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Sonntag, 17. Januar 2016

Nicht alle Staaten haben sich aufgegeben

Aus mittlerweile bald neun Jahren weitgehenden Aufenthalts in Ungarn meint der VdZ sagen zu können, daß es im ehemaligen Ostblock übder weite Strecken noch so etwas wie ein "christliches" bzw. "katholisches" Milieu als Öffentlichkeit gibt. Dieses weitgehende Auseinanderfallen einer staatlichen Gemeinschaft, wie man es von Österreich und Deutschland bereits sagen muß, ist hier nicht zu beobachten. Es gibt hier noch so etwas wie eine geschlossene Kulturgemeinschaft, die von einem gemeinsamen Staatswillen getragen ist.*

Von den wenigen Kontakten zur Slowakei hat er einen ähnlichen Eindruck. Und Letztere reagiert nun auch in einer dem entsprechenden richtigen Art, auf die der VdZ vor einiger zeit bereits hingewiesen hat. Als er der Frage nachging, wie man auf die muslimische Zuwanderung reagieren hätte müssen (wozu es mittlerweile aber schon zu spät ist, zumindest in unseren Ländern). Denn das wäre nur das generelle Fernhalten des Islam als zuwandernde Religion.

Das macht nun die Slowakei. Und sie nützt elegant die aktuellen Anlässe in Deutschland und Österreich um zu verkünden, daß sie die Einwanderung von Muslimen generell unterbinden wird. Völlig richtig wird argumentiert, daß man sich damit eine kulturelle Differenz importiere, die man einfach als Volk nicht wolle. Der slowakische Regierungschef Robert Fico sagt dabei bemerkenswerterweise nichts anderes, als Frau Merkel (die aber im Laufe ihrer Karriere(n) wohl schon alles gesagt hat, was überhaupt ein Mündchen formulieren kann) noch vor einigen Jahren verkündete: Der Multikulturalismus ist gescheitert. Zumindest soll für die Slowakei verhindert werden, daß sich zuwandernde kulturfremde Religionen in Größenordnungen organisieren können, die zu Parallelgesellschaften - und damit ähnlichen Entwicklungen wie in Deutschland** - führen können. 

Das ist auch das Motiv dafür, daß sich die Slowakei gegen eine EU-Zwangsquote für Migranten wehrt. Was man zumindest verständlich finden könnte, und auch gut argumentiert ist. Zumal man den Eindruck gewinnen könnte, daß in dieser Frage einige Politiker (man will ja nicht einmal von Ländern sprechen) Ereignisse in Gang gebracht haben, deren Folgen sie überforden, weshalb sie nun an den Gemeinschaftssinn appellieren, indem sie behaupten, daß diese Probleme allgemeiner Natur und deshalb auch "gemeinsam zu lösen" seien.²

Ähnliches hört man auch aus Polen, schon lange aus der Tschechei, aus Ungarn und zum Teil auch aus Rußland, auch wenn dort die Bedingungen natürlich anders sind (denn dort leben in Landesteilen geschlossen über 20 Mio Muslime.) Und man kann dies als Österreicher nur mit gewissen Sehnsuchtsgefühlen zur Kenntnis nehmen. Denn in diesen Ländern wird das Volksein von der Politik tatsächlich noch ernstgenommen. Sodaß man tolerieren kann, daß es sich dort unter den gegenwärtigen Bedingungen hin und wieder zur Kleinbürgerlichkeit verkrampft. Aber sagen Sie jemandem, der mit dem Messer bedroht wird, er solle sich nicht so verkrampft weil verteidigungsbereit hinstellen?³

Keines dieser Länder hat übrigens je gesagt, daß es der puren Christenpflicht, Notleidenden durch Aufnahme zu helfen, nicht folgen wolle. Nur hat man dort nicht das Gehirn abgeschaltet und alles im Sentimentalitätserreger "Flüchtlinge" alles ersäuft - sondern unterscheidet ganz einfach Zuwanderungswillige oder gar im arabischen Frühling zur social-media-Entseelung Geküßte von ... Hilfebedürftigen.***





*Es gibt auch unter Klerikern Aussagen die dahingehend lauten, daß "im ehemaligen Ostblock" rechte Faschismen aufblühten, die man davor bewahren müßte, in den Westen überzuschwappen. Das ist, mit Verlaub gesagt, nicht nur eine Verkennung, sondern eine Verleumdung. Denn man meint damit sehr wohl das, was hier dargestellt wird: Man meint damit den glücklichen umstand, daß es diese Länder zumindest noch über weite Strecken in der Hand haben, ihr Schicksal zu gestalten, UND DAS AUCH TUN. Wer Christentum aber mit der SelbstAUFLÖSUNG gleichsetzt, vergeht sich tatsächlich am Christentum selbst, und verhöhnt seine eigentliche Dimension: Daß ein Mit-Gott-sein nur möglich ist, wenn der Mensch sein Selbstsein in Hingabe auf sich genommen wird. Es ist also das Individuum, das mit Gott ist, nicht der aufgelöste Massenmensch des Westens, der getreu der Aufklärung das Sein durch "moralische Funktion" ersetzt.

Preisliste Bustour nach Ö/D - Bild aus Makedonien
**Wie nach und nach an die Öffentlichkeit drang, gab es ähnliche, wenn auch in der Größenordnung geringere Vorkommnisse nicht nur in Köln und Hamburg, sondern in bald jeder Großstadt Deutschlands, und auch in Österreich - Salzburg, Wien, Steyr ... Wo wie bisher Sylvester feiernde Bürger und Ordnung sichern sollende Polizisten mit jeden Respekt vor dem Rechtsstaat vermissen lassenden, aggressiven Ausbrüchen von Zuwanderern konfrontiert wurden. Mittlerweile nachweislich mit erheblichem Anteil jüngst zugewanderter "Flüchtlinge". Und nur in der Zeit, die zwischen Sylvester und der Veröffentlichung dieses Blog-Eintrags verstrich, sind weitere 40.000 Menschen illegal ins Land gekommen. 

Denn diesem Umstand hat man bis heute nicht nur nichts entgegengesetzt, sondern wird fast offiziell-staatlich die "Balkanroute" so organisiert, daß "der Witterung Rechnung getragen" wird - es gibt glaubwürdige Berichte, daß etwa die Caritas (die Versorgungsstationen eingerichtet hat, sowie Tips für eine gelingende Asylbeantragung gibt) in Zusammenarbeit mit Flüchtlingshilfeorganisationen und Busunternehmern regelrechte Transitrouten eingerichtet hat. Man muß nicht einmal mehr "einwandern", sondern kann "einfahren". Während die UNO sowieso eine eigene Art beweist, mit dem Problem unzugehen. Das ist also die Art, wie man heute international "gemeinsam Probleme löst".


²Die kolportieren Äußerungen von Frau Merkel, daß sie von den jüngsten Ereignissen in deutschen Städten "betroffen sei" und "alle Härte des Rechtsstaatees verspreche", so kann man das nicht mehr anders sehen denn als Ausweis eines nun abgeschlossenen Realitätsverlusts. Will man es nicht als dreist (weil es die Bevölkerung für dumm erklärt, und zwar genau jene Bevölkerung, die fast schon mehr gewußt als geahnt hat, daß es zu solchen Konflikten kommen würde) und sogar politisch dumm qualifizieren. Was es in Wirklichkeit aber wohl ist.

³Eine Bemerkung am Rande: In den meisten dieser Länder (nur die Tschechei ist ausgenommen) ist der Anteil an regelmäßigen Kirchenbesuchern unvergleichlich höher als in unseren Ländern. Mit der unausbleiblichen Verwestlichung der Jugend wird er aber auch dort gewiß abnehmen.

***So ganz nebenbei sei es erwähnt: Ungarn hat 2015 mehr Asylwerber aufgenommen, als Österreich. Nur wollen die meist nicht hier bleiben. Denn Ungarn entspricht so gar nicht dem amazon-zalando-GeldfüralleausdemBankomaten-Rausch, in den sich so viele medial gesoffen haben. Da will (immer noch, trotz permanenter Verwestlichungsattacken) ernsthaft ein Volk leben. Und hier habe noch nicht alle vergessen, daß ein Volk nur aus der Poesie leben kann. 



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Donnerstag, 2. Oktober 2014

Europa muß sich schaffen (3)

 Teil 3) Nur Poesie kann Politik schaffen, 
nur Poesie kann überhaupt ETWAS schaffen,
nur in ETWAS kann der Mensch leben





Es braucht Politiker die wissen, daß Politik die Folge eines schöpferischen, damit poetischen Prozesses ist, weil Staaten überhaupt NUR aus diesem Spiel der Poesie leben, historisch belegbar sonst innerhalb kurzer Zeit zerfallen - wenn diese Poesie fehlt oder verweht. Wo aber ein Staat, der einen Raum bestimmt, zerfällt (und das muß formal noch nicht einmal geschehen sein), entsteht ein Machtvakuum. Jeder Raum aber MUSZ beherrscht werden, das fordert er selber. Das wiederum bewirkt, daß die an diesen entleerten Raum angrenzenden Staaten und Machtgebilde aktiviert werden. Denn nennen wir es beim Wort: Wessen Nachbar nicht berechenbar weil nicht souverän ist, muß Wege suchen, souveräne Nachbarn zu finden, will er nicht selbst zerfallen. Denn das Wesen der Dinge ist, daß sie im Dialog entstehen wie bestehen.

Zwischenruf, klein, leise, so nebenbei: Gibt es ihn also doch, den "Raum an sich"? Ah wa, natürlich nicht. Nicht in diesem bildlichen Zusammenhang. Denn es sind die Dinge, die Raum in sich, mit sich, durch sich bedingen, und in dieser Hinsicht "schaffen". Als Anschauungsform von Beziehungen. Wenn hier also von Anforderungen des Raumes die Rede ist, so nur in dieser Hinsicht, als Dinge Raum schaffen, als sie in ihrer Selbstwerdung (als aktverstandene Identitätssuche zwischen dem Realen und ihrer Idee) somit "schaffen" (als "bedingen".)

Solche Prozesse müssen nämlich einfach einmal begonnen, vorgestellt, angeboten werden. Nur so beginnen Visionen. Nur so beginnen schöpferische Prozesse. Nicht nur der VdZ hat aber den Eindruck, daß es der offiziellen Politik an lebensstarken und wahrhaftigen Visionen eindeutig fehlt. Das spürt die Bevölkerung in ganz Europa, das macht sie so unzufrieden. Schon derzeit ist deshalb das Wachsen einer Kluft bemerkbar, die sich zwischen Bevölkerungen und ihren Führungen auftut. Die geistig Europa auseinanderreißt. Sie liegt darin begründet. Denn der Mensch ist, schreibt Ortega Y Gasset so schön, ein "utopisches Wesen". Er muß sich immer neu konstutuieren, und er muß sich auf einen Sinn, auf ein Ziel hin ausstrecken, sonst bleibt er nicht "stehen", sondern fällt ins Nichts. Gegenwart, Sein als seiende Gestalt, "gibt" es nicht statisch. Sondern nur aus der Spannung des Gestern, das sich nach einem Morgen ausstreckt. Als Tätigkeit.

Die Dimension des Staates - als größte Weite der Person, damit selbst als (analoge) Person - ist dabei keine verzichtbare Zutat. Sie ist jene Errungenschaft, die es möglich macht, den Menschen noch mehr zu sich selbst zu führen. Denn Annäherung ist eine Frage des Abstands - in der Selbstwerdung. Einen "Europäer" aber gibt es nicht. Umgekehrt würden die Menschen kulturell zurückfallen (und was gefährlich ist: sie wissen es nicht, niemand scheint es mehr zu wissen), wenn sich Europa in "Völker" auflöst. Der Spruch de Gaulles - "Europa als Heimat der Völker" - wurde immer mißbräuchlich verwendet. Er sagte wörtlich "STAATSvölker". Was nämlich ist ein Volk? Auch die 20.000 Lavanttaler? Oder erst die 5 Millionen Schotten? Oder 10 Millionen Westukrainer (selbst wieder ein buntes Konglomerat an Völkern)?

Stufen in der Ordnung der Menschen aber können nie übersprungen werden. Was immer einander als Nachbar grüßt, ist gemeinsam nur auf einer nächsten Ebene. Jeder organische, ja jeder chemische Prozeß zeigt das deutlich, und verweist damit (analogisch) auf das Wesen der Welt. Nur so kann ein gemeinsames Europa entstehen, das seine geopolitische Dimension wahrnimmt, zum Wohle aller seiner Völker und Staaten.

Die Aufgabe der EU kann nicht darin liegen, Wärmedämmverordnungen oder Olivenölkännchen oder Antirassismusdoktrinen oder Abtreibungsverordnungen durchzudrücken. Sie kann auch nicht darin liegen, die Einzelstaaten aufzulösen. Darin übernimmt sie sich heillos und unweigerlich, heir ist bereits unendlich viel schiefgelaufen. Sie liegt subsidiär in der Diskussion ("Parla"ment) und Verwirklichung großer politischer Themen, die die Dimension und Verwirklichungsmöglichkeit und Regelbarkeit durch Einzelstaaten eben  übersteigen. Die alle Einzelsubjekte aber - Staaten - in größere Rahmen führen, um so sich selbst besser - und zwar zum Geist hin - in ihrer Eigenart, weil nun gerade eingebettet in einem großen Konzert der Ordnung, entfalten zu können.





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Mittwoch, 1. Oktober 2014

Europa muß sich schaffen (2)

Teil 2) Wer keine Visionen hat, stirbt




Zwei Richtungen müßte also die europäische Politik einschlagen: Auf höherer Ebene den Zusammenschluß mit Rußland suchen, das für Europa eine ideale Ergänzung wäre. Denn es ist keineswegs Zufall, und sehr metaphorisch aufzufassen, daß Rußland jene Rohstoffe und Energien liefert (weil hat), die Europa genau und existentiell fehlen. Die Vorteile, die so ein Bündnis in so vielen Hinsichten hätte, intern wie in einer sich neu formierenden globalen politischen Welt, wären gar nicht aufzuzählen, so zahlreich. Gleichzeitig müßte das Machtgebilde "unter" der EU durch die Schaffung etwa gleichstarker "Reiche" in Gleichgewichte ausgependelt werden. Dies erst würde den vielen Kleinstaaten wirklich nützen, so erst könnte man davon ausgehen, daß auch ihre Interessen genügend im Großkonzert berücksichtigt würden. Vielleicht sogar tatsächlich durch Einbindung der Türkei im Rahmen eines Mittelmeerkonzepts. Damit wäre auch die Position der EU in der Levante, in der Europa einfach viele Interessen hat, warum sollte man das nicht offen sagen, völlig anders, und vor allem: klarer und stärker.

Im aktuellen Fall der Ukraine, die in den Augen des VdZ zerbrechen wird, in einen (vermutlich sogar Kiew noch einschließenden) Rußlandteil, und in einen westlichen Teil, wäre eine Einbindung dieses westlichen Teiles in eine - sagen wir es ruhig - Donauraummonarchie nicht nur die einzige realistische Dauerlösung (denn eine NATO-EU-Einbindung würde das Problem mit den völlig berechtigten Bedürfnissen Rußlands angesichts des Ungleichgewichts der Kräfte nicht nur nicht beheben, sondern in Permanenz aufrechthalten), sondern auch für das Land und seine Kultur im Ringen um Selbststand, und das heißt eben auch: Abgrenzung zum Ostslawischen, der einzige Weg.

Es ist auch für die EU der einzige Weg, behauptet der VdZ. Sie kann nicht zu einem globalen Player weiterschreiten, das zeigt sich immer deutlicher, will sie nicht zu einem Appendix der USA werden. Sie wird aber die politische Einigung des Kontinents nicht schaffen, aus verschiedensten Gründen, und setzt heute - wie in einem Geburtsschaden - im Grunde ungeordnet intern auf vielfach falschen Ebenen an.

Aber selbst Rußland bräuchte dieses Europa, und der VdZ ist gewiß, daß gerade Putin das am besten weiß. Denn ein Pakt mit China ist widernatürlich und für Rußland auf lange Sicht sogar gefährlich. Man betrachte nur die Gestalten - hier ein dünn besiedeltes, riesiges Sibirien, dort ein mit Menschen vollgestopftes China. Räume fordern! China wird Rußland erdrücken. Doch läßt man Moskau derzeit keine Wahl. Und man stärkt damit ... China. Die derzeitige Strategie (soferne man davon überhaupt noch sprechen kann) ist also auch aus Sicht der USA (deren Raum wohl wirklich nur in Amerika liegt, Monroe wußte das) seltsam kontraproduktiv, ja sie hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert, wo der nächste Schritt nur noch ein Retourgang sein kann, wie es sich doch seit Jahrzehnten zeigt. Und ist die Situation am Golf, wo der arabische Raum eine Positionierung in der globalen Lage zu schaffen sucht, etwas anderes?

Es schmerzt zu sehen, daß die Haltung der EU Rußland gegenüber so klare Züge haßerfüllten Zynismus' trägt. Eines Zynismus, der einem Charakter entspringt, der in seiner eigenen Verzweiflung lieber alles in den Abgrund reißt, als Scheitern einzugestehen, und sich neu zu orientieren. Selbstverständlich - die Rede ist vom nie übers Kleinkind hinausgekommenen Sprößling Europas, die Rede ist von den USA.

Dazu freilich bräuchte es Größe. Dazu bräuchte es in Europa Minister und Kanzler vom geistigen Format eines Metternich, eines Talleyrand, etc. etc. Woher die kommen sollen? Der VdZ ist der festen Überzeugung, daß sie da SIND. Daß es diese Männer GIBT, auch in Europa, ja mitten unter uns. Nur haben sie sich selbst noch nicht zu dieser Größe entwickelt, die in ihnen noch embryonal ist. Sie konnte sich deshalb nicht ins Licht und an die nötigen Positionen entwickeln, weil die Elitenbildung in Europa einen Fundamentalschaden erlitten hat. "Große Aufgaben bewirken große Männer bewirkt", nicht umgekehrt. Selbst das geistige und politische Leben eines Raumes hat mit seiner Größe zu tun, in der er zur Person, zum Organismus konstituiert ist. Der Leib (zu dem in diesem Sinn der Raum des Menschen wird, den es nur "mit Grenzen" als Leib, als "Etwas", als Gestaltbares gibt) fließt in den Geist zurück, und fordert ihn damit.

"West-Europa" hingegen, ungeeingt, uneinbar, außer mit Gewalt, denkt (schöpferisch) offensichtlich derzeit zumindest nicht in adäquatem Maßstab, bleibt unter seinen Möglichkeiten. Und weil es nach unten - in den Abgrund technischer Starre - blickt, wählt und schafft es seine eigene Zukunft nicht.



Morgen Teil 3) Nur Poesie kann Politik schaffen, 
nur Poesie kann überhaupt etwas schaffen,
nur in ETWAS kann der Mensch leben 




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Dienstag, 30. September 2014

Europa muß sich schaffen (1)

Man muß nicht lange suchen, um die eigentliche Ursache der Probleme, die die Ukraine als "Staat" hat, in der Zerschlagung der Habsburger-Monarchie im zentraleuropäischen Raum zu sehen. Es zeigt sich gerade heute, und wie oft eigentlich schon, der realpolitische Wert, den dieser den anderen europäischen Mächten gleichrangige Staat hatte. Und den er heute hätte. Es wäre zu einer derart zugeschärften Krise mit Rußland gar nie gekommen. Die Ukraine wird dabei nicht nur in zwei, es wird in mehr Teile zerfallen, das wagt der VdZ heute, am 30. August 2014, wo er diese Zeilen schreibt, zu prognostizieren, bzw. werden sich die Linien West-Ost anders ziehen, als man heute meint. Teile, die allesamt eines brauchen: Anschluß an größere Räume und Machtgebilde in Europa, weil sie ihre eigene Souveränität so gar nicht behaupten können, von Staat zu sprechen damit aber zur höflichen Farce wird.

In einer Art Zwischenstufe aber - der dann nur noch, wenn man schon will, eine EU übergeordnet wäre, die als Reichsidee aufgefaßt werden müßte, deshalb auch Rußland einbinden müßte - stünden sich in den EU-Gremien etwa gleichrangige Positionen gegenüber. Selbst eine Willensbildung wäre vereinfacht, an der eine in derartig viele Kleinstaaten aufgespaltene EU nicht nur krankt, sondern an der sie eigentlich zerschellt. Denn die EU vermag den eigentlichen europäischen Gedanken, als wiederum gleichstarker Player im globalen Konzert, nicht zu verwirklichen, ja tendiert genau deshalb dazu, sich auf die Seite der USA zu schlagen, was im Klartext heißt: dorthinein aufzugehen. (In der NATO ist das ja längst der Fall.)

Für diesen Teil Europas würde sich dann neben einer Donauraummonarchie (oder, meinetwegen, -republik) ein Raum Baltikum-Skandinavien-Polen, oder - immerhin ist Polen auf dem besten Weg zu einer europäischen Mittelmacht - nur Baltikum-Skandinavien, neben Polen. Vielleicht wäre das sogar ein Ausweg für Weißrußland, das sich in seiner Angewiesenheit an Rußland, folgt man den Einschätzungen von Peter Scholl-Latour, so gar nicht wohlfühlt. Aber dann stünde Rußland auch nicht mehr die NATO an der Grenze gegenüber, sondern ein etwa gleichrangiger Partner, den man nicht fürchten müßte, weil er sich nicht fürchtet, sodaß ein Neben- und Miteinander in ruhiger Vernunft möglich wird.

Hier wäre die Aufgabe der Außenpolitik der betroffenen "Nachfolgeländer", und das heißt: ganz Mitteleuropas, auf Jahre intensiv beschäftigt. Ein Prozeß würde in Gang kommen, der Herzen und Gehirne der Bevölkerungen ganz neu inspirieren und ihren Willen zur Lebensgestaltung neu entfachen würde. Und sei es durch Überzeugungsarbeit. Denn die meisten dieser Nachfolgestaaten haben genau das getan, was ihnen mit der Monarchie, die viele - kurzsichtig und falsch - selbst nicht mehr wollten: Sie mußten sich sofort einen Anschlußpartner suchen, einen größeren politischen Raum, in den sie eingehen konnten, weil ihr außenpolitisches Gewicht viel zu gering war. Ihre Souveränität - Hauptmerkmal eines Staates - also nicht gegeben bzw. zumindest permanent gefährdet war. Über deren Sinnhaftigkeit man sehr berechtigt streiten kann. Wenn etwa die Tschechen und Polen die USA suchten, oder die Ungarn die EU (was es wohl vielfach bereits bereut). Manche würden gewiß nach wie vor Abneigungen zeigen. Aber so erst entsteht ein Argumente- und Sinngebäude, an dem gearbeitet werden kann.

Darf man träumen? Darf man sich vorstellen, wie alle diese kleinen Länder ihre Spezialisierungen, die auch mit ihren begrenzten und spezifischen geographischen Räumen zu tun hat, in einem größeren Organismus - als Organe - nicht nur beibehalten, sondern zur wahren Stärke entwickeln könnten? Dann muß Ungarn nicht zwanghaft versuchen, ausländische Industrie ins Land zu holen, die Tschechei Lebensmittelachsen aufbauen, Österreich könnte endlich das einzige was es kann, verwalten, müßte nicht seine kleinstrukturierte Wirtschaft ersatzlos auflösen, Slowenien und Kroatien könnten die Seeanbindung bedeuten, die Westukraine (die eine Nähe zu Polen bzw. einem baltisch-polnisch-ukrainischen Gebilde aus historischen Gründen nicht akzeptieren wird) die Kornkammer sein, usw. usf. In einem Dreieck Alpen - Karpaten - Balkan.

Das hat auch die EU versprochen? Ja, aber es ist nicht eingetreten. Denn es gibt Adäquanzen auch und nicht zuletzt in der Größe. Das ist in der freien Natur nicht anders. Es ist auch ein Gesetz menschlicher Kultur, die sich im Staat ihre größte politische Gestalt gefunden hat, die freilich im überstaatlichen Rahmen der Reichsidee bedarf. (Was ist eine UN denn anderes als ein Reichstag?)

Man nehme nur Österreich, das mit dem EU-Beitritt alles, was seine Stärken waren, mit dem man auch die Menschen bei der Abstimmung lockte, ins Nichts aufgelöst bekam. Heute ist das Land so sehr wie noch nie ein lächerlicher Appendix deutscher Politik, und seine Souveränität ist bis zur Unerträglichkeit aufgelöst.




Morgen Teil 2) Wer keine Visionen hat, stirbt




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Samstag, 26. November 2011

Schwere Versäumnisse - II

Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen

So hätte zielgerichtete Außenpolitik aussehen müssen, und so müßte sie aussehen. Solange das nicht erkannt wird, wird es alle diese kleinen Staaten in der Spannung zwischen übermächtigem Zentralraum - EU, Weltgemeinschaft - und volkeigenen, "nationalen" Bedürfnissen zerreißen. Denn die Aufgaben sind so nicht lösbar, jeder Staat für sich gestellt stößt immer wieder auf eigentlich unlösbare Schwierigkeiten, weil die Probleme, die er ausgelöst hat, immer die falschen Ebenen betreffen. Ebenen, für die im Lande keine Strukturen da sind, nie waren wie nie sein werden.

Diese Staaten sind auch heute was sie sind, weil sie einen gewissen Weg gegangen sind, den man nicht einfach vergessen, auslöschen kann. Alle diese Länder sind in solchen übergroßen Strukturen aber ständig an den Rand des Abgrunds gedrängt, wo ihnen nur als Lösung bleibt: Überleben, aber totale Unterwerfung.

Zum Gegenbeweis kann die alle diese Länder gleichermaßen betreffende Problematik der jeweiligen Außenpolitik hergenommen werden, wo nur die Tschechei einen "Ausweg" insofern gesucht und gefunden hat, der übrigens historisch fast traditionell ist: durch eine starke Anlehnung an die USA hat dieses Land eine kleine Hintertür der starken zentraleuropäischen, aber damit vor allem deutschen Vorherrschaft geschaffen. An den Wirtschaftszahlen aber läßt sich deutlich absehen, daß eben dieser geographische Raum zu einem Hinterhof Deutschlands heruntergekommen ist. Auch das ist historisch absolut nicht einmalig, sondern nachvollziehbar gewachsen bzw. verursacht. Passiert nichts, wird der Konflikt sich erneut auf dasselbe alte und ungelöste Thema zuspitzen: Deutschland gegen England und Frankreich! Beide Länder können sich seit Jahrhunderten nicht mehr anders helfen, als Europa zu schwächen, um selbst zu überleben, angesichts eines unvermeidlich übermächtigen Deutschland.

Christoph Steding hat es in seiner Studie "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur" 1937 überzeugend nachgewiesen (wenn auch mit anderen Schlußfolgerungen beendet): Europa pendelt seit vielen Jahrhunderten zwischen dieser Logik, wonach ein starkes Deutschland ein schwaches Westeuropa, und umgekehrt, bewirkt.*

Dafür gibt es nur einen Ausweg, und er ist historisch-politisch so logisch, daß alle Probleme, die diese Länder haben, damit weitgehend erklärbar sind, ob wirtschaftlich, ob kulturell, ob innenpolitisch wie außenpolitisch (so sehr diese beiden Bereiche nämlich zusammenhängen): wenn jeder dieser Staaten begönne, sich erst einmal um die regionalen, zentraleuropäischen Aufgaben und Nachbarn zu kümmern, um so die notwendige und richtige Symbiotik, Verwachsenheit im Nahraum zu erreichen. Um dann die nächsten Schritte anzugehen.


Daß die EU selbst sich in Hinblick auf diese Logik, die ja mehr Staaten und Räume betrifft (man denke da nur an das Baltikum mit Polen und Weißrußland, mit assozieerten Räumen in der Ukraine und in Rußland selbst; man denke an den Balkan, Räume, die allesamt ähnlich gelagerte Probleme haben, die Pleite Griechenlands hat ihre Wurzeln GENAU DORT: im inadäquaten Anspruchspartner), zwar neu adaptieren müßte, zugleich aber in einer Strukturreform weit besser aufgestellt wäre, als sie es derzeit ist, würde ihr en passent einen weiteren Vorteil verschaffen: sie hätte endlich jene Hände (weil den Rücken) frei, der sie die Aufgabe erfüllen ließe, zu der sie einzig - ich betone: einzig! - sinnvoll (und da wäre sie es wirklich) ist: um Europa im weltweiten Konzert seine angestammte und gleichfalls historisch gewachsene Rolle spielen zu lassen.

Denn die Welt leidet am selben Syndrom: es fehlt ihr jede Struktur, weil ihr jener Kopf, der ihr alle diese Ideen gab, die heute ihren Geist bestimmen, aber zu reinen Logizismen verkommen, weil ihr der Repräsentant abhanden gekommen ist. Man denke nur an Afrika! Ideen aber, Geist, lebt nur personal, persönlich, nicht als mathematische Formel und Funktion.



*Mit einer interessanten historischen Tatsache: daß es immer der schweizer-allemannische Raum war - Baseler Raum, Elsaß, Rheingebiet -  der die Stärke Deutschlands von innen her bestimmte, oder aushebelte. In gewisser Hinsicht könnte man die Habsburger (Freiburg!) als Bestätigung dieser These betrachten: die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König und Kaiser des Römischen Reichs 1278 erfolgte ... um einen starken zentraleuropäischen Raum zu vermeiden, der sich in Ottokar von Böhmen längst zu bilden angeschickt hatte, der in Wahrheit jene Mission verfolgte, die ihm die Habsburger dann aus der Hand nahmen, UND um ein starkes Deutschland zu verhindern.

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Freitag, 25. November 2011

Schwere Versäumnisse - I

Allmählich wird immer sichtbarer, was an Außenpolitik im zentraleuropäischen Raum - und ich spreche von jenem Raum, der 1918 zerschlagen worden ist, geographisch also vom Raum der ehemaligen Monarchie - v. a. seit 1945 versäumt worden ist. Und ich meine da vor allem Österreich, aber es betrifft alle übrigen Länder der ehemaligen Donaumonarchie.

Zerschlagen in lauter Kleinstaaten, steht diesen Kleinstaaten nur eine große, übermächtige EU-Ebene gegenüber, und jeder dieser Staaten muß sich politisch nach der Pfeife Brüssels richten, das völlig logisch zu einer Hierarchie wird, an deren Spitze Deutschland steht, auch wenn Frankreich noch so tut, als könne und wolle es mithalten. Damit bauen sich in Europa dieselben Spannungen auf, die bereits im 19. Jahrhundert jene Pulversituation bewirkt haben, an der das Faß ab 1914 bis 1945 auseinanderflog - die Situation eines harmonischen Kräftespiels am Kontinent.

Es geht gar nicht um eine Wiedererrichtung der Monarchie, auch wenn diese als Konzept für alle betroffenen Staaten politisch das einzig Vernünftige wäre - aber reden wir von Österreich, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, und reden wir von "assoziierten Gebieten", wie der Westukraine und Siebenbürgen, denn als Ganzes wären diese Länder (die Ukraine wäre zu groß, zu inhomogen, Rumänien und Bulgarien wären allerdings überlegenswerte Kandidaten in einem späteren Stadium) und natürlich ... Südtirol und den Triestiner Raum. Hier ist ein historisch und kulturell homogener Lebensraum, in dem seine momentane kulturelle Gestalt historisch so gewachsen ist, daß er auf ein Ganzes hinzielt, bzw. aus diesem herauswuchs.

Das hätte auch anders kommen können, gewiß, aber es ist so gekommen, und in dieser Konstellation ist dieser Raum gewachsen, mit einer wirklich eigenen Kultur, mit ganz realen wirtschaftlichen und persönlichen Symbiosen: unsere momentanen Strukturen sind, ob wir das wollen oder nicht, aufeinander zu gewachsen und NUR miteinander das, geworden, was sie heute sind. Es ist deshalb regelrecht sinnlos so zu tun, als könnte sich für jeden dieser Staaten ein eigenes Profil, ein eigenes Szenario des Weiterlebens entwickeln. Alles das sind Notlösungen, und sie entsprechen nicht den wirklichen Gegebenheiten und Bedürfnissen.

Otto v. Habsburg hat deshalb immer wieder sehr richtig von einer "historischen Mission" Österreichs gesprochen, und er hat genau das damit angesprochen. Diese Rolle hätte Österreich ausfüllen müssen, sie hätte uns Identität gegeben, und es wird uns auch keine andere Rolle Identität geben, so sehr wir uns auch bemühen, "selber" zu einer solche zu kommen - Identität hat mit Außenbeziehungen zu tun. Wenn wir aber dieses "für andere" umlügen wollen, umdeuten wollen, weil uns die wirkliche Baustelle zu mühsam ist, die auch wir mit angerichtet haben - es bedürfte da durchaus einer Aufarbeiten der historischen Schuld der Habsburger, denen Familienpolitik oft genug mehr wert war als Staatspolitik -

Natürlich hat es diese außenpolitischen Ansätze immer gegeben, ich erinnere an Erhard Busek, der gleichfalls immer von diesem zentralen europäischen Raum sprach, und der damit der letzte relevante Politiker Österreichs war, der dies thematisierte. (Wobei Busek sogar - allerdings in unbedeutenden Funktionen - an solchen Assoziationskörperschaften arbeitet, so sehr Busek selbst fragwürdige Gestalt ist.)

Dann, aus diesem geeinten Zentralraum heraus, wo mit Augenmaß und im Nahverhältnis alle jene Probleme gelöst werden können, die nur in jeweils stufenweise sich erweiternden Nahkreisen gelöst werden können, dann erst kann der nächste Schritt getan werden, der Zusammenschluß mit dem nächst weiteren Kreis, und damit erst sind wir bei der EU angelangt. Und aus dieser heraus erst kann es in Weltverbände gehen.

Morgen_ Teil 2) Gehen wir nicht diesen Weg, wird es Europa mehrfach zerreißen


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