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Mittwoch, 29. September 2021

Warum der starke Kain den schwachen Abel schlug (2)

Technik, Geld und Liebe. Kain der Eisenschmied, Kain der Hephaistos, Kain der Prometheus. - Damit sind wir bereits bei der Bedeutung von Technik. Denn Geld ist eine Technik, kein "Ding", wie es schließlich auch heute bereits (in dem Gequatsche um dessen "Erhaltung", "Mehrung oder Minderung in der Krise", "Absicherung" etc.) weil im Zeitalter der pathologisch gewordenen Verdinglichung geistiger, rationaler Gedankendinge, Begriffe, Ideen, im Allgemeingebrauch verstanden wird. 

Dabei ist Geld der Begriff für eine Dynamik der menschlichen Beziehung, die sich aus der Weltdarstellung (Darstellung, noch vor Nutzung oder Bewältigung) dem Wesen sozialer Beziehungen gemäß - die Verbindlichkeiten sind: "Schulden", "Ansprüche" - konstituiert. (Also nicht "erfunden wurde, um ...". Darin bestand höchstens in der einen oder anderen konkreten Ausgestaltung Spielraum.)

Wer solcherart aus jeder Ordnung herausgefallen ist, wer wurzellos wurde, der hat nur noch einen Ort, den er betreten kann, und das ist - die Stadt. In ihr ist es möglich, die menschlichen Beziehungen aus der Ordnung des göttlichen Ideenmosaiks, ja des ganzen in der Welt-seins in bloße Nützlichkeiten, Willkürlichkeiten, Wünsche und Funktionen aufzulösen. In der Stadt "funktioniert" alles, der Raum weicht dem Symbol. 

Dienstag, 28. September 2021

Warum der starke Kain den schwachen Abel schlug (1)

Die Problematik des Kain gehört trotz (oder wegen?) kaum verstanden. Dabei ist sie so populär! Wie gut kennen wir die Konstellation, den Neid, der das Böse evoziert, die Flucht, sogar der Kommissar paßt zu einer schönen, dicken Kriminalgeschichte, in der der Täter dann gebrandmarkt und in die böse, chaotische Welt verbannt wird. Raus aus dem väterlichen Landgut, raus aus der familiären Tradition, und gezwungen, ein neues Leben "im Hafen" - wurzellos, und unter ebensolchen Gesellen - zu führen.
Hat das nicht alles seine hinlängliche Logik? Was soll es dabei also noch weiter zu verstehen geben? Naja ... da ist zuerst einmal von Interesse, was weiter mit Kain geschieht. Er wird davongejagt und gründet eine Stadt. Warum eine Stadt? Oder ist sie nicht der Ausdruck der Unruhe des Kain?
Heinz Flügel schreibt, daß "die von Abels Blut getränkte Erde" die Erinnyen, die mit Schlangenhaar bekrönten Rachegöttinnen, die nun beginnen, den Täter in unlösbare Unruhe zu versetzen. Das ganze Leben eines Mörders wird zu einem Zustand der Gehetztheit und Flucht.

Samstag, 3. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (4)

Was aber, wenn es ganz anders ist? Oder: Von der Heimtücke der Schuld. - Bislang hat sich das alles wie von selbst geschrieben. Erklärung folgte auf Erklärung, und die Logik der Sprache zog acht Seiten Manuskript aus dem tiefen Bauch der Verarbeitungsmaschinerien. Aber ist es wirklich so? Sind Veganismiker und Vegetarier tatsächlich Vertreter der Wiedereinführung des Matriarchats? Oder sollten wir es nicht zumindest einmal versuchen, die Sache viel stärker von der Schuld her aufzuziehen. Denn das Matriarchat zu wählen ist ja identisch mit der Vermeidung von Schuld. 

Jetzt hat aber Schuld etwas Heimtückisches. Weil sie ein Widerspruch zum ontischen Gefüge dessen ist, was einerseits der Welt zugrunde liegt (also über die Idee durch die wollende Liebe Gottes "zum Weltwerden schiebt"), und anderseits den, der gegen diese Ordnung verstößt (weil allem Weltsein eine ideenhafte Ordnung zugrunde liegt, die jener Ort ist, an dem alleine sie bestehen kann), eine reale Spannung in sich verspürt. Die Abführung verlangt. Sei es, daß man sie in Alkohol und Drogen versenkt, sei es, daß man sie in Ersatzhandlungen abführt, WENN die Handlung, die diese Spannung auf natürliche Weise abführen würde, so tabuisiert und abgelehnt wird, daß sie nicht in Frage kommt.

Freitag, 2. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (3)

Zurück von der Pinkelpause, erschrickt der Vergewaltiger der Mutter vor sich selbst. Es wird ernst.Gott und Erde stehen also in einem Widerstreit, in dem Gott - natürlich ist er immer der Sieger! - die "Mutter Erde" zu vergewaltigen aufruft, als er den Ruf ausstößt: Macht Euch die Erde untertan! Was er nach dem Sündenfall im Fluch des Verstoßes aus dem Paradies noch einmal nachschärft. Als er der Frau das Schicksal zuspricht, daß sie vom Manne nicht nur beherrscht wird, sondern diese Herrschaft durch ein viel tiefer gehenderes Begehren herbeisehnen wird. 

Damit haben wir genug Material gesammelt, um die Aussage begreiflich zu machen, ja sie sogar zu unterstützen. Daß im Veganismus/Vegetarianismus** das Matriarchale als jener Lebensuntergrund wieder aufersteht, der ohne schöpferischen Eingriff auszukommen meint. Und dem Erlebnis des gottähnlichen Menschseins im Willen, der aus dem Vorhandenen "Neues" macht, der die Vorgänge der Natur düpiert und "ausnützt", eine Absage erteilt. Sodaß auch uns immer deutlicher wird, warum die bewußte Wahl von Pflanzen als Lebensmittel einen ganzen Kosmos an Weltanschauungen und Lebenshaltungen enthält.

Donnerstag, 1. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (2)

Mutter, wo hast Du das Tabu hingelegt?Unter diesem Gesichtspunkt wäre auch die biblische Erzählung der Schuld Kains durch die Tötung seines Bruders Abel neu zu durchdenken. Denn natürlich hatte dann Abel, der eine reiche Ernte eingefahren hat, durch seine Schuld nicht nur eine stringentere Notwendigkeit zum Sühn- und Dankesopfer als Kain erworben, der in einem neutralen Verhältnis zu Gott geblieben war. Sodaß sich auch der "Neid" Kains in die Kategorie jenes Neides eingliedert, den Jesus selbst in der Geschichte vom verlorenen und wiedergefundenen Sohn darstellt. 

Als nämlich der Sohn, der all sein Erbe durchgebracht hat, der durch Ungehorsam der Welt Gewalt angetan hat, und in Dreck und jener Verlorenheit geendet ist, in der jede menschliche Eigenmächtigkeit endet, weil sie sich außerhalb der Ordnung der Natur (!) stellt - was ja die eigentliche Beschreibung des Wortes "Sünde" ist, als also dieser Nichtsnutz und Verräter angesichts seines Elends bereut (und wer würde da nicht seine Tat bereuen?) zurückkehrt, wozu es allein schon eine Menge "Chuzpe", also Frechheit braucht, sondern wo der Vater ihn sogar mit einem Fest bewillkommnet, das die besten Früchte der harten Arbeit des verbliebenen treuen, rechtgläubigen weil gehorsam gebliebenen Sohnes im Opfer verbrennt.

Mittwoch, 30. Juni 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (1)

Oh, singe den Zorn, oh Göttin des Peleïden Achilleus (oder auch des Hans Zurngreiter, den Buben vom Bert), darüber, wie man sich täuschen kann. Oh, wie oft leben wir in Verhältnissen, deren wahrer Hintergrund oft im selben Verhältnis anders und sogar kontradiktisch ist, als seine Deckmäntel in Wortgebilden errichtet eine stille Gegebenheit und Selbstverständlichkeit nützen, also ins Leere stoßen. Wo dann ein wortreiches Gebilde darüber gesponnen wird, das nichts weniger als eine Lüge, als der berühmte Mündungsrauch, der verhindern soll zu sehen, woher das Geschoß wirklich kommt. Genau das läßt sich über den Vegetarismus, noch deutlicher aber über das Veganertum aussagen. 

Dessen Ideologie (und kein Veganer bestreitet, daß seine Einstellung eine solche ist) nicht nur dadurch ihre matriarchalisch, matrizentrische Gründung verrät, daß sie wie ein Heißluftballon über der Erde schwebt und kein Loch in seiner Außendecke erlaubt, weil er sonst aus dem Gleichgewicht gerät, den existenznotwendigen Auftrieb verliert und abstürzt, nein - er verrät diese Herkunft durch seine Wiederspiegelung in der Mythologie.

Sonntag, 5. November 2017

Wir tragen das Problem des Kain

Das Problem, das Europa für die Welt wurde, entstand in dem Moment, wo Europa sein eigenes Land immer vollständiger in Besitz genommen und geordnet hatte. Ab da war kein Platz mehr für die dritten, vierten und fünften Söhne. Sie zogen in die Welt, um einen Platz zu finden, und erschlugen posthoc ihre Herkunftskulturen. Das Problem der Migration ist also immer eine Kains-Problematik.

Aber auch das Problem der Städte wurde so zur Sache Kains. Denn diese Söhne gingen auch in die Städte, wie Kain es tat, rissen sie an sich, und gründeten dort eine wurzellose Gesellschaft, die kraft ihrer Technik, ihrer Skrupellosigkeit und ihrer Gelüste bald alles Land unterwarf.* Und zum einen herging, und sich unbesessenes Land ordnend aneignete  - darin kann man noch kein Unrecht erkennen - aber im Ausschwärmen in die Welt auch vielfachen Landraub beging.**

Es ist kein Zufall, daß in solch einer Stimmung neue Weltanschauungen entstanden. Erst in der Renaissance, als die Heidenreligionen nach Europa geholt wurden und sich ihre Priester formten, die dann ihre Diener suchten. Dann in der Verlagerung des Menschseins ins bewußte Denken, das hinwiederum als abstrakte, für sich stehende Mathematik verstanden werden mußte, die auch ohne reale, den Menschen umfassende Wurzeln auskommt. In den Reformationen, die Revolutionen waren, und sämtlich gegen Wurzeln agitierten. In den Philosophien aus England, dessen Söhne sich anschickten, ein Weltreich zu errichten. Und die Heidenreligionen weiter ausbauten, zu einem Weltdeutungsmythos (wie in Newton geschehen). 

Die im Wesentlichen (E. Michael Jones hat das sehr gut nachvollziehbar dargestellt) allesamt auf dem Schema des indischen ("hinduistischen") Weltgründungsmythos aufbauen: Da ist die Welt, die auf vier Elefanten liegt, die wiederum auf einer Schildkröte stehen, die wiederum auf einer (kleineren) Schildkröte steht, die wiederum auf einer (noch kleineren) Schildkröte steht, die wiederum ... Damit wurde die Welt ohne Gott, den unbewegten Beweger, den Anfang, dem sich alles Seiende verdankt, möglich. 

Auf dieser Grundlage wurde die Moral entwurzelt, und zu einer Räubermoral des Stärkeren. Der Kapitalismus entstand, und ihm im Gefolge die nächsten Rechtfertigungen - die Neutralisierung des Welt-Handelns (in Gewissenskonflikt, der ein Konflikt mit dem Land, den Wurzeln ist) durch den Protestantismus, daraus der Hegelianismus (der alles in den Mythos bindet "alles wird gut", auch jede Entgleisung, und damit den anderen Teil der Gewissensentlastung bildete), und parallel der Darwinismus, in dem sich die Welt endgültig sich selbst verdankt.

In der Abschaffung des Kultes des Abel gründen also Wurzellosigkeit, Unrast und Unmoral. In der Abschaffung des Kultes des Abel gründen die Abschaffung der Natur, als alles bindende Seinsordnung, wie wir sie heute erleben. Kain ist immer Revolutionär.***

Bis wir dort stehen, wo wir heute stehen: Im Atheismus, in der Irrationalität, auf einer Wissenschaft, die nur soweit "rational" ist, als sie ihre irrationalen Grundlagen verdrängt und vergißt, ja das zu sehen immer mehr von Angst getrieben verbietet.

Die Frage ist freilich nicht, ob man es verhindern hätte können oder heute könnte, der Grundrichtung des faktischen Menschen - die Dekadenz, den Abbau, den Zerfall (aus Gründen der Entropie) - zu entgehen. Ob es also gelingen kann, eine allseits "gute" Menschheit zu "schaffen". Das kann nie gelingen.

Das Gute in der Welt kann nur eines: Es entschleunigt aus sich heraus den Niedergang, auf den die Menschheit unweigerlich zugeht. Es verlangsamt ihn immer dort, wo das Reich Gottes mehr oder weniger aufleuchtet. Um irgendwann doch dem Kain, der Schwäche des Menschen, zu unterliegen. Diesen Realismus (der aber nie zum Fatalismus abgleitet) findet man nur im Katholischen. Und nur im Katholischen, nur in der Kirche findet sich die überraschende Tatsache, daß (im Kreuz) genau dort der Sinn unseres Daseins liegt. Im Leiden am Niedergang liegt zugleich der Same, das Fenster zum Aufleuchten des Reiches Gottes. Oh herrliche Paradoxie!





*Sieht man von den wirklich Schutzbedürftigen ab, denen ein dem Kain ähnliches Schicksal beschieden ist, das sie nie wollten, haben wir uns in den letzten Jahrzehnten also Millionen von "Kainen" nach Europa geholt. Das alleine zeigt, daß jede Hoffnung, daß Europa sich DADURCH erneuern könnte, und zwar im eigentlichen Sinn des Wortes, völlig grund- und haltlos ist. Vielmehr haben wir uns mit einer uns völlig fremden Schuldproblematik beladen, unter der wir aber alle leiden werden - ohne sie direkt lösen zu können.

**Das Problem vieler Ureinwohnervölker, weltweit, vor allem erkennbar aber in Amerika, war daß sie in einer fatalistischen, pantheistischen Weltsicht gefangen waren, in der sie sich des ordnenden Auftrags an den Menschen nicht bewußt waren oder sich gar dessen entledigten. Allein aus der Landnahme selbst (durch Europäer) also läßt sich noch kein Unrecht ableiten. Hier brachte das Christentum tatsächlich Freiheit. (Der Film "Apokalypto" von Mel Gibson zeigt vieles nicht unrichtig.) Aber nur mit Missionierung wäre das tatsächlich zu lösen gewesen.

***Insofern also sind auch die Juden seit Christus (als Proto-Revolutionäre) - jene Juden also, die nicht Christen wurden, indem sie das Kommen des Gottessohnes, die Erfüllung des Alten Testaments also, anerkannten - TEIL des Kainsproblems. Und tatsächlich fällt ihr Verlust des Opfers (durch Zerstörung des Tempels 70 n. Chr.) in diese Zeit. Das ist kein Zufall. Wie Kain wandern sie damit ruhelos durch die Welt, überall Revolutionäre, im Aufbegehren gegen Abel. Die persönliche Geschichte eines der aktivsten Atheisten der Gegenwart, Richard Dawkins, ist deshalb prototypisch. Er bekannte sich in dem Moment zum Judentum (ja suchte es, denn es bestand nur in seiner Mutter), berichtet E. Michael Jones, und es klingt höchst plausibel und schlüssig, als er sich offiziell zum Atheisten erklärte - und damit die Fundamente des zumindest theoretisch christlichen Westens angriff indem er die implizit längst atheistische geistige Fundierung der Wissenschaft explizit machte. Und er tat es durch Rückgriff auf die Irrationalität, die dem Atheismus eigen ist, indem er eine "genesis ex nihilo" erklärte - was logisch ein Unsinn ist.





*201017*