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Sonntag, 20. Februar 2022

Die Kultur im Fleische

Die Klageweiber [mit ihren violett angemalten Gesichtern] waren [trotz des in von niemandem erwarteten ausgreifenden Schritten erfolgten, langen Aufstiegs zum Berge Mose, dem Musa Dagh] hinreichend bei Kräften - nicht einer ging auch nur der Atem schneller - um sofort an die Arbeit zu gehen. Nunik [die Nasenlose, deren Schneidezähne aus dem lippenlosen Gesicht starrten, und deren Alter der Legende nach hundertfünzig und mehr Jahre betrug], Wartuk, Manuschak und die anderen hockten sich zu den Toten. Ihre schmutzigen Klauen enthüllten die schon erstarrten Gesichter. Und dann hub an ihr Gesang, älter vielleicht als die ältesten Lieder der Menschheit. Er wurde ohne Unterbrechnung wiederholt, bis der letzte Stern sich im ergrünenden Himmel löste. 

So arm der Text war, so reich veränderte sich die Melodie. Manchmal wars nur ein langes gleichlautendes Stöhnen, manchmal eine Kette heulender Koluraturen, manchmal ein ödes, schmerzverschlafenes Nicken derselben zwei Töne, endlos, manchmal ein schrilles Aufbegehren, und dies alles nicht etwa frei und der willkürlichen Eingebung foldend, sondern gesetzmäßig und überliefert von jeher. Nicht jeder der Sängerinnen, [denen nicht viel zu den Chorgestalten der antiken Tragödie fehlte], besaß die altbewährte Kunst und Stimme Nuniks. Es gab unter ihnen auch mäßige und daher eigennützige Künstlerinnen, deren Gedanken während der Arbeit ausschließlich mit dem Geldbeutel der Hinterbliebenen befaßten. Was nützten dem reichsten Manne hier obern seine Pfunde und Piaster?

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Auch das gehört unter den Baum (2)

Ein Symbol, ein Königreich für ein Symbol! Die Erlösungsidee. Die Feinde. Der Tod. - Käutner stellt ein mehr oder weniger zusammengeklittertes Symbol dar. Er macht Ludwig II. zum Sinnbild des Idealen, des Schönen, Guten, Wahren, das inmitten des Reißwolfs der Moderne untergehen muß. Die Welt ist brutal, und die Macht gehört den Skrupellosen. Aber nur die Schönheit kann Mensch, Kultur, Volk prägen, nur die (idealisch überhöhte, eigentlich aber als Sakrament mißverstandene) Kunst als Kult des Vollkommenen kann ein Volk zu sich selbst führen.

Richard Wagner sollte die Werkzeuge der Auferstehung der innersten Kräfte des Volkes schaffen. Denn so war dessen Werkverständnis, als Liturgie, in deren Grammatik sich die Grammatik des Ewigen enthält, an der der Einzelne vorbehaltlos wie an einer Kommunion teilhat. Was viele nicht wissen ist, daß sein Nibelungenring (insbesonders Rheingold) eine fundamentale Kapitalismuskritik zum Inhalt hat, als das alles wahrlich Menschliche, Hohe Zerstörende.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Auch das gehört unter den Baum (1)

QR Film Ludwig II.
Es geht auch zum Hören, was als Film über "Ludwig II." im Jahre 1955 angelegt wurde (und auf Youtube an mehreren Stellen angeboten wird.) Denn der Maestro della musica höchstpersönlich, Herbert von Karajan, bietet mit den Wiener Philharmonikern sowie namhaften Solisten (Martha Mödl als Isolde, Wolfgang Windgassen als Tristan) die unvermeidliche Wagner-Musik zum Liebling so vieler romantischen Bewegungen, zum Kreis der Legenden und Sagen rund um den vorvorletzten Bayernkönig. 

Den O. W. Fischer spielt. Dessen denkwürdige Leistung einerseits bis in die Nebenrollen (wer hätte da etwa einen Klaus Kinski vermutet? war der auch mal Schauspieler, ehe er sich als Kasperl seiner selbst verdingt hat? natürlich, und wie!) von einem hochkarätigen Ensemble getragen wird. Wer Marianne Koch hier in jungen Jahren (als Prinzessin Sophie, die sich historisch mit Ludwig verlobte, ohne daß es dann zur Ehe kam) sieht, das nebenbei, kann sich nur fragen: Mein Gott, diese vielleicht schönste Frau Deutschlands im 20. Jahrhundert ist wirklich nie gealtert. Sie war immer gleich schön. 

Dienstag, 23. November 2021

Eine erschütternde Tragödie

Wie ver-rückt diese Welt geworden ist - geworden? nein: gemacht worden ist - zeigt ein Filmchen, das die penny-Markt-Kette hergestellt hat. Man sehnt sich nach einem Leben in Unperfektion, in allen Fehlern und Fehlgriffen. Das dennoch nie aus einer gewissen Eingeflochtenheit in eine Ordnung fällt, deren Träger die Eltern, die älteren Generationen sind. Man wünscht sich Streit und Disput um das Richtige, man wünscht sich die Rebellion der Jugend gegen die Ordnung.

Ich habe es schon oft gesagt. Die große Enttäuschung, die ich mit dem Beobachten der Heranwachsenden erlebt habe ist, daß sie nicht GEGEN das Establishment gekämpft haben. Hier war ich wesentlich radikaler und meinen früh erkannten Grundsätzen treuer, viel aufmüpfiger, viel rebellischer! Gegen Schule, gegen Beton, gegen die Einschließung und für die persönliche Freiheit. Diese Heranwachsenden aber haben sich erhoben, um FÜR die Eingliederung ins Establishment zu kämpfen. Das hat mich immer wieder fassungslos gemacht. Und dazu gehört die Identifikation mit den Müttern ebenso, wie die Aushebelung der Väter.

Freitag, 8. Oktober 2021

Bewußt in den Tod geschickt

Wann der sogenannte "Vietnam-Krieg" begonnen hat ist fließend. Man muß für den Beginn der militärischen Auseinandersetzungen in Südostasien die frühen 1950er Jahre ansetzen. Als das Kolonialreich Frankreichs, welches Land im gerade vergangenen Zweiten Weltkrieg zwar als "Siegermacht" installiert worden, das aber im Grunde eine geschlagene Nation war, an allen Ecken und Enden auseinanderzubrechen begann. 

In Afrika (Algerien, Marokko, Zentralafrika) ebenso wie im südostasiatischen "Französisch Indochina". Die Kämpfe an allen diesen Fronten überforderten das Land völlig. Überall waren unkoordinierte Befreiungsbewegungen entstanden, an deren Spitze sich locker die Kommunisten etablierten, die wenigstens Ordnung, vor allem aber Unterstützung durch den großen Bruder "Kommunismus" brachten. Zwar gab es die "Légion étrangère", ja es gab bis in die mittleren 1950er Jahre Einheiten mit über 5.000 ehemaligen Deutschen, SS-Soldaten, rekrutiert aus Männern in Gefangenenlagern nach 1945, die aufgrund ihrer Vergangenheit keine Chance im neuentstehenden Deutschland mehr sahen, aber Frankreich war den Auseinandersetzungen nicht mehr gewachsen. 

Donnerstag, 4. Februar 2021

Irgendwann ist einfach Schluß (2)

Wir bringen hier nun noch einmal den zweiten Teil. Für die, denen der Lesestoff gestern doch zu umfangreich war, die aber - und das tun so manche Leser, wie der VdZ weiß, ihnen sei einmal mehr für ihre Treue und ihren Durchbeißwillen gedankt - im Gleichschritt mitgehen wollen. 

Teil 2) Drum frisch und los. Leben wir doch endlich und einfach wieder!

Nehmen wir es deshalb etwas lockerer. Machen wir uns bewußt, daß wir nicht auf Erden sind, weil wir hier eine sooo wichtige Aufgabe haben, daß wir am besten ewig leben sollten. Und jeder Tod ein Fehler im System ist, ein Leck im Apparat, der zu vermeiden wäre, WENN wir denn dies und wenn wir denn dort und wenn wir denn das.

Wir werden sterben. Ob mit oder ohne Corona. Deshalb reicht es, wenn wir ein bissel aufpassen, wie wir es ja immer gemacht haben, wenn jemand krank war, und mehr noch wenn dessen Krankheit zum Tode ansteckend war. Angeblich oder wirklich. Und wenn nicht ... kein Malheur. Allen Ernstes. Es ist kein Malheur, den Löffel abzugeben. Es ist normal, und es ist das Schicksal JEDES Menschen. Auch unser unentrinnbares Schicksal damit. Also sollten wir doch ein bissel darüber lachen, sarkastisch, ironisch, denn klar, freuen kann man sich nicht darüber, aber wie sagte doch ein Weiser einmal? Tausend Rosen. Und frisch ans Werk, kräftig in die Hände gespuckt, und wenn es denn sein soll, dann eben ... kräftig gestorben. Denn wir wissen, daß es nicht um dieses begrenzte irdische Leben geht, dieses vallis lacrimosa, dieses Tal der Tränen, sondern darum, daß wir nach dem Tod, wenn wir denn zu Lebgezeiten, wo wir noch den Leib haben, also ganze Menschen sind, bei Christus sein wollten, durch Jesus Christus zu einem neuen Leben auferweckt werden. Und dann, dann geht es so richtig los, dann wackelt die Bude sozusagen. Dann haben wir jene Freude, die wir verloren haben, wieder. Ist das nicht ein Grund, sich zu freuen?

Oder wäre das nicht ein Grund, sich vom Tod weg Christus zuzuwenden? Das ist es doch! Das ist es, warum wir Corona nicht so richtig wollen, daß wir uns lieber zu Tode fürchten, als daran zu sterben. Und das ist ein Grund, warum wir von der Politik etwas verlangen, das sie nicht leisten kann.

Weshalb wir diesen Herrschaften "da oben" sagen sollten: Schon gut. Während wir sie vom Podium führen, unseren Arm um ihre Schultern legen und aus dem Saal begleiten, während sie noch immer reden und reden und reden, was der Tag lang ist, und nach links und rechts wie Irre bellen "Wir schaffen das!", und "Ich kann Euch retten" oder "Ich kann uns bewahren!" "Jaja, schon gut," sagen wir dann, und "Ist eh gut, ja, eh, wir glauben Dir das ja auch" ... während wir mit ihnen rausgehen.

Nichts können sie. Deshalb sollten wir dann, wenn wir sie draußen der Schwester übergeben haben, sie ihnen weiter gut zuredet und sie nach draußen zum Krankenauto geleitet, in den Saal zurück und aufs Podium gehen. Dann mal aufs Mikro klopfen, drauf pusten, ja, es ist eingeschaltet, und dann sollten wir folgende Rede halten. Wir sollten sagen: "Werte Herrschaften, ich möchte was sagen. Ich möchte Euch sagen, daß hinten ein Buffet ist, das wir später konsumieren können, daß im Saal B ein Bingo läuft, wer also möchte ... und daß wir sonst hier abstimmen, wie es mit der Treppe im Foyer weitergehen soll, mit dem Schuppen der Feuerwehr, und wer nun diese Straße saniert, die zum Gemeindezentrum führt, denn das ist ja wirklich kein Zustand ..." Und langsam fassen sich alle wieder, und allmählich fokussieren sie sich wieder auf das, was sie hier tun sollen und müssen - arbeiten, feiern, trauern, Musik hören oder Punzen schlagen, einfach LEBEN. Es gibt eine Menge zu tun.

Und, so nebenbei, schon vergessen? Leutel, es ist noch zwei Wochen - aber NUR noch zwei Wochen - Fasching!


*270121*

Mittwoch, 3. Februar 2021

Irgendwann ist einfach Schluß (1)

Krankheit, und zwar jede Krankheit, zielt auf Tod ab, das sollten wir nicht vergessen, auch wenn wir es meist schon vergessen haben. Das hat uns die Medizin eingeredet, das hat uns ein Apparat eingeredet, der glatt so tut, als wäre die Krankheit letztlich vermeidbar und der Tod ein Betriebsunfall.

Leben ist ein actu, also ein Tätiges. Wir sagen ja "wir leben", und zwar in allen Sprachen der Welt, wir sagen nicht "wir werden gelebt." Aber darin verfehlen wir uns. Zwangsläufig, und zwar durch die Erbsünde. Wir haben durch sie so viele Neigungen zu Fehlern, daß wir in keinem Fall den Fehlern davonlaufen können. Sie sind immer schneller als wir, sie sind immer zahlreicher, als wir übersehen können. Denn sie sind eine Gesamtneigung, während wir immer nur Einzeldinge bekämpfen können. Und in der Erbsünde ist unser Insgesamt, unsere Gesamtrichtung abweichend und in Richtung Tod eingestellt geworden. Die Erbsünde Adams und Evas war eine Grundsatzentscheidung, in der die Ausrichtung unseres Daseins auf Tod zuging.

Unsere Stammeltern, diese ersten Menschen, von denen alle weiteren abstammen, haben sich in ihrem Entschluß, Gott nicht zu gehorchen, dazu entschlossen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie haben sich dazu entschlossen, selbst jene Herren zu sein, denen sie alles verdanken. Das war ein Fehler. Ein sachlicher Fehler, zu dem sie der Teufel überredet hatte. Es war ein schwerer Fehler, ein Irrtum, und sie sind augenblicklich darauf gekommen. Als Gott sie rief, waren sie sich dessen unbewußt bewußt, sie verbargen sich vor der Wahrheit, dem Sein selbst, von dem alles Sein abstammt. Sie schämten sich.

Weil wir innerweltlich, irdisch, leiblich von Menschen abstammen, also zweitursächlich (nach Gott, dem alles sein Sein verdankt) haben wir das von diesen Eltern auch übertragen bekommen. Neben unserem Sein, das seinen Sinn darin hat, in größter geschenkhafter Freude zu leben weil an Gottes Freude, die er am Spiel der Schöpfung hat, teilzuhaben. Und in dieser Freude, zu der wir berufen weil in die Welt gerufen sind, haben wir aber gewahr zu sein, daß wir diese wirkliche Freude erst NACH diesem Leben erfahren werden. Warum? Weil durch Adam und Eva der Tod in die Welt gekommen ist.

Aber Gott selbst hat uns durch seinen eigenen Sohn Jesus Christus davon erlöst, und uns - nach dem Tod - wieder in ein neues Leben hinein auferstehen lassen. DANN werden wir diese Freude erfahren, und sie ist wirklich gewaltig, der Leser möge es glauben, dem VdZ war als Gnade beschieden, davon ein bißchen kosten zu dürfen. Sie war so groß, daß er seither niemals etwas anderes hätte wollen wollen, als diese Freude wieder zu erfahren, in der sein ganzer Körper verwandelt, völlig verändert war. Wenn wir in der Taufe Mitglieder der Kirche geworden sind, werden wir daran teilnehmen können. Anders nicht. Zumindest wäre es vermessen das zu erhoffen, weil sonst ja das Leiden und Sterben Gottes selbst unnötig gewesen wäre, der Leser möge sich das einmal vorstellen!

Was er sich aber vielleicht nicht mehr so vorstellen kann ist, daß wir sterben müssen. Alle. Und daß wir immer eine Krankheit haben werden, an der wir sterben. Und sei es, daß wir "an Altersschwäche" sterben, also einfach so müde werden, sterbensmüde, buchstäblich, daß wir "hinübergehen", also unsere Seele den Leib losläßt, der daraufhin zu Staub wird. Während die Seele auf den Jüngsten Tag wartet, wo sie, ihrer Form, ihrer Forma nach, wieder zu einem ganzen Menschen geschaffen wird. In der Auferstehung am Jüngsten Tag, wie so viele Propheten verkündet haben. Und woran wir glauben dürfen, weil Gott selbst es uns erzählt hat. Und der muß es ja wissen.

Wir können es uns deshalb nicht so gut vorstellen, weil der Tod - ganz anders als etwa im Barock oder im Mittelalter - durch die Technik, vor allem aber durch die Art wie wir leben so weitgehend und scheinbar aus dem Blick geraten ist, verdrängt wurde, daß wir über lange Strecken unseres Leben, als Grundhaltung sogar, den Tod vergessen haben. In Corona (und das ist das Neue an dieser "Pandemie") hat der Tod sich aber wieder ins Sichtbare gemeldet. Nicht daß er nun plötzlich da ist! So tun wir aber! Sondern er war ohnehin immer da, nun sehen wir ihn aber wieder mehr. Und das ist uns peinlich. Es erinnert an unsere Grundschuld, und es erinnert daran, daß wir immer etwas und genug falsch machen, sodaß wir sterben werden. Mit dreißig, mit fünfzig, mit achtzig oder neunzig Jahren, irgendwann. Irgendwann ist einfach Schluß. Auch für uns. Auch für unsere Kinder, die so prächtig und vor Kraft strotzend leben. Auch für uns, die wir mit dem Alter ein Wehwehchen nach dem anderen, eine Schwäche nach der anderen, schließlich ein Konzert von Schwächen erleben müssen, das uns irgendwann das Leben kosten wird.

Keine Diät, keine noch so "gesunde Lebensweise" wird das verhindern können. Irgendwann ist Schluß. Auch für uns. Uns alle. Und daran erinnert uns Corona wieder. Aber wir sind das nicht gewöhnt. Wir wollen das nicht. Also glauben die Politiker allen Ernstes, sie tun uns einen Gefallen, wenn sie so tun, als wäre das etwas Unnötiges, Überflüssiges, von dem SIE uns bewahren können. Deshalb sehen sie sich ermächtigt, uns dermaßen zu karniefeln, daß uns jede Lebensfreude erstirbt. Nicht nur das, daß wir in so Dingen wie Lockdowns zwar irgendwie vegetieren dürfen, aber NICHT leben. Denn das ist tödlich.

Aber, werter Leser, sei er sich so wie der VdZ bewußt: Wir werden sterben. Auch unser Leben wird enden. IN jedem Fall. Ob morgen. Ob in fünf Jahren. Ob in zwanzig oder fünfzig Jahren. Irgendwann ist Schluß. Legen wir deshalb unsere Zitronenmine wieder ab, legen wir deshalb dieses Betroffenheitsgetue ab, das uns besonders von dieser Regierung angeboten wird, die so tut, als sei sie dann "verantwortungsbewußt", wenn ihr Gesicht auf "tragisch" gepolt wirkt. Ach was sind das doch für Heuchler. Oder, noch schlimmer, wie dumm sind die doch, weil sie das vielleicht wirklich gar nicht wissen. Sondern auch noch glauben, daß ihre Aufgabe es sei, den Tod aus dem Leben zu werfen.

(Wir bringen nun auch die zweite Hälfte des Artikels, für die, denen es nun "reicht", und die sich das Lesevergnügen auf morgen aufheben wollen.)

Morgen Teil 2) Drum frisch und los. Leben wir doch endlich und einfach wieder!

Freitag, 10. April 2020

Dreimaliger Verrat

Dreimal, schreibt Solschenizyn im Archipel GULAG, für das er - sicher auch aus politischen Gründen im Kalten Krieg, denn heute ist Solschenizyn den Anti-Kommunisten von damals, also den Gutmenschen von heute, wohl eher peinlich - den Literaturnobelpreis erhielt, dreimal sind die russischen Soldaten im und nach dem Zweiten Weltkrieg verraten worden. 

Einmal, weil man sie ohne ausreichende Ausrüstung und mit einer desaströsen Führung in den Krieg schickte, wo sie millionenfach sinnlos verbluteten oder zu Millionen in die Gefangenschaft gingen. 

Zweimal, weil sich die Sowjetunion weigerte, das Kriegsgefangenenmemorandum von Genf zu unterschreiben. Welches die Regelung enthielt, daß im Kriegsfall Kriegsgefangene erstens von den Siegern ähnlich gut zu versorgen waren wie die eigenen Soldaten, zweitens mußte gestattet werden, daß Kriegsgefangene von der Heimat und von internationalen Hilfsorganisationen (wie dem Roten Kreuz) mit Hilfsgütern versorgt werden durften. Was in deutschen Kriegsgefangenenlagern unter inhaftierten Engländern und Franzosen manchmal zur grotesken Situation führte, daß diese die Versorgung durch deutsche Lagerhaltung verweigerte, weil sie sich aus Hilfsgütern besser versorgen konnten. Die UdSSR hatte das alles verweigert, weil sie verhindern wollte, daß Truppen vorzeitig den Kampf aufgaben, und das "Paradies" der Gefangenschaft dem Elend in den Schützengräben oder dem Tod fürs Vaterland vorzogen.

Zum dritten Mal wurden sie dann verraten, weil sie bei der Heimkehr nach Rußland praktisch ohne den Zug zu wechseln sofort in Straflager nach Sibirien weitergeschickt wurden. In dem letztlich jeder Ideologie eigenen System der Paranoia, wo jedes Kennenlernen eines "anderen", eines alternativen Lebens, schon gar eines Lebens mit "mehr Freiheit", zur substantiellen Bedrohung des notwendigen "treuen" Glaubens an das eigene Aufbauprojekt wird, war jeder, aber wirklich jeder, der mit dem Westen Kontakt bekommen hatte, zur Gefahr erklärt. Das traf auch für die Millionen sowjetischer Kriegsgefangener zu, die im Zuge des Zusammenbruchs des Dritten Reiches aus deren Lagern befreit wurden. Meist sogar von den westlichen Alliierten! Die aber nun - eiderdautz! - dem Genossen Stalin, mit dem man (und dabei vor allem Roosevelt) sich's keineswegs verscherzen wollte, diese Millionen Soldaten kurzerhand geschlossen auslieferte. Und das obwohl man um die wahre Natur des Sowjetregimes wußte. 

Erschütternd manche Berichte, in denen sich sowjetische Soldaten (oder ganze Völker, wie die Kosaken 1945 in ihrem Lager in Kärnten) vor der "Rückkehr in ihre Heimat" zur Wehr setzten. 

Erschütternd, noch mehr tragisch aber auch die Freude und Ergebenheit so vieler russischer Soldaten, die trotz des Wissens um ihr künftiges Schicksal die Rückkehr in die Heimat wählten. So ist er, der russische Mensch, schreibt Solschenizyn, er zieht alles, auch den größten Schrecken vor, wenn er nur in der geliebten Heimat sein kann. Dort hat alles dann eben schicksalshaften, ja gottgewollten Charakter, den man vertrauensvoll hinnimmt. Aber kein Russe, der ein solcher ist, zieht die Entwurzelung vor, weil er sich irgendwelche scheinbaren Lebensvorteile verspricht. Was sind die wert ohne Heimat, ohne Teil des eigenen Volkes und seiner Kultur zu sein?
Kein schlimmeres Übel als die Ortslosigkeit! Kein größeres Elend als das Fehlen des Sinns, der sich erst aus der Zugehörigkeit zu einem Ort erschließt.







Dienstag, 19. November 2019

Worüber Gretel sich aufregt

Das darf hier nicht fehlen. Auch wenn uns daran liegt festzuhalten, daß es nicht um das bedauernswerte Mäderl aus Schweden geht, das die Spuren seiner Krankheit deutlich im Gesicht trägt. Vielmehr geht es um die Verantwortlichen ganz bösartiger Machenschaften, die Greta schändlichst als Handpuppe mißbrauchen.

Man hat diesem kranken Kind nicht nur seine Kindheit gestohlen. Ihr Autismus spricht ohnehin Bände über das Umfeld, in dem es aufgewachsen ist. Sondern tatsächlich seine persönliche Zukunft.* Anstatt der Armen zu helfen, hat man sie noch mehr, ja fast unentrinnbar, in ihrem Gefängnis festgenagelt, indem man ihr eine Scheinexistenz übergestülpt hat. Ein wenig kann man davon ahnen, wenn man das kurze Video ansieht, wo sie in New York im September 2019 mit Donald Trump konfrontiert wird.

Die Auswirkungen der Hysterie, für die sie instrumentalisiert und den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wurde, wirken fatal auf sie und ihre Psyche zurück, das kann man schon in diesen kurzen Sequenzen erkennen, die deutlich eine absurde Entfremdung von der Wirklichkeit zeigen. Das Kind hält die Lüge, die mit ihr inszeniert wird, für wirklich! Sie ist der Nabel der Welt, also warum kniet nicht auch der Präsident des mächtigsten Landes der Erde vor ihr? Der VdZ kann sich nicht vorstellen, daß dieses Mädchen jemals zu einer normalen, stabilen, natürlichen Verfaßtheit finden wird können. Die Kluft zur Wirklichkeit wird immer unüberwindbarer für sie. Man muß kein Prophet sein um zu sagen, daß das für das Kind noch ganz schrecklich enden wird.

Wie soll man nun aber aktuell mit Greta Thunberg umgehen?  Gar nicht, soweit sie als Medienphänomen auftritt hat sie mit eines Verantwortung nichts zu tun. Denn einem Jugendlichen, einem Kind begegnet man nur persönlich, und hier ist ein gutes. kluges Maß zu halten zwischen Zuhören und dem notwendigen Urteil als Erwachsener, der die jugendliche Ungeformtheit bereits einordnen kann. Mit einem großen Problem, das bei Greta auftaucht: Daß man nämlich gar nie das Gefühl hat, daß hier ein Mädchen aus wirklich eigenem, originärem Erleben heraus spricht. Das macht wütend. Über die dafür Verantwortlichen. Über den Mißbrauch. Über die Dummheit so vieler dabei, die den Schabernack aus Schwäche mitspielen, oder weil sie das böse Spiel begrüßen, das ihnen nützlich scheint.




Ins Blog aufgenommen über einem Hinweis auf EIKE
Hinweis: Die erwähnte Fluglinie Thomas Cook ging im September dieses Jahres pleite.



*Wer die von ihr abgesetzten Botschaften unter diesem Blickwinkel sieht, hört sie ohnehin ganz anders. Es ist die Klage eines gequälten Kindes, das über sich spricht, aber nie gehört wird. Weil alle es als "Klimasache" deuten. Kann es etwas Schrecklichers, Brutaleres geben? Das Kind spricht von sich! Aber die Welt enthält ihr nunmehr und fortan eine authentische Antwort vor.




Sonntag, 25. November 2018

Von der Wahrheit und dem Künstler (3)

Teil 3) Von der Rückversicherungsgarantie des Künstlers



Und doch, und doch haben Künstler gewissermaßen eine Rückversicherungsgarantie zur Wahrheit und zur Vernunft. Und diese liegt im Material, deshalb im Tun. Denn es ist eben die konkrete Welt als Gefüge der Dinge, die die Gesetze Gottes, den logos, in sich trägt. An dem er dann im Tun teilhat. Tut der Künstler nicht, fällt er buchstäblich ins Nichts. Tun ist seine einzige Chance zu sein. Denn Sein (als Analogie zu Gott) ist ein actu, ist Tätigkeit.

Diese Welt ist das Buch Gottes, in dem der Künstler, der um Wahrhaftigkeit ringt, liest, an dem er zu sich kommt. Wer deshalb dem Material, das er bearbeitet, treu bleibt, wirklich treu, daran geschmiedet wie Prometheus an die Felsen des Kaukasus, worin auch die Erfahrung seiner selbst enthalten ist, und zwar gerade in der Nichterfüllung dessen was "ein Leben des Alltags" ausmacht, geleitet von den im Material enthaltenen Eros der Formen (zu dem er sich aus seiner Natur heraus - wenn, dann kann man hier von Talent sprechen - hingezogen fühlt), wird auch über kurz oder lang zu Gott finden und an seine Türe klopfen. Es bleibt nur zu hoffen, daß er die richtige Tür findet. Und früh genug.

Weil er sich sonst der Gefahr aussetzt, seine einzige Inspirationsquelle zum Guten, Wahren, Schönen zu versäumen. Und die ist das Tun in der Teilhabe am Kult, an der konkreten, fleischlichen und lebendigen Schönheit, Wahrheit, Gutheit. Durch ein immer besseres Kennen geliebt, und damit auch im Opfer der Selbstüberschreitung von allen Schlacken gereinigt hergestellt. Denn im Entfernen des Unnötigen, nicht Dazugehörigen, wird das Geschaffene, das dann über sich hinausweist - auf die wirkliche Wirklichkeit, auf Gott. Aus ihm, aus dem unendlichen Geist an sich, kommt alle Form urbildhaft, wir bilden dann nur noch nach. Ohne Gehorsam kein Gelingen. Ohne Gehorsam kein Kunstwerk. Aus dem Nebel entreißen, aus dem diffusen, amorphen Stein meißeln.

So werden auch die künstlerischen Werke zu dem, was ein Kunstwerk ausmacht: Zu wirklich lebendigen - originären, einmaligen - Werken, wie alles Dingliche einmalig ist. Weil sie sind, also die unsichtbare Wirklichkeit zeigen weil aus diesem Weltgrund kommen, was sie darstellen. Am Kult als jener Quelle der Inspiration der Begegnung mit dem unendlichen Geist, aus der heraus dann auch eine Kultur alleine lebt weil Substanz zum schöpferischen, originären Tun hat. Und diese Substanz ist die lebendige Vernunft, als Einheit von Wahrheit (Verstand), Gutheit (Liebe) und Schönheit (Gefühl).

In diesem Sinn kann man erst davon sprechen, daß wirklich "jeder" zum Künstler berufen ist. Aber er ist es an seinem Ort. Deshalb sind Kunstformen, wie sie uns entgegentreten und die wir als "Kunst" bezeichnen - Literatur, Malerei, Architektur, Musik - in ihrer Form von der Kultur abhängig. Sie stehen aber zu deren funktionalem, zweckhaftem Gefüge "quer". Ihr Gesicht ist dem Universalen zugewendet. Sie werden aus einer Kultur damit geboren, weil sie diesen Platz freiräumen - konkret: Künstler sind Menschen, die man zweckhaft nicht "braucht", oder die nicht brauchbar sind, Kunst (in diesem eingeschränkten Sinn) als ultimo ratio ausüben, denn was sollten sie sonst machen?

Das unterscheidet damit auch den Künstler von allen anderen Teilnehmern am Gesellschaftsspiel (vereint sie aber mit dem Priester, dem Philosophen und dem König, die alle strukturell gleiche Probleme der Legitimität weil von der "Handauflegung abhängigen", also Gott verdankten Autorität haben): Die Existentialität seines Tuns. Erst wenn das der Fall ist, ist er in diesem engeren Sinn Künstler. Und das unterscheidet sein Tun von dem des Hobbys und der Muße, das ja auch keinen Zweck, wohl aber Sinn hat.

Dennoch ist es jedem Menschen aufgegeben, sein Tun an seinem Ort und in jedem Tun, also in jedem Beruf, zu jener Reinheit zu bringen, die in der Kunst und im Künstler ihre absolute Gestalt findet. Denn in der Grundbedingung - wenn auch nicht in der Gestalt - sind alle Menschen letztlich tatsächlich gleich.

Fazit

Fassen wir das nunmehr Gesagte zusammen, läßt sich eines sagen: Wenn es heute heißt, daß der Künstler (oder überhaupt der Mensch) "aus sich heraus" schaffe, so trifft genau das Gegenteil zu. Nicht aus sich heraus schafft er, sondern in etwas hinein! Alles, was er selbst dazu beiträgt ist nicht explizit, sondern allem seinem Tun immanent. Denn die Wahrheit liegt in der Sache, und um sie zu finden, muß er Urteile der Vernunft fällen. Tut er das nicht, glaubt er "aus sich heraus" schaffen und urteilen zu können, verliert er seine Freiheit, weil er sich Kräften ausliefert, die er nicht mehr kennt, weil ihm die Urteilsbasis des Ich fehlt.

Und deshalb erkennt er sich im Tun, aus der Wahrheit des Materials, und wird im Tun zu sich selbst. Im Gehorsam dem Material und der Sache gegenüber, die er darstellen möchte, weil er muß. Warum muß er? Weil er einen Auftrag dazu erhält. Erteilt eine Kultur den Künsten aber diese Aufträge nicht mehr (oder wie im 19. Jahrhundert, wo sie zwar Aufträge gab, aber diese nur noch die Wünsche des Funktionalen und Epigonalen waren), hat der Künstler in ihr keinen "Raum" mehr, keinen Ort, bricht die Kunst in sich zusammen, weil die Wahrheit zusammenbricht. (Auch dafür ist das 19. und dann das 20. Jahrhundert, dann so richtig Beleg.) So daß dann die Künstler in sich zusammenfallen, die diese Wahrheit nicht mehr verfleischlichen können. Ja, sie werden verdrängt von einer simulativen Pseudokunst, der es nicht mehr um Wahrheit geht, sondern darum, zu gefallen.





*181018*

Samstag, 24. November 2018

Von der Wahrheit und dem Künstler (2)


Teil 2) Wahrheit, Tun und Material




Das erkennt man zumindest mit der Zeit am Werk (je nach Ausgangsbasis.) Es wird immer weniger vom Geist der Freiheit weil Wahrheit gestaltet, wird zufällig und willkürlich, was dann meist auch noch mit "experimentell" fehlinterpretiert und gerechtfertigt wird. Aber damit liefern sie sich dem Zufall aus. Sie erleben sich also genau nicht als schöpferische Individuen.

In Wahrheit ist das Experiment jedoch nur ein Stadium des immer wieder nötigen, als Gegenphase zum Schöpferischen zu sehenden Eintauchens ins Chaos, in dem sich durch befristete Selbstauflösung die eigene Basis frei zur Reform wird. Das ist im Sinne einer Erhaltung ihrer Schaffenskraft zu sehen, nicht primär einer "Erweiterung". Also als Basis historischen Wachstums durch Erfahrungsvermehrung, die zu immer weiteren Verfeinerungen ihrer Fähigkeit führt.

Es ist damit kein "Neuerfinden", sondern kann nur auf der Basis der bisher erworbenen Kenntnis der Welt (und damit des Materials, in dem sie tätig sind) erfolgen, also: In der Vernunft. So erst bleibt das tun immer wieder frisch, neu, originell und ein Entwicklungsweg zur Vollkommenheit. Die Formenkreise der Willkür und Irrationalität weil Unvernunft, in denen sonst gelebt wird, erschöpfen sich hingegen schnell. Sie können nicht wachsen, und man kann bestenfalls "neue Kreise" versuchen.

Künstler (so sie solche in dem Sinne sind, als sie bestimmte Materialkreise suchen, die man heute als "Kunst" bezeichnet, an sich unterscheiden sie sich in Nichts vom Menschen des Alltags - außer im Streben nach Universalität, also nach "einem Werk, das alles enthält"; dazu unten) ahnen das. Immer. Und haben deshalb - auf der Grundlage einer inneren "Defiziosität", in der sie jede figurale Gestalt (die von Interessen gesteuert ist, die ohne "Ort" auf den sie sich transzendieren nicht auskommt, also konkret immer ein "als" sein müssen, "als" Tischler, Schneider, Vater, Kunde, Luftikus ... - aus innerem Wesen ablehnen, eine gewissermaßen natürliche Tendenz zur Religiosität. 

Aber wie sollten sie die richtige Religion finden, die der Wahrheit, und nicht die Defizite aller unwahren Religionen, die schon deshalb immer grundsätzlich von der Freiheit entfernt sind, mitschlucken, sich damit der eigenen Freiheit berauben? Es bleibt ohne Wahrheit, ohne Vernunft Zufall. Auch wenn es manchen noch gelingt, wenigstens im hohen Alter, wenn sie müde von den vielen Irrwegen werden. Und zur Kirche stoßen, von der sie schon gehört haben, während alle übrigen Konzepte der Freiheit und Wahrheit versagt haben. Und nun erkennen, daß das, was sie immer gesucht hatten - Freiheit und Wahrheit - direkt vor ihrer Nase lag. Aber sie haben es aus Irrtum nicht gesehen.

Denn die Vernunft abzulehnen, weil angeblich alles "aus dem Inneren" käme, ist ein solcher Irrtum. Ist das Ausgießen von Nebel, um die Fehltritte der Unsittlichkeit (denn nur darin verweigert man Wahrheit) zu verschleiern. Es ist eine in der Luft unserer Zeit liegende Fehlsicht (weil Unsittlichkeit) des Menschen, die ihm sogar die Freiheit abspricht und dafür das trockene Simulationsbrot der Willkür in die Hand drückt, deren Maßstab in bloßen, egal woher stammenden "Impulsen" gesucht wird. 

Aber wie wäre der Mensch leichter steuerbar als ... über egal welche Impulse, damit auch über seine Begierden, weil über deren Anstachelung? Sodaß der Mensch das Entscheidende in der Kunst nicht mehr kann: Sich zu sich selbst frei zu verhalten, und damit Gestalt zu schaffen.


Morgen Teil 3) Von der Rückversicherungsgarantie des Künstlers





*181018*

Freitag, 23. November 2018

Von der Wahrheit und dem Künstler (1)

Es ist bei vielen Künstlern zu beobachten, daß sie einen groben Denkfehler begehen, wenn sie an die Gestaltung ihres Lebens gehen. Zwar haben die meisten den richtigen und ein Künstlerleben erst gründenden Impuls, daß es vor allem einmal ums Tun gehe, aus dem sich dann alles weitere ergebe (wir kommen darauf unten zu sprechen), und daß sie dazu - auch das ist ein richtiges Ahnen - im Kopf frei und offen bleiben müßten, sich deshalb also in keine Bindungen begeben dürften, um so von Interessen gelenkt zu werden statt universal und damit quer zur Welt stehend. Doch meinen sie mit dieser Freiheit und Bindungslosigkeit auch die Wahrheit, und das macht sie zu tragischen Fällen. Die Auswirkungen sind mit der Zeit erkennbar.

Sie meinen mit der Wahrheit damit auch die Kirche und Gott. Denn dort ist ja die Wahrheit fleischlich, konkret, also Welt geworden. Also lehnen sie den entscheidenden Ritus ab, der sie selbst zur Wahrheitsgestalt MACHT - den Kult, die Religionsausübung. Ein schwerer Fehler. Der verkennt, daß die Wahrheit der Kirche und Religion zwar zu bestimmten festen Aussagen und Urteilen befähigt, aber nur deshalb, WEIL sie eben "dynamisch" ist. So daß die Archetypen gewissermaßen, die die Wahrheit eigentlich darstellen, auf jede konkrete Situation passen und die Welt damit ordnen und in ihrer Gestalt, die eine Inkarnation der (unsichtbaren weil geistigen) Wirklichkeit ist, erkennen lassen.

Dieser Fehler verdirbt die Künstler heute reihenweise, und behindert sie oft entscheidend. So daß sie oft genug zu Dienern von Interessen (im Speziellen deshalb von Ideologien) werden, um Halt zu finden, den ihnen das Tun seltsamerweise nicht zu bringen vermag.

Warum? Weil sie sich so gegen das stellen, was ihnen im Inneren erst "sich selbst" (als Gottes Ebenbild, als Geist) gibt und "stabilisiert", so daß sie auch in ihrer Distanz zur Welt, in der sie zwar Sinn, aber keine "Funktion" haben, leben könnten.

Stattdessen bleiben sie in einem historisch-faktischen Zustand, in dem sie eben gerade sind, und ihre Freiheit wird mangels Wahrheit notwendig zu Zufall und Willkür. Zufall heißt aber genau nicht - schaffen, heißt nicht im eigenen Urteil gestalten. Denn weil es die Wahrheit ist, die erst zur Vernunft kommen läßt - ein langer, immer vitaler und dynamischer Prozeß der Entflechtung aus dem Alltäglichen - fehlt ihnen somit jener Stand, aus dem heraus sie in der Lage wären, die verlangte, notwendige Freiheit im Urteil zu erlangen und zu bewahren. 

So werden sie zu Opfern zufällig einfallender Einflüsse und innerer Zustände, die zu beurteilen sie gar nicht mehr in der Lage sind. Sie beginnen somit, sich "in sich selbst" zu drehen, und das hat zur Folge, daß ihnen jede innere Basis zwischen den Fingern zerrinnt. Sie lösen den Grund auf, auf dem sie stehen. Und verlieren so erst recht ihre Freiheit! Was sie einst die Wahrheit hat ablehnen lassen, die Angst vor starren Aussagen und Urteilskriterien, kommt über die Hintertür, nur sind ihre Kriterien nun nicht mehr "selbstbestimmt", aus der Vernunft also, sondern fremdbestimmt. Denn ohne festen Grund kann kein Urteil bestehen. Woher aber kommt dann der feste Grund, Entscheidungen zu treffen, Material zu gestalten? 

Nur wer fest steht, kann urteilen, nur wer fest steht, kann ästhetische Entscheidungen treffen. Und nur wer vernünftig ist (also die Wahrheit "hat" und "hält") kann frei, also wirklich unabhängig urteilen. Wer die Wahrheit ablehnt, lehnt damit Freiheit ab, und damit den einzigen Grund, auf dem der Mensch in Vernunft frei - "selbstbegründend" - stehen und damit sein Wirken erst gestalten kann. Stattdessen wird er Opfer fremder Kriterien, die er noch dazu nie wirklich erkennt. In Wahrheit wird er damit Opfer des Zeitgeists und immer mehr zum Symptom. Denn auch die Entscheidung, die Wahrheit abzulehnen, ist bereits dessen Frucht. Sie ist nie überlegt, durchgedacht, nie als wirkliches Vernunfturteil getroffen worden. Sie ist zufällig.


 Morgen Teil 2) Wahrheit, Tun und Material





*181018*

Dienstag, 16. Oktober 2018

Ohne mehr Worte

Der VdZ kennt mindestens eine Frau, die ihr Leben und das vieler anderer, darunter ihrer Kinder, durch eine nie gestillte Sehnsucht nach diesem Mann zerstört hat. Der als Maßstab alles ruinierte, was ihr vom wirklichen Begegnenden geboten wurde. Das sogar noch größer gewesen wäre. Aber sie sah es nicht.

Oh, dreimal verfluchte Popkultur.










*111018*

Mittwoch, 24. Mai 2017

Ein bißchen was von Ironie

Der Marsch der Protestbewegung gegen Trump und für die bedrohliche Klimaerwärmung in Colorado, der für 29. April angesetzt war, mußte wegen heftigen Schneefalls und äußerst unwirtlichen Bedingungen verschoben werden. Die Sache wird allmählich tragisch, ja bemitleidenswert wie die Trotzhaltung eines fünfjährigen Kindes, denn die Welt wird und wird nicht wärmer.



Photo gesehen auf Matt Damsay - Twitter





*020517*

Freitag, 3. März 2017

Hitler und der Papst

Natürlich eher für Kirchen-Insider.





Der VdZ erlaubt sich an dieser Stelle, im Trailer den mehrfach preisgekrönten (u. a. für den "Besten Schauspieler") Film "Diktatoren küssen besser" aus dem Jahre 2006 in Erinnerung zu rufen. Jegliche Analogie ist rein zufällig.









*240217*

Sonntag, 10. Juli 2016

Tragisch

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. (Video gefunden auf EIKE.) Tragisch, wenn 19jährige plötzlich den Schock erleben, daß das, was ihnen 19 Jahre eingetrichtert worden ist - daß sie toll und super seien, überall mitreden könnten - so gar nicht stimmt. Da muß man dann schon ziemlich an seinem Weltbild festklammern und Schuldige identifizieren.









*230516*

Montag, 28. September 2015

Ein bißchen schwanger geht nicht (3)

Teil 3) Leute, die gegen das Gendering auftreten, leisten den Bärendienst - 
Wie Birgit Kelle dem Gender-Mainstreaming die Rutsche legt - 
Das Video





Aber wo wäre der Mut zu sagen, daß es im Wesen (!) der Frau liegt, sich zuerst und vor allem um Familie und Heim zu kümmern? Daß sie das mit allergrößter Wahrscheinlichkeit weil Naturgemäßheit zu einem geglückten Leben führt. Während Beruf, Öffentlichkeit in erster Linie Sache des Mannes sind. Zumindest in den meisten Fällen, weil unzweifelhaft (damit argumentieren ja oft sogar Feministen) die geschlechtliche Grunddisposition auch das berufliche Wirken durchwirkt. Das heißt, daß vielen Berufen die notwendige Sachlichkeit des Männlichen (weil diese Aufgaben das brauchen, ja darauf aufbauen) einerseits fehlt, und anderseits (typisch weiblichen) Berufen genau diese Eigenschaftlichkeit des Weiblichen. Ein öffnen der Berufsfelder für beide Geschlechter bringt zumindest, als Nebeneffekt, eine persönliche Spannung ins Treffen, die der Aufgabenerfüllung alles andere als zuträglich ist. Doch kann das gaze Spektrum der Argumente hier nur angedeutet werden, der Leser möge es weiterspinnen.

Ja, es stimmt schon, das Mann- oder Frausein kann nicht in absolute Bilder der Vorstellungswelt gepreßt werden. Sie haben eine gewisse, aber nur eine gewisse historische Relativität. Aber darüber darf nicht übersehen werden, daß diese Bilder zumindeste Näherungswerte für ein individuell erfülltes Leben bedeuten. Sie bedeuten Grundeigenschaftlichkeiten, die sich im historischen Kleid je nur etwas anders ausformen, und doch gewisse Zuschreibungen gestatten. Worunter auch die (ontologisch gesehen:) hierarchische (weil auf anderer Ebene damit: funktionale) Zuordnung der Geschlechter zu verstehen ist. Wagt man darüber aber zu sprechen? Dabei ist das die Grundbedingung des Seins überhaupt, das erst im trinitarischen Geschehen, als Analogie zur Dreifaltigkeit also - in der es auch um EINEN Gott geht, der aber in drei hierarchisch einander zugeordneten Personen verfaßt ist - begreifbar wird.

Dies ist grob angerissen die Argumentationslinie, der die notwendige, wirklich notwendige (weil eine ganze Generation bereits ins Unglück stürzende)  Gegenwehr gegen das Gendering folgen muß, will sie nicht weggeblasen werden, wie sie das derzeit wird. Und es wäre höchste Zeit, die Schäden sind bereits gigantisch! Dem muß anderseits in einer vorsichtigen Rekonstruktion aber auch ein positives, identifikationsfähiges Gegenbild folgen. Ehepaare im unisex-Schlabberlook, in der der Mann das Baby in der Trageschlaufe hat und beide mit neutralisiert-abstrahierter "Liebe" um sich werfen, sind dazu denkbar ungeeignet - weil selbst bereits genau dieselbe Gender-Verfehlung, lediglich über wesenlose "Frömmlerei getauft".

Begreift denn niemand das Tückische - die metaphysische Dimension, die ins Individuelle tief eingreift - der Reduktion von Beruf und Verdienst auf einen abstrakten "Leistungsbegriff", dann wäre der Beruf durchaus geschlechtsunabhängig zu sehen? Und was ist mit dem Zauberwort der Gegenwart - dem Unsinnswort von den "gleichen Chancen"?

Der Grüne hat im Video deshalb völlig recht, daß die Argumente einer Frau Keller regelrechte Plädoyers für Gender-Mainstreaming sind - und die Dame merkt es nicht einmal. Sind das also die Vorkämpfer, die die Sache braucht? Dann müssen die Genderpropheten nur geduldig zuwarten.

Es braucht vielmehr endlich mehr klare, reflektierte (!) Köpfe und noch mehr Mutige, die nicht mit gewissen Feminismen doch noch kokettieren, sondern sich an den Grundtatsachen des Menschseins (der eigentlichen Grundlage des zuerst Gefühlten, der eigentlichen Grundlage des gewußt Gewußten, weil in den Dingen unbewußt Geschauten) orientieren.

Von solchen Argumentationsträgern aber distanziert sich der VdZ mit aller Deutlichkeit! Sie sind kontraproduktiv. Denn sie spielen dem Gendering regelrecht in die Hände. Derzeit erhalten wir mit dem Gendering nur die Früchte einer ganz tiefgreifenden Zersetzung. In dem Befürworte wie Gegner im selben Boot sitzen, in dem sie im selben Strom auf den Abgrund zutreiben, während sie sich kokett streiten.

Das Gendering abzulehnen muß viel tiefer ansetzen als im pragmatischen Verhindern der einen oder anderen Auswüchse. Der Ast wächst aus dem Stamm. Und schneidet man ihn hier ab, wächst er dort nach. Ein bißchen schwanger geht nicht.

Dort ansetzen, wo sich die Lebenswirklichkeit der Menschen in der "unbeobachten Realität" sich diese metaphysische Gegebenheit sowieso immer wieder ihre Wirklichkeit sucht. Auch das zeigt das Video. Und das macht die gesamte Diskussion zu einem Gutteil ohnehin zu einem substanzlosen Geplappere. Denn das gewußt Gewußte ist eben immer und bei jedem da. Ideologische Verdrängungsmechanismen haben nur die künstliche Ebene der Bewußtseinsvernebelung. Die Diskussion bietet aber in der heute geführten Weise für alle (!) Seiten die bequeme Möglichkeit, der wirklichen Selbstwerdung - in Selbstüberschreitung, im Empfang des Ich aus dem Du, die auch eine Selbstüberschreitung auf ein (in einer Kultur zu normierendes) Geschlechterbild ist - aus dem Weg zu gehen. Das macht sie schlicht und ergreifend zu der Tragödie, die sie ist.









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Sonntag, 27. September 2015

Ein bißchen schwanger geht nicht (2)


Teil 2)  Den eigentlichen Gründen weicht man aus. Nicht ohne Absicht.



Sich selbst eine Identität zu geben, das steckt hinter dem Gendering. und das ist eine längst allgemeine gesellschaftliche Erscheinung geworden. Das Gendering wehrt sich auf seltsam widersprüchliche Weise (betrachtet man seine weiteren weltanschaulichen Voraussetzungen) gegen die Natur des Menschen, dessen Identität EINE GEGEBENE ist, also eine sozial zumindest mit-konstruierte Identität ist. 

Im Entwicklungsgang des Menschen, vom Kind zum Erwachsenen, ist sie sogar das erste: Sie ist das erste Gerüst, das der Mensch übernimmt, als das er angesprochen wird, das er als erstes, vorläufiges "ich" (aha, so bin ich also) übernimmt und übernehmen muß (!), und allmählich sich bewußt (in der Bildung eines Selbst) anverwandelt zum einen, zum anderen in der Eigentümlichkeit des historisch-zeitlichen Funktionsgefüges (in der Definition von Häberlin gemeint) allmählich als Individualität anpaßt. Aber das Individuell-Sein ist ein MODUS des Allgemeinen, des allgemeinen Menschseins (das ein Sein als Mann UND Frau - in ehelicher Selbstüberschreitung auf den anderen Pol hin - ist.)

Natürlich hat deshalb die geschlechtsspezifische Erziehung - die eine Erziehung ZU EINEM GESCHLECHT ist - beim Kleinkind noch kaum oder keine Bedeutung. Diese wächst, mit dem Heranwachsen, mit der geistigen Reife, und wird vor allem dann wichtig, wenn die Geschlechtsmerkmale ausgebildet sind. Es ist das Hinerziehen auf das Menschsein - das das Ergreifen einer Maske (der persona) ist, auch im Geschlechtlichen. Es sind Gleichschritte, die hier erfolgen müssen: Im allmählichen, erst behutsamen, dann immer fordernderen Einüben des Selbstüberschreitens - auf das Wort hin, auf das (in der Gesellschaft institutionalisierte, damit erst real vorhandene und ergreifbare) Bild hin, auf die Maske (Gesellschaft ist eine Ordnung von Masken, nicht von "Einzelnen") hin, auf den Vater hin. Aber diese Erziehung muß geleistet werden, von den Eltern erst, aber nicht weniger von der gesamten Umgebung, dem gesellschaftlichen Gefüge der Institutionen, also der Kultur.

(Das hat besonders bei körperlichen Fehlbildungen, wie dem Hermaphroditismus, eine große Bedeutung und verlangt hohes Verantwortungsbewußtsein der Eltern; selbst die äußerst seltenen Fälle wirklicher Transsexualität - mit dem Transvestitentum nicht zu verwechseln, die eine Charakterneurose sind - sind getragen, ja ausgelöst vom Verlangen nach einer einzigen, polaren geschlechtlichen Identität.)

Ein Selbstergreifen einer geschlechtlichen (und damit gesellschaftlichen) Identität GIBT ES GAR NICHT. Es ist einfach grausam, Menschen das abzufordern, weil es dem Wesen des Menschen widerspricht. Wer das tut ist einfach dumm und ahnungslos, in den meistene Fällen aber schlicht verantwortungslos und schuldig. Letzteres zu sehen ist nicht unwesentlich, denn der Umgang mit Schuld, der Weg sie loszuwerden, ist ein wesentliches, sehr tief ansetzendes Konstitutivum für die charakterliche Färbung eines Menschen. Und eine der häufigsten Strategien der (natürlich fehlschlagenden) Scheinbewältigung von Schuld ist, das eigene Schuldverhalten zur Norm, zum Allgemeinen zu machen.

Ist der Mensch im Heranwachsen so weit, daß er dieses Artbild (in der Maske) voll "begreift" (alsod ei Maske ergreift), folgt der nächste entscheidende Schritt, und auch dieser belegt das GEGEBENE von Identität (die, noch einmal, NICHT SELBST MACHBAR ist). Denn erst im voll bewußten Selbstüberschreiten wird der Mensch zu sich selbst! Was man wird, ist also auch hier - zum "zweiten mal" - gegeben: Was man ist wird nicht durch ein Selbstdefinieren festgelegt, sondern von den Aufgaben, die herantreten schält es sich gewissermaßen heraus. Mit einer klar sozialen Komponente, denn immer noch ist es zuerst von den anderen gesehen, und erst allmählich, in der Objektivation, die man nach und nach übernimmt, zum wirklichen Selbstsein im Selbstbesitz, im freien Verhalten zu sich selbst also, individualisiert, zur Persönlichkeit gereift. Das bewußte Ich entsteht zuerst also tatsächlich im Du, um einen Satz von Buber oder Rosenzweig oder Ebner aufzugreifen. Der andere erkennt mich (im Objektivieren) besser, früher, als ich selbst mich. Reife heißt dann, diese beiden "Iche" zur Aussöhnung zu bringen, in der (wieder: den Einzelnen übersteigenden) Vernunft.

Das Menschsein ist wie alles irdische Leben - polar. ZWEIpolig.* (Selbst die wenigen Formen der Selbstzeugung bei niedrigen - oder temporär zurück-geniedrigten** - Lebensformen zeigen, untersucht man sie biologisch näher, die Tendenz, solche Polarität auszubilden.) Das ist das eine, es kann nur angedeutet werden, sonst müßte an dieser Stelle eine Bibliothek stehen, um alles auszuargumentieren. Denn es läßt sich ausargumentieren. Die Philosophie hat hier bereits Großartiges geleistet.

Weiters aber ist die Natur der Welt, aller Dinge, eine Spannung zu einem vorgegebenen Artbild! Auch das ist eine metaphysische Erkenntis, kein willkürliches Konstrukt der phantasievollen Anschaulichkeit. Alles, was etwas ist, und alles was ist ist ein ETWAS, bezieht sich auf ein solches Bild. Dieses Bild geht jedem So-sein voraus, es entsteht also nicht von unten nach oben, es wird von oben nach unten vorgegeben. Anders kann gar keine Identitätsbildung vonstatten gehen.

Das betrifft auch das Mann- oder Frausein. Weshalb es ein kultureller Fortschritt war, auch entsprechende kulturelle, institutionalisierte Formen des Mann- und Frauseins (als Normen) herauszubilden. Daß es im Einzelfall zu Unschärfen kommt, eigentlich sogar immer, mal mehr, mal weniger, ist unausbleiblich, aber eindeutig das "geringere Übel" verglichen mit dem Vorteil, sich rascher wahrhaftiger entwickeln, entfalten zu können. Schon gar, wenn diese Bilder nicht kleinbürgerlich-angsthaft verabsolutiert werden.  Denn kulturelle Formen sind natürlich in gewisser Hinsicht relativ, aber nur in bestimmter Bandbreite, und nur peripher. 

Mit dem Geschlecht sind - analog zur geschlechtlichen, bipolaren Konstitution alles Seienden! untrennbar aus dem Befruchtungsakt hier, dem Empfängnisakt dort, von Bild und Materia, von Form und Inhalt - damit auch eindeutige gesellschaftliche Aufgabenstellungen verbunden. Auch diese sind nämlich "von Geschlecht". Das heißt, daß auch der Ansatz, daß Mann oder Frau halt frei wählen sollen, was sie tun, einfach nicht haltbar ist.  Und auch die jeweiligen Individuen NICHT zum Glück führt. Gerade dieses Unglück, das der Gleichbehandlung folgt, ist ja wesentlicher Grund dafür, daß immer neue Gründe gesucht werden, warum "die Gesellschaft" (das Sein nämlich! darum geht es letztlich, oder erstlich!) dieses Glück verhindert: Auch das Gendering ist ja nichts anderes als eine Schuldzuweisung für persönliches Unglück an andere.



Morgen Teil 3) Leute, die gegen das Gendering auftreten, leisten den Bärendienst - 
Wie Birgit Kelle dem Gender-Mainstreaming die Rutsche legt - 
Das Video




*Um diese Zweipoligkeit der Welt - als lebendige wie "anorganische" (dabei aber: nicht inaktive) - zu erfassen, muß man kein Katholik sein. Es ist Grundauffassung sämtlicher Völker und Kulturen der Erde. Und drückt sich überall aus, meinetwegen im Yin-Yang-Zeichen, das ja tatsächlich tiefes Symbol des Wesens aller Dinge ist.

**Deshalb, und unter solchen Bedingungen (dem Rückschritt aus gewissermaßen kulturellem Verlust), gibt es diese Selbstzeugung sogar bei einigen Säugetieren. So sind sie etwa bei Ratten in Notzeiten beobachtbar, wenn die Männchen fehlen. Dort (und bei anderen Lebewesen genauso) aber nur für bestimmte Zeit. Dann braucht es wieder männliche Zeugung, sonst versiegt auch diese Form der Vermehrung. Ähnliches läßt sich auch für viele Pflanzen sagen, wenn z. B. die Blütenzeugung versagt, und Bäume von unten her in Selbstauszeugung austreiben. Jeder Hobbygärtner kann das beobachten, wenn er Bäume stark beschneidet.



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Samstag, 26. September 2015

Ein bißchen schwanger geht nicht (1)

Die Ebene der Polemik reicht nicht, und sie hat nie gereicht, und die Fernsehsendung "Hart  aber Fair", die sich dem Thema Gender widmete und für die der VdZ so selten er sie sah stets eine gewisse Wertschätzung ob der relativen Offenheit der Diskussion entgegenbrachte, beweist es eindrücklich. 

Und macht einen eklatanten Mangel offenbar, der auch den Verteidigern der Geschlechterdifferenzierung, den Gegnern des Gendering, anhaftet. Es ist gut, es ist lobenswert, es aus dem "gewußten Gewußten" heraus zu verteidigen, aber es reicht nicht, um die Zerstörung, die ein rational ausgesäter Zweifel bewirkt, aufzuhalten. Es ist deshalb wirklich bedauerlich, daß die theoretische Aufrüstung der - wie nennen wir sie nur? - "reaktiven" Kräfte so hinter dem oft luziden Argumentieren der Genderideologen so hinterherhinkt. Und in Wahrheit der Diskussion gar nicht gewachsen ist.

Auch, weil man das Grundthema vermeidet, das tief in die metaphysischen Voraussetzungen hinabreicht. Und dem sich dann alle biologischen Tatsachen ganz einfach belegend fügen. Hinter dem Gendering steckt nämlich gleichfalls eine tief metaphysische Vorentscheidung. Daß uns diese Welle so ungebremst überrollt liegt darin, daß selbst Kreisen, die sich dem Gendering widersetzen, einzelne Bereiche aus deren Vorbringen recht sympathisch und vor allem: bequem sind. Zumindest würden sie es anders mit einer Wucht der Auseinandersetzung zu tun haben, der fast alle konsequent und in meist bloß subjektivistischen Pragmatismus ausweichen.  Auch das zeigt die Diskussion eindringlich, und es macht wenig Hoffnung, daß die derzeitigen Proponenten der Anti-Gendering-Bewegung dieser Diskussion jemals gewachsen sind. Jetzt sind sie es nämlich nicht. Es bräuchte also dringend ... andere Vorreiter.

Denn: Ein bißchen schwanger geht nicht. Wer das Gendering nicht an der Wurzel packt, wird es nicht verhindern können. Diese Grundweichen aber greifen in heutige Wertelandschaften sehr tief ein. Nur aber, wenn zu solch weitreichenden Auseinandersetzungen der Mut besteht, wird Gendering noch zu stoppen sein. 

In der Form der derzeitigen "Gegen-Argumentation" liefert die Anti-Gendering-Fraktion sogar dem Gender-Mainstreamin die Argumente ans Bett.

Es gibt natürlich einen Grund, der die Diskussion so schwierig macht, wie es das Video als Fernsehaufzeichnung beweist. Das, was die Menschheit in Wahrheit trägt, ist nämlich nicht das Rationale, sind nicht die reationalen Konstrukte, das reational Gewußte. Sondern es ist das GEWUSZT GEWUSZTE, das vorsprachlich ist, und dem sich dann erst Sprache, und dann Denken ein- und nachfügt. Der Inhalt der Sprache ist nicht ihr rationaler, nominaler "content", sondern das, worin sie hinweisend selber west: das Anschauen der Wirklichkeit, und der Geist, in dem sich diese Wirklichkeit erschließt. (Persönliches Wollen, subjektives Abweichen vom objektiven Gehalt setzt auf dieser Ebene ein, das, was hier "Sittlichkeit" genannt wurde. Und es setzt nicht als "mögliche Alternative" ein, sondern als Abweichen vom überhaupt Möglichen.)

Deshalb ist es unendlich leichter, über rationale Argumente ein gewußt Gewußtes anzuzweifeln, ins Wanken zu bringen, als es zu rekonstruieren, also in einem Disput gleichwertig argumentativ zu entgegnen. Denn was wir wirklich wissen, wissen wir gar nicht bewußt, dem können wir uns nur nähern. 

Das weist auf die Rolle der Tradition. Das ist das eine.

Aber hier schließt sich der Kreis zu einem nächsten Problemkreis, Barbara Gerl-Falkowitz (mit der der VdZ ein entsprechendes Gespräch hatte, in dem diese ähnliche Sorge - mit dem Hinweis, daß "die Gendervertreter doch nicht dumm, sogar sehr gescheit sind" - geäußert hat) hat es mit Nachdruck immer wieder angedeutet: Es geht um die sehr wohl soziale Konstruiertheit der Identität, auch der geschlechtlichen Identität. Konstruiertheit, aber NICHT Konstituiertheit, also nicht Geschaffenheit in eigener Autonomie.


Morgen Teil 2)  Den eigentlichen Gründen weicht man aus. Nicht ohne Absicht.




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Donnerstag, 3. September 2015

Verblendung

Das nennt man tragisch: Der global warming activist James Schneider und ein mit ihm befreundeter Journalist sind in der Antarktis erfroren. Piloten hatten die Leichen in ihrem Zelt, etwa 100 km von einer Polarstation entfernt, entdeckt. Sie waren losgezogen, um die angeblich katastrophalen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu dokumentieren und durch die Eiswüste zu reisen. Alle Warnungen hatten sie in den Wind geschlagen, denn auch im Juli hat es am Südpol Außentemperaturen bis minus 70 Grad. Bei solchen Temperaturen geht man nur im Notfall ins Freie. Aber der Mythos von der globalen Erwärmung hatte die beiden in den Wahn getrieben, es müsse in der Antarktis warm sein. Übrigens: Seit Beginn der Satellitenmessungen wächst ungebrochen das Eisvolumen am Südpol.




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