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Donnerstag, 25. Juli 2019

Der Ort definiert das Leben (2)

 Teil 2) Die Anmerkung als notwendiger Exkurs über Gestalt




*Dieser Satz, diese Wahrheit wird leider heute völlig miß- beziehungsweise überhaupt nicht mehr verstanden. Er wird nämlich dahingehend interpretiert, daß wir uns immer erst um das "große Ganze" kümmern müssen, nicht um das kleine Lokale. Also - erst Globalisierung, dann wird auch das Regionale gut. Das ist genau das Gegenteil von richtig, es ist völlig falsch! Denn das ein Regionales, Proprietäres übersteigende Insgesamt, das jeweils alles Regionale in ein nächstes Überregionales, größeres Ganzes integriert, ist GAR NICHT im Erfahrungs- und Gedankenhorizont des je von ihm Eingeschlossenen. Es übersteigt dieses immer unendlich. Unendlich? Ja, weil es als Ganzes nicht in Teile auflösbar ist, und somit unserer Gestaltungsvollmacht gar nicht unterliegt. Vielmehr können wir immer nur in unserem ureigensten lokalen, regionalen, individuellen (etc.) Rahmen denken und handeln. 

Man kann allem Übersteigenden, allem Ganzen nur als "Gestalt" begegnen, der einzigen Rezeptionsform, die ein "Ganzes" erfassen kann. Aber jedes Ganze hat eben seine nächsten, eigenen Kategorien! Damit bleibt nur die "Ehrfurcht" als erkenntnisgemäße Haltung. (Das Erkennen ist immer ein Kommunizieren, ein personaler Akt, also ein wesensgemäßes Zueinander von Gestalten.) Das Ganze kann deshalb nur bestaunt, nie aber "gemacht" werden. (Weshalb Ehrfurcht vor allem Geschöpflichen, Dinglichen, Persönlichen die einzige wirklich menschengemäße Haltung ist.)

Ein Beispiel: Der Junge, der Schüler (etc.) kann nie die geistige Welt des Erwachsenen (Lehrers) zur Gänze in Gedankenkategorien auflösen, das heißt verstehen.* Das ist bestenfalls in abgegrenzten Teilen möglich. Das Ganze aber kann er als Gestalt aufnehmen und erinnern. (Man beachte die Rolle der Sympathie - siehe Max Scheler! - im Erkenntnisprozeß.) Allmählich und mit dem Grad der Reifung wird sich deren innere Grammatik (wie sie die Gestalt enthält beziehungsweise diese trägt) aus der Erinnerung heraus aneignen können, wenn auch nie ganz (weil alles Personsein heißt, Individuum zu sein: So etwas wie "seine eigene Art". So, wie jeder Ort schon das Individuelle bewirkt. Und nichts ist am selben Ort wie ein anderes.

Wer meint, das größere oder große Ganze machen zu können, ist wie ein Kind, das seinen Legobaukasten hat und nun meint, die Welt exakt so bauen zu können, daß sie wie die Welt "ist".

Die Katastrophe rund um den Aralsee ist das exakt illustrierende Beispiel: Hier wurde "im Großen" gedacht und gehandelt, und dabei alles Kleine zerstört, und damit erst recht das Große. Die Austrocknung des Aralsees hat bewirkt, daß sein zurückbleibendes, nun vom Wind verblasenes Salz (Wasservertrocknung) sogar die umgebende Landwirtschaft zerstört hat. Der Mensch kann nur im Kleinen (technisch) denken. Das Große wird sich ihm IMMER entziehen, es ist unendlich komplex.

Das, was unserer Gestalt direkt entspricht also. NUR indem wir somit in diesem kleinen, uns eigenen Horizont handeln, also im Rahmen unserer unmittelbaren Verwurzelung, gliedern wir uns in ein größeres Ganzes ein. Schon gar nicht also können wir in einem Rahmen denken und urteilen und handeln, der "das Weltganze" betrifft. Dieses ist von uns überhaupt nicht direkt adressierbar! Sondern nur, indem wir von den allerkleinsten Stufen unseres Daseins ausgehen und dieses erfüllen. Nur so berühren wir das nächste Umfassende. Hierein wiederum befinden sich alle Orte, alle Wesen in einer klaren Hierarchie, weil einem Zueinander, das nie "gleich" sein kann. (Denn "hier" ist nicht "dort", und sei es nur einen Millimeter daneben. Es gibt kein Ding, kein Wesen ohne nur ihm zubehörigen Raum.)

Zur Illustration: Nur wenn wir den Bohnenstrauch in unserem Garten wohl hüten und pflegen, ja in diesem Rahmen als unserem ersten Verantwortungs- und Aufgabenbereich denken, uns diesem kleinsten Rahmen verantwortlich sehen, wird die globale Flora berührt. Nur, wenn wir uns um unseren Vorplatz vor dem Haus, den Bäumen in unserer Straße widmen, wird das Kleinklima, das uns umgibt, angepaßt und verändert. Dort endet auch unsere Verantwortung, nur darum haben wir uns zu kümmern. Was das im größeren Ganzen, im Stadtklima, oder etwa gar im "Weltklima" ausmacht, werden wir überhaupt nie wissen, schon gar nicht beeinflussen können. 

Das Reden, daß wir das Weltklima nur global lösen und retten können und müssen, nicht durch individuelles Handeln und individuelle, direkte Verantwortung, ist also das hundertprozentige Gegenteil von der Wahrheit - es ist ein Irrtum, wenn nicht eine Lüge. Das "Weltklima retten" zu wollen wird also nicht nur mit absoluter Sicherheit völlig unberechenbare Wirkungen haben, sondern es wird sich vor allem an einem Punkt auswirken: Es wird LOKAL Störungen und Probleme verursachen.

Der jeweils größere Rahmen bestimmt zwar die Beziehungen der ihm zugewiesenen Teile, also der seiner Ordnung zubestimmten Orte und Teilorte, aber im Sinne einer Festlegung, nicht im Sinne eines "Tuns". Handeln, tun kann somit einerseits nur der ureigenste kleine Ort, anderseits kann er es nur im Rahmen einer Bestimmung vom größeren Ganzen her, der IHM sein Wesen gibt. Also - in der individuellen, "kleinsten" Wesenserfüllung beginnend. 




*Heimito von Doderer bezeichnet deshalb die (nachfreudianische) Psychologie, die genau das zu können von sich behauptet, als Geisteskrankheit.




Mittwoch, 24. Juli 2019

Der Ort definiert das Leben (1)

Auch die Austrocknung eines noch vor zwanzig Jahren viergrößten Süßwassersees der Welt, des Aralsees zwischen Usbekistan und Kasachstan, hat mit Klima nichts zu tun. Sieht man davon ab, daß er das regionale Klima prägt. Sie war die Folge eines absurden, typisch größenwahnsinnigen Projekts der Kommunistenschädel, die da meinten, durch Wasserentnahme aus den beiden Hauptzuflüssen die kasachische Steppe durch Getreide- und vor allem Baumwollfelder (die noch dazu enorm viel Wasser ziehen) wirtschaftlich nutzbar zu machen. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Der früher fischreiche, kristallklare See, der einen ganzen geographischen Großraum ernährte und wirtschaftlich prägte, trocknete bis auf einen kleinen Rest aus. 

Aber es gibt Hoffnung, und der Aralsee wird wieder größer, seine Wasser steigen wieder. Durch ein von der Weltbank finanziertes, großes Dammprojekt, das vor einigen Jahren realisiert wurde. Schon wenige Jahre später ist sichtbar, daß die Seefläche wieder zunimmt, wie dieser Bericht aus dem Jahre 2017 zeigt. Und zur großen Freude der noch verbliebenen Bewohner, die in der Zwischenzeit auf Kamelnutzung umgestiegen sind, kommen auch die Fische wieder. Und zwar bei weitem nicht nur durch künstlichen Besatz. Zumindest für den Nordteil wächst die Hoffnung, daß der Aralsee wieder aufersteht.

Wenn auch die Anwohner sich nicht vorstellen können, daß er jemals wieder zur alten Größe und Pracht zurückgelangt, regt sich Hoffnung und mancher trifft bereits Vorbereitungen auf die nähere Zukunft. Indem er etwa beginnt, alte Boote wieder flott zu machen, indem er versucht, sich an die Fischfangtechniken der Väter zu erinnern. Mancher Junge plant sogar bereits wieder, sein Leben wie die Vorfahren als Fischer am See zu verbringen. Schon gibt es auch in Aralsk, dem Hauptort und früheren Haupthafen der Region, der heute dreißig Kilometer vom See entfernt liegt, in den Läden wieder frischen Fisch aus dem See.

Wie rasch die Erholung von ausgetrockneten ehemaligen Wasserflächen aus ganz natürlichen Gründen gehen kann, zeigt auch eine Studie aus Oregon in den USA. Wo man nach einigen Dürrejahren untersucht hat, wie sich die Population von Forellen und Salamandern in den ehedem fast ausgetrockneten Gewässern und den angrenzenden Flächen entwickelt. Und siehe da: Es dauert nur ganz wenige Jahre, bis die Dichte an Tieren frühere Ausmaße wieder erreicht.

Schon Richard Woltereck zeigt in seinen Untersuchungen im 20. Jahrhundert, daß Tierbevölkerungen ungemein elastisch auf Gegebenheiten in biologischen Räumen reagieren. Und sich in ihrem Freß- wie Fortpflanzungsverhalten ganz rasch auf wechselnde Bedingungen einstellen. Die Tiere haben offenbar ebenfalls eine Entsprechung zu dem, was den Menschen sogar als direkter Schöpfungsauftrag gegeben ist: Seid fruchtbar und mehret euch, und macht euch die Erde untertan! Nur auf anderer, instinktiver, direkter Ebene, die nie hinterfragt, die immer zu erfüllen getrachtet wird.

Am verblüffendsten fand der Biologe, daß Lebewesen ihren "Fraßfeinden" keineswegs in einer bloßen Abwehrsituation gegenüberzustehen scheinen, sondern sogar die Zahl ihres Nachwuchses nach den Freßfeinden orientieren. Also diesen sättigen, um dann ihren bestandserhaltenden Nachwuchs zu gebären. Umgekehrt, nehmen die Fraßfeinde "Rücksicht", und schränken ihre Jagd und ihr Fortpflanzungsverhalten ab einem gewissen Zahlenverhältnis Esser: Nahrung ein. Das sich grosso modo somit äußerst stabil hält. 

Desaströs wirkt nur eines: Wenn Ortsfremde in ein bestehendes Biotop gelangen. Denen fehlt jeder Bezug zum Ganzen, und ein Lebensraum verändert sich dramatisch, ja kann überlebensfeindlich werden. Übrigens vor allem für die Zuzüglinge. Sie gehen von einem Insgesamt aus, das dem, in dem sie sich jetzt befinden, nicht entspricht.

Alle Lebewesen leben offenbar in einem "Feld", einem Lebensraum, einem abgrenzbaren Ort beziehungsweise Ineinander von Orten, meint Woltereck. Die bestimmte ideelle (ontologische) Beziehungsknoten enthalten müssen, sonst ist das Verhalten ganzer Populationsgefüge, die sich zu einem Ganzen verhalten, das mit der Umgebung nahtlos ineinanderfließt, nicht erklärbar. Ganzheiten, Felder, die dann auf das individuelle Verhalten einwirken und mit diesem korrespondieren. Der Ort definiert das Wesen, ja ist in gewisser Weise das Wesen der Dinge und alles Lebendigen.*





Morgen Teil 2) Die Anmerkung als notwendiger Exkurs über Gestalt




Freitag, 2. Oktober 2015

Strategie einer Generation (2)

 Teil 2) Ein völlig neuer Schlüssel zum Zeitverständnis - als Revolution




Nun gibt es den bekannten Fall, daß man Korrelation und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht verwechseln darf. Um in einem beliebten Beispiel zu bleiben: Mehr Störche bringen nicht mehr Kinder, auch wenn die Zahl beider zugleich steigt. (Wobei der VdZ dieses Beispiel gar nicht so glücklich findet, denn er könnte sich hier ganz andere Zusammenhänge vorstellen, tatsächliche Zusammenhänge, die hier symbolisiert werden, aber lassen wir das.) Sieht man die Welt mechanistisch, und dazu tendiert Bouthon zweifellos, wenn er übersieht, daß es im eigentlichen Sinn gar keine natürlichen "Gesetze" gibt, sondern zum einen nur Wahrscheinlichkeiten, weil zum anderen immer Individuen handeln die sich entscheiden, auch in der nicht-menschlichen Natur übrigens (dazu ein andermal noch mehr), so übersieht man außerdem praktisch immer, daß man in diesem Materialismus nur eine Erklärung hinter die nächste schiebt. Daß aber der eigentliche Moment, der des Begreifens, der des wirklichen Warum, nie gelöst wird.

Eigentlich hat der VdZ das Buch ja auch nur erwähnt, weil sein Autor einen im weiteren Textverlauf aber wieder eher vernachlässigten Tatbestand aufzeigt. Nämlich den Einfluß, den Bildung und Elite auf ein Volk haben. Den aber findet der VdZ in Zusammenhang mit der Gegenwart viel interessanter. Denn wir - in Europa - haben keinen Geburtenüberschuß, wir haben nicht zu viele Junge, wir haben eher zu wenige. Und doch ... auch wieder nicht, und dieses Zögern werden wir gleich erklären.

Bouthon weist nämlich - ähnlich wie Jacques Ellul (und nicht nur er) in seinen Untersuchungen zu den Revolutionen - darauf hin, daß es die unterbeschäftigen Eliten waren und sind, die Revolutionen vorbereiten. Sie, die kraft Geburtsrecht und hoher Bildung als Elite herangezogen werden, erleben dann eine Situation, in der die Stelle, die ihnen zugedacht wäre, schon besetzt ist. Es gibt zu viele von ihnen, ganz einfach.

Also überlegen sie Strategien, wie sie das Recht, das ihnen zusteht, einfordern können. Überlegen sie, wie sie jene Positionen und Ehren erlangen können, die ihnen durch die "Inflation von Ihresgleichen" vorenthalten bleiben muß. Denn kein Land braucht zu viele Häuptlinge. Wir aber haben eine ganze Generation zu Häuptlingen herangezogen. Das kann nicht ohne Folgen bleiben.

Der Umbruch der Moral, den wir heute auf wahrlich fundamentale Weise erleben, ist die Gegenwehr der Jungen! Er ist die Gegenwehr einer Generation in UNTERZAHL, die sich gegen die gar nicht mehr absehbar endliche sondern unendliche Dominanz einer erdrückenden Bevölkerungsmehrheit - der Vätergeneration, der Elterngeneration, der Alten* - keinen anderen Weg findet, als deren BERECHTIGUNG zu dominieren durch eine neue Moral zu unterwandern. Nur so kann sie diese drückende Herrschaft abschütteln, den riesigen Überbau, der sie erdrückt, der sie bedrückt, zum Einsturz bringen, indem sie seine Fundamente untergräbt.

Die heutige Generation erlebt sich tatsächlich in einem hohen Maß ungebraucht. Das drückt sich auch in einer aberwitzigen und absurden Pädagogik aus. Das drückt sich sogar in einer ungebremsten Zuwanderung aus, die überhaupt so manchem das Gefühl vermitteln könnte, daß er regelrecht unerwünscht in seinem Heimatland ist. Man braucht bestenfalls einige Eigenschaften. Aber nicht ihn, den Einzelnen, in dem, was er ist. MAN BRAUCHT KEINE IDENTITÄT. Man verwehrt sogar die einzige Weise, wie Identität überhaupt vermittelt wird - als gegeben, nicht als genommen, im Selbstüberschreitne, nicht im Selbstdefinieren. Aber auch das ist bereits Teil einer (im Ganzen sicher unbewußten, aber genau deshalb so massiv, ja beinahe unbeeinflußbar² auftretenden) Gesamtstrategie.

Kinder kommen heute in eine Welt, die regelrecht "vollgestellt", ja erdrückend dicht und festgefahren ist. Gerade jungen Männern fehlt damit jede Möglichkeit, sich eine Welt zu erobern, sich an der Welt die Hörner abzustoßen. Vieles, was als "Spaßgeneration" denunziert wird, ist also keineswegs dekadenter Lageweile entsprungen, die Nervenkitzel braucht. Es ist ein Versuch, eine notwendige und richtige Seite am Menschsein, einen Antrieb zur Selbstwerdung zu genügen. 

Also beginnt sich diese Aggression Sonderwege zu suchen, auch Perversionen, sucht Wege Grenzen zu finden und zu überschreiten, und das als durchaus gesunde Reaktion der Menschen selbst. Nachdem aber diese Welt der Gestelle, der handfesten Dinge, die uns bis ins Schlafzimmer umgeben, kaum mehr beweglich und veränderbar erscheint, flieht man ... ins Abstrakte. Wird die Erde zu klein, flieht man in den Himmel, so könnte man es ausdrücken. Und dieser Himmel ist - die Moral. Die höhere Moral. In ihr können sie sich zur Überlegenheit aufschwingen, hier gibt es eine ganze Landschaft, in der sie sich noch bewegen können, in der sie etwas bewerkstelligen können. In der ihnen kein Vater dreinredet, sondern in der sie die Meister sind.

Und DAS ist der eigentliche Grund (der VdZ denkt mehr und mehr in diese Richtung) warum diese neue Moral, der Klimawandel, die Ökologie, Veganertum (alles miteinander in Wahrheit  Neurosen oder gar schon Psychosen) heute nicht nur dominiert, gerade bei der Jugend, sondern warum sie mit immer größerem Fanatismus vertreten wird. Denn in diesem Fanatismus, in dem "es um etwas geht", tut sich die Tür zu dem auf, was ihnen kraft ihres Menschwerdens eben eigen ist: Das Abenteuer, sich die Welt zu erobern, und vor allem: sich eine Welt zu schaffen.

Expliziter Krieg wurde zur Generallähmung abneurotisiert. Krieg, mit Waffen und Soldaten, wird heute generell verteufelt und für schlecht erklärt. Also sucht man einen neuen Krieg. Und hat ihn schon gefunden. Als Weg, die Vätergeneration total zu beherrschen.

Nimmt man das aus Bouthons Buch, deutet man die Beobachtungen etwa von Gerd Held weiter, kann man durchaus also etwas finden, das Erhellungskraft hat und unsere Zeit auf neue Weise begreifbar macht. Und uns einer (bestens ausgebildeten, aber die Gesellschaftsharmonie zahlenmäßig schon völlig zerstörenden) Elite mit vehementem Führungsanspruch ansichtig macht, die sich anschickt, uns von den Fundamenten her aus den Angeln zu heben.





*Wir stehen heute im Zeichen der Herrschaft der geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre. Die Generationen bis Mitte der 1960er (dann kam der Pillenknick) sind rein zahlenmäßig, einhergehend mit einer deutlichen Erhöhung der Lebenserwartung, den nachfolgenden Generationen doppelt überlegen! Daß das das Angesicht eines Staates, die Stimmung eines Volkes - hin zur Fortführung des Vorhandenen, auf die diese Generation ja ihre Zukunftsplanung (alleine durch die erwartete Pension) aufgebaut hat, hin zur Unbeweglichkeit des Status quo also - ändert, ist wohl von niemandem zu bestreiten.

**Der "Jugendwahn", der heute mit Recht beklagt wird, geht also keineswegs von den Alten aus! Vielmehr ist er DAS Mittel der Jungen, den Alten zu zeigen, daß sie ihnen überlegen sind. So erlebt es der VdZ auch ganz real: Junge Menschen fühlen sich schon alleine deshalb überlegen, weil sie sich schlank gehungert halten, während der VdZ ein feistes Bäuchlein aufweist. Fühlen sich schon deshalb überlegen, weil sie aus den Schulen (und bald jeder zweite besucht weiterführende Schulen und Universitäten) mit einer ungeheuren Pose des überlegenen Wissens kommen, demgegenüber das Wissen der Alten wenn schon nicht quantitativ unterlegen ist, so doch in seinem fundamental ANDEREN Anspruch (Moral!) tatsächlich völlig anders ist. Was wir hier erleben ist ein wirklich erschreckendes Ausmaß von Ortslosigkeit, von Zerreißen von Form und Inhalt, von Funktionalisierung des Menschen - statt Gestaltbedeutung. 

Daß Erkenntnis tatsächlich mit Reife und Erfahrung, damit mit Alter, Rang, Stellung, Ort eben zu tun hat, daß das Alter damit auch seinen festen Platz im Gefüge eines Volkes und Staates hat und braucht, weil Zeit das entscheidende Erkenntnismittel ist, daß Erkenntnis mit der Weise des Zugangs (und damit mit der Wirkung der Zeit auf einen Menschen) dazu zu tun hat, daß Würde und Respekt mit der Stellung in der existentiellen Ordnung, der Ideenordnung also, nicht in der der Funktionalität zu tun hat, daß sich aus dieser Ordnung auch Beziehung definiert und nicht umgekehrt, ist mittlerweile völlig verloren. Damit aber hat eine Gesellschaft tatsächlich jeden Halt verloren. Sie muß in sich zusammenfallen. 

²Was den VdZ noch mehr erschreckt aber ist, daß er den Eindruck hat, daß dieser Generation der Jungen bereits eine Haltung innewohnt, die sie unbelehrbar macht. Es ist eine prinzipielle Erkenntnisunfähigkeit, die er zu beobachten meint. Und das kann auch gar nicht anders sein: Sich gegen die Väter zu behaupten kann nur der, der sein Gesicht hart macht, der sich also über sie stellt. Aber niemand erkennt, der das zu Erkennende als unter ihm stehend sieht. Er bleibt immer in seinen bereits vorhandenen Kreisen. Die Schulen in unseren Landen erziehen - als Instrumente der Revolution - also genau dazu: Zur Erkenntnisunfähigkeit. Sie erziehen nur noch zur Anwendungsverbesserung.





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Donnerstag, 1. Oktober 2015

Strategie einer Generation (1)

Gerd Held auf dem Blog "Tichys Einblick" spricht davon, daß die Eliten der Gegenwart bemerkenswert realitätsfern agieren. Nicht zuletzt in der Flüchtlingsfrage. Denn wie eine der regelmäßigen Umfragen des Allensberger Instituts zeige, sei der "moralische Anspruch" der Eliten zwar hoch, und sie würden auch alles unterstützen, wo es darum geht, Zuwanderer bedingungslos aufzunehmen. Fragt man sie aber nach konkreten Maßnahmen, nach politischen Mitteln, fragt man sie nach Dingen, die ihr eigenes Lebensumfeld berühren, so zeige sich, so Held, daß das, was sie dann forderten, mit ihrem ursprünglichen Ansinnen nicht übereinkommt. Sie beginnen sich immer deutlicher zu widersprechen, um es kurz zu machen (man lese es nach, so man den Argumentationsweg näher kennen möchte.) Held spricht deshalb davon, daß die Eliten zwar gerne Vorschreibungen machen, aber sich darin von dem realen Geschehen in einem Staat schon verabschiedet haben, also völlig realitätsfern geworden sind. So sehr, gerade in dieser Frage, daß man das "Staatsverweigerung" nennen müsse.

Was aber Held in dem Beitrag sagt, ist noch weit mehr und anders zu verallgemeinern. Und es hat sehr wahrscheinlich mit einem bemerkenswerten Phänomen zu tun. Das abzuklären sich Gaston Bouthol mit einem Buch mühte, welchen einstigen Bestseller er schon vor 40 Jahren schrieb. In "Kindermord aus Staatsraison" geht Bouthol nicht so sehr der Frage nach, was Kriege auslöst, sondern was die Situation in einem Staat oder Volk an Bedingungen aufweist, der sich anschickt, aktiv einen Krieg zu führen.

Der Franzose analysiert dabei die demographischen Daten, und versucht sie in einen Ursachenzusammenhang mit Krieg und Kriegsstimmung zu bringen. Vieles an dem Buch ist Unsinn. Aber vieles ist schlicht und ergreifend interessant. Bouthon kommt darin zu dem Schluß, daß es immer nicht im Gleichgewicht befindliche, also "überzählige", nicht Antwort und ausreichend Betätigungsfeld findende Bevölkerungsgruppen sind, die in einem Staat jene Schieflage bewirken, die ihn schließlich in einem erst langsam aufbauenden Wirkfeld und dann recht plötzlich erfolgenden Umschlag zu einem Krieg treiben.

Und das liegt in der Überhandnahme der nachwachsenden Generation junger Männer. Diese in diesen aufkommende, je neue Lust auf Abenteuer und Bewährung zu bändigen bleibt keine andere Chance, als Krieg zu führen. Dazu gibt es zwei bzw. zweieinhalb Möglichkeiten: Das eine ist, die Geburtenzahlen bereits vor oder unmittelbar nach der Geburt zu regeln. So, wie es viele Völker (u. a. die Römer) lange pflegten, die ein Neugeborenes durchaus ablehnen, ja zum Tode verurteilen konnten. Sofern Völker nicht überhaupt zu Empfängnisverhütung oder Abtreibung greifen. 

Ähnliche Mechanismen, so Bouthon, zeigten sich ja auch in der Natur. Auch dort gibt es zwei Methoden, zu dichte Bevölkerung zu vermeiden: Empfängnis zu verhüten, und sei es, daß die Empfängnis- oder Paarungsbereitschaft bei dichterer Besiedelung des Lebensraumes überhaupt abnimmt - wie bei Ratten in einem Käfig beobachtbar - oder daß Methoden der Eliminierung bereits Geborener (durch Mord) auftreten. Oder gar Massenselbstmord stattfindet, wie bei den Lemmingen,. oder den Wanderungszügen von Büffeln und Antilopen in Afrika oder den USA, so Bouthon.  (Bouthon, nicht der VdZ.)

Tatsache ist - wobei sich in der Natur diese Tatsache wirklich beobachten läßt: Lebensräume halten sich bemerkenswert stabil in Art und Zahl ihrer Bewohner, R. Woltereck hat dazu großartige Untersuchungen angestellt; insofern ist es als Faktum zumindest interessant, was Bouthon da schreibt - daß ein bestimmter Lebensraum nur mit einer bestimmten Anzahl von Bewohnern verträgt. Und zwar nicht nur in der Anzahl, sondern auch in der Aktualitätsharmonie, sprich: die Alters- und Geschlechtsgruppen müssen sich in gewisser funktionaler Ausgeglichenheit befinden. Überwiegt eine Gruppe - junge Männer, Frauen, Alte, was auch immer - so reagiert die Gruppe in einer allmählichen Stimmungsverschlechterung dieser Gruppe gegenüber. Und reagiert durch Maßnahmen, sie zu reduzieren, weil sie sonst als Ganzes aus dem Gleichgewicht kommt. Das sei ein unausbleibliches Naturgeschehen.

Bouthon geht so weit, daß er deshalb die Hauptmotivation für Staatenlenker, von Napoleon bis zu Bismarck und Hitler, in einer politisch in Abständen notwendigen (sic!) Reduktion dieser Bevölkerungsgruppen erblicken zu können meint. Vereinfacht: Die Arbeitslosen einer Generation sind exakt jene Soldatenmassen, die im Krieg dann als Gefallene "abgeschöpft" werden. Ist dieser Überhang an jungen Männern abgebaut, kommt auch ein Krieg wieder zum Stillstand. Die Fehler der Herrscher der Vergangenheit waren vielfach aber, daß sie diesen Zeitpunkt übersehen haben. Dadurch hat sich die Stimmung im Volk wieder gegen sie gewendet, weil sie den Krieg nicht früh genug beendet haben.

Ist ein Krieg beendet, steigt die Lebensstimmung eines Volkes rapide wieder an. Aber nicht, wie  man meistens meint oder als Meinung vorschiebt, weil der Schrecken vorbei ist, das ist gar nicht das Hauptmotiv, was sich ja in der Stimmung zeigt (denn die Folgen des Krieges sind ja nun erst recht da.) Sondern weil der Druck von VOR dem Krieg abgebaut ist. Aus diesem Überschuß an Lebensfreude ergibt sich nun auch eine neuerliche Steigerung der Fertilität - der Kreislauf beginnt von vorn. Man könnte deshalb zu dem Schluß kommen, daß eigentlich der Krieg der Normalzustand ist, eine absolute Notwendigkeit also.


 



Morgen Teil 2) Ein völlig neuer Schlüssel zum Zeitverständnis - als Revolution




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Dienstag, 23. Dezember 2014

Geheimnisvolle Natur

Zu ewas anderen Erklärungen was die Eisbärenpopulation anbelangt (als lediglich Jagdgesetze, die die Bejagung regeln) kommt eine Studie, die EIKE jüngst thematisiert. Demnach ist es seit den 1960er Jahren, seit der Eisbärenbestand überwacht wird, bekannt, daß sich die Zahl der Eisbären im nördlichen Kanada in einem 10-Jahres-Zyklus bewegt. In diesem Rahmen bleibt sie aber stabil. Ohne daß man über die wirklichen Gründe dafür Bescheid wüßte. Alle 10 Jahre also gibt es viele, dann zu viele, und daraufhin wieder Eisbären in abnehmender Zahl. Die wiederum mehr Nachwuchs in die Welt setzen. Etc. etc. Dies könnte etwa mit dem Eis im Frühling zu tun haben, das 1974-76 oder 2004-2006 besonders dick war. In den aktuellen Alarmmeldungen der Klimanarren, die jedes Jahr auf den Weltuntergang warten, ist leider nicht einmal bekannt, wie sich das Frühlingseis verhalten hat. Mein Gott, das wären ja Fakten, die außerhalb der Blindbrillen liegen.

Es liegt in den Augen des VdZ sogar nahe, die Poupulation an Eisbären im Rahmen eines Naturgesetzes - deren größtes die Erde als Ganzes, im Rahmen des Kosmos, ist - zu sehen. Richard Woltereck beschreibt schon vor 80 Jahren in seinem großartigen Werk über "Philosophie der Lebendigen Welt - Allgemeine Biologie", daß jedes Lebewesen in einem gewissen Biotop zahlenmäßig immer in einem äußerst stabilen Gesamtrahmen existiert, der mit der Zueinanderordnung der Lebewesen - mit dem Ziel des Bestandes - genauso, wie mit der Größe des Lebensraumes zu tun hat. Dieser Lebensraum hat nun eine bemerkenswerte Harmonie in seinem faunatischen wie floratischen Bestand.

Das führt so weit, daß Beutetiere zum Teil sogar in zwei Schüben Nachwuchs produzieren - der erste Schub wird aufgefressen, und der zweite großgezogen, weil "erstaunlicherweise" nicht mehr gefressen. Keineswegs fressen Raubtiere also so viel, wie sie können, um sich dann überproportional zu vermehren (schon das widerspricht jeder Darwin'schen, materialistischen Phantasie) - im Ganzen erhält sich eine äußerst stabile Verhältniszahl aus Räubern und Opfern.

Mit Klimawandel hat der rückläufige Eisbärenbestand von 2001 bis 2010 jedenfalls nichts zu tun. Denn seither steigt er wieder, was Klimanarren natürlich verschweigen, deren Grundproblem ja die rationalistische Linearität ist, in jeder Hinsicht. Es hat u. a. einfach mit der Geschlechtsreife der Bären zu tun, die sich mit Zeitverzögerung auf den Bestand auswirkt. Seit 2011 jedenfalls steigt dieser nämlich wieder. 

Wie immer.




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Freitag, 12. September 2014

Bruch mit liebgewordenen Vorstellungen

Neuerlich belegen Funde in China, daß zumindest manche Dinosaurierarten - darunter der berühmte Tyrannosaurus Rex - ein Federkleid hatten, schreibt der Standard. Daß das generell so gewesen sein dürfte, wird angeblich unter Paläontologen ohnehin schon seit geraumer Zeit angenommen. Weil immer wieder Saurierfunde auch klare Abdrucke von Federn zeigten. 

Das stößt aber beim Publikum auf Ablehnung. Jahrzehnte hat man mit Phantasiebildern ganz andere Vorstellungen etabliert, die ja nicht nur von den Tieren selbst inspiriert waren sondern einen gesamten Vorstellungshorizont einschloß. Als man in unseren Tagen an die Planung des Films "Jurassic Park 4" ging, hat man sich sogar bewußt gegen diese recht sichere These gestellt, weil man sich damit gegen diese eingefahrene Vorstellung der Zuschauer gestellt hätte.

So manche Saurier - mit Federkleid - sind übrigens auch nicht ausgestorben, sondern leben als  "Vögel" nach wie vor. Doderer stellt in "Die Wiederkehr der Drachen" die ebenso entzückende wie plausible These vor, daß überhaupt viele dieser Arten gar nie "ausgestorben" sind. Sondern aufgrund der größeren Dichte an Lebewesen habe sich lediglich der Riesenwuchs verunmöglicht. Deshalb ist Schilderungen von Drachen, etwa in alten Sagen, genauso, wie Berichten sehr glaubwürdiger Zeugen noch bis ins 18. Jhd., die vom "Tatzelwurm" in der Steiermark berichten, absolut Glauben zu schenken. Nur fehlte diesen Tieren zunehmend der Lebensraum. 

Und die Größe von Lebewesen (oder, als Ersatz, ihre Anzahl, wo also Menge eine Art Gesamtorganismus darstellt, man denke dabei an Ameisen oder Fischschwärme) hängt unmittelbar mit ihrem Lebensraum zusammen. Aber nicht einfach in Metern bemeßbar, sondern in Raummutungen, in Dimensionsverhältnissen. Die ihre Anzahl genauso einbegreift wie die Verhältnisse der Arten zueinander, wie Richard Woltereck in seiner "Philosophie des Lebendigen" so großartig zeigt. Sie vermehren sich in ihren Lebensräumen diesen Verhältnissen entsprechend, Freßverluste einkalkuliert, mit einer bemerkenswerten Konstanz der Verhältniszahlen, die keine Art aus sich heraus (!) unter- wie überschreitet.

Blauwale etwa hätten im Mittelmeer durchaus gleiche Kilometer Meer um sich, und die Lebensbedingungen sind technisch gesehen identisch mit denen im Atlantik. Dennoch waren sie dort nie zu finden. Noch heute weiß man im Amazonasgebiet Anakondas, die 15 Meter Länge erreichen, und damit zu einer neuen Art Lebewesen mit der Zuordnung eines neuen Raumes aufsteigen, wo sie zu absoluten Herrschern werden und kein Freßfeind ihr Wachstum beschränkt. Historische Berichte von Anakondas (die im Skelett übrigens Rückbildungen von Gliedmaßen aufweisen) mit über 30 Metern Länge aus Zeiten, wo der Regenwald noch weit größer und ungestörter war, sind also durchaus glaubwürdig. 

Dennoch wachsen Organismen nicht unbegrenzt oder nur relativ zur Umwelt, sondern ihre Gestalt hat neben einem Raumverhältnis auch ein gewisses absolutes Dimensionsverhältnis in sich selbst. Das wiederum im Verhältnis zu ihren Lebensvollzügen, Oberflächen- und Masse, mechanischen Verhältnissen und Umwelten steht. Sodaß etwa bei Überschreitungen wie Unterschreitungen der Größe die Gesamtkonstruktion nicht lebensfähig wäre oder zusammenbräche. Es gibt also keinen Käfer in der Größe eines VW, und eine Maus von der Größe eines Hauses wäre genauso nicht lebensfähig wie ein Elefant in Mausgröße. Und eine Fliege in der Größe einer Katze wäre nicht mehr flug-, ein Heuschreck derselben Größe nicht mehr sprungfähig, und jedes Insekt braucht eine bestimmte Luftdichte, bestimmte Auftriebverhältnisse, will es "in der Luft schwimmen" (=das Fliegen der Insekten, die nach Gesichtspunkten der Kraft niemals fliegen könnten). Während ein Mensch in der Größe einer Gelse es vielleicht könnte.

Denn dasselbe gilt für die Bemessung von organischen Leistungen, auch sogar hinsichtlich der Zeitdauer von Vorgängen, wie A. Berr in seinem schmalen, aber wunderbaren Büchlein "Größenordnungen des Lebens" zeigt.* Oder es zeigt sich bei simplen Düngebeispielen, wo ein gewisses Nährstoffverhältnis überschritten wird - und keinen Effekt auf Wachstum oder Ertrag einer Pflanze mehr hat. Die Natur ist nicht einfach in ein simples Ursache-Wirkungs-Verhalten aufzulösen.

Würden wir nicht so viel (unbewußt) Gewußtes mit einschließen in unsere Beobachtungen und Deutungen, von dem wir nämlich unbewußt ausgehen, und das mit dem was wir dann explizit sagen so gar nicht übereinstimmt, würden wir auf Vorstellungen über die Natur wie dem mechanistischen Evolutionismus gar nie kommen. An den nämlich gar niemand glaubt, sonst würden wir gar nicht überlebensfähig sein, behauptet der VdZ. Man breche doch nur die simpelsten Lebensvorgänge (die in Wahrheit immer extrem komplex sind) bei Mensch und Tier nach evolutionistischen Vorstellungen. Die Postulate des Evolutionismus haben ganz andere (psychogene und geistige) Funktionen, keine wissenschaftlichen, und sie funktionieren nur in dieser Zeit der Pseudologien, der abgespaltenen Zweitwirklichkeiten. Aber sie haben mit unserer Wahrnehmung, unserem Gewußten, unserer Wirklichkeitsrezeption nichts zu tun.

Viele der zu beobachtenden seelischen Probleme der Gegenwart entstehen aus diesem Konflikt - zwischen dem gesollt zu Glaubenden, und dem wirklich Geglaubten, dem postuliert Gewußten und dem wirklich von jedem Gewußten, das sich entmutigt zu verbergen sucht. Ohne Medien und ihre spezifischen Wirkweisen im Rahmen des Wesens von Wahrheit und Sprache wären die Verwirrtheiten, wie sie sich seit 500 Jahren so massiv aufgebaut haben, gar nie entstanden.

Der T-Rex sah jedenfalls eher so wie auf dem Bild aus, nach derzeitigem Stand der Paläontologie, war nicht dieses nackte Hautmonster, als das der er bislang dargestellt wird. Ob er aber laufen konnte, wie Jurassic Park es gerne dramaturgisch nützt, steht sehr in Frage. Denn auch die Kraftentwicklung von Muskeln hat ein absolutes Maß (durch die Zellenkonstruktion), wächst nicht einfach proportional zur Größe.

Gesehen auf anjainwonderland




*Erst vor kurzem stand in Zeitungen zu lesen, daß "Forscher entdeckt hätten", daß der Urniervorgang bei allen Säugetieren gleich lang dauert. Ob Maus oder Elephant, überall stehen die Komponenten in einem bestimmten Verhältnis, deren Ergebnis absolut überall gleich ist. Man hätte es in 80 Jahre alten Büchern nachlesen können, es ist ein alter Hut, aber so typisch für das, was heute passiert. Wissen, das seine Geschichte nicht mehr kennen will, fällt unweigerlich zurück.




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Dienstag, 3. September 2013

Falscher Erklärungsansatz

Es stehe zu vermuten, schreibt die Kleine Zeitung, daß die weitgehende Dezimierung der Hai-Bestände in der Adria Ursache seien, daß sich die (giftigen) Stachelrochen dort vermehrten. Sie würden nun zunehmend auch in den Küstenregionen gesichtet, wo sie früher selten waren. Das sei so eben, in der Natur, resümiert der Artikel: Es gehe in der Natur um fressen und gefressen werden, und fehle ein Glied in der Kette, nehme das zuvor gefressene überhand.

Aber ist das wirklich so? Richard Woltereck (und mit ihm eine ganze Schule von Naturforschern, vor allem jenen, die sich mit der Erforschung von Biozönosen, also kleinen wie großen Natursystemen, befaßt haben) zeigt ganz klar: Nein. Fällt ein oberes Glied in einer Nahrungskette aus, so bedeutet das keinesfalls, daß sich die nächstfolgenden unteren grenzenlos vermehren. Vielmehr bleiben die Lebewesen in einem erstaunlich stabilen Verhältnis zueinander. Und zwar von beiden Richtungen her.

Ein Beispiel: dient der Nachwuchs bestimmter Krebse anderen Lebewesen als Nahrung, so läßt sich aus der Beobachtung der Systeme auf fast mirakulöse Weise schließen, daß die Krebse einen guten Teil ihrer Nachwuchsdichte regelrecht deshalb in die Welt setzen, UM als Nahrung zu dienen. Ist eine gewisse Größenordnung erreicht, die in einem Verhältnis zum Gesamt des Biotops steht, hört diese Produktion auf, und auch die Raubtiere von zuvor lassen die nunmehr zum Aufwachsen, zum Erhalt einer bestimmten Populationsdichte und vor allem einem bestimmten Verhältnis der Arten notwendige Brut in Ruhe. 

Keineswegs also herrscht in der Natur das plumpe "catch as catch can", sondern die Verhaltensweisen aller Arten bezíehen sich auf noch unerforschte und vermutlich mit physikalischen Methoden unerforschbare Weise auf das Insgesamt des Lebensraumes. Die Forschungsrichtungen, die bis in die 1950iger Jahre auf "Feldtheorien" zuliefen, wurden durch unselige rationalistische Richtungen in den Naturwissenschaften aus dem Feld geschlagen. Aber daß diese alten Paradigmen des Darwinismus nicht stimmen KÖNNEN, die seither fröhliche Urstände feiern, ist mittlerweile vielfach belegt. Aber zum Durschnittsredner, für den Durchschnittsabsolventen der Universitäten, und schon gar für den Durchschnitt der Zeitungsleser, hat sich das noch nicht durchgesprochen.

Die Rochen vermehren sich also recht sicher nicht, weil ihnen nun die Räuber fehlen, die sie regelmäßig (und "leider" bzw. unfreiwillig) dezimiert hatten. Das Nachwuchs- und Nahrungsverhalten der Arten ist nirgendwo auf "möglichst viel" ausgerichtet, und orientiert sich nicht einfach am "Nahrungsangebot", bis halt nichts mehr da ist. Sondern auf eine bestimmte Stabilität des Erhalts ihrer Art. Sie reagieren nicht nach einem simplen mechanistischen Grundsatz des "soviel wie möglich". Sondern ihre Zahl bezieht sich auf ein Gleichgewicht in ihrem gesamten Lebensraum, in dem sie eine bestimmte Stelle einnehmen. Verändern sich einzelne Faktoren, so dauert zwar in der Regel bestimmte Zeit, bis sich die einzelnen Teile wieder aufeinander abgestimmt haben, aber sie haben das seltsame Ziel, sich aufeinander abzustimmen.

Der plumpe darwinistisch-mechanistische Ansatz trifft also auch hier nicht zu. Warum deshalb die Rochen zunehmen? Das weiß gar niemand. Erstens ist schon einmal nicht sicher, daß sie überhaupt zunehmen. Es scheint nur so, weil sie nun vermehrt in Küstennähe auftauchen. Angeblich. Aber warum das so ist, und was das für das Gesamtsystem Adria bedeutet, kann gar nicht gesagt werden. Auf jeden Fall sind solche darwinistischen Spekulationen ein Unsinn. Mit anderen Erklärungsmodellen würde man gewiß viel weiter kommen. Dann könnte man vielleicht auch haltbare Aussagen treffen, wie sich das Reduzieren der Haie - sofern es überhaupt in einem unausgewogenen Verhältnis zu den Lebensbedingungen in der Adria als Ganze steht - im Einzelnen auswirkt. Denn ihre Bejagung ist gewiß nicht ohne Auswirkung auf ihr Nachwuchsverhalten geblieben. Sprich: Werden sie nicht bejagt, bedeutet das alleine noch lange nicht, daß sich ihre Gesamtzahl vermehrt. Und umgekehrt. 

Und: Alle diese Faktoren interagieren mit jenen Systemen, in die sie selbst eingebettet sind, mit denen sie sich sehr komplex berühren, die aber jeweils für sich bestehende Systeme mit eigenen Erhaltungsharmonien sind.

Der Verfasser dieser Zeilen geht also davon aus, daß auch viele der Aussagen über den Zustand der Weltmeere, die Basis für vielerlei politische oder regulative Entscheidungen bilden, falsch sind. Weil ihnen Parameter zugrundeliegen, Annahmen, die so gar nicht stimmen. Weil er auch glaubt, daß die Überlebensfähigkeit der Arten in ihrer Eigenreaktion in mechanistischen Modellen bei weitem unterschätzt, in anderen Bezügen überschätzt wird. Samt der daraus folgenden Fehleinschätzung der Möglichkeiten und Dimension menschlichen Handelns. Schon eine Rückkehr und Bescheidung auf regionale Prozesse würden vermutlich wahre Wunder an neuen Erkenntnissen wirken. Aus verfehlten Paradigmen ergeben sich auch verfehlte Aussagen über Gleichgewichtsbezüge. WAS wir in der Natur sehen folgt nämlich dem, ALS WAS wir sie sehen.




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Mittwoch, 23. Februar 2011

Ein kleines Wunder

Großartiges Filmchen über die Geburt einer Gelse. Was für ein erstaunliches Geschöpf! Woltereck weist einmal auf den Umstand hin, daß jede Phase der Genese eines Tieres ein für sich abgeschlossenes Stadium ist, dem nichts fehlt, und das dennoch eines Tages die Schwelle zu einem neuen Dasein überschreitet.

Gesehen bei Glaserei

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Freitag, 5. November 2010

Ausdruck, nicht Schöpfer

Von einer schon jahrelang bekannten Beobachtung erzählt Genesis.net in seiner letzten der immer wieder lesenswerten (und zu empfehlenden) Nachrichten: Gene sind nicht, wie mechanistischer Geist sich gerne vorstellt, Bausteine, die aus sich organische Entwicklungen und Bausteine generieren und anregen, sondern es muß weit darüber hinaus gehende Einwirkungen geben, die man aber nicht kennt. Denn es ist eindeutig, daß dieselben Gene auf verschiedenste Weisen gebraucht werden, keinesfalls also so, daß ein Genbaustein quasi diese oder jene Eigenschaft oder Gestalt initiiert. Darüberhinaus finden sich auch unähnliche Gene, die dennoch denselben Zweck verfolgen dürften.

Eine der überraschenden Entdeckungen der letzten Jahre ist die vielfache Verwendung derselben Gene in verschiedenen Zusammenhängen. Evolutionstheoretisch wird postuliert, dass Gene häufig neu und sogar mehrfach „zweckentfremdet“ wurden; man spricht von „Kooption“ oder „Rekrutierung“. Immer häufiger zeigt sich darüber hinaus, dass ähnliche oder auch unähnliche Gene mehrfach unabhängig (konvergent) für denselben Zweck kooptiert wurden.

Wer sich im Detail interessiert, möge den Artikel direkt nachlesen. Im wesentlichen zeichnet sich eine sehr alte Erkenntnis der Biologie ab, die auch an dieser Stelle in vorgestellten Forschungen (Woltereck, etc.) aus den 1930er Jahren bereits dargelegt wurden: Es muß mit hoher Gewißheit Determinanten geben, die über die rein mechanistisch vorliegenden Abläufe hinausgehen, bzw. diesen vorausliegen (!), und die in "Feldern", in "determinierenden Seinsheiten" liegen dürften. Keineswegs aber sind Gene quasi Baupläne, denen Organismen wie auf Schienen folgen, vielmehr sind sie formgebenden Baustoffen vergleichbar, die ihre Ausformung aber wieder übergeordneten Sinnseinheiten verdanken. Gene sind somit Ausdruck eines Formwillens, nicht Selbst-Schöpfer.

Welche Faktoren das (im naturwissenschaftlich-begrenzten Sinn) freilich sind, wie die aussehen, bleibt im Dunklen - diese Forschungen wurden seit den 1940er Jahren wieder weitgehend aufgegeben, weil, soweit kann man das sagen, die Naturwissenschaft damals an Grenzen gekommen ist (ähnlich übrigens der Philosophie), wo sie ohne Metaphysik nicht mehr weiter weiß, sie offen die übergeordnete Wissenschaft bräuchte. (Womit wir bei Gödel wären - und auch der hat sich, dieselbe Zeit, dieselbe Baustelle, nicht durchgesetzt, sondern seine Kontrahenden: Wittgenstein, Russel, Popper ... der Positivismus.)

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Sonntag, 15. August 2010

Wie eine durchleuchtende Idee

Immer sind es einzelne Lebensformen, die wir als edel empfinden, einzeln stehende Bäume, ein einzelner Falke, ein einzelner menschlicher Körper. Und immer sind in dieser Einzelerscheinung die zufälligen Mängel überwunden, die aus äußeren Einflüssen und aus inneren Schlacken kommen und in so vielen anderen Fällen die Reinheit des Sichausdrückenseine trüben. Es ist stets eine determinante Idee, die sich ausdrückt, aber nur in ausgezeichneten Fällen geschieht das in völliger Reinheit. Ein vollkommen gestalteter Baum oder Mensch ist gleichsam transparent, etwas Rein-gestaltendes, eine Idee leuchtet durch den gestalteten Körper hindurch.

R. Woltereck "Philosophie der Lebendigen Welt"
über Lebensvollendung durch Aristie von Gestalten.


*150810*

Samstag, 7. August 2010

Aus sich heraus

Im Lebensgeschehen ist uns der Antizufall sehr viel näher gerückt; wir finden ihn nicht nur als die allgemeine Richtungsidee der Anamorphose, sondern er ist als So-determinieren und als Intendieren auf Ziele in jedem Lebensträger lebendig. Er tritt im Lebendigen nicht nur als Gegenspieler des Zufalls auf, sondern zugleich als Überwinder des Notwendigkeitszwanges. Lebendiges Determinieren und Intendieren ist mit einer zuerst keimhaften, dann sich entfaltenden Freiheit der Selbst-Entscheidung verbunden. Spontanität und Autoplastizität begegnen uns schon in einfachen Lebensträgern, sie sind der Keim des "Sachverhalts Freiheit", der erst im schöpferischen Gestalten und im Selbstentscheiden des Menschen völlig hervortritt.

Richard Woltereck in "Philosophie der Lebendigen Welt"



*070810*

Donnerstag, 5. August 2010

Immer ganz es selbst

Alles Lebendige ist in seinem Werden nicht die Kumulation von Funktionalitäten und Erweiterungen, sondern sein Werden ist klar gerichtet und eher im Sinne einer Entfaltung zu verstehen, schreibt Woltereck einmal. Sie ist als Ontogenese zu verstehen. Dabei kann man nicht sagen, daß dabei Ganzheit aus Nicht-Ganzheit entsteht, denn schon der Keim ist, wie jede Zelle, ein - relativ einfaches - Ganzes. Dieses steigert sich zum ausgegliederten, vollständigen Ganz-Organismus durch ein progressives Entfaltungsgeschehen, das nun auch als solches Ganzheit bedeutet.

Wie Woltereck trotz seiner Forschungsergebnisse an Evolution festhalten kann? Er nimmt sie einfach als Arbeitshypothese an, um innerhalb der Naturwissenschaften bleiben zu können, ohne - so formuliert er es a. a. O. - Grenzüberschreitungen, deren man sich als Fachwissenschaftler nicht zu früh bedienen darf, eingehen zu müssen.

Kommt er aus seinen Forschungen zu dem eindeutigen Ergebnis, daß zum Beispiel die beim Lebendigen, wie Fossilien beobachtbare Anamorphose - die Vielfältigung von Gestalt - als Gesetz des Lebendigen eine Evolutionsthese überzeugend stützt, so ist ihm aus gleichem Grund eine solche Entwicklung nur über Annahmen möglich, die sich aufdrängen, aber die von der Forschung noch nicht bestätigt wurden.

Eine Artenentwicklung - wobei für ihn jede Entwicklung nur aus Vorhandenem möglich ist - ist ihm vergleichbar dem genialen Einfall eines Künstlers oder Mathematikgenies als (noch mehr unerklärliches) Imagoid denkbar, das sich unbewußt im lebendigen Wesen gebildet hat, und das dann zum neuen Plan der Entfaltung wird. (An anderer Stelle legt Woltereck die plausibilitätsstärkende Tangente aus dieser Annahme auf die "Aristoi", die Hohen, die Aristokraten also - als Träger der Imagoide des Besseren, des Entwicklungsziels.)

Man mag es sehen wie man will, immerhin ist der Mensch in seiner schöpferischen Kraft, in seiner Geistigkeit, AUCH eine Erscheinung der Lebendigen Welt.



*050810*

Sonntag, 1. August 2010

Weg zum Geist

Und geistiges Werden setzt keineswegs körperlich-räumliche Vorgänge fort, wie sie beim Tier dominieren, sondern steigert das unräumlich INNEN-geschehen, das in sämtlichen Organismen das eigentliche ("eigentümliche") Leben bedeutet. Nur wer so verblendet ist, Tiere für Nichts-als-Körper, für nur-räumliche Automaten oder Maschinen zu halten, kann auf die Vermutung verfallen, "Ursprung von Geist aus tierischem Leben" bedeute "Geist als Anhängsel von Körperfunktionen". 

In Wirklichkeit ist "Geist" eine ungeheure Steigerung tierischen INNEN-Geschehens, ermöglicht durch eine wunderbare Vollendung und Verfeinerung der zentralen Apparaturen. Er ist dem Leben nicht fremd, er kommt nicht von außen, aus einer überlebendigen Sphäre (...) zum körperlichen und seelischen Leben hinzu, sondern er nimmt, nach schrittweise gesteigertem körperlichen Werden, Ursprung im lebendigen INNEN.

Richard Woltereck in "Philosophie der Lebendigen Welt - Ontologie des Lebendigen" - Er meint, es sehe so aus, als wäre "Geist" eine von allem Lebendigen (in seiner Entfaltung; Woltereck vertritt eine Form von evolutiver Entwicklung) von vornherein intendierte, prospektive Krönung des Lebens.



*010810*

Samstag, 31. Juli 2010

Seltsames Determinationsfeld

Alle lebendigen Organismen zugeschriebenen, sogar aber auch in der anorganischen Welt bereits keimhaft anzutreffenden Eigenschaften, wie Ganzheitsstreben, -erhaltung wie Werdung, Vervollkommnung, Entwicklung etc. etc., sind, so Richard Woltereck in seiner "Philosophie der Lebendigen Welt", eindeutig als Prozesse anzusehen, die von einem INNEN ausgehen, das zwar untrennbar von der Materie ist, das aber auf jeden Fall unräumlich ist.

Wie immer man - z. B. als eine Art Logos-Feld, wie der legendäre (sowjetische) Biologe Gurwitsch herausfand - dann diese Unräumlichkeit auch erklären mag. Sie aber ist es, die alles Lebendige ordnet, gliedert, und immer zu einem "Etwas" determiniert, das nur ganzheitlich aufgefaßt werden kann.


*310710*

Freitag, 30. Juli 2010

Ein anderer Sinnhorizont

Nachdem er in seinem ebenso umfangreichen wie dichten Werk "Philosophie der Lebendigen Welt" (1. Aufl. 1940) sämtlichen Lebensvorgängen naturwissenschaftlich ebenso, wie philosophisch - ontologisch nachgegangen ist, kommt Richard Woltereck zu einem Schluß, der wirkt, als habe er ihn selbst ein wenig überrascht. Und er - der sich Evolutionist nennt - kommt zu einem bemerkenswerten Paradigma des Lebens:

"Endlich erwähnen wir noch die volkstümliche Meinung, daß persönliche Fortdauer das höchste Ziel des menschlichen, und da dieses die höchste Lebensform darstellt, überhaupt des irdischen Lebens bilde.

Dieser Gedanke steht wie die vorher genannten Lehren in deutlichem Gegensatz zu der Lehre, die uns eine ontologische Prüfung des gesamten Lebens erteilt hat: nicht Fortdauer, nicht Stabilisierung, nicht Nützlichkeit ist Wertziel des Lebens, sondern Vollendung, Veredelung und unbegrenzte Eröffnung zweckfreier Werte."

Woltereck's Ansicht deckt sich übrigens mit einer Feststellung, die sich heute, siebzig Jahre später, wie ein Gerücht in Kreisen auch evolutionistischer Naturwissenschaftler, weitgehend bereits durchgesetzt hat: Selektion und Nützlichkeit sind nicht die fundamentalen Paradigmata der Natur.


*300710*

Freitag, 9. Juli 2010

Was inzwischen geschah

Es berührt seltsam, in einer "Philosophie der lebendigen Welt" (Richard Woltereck) aus dem Jahre 1940 zu lesen, daß die Annahme der Biologie, daß es sich aufdrängt, transmaterielle Ursachen für existentielle Lebens- und Morphosevorgänge anzunehmen, von der Physik zunehmend gestützt wird.

Um dann Zeilinger's Bücher aus 2005 etc. über die Quantenphysik herzunehmen, und seine Schlußfolgerungen zu rememorieren ("Hat sich der das nicht auch so gedacht?") - und zu lesen, daß er dieselben Grundannahmen empfiehlt: daß sämtliches materielle Seiende auf einer reinen (immateriellen) Informationsmatrix aufruht, daß das Sein an sich - logos, Wort also, Sinn ist.

Zeilinger geht ja noch weiter, da weht Schopenhauer noch herein, der die Welt, die es ja nur eigenschaftlich gibt, als Zueinander von Wirkungen beschreibt, sohin als existent nur in Bezüglichkeit - wenn er nämlich Geschehen (im Quantenbereich) vom Bewußtsein und Willen des Beobachters abhängig macht. Samt aus seinen Experimenten anklingenden seltsamen weiteren Querverbindungen ... ein verschränktes Lichtquantum, das (als oder: in seinen Eigenschaften) teleportiert wird, dessen Eigenschaften also in eine Beziehungswelt treten (und das Quantum eine Aufgabe übernimmt), "klont" sich nicht. Sein Ausgangsquantum verliert alle Eigenschaften. Und, weiter: die Wirklichkeit als (bei Beziehung induzierte) (quantenphysikalische) Entladung dahinterstehender Wirklichungspotenz, ahnbar (weil in der "Messung", der Beziehung überhaupt erst "wirklich", eigenschaftlich) wird.

Woltereck schreibt 1940: "Jeans sagt einmal, daß die Elektronen, Protonen usw. unbeobachtbare Quellen beobachteter (=meßbarer) Ereignisse seien. Wenn wir mit Weyl und im Sinn von Jeans hinzufügen, daß diese Quellen von transmaterieller Natur sind, so haben wir eine nüchterne und nicht zuviel sagende Ausdrucksweise, der die Wirklichkeit vermutlich entspricht."

65 Jahre liegen zwischen diesen Büchern. Man ist in der Biologie völlig andere (rein mechanistisch-materialistische) Wege gegangen. Aber die (Quanten-)Physik pocht neuerlich ans Tor. Und Kurt Gödel sagt schon 1952, daß er nicht verstünde, warum man - NACH seinem Unvollständigkeitssatz - noch SO arbeiten, noch solche Dinge postulieren, noch positivistisch arbeiten könne: wo doch bewiesen (!) sei, daß Systemimmanenz zu keiner Beweisbarkeit führe.

Als ginge es in der Wissenschaft um ganz anderes.


*090710*

Donnerstag, 8. Juli 2010

Seit hundert Jahren am Irrweg

Woltereck beklagt bereits in den 1930er Jahren, daß verglichen mit der Philosophie und der Physik die Biologie seit (damals!) dreißig Jahren zunehmend dramatisch in ihrer denkerischen Entwicklung und damit Erklärungskraft zurückbleibe.

Denn während dort längst die "Irrationalität" - die Einsicht über die Unmöglichkeit, denkerisch-logisch wirkliche Aussage über die (nicht mehr zwangsläufig kausale) Welt zu gewinnen, hat sich dort die Bereitschaft enorm erweitert, sich den Phänomenen der Welt mit neuem Staunen zu widmen - Einzug halte, klammere sich die Biologie noch immer an einen gedanklichen Positivismus, der in seiner Dogmatik den gewonnenen Erkenntnisansätzen gar nicht mehr entspreche. Woltereck gibt den beeindruckenden Anwendungsfortschritten vor allem in der Genetik die Schuld daran, die ein Selbstbewußtsein geschaffen hatten, das dem realen Zustand der Wissenschaft nicht mehr entsprach.

Dadurch werde einerseits gerade an den Bruchstellen des Erkennens Irrationalität und unscharfe Begrifflichkeit eingesetzt, wo durchaus noch rationales Erkennen möglich wäre, andererseits würden aber neue Denkansätze gerade dort abgewürgt, wo die bisherigen Ansätze keine Erklärungsmöglichkeiten mehr fänden, weil sie den dogmatischen Ansätzen der Biologie nicht entsprächen. Insbesonders der mechanistische Ansatz (die Zelle als Maschine, die Lebensvorgänge ALS letztlich chemisch-physikalischer Ablauf) sei als unfruchtbar erkannt, und sollte deshalb längst aufgegeben werden. Stattdessen wird die denkerische Erweiterung in Richtung "transmateriell-übergeordnete Faktoren" verhindert, wie sie Zellforschung und Genetik anzunehmen längst nahelege, und das sich nicht aus materiellen Gegebenheiten entwickelt haben KANN. Denn es ist eine Tatsache, daß sich in allem Lebendigen ein INNEN (vereinfacht: Erregungszustände, die als Quelle der Selbstinduktion allen Agierens zu begreifen sind) nachweisen läßt, das je weiter man die Lebensform nach "unten" hinabsteigt, ein transmateriell-geistiger Faktor zwar undeutlicher oder (für uns) nicht mehr erkennbar wird, aber ohne daß jemals eine klare Grenze auszumachen sei.

Einstein (und beileibe nicht nur er) war mit seinem besten, manche meinen: einzigen Freund Gödel übrigens der Auffassung, daß Naturwissenschaft (auch also die Physik, auch übrigens die Mathematik als Hilfswissenschaft) ohne Metatheorie, die nur der Philosophie entstammen könne, zwangsläufig in Verwirrtheit münde.


*080710*

Mittwoch, 7. Juli 2010

Koordiniertheit ohne Ursache?

Woltereck weist auf ein Mißverständnis hin, das bei der Interpretation von Vorgängen in der Natur gerne unterläuft, indem die von menschlichen Handlungen her bekannte "Zweckorientierung" in die Organismen hineingetragen, diesen unterlegt wird.  

In Wirklichkeit, so Woltereck (der selbst von einer Evolution ausgeht, Anm.), können wir nur konstatieren, daß zwischen dem Einzelorganismus und der ihm eigenen Umwelt "intendierende Relationen" nach dem konditionalen Schema der Wenn/So-Normen bestehen. Eine kausal-materielle Erklärung der grünen Farbe von Laubtieren, der Torpedoformen von Schwimmern im Wasser usw. vermag [Darwin etc.] nicht zu geben, da sich nicht zeigen läßt, daß von so koordinierten Erscheinungen (also grünen Laubfarben - grüne Körperfarbe oder Bewegung im Wasser - Torpedoform) die eine die Ursache der anderen sein kann. Direkte Einwirkung ist ebenso unerwiesen (und unwahrscheinlich) wie indirekte Einwirkung durch Auslese; sicher ist nur das Intendieren der Erscheinungspaare, dieses so beschaffene Tier zu dieser Umwelt oder zu diesem anderen Organismus.


*070710*

Dienstag, 6. Juli 2010

Was es sicher nicht gibt

Daß zwischen den einzelnen Vorgangsketten innerhalb der Einzelzellen, innerhalb der Einzelorganismen (=Zellvielheiten) und innerhalb der Vielheiten von Organismen bestimmte Beziehungen bestehen, ist eine bekannte Tatsache; man macht sich aber gewöhnlich nicht klar, wie sehr dieses Beziehungsnetz der zahllosen Lebensfunktionen und Lebenserscheinungen eine generelle Tatsache ist; man pflegt vielmehr einzelne Beziehungen die besonders auffällig sind, herauszugreifen und als besondere "Anpassungen" zu proklamieren. Wichtiger ist die Erkenntnis, daß alle biotischen Vorgänge und Vorgangsresultate ("Eigenschaften") durch irgendwelche Bezogenheit, die man auch (einseitige oder gegenseitige) Angepaßtheit nennen kann, gekennzeichnet ist.

Angepaßtsein ist also eine der Grundeigenschaften des zu erklärenden Phänomens "Leben", nicht eine besonders zu erklärende Erscheinung. Ebenso ist das Gerichtetsein der einzelnen Lebensvorgänge eine biotische Grundeigenschaft. Es gibt kein ursprünglich richtungsloses und beziehungsloses "Drauflos-"Assimilieren, -Funktionieren, -Variieren der Organismen, in welchem dann etwa sie Selektion nachträglich Ordnung schafft, sondern das Determiniertsein von Geschehensrichtungen und von Vorgangsbeziehungen ist eine Generaleigenschaft, ohne die auch das einfachste Leben unvorstellbar ist und unhaltbar sein würde.

Richard Woltereck in "Philosophie der Lebendigen Welt - Biologie"


*060710*

Montag, 5. Juli 2010

Evolutive Entfaltung

Interessant ist ja die Position des deutschen Biologen Richard Woltereck, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Riege der wichtigsten Biologen zählte.

Er schließt eine Entstehung von Organismen aus anorganischer Materie aus, also muß das Leben von außen gekommen sein, über "Infektion" von anderen Planeten. Der Weltraum ist ja weit ...

Es ist nicht möglich materielle Ursachen dafür anzunehmen, und schon gar solche synthetisch zu erzeugen, wo sich verschiedene Lebensräume - Symbiosen, Biocäne etc. - so zusammengefügt haben und zusammenfügen, daß einzelne Lebewesen in dauernd aktualisierter Übereinstimmung, bezogen auf diese übergeordneten Gesetzmäßigkeiten, gehalten werden. Die Kausalitäten dafür in den einzelnen Organismen zu finden ist unmöglich. Eher ist noch die Annahme eines überindividuellen "psychischen Faktors" realistisch. Denn der Zugang zu diesen Geltungsursachen ist gleichzusetzen dem Zugang zu ALLEN Wenn/So-Konstanten und Normen. 

Lebensvorgänge sind nicht in Teilvorgänge zu trennen, diese stehen zueinander in gesetzmäßigen Beziehungen, die prinzipiell niemals erklärbar sein können. Die Forschung stößt auf unauflösbare Sachverhalte, wie die vom Organismus nach Bedarf produzierten, selbstinduzierten Impulse, die Erregbarkeit der Lebewesen, das eine Beziehung auf-etwas-hin enthält, die beharrende Selbstidentität und Selbstheit der sich fortgesetzt ändernden Biosysteme, die Ganzheit oder Ganzeinheit der Organismen, die immer mehr und etwas völlig anderes sind als die Summe ihrer Teile und Funktionen und auf Ganzheitserhaltung abzielt, das Gerichtetsein aller Vorgänge im Organismus und in der gesamten Biosphäre, das kollektive Bezogensein der Vorgänge sowohl innerhalb einzelner Systeme als zwischen Organismus und Umwelt, sowie die Geschehenspotenzen und deren für jede Organismusart geltende Gesamtheit und Gesamt-Norm.

Aber er vertritt als Prinzip eine (naturwissenschaftlich-immanent erklärbare) Evolution des Lebens auf der Erde. Immerhin, schreibt er, vertreten die Mehrzahl seiner Kollegen diesen Standpunkt. Er selber kann auch nur eine "Evolution" im Sinne einer Entfaltung feststellen - aber es gab offenbar diese Entfaltung.

Wenn man aber an Evolution festhalte, schreibt er a. a. O., so müsse man akzeptieren, daß man Wege zu suchen habe, die immaterielle Faktoren berücksichtige, sonst seien die für eine rein mechanistisch-materialistische Evolution anzunehmenden Geschehensabläufe einfach nicht haltbar, weil prinzipiell nicht vorzufinden und nicht erwartbar.


*050710*