Dieses Blog durchsuchen

Samstag, 7. Mai 2022

Nur der Glaubende hat diese Evidenz

Immer wieder begegne ich Menschen, die (manchmal sogar tatsächlich mit einem gewissen Bedauern, so sieht es zumindest aus) die mir erzählen, daß sie zwar irgendwie schon glauben wollten, daß sie aber warteten, bis sie etwas erlebten, das sie dann so überzeugte, daß sie aus eigenem Entschluß auch Ja zu Gott sagen könnten. (Und schon gar: Zur Kirche, wobei diese Unterscheidung alleine schon den Kern des Problems anzeigt.) Aber das ist ein großer Irrtum. Man "erfährt" nicht Gott zuerst, und schließt sich ihm dann an!

Vielmehr ist die Begegnung mit Gott ein Äquivalent mit der eigenen Entscheidung für ihn. Das heißt, daß sich in dem Maß, als der Glaube begehrt und ergriffen wird, auch die Wirklichkeit erschließt, die dann als Reich Gottes erkannt und geliebt wird. Nie, behaupte ich, ist jemand DURCH ein Wunder oder ein außergewöhnliches Erlebnis zum Glauben gekommen, wenn er nicht im Grund ebereits die Entscheidung getroffen hatte. Und es ist ganz sicher ein Merkmal aller, die tatsächlich etwa außergewöhnliche Gnadenerlebnisse hatten, daß ihne das nie "Grund zu glauben" war, sondern je nur "Anlaß", ihrem Glauben (wieder) Raum zu geben. Die deshalb auch diesem Erfahren gar nicht den Raum einräumen, den er für andere hat, wie sie behaupten.
Diese alle könnten ersaufen in Gnadenerlebnissen - sie würden es dennoch nicht sehen.
Darauf läuft es inaus. Nie ist ein Prophet im eigenen Land erkannt worden, und nie sind es die großen außergewöhnlichen Erlebnisse, die jemanden zum Glauben "gebracht" haben, so wie er entdeckt, daß Gamberetti alla San Grigioi herrlich schmecken, obwohl er vorher noch nie Garnelen probiert hatte, von Stund an aber ein begeisterter Befürworter von Meeresfrüchten wurde. So läuft das nicht, und selbst bei Berichten wie dem von André Frossard "Dieu existe - je l*ai recontre", der in meiner Jugend eine gar nicht unbedeutende Rolle gespielt hat (auch Frossard war Atheist und Kommunist wie ich in einer Phase meiner Jugend, ehe er in einer Kirche ein Erlebnis hatte, das er spontan als Begegnugn mit Gott einstufte) sind ganz andere seelische Dispositionen im Spiel, als sich der wirklich Skeptische (meist nennen sie sich Agnostiker, womit sie meinen, sie würden auf Evidenz warten weil nur annehmen, wovon sie sich selbst als Realität überzeugt hätten) 

Und so rennen gar so viele in der Gegend rum und suchen nach einem Beweis für Gott, ohne zu bemerken, daß sie förmlich ertrinken in Wundern Gottes. Denn es ist der, der bei Gott ist, der Gott sieht. Es ist der, der Gott angenommen hat, dem sich (auch dientürlichste, alltäglichste) Welt erhellt, sodaß er nun und immer mehr, analog zum Ausmaß seiner Hingeworfenheit auf Gott, die Welt als das erkennt, was sie ist: Ein einziges Wunder. 

Das Neue Testament ist voll von Hinweisen Jesu selbst, der immer wieder darauf hinweist, daß die Juden nie Gott sehen werden, weil sie ihn nicht als Vorleistung (gewissermaßen) im Vertrauen bejaht und geliebt haben. Sie hatten alles, sie hatten Gott selbst vor ihren Augen, aber sie sahen ihn nicht. Sie hatten seine Wunder, so viele daß die Evangleisten davon berichten, daß alle Bücher der Welt nicht fassen könnten, was durch den fleischgewordenen Gott in der Zeit seiner irdischen Präsenz als Mensch gewirkt worden ist, ehe er in den Himmel auffuhr. Um uns die Erinnerung im Heiligen Geist zu senden, der uns eine geistige Präsenz ermöglichte, die durch das Zeichen der geistigen Nähe des Gottmenschen seine Nähe verheißt, schenkt und sehen läßt. 

Oh nein, das ist dem, dem der Wille fehlt, psychologistisch wegerklärtes Selbsttäuschen, das ist der ständige Gratwandel mit der Verleumdung, der die Erfahrung des Glaubenden entwertet und zur Autosuggestion diminuiert.  

Zu Glauben ist wie das Beitreten zur Sicht der Welt, wie sie wirklich ist, das ist der entschiedende Punkt. Es ist also die Bejahung eines Vorhandenen, nicht das Herbeiwollen eines (noch) Abwesenden. Es ist die Zustimmugn zur eigenen, tiefsten Natur, in der Gott ruht und liebend auf eine Weise wartet,als sähe er (ständig) durch ein vom erten Moment der Existenz an, in diesem wunderbaren Moment der Eingießung des geschaffenen Menschen in den ehelichen Akt der Eltern, immer geöffnetes Tor, durch das ein Band mit dem Schöpfer leuchtet wie ein Band aus Gold, dem sich jeder zuwenden könnte und sogar sollte - wenn er denn wollte. 

Wer die Wunder Gottes nicht sieht spricht also nicht davon, daß Gott abwesend ist, wie er behauptet. Sondern er bezeugt, daß er der Sphäre Gottes (sozusagen) nicht beitreten WILL. (Die Fälle, wo jemand nicht KANN, also wirklich nicht kann, immer dann aus autobiogreaphischen Gründen, sind allerhöchst selten, und m. e. nic wirlich nahtlos dauerhaft, sondern immer wieder von Durchbrüchen gekennzeichnet, die aber nie ergriffen werden.)

Nein, es ist wie in alle den Zeiten des Arianismus, es ist sogar wie in den Zeiten der apostatischen Kirchenspaltungen, die in sich das Gepräge eines Juden wie Protestanten gleichen inneren Haltung haben. Und von Evidenzen ausgehen, die in Wahrheit bereits vorentschiedene, gewollte und gewählte Reduktionen der erfahrenen Wirklichkeit sind.  Die dem primitiven reduktionistischen Denken anheim stehen, in dem es doch "absurd ist, an einen sakramental gegenwärtigen Gott zu glauben", ohne die durch den Verstand geprüfte eigene Entscheidungsmühle durchlaufen zu sein. Sodaß es ach Gott wie vernünftig erscheint, NICHT daran zu gauben, daß Gott Mensch geworden ist, und historisch wandelte und wirkte und (!) wirkt, präsens. Denn "was man hat, das hat man," nicht wahr? 

Wer so sitzt und wartet, daß ein Ereignis einträte, das ihn dann glauben ließe, wird immer umsonst warten. Um am Ende seines Lebens, zumindest in jenen Stunden oder Minuten oder Sekundenbruchteilen dann das Nachlassen und Entschwinden der leiblichen Dominanz erlebt (wo sich die Seele vom Leib zurückzieht, weil diesem bereits zu vielen Abweichungen vom geistigen Bilde anhaften; man denke an Krankheit, oder an Laster, diese habituelle Verneinung der eigenen Natur) doch noch "JA" zu Gott zu sagen, weil die nur noch auf den Giest reduzierte Person mit Erschrecken entdeckt, daß ihr Leib, ihr weltliches Denken wie eine meterhohe Wand zwischen ihnen und dem Wirklichen steht und stand. Ihr Geist also dem reinste Geist gegenübersteht, dem nun aber die Dimension fehlt, ind er er sich selbst noch bewegen könnte. 

Wer auf diese letzen Lebenszüge wartet, könnte ein großes Entsetzen erleben. Das Entsetzen, daß das Erkannte (alle menschlichen Seelen erkennen als Geist-Seelen, die sie sind, im oder nach dem Tode den reinen Geist, also das wirklich Wirkliche) nicht mehr von ihnen ergriffen werden kann, weil es der Instrument mangelt - und die sind das Menschsein MIT dem Leib. Daß sie die geistige Herrlichkeit eines Lebens in Gott sehen, ihm aber nicht mehr beitreten können. 

Das ist dann wohl der größte Schmerz der "armen Seelen", zu sehen, was für sie an Herrlichkeit vorgesehen gewesen wäre, das ihnen aber nun möglicherweise sogar für ewig vorenthalten bleibt. Dieser Schmerz ist in vielen Fällen möglicherweise sogar der eigentliche Höllenschmerz, denn der von Gott ferne Mensch, als Einheit von Leib und Seele, erlebt nun "nur noch" Mangel. 

Und der Schmerz ist, wie jeder weiß, der Schmerz bereits erfahren mußte (und das betrifft ohnehin jeden Menschen), das Erfahren eines Mangels, ist der sicherste Hinweis auf ein nicht vorhandenes, nicht erfülltes Vollkommensein, das nur noch als Anspruch und Erinnerung an einen dereinst vorausliegenden Vollendungsplan existent bleibt. Es ist das fehlende Bein, das dem Amputationsversehrten den größten Schmerz zufügt, diese seelisch nicht verfleischlichte Idee von ihm, die in ihm doch zur Welt gekommen ist, um ganzer Leib zu werden. 

Und es ist natürlich dann der Haß, der auf ewig unerfüllte Neid auf andere, den die ohnendlich und auf ewig Gepeinigten nun eine Existenz zufließen läßt (bzw. auch in der Ewigkeit real sein läßt, was zeitlebens nimmer noch veränderbar gewesen wäre) die eine Qual bedeutet, die ich mri nicht einmal ausmalen möchte. 

Sie sind alle der faulen Ausrede aufgesessen, gewartet zu haben, bis sich die Wahrheit Gottes und der Kirche "von selbst erweise". So erweise, daß sie ja gar nicht mehr glauben müßten (!), weil das Zustimmen zu einem Selbstevidenten ja gar keine eigene Leistung, kein eigenes Selbsttragen wäre, sondern Ablauflogik, in der eine Tür von selbst ins Schloß fällt. 

Die ihnen schon zeitlebens ein so verarmtes Leben beläßt, in dem die ständig unerfüllte Herrlichkeit eines Lebens in Gott, das aber so leise und still ist, das nicht schreit, sich nicht aufdrängt wie sie es von der Welt erwarteten. Denn dieses Erwarten, dieses Herausfordern an Gott, der ihnen die eigene Lebensarbeit abnehmen solle, so wie der Sohn sich verkommen läßt und damit spekuliert, daß der Vater ihn errettet und hebt, WEIL der ihn ja liebt, wirklich liebt, sodaß das Elend des Sprosses einen schwer zu ertragenden Schmerz bedeutet. Und weil man doch, bitte schön, gefälligst das Recht darauf habe, daß einen Gott gleich mal mit den höchsten mystischen Gnaden bedächte, denn immerhin ... ist man ja der Beste und Schönste und vor allem Klügste.

Weshalb es doch mehr als lächerlich wäre, auch den nächsten, den der dohc "als Zimmermann in Nazareth gearbeitet" hatte, der schwitzt und stinkt wie ich (nein, mehr als ich, denn auch darin bin ich besser) wenn es darußen 30 Grad hat. Denn den Platz in der Ordnung des Seins, den habe ich erst zu bekommen, der hat dann meinen Ansprüchen zu genügen, denn das, womit ich qua Geburt bedacht worden bin, das kann doch nicht alles gewesen sein. Denn ich habe Besseres verdient, das sieht doch jeder Blinde mit seinem Stock. Und das hat gefälligst zu kommen, wie und wann es mir gefällt. 

Aber das Nächste, das Herantretende, das real Begegnende? Nein, DORT ist Gott sicher nicht. Das steht nur im Weg. Und ihn als Wirklichkeit, IN DER Gott west, anzusehen würde doch glatt bedeuten, zuzulassen, daß ich ihm zu gehorchen hätte weil in Gottes Ordnung zu- und untergeordnet bin. Und das kann bei diesem doch nun wirlich nicht sein, der doch moralisch weit unter mir rangiert, meine Gutheit nicht annähernd erreicht hat. 

"Und er konnte in jener Gegend nur wenige Wunder tun."