. Es hing einfach Anfang der 1970er in der Luft, und bekam seinen Anschub spätestens mit der (künstlich erzeugten) Ölkrise. Die ihre Auswirkungen auch in der Art, Dinge und Leben zu denken, hatte. 

Fiat 127, Baujahr 1971
Daß der Golf, diese Erfolgsgeschichte der deutschen Industrie und Ingenieurskunst, nur durch die DDR-Ingenieure genommen habe ist deshalb ein Mythos. Der wie jeder Mythos ein Archetyp in die Welt stellt. Daß nämlich die größeren Geister jenseits der Mauer tätig waren. Sie wurden nur durch das Regime an der vollen Entfaltung ihrer Fähigkeiten gehindert, haben insgeheim und auf mannigfaltige (auch illegale) Weise denn doch die Geschichte des Westens bestimmt. 

Freilich, das Letztere stimmt. Wenn auch auf eine andere Weise. Aber mit dem Bekränzen mit Lorbeeren für die Entwicklung im Westen wäre der VdZ ziemlich vorsichtig. Sie könnten faul sein und stinken.






Montag, 27. Januar 2020

Ein hartnäckiges Gerücht (1)

VW Golf, Baujahr 1975
Man liest es immer wieder, und seine Absicht ist klar, verstehbar und sogar gerecht: Die Ingenieursleistungen in der DDR waren um nichts weniger hervorragend wie im westlichen Bruderstaat. Oft sogar insofern genial, als sie mit weit weniger Möglichkeiten auskommen mußten und deshalb Umwege brauchten, die für westliche Ingenieure gar nicht nötig waren. Über diese Umwege kamen oft genug neue Ideen ans Tageslicht, die jede Anerkennung verdienen. 

Nur eines haben die DDR-Ingenieure nicht gemacht: Sie haben dem VW-Konzern nicht beigebracht, wie das Auto der Zukunft Ende der 1960er Jahre auszusehen habe, und - konkret - den VW-Golf entwickelt. Ein Wagen, dessen Erfolgsgeschichte nur mit dem des Käfers vergleichbar ist. 

Michael Khan geht der Geschichte der Kompaktwagen dieser Art nach, der bis heute einen großen Teil des Kleinwagensektors beherrscht, und damit auch der Geschichte des VW-Golf. Er kommt zu dem recht plausiblen Schluß, daß diese Art von Autos schon überall in Europa in den Startlöchern stand oder sogar schon gestartete Raketen waren, weil es einfach im Zug der Zeit lag. Nahezu jeder europäische Autohersteller kam deshalb Jahre vor dem Golf mit Kompaktwagen ähnlicher Art und Technik auf den Markt, VW hätte den DDR-Golf, selbst wenn er im Osten erfunden worden wäre, nicht gebraucht. Und daß die VW-Ingenieure die Augen offen hatten, was sich so in Europa tat, kann man annehmen. Auch technisch war mit dem K70 alles bereits vorhanden, das später im Golf seine perfekte Kombination fand.

Aber dennoch gibt es diese Legende. Der VW-Golf sei im Autokombinat  VEB Sachsenring in Zwickau entwickelt worden, wo man auch den Trabant baute und nach Neuem sann. Und so kam man auf ein neues Kompaktauto, Zweitürer mit Heckklappe, wassergekühltem Reihenmotor und Vorderradantrieb (schon vergessen? auch das kam in den 1970ern erst so richtig, vorher war jedes Auto heckgetrieben), viel Stauraum (für die bei uns erst jetzt aufkommende Art, in Einkaufszentren und Supermärkten einzukaufen, und außerdem: Um in Urlaub nach Rimini zu fahren, auch das kam jetzt erst so richtig auf), und dennoch nötigenfalls Platz für vier oder fünf Passagiere, trotz der Kleinheit der Außenmaße. Das alles war in der DDR-Version noch auf der Grundlage eines Stahlgerüsts gedacht, das auf die übliche Art mit Plaste-Karosserie umhüllt wurde. Das neue Wagenkonzept war zwar für den Zweitaktmotor des Trabant gedacht, wäre aber mit tschechischen oder rumänischen Motoren jederzeit aufrüstbar gewesen. 

Die DDR-Ingenieure haben bekanntlich ja nie einen brauchbaren Viertaktmotor entwickeln können, so schon vor Jahrzehnten der +Schwager des VdZ, Gott hab ihn selig, ein selbst in der DDR geborener, mit den Eltern aber "hinübergewechselter" Motoringenieur mit viel Überblick und Sachverstand. Der auf seine schnoddrige Berliner Art seufzend stets gemeint hatte: "Die kriejen eenfach keen' Viertakter uff die Reije, nich ums Verrecken, ick kapier's nich."

Nach 1945 waren aus zwei Gründen viele Konstruktionspläne eben einfach "verschwunden". Entweder wegen des bekannten Patentraubzugs der Amerikaner, die in einem wahren Blitzunternehmen mit LKWs noch im Frühsommer 1945 quer durch die Lande (auch im Osten) gerast waren, und hunderttausende Patente und Pläne (und Dokumente, wie schon 1919 übrigens) einkassiert und schiffsladungsweise (sic!) in die USA verschippert hatten. Wo man noch heute riesige Archive führt, die freilich nur Wenigen aufgeschlossen werden.

Aber auch ob des einfachen Umstands, daß die Eigentümer der Industriebetriebe, um absehbaren Enteignungen zu entkommen, nicht nur mit viel Kapital, sondern auch mit sämtlichen Produktplänen in die Westzonen abgedampft waren, um dort oft ganz neu anzufangen. Wenn auch nicht "ganz von vorne".

Die Russen kamen erst spät drauf, was da lief und kamen überall zu spät. Selbst beim beliebten "Export von deutschen Ingenieuren nach Moskau" blieb ihnen nur die zweite Reihe. Nicht nur also, weil Miami oder San Franzisco schon dem Ruf nach einen höheren Spaßfaktor haben als Tscheljabinsker Plattenbauten oder selbst Sotschis Freizeitkombinate, schoß der (buchstäblich) raketenartige Aufstieg der USA zur Technologieweltmacht Nr. 1 im Grunde auf deutschem Mist. Die deutsche Technik und Wissenschaft war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fast allen Bereichen der der übrigen Welt um zehn, fünfzehn ja dreißig Jahre vorausgeeilt.

So aber wurden überall in der "Ostzone" entkernte Betriebe hinterlassen, von denen oft kaum mehr als die Hardware, also die anfaßbaren Gebäude, Maschinen und Arbeiter übrigblieben, die vieles nun neu erfinden mußten. Zeiss-Optik, deren Geschichte der VdZ etwas näher kennt, ist einer solcher typischen Fälle, drum erwähnt er sie. Der DDR fehlte fortan das, was jede Gesellschaft unbedingt braucht, um sich zu entwickeln: Ein solider, integerer Mittelstand. Diese Geschichte hat sich, übrigens, in allen jenen Ländern wiederholt, aus denen man nach 1945 die Deutschen expedierte. Darin, und nur darin gründet der immer katastrophalere Zustand der dortigen Volkswirtschaften. Es fehlten die Träger des Schöpferischen. Diesen Faktor kennt eben keine der "wissenschaftlichen Analysen" von Gesellschaften mit marxistischer Brille.

Morgen Teil 2) Vorsicht mit Lorbeerkränzen





Mittwoch, 22. Januar 2020

Manche wollen es ja immer noch nicht glauben

Er ist nicht sehr lang, also durchaus zu lesen, aber ganz erstaunlich offen und vielsagend: Im sogenannten "Schürer-Bericht", einer „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen“, eine damals "Geheime Verschlußsache", die dem Staatsrat vorgelegt wurde. Und die im Netz abrufbar ist. Gerhard Schürer, der als Hauptautor der Untersuchung zu dieser Erkenntnis kam, war immerhin jahrzehntelang Vorsitzender der Staatlichen Plankommission der DDR gewesen, also ein Kenner der Materie. In ihrem Bericht stellten die Autoren nach eingehender Analyse der wirtschaftlichen Situation fest, daß die DDR kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stand.

Man sprach offen. Und gesteht implizit das völlige Scheitern der Zentralplanungswirtschaft ein. Weshalb raschest Maßnahmen einzuleiten wären, die einer "freien Wirtschaft" schon recht nahe kommen. Wenn man so will: Die DDR stand aus sich heraus vor einem Mauerfall, und die Staatsführung wußte das.

Nichts hat mehr funktioniert, nirgendwo erfüllte die Realität die Planung. Die allermeisten Zahlen blieben Makulatur. Das einzige, was plangemäß entwickelt war und die Steigerungsraten erfüllte, war die Versorgung mit Geld. Das aber in tote Sparguthaben floß, weil es keine Waren gab. Die Autoren empfahlen deshalb sogar, in weiten Bereichen Marktmechanismen einer freien Preisbildung einzuführen, weil dieses Geld, das der Bevölkerung zur Verfügung stand, nur noch zum Problem und zur Quelle wachsender Unzufriedenheit wurde. Kaufen konnte man sich dafür nämlich nichts, weil es die Produktion (Arbeit=Wert=Äquivalent in Geld), die hinter Geld stehen muß, nicht gab.

Das Lebensniveau insgesamt war somit ohne weitere Auslandskredite nicht mehr finanzierbar. Der Importüberhang war schon jetzt gewaltig, und würde weiter gewaltig steigen, weil auch die Exporte ständig fielen. Zwei Jahre wetterbedingter schlechter Ernteerträge wirkten sich zusätzlich verheerend aus, weil sogar die Lebensmittelreserven draufgingen.

Dabei würde eine Kreditaufnahme über den Internationalen Währungs Fonds bedeuten, daß die damit einhergehenden Forderungen nach Öffnung hin zu einer freien Marktwirtschaft das System hinterfragen würden, "was auf jeden Fall zu verhindern" sei. Aber es würde zweifellos offenbar, daß die Ost-Mark unter erheblichem Abwertungsdruck stand. (In Zusammenhang mit dem Importüberhang würde das sogar inflationären Preisdruck bedeuten, was aber in der Analyse nicht extra erwähnt wurde.) Mit größter Dringlichkeit mußte aber der Export in den NSW (Nicht-sozialistischer-Wirtschaftsraum) erhöht werden. Der Bericht empfiehlt Länder wie Frankreich, Österreich oder Japan. Dafür brauchte man wiederum Investitionen, in Maschinen aus dem Westen ...

Ein Teufelskreis, aus dem sich die DDR nur mit einem radikalen Rundumschlag - wenn überhaupt - befreien konnte. Das Ludwig-Mises-Institut faßt den Bericht zusammen und kommentiert ihn. Es hat recht, wenn es meint, daß dieser Bericht, der nach wie vor kaum bekannt ist, zum Grundstoff in den Schulen gehören müßte.

Schürer et al. weisen auf folgende Punkte hin:
  • Es fehlten materielle und finanzielle Anreize zu Wirtschaften; vor allem die Übernahme von privaten Betrieben durch die Kombinate mußte gestoppt werden, und die Betriebe brauchten Eigenverantwortung.
  • Es gab ein Missverhältnis zwischen „Überbau“ und produktiver Basis; die Verwaltung mußte teils drastisch, ja auf einen Bruchteil reduziert werden. Das Berichts- und Kontrollwesen war ausgewuchert und behindernd, es mußte, so der Bericht, auf Wesentliches eingeschränkt werden.
  • Wichtige Bereiche der Versorgung der Bevölkerung wurden vernachlässigt; viele Produkte gab es nicht, vor allem größere private Wünsche waren unerfüllbar (Autos, TV-Geräte, Stereoanlagen ...) Altbauten waren zu Zehntausenden unbewohnbar, die Infrastruktur hoffnungslos im Rückstand, ganze Städte (namentlich wird zum Beispiel Görlitz erwähnt) verfielen. Selbst der Standard von Sozialeinrichtungen wie Krankenhäusern fiel mehr und mehr.
  • Es gab nur geringe Investitionen, weil einfach kein Geld (Kredit) dafür da war, die notwendigsten Investitionen aber auf Importe aus dem "nicht-sozialistischen Wirtschaftsraum (NSW)" angewiesen waren. Interessant ist, daß sogar hier Realität einbrach, weil der Bericht weiß, daß solche Kredite nur durch Produktions- und Produktivitätssteigerungen rückzahlbar waren. Die man mit Planwirtschaft aber nicht erreichte. Man brauchte also dringend Devisen, die man wenigstens zum Teil durch "Nützung brachliegender Kapazitäten im Tourismusbereich" hereinholen wollte, sprich: Durch Anwerben westlicher Gäste.
  • Investiert wurde in den falschen Bereichen; die Wirtschaft blieb ineffektiv und die Produktivität fiel und fiel, weil auch die Produktionseinrichtungen immer mehr überaltert waren. Der Bericht beziffert den Anteil von Anlagen, die quer über die Branchen sogar überhaupt nicht mehr verwendbar (weil "ausgenutzt") waren, auf rund 50 Prozent. Unbedingt mußte deshalb den Betrieben volle Handlungsfreiheit gegeben werden, denn nur sie wissen, was notwendig ist, und nur sie können es auch kalkulieren und erwirtschaften.
  • Die eigene Planung wurde „in bedeutendem Umfang nicht erfüllt“. Als eine der Maßnahmen rät der Bericht dringend, daß zumindest Berichte über Zustände und Leistungen der Wirtschaft "wahr" zu sein hätten.
  • Die Situation ist so prekär, daß ALLE Vorschläge gleichzeitig umgesetzt werden müssen, sonst ist die unmittelbare Zahlungsunfähigkeit der DDR nicht zu vermeiden.
Interessant ist auch, daß der Schürer-Bericht davon spricht, daß die Grenzen fallen müssen, auch wenn man über die Konsequenzen noch genauer nachdenken sollte. Immerhin war es zu Zeiten offenerer Grenzen durch Abwanderung zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von rund 100 Milliarden Mark gekommen. Anders als durch solche Öffnung wäre dem Westen (vor allem der BRD) aber nicht glaubhaft zu machen, daß die Veränderungen ernst gemeint wären. Um diese neue Öffnung vor der Welt zu dokumentieren, empfahlen die Autoren für 1995 sogar eine Bewerbung von Ost- UND Westberlin gemeinsam für die Olympischen Sommerspiele 2004.

Die Zeit gerade unter Gorbatschow sei dafür (1989) günstig. Eine Wiedervereinigung schloß man zwar aus, aber man sah insofern eine neue Zeit, als die DDR beweisen wollte, daß es mit der BRD "gute Nachbarschaft" pflegen und so seinen Beitrag zu einem "zu schaffenden europäischen Haus" leisten würde. Man müsse auf friedliche Koexistenz setzen, mit zwar unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, aber durch eine Politik der Vernunft und Entspannung.

Was sagt aber der Bericht uns Heutigen? Viel, denn er gibt weit mehr als Auskunft über das Schicksal jeder sozialistischen Planwirtschaft. Das ist von höchster Brisanz, weil wir heute tatsächlich kurz davor stehen, unsere eigenen Volkswirtschaften auf solch ein Planungssystem umzubauen. "Energiewende" und "Klimarettung" heißt nichts anderes! Und man kann nur mit größter Sorge beobachten, was sich seit vielen Jahren im Energiesektor, derzeit besonders aktuell in der Autobranche abspielt.

Es ist deshalb kein Wunder, daß diese Entwicklungen unter einer Kanzlerin stattfinden, die in einem geschützten Sektor in der DDR sozialisiert wurde. Denn "Geld hatten die ja", sogar (über Auslandskontakte) Westware, und deshalb unhinterfragtes Vertrauen in die Planwirtschaft und die Möglichkeiten einer zentralen Steuerung von Wirtschaft generell. Ihnen erschien Wirtschaft als Mechanismus, der steuerbar ist, und nichts zwang sie in ihrer umzäunten Rundumversorgtheit, die Wirklichkeit der Welt zur Kenntnis zu nehmen.

Genau deshalb hatten sie keine Ahnung über den realen Zustand der DDR. Sie hatten auch keine Ahnung von Arbeit, denn die ist mehr als "tun". Und sie haben deshalb auch heute keine Ahnung über die Folgen, die ein Umbau unserer Gesellschaften zu sozialistischen Systemen haben wird.