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Sonntag, 19. November 2017

Alles verläuft nach Plan

Jahrzehntelange entomologische Beobachtungen hatten immer wieder dasselbe gebracht, sodaß Jean Henry Fabre zu einem Schluß kam: Insekten egal welcher Art handeln nicht einem subjektiven Sinn gemß, sondern ihr Instinkt füllt Stellen in einem Plan. Jede Handlung steht nämlich für sich, hat offenbar seine Belohnung ("Lust") in sich. Das Insekt "fragt" sich aber nie, ob sie noch sinnvoll ist.

Was ist damit gemeint?  Fabre hat es in zahllosen Versuchen demonstriert. Immer wieder nahm er etwa Hautflüglern, Sandwesen oder Schlammbrütern oder oder ihre Brut weg. Er brach ihre oft so kunstvoll errichteten Bauten auf, auch noch während das Insekt sie errichtete und etwa nach neuem Material unterwegs war, er nahm die eingelegte Nahrung weg, mit der sie das eingelegte Ei versorgen wollten, sobald es geschlüpft war, oder er nahm überhaupt das Ei weg. Alle Varianten probierte er, immer wieder korrigierte er seine Versuchsreihen. 

Auch die Raupen von Schwalbenschwanzschmetterlingen kamen dran. Hier zerschnitt er etwa deren Kokon, während sie ihn noch spannen, stellte ihn auf den Kopf, machte Löcher, das Ergebnis war dasselbe. Die Raupe setzt das Stadium ihrer Arbeiten - etwa die Innenarbeiten - fort, in dem sie war und wo sie von einem zum anderen fortschritt, obwohl der Kokon etwa auf einer Seite offen, sie also leichte Beute für Räuber ist. Aber sie schloß das Loch nicht, obwohl sie eindeutig noch genug Spinnstoff hatte! Ihn zuzumachen war bereits dran, nun stand etwas anderes an, auch wenn es sie das Leben kosten würde.

Sämtliche Insekten fahren in ihrem Handeln je nach Stufe - Eilegen, Bau oder Kokon errichten, mit Nahrung füllen ... - fort. Sie müssen sehen, daß es sinnlos ist, weil etwa das Ei fehlt, die bereits hergebrachte Nahrung herausgenommen wurde, sodaß die Raupe nach dem Schlüpfen verhungern mußte. Ja er nahm die Mauern des Baus weg. Ergebnis? Die Wespe (und alle Insekten haben ein stupendes Ortsgedächtnis, sie finden die Stelle immer, wo sie ihren Nachwuchs aufziehen möchten, selbst wenn der Bau selber weg ist) setzte ihre Arbeit auf der glatten Mauer fort, weil nun das Verputzen und dann das Verschließen dran war, sogar wenn der Bau selber fehlte.

Sie arbeiten nach einem Plan, der im Ganzen steht, aber dessen Teile jeweils für sich bestehen, der nicht im Insekt selber "intelligent" vorhanden ist. So perfekt, so unglaublich vollkommen ihre Tätigkeit an sich wirkt. Aber das Tier selber kennt keinen Sinn, den sie reflektieren, korrigieren, anpassen würde. Kommt etwas Außerplanmäßiges, das den Zweck ihres Tuns im Ganzen zunichte macht, ist sie völlig überfordert, dabei: nicht einmal gestört! Ist dies dran, macht sie dies, ist das dran, macht sie das. Das war's.

Zu ganz analogen Schlüssen kommt Jakob Uexküll bei seinen Untersuchungen niedrigster Lebensformen, beginnend bei reinen Plasmatieren, bis hin zu Seeigeln. Plasmatiere sehen zwar aus wie Flüssigkeiten, verhalten sich aber anders als diese nach einem Gesamtplan. Sie haben ja eine erstaunliche Besonderheit: Sie können jeweils Organe formen, die der zu verrichtenden Tätigkeitsstufen (sagen: beim Eß- und Verdauungsakt) entsprechen, lösen diese Strukturen aber dann wieder auf, um aus dieser Regeneraton heraus die Strukturen für den nächsten Schritt zu bilden. Bis hin zur Ausscheidung.

Je höher die Lebewesen werden, desto mehr nehmen die Einzelorgane insofern Form an, als sie ihre Struktur behalten, desto weniger also können neue Strukturen gebildet werden.

Zu einem ersten Höhepunkt der Aussagen kommt er in "Umwelt und Innenwelt der Tiere" bei den Schilderungen seiener Beobachtungen an Seeigelarten.  Wo er zu denselben Aussagen wie Fabre kommt: Seeigel verhalten sich nach einem Plan, der einen nur staunen läßt, weil alles derartig  ineinandergefügt ist. Aber die Seeigel selbst sind nur ein Plan, der wiederum in einen großen Plan "mit der Umwelt" eingefügt ist. 

Niedere Tiere wie die Seeigel haben kein "Gesamtzentrum". Sondern alle ihre Organe, jeder Stachel, die Nerven, die Beißzangen, die Giftverwendung, die verschiedenen Muskelgruppen, die die Stacheln bewegen, alles hat im Grunde ein Teil- und Eigenleben. Man kann sie alle regelrecht "für sich" untersuchen, sie funktionieren genau gleich und sind reine Reflexmaschinen. Aber darin (!) sind sie alle derartig auf "einen ganzen Seeigel und die Umgebung, die er braucht" abgestimmt (und nicht um ein Jota mehr! Alle anderen werden bestenfalls zu Reizen, aber nicht zu Dingen, auf die er reagieren könnte, die er gar "erkennte"), daß er als Seeigel - wie eine Republik, schreibt Uexküll einmal - lebt und überlebt. Was beim reinen Beobachten des Tieres so gezielt aussieht, ist in sich jeweils kein Ziel, sondern nur die Abfolge für sich stehender Reaktionen von Organen auf Einzelreize. 

Auch hier also: Alles ist ein Plan, in den alle Einzelfaktoren - Lebewesen wie Umgebung - eingefügt sind, aber nichts ist die Intention eines ganzen, einzigen Lebewesens. Das beginnt erst im Geist. Das gibt es erst im Menschen.





*241017*

Donnerstag, 21. September 2017

Vom Unsinn, auf Wissenschaft zu bauen

Mit dem Wort Wissenschaft wird heutzutage ein lächerlicher Fetischismus getrieben. Deshalb ist es wohl angezeigt, darauf hinzuweisen, daß die Wissenschaft nichts anderes ist als die Summe der Meinungen der heute lebenden Forscher. Soweit die Meinungen der älteren Forscher von uns aufgenommen sind, leben auch sie in der Wissenschaft weiter. Sobald eine Meinung verworfen oder vergessen wird, ist sie für die Wissenschaft tot.

Nach und nach werden alle Meinungen vergessen, verworfen oder verändert. Daher kann man auf die Frage: "Was ist eine wissenschaftliche Wahrheit?" ohne Übertreibung antworten: "Ein Irrtum von heute".

Die Frage, ob es einen Fortschritt in der Wissenschaft gibt, ist darum nicht ganz so leicht zu beantworten wie gemeinhin angenommen wird. Wir hoffen wohl von gröberen zu feineren Irrtümern fortzuschreiten, ob wir uns aber wirklich auf dem guten Wege befinden, ist für die Biologie in hohem Grade zweifelhaft.

Die Betrachtung des Lebendigen bietet bei jedem Schritt dem unbefangenen Beobachter eine so unermeßliche Fülle von Tatsachen, daß die bloße Registrierung ihrer dieser Tatsachen jede Wissenschaft unmöglich machen würde. Erst die Meinung des Forschers, die das Beobachtete gewaltsam in Wesentliches und Unwesentliches scheidet, läßt die Wissenschaft erstehen. Die herrschende Meinung entscheidet rücksichtslos über das, was als "wesentlich" gelten soll. Wird sie gestürzt, so fallen mit ihr Tausende von fleißigen, mühsamen und ausgezeichneten Beobachtungen als "unwesentlich" der Vergessenheit anheim.

In der Biologie stehen wir noch unter dem frischen Eindruck, den der Sturz des Darwinismus in uns allen hervorgerufen hat. Die Erfolge rastloser Arbeit eines halben Jahrhunderts erscheinen uns heute als unwesentlich.


Jakob von Uexküll in "Umwelt und Innenwelt der Tiere" (1909)





*140917*

Donnerstag, 10. September 2015

Müll des Künstlichen (2)

Morgen Teil 2) Was der wahre Müll der Gegenwart ist





Der VdZ hat solche Ökophrasen sowieso nie ernstgenommen. Er ist sogar ein vehementer Gegner der Mülltrennung gewesen, die er nur für einen weiteren Aspekt der heutigen Geisteskrankheit hält. Weil er bis heute davon überzeugt ist, daß sich erstens die Trennung in organisch - anorganisch nur bedingt bilden läßt, und daß sich zweitens Anorganisches durch die Nähe zu Organischem viel rascher zersetzt. Trennt man organischem von anorganischem Müll, erschwert man also lediglich die Abbauprozesse. Und schafft wie so oft, ja wie heute prinzipiell, das Problem selbst, das man zu beseitigen vorgibt.

Genau in diese Richtung läßt sich deuten, was Forscher nun berichten: Denn diese "Verseuchung der Meere", die sich teils in Plastikstrudeln zeigt, deren Durchmesser dutzende oder gar hunderte Kilometer (wie im Pazifik) sein soll, zeigen nun ganz erstaunliches ... organisches Leben, das sich dort gebildet hat. Forscher nennen es gar "Plastosphäre". Auf diesesm Müll haben sich nämlich längst Unmengen von Bakterien und Mikroben versammelt bzw. gebildet - die ein regelrechtes Biozön bilden, also eine ganz eigene, zusammenhängende Lebenswelt - die den Zersetzungsprozeß dieses "künstlichen Plastik" nicht nur erheblich, sondern um Dimensionen beschleunigen könnten, wie es im Artikel freilich heißt. Der VdZ sagt: WERDEN. Denn diese Biowelt auf Plastikmüll hat sich ja nicht ohne Grund gebildet. Irgendetwas müssen diese Organismen vorfinden, das sagen auch die Forscher, das ihnen als Lebensgrundlage dient - und das sind sehr wahrscheinlich die Kohlenwasserstoffe, aus denen der Kunststoff Plastik nämlich besteht.

Und ganz so neu ist das außerdem nicht: Bereits 2010 gab es Medienberichte, in denen Forscher klare Hinweise fanden, daß der Plastikmüll im Meer von Mikroben verarbeitet wird.

Man wird also staunen können, was sich hier in den nächsten Jahren noch alles zeigt. Eine Vernichtung der Biopotentialität der Weltmeere jedenfalls wird es nicht sein.* Vielleicht aber gerade einmal die Grundlage gerade für Verlagerungen. Wer weiß, vielleicht sehen wir in fünfzig Jahren, daß dieses böse Plastik im Ozean, mit der darauf sich entwickelnd habenden Biowelt, die alles in irdische "Bio"-Grundstoffe zersetzt (denn die komplexeste chemische Verbindung wird irgendwann einmal wieder in originäre "Bio-"Bestandteile zerfallen) die Nahrungsgrundlage für ganz normale Fische bildet. Es hätte eine Logik. Es hätte die Logik der Schöpfung.

Wieder einmal zeigt uns also genau diese Schöpfung, daß wir nicht dazu da sind, sie zu vernichten oder zu retten - das übersteigt unsere Möglichkeit als Mensch nicht nur quantitativ, sondern kategorial!** - sondern um sie in ihrer Kraft, im Selbstsein Gott zu loben, weil auf ihn zu verweisen, sie also schlicht und ergreifend zu bestaunen. Weil sie uns von der Unermeßlichkeit und Tiefe der göttlichen Vernunft erzählt, in der alles eingeborgen ist, und der gar nichts letztlich entfliehen kann. Und im übrigen unser Leben als Kulturmensch zu leben, uns zu vermehren und die Erde, die uns gegeben ist, immer weiter zu gestalten, und Kultur zu entfalten.





*Das Wort "Umweltverschmutzung" ist selbst ein höchst fraglicher Begriff. Denn was uns Menschen "Müll" ist, ist es nur unter bestimmten Blickwinkeln auch für den Menschen, und für die Welt der Tiere und Pflanzen im Grunde gar nicht. Hier wird oft erschreckend anthropomorph gedacht. Für Tiere (und Pflanzen) existiert immer nur die je ihrem Lebensganzen zugehörige Welt. Müll gibt es für sie nicht. Sie nehmen nur wahr, was in diese ihre Welt gehört. Der Rest existiert ihnen nicht. Er wirkt sich bestenfalls (das allerdings; siehe Windräder) aus, wie die Geisterhand aus dem Nichts. (Wunderbar dazu übrigens die Arbeiten von Jakob von Uexküll.)

Aber damit unterscheiden sie sich prinzipiell nicht vom Menschen, auch wenn dem per Vernunft und Geist die ganze Welt zugeordnet ist, gehört. Müllhalden sind deshalb lediglich für den Menschen ein Stück "Welt-Chaos", "Hölle". Sie waren auch historisch immer das Stück "Chaos" der noch nicht zur oder nicht mehr in Kultur geordneten (und deshalb bedrohlichen) Natur. Ein Zustand, der an ihren Rändern ist, und sogar sein muß. (Wie auf andere Weise der Karneval ...) 

In seiner Typik deshalb schön in der Geschichte zu sehen: Was man als Müll sah, wurde früher etwa über die Befestigungen oder Stadtmauern gekippt; oder in die Zone des "nicht-Hauses", auf die Straße, auch das je nach Kulturstufe ein ungeordneter (sogar ursprünglich rechtsfreier) Raum. Fort, in den ungeordneten Raum zurück. Dorthin also, wo die noch ungeordnete Welt war, dorthin, wohin auch alle Feinde - das "Nicht-wir", "Nicht-ins-Eine-Gehörige" - gehörten, die dieser Einheit in der Vernunft nicht angehörten. Dort möge alles verrotten, weil es dorthin gehört, sich als nicht Ding-gewordener Teil (oder aus diesem Ding wieder zum Nicht-Ding rückgewordener Teil) zum Chaos zurückfinden.

Welche Überlegungen zu einer klaren Ausagen führen: Nicht der Müll in den Abraumhalden ist unser heutiger Müll (im abwertenden, moralischen Sinn). Sondern es sind die zur bloßen Technik abgetakelten dämonischen Ausgeburten kranker Hirne - wie Windräder oder Solarpaneele! DAS IST PURER MÜLL, im eigentlichen Sinn von Müll, und es zeigt charakterliche Vermülltheit an - in solchem Dreck auch noch wohnen zu wollen, bzw. die Mitwelt damit zu überziehen, Kulturlandschaften in Müllhalden zu verwandeln. Um die wahren Müllmenschen Europas heranzuziehen, die auf jede Ordnung der Welt - die eine Ordnung der Gestalt ist, der Poesie, der Schönheit, und nur dann ist es Ordnung, menschliche Kultur - pfeifen. 

Übrigens, wenn auch nur am Rande:  Auch das Internet, die social media, sind zu hohem Anteil eine solche Müllhalde. Schon das sollte jeden vorsichtig machen, der es in seiner realen Relevanz bewerten möchte. Gleichzeitig ist das aber sehr wohl eine Aussage über den Zustand seiner Teilnehmer.

**Es wurde an dieser Stelle bereits auseinandergelegt: Die Diskussion um den "Klimawandel" ist nicht einfach eine der Wissenschaft - das Weltklima "retten zu wollen" (weil zu glauben, das zu können) ist eine Sünde wider die Vorsehung Gottes, eine Sünde wider den Heiligen Geist.






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Mittwoch, 9. September 2015

Müll des Künstlichen (1)

Müßte man sich nicht noch eine Frage stellen? Und zwar als materalistischer Evolutionist wie als Wissender um die Schöpfung gleichermaßen, denn die Fragestellung betrifft beide völlig gleich: Wie es möglich sein soll, daß der Mensch, der innerhalb der irdischen (bzw. der Schöpfung als Matrix zugrundeliegenden) Logik der Prozesse Vorgänge und Verfahren finden soll, die die irdischen Prozesse nicht nur verläßt, sondern substantiell gefährdet. Sprich: Wie der Mensch in die Lage kommen soll, die "Erde zu vernichten". 

Denn selbst wenn man es vom Standpunkt der Sünde betrachtet: Einen Schritt der aktiven Vernichtung kann der Mensch gar nicht setzen. Er kann bestenfalls Qualitäten und Modi verschieben. Alles was der Mensch kann ist, sich von der Vernunft der Schöpfung abzuwenden. Auch das betrifft den Evolutionisten nicht weniger, denn selbst die Evolutionäre Erkenntnistheorie kann nicht erklären, wie in das sogenannte Epiphänomen, das Bewußtseinsprozesse ihm gemäß sind, von der erdimmanenten Logik abweichen soll. 

Der Mensch kann sich nur verweigern. Aber er kann keinen Gegenentwurf zur Schöpfung "erfinden" oder gar schaffen. Das ist ein wichtiger Grundsatz auch und gerade der katholischen Anthropologie. Auf einen einfachen Punkt gebracht: Wo immer der Mensch gegen die Logik der Welt verstößt,  entsteht keine Gegenwelt, sondern Chaos und letztlich Nichts: er erreicht nichts, wenn er gegen die Vernunft handelt. Und das, übrigens, ist auch das Wesen der Hölle - die völlige Impotenz, die Theresia von Avila so wunderbar beschrieb, als sie in einer Höllenvision erlebte, wie sie wie in tiefster Erde zur totalen Unbeweglichkeit verschüttet war.

Vielmehr also wäre heute, gerade heute etwas angebracht, das man nur noch mit Staunen bezeichnen kann. Und dieses ganze Gerede um apokalyptische Weltvernichtung und Klimakatastrophe erweist sich umso mehr als das, was es ist - eine Erkrankung des Geistes - als die Stimmung unter den Menschen, aus der ja bekanntlich auch die Impulse des Denkens geformt werden, in erschreckendem Maß gar nicht mehr von der Großartigkeit der Schöpfung, der Erde ausgeht, sondern sich auf kleinste Ausschnitte reduziert, in denen nur noch Schlechtes gesehen wird. Und nur deshalb, weil das Ganze nicht mehr im Blick bleibt. 

Daraus erwächst diese Hoffnungslogkeit, die heute so dominiert, eine Negativität, die sich auf die Schaffenskraft der Menschen dramatisch auswirkt und noch mehr auswirken wird. In der wir von Weltprozessen völlig falsche Vorstellungen haben. Und geviefte, oft genug dabei nur bösartige Menschen, versalzen bereitwilligst und eifrigst allen anderen ihre Suppe, die zu bereiten sie selbst nicht in der Lage waren. Die Moralindustrie der Welt trägt das Gesicht impotenter Kastraten.

Diese Gedanken reihten sich an eine Meldung, die der VdZ unlängst in der Süddeutschen Allgemeinen las. Die ein ganz erstaunliches Phänomen schilderte. Denn die Meldungen, daß der Mensch die Weltmeere verschmutze, daß sich etwa in den Ozeanen riesige Plastikstrudel gebildet hätten, die dort auf Jahrtausende oder gar ewig (so zumindest der Stimmung nach) bleiben würden. Und sich auf Flora und Faune katastrophal auswirkten. Das hat die so ungemein weitblickende Politik ja zu den bereits gewohnten weitblickenden Maßnahmen genötigt, im EU-Raum Plastiksäckchen entweder überhaupt zu verbieten, oder zumindest deren Gebrauch schwer zu behindern.

Aber das schwimmt ohnehin alles auf deiner ganz anderen Welle: Der einer immer seltsameren Dämonisierung des Menschen überhaupt, dergemäß alles, was sich an Spur in der Welt von ihm zeigt, als schlecht und böse dargestellt wird. Und das heißt ja zuallererst, und wir erleben es seit Jahrzezhntne in immer konzentrierterer Form: Seine Kultur. Wer aber die Kultur ablehnt, lehnt den Menschen ab, das ist nicht trennbar. Eine "Naturform Mensch" gibt es nicht. Was als "Natur" bezeichnet wird, ist lediglich eine Eliminierung des Menschen. Und dahinter steht: Eine Ablehnung des Seins. Die Ökologiebewegung ist eine Bewegung der Feindschaft gegen das Sein, darüber kann kein Zweifel bestehen. Und sie tarnt sich wie alle diese Feinschaft: mit "Gutheit".



Morgen Teil 2) Was der wahre Müll der Gegenwart ist






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Dienstag, 16. Juni 2015

Eine klimagerettete Welt (2)

*Anmerkung - Was den Menschen zum Menschen macht




Um diese Determiniertheit zu überschreiten, braucht es den Geist, und zwar in einer bestimmten Höhe. Deshalb gilt diese Determiniertheit sogar für den Menschen, der ja nur die MÖGLICHKEIT - als Anlage, deshalb als Auftrag für den Menschen überhaupt - seinen Geist (und damit seine Freiheit, auch in der Ortswahl, in der Wahl seiner Lebenswelt) zu entwickeln. Auch wenn er - als Person zur Selbsttrage berufen - immer auf diese Geistigkeit hin ausgerichtet sein wird, sie also auch nicht wirklich unterschreiten kann. Der Mensch wird entweder Geistesmensch, oder er sinkt sogar unter die Tiere herab. Deshalb ist die einzige, dem Menschen mögliche Lebenswelt, seine bzw. eine Kultur.  

Denn auch der Mensch ist auf eine Umwelt existentiell angewiesen: sein Personsein (das er nie unterschreiten kann, gleichgültig, auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet, also unabhängig von seinem Aktuierungsgrad - als Embryo, als Behinderter, als kraftstrotzender Intelligenzbolzen) ist ein Ausgreichtetsein auf ein Gegenüber. Erst im Du wird sein Ich aktuiert (wenn auch nicht geschaffen). Ohne ein Du, das ihn anruft, würde der Mensch nicht leben können. Deshalb hängt jedes Menschsein in seiner Geistigkeit - in Gott, dem absoluten Du. Und jeder, wirklich jeder Mensch ist auf dieses absolute Du ausgerichtet: Ohne absolute Wahrheit kann kein Menschen leben, er würde wahnsinnig. 

Weil aber jeder Mensch aus diesem Du wird, hängst seine Aktuierung zu sich selbst, zur Gestalt seines Ich, vom Freiheitsgrad des Gegenüber ab. Deshalb gibt es große Unterschiede in den Kulturen, die nicht in Schnellsiedeverfahren, durch Angleichung äußerer Lebensbedingungen etwa, überwindbar sind. Die praktische Beantwortung dieser Frage ist für Europa, das mit gewaltigen Einwanderungswellen zu tun hat, von existentieller Bedeutung. Und sie ist mit "Ausbildungsmaßnahmen" ganz sicher nicht zu bewältigen, es ist eine Frage der Religion. 

So, wie Europa seine Kraft (fast könnte man sagen: ausschließlich) dem Christentum verdankt. Verliert es sein Gegenüber, sein "Du" in Jesus - und das heißt ja erst: Christentum - fällt es ohne jeden Zweifel in ungekannte Tiefen zurück. Denn nur in Jesus Christus ist die Welt in den ordo Gottes zu führen, und "sie wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes." Denn die Welt ist nicht unabhängig vom Menschen vorzustellen, sie hängt direkt an ihm, und muß durch ihn in den Geist hineingenommen werden. Das ist Kultur. DAS ist alternativlos, weil nur Gott als Du den Menschen zur Freiheit führen kann. Andere Völker mögen hohen Zivilisationsgrad erlangt haben. Aber ihnen fehlt genau und immer dieses Freiheitsmoment. Weshalb historisch gesehen ausnahmslos alle "hohe Kulturen" Kulturen gradueller Vermassung waren. 

Das gilt übrigens auch für die abendländische Antike, man übersieht es meist freilich. Sieht man von Einzelerscheinungen ab (wie Sokrates), in denen diese eigentliche Berufung des Menschen als Ahnung aufblitzte, hat es keine historische Kultur geschafft, den Spagat zwischen "Art und Person" zu vollziehen, beides in eins zu führen. Sie sind deshalb - aus einer ursprünglichen, ganzheitlichen, traumartigen Erinnerung heraus, in der aber noch kein "Ich" aktuiert war bzw. ist - immer in die eine (individualistische) oder die andere (vermasste) Richtung degeneriert. Das war und ist nur dem lebendigen, fleischgewordenen Gott möglich, der diese Synthese des Einen und Alles - die Wahrheit - IST, und an der deshalb, als Gestalt, der Mensch teilhaben KANN, wenn er will.
 
Nur in dieser Freiheit im Geist aber ist der Mensch das, was man mit "Persönlichkeit" bezeichnet: Frei, weil von seinem Personsein frei - in der Konkretion der Welt - getragen. In der Persönlichkeit hat er sich die Welt angeeignet, ihre Formen in seinen Geist hinein übersetzt. Und aus diesem Geist heraus, der nur der Geist Gottes sein kann, weil nur der Freiheit bedeutet, vermag er die Welt in ihrer Ordnung - zu einer vitalen Ordnung - zu gestalten. Tut er das nicht, fällt die Welt - mit ihm - ins Chaos, fällt in ihre ungeordnete, nicht auf ihren Sinn hinorientierte Eigengesetzlichkeit (soweit man davon sprechen kann), die die (mathematische) Gesetzlichkeit eines überkritischen, zufälligen Systems ist, zurück.
 
Deshalb ist jeder Versuch, die Welt "technisch zu retten", das heißt, als technisches System zu sehen und in diesem Rahmen mit ihr umzugehen, ohne jeden Zweifel zum Scheitern verurteilt, ja er muß zwangsläufig zum Gegenteil führen. Sämtliche Weltrettungsversuche der Gegenwart führen (oder: würden das tun) in ein nur noch größeres Chaos. Das macht jede ökologische Bewegung, wie wir sie heute kennen, zum törichten Unternehmen. Denn es gibt keinen "Umweltschutz". Es gibt nur den Geist der Liebe, in dem die Welt in die Vorsehung Gottes hineingezogen wird.
 
Der, aus der Torheit geboren (die nicht durch Rationalismus, durch noch so perfektes rationales Handeln aufgehoben werden kann, weil alles am Geist hängt, nicht an der Richtigkeit einer Rechnungsoperation), immer und ausschließlich zu noch mehr Chaos führt, schon gar, wenn er sich vorgeblich "auf die ganze Welt" bezieht. "Erfolge" kann es nur dort geben, und auch da nur temporär (!), wo einzelne Aussschnitte aus dem Weltganzen quasi paralysiert, versteinert werden, indem man ihre Bedingungen, wie in einem Modellbaukasten, soweit als möglich fixiert. Entsprechend ist alles, was wir heute zur "Klimarettung" unternehmen, nie mehr als lächerliches und im letzten kontraproduktives Stückwerk. Denn es wird dadurch die Reaktion des Insgesamt, die Stellung dieses Baukastens darin, nur noch heftiger.
 
Es gibt nur eine Rettung der Welt - und die ist von den Menschen nicht zu trennen. Sie liegt im Sinn der Welt: der Heiligung, als Hineinführung in die göttliche Vorsehung im Heiligen Geist, wie immer dieser göttliche Plan dann auch aussieht. DAS ist dann auch Gerechtigkeit. "Klimarettung" ist deshalb eine Häresie, eine schwere Sünde, und kein gutgemeintes und deshalb verzeihbares oder akzeptables Kavaliersdelikt. (So, wie jeder Universalismus, der Universalität als Ding, als Objekt menschlicher direkter Manipulationshoheit behandelt.) Sie ist der Versuch, der am Anfang vom Ende stand: Der Hochmut, wie Gott zu sein. Frei nach dem Motto: Erst retten wir einmal die Welt, erst sind wir mal wieder "gut", dann kann eh Gott wieder Gott spielen. Gutheit ist von diesem Geist der Vorsehung nicht zu trennen. Gut ist nur, was aus diesem stammt.





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Montag, 15. Juni 2015

Eine klimagerettete Welt (1)

Jedes Windrad benötigt einen Sockel von 1200 m3 Beton, darin 200 Tonnen Stahl. Die neuen Bautypen brauchen noch mehr. Samt dem Turmaufbau kommt ein Windrad somit auf etwa 7000 Tonnen. Für Anlieferungen und Wartung, aber auch für Notfälle, muß zu jedem Windrad zu Land eine Straße, ausgelegt für Schwerlastkräne, angelegt werden.

Für nachhaltige Energiegewinnung aus nachwachsenden Bio-Rohstoffen werden ganze Landschaften in Monokulturen verwandelt. 20 % der Agrarflächen Deutschlands sind bereits dem Anbau von "Energiepflanzen" (v. a. durch den berüchtigten "Wasser- und Bodenzehrer" Mais, sowie Raps) gewidmet.

Jakob von Uexküll hat gezeigt, daß jedes Tier, egal welcher Stufe, nur eine ganz beschränkte Welt "hat". Es erkennt nur jene Elemente, auf die es hinorientiert ist. Kein Tier kann diese Elemente abstrahieren, sie bleiben immer konkret. Was nicht als konkretes Ding in seiner Welt vorkommt, wird nicht erkannt. Eine Gefahr, die in dieser Welt nicht vorkommt, kann von ihnen nicht rezipiert werden. Hört ein bestimmtes Lebewesen auf leiseste Geräusche seiner Artgenossen oder ihrer Beutetiere, könnte man eine Kanone neben ihnen abschießen - sie würden sie nicht hören. Deshalb sind Vögel oder Fledermäuse auch unfähig, sich auf die Gefahr der Rotoren umzustellen. Das einzige an diesen Rotoren, das in der natürlichen Lebenswelt mancher Tiere vorkommt, ist der am Boden vorbeihuschende Schatten der Rotorblätter, der etliche Tierarten in Dauerstress versetzt.*

Werden Lebewesen - Tiere wie Pflanzen, und in gewisser Hisicht gilt das auch für den Menschen - aus ihrem angestammten Herkunftsraum (in den sie lückenlos an je einer Stelle eingefügt sind) wegtransportiert, suchen sie in dem neuen Raum wieder genau jene Elemente, auf die sie auch in ihrem Herkunftsraum angelegt waren, und können mit neuen Dingen, die dort nicht vorkommen, nichts anfangen, selbst wenn deren abstrakte chemische oder physikalische Eigenschaften "gleich" wären. Das gilt auch dort, wo Tiere sich pflanzlich ernähren. Viele Insektenarten etwa sind nur auf eine ganz bestimmte Pflanze (bzw. Blüte) ausgerichtet.

Lebendiges Verhalten ist mehr oder weniger extrem determiniert, aber immer determiniert, und schon geringe Änderungen, Überschreitungen dieser Abgestimmtheiten, können oft nicht mehr bewältigt werden.* Ein Insekt etwa erkennt nicht einmal ihr selbst gelegtes Ei, wenn es nicht genau in jener Baukonstellation vorkommt, etwa weil der Bau verschoben oder sonstwie beeinträchtigt wurde, die das Elterntier angelegt hat und immer gleich anlegt. Und umgekehrt aber auch unter allen Bedingungen sogar den Ort wiedererkennt, selbst etwa, wenn man den Bau zudeckt. Es hat ein bestimmtes Verhalten, und was die Dinge sind, mit denen es zu tun hat, ist gleichgültig, es ist durch das Verhalten, durch den Ritus ausgesagt. Die Schlupfwespe hat nur eine bestimmte Weise, in einen Bau zu kriechen, Eier zu legen, Nahrung zu deponieren, den Bau zu verschließen, und sobald es diese Riten absolviert hat, ist die Angelegenheit erledigt. Es kennt keine zielorientierten Vorgänge, es kennt nur die im Instinkt vorgegebene, immer einmalige Handlung.

Jean-Henri Faber zeigt dazu in seinen Beobachtungen und Experimenten, daß jede Wespenart sogar auf ein extrem festgelegtes Beutetierspektrum ausgerichtet ist. Jede Wespenart hat nur eine Art oder sogar Unterart eines Insekts, das es jagt. Zwar gelang es ihm, diverse Raupen auch mit anderen Insektenarten zu füttern, immer freilich nur kurz, denn die Methode, mit der ausgewachsene Wespen ihre Beute frisch halten ist nicht ersetzbar, und nicht mehr frische Nahrung vergiftet augenblicklich die Raupen. Aber sobald diese Raupen fertige Insekten sind, jagen sie wieder ganz genau das Insekt, das die Wespenart immer gejagt hat, mit nur bei manchen Arten vorkommenden geringfügigen Ersatzmöglichkeiten. Kommt dieses bestimmte Beuteinsekt aber - aus irgendeinem Grund - nicht mehr in der Lebenswelt dieser Wespe vor, ist diese Wespenart (die selbst wiederum Beutetier für andere Lebewesen, nicht zuletzt für parasitäre Lebensformen, ist, die selber aber auch wiederum Nahrung für andere Lebewesen sind) nicht in der Lage, Ersatz zu suchen. Sie stirbt aus.






*Morgen Teil 2) Anmerkung - Was den Menschen zum Menschen macht


*Wieweit Windräder sogenannten Infraschall aussenden, der in der Umgebung Wirkungen zeigt und als Dauerbelastung auch Menschen krankmachen kann, ist derzeit noch umstritten, wenn auch recht wahrscheinlich: Ein Windrad dreht sich nur über abgeleitete Reibung, und damit muß sich Rhythmik, Schall entwickeln und fortsetzen. Angeblich werden an Nutztieren, die in der Nähe von Windrädern gehalten werden, verstörende Beobachtungen - Aggressionsausbrüche, Fehlgegurten, Mißgeburten - gemacht. Dänemark hat sein ehrgeiziges Ausbauprogramm deshalb vorerst ein wenig gebremst, weil Untersuchungen abgewartet werden sollen. Der Widerstand in der Bevölkerung jedenfalls wächst allerorten. 2014 wurden in Baden-Württemberg trotz eines ehrgeizigen politischen Gesamtzieles nur noch 8 Windräder gebaut, das ist gerade eimal ein Zehntel der Neubauten im viel kleineren Hessen.





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Mittwoch, 3. Juni 2015

Folgen der Umgebungsveränderung

Im 38. Buch des Livius finden sich jene Passagen, die Voktor Hehn in "Kulturpflanzen und Haustiere - in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa" zitiert. Livius weist darin auf den Umstand hin, daß jede Pflanze, jedes Tier, die in eine Umgebung versetzt werden, die nicht ihr Ursprung ist, entartet. Denn die Umgebung in Boden und Klima wirken mächtig, und unterdrücken viele vererbte Eigenschaften. "Alles entwickelt sich vollkommener an dem Orte seines Ursprungs; bei Versetzng auf einen fremden Boden verwandelt es seine Natur nach den Stoffen, die es aus diesem aufnimmt," schreibt Livius. 

Und führt Beispiele an, wie sich auch Menschen in anderen Umgebungen verändern. Meist nämlich zu ihrem Nachteil. Livius verweist nämlich vor allem auf den Verlust schöpferischer Lebenskraft durch einen Wechsel zu entgegenkommenderen, angenehmeren Bedingungen. Die selbst ursprünglich starke, mutige Völker durch Verweichlichung in ihrer Substanz angreift, vor allem aber träge und geistlos macht. 

Jede Landschaft hat und zeugt einen Charakter, sodaß sich das Menschsein auf je eigene Weise entfalten muß. Dieser Charakter erhält in neuer Umgebung aber andere Stoffe als jene, auf die er hinorientiert war. Und in die hinein er nunmehr mitgebrachte, "fremde" Neigungen wirklichen muß. Ein "neutrales, abstraktes Menschsein" gibt es eben nicht. Alles Leben, ja alles irdische Sein ist auf "unauflösbare Ehe" angelegt.

Hehn stellt deshalb die Frage in den Raum, ob nicht viele "Veredelungen", die die europäische Kultur an importierten organischen Lebensformen vorgenommen hat, um eine bestimmte "Fruchttrage" zu verbessern, in Wahrheit deren Organismus zugefügte Erkrankungen sind. In der nur der daraus erzielbare Fruchtgenuß im Mittelpunkt steht. Am deutlichsten wird das bei Heilpflanzen, die stets in ihrem Ursprungsland kräftiger wirken. Es gab immer ein unendlich komplexes Ursachen- und Reaktionengefüge, das diese oder jene Lebensform genau hier und dort ausdifferenzieren ließ, und jede Eigenschaft ist eine Antwort auf genau diese Bedingungen.*

Obzwar das beim Menschen gewiß etwas anders ist. Weil er zu abstrahieren, sich zu sich verhalten, und auch seinen Leib über Rhythmen (Lebensvollzug als Tanz, als Gefüge von Rhythmen, das den Menschen über die Gewohnheit durchwest; nichts gibt aber dieses Gefüge mehr vor als Klima und Landschaft) zu prägen, zu gestalten vermag. Aber es braucht je nach der Stärke der Ursprungsprägung oft sehr viel Zeit, bei Wanderungen von Völkern sogar viele Generationen. Wenn sie denn dazu bereit sind und diese Bereitschaft aufrechthalten. Und nicht in neuen Lebensräumen lediglich konservierte alte Neigungen befriedigen wollen, wie es der Puritanismus der Nordamerikaner (der aus seinem Wesen heraus nicht nur wurzellos ist, sondern Wurzeln ablehnt; und damit in Konflikt mit der menschlichen Natur gerät, die ihn immer irgendwie zu überwältigen droht, weil immer nach Wurzeln strebt**) tat und tut.

Aber noch einen Aspekt erwäht Hehn. Daß nämlich der Mittelmeerraum in gewissermaßen "vorzivilisatorischen Zeiten" mehrheitlich bewaldet und eher arm an Arten war. Erst die menschlichen Zivilisation hat ihn in einen "immergrünen Garten" verwandelt, indem sie die Bäume verdrängte, und durch Gärten und Anbauflächen ersetzte. Der beobachtbare Rückfall in trockene, karge Landschaften hat somit sehr wahrscheinlich mit dem Verfall der mittelmeerischen Kultur zu tun. 



*Jakob von Uexküll hat sein Lebenswerk der Beobachtung gewidmet, daß sogar die Rezeptionsfähigkeit eines Lebewesens auf diese Umwelt abgestimmt ist. Anderes, dieser Umwelt Fremdes, nimmt ein Lebewesen nicht einmal wahr, und ordnet Begegnendes immer in die Kategorienwelt seiner angestammten Lebenswelt ein.

**Eine Untersuchung über die Zusammenhänge des Ahnenkults, seiner Form, und der Art der Verwurzelung von Menschen wäre also höchst lohnenswert. Eine träge, satte Gesellschaft wird dabei tendentiell jeden Ahnenkult ablegen, die Ahnen vergessen, ihre Herkunft vermutlich aber auf virtuelle Weise sogar verstärken. So, wie die Rolle des Internet heute Symptom der Wurzellosigkeit ist. Und entsprechend sind dann auch die "Probleme", die diese Generation zu "lösen" sucht - eine Aneinanderreihung von Abstraktionen, die über Virtualität "verdinglicht" werden sollen. 

Der "Klimawandel", aber überhaupt die seit Jahrzehnten überbordenden Weltbedrohungsszenarien, die die völlig richtig gefühlte existentielle Bedrohung durch Wurzellosigkeit ausdrücken, illustrieren das. Ja mehr noch, solche Weltbedrohungsszenarien (man denken nur an den Malthusianismus!) entwickelten ihre Rolle ab dem Moment so konkret, als die sozialen Gefüge Europas auseinanderbrachen, spätestens zu Beginn des 19. Jhds. Und sie gingen einher mit einer Ablehnung des Erbes der Vorfahren (Materialismus, Sozialismus, Multikulti-Ideologie, bis zum Genderismus) einerseits, bei gleichzeitiger Virtualisierung (Nationalismus, Rassismus) ihrer Rolle als gleichlaufende Gegenbewegung auf derselben Ebene anderseits. 

Mittlerweile haben sich selbst allererste Verwurzelungen wie die Religion bereits virtualisiert, wie sie die Entwickungen des Kults in der Katholischen Kirche seit den 1960er-Jahren mittlerweile sogar schon zum Erbe zementiert haben, die virtuelle "Erneuerungsbewegungen" zur logischen Gegenbewegung haben. Und so den Katholizismus als Kraft der Lebensform definitiv auflösen, weil sie ihn auf dieselbe virtuelle Ebene mit den das Abendland überschwemmenden Religionsderivaten der Welt stellen, und die eigentliche Religiosität ins Irrationale, Chthonische, Dämonische abdrängen, sie regelrecht unerkennbar und zufällig machen. Das genau ist Barbarismus.



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Freitag, 13. März 2015

Nur alte Leute haben junge Gedanken

"Ein Gedanke ist nicht deshalb neu, weil er mir neu erscheint," läßt Jakob von Uexküll in seinen bedeutenden Lebenserinnerungen den Grafen von Schwerin sagen. "Wirklich neu ist er nur dann, wenn er neue Beziehungen zwischen bisher unvereinbasren Tatsachen setzt." Graf Schwerin bezieht sich dabei auf die in der Öffentlichkeit falsche Einschätzung junger Politiker in den Parlamenten, die meist zwar von vermeintlich weltverändernden Ideen berauscht sind, aber nicht bemerken, daß was sie vorbringen Schnee von vorgestern, uraltes Eisen ist, das die Älteren und Alten als unbrauchbar längst entsorgt haben.

Neue Ideen kommen nur von den Alten. Nur sie verfügen über ausreichende und ausreichend abgeklärte Weltkenntnis, um die Dinge immer vollkommener zu erfassen, und so Möglichkeiten zu erkennen, die dem Jungen noch völlig unbekannt sind. Denn im Reifen, im Altern erst treibt der Geist immer neue Triebe - weil er freier wird. Die heute regelrecht vergötzte "Kritikfähigkeit" ist daher eine Frucht des Alters, und es ist die letzte Frucht, die an einem Baum sprießt und nicht, wie bei den Jungen, lediglich rebellischem, ungeordneten Geist zuzuschreiben ist. 

Nur alte Leute haben junge Gedanken! Nur aus ihrem Humus, in dem die Welt verarbeitet worden ist, sprießen Gedanken, die nicht aus angeborenem oder angelerntem Gedankengut stammen und dieses bestenfalls variieren.

Die Außenwelt ist für den jungen Menschen ja noch ein Fremdkörper, den er sich nur allmählich aneignen kann (und sollte). Deshalb kann er nur phantasieren, aber keine fruchtbaren neuen Gedanken hervorbringen. Dazu braucht es viele Jahre, ja Jahrzehnte.

Gewiß, es kommen Ausnahmen vor,  in beiden Richtungen - weder haben alle alten Leute gute, neue Gedanken, noch alle Jungen keine schöpferischen. Aber es ist kein verantwortlicher Weg auf das blinde Huhn zu hoffen, das auch einmal ein Korn findet.

Eine Generation, die ihre Tradition ablehnt, verachtet, abschneidet, entscheidet sich deshalb zum kulturellen Stillstand, und weil Stillstand Rückschritt bedeutet: zur Zurückentwicklung. Wenn man ihre psychosoziale Landschaft durchkämmt tauchen lauter Momente des Festhaltens, des Festklammerns und der Angst auf. Worunter auch die Konzentration auf Lustmaximierung, die Zukunftsvergessenheit durch das Trugbild vom "Leben des Augenblicks" fällt.

Nur unter dieser Hinsicht kann von der "Kraft der Jugend" gesprochen werden. In ihr ergießt sich je neu vitale und individuell variierte Kraft in vorhandene Gefäße, durchdringt sie, und kann deshalb ausscheiden, was an ihnen überlebt weil tot ist. Aber direkt von der Jugend "als" Jugend kommt keine Erneuerung.




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Mittwoch, 4. März 2015

Von der Melodie gebaut

Was dauert länger, läßt Jakob von Uexküll jemanden fragen: Der Leierkasten oder die Melodie, die er spielt? Natürlich der Leierkasten. Denn in dem Moment, wo ein Schlawiner einen Stein in seine Walzen steckt, ist es aus mit der Melodie, der Leierkasten aber besteht weiter. Die Melodie kann also verloren gehen, aber der Leierkasten bleibt.

Moment, wirft er dann ein. Gäbe es denn überhaupt einen Leierkasten, wenn es keine Melodien gäbe? Der Leierkasten ist einem Wesen nach ja überhaupt nur zu begreifen, wenn man in ihm die dreidimensionale Partitur der Melodie sieht. Ohne seine Melodie, ohne Begriff von ihr, ist er überhaupt nicht denkbar, ja er ist auf die Melodie hin gebaut!

Es gibt also die Melodie - sowohl VOR dem Leierkasten, wie nach ihm. Sie ist es, die länger dauert.




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Dienstag, 17. Februar 2015

Tod durch Wirklinge

Die ganze Natur, schreibt Jakob von Uexküll an einer Stelle, zerfällt in "Merklinge" und "Wirklinge". Nehme man eine Henne mit ihrem Küken: Die Henne, die nach Finden von Futter das Küken herbeiruft, übernimmt die Rolle des Merklings, während das Küken ganz Wirkling (kraft des "Vertrauens", eine Selbstverständlichkeit) wird.

In gleicher Weise zerfällt jede menschliche Organisation in solche Teilung. Und es ist angeboren, welcher dieser Gruppen man zugehört. Schon deshalb ist nicht jeder Mensch für jede Position geeignet, denn jedem ist etwas dieser beiden "selbstverständlich", und das ist der Boden, auf dem jeder steht, ja: auf welchem NUR er stehen kann. 

Ja, wenn ein Merkling zum Wirkling werden will, wird er das genauso falsch tun, wie umgekehrt, der Wirkling den Merkling vortäuscht, um das Merklingsein zum Wirklingsein umzufälschen. Und das scheint dem VdZ als eine der realsten, folgeträchtigsten und leicht beobachtbaren Konsequenzen: Daß jeder Mensch eine vorhandene Vernunft und Sprechweise auf seine Weise umformt. Sodaß sie wie das eine klingt, dem Worte nach, aber dem anderen gemäß wirkt.

Um das zu illustrieren, holen wir diese Teilung in die konkrete Welt der Gegenwart. Und greifen so manche Wut des Wirklings heraus, sich in Verbindung mit Ereignissen oder Personen zu setzen. Nehmen wir ... das "Selfie", oder den Wahn sich überall mit Postings und Rückmeldungen vermelden zu müssen, oder zu sollen. Das sind eben alles Merkmale des "Wirklings". Der keine andere Möglichkeit hat, sich in den Besitz der Welt zu setzen, als diese Welt in die seine zu holen, ganz konkret. Sein Wesen ist, konkret zu beweisen, daß er in der Welt Spuren hinterläßt. 

Der geistige Zugang des Merklings ist ihm fremd. Dessen Wesen ist ihm Gegenpol, entgegengesetzt. Anders als der Wirkling, braucht der Merkling nicht den Beweis seiner Wirkung auf die Außenwelt, sondern, umgekehrt, ist ihm das Wichtige die Wirkung der Welt auf ihn. Es liegt in seiner Natur, seine Außenwirkung zu unterschätzen, denn seine Außenwelt besteht aus lauter Problemen. 

Während für den Wirkling seine Wirkung bzw. die Folgen aus seinem Tun "Selbstverständlichkeiten" sind, ja alles unter Selbstverständlichkeiten versinkt. Auch und gerade das, was er von der Mitwelt abverlangt. Er kennt "Respekt" nicht, nicht in dessen Wesen. Wenn, wird er zur pragmatischen Wirkung.

Ein Problem für eine Gesellschaft als Ganzes entsteht, wenn die Mischung aus diesen beiden Typen nicht mehr gesund ist. Eines ist dabei tödlich, schreibt Uexküll: Eine Gesellschaft, die nur aus Wirklingen besteht.




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Donnerstag, 22. Januar 2015

Warum es keine Dinge gibt

Man erkennt eine Kultur an der Art, wie sie die Dinge zerlegt, läßt Jakob von Uexküll einen der Proponenten seiner Erinnerungen sagen. Und baut darauf die großartig schlichte Substanzlehre des Mittelalters auf.

Im Mittelalter sah man in den Dingen ihre Eigenschaften, so verstand man Wissenschaft, und man zerlegte sie in Eigenschaften. Die man in Akzidentien - für den Bestand eines Dings nicht wesentlich - und Essentia - für den Bestand eines Dings wesentlich - ein. Zusammengehalten wurden diese Eigenschaften durch die Substanz eines Dings. Und diese Substanz ist der Sinn, ist geistig. Erst durch ihn sind die Dinge: das Haus aus Farben (als konkrete Farbe: Akzidentien) und Mauern (Akzidenz), die durch ihre Festigkeit (Eigenschaft; Essenz) das Haus erst "als Haus" (Substanz) möglich machen.

Die Neuzeit hingegen zerteilte die Dinge in Teile. Und damit verlor alles seinen Sinn, das "einende Band", wie Goethe es im Faust ausdrückt. So wird alles zufällig, und man sucht bestenfalls nach Gesetzen, die alles beherrschen. Aber diese Gesetze sind menschengemachte Gedanken. Und man übersieht das Wesentlichste in der Natur: daß sie nämlich nur Wunder schafft.

Uexküll erzählt dazu eine Geschichte. Ein griechischer Exarch war als Gast zu einem Brahminen in eine dessen Residenzen eingeladen. Er kam etwas zu spät, und platzte in eine Diskussion über die Existenz der Seele. Der Brahmine verneinte eine solche, denn sie sei nicht sichtbar. Wirklich aber sei nur, was sichtbar ist. Der Exarch beglückwünschte daraufhin den Mann, denn immerhin sei er die vielen Stadien zu diesem Palast zu Fuß gegangen. Der Brahmine lachte auf: ob er denn nicht dort draußen den Wagen sehe, mit dem er gekommen sei? Nein, meinte der Exarch. Er sehe keinen Wagen. Er sehe nur Räder, Speichen, Achsen - oder ob der Gastgeber denn meine, daß Sitze ein Wagen seinen? Nein, antwortete dieser. Oder Räder? Nein. Oder Deichseln? Nein, war wieder die Antwort. Dann aber, so der Grieche, gebe es auch keinen Wagen. Denn ein Wagen - die Eigenschaft, um die es dabei gehe - sei unsichtbar, und doch das, worum es bei diesem Ding gehe.

Erst aus einem Sinn, den dieses Ensemble von Teilen ergibt, das zu einem Sinn hin gestaltet und geordnet ist, ergibt sich also die Substanz eines Dings, und damit das Ding selbst.

Die Natur tut nichts anderes: Sie geht davon aus, daß alles, was es in ihr gibt, von einem Sinn getragen ist.* Und sie behandelt diesen Sinn wie ein reales Ding, ja wie das erste reale Ding. Unsere hinausverlegten Sinnesempfindungen also werden in der Natur selber wie objektive Faktoren behandelt, die ihre Erscheinungen sogar konstituieren.

Anders aber als bei der Natur, ist bei Dingen, die der Mensch verfertigt hat, diese Substanz menschlich und menschlicher Vernunft, menschlichem Denken entsprungen. Und insofern nur eine Analogie (Ähnlichkeit) zu den Naturdingen. Sie gehört nur insoweit zur Natur, als sie - als Kulturleistung - der Natur des Menschen anbehört, dessen Art des Daseins essentiell das der Kultur ist. Denn ohne Kultur gibt es gar kein Menschsein, sie ist die Essenz seines Bestands. Obwohl es Kultur gibt, die genau das nicht ist - Kultur - sondern als Erscheinung den Bestand - die Substanz, weil den Sinn und dessen Erfüllung - gefährdet. Nur dort kann man auch von Kulturleistung sprechen; anders ist sie lediglich Kulturerscheinung.

Die Herstellung von Dingen ist deshalb in der gesamten Menschheitsgeschichte ein kultischer Akt, und bei Naturvölkern ist sie es bis heute. Denn in der Herstellung wird ein "Dämon", ein Geist, ein Sinn in die Welt gerufen. Weil aber auch die Herstellung sohin in einen Sinn eingebunden ist, der von Menschen ausgeht, muß etwa bei einem Besitzübergang auch dieser Sinngeist, dieser "Dämon", beschworen werden.**

"Dingsein" ist also eine Frage des Sinns, und dessen Erfüllung eine des Bestands. Der fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier (und noch mehr: Pflanze) besteht nun darin, Sinn erst suchen zu müssen, und seiner Erfüllung selbst zustimmen zu können, ja diese Erfüllung sogar erst suchen zu müssen. Die Substanz des Menschseins ist also - Freiheit, die eine Leistung ist. Denn sie ist eine Frage der Bindung an den nicht sichtbaren, aber den Bestand entscheidenden Sinn. Nur in der Bindung an den (vorausliegenden!) Sinn entscheidet sich also Freiheit.



*Selbst das Zweckdenken des Darwinismus ist ja nichts anderes als die Suche nach dem Sinn der Erscheinungen. Es geht also auch im Materialismus/Mechanismus um eine Auseinandersetzung um den Sinn der Dinge und Lebewesen, nicht um irgendwelche "biologische, für sich stehende Evidenzen".

**Man übersieht ja gefließentlich, wie hier schon mehrfach betont, den kultischen Sinn des Zahlens eines Kaufpreises, des Verkaufs als Akt selbst: der als kultischer Akt ein solches Angefügigmachen, ja -bitten (!) des Geistes eines Dings, seines (als irdischer Geist: dämonischen) Sinns, an einen neuen Besitzer - als Eigentümer! - ist. Damit sich der Sinn eines Gegenstands nicht gegen den neuen Eigentümer wende. Der heute praktisch omnipräsente Geld-Ware-Tausch ist meist nur noch ein "Zwingen" des neuen Geistes in technische Abläufe, und nicht zuletzt das Garantieunwesen erzählt davon, in dem die Sinnerfüllung vom Eigentümer abgetrennt, zu einem bloß technischen Vorgang erklärt wird. Unter solchen Lebensbedingungen, "Bräuchen", MUSZ die Religiosität zwangsläufig verschwinden. Etwas, das sich in der heutigen Erziehung - als "Erziehung zum Recht (nicht: zur Pflicht, zur Notwendigkeit des Erbittens, zur Bitte um Gefügigkeit etc.)" - ohne jede Übertreibung: dramatisch! auswirkt. Hier wird (und wurde bereits) unsere gesamte Zukunft substantiell verspielt. Deshalb schreibt der Protestant (!) Uexküll, daß das Heilmittel der protestantischen Kirche - "Glaube" - zwangsläufig versagen muß, während das Heilmittel der Katholischen Kirche, "Gehorsam", enorme Wirksamkeit beweist.





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Dienstag, 20. Januar 2015

Der Staat ist kein Lotteriespiel, mit Gewinnern und Verlierern

In seinen Erinnerungen erzählt Jakob von Uexküll von seinem Vater Alexander, der ein ausgemachter Feind der sogenannten Nationalökonomie war. Eines Tages war ein Nationalökonom zu Besuch in Reval, und es entspann sich nach Tisch ein Disput mit dem Vater. In dessen Verlauf der junge Gelehrte die Meinung äußerte, daß man aus gewissen nationalökonomischen Vorteilen den Zwischenhandel ausschalten müsse. 

Der Vater widersprach heftig: "Was heißt Zwischenhandel? Es gibt nur Zwischenhändler, das heißt kleine menschliche Existenzen, die auch ein Recht auf Leben haben."

"Wo gehobelt wird, fliegen Späne," sagte mit überlegener Miene der Nationalökonom.

"Ein Staat, in dem Mitbürger als Hobelspäne gewertet werden, ist selbst nur noch totes Holz," war die eindrucksvolle Antwort des Vaters.

"Aber Sie werden doch zugeben," ereiferte sich nun der junge Mann, "daß es die Aufgabe des Staates ist, selbst auf Kosten einer Minderheit die große Mehrheit seiner Bürger glücklich zu machen?"

"Der Staat ist kein Lotteriespiel," kam nun die zornige Antwort, "mit möglichst wenig Nieten, sondern ein Zusammenhang lebender Menschen, die alle das gleiche Recht - nicht auf Glück, denn Glück ist Privatsache - aber auf eine Existenzmöglichkeit haben. Daß das Wohl des einzelnen vom Wohl des Ganzen abhängt, ist eine Binsenwahrheit. Aber daß das Wohl des Ganzen vom Wohl des einzelnen abhängt - das vergessen die Nationalökonomen."




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