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Montag, 4. April 2022

Anmerkungen zu Ohne Heilige Opfer kein Wert, ohne Wert kein Geld

Anmerkung* - Wie dumm deshalb auch dieses Gerede, jeder müsse "selbst denken", nicht "andere für sich" denken lassen. Was sonst, bitte! Welcher Narr meint wirklich, er könne alleine die Welt denken? Nur schon, daß er es KÖNNE ist krankhafter Wahn. Jeder lebt aus dem, was er von oben empfangen hat und zu empfangen hofft, und gibt in seinem Tun nach unten weiter, was durch ihn durch noch zu wirken vermag.

Das Spiel von oben nach unten hat auch eine Bedingungsseite - das von unten nach oben. Nur so sind beide in jenes Ganze getaucht, aus dem beide dann je ihren Teil zu erkennen vermögen. DENN SIE SIND AN IHREM ORT. Deshalb kann das Oben nicht ein Etwas denken, das für das Beziehungsfeld gilt, das beide umfaßt - jeweils in ihren Aspekten. Die von oben nach unten dekomprimieren, vereinzelter werden, spezieller, weniger universal. Denn das Universale ist durch das Oben gegeben, an das sie angebunden sind. keiner sagt, die Leben hätte den Menschen gerettet, wenn alle übrigen Organe versagen, mag sie noch so glänzen und frischen. Ist das Insgesamt tot, zerbrochen im Streit der Form mit der Materia, dem Akt mit der Potenz, ist alles tot.

Samstag, 2. April 2022

Ohne Heilige Opfer kein Wert, ohne Wert kein Geld

Einer der lächerlichsten Dummheiten zu folgen führt zu einer der tiefsten Einsichten. Die Rede ist vom liberalen Kartenhaus der Wertfindung, in die sich leider auch so potente Männer wie Ludwig Mises verstrickt haben. Sodaß auch seine Gebäude auf dem irrationalen Schwemmsand des sogenannten Liberalismus errichtet sind. Ohne Wert ist von einem Markt nicht zu reden, auf dem ja Werte getauscht - substituiert! - werden. Ohne Wert gibt es kein prästabilisiertes und diese Harmonie von selbst anstrebendes Wirtschaftssystem.
 
Aber Wert "findet sich" nicht, ex nihilo, und kann deshalb nur auf dem nächsten und noch größeren Schlammgebirge "grüden", der Evolution mit ihrem Kampf ums Überlben als oberste Wertmaxime, sodaß es der Nutzen ist und bleibt, der Wert bestimmen soll. 

Nichts wäre weniger wahr.

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Viele Wege führen ins Heute (3)

Wenn eine Organisation nur noch sich selbst verwalten kann. Nur das Schöne ist auch effizient. Aber es kann nicht nachgeliefert werden. - Das mag zwar gewollt worden sein, ja man kann davon ausgehen, aber nur von der Staatspolitik. (Während die Regionalpolitik vermutlich mit der Knackwurst der "Vereinfachung" oder sogar "Kostenersparnis" gelockt worden ist.) Der Bürger aber wurde getäuscht. Ihm wurden Kriterien als gewünscht vorgemacht, die verglichen mit den wirklichen Konsequenzen solcher "Verwaltungsreformen" nicht nur gar nicht erfüllt werden, sondern von den negativen Folgen für eine Gesellschaft als Ganzes bei weitem (!) übertroffen werden.
 
Was (um zu verdeutlichen was gemeint ist) so weit gehen könnte, daß ab einer bestimmten Größe ein Organisationsapparat überhaupt NUR NOCH mit sich selbst beschäftigt ist. Also nicht nur immer weniger, sondern gar keine Leistungen für ein Außen mehr erbringen kann. Dem dann der Bürger somit als Feind gegenübersteht, als lästiger, unnötiger Kropf, als Störer der Ordnung schon nur, weil es ihn gibt.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Viele Wege führen ins Heute (2)

Wie wir die Prügelpolizei begrüßt haben. Wie die Exekutive eine fremde Identität annahm, ohne daß wir es merkten. Denn das Wirkliche ist unsichtbar. - Was so kompliziert umschrieben ist, ist einfacher gesagt. Die lokalen Ordnungskräfte waren immer ein bißchen menschlicher, und paßten sture Gesetze der menschlichen Ungefährheit an. Denn es spielt eine Rolle, in welcher -Situation jemand persönlich gerade steht, wie er sich dann öffentlich verhält. Weiß das der Beamte, der "einschreitet", kann er es berücksichtigen. Und als junger Mann habe ich so manches erlebt, wo (etwa bei der Maturafeier) eine jugendliche Ausgelassenheit leichtsinniges Verhalten (das am Rande eines Schadens spazierte, aber eben: noch am Rande blieb) mit sich brachte, das durchaus "nicht gesehen" werden muß, weil es eine Ruptur in ein Leben bringt, die völlig unnötig ist.
 
Speziell daran dachte ich immer wieder, als ich Videos über die seltsamen Eingriffe der Polizei bei den Anti-Corona-Demonstrationen der letzten Monate und Jahre sah. Einen eigentlich völlig friedfertigen jungen Mann, der nicht einmal keine, sondern eine "ungenügende" Mund-Nasen-Maske trägt, wie einen Schwerverbrecher zu Boden zu werfen, seines Besitzes zu berauben, und in Handschellen abzuführen entbehrt nicht einer gewissen Befremdlichkeit. 

Dienstag, 28. Dezember 2021

Viele Wege führen ins Heute (1)

Ich kann mich nicht erinnern, außer auf diesen Seiten je eine wirkliche Kritik an den in der ersten ÖVP-Regierungsära 2000 - 2006 als "Erfolg" an die Fahnen geheftete Zusammenlegung sämtlicher Exekutivkräfte Österreichs gesehen zu haben. Brav trottelte das Land hinter der Karotte einher, auf der geschrieben stand, daß diese Zentralisierung Effizienz und vor allem Kostenersparnis brächte. Sämtliche Begleiterscheinungen (was tun mit nun drei Dutzend Generälen?) wurden als Übergangsprobleme dargestellt. 

Bis heute aber hat sich nie eine sinnvolle Evaluierung der damals durchgeführten Zusammenlegung der Gendarmerie, der Lokalpolizeien (jede Stadt ab einer gewissen Einwohnerzahl mußte eine eigene Ordnungspolizei betreiben) und der damals noch wenigen Bundespolizeistellen gefunden. Ist heute alles Bundespolizei, gab es eine solche Bundesstelle früher lediglich in kleinen Umfang. Etwa als Kriminalpolizeistellen für Verbrechen einer bestimmten Dimension, oder in Form einer paramilitärischen Anti-Terror-Eingreiftruppe, die in ihren Anfängen als WEGA sogar zu beachtlichem internationalem Ansehen kam. Ähnlich der deutschen GSG9, die ihr entschlossenes Eingreifen in Mogadischu weltberühmt machte. 

Dienstag, 4. Mai 2021

Vielleicht hat der Leser eine Antwort (2)

 Teil 2) Woher aber kommt das Geld?


Aber das ist noch nicht alles, werte Leserschaft. Es hat sich noch etwas anderes gezeigt, und das ist nun wirklich spannend, und der VdZ kann sich auch keinen so wirklichen Reim daraus machen. In derselben Zeitung vom 13. April dieses Jahres ist nämlich etwas über das Sparverhalten der ungarischen Familien zu lesen. Ausgehend von der Nachricht, daß der ungarische Staat eine nächste Anleihe begeben wird, die in Ungarn "Superanleihe MAP+" heißt. Und nun bei einem Gesamtvolumen von 5.500 Milliarden Forint (rund 15,6 Milliarden Euro) anlangt. 

QR Defizit Ungarn

Diese Anleihe muß man als Teil einer Strategie sehen, die Orban seit Jahren verfolgt. In den mittlerweile zehn Jahren seiner Amtszeit hat sich die Verschuldung des ungarischen Staatshaushaltes immer mehr ins Inland verlegt. Insgesamt, so die Budapester Zeitung, betragen die staatlichen Anleihen, die vorwiegend Familien halten, bereits 9.300 Milliarden Forint (rund 26,5 Milliarden Euro). Seit 2010 hat sich die Verschuldung des ungarischen Staates bei seinen eigenen Bürgern (also: Familien) von 3 Prozent auf stolze 25 Prozent seiner Gesamtverschuldung erhöht. Und das, so die Zeitung, habe in der Corona-Krise wesentlich dazu beigetragen, daß der ungarische Staat so stabil gewesen sei.** Immerhin sind alleine 2020 die gezeichneten Superanleihen um 1.000 Milliarden Forint (rund 2,8 Milliarden Euro) gestiegen. 

Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Im ersten Quartal 2021 hat der ungarische Staat (ohne Kommunen) ein Haushaltsdefizit von 1,144 Millliarden Forint (800 Millionen Euro) eingefahren.

QR Inflation Ungarn

Nun nehmen wir noch ein paar Eckdaten her.

Montag, 3. Mai 2021

Vielleicht hat der Leser eine Antwort (1)

Wie war das mit den Hilfen für Familien und erhöhter Fertilität in Ungarn? Da sind Milliarden im Spiel, gewiß, und man merkt es vor allem an den großen, schwarz-metallisé blitzenden SUVs, die das Straßenbild beherrschen. Milliarden, die fast ausschließlich zu den Frauen fließen. Mit welchem Argument? 

Festhalten! Weil die Kinder (bei Scheidungen) ohnehin meist bei den Frauen bleiben. Und weil Frauen die eigentliche Belastung mit den Kindern zu tragen haben. Das sagen die Politiker ganz frei, und niemand denkt sich etwas dabei. Es ist ja auch bald vergessen.

Daß aber nicht einmal das mit der Belastung stimmt, darüber werden wir zu gegebener Zeit hier noch handeln. Denn es ist ein dramatischer Irrtum, der mit der subjektivistischen Wende der letzten 200 Jahre der Weltbegegnung zu tun hat, die die abendländische Kultur auf Verdunstungstemperatur gekocht hat. Davon ist natürlich auch Ungarn nicht ausgenommen, denn Orban hin und Jobbik* her - das genuin Individuelle ist immer in ein übergeordnet Größeres eingebettet. Das heißt, daß ERST das Abendland in seiner Gesamtentwicklung steht, und DANN die Variierung durch "die Magyaren" erfolgt. 

Aber wir greifen heute das Thema auf, weil sich außer den großen Schlitten (achja, SUVs sind "familiengerechte Wagen", das hat der VdZ ganz vergessen, die da als Trostpreis und Spielzeug für die Männer bei der "Familienförderung" rausspringen, und so mancher wird damit sogar zufrieden sein, zumindest bis die Kiste auseinanderfällt) in weiteren Bereichen ein Zuwachs abgezeichnet hat. Der nicht schwer zu prognostizieren war. 

Das ist zum einen der rasante Anstieg der Immobilienpreise im Land. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Einwohnerzahl von Jahr zu Jahr sinkt, weil die Abwanderungsrate einfach zu hoch ist, wirkt das etwas befremdlich. Und in den Gesprächen mit Ungarn hat sich in den letzten zehn Jahren offenbar wenig geändert. Sie sehen nach wie vor das Leben im Westen (mit besonderer Liebe zu Österreich und Deutschland) als Lebensziel. 

Und das ist zum zweiten der dramatische Anstieg der Kosten für Neubauten. Alleine 2020 sind die Kosten für neuerrichtete Wohnhäuser um zehn Prozent

QR Budapester Zeitung

gestiegen, berichtete unlängst die Budapester Zeitung. Wäre interessant auszurechnen, wie hoch nur die Preissteigerung in absoluten Zahlen ist. Darf der VdZ wetten? Sie ist genauso hoch oder höher als der absolute Betrag, den Orban medienwirksam "für Familien" ausgibt.

Genau das, Wohnraum, sollte mit der in manchen rechten und katholischen Kreisen im Kampf gegen die demographische Katastrophe des Abendlandes hoch gepriesene Familienförderung aber gefördert werden. Daß Familien gerne mehr Kinder wollen, weil damit dann auch ein leichter weil großzügig vom Staat geförderter oder gar bezahlter Zugang zu ausreichend und qualitativ schönem (weil neuem) Wohnraum verbunden ist. (Und, natürlich, zu einem Auto, das genug Platz für alle hat.)

Und die Förderungen sind wirklich hoch, wir haben schon berichtet. Da springen schon mal 100.000 Euro und mehr raus, nicht rückzahlbar, wenn sich ein Pärchen vertraglich verpflichtet, zu heiraten und binnen etlicher Jahre drei Kinder in die Welt zu setzen; wobei wie gesagt es explizit die Frau ist, die diese Gelder lukriert. 

Wer in dieser eigentümlichen Vernutzung von Kindern und Menschen (ein Mensch ist immer Selbstzweck; Kinder zu "züchten", weil man sie zum Gesellschaftserhalt braucht und deshalb für sie "bezahlt", ist für einen katholischen Staat nicht zulässig) ein ethisches Problem wittert, sollte das lieber für sich behalten, wenn er in konservative(re)n Kreisen akzeptiert werden sollte.

Die Familienförderung mit der Ungarn (und Polen, übrigens, da ist es angeblich ähnlich, zumindest hat Orban es gerne als Vorbild zitiert**) ist aber gar keine. Und das wollen wir hier sagen und zeigen. Die Statistiken, die voriges Jahr von einem riesigen "Erfolg" zeugten, sind Einmal- und Nachzieheffekten geschuldet. Langfristig hat man NOCH NIE MIT GELD Familien "gefördert." Nirgendwo in Europa. 

Die ungarische Familienförderung ist also ein Schuß ins Ofenrohr. Und zwar aus mehrfachen Gründen, die nicht nur komplex sind, wie sich bereits jetzt zeigt, sondern auch noch ganz andere Fragen aufwerfen. Auf die vielleicht der Leser eine Antwort findet. Denn der VdZ sieht vor allem aufgeworfene Fragen.

Zuerst einmal, weil das Fördergeld vom Markt sofort aufgesogen wird. Der auf höhere Solvenz der Kunden und steigende Nachfrage ganz einfach mit höheren Preisen reagiert.

Wobei wir gar nicht darüber spekulieren wollen - und das plausiblem Hintergrund - daß die Paare mit diesem geschenkten Geld auch etwas "lockerer" umgehen, um es so rasch als möglich loszuwerden. 
Denn immer ist mit willkürlich zugeführtem Geld, das das Niveau übersteigt, das dem sozio-ökonomischen Geflecht entspricht in dem ein Mensch eingewoben ist (und mit dem sein Rechts-, Wert- und Selbstgefühl untrennbar verbunden ist), unmittelbar das Gefühl von Schuld verbunden. Wo im Nebeneffekt der "Geförderte" versucht, dieses ihm nicht "gehörende" Geld rasch wieder loszuwerden.*²*

Damit ist nur eines erfolgt: Eine Umverlagerung. Keine "Förderung". Eine Umverlagerung der Familienordnung. Und das ist die in Wahrheit mittel- und langfristig familienzerstörerische Zeitbombe, von der hier bereits die Rede war. Nicht in Zeiten, wo alles eitel Wonne ist, sondern wenn das Wetter umschlägt, die Sorgen größer werden, der Mann mit dem Rotz kämpft, und das tut jeder immer wieder, der schöpferisch tätig ist. 

Dann stellt sich plötzlich heraus, daß die Frau das existentiell stabile Element ist, die ist, an der das Bestehen der Familie hängt und durch sie gesichert ist. 

Also schauen wir uns an, erste Reihe fußfrei, was mit einem Großteil der Ehen passieren wird. Weil die Ehe nur Ehe ist, wenn sie das hierarchische Zueinander von Mann und Frau berücksichtigt. Das wird mit der Verlagerung der realen weil finanziellen, existentiellen Macht zu den Frauen, die "die Männer gar nicht mehr brauchen", gewaltig erschüttert. 

Weil es eine ontologische Spannung grundlegt, die sich auch immer zum Ausdruck bringt. In der der Mann den Druck fühlt, um die Vorherrschaft zu ringen, während die Frau die Vorherrschaft über den Mann tatsächlich ausübt weil in der Hand hat. Auch wenn sie bei "viel gutem Willen" (vielleicht stammt sie aus einem sehr traditionellen christlichen Umfeld, dort soll es ja Zauberer geben) so tut, als könne sich trotzdem der Gehorsam dem Manne gegenüber ausreichend verwirklichen. Lachhaft. Der Mann kann auf den Ämtern ja nicht einmal alle Verträge "namens seiner Familie" (die unter seinem Namen firmiert) unterschreiben.

Naja, und weil die Kredite auf die Frau gehen, hat der Staat Ungarn unter Viktor Orban (der, werter Leser, seinerzeit mit dem Stipendium einer George-Soros-Stiftung an einer Londoner Wirtschaftsuni studiert hat) seine liberale Modernität unter Beweis gestellt - 

"Leute, der IST doch gar nicht "konservativ-rückständig-rechts!" (denn so gut wie jeder "Rechte", der in Wahrheit liberal ist, hat diesen enormen Druck, sich als "ich bin doch gar nicht so" zu beweisen, was die paradoxe Situation gebracht hat, daß so gut wie überall und immer "rechte" Parteien in unsren Ländern sozialpolitisch am progressivsten und radikalsten waren)

- indem nun die Frau (die die Kinder hat) auch locker eine "neue Ehe" eingehen kann. In der sie es mit einem anderen Mann und Vater probiert. Klingelt es noch immer nicht? Na dann vielleicht morgen.

Morgen Teil 2) Woher aber kommt das Geld?

*²*Damit erklärt sich die Beobachtung von Ludwig von Mises, der genau diesen Effekt beschrieben hat: Geldzufuhr hat eine (Volks-)Wirtschaft noch nie befördert, sondern immer geschädigt. Es hat außer Inflation und beschädigten Preisgefügen (und: Korruption, wie sie sich im Sozialstaat als Sozialbetrug im Nebeneffekt der bald allgemein werdenden "Jagd nach Sozialleistungen als Einkommensquelle" äußert) nie etwas Positives bewirkt. Das gilt für Familien nicht weniger.

QR Demographie Polen
**Die demographische Realität in Polen ist wie in ganz Mittel-Ost-Europa dramatisch, und wird jährlich weiter schlimmer. Die Geburtenraten gehen überall NACH WIE VOR ZURÜCK, obwohl auch Polen viel Geld verschenkt und das "Familienförderung" nennt. Die dafür sorgen soll, daß mehr Kinder geboren werden. Wo immer also Viktor Orban bzw. sogenannte "katholische Medien", die blöd genug sind, um PR-Jubelmeldungen jeder Art zu veröffentlichen, wenn sie nur ihren Phantasien entsprechen, jene "Statistiken" herhaben, die einen angeblichen Erfolg der Familienförderung belegen sollen - es ist Unsinn. Man muß vielmehr zugeben, daß im gesamten ehemaligen Ostblock eine seelische Depressionsdynamik zugange ist, die ganz andere Ursachen haben muß. Und vermutlich, geht man ihr nach, viel Aufschluß über die Lebenskraft von Völkern und Kulturen aufzeigen und belegen könnte. 


Sonntag, 5. Januar 2020

Warum es Wirtschaft gar nicht gibt

Einen Artikel mit guten Aspekten fand der VdZ auf den Seiten des Mises-Instituts. In dem Frank Shostak der Frage nachgeht, ob es überhaupt möglich ist, "Wirtschaft" zu lenken und zu steuern. Denn "Wirtschaft" an sich gibt es gar nicht.* Sie ist vielmehr die Kontur des Wirtschaftens der einem gewissen Raum zugehörigen Menschen. 

Wo immer der Staat versucht, sich direkt einzumischen - Shostak verwendet das sinnige Beispiel einer Pyramide - nimmt er lediglich von den Ersparnissen des Volkes, das dieses Geld aber erwirtschaften muß. Ein Staat kann also nicht direkt seine Wirtschaft "machen" oder "lenken". Er kann und muß sogar Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich das Arbeiten und Wirken seiner Bürger bestmöglich (und im Sinne des Gemeinwohls, das heißt des größtmöglichen Freiraums** seiner Bürger) entfalten kann.

Eine Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts, also der Summe aller geschaffenen Werte innerhalb eines Jahres, ist somit einem Staat selbst gar nicht möglich. Selbst wenn sich staatliche Tätigkeit im Zahlenwerk des BIP als "Erhöhung" ausdrückt, so ist das gefährlicher Schein. Das gilt sogar für die Schaffung von Infrastruktur (Autobahnen, Brücken etc.). Auch die gehen von der nur durch Arbeit der Bürger zu schaffenden Wirtschaftsleistung ab und müssen erst erwirtschaftet werden. 

Das führt zu einem der elementarsten Einsprüche gegen das keynesianische Prinzip, wo in Zeiten schwächerer Wirtschaft der Staat auch durch Schulden die Wirtschaftskraft beleben können soll. Denn genau das ist ein Trugschluß, der nur den Zeitpunkt verschiebt, zu dem der Staat die Kaufkraft seiner Bürger schwächen muß, um diese Investitionen zu bezahlen beziehungsweise zu erwirtschaften. Man kann es sogar auf den Punkt bringen, daß staatliche Beeinflussung des Wirtschaftens der Einzelnen letztlich IMMER eine Verarmung der Bürger nach sich zieht.

Deshalb ist es eine gefährliche Illusion zu meinen, die Wirtschaftskraft eines Volkes wäre über die ermittelten BIP-Zahlen zu bestimmen. Die Wirtschaftsleistung eines Jahres ist nämlich in Geld nicht auszudrücken, wie es derzeit geschieht, indem man quer über alle Leistungen einen Durchschnittspreis legt. Der aber so gut wie nichts aussagt, denn die Geldmenge, die in Umlauf ist, und die solche Zahlen letztlich ermitteln, ist als Indikator untauglich. Sie kann sogar das Gegenteil bedeuten: Zu viel Geld (durch staatliche Intervention, wie es seit langem geschieht) kann den Zahlen nach einen "Boom" aussagen, in Wirklichkeit aber verschleiern, daß die realen Wertschöpfungen zurückgegangen sind, das Mehr an Geld also nur eine "Blase" ist. 

Es ist deshalb ein gefährliches Spiel, wenn Regierungen ihre Ausgabenpolitik, ihre Berechnungen zu Altersvorsorge oder sozialen Wohltaten (oder Umverteilungsabsichten) an nominellen BIP-Zahlen orientieren. Und die Vergangenheit hat auch genau das gezeigt. Wo sich immer wieder das, was "real" im Staatssäckel war, seltsamerweise nicht mit dem gedeckt hat, was die Zahlen hätten ergeben müssen. Sodaß man immer erst nachträglich draufkommt, daß die Volkswirtschaft anders lief, als man es gerne gehabt hätte. Wenn man die Konstituenten einer Statistik (wie sie das BIP ist) nicht genau kennt, ist sie aussagelos und irreführend.***





*Dasselbe läßt sich über Klima (Weltklima) aussagen. Das es als reales Ding gar nicht gibt. Auch dort gibt es nur lokale Geschehen, Prozesse und Dynamiken in lokalen Einheiten, die mit dem jeweils angrenzenden Raum kommunizieren. Deshalb ist schon prinzipiell die Aussage, das "Weltklima" zu bekämpfen oder zu verändern purer Schwachsinn.

**Wenn an dieser Stelle von "Freiheit" geredet wird, so nie im Sinne des Liberalismus, also einer unbeschränkten subjektiven Willkür (die gar keine Freiheit ist, sondern auf irgendeine Art eine Getriebenheit), sondern in der Verbindung mit Wahrheit. Die die innere Struktur des Seins selbst ist, und deshalb auch die größtmögliche Entfaltung des Seienden bedeutet.

***Wie haben an dieser Stelle schon mehrmals auf die Arbeiten von William M. Briggs hingewiesen, der aufzeigt, daß Statistik nur so gut ist, wie die Kenntnis der Einzelprozesse gut sind. Niemals läßt sich deshalb aus Daten so etwas wie Wahrscheinlichkeit von Ereignissen und Ergebnissen vorhersagen, nicht mit der ausgefeiltesten mathematischen Methode, wenn die Ursache-Wirkungs-Verhältnisse nicht genau gekannt werden. Dennoch mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten ist sogar nicht nur gefährlich, sondern völlig unmöglich und Täuschung. Das gilt ebenfalls fürs "Klima".





Mittwoch, 11. September 2019

Zerstörung des Eigentums der anderen

Vereinfacht gesagt, bedeutet Sozialismus stets die Umverteilung der Produktionsmittel, das heißt die Verteilung von Eigentum an Kapital von den diese Besitzenden zu den diese Nicht-Besitzenden auf der Basis eines neu definierten Geburtsrechts, nämlich dem der "Alle sind Gleichen". Alle Produktionsmittel sollen damit an den Staat fallen, der mit ihnen den Wohlstand aller planen und lenken soll. Das aber ist der sicherste Weg, Produktivität zu zerstören.

Ludwig von Mises hat es einmal noch spezifischer definiert: Er nannte den Sozialismus sogar einen Destruktionismus. Dieser, schrieb er, ist das eigentliche Wesen des Sozialismus. Er produziert nichts, sondern konsumiert nur, was eine soziale Ordnung, die auf dem individuellen Privateigentum an den Produktionsmitteln basiert, bereits geschaffen hat. Er bezieht sich also immer auf ein bestehendes Gut, auf bestehenden Wert.

Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, daß sich bereits 86 Prozent der Bewohner der westlichen Länder eine sozialistische Staatsführung wünschen. 

Der Fehler des Liberalismus ist nicht prinzipiell, diese Umverteilung zu kritisieren. Sein Fehler ist, daß er meint, daß sich die Produktivität der Menschen am Eigennutz orientiert. Denn damit legitimiert er geradezu den Haß der Menschen auf den, der mehr Eigentum besitzt. Und sich daraus allein eine gerechte Ordnung ergeben würde. Aber er fordert damit nur das Recht des Stärkeren, und das heißt auch des Unmoralischeren, des Skrupelloseren, und NICHT den Produktiveren, Schöpferischeren. Damit legitimiert er groteskerweise gerde jenen Sozialismus, den er kritisiert. 

So daß er nur die ihm im freien Spiel der Kräfte überlegenere Kraft abwehren will, indem er die Freiheit um diese eine Möglichkeit beschränkt wissen möchte, die ihm gefährlich werden könnte.





Dienstag, 10. Januar 2017

Das Ergebnis ist nur Zerstörung

Es gibt noch eine ganz andere Überlegung, die kaum einmal in der Öffentlichkeit reflektiert wird. Sie erwächst aus der Befassung mit volkswirtschaftlichen Grundsätzen, und Ludwig von Mises (und natürlich beileibe nicht nur er, sie ist sogar bei Keynes enthalten) hat sie ganz klar und logisch nachvollziehbar herausgearbeitet. Eine Überlegung, die das Paris-Abkommen zur Weltrettung als fatalen Fehler erkennen läßt. Dessen Auswirkungen, wie schon so oft gezeigt werden konnte, ja nicht den kleinsten Funken an den von den Erwärmungsaposteln geforderten Klimarettungsmomenten verändert, sondern nur eines beabsichtigt: In ökonomische Prozesse (unter dem Titel "Verteilung des Wohlstands") einzugreifen. 

Die Art dieses Eingreifens ist aber nur mit einem Wort zu begreifen, und dieses Wort ist "Zerstörung". Und zwar NICHT, wie eine ganze Riege der Ahnungslosen durch die Welt drischt, weil der "entwickelte Westen und Norden" gierig an seinen Besitztümern hängt. Sondern weil es schwere volkswirtschaftliche Schäden nach sich zieht, wenn man Geld aus einer Volkswirtschaft abzieht und in eine andere verschiebt. Damit kommen beide Volkswirtschaften aus dem Gleichgewicht, und das Ergebnis ist Zerstörung auf beiden Seiten. Denn Geld und Kaufkraft muß immer in einem Streben nach Gleichgewicht stehen, muß sich also entsprechen. Ist das nicht der Fall - durch zu viel oder zu wenig Geld als Mittel der Kaufkraft -  werden einer Volkswirtschaft die Lichter des Eigenlebens ausgeblasen. 

Ja, eine (nennen wir so) unter- oder weniger entwickelte Volkswirtschaft verträgt nicht einmal andauernde, große Geldgeschenke, die in Infrastruktur investiert werden. Denn (wir haben schon mehrmals darüber berichtet) es besteht ja ein meist völlig naives Mißverständnis dahingehend, daß Investitionsgüter (meinetwegen Windräder, Kraftwerke, Straßen etc.) "Dauer" hätten. Weder haben sie Dauer, noch haben sie die Dauer, die sie haben können (ehe sie zerfallen, unbrauchbar werden, wie jedes Ding) OHNE daß ihnen eine volkswirtschaftliche Entwicklung und Produktivität gegenübersteht, die im Grunde ihre Errichtung aus eigener Kraft auch ermöglichen würde. Denn Investitionsgüter brauchen für ihren laufenden Erhalt eben einen Anteil dessen, was ihre Errichtung gekostet hat, der als Daumenrechnung jenem Aufwand entspricht, den man zu ihrer Errichtung abführen müßte. Wer ein Ding hat, wer eine Investition getätigt hat, muß also laufend weiter investieren. 

Umgekehrt liefert eine Investition nur jenen Nutzen, der jenem Grad der Entwicklung entspricht, der ihre Errichtung nicht nur zur weiteren organischen Entwicklung einer Volkswirtschaft notwendig gemacht hat, sondern der ihrem Entwicklungsgrad entspricht. Bemißt man diesen in Arbeit - und gerade die katholische Naturrechts- und Soziallehre bezieht sich genau auf diesen Zusammenhang von Geld, Kaufkraft, Wohlstand und Arbeit - ergibt sich ein (natürlich nicht konkret benennbares) Investitionsvorhaben, das der relativen Produktivität der Arbeit entspricht. Denn Arbeit (und gerechter Lohn) stehen in Bezug zu einer lokalen Volkswirtschaft. Sie sind nicht absolut zu sehen. 

Damit hat eine Volkswirtschaft auch immer nur jenes Geld (als Frucht der Arbeit) zur Verfügung, das der Produktivität der Menschen in ihrem Lebens- und Weltvollzug entspricht. Passiert das nicht, werden soziale Gefüge entweder behindert (weil zu wenig Geld, also Einkommen, zur Verfügung stehen), oder sie werden aufgelöst. Und das werden sie, sobald Einkommen und vorhandenes Geld nicht mehr in direkter und unauflöslicher Korrespondenz mit Arbeit und geschaffenen Werten sowie mit sozialen Hierarchien stehen, an deren Ende entsolidarisierte, vereinsamte Konsumenten ohne Gemeinschaftsbezogenheiten stehen. 

Weil sich das als anthropologische Konstante darstellt, werden sich deshalb sogar bei "Entwicklungshilfen" (also Geld, das nicht dem Reifestand der Volkswirtschaft und Gesellschaft entspricht) Hierarchien herausbilden, die diesmal aber von der Macht des Geldes geprägt sein werden, nicht mehr von sozialen Gefügen. Die Entwicklungshilfe, die etwa Afrika seit 1960 zugeschoben wurde, hat zu guten Teilen dort nicht Prosperität und kulturelle Höherentwicklung gebracht, sondern korrupte Gesellschaften geschaffen, und das ging auch gar nicht anders. Weil zugeschobene Geldmengen in einer Gesellschaft bewirken, daß sich dieses Geld im Zentrum und in Zentrumsnähe konzentriert, und bis es "unten" angekommen ist kraft unüberwindlicher weil natürlicher Mechanismen nichts mehr wert ist, also auch noch die Kaufkraft des Geldes der "Unteren" schwächt, sie also noch ärmer macht. Dasselbe wird nun in Paris gefordert - das katastrophale Ergebnis ist direkt absehbar.

Denn für Volkswirtschaften gilt nicht weniger, was für alle Seins-heiten (Physik/Metaphysik) der Welt als Welt (und damit auch für das sogenannte Klima) gilt: Man kann ihnen kurzfristig Energie zuführen, aber sie werden es sofort wieder vernichten WEIL SIE IHREM SEIN NICHT ZUGEHÖRT, bzw. in Korrespondenz mit dem Anderen, dem Fremden, dem Außen abstoßen, weil sie in permanentem Rapport damit stehen, und sich immer auf das ihrem Sein entsprechende Tun und damit dessen Energieaufbringung (als Selbsttätigkeit, als Selbstsein = Aktivität) einpendeln. Energie (und Geld ist ebenfalls eine Form von Energie) aber kann von einer Seinsheit nur transformiert, damit weder erhöht noch vermindert werden. Erst diese Transformation kann man "Entwicklung" nennen, die in der Wirkweise des Menschen (als Analogon Gottes) von material zu geistig gerichtet ist - logosbezogen.

Gerechter Lohn muß sich also auf die lokalen Bedingungen beziehen, und vor allem auf das je einzelne Leben der Menschen. Erst wenn dieses in den anthropologischen Grundsatzgrößen Ehe und Familie gesehen wird, auf denen eine Kultur und ein Staat dann aufbauen, kann man von gerechtem Lohn sprechen. Der heißen muß, daß ein Mann eine Familie ernähren kann, und zwar nicht nur mit dem Allernotwendigsten wie Brot und Zucker, sondern auch mit jenen Gütern versorgen kann, die einer kulturell gedeihlichen Entwicklung in seinem Lebensstand notwendig sind. Die Entsprechung dieser Größen - Einkommen und Familienbedarf - ist der Moment, der mit "Würde" erfaßbar ist. Sie schließt damit sowohl Sozialschmarotzertum aus, als sie auch eine Kapitalakkumulation ausschließen muß, die nicht auf Stand und Würde beruht, sondern auf dem, was mit "Wucher" beschrieben wird. Der meint, daß jemand aus der Notlage und Angewiesenheit des anderen Profit schöpft, der diesen aber in seiner Würde beschneidet. (Sie bedeute damit auch keineswegs, daß alle gleichermaßen wenig haben sollen, oder gleich viel haben sollen, im Gegenteil! Sie schließt damit auch nicht Unterschiede eim Reichtum* und Einkommensunterschiede aus, im Gegenteil BEGRÜNDET es sie sogar!)

Das sogenannte "Paris-Abkommen" bezieht sich konkret nur auf Geldverschiebung, deren jährliches Ausmaß 1-2 Billionen Dollar beträgt. So ist es derzeit als Vorhaben angesetzt. Der Effekt auf das Klima, auf den es angeblich allen Unterzeichnern ankam, ist gleich Null, und zwar gerade auf die Standards und Forderungen der Klimopheten in ihrem Wahn bezogen, durch Absenkung des CO2-Ausstoßes die Welttemperatur regulieren zu können. Dafür offenbart sich aber etwas anderes, das nicht einmal geheim ist, und deshalb nicht als "Verschwörungstheorie" gelten kann, die UNO nennt es ausdrücklich: Es geht um eine neue Verteilung des Geldes, des Wohlstands, die man noch dazu "gerecht" nennt, was den mytischen Ursprung dieser Forderung offenbart, weil er die Wahrheit verläßt. Hier erfolgt also der nächste schwerwiegende Irrtum. Denn zu meinen, dies würde mit einem Verschieben von Geld geschehen können, wird nur Zerstörung bringen. Es wird die Starken schwächen, und die Schwachen ins Niemandsland kultureller, gesellschaftlicher Auflösung schießen.




*Weil aber damit Reichtum mit sozialer Stellung in einer sozialen Hierarchie, also immer auf eine Gesellschaft bezogen ist, IN der sich eine Stellung "als Reicher" nur bilden kann, denn ein Reicher wäre ohne umgebende Gesellschaft keineswegs mehr reich, er könnte sein Geld nur noch zum Heizen verwenden, ergibt sich auch eine soziale Pflicht aus kumuliertem bzw. größerem Kapital. Genau so und im Gleichschritt damit, wie sie ja die höhere Stellung beschreibt: Der Adelige, der fünfzehn Pächter beschäftigt, ist damit für das Insgesamt dieser fünfzehn Gemeinden auf einer höheren Ebene und nur auf diese Ebene bezogen verantwortlich. Er muß also zwischen Streitpartien (als Beispiel) schlichten und diese Autorität als Richter in diversen Angelegenheiten schützen und wahren, aber er hat nicht das Recht, deren Kindererziehung zu bestimmen; er leiste geistige, organisatorisch oder durch Kapitalbereitstellung etc. Hilfe beim Bau einer alle Höfe verbindenden Straße, die jedem Einzelnen dann zur besseren Entfaltung dient, oder Hilfe zu leisten, wenn eine Mißernte alle Ernte vernichtet hat, aber er hat nicht das Recht, die Art des Zusammenlebens zweier Eheleute zu bestimmen. Er hat aber sehr wohl das Recht, ja er hat die Pflicht, seine Pächter danach auszusuchen, ob sie in die Traditionen und Lebensweisen einer Gemeinschaft passen, oder diese Ordnungen sprengen und zerstören.





*101216*

Dienstag, 18. Februar 2014

Folgen von Kurzschlüssen (2)

Teil 2) Wenn das Kapital wieder auf Reisen geht




Nun werden diese Kapitalien wieder abgezogen. Weil sich in den entsprechenden Volkswirtschaften die unausbleiblichen Anzeichen einer Abnüchterung zeigten. Argentinien, das seine Krise von 2000 mit genau diesen Mitteln bekämpfen wollte, mit denen Europa hantiert, zeigt als Vorreiter bereits, was dann passiert. Das Land steht vor seinem nächsten Kollaps. Einer bloßen, aber unausweichlichen Folge. Vielleicht sogar die gesamte Wirtschaft des südamerikanischen Kontinents ist in ihrer nominellen Performance ihrer wahren, inneren, "sittlichen" Leistungsfähigkeit deutlich voraus, muß also über kurz oder lang kollabieren. Ein später Fluch der Verbindung mit dem Abendland, übrigens, denn die Nominalwirtschaft orientiert sich (und das in allen Schwellenländern, um die es hier geht) an der inneren Leistungshöhe der Europäer, hat sich wie eine luftdichte Decke über die Menschen des Kontinents geworfen. Noch drastischer formuliert: Die meisten Schwellenländer haben eine Wirtschaft hochgezogen, die nicht aus ihr selbst generiert wurde und ein fremdes Gesetz aufzwingt, das von der gesamten sittlich-sozialen Struktur des Volkes nicht erfüllt werden kann. (Wenn man von hoher Korruption gerade in vielen Ländern spricht, so hat sie genau hierin ihre tiefen Wurzeln.)***

Graphik: Die Welt
Die rechts angefügte Graphik aus Die Welt belegt das, wenn sie alleine natürlich nicht ausreicht: Dem Aufblasen von Volkswirtschaften folgt regelmäßig ihre Abnüchterung, der bisher genauso regelmäßig neue Geldzufuhr folgte, mit denselben Effekten.²

Das heißt: Das Geld sucht auch dort seinen wahren inneren Wert, und der ist auf das Realleistungsvermögen einer Volkswirtschaft ausgerichtet. Die Währung - im Außenverhältnis zumal - muß angesichts einer drohenden oder bereits realisierten Inflation abgewertet werden, denn Geld ist immer nur ein Leistungsversprechen zweier Leistungsträger. Übersteigt die nominelle, mathematische Leistung einer Volkswirtschaft ihre reale Potenz, muß es mittel- und langfristig zu einer Entwertung (oder Reduktion) dieser Nominalleistung kommen. Derselbe Irrtum übrigens, der dem Sozialstaatsdenken eigen ist.****

Die Türkei liefert ein gutes Beispiel dafür: Der Verfasser hat sich vor Jahren sehr persönliche Kritik anhören müssen, weil er angeblich die Wirtschaftsdaten der Türkei, die so hohe Performance anzeigten, nicht zu kennen schien. Oh doch, er kannte sie, aber er interpretierte sie auf eine viel fundamentalere Weise.***** Denn zwar hat der Staat einen niedrigeren Verschuldungsgrad als die meisten europäischen Länder, und sein staatliches Sozialnetz ist mit dem Europas nicht annähernd vergleichbar, aber dafür ist der Verschuldungsgrad der Privaten und Unternehmer sehr hoch. Das war in Irland oder Spanien nicht viel anders. Die Individualleistung war aber auch damit nominell überbewertet, der volkswirtschaftliche Effekt derselbe. Nun suchen diese Gelder einen Ausweg, der ihre ursprünglichen Absichten noch erfüllen soll - sie wollen sich zurückziehen, flüchten, ehe es zu einer Verwurzelung ins Geflecht der Volkswirtschaft kommt, ehe der Abnüchterungsprozeß einsetzt. 

Der Kapitalabfluß aus der Türkei ist derzeit enorm, wie zu lesen ist. Weshalb der Staat mit Erhöhung der Zinsen reagiert. Was im Grunde nichts anderes ist als der Versuch eben solcher Abnüchterung zu verhindern, indem er weiteres Kapital anlocken möchte. Womit nicht mehr erreicht werden wird als daß sich die KapitalSTRUKTUR der Türkei verschieben wird, noch mehr nämlich zum Geld hin. Was alles nichts daran ändern wird, daß zumindest langfristig der Türkei ein enormer volkswirtschaftlicher Korrekturbedarf ins Haus steht. Was der Verfasser dieser Zeilen schon seit vielen Jahren auch behauptet, und sich nun erstmals abzeichnet. Nur durch immer stärkere Abhebung des Geldmarktes von der Realwirtschaft - wir nennen bereits die Abstrakta, der Raum wäre zu klein, um alles konkret auszuführen - kann dieser Prozeß scheinbar überwunden, in Wahrheit nur verlängert werden, mit einem umso größeren Korrekturbedarf, der aber in die Zukunft verschoben wird.




***Hier also zu meinen, man könnte mit Umverteilung, nach "brüderlicher Teilhabe am Wohlstand der Industrieländer", usw. usf., etwas verändern zeigt nur eine wahrhaft erschreckende Ahnungslosigkeit "sozial bewegter" und sehr schlichter Gemüter. Kulturaufbau, und nur um den kann es überhaupt gehen, gerade katholisch bewegten Geistern, passiert niemals durch geschenkte, generelle (nominelle) Wohlstandserhöhung.

****Wovon deutlich die sogenannte "soziale Marktwirtschaft" in ihrem ursprünglichen Sinn ausgenommen werden muß! Aber wer etwa heute die Schriften deren "Erfinder" liest (für Deutschland maßgebend etwa Ludwig Erhard) hat den Eindruck, es hier mit Turbokapitalismen zu tun zu haben, verglichen mit den krankhaften Auswüchsen heute, die einer Perversion dieser alten Idee gleichkommen. Die soziale Marktwirtschaft nimmt den Organismen nicht ihr Eigenleben, sondern baut zum Gegenteil darauf auf, daß sie ihre Gesundheit bewahren, wozu auch da und dort Heilungsanstöße gegeben oder Krankheiten, Harmoniestörungen dieses Eigenlebens eines Organismus vermieden werden müssen. Aber sie baut immer auf dem Grundsatz der Äquivalenz von Wirtschaftsleistung und Eigenkraft einer Bevölkerung auf, und nur um die kann es einer Politik gehen.

*****Aus vielfacher eigener Erfahrung kann sogar ein Gesetz formuliert werden: Daß eine bestimmte Höhe des Aktivitätsniveaus eines Organismus keineswegs seine sich vollendende Gesundheit und Prosperität anzeigt, sondern im Gegenteil zeigt sich darin das dräuende Ende, das nur noch durch immer weitere Erhöhung der aktuellen Aktivität vermieden werden kann. Klartext: Ein Betrieb, der scheinbar extrem wächst, und alles auf Wachstum setzt, hat (wahrscheinlich IMMER) mangels wahrer Rentabilität keine andere Wahl mehr. Vorsicht also vor besonders expansiven, SCHNELL wachsenden Unternehmen - Vorsicht vor besonders schnell wachsenden Volkswirtschaften!






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Montag, 17. Februar 2014

Folgen von Kurzschlüssen (1)

Nun passiert also genau das, was schon vor Jahren (auch an dieser Stelle) vorhergesagt war, und es ist ein "leichter Sieg" der Prognose, denn er hat eine Zwangsläufigkeit: Die Währungen der Schwellenländer, auf denen die Performance der Weltwirtschaft in den letzten Jahren ausruhte, werden teils massiv abgewertet.

Bildquelle: Die Welt
Was war dabei logisch? Auf der Flucht vor den geplatzten Spekulationsblasen der Industrieländer haben sich die Kapitalien der Welt (davon zwei Drittel direkt oder indirekt staatlich) auf Länder konzentriert, die noch Entwicklungspotential hatten - Entwicklungsländer (v. a. Rohstoffe) und (meist bevölkerungsreiche) Schwellenländer wie die Türkei, Brasilien, Indonesien, Rußland, Argentinien, Chile, Indien, um China (trotz Sonderbedingungen dieser halbstaatlich-dirigierten "freien" Situation) nicht zu vergessen.

Rein technisch gesehen bewirken aber zugeflossene Kapitalien dasselbe wie Verschuldung, ja SIND Verschuldung, nur mit anderer Risikokomponente. Rein technisch gesehen werden durch zufließende Kapitalien, ob als Investition oder als Kredit, ja sogar als Geschenk, dieselben Wirkungen ausgelöst. Nachfrage wird über den einem volkswirtschaftlichen Organismus eigenen Takt hinaus erhöht, was kurz- und mittelfristig tatsächlich "belebende" Effekte hat. Wer in Kuala Lumpur eine Fabrik baut, erhöht dort kurzfristig die Bautätigkeit, das Liefervolumen für Ziegel, die zu leistenden Arbeitsstunden, usw. usf. Aber dann tritt etwas Seltsames ein. Der Verfasser dieser Zeilen nennt es "Abnüchterung". Es erfolgt ein Anpassungsprozeß der lokalen Wirtschaft an diese zusätzlichen Nachfragesteller, das Kapital (aus dem Ausland). 

Weil das in überwiegendem Ausmaß europäisches Geld war (sogar dadurch, daß die USA weit mehr Kapital im eigenen Land anlegten, wie das nominelle Ansteigen der Industrieproduktion dort zeigt), zeigt sich dieser Abwertungsprozeß also vorerst in einer Veränderung dem Euro gegenüber.

Denn der volkswirtschaftliche Effekt eines produzierenden Betriebes etwa wird weitgehend überschätzt bzw. falsch eingeschätzt. Keineswegs erhöht sich die Produktivität einer Volkswirtschaft, sondern sie schichtet sich nur um. Der einzige wirkliche und nachhaltige Faktor, der eine Volkswirtschaft vergrößert, ist nämlich ausschließlich menschliche und höchst individuelle Leistung, und das hat mit Sittlichkeit, und damit mit Wirklichkeitsrezeption und Persönlichkeit zu tun. 

Die Kapitaleffekte bewirken das aber nicht. Die finanzmathematische Berechnung von Investitionen hinkt also um einen gewaltigen Faktor, und liefert im Ganzen gesehen höchstens Hilfsdaten, aber nicht die entscheidenden Daten. Im Gegenteil, weil zufließende Kapitalien Blüte vortäuschen (und zwar nur über Geldwirkungen, also über technische Performance) bewirken sie ein Abschlaffen der einem Organismus eigenen Kräfte. Das Fremdkapital wird zum Dauerbedarf, ja durch dieses Abschlaffen wird ständig höherer Kapitalzufluß notwendig, unbesehen der Fehleinschätzung des aktiven Werts von Investitionen (die nämlich nie "dauernde" Werte schaffen, sondern wie jede Maschine einen Zusatzbedarf nach Zuwendung, nach Energiezufuhr bewirken, um erhalten zu werden. Jede Maschine braucht mehr Energie, als sie ausstößt! Das ist ein logisches Ergebnis aus dem Energieerhaltungssatz, weil jede Maschine Reibungsverluste hat. Georg Friedrich Jünger zeigt das so gedanklich klar in seiner großartigen Untersuchung über die Maschine.

Graphik: Die Welt
Aber darauf ist eine Investition nicht ausgerichtet. Sie will "kassieren", und das sogar mit gewissem Recht (der Verfasser beklagt also nicht die Zinswirtschaft an sich, und beteiligt sich auch nicht den dummen Kurzschluß der  "Zinseszinsklage"). Aber eine Investition, eine Fabrik, eine Maschine(rie) funktioniert NIE als reine Geldmaschinerie. Sie ist aus ihrem Wesen heraus ein Ding, mit dem der Mensch lebt, und das seine Kapazitäten im Gleichschritt mit menschlichem Leistungsvermögen entfaltet, aber NICHT das liefert, was der Verfasser als einen der großen Irrtümer der Volkswirtschaftslehren (Ludwig von Mises als Beispiel ausgenommen, aus dessen Schriften der Verfasser dieser Zeilen durchwegs Stützung seiner Thesen herausliest) sieht, und was man als "Effizienz" bezeichnet. Diesen Faktor gibt es nicht. Nicht in der Form, wie er sich mathematisch zwar ergibt, aber seltsamerweise nie so in der Realität eintrifft, betrachtet man eine Investition etwa über einen sehr engen Rahmen hinaus.* Klartext: Wer investiert, kann dies immer nur tun, wenn er sich selbst damit wirklicht. Die Fabrik selbst betreibt, in ein sozial entsprechend mitgewachsenes Umfeld eingebettet ist, das sich in jede Stufe anschmiegt, gewissermaßen, also im selben oder annähernd selben Persönlichkeitsgrad steht, wie der Investor, dessen Maschine (Fabrik usw.) ja Ausdruck seiner Persönlichkeit ist. Darüber werden wir hier gewiß noch mehr erzählen.**

Lange Rede, kurzer Sinn:  Eine Volkswirtschaft verträgt nur so viel an Investitionskapital und Investitionen, als sie aus ureigener Leistung der sie tragenden Menschen und Sozialgefüge heraus generieren kann oder will. Geld kann nie mehr als ein Äquivalent menschlicher Leistung sein, sein Nominalwert ist defacto gleichgültig, tatsächlich eine abstrakte mathematische Größe.

Zurück zum aktuellen Thema ...


Morgen Teil 2) Wenn das Kapital wieder auf Reisen geht




²Natürlich werden andere mit anderen Thesen daherkommen, die genau erklären, warum welche Entwicklungen stattfanden. Aber der Verfasser behauptet, daß sie sich sämtlich auf rein technische, sekundäre Vorgänge beziehen. Ihm ist kaum eine fundamentale Aufarbeitung der Kreisläufte bekannt, die sich auf primäre Ursachen bezieht. Die meisten Volkswirtschaftler oder gar Betriebswirtschaftler erklären nicht mehr als "technische Ablauffunktionen." Das ist einer der Gründe, warum Wirtschaftsprognosen, wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, oft so dramatisch und bis zur Sinnlosigkeit falsch waren. Aus dem Vielfältigen heraus läßt sich etwas nie erklären. Es liefert nur Hinweise und Belege für viel grundsätzlichere Zusammenhänge. Ein Wirtschaftsexperte, der nicht von der Anthropologie ausgeht, kann nie mehr als herausgegriffene Ablaufszenarien kennen. Weshalb bei allen großen Wirtschaftstheorien der Vergangenheit IMMER eine ausgeprägte Anthropologie am Anfang steht und stand. Das ist es, was die viel zu wenig rezipierte, noch weniger aber verstandene (USA ...), Österreichische Schule der Volkswirtschaft so einzigartig macht - sie geht nämlich von einer sehr wahren Anthropologie aus, ist alles andere als bloße Theorie von Abläufen. Und das ist es, warum sämtliche (anderen) Großthesen heute versagen.

*Beispiel aus dem Buch von Jünger: Zwar erhöht bessere Technik die Performance eines hochstufigen Produkts wie des Computers, gleichzeitig wird aber die Gesamtmenge an zu leistender Arbeit in den untersten Stufen gleichfalls erhöht, nur in einer globalisierten Situation verschleiert. Globalisierung funktioniert also überhaupt NUR, wenn sie auf Ungleichheiten abzielt, sie ist in der heutigen Form also ein Widerspruch, wenn nicht eine zynische Heuchelei in sich, weil sie gar nie - in der heutigen Form - funktionieren kann.

**Etwa das nach Wissenstand des Verfassers noch nie eingehender untersuchte Kapitel der amerikanischen Volkswirtschaft im 20. Jhd., deren Performance nämlich auf dem Zufluß von Fremdkapital (vorwiegend aus England) im 19. Jhd. beruhte, das vor allem nach dem 1. Weltkrieg volkswirtschaftlich gesehen enteignet wurde. Die Charakteristik der heutigen US-Volkswirtschaft weist in den Augen des Verfassers alle Anzeichen solcher Überlagerungs-Überhitzung auf, was die Richtigkeit seiner Thesen untermauert. Was als amerikanische Wirtschaftspolitik bezeichnet wird, ist deshalb als Versuch zu deuten, diese Abnüchterungsprozesse zu vermeiden oder wenigstens hinauszuzögern.

Wenn heute der britische Historiker Neil Ferguson mit der These aufregt, daß England 1914 mit seinem Kriegseintritt einen schweren Fehler gemacht habe, so kann man ihm - zumindest aus rein "historisch-technischer Sicht" - nur zustimmen. Modris Eksteins zeigt in seinem leider so wenig bekannten "Rites of spring" (so viele aktuelle Publikationen, etwa "The Sleepwalkers" von Clark, oder "Der taumelnde Kontinent" von Bloom, wirken als wären sie daraus abgeschrieben; in der Meinung, daß Eksteins ohnehin zu wenig bekannt oder längst vergessen sei), wie sehr England diesen Krieg aus einem Idealismus heraus führte, in dem es scheinbar um die Verteidigung einer Kultur ging, die in England selbst gar nicht gefährdet war - aber nachher erst recht zusammenbrach. Indem es das Commonwealth, noch mehr aber die globale Stellung Europas verspielte, die Weltordnung auflöste und ins Chaos stieß, und die Rolle der USA als neue, dabei kulturell überforderte Weltmacht regelrecht präformierte.






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Samstag, 29. Juni 2013

Segen Globalisierung? (2)

 Teil 2) Bloßer Wirtschaftsliberalismus versteht Freiheit nicht




Kommentar: Gibt man den Menschen die Chance, wirtschaftlich frei tätig zu sein, sich etwas dabei zu schaffen, geht auch die Armut zurück. Vielleicht sollte man es auf diesen Faktor beschränken, meint der Verfasser dieser Zeilen. Darin stärkt diese Studie auch die Aussagen an dieser Stelle. Und ein wesentliches Element dabei darf nicht vergessen werden: Freiheit ist nicht nur eine Möglichkeit der individuellen Entfaltung, die nicht entmutigt werden darf. Freiheit ist auch ein Aufruf, ja eine Last, sich zu erheben, und diese Last zu tragen. Deshalb braucht es auch einen Ansporn durch den Verweis auf die eigene Kraft, diese Last darf dem Einzelnen nicht genommen werden. 

Sozialsysteme müssen strikt subsidiär bleiben, dürfen einfach nicht "leicht" zugängig sein, sonst wirken sie hemmend, der Mensch muß wissen, daß es auf ihn selbst ankommt, er sich selbst helfen muß. Sie sind und bleiben Hilfeleistungen, die der Willkür und Güte der Geber unterliegen. Sie zu beanspruchen kann nie mehr sein als der Appell an diese Güte, bei Gebern als (aber  nur individuell zu erfüllende, damit freigestellte) moralische Pflicht, wie Nehmern, die sie mit Dankesschuld belastet. 

Wird Sozialleistung zum "Recht", wird die jedem mögliche Grenze und Belastungsfähigkeit gar nicht mehr ausgelotet, was destruktive Auswirkungen bis hinein in das persönliche Selbstbewußtsein, in die individuelle Würde hat. Und damit sinkt auch die Wirtschaftsleistung.

Hinter dem Umverteilungsgedanken steht ja gar nicht Güte als Motiv, denn die würde sich ja auf alle Beteiligten erstrecken müssen. Vielmehr steht eine verquere Auffassung, wie Wirtschaftsleistung und Eigentum überhaupt entsteht. Die Eigentum deshalb als Unrecht ansieht, um es umso leichter beschneiden zu können. Genau darin aber wird die Umverteilung zum oft sogar schweren Unrecht. Soziale Tat - eine Tat der Liebe - kann und darf nicht vom ethischen Akt des Tuenden getrennt werden!

Genausowenig, wie ein Staat Akte der Gerechtigkeit zu sozialen Güteakten umpunzieren darf. Wie das bei der Kinderbeihilfe oder Steuerabsetzbeträgen für Kinder etwa geschieht. Die keineswegs Akte der Güte sind, sondern zu Unrecht eingehobene Steuern* - Familien werden in ihrer Leistung für den Staat (indirekt, durch das Großziehen von Kindern, ein Leistung, die Kinderlose nicht erbringen) direkt durch die allgemeinen Steuern (etwa durch Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer, durch Gebühren etc.) ungerecht belastet - rückführen soll. Eine (von mittlerweile vieler) Ungerechtigkeit, die keineswegs durch die Wirtschaft geschieht, sondern direkt durch den Staat.**
 
Wobei die Globalisierung dieser individuellen Entfaltung keineswegs, also anders als die Studie als Zusammenhang behauptet, fördert. Sie fördert nur eine BESTIMMTE Art der Entwicklung. In der der Fokus genau vom eigentlichen Wirtschaftsgrund, der individuellen Entfaltung, die immer einen streng regionalen Bezug braucht wie hat, auf bloßen Gelderwerb wandert. Der Zusammenfall von Globalisierung und Hebung des Wohlstands ist also nahezu zufällig, ihr Wirkfaktor ist - wenn - lediglich in der wirtschaftlichen Liberalisierung zu sehen, die auch die Globalisierung braucht, aber eine Interpretation bedeutet, die zählbaren Wohlstand mit Gemeinwohl verwechselt. Letzteres hat eine völlig andere Dimension, und ihre Überschneidung mit Wirtschaftsliberalismus ist lediglich eine Frage der besseren Entsprechung, als es sozialistische Modelle bedeuten, die die Axt an die Wurzel des Wirtschaftens überhaupt legen.

Ethisches Handeln kann nicht per Gesetz verordnet (nur Vergehen gegen sachliche Prinzipien geahndet) werden, selbst wenn sie kollektiver Konsens ist, das nimmt ihm den Charakter als menschliche Tat, die nicht ohne Raum und Zeit, ohne Kairos gesehen werden kann. Und darauf kommt es an. Auch in der persönlichen Wirtschaftsleistung. Weit mehr als auf bloße Zahleneffizienz ist Wirtschaften persönliche Wirklichung, die auch durchaus Ablehnung und Mißerfolg heißen kann. Leben ist niemals Erfolgsgarantie, und Erfolg sagt nur sehr bedingt etwas aus über Gelungenheit der Wirklichung.

In den Augen des Verfassers wird die österreichische Schule der Volkswirtschaft meist viel zu einseitig als bloßer schrankenloser Wirtschaftsliberalismus gesehen. Der Verfasser liest viel mehr daraus, und liest das auch als Hintergrund in die Theoriengebilde etwa eines L. v. Mises hinein, viele Indizien sprechen dafür. Der anthropologische Hintergrund, der diesen Theorien zugrunde liegt und sie zu einer Gesamttheorie menschlicher Arbeit und Wirtschaft macht, wird meist völlig ausgeblendet und gar nicht verstanden. Die Ablehnung des Staatsdirigismus, die der Wirtschaftsliberalismus gerne benützt weil sie ihm entgegennkommt, ist aber wesentlich darauf bezogen. 
Das zeigt sich auch darin, daß der Liberalismus sehr gerne an den Punkt kommt, wo er nach Staat ruft, wo sie mathematischer Wirtschaftsentfaltung entgegenkommt, wie bei der Infrastruktur. Entsprechend gehören die staatlichen Eingriffe in die Infrastruktur - etwa in Verkehr, Energie, Kommunikationsmittel, ganz unabhängig noch von den Sozialsystemen, und überhaupt natürlich der sogenannten "Gesellschaftspolitik", bis hinein in die Medienpolitik - zu den massivsten und zerstörerischesten Eingriffen in den Ethos der indidivuellen Entfaltung.

Und er tut dies aus massivem Eigeninteresse der Politik, der ein zu Mechanismen umgebautes Staatsvolk leichter "verwendbar" ist, als wirklich freie Menschen. Aber ein Staat kann und darf sein Volk gar nicht glücklich und auch nicht wohlhabend MACHEN - er muß es glücklich und wohlhabend WERDEN LASSEN. Im Maß, in dem es das will und kann.

Dadurch kommt der rein als Instrument in diesem Mechanismus individueller Interessen - Staat als "Beuteziel" - mißbrauchte Wirtschaftsliberalismus in der Praxis ständig in Konflikt mit der Ethik, daraus folgt der scheinbare Zusammenhang von Forderungen nach Ethik und Beschneidung oder Beschränkung der wirtschaftlichen Freiheit. Aber diese Polarität bestünde gar nicht, würde der Wirtschaftsliberalismus sich selber richtig verstehen.

Das regulative Element des Staates kann nicht darin bestehen, Freiheit denn doch wieder zu beschränken. Es muß darin bestehen, selbst nicht für ihren Mißbrauch anfällig zu sein. Genau das Gegenteil ist heute aber der Fall. Der Staat braucht heute regelrecht diesen Mißbrauch, und verdunstet unter dem grotesken Anspruch, zur Servicestelle für Interessen zu verkommen.



*Es ist leicht einsichtig, daß ein Staat Menschen nicht unter ein Maß besteuern darf, das ihnen das Lebensnotwendigste ermöglicht. Das ist ein elementares Individualrecht, das jedem Menschen einzeln zusteht, deshalb auch nicht etwa über "Familieneinkommen" gerechnet werden darf. 

**Eine sozialistische Politikerin Österreichs hat sich unlängst sogar zu der ungeheuren Behauptung verstiegen, daß diese pure Gerechtigkeitsforderung, die ja noch immer nicht erfüllt ist, eine abzulehnende Anreizprämie für Kinder wäre. Und - niemand hat opponiert! Das Mindeste wäre ein Ordnungsruf des Präsidenten gewesen.




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Freitag, 28. Juni 2013

Segen Globalisierung? (1)

Je mehr wirtschaftliche Freiheit eine Volkswirtschaft genießt, desto weniger Armut gibt es. Auf diesen simplen Nenner läßt sich eine Langzeitstudie bringen, die zahlreiche weitere Studien auswertet und in der 9. internationalen Gottfried-von-Haberler-Konferenz in Vaduz, veranstaltet vom European Center for Austrian Economics, in diesen Wochen diskutiert wurde. 

Das Beispiel Peru zeigt, daß kein soziales Umverteilungsprogramm dazu in der Lage ist. Dafür ruiniert staatlicher Dirigismus - wie in Peru - die Volkswirtschaft. Nichts hat die weltweite Armut so bekämpft, wie die Globalisierung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Selbst für Afrika zeigt sich das. Insgesamt haben sich die weltweiten Bruttosozialprodukte deshalb mehr angeglichen, sodaß auch die Wohlstandsunterschiede zurückgegangen sind. Die Welt ist in diesen Jahrzehnten der Globalisierung nicht ungleicher, dafür aber weniger arm geworden.

In Peru haben sich seit 1989, als das Land nach sozialistischen Reformen wirtschaftlich am Ende war, ein Viertel der Menschen selbst aus der Armut befreit. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hat sich vervierfacht.

Ein Faktor ist dabei wichtig: dezentrale Politik und Jurisdiktion. Der Wettbewerb von Regionen gibt dieser Entwicklung erst die nötige Luft. Dazu müssen Kompetenzen lokalisiert, Märkte geöffnet werden.

Hilfreich für ein marktwirtschaftlichen Reformen förderliches Klima ist in der Regel Wettbewerb auch auf politischer Ebene – zwischen Parteien und möglichst dezentral organisierten politischen Jurisdiktionen. Laut Barun S. Mitra erklärt das lange währende faktische Einparteienregime auf nationaler Ebene viel marktfeindlichen Populismus, der in Indien die Entwicklung gehemmt hat. Mitra zeigte aber, dass politischer Wettbewerb auf Gemeindeebene zu mehr Reformen und Freiheit führte. Von einer Stärkung der lokalen Kompetenzen im Zusammenhang mit der Administration von Landrechten erhofft er sich deshalb einen neuen Entwicklungsschub für Indien.

Es führt zu nichts, Leistungseliten im Namen von Umverteilung zu enteignen. Eigentumserwerb muß geschützt sein, erst dann wird Eigentum produktiv. 

[...] Die beste Sozial- und Entwicklungspolitik aber ist es, Ärmeren Chancen zu bieten, reicher zu werden. Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt und marktwirtschaftlicher Wettbewerb dürften dafür die zentralen Erfolgsfaktoren sein.


Teil 2 morgen) Bloßer Wirtschaftsliberalismus versteht Freiheit nicht




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Montag, 18. März 2013

Grenzen der Optimierbarkeit

Bereits jetzt steht fest, daß "S21 - Stuttgart 21", der totale Um- und Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, nicht nur 1,1 Milliarden Euro zusätzlich verschlingen wird, sondern auch nie rentabel sein wird. Die erhofften Effekte werden den gigantischen Neubau, der einen Zentral- und Angelpunkt der Hauptstadt von Baden-Württemberg völlig neu gestalten wird, aus Kostensicht nie rechtfertigen. Das schreibt die Welt unter Berufung auf den Vorstand der Deutschen Bahn. Ein Ausstieg aber ist nicht mehr sinnvoll, er würde bereits 2 Milliarden kosten.

Nun fällt allgemein auf, daß Investitionen in die Infrastruktur - in allen Bereichen - immer gewaltigere Ausmaße angenommen haben, und zukünftig noch mehr annehmen. Immer häufiger sind Großprojekte Megaprojekte, die finanziell Ausmaße annehmen, die vor 20 Jahren undenkbar gewesen wären. Gleichzeitig sind die betriebswirtschaftlichen Effekte immer zweifelhafter.

Das erinnert an ein Gesetz aus der Betriebsorganisation und Qualitätskontrolle. Das da besagt, daß die Optimierung eines Systems nur bis zu einer gewissen Grenze (in der Qualitätskontrolle: Fehlerquote 1-2 %) überhaupt sinnvoll ist. Der Aufwand, ein System über diese Quote hinaus zu perfektionieren steigt proportional mit dem Effekt, und erreicht schließlich ein Maß, das die Funktionabilität des gesamten Systems gefährdet, ja dessen Bestand immer fragiler und anfälliger selbst für partielle, kleine Störungen macht. Mehr noch: Der Aufwand für die Optimierung selbst beginnt essentieller Teil des Wirtschaftens zu werden. Das System beginnt sich also selbst zu reproduzieren, um den Anforderungen, die aus sich selbst entstehen, noch zu genügen, es wird Selbstzweck.

Das zeigt sich auch in der Einschätzbarkeit der Kosten, die bei solche Projekten regelmäßig versagen. Hier mit Korrumpierbarkeit Einzelner zu argumentieren verschiebt die Argumentation nur nach hinten, ändert sie aber nicht. Es bleibt die Tatsache, daß Projekte je umfangreicher sie werden sich im Gesamtverhalten zunehmend dem nur noch durch Wahrscheinlichkeitsrechnung beschreibbaren Verhalten kritischer Systeme (siehe: Kybernetik) angleichen. Deren Gesamtverhalten irgendwann nicht mehr vorhersehbar ist, weil ab einer gewissen Komplexität kleine und kleinste Ursachen größte Auswirkungen aufs Ganze haben. Je größer solche Systeme (Projekte) werden, desto umfangreicher werden die Wirkfaktoren, und desto unvorhersagbarer wird ihr Gesamtverhalten, OBWOHL jeder Prozeß im Einzelnen scheinbar eindeutig nachvollziehbar und beherrschbar ist.

Zumindest ... nachträglich betrachtet. Und genau hier hebt das Problem an. Denn dadurch entsteht immer noch beim Technizisten heutigen Zuschnitts die Illusion, die Gesamtprozesse müssen steuerbar sein, wenn die Einzelprozesse es sind. Genau das aber ist eine wirklichkeitsfremde Illusion.

Betrachtet man also die Infrastrukturprojekte, aber überhaupt "Projekte" der Gegenwart (selbst das Projekt "Klimaschutz" fällt unter diese Kategorie) und unmittelbaren Zukunft, von der Energiewende (Leitungsnetze, Kraftwerksbauten, etc.) oder Megaflughäfen (Berlin) angefangen, über den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken, oder die Megatunnelprojekte in Österreich, so fällt aber diese sogar zunehmende Tendenz zu Megaprojekten ins Auge. So wie ins Auge fällt, daß sich diese riesigen Investitionen nicht nur volks- und betriebswirtschaftlich regelmäßig nicht rechnen, sondern daß diese Optimierungsversuche, die das alles ja sind, die zunehmend auf größere Ganze abzielen, letztendlich ein System - UNSER System, in dem wir leben - anzeigen könnten, das seine Grenze der technischen Optimierbarkeit bereits erreicht hat.

Sodaß sich auch hier die reale Dimension einer abstrakt ohnehin gegebenen Gewißheit offenbart: Die Politik, der Staat verliert allmählich jene Werkzeuge, mit denen schon seit über 100 Jahren, mit zunehmendem Tempo, Einfluß auf ein Volkswirtschaft genommen wird. Wo das große Ganze das Einzelne beherrscht und sich selbst aus der Hand nimmt.

Ähnlich wie in Japan, steuern wir in riesen Schritten auf ein "nichts geht mehr" zu - weil nichts mehr greift. Weil die Wirkhebel (öffentliche Investitionen, in diesem Fall) in sich gesehen mehr Wirtschaftskraft (der Menschen, sie sind es ja immer, die alles erwirtschaften müssen, durch konkrete Arbeit und Produktion) KOSTEN als generieren. Während (auch das ist gewiß und logisch nachvollziehbar, aber auch präzise vorhersagbar) nur Einzelne davon zumindest kurzfristig profitieren. Wie z. B. Unternehmen, die staatsnah agieren. Zu denen übrigens auch kleine einzelne Windrad- oder Solaranlagenbetreiber gehören.* L. v. Mises zeigt das überzeugend.

Am Ende jeder Wirtschaftsmathematik, jeder Effizienzrechnung, ja jeder Mathematik, taucht also wenig überraschend ein notwendiger Faktor auf, der mehr als Schlußstein ist. Der sich nämlich als jener Faktor erweist, der immer alles zusammenhält, nur wird er gerne vergessen: der Mensch. Jede gesamtgesellschaftliche Effizienzrechnung lebt nur von ihm und seiner Substanz. Aus sich heraus kann ein System nie tragfähig werden.

Wenn aber nun der Politik ihre bisherigen Mittel ausgehen, das kann man sich zum Schluß fragen, bleibt abzuwarten, auf welche Mittel sie sich hinkünftig stützen und stürzen wird. Denn der Zentralismus hat eine Crux, die mit oben ausgeführten Modellen hinlänglich beschreibbar sind: Auch er erhöht im Maß seines Wachstums den Aufwand, um bestehen zu können, bis er sich regelrecht selbst auffrißt. Und er begibt sich nach und nach, paradoxerweise im Maß seines Auswucherns, der Mittel, um überhaupt noch wirken zu können. Jeder Effekt also, den er noch erzielen möchte, wird salopp formuliert immer teurer.

Auf eine Weise könnte man also in Ruhe abwarten, bis sich das System selbst und endgültig schachmatt setzt. Nur leider passiert dies nicht ohne laufend enormen Schaden anzurichten. Wir werden in wenigen Jahrzehnten nicht mehr dieselben Voraussetzungen haben, wie heute.






*Volkswirtschaften mit hohem direktem Staatsfaktor kennzeichnen sich zum einen durch Zentralismus, zum anderen durch zunehmende Tendenz der unteren Ebenen, sich an diese Zentrale anzuhängen. In diesem Fall: Durch Subventionen, etc.





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Freitag, 23. November 2012

Schweizer Geldverwaltung

Die Verwaltung von Geldern ausländischer Anleger als Spezialgebiet der Schweiz ist aus den historischen Ereignissen des 20. Jhd. heraus entstanden, war aber nie als Steuerflucht gedacht, und wird zwar einerseits von einem strengen Bankgeheimnis geschützt, anderseits von extrem peniblen Prüfungen auf den nicht-kriminellen Hintergrund der Gelder geprüft. Das behaupten zumindest Schweizer Bankfachleute in einem Gespräch auf "Philosophie heute" im Schweizer Fernsehen, und sie tun es glaubwürdig.

Schon seit der Renaissance waren Schweizer Banken (Basel, Bern, Genf) in hohem Maß international tätig. Um aber auch den Geldumlauf der "kleinen Wirtschaft", der Bauern, Handwerker, Haushalte zu gewährleisten, hat sich im 19. Jhd. ein reich diversifiziertes Kleinbanken- und Sparkassenwesen entwickelt. Indem diese ihre Kredite in Form von Geldscheinen herausgaben.*

Das Bankgeheimnis - als Offizialdelikt - erfüllte den Wunsch aller Anleger, ihre Privatsphäre zu schützen, weil sich nirgendwo das private leben so widerspiegelt wie in den Bankgeschäften. Ausgangspunkt waren u. a. Spionagefälle, in denen Personen von öffentlichem Interesse bloßgestellt wurden. Die strenge Aufsicht der Schweizer Behörden selbst brachte damals im internationalen Vergleich einen Wettbewerbsnachteil.

Das Schweizer Bankensystem war aber historisch so stabil, die Banken so hoch kapitalisiert und in Fonds untereinander abgesichert, daß es selbst Teilzusammenbrüche wie 1933 mit beträchtlichem Kapitalverlust aus sich selbst heraus tragen konnte. Wie überall, hat sich im späten 19. Jhd. eine immer stärkere Involvierung des Staates herausgebildet, die - auch wie überall - das Problem der Staatsschulden wachsen ließ, und zu einem Problem der Enteignung der Bevölkerung machte. 

Denn die auch heute bestehende Diskrepanz zwischen der Freiheit der Banken einerseits, weltweit Geschäfte tätigen zu können, kollidierte mit dem Interesse des Staates, das Bankenwesen im Inland stabil zu halten - was darauf hinausläuft, daß am Weltmarkt eingefahrene Verluste von heimischen Steuergeldern gedeckt werden müssen, während Gewinne in den Händen der Banken bleiben. Eine Systemnotwendigkeit, die ausuferte, und mittlerweile Gesellschaftsprinzip in Österreich oder Deutschland wurde.

In der Schweiz werden derzeit rund 2,5 Billionen Franken ausländischer Gelder verwaltet. Davon stammen 800 Milliarden von privaten, 1,7 Billionen von institutionellen (Banken, staatlichen oder staatlichen Obliegenheiten wie Renten dienenden) Anlegern.

Zum Vergleich: In Deutschland bestehen derzeit rund 5 Billionen Euro an Kapitalvermögen. Davon fallen rund 43 % auf Privatgelder (also etwa der Betrag, der auf Schweizer Banken liegt), 47 % auf Immobilien, und 10 % auf Vermögenswerte wie Schmuck. Diese Privatgelder wiederum verteilen sich zu rund 5 % auf Privatgeld, 35 % auf Bankeinlagen, und der Rest sind zu gleichen Teilen Versicherungen und Wertpapiere (u. a. Staatsanleihen). Wer sich auch für die Entwicklung dieser Anteilsverhältnisse interessiert (in der sich auch die Geldaufbringung des Staates ausdrückt), findet eine Graphik auf der aufschlußreichen Seite der deutschen Bundeszentrale für Politische Bildung.





*Soviel auch als Beitrag zur Beleuchtung der Frage, wie Geld unter die Leute kommt - es ist immer ein Anspruchsschein auf einen letztlich realen Wert, als etwas, das vom Geldnehmer als Wert angesehen wird. Probleme entstehen, wenn die Herausgeber von Geld mehr Scheine in Umlauf bringen, als an realen Werten vorhanden ist. Indem sie auf die Rückzahlung hoffen, spekulieren. Jeder Rückzahlungsausfall, aber auch jeder Wertverlust realer Vermögen (vor allem an Immobilien, die Hauptsicherstellung bei Krediten) reduziert also den inneren Wert des gesamten umlaufenden Geldes. 

Der Ursprung umlaufenden Geldes ist also nicht einfach "staatlicher Natur", sondern geht auch, oft aber gar mehrheitlich, in staatslosen Gesellschaften (wie die Roma) ausschließlich auf private Versprechen zurück, die man in der Form von Geld herausgab, und damit diese Versprechen erneut handelbar, weitergebbar machte. Aus der immer weitergehenden Vereinfachung dieser Umläufe entwickelten sich aus oft regional sehr begrenztem Geld mit der Zeit Währungssysteme. Deren Glaubwürdigkeit auch von staatlichen Garantien abhing. Der "Kopf" der Münzen (bzw. auch in Scheinen im Prinzip gegeben) führt sich auf Symbole zurück, die sich auf Landbesitz bezogen, diesen Mit-Landbesitz (als Anspruch) quasi, aber auch das Vertrauen in die Vermögenswerte Tätigkeit (z. B. eines Fürsten oder Kaisers) anzeigten, sofern diese Geld herausgaben. Und das geschah praktisch immer, mit allen Folgen - wie der Geldschöpfung durch Minderung des inneren Wertes (durch "Münzverschlechterung", die exzessive, immer mehr nur noch teilgedeckte Herausgabe von Münzen oder Scheinen als Ansprüche auf dieses Vermögen) durch willkürliche Erhöhung der Geldmenge

L. v. Mises zeigt in seiner Geschichte des Geldes sehr deutlich, daß deshalb die Profiteure solcher Geldmengenerhöhungen immer erst staatsnahe Personen, Lieferanten und Institutionen waren. Die in den "weiteren Kreisen" noch den vormaligen Realwert damit lukrieren konnten, bis sich die Erhöhung des Geldumlaufs - erst durch scheinbare Geldvermehrung sichtbar, d. h. die machtferneren Kreise verfügen über immer mehr Geld, halten es im übrigen für "Wohlstandssteigerung" - durch Entwertung des umlaufenden Geldes einstellte, das Geld einfach auf seinen Realwert zurückfiel, was es zwangsläufig immer tut. Die Zeche staatlicher Schulden zahlen also immer ... DIE KLEINEN, die dem Staatsapparat Fernen. Das ist unausweichlich. 

Weil Geld immer und "automatisch" nach jener Stabilität drängt, in der Realwerte und Geldumlauf Gleichgewicht haben. Was natürlich auch immer relativ bleibt, weil es keine "absoluten Werte" gibt - Nachfrage und Bedarf sind immer situationsgebunden und relativ. Auch "Werte" unterliegen also gewissen Relativitäten (einer der Fundamentalfehler von Marx, übrigens). Nie kann ein irdischer Wert absolut bewahrt bleiben, nicht einmal durch Gold. (Dessen Realwert GENAU in Krisenzeiten, gegen die es absichern soll, am meisten fällt; jeder Kenner der Nachkriegszeiten weiß davon ein Lied zu singen: als Goldbarren gerade mal eine Speckseite und ein paar Eier wert waren, wenn man sie überhaupt bekam)

Ludwig von Mises führt eine Zeitdauer von 2-3 Jahren an, bis eine staatliche Geldentwertung (durch nicht in real vorhandenem Vermögen abgedeckte Kredite) jeweils als Inflation in den äußeren Kreisen der kleinen, staatsfernen Leute angekommen ist. Staatliche Ausgaben, die auf Kredite zurückgehen, produzieren also unausweichlich jene Vermögensunterschiede, wie wir sie heute kennen: es ist der Staat heutiger Prägung, der jene bevorzugt, und diese benachteiligt. Sozialpolitik auf Schulden ist also auch groteske Täuschung der Hilfeempfänger. Hilfe ist also auch von dieser Seite her nur durch Verzicht auf der Geberseite sinnvoll, ja überhaupt erst Hilfe. 



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Donnerstag, 14. Juli 2011

Vom Wert des Geldes

Geld, schreibt Ludig von Mises in seiner "Theory of money", ist keineswegs - wie oft angenommen - einfach aus einer Vereinbarung entstanden. Vielmehr ist Geld und sein Wert nicht ohne direkte und ungebrochene Verbindung zum direkten Tauschverkehr denkbar. Von dort her - wo einmal Ware war, die zunehmend Gold als Ware war, das dann in bestimte Einheiten geformt wurde, deren Wert dann garantiet wurde, bis er durch Anspruchsscheine ersetzt wurde, bis diese durch reine Wertverhältnis- und -anspruchsscheine, die heutigen Geldscheine (das Fiat-Geld, "ich glaube ..."), ersetzt wurden - hat sich das je subjektive Gefühl für den Wert des Geldes heraufentwickelt.

Kein Fiat-Geld würde je entstanden sein, wenn es diese direkte und traditionelle Verbindung zum Warenwert nicht hätte. Und kein Geld kann eingeführt werden, das nicht zuvor bereits einen realen und sinnlich erfaßbaren Tauschwert hatte. Insofern läßt sich in jedem Geld (der Welt) eine historische Spur des Wertverhaltens zurückverfolgen, die bis in graue Vorzeit reicht, ehe sie sich verliert. Preisveränderungen, die letztlich immer subjektive Wertschätzungen ausdrücken, sind rückverfolgbar, und zeigen sehr real kulturelle Verschiebungen und Verwerfungen. Umgekehrt sind mache Preise (v. a. für Produkte deren Funktion und Bedeutung sowie deren Produktionsbedingungen sich nie entscheidend geändert haben, wie bei Bekleidung) über Jahrhunderte rückverfolgbar - und haben kaum Änderungen aufzuweisen!

Das hat natürlich Konsequenzen für die Einführung neuen Geldes, und man hat es beim Euro im Jahre 2003 deutlich gemerkt. Erst allmählich hat sich die Bevölkerung aus den alten Wertgefügen ans das neue Geld herangetastet, und dabei stets die alten Wertbezüge transformiert. Bis auch der Euro wieder Wertbezug hatte. Für ältere Leute ist das natürlich weit mehr Problem, als für junge. Und es war mehr Problem für Länder, deren Währungseinheiten in grobem Mißverhältnis zu den neuen Grundeinheiten war.

Durchaus ist da Österreich zu nennen, dessen Schilling nur der 13,7609te Teil der neuen Grundeinheit Euro wert war. Das Grund-Wert-Gefühl bildet sich aber zur Grundeinheit einer Währung! Und das ging mit dem Euro völlig verloren, fiel aus allem gefühlten Rahmen: Schlagartig hat sich auch das Wertgefüge auf die alte 10-Schillingmünze konzentriert, d. h. fast über Nacht sind die alten 10-Schilling-Werte auf den Euro (die von der Münze her am ähnlichsten waren) transferiert worden, und haben das Wertgefühl der Menschen dramatisch getäuscht - denn sie hatten mit einer Preiserhöhung für Kleingüter von 30 Prozent also zu tun. Teilweise wurden vom sinnlichen Wertgefühl für die Münze her sogar sogar 10 Schilling = 2 Euro, also das 2,7fache!, akzeptiert!

Man könnte also zu dem Schluß kommen, daß die exorbitante Ausweitung der Schulden der Staaten der Eurozone seit 2003 - und eine solche gab es! die Schulden stiegen seither progressiv! - sehr maßgeblich vom Verlust des Wertgefühls für Geld motiviert sind. Es fehlte einfach das Gefühl für den Wert der ständig weiter und gesteigert angehäuften Schulden. Denn was die Mathematik schafft - das menschliche Wertgefühl in seiner Herabkunft aus der Vergangenheit akkomodiert sich nur über Jahrzehnte, wenn überhaupt, einer willkürlich gewählten Werteinheit gegenüber.

Mittlerweile hat jeder Staatsbürger Österreichs (trotz stark gestiegener Bevölkerung!) eine vom Staat angehäufte Schuldenlast von fast 400.000 Schilling, jeder Erwerbstätige (auch diese Zahl ist stark gestiegen) 700.000 Schilling zu tragen! Nicht berücksichtigt sind dabei die Schuldenlasten der Länder und der Gemeinden - die zusammen noch einmal rund 2/3 so viel ausmachen! Aus menschlichem Kalkül gibt es dabei eine klare Antwort: das kann kein Mensch "erarbeiten", wie man das nannte. Man kann mit normaler Arbeit und normalen Zinsen und Einkommen solche Schulden nicht mehr abbezahlen.

Die normalen Staatsschulden - hier der aktuelle Wert - betragen die phantastische Zahl von rund 3 Billionen Schilling. Das sind rund 73 % des Gesamteinkommens (BIP) Österreich, 4 % des BIP sind bereits Zinsen. Wobei das BIP für diese Bezüge ein ungeeigneter und schönfärberischer Wert ist. Weil nur der wirklich wertschaffende produzierende Sektor herangezogen werden dürfte - keine Verwaltung, kein Beamter, keine Lehrergehälter etc., ja nicht einmal Bankengewinne.



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Samstag, 25. Juni 2011

Grundgesetz der Volkswirtschaft

Was Mises an einer Stelle schreibt, läßt sich zum allgemeinen Gesetz einer Volkswirtschaft abstrahieren:

Es ist mit Gewißheit auszuschließen, daß die Vermehrung von Geld zur Steigerung des allgemeine Wohlstands beitragen kann, genauso wie mit Sicherheit gesagt werden kann, daß die Verminderung der Geldmenge den allgemeinen Wohlstand senkt. Der Wohlstand eines Landes ist von seiner umlaufenden Geldmenge unabhängig.

Volkswirtschaften haben höchst komplexe und vielschichtige Systeme und Methoden der Wert- und Güterabwägung. Geldmengenveränderungen, Eingriffe in diese Wertsuche (über staatliche Regelungen, z. B. bei Mindestlöhnen oder Höchstpreisen) haben darauf bestenfalls über gewisse Frist verzerrende, immer aber irritierende Wirkung.

Geld an sich aber ist kein von der Wirtschaft geschaffener Wert. Es ist ein reines Tauschmedium. Wertschaffende Faktoren einer Volkswirtschaft sind Produktionsmitteln einerseits, und Konsumgüternachfrage anderseits. 

Geld zu sparen, weil es "überschüssig" (also: aus vermehrtem Geld in obigem Sinn entstammend) ist, ist deshalb (volkswirtschaftlich, was nicht unbedingt heißt, in jedem Einzelfall und in jeder Situation) sinnlos! Geld zu horten (=sparen) hat nur Sinn, wenn es von Konsumverzicht begleitet ist. Nur dann steht ein Potential einem anderen Potential gegenüber. Nur aus Konsumverzicht (bzw. vorgezogenem Konsum beim Kreditnehmer) auch rechtfertigen  bzw. begründen sich Zinsen.

Das hat Bedeutung, wenn man das Wesen der Sozialstaaten betrachtet, und wird schlagend in dem Moment, wo solche Regierungen Geld aus Erhöhung der Geldmenge in Umlauf setzen, das dann im Nebeneffekt auch die Sparquote erhöht. (Wie es in Österreich seit den 1970er Jahren der Fall ist.)

Solches zusätzliches Geld ist also keine "Konsumreserve", kein "Privatkapital das dem Konsum dienen könnte".

Es ist aber auch NICHT Kapital (für Produktionsanlagen etc., wie Böhm-Bawerk herausgearbeitet hat)! Kapital (Geld) ist "akkumulierte Tauschware", und d.h. es unterliegt dem bereits angedeuteten Wertbezug. Hierauf läßt sich auch die uralte Ansicht anwenden, daß Geld selbst unfruchtbar ist, "sich selbst nicht vermehren kann." Geld, das deshalb nicht zirkuliert, dem Konsumverzicht auf der einen Seite vorgezogenen Konsum auf der anderen gegenüberstehen hat, also Geld, das nicht im Konsum (wertmäßig) aufgeht, ist deshalb auch kein Kapital!

Das wird am deutlichsten, wenn man sich eine Hyperinflation (durch Geldentwertung = -vermehrung, -wertminderung) vorstellt: die Geldbündel, die Oma unter der Matratze hortete, sind dann wertlos. Weil die Menge an Gütern sowie die Nachfrage danach entscheidend ist - die Geldmenge ist lediglich das adäquate Medium des Tauschens.


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