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Mittwoch, 2. Juni 2021

Leistungsprinzip - umflort von Leichengeruch (2)

Leistung heißt nicht "Ziel", sondern sogar "kein Ziel". Menschliches Entfalten aber ist eine Frage des Zieles, dem dieses Entfalten dient - Wie sehr diese Feststellung stimmt, also Tatsache der Natur des Menschen ist, zeigt sich gerade in dieser Zeit. Wo wir vor der Situation stehen, daß das Funktionieren der Organismen zunehmend von Einzelpersonen und deren Kompetenz abhängt. So einem Prinzip könnte (dürfte) man nur vertrauen, wenn diese Person Gott selbst ist, also Person und Struktur in ihm zusammenfällt (Jesus: "Ich BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben.")

Das ist nicht nur so, weil Leistung in eine solche (als Sachgerechtheit definiert;  wie auch immer diese selbst gesehen wird, weil schon sie nicht "abstrakt" und für sich stehend ist und somit unabhängig von allen realen, historischen Bedingungen existiert, sondern nie aus dem Naturganzen herausnehmbar ist), aber auch in ein Leistungserkennen (und damit -anerkennen) auseinanderfällt. Jedes Kriterium trägt aber seine Er- und Anerkenntnis wiederum in sich selbst, und zwar demnach, wie sie ihm gemäß ist.*** 

Mittwoch, 4. September 2019

Die zehn Dogmen der heutigen Weltanschauung (2)

 Teil 2


Wir wollen auf das alles im Einzelnen ein wenig eingehen, Sheldrake tut es im Vortrag (mit deutschen Untertiteln) aus Zeitgründen aber nur bei den ersten beiden Punkten. Der VdZ glaubt zwar schon, daß vieles an Sheldrakes Kritik sehr richtig ist. Er glaubt aber auch (ohne viel von seinen Thesen zu kennen), daß dieser den Fehler macht, so schaut es im Vortrag aus, geistige Dinge ("morphologische Felder") zu verdinglichen. 

Wenn man solche Felder aber annimmt (und in gewisser Weise tut es auch der VdZ, er tut es, wenn er zum Beispiel von "Ort" spricht, auch der darf nicht räumlich-dinglich vorgestellt werden, das kann nie mehr sein als Veranschaulichung, um in der Melodie des Bildes das Wesen des Angesprochenen erfaßbarer zu machen) ist die einzige Methode, sie zu untersuchen, eine, die ihrer Natur entspricht - also die Philosophie, die Metaphysik. Denn hier ist die Sinnkomponente das tragende Wesensmoment. Naturwissenschaft kann das dann nur belegen, oder auf Aspekte hinweisen, die gedanklich noch zu bewältigen sind. Aus sich und auf sich gestellt kann aber keine Naturwissenschaft eine Theorie erbringen. Dort wird es auch dann regelmäßig esoterisch, was bedauerlich ist.*

Dessen ungeachtet sind manche von Sheldrakes Gedanken - etwa der, daß Fortpflanzung ein Vorgang des Herausstellens von morphologischer Ähnlichkeit ist - durchaus inspirierend. Auch der Gedanke der Raumlosigkeit des Sehens - wenn wir einen Stern im Weltall sehen, sind wir "am selben Ort" wie dieser - hat viel Richtiges. Denn das Sehen ist ein geistiger Vorgang, dem die Biologie nur dient, den sie aber nicht bestimmen darf und prinzipiell auch nicht bestimmt. Wir sehen nicht durch die Augen, sondern weil wir "sehen" (die Metaphorik zu "erkennen" berichtet davon).

Auch die Abhängigkeit und Variabilität der "Grundgesetze" der Physik in Zeit und Raum kann angenommen werden. Man kann diese Grundgesetze durchaus als "Gewohnheiten" sehen, die nur im Rahmen der Erfahrungswelt "konstant" sind, nicht aber in einem absoluten Sinn. Abweichungen bei der Gravitation und der Lichtgeschwindigkeit sind keineswegs Spinnereien von Esoterikern, sondern handfeste Schlußfolgerungen, die die Astrophysik immer wieder zu treffen angeregt wird, weil Beobachtungen mit dieser Konstanz nicht übereinstimmen. 

Daß die Mathematik, die diese Gesetze in Formeln gießt, von anderen, nicht-mathematischen, ja nicht einmal materiellen Voraussetzungen (sondern Postulaten) lebt, hat sich ohnehin längst herumgesprochen (siehe Poincaré und Gödel). Auch die Mathematik bewegt sich somit nur innerhalb unserer Erfahrungswelt und regiert nicht das Universum als quasi ewiges Gesetz. Zahlen, Formeln drücken also lediglich reale, der Lebenswelt zubehörige Beziehungen aus, ohne über deren "Ewigkeitswert" etwas aussagen zu können. Stattdessen aber geht vor allem seit den 1960er Jahren die Physik davon aus, daß seit dem Urknall die Gesetze der Physik ein für allemal festgelegt waren. Was Sheldrake in dem amüsanten Satz zusammenfaßt, daß die heutige Physik sagt: "Man gebe uns ein Wunder zur Wahl, und wir erklären den Rest." 

Freilich, die Aussage, daß es doch auch vorstellbar sein sollte, daß "seit dem Urknall" in einem sich ständig entwickelnden Universum auch dessen Gesetze sich entwickeln, muß mit einem gehörigen Schluck aus der Skepsisflasche quittiert bleiben. Diese Folgerung ist letztlich wieder auf die oben angesprochene Verdinglichung von Geistigem zurückzuführen. Denn die Ideen sind tatsächlich immer gleich, waren es von Ewigkeit an, und werden es immer sein. Entwicklung kann es also nur im historischen Sinn einer "Gestalt in der Zeit" geben. Wo sich die konkrete Gestalt innerhalb einer gewissen Variationsbreite, die sich aber immer entlang der Grundgegebenheiten bewegt (weil sonst ins Nichts fällt, also auch nicht existiert), die alles wie ein "Zaun" umgeben. 

Sheldrake aber meint, daß die Evolution des Weltalls Gesetze nur insofern kennt, als es Gewohnheiten gibt, die sich entwickeln, aber wieder verändern können. Wobei seine Rückbindung an die morphologischen Felder gegen diese Interpretation spricht - vorausgesetzt, man denkt sie eben als geistige Entitäten, nicht als für sich stehendes dingliches, physikalisches Geschehen. Das wirkt sich auch auf seine These vom kollektiven Gedächtnis aus, das er in der dinglichen Welt begründet sieht. 

Gewiß, die Dinge sind durch ihr Existieren eine Erzählung, und insofern ist Erinnerung in ihnen gegenständlich, als Wegmarke zu geistigen Inhalten (als Symbol, nicht aber als diese selbst). Und gewiß, an seiner These der Ähnlichkeit innerhalb der gesamten Natur ist manches interessant. Denn in allen Dingen findet sich - nur auf je unterschiedlicher Ebene in gestufter geistiger Konkretion und Ausgestaltung - eine einzige Grundstruktur (die der Ähnlichkeit mit der Dreifaltigkeit als dem innersten, dynamischen, also aktiven Wesenskern aller Dinge, die somit in sich ein Beziehungsgeschehen aus Idee - Materie - aktivem Geist sind). Aber das Problem ist bereits erwähnt: Sheldrake macht solche geistigen Geschehnisse und Fakten zu Dingen. 

Dann wird das morphologische Feld eben zum Feld, das durch die morphologischen Felder vorangegangener (im Beispiel:) Giraffen existiert und wirkt, die das morphologische Feld "Giraffe" entwickelt und vererbt, damit zum kollektiven Gedächtnis gemacht haben. Dazu dienen die Gene, auch wenn diese stark überbewertet werden, so Sheldrake. Denn die sind zwar für die Produktion von Proteinen zuständig, geben aber nicht die Form oder das Verhalten eines Lebewesens vor. Ein solches morphologisches Feld haben auch Kristalle. Entscheidend ist hier wie überall der erste Moment, wo dieses morphologische Feld durch den ersten Kristall (die erste Giraffe) in die Welt kommt. Denn da existiert noch keine Gewohnheit.

Jede Fortpflanzung existiert dann in der Art eines Fraktale, wo das Nachfolgende (als Teil eines Ganzen) die Gestalt des Urbildes (als Ganzes) annimmt.** Somit gehört jedes Einzelwesen in seiner Gestalt einem alle diese Wesen umfassenden morphologischen (Grund-)Feld an. Sheldrake nennt das Beispiel von Ratten. Wo es angeblich nachweisbar ist, daß wenn Ratten (sagen wir) in London etwas lernen, es schlagartig allen Ratten der Welt leichter möglich ist, dasselbe zu lernen. Das sieht Sheldrake als Erweis eines solchen (raumlosen) morphologischen Feldes, dem alle aktiv angehören, und das deshalb so etwas wie ein kollektives Gedächtnis (hier: der Ratten weltweit) bildet.

Der Grundfehler ist im Grunde genauso materialistisch, wie es Sheldrake der modernen Naturwissenschaft vorwirft. Denn es geht um das Prinzip, wie sich ein "Feld" aufbaut (um in seiner Theorie zu bleiben): Von oben nach unten? Oder - und das ist die Vermutung bei seiner "Gewohnheits-"Theorie - von unten nach oben? Das ist keine Frage der physikalischen Beobachtung, sondern prinzipieller, metaphysischer Überlegungen. Und daraus ist klar: Die Idee geht der Konkretion voraus. In Sheldrakes Universum aber evolviert über die Gewohnheit auch das gesamte Universum und seine Gesetze.







*Der VdZ denkt da an eine kleine, verschworene Gemeinschaft von Anhängern der "Wirbelweltbild-Theorie", die manche interessante Aspekte hat, aber in der derzeitigen Form an ihren philosophischen Mängeln scheitert. Weil sie eben versucht, aus der Physik auf eine Metaphysik zu kommen, was prinzipiell nicht geht, sondern in Esoterik landen muß. Damit schlittert sie auf die Schollen esoterischer Weltbilder, ohne es zu wissen. Ob das reparabel ist bezweifelt der VdZ übrigens. Denn man kann Theorien nicht "ausschlachten", sie stehen immer in Bezug auf einen geistigen Kern, und der gibt die innerste Grammatik sämtlichen Teildenkens vor.

**Wir bringen hier das so wichtige Wort von der "Seinsmitteilung" als Wesen der Schöpfung ebenso wie als Wesen der Fortpflanzung (und der sozialen Beziehungen generell) ein. Dazu ein anderes Mal mehr.





Dienstag, 3. September 2019

Die zehn Dogmen der heutigen Weltanschauung (1)

Das Problem von Rupert Sheldrake ist, daß er metaphysische Fragen durch physikalisches Denken zu lösen versucht. Zwar hat das letztere zweifellos seine Resonanz in ersterem, aber es führt durch nicht sachgerechte Fragestellung ins Nichts beziehungsweise in das, was man ihm vorwirft: Er würde quasi esoterische Theorien aufstellen. Und Esoterik ist, wie wir wissen, metaphysiklose Metaphysik.

Aber seine Hauptforderung bleibt gültig, und Sheldrake bringt sie mit viel rhetorischer Begabung zur Sprache. Die Wissenschaft, so sagt er, leidet heute unter einer falschen Fixierung auf (falsche) Dogmen, mit denen ungelöste Fragen einfach postuliert werden. Um sie dann "zu beweisen". Das sind aber Zirkelschlüsse, in denen bewiesen wird, was als Voraussetzung bereits angesetzt worden war. Die einen einzigen Zweck haben: Ein materialistisches Weltbild zu stützen. Das ist das allererste und grundlegendste Postulat.

Das hat die Wissenschaft in eine Sackgasse geführt, ineffizient und teilweise überhaupt irrelevant gemacht. Wissenschaften, so sagt er, sind heute hundertprozentige Tochterunternehmen der materialistischen Weltanschauung geworden. Damit entgehen uns die fruchtbarsten, ja die sinnvollsten Fragen, weil der Geist ausgeschlossen bleibt. Dieser ist das größte Problem, und er kann nur mit "Erklärungen" wegerklärt werden, die aber gar nichts erklären.

Sheldrake hat in seinen Theorien der "morphologischen Felder" als Grundlage jeder Gestaltentwicklung nicht das Rad neu erfunden, sondern knüpft an die Naturwissenschaften der 1920er und 1930er an. Sie erinnern sich, das war die Zeit, in der die deutschsprachige Wissenschaft weltweit so weit voraus war, daß die deutsche Sprache drauf und dran war, die wichtigste internationale Wissenschaftssprache zu werden. Denn wer wissen wollte, was los war, mußte deutsche Publikationen lesen. Die speziell in Deutschland und Rußland beschrittenen, hochinteressanten Wege nahmen viele der heute von Sheldrake vertretenen Theorien vorweg, ja waren ihm voraus. Ehe sie nach dem Krieg wie ein Geisterspuk verschwanden, und klammheimlich, mit dem Auswechseln des Personals, durch eine einheitliche, nun per "ansonstigem Fluchbann" (wer "alt" dachte war Nazi und damit Weltzerstörer) dogmatisierte materialistische Sicht ersetzt wurden.

Die in diesem Wissenschaftswahn (so ein Buchtitel des Mannes) herrschenden zehn Dogmen der Wissenschaften stellt Sheldrake in diesem TED-Vortrag (den TED später von seiner Homepage entfernt hat, der aber auf Youtube noch abrufbar ist) dar. Es ist zugleich der Fahrplan der Standard-Weltanschauung der meisten heutigen "gebildeten" Menschen. Unser gesamtes Bildungs-, Gesundheits- und Regierungssystem ist darauf aufgebaut.
  1. Die Welt ist eine Maschine und alles in ihr gleichermaßen. Also auch die gesamte lebendige Welt, einschließlich des Menschen. Wir sind "schwerfällige Roboter" (Dawkins), deren Gehirne genetisch programmierten Computern gleichen.  
  2. Materie ist bewußtlos. Und deshalb gibt es im gesamten Universum kein Bewußtsein. Weder in Planeten, Pflanzen, Tieren, noch im Menschen. Und tatsächlich hat der Großteil der Philosophie der letzten hundert Jahre versucht, diese Bewußtlosigkeit des Menschen zu beweisen. (Die humorvolle Zweideutigkeit dieses Satzes zu erkennen überlassen wir dem Leser.)
  3. Die Naturgesetze sind ewig und unveränderlich. Sie waren die selben zur Zeit des Big Bang (Urknall), und haben sich seither nicht verändert.
  4. Die Gesamtsumme von Energie und Materie im Universum ist immer gleich. Sie verändert sich nie ... außer im Augenblick des Urknalls. (Was aber in den Augen des VdZ die landläufige Physik nicht so sieht. Sie weiß um diesen Widerspruch zu den Gesetzen der Thermodynamik und packt deshalb sämtliche Energie und Materie in diesen unendlich kleinen Punkt, der am Anfang des Urknalls stand. Wie das gehen soll weiß freilich niemand.) Außer man sieht die völlig unlösbare Frage als solchen Massezuwachs, wie es sein kann, daß aus nichts plötzlich etwas, ja ein ganzes Universum herausspringen soll. Denn aus nichts wird nichts. Und das ist tatsächlich ein unumstößliches Dogma der Wissenschaft.
  5. Die Natur ist sinnlos. Es gibt in ihr keine Zwecke, keine Gerichtetheiten, und jede Entwicklung ist sinn- und ziellos weil zufällig. 
  6. Die biologische Vererbung ist materieller Natur. Alles, was vererbt wird, liegt in den Genen oder in epigenetischen Veränderungen der Gene, oder in zytoplasmatischer Vererbung. In jedem Fall ist Vererbung materiell. 
  7. Erinnerungen werden im Gehirn in materieller Form gespeichert. Alle Erinnerungen sitzen im Hirn irgendwie in modifizierten Nervenenden (phosphorilierten Proteinen), auch wenn niemand weiß, wie das funktionieren soll. Trotzdem glaubt jeder in wissenschaftlichen Kreisen, daß es im Gehirn sein MUSZ. 
  8. Der Geist befindet sich in unserem Kopf. Unsere gesamte Bewußtheit ist nichts als die Aktivität unseres Gehirns, sonst nichts. 
  9. Übersinnliche Phänomene sind deshalb unmöglich. Telepathie (für Sheldrake der sicherste Beweis für raum- und zeitlose morphogenetische Felder) und andere Psi-Phänomene gibt es nicht. Gedanken und Absichten können keine Fernwirkung haben, denn unser Geist befindet sich wie gesagt im Kopf. Wenn Leute glauben, daß es das alles gibt, dann nur, weil sie keine Ahnung von Statistik haben, sich von Zufällen täuschen lassen, oder einem Wunschdenken anhängen.
  10. Mechanistische Medizin ist die einzige, die wirklich wirkt. Deshalb fördern Regierungen auch nur die Erforschung mechanistischer Medizin und ignorieren komplementäre und alternative Therapien. Diese können nicht wirken, weil sie nicht mechanistisch sind. Wenn sie dennoch wirken dann nur, weil eine Besserung sowieso erfolgt wäre, oder aufgrund des Placebo-Effekts (in dem sie sich selbst täuschen). Wirken tut aber nur die mechanistische Medizin.

Morgen Teil 2)




Mittwoch, 2. März 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (3)

Teil 3) Genügt das Tragen von Nike, um einer Kultur anzugehören? 
Oder: Es ist zumindest fraglich, ob die Kultur beim iPhone anfängt und endet




Eben - genau darum, genau um diese alltäglichen, unteren Gefühle und Empfindungen geht es in der ganzen Frage der Migration ÜBERHAUPT nicht. Wer daran zweifelt, daß ein syrisches Kuskus auch köstlich sein kann, hat sowieso einen Dachschaden. Nicht weniger als der, der meint, der (subjektive) Wohlgeschmack eines Kebap "schaaf.mitt.one.ales" samt Bonuskarte "nach neun eine gratis" reiche, um den muslimischen Türken als ewiges Kulturmitglied anzusehen.

Was (so nebenbei) der Einschätzung, daß die Willkommensbegeisterten 2015 aus der Erfahrung, daß für sie das Bedienen eines iPhone höchste weil mittlerweile einzige Kulturleistung ist, den Umstand, daß die meisten Zuwanderungsbegehrer ein solches Gerät in ihrer Gesäßtasche mitführen und elegant bedienen können als hinreichenden Ausweis einer Kultureinheit ansehen. Auch das jedem bekannte Suchen von Steckdosen, um einen Handyakku aufzuladen, ist halt noch nicht wirklich kulturverbindend, genauso wenig wie eine Vorliebe für Nike-Schuhe. Wobei ... da könnte man schon diskutieren ... denn beide Seiten scheinen das oft zu glauben. Oder ist das auch schon alles, was hierzulande noch an Kultur erbracht wird? Markenbewußtsein, Nike-Schuhe? Wer weiß. Auf der Nike-iPhone-Ebene kommt man aber nicht weiter.

Diese Fragen müssen also sehr wohl und zu allererst auf einer sehr abstraktiven Ebene behandelt werden - eben: auf der geistigen Ebene, auf der Ebene der Universalien. Daß das Mädchen aus Eritrea ziemlich hübsch ist, ja nicht einmal, daß der Marokkaner nebenan ordinär und sexuell anlassig ist, während der andere sich ganz ziemlich und anständig aufführt, das Einzelne also, darf da gar keine Rolle spielen. Das kann es nur, wenn es einem Universalen zugehört, es erkennbarer macht, das also eine ontologische Unvereinbarkeit mit den Allgemeinen hier und da und dort darstellt.

Denn von einem kann man mit Sicherheit (!) ausgehen: Daß dieses Universale den anderen, das Begegnende, irgendwann einmal selbst dann zum Träger sucht, also dargestellt sein wird. Und dann haben wir es mit sehr forgeschrittenen, konkreten Kämpfen zu tun. Wer also Frieden will, muß von der Ebene der Universalien her denken. Denn das Einzelne, das Individuelle, ist immer die individualisierte Form eines solchen Universalen, das ohne dieses inhaltsleer (also gar nicht vorhanden, dabei aber als Entelechie suchende, als leibsuchende Kraft immer aktiv) bliebe. Denn die Welt ist die Blühe eines Tanzes des Sinns, der ontologischen Beziehungen. Nicht das Zufallsprodukt der Kebap-Sauerbraten-Konkurrenz.

Und erst aus dieser allgemeinen Abwägung heraus kann dann (vielleicht) entschieden werden, ob das Angstgefühl der Pegida oder der Mäderl in den Gassen Kölns und Buxtehudes aus ontologischer Richtigkeit beruht - oder, zu dieser im Gegensatz stehend, psychogenes Produzieren eines (warum auch immer) gewollten (!) Vorstellungsbildes ist. Erst daraus läßt sich auch entscheiden, ob eine Massenbewegung eine Bewegung der (dann immer: verhetzten, manipulierten, ideologisierten) Vermasstheit ist, oder das ernstzunemende weil ontologisch berechtigte Aufbegehren des Individuellen, das der Gefährdung des Allgemeinen - und damit des Individuellen, das nämlich im Allgemeinen wurzelt und beginnt - wehren möchte.

Wenn das nicht (bald!) passiert, bleibt die ganze Debatte nur die nächste Stufe in der Diskussion um des Kaisers neue Kleider.





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Dienstag, 1. März 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (2)

Teil 2) Hände die streicheln sind nicht immer nett




Reden wir in vielleicht vorstellbarerer Gestalt, so gefährdet das uch immer ist, weil sehr rasch Unbildliches vergegenständlicht, also im Antlitz der Medusa zu einem Bild versteinert wird: Das Bedrohnungsgefühl, das unsere Bevölkerungen derzeit empfinden, ist auf siene Berechtigung nicht zu prüfen, indem die Vereinzeltheit über das Allgemeine gesetzt wird! also ncith der "Kontakt mit Zuwanderern" ist es, der diese Ängste wirklich "bannt", auch wenn es so "empfunden" wird. Vielmehr wird, wenn das Vereinzelte zu stark wird (man kennt diesen Vorgang: "von etwas hingerissen" werden drückt es etwa aus), das Allgemeinen so verdrängt, daß es sogar noch unzugänglicher, die Situation also ontologisch noch schwieriger wird, als würde diese sinnliche Auseinandersetzung mit einem Proponenten dessen, wovor man sich im Gefühl "fürchtet", wovor man Angst hat, gar nicht stattfinden.

Oder, in einem weiteren konkreten Fall: Man tut der Pegida, und vielen Menschen der ehemaligen DDR, sehr Unrecht wenn man (noch dazu in zynischem Unterton) behauptet, daß ausgerechnet jene am meisten gegen die Zuwanderung opponieren, die am wenigsten davon betroffen seien (weil sich am wenigsten Zuwanderer dort aufhielten, etc.) Vielmehr kann man Phänomene wie die Pegida nur unter ontologischen, weit umfassenderen und grundsätzlichen Gesichtspunkten sehen. Denn Angst entsteht am äußersten (!) Rand eines Dings, Gegenwehr in den alleräußersten, ersten Berührungspunkten mit etwas. Läßt man diese Bedrohung, die diese erste Angst noch dazu sehr präzise zu lokalisieren vermag (!), weil die Wahrnehmung (als geistiger Akt der Zuordnung von sinnlich Aufgenommenem) von allen möglichen Gedankenstörgewittern noch nicht verwirrt ist, aber ungehindert weiter vordringen, wird es immer schwieriger, sie in ihrem elementarsten, umfassendsten Aspekt zu sehen und im Handeln gerecht zu bleiben. Denn im Gegenteil, wird durch das immer konkreter werdende Berührtwerden, das das "Eindringen" im beschriebenen Sinn bedeutet, die geistige Distanz NIEDRIGER, die Entscheidung, das urteilende Verhalten, also IRRATIONALER und UNFREIER.

Ob das schon einmal jemand bedacht hat? Daß jemand, der nach Kontakt mit (sagen wir einfach einmal:) Afghanen, die nun im Nachbarhaus als Asylwerber wohnen, in dem Moment, wo er entdeckt, daß auch sie lachen und weinen und trotzen und sich fürchten und Salz auf die Gurke streuen, die Beurteilung der ontologischen Gegebenheiten, also eine wirkliche Handlungsweise, fast nicht mehr zu ermitteln ist? Weil das Urteilen sich gar nicht mehr auf das wirkliche Geschehen bezieht, sondern auf die Schälweise der Gurken, die Schneuztechnik der Tochter, und die Schuhgröße des Vaters, der mich von einem Kebap kosten läßt, der köstlich schmeckt. Das wäre ungefähr so (und es hat auch direkt mit Mißbrauch zu tun), als würde man das Urteil aus dem Wohlgefühl einer streichelnden Hand beziehen, um zu ignorieren, daß sie einem 40jährigen Böstäter gehört, der sich an ein fünfjähriges Mäderl heranmacht.



Morgen Teil 3) Genügt das Tragen von Nike, um einer Kultur anzugehören? 
Oder: Es ist zumindest fraglich, ob die Kultur beim iPhone anfängt und endet




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Montag, 29. Februar 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (1)

Es hat etwas Schwieriges im Umgang mit dem Begriff "Vermassung". Und das liegt darin, daß jeder Mensch einer gar nicht eingrenzbaren Menge von Kollektiven, von Universalien zugehört. Nahezu alles, worin sich ein Mensch bestimmen läßt, ist nämlich die Teilhabe an einem für sich stehenden, ein eigenes Sein und vor allem Realität (in ihm nämlich!) habendes Allgemeines. Der Blonde gehört zur Allgemeinheit der Blonden, nicht weniger als der 2-Meter-Riese der der Großwüchsigen, der Wiener zur Österreicher-heit, der Bremer zur Sachsenheit. Die Zubehörigkeiten sind nicht in ihrer Zahl eingrenzbar, und enden in der Bestimmung als Mensch überhaupt.

Der Wille, diese Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen, ist deshalb jedem Menschen gleich, und er ist elementar und er ist Teil seines Menschseins überhaupt. Es sind nämlich dieses Universalien die Bezugspunkte, die ideae, auf die hin sich ein Mensch transzendieren muß, will er überhaupt Mensch sein. In diesem Akt der Selbstüberschreitung, des Sterbens (wo hinein?) also, liegt sogar das eigentliche Geburtsmoment seines Selbst als Gestalt des unbestimmbaren Ich, das jedem Mensch als Person bzw. in seinem Personsein zugrundeliegt. Es ist der eigentliche Gründungspunkt, als Dynamik eines "zur Welt kommens" - das in der Selbsthingabe (als Paradox also) passiert.

Die Vermassung steht hiemit auch unter einem Paradox. Weil sie in dem Moment passiert, in dem genau diese Zubehörigkeit zu einem Allgemeinen, zu einer Gemeinschaft also, NICHT in der Selbstüberschreitung "einfach ist", "sich" wirklicht, sondern wo sich die Selbstüberschreitung ausspart bzw. auf einen bestimmten Aspekt reduziert, der die Gesamthaltung der Überschreitung (die ein offen-sein-für ist) beschränkt. Hier liegt auch der Geburtspunkt der Ideologien, die immer Einschränkungen sind.

Was noch nicht einmal etwas darüber sagt, ob sie nicht temporär, in Momenten der Verwundung eines Allgemeinen, der verletzten oder gefährdeten Zubehörigkeit zu einem Allgemeinen, ihre Berechtigung hat. Die hat sie nämlich tatsächlich. Temporär, wie gesagt, nicht als letzthinniges humanes Konzept. 

Denn diese Zugehörigkeiten in all ihren unfaßbar vielen Ebenen und Ausprägungen und Ideenbezügen, ohne die es gar kein Individualsein gäbe (!), die es rundum bestimmen, die den Einzelnen vorwerfen, noch ehe er sich dem Mutterleib entwunden hat,  haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind, wenn sie gesund sind, wenn sie bestehen, wenn also der Einzelne sich in der Selbsthingabe am vollkommensten selbst wirklicht, gar nicht ... bewußt. Und sie können auch gar nicht in allen ihren Präluminarien bewußt werden. Sie werden erst dort bewußt, wo sie gefährdet sind. Und das sind sie immer - konkret. Konkret in einem bestimmten Punkt. Dann tritt dieser Punkt als etwas Bestimmtes auf, gegen das sich der Einzelne auch bewußt wernden kann, das ihm also (auch am Eigensein, an den Bestimmtheiten seines So- und Selbstseins) bewußt wird.

Das heißt aber auch, daß der Einzelne eine Bedrohtheit seiner Identität sehr wohl ZUERST fühlt, zuerst spürt, ohne sie noch konkretisieren zu können - und erst allmählich, im Diskurs, im Streit, ja im Kampf gar, zu einem bestimmten Aspekt formt. Das Vereinzelte (und damit immer Konkretere, also eigentlich sogar: die Welt) kommt aus einem Allgemeinen. Immer.

Deshalb muß gesagt werden, daß man vielen Ängsten "in der Bevölkerung" zutiefst Unrecht tut, indem man sie marginalisiert oder zu bloßen ontisch nicht verankerten Psychoiden erklärt. Denn selbstverständlich äußert sich eine durch die Sinne, durch die Teilhabe an den Gestalten der Welt über die Sinne, zuallererst über ... ein Gefühl. Und dieses Gefühl wird durch "Bewußtwerdung" keineswegs eliminiert, und sollte es auch gar nicht. Es ist existentieller als fast jede Rationalisierung zu erfassen vermag, es ist elementar, es ist von größter Bedeutung für die Gesundheit des Einzelnen. Denn das Ontische ist, wenn es real sein soll, wenn es also real IST, sehr wohl Gegenstand der Wahrnehmung, wenn auch nicht direkt, wenn auch nur über die Auswirkungen dieser Entitäten, dieser Seinsheiten, dieses Seienden als Gestalt.

Wenn man also nun behauptet, daß das Gefühl der Bedrohung, das heute so viele Menschen (und an bestimmten Seinsheiten Teilhabende im Besonderen, na etwa so wie Frauen in ihrem Alltagsbewegen bei Dämmerung in dunkelen Gässlein) haben, keine Berechtigung weil Realität hätte, der irrt, im günstigsten Fall, der will aber vor allem lügen, im häufigsten Fall. (Denn es wird heute allgemein derartig viel und allgemein gelogen, daß es einen regelrecht umhaut, wenn man davon erst einmal eine Ahnung bekommt.) Vielmehr sind solche Gefühle gerade dort sogar am berechtigtesten, wo Gemeinschaften (wie gesagt: auf allen Ebenen und in allen Separiertheiten und Aufteilungen) noch intakt sind, aber aus dieser Zugehörigkeit auch teilhaben an ontologischen Gefärdetheiten - das heißt: Etwa an politischen, gesellschaftlichen Veränderungen, die die Beziehung von solchen Seinseinheiten zueinander verschiebt, verändert, oder gar ganz reale Bedrohungen abzeichnen, die noch lange Wege zurückzulegen haben, um eines Tages vielleicht (und dann immer nur in Teilen) "bewußt" und Gegenstand der Debatte zu werden.


Morgen Teil 2) Hände die streicheln sind nicht immer nett




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Samstag, 17. Oktober 2015

Primum in intentione - Ultimum in executione

Einer der schwersten Irrtümer der Darwinisten (aller möglichen Färbungen und Richtungen, denn deren gibt es jede Menge, weil so viele ungelöste Grundfragen und Widersprüche eben jede Menge unterschiedlicher Antworten und Lösungsvorschläge provozieren) liegt darin, die Homologie der Formen - also die morphologischen Ähnlichkeiten von Organismen in unterschiedlichsten Stadien - als Beleg für einen zeitlichen Zusammenhang zu sehen. Indem also etwa die Ähnlichkeit der Gestalt eines Hühner-, Krokodil- und Menschenembryos in gewissen Stadien als Beleg dafür genommen wird, daß eines aus dem anderen ("phylogenetisch") hervorging. (Wir werden darauf noch näher eingehen, vorerst soll es bei diesem Hinweis bleiben.)

Niemals wird aber aus dem einen auch das andere. Denn was sich in der Entwicklung eines Organismus von der kleinste Zelle an zeigt ist, daß seine Entwicklung lediglich ein Gesetz darstellt, das für alles in der Welt gelten kann: Als Entwicklung vom Allgemeinen hin zum Besonderen. Mit einem ehernen Grundsatz: Daß es solch eine Entwicklung nur dort und nur insoferne gibt, als am Anfang (!) die Intention des Individuellen stand. Denn was immer es gibt - es gibt es (empirisch, faktisch) nur als Individuelles. Und nur aus diesem Individuellen heraus wird es überhaupt. 

Ein "Allgemeines" gibt es nicht. Nicht real, sondern nur als Begriff. Weshalb es eben auch in der "Evolution" jene "Zwischenglieder" nicht real (also: paläontologisch) gibt, aus denen sich dann jeweils Zweige entwickeln hätten können: Es fehlen die "allgemeinen Glieder", die die später daraus hervorgegangen sein sollenden aus sich entlassen hätten können.

Aber es gibt diese Gliederung als logische Struktur, als logos. Und sie bedeutet, daß das Individuelle als Sinn, als Intention, in seiner Weltwerdung alle Stufen durchläuft, und das heißt: Vom Allgemeinen ins Besondere IN DER VERWIRKLICHUNG vorschreitet; ohne aber je ein Allgemeines oder Allgemeineres real "nur" zu sein. Weshalb gilt, daß wo immer eine (mögliche) Individualität noch nicht entwickelt ist, wird sie immer zur Wirklichung drängen, den Menschen so lange unruhig lassen.

Oder, wie es der VdZ seit je ausdrückte: Alles was etwas ist ist es aus seiner Spitze heraus. Alles hängt an seiner höchsten Möglichkeit. Erst in ihr wird es vollends individuell.

Damit ist jede Entwicklung wesentlich (zumindest: auch) eine Entelechie, eine Konkretwerdung einer ursprünglichen Intention, die auf konkrete Individualität von Anfang an abzielte, aus der heraus etwas wird und sich dann entwickelt. Das gilt für die Erziehung des Menschen nicht weniger, als für den geschlechtlichen Dimorphismus, der auch kein "Hervorgehen aus einer Zweigeschlechtlichkeit"* ist, sondern in dieser Allgemeinform allmählich zu einem Pol der Geschlechtlichkeit REAL wird.

Man kann sich diese Anlage zur Individualität durchaus wie eine russische Matrjoschka-Puppe vorstellen. Wo sich über das Allgemeinste nach und nach je ein das INsgesamt formende nächste Stufe stülpt - die nun die Gesamtgestalt trägerhaft übernimmt. Anders als bei der Matrjoschka bleibt aber die jeweilige (allgemeinere) Vorstufe nicht unberührt einfach stehen, sonder sie wird gewissermaßen von der nächsten Stufe durchdrungen, wie ein Schwamm durchdrungen wird.

Weil der Mensch aber Vernunftwesen ist, ihm also die Instinktgeleitetheit der nächsten unter ihm stehenden Weltstufe fehlt, kann er gar nicht anders als zur Vernunft zu kommen. Jeder andere Weg ist ihm verwehrt. Und dies ist der Sinn der Entwicklung in der Zeit, der Sinn seiner Reifung als Aufgabe. In der er das in der Zeit ausgerollte Vielfältige nach und nach in das Eine des Vernunftbezugs zu stellen, nach dem Sinn zu ordnen lernt.

Und damit aber auch lernt, daß Dinge, die durchaus gleich aussehen mögen,** noch keineswegs damit auch dasselbe individuelle Streben anzeigen müssen. Sondern jeweils nur Zwischenstadien sein könnten, auf dem Weg zu einer von Anfang an vorliegenden Intention. Die aber erst als letzte Stufe zum Vorschein kommt, und insofern auch von der Zeit abhängt.

Das auch jenen gesagt, die da meinen, im Einzelnen übereinstimmende Einschätzungen wären Indiz dafür, daß die Gesamtintention gleichfalls übereinstimme. Während das genaue Gegenteil eintreten kann. 

Und deshalb das Aufgreifen dieses Irrtums siehe oben. Denn er ist maßgeblich für die Verwirrung der Gegenwart verantwortlich. In der die Menschen glauben, daß einzelne Sichtweisen, weil sie formal übereinstimmen, auch ihr Vertrauen verdienen. Während sie in Wahrheit - weil diese Einschätzungen in völlig anders orientierte Gesamthorizonte eingebettet sind - eine Grundumkehr ihres eigenen, ursprünglichen Zieles erfahren. Den Köder schlucken, der sich als trojanisches Pferd entpuppt, und seine Wirkung entfaltet. Und zwar entfaltet, weil das Menschsein ein Miteinander ist, in dem jeder Einzelne jeweils an Personen (über die beide je überstülpende, ja bestimmende Beziehungsdynamik) in jeweils (und immer!) hierarchischer Zugeordnetheit hängt.

Wer deshalb auf "gemeinsame Einschätzungen" abzielt - und das Internet kann gar keine andere Leistung erbringen als diese, deshalb ist es diesbezüglich von besonderer Gefahr! - sollte gut achtgeben. Denn wozu ein Mensch da ist, welche reale, konkrete Rolle er in meinem Leben spielen soll, ergibt sich aus der Intention ganz am Anfang, aus der heraus er in ein Gefüge gestellt ist, das wiederum seine Aufgabe mir gegenüber definiert. Es ergibt sich nicht aus der Übereinstimmung in gewissen Wortlauten, oder aus der Übereinstimmung in einzelnen Verhaltensweisen. Die bestenfalls gewisse Nützlichkeiten anzeigen können, aber wie stachelige Kastanien zu handhaben sind und den anderen als Person (die in der Spitze ihrer Intention steht) nicht achten, sondern zum Objekt machen.***

Denn auch Gleiches ist nie gleich. Weil Individuelles nie das andere sein kann. Ohne Würdigung der nie erkennbaren Geheimnishaftigkeit der Person des anderen, ohne Eintritt in die beide übergreifende und bestimmende Beziehungsdefinition, die immer eine Definition von Hierarchien ist, ist eine gerechte Haltung diesem Menschen gegenüber - als Mensch - gar nicht möglich.****



*Der Mythos des Hermaphroditen als erstem Menschen ist also nicht wahr. Er ist eine irrige Auslegung des Allgemeinen, die Realität und Begrifflichkeit durcheinander bringt. Der Mensch ist immer entweder Mann oder Frau, vom ersten Moment an, aber er muß sich diese Gestalt allmählich erwirklichen. Die anfänglich noch nicht unterscheidbare Allgemeinheit eines frühen Embryo ist keine "Offenheit für alles", sondern eine aus dem allgemeinen Menschsein (als Mann oder Frau) noch nicht genug ausdifferenzierte Individualität, ohne die es aber kein reales Menschsein gibt.

**Ein simples Beispiel, das der VdZ gelegentlich verwendet: Im Dasitzen und an der Tastatur schreiben läßt sich nciht erkennen, ob jemand als Sekretärin, als Generaldirektor oder als Schriftsteller arbeitet. Sie alle tun scheinbar "dasselbe". Und nichts weniger. Denn ihr Schreiben ist jeweils völlig anders - obwohl im Äußeren "gleich".

***Gleichzeitig ist damit eine Aussage zur Lächerlichkeit des Versuchs gemacht, menschliche Leistungen "zu verobjektivieren", indem man sie nach gewissen zählbaren Kriterien (man denke nur an die Zeugnis- und Zertifikatewut unserer Zeit) - verpflichtend - festzumachen vorschreibt.

****Was ein weiteres spezifisches Licht zur Problematik der Zuwanderung ergibt. Denn Zuwanderer kommen mehr oder weniger "undefiniert"´- wer seine Heimat verläßt verläßt nämlich auch seine Definiertheit, und damit seine reale Individualität. Um deren Realisierung an anderem Ort wieder neu zu beginnen, was aber vor allem seine Leistung sein muß.





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Donnerstag, 30. April 2015

Ein prinzipieller Fehler

Es sind aber Grundirrtümer, die die Herangehensweise an das Wetter, das sich zur "Klimakatastrophenprognose" hochgeschaukelt hat, mit Gewißheit falsch machen. Denn es wird von Einzelsystemen durch Hochrechnung, also durch Fortführung in Teilen oder Teilsystemen vorzufindenden Eigenschaften, gefolgert. Dem liegt ein mechanistisches Weltverständnis zugrunde. Daß die Physik (Quantenphysik) diese Weltauffassung ganz real widerlegt hat, hat sich eben noch lange nicht durchgesprochen. Die Naturwissenschaft vollzieht damit über weiteste Strecken einfach noch die Weltanschauungen des 19. Jahrhunderts.

Vielmehr ist davon auszugehen, daß auch dieses die Erde umfassende System (das noch dazu nach außen hin offen ist, also nicht in sich geschlossen; also selber wieder in ein viel größeres Ganzes eingefügt ist) das mit dem Abstraktum "Weltklima" zu einem Scheinbegriff hochgeschaukelt wurde, als "gäbe" es ein solches, daß also dieses die Erde umfassende System ein Kompositum aus unzähligen Teilsystemen ist, deren Grenzen kaum definierbar sind, weil horizontal wie vertikal, in Hierarchien und Über- wie Untergeordnetheiten unterschiedlichster Beziehungen, gegliedert ist. Jedes dieser Teilsysteme aber hat nicht nur ein Eigenleben, sondern ist durch seine Beziehungen als Ganzes angesprochen, und damit in höhere Einheiten eingegliedert, die seine Eigenschaft mit definieren.

Diese Einheiten stehen zueinander in hierarchischen Verhältnissen, und schon die Stufe in dieser Hierarchie entscheidet auch über einzelne Systemeigenschaften. An einem Beispiel illustriert: bloße Gewebszellen verfügen über ganz andere Eigenschaften, als das Organ, dem sie zugehören, und dieses wiederum über andere, als der Organismus, dem sie einbehören.

Diese je umgreifenderen Systeme aber kennen wir gar nicht, und wir können sie vielleicht zum Teil nach und nach in Einzelheiten und -eigenschaften erfassen, werden sie aber aus prinzipiellen Gründen nie ganz erfassen können - zumindest nicht, so lange wir sie durch die je unteren und untersten Systemeigenschaften zu erfassen, zu definieren suchen. Die Wirklichkeiten, die diese umfassenderen Einheiten jeweils bedeuten, sind Sinn-Einheiten, die untergeordnete Systeme in diese Sinnordnung eingliedern und bestimmen (!). Das Individuelle eines Ganzen ist prinzipiell niemals erkennbar, es wird immer ein Geheimnis bleiben, weil es nur geschaut werden kann. An ihm kann man nur teilhaben. Und es kann nur von jeweils oberen Systemen (weil im Sinn, der sich ja nur aus Übergeordnetem ergibt) geschaffen werden, niemals als Summenprodukt von unten.
Zwar ist es richtig davon auszugehen, daß - ähnlich wie bei Krebsgeschwulten am Organiamus - Teilsysteme hypertrophieren, entarten, sich aus dem Ganzen desintegrieren können. Aber nachdem die Erde offensichtlich (Sonne, Weltall ...) kein geschlossenes System ist, sondern im Gegenteil selbst bestimmt wird, kann aus einem Kollaps eines Teilsystems niemals der Gesamtkollaps erreicht werden. Zumindest ist es widervernünftig, davon auszugehen. Was also als "bath-tub-effect" kursiert, ist eine seltsame Simplifizierung durch eine Bild, das gar nicht zutrifft: die Erde ist keine Badewanne, die vor uns liegt, und deshalb umfaßt und gar bestimmt werden könnte. Auch wenn sie vielfach schon so behandelt wird - der bath-tub-mythos ist von jenen geschaffen, die die Erde auch so sehen. Aus den Eigenschaften von H und O läßt sich nicht ableiten, was Wasser ist, auch wenn Wasser in gewisser Weise die Eigenschaften von H und O in sich eingeborgen hat.

Jeder Morgen, jeder Abend, jede Jahreszeit und ihre Abhängigkeit von der Sonne etwa beweist täglich aufs Neue, daß das, was die Erde zuallerst bestimmt - von außen kommt. Selbst physisch (ohne Licht, ohne Sonne damit, gäbe es nicht einmal überhaupt Materie, denn Materie ist ein analoges Widerleuchten von Licht.) Da haben wir noch gar nicht von der Bedeutung der kosmischen Partikeleinstrahlung gesprochen.

Dieser o. a. Irrtum hat übrigens auch, wenn nicht vorrangig mit den technischen, vor allem optischen Hilfmitteln zu tun, deren wir uns bedienen. Denn etwa in der Betrachungsweise aus Satellitenperspektive* wird uns etwas vorgegaukelt, das nicht der Wirklichkeit des Beobachteten entspricht - eben, eine "kleine", beherrschbare Erde. Die wir nunmehr aus einer Perspektive betrachten, die ihrer Realität gar nicht entspricht. Dazu kommen die Computerprozesse, die uns die Illusion vermitteln, daß die Erde in allen Ebenen auf beherrschbare, weil vor uns "liegende" Ursache-Wirkungs-Vorgänge reduzierbar ist. 

Dann denke man an die Bedeutung des Reisens, vor allem mit dem Flugzeug (alleine, was das schon für eine Verheißung bedeutet, und damit Aussage über die Dimensionen der Welt), für unsere Anschauung der Welt - in dem wir glauben, die ganz reale Erde wäre tatsächlich regelrecht "klein" und ganz gegenständlich, real überschaubar. Die größten Klimakatastrophenpropheten sind keineswegs zufällig auch große Reisende. Während jemand, der zu Fuß wandert, rasch einen Eindruck von der unglaublichen Vielfalt und geographischen Abgegrenztheit auch der Wetterbereiche erhält, die ihm jeden Kilometer begegnen.

Wir gehen uns selbst auf den Leim.

Auch aus diesem Grund ist uns ein "Weltklima" prinzipiell als Erkenntnisobjekt der Naturwissenschaft verschlossen. Selbst eine Befassung damit, unter derzeitigen Auspizien in jedem Fall, ist völlig sinnlos.**




*(nachträglich korrigierter Nachsatz) Mancher helle Geist ging vor Zeiten sogar so weit, daß er die je neu erfundenen optischen Hilfsmittel wie Teleskope oder Mikroskope ablehnte, und nie einen Blick durch solche Geräte warf. Die Gründe waren identisch mit den hier vorgebrachten: Er fürchtete zu Recht, daß er dadurch den Blick für die Wirklichkeit verlieren würde, weil dem Teil die Ordnung fehlte, aus der heraus alleine das Einzelne verstanden werden kann. Denn einmal Gesehenes kann man aus dem Kopf nicht mehr einfach eliminieren, es wirkt und beeinträchtigt die Betrachtung, das Nachdenken. Daß diese Haltung häufig auch Goethe zugeschrieben wird, von wo es auch der VdZ ursprünglich übernahm, ist nachweislich falsch, wie Leser H richtig udn dankenswerterweise beim VdZ monierte. Goethe war offenbar weit moderner, als man ihm gerne unterstellt, was interessante Einblicke eröffnet, weil es gewisse Widersprüchlichkeiten in diesem großen Geist andeutet. Denn in seinem "Wilhelm Meister" äußert er sich durchaus in o. a. Sinn.

**Das Gegenüber "ganze Menschheit" und "ganze Erde" zu untersuchen würde hier zu weit gehen. Denn das gäbe es tatsächlich, aber auf andere Weise denn in mechanistisch-naturwissenschaftlicher Methodik erfaßbar. Ja, es gibt es, in einer Art "Schicksalsgemeinschaft" in gewisser Weise im Gegenüber "Gott" (Sein) verallgemeinerbar, abstrahierbar, und als Ziel - in einer Kirche, einem Reich - auch tatsächlich Ziel des Menschen. Nur auf dieser Ebene aber kann man jemals von "einer Erde" als Ganzes sprechen, die dem Menschen dann untergeordnet (dem Menschsein eingegliedert) ist, soweit und wenn er im Willen Gottes steht. Genau dann aber ist sie niemals ein "fertiges Objekt", sondern in ihrem Bild nur empfangbar, nicht "planbar", weil dem Schöpferischen gegenüber offen. (Die Klima-Katastrophen-Szenarien sind also auch glatte Häresien, weil sie von einer Erde "nach unserem Bild" ausgehen.)






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Sonntag, 19. April 2015

Eigentumsgesetze

Besitz bedeutet die Integration von Dingen in die Herrschaft der Form des Besitzers. Im Besitz vollzieht sich also nicht nur Selbstvollzug eines Menschen, sondern auch Selbstwerdung. Die Fähigkeit dazu gibt das Maß des gerechten Besitzes. Was sich am deutlichsten beim Elenden zeigt, dessen Maß an Besitz nicht an der Menge definierbar ist, sondern daran, daß er kein Ding in sein Selbst (zu dem die von ihm gestaltete bzw. gestaltbare Welt mit gehört) gestaltend zu integrieren vermag. Er vermag seine (innere) Form nicht aufzuprägen. 

Das kann auch durchaus komplementär sein, so wie die Erkenntnis eines Menschen - als subjektiver schöpferisch-sittlicher Akt - komplementär ist. Denn was etwas ist, ist (in einem zweiten Akt, nach dem ersten, dem "ich" eines Seienden) erst durch das nach außen abgegrenzt, und damit Gestalt, was es nicht ist.

Im Video über den Mini wird auf diese Familiarität der Formen Bezug genommen. Und man sollte sich nur ja nicht täuschen, daß äußere physikalische Meßdaten auch schon Formfamiliarität ergäben, oder die innere Form eines Menschen direkt zeigten. In diesem Darsteller eines Besitzers ist offensichtlich von der Filmproduktion eine vorhandene Form erkannt worden, die mit der Schlankheit seiner Erscheinung so gar nicht zusammenzugehen scheint. Aber der Hund verrät es. Daß hier auch die bullige Form des Autos dazu paßt ist damit nachvollziehbar.







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Freitag, 3. April 2015

Warum denn etwas schwer wird

Aus dem Imago, dem Bildnis Gottes heraus, in das Äußere hinein, ist der Weg alles Geschaffenen, in seinem Selbstsein, und am vollkommensten im Lebendigen, das sich in je höherer Weise bereits selbst erhält, bis es im Menschen aus der Freiheit (in Gott) heraus sich selbst erhält. Deshalb hat alles Dingliche, Geschaffene, die dem Wesen Gottes analoge (ähnliche) Tendenz, es selbst zu sein.

In diesem Selbstsein vertieft es sich zugleich wieder in sein Inneres, das in seinem Wirklichwerden äußerlich ist. Sodaß ein Ding dem anderen (im Maß seiner Vervollkommnung im Selbstsein) wiederum ein Gleichnis Gottes, des Ursprungs, des Seins selbst, mitteilt.

Das macht die Schwere der Dinge einerseits aus, anderseits ihre Anziehung. Denn alles trägt in sich die Polarität des Nichts, in das es in dem Moment fällt, in dem es es selbst wird, und ZUGLEICH und genau darin, im Selbstsein, sich in den Ausgleich des Getragenseins durch das "Hinaus" des Imago (Strebens) hebt.*

Denn so, wie die Luft auf alles drückt, was nicht mit ihr erfüllt ist, so wie das Wasser auf jene Dinge und Lebewesen drückt, die nicht mit ihm ganz erfüllt sind (weshalb auch im tiefsten Meer Lebewesen bestehen können), so drückt auch der Geist auf jene, die nicht von ihm - also von innen heraus - erfüllt sind.

Dem Gottfernen muß deshalb Gott, das Sein, Last sein, die ihn bedrückt. Und nur, weil und soweit er ist, wird er davon nicht erdrückt. Und so fällt jeder Mensch zu Staub, als er stets nur mangelhaft den Geist in sich leben läßt, und aus selbem Grund fällt er zu Tode.

Indem aber alles es selbst ist, soweit es aus sich herausstrebt (von innen heraus bewegt und geformt weil vom Ursprung her "informiert", mit dem er verwurzelt ist, sofern er sich dem nicht widersetzt), sich also auf etwas zu überschreitet, ist es dieser Tod der Ich-Verkrümmung (die sich selbst erhalten will), der es im gleichen Moment (ontologisch nachgereiht, aber nicht zeitlich) vom Ursprung her leben (weil durchpulst sein) läßt. Das uns durchpulst sein läßt aus der Liebe des Hervorgangs.**


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Eine sehr erhellende Analogie bildet Franz von Baader zwischen der Zeit und dem Raum: So wie bei allem, das vom Ursprung (als der alles umklammernden Ewigkeit) getrennt ist, im Nacheinander (des menschlichen Bewußtseins) auseinanderfällt, zur Schein-Zeit, so fallen im Raum die Dinge auseinander.***


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*Deshalb ist es nicht die Sonne, die "anzieht", sondern das Selbstsein der von ihr herausgeschleuderten Planeten, das sie vom Sonnenlicht erfüllt (innerlich ausgefüllt) sie selbst sein, und DESHALB nicht in die Sonne zurückstürzen läßt, schreibt Franz von Baader.

**Nicht also aus einer Mechanik heraus, die notwendig so verlaufen würde, sondern aus freiem ungeschuldeten Akt und Willen des Ursprungs - des Seins.

***Wie sehr deshalb die Idee des Internet, die mit der Idee der Überwindung von Zeit und Raum verbunden, von einem metaphysischen Konzept getragen ist, wird gleicherweise damit illustriert. Das Internet ist deshalb nur in einer Epoche möglich, in der eine Welt (als Gefüge der Dinge) aus dem Ursprung herausfällt, und "schwer geworden", inmitten der Bewegung ins Nichts, Bestand (in dder quasi "irdisch-schweren" Scheingeistigkeit der "Information", in der "Geist" in Daten auseinanderfällt) sucht.  




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Samstag, 14. Juni 2014

Genau hinsehen

Eigentlich müßte man die Frage viel weiter, viel grundsätzlicher stellen, als es der (immer wieder sehr lesenswerte) April-Newsletter von genesisnet.info tut. Er wirft die für die Evolutionsgläubigen schwierige Frage auf, wie es kommt, daß immer wieder Fossilien gefunden werden, die sich von heutigen Lebensformen überhaupt nicht unterscheiden. Die also, wie im Fall des Königsfarns, über 180 Millionen Jahre völlig unverändert geblieben sind. Und zwar, wie hier auch, bis in die subzellulären Strukturen hinein, was zumindest sehr ungewöhnlich ist und einem der tragenden Paradigma aller Evolution nicht ganz entsprechen. 

Diese Tatsachen sprechen vielmehr dafür, daß die Veränderung von Lebewesen zwar im Dialog mit der Umwelt vor sich gehen, ja, und das hat auch nie jemand bestritten, im Gegenteil, aber ein Dialog zwischen einem an sich unveränderlichen Grundplan und den faktischen Umwelteinflüssen sind. Im Rahmen eines Stufenbaus der Natur, die Ausdruck des je Allgemeineren hin zum immer Spezifischeren, bis zum Universalen - und Transzendentalen - des Menschen ist, in dem Alles und Eines zusammen ist. 

Das heißt, Anpassungserscheinungen - in Mangel wie in Entsprechung - für eine Entelechie sind, die allen Dingen, allen Lebewesen zugrundeliegen. Um es platonisch zu formulieren: Daß sich alles also nach einer Idee entfaltet, und nicht die (primäre) Idee aus dem Faktischen der Weltveränderung entsteht. Die Welt also ein Spiel zwischen Form und Inhalt, Idee (eidos, formendes Bild) und Materie, act und potens ist. Die zwar nicht trennbar, doch logisch einander hierarchisch in vor und nach zugeordnet sind, und sich je aufeinander (real) beziehen. Sodaß alles, was es gibt, nicht einfach ein zufälliges "etwas" ist, sondern immer ein bestimmtes "Etwas", das in einer Begriffspyramide, an deren Anfang das (nur dynamisch zu verstehende, alles potentiell enthaltende, im Akt zur fleischlichen Gestalt des Seienden, im Geist der Liebe ausfließende wie sich zurückbeugende) Sein selbst steht, Gott, vom Verstand in Begriffen und Logik (als ähnliches Abbild - Analogie - dieser göttlichen Aktivität, die ja allem Seienden zugrundeliegt) symbolisiert werden kann.

Wer weiß also aber, was wir unter der Brille, nur nach "Verändertem" zu suchen, alles übersehen haben. Denn nur unter diesem Paradigma wird seit hundert Jahren geforscht, gedacht, gefiltert. Unter dem Druck, eine mechanistische Evolution beweisen zu sollen, ist es höchst wahrscheinlich, daß wir uns auf einen kleinen Ausschnitt der Natur konzentriert haben, und das große Ganze, den überwiegenden, ja den erdrückend überwiegenden Teil der Natur gar nicht rezipiert haben. Daß wir nur sahen, daß die Naturwissenschaft nur suchte, was dem evolutionären Paradigma (wie gesagt: als mechanistisch-immanentistisches, rein materiales Prinzip gesehen) entspricht.

Dann wäre auch diese Sammlung von Thesen (denn von einer geschlossenen Theorie ist die Evolutionsforschung weit entfernt, was alleine zeigt, welcher Wille dahintersteht: der bereit ist, riesige und überaus häufige Lücken - "Hier hat die Evolution in Millionen von Jahren ..." - zu akzeptieren, um dennoch eine Welterklärung daraus abzuleiten, die enorme Auswirkungen auf die alltägliche Wirklichkeitsrezeption hat) nur eines der für die letzten 200 Jahre vor allem typische Symptom einer Zeit, die den Blick von der Welt wegwandte, um Wahrnehmung (und vertieften Sinneseindruck) einer oberflächlichen Thesenwelt, einer virtuellen Welt zu widmen. Was sich in den politischen, geschichtlichen Entwicklungen am augenfälligsten zeigte, als Zeitalter der Ideologien. Eine Grundhaltung, für die das Internet exzellenter Ausdruck ist.

Was im übrigen der Verfasser dieser Zeilen auch für zutreffend hält. Die Evolutionsparadigmata (in der Form einer Gesamtweltanschauung*) sind ein Phänomen der Massenpsychose, nicht weniger als so viele politische Theorien, als so viele anzutreffende Weltanschauungsmodelle und Esoterismen, und nicht weniger als apokalyptistische Massenphänomene wie die Klimahysterie es ist, selbst wenn sie da und dort richtige Feststellungen enthalten. Die aber selten mehr als Äquivokationen sind - gleiche Worte, aber falsche oder verschobene Begrifflichsinhalte. Ja, unsere gesamte heutige und alltägliche Anschauungswelt besteht bereits fast ausschließlich ... aus Massenpsychosen, die sich in einer virtuellen Welt wie in einer Nährlösung entfalten, die den Kontakt mit dem Boden der Welt verloren haben. Und die nicht nur "bereits" die Wissenschaft ergriffen haben, sondern die im Wechselspiel von ihr ausgehen.





*Daran ändern auch noch so phantasievolle Neu-Theorien etwas (die in letzter Zeit auffällig und weltweit entstehen, weil die Unzulänglichkeit und Widersprüchlichkeit bisheriger Evolutionsparadigmen einfach zu offensichtlich wurde - als Ergebnis der Forschung, übrigens), die versuchen sich Gesamtbilder auszudenken, die "funktionieren würden ...". Mit dem Ziel, das materialistische Paradigma der totalen Weltimmanenz, auch des Geistes, zu retten.

**Über einzelne Anpassungserscheinungen, ja Entwicklungen, streitet niemand, und hat auch nie jemand gestritten. Ja im Gegenteil, sie erhalten erst unter dem Begreifen als Schöpfung ihren Sinn und helfen umgekehrt, Schöpfung noch tiefer zu begreifen. Es geht also nicht um einen simplifizierten, zur Ideologie erstarrten Creationismus. Auch wenn der VdZ der Meinung ist, daß selbst diese einfachen bildhaften Modelle noch mehr Welterhellungskraft besitzen, als der Evolutionismus, der den Blick auf die Welt schwer verdunkelt.




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Sonntag, 17. November 2013

Paradox der Selbstwerdung

"Sein" bedeutet also für die Dinge ein innigstes partnerschaftliches Zusammenwirken mit Gott; je intensiver und vollkommener es gelingt, desto intensiver und vollkommener (ins Volle kommend), desto besser ist das Sein. Je mehr Gott von seinem Sein der Kreatur mitteilt und zu eigen gibt, mit je mehr Sein diese folglich von ihm abhängt, desto mehr besitzt sie dadurch eigenes Sein in sich und hat so in sich selbst Stand; Abhängigkeit von Gott und Selbständigkeit sind beim Geschöpft dasselbe.

Weil das Eigensein aber ein ins Eigenwirken aufgenommenes und übernommenes, selbst mitvollzogenes Eigensein ist, so folgt: Je mehr das Seiende aus Gott hervorgeht, von ihm Sein bekommt, desto mehr nähert es sich ihm zugleich durch die im eigenen Wirken vollzogene Selbständigkeit an, desto ähnlicher wird es ihm, der das Sein und Wirken in unendlicher Fülle und Selbständigkeit (=Absolutheit) ist. 


Heinrich Beck, in "Der Gott der Weisen und Denker"




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Samstag, 24. August 2013

Seltsam und unerklärlich

Wie immer sehr interessante Nachrichten finden sich auch in diesem Newsletter von genesisnet. Es geht um eine an sich logische Tatsache: Evolutionstheoretiker sind bisher davon ausgegangen, daß die morphologische Gleichheit, der morphologische Stammbaum, aus dem hervorgeht, wie sich welches Lebewesen aus welchem entwickelt hat, wie es aussieht, welche Organe es hat etc., auch mit dem molekularen übereinstimmen müßte. 

Eine Zeit lang sah das auc noch recht gut aus. Bis man den Leguan drannahm. Denn nun stellt sich heraus, daß das nicht aufgeht, obwohl es aufgehen müßte. Denn der Leguan ist zwar morphologisch ein Reptil ist - aber er hat molekular mit Reptilien derartig wenig zu tun hat, daß man nicht von einem Abstammungszusammenhang sprechen dürfte. Leguane sind genetisch von Reptilien so stark verschieden, daß man aus evolutionärer Sicht nicht von Verwandtschaft sprechen dürfte. Und immerhin beruht dieses Ergebnis auf einer sehr hohen Datendichte. Wohl gibt es Konvergenzen, aber noch mehr und gravierende Abweichungen: Mikrobiologisch steht der Leguan evolutionär gedacht auf einer weit höheren Stufe der Lebewesen, und in einem anderen Zusammenhangsast, als er es morphologisch sein dürfte.

Zwar versucht man natürlich weiterhin, dies irgendwie zu erklären, etwa mit höherer Mutationsrate der Zellen, ohne aber erklären zu können, warum das so sein sollte. Das befriedigt nicht einmal eingefleischteste Evolutionsforscher. Denn man macht, um diese Unerklärlichkeit zu schließen, zahlreiche neue Annahmen, black boxes (s. u. a. Michael Behe) auf, erklärt eine Unerklärlichkeit mit zahlreichen anderen, von denen man hofft, daß sie sich eines Tages doch noch erklären.

Der gute Schlußsatz des Verfassers des Newsletters soll in aller spätsommerlichen Leichte noch angeführt werden, weil er auf so viele Forschungsgebiete heute anwendbar ist: Das evolutionäre Paradigma bewährt sich hier einfach nicht. Daß man zu keiner Erklärung kommt hängt vielleicht nur damit zusammen, daß man um jeden Preis daran festhält.

Vielleicht sollte man ein neues Unterfach der Naturwissenschaften gründen? "Geheimnisvolle Evolution" zum Beispiel. Mit in sonor-rauchiger Stimme auf Arte vorgetragenen Off-Sprecher-Sätzen wie "Hier hat die Evolution in Jahrmillionen ..." und einem mystisch abgeblendeten Bildvorhang bei Choralmusik im Hintergrund, könnte man eine neue Doku-Reihe "science" etablieren, die auf jedem Festival Preise abräumt. Millionen Pisa-Akademiker können sich für Stunden als echt scharfe Denker fühlen, die natürlich auch offen für humanitäre Werte und Religion sind, und Religionssparten öffentlich-rechtlicher Sender hätten Stunden an Sendematerial im Zusatznutzen.

Auf jeden Fall wäre das ein Fall für ein paar Forschungsmilliarden mehr. Auf die soll es doch wirklich nicht mehr ankommen. Und die EU-Quote an Forschung haben wir auch damit erfüllt. Was tut man nicht alles für die Zukunft, kann die Politik zufrieden grunzen. Hei, wird das ein Spaß! Man gönnt sich ja sonst nichts.





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Dienstag, 6. August 2013

Fundamentale Kehrtwendung (3)

Aber der Wechsel des Blickpunktes - vom WAS zum WIE - hat enorme Auswirkungen. Denn das Wesen eines Dings, das WAS etwas ist, trägt in sich auch die Beschränkung, was man damit anstellen kann. Wenn nur noch interessiert, wie es funktioniert, so ergibt sich alleine daraus keine Beschränkung, diese könnte höchstens dazukommen. Meist: aus funktionalen Zwecken. WEIL sonst auch dies oder jenes als Konsequenz folgt, etc. 

Man denke nur an die Abtreibungsfrage. Wenn klar ist, was das Wesen des Menschen ist, ist auch klar, daß die erste befruchtete Eizelle ein Mensch ist. Wenn das aber an Funktion gebunden ist, ergibt NICHTS mehr, was ein Mensch ist - außer Funktionalität. Deshalb führt die Abtreibung auf direktem Weg zur Eugenik und zur Euthanasie, der Mensch in seiner Würde "an sich" ist nicht mehr argumentierbar, der Schutz seines Lebens orientiert sich an dem, was historisch relativ als NÜTZLICH (=sinnvoll) erkannt wird.

Auch unsere vielgepriesene Toleranz bezieht sich nie auf das Wesen des Gegenüber - sie bezieht sich auf seinen Nutzen, seine Funktionalität. Wenn Grüne argumentieren, daß Zuwanderung ein notwendiges Mittel gegen den demographischen Wandel sei, so wird das Ausmaß der Brutalität, zu der solche Gedanken führen, sichtbar. Nicht der Fremde an sich ist das Kriterium, sondern der, der bestimmte Nützlichkeitskriterien (Ausbildung, Demokratieverständnis, Wertegefüge etc.) erfüllt. Nicht Leben und Lebensformen stehen sich damit gegenüber, sondern Nutzenerwägungen, die alles abknapsen, was an der Lebensform widerspricht. Und dazu wird mit Geld um sich geworfen, um die Lebensform anzugleichen. Damit kann man sich vor der eigentlichen Problematik gewisser Zuwanderung (im heutigen Ausmaß) - unweigerlich: Parallelgesellschaften, die sich nur in bestimmten Nutzenerwägungen treffen - elegant drücken.

Dasselbe gilt von der Informationsflut, mit der wir täglich überschüttet werden. Wir wissen immer mehr - von immer weniger. WAS all das überhaupt ist, womit wir es zu tun haben, in Physik oder Biologie, ist völlig entschwunden. Entsprechend wird die Informationsfülle, die wir erarbeiten, immer oberflächlicher funktionsbestimmend und -bestimmt, und widersprüchlicher. Das Wesen der Dinge wird uns immer fremder.

Aber damit wächst die Gefahr, daß unser Wissen, unser Verhalten immer wesenswidriger wird: daß wir genau das, was wir zu beherrschen vorgeben, in Wirklichkeit zerstören. Nutzung wird zur Ausnutzung, Indienstnahme zur Ausbeutung. Die Welt wird uns immer fremder, statt vertrauter, wir finden keine Wurzeln mehr in ihr, sie ist uns nicht mehr Heimat, sondern bestenfalls Ressource für erwünschte Qualitäten.

Die immer gigantischer gewordenen Bedrohungsbilder der letzten Jahrzehnte drücken das aus: Die Welt selbst scheint uns zum Feind geworden zu sein. Das früher Undenkbare ist zum Alltag geworden - die Erde könnte uns als Feind vertilgen. Früher? Früher barg sie, war Zufluchtsort. Heute sind wir von unserem eigenen Glauben an unsere Allmacht auch in der Schuld erdrückt, und entsprechend führen wir alles, was nicht mehr paßt, auf unser Fehlverhalten zurück, das sich bei Änderung der Mechanik, in der wir leben auch wieder korrigieren läßt. Die Welt sagt uns nur noch etwas über uns, wir sprechen nur noch mit uns selber - nicht mehr mit einem Transzendenten, Unwißbaren. Was früher Geheimnis war (und immer bleiben wird), ist heute das "noch nicht aber bald einmal Gewußte", und damit auch Beherrschbare.

Im selben Zug greifen wir nach der Sprache. Denn wenn Begriffe nicht mehr auf ein Ding an sich verweisen, auf ein Wesen, sondern bloße Bezeichnungen sind (Nominalismus), "flatus vocis", dann sind sie uns nicht mehr gegeben, sondern von uns lediglich zur Weltbeherrschung gemacht. Sie sind nicht mehr aufnehmendes, dienend-vernehmendes Gefäß für das Wesen der Dinge. Also können wir sie auch ändern: der Geist greift nach den Dingen, ordnet und beherrscht sie. Nicht er wird von den Dingen geformt. Begriffe werden zu leeren Formeln, die nicht mehr das Wesen der Dinge in sich tragen und in ihrer Historizität das je sich auch wandelnde Verhältnis zu diesem Wesen mit erzählen. Sie sind gleichfalls bloße Machtinstrumente. (Dabei werden sie in der willkürlichen Veränderung erst zu solchen!)

Wenn aber Sinn, Schönheit nicht mehr in den Naturdingen selber liegt, sondern nur noch im Subjekt, dann gibt es nichts mehr, an dem sich der Mensch freuen kann. Denn auch in seiner Freude begegnet er sich ja nur noch selbst. Die Welt hat ihm nichts mehr zu sagen. Selbst das Wetter ("Klima") erzählt uns nur noch von uns selber!

Aber selbst in der aus derselben Haltung heraus subjektivistisch, objektlos, konzeptionell gewordenen Kunst sehen wir uns nur noch selbst. Sie stellt uns nicht mehr das Verborgene des Wesens der Dinge vor Augen, sondern die seelischen Prozesse der Künstler werden zum Inhalt, seine Verfaßtheit. Kunstwerke werden "interessant", nicht mehr schön und ausdrucksstark (wovon?), werden Generierung von subjektiven Lebensgefühlswelten (Kunst als "ästhetisierende Lebensbehübschung"), statt Weltinhalt, der nur konkret sein kann. Sie überwindet damit nicht mehr - sie hat das Lächeln verloren, der Humor, die Heiterkeit wurde zum Sarkasmus, zum Zynismus. (So sehr wir genau darin tatsächlich unsere heutige Verfaßtheit gespiegelt sehen.)

Wenn wir heute einen Schwund des Selbst der Menschen beobachten, eine wachsende Selbst-Unsicherheit, so hat dies direkt mit dem Erleben dieser Welt zu tun. Wenn heute immer wieder in Studien sich zeigt, daß die jungen Menschen seltsam "angepaßt" sind, so aus dieser Angst heraus, daß es einen Moment geben kann - im Fehlverhalten - in dem die Welt uns ihr feindlichstes Gesicht zeigt. Und das heißt: der andere. Der ebenfalls nur an bestimmten Funktionen interessiert ist. Er selbst, sein Wesen, hat uns nichts mehr zu sagen. Facebook ist ein tragisches Beispiel dieser über Funktionalisierung erfolgten Entfremdung vom Du! Wenn aber das Du verödet, verödet auch das Ich. Denn dieses existiert im Austausch, im Dialog, in der Begegnung, dort kommt es zu seiner Eigengestalt. So wird man sich selbst unheimlich, sodaß man in das, was einen bewegt (Ohrhörermusik, oder das Wesen der heutigen - vor allem: lauten, oft wie hypnotisierenden - Musik!), flüchtet. Ja, er wird sich selbst ausbeutbare Funktion.
Gleichermaßen verändert sich seine Religiosität, so er noch eine will. Denn weil er (rationalistisches, wesenloses) Denken und Glaubensinhalt nicht mehr in eins bringt, wird ihm der Glaube zu einer irrationalen Willens- und Moralleistung, der jedes freie, wirkliche Denken zur Gefahr wird. Die er "durchstehen", die er "wagen" muß. Mit dem Verlust des Symbolgehalts der Welt wird ihm "Sinn" etwas, das er "setzen" muß. Während er für sein Selbst - nicht anders als der vor sich Fliehende - ständige Erlebnisse der Selbst-Vergewisserung braucht - kultische Akte werden von Orten der Transzendenz zu auch oberflächlich durchlebbaren Happenings, die kalkulierbares Wohlgefühl und Selbstgewißheit vermitteln müssen, am besten durch Gruppenereignisse, weil so auch soziale Geflechte für diesen irrationalen Grund "tragfähig gemacht" werden. Rationalität, Sinn wird gleichfalls umgebrochen in Zweck. Und sei es mit "wissenschaftlichen Berichten", daß "Religiosität helfende Effekte" habe.

Mit der letzten Konsequenz - der Überführung des "technischen Eros" in den Totalitarismus. Wenn alles bestimmbar, machbar ist, nichts mehr Eigenwert und Eigensinn hat, nur Zwecken dient, auch der Mensch, warum also ihn nicht "optimieren"? Wenn die Gesellschaft die höchste zweckhafte Form menschlichen Lebens ist - warum sie und ihre Elemente, warum die Wirtschaft, die Kunst, die Medienlandschaft nicht gezielt formen und benützen? Wenn die Erfassung aller Lebensvorgänge bis in die letzten Winkel nachzukriechen vermag - warum nicht sie dazu benützen, um alles Unerwünschte (weil Unzweckhafte) zu verhindern und zu eliminieren?

Es gibt dafür gar keine moralische Grenze mehr, wenn man nicht vom Wesen des Menschen und der Dinge als fundamentalster Wert ausgeht. Der Großteil der Menschen denkt längst so, und meint, es käme eben nur aufs Wohlverhalten an, auf die Tüchtigkeit, mit der er die erwünschten Zwecke verfolgt.

Wo liegt der Ausweg? Es gibt ihn, auch heute. Denn wenn es ein Wesen der Dinge gibt, so kann es in seinem Bestand nur bei deren Tod ausgelöscht werden, nicht, so lange sie bestehen. Dann ist alles nur eine Frage des Aufwachens.

Eines Aufwachens zur Wesenssicht der Dinge, eine Abkehr vom funktionalistischen Denken, eine immer wieder gestellte und erneuerte radikale Frage nach dem Sinn der Welt überhaupt. In einer Bereitschaft, dem Begegnenden zu dienen, am anderen zu ergänzen, was ihm fehlt, wie sich von ihm selbst ergänzen zu lassen. Im Sehenwollen des qualitativen Wertantlitzes von Menschen und Dingen, das ihnen selbst zukommt. Im Anerkennen des Zueinander der Dinge, im Begreifen der Welt als (im Zueinander) hierarchische Gliederung und Ordnung. Und im Begreifen, daß die Form der Dinge ihnen nicht zufällig anhaftet, sondern Träger ihrer Aussage ist.

Dann läßt sich auch Technik sinnvoll integrieren, dann läßt sie sich selbst zu ihrer eigentlichen Sendung - und die ist als Fertigkeit, als Techné eine hohe - befreien. Die dazu bestimmt, daß die Dinge ihre eigenen Potenzen, ihren eigenen Sinn als "für" und in einem "was-Gefüge" noch klarer erfüllen. Die nicht Selbstzweck ist, sondern stachelige Frucht, die rasch verfault, wenn ihr Einsatz nicht aus tiefer Wesensverankerung immer wieder neu bewertet wird. Der Ruf kann nicht lauten "Zurück auf die Bäume!" Er muß lauten: Zurück zum Wesen und zurück zur Ehrfurcht vor der Gestalt der Dinge, zurück zur Liebe zu den Dingen selbst, nicht zu ihren Effekten. Denn die Dinge und Menschen sind es, an denen wir das Wesen der Welt erkennen.

Jetzt, sofort. Nicht morgen, nachdem wir heute noch einmal technisch-zweckhaft korrigiert haben, was offensichtlich danebenging, nicht NACH der Energiewende und nicht NACH der Wirtschaftskrise, und nicht im nächsten Urlaub, aber dann. Jetzt. In dem, was in der nächsten Viertelstunde, und in jeder Viertelstunde darauf, herankommt. Im nächsten Baum, der einfach ... Baum ist. Wir werden dann staunen, wieviel diese Welt uns zu erzählen hat. Im nächsten Hochwasser, das nur eines ist: Hochwasser. In der nächsten Hitzewelle, die nur eines ist: Hitzewelle. Im nächsten gekauften Apfel, der nur eines ist: Apfel. In der nächsten Landschaft, die nur eines ist: Landschaft. Und so allmählich der Erscheinung der Welt gegenüber wieder sehend werden. Nur wenn wir ihr Wesen wieder sehen, uns von den Dingen füllen lassen, werden wir auch wissen, was sie für uns sind, was wir zu tun haben und wo sie und wir hingehören. Nur etwas, das etwas für-sich ist, kann etwas für-andere sein, wir können nur für ein Etwas ein Für sein, an dem wir etwas zu tun haben. Dann erst wird Kulturraum Daseinsraum für die Entfaltung der Welt.





*060813*

Montag, 5. August 2013

Fundamentale Kehrtwendung (2)

 Teil 2) Gewußt wird nur, wessen man mächtig ist




Die alte teleologische Sicht war einfach ... nutzlos. Also gab man sie auf, und tat es in immer rascherem Tempo - weil es sich lohnte. Dabei wurde die Finalität der Naturprozesse (die sämtlich auf ein Ziel zusteuern, das ihnen bereits vorausgeht) vorerst noch gar nicht geleugnet. Aber das "erklärte nur", es brachte keinen Nutzen, brachte keine nutzbare Reproduzierbarkeit. Daß im biologischen Bereich Naturgegenstände von sich aus auf etwas aus sein könnten war der Sicht der Beherrschbarkeit der Welt nur hinderlich.

Es ist wesentlich sich vor Augen zu halten, daß dies eine fundamentale Kehrtwendung durch eine von Einzelnen getragene Vorentscheidung darstellt, die lediglich auf fruchtbaren Boden fiel, weil sie so viel Nutzen versprach.** Die uns Heutigen noch so natürlich und richtig vorkommt, und die sich erst nach und nach, aber durch Brachialgewalt, gegen das alte Konzept der Teleologie durchsetzte, die sich zäh und lange hielt. Eine Vorentscheidung, über deren Sinn man nur diskutieren kann, wenn man bereit ist, über die Metaphysik, über das Wesen der Welt, und über Erkenntnis zu diskutieren, das sich in dieser Vorentscheidung verbirgt. 

Als eigentümlicher Wille zur Macht, der sich im 16. und 17. Jahrhundert in der Mathematik und den Naturwissenschaften durchzusetzen begann. War man mit Experiment und induktiven Methoden hinter das Geheimnis von Prozessen gekommen, war ein Gott - der universale Techniker - entbehrlich. Der Mensch konnte nun seine Ideen nachvollziehen und in die Tat umsetzen. Wobei: KÖNNEN tut er es ja gar nicht, aber es SCHEINT ihm so.

Die Physik des 20. Jahrhunderts brachte hier auch einen nächsten entscheidenden Umschwung. Denn ihre Ergebnisse zwangen zu einem Neudenken der Sicht der Welt, die sich wesentlich der vormechanistischen Zeit, ja sogar der aristotelischen Metaphysik wieder annähert. Bis sich das freilich ins "Volksbewußtsein" durchgesetzt hat, werden weitere Jahrhunderte vergehen. Heute ist aus dem Nutzen, den wir in biologischen Organen AUCH erkennen, aus der techné-analogie, TECHNIK geworden. Der Mensch wurde zur Maschine, und die Seele, die Psyche zu mechanistischen Vorgängen.

Nicht mehr die Dinge sind aus sich heraus auf etwas aus, sondern alles ist Mittel zum Zweck (Gottes), nur der war auf etwas aus. Und baute deshalb aus (mathematisch nachvollziehbaren) Gesetzen (zufällig so und so seiende) Maschinen. Wer die Gesetze einhielt, handelte also dem göttlichen Willen gemäß. Die Dinge selbst aber waren an sich wertlos, die Natur löst sich in Notwendigkeiten mechanischer Prozesse auf, ein Begriff "Leben" wird sinnlos.

Die Einführung des Begriffs des "unendlich Kleinen" in die Mathematik (Infinitesimalrechnung; Leibniz) löst auch die Bewegung in unendlich kleine (aber noch bestehende!) Mechanik auf.***


**Natürlich haben auch in der Antike und im Mittelalter viele Menschen im realen Alltag "technizistisch" gelebt, die Welt lediglich für ihre Zwecke benützt. Das gab es immer. Aber nun wechselte der theoretische Horizont - dieses Verhalten wurde zur Norm, wurde gerechtfertigt. Der Mensch, der die Gesetze der Welt beherrschte, war damit Gott gleich, und so verhielt er sich dann auch: Er waltete mit der Welt, wie es ihm gefiel. Die Welt selbst hatte keine Qualitäten mehr, sie war nur eine Ansammlung von Funktionen, deren Qualität war, was er daraus machte. Der Techniker, bis in die Gegenwart, versteht sich als Gott. Ihn schränkt nur ein, was seinen technischen Erfolg gefährdet. Sämtliche Weltanschauungen des 19. Jahrhunderts, wo diese Haltung allgemein wurde und den Boden für die technisch-mechanistische Gegenwart aufbereiteten, gründen darin. Daß das fernöstlichen "Religionen" - mit ihren Techniken der Selbsterlösung - aber auch Evolutionismus und Moralismus den Boden bereitet hat, ist nur ein Nebeneffekt. Und die Motivik der Grünbewegungen von heute zeigt exakt dieselbe Struktur: Die Notwendigkeit die Natur zu schützen ist eine technische Notwendigkeit des "Überlebens". Weiter geht sie auch nicht. Damit wird Technik zur Magie - als gegen alles Übel erlösende Bannkraft gegen alles Unheimliche, Unbeherrschbare, zu der man nur die Formel kennen muß. Und daran glauben auch die Menschen: sie glauben, daß die Technik gegen alles "ein Kraut finden" wird. Das Ausmaß, in dem die heutige Technikgläubigkeit auf Zukunftshoffnungen baut, die sich seltsamerweise immer weiter verschieben, immer vielfältiger werden, ist uns gar nicht mehr bewußt.

***In Wirklichkeit, schreibt Spaemann dazu, löst sich jede Eigenbewegung eines Gegenstandes damit auf. Sie verlagert sich aus dem Naturgegenstand in das ... eigene Gehirn.





*050813*

Sonntag, 4. August 2013

Fundamentale Kehrtwendung (1)

Die entscheidende Wende in den Naturwissenschaften trat im 16. und 17. Jhd. ein - indem das "Wissen" neu definiert wurde. Nun galt nicht mehr der Evidenzbeweis nach Analogie in den Naturwissenschaften, sondern von nun an galt das, was reproduziert, was gemacht werden konnte. 

Zwar gab es das auch schon in der Antike, aber hier war das Experiment gleichfalls ein Evidenzbeweis. Es zählte nicht das "wie", sondern es zählte das "warum."

Das änderte sich schlagartig: es galt die Macht über die Dinge, nicht mehr das Verstehen.

Erfahrung wurde neu definiert: Sie galt nur noch dort, wo sie von jedem Menschen gleichermaßen im Experiment wiederholt werden konnte. Davor - und bis heute im Volksgebrauch - galt als Erfahrung der Erinnerungsprozeß, der sich auf ganz individuelle, unwiederholbare, auch mystische Inhalte beziehen konnte. Hier fiel, schreibt Reinhard Löw in seiner "Philosophie des Lebendigen", auch die Vorentscheidung, den Erfahrungsprozeß durch den mathematischen Vorgang zu ersetzen. Was sich bei Newton dann ausdrücklich findet, der Experimentalgesetze und Ursachen für Phänomene klar trennt: Das WIE galt, nicht das WARUM. Welt und Wirklichkeit wurde mathematisiert.

Noch Paracelsus anerkannte zwar die Zweckhaftigkeit der Naturvorgänge, aber es war ihm eine Einrichtung Gottes, der dem aufmerksamen Beobachter auch die Nutzanwendung möglich machte. Das alles diente zum Lobe Gottes.  Aber darüber machte man sich bald nur noch lustig.

Der Renaissance-Wissenschaft war hingegen die Kenntnis der Machbarkeit Aufruf zur progressiven Anwendung und Weltgestaltung. Wissenschaft wurde zur Anwendungspragmatik, Programm eines Ausnutzungsprozesses. Wissen war aus dem Menschen herausgehobenes mathematischer Prozeß.

Kopernikus' Heliozentrik war für die Kirche weitgehend gleichgültig. Zu sehr sprach der Augenschein gegen seine Thesen. DAS war nicht die Wende der Weltsicht! Auch Galilei war weit weg von Evidenz. Man kann, schreibt Löw, sehr darüber streiten, was Galilei überhaupt durch sein Fernrohr sah. Sein Abbild des Mondes ist so falsch, daß man es mit freiem Auge erkennen kann. Sein Streit mit Kardinal Bellarmin war kein Streit um die Sonne-Erde-Zirkulation, das war nur vordergründig. Bellarmin, der Nachfolger von Ignatius v. Loyola, hatte hingegen scharfsinnig den fundamentalen Paradigmenwechsel erkannt, der sich auch tatsächlich so verheerend auswirken sollte.

Die wirkliche Wende war die Naturphilosophie, die Francis Bacon niederschrieb. Hier fiel die Entscheidung für den atomhaft-mechanistischen, mathematischen Aufbau der Welt "von unten nach oben", auch das ja ein antikes Konzept (Demokrit). Und auch Bacon, der zeitlebens nicht ein Experiment (=Evidenz) durchgeführt hatte, außer in Gedanken, gewann daraus noch keine Glaubwürdigkeit, weil was er behauptete einfach nicht - in der nachprüfbaren Evidenz - stimmte.* Und nicht anders war es bei Descartes. Er verkündete gleichfalls viele inhaltliche Irrtümer. Entscheidend war aber nicht das WIE, entscheidend war, DASZ mit dem Programm der progressiven Naturbeherrschung ernstgemacht wurde.

Den Erfolg versprachen nicht die inhaltlichen Neuerungen, die mathematische oder experimentelle Methode, sondern den Erfolg versprach die entdeckte Konvertibilität von Wissen und Macht, Naturforschung und Geld (aus Verwertbarkeit). 




*Uns mögen heute die Erklärungen des Körpers als Maschine lachhaft erscheinen: Wenn etwa Galileo das Auge als "camera obscura" erklärt (Kann eine camera obscura "sehen"?), oder Descartes das Herz - obwohl der Blutkreislauf bereits entdeckt worden war! aber man ignorierte einfach vieles, nicht nur diese Evidenz - als jene Stelle, an der das Blut aufgekocht wurde, wo Muskeln sich mit Lebens-"Spiritus" aufpumpten etc. etc., wo man allen Ernstes die künstlichen Apparaturen etwa eines Jacques de Vaucanson für vollendete Modelle lebendiger Wesen hielt: alles im Organismus war nur noch ein Funktionieren von Hydraulik, Pneumatik, Hydrostatik und Optik. Aber in Wirklichkeit haben wir heute unsere Sicht nur verfeinert, komplexer gemacht.




Video (24 sec.): Die (berühmte) mechanische Ente von Jacques de Vaucanson ( ca. 1738)



Teil 2 morgen) Gewußt wird nur, wessen man mächtig ist





*040813*

Sonntag, 28. Juli 2013

Alles will es selbst bleiben

Als eine der entscheidenden Funktionen aller lebendigen Organismen sieht Heinz Dotterweich das Beharrungsvermögen an. Darunter ist zu verstehen, daß ein Organismus alles daran setzt, auch bei veränderten Umweltbedingungen - er selbst zu bleiben, und auf bekannte Weise zu funktionieren. Würde ein Organismus sich beliebig veränderten Umweltbedingungen anpassen, so würde er binnen kürzester Zeit "ein Raub" dieser Bedingungen. Nur solche ursprünglichen Lebenssysteme können sich erhalten, die nicht auf jeden Reiz hin ihr gesamtes Gefüge entsprechend ändern. Nur so können sie ihr eigenes Gleichgewicht halten.

Leben heißt immer, daß zumindest ein Teil der elementaren Funktionen in einem Organismus (aber auch einer Biozönose, also einem mehrere Organismen und Faktoren einschließendes Lebensganzes) gleich bleiben kann.

Als mit zu den wichtigsten Ausprägungen dieses Beharrungsvermögens sind dabei das Gedächtnis und die Vererbung anzusehen. Beide Richtungen sieht Dotterweich als Spezialisierungen dieses Strebens, das abstrakt natürlich nirgendwo vorkommt. Ja man kann die Vererbung (ähnlich dem Gedächtnis) direkt als ein Verharren im Wechsel aller organischen und anorganischen Umweltänderungen ansehen.

Ändern sich Einflußfaktoren von außen auf Dauer, dann erfolgt zwar tatsächlich ein (Teil-)Anpassungsverhalten, aber dieses muß so gesehen werden, daß TROTZ der geänderten Bedingungen die ursprünglichen Funktionen aufrecht bleiben können. Solche Anpassungsprozesse dauern dabei sehr lange, und erstrecken sich praktisch immer über viele Generationen, die das Beharren am alten Zustand anhält.

Der Nobelpreisträger Jacques Monod ist in "Zufall und Notwendigkeit" sogar zur für ihn erschütternden Erkenntnis gekommen (Monod war Nihilist, dem wenigstens die Entwicklungstheorie etwas Sinn versprach, bis er auch das fallen lassen mußte), daß Gene prinzipiell invariant sind, daß also ein Organismus (und selbst ein anorganisches Gefüge) über wesenseigene Grenzen hinaus überhaupt nicht veränderbar IST. Alle Entfaltung in der Natur ist nur die Spezifizierung von Vorhandenem. Ein mechanistisch-progressiver Weltaufbau ist also ohne Hinzukommendes gar nicht möglich. (Was sich im Vererbungsprozeß verändert sind ja auch nicht "die Gene" ihrer Art nach, sondern ihr Zueinander, die Dynamik, sowie Einschränkungen, gar Mängel. Mutationen selbst sind Defekte und v. a. über den Vererbungsprozeß zu (oder aus) Spezialisierungen gewordene Einschränkungen, nicht Weiterentwicklungen.*)

Erst durch die menschliche Freiheit - in der klaren Rückbindung an ein reales Transzendentales, also nicht als weltimmanent abgeschlossen ansehbar, dann würde sie wieder unter dieses Beharrungsvermögen fallen - kann überhaupt "Neues" in die Welt kommen. Nur durch ihn kann sich der Kosmos in den Geist heben und damit zurückbiegen.

Verliert ein Organismus diese Fähigkeit, Einflüssen gegenüber sein inneres Gefügegleichgewicht zu erhalten, tritt der Tod ein. Im Tod wird der völlige Ausgleich mit der Umwelt (von ihrer Seite her) hergestellt. Im Beharrungsvermögen bewahrt sich ein Organismus vor dieser chemischen oder physikalischen Gleichgewichtslage.

Auf die Aussage im vorigen Absatz zurückkommend, legt sich damit eine Verständnisbrücke zur Ewigkeit, die in der analogen Präsenz des Unendlichen Göttlichen im vollkommenen, geheiligten Menschen ewiges Spiel bedeutet - ewiges Leben in unendlicher, je aktueller Vielfalt. Am Unendlichen in der Willensübereinstimmung (nicht: Ersetzung!) teilhabend, ist auch die Lebensentfaltung "aus dem Vorhandenen heraus" unendlich. Gott, das Sein, ist der "ewig Gleiche", in dem Unendliches Seiendes enthalten ist.

In diesem Sinne erschließt sich auch der Erkenntnisprozeß als Gleichgewichtsstreben, mit dem Ziel der Ohnendlichkeit im alles umfassenden Abstraktum, in das alles Vereinzelte zurückgeführt ist, als Analogie zum Sein selbst.**



*Es ist ein Irrtum dem Inzestverbot quasi "evolutive Funktion" zuzuschreiben. Unabhängig von logischen Fragen, die dabei nicht beantwortbar sind, verstärkt sich aus diesem Beharrungsvermögen heraus (man nehme die Aussagen metaphorischer mehr denn naturwissenschaftlich-exakter Art) auch das jeweils (faktisch) Vorhandene an Anlagen. Und das führt zu fehlender Anpassungsenergie an das Außen. Die Bluterkrankheit, eine typische Erkrankung des Inzest, erzählt diese Geschichte. 

Auf den naturwissenschaftlich nicht leugbaren Monogenismus eingehend, der nacherzählt, was die Genesis erzählt, erübrigt sich bei einer vollkommenen Schöpfung - Adam als erster Mensch war nicht gezeugt, sondern geschaffen, damit vollkommen - die Frage nach dem "Inzest" des ersten Menschenpaares.

Übrigens ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, daß die Herrscher der Alten Zeit (Ägypten, die mythischen Könige aller möglichen Völker) - als Götter oder Halbgötter oft gesehen - einen Herrscherethos begründeten, der die Könige oder Pharaonen nur durch ihresgleichen, in ihrer göttlichen oder ursprünglichen Vollkommenheit, standesgemäß bei einer Heirat ergänzt sahen. Jeder Herrschermythos der Weltgeschichte geht auf die Urzeiten zurück, oder sucht darin seine Legitimität. Denn das ist die Kernfrage des Herrschers, und über ihn die Kernfrage seines Volkes, das sich immer als Prototyp "Mensch" sieht (die Landes- oder Stammesbezeichnung vieler Völker heißt nichts anderes als "Mensch" - das Wort Mensch ist dabei VON IHNEN HER abgeleitet.) Die Pflicht zur Standesgemäßheit auch europäischer Heiraten gründet genau darin. Ein Volk ohne göttliche Abstammung, ohne göttliche Sendung, überlebt nicht lange. Es muß gewollt, es muß von Gott berufen, benannt sein. Kein Mensch kann ohne Berufung durch seinen Erzeuger leben.

Fustel de Coulanges zeigt in seiner großartigen Untersuchung des Antiken Staates genau das: Wie sich aus solcher Ableitung nach und nach ein historisch immer komplexeres Staats- und Gesellschaftsgebilde entwickelt. Das irgendwann zwar völlig anders aussieht, und doch in seinem Grundstrukturen genau um diese Grundkonstellation kreist. Um sie herum hat sich alles entwickelt, auf sie bezieht sich alles, selbst in der Demokratie.

**Jener Punkt, an dem die Gehirnforschung heute mit Verwunderung feststellt, daß das Wesen des Gehirns gar nicht aus seiner physischen Synapsentätigkeit erkennbar ist, sondern in einem gar nicht physisch "auffindbaren", quasi "festnagelbaren", nur sich in physiologischen Prozessen zeigenden, aber über sie hinausweisenden Koordinationsspiel. Jener Punkt, an dem der Philosoph Karl R. Popper und der Gehirnforscher John C. Eccles in ihrem als Buch erschienenen Gespräch "Das Ich und sein Gehirn" feststellen, daß "das Ich auf seinem Gehirn spielt wie auf einem Klavier." Die Musik, die dabei entsteht, ist in ihren Inhalten, durch die sie erst Musik ist, etwas völlig Neues, Anderes, Drittes und doch Reales.




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Samstag, 29. Juni 2013

Segen Globalisierung? (2)

 Teil 2) Bloßer Wirtschaftsliberalismus versteht Freiheit nicht




Kommentar: Gibt man den Menschen die Chance, wirtschaftlich frei tätig zu sein, sich etwas dabei zu schaffen, geht auch die Armut zurück. Vielleicht sollte man es auf diesen Faktor beschränken, meint der Verfasser dieser Zeilen. Darin stärkt diese Studie auch die Aussagen an dieser Stelle. Und ein wesentliches Element dabei darf nicht vergessen werden: Freiheit ist nicht nur eine Möglichkeit der individuellen Entfaltung, die nicht entmutigt werden darf. Freiheit ist auch ein Aufruf, ja eine Last, sich zu erheben, und diese Last zu tragen. Deshalb braucht es auch einen Ansporn durch den Verweis auf die eigene Kraft, diese Last darf dem Einzelnen nicht genommen werden. 

Sozialsysteme müssen strikt subsidiär bleiben, dürfen einfach nicht "leicht" zugängig sein, sonst wirken sie hemmend, der Mensch muß wissen, daß es auf ihn selbst ankommt, er sich selbst helfen muß. Sie sind und bleiben Hilfeleistungen, die der Willkür und Güte der Geber unterliegen. Sie zu beanspruchen kann nie mehr sein als der Appell an diese Güte, bei Gebern als (aber  nur individuell zu erfüllende, damit freigestellte) moralische Pflicht, wie Nehmern, die sie mit Dankesschuld belastet. 

Wird Sozialleistung zum "Recht", wird die jedem mögliche Grenze und Belastungsfähigkeit gar nicht mehr ausgelotet, was destruktive Auswirkungen bis hinein in das persönliche Selbstbewußtsein, in die individuelle Würde hat. Und damit sinkt auch die Wirtschaftsleistung.

Hinter dem Umverteilungsgedanken steht ja gar nicht Güte als Motiv, denn die würde sich ja auf alle Beteiligten erstrecken müssen. Vielmehr steht eine verquere Auffassung, wie Wirtschaftsleistung und Eigentum überhaupt entsteht. Die Eigentum deshalb als Unrecht ansieht, um es umso leichter beschneiden zu können. Genau darin aber wird die Umverteilung zum oft sogar schweren Unrecht. Soziale Tat - eine Tat der Liebe - kann und darf nicht vom ethischen Akt des Tuenden getrennt werden!

Genausowenig, wie ein Staat Akte der Gerechtigkeit zu sozialen Güteakten umpunzieren darf. Wie das bei der Kinderbeihilfe oder Steuerabsetzbeträgen für Kinder etwa geschieht. Die keineswegs Akte der Güte sind, sondern zu Unrecht eingehobene Steuern* - Familien werden in ihrer Leistung für den Staat (indirekt, durch das Großziehen von Kindern, ein Leistung, die Kinderlose nicht erbringen) direkt durch die allgemeinen Steuern (etwa durch Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer, durch Gebühren etc.) ungerecht belastet - rückführen soll. Eine (von mittlerweile vieler) Ungerechtigkeit, die keineswegs durch die Wirtschaft geschieht, sondern direkt durch den Staat.**
 
Wobei die Globalisierung dieser individuellen Entfaltung keineswegs, also anders als die Studie als Zusammenhang behauptet, fördert. Sie fördert nur eine BESTIMMTE Art der Entwicklung. In der der Fokus genau vom eigentlichen Wirtschaftsgrund, der individuellen Entfaltung, die immer einen streng regionalen Bezug braucht wie hat, auf bloßen Gelderwerb wandert. Der Zusammenfall von Globalisierung und Hebung des Wohlstands ist also nahezu zufällig, ihr Wirkfaktor ist - wenn - lediglich in der wirtschaftlichen Liberalisierung zu sehen, die auch die Globalisierung braucht, aber eine Interpretation bedeutet, die zählbaren Wohlstand mit Gemeinwohl verwechselt. Letzteres hat eine völlig andere Dimension, und ihre Überschneidung mit Wirtschaftsliberalismus ist lediglich eine Frage der besseren Entsprechung, als es sozialistische Modelle bedeuten, die die Axt an die Wurzel des Wirtschaftens überhaupt legen.

Ethisches Handeln kann nicht per Gesetz verordnet (nur Vergehen gegen sachliche Prinzipien geahndet) werden, selbst wenn sie kollektiver Konsens ist, das nimmt ihm den Charakter als menschliche Tat, die nicht ohne Raum und Zeit, ohne Kairos gesehen werden kann. Und darauf kommt es an. Auch in der persönlichen Wirtschaftsleistung. Weit mehr als auf bloße Zahleneffizienz ist Wirtschaften persönliche Wirklichung, die auch durchaus Ablehnung und Mißerfolg heißen kann. Leben ist niemals Erfolgsgarantie, und Erfolg sagt nur sehr bedingt etwas aus über Gelungenheit der Wirklichung.

In den Augen des Verfassers wird die österreichische Schule der Volkswirtschaft meist viel zu einseitig als bloßer schrankenloser Wirtschaftsliberalismus gesehen. Der Verfasser liest viel mehr daraus, und liest das auch als Hintergrund in die Theoriengebilde etwa eines L. v. Mises hinein, viele Indizien sprechen dafür. Der anthropologische Hintergrund, der diesen Theorien zugrunde liegt und sie zu einer Gesamttheorie menschlicher Arbeit und Wirtschaft macht, wird meist völlig ausgeblendet und gar nicht verstanden. Die Ablehnung des Staatsdirigismus, die der Wirtschaftsliberalismus gerne benützt weil sie ihm entgegennkommt, ist aber wesentlich darauf bezogen. 
Das zeigt sich auch darin, daß der Liberalismus sehr gerne an den Punkt kommt, wo er nach Staat ruft, wo sie mathematischer Wirtschaftsentfaltung entgegenkommt, wie bei der Infrastruktur. Entsprechend gehören die staatlichen Eingriffe in die Infrastruktur - etwa in Verkehr, Energie, Kommunikationsmittel, ganz unabhängig noch von den Sozialsystemen, und überhaupt natürlich der sogenannten "Gesellschaftspolitik", bis hinein in die Medienpolitik - zu den massivsten und zerstörerischesten Eingriffen in den Ethos der indidivuellen Entfaltung.

Und er tut dies aus massivem Eigeninteresse der Politik, der ein zu Mechanismen umgebautes Staatsvolk leichter "verwendbar" ist, als wirklich freie Menschen. Aber ein Staat kann und darf sein Volk gar nicht glücklich und auch nicht wohlhabend MACHEN - er muß es glücklich und wohlhabend WERDEN LASSEN. Im Maß, in dem es das will und kann.

Dadurch kommt der rein als Instrument in diesem Mechanismus individueller Interessen - Staat als "Beuteziel" - mißbrauchte Wirtschaftsliberalismus in der Praxis ständig in Konflikt mit der Ethik, daraus folgt der scheinbare Zusammenhang von Forderungen nach Ethik und Beschneidung oder Beschränkung der wirtschaftlichen Freiheit. Aber diese Polarität bestünde gar nicht, würde der Wirtschaftsliberalismus sich selber richtig verstehen.

Das regulative Element des Staates kann nicht darin bestehen, Freiheit denn doch wieder zu beschränken. Es muß darin bestehen, selbst nicht für ihren Mißbrauch anfällig zu sein. Genau das Gegenteil ist heute aber der Fall. Der Staat braucht heute regelrecht diesen Mißbrauch, und verdunstet unter dem grotesken Anspruch, zur Servicestelle für Interessen zu verkommen.



*Es ist leicht einsichtig, daß ein Staat Menschen nicht unter ein Maß besteuern darf, das ihnen das Lebensnotwendigste ermöglicht. Das ist ein elementares Individualrecht, das jedem Menschen einzeln zusteht, deshalb auch nicht etwa über "Familieneinkommen" gerechnet werden darf. 

**Eine sozialistische Politikerin Österreichs hat sich unlängst sogar zu der ungeheuren Behauptung verstiegen, daß diese pure Gerechtigkeitsforderung, die ja noch immer nicht erfüllt ist, eine abzulehnende Anreizprämie für Kinder wäre. Und - niemand hat opponiert! Das Mindeste wäre ein Ordnungsruf des Präsidenten gewesen.




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