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Dienstag, 2. November 2021

Als die Götter stumm waren (2)

Die Priester hörten keine Stimmen mehr. Ratlosigkeit brach aus. War Gott noch auf unserer Seite? Was wir heute erleben, ist es nicht auch das? - Und da könnte es sein, die Lösung des Rätsels. Auch die Lösung der Unschlüssigkeit, des Wankelmuts, die an Montezumas Verhalten so sehr verblüfft, daß man davon ausging, daß er "border line" hatte, also das war, was man "melancholisch" nennt, "himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt." Die Orakel schwiegen!

Wer heidnische Völker aber kennt, weiß, welche Rolle die Botschaften der Götter für sie spielten. Nichts haben die Römer und Griechen unternommen (und sie sind nur angeführt, weil wir von ihnen so viele Schriftzeugnisse haben, daß wir ihre gesamte Kultur so gut rekonstruieren können, daß wir darüber diskutieren, ob Caesar am Morgen seines Todestages Rühreier mit Speck an Olivenparfait oder gekochten Schinken à la Gallia brut aß, und warum, die zahlreichen Schriften widersprechen sich nämlich) ohne die Götter nach ihrem Willen zu befragen, nichts ohne von ihnen zu erfragen, was zu tun sei. 

Montag, 1. November 2021

Als die Götter stumm waren (1)

Die Eroberung Mexikos, die Fernando "Hernán" Cortés 1519 begann, hatte dieser ausdrücklich gegen den Befehl des Gouverneurs von Cuba, dem er unterstellt war, in die Wege geleitet. Im Nachhinein ist sie sogar wie eine Verzweiflungstat "weil eh schon alles wurscht war" zu begreifen, denn nun hatte er in der zivilisierten Welt nichts mehr zu verlieren. Das Abbrennen der Schiffe, wie es die Fama erzählt, mit dem er die paar Hundertschaften Soldaten, die nun bei ihm waren, von einem Davonlaufen abhielt (das in Wahrheit so ablief, daß er die Schiffe auf Sand setzte, sodaß man sie wieder flottmachen hätte können) wird so noch schlüssiger.

Die Geschichte seiner Eroberung Mexicos ist allseits bekannt, nehme ich an, sodaß ich sie nur kurz zusammenfasse: Verbündung mit dem Volk der Tlaxcala, Marsch (aber nur seiner Spanier) auf Mexico (Stadt), damals noch eine Insel. Unterwegs teilt er seine Männer, die eine Hälfte schickt er zurück, um gegen die vom Gouverneur entsandte "Korrektionsarmee" zu kämpfen. Die andere Hälfte steht in Mexico bald einer so gewaltigen und aggressionsbereiten Übermacht an Azteken-Soldaten gegenüber, daß sie sich zurückzieht und einbunkert. 

Gegen jede Erwartung versuchen sie den Genietrick, und tatsächlich: Es gelingt ihnen, den "Kaiser" der Azteken, den prächtig-mächtigen Montezuma zu bewegen, zu Verhandlungen in ihre Festung zu kommen. Wo sie ihn natürlich sofort gefangensetzen und als Geisel halten. Dennoch greifen die Azteken nicht an. Erst als Montezuma auf bis heute nicht geklärte Weise umgebracht wird (wahrscheinlich im Getümmel erstochen) bricht der Sturm los. 

Montag, 28. Januar 2013

Vorwurf als Anriß

In den Nachwehen der 68er Revolution im Jahr 1972 als Universitätsprofessor für Städtebau und Raumplanung an die Universität Innsbruck berufen, wurde ich mit einer geschichtslos aufgewachsenen Jugend konfrontiert. Die Ursache und Beziehung zwischen sozialer, militärischer, wirtschaftlicher und religiöser Geschichte einerseits und Städtebau andererseits waren den Studierenden unbekannt und mangels jeglicher Wissensbasis auch nicht zu erläutern. Historische Ereignisse aus dem Jahr 1800 wurden im Mittelschulunterricht vielfach übergangen, um nicht 'anzuecken', und nicht mit Sprüchen aus Maos 'Rotem Buch' mattgesetzt zu werden.

Auch ich erwarb eine solche Spruchsammlung im roten Plastikeinband,  besitze sie noch heute und konnte sie, wie auch die Afrikabücher von Edgar Wallace, mit großem Erfolg nutzen, während viele meiner Kollegen der Konfrontation  mit Diskutanten einen Krankenhausurlaub vorzogen.

[...] Der Versuch, den 'roten Faden' dieser Geschichte des Städtebaus nicht formal, sondern als Abfolge von Ursache, Wirkung und Gegenwirkung zu erläutern, stieß zunächst auf Unverständnis. Dies war, wie Recherchen ergaben, auf das Unvermögen zurückzuführen, Fakten der Sozial-, Wirtschafts- und Kriegsgeschichte mit solchen der Baugeschichte zu verknüpfen und dadurch Ursache-Wirkungszusammenhänge zu erkennen.

So ermangelte jede Relation; zum Beispiel, daß die Maya-Städte
  • etwa 600 bis 900 n. Chr. mit Einwohnerzahlen bis zu hunderttausend Menschen eine weit höhere Bevölkerung aufwiesen als die großen Städte Mitteleuropas im selben Zeitabschnitt
  • eine Bevölkerungsdichte von bis zu zwanzig Einwohner/Hektar aufwiesen, während sie am freien Land ca. zwei Einwohner/Hektar betrug - welche auch in unserer Zeit nicht ungewöhnlich ist,
  • über eine Stadtfläche von bis zu 2500 Hektar verfügten;      
jede Vorstellung von der restriktiven Natur einseitig optimierter Infrastrukturen, wie zum Beispiel:
  • der Untergang der tradierten Stadtanlage durch Maximieren ihrer militärischen Sicherheit
  • der Untergang der modernen zum Beispiel in Form der 'autogerechten Stadt', aber auch des Fußgängerverkehrs in ihrem Zentrum, ohne die benötigen peripheren Einrichtungen zu berücksichtigen,
jede Information über den beginnenden Zerfall sich multikulturell entwickelnder Megastädte - sie zerfallen in mehrere, nach Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten unterschiedene Teilstädte, wie an den nordamerikanischen Städten, vornehmlich New York, beispielhaft zu sehen ist.

Aus dem Vorwort des 2008 erstmals erschienen Buches von 
Franz Heigl, "Die Geschichte der Stadt"


*280113*

Samstag, 22. Dezember 2012

Guten Morgen!

Na? Den Weltuntergang überlebt? Ist ja noch einmal gutgegangen, was? Aber knapp war es allemal. Vermutlich hat irgendjemand toll meditiert. Unser Gruß an ihn und seine Yogamatratze.


(Ein lustiges Gefühl, so etwas am 29. Oktober zu schreiben.)




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Freitag, 21. Dezember 2012

Fragen über Fragen

Wenn also der Maya-Kalender überhaupt wirklich den Weltuntergang vorhergesagt hat - was ja vielfach bestritten wird, vielmehr sei es eine Art Zeitraumende, so wie ein Jahreswechsel, wo ja auch ein Rhythmus neu beginnt, indem einer endet - dann wirkt es einigermaßen grotesk, wenn sichi Menschen "auf den Weltuntergang vorbereiten". Indem sie Bunker aufsuchen, oder Vorräte anlegen

Wenn wenn die Welt untergeht - wer überlebt dann? Sind doch alle Menschen gleichermaßen AUCH Welt, Teil von ihr?! Und einmal angenommen, man hätte überlebt - in welchem Bunker? Der doch auch Welt ist. Wo hinein tritt man dann, wenn man seine Tore aufschließt, sagen wir nach 14 Tagen, je nachdem, wie lange der Weltuntergang eben dauert? Welche Welt wird man dann aber vorfinden, tritt man hinaus, in eine untergegangene Welt? (Ein guer Rat: Handykamera nicht vergessen! Gibt sicher 15 Mio Clicks aus Youtube. Oder auc nur 34.000, oder 877, je nachdem, wieviele eben weltweit den Weltuntergang überlebt und ein Internet-Café gefunden haben.)

Schietenpfuhl, Martha, hast Du den Herd ausgemacht? Nicht, daß uns die Bude noch in die Luft fliegt, während wir hier den Weltuntergang überleben.

Oder rechnet man DOCH nicht mit dem Untergang der Welt? Gerade nämlich die, die sich darauf vorbereiten, was eigentlich heißt: auf einen Weiterbestand der Welt vorbereiten, woran glauben sie wirklich? Ein Weltuntergang kann es ja nicht sein. 
 
Oder kann es sein, daß auch hier, wie anderswo, lediglich innere Spannungen bestimmte Urbilder hervorrufen, die man, zu Bildern ausgeformt, ins Außen projiziert? Daß also dieses ganze Weltuntergangsgeschwurbele nur ein Fühlen der Bußnotwendigkeit, gar eine Sehnsucht nach einem starken Außen bedeutet, das dann hoffentlich endlich das notwendige eigene Entscheiden und Handeln und Verändern von Lebensgewohnheiten ersetzt? Frei nach dem Motto: aber dann wird alles anders, dann werden wir endlich so leben, wie wir es gerne hätten, wie wir es sollten. So, wie der Säufer hochheilig verspricht: aber zu Sylvester, da hör ich auf, endgültig. Und plötzlich ist es da, das Neujahr, und es ist nicht anders als vor zwei Jahren, nicht anders als der 15. September oder der 19. Mai. Und wir haben immer noch dasselbe Leben, dasselbe Ich auf unseren Schultern liegen.

Schwierige Fragen ... Na, morgen wissen wir ja mehr. Die Blogeinträge für die nächsten drei Wochen sind vorsichtshalber ja schon längst vorbereitet. Wer weiß, wenn die Welt untergegangen ist, wer sollte sie dann veröffentlichen, zumindest bis wir wieder hervorkriechen, aus unseren Bunkern, und den Staub vom Weltuntergang von unseren Tastaturen fegen.
 
 


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Samstag, 24. November 2012

Mayas oh Mayas

Die Kleine Zeitung (alle Rechte ebendort) berichtet in einem sachlichen knappen Video-Artikel über den ältesten aufgefundenen "Kalender der Mayas". Im Rahmen eines Artikels, der berichtet, daß am 21. Dezember zwar die Welt untergehen werde, aber sich einige tausend, wenn nicht hunderttausend Menschen dafür rüsten, am selben Tag ins Weltall zu verduften. In Südfrankreich steht diese "Rampe". Oh ja, wir leben in einem rationalistischen Zeitalter. Das kommt nämlich genau dabei heraus. Der Glaube an die Bestandsmechanik der Welt, an UFOs die uns retten, an Techniken und Körperübungen und Meditationstechniken, die uns ins Heil schießen, liegt auf derselben Ebene wie der Glaube an die Einweihung in die hermetischen Geheimnisse des Geistes durch Weitergabe durch eine Universitäts-Priestergemeinschaft als pseudoreligiöse Akte der Initiation.






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Montag, 11. Januar 2010

Sie sind wie wir

Je mehr ich darüber weiß, desto spannender wird das, wie sich hinter diesem ganzen Schleier der Exotik dann doch Dinge und Verhaltensweisen verbergen, die uns sehr ähnlich sind. Obgleich sie so weit weg waren und eine ganz eigenständige Entwicklung hatten, sind die Maya zu den gleichen Schlüssen gekommen, standen sie vor den gleichen Problemen wie wir auch. (N. Grube)

Der renommierte Maya-Forscher, der deutsche Alt-Amerikanist Nicolai Grube, zu den Maya, in der Presse:
„Die Presse“: Sagen die Maya den Weltuntergang voraus?
Grube: Das muss man differenzieren. Die Maya sagen den Weltuntergang nicht für 2012 voraus. Es gibt keine Prophezeiung zum Jahr 2012. Was es wohl gibt, das sind apokalyptische Vorstellungen, in der vorspanischen Zeit wie auch bei manchen modernen Maya. Vorstellungen, dass die Welt eines Tages untergehen wird. Aber die finden sich eigentlich bei allen Völkern und sind nichts Besonderes.

Gibt es dafür ein Datum?
Grube: Nein, Zeitangaben werden immer bewusst offen gelassen. Es gibt moderne Maya, die glauben, dass es konkrete Vorzeichen gibt, die den bevorstehenden Weltuntergang ankündigen und einleiten würden. Solche Prophezeiungen gibt es in vielen dörflichen Gemeinschaften, wo Menschen ihre traditionelle Lebensweise bedroht sehen und den Weltuntergang als Metapher verwenden für den Kulturwandel, dem sie unterliegen. Andere sagen nur, es sei sehr wahrscheinlich, dass die Welt eines Tages wieder untergeht, weil sie daran glauben, dass es eine Anzahl zyklischer Weltschöpfungen und Weltuntergänge gibt. All diese apokalyptischen Vorstellungen münden immer darin, dass es irgendwie dann doch weitergeht, mit einer neuen Zeit oder einer neuen Art von Menschen. Wenn man sich das Popol Vuh ansieht, die Heilige Schrift der Quiché-Maya, wird von vier unterschiedlichen Schöpfungen berichtet. Wir sind die vierte Schöpfung, die Maismenschen.

Woher kommt die Aufregung um 2012?
Grube: Diese Interpretationen beruhen auf der Erkenntnis, dass tatsächlich 2012 ein Zyklus zu Ende geht, der 13. 400-Jahres-Zyklus seit dem Nulldatum des Mayakalenders. Das ist tatsächlich eine wichtige Periode gewesen, keineswegs aber die letzte. Wir wissen aus Inschriften, dass die Maya davon ausgingen, dass nach dem 13. Zyklus der 14. kommt und dass der Kalender einfach weiter gezählt wird. Der Übergang ist mit der Jahrtausendwende vergleichbar. Aber es ist nicht das Ende der Zeit.

Was fasziniert Sie selbst an den alten Maya?
Grube: Als Kind hat mich diese exotische Zivilisation interessiert, über die man noch nichts wusste. Jetzt merke ich, dass das eigentlich Interessante ist, diesen exotischen Schleier zu lüften und darunter das zu entdecken, was die Maya mit uns verbindet. 

Wir haben hier eine Gesellschaft, die in der neuen Welt gelebt hat, völlig ohne Kontakt zu Gesellschaften in der alten Welt, nach Afrika, Asien oder Europa. Und man kann zeigen, dass Menschen offenbar überall auf der Welt, völlig unabhängig voneinander, zu ähnlichen Lösungen und Ideen kommen, in Bezug auf die Organisation von Gesellschaft, das Messen von Zeit, die Vorstellung von Göttern oder Schrift. Man kann durch den Vergleich zeigen, was Menschsein überhaupt ausmacht. Dazu kommt, dass wir mit Hilfe der Maya-Archäologie den modernen Maya, die ja heute am unteren Ende der sozialen Skala leben, eine Möglichkeit bieten können, sich wieder zu entdecken und an die Vergangenheit anzuknüpfen.




*110110*