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Montag, 12. November 2012

Volk, aber keine Nation

aus 2007) Die Geschichte der Kelten wie der Römer lehrt, daß es einen von allem mit dem Blute verbundenen verschiedenen Impuls braucht, um vom Volk zum Staat zu gelangen. Vor allem braucht es einen "Willen zur Nation." Ein Begriff, der neuerlich von alle rassichen Gedanken getrennt zu denken ist, so sehr er Überschneidungsmengen aufweisen kann.

Die Kelten waren in den Jahrhunderten vor Christus zumindest eines der größten Völker Europas, zur Lataene-Zeit (etwa um das 4.-3. Jhd. v. Chr.) das größte. Aber wie Ausgrabungen in Detuschland belegen, gab es selbst im 6. Jhd. zwar alle Anzeichen von fürstlicher Macht, ja um deren Höfe Stadtstaaten ähnliche Gebilde. Aber dieindividuellen Siedlungsformen waren so, daß man nicht darauf schließen könnte, daß es zur bildung einer Stadt gekommen wäre: die Lebensform dürfte familiär beschränkt geblieben sein. Denn zwischen den einzelnen Häusern und Anwesen gab es tiefe Gräben und hohe Mauern, ähnlich wie im oberen Italien des Trecento, oder im Krakau derselben Zeit - wo sich in den Familienanwesen Festungen feindlich gegenüberstanden, die nur zum Fürsten direkt eine (hierarchische) Verbindung hatten. Ganz sicher spielte dabei die "Erinnerung" eine entscheidende Rolle, weil Hierarchie und Kultur und Staat die Tradition braucht, weil per se Höherentwicklung bedeutet - und diese ist ohne Tradition unmöglich. Fehlt wie bei den Kelten die Schrift - so fehlt ein entscheidendes Medium des Tradierens, und zwar in der fehlenden weil sich allmählich heranbildenden Allgemeingültigkeit über Generationen hinweig, in der fehlenden Abstraktion also: Staat steht und fällt immer nur mit dem ganz konkreten Menschen, und erlischt mit diesem. Ein Schicksal, das sich bei allen Völkern die diese Schritte zu Nation und Staat nicht geschafft haben oder wieder verloren haben - man nehme z. B. die Hunnen - beobachten läßt.

Während sich Rom aus kleinsten Anfängen heraus mit Menschen die völkisch der Umgebung entstammten, aber durch den Willen zum Staat, zur überindividuellen Organisation geeint (man beachte auch die Kunst, die Menschenbildnisse z. B. nur aus idealisierten, abstrakten, überindividuellen Formen bildet) mehr und mehr als ein von nichts als sich auf der höchsten Ebene des Überlebens - dem Staat - bestehen wollendes Gebilde herausschälte. Das genau deshalb sogar zur Großmacht aufsteigen konnte, weil es als Staat durch hervorragende weil zutiefst pragmatische, realistische Organisation in einem Fundament aus Recht und einer dieses abstützenden Gewalt entstand wie haltbar - und der Umgebung (wie den Kelten) überlegen war.

Den Kelten ist das offensichtlich nie gelungen, so sehr mittelmeerische Einflüsse nachzuweisen sind. Doch in ganz Europa mußten sie den später nachdrängenden, aber geschlossen auftretenden Nationen weichen. Denn selbst die Völkerwanderungen der Germanen waren eigentlich "nationalen" Charakters: auf den Zügen bildeten sich aus Stämmen wahre Nationen, die aufsammelten, was unterwegs beitreten wollte, geeint nur von einer Absicht. Wo dieser nationale, den Staat wollende Selbstbehauptungswille nicht vorhanden war - was fast grotesk, in jedem Fall tragisch ist, wie bei den Kimbern und Teutonen - blieben diese Versuche zum Neuanfang erfolglos.



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Samstag, 10. September 2011

Doch kein Mythos

Wie einen harten Handkantenschlag führt Jean Gebser seine Argumentation, die Gotik entstamme der spanisch-maurischen Tradition! Es sei ein nationalistischer, relativ junger Mythos, der da die Gotik als "deutsche", "germanische" Kunst darstelle.

Hans Sedlmayr widerspricht mit ebenso klarer Stimme, und er beweist in "Die Kathedrale" was er behauptet: die Gotik ist in Frankreich entstanden, und sie weist klar nordische und keltische (!) Einflüsse auf, teilweise sind die irischen Einflüsse zum Greifen, wie in der überschwenglichen Formverspieltheit, der Feinnervigkeit, der Vorliebe für Glas, ihrem Hang für Traumverspieltes und Groteskes, die im Grunde undramatische Ordnung, die alles nebeneinander stehen läßt, wie im Epos, aber kein Steigern: die Elemente haben zueinander keine dramatische Beziehung.

Ihre Bauweise ist wie die Übertragung der norwegischen Stabkirche - erst das Gerüst, dann die Wandfüllung - auf Steinbauweise. Ihre Ornamentik ist wesentlich auf eine Renaissance des Keltischen zurückzuführen, der wir im Grunde sogar unsere literarischen Wurzeln verdanken: im Parzival, im Tristan, im König Arthur. Ihre Theologie klar dionysisch-scholastisch, und damit auch von dieser Seite klar französisch (Dionysius!) und neulateinisch-keltisch. Was die französische Sprache deutlich prägt: sie hat den hüpfenden Aufbau des Keltischen, das sich (W. Krause) in kurzen Sprüngen bewegt - nicht die Schwunhaftigkeit der lateinischen Periode, nicht die Rhythmik des Germanischen.


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