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Sonntag, 17. März 2024

Die Erfinder des ersten Slphabets zo0gen aus Ägypten aus

Kurzkritik an zwei (empfehlenswerten) Filmen 
PATTERNS OF EVIDENCE - 2teliger, amerikanisch-freikirchlich-protestantischer Film. Im ersten Teil geht es um die Historizität des Exodus, der anhasn neueer, aber auch bereits älterer, nmur anders zu interpretierender archäologischer Belege äußerst plausibel nachgewiesen wird. Er fand aber anders als bisher behauptet nicht zur zeit Ramses II., sondern 250 Jahre etwa VORHER statt. Wenn man das nun annimmt, und dafür gibt es eine Menge Belege, das zu tun, wird plötzlich die Geschichtsschreibung und die Bibel komplett synchron

nun habe ich mir den 2. Teil bestelt, heute bekommen, und gleich angesehen. In "Die Moses Kontroverse" geht es um die Frage, ob die Hl. Schrift ("Thora") von Moses geschrieben wurde, wie in der Bibel slbst ja mehrmals behauptet wird. Biusher sagt man: Nicht mglich. Das Hebräische ist erst um 900 entstanden, und die ältestte Schrift, das Phönizisch (Alphabet), stammt etwa aus 1.000. Nun gibt es bemerkenswerte Steinschriften aus dem 15. vorchristlichen Jhd., die man bisher kaum zuordnen konnte. In dem Film zeigt sich, daß man diese Schrift als ganz frühes, aus dem Ägyptischen (Josef!) entstandenes Hebräisch lesen kann. Und plötzlich wird sogar das plausibel: Daß Moses eine Schriftsprache hatte, in der er die fünf Bücher niederschrieb.

Sonntag, 8. Januar 2023

Zwischenräuspern

Was ich unlängst zu den Medien schrieb hat noch einen Aspeit, der das geheimnisvolle, aber so klar erkennbare Verhältnis von Zeitlosigkeit (Ewigkeit) und Medium trägt. Und das bezieht sich auf den Akt des Schreibens.

Wenn ich wie früher mit der Hadn geschrieben habe, konnte ich oft sofort auswenidg, was ich soeben geschrieben hatte. Das hat sich mit dem PC, dem Bildschirm, geändert. Nicht nur wegen des höheren Schreibtempos, sondern weil alles so wirkt, wirken die Sätze selbst wenn ich sie länger betrachte so flüchtig, daß ihnen das Gewicht fehlt, daß sie sich "einprägen". Ich vergesse sie, meist sogar augenblicklich, und weiß dann nicht mehr, daß ich sie geschrieben habe. Wie die wissen, die schon mit mir gearbeitet haben.

Freitag, 19. August 2022

Verlust der Einheit durch die Schrift

Eine der in seinen Auswirkungen auf eine sich immer mehr beschleunigende Diffusion des Sozialen gravierendsten Elemente war nicht nur die Etablierung des Buchdrucks, sondern dessen (kapitalistische) Kommerzialisierung. Lag sie erst in der Größe des für so eine Druckmaschinerie nötigen Kapitals begründet, so hat sie mit der technischen Entwicklung einhergehende Minimalisierung der Teilhabemöglichkeit als Konsument wie als Schaffender eine zwar scheinbare Wendung genommen, ihre Wirkweise aber in ein- und derselben Richtung multipliziert.

Sie hat den Einzelnen nunmehr aus sienem sozialen Gefüge herausgleöst, und ihn DIREKT mit einer Aussage mit Wahrheitsanspruch (denn JEDES Sprechen ist ein Sprechen mit diesem Anspruch) konfrontiert. Damit hat sich sein Forum nach und nach erst internalisiert und damit individualisiert, einerseits, wenn auch anderseits zentralisert. Weil das Angebot des zu Lesenden mit einem mal vom Inhalt getrennt wird, und keiner von Gott bestimmten und bestimmbaren Hierarchie unterliegt. 

Mittwoch, 4. August 2021

Selbst Gott gegenüber fremd (2)

Weil wir nach Seinem Bilde gemacht sind, ist dessen innere Dynamik wie bei jedem Schöpfer-Geschöpf-Beziehung auch die unsere, und ist so unser Wesen. Es ist damit unser Schicksal, dieses Bild zu manifestieren. Was nur heißen kann, es als Geschenk anzunehmen. Denn das ist einerseits Schöpfung: Manifestierung. Inkarnation. Und das ist anderseits Welt: Annahme - Es merkmalen aber schon die 68er, und hier vor allem die Frauen Verwerfungen, die sich aus einer Unfähigkeit ergeben, Schuld "loszuwerden". Dieses Schuldloswerden ist damit der Schlüssel zum Verständnis. Der VdZ kennt auch so gut wie keine Frau dieser Generation und der folgenden, die wirkliche Vergebung erfahren hat und sucht. 

Die ein daraus folgendes entspanntes Verhältnis ihrer Schuld - die eine Disposition ist, die deshalb ins Selbst eindringt, als stünde dieses in einer durch ein Sieb geschützten Tauchglocke in einem dreißig Meter tiefen See - gegenüber hat. Weshalb die Frau alles (soll heißen: noch und weiter zunehmend mehr als noch vor vielleicht siebzig oder hundert Jahren) tut, um ihre Schuld zu vertuschen, zu verbergen, wegzureden. Die ihre Identität (und darum geht es vor allem: Als Ort, als Selbstsein in der Welt, als Stabilität und Dauer) durch die Entschuldigungsbitte des anderen, desjenigen, der noch Schuld einzubekennen vermag, der um die soziale Komplexität und Verwobenheit von Schuld und vor allem Sühne weiß, anderen zu erhöhen.) Ohne Schuld aber kein Soziales! (Hier wären auch acht Rufzeichen sachgemäß, wäre das nicht so häßlich weil nackt.** 

Umso mehr ist zur Manie unserer Postkultur (Kultur bedeutet ja vor allem eines: Sie bedeutet, allem und jedem sein "Ich" zu geben weil im Du, als anderes zu definieren! Das ist überhaupt erst Kultur!) geworden, "sich" zu suchen weil es angeblich im Leben und bei der Suche nach dem Glück (als angeblicher Sinn dieses Lebens, und nicht als bestenfalls verstehbarer Ausrutscher) um diese "Fähigkeiten" gehe. Daß seltsamerweise die Erfülltheit nicht mehr, sondern immer weniger geworden ist. Und bei den Jungen überhaupt zum flüchtigen Federchen wurde, das jeder Wind vom Ast zu blasen vermag, auf dem man es sorgsam und mit feinen Fingern platziert hat.

Freitag, 13. März 2020

Der Zwang der Wahrheit (2)


Teil 2)



Erst eben wo dieses verloren geht, ist der Schriftsteller jener, der das Ja des Ja, das Nein des Nein sucht und (hoffentlich) findet und wieder verfügbar macht. Indem er die Verbuschungen beseitigt, die die Wahrheit ersticken wollen, weil dem Alltäglichen der Welt und Weltbewältiger die Prioritäten des Nützlichen mit der Zeit durcheinander gekommen sind. So daß ihr Wirken allmählich zum Verderben, zum Zerstören wurde oder/und werden wird.

Deshalb verdienen sie höchste Ehrfurcht und Hochachtung. Aber genau deshalb werden sie diese nur selten bekommen. Weil dem Nützlichkeitsverwobenen diese Prioritätendefekte nie klar sind, sonst würde er anders handeln und denken. Ihm fehlt bereits dieses Vertrauen in das Wahre als Gutes (und Schönes), das den Alltäglichen ursprünglich noch vertrauensvoll ins Sein hinein geborgen hat. Es ist also Vertrauensverlust, der die Sprache zerstört, der die Wahrheit der Sprache zerstört, und der das Denken verwirrt. 

Dem Schriftsteller aber ist diese Wahrheit lebensnotwendig, ja sie ist das, wonach er mehr als die Übrigen lechzt, weil er sonst stirbt, weil er sonst nicht zu sich selbst wird, sondern zur Karikatur seiner selbst, wenn er nicht dem innersten Wesen der Sprache - der Wahrheit! - folgt. Die sich aus der Grammatik heraus zur Welt regelrecht zwängt (und das ist durchaus als Zwingen, als Zwang zu verstehen).

Aber nur sie können von einer Welt erzählen, wo sich Transzendentes mit Diesseitigem vermählt. Nur sie können wie Leuchttürme jene Markierungen setzen, die die Fahrrinne einer Kultur bestimmen, die jeder benützen kann, ohne zu stranden oder zu zerschellen. Denn nur ihnen ist die Sprache so lebensnotwendig, und ihre Grammatik so zwanghaft, daß ihr Zeugnis in der Sprache glaub- und vertrauenswürdig wird.
Wehe einer Kultur, die diese Leuchttürme aber zu verhüllen sucht, die andere, scheinbare Leuchttürme aufstellt, die wie Sirenen die Schiffe in die Klippen führen. Mehr als die Ziele, sind es für eine Kultur, eine Gesellschaft, ein Volk somit die Leuchttürme, die erkannt werden müssen. Denn in diesen ist das Ziel zwanghaft-notwendig real und dargestellt.

All die Bücher also, die - hier George Steiner - uns umgeben, sind nicht mehr (und nicht weniger) als Versuche von immer mehr Schriftstellern und Philosophen, sich aus dem Nutzenleben heraus in das Leben der Wahrheit hinein zu wagen. Und sie sind immer nur teilhaft, zum einen, und sie sind immer nur mangelhaft und Zeugnisse eines letztendlichen Scheiterns. Denn die Essenz eines solchen Lebens ist letztlich das Finden des einen Wortes, der einen Gestalt, in der alles enthalten ist und das Sakrament ist: Wo sich Himmel und Erde in einem Punkt vermählt haben.


George Steiner, + 3. Februar 2020, in seinem Arbeitsraum

Postscriptum: Anders als so mancher Nachruf schätzt der VdZ den kürzlich in Cambridge verstorbenen George Steiner NICHT als großen Denker, und damit auch nicht als großen Sprachmeister. Steiner hat viel geahnt, aber er hat es leider nie vermocht, das in Denken - also in die wahre Grammatik - umzusetzen. Steiner war ein großer AHNENDER, in dessen Tiefe sich das Wehen des Wahren abgespielt hat, das aber durch eine dem VdZ nur über Spekulation erfaßbare gläserne Decke nicht nach oben, in ein Gerüst wahrer Sprache, dringen konnte. Das macht seine Bücher seltsam verschwurbelt, neblicht, und unklar weil inkonsistent. Genau deshalb aber hat er in liberalen Kreisen so großen Zuspruch gefunden. Er litt an derselben Krankheit wie der Liberalismus.




Donnerstag, 12. März 2020

Der Zwang der Wahrheit (1)

Es ist primär die Sprache eines Volkes, das sein Denken bestimmt, und deren Niveau entscheidend ist, ob dieses Denken, dieses Sprechen, das immer ein allgemeines Sprechen ist, oder ein Sprechen ist, das auf Allgemeinheit ausgerichtet ist, auch das "Fühlen" umfaßt, faßt und in die Wahrheit trägt. Eine Kultur in ihrem Weg zur Reife (sonst ist sie weder Kultur, noch kann sie lange bestehen) differenziert immer mehr aus, was in ihren Anfängen noch amorph in jedem ihrer Mitglieder vorhanden ist. So kommt und so kam es zur Ausbildung des "Berufs des Denkers", als Schriftsteller, als Dichter, als Autor, als Philosoph. 

Der deshalb - mehr noch als der Schriftsteller, der eine Spätform des Dichters ist - immer in ihrer Spät- und Verfallsphase auftritt, weil er thematisiert, was in einer Kultur in ihrer Hochblüte noch allen und allem immanent und durch unhinterfragte Tradition geschützt ist.

Deshalb ist dieses Bild von George Steiner so typisch. Wo der Philosoph zwangsläufig inmitten des bereits Gesprochenen steht. Ohne dieses kann sein Denken niemals "auf der Höhe" sein, weil Denken und Sprache damit immer in einer Korrespondenz zum historisch gegenwärtigen Sprech- und Sprachniveau steht. 

Dieses bereits Gesprochene als bereits Gedachtes ist als Erinnerungsvolumen in Büchern zeichenhaft präsent, das heißt, daß die Buchstaben, die Worte, die Aufschreibungen Hinweismarken auf ontologische Gegebenheiten sind, Bojen die zeigen, daß hinter allem real (und durch alles Faktische hindurch erkennbaren) Vorhandenem "etwas, nämlich dies und jenes, isset", also anwesend, wirksam, deshalb als Wirklichkeit wirklich ist. 

Insofern ist Denken immer auch ein Nachgehen der Grammatik der Sprache. Denn mehr noch als in den Symbolen, die Worte und Sätze und Werke in ihrer Ganzheit (als Bilder) sind, ist das "Dazwischen", das Unausgesprochene sohin, das, was es eigentlich zu denken und zu sagen gibt. Das von der Sprache "umstanden" wird, das bestenfalls in der Dichtung, in der Poesie darstellbar wird und wurde. 

Hat sich also ein Schriftsteller oder Philosoph herausgebildet, dann ist dies nur dadurch real (und wirklich), weil sich in dieser Spezialisierung auch das Lebensfluidum dieser aus allem übrigen Alltagsleben ausgeschiedenen Menschen gebildet hat. In der Selbstüberschreitung selbst werdend, hat er nur die Sprache und das Denken als jenes Material, an dem er selbst zu seinem wahren "Ich" herausgebildet wird. 

Es ist also auch hier nicht der Eloquente, der Sprachgewandte, der Virtuose, der den Schriftsteller und Philosophen kennzeichnet, sondern die ausschließliche Lebensnotwendigkeit, in der er der Sprache gegenübersteht. Nur im Sprechen, nur im Denken wird er zur Welt geboren und nimmt Gestalt an. Verwundbar von allen, die nützlich im Alltag stehen, diesen allen unterlegen und wehrlos gar, muß er auf die Reifen warten, die aus dem Alltag heraustauchen und herausgetaucht sind und begriffen haben, was die Welt wirklich wirklich macht. Und deshalb die Notwendigkeit der Sprache erkannt haben.

Aber auch jene sind recht eigentlich bereits Leidende, an der Kultur Verwundete, die sich zu dieser Sprache heben (oder: neigen, je nachdem, wie man es sieht). Die jene beneiden, die nur ein Kriterium des Alltags kennen, als engstes, eigentlichstes Kriterium der Sprache: Wo das Ja ein Ja, das Nein ein Nein ist.

Morgen Teil 2)




Montag, 8. Oktober 2018

Aus den Höhlen heraus

Mit der Verstoßung aus dem Paradies war die Menschheit auf sich zurückgeworfen, mußte gewissermaßen bei Null anfangen. Nicht einmal Kleidung hatte sie, kein Werkzeug, nichts. Alles mußte neu eingerichtet und adaptiert werden, um in dem vorerst noch alles beherrschenden Chaos zu bestehen. Und alles ließ sich einrichten, wenigstens irgendwie, denn der Mensch hatte die Sprache, und damit den Verstand, jene Urmatrix der Schöpfung insgesamt, gegenwärtig und (anfänglich, vorgängig, nicht dazugekommen) in der Schrift. In ihr war die Schönheit gegenwärtig, wenn auch nur als Abglanz. Nur heilige Hände durften sie aber berühren, nur heilige Münder sie im Klang inkarnieren, nur gereinigte Ohren sie zur Speise nehmen.*

***

So mußte der Mensch in mühevollen Lernprozessen schrittweise das aufbauen, was wir als Kultur und Kulturen der Vergangenheit, als Geschichte kennen. Ausgehend von den heiligen Schriften. Nur insofern kann man von einer historischen Entwicklung sprechen.

***

Aber von allem Anfang an war sich der Mensch seines gebrochenen Verhältnisses zu Gott bewußt, von allem Anfang an gab es deshalb Religion mit ihrem Zentrum, der Heiligkeit der Schriften (deren Zeichen ja Symbole sind, als Ausgangspunkt aller menschlichen Weltbewohnung). In ihr lebte auch die Erinnerung an die anfänglichen Erfahrungen weiter, in denen sich auch noch Erinnerungen an das Verlorene, an das Paradies bewahrten. Als Sehnsuchtspunkt und Ziel. Das finden wir in Mythen und uralten Erzählungen, die die Qualitäten, Eigenschaftlichkeiten der Grundlagen der Welt nachvollziehbar machten.

Doch der Mensch war des Schauens verlustig gegangen, und so mußte er sich alles über deduktives Denken neu rekonstruieren. Mehr als eine Annäherung war hier nie möglich. Nur in einem Punkt wurde der Himmel wieder ahnbar: in der Kunst. Deshalb findet man in den finstersten Höhlen auch Zeugnisse von Kult und Riten. Die selbst die Quelle und der eigentliche Heimplatz aller Kunst sind. Nur dort lebt noch etwas vom Paradies fort.

Je mehr sich aber der Rang der ersten Schriften verringerte, je mehr diese verblaßten und ihre Bindungskraft weil Gegenwart weil Begriffensein verloren, durch den nunmehr zum Zergliedern gezwungenen menschlichen Verstand, den die sündliche Neigung weiter zerbrach, je mehr das nur noch nützliche Werkzeug seine Rolle übernahm, desto mehr wurde auch die Welt aus dem Einen ins Viele aufgespalten. Polytheismus war die Folge, Aufteilung der Wirklichkeiten als Beweger. Und in seiner Verlängerung entkomponierte sich das Weltganze in die Dekadenz der Magie, also der Technik, die das wirkliche Wirkliche ersetzte und scheinbar beherrschbar machte.

Sämtliche kulturellen Entwicklungen haben so begonnen und sind diesen Weg gegangen. Auf dem sie immer wieder und meist schon nach kurzer Zeit, wenigen Generationen, an der menschlichen Schwäche scheiterten. Deshalb kamen und gingen Kulturen, wie wir es kennen, Länder, Reiche. Kultur ist aber nicht etwas, das "auch" möglich ist, sondern das immanente Antlitz der Eigentlichwerdung aller Dinge der Welt, deshalb schon prinzipiell aus der Religion hervorgehend. Sie ist Farbe und Geschmack des Menschseins. Außerhalb von Kultur, außerhalb von Schönheit gibt es also nicht ein vermindertes Menschsein, sondern gar keines. Und außerhalb der Kultur fällt die (menschenleere) Welt in Chaos, Angst, Tod und Kampf, woraus zu befreien eben Aufgabe des Menschen (als Krone der Schöpfung, auf den alle Dinge ausgerichtet sind) ist.

Nur eine Kultur ist aber auf Dauer angelegt - und das ist es, was die Kirche ist. Denn nur sie ist jene Kultur, die (über die Sakramente) in Gott selbst gründet. In ihr erfüllt die Schöpfung wieder ihren ureigensten Sinn als Lobpreis Gottes, in ihr kommt alles zu sich, worin der Mensch die Welt hineinzuführen hat - zu seinem vollkommensten Selbstsein, das sein "sein für" ist. Und in ihr bekommt alles wieder seinen bestimmungsgemäßen Ort, als den Platz der Hereinnahme der Gnade. Erst in ihr hat die Welt ihren Charakter des gottlosen Schreckens wieder verloren, denn aus sich heraus war der Mensch nicht in der Lage, auch nicht in seinen Tempeln als Gott geweihte Stätten, jene Haine zu schaffen, in denen der Herr wandelte.

Denn alles Einzelne ist erst was es ist, in einer fortwährenden Aktualisierung, die es bedeutet zu sein, wenn es einen Platz in einem übergreifenden Sinngefüge hat, auf den hin es sich dann selbst überschreitet und aufgeht in der hingebenden Erfüllung seiner Aufgabe, in der es angesprochen wird. Die jedes Ding, jedes Lebewesen, jeden Menschen als ständige Anfrage umgibt wie den Fisch das Wasser.

So weist das Viele immer auf das Eine, ist das Eine abbildhaft im Vielen enthalten. Und wandelt Gott im Sakrament unter den Menschen, wie zu den Tagen des Paradieses. Denn in Jesus Christus kam sie zurück, die Urschrift als Wort, das nicht nur bei Gott war, sondern das Gott war.** Mehr als Symbol, sondern inkarniert und real. Denn Christus, das fleischgewordene Wort, ist die Schrift Gottes, aus dem jeder weitere Buchstabe als Welt-Vieles hervorgeht. Denn in ihm ist Schönheit selbst. Und damit die Welt.







*Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.

**Hierin gründet die wahre Bedeutung der Kalligraphie. Was wir heute als "Erfindung der Schrift" (Hethiter, Sumerer, Phönizier etc.) bezeichnen, ist in Wahrheit bereits deren Profanierung und ein Schritt der Degeneration. In dem Form und Inhalt bereits getrennt sind, und die Schrift zur technischen Funktion wird, zur bloßen Erinnerungshilfe. Kein Wunder also, daß diese "erfundenen Schriften" in ihren ältesten Zeugnissen kaufmännische Aufzeichnungen sind.






*190918*

Montag, 30. Oktober 2017

Im Netz der Traumdichte

In dem Maß, in dem die Menschen ihr Denken auslagern, zur Technik (und damit zur Maschine) machen, also in schriftlichen Texten das eigene Denken ersetzen, versinken sie in den Zustand des Traumes. Als selbst bewegenden Ablauf, in dem niemand sagen kann, was und wer Handelnder ist, und was einfach zustößt, geschieht.

Schrift kann aber nie mehr sein als Verweis, als Stütze der Erinnerung, die den eigentlichen Denkprozeß, der ein Nachgehen nach dem Sein ist, also ein schöpferischer Akt. 

Weil er dieses Sein in das Kleid, in die (immer einzigartige) Aufführung des Lebens in der man steckt, auf die Bühne des eigenen Lebens also holt und damit (und erst damit) geschichtlich wird, wie ein Regisseur, wie ein Kostümbildner. Erst hier wacht der Mensch auf, erst hier ist er nicht mehr schlafender Mensch, der sein Leben träumt.

Das ist es erst, was man auch Philosophie nennen kann. Das ist es, warum nur dieser je individuelle Akt überhaupt Philosophie ist. Sie ist nicht das Aufgreifen einer vorhandenen Philosophie, die man mit allen möglichen Versatzstücken gebrauchsfertig und zwecktauglich macht. Hier wäre auch alles Lesen umsonst gewesen. 

So, wie es im Internet praktisch immer passiert, daß die meisten durchsuchen und konsumieren um das Netz des Traumes dicht zu halten, auf daß es nicht die frische Luft des Seins durchläßt. Denken ist keine zweckhafte Instrumentalisierung der Sprache, der Theorien. Es ist das Erfassen des numinosen Seins, das in seiner Realität in der Welt aufzuspüren, in seiner Dynamik zur Welt hin, nur von jedem selbst und eigen geleistet werden kann. Wie es heute genutzt wird, ist das Internet nur ein nächstes Instrument - das nach dem Eigentlichen greift, dem Denken - um im Traum zu verharren. 

Um mit den Fundstücken, den funktionierenden Denkpunkten und -weichen, wie ein Dieb davonzulaufen. Denn es verdrängt das, was das Aufwachen provoziert, die persönliche Begegnung, das Gespräch. Der Funktionalität des Internet aber zu entkommen ist fast unmöglich, es liegt ja schon in der Technik des Mediums begründet, und man nimmt diese Funktionalität in jedem Fall zumindest "unabsichtlich" auf. 

Nur in diesem Sinne kann man also, hier muß man aber sogar davon sprechen, daß das Internet selbst die Menschen verändert. Es macht sie zu Träumenden. (Eine Gefahr, der schon das gedruckte Buch oft nicht entkommen ist.) Als Medium der Wahrheit kann es deshalb - dosiert, gemessen eingesetzt - bestenfalls Hilfsdienste leisten. Heilige Texte aber werden davon überhaupt beschädigt und degradiert, ja sogar der Blasphemie ausgesetzt.

Denn in einer realen, haptischen, fleischlichen Beziehung erst wird jedes vorgefertigte (technische) Denkgebäude dem eigenen Leben angeschmeidigt, das erst Leben ist, wo und soweit es in eine Beziehung realisierend eintritt. Was wiederum heißt: Diese Beziehung (denn man steht immer in einem Netz von Beziehungsfeldern) ins Fleisch (und damit zur Welt) bringt. Denn nur dort ist das, was Denken wirklich der Wahrheit anpaßt, vorhanden: Das Staunen, das Überwältigtwerden, der Gestus, das Verhalten dazu. Wo man gezwungen ist, als Mensch ganz zu reagieren und zu agieren, und nicht in der Technik des nominal genommenen Wortes, der zum funktionierenden Konstrukt vertrockneten Sprache zu verharren, ohne daß man aufwachen muß. Denn jedes Denken ist nur ein solches, wenn es im Fleisch eines Menschen real wird.




Anmerkung: Der Begriff Internet schließt in der hier zu findenden Verwendung sämtliche digitalen Medien der Gegenwart ein, also auch das, was man "social media" nennt.






*111017*