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Freitag, 14. Oktober 2022

Es bleibt nur, was im Kult ist (2)

Maria lactans. Die Gestalt der weltgebrdenden und welternährenden Frau. Ohne Eros der Frau keine Welt. - Das ist der Grund, warum es in der Malerei gar nicht wenige Darstellungen der Gottesmutter gibt, die - das Jesuskind auf ihrem Arm - ihre blanke Brust darbietet, aus der ein Strahl ihrer Milch dringt, den der Mund des Heiligen auffängt. Was der Heilige Bernhard von Clairveaux in einem Gesicht sah und als seinem geistigen Erleben zugrundegelegt begriff, ist auch die Wahrheit hinter jedem künstlerischen Schaffen. Als dem Dasein eines Standes, der dem Nützlichkeitsgeflecht der übrigen Stände entzogen ist. - und entzogen sein muß. Denn das ist seine Aufgabe. In den Künstlern, den Priestern, den Denkern, alle wiederum Teil des Hauses des Königs.

Denn dahinter zeigt sich die tiefe Wahrheit, daß dieses Fleischliche, das die Schöpfung ist - in seiner Erstursächlichkeit im Sohn Gottes, den sie empfing, gebar und großzog - aus der nährenden Milch der Verköperung der Reinheit des Menschen (als Schlüssel der Schöpfung, s. o.) selbst Fleisch annimmt! Getrieben von ihrer "inneren Forma", die in der von der Milch der himlischen Mutter alle Nahrung erhaltende Gestalt des menschlichen (vollkommenen) Werkes. 

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Es bleibt nur, was im Kult ist (1)

Maria Lactans
                                Maria lactans                                   
So also die Schöpfung, die vom Sohne Gottes ausging - dem Gott-Menschen Jesus Christus - auf Sichtbarkeit angelegt ist, sich durch wechselseitige Begegnung im MIteinander eines einzigen Werkes in der Existenz hält und damit VOR GOTT - ALS SCHÖPFUNG - hält, so ist auch alles, was der Mensch zu tun hat, auf Verfleischlichugn, auf Innkarnation, auf Leiblichkeit ausgerichtet. 

Nicht nur in der umgebenden Welt, sondern auch in seiner Leiblichkeit wird vor Gott deshalb nur relevant, was sich auch im Leiblichen ausdrückt. Denn Sinn (logos, das "auf - zu") ist die einzige Grammatik der Welt. Welt aber ist Gestalt. Fleisch. Inkarnation. Und in ihrem Zentrum steht - der Mensch, dieses Wesen, das vom Stabu genommen in den Himmel reichen sollte, diese wahre Schlüsselfigur der Schöpfung.

Sonntag, 21. August 2022

Das grobe Mißverständnis (2)

Aaron Rodgers Interview
Um 180 Grad anders. Die große Angst: Der Weg zum Unglück?Nicht nur das: Dieses Beiseitetreten des Ich besteht aus konkreten Handlungen. Und diese Handlungen sind in ihrem Wesen eine Hingabe an die Gesetze der Weltidee, auf die hin sich also das Ich zu transzenieren lernen muß. Was das Ich somit verfolgt ist nicht sein Eigenwille, den es "aus sich schöpft", ist auch nicht die selbst hervorgebrachte Liebe (was immer das mehr sein soll als ein Wohligkeitsgefühl als selbst angeeignete Vorstellung vom Ewigen Glück), sondern es ist die "Erfüllung des Gesetzes", der in der Rolle liegt, die einem zugewiesen wurde. 

Und zwar ganz konkret, durch die konkrete eigene Geschichte, in allen Deformationen und Ungehörigkeiten und Falschheiten und in allem Haß, der einem durch andere auferlegt wird. 

Samstag, 20. August 2022

Das grobe Mißverständnis (1)

Betrachten wir einmal zwei Äußerungenwie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Die eine hat der US-Footballstar Aaron Rodgers gemacht. Er erzählte im Fernsehen sehr offen von seinen Erfahrungen mit Drogen, die er in Südamerika (damit unterliegt er in den USA keinen Strafgesetzen) gemacht habe. Und er gerät förmlich ins Schwärmen. 

Diese Erfahrung habe sein komplettes Verhältnis zu sich und der Welt verändert. (Ironie-Einschub: Was sonst?) Weil er unter Drogeneinfluß erstmals beginnen hatte können, sich selbst emotional ganz zu lieben. Das habe fundamental auch seine Haltung gegenüber den Mitmenschen, den Mitspielern usw. verändert. 

Und nun ziehen wir die Aussagen der mystischen Lehrer des Kahtolizismus heran. Die Reginald Garrigou-Lagrange in Passagen zusammenfaßt, die er zu den wichtigsten auf dem Weg zu Gott hält. Und die betreffen den Umstand, daß man begreifen muß, daß man vor Gott NICHTS ist. Nich tnur das, daß alle Mitmenschen in ihrem negativen Urteil über einen nur Recht haben können, ja vermutlich noch weit untertreiben.  Was immer verdemütigt ist ein wertvoller Schritt auf den Weg hin zur Vollkommenheit.

Samstag, 30. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (2)

Aber der zweite Reinigungsvorgang ist bedeutender. Und: Wie man erkennt, wo man steht - Aber dieser ersten Reinigung, der aktiven Renigung, in der wir es sind, die alles tun müssen, schließt sich mit der Zeit eine zweite an. Die sich in ihrer Hobelwirkugn bereits mehr auf die nächsten Ebenen bezieht. 

Und das ist die passive Reinigung. Denn niemand kennt uns so,. wie Gott es gut, er ist uns näher als wir es sind. In ihr lernt der Mensch zu allem Ja zu sagen, was Gott mit ihm will, lernt den Willen Gottes mehr als alles sonst zu suchen. Lernt an der Wahrheit zu hangen, und nicht an irdischem Ersatz. Denn alles formt sich dem Bilde nach, an dem es hangt.
Schon hier zeigt sich die völlig unvereinbare Antithetik des Christentums zu allem, was sich heute als Kritik am Zeitgeist geriert, oder gar Spiritualität nennt. Und ausnahmslos als "Selbstermächtigung" identifiziert wird, sodaß das Gute mit dem gleichgesetzt wird, "was ich will". Mehr als das. Nur das Christentum KENNT den Gott, dem es anhangt.

Donnerstag, 28. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (1)

Wie schwer es doch den Christen zu fallen scheint, die Radikalität des Anspruchs zu begreifen, die im Christentum nicht einfah nur "loiegt", wie eine "Superleistung", sondern die das Christentum überhaupt erst IST. Sodaß man sagen kann daß es erst BEGINNT, wenn der Satz "Entweder Gott oder das Nichts", das glatt in "entweder Heiligkeit oder die Hölle" übersetzt werden muß, begriffen wird. 

Die Heilige Schrift ist ein einziges Verweisen auf diese Radikalität, auf diese Ausschließlichkeit, in der das Leben des Erlösten erst dort real ist, wo es sich unentwegt von der Gnade und der Gemeinschaft mit Gott her nährt.

Erst dann auch beginnt all die weitere Literatur zu sprechen, die sich daran gruppiert, und die alle dem selben dient, was auch in den Tageslesungen des 23. Juli  einmal mehr vor Augen gestellt wird. 

Es ist die Kurzformel der Mystik, wenn es im Galaterbrief 2,19-20 heißt: 

Mittwoch, 8. Juni 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (7b)

Die vier Wirkungen der Sünde, zuvor aber noch einige Bemerkungen zu deren Abhängigkeit von der Schwere der Sündhaftigeit Eine Sünde, die uns nicht als Teil unseres Seins betrifft, die also nur auf uns liegt wie ein Stäubchen am Mantel, gibt es zum einen nicht, und soweit doch, nennen wir sie läßlich. Dann ist sie also nur ein ausnahmsweises und kleines Verfehlen gegen das von uns Gesollte. Es bedarf dort aber auch keiner dezitierten Heilung und Wiederherstellung wie es das vereinte Zusmmenwirken von Gnade und Welt (im Beichtpriester, beides zeigt diese Doppelzugehörigkeit durch das an, was wir "Sakrament" nennen) an uns bewirkt.

Das Problem der Reinigung stellt sich vielmehr als Probme der nciht-läßlichen Süden dar, und hier haben wires mit einer graduellen Schwere zu tun. Das zeigt das Maß, in dem diese Sünde bereits zu unserer Natur geworden ist, und uns ontologisch betrifft, also eine seinsartige, seinsgemäße Hinneigung darstellt, die NICHT auf den Himmel weist. 

Im vorangegangenen Teil haben wir versucht, die Reinigung zu begreifen, indem wir ihre Verhängung mit den Sinnen vor Augen gestellt haben. Und der Leser wird gewiß mehr und noch viel besser erfassen können, als uns hier von den Lippen kommen wollte. 

Montag, 6. Juni 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (7a)

In der Entscheidung, zum Berge Karmel aufzusteigen, birgt sich also ein Weg, der im Grunde jedem Christen aufgegeben ist. Er läßt sich auf drei Stufen zusammenfassen, die einander bedingen und keiner ohne den anderen denkbar ist, die aber dennoch in einer Rangordnung stehen, die wir "ontologich" nennen wollen. Das heißt, sie sind Schichten im Sein, und wir benennen sie als Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung. Dementsprechend sprechen sie drei Schichten des Menschen an.

Die erste, die Reinigung, ist die Befreiung von Sünden, denn nichts Unreines kann vor Gott. Sie ist die erste, die Grundbedingung des Aufstiegs zu Gott. Weil sie jene Schichen des Menschen betreffen, die ihn - vergessen wir nicht: 

Es betrifft das Wesen des Menschen, der über die Sinne (sic!) über die Schöpfung und in einer niemals zu übersehenden Hierarchie des Geschaffenen, in der er Mensch die Schlüsselstelle, die "Zentralschleuse" gewissermaßen, den Begegnungspunkt von Himmel und Erde darstellt. Somit bindet sich die gesamte, vom Menschen "kultivierte", gezähmte, geordnete Natur über den Menschen in Gott hinein.

Montag, 30. Mai 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (6b)

Reinigung. Der Grund, warum es die allermeisten nicht einmal schaffen, anzufangen. Sodaß ihr gesamtes weiteres "spirituelles Leben" zu einem unausgesetzten Maneuvre der Täuschung wird.Unter dem vorhin Gesagten wird das nun vielleicht wieder ein Stück begreifbarer, warum es keinen Mystiker gibt, der vom Weg zu Gott spricht, und dessen Lehre letzten Endes nicht nur einen anderen Zugang zu dieser Grundgrammatik des Menschen darstellt. 

In der es NICHT um irgendeinen okkulten oder gar esoterischen Weg zur "Mystik" geht, als wäre das ein ähnliches Erleuchtungsprogramm, wie es irgendeine Yoga- oder Zen-Methode darstellen will, und der somit jedem offenstünde, der "mehr erleben" will. Sondern die radikale Ernsthaftigkeit meint, die für jeden Christen gleichermaßen gelten muß, nimmt er die Worte Christi ernst. 

Sonntag, 29. Mai 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (6a)

Warum der allererste Schritt meist bereits unüberwindbare Hürde ist - Wenn wir uns nun den eigentlichen Lehren des Hl. Johannes vom Kreuz zuwenden, so steht an deren Kopf un Anfang als das Tor selbst die Einwilligung in die ontologische Disposition des Menschen. Das heißt um die Frage, was ist der Mensch überhaupt, was selbstverstndlich die Aussage enthalten muß: Was ist er vor Gott. Und hier sind seine Schriften, wiewohl fünfhundert Jahre alt, wie frischeste Fruchtcreme, die für den heutigen Morgen geschrieben ist. 

Direkt wird die Art angegriffen und zurückgewiesen, wie der Mensch des Jahres 2022 sich sieht, und wie es insbersonders den Jungen seit Generationen zu deren Verderben (1) eingetrichtert worden ist. Die dazu (so müßte man es korrekter sagen) verführt wurde, indem ihr als Band des Wegs zum Glück (wir haben vor ein paar Tagen aus einer anderen Richtung kommend darüber geschrieben) das eigene Wohlbefinden ans Herz gebunden, eigentlichmüßte man sagen: auf den Rücken, als tonnenschwere Last, geschnallt wurde.

Samstag, 7. Mai 2022

Nur der Glaubende hat diese Evidenz

Immer wieder begegne ich Menschen, die (manchmal sogar tatsächlich mit einem gewissen Bedauern, so sieht es zumindest aus) die mir erzählen, daß sie zwar irgendwie schon glauben wollten, daß sie aber warteten, bis sie etwas erlebten, das sie dann so überzeugte, daß sie aus eigenem Entschluß auch Ja zu Gott sagen könnten. (Und schon gar: Zur Kirche, wobei diese Unterscheidung alleine schon den Kern des Problems anzeigt.) Aber das ist ein großer Irrtum. Man "erfährt" nicht Gott zuerst, und schließt sich ihm dann an!

Vielmehr ist die Begegnung mit Gott ein Äquivalent mit der eigenen Entscheidung für ihn. Das heißt, daß sich in dem Maß, als der Glaube begehrt und ergriffen wird, auch die Wirklichkeit erschließt, die dann als Reich Gottes erkannt und geliebt wird. Nie, behaupte ich, ist jemand DURCH ein Wunder oder ein außergewöhnliches Erlebnis zum Glauben gekommen, wenn er nicht im Grund ebereits die Entscheidung getroffen hatte. Und es ist ganz sicher ein Merkmal aller, die tatsächlich etwa außergewöhnliche Gnadenerlebnisse hatten, daß ihne das nie "Grund zu glauben" war, sondern je nur "Anlaß", ihrem Glauben (wieder) Raum zu geben. Die deshalb auch diesem Erfahren gar nicht den Raum einräumen, den er für andere hat, wie sie behaupten.
Diese alle könnten ersaufen in Gnadenerlebnissen - sie würden es dennoch nicht sehen.

Sonntag, 24. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (5)

Sie haben es uns gelehrt, sie haben uns die Arbeitsteiliung beigebracht, und darin eingeschlossen das, was sich dann (bis hin) zu Handwerkstechniken, zu Pflanzenkulturen, zu Viehzuchtwissen, zur Verarbeitungskunde (Wein!) und damit Wissenschaft vom Leben selbst ausgebildet hat. In unseren Landschaften noch ganz direkt vor Augen und nachzuvollziehen, waren es also die Klöster, die ZUERST die wilden Landschaften unserer Länder urbar gemacht weil zu Kulturlandschaften umzugestalten begonnen haben. In deren Gefolge dann die einfachen Bauern standen, die sich den Plänen der Mönche nach und allmählich zu jenem Blumenstrauß des Bürgerlichen ausgefächert haben, wie wir Ältere ihn in der Erinnerung noch erlebt haben.

(Denn nach uns folgte bereits jenes Ineinanderfließen von allem zu jedem. Sodaß diese sintemalene Vielfalt - groteskerweise gerade in einer Zeit, wo VIELFALT an die Fahnen geheftet wird! - zu einer amorphen, ununterscheidbaren Masse wird, der es als Zerfallsprodukt in immer einfachere Ebenen des Geschöpflichen - wie ein Rückstieg vom Samstag aud den Freitag auf den Donnerstag auf den ... usw. - an spezifischen Eigenschaften natürlich bereits fehlt:

Kein Atom ist ein etwas "aus sich", sondern nur DURCH ÜBER-, es selbst EINBEGREIFENDES ANDERES, also durch den Ort, an dem es steht. Was erst wir dann RAUM nennen können. Der es dann ist, der es in Beziehung gestellt sieht. Und die ist es dann, die ihm die Distinktheit eines "etwas sein" gibt. 

Mittwoch, 20. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (4)

Noch einmal aber müssen wir hinter uns greifen, noch einmal die Basis jedes Weiterschreitens auf dem Wege der Beschaulichkeit (wir betonen hier das Wort, weil es das Kriterium selbst ist; wer es genau bedächte, hätte eine weitere Durchdringung gar nicht mehr nötig, er hätte den Gegenstand bereits durchdrungen) klären weil befestigend vor Augen stellen. 

Denn so viel Mißverstehen ist aus einem kulturellen Grundhabitus erwachsen, der alles technisch machbar sieht, was doch nur mit Zeit und Grundsatzentscheiungen ganz anderer Art erreichbar wäre. Im Speziellen soll hier das aufgegriffen werde, was wir als "esoterischen Griff" bezeichnen wollen. Den die Esoterik ist immer aus der Tatsache entstanden, daß der eigentliche Blick "hinter den Vorhang" eine so hohe Frucht ist, daß sie letztlich mit dem Gang zur Heiligkeit unlösbar vernüpft ist - diese Heiligkeit aber so hohe Opfer erfordert, die der Esoteriker nicht zu gehen bereit ist. 

Also versucht der den Weg "abzukürzen".

Freitag, 8. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (3)

Also war da dieses Rumpeln - Doch ehe wir uns noch darauf einlassen, ist es an uns, für etwas um Verzeihung zu bitten. Denn wenn ich ehrlich bin so lag es schon auf der Hand, bereits am dritten Tag dieses Vorhaben als eitel und unerfüllbar abzubrechen. In die Kniee zu gehen vor der simplen Frage, ob denn da alles das, von dem ich gemeint hatte, es wäre weil es Schmerz gewesen auch das Absterben der Sinne, wie es Juan de la Crux als erste und grundlegendste Eigenschaft anführt, von wo weg der Weg erst ein Weiterschreiten auf den Berge Karmel, also zu einer betrachtlichen Lebensführung überhaupt wäre, so glatt mit einem NEE zubeantworten wäre, daß alles weitere nur noch eitles Gegackere sein könne.
 
Denn genau das war jadieses Rumpeln, von dem ich berichtet. Dieses Erkennen, daß es noch so viel geben dürfte, an dem ich mehr hänge, als an der reinen Liebe zu Gott, daß sich doch alles weitere erübrigte. Und wie ich so das denke und denke, da ist es mir auch schon, als wollte alle Kraft versiegen. Ich ging also nieder, noch einmal, und lag beinah ausgestreckt am Boden. 

Mittwoch, 6. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (2)

Im Punkte 2 steigen wir freilich zuersten noch einmal zurück - Verharren wir also noch ein wenig im ersten Punkte, den wir bereits begonnen. Und bedenken wir eine Bemerkung von Johannes höchstselbigst, wo er da schreibt, daß es an allen möglichen Ratgebern und Seelenführern vielleicht nicht so sehr mangelt, das war im 116. Jahrhundert nicht anders als es heute, ja gerade heute ist. Es gibt ganze Buchhandlungen, die nur Bücher zu dem Thema führen. 

Aber wie viele davon richten mehr Schaden an, als Nutzen Wie viele hindern mehr, als sie fördern. Wie viele werfen einem Prügel vor die Füß, anstatt einem über Steine zu helfen. Und wie viele drücken einen an einen Stein, den man doch nie küssen sollte, weil er längst hinter einem liegt - und wie viele machen eine Selbsteinschätzung möglich, in der man manchen Steinen um Weltenalter voraus ist, während man doch noch nicht einmal ihren Sockel kennen gelernt hat. Und wie viele Menschen haben Gnadengaben, die eine so ganz andere Behandlung verlangten, als anderen zuteil werden hätte sollen, die sie aber vielleicht nie erkant haben, udn auch nie jemanden kennen lernten, der sie hätte erkennen KÖNNEN.

Dienstag, 5. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (1)

Punkt 1 - Der Weg der Vollkommenheit ist keine moralische Leistung eines Gutmenschen. Er bginnt bei wie ist die Erkenntnis, daß die eigene Vervollkommnung identisch ist nmit der Anähnlichung mit dem Eidos, dem Bilde Gottes in einem selbst, der man da als alter Adam, als Sohn Adams, auch das Abbild des Urbildes ist. Als Bruder des Sohnes Gottes - analog dem Göttlichen Sohne, niemals diesem gleich, Geschöpf, nicht Gezeugter, denn mein Erzeuger liegt denn da am Friedhofe, ich weiß es gewiß, ich war an seinem Grabe - diesem also ähnlich. Nicht Gott, und dieses auch nicht im Bereiche des auch nur Möglichen, aber in Christus WIE Gott, wenn man das nicht zu wörtlich nimmt.

(Aber ich meine das mit dem Abbild-Sohn-haften sehr wörtlich, im Sinne der Vater- und Sohnesschaft, wie ich sie hier v. a. im Zusammenhange mit dem Begriffe "Volk Gottes" dargelegt habe; der Leser muß dies nachlese, so er es noch nicht gelesen, verstanden und bejaht hat, sonst ist jede weitere Zeile Lektüre wertlos für ihn, und bringt mir nur üble Nachred, die den Schriften, wo sie denn zu Sinn berufen sind, recht hinderlich sein kann, nicht meinem also dann aber, sondern Gottes Ruhm im Wege) 

Montag, 20. September 2021

Fingerübung (3)

Dante sah sie ziemlich ähnlich, die Hölle. Das ist möglich, weil sie nicht primär ein "Glaubensgegenstand" ist, sondern weil das Böse in seinem Sein aus der Vernunft ableitbar "vorgestellt" werden kann. Das belegt sich schon daraus, daß wir im Jahre 2021 zu Schlüssen kommen, die sich mit den Bildern Dantes vor 700 Jahren decken. 

Das Böse ist aber kein Wollen. Es ist der Raum - weil Raum die Folge von Beziehung ist (weshalb die Hölle auch als "Ort" bezeichnet werden kann, wenn man "Ort" so versteht, wie es hier längst eingeführt worden ist) - der Absenz des Wollens, eine Richtung, die man nicht einschlägt, sondern die man "hat", wenn man keine Richtung einschlägt. Die es nur als "richtige" gibt. Damit sind wir bei der Acedia, die zwar vor 700 Jahren als Melancholei bezeichnet wurde, aber doch weit mehr ist als Melancholie.  - In diese Richtung ist das Böse vorzustellen. Es ist das Abwenden vom Sein, sodaß die Seele mehr und mehr dem Nicht-Leiblichen anheimfällt, weil am Sein nicht mehr teilhat, also auch nicht mehr Leib zeitigt, das Seiende als Mensch wird. 

Sonntag, 29. September 2019

Warum das Universum alt aussieht

Warum sieht es so aus, als wäre das Universum so alt? Warum kommen wir in der Wissenschaft zur Auffassung, daß das, was wir im Weltall (und auf Erden) beobachten, Millionen und Milliarden von Jahren alt ist?

Weil die Schöpfung als Ganzes ins Dasein gebracht wurde. Vollkommen und ausgereift war sie von Anfang an ein voller Lobpreis Gottes: Es war alles sehr gut. Adam war nicht erst ein Embryo, der dann heranwuchs. Und die Pflanzen nicht erst Samen, die dann über viele Jahre brauchten, um zu Bäumen und Hobockenkarotten zu werden. Sondern weil alles in seiner Vollgestalt mit einem Mal da war, und darin auf einen ewig bleibenden Prozeß ausgerichtet war. 

In dem je nach Individuierungsstadium (als Nähe zum Selbststand) das einzelne Dasein vom Individuum zum Gruppendasein abgestuft lag. Die Karotte existiert in Hinblick auf das Karottendasein, nur insoweit ist sie individualisiert. Der Mensch aber, dieses im Geist begründete Wesen, ist auf ewige Existenz als Individuum ausgerichtet. Im Selbststand der Vernunft, und in der Freiheit der Kinder Gottes, weil in der Wahrheit (aber nur dort beziehungsweise darin) Gottes Geist ähnlich gemacht, an dessen Wissen über die Ordnung in seinem Wissen, in seine Vorsehung durch den Gehorsam gebettet, wir insoweit also durch Inspiration teilhaben können. Bis zum Sündenfall, und in der Neuen Schöpfung am Jüngsten Tag.

Wenn wir zum Schluß kommen, daß das Universum alt sei, so keineswegs aber aus empirischer Evidenz. Niemand hat das Universum in diesen Zeitperioden, die behauptet wurden, beobachtet oder gesehen. Es sind Rückfolgerungen, Ableitungen, Schlüsse, Hypothesen (als Ersatz-Thesen zur Bibel), unter der Annahme, daß alles durch dieselben Prozesse (und deren Wahrnehmung! deren Fixierung in Gedankengebäuden! das ist etwas anderes als das wirklich Wirkliche!) geschah, wie wir sie auch heute beobachten. 

Aber da gab es den Sündenfall. Da gab es den Erkenntnisbruch in uns, der uns den Tod brachte. Der das Ganze in ein Nacheinander umbrach, so daß wir nicht mehr schauen können, sondern nur noch zerlegungsweise und additiv auf das "Ganze" kommen. Mit allen Denkbrüchen und Unmöglichkeiten, die Erkenntnisweise vor der Erbsünde wirklich vollziehen zu können. 

Was immer wir betrachten, betrachten wir somit unter Bedingungen, die nach dem Sündenfall eingetreten sind. Wir schließen von dieser heutigen Welt auf die gestrige (und morgige), aber wir bedecken damit nur eine Welt, die vorübergehend, weil dem Tod geweiht ist. Und in der wir eine höchst unvollkommene Erkenntnisweise haben. 

Kein Mensch kann sagen, wie es nach der Wiederkunft Christ sein wird, und niemand weiß, wie es vor dem Sündenfall war. Auch wenn manche Mystiker es in Momenten oder Aspekten erkennen konnten. Aber es immer als eine in den Kategorien völlig andere Erkenntnis- und Erfahrungsweise beschreiben, als sie dem üblichen Daseinszustand entsprechen. Selbst einem Newton war noch klar, daß das die Grenzen menschlichen Erkennens sind, daß der letzthinnige Sinn, die letzte Ordnung in der Hand Gottes liegt. Und bis in die beginnende Neuzeit (Renaissance) war der Wissenschaft klar, daß sie mit ihrer Erkenntnisweise lediglich vertiefte Einblicke in das Wissen Gottes gewinnen kann, daß also alle Wissenschaft von der Gotteserkenntnis, der Theologie sohin, abhängt und von dort ausgeht wie auf sie abzielt. Denn was man aus der Natur erkennen kann, sind Eigenschaften Gottes.

Ausgangspunkt der heutigen Wissenschaft, die den ursprünglichen Absichten der Wissenschaft in keiner Weise mehr entspricht (sic!), war die Abkehr von Gott als Erkenntnisquelle, in der Aufklärung. Von dort ging der Weg zu einem Universum, das keinen Gott mehr brauchte, über die Evolutionstheorien, bis zum materialistischen Mechanismus des Atomzeitalters. Bis auch das scheiterte, denn die Welt besteht aus keinen materiellen Teilen. Sie ist eine Dynamik von Information (wenn man es schon in solche Termini fassen will).

Der VdZ hat noch in seinen ersten Gymnasiumjahren Ende der 1960er Jahre in Naturgeschichte und Geschichte von einer Welt gehört, die sechs- bis achttausend vor Christus durch Schöpfung, deckungsgleich mit der Bibel, begann. Erst allmählich bekam er mit, daß generell bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Welt in den Narrativen als Teil der Geschichte der Wissenschaft immer älter wurde. Um heute zu wissen, daß das eine fast zwangsläufige Entwicklung mechanistischen Denkens ist.

Weil wir mit dieser Erkenntnisweise immer weiter vordrangen, die krebsartig (und vor allem quantitativ) immer mehr Daseinsbereiche durchdrungen hat, gestaltete diese geistige Matrix nach und nach auch die "Evidenz", als selektive Wahrnehmung gewissermaßen. Stück für Stück wurde danach versteinert. Was nicht mehr und weniger heißt, als einen Lebensbereich nach dem anderen unter diese Erkenntnisbedingungen gezogen hat, unter denen wir heute stehen.

Ohne uns aber Gewißheit zu liefern, vergessen wir das nicht. Wir haben nur "vor-definiert". Selbst was wir in unserer eigenen Lebensspanne überschauen können, ist deshalb eine einzige Geschichte von angeblichen Wahrheiten, die nach einigen Jahren widerrufen werden mußten, um nächsten Wahrheiten zu folgen. Die aber der Fülle der Weltgesamtheit immer nur ein klein wenig näher kommen, ohne sie je zu erfassen.

Wenn wir von diesen unseren gegenwärtigen Erkenntnisbedingungen ableiten, daß die Erde immer und zu allen Zeiten so ist wie heute, sitzen wir also einem Trugschluß auf. Und diesen Trugschluß stellen wir allen Erkenntnismethoden - bis hin zur Mathematik - als Prämisse, als Postulat voraus. Kein noch so rationales Erkennen vermag ohne diese Vorannahmen auszukommen. Und deshalb ist es auch gleichgültig, welche Methode wir anwenden, wenn beziehungsweise, weil wir unentrinnbar dieses Postulat ansetzen, daß alles so ist und immer war, wie wir es heute erkennen können (und der VdZ schreibt bewußt nicht, "wie es heute IST").

Schon aus diesem Grund ist es vernünftig, das, was im Alten Testament steht, tatsächlich ... wörtlich zu nehmen. Es bietet mehr Gewißheit, im wahrsten Sinn also sicheres Wissen, als alle Wissenschaft der Gegenwart zusammen. Auch, was ein Erkennen der scheinbar nur "irdischen Dinge" anbetrifft.




Ein Narr Gottes

Dieser Text ist so tief, daß der VdZ ihn dem Leser dieses Blog nicht vorenthalten will. Er stammt von Dr. Herbert Madinger. Und dieser Mann und Priester ist den Österreichern nicht unbekannt, ja, er hat - so seltsam man manches von ihm einschätzen mag, so seine Gebetsgemeinschaft beziehungsweise deren Mitglieder und deren Aftergemeinschaft, wie sie sich heute darstellt - Österreich auf eine seltsame Art geprägt. Durch seine KGI, die Katholische Glaubens Information. Die der VdZ seit den frühen 1970ern kennt.

Durch die Briefe, die man kostenlos (gegen Spenden) abonnieren konnte, und die in seinem Vaterhaus ständig eintrudelten. Kaum aber überhaupt ein Haus in Österreich, kaum eine Gaststätte, kaum ein öffentliches Gebäude, in dem nicht seine bunten A2-Plakate mit ihren oft sehr eingängigen Verknappungen wichtiger Wahrheiten in Sprüchen hingen, mit denen er seine Wirkung in den 1980ern verstärkte. Eine tolle Idee! Es ist wohl bis heute niemandem aufgefallen, wie sehr die Mission dieses nur scheinbar so superfromm-frömmlichen Mannes, der oft so (fast abstoßend) schwülstig zu schreiben schien, das Land geprägt hat.

Was alles unter Kardinal Erzbischof Schönborn eingestellt wurde, weil es sich aus den Spenden nicht mehr getragen hat. Bis Madinger starb. Damit war ohnehin das Projekt gestorben. Seine Nachfolger oder wie immer man sie nennen mag, kamen über den lächerlichen Standard der Charismatik nicht hinaus.

Briefe, aber, die irgendwie trotz allem seltsam wirkten, was der VdZ später der eigentümlichen Nähe zur Charismatischen Erneuerung zuschrieb. Und die aber doch etwas hatten, was einen nicht kalt ließ. Denn sie hatten eine Tiefe, die dem VdZ erst allmählich aufging. Vielleicht war dieser Sonderling, als der er überall gesehen wurde, und der doch so viel bewirkte, mehr als nur ein Sonderling. Ein "Narr Gottes". Der nicht einfach "frömmlich ohne Substanz schrieb", sondern der wirkliche Frömmigkeit kannte.

Wer diesen Text liest und erkennt, der könnte auch diesen Mann mehr begreifen. Der Text, den der VdZ einfach und frech aus gloria.tv übernimmt, ist nicht einfach gut. Er zeigt etwas. Solche Texte entstehen nicht, weil jemand "gut schreiben" kann oder charismatisch-subjektivistisch-dämonisch "inspiriert" ist. Sprache, Schrift damit, konstituiert sich aus dem Dahinter. Der Sprache der Sprache. Und da wird etwas hörbar, ja das Wesen aller Mystik erkennbarer.


Die Folgen der vertieften Gotteserkenntnis:

Der Tiefe Glaube.
Wenn Gott den Menschen eine tiefere Erkenntnis Gottes schenkt, dann wird das Gebet zu einer erfahrungsmäßigen „Begegnung“ mit Gott. Gott wird nicht mehr als der Ferne, Fremde erlebt:
er erscheint nahe und gegenwärtig im Gebet.

Der Glauben an diesen gegenwärtigen Gott wird nun ganz anders: viel tiefer, inniger, greifbarer, lebendiger, persönlicher.

Auch die Liebe zu Gott wird nun intensiv. Dieser gegenwärtige Gott wird jetzt als der „Schatz im Acker“ erlebt, als der „Bräutigam“, als „der Herr“, als Urbild aller Werte, als Licht. Der Mensch ist jetzt bereit, eher sein Leben zu geben, als Gott zu verraten.

Die Unterwerfung unter Gott umfasst jetzt das ganze Leben. Das Leben wird eine einzige große Frage: „Herr, was willst du, dass ich tue?“ Eine neue Sündenerkenntnis: In ganz anderem Maß als früher merkt der Mensch jetzt jedes „Du sollst“. Je näher der Mensch daher zu Gott kommt, um so stärker erlebt er jede eigene Sünde.

Weil sich dieser Mensch unterwerfen will und auf Gott immer mehr horcht, deswegen sucht er jetzt immer häufiger die Verbindung mit Gott. So wird sein Leben zu jenem „immerwährenden Gebet“, zu dem die Bibel auffordert. Es ist jenes Leben „in der Gegenwart Gottes“, von dem die Heiligen reden. – Außerdem will ja Liebe immer gemeinsam sein mit dem anderen, und deswegen denkt dieser Mensch immer mehr an Gott, sogar während der Arbeit. Es ist wie unter Brautleuten.

Das Gebet erhält eine neue Dimension. Es ist jetzt eine Art „Begegnung mit Gott“, eine Art „Schauen Gottes“, daher auch der Name „beschauliches Gebet“. Der Geist des Menschen „schaut“ dabei den unendlichen Geist Gottes, wenn auch nur „wie in einem Spiegel!“, wie Paulus sagt. – Dieser unendliche Gott zieht den Beter nun so sehr in seinen Bann, dass keine Worte mehr notwendig sind, um den Kontakt mit Gott herzustellen; der Beter schaut vielmehr still und in inniger Liebe auf diesen Unendlichen, den er liebt.

Der Mensch lässt sich jetzt „vom Heiligen Geist führen“ und „leiten“ und drängen. Das Gewissen ist nämlich hochempfindlich geworden und zeigt sehr genau die Forderungen jedes Augenblicks. Außerdem bekommt der Mensch einen „Instinkt“ dafür, was die Situation gerade erfordert. Es sind das wohl übernatürliche Antriebe der Gnade, gnadenhafte „Erleuchtungen“. Jedenfalls hat dieser Mensch den sicheren Eindruck, dass Gott ihn führt. Und das gibt ihm Mut, Kraft, Sicherheit und Ausdauer.

Ein neues erfahrungsmäßiges Verständnis für alle Glaubensarbeiten und für alle sittlichen Forderungen stellt sich ein. Die meisten Wahrheiten des Glaubens „erlebt“ man nun selber: dass es Gott gibt und eine innere „Offenbarung“, einen „sich schenkenden Gott“, Gnade, Dämonie, Erlösung. Vereinigung mit Gott, sinnvolles Leiden usw. . . . All diese Glaubenswahrheiten versteht dieser Mensch jetzt viel besser; er kann sie somit auch besser den anderen erklären. – Auch die sittlichen Werte erlebt man jetzt viel tiefer, weil man das Unendliche, das hinter diesen Werten steht, viel klarer erkennt: Liebe, Hingabe, Glaube, Schuld, Pflicht, Verantwortung, Recht, Gemeinschaft, Wahrheit, Autorität usw. Dieser Mensch kann daher auch viel besser entscheiden, was Sünde ist und was nicht.
Freude und Friede erfüllt nun das Herz, denn das tiefste Verlangen des Menschen, das Verlangen nach dem unendlichen Gott, kann sich jetzt erfüllen. Das Herz kann jetzt lieben und sogar ständig Lieben, und das macht glücklich. Jetzt hat der Mensch ein Zuhause gefunden, Geborgenheit, Heimat, Zuflucht, Sicherheit; daher Friede und die Freude, besondere Geschenke des Gottesgeistes.

Neue Kraft zu allem Guten strömt ein. Es fällt jetzt viel leichter als früher, das Gute zu tun: Liebe und Gnade beflügeln den Menschen.

Die Welt hat nun nicht mehr dieselbe Verführungskraft wie früher. Im Vergleich zu Gott erscheinen jetzt die Dinge, die früher fasziniert haben, geradezu als wertlos; wie „Kehricht“, sagt Paulus.

Der „Heilige“ liebt diese Dinge nicht mehr, weil sie verlocken, sondern weil sie Bild jenes Unendlichen sind, den er liebt.

Wahrhaftig: Ein neuer Mensch ist geworden. Der „Heilige“ ist wahrhaftig „wiedergeboren aus dem Heiligen Geist“, wie Jesus sagt.

Ob Du Lust hast, dieses Leben zu wagen? Alle sind zu dieser vollen Liebe berufen, auch Du. Denn für uns alle gilt das Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“. Wer sich Gott ganz und völlig unterwerfen will, den wird Gott in den Bann seiner immer tieferen Liebe hineinziehen: „Die sich vom Geiste Gottes treiben lassen, die sind die Kinder Gottes.“




Quelle: Die 10 Gebote Gottes – Dr. Herbert Madinger – Auflage 1992 – Erzdiözese Wien – Katholische Glaubensinformation




*060819*






Mittwoch, 8. Juli 2015

Es ist erschütternd (1)


Wie angekündigt, hat der VdZ nach einer ersten oberflächlichen Lektüre die jüngste Enzyklika LAUDATO SI des Heiligen Vaters, Papst Franziskus dem Ersten, nun genauer gelesen. Ermuntert durch einen ersten Eindruck: Es handele sich hier um einen Schlag gegen die Moderne. Einen Schlag gegen die heutige Lebensweise, die darauf abzielt, den Sinn des Menschseins zu pervertieren, der eingebettet ist in den Sinn der Schöpfung überhaupt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist nachgerade umgekehrt, wenn auch subtil. Der VdZ hat eine intensivere (Re-)Lektüre des Textes jedenfalls eingestellt. Denn - dieser Text ist eine intensive Lektüre nicht wert. Er ist es nicht wert, eine Intention zu suchen, sie ist nicht zu finden, sie wäre eine "Hineindichtung". Nicht wert, einen Faden, eine Deutungsmitte zu suchen, der nicht da ist. Und das, was die superfrommen Propagandisten und atheistischen Rationalisten sowieso tun werden - einzeln Sätze oder Wörter heraussuchen, um an ihnen zu beweisen, was sie an diesem Konvolut haben - sollen die machen, das muß hier nicht auch noch passieren.

Aber der Text desavouiert nicht nur alles, was der VdZ als die unfaßliche, immer wieder staunenswerte, ergreifende Weisheit und geistige Tiefe und Höhe der Kirche kennzeichnend kennengelernt hat. Er ist in einem Ausmaß dumm und widersprüchlich, daß sich ein Generalimpuls (wie: Antimoderne) gar nicht herauslesen läßt. Die Reaktionen bestätigen das ja vielfach.

Daß sich nichts (und alles) herauslesen läßt, weil - sich ein Papst, der es nicht schafft eine innere Mitte zu finden (und das in dem Alter!), gerne schwafeln hört, und in seinem narzißtischen Wahn meint, er hätte so unendlich viel Wichtiges zu sagen. Vielleicht trifft das auch über argentinischen Tango zu (nicht einmal das glaubt der VdZ), ganz sicher aber nicht über die in der Enzyklika angerissenen Themen, und eigentlich schon gar nicht über Glaubensdinge. Denn auch dort verfährt er wie mit dem Umweltthema - er plappert Stehsätze nach, die nur aufnahmebereite Gehörgänge finden, weil sie der Papst sagt. Jedem anderen am Biertisch würde man übers Maul fahren, weil er im Suff faselt.
 
Leserin S, Sie haben deshalb völlig recht: Was der VdZ in der ersten Schnellreaktion noch an Gutem zu sehen meinte - und glauben Sie ihm: Wie hätte er gewollt, endlich einmal Gutes an diesem Papst zu finden! denn es gibt wahrlich geistig Ungefährlicheres als Kritik am Papst! an dessen Amt die geistige Gesundheit der Welt hängt! -  ist bei genauerem Betrachten nicht vorhanden. Und sich auf die vereinzelt guten Sätze zu beziehen, die natürlich auch vorkommen, ist im Ganzen gesehen Lüge - denn man spricht nicht mit Einzelnem, man spricht immer im Ganzen. Einzelne Punkte, die besondere Mängel darstellen (wie die inkonsistente Kulturanthropologie - nicht jede Lebensweise des Menschen ist nämlich Kultur, das gilt auch für Ureinwohner), werden hier im Laufe der Zeit vielleicht noch einmal aufgegriffen.

Weiteres Eingehen auf dieses Schandpapier, auf dieses unsägliche, oft grotesk lächerliche, vor allem aber widersprüchliche Gefasele eines Wirrkopfs pubertären Zuschnitts, in dem die Kirche in einem Ausmaß blamiert wird, gegen das der Fall Galileo Galilei wie ein dezenter Fauxpas bei einem despektierlichen Nachmittagstee unter hochwohlgebornen Freunden wirkt, ist eine Vergeudung menschlicher Ressourcen. In einer Zeit, die so nach Substanz und Orientierung lechzen würde, in der in einer breiten Stimmung die Bevölkerungen die Nase voll haben von Umweltmoralismen und Scheinlösungen für Scheinprobleme, ist die Kirche, die hier zum politischen Rundumschlag mit revolutionärem Impetus angesetzt hat, wie immer, wenn sie Weltdinge annimmt, zu spät und am falschen Dampfer unterwegs. Die nun Tips zum ethischen Bäumchensetzen und moralischen Mülltrennen gibt und dringend aufruft, einer Wissenschaft zu glauben, die längst im Rationalismus erstickt ist.

Wie, bitte schön, will man der "Umweltproblematik" auf den Grund gehen, wenn man vom Wort "Vorsehung Gottes" scheinbar nicht einmal gehört hat? Das Wort kommt nicht ein einziges mal vor. Dabei ist es der Dreh- und Angelpunkt jeder katholischen "Ökologie".  Nur von ihr aus läßt sich das Thema der Lebensweise überhaupt reflektieren.

Ach ja, die Dolchstoßlegenden sind natürlich auch längst vorbereitet und unterwegs. Ihr Inhalt ist jetzt schon formuliert, auch das nichts Neues und aus bisherigen Papstäußerungen längst bekannt - was nicht alles doch AUCH in dem Dokument stünde, wenn nur hier, dort, in einem Absatz, in einem Wort.

Eine Enzyklika, das sei allen jenen gesagt, ist wie jede sprachliche Arbeit eine Gesamtaussage, ein Ganzes. Sie hat eine Spitze, eine Stoßrichtung, ein Ziel. Und aus der Wirkung läßt sich erkennen, wo dieses Ziel liegt, und wie es um den Redner bestellt ist. Nicht an einzelnen Sätzen, die "natürlich nicht gelesen werden," wie ein Sandro Magister bereits wenige Tage nach dem Erscheinen von Laudato Si schwächlich moniert, um zu beweisen, daß er doch eh den Papst verteidigt, man solle ihm doch die Akkreditierung bittebitte wieder zustellen. (Die ihm der Heilige Stuhl entzog, nachdem Magister eine ihm zugespielte Entwurfsfassung des päpstlichen Schreibens vor dessen offiziellem Präsentationstermin online stellte.)

Wieder aber, so ein amerikanischer Kommentator, werde der Kirche, also die Sonne - man beachte den hohen Stellenwert der Lichtsymbolik in der Kirche! - zum Verhängnis. Der VdZ bestreitet einmal mehr vehement, daß dieser Papst ein besonderes Gespür für diese Zeit und die Öffentlichkeit hätte. Das genaue Gegenteil ist wahr. Er rennt ihr nur nach, einerseits, und irritiert anderseits, weil es der Papst ist, mit allem Gewicht, das der Welt schon ontologisch innewohnt. Der da aber eine ganze Runde im Olympiastadion hinterherhechelt und in der Zielgeraden, kurz vor der Überrundung, nun so tut, als würde er den Lauf anführen.



Morgen Teil 2) Ein Läufer der 1970er Jahre kommt an




*Man lese die immer noch sehr lesenswerten Rhetoriken der Antike. Denn anders, als heute meist gemeint wird, ist Rhetorik nicht einfach die "Kunst gut und wirkungsvoll zu sprechen" - zu dem Zeitpunkt war sie bereits Sophistik und Nominalismus. Vielmehr enthält die Rhetorik das Wissen, daß sich in der sprachlichen Struktur eines Menschen, einer Rede, auch sämtliche Auseinandersetzung mit der Wahrheit enthält. Es ist eine geistige Konstellation, die Sprache gestalten, Worte wählen, Sätze formulieren läßt. Die Texte entstehen läßt, die dann dieses geistige Insgesamt in sich bergen, und weitertragen können, wenn der Leser (oder Hörer) es aufzunehmen, zu begreifen vermag - indem er sich dem geistigen Inhalt und Impuls öffnet. Deshalb kann es auch im Gespräch nur ein Verstehen geben, wenn beide Seiten in einem Geist übereinkommen, dem auch der Hörer oder Leser beitritt. Ein und derselbe Satz, ein und dasselbe Wort wird in anderem Zusammenhang zu einer völlig anderen Aussage. Das ist auch das Spezifische an der Unterschiedlichkeit der menschlichen Sprachen - sie sind Schöpfungen eines geistigen Raumes mit spezifischen geistigen Konstellationen, ohne daß dies universales Verstehen ausschließt. Hinter jeder Grammatik steht eine Weltanschauung, ein "Denkstil", ein Kulturstil.

Deshalb wird ein Nicht-Glaubender niemals nominelle Glaubensinhalte verstehen oder darin denken können - es sei denn, er WILL glauben, er will diesen Geist HABEN, beziehungsweise in ihm atmen. Das macht den Unterschied des Katholischen gegenüber jeder anderen Religion aus: Es ist universal, es enthält alle anderen. Was sich, übrigens, Mitglieder anderer Religions- oder Bekenntnisgemeinschaften meist nicht vorstellen können - wie auch; sie gehen ja von Voraussetzungen der Selektion aus.

Und deshalb muß man einen Text immer in seinem Gesamthintergrund sehen und zu verstehen suchen. Wer einen Text, dessen geistiger Hintergrund verworren ist, durch Selektion zu "Aussagen" stilisiert, mißachtet bereits den Hersteller dieses Textes und versucht einen Geist zu simulieren, der nicht da ist. Das Eklektizistische an den Aussagen des derzeitigen Papstes ist dabei dieselbe Simulation des Universalen. Das der Einheit nur dient, wenn es sich in einem einzigen Punkt eint, und von dort wiederum ausgeht. Sonst bleibt der Text, eine Aussage, im Vielfachen (Subjektiven, Faktischen) zerstreut, eint sich nie ... in Gott. 

Das muß nicht bewußt geschehen, im Gegenteil sogar, es ist wesentlich immanent, unbewußt: es muß nämlich nur vorhanden sein, als Kraft. Ein Mensch widerspricht sich deshalb nicht, weil sich seine "Worte" widersprechen. Er widerspricht sich, wenn einzelne Aussagen aus je anderem Geist stammen. Das ist mit dem bewußten Wollen gar nicht zu bewirken (aber oft gut vorzugaukeln). Denn dann trägt sein Vielfältiges - und jedes tägliche Leben ist ein Exzentrieren, ja ein Hingeben ins Vereinzelte - nicht die innere Ausrichtung auf das Eine hin, die Verwurzelung darin. Das ist sie dann, die Wahrheit - oder die Lüge, zumindest die Nicht-Wahrheit. Wahr zu sprechen ist deshalb eine Frage der Tugend als Durchdringungskraft der Äußerungen.

Das Eine, das alles enthält, das Universale, ist aber nicht summativ zu erreichen. Wie es der Vielsprecher versucht, der einfach alles sagt, im Versuch, dann auch alles zu enthalten. Es ist eine innere Qualität, die in ihrer höchsten Vollendung (weil Universalität) in ein Wort beziehungsweise ins Schweigen mündet. 

Das nennt man dann Mystik - von myeein = schweigen. (Geheimnis bezieht sich damit auf das "daheim, vertraut" sein; seine Nähe zum Schweigen ist evident.) Weil das Universale = Eine unendlich ist. Aber nicht "nichts" (im Sinne von Auslöschung), sondern "alles", und deshalb nicht mehr ins Vielfältige verloren. Weshalb die Mystik die Initialstufe - zur Aktivität ist. Denn das Eine, das Sein, ist höchste Aktivität. So, wie dann alles Vereinzelte, alles Dinghafte, alles Seiende, zur (tathaften) Stellvertretung des Einen (Seins) wird.

Von außen beziehungsweise dem "unheimigen Auge" scheint die Aktivität des ins Vielfältige Verlorenen und aus dem Einen Tätigen oft ununterscheidbar. Aber sie sind Gegensätze. Niemand "tut" meist so "viel" (ist so "aktiv") wie der "Nicht-Tuende" (im Einzelnen Verlorene), dessen Streben aber nie ins Eine führt.




*080715*