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Mittwoch, 19. Oktober 2022

La Commedia e finita

Der Umstand, daß der Westen die von der russischen Nationalbank angelegten Gelder "eingefroren" hat und immer wieder deren Totalkonfisktion diskutiert wird, um die Schäden, die die Ukraine "erlitten" hat abzudecken, was als Legimierung des Raubes dienen soll, hat einen mehrfachen Rückstoß eingebaut, der die ganze Welt, also auch uns, aber in und dasselbe lehrt:

Daß die totale Verlagerung der Geldflüsse auf digitale Medien eine Steuerung weil Erpressung jederzeit möglich macht. Das hat die Welt nun begriffen, und es wird sich auf den Dollar wie den Euro als "Weltreservewährungen" noch dramatisch auswirken. Kein Staat wird zuklünftig noch das Vertrauen haben, daß solcherart geliehenes Geld auch wieder zurückfließen wird, wenn man den Kreditnehmern, dem Westen, nicht genehm ist.

Donnerstag, 14. April 2022

Man nannte sie "Rus" (4)

Apropos Existenz. Die bestritten die Wikinger durch den Handel mit Fellen (aus der Jagd, oder im Handel mit den Slawen nördlich und östlich des Ladogasee günstig eingetauscht, übrigens meist in dem sehr interessanten sogenannten "stillen Tausch". 

Und da waren vor allem noch die Sklaven. So ein Sammelbecken hat jede Mene identitätsloser Gesellen, die nru darum betteln, von einem Vikinger gefangengenommen und tausende Kilometer verschleppt zu werden. 

Und, natürlich, waren da noch die Beutezüge, zu denen sich vor allem die (schutzlosen) Klöster und Kirchen der Christen anboten, die nun überall im Westen des Kontinents entstanden waren. Gewissemaßen verdankendie Vikinger einemsolchen Raubzug, dem Überfall auf das Kloster Lindysfarne, ihren Eintritt in die Geschichtsschreibung. 

Denn des Vikinger (und vor allem seiner Frauen) Gier nach Silber und Pretiosen war bemerkenswert. Die Silberschätze, die man gefunden hat und noch heute findet, wenn man etwa in der Urkaine eine neue Autobahn anlegt und einen nicht korrupten und aufmerksamen Bauleiter hat, sind immens. 

Mittwoch, 13. April 2022

Man nannte sie "Rus" (3)

Das war den Wikingern eines der schlimmsten Schicksale, wenn auch nicht ganz selten. Kaum eine Ausgrabung, in der die Skelette keine (oft genug tödliche) Kampfeswunden haben. Denn auf ihren Reisen durch die Weiten der Steppen, die im Prinzip vom Baltikum aus über Ungarn, Kaukasus und den Pamir umgrenzt waren, also wirklich ein mit 5.000 Kilometern Durchmesser ein riesiges Becken, sozusagen, in dem sich alle möglichen Völker herumtrieben. Eines davon waren auch die Slawen, die bei den Wikingern besonders beliebt waren, weil sie recht dankbare Sklaven lieferten. Die waren wenig aufsässig, und höchst kooperativ.

Denn das mußten sie sein, wenn man sie mitführte, um sie dann vielleicht am Sonntagsmarkt auf Gotland zum Verkauf anzubieten. Viele Stromschnellen des Don oder Dnjepr galt es da zu überwinden, fünf mal mußte umgeladen und Kilometer lang das gegen die eigenen Felle eingetauschte Handelsgut samt der Streifzugsbeute getragen werden, Boot inklusive. Ging alles aber gut, so war die Reise von Byzanz nach Estland, wo es endlich wieder ins Meer ging, in dreißig, vierzig Tagen zu bewältigen.

Mittwoch, 4. August 2021

Selbst Gott gegenüber fremd (2)

Weil wir nach Seinem Bilde gemacht sind, ist dessen innere Dynamik wie bei jedem Schöpfer-Geschöpf-Beziehung auch die unsere, und ist so unser Wesen. Es ist damit unser Schicksal, dieses Bild zu manifestieren. Was nur heißen kann, es als Geschenk anzunehmen. Denn das ist einerseits Schöpfung: Manifestierung. Inkarnation. Und das ist anderseits Welt: Annahme - Es merkmalen aber schon die 68er, und hier vor allem die Frauen Verwerfungen, die sich aus einer Unfähigkeit ergeben, Schuld "loszuwerden". Dieses Schuldloswerden ist damit der Schlüssel zum Verständnis. Der VdZ kennt auch so gut wie keine Frau dieser Generation und der folgenden, die wirkliche Vergebung erfahren hat und sucht. 

Die ein daraus folgendes entspanntes Verhältnis ihrer Schuld - die eine Disposition ist, die deshalb ins Selbst eindringt, als stünde dieses in einer durch ein Sieb geschützten Tauchglocke in einem dreißig Meter tiefen See - gegenüber hat. Weshalb die Frau alles (soll heißen: noch und weiter zunehmend mehr als noch vor vielleicht siebzig oder hundert Jahren) tut, um ihre Schuld zu vertuschen, zu verbergen, wegzureden. Die ihre Identität (und darum geht es vor allem: Als Ort, als Selbstsein in der Welt, als Stabilität und Dauer) durch die Entschuldigungsbitte des anderen, desjenigen, der noch Schuld einzubekennen vermag, der um die soziale Komplexität und Verwobenheit von Schuld und vor allem Sühne weiß, anderen zu erhöhen.) Ohne Schuld aber kein Soziales! (Hier wären auch acht Rufzeichen sachgemäß, wäre das nicht so häßlich weil nackt.** 

Umso mehr ist zur Manie unserer Postkultur (Kultur bedeutet ja vor allem eines: Sie bedeutet, allem und jedem sein "Ich" zu geben weil im Du, als anderes zu definieren! Das ist überhaupt erst Kultur!) geworden, "sich" zu suchen weil es angeblich im Leben und bei der Suche nach dem Glück (als angeblicher Sinn dieses Lebens, und nicht als bestenfalls verstehbarer Ausrutscher) um diese "Fähigkeiten" gehe. Daß seltsamerweise die Erfülltheit nicht mehr, sondern immer weniger geworden ist. Und bei den Jungen überhaupt zum flüchtigen Federchen wurde, das jeder Wind vom Ast zu blasen vermag, auf dem man es sorgsam und mit feinen Fingern platziert hat.

Dienstag, 29. Juni 2021

Sklaverei, Afrika, Geld und Steuern (4)

Der erste, der einen schwarzen Sklaven als materiellen Besitz rechtlich verankerte, war ... ein schwarzer Sklavenhalter. Der etwa 1805 bei Gericht (und gegen den heftigen Widerspruch der europäischen örtlichen Bevölkerung!) durchsetzte, daß ihm das Eigentum an einem Mann zustand, der von europäischen Farmern aus den unerträglichen Lebensverhältnissen befreit wurde, die er zu erleiden hatte, und auf die Einhaltung eines Zeitvertrages pochte, der irgendwo einmal existiert hatte, aber nicht mehr aufzufinden war. Tatsache ist also, daß ein Schwarzer der erste Amerikaner war, der Sklaven und unbeschränktes Eigentum per Gesetz verankern ließ. (Damals mit der gerichtlichen Auflage, fortan für den Mann, das Streitobjekt also, besser zu sorgen.)

Denn die starke Gebundenheit an soziale Verhaltenscodes hat auch Schattenseiten. Dabei funktioniert Soziales nur, wenn es auf der Bereitschaft steht, sich zu verschulden oder jemanden bei sich verschulden zu lassen! Das führte aber bei Verschuldung zu oft schrecklichen Lebensschicksalen. Sich selbst bei Überschuldung zu verkaufen etwa war in Afrika gängige Praxis, und den nunmehrigen Sklaven erwartete kein schönes Leben, soviel kann man sagen; in Amerika wurden sie meist besser behandelt, und vor allem hatten sie dort sicher zu essen.

Aus einschlägiger Literatur sind einige Zahlen vorzutragen. Sie überraschen. Etwa um 1830 gab es im amerikanischen Süden rund 2,5 Millionen Sklaven, die meisten schwarz. Der Anteil von ihnen, der unter weißen Herren verglichen mit dem unter schwarzen Herren, beträgt knapp die Hälfte.

Montag, 28. Juni 2021

Sklaverei, Afrika, Geld und Steuern (3)

Wie generell Mitglieder von Nomadenstämmen, darunter Araber, darunter - man hört die Schläge auf den Rücken einprasseln, wenn der VdZ das sagt ... - viele Menschen türkischer Provenienz, die in ihren Hauptstämmen, sofern eben türkisch und nicht den vor der Zuwanderung der zentralasiatischen Türken ansässigen Bevölkerungen entstammend (seine wir ehrlich, es gibt defacto doch keinen Staat, der nicht ein Vielvölkerstaat ist), ebenfalls aus der Steppe kommen. Man sieht es nicht zuletzt an ihrer Architektur: Rund! Rund wie das Zelt, die Yurte, das Grabmal. Rund wie die Erde, die unbegrenzte Schöpfung des Erdkreises.

Aber so wird auch die Katastrophe erkennbar, die die Entwicklungshilfe (zu der sich die Mission in den 1960ern gewandelt hat) bedeutete. Die die sozialen Gefüge angriff! Und durch die Einführung von Steuern das Geld einführten. Denn wir sind uns dessen viel zu wenig bewußt, in welch hohem Maß es der Staat, die Obrigkeit war und ist, die Geld in eine Gesellschaft einführt. Denn die Herrschenden sind es, die Geld brauchen. Die ein neutrales Tauschmittel benötigen, um ihre Soldaten und Beamten zu bezahlen. Und ihren Lebensluxus durch internationalen Handel decken müssen.

Sonntag, 27. Juni 2021

Sklaverei, Afrika, Geld und Steuern (2)

Die Rolle des Geldes wird von Afrikanern selbst sehr kritisch gesehen. Und insofern ist die Einführung von Geld als Zahlungsmittel FÜR STEUERN die Primärkatastrophe gewesen. Plötzlich war der afrikanische Mensch nicht mehr in der Lage, so wie immer Abgaben an die Obrigkeit durch seine eigenen Produktionsmittel (Rinder, Handarbeitsprodukte, Arbeit) zu bezahlen. Plötzlich mußte er sich mit einem Markt beschäftigen, auf dem Geld Zahlungsmittel war, während die traditionellen Märkte immer Tauschmärkte waren?

Das können wir alles auch auf Europa umlegen. Die soziale Katastrophe des 13. Jahrhunderts war dieser totale Umbau der Gesellschaften durch die Geldwirtschaft. Sie war das "weg vom Feudalen", das "hin zu per Geld definierten Abhängigkeits- weil per Verordnung auferlegten Schuldverhältnissen", die nun dasselbe bedeuteten, wie es die Afrikaner im 20. Jahrhundert erlebt haben: Plötzlich mußte das Arbeiten und Lebensschaffen dem Erwerb eines Drittmittels dienen, dem Erwerb von Geld!

Samstag, 26. Juni 2021

Sklaverei, Afrika, Geld und Steuern (1)

Verblüffend wahre, hervorragender, gereinigter Wahrnehmung entspringende, inspirierende und mit der Metaphysik des Katholischen zur vollkommenen Deckung (bzw. Weiterführung) kommende Stellen finden sich im Schriftwerk des protestantischen Missionars Bruno Gutmann. Weil die Bücher, die dem VdZ vorliegen, 1966 datiert sind, und er damals seinen 90. Geburtstag beging, nehmen wir an, daß er bereits gestorben ist. 

Ob sich das Evangelische Missionswerk, das diese großartige Reihe über die Kirchen der Welt herausgab sich an ihn noch erinnern kann? Einige weitere Bände hat der VdZ bestellt, denn die ihm vorliegenden sind schon von den Themenstellungen so anregend weil so hervorragende, sachliche Archive, daß er sicher noch einiges daraus für die Leser der ambrosius.konnotationen bergen können wird. 

Darf er den Leser bei dieser Gelegenheit an die Notwendigkeit erinnern, daß er das ihm Vorliegende nur lesen kann, weil der VdZ sein Leben und Existieren in hohem Grad aus barmherzigen Zuwendungen fristet - sprich: Bittend erinnern, sich der Spendenmöglichkeit s. u. zu bedienen?

Freitag, 28. August 2020

Was ist in Beirut geschehen? (2)

Teil 2) Die Verschwörungssuppe kocht. In einer Situation, 
in der jeder jedem alles verbergen, jeder jeden täuschen will, kein Wunder.



Abstruse Spekulationen? Vielleicht doch nicht, vielleicht doch Tangenten in einem realistischen Zukunftsszenario. In jedem Fall bleibt die Frage auch hier, was mit solch einem Desaster bewirkt hätte werden sollen (wenn es verursacht, nicht "passiert" ist).

Vielleicht aber ging es lediglich um eine weitere Destabilisation des Libanon. Und tatsächlich ist die voriges Jahr so mühsam gebildete Regierung mittlerweile auch zurückgetreten. Die provisorische Staatsleitung hat nun sofort einen Lockdown im Land verordnet.* 

Dessen Lebensmittelversorgung durch die Katastrophe im Hafen massiv getroffen wurde. Weil in unmittelbarer Nähe Getreidesilos standen, die das Land für einen Monat versorgen hätten können beziehungsweise sollen, aber nun zerstört sind (dabei im übrigen die Druckwelle bei der Explosion so günstig abgelenkt haben, daß viel Schaden abgewendet wurde). In so eine Situation hinein erscheint es besonders "geschmackvoll", Hilfsangebote an Bedingungen zu knüpfen, wie der Libanon zukünftig auszusehen hätte. Wie es Außenminister Maas tatsächlich tut
Werner Bergengruen schreibt einmal im "Der Großtyrann und das Gericht", daß bei aller Anerkennung, die man dem dringlich beobachtenden, einbildungskräftigen und zugleich rechnerischen Geiste zuerkennen muß, der von der Wirkung auf die Ursache zu schließen versucht, doch eines zur Größe - nach seiner Weise - fehlt: Ahnung. Weisheit.
So gesehen ist es mehr als zulässig weil zutiefst ein Humanum, Unbekanntes, "Geheimnisvolles" mit einem Sinngerüst zu durchziehen. Und zu folgern, weil die Corona-Panik immer noch zu wenig war, um den Blick der Menschen auf die Welt durch einen Schleier von Angst und Schrecken zu beeinträchtigen und auf sich selbst zu lenken, nun nächste Schläge notwendig wurden. Um die Menschen nachhaltig aus dem Interpretationshorizont des Sinns (logos), dem eigentlichen Moment von Chaos und Angst, abzuziehen. 
Allmählich hat sich nämlich sogar die vorerst letzte Beklommenheit (nach Kaltem Krieg, Ozonloch, allen möglichen Pandemiewarnungen, Terrorpanik, Klimawahn, Feinstoffpanik etc. etc., zuletzt also Corona) aber auch diesmal wieder gelöst, und die Menschen haben den endlich gelösten, vom ersten Druck befreiten Blick wieder auf die Welt da draußen gerichtet, wie die weltweiten Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen beweisen. Aber das ist es, was es für manche Interessen zu verhindern gilt.
Also mußte das Chaos, die sicherste Quelle von Angst, laufend erneuert und gesteigert werden. Bis die Menschen "reif" sind für den ultimativen Schritt: Das Angebot eines "Erlösers". 
Der letzte Versuch durch BLM (Black Lives Matter) war ja schon recht gelungen. Sie schließt fast nahtlos an jene noch lange nicht verdaute Panik an, die uns bereits vor neunzehn Jahren die erste massive Welle von Zerstörungen des Menschseins brachte und seither latent ist. Durch die allgemeine Zustimmung zu einer Großoffensive der Überwachung aller Menschen auf diesem Globus mittels einer diffusen, letztlich irrationalen Terrorangst. Nichts von diesen Maßnahmen ist ja aufgehoben! 
Merkmal aller dieser Schritte ist die Anwendung des sichersten Mittels, das Irrationale und Diabolische solcher Ängste wach zu halten: Die Ungewißheit, das Nicht-Wissen, wer überhaupt etwas getan hat, wie gefährdet die eigene Lebenssituation wirklich ist, ja womit wir es bei der behaupteten Gefahr, die die Legalisierung des Raubs elementarer Freiheiten und traditioneller, gewachsener Lebensformen bildet, überhaupt zu tun haben. 
Begleitet von unübersichtlichen Bündeln von Maßnahmen, die mit staatlicher Autorität daherkommen, aber so vage und verworren und widersprüchlich bleiben, daß sie sich der allgemeinen humanen Vernunft nicht erschließen. Sodaß den drakonischen Strafmaßnahmen (auf diesem Video aus Australien ist zu sehen, wie eine Frau mit brutaler Polizeigewalt festgenommen wird, weil sie ... keine Maske trägt) nur entkommt, wer jeden Augenblick mit ängstlichem Herzen und neurotisiertem Sinn aufmerksam bleibt, um die Stimme der Willkür nicht zu überhören, die unvorhersehbar bleibt und aus dem Augenblick heraus diktiert, was zu tun und was zu lassen ist.

Weil die Rechtsprechung von umständlicher (demokratischer) Gesetzesmethodik namens des "höheren Gutes - der Gesundheit, für die der Staat zuständig ist," zur Methode des direkten Regierens via Verordnungen und Erlässen übergegangen ist. Was den Exekutivkräften eine neue Rolle und Machtstellung zuschreibt.





*Ob dabei wirklich Zusammenhänge mit Kreditvergaben durch den IWF bestehen, wie der "Fall Lukaschenko" in Weißrußland gezeigt haben könnte? Wir wollen das mal offenlassen.



*140820*

Donnerstag, 27. August 2020

Was ist in Beirut geschehen? (1)

Auf ersten Videos schien das unbekannte Flugobjekt noch eher wie eine Manipulation. Aber nun tauchen nach und nach Aufnahmen aus anderen Winkeln auf. Wie diese hier. Und sie macht staunen. Vor allem bei dem, was dann passiert. 

Denn bei etwa Minute 3:50 bis 4:00, es ist genau zu sehen, entläßt dieses seltsame Flugobjekt, das zeitgleich mit dem Brand in dem Lagerhaus im Hafen von Beirut aufgetaucht war und gefilmt wurde, ein Paket, das nach unten fällt, aber sogleich in der Rauchwolke verschwindet. Kurz darauf, etwa nach dem Zeitraum, der dem Herunterfallen entspricht, erfolgt jene gewaltige Explosion, die das Hafenviertel in Schutt und Asche legt, und neben riesigem Sachschaden rund hundertfünfzig Todesopfer und über fünftausend Verletzte hinterläßt.

Aus einem anderen Winkel gesehen wirkt die These, eine Bombe hätte diese Katastrophe bewirkt, noch überzeugender. Der Leser möge zu Minute 9:20 springen. Folgt man dem Explosionspilz könnte man sogar zur Annahme kommen, es hätte sich um eine (kleine) Atombombe gehandelt, die hier exakt ins Ziel gebracht worden ist. 

Cui bono? Wem könnte dieser Anschlag nützen? Wer könnte eine Bombe (von einer Drohne) abgeworfen haben, die die 2.750 Tonnen Ammoniumnitrats (mysteriösen Ursprungs, sodaß man nicht einmal mehr weiß, wem es gehörte - vielleicht sogar Geheimdiensten?) hochgehen ließ? Wer hat die Technik, wer solche (Atom?) Bomben?

Israel, meinen manche, das eine neuartige Bombe eingesetzt hat. Warum? Weil sich in diesem Hafen ein großes Waffenlager der Hisbollah (die schiitische Miliz, die bereits im Syrienkrieg eine wichtige Rolle spielte*) befunden hat, und das sollte beseitigt werden. Daß sich ein so großes Ammoniumnitratlager daneben befand, sei durch einen Fehler des Geheimdienstes "übersehen" worden, schreibt angeblich Tikun Olam, ein jüdischer Blog mit erheblichem Einfluß.
Das Ausmaß der Katastrophe wäre dann so etwas wie ein Betriebsfehler gewesen. Was aber für eine Religion (als Grundhaltung auch der Politiker, wobei Premierminister Benjamin Netanjahu bekanntlich dem radikalen zionistischen Judentum recht nahe steht), in der der Zweck jedes Mittel heiligt, nicht weiter von Belang sein dürfte.
Wobei das Ammoniumnitrat in erster Linie ein Grundstoff der Düngemittelindustrie ist. Und (weltweit gesehen) nicht das erste Mal in katastrophischem Ausmaß hochgegangen ist. Die hier gelagerte Menge entsprach aber immerhin dem Sprengstoffäquivalent von 1/15 der Nagasaki-Atombombe. Und es war durch die sechsjährige Lagerung unter entsprechenden Bedingungen kräftig zusammengepappt, was eine Bedingung zur Explosion ist. Doch kann es ohne kräftige Initialzündung nicht hochgehen. Ob diese Initialzündung das brennende Lager für Feuerwerkskörper lieferte, das neben dem Düngemittellager in Brand geraten war? Oder war es gar kein Feuerwerkslager, sondern Munition für die Hisbollah? 

Es gibt also Spekulationen. Hat die Explosion etwa mit dem Umstand zu tun, daß das am schwersten betroffene Viertel von Beirut das Christenviertel war? Das wäre dann auch eine ideale Situation einer false flag-Operation, mit der man falsche Fährten legen hätte können. Der Konflikt ließe sich immerhin aufpfeffern, wenn man ihm religiöse Motive unterschieben könnte, und es eine islamistische Bewegung gewesen wäre, die die Christen im Blut baden ließ. 

Und immerhin: Kein Geringerer als der Bischof der Katholischen Christen in Beirut stellt die Situation öffentlich auch in diesem Aspekt dar. War noch vor siebzig Jahren der Libanon (damals "Die Schweiz des Nahen Ostens") fast zur Gänze christlich, sind die Christen (v. a. unter dem Migrationsdruck durch Palästinenser aus den von Israel besetzten Gebieten) lange schon im Rückzug. Jetzt noch mehr. 

Denn nun werden reiche Muslime die zerstörten Häuser und Anwesen von Christen kaufen, denen oft kein anderer Weg bleiben wird, zu überleben. Viele werden auch auswandern. Gerade sie gehören nämlich auch hier zu den Hauptgeschädigten, weil ihr Anteil an der Bevölkerung der Hafenviertel groß war. Das wird zu einem nächsten Schub im Bevölkerungsaustausch von Beirut führen.


Morgen Teil 2) Die Verschwörungssuppe kocht. In einer Situation, 
in der jeder jedem alles verbergen, jeder jeden täuschen will, kein Wunder.




*Wenn man solche Nachrichten liest sollte man aber nicht vergessen haben, was im Video (morgen) zu sehen ist!




*140820*

Montag, 8. April 2019

In Ruhe warten sie alle Stürme ab

Auch - ja gerade - die Araber wissen, daß das Gerede vom "Peak Oil" leeres Geschwafel ist. Es gibt mehr als genug Öl, und es wird immer genug Öl geben. Die einzige Frage ist: zu welchen Kosten. Denn klar, je tiefer man bohren muß, desto teurer wird es. Der gesamte arabische Raum - Saudi-Arabien, die Halbinsel, Irak, Iran - haben den unglaublichen Vorteil, daß das Öl hier knapp bis unter die Oberfläche vorgedrungen ist. 

Und immer war. Man wußte nur vor 1920 nicht, was man mit dieser schwarzen, zähen Flüssigkeit anfangen hätte können, bis der Benzinmotor erfunden und etabliert war. So lange war es eher eine Art Umweltverschmutzung, wenn es irgendwo an die Oberfläche gedrungen war. Wie in Arabien. 

England hat ja erst dann Interesse am Vorderen Orient gewonnen, als unter Churchill als Marineminister die Kriegsmarine von Kohle auf Öl umgestiegen ist. Das Problem? Die Kosten! Sie sind es, die die Kriege motiviert haben, die England seit hundert Jahren geführt hat und die geostrategisch nur diesen Rohstoff zum Inhalt hatten. BP, Shell, Exxon - das sind die großen Player der Weltgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Und hinter diesen steckt das große Kapital und die große Politik, die vom Kapital abhängig ist. Nach wie vor. Sie haben es sehr clever damit angestellt, die Klimahysterie zu finanzieren. Denn wenn sich die völlig denkunfähig gewordenen Westler ihre blutigen Nasen geholt haben, läßt sich erst recht abkassieren. Diese Gesellschaften wissen, worum es geht. Nicht um das, was die Universitäten als Verblödungsinstitute verbreiten. Das Leben ist ziemlich, ziemlich real!

Und so hat Arabien völlig recht, in aller Ruhe die Turbulenzen abzuwarten, die sich ums Öl entwickelt haben. Die Welt wird immer Öl brauchen, und Arabien wird es immer haben. Günstiger, weit günstiger als alle übrigen Länder. Und wir vertrottelten Europäer werden darum noch betteln.

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz, der zum Wunderwuzzi hochstilisierte Spätpubertäre (dessen Erwachsenheit die Substanz eines Pubertierenden hat, die nun im Kostüm eines Erwachsenen auftritt), hat unlängst gesagt, Europa dürfe "den Anschluß" nicht verpassen. Lassen wir einmal die Implikationen dieses Wortes, gerade für einen Österreicher. Aber nehmen wir es heran. Denn nichts Dümmeres gibt es.

Europa den Anschluß verpassen? Lächerlich. Europa ist zum Idiotenzirkus verkommen, und zwar schon längst. Anschluß? Seien wir froh, wenn wir in ein paar Jahren überhaupt noch ein bisserl Futter von woanders bekommen, und unsere Kinder nicht zum Grasen auf Schafweiden geschickt werden müssen. Denn unsere Substanz haben wir bereits verspielt. Das ist bereits geschehen, man sieht es nur nicht gleich. Wir sind für kluge Nationen bestenfalls noch Faktor in der Berechnung von Konsumquadrationen. Mit Spielgeld versorgt, damit wir die Wirtschaft anderer betreiben. Den eigentlichen Preis, den der Versklavung, haben wir längst bezahlt.




*280119*

Montag, 10. September 2018

Ein rasch verglühter Stern

Sie wurde später die Marilyn Monroe des arabischen Raumes genannt, immerhin hatte sie sogar deren Schönheitsfleck am Kinn. Sie war als Asmahan Teil der damals schillernden, wilden, schrankenlosen Jerusalemer Gesellschaft der 1930er/1940er Jahre. Aus Ägypten als kleines Mädchen mit ihren Eltern nach Syrien geflüchtet, hatte sie ihren Durchbruch 1933, als 14jähriges Mädchen, schon mit ihrer ersten Schallplattenaufnahme. Als Sängerin und Schauspielerin berühmt, war sie noch mehr bekannt für ihr ausschweifendes Leben, in dem sie sowohl den Männern - als auch deren Frauen - den Kopf verdrehte. 

Weil sie so schön, dabei intelligent, charmant, eloquent war, fließend mehrere Fremdsprachen sprach, und so unwiderstehlich im Umgang mit Männern war, jeden um den Finger wickeln konnte, nahmen sie sämtliche Geheimdienste als Agentin unter Vertrag. In den damals französischen Protektoraten Syrien und Libanon ebenso wie im britischen Protektorat Palästina.

Sie spielte beide Länder elegant gegeneinander aus. Auch die Araber mit ihren Verbündeten, den Deutschen, meinten zu Zeiten, sie auf ihrer Seite zu haben. Es stimmte ebenso wenig. Die Briten hatten sie zuerst, im Mai 1941, in ihre Dienste genommen. Sie sollte die Vertreter der französischen Vichy-Regierung in Damaskus zum Seitenwechsel überreden. Als sie aber mitbekam, daß die Briten ihr Versprechen eines unabhängigen arabischen Staates nicht halten wollten, stahl sie einem ihrer Liebhaber geheime Papiere und verkaufte sie am nächsten Tag an die Deutschen in Istanbul. An der Grenze zur Türkei wollte sie ein türkischer Grenzsoldat verhaften, sie biß ihn und entwischte. Als schließlich die Franzosen sie in Damaskus nicht mehr länger bezahlen wollten, übersiedelte sie nach Jerusalem.

Bald ging in Jerusalem die Mär um, daß wer bei ihr die Nacht verbrachte, ein bewegtes Abenteuer vor sich habe. Weil unter sowie auf dem Bett ein englischer General lägen, im Schrank ein französischer Diplomat wartete, während am Lampenschirm ein arabischer Scheich baumelte. 

Ihre Exzentrizität war Legende. Für ihre Zeit war sie durch ihre freizügige, selbstbestimmte Lebensweise mehr als ungewöhnlich, eher einer Frau des 21. Jahrhunderts vergleichbar. Dabei hatte sie unter ihren Kritikern nur Bewunderer. Offiziell nannten die englischen Damen der feinen Jerusalemer Gesellschaft sie natürlich "Prinzessin Schund". Inoffiziell hieß es, daß man nun endlich in Jerusalem schicke Pelzmäntel aus Wien zu kaufen bekäme. Unbestritten aber war sie allen eine der schönsten oder die schönste Frau, die man je gesehen hatte, wenn auch eine der verruchtesten, die ständig Geld brauchte.

Die Nächte im Jerusalemer In-Treff, dem King David-Hotel, brachte sie, obwohl immer noch blutjung, regelmäßig bei Whiskey-Champagner-Cocktails durch. Ehe sie einen saudischen Prinzen, einen weiteren der britischen Offiziere (samt dessen Frau), oder einen palästinensischen Würdenträger verführte. Einmal warf sie die ägyptische Königinmutter aus der von ihr belegten besten Suite im King David, weil sie eine Affäre mit deren Kammerherren anfangen wollte.

Ein Biest, durch und durch, so könnte man sie nennen, die Jerusalems Männer (und nicht wenige Frauen) in faszinierte Bewunderer verwandelte. Als sie - als Drusin - in einem ihrer ersten Filme eine skandalös leichtgeschürzte Rolle spielte, schossen drusische Landsleute empört auf die Leinwand - und konnten sich doch nicht an ihr satt sehen. Sie war als Filmstar im gesamten arabischen Raum auf steilem Weg nach oben, alle lagen ihr zu Füßen.

Mehrfach verheiratet - und ebenso oft wieder geschieden - kam sie 1944 (gerade 24jährig!) bei einem mysteriösen Autounfall in Kairo ums Leben, bei dem ihr Wagen in den Nil stürzte und sie ertrank. Sie war gerade mitten in den Dreharbeiten zu dem Film "Love and Vengeance", in dem sie ihre bislang wichtigste Hauptrolle spielte. Die Gerüchte um einen bezahlten Mord verstummten nie, überall gab es Motive. Abwechselnd wurden der britische MI6, die deutsche Gestapo, der von ihr zurückgewiesene, seither auf Rache sinnende König von Ägypten, Farouk, oder die damals berühmteste ägyptische Sängerin Om Kalsoum, der unterstellt wurde, daß sie die Konkurrenz ausschalten wollte, als Auftraggeber gehandelt.

Dieses Lied galt damals als ihr größter Hit und wird angeblich noch heute im arabischen Raum gespielt: 

Asmahan

"Verzauberte Nächte in Wien"







*180818*

Samstag, 14. Juli 2018

Mal in die Karten der Wirklichkeit schauen

Tja, sie wäre ein gescheitel, ja fast geistvolle und von Lebenserfahrung genährte Frau, die derzeitige Außenministerin von Österreich, Karin Kneissl. Ihre Analyse des arabischen Raumes, des vorderen Orients also, ist ziemlich hörens- und sehenswert. Beides ist ja nicht zu trennen.

So manche sehr erhellende, gerade aus ihrer Eigen- - gar nicht so sehr Kontraposition - erhellende Aussagen. Sanktionen wie gegen den Iran, sagt Kneissl so nebenbei, haben diese Völker immer nur stärker gemacht. Der Vordere Orient war aber seit je ein Konfliktraum zwischen Arabien und den Persern.

Europa, so die österreichische Außenministerin, ist auf beiden Augen blind. Hat von den wirklichen Zusammenhängen keine Ahnung. Nur China hat ein erkennbares Konzept. Europa weiß zwar im Grunde alles, aber es verweigert sich der Wirklichkeit. Und die USA sind den Wirklichkeiten in diesem Raum nicht gewachsen. Die Empörungs-Emphase des Westens ist schlicht und ergreifend infantil.









*130618*

Samstag, 23. Juni 2018

Ein liebenswerter Orient

Es ist bereichernd, diesem Mann zuzuhören - der Vorsitzende der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Michael Lüders deshalb noch einmal. Diesmal in einem langen Gespräch über den Orient, in dem er einen liebevollen Zugang zu einer Region eröffnet, der über das Gerede von "Naher Osten" und seiner politischen Probleme leicht vergessen läßt, daß wir es hier mit Menschen zu tun haben. Die viel zu verlieren hätten, würden sie einfach verwestlicht.

Es ist tatsächlich begeisternd, die Rolle der Poesie auch im alltäglichen Leben des Orients zu betrachten. Die alte romantische Sehnsucht des 19. Jahrhunderts nach dieser Lebensweise wird verstehbar. Lüders offenbart die Weichteile dieser Kulturen und Völker, und zeigt sie in ihrer Liebenswürdigkeit. In einer Lebensweise und Weltauffassung, die europäischen, westlichen Kriterien nicht immer entsprechen mag, die uns aber in vielem gewiß bereichern kann. Zumal sich unter allen politischen Hartbildern einfach das Menschsein zeigt, das im Alltag durchaus noch dominiert. Samt verblüffenden Schilderungen.

Wußte der Leser etwa, daß Lüders den Iran als das am meisten säkularisierte islamische Land der Welt einschätzt? Daß es dort - anders als sonst überall - nicht einmal den Ruf des Muezzin hört? Daß die Jugend des Iran mit Religion herzlich wenig zu tun haben will? Aber das ist doch die "Islamische Republik per excellence"? Naja ... vor allem ist es wohl ein Land von Menschen. Wir kämpfen halt oft viele Schattenkämpfe, nämlich Kämpfe mit Rahmenbedingungen, nicht mit den Menschen. Wieviel Scheintheater unter alle dem, was uns tagtäglich als angebliches Problem vor Augen getanzt wird. Wie selten merken wir die Heuchelei, die uns täglich wie ein Fluidum umhüllt. Wir sollten nicht so leicht vergessen, daß man WAHRHEIT nur sieht, wenn man das zu Sehende LIEBT. Und das heißt durchaus: Wenn man seinen EROS wahrnimmt.

Es ist hingegen lächerlich und banal, wenn der Westen als großer "Vertreter von Werten" auftritt. Wo doch jeder sofort merkt - auch die Araber - daß es in der Außenpolitik nur um Interessen geht. Auch, ja gerade für den Westen, der sich doch pausenlos als Heuchler entlarvt. "Wir reden von westlichen Werten - und meinen westliche Interessen!" Damit verlieren wir doch nur Glaubwürdigkeit.

Wunderbar also, was Lüders über so manche Begegnung mit arabischen Menschen erzählt. Da wollen wir das eine oder andere seiner Aussagen, über das man bei scharfem Messer stolpern würde, nicht so kritisch balbieren, ausnahmsweise. Der Leser bereite sich also einen Kaffee, oder richte sich ein Gläschen Wein, setze sich bequem, und höre einfach zu. Nach allem "Kritischen", in dem wir uns meist bewegen, tut einfach gut, von den Menschen des Orient so lebensvoll erzählt zu hören. Es ist der notwendige Hintergrund, wenn wir über diese Welt reden. Zu sehen, daß wir alle Menschen sind, so gleich im Grunde, überall auf der Welt, und gleich liebenswert, und gleich lebensdurstig. Kein System kann so straff sein, daß es nicht Wege gäbe, auf denen sich das pure Leben seine Bahn bräche. Ist es nicht das, was wir alle in Wahrheit suchen? Was das Leben so unfaßbar lebenswert, ja zu einem einzigen Glücksrausch macht?

Dieses Wunderbare zu sehen fehlt uns ja gemeiniglich. Aber nicht, weil es nicht da wäre, sondern weil wir es nicht mehr sehen wollen, weil wir vom Wesentlichen so schrecklich abgelenkt sind. Wie anders aber wäre unser Leben, wie erfüllend, wenn wir seine wirkliche Wirklichkeit wieder sähen. In der die Welt zu dem wird, was sie in Wirklichkeit ist: Zum Wunder, zum einzigartigen Wunder.









*290518*

Dienstag, 19. Juni 2018

Ein nüchterner Gesamtbefund (2)

Teil 2) Die ausgebauten Anmerkungen,
und weitere nüchterne Befunde




*Der VdZ hat ja, wie hier schon früher dargestellt, sowieso den Eindruck, daß die Entstehung des Islam in erster Linie in solchen Fragen wurzelt. In einer Zeit des Umbruchs, in der durch den Rückzug von Byzanz aus diesem Raum ein Machtvakuum entstand, in dem sich in zahlreichen Kriegen Streitparteien nach und nach durchsetzten, und in einer Art synkretistischer, alle Strömungen weitgehend zusammenfassender Religion (als die sich der Islam in den Augen des VdZ am allerbesten begreifen läßt) ein für alle tangierten Völker konsensuales Argument für ihre Legitimation gesucht haben. Die sich nach und nach vom 6.- bis zum 10., endgültig dann im 12./13. Jahrhundert (als auch die Häresien des Westens - Spanien - beseitigt wurden) zu einer kompakten "einheitlichen" Religion entwickelte. Mit dem bislang letzten Formierungsschub gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Der Islam entstand also ursprünglich aus Realpolitik, und er hat diesen Impuls nie abgelegt. Das erst macht ihn auch heute verständlich, und es zeigt im Streit um den "wahren Islam" den Bruch - wie er übrigens in jeder Religion besteht - zwischen Doktrine und einem dogmatisch oft kaum faßbaren, zumindest viel weniger stringenten, sehr erlebens- und gefühlszentrierten Glauben des einfachen Volkes.

Wenn man heute von einer breiten Radikalisierung des Islam sprechen kann, dann hat das also dieselben Wurzeln wie im 5./6. Jahrhundert! Denn der Westen hat in den letzten Jahrzehnten massiv daran gearbeitet, die islamischen/arabischen Staaten zu destabilisieren. Sie fielen oft genug in Chaos und Anarchie, und das heißt: in ein Machtvakuum, in dem neue Kräfte auftreten, die versuchen, Ordnung zu etablieren. Speziell seit Anfang der 2000er Jahre, in Zusammenhang mit dem "Krieg gegen den Terror", hat sich genau deshalb die Zahl der gewaltbereiten, radikalen Islamisten VERVIELFACHT, und die Sympathisanten gehen mittlerweile in die zig-Millionen.

***

Also hat sich auch in Syrien nur diese verarmte - sunnitische! - verarmte Schicht der Zivilisationsverlierer (vor allem die Landbevölkerung) 2011 in Protesten geäußert. Aber es wäre zum einen ein Fehler, dies als "zivilgesellschaftliche Bewegung" zu sehen. Und zum anderen, weil die später aufgetretenen Dschihadisten sich wiederum NICHT aus den armen Bevölkerungen rekrutiert haben, sondern im Grunde aus dem Ausland einsickerten, und von dort finanziert wurden. Revolutionen werden eben NIE von den unteren Schichten getragen und durchgeführt, das sind soziale Romantizismen. Der Grund dafür war das Kalkül des Westens, durch die Stärkung der (von Amerika über Arabien und die Türkei scheinbarer leichter beherrschbaren) Sunniten den Einfluß des schiitischen Iran zu stoppen.

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Das führt zu einem weiteren Vortrag von Michael Lüders. Der in einem beeindruckend dichten Überblick sehr viele Aspekte bringt, die die Vorgänge im arabischen Raum ausgezeichnet erhellen. Sein Fazit: Der Syrien-Konflikt wird uns noch lange erhalten bleiben. Während Europa die Scherben der amerikanischen Politik aufkehren wird.








*290518*

Montag, 18. Juni 2018

Ein nüchterner Gesamtbefund (1)

Der Vortrag, den Dr. Michael Lüders (Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft) da hält, ist ein wenig mühsam, aber er ist die Mühe wert. Denn ganz unemotional und klammheimlich kommen viele scharfsichtige, brisante Argumente zu Ohren. Schon Anfang der 2000er Jahre wurden die Pläne der USA entwickelt, Syrien zu destabilisieren, wobei die Hauptstoßrichtung der Iran und sein Gewicht in dieser Region war. Hauptansatzpunkt dabei war, die religiösen Spannungen zu erhöhen. Deshalb war es ein Teil dieser Strategie, im Osten Syriens einen Islamischen Staat zu schaffen, der Assad schwächen sollte. 

Es gehört zu den Meisterstücken amerikanischer PR, daß diese Zusammenhänge in der westlichen Welt so gut wie unbekannt geblieben, ja über das Scheinargument "Kampf gegen den Terror" ins Gegenteil gewendet worden sind. Mindestens seit 2011 wurden diese "Terroristen" von den Amerikanern mit Waffen beliefert, um den Konflikt zum Ausbruch zu bringen. Es ist eindeutig zu sagen, daß es eine Lüge westlicher Medien war und ist, zu behaupten, daß die Mehrheit der syrischen Gesellschaft gegen ihren Präsidenten war. Der Kern der Syrer war und ist regimetreu, trotz allem. Denn die Folge eines Umbruchs wäre zweifellos, daß die radikalen Strömungen der Sunniten Syriens an die Macht kämen. Und das will die Mehrheit der Syrer nicht, damit würden sie vom Regen in die Traufe kommen.

Zu diesem Thema noch ein weiterer Hinweis auf einen längeren Vortrag von Daniele Ganser, in dem dieser zeigt, daß der Iran seit vielen Jahrzehnten die USA als konkreten Feind auffassen muß. Der Iran ist nicht nur umgeben von Atommächten, die sämtlich auf der Seite der Amerikaner stehen, sondern er hat seit über einem halben Jahrhundert mit direkten Interventionen der USA zu tun, die versucht haben und versuchen, das Land für ihre Interessen zu instrumentalisieren. Wie immer man Atomwaffen beurteilen mag - prinzipiell wäre es dem Iran als notwendigen Verteidigungsakt nicht zu verübeln, darüber nachzudenken, eigene Atombomben zu entwickeln.

Zumal man davon ausgehen kann, daß die Besiegung des IS noch nicht das Ende der Geschichte ist. Der gesamte Vordere Orient, ja der gesamte islamisch-arabische Raum hat es im Grunde mit perspektivlosen, in der Moderne entwurzelten, ja von diesen bedrohten Massen zu tun. Das ist der eigentliche Nährboden für radikale Bewegungen.

Lüders legt nämlich dar, daß die gesellschaftlichen Strukturen des gesamten arabischen Raumes von einer Natur sind, die nicht einfach nach westlich-demokratischem Verständnis beurteilt werden kann. Letztendlich geht es dort immer um Stammes- und Familienstrukturen. Deshalb ist auch der "Arabische Frühling" gescheitert. Die Basis für eine Moderne ist viel zu schwach. Diesen Feudalstrukturen ist die Moderne sogar feind. Die westlichen bürgerlichen Schichten, die den Westen heute tragen, existieren dort nicht. Noch dazu in solchen "unnatürlichen", willkürlich geschaffenen Staaten, die nach dem Ersten Weltkrieg von den Westmächten mit dem Lineal gezogen wurden - ein Staat kann also den arabischen Völkern gar keine Identität geben. Das zementiert die feudale Grundverfaßtheit, die sich an den gewachsenen Strukturen (Familie, Stamm) und im Staat an dem orientiert, der gerade eben die Macht inne hat.

Umgekehrt sind die sehr schmalen sehr reichen Eliten dem Westen (oder vielleicht müßte man sagen: seinen Nutz-Effekten) gegenüber zwar offen, in ihren Gesellschaften, aber in der Regel in ihren Völkern nicht legitimiert, sondern durch Gewalt an die Macht gekommen. Der Großteil der arabischen Gesellschaften lebt sogar in prekären Verhältnissen, in mehr oder weniger großer Armut. In Gesellschaften, die tief korrumpiert sind. Sie sehen sehr klar, daß die Eliten versagen, und müssen deshalb mit Einschränkungen der Freiheit kleingehalten werden.

An anderer Stelle führt Lüders aus, daß auch die Sichtweise, daß die Konflikte in der arabischen Welt religiöser Natur seien, nicht zutrifft. Vielmehr wird Religion als Vorwand für ganz andere Interessen im Streit um die Macht benutzt.* 

Zur Türkei meint Lüders, daß sie ab 2016 mit gutem Grund die Seiten gewechselt hat. Als sie begriff, daß Assad nicht zu stürzen ist, hat sie sich auf ihre eigenen Probleme mit den Kurden konzentriert. Ohne Assad ist es aber nicht möglich, die Kurden an der Bildung eines Staates zu hindern. Der dann die Türkei selbst destabilisieren würde.







Morgen Teil 2) Die ausgebauten Anmerkungen,
und weitere nüchterne Befunde




*290518*

Dienstag, 26. Dezember 2017

Erstmals wurden sie demaskiert

Es paßt durchaus zu Weihnachten, denn es geht um das Ende eines Krieges. Dieses Ende ist aber mehr, meint E. Michael Jones in diesem Interview in einem amerikanischen Sender. Es ist das Ende einer Art der Kriegsführung, die seit 50 Jahren die Welt destabilisiert und geängstigt hat. Die immer mit derselben Methodik vorging. Erst wurde in der Weltöffentlichkeit ein Bild erzeugt, daß eine Bevölkerung unzufrieden mit der Regierung sei, aber kein Mittel habe, sie auszuwechseln.

Dann kamen Nachrichten, daß diese Regierung (meist in der Gestalt eines Diktators, denn der Mensch braucht immer Menschen, sonst kann er nichts verstehen) das Volk mit brutaler Gewalt unterdrückt. Dann kamen immer mehr "Widerstandskämpfer", die von ausländischen Mächten (meist den USA) ausgebildet, ausgerüstet und ins Land gebracht, aber ganz oder teilweise als "innere Opposition" dargestellt wurden. Diese initiierten inneren Konflikte, die bis dahin irgendwie zwar bestanden, aber recht gut im Griff waren, nun aber zur Eskalation getrieben wurden. Vor allem Konflikte religiöser, aber auch ethnischer Art eignen sich bestens dafür. So entstand ein "Bürgerkrieg", in dem diese Kämpfer das Land mit Zerstörung überzogen, bis die Regierung die Kontrolle verloren hatte und gestürzt wurde. Sofort wurde eine neue Regierung installiert, die vor allem eines war: willfährig und beherrschbar.

Zurück blieben lauter "failed states", zombieartige Staatsgebilde, in denen jede organische Struktur zerschlagen war, in der die Bevölkerung sich auf kleinere Einheiten (Stamm, Klan, Familie) zurückzog, sich für das große Ganze (bis auf Ausnahmen) nicht mehr interessierte weil ums Überleben kämpfte, und die deshalb mit neu eingesetzten künstlichen Staatsregimen leicht zu "regieren" waren. Deren Interessen sich schon darin erfüllten, gewisse Partialinteressen (wie die Schiiten im Irak) zu verfolgen, sich also für Weiteres kaum interessierten, oder überhaupt (wie häufig in Afrika) Großindustrien (meist Öl, Rohstoffen, Ressourcen aller Art, auch die Ausbeutung menschlicher Arbeit ist darunter, wie sich in zahlreichen Beispielen belegen läßt) zu steuern oder direkt zu besitzen. Die zufällig unter starkem ausländischem Einfluß standen. 

Mit der Niederlage der Daesh (IS) aber stieß diese Methode, einen mißliebigen, nicht gefügigen Staat aus dem Weg zu räumen, erstmals an eine Grenze, ihre furchtbare Dynamik wurde erstmals durchbrochen. Und das ist dem energischen Handeln von Rußland und dem Iran zu verdanken, das die Lage im Vorderen Orient wendete. Selbst die Türkei, die mittlerweile sogar über einen NATO-Austritt nachzudenken scheint (nachdem es lange die IS unterstützte und selbst meinte, ein Süppchen aus einem zerfallenen Syrien kochen zu können) wurde durch Rußland "umgedreht", ein seltener Fall, der wohl den Besonderheiten Erdogans zuzuschreiben ist. 

Mit einem weiteren Beispiel (aus so vielen), wie die in sich widersprüchliche, inkonsistente Außenpolitik der USA völlig andere Ergebnisse zeitigt, als geplant waren - und das ist der Irak, so wenig man den wirklich einzuschätzen vermag. Denn dort hatten die USA nach dem 2. Krieg ein schiitisches Minderheitenregime installiert. Aber man hat diesen Umstand unterschätzt. Nun steht zu vermuten, daß die Türkei im Irak sogar einen Verbündeten in der Frage eines kurdischen Staates gefunden hat. Denn würde ein solcher im Norden des Irak gegründet (und um das zu verhindern, braucht die Türkei den schiitischen Irak), hätte das ganz sicher dramatische Folgen auf die Kurdenproblematik.

Die alle effektiv und konkret der syrischen Regierung beistanden oder auch nur in ihre Richtung wirkten und sie soweit stärkten, daß sie nicht gestürzt wurde, sondern den "Bürgerkrieg" gegen den IS gewann. Damit wurde bewiesen, daß diese Art der Kriegsführung tatsächlich zu überwinden ist. Syrien liefert das Exempel dafür, daß diese Art, unliebsame Staaten zu beseitigen, nicht nur nicht zum Erfolg führen muß, sondern in einem Desaster enden kann.

Im Falle Syriens waren neben den USA (die vermutlich zu guten Teilen zumindest das schmutzige Handwerk für andere erledigten, wie so oft übrigens) auch Israel und vor allem Saudi-Arabien an diesem Versuch Syrien zu zertrümmern, beteiligt. Wobei man darüber spekulieren kann, wieweit eine Änderung des Verhaltens der USA durch Donald Trump erst die Weichen gestellt haben könnte. 

Und diese Mächte haben sofort reagiert. Und sich in seltsamster, aber pragmatischer Allianz (Saudi-Arabien und Israel) erst auf den Jemen, und nun auf den Libanon konzentriert, denn dort bieten die Houthi und die Hisbollah immer noch die schiitische (und jemenitische bzw. palästinensische) Stirn.

Schlüssel war, so E. Michael Jones, daß man erstmals in der langen Geschichte der verdeckten Kriegsführung den Gegner benennen konnte. Denn wie soll man einen Gegner bekämpfen, den man nicht kennt? Das zu verschleiern war ja bislang der entscheidende Moment dieses Konzepts. Hier aber erkannte man sie: die Vereinigten Staaten, die Saudis, Israel, Katar. Was in Syrien noch scheinbar phantastisch funktionierte, hat erstmals versagt. Und die Strategie ist nun bekannt, man kennt die Handschrift, man kennt die Verursacher, wird sie auch zukünftig erkennen und weiß, wie man dagegen vorgehen muß. Wer ist dieser "man"? Rußland, Iran, das waren sie in diesem Fall. 

Dieser Plan ist in Syrien nun erstmals nicht aufgegangen, Rußland, das das eindeutig bessere, wohl einfach "natürlichere" Konzept hatte, hat gemeinsam mit dem Iran (der eher regional beschränkte Interessen hat) gezeigt, daß man ihn zu zerstören vermag. Die USA wird sich zukünftig etwas anders überlegen müssen, der Plan ist durchschaut, man riß ihnen die Maske herunter. Wenigstens in Syrien kann wieder Frieden einkehren.

Es ist immer und ausschließlich die Wahrheit, die befreit. Und nur diese Freiheit kann Einheit und Frieden bringen.










*241117*

Dienstag, 5. Dezember 2017

Nun bewiesen: Israel und Saudi-Arabien machen gemeinsame Sache

Es offenbart nichts, das nicht ohnehin durch Rückschlüsse längst erkennbar war. Die Offenheit freilich, mit der es sich bestätigt, schockiert doch einigermaßen. Denn ein Korrespondent des israelischen Senders Channel 10 News, Barak Ravid, hat ein Dokument veröffentlicht aus dem klar und deutlich hervorgeht, daß Israel mit Saudi-Arabien gemeinsame Sache gemacht hat und macht, um die Situation im Nahen Osten zu eskalieren, einerseits, und ihre Politik zu koordinieren, anderseits.

Das israelische Außenamt hat außerdem seine Botschafter angewiesen, die saudi-arabische Politik gegen die (schiitischen, also: im weitesten Sinne schiitischen) Houthies des Jemen nicht zu konterkarieren, sondern zu unterstützen. (Wie wir sogar von der UNO gehört haben, steht der Jemen vor der vielleicht größten humanitären Katastrophe der letzten Jahrhunderte, dem Hungertod von bis zu 5 Millionen Jemeniten durch die saudische Seeblockade.) Ansonsten haben beide Länder ein Interesse daran, daß die gesamte Staatenlandschaft im Vorderen Orient destabilisiert, nein, ausgeschaltet wird. 

Die Araber, weil ihnen hier über Iran - Irak - Libanon (und Jemen) ein schiitischer Konkurrent entgegenwuchs, den sie als gefährlich, zumindest als hassens- und bekämpfenswert sehen. Die Israelis, weil dieser "schiitische Halbmond", der sich da über Syrien zu bilden begann, die strategische Herrschaft über den Nahen Osten bzw. ihre Feinde gefährden würde. Sie alle haben Interesse daran gehabt, Syrien zu destabilisieren, die Hisbollah zu bekämpfen, den direkten oder indirekten Einfluß des Iran in dieser Region (der übrigens historisch ganz tiefe Wurzeln hat) damit zurückzudrängen. Unter anderem haben sie auf den Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten eingewirkt.

Das Zurückdrängen des "Shia crescent", des Shia-Halbbogens, eint aber beider Länder Interessen. Also haben Israel und Saudi-Arabien ihre Außenpolitik (sprich: militärische wie geheimdienstliche Aktivität) explizit koordiniert. Die Beweise liegen nun vor.

Mutig gemacht, macht auch Saudi-Arabien den Iran nun schon direkt für militärische Aktivitäten der Houthies im Jemen verantwortlich. Als diese unlängst eine Rakete auf eine saudische Siedlung schossen, beschuldigte Arabien den Iran direkt, dafür verantwortlich zu sein. Arabien sehe diese Aktion der Houthies als kriegerischen Akt des Iran. Da schimmern also schon weitere Absichten durch. Mit einer Beherrschung des Vorderen Orients wird es nämlich nicht genug sein. Denn Konflikte haben mit (Einfluß-, Interessens-) Grenzen zu tun. Schiebt man diese nach außen, brechen ganz neue Konflikte auf.
Die Klammer um diese Schritte bilden wohl die USA. Denen es ja, wie wir wissen, immer nur um Menschenrechte geht. Israel und Saudi-Arabien aber geht es ohne dieses heuchlerische Tamtam um die Aufteilung des Nahen Ostens in zwei Herrschafts- und Einflußzonen, wo keiner dem anderen mehr in die Quere kommt, beide Länder aber einander (sic!) im Bestand, und alle übrigen Völker des Nahen Ostens unter ihrer Knute halten. Und wer weiß, ob Euphrat und Sinai dafür die Grenzen sind.

Nachtrag: Mittlerweile hat Benjamin Netanjahu offiziell diese Allianzen bestätigt.




*131117*

Montag, 20. November 2017

Utopia entsteht. Nicht zum ersten mal.

Der junge Scheich - Wer ein iPhone hat ist kultiviert!
Zugleich mit der Ankündigung des Kronprinzen und nächsten Oberhaupts von Saudi-Arabien, der angeblich sogar schon heimlich Israel besucht hat, also (vermutlich in Oxford/England erzogen) auf völlig neue Karten setzt, werde sich einem aufgeschlossenen, offenen, toleranten Islam (wieder) zuwenden, laufen die Vorbereitungen für eines der größten und aberwitzigsten Projekte der Menschheit. 

Mitten im Wüstensand, am Roten Meer, in einer klimatischen Zone, die durch eine sanfte Brise vom Roten Meer her ständig wohl temperiert ist, nie ohne Sonne bleibt, aber nie zu heiß wird, wird derzeit die Stadt NEOM geplant und zu bauen begonnen. 

Mit einer ersten Fertigstellungsankündigung für 2025 sollen auf einer projektierten Fläche von letztendlichen und unglaublichen 25.000 Quadratkilometern (ein Drittel von Österreich, fast so groß wie die Stadt ThschianSchou in China mit ihren mittlerweile 105 Millionen Einwohnern im Stadtgroßbezirk) über drei Länder gespannt (Jordanien - Arabien - Ägypten) die Lebensbedingungen für eine wahre "Stadt der Träume" geschaffen werden. Ökologisch, humanistisch, klimaneutral, aufgeklärt, mobil, voller Entertainment, voller Business, voller kreativer Menschen, voller innovativer Unternehmen, einfach ... perfekt. Das neue Utopia, mit geschätzten 500 Milliarden Doller Investitionsaufwand.

Für so einen Scheich gewiß ein Klacks. Allein in London hat Saudi-Arabien angeblich das Doppelte bis (je nach Schätzung) Vierfache investiert, über die Konten in der Schweiz wird ohnehin hartnäckig geschwiegen. (Zum Vergleich: China hat in den USA ca. 2 Billionen Dollar investiert.)

Die ersten Sandbagger fahren jedenfalls schon! Und schon hat ein russischer Zukunftsfonds (ähnlich wie der in Norwegen angelegt, der ebenfalls Billionen aus dem Nordseeöl verwaltet) viele Milliarden Dollar erster Investitionen angekündigt.

Der Leser möge sich selbst ein Bild (und eigene Gedanken) machen. Das Video auf der verlinkten, beeindruckend gut gemachten Webseite der neuen Gigantenstadt ist jedenfalls aufschlußreich und sehenswert.





*271017*

Dienstag, 7. November 2017

Seltsame Allianzen - Was nun in Syrien?

Die Medien hierzulande schreiben kaum noch etwas darüber, der VdZ hat die wenigen Meldungen hier und da und dort aber weiter verfolgt. 

Und es mehren sich die Tatsachen und Anzeichen, daß es mit der IS in der Levante zumindest militärisch vorbei ist. Konsequent und hartnäckig haben die letztlich ordnenden Mächte - syrische Armee, Rußland, Iran, Hisbollah, und nicht zuletzt (!) die Kurden im Nordosten - das Ende des Spuks eingeleitet. Entsprechend berichtet Frontex auch, daß unter den sogenannten "Flüchtlingen" auf den noch offenen Routen (Mittelmeer) so gut wie keine Syrer (mehr) sind. Eine Route, die sich eiderdautz auch so gut wie geschlossen hat, seit die lybische Küstenwache tut, was sie immer tun habe wollen, aber erst jetzt darf, weil es erwartet wird.* (Sebastian Kurz wird sich also auch sputen müssen, sonst klauen ihm noch andere die Kerzen von der Torte.)

Den Menschen in Syrien steht nun freilich ein langer, harter Weg bevor, ihr Land wieder instandzusetzen. Wie es in Europa im 20. Jhd. eben auch war. Es gibt sogar schon Berichte, daß die syrische Bevölkerung wieder in ihre Orte zurückkehrt, sofern sie geflüchtet war. Ebenso mehren sich die Berichte, daß die IS-Kämpfer nun neue Aufgabenbereiche suchen. Etwa 1.500 IS-Kämpfer sollen vor dem Absprung nach Europa stehen. (Manche Medien nennen es "Rückkehr", aber als was "kehren" sie zurück?) 

Aber schon beginnen neue Ansätze einzuwirken, so leicht geben die Amerikaner nicht auf, wenn auch alles schon ein wenig kraftlos wirkt. Sie fordern nun eine Zukunftskonferenz, in der sie bei ihrer alten Forderung bleiben: Präsident Assad muß zurücktreten, heißt es da. Er sei nämlich ein Hindernis der inneren Befriedung. 

Hindernis? Dabei hat er doch gegen härteste Angriffe offenbar Ruhe geschaffen? Nein, es empfehlen sich nun andere strategische Vorgehensweisen, um die alten Ziele zu bewahren, zu retten was nach dem jämmerlichen Auftritt eines angeblichen Anti-Terror-Krieges (der hier fütterte, was er dort zu bekämpfen vorgab) noch zu retten ist. 

Israel will dabei verhindern, daß sich von Persien bis zum Libanon ein schiitischer Bogen zieht, der ihm den Iran als Leitmacht der Schiiten vor die Haustüre setzt. Und es sieht sich dabei erneut in dieser seltsamen Allianz mit den Sunniten der Türkei und den Arabern. Der Iran aber ist der Hauptgegner gegen eine strategische Beherrschung der Levante durch Israel.

Wobei auch die Türkei ihre alten Ziele wieder aufzuwärmen beginnt. Der mittlerweile sogar nachgewiesen werden konnte, daß die IS von dort aus nach Syrien "eingesickert" ist und Nachschub erhielt. Aber das ist ein altes, anderes Kapitel, wir haben darüber genug geschrieben.

Was der Türkei aber nicht in den Kram paßt ist, daß die Kurden einen so wichtigen Beitrag zum Sieg über die IS geleistet haben. Die ja ein Dauerproblem für Istambul ist, das erneut verkündet hat, daß es alles tun wird, um die Bildung eines kurdischen Staates zu verhindern. Was auch klar ist: Ein kurdischer Staat oder staatsähnliche Autonomiegebiete in Syrien oder von dort ausgehend würde sich die Kurdenfrage der Türkei ganz neu zur Aufgabe stellen weil stellen müssen. Also ist der neue Feind klar: Die Kurden in Nordost-Syrien. Der nun in die Zange genommen werden soll.

Denn hier kann sich die Türkei eines neuen Verbündeten gewiß sein - des heute US-gesteuerten Irak. (Der selbst in schwersten inneren Widersprüchen steckt, denn es waren die USA, die dort die Schiiten stark gemacht, die Bevölkerungsmehrheit der Sunniten aber marginalisiert haben.) Der Irak, der vor wenigen Tagen verkündet hat, daß verschiedene militärische Operationen der Kurden eine offene Kriegshandlung gegen den Irak seien. Sodaß man überlegen müsse, ob nicht eine Kriegserklärung statthaft sei. Oder ist das der verdeckte schiitische Versuch, den Levante-Bogen zum Iran zu schließen?**

Gleichzeitig verschärft die USA ihren Ton dem Iran gegenüber. Beobachter meinen, daß es sich dabei nur um einen verzweifelten Versuch handelt, der extrem verworrenen weil inkonsistenten Außenpolitik der USA doch noch den Mantel der Konsistenz umzuhängen, um einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit zu wahren. 

Und das Netanjahu-Israel sieht keinen Grund zur Zurückhaltung offen zu sagen, daß es sich jedes Recht sieht, mit ihrer Luftwaffe allfällige kriegs- oder strategisch wichtige Ziele in Syrien anzugreifen.

Aber  noch etwas anders bereitet sich vor, der die USA vor weitere, ganz entscheidende Probleme stellen könnte: Zwischen Rußland, China und Arabien bereitet sich - auch das eine Frucht der US-Politik, das so nebenbei, die wie es aussieht kein einziges außenpolitisches Ziel mehr erreichen, seit vielen Jahrzehnten, sodaß ihnen bestenfalls noch das Säbelrasseln (siehe Nordkorea) bleibt, aber das ist immer ein Mittel mit Ablaufdatum - ein Öl-Clearing (in Landeswährungen, allen voran den chinesischen Renminbi) vor, das den US-Dollar als Weltreservewährung vor unüberwindbare Schwierigkeiten (und enormen Inflationsdruck) stellen wird.

Die Lage ist scheinbar undurchsichtig, gewiß, zumindest nicht leicht zu durchschauen, auch für den VdZ. Aber das war sie auch zu Zeiten, als die Medien täglich groß aufgemachte Berichte brachten. Während sie nun schweigen. Vielleicht weil sie warten, welche Richtlinien sie nun verfolgen sollen. Denn die alten sind allen abhanden gekommen, die hat der Gegenwind zum Zeitgeist verblasen.





*Ein nicht unwesentlicher Grund dafür war der bemerkenswerte propagandistische Erfolg der "C-Star-Mission" der Identitären Bewegung. Die scheinbar kaum Zählbares bewirkt hat, aber medial ungemein präsent war - denn es gab sie doch, die investigativen Journalisten, wenn auch nicht von den Leitmedien, die haben weiterhin nur Fakenews wiedergekäut und verleumdet, das einzige, was sie noch können - zu einem Schwenk der europäischen Außenpolitik geführt, und den Politikern Feuer unterm Hintern gemacht hat. Die nun auch gehandelt haben. Weil sie Angst hatten, daß man ihnen das Thema (und damit einen leicht zu erzielenden Erfolg) stehlen könnte. Und sieh da: Die lybische Küstenwache erfüllt nun ihre Aufgabe. 

Plötzlich gibt es auch keine ertrunkenen "Flüchtlinge" mehr im Mittelmeer. Seit fünf, sechs, sieben Wochen ist offenbar niemand mehr ertrunken! Weil niemand mehr in die Schlepper-Tschenakel steigt, weil diese von der libyschen Küstenwache aufgegriffen und zurückgebracht werden. Plötzlich kommen auch kaum noch "Flüchtlinge" in Italien an. Auch darüber aber berichten unsere Leitmedien nicht.

Das Versiegen des Stroms aus Mittelafrika ist nur eine Frage der Zeit. Sobald sich nämlich herumspricht, daß es "no way" - keinen Weg - nach Europa mehr gibt. Eine Voraussetzung dafür, daß auch allfällige Hilfsmaßnahmen in den Ländern, von denen alle so vollmundig reden (der VdZ glaubt NICHT an deren Erfolg; Erfolg hätte nur die gute alte Mission) selbst greifen können. Weil den Leuten dort klar wird, daß sie SELBST etwas tun müssen und KÖNNEN, um ihr Land lebenswerter zu machen. Wie auch immer, es ist in Wahrheit auch dort ein Problem der dritten, vierten Söhne ... die KEINE Gesellschaft verarbeiten konnte und kann, die immer für ein expansives Moment (im Inneren durch Erschließung, oder nach außen) gesorgt haben und sorgen. Nicht erst seit den antiken Griechen oder den Römern.

**Die Verworrenheit der politischen Ziele islamisch dominierter Staaten hat eine lange Tradition. Sie ist die Folge einer Absage an den logos, an die Vernunft als weltbestimmendes Prinzip. Damit können sich auch keine substantiellen politischen Ziele bilden, die über die Zeiten gleichbleiben. Was bleibt ist ein "so irgendwie beherrschen wollen". Ein ontologisch unverrückbares "Warum", das wie ein Magnet jeden Kompass ausrichtet, fehlt aber dann. Das Resultat ist ein Wollknäuel an "Interessen", wo wenn man an einem Ende zieht das andere unruhig wird.



*221017*