Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 8. November 2022
Die Identität der Hörigkeit
Samstag, 14. Mai 2022
Es ist eine Erfindung der Neuzeit (2)
Donnerstag, 5. Mai 2022
Von der Gewalt der Schönheit
Sonntag, 1. Mai 2022
Nur der Himmlische sieht den Himmel von innen (2)
Samstag, 30. April 2022
Nur der Himmlische sieht den Himmel von innen (1)
Freitag, 8. April 2022
Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (3)
Mittwoch, 6. April 2022
Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (2)
Samstag, 3. Juli 2021
Veganismus als Schuld an der Erde (4)
Jetzt hat aber Schuld etwas Heimtückisches. Weil sie ein Widerspruch zum ontischen Gefüge dessen ist, was einerseits der Welt zugrunde liegt (also über die Idee durch die wollende Liebe Gottes "zum Weltwerden schiebt"), und anderseits den, der gegen diese Ordnung verstößt (weil allem Weltsein eine ideenhafte Ordnung zugrunde liegt, die jener Ort ist, an dem alleine sie bestehen kann), eine reale Spannung in sich verspürt. Die Abführung verlangt. Sei es, daß man sie in Alkohol und Drogen versenkt, sei es, daß man sie in Ersatzhandlungen abführt, WENN die Handlung, die diese Spannung auf natürliche Weise abführen würde, so tabuisiert und abgelehnt wird, daß sie nicht in Frage kommt.
Freitag, 2. Juli 2021
Veganismus als Schuld an der Erde (3)
Damit haben wir genug Material gesammelt, um die Aussage begreiflich zu machen, ja sie sogar zu unterstützen. Daß im Veganismus/Vegetarianismus** das Matriarchale als jener Lebensuntergrund wieder aufersteht, der ohne schöpferischen Eingriff auszukommen meint. Und dem Erlebnis des gottähnlichen Menschseins im Willen, der aus dem Vorhandenen "Neues" macht, der die Vorgänge der Natur düpiert und "ausnützt", eine Absage erteilt. Sodaß auch uns immer deutlicher wird, warum die bewußte Wahl von Pflanzen als Lebensmittel einen ganzen Kosmos an Weltanschauungen und Lebenshaltungen enthält.
Donnerstag, 1. Juli 2021
Veganismus als Schuld an der Erde (2)
Mutter, wo hast Du das Tabu hingelegt? - Unter diesem Gesichtspunkt wäre auch die biblische Erzählung der Schuld Kains durch die Tötung seines Bruders Abel neu zu durchdenken. Denn natürlich hatte dann Abel, der eine reiche Ernte eingefahren hat, durch seine Schuld nicht nur eine stringentere Notwendigkeit zum Sühn- und Dankesopfer als Kain erworben, der in einem neutralen Verhältnis zu Gott geblieben war. Sodaß sich auch der "Neid" Kains in die Kategorie jenes Neides eingliedert, den Jesus selbst in der Geschichte vom verlorenen und wiedergefundenen Sohn darstellt.
Als nämlich der Sohn, der all sein Erbe durchgebracht hat, der durch Ungehorsam der Welt Gewalt angetan hat, und in Dreck und jener Verlorenheit geendet ist, in der jede menschliche Eigenmächtigkeit endet, weil sie sich außerhalb der Ordnung der Natur (!) stellt - was ja die eigentliche Beschreibung des Wortes "Sünde" ist, als also dieser Nichtsnutz und Verräter angesichts seines Elends bereut (und wer würde da nicht seine Tat bereuen?) zurückkehrt, wozu es allein schon eine Menge "Chuzpe", also Frechheit braucht, sondern wo der Vater ihn sogar mit einem Fest bewillkommnet, das die besten Früchte der harten Arbeit des verbliebenen treuen, rechtgläubigen weil gehorsam gebliebenen Sohnes im Opfer verbrennt.
Mittwoch, 30. Juni 2021
Veganismus als Schuld an der Erde (1)
Oh, singe den Zorn, oh Göttin des Peleïden Achilleus (oder auch des Hans Zurngreiter, den Buben vom Bert), darüber, wie man sich täuschen kann. Oh, wie oft leben wir in Verhältnissen, deren wahrer Hintergrund oft im selben Verhältnis anders und sogar kontradiktisch ist, als seine Deckmäntel in Wortgebilden errichtet eine stille Gegebenheit und Selbstverständlichkeit nützen, also ins Leere stoßen. Wo dann ein wortreiches Gebilde darüber gesponnen wird, das nichts weniger als eine Lüge, als der berühmte Mündungsrauch, der verhindern soll zu sehen, woher das Geschoß wirklich kommt. Genau das läßt sich über den Vegetarismus, noch deutlicher aber über das Veganertum aussagen.
Dessen Ideologie (und kein Veganer bestreitet, daß seine Einstellung eine solche ist) nicht nur dadurch ihre matriarchalisch, matrizentrische Gründung verrät, daß sie wie ein Heißluftballon über der Erde schwebt und kein Loch in seiner Außendecke erlaubt, weil er sonst aus dem Gleichgewicht gerät, den existenznotwendigen Auftrieb verliert und abstürzt, nein - er verrät diese Herkunft durch seine Wiederspiegelung in der Mythologie.
Donnerstag, 29. April 2021
Neid und Gleichheit - eine Erfolgsgeschichte
Neid ist nicht die Folge sozialer Ungleichheit, sondern die Folge des Glaubens und Anspruches, daß der andere mir in allem gleich zu sein hat und deshalb eine andere (in gewissem Sinn immer bevorzugte) Behandlung verdient.
Seine Andersartigkeit offenbart immer einen Mangel an mir. Welchen Platz immer der andere einnimmt, entspricht in der beanspruchten Gleichheit auch dem meinen. Während ich selbst das Sein vermeide, um mir den Neid des anderen nicht zuzuziehen. Helmut Schoeck meint, daß darin das uralte Problem verborgen ist, sich nicht den "Neid der Götter" als Quelle des eigenen weil dann von den Göttern verursachtes Problem zuziehen zu wollen.
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Kultur IST die Institutionalisierung der Ungleichheit, in deren Anerkenntnis das Soziale selbst liegt. Weil sich darin der Gerechtigkeitsgrundsatz "Jedem das Seine" verwirklicht. Das macht die Wirkung des Neides (als eigener Mangel an der Gleichheit des anderen) noch zerstörerischer. Werden also die Institutionalisierungen abgeschafft, weil alle gleich sein sollen, dann erhält niemand mehr eine Befriedigung aus seinem Sosein. Denn niemand hat noch das - siehe oben - was man Respekt nennt. In dem er erfährt, daß es jemanden gibt, der von ihm abhängt, der ihm unter- weil zugeordnet ist und ihn braucht.
Sonntag, 5. April 2020
Das Problem zu hoher Ausbildung von Staatsbürgern
Das Problem zu hoher Ausbildung von Staatsbürgern
von William M. Briggs, erstveröffentlicht am 14. Februar 2020
Der Zweck dieser Studie ist zu ermitteln, ob es tatsächlich so etwas wie eine Überproduktion von gut ausgebildeten Bürgern in England, Deutschland und Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gekommen ist. Die Annahme, daß es diese Überproduktion gab, ist auf den ersten Blick sehr stimmig und wurde auch weithin angenommen. Aber es hat nur wenige Anstrengungen gegeben, diese Behauptung auch durch Fakten zu untermauern.
Ausgebildete Bürger werden hier so verstanden, daß sie folgende Kriterien erfüllen. (a) Zugehörige zu allen Ausbildungsberufen, gleichgültig ob sie an einer Universität ausgebildet wurden oder nicht; (b) alle übrigen Personen, die eine Universität besucht haben; (c) alle Personen, die eine höhere (älter als 14 Jahre) Schulausbildung im Rahmen der herkömmlichen, klassischen Schulwege genossen haben.
Das Wort "Überproduktion" verlangt Erklärungen. Es ist vorerst nämlich ohne Sinn, wenn man sagt, daß es bezogen auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zu viele ausgebildete Menschen gibt. Es könnte ja auch anders sein: Die Masse der Bevölkerung könnte ja auch - als Beispiel - weit mehr Ärzte und Lehrer gefordert haben, als von den Bildungssystemen geliefert worden sind. Das einzige, was sicher gesagt werden kann, ist, daß es zu viele Männer gab, die für eine begrenzte Zahl von Stellen, die hohes Prestige und Bedeutung haben, ausgebildet wurden. So daß einige dieser Männer sich entweder mit Unterbeschäftigung abfinden mußten, oder die mit Positionen zufrieden sein mußten, die man als weit unter ihren Fähigkeiten stehend ansehen muß. Es gibt bekanntlich eine Kluft zwischen der individuellen Einschätzung des eigenen Wertes und des damit verbundenen Verdienstes, und dem Stellenwert, den eine Gesellschaft diesen Personen zumißt.Das war auch die These von Eric Hoffer's The Ordeal of Change - Die Angst vor dem Neuen,** die man mit der Eifersucht und der Rache der Schriftgelehrten zusammenfassen könnte. Es ist ein wenig wie die Reporteritis: Reporter berichten über wichtige Ereignisse und kommen dabei leicht in die Lage, sich selbst als bedeutend zu sehen, die für die wichtigen Ereignisse selbst wichtig sind. Nur verrückte Kulturen gestatten freilich, daß das passiert.
Es ging im Endeffekt darum, Bildung als Autobahn zu Wohlstand und Macht zu sehen. Das Ausbildungsdiplom sollte das liefern, was früher die Zugehörigkeit zum Adel garantierte. Gleichzeitig blieb höhere Bildung und Ausbildung mit den klassischen und literarischen Disziplinen verbunden, die man als die angemessene Vorbereitung für die klassischen Berufe ansah. Diese Bildungsberufe haben ihr traditionelles Prestige mehr oder weniger bewahrt. Im Gegenzug wurden dadurch kaufmännische Berufe und die ganze Reihe neuer Berufe abgelehnt und wenig geschätzt, so daß der Druck in Richtung Recht, Medizin, klerikaler und militärischer sowie verwaltungstechnischer Berufe gleichblieb oder sogar anstieg ...
Diese Situation hat Deutsche in höheren Positionen beunruhigt. Schon im Jahre 1809 hatte Wilhelm von Humboldt den König davor gewarnt, zu viele Männer auszubilden, um dann feststellen zu müssen, daß der Staat unter dem moralischen Druck steht, diese auch in seine Dienste nehmen zu müssen ...
Viele Kritiker des bestehenden Gymnasial-Curriculums meinen, daß dessen Ausrichtung auf ein Studium der Klassischen Studien deshalb wenig klug ist, weil es Graduierte produziert, die jeder praktischen Tätigkeit eine Absage erteilen. Das behindert zum einen die Entwicklung der Wirtschaft des Landes, und steigert zum anderen die Zahl derer, die sich um Positionen beim Staat bewerben.
Deshalb hat der liberale Reformer des Bildungswesens, Ignaz Heinrich von Wessenberg, schon 1835 geschrieben: "Die Konzentration auf klassische Studien gehört ohne jeden Zweifel zu den schwersten schädlichen Faktoren, die sozialen Zustände betreffend. Denn auf der einen Hand zieht es viele Mitglieder von den produktiven Klassen ab, füllt auf der anderen die Gesellschaft mit Leuten an, die Ansprüche auf Positionen im öffentlichen Dienst erheben, die nicht ohne Nachteile für die gesamte Gesellschaft erfüllbar sind. Denn einer großen Zahl dieser Aspiranten fehlt es an der wahren Eignung für das Beamtentum."
Hoffer schreibt, daß nachdem die Pest eine beträchtliche Zahl der Bevölkerung hinweggerafft hatte, einschließlich der Hälfte der europäischen Priester, "eine große Gruppe von nicht-klerikalen Lehrern, Studenten, Gelehrten und Schriftstellern entstand, die nicht mehr Mitglieder einer klar als solche gekennzeichneten privilegierten Klasse waren, und deren soziale Nützlichkeit keineswegs selbstevident war."
Nach wie vor blieb die Macht in den Händen der "handlungsfähigen Männer", und der "Intellektuelle wurde wie ein armer Verwandter behandelt, der die Krumen aufzulesen hatte, die vom Tisch fielen." Selbst "wenn seine Außergewöhnlichkeit anerkannt wird, fühlt er sich dennoch nicht der Elite zugehörig."
Jeder Stich läßt aber das Pferd ausschlagen.Das ist der Grund, warum der Intellektuelle "auf jeden Hauch eines Reformationsvorhabens angesprungen ist, und zwar bis hin zur letzten nationalistischen oder sozialistischen Bewegung." Nach einem erfolgten Aufstand werden sie aber von anderen starken Männern wieder aus diesen Bewegungen entfernt und "in der Kälte stehen gelassen", denn Intellektuelle sind selten auch Führungspersönlichkeiten.
In Asien und Afrika führte das weitreichende Vordringen der Buchgelehrsamkeit nach westlichem Vorbild zum Aufstieg einer großen Zahl einzelgängerischer Männer des Wortes. Ihre Suche nach einem bedeutenden und nützlichen Leben führte sie - genau wie bei ihren Pendants in Europa - zur Propagierung sozialistischer und nationalistischer Bewegungen.Hoffer zeigt, wie hebräische Schriftgelehrte und Lehrer, nachdem sie nach der Babylonischen Gefangenschaft in die oberen Schichten vorgestoßen waren, "ihre Vorliebe für die Massen schlagartig aufgaben. Sie schufen sogar ein Wort für den einfachen Bürger, "am-ha-aretz" [ungefähr "Bedauernswerter", "Elender"], ein Begriff, der Spott und Verachtung zum Ausdruck bringt. Soger der an sich sehr freundliche Hillel lehrte, daß "kein am-ha-aretz fromm sein kann." Das findet sich aber nicht nur in der hebräischen Kultur, wie aktuelle Erfahrungen belegen.
Intellektuelle sehen immer das Vordringen in ihr Territorium durch die Massen als "ein Unglück." Nur richtet sich diese Abneigung heute gegen den "Populismus". Der Haß der Intellektuellen auf einfache Leute ist dabei (und wie sollte es anders sein) eine Funktion der Größe der intellektuellen Kaste.
O'Boyle schreibt, daß die Überproduktion von Graduierten unausbleiblich ein großes Reservoir an Frustration und Voreingenommenheit schafft.
Der Literaturkritiker Hermann Marggraff beschrieb 1839 die jüngere Genration als sowohl besser ausgebildet als aber auch fordernder, und in der Folge unzufrieden, denn "bei aller Zusammenballung der Jungen in Bildungsinstitutionen werden nur einige wenige eine Anstellung finden, die ihren Forderungen und Ansprüchen genügt."
Um glaubwürdig zu bleiben, mußte bei vielen eine niedrigere Anstellung ohne Prestige als schmerzhaft empfunden werden. "Edwin Chadwick merkte einmal an, daß zu viele Männer auf einmal eine Universitätsausbildung in Deutschland erhielten. Diese landeten im Endeffekt entweder im Ruin oder in der Unzufriedenheit, und waren zwar für private Dienste ungeeignet, aber auch nicht in der Lage, eine Stellung im öffentlichen Dienst zu finden."
Der Überschuß an gebildeten Männern ... zwingt zu dem Schluß, daß ihre Anwesenheit in einer Gesellschaft zu sozialer und politischer Instabilität sorgen wird ...
Das Problem könnte sogar in jeder Gesellschaft mit großer Bevölkerung und einem relativ freien Markt chronisch werden. Das Streben nach Anerkennung und des Intellektuellen eigenes Desinteresse an manueller Arbeit ist automatisch die Ursache eines permanenten Überschusses an gebildeten, aber ungebrauchten Talenten.
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Donnerstag, 1. März 2018
Neid sucht sich eine Religion
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Samstag, 3. September 2016
Demokratisches Volk wählt nicht die Fähigsten
Die allgemein Wahl in einer Demokratie hat zwar andere Vorteile, aber dazu gehört ganz sicher nicht der daß sie garantiert, daß ein Volk von guten Leuten regiert wird.
Ja selbst wenn ein Staat in Gefahr gerät ist es oft pures Glück, wenn sein Volk (unter diesem Druck wenigstens einmal von seinen Leidenschaften Abstand nehmend) jene wählt, die es daraus befreien können.
Samstag, 12. Dezember 2015
Der Stoff, aus dem Hysterien sind
Hören Sie dabei dem ersten Statement ganz genau zu, es enthält den Kern des Pudels bereits in sich, und man hört es selten so klar (wenn man es hören will): Es gibt Menschenrechte, ja, aber es gibt Menschenrechte, die diesen Menschenrechten noch zugrunde liegen bzw. diesen übergeordnet sind. Und da gilt es abzuwägen. Wenn man den Klimawandel nicht verhindert, gibt es keine Menschenrechte mehr weil es keine Basis mehr gibt, diese in Anspruch zu nehmen.
Wie hieß es da jüngst doch einmal, begleitet von gehöriger Empörung? Es ist dassselbe Prinzip. Da meinte doch ein hochrangiger arabischer Imam, darauf angesprochen, daß es Menschenrechte im Islam sehr wohl gebe. WENN sich der Mensch nämlich zu Allah bekehrt habe.
Es ist die Taktik der Traumatisierung durch pseudologische Panik, die jedem christkatholischen ethischen Ansatz widerspricht und die Wahrnehmung der Menschen schwerstens neurotisiert, sie damit von der wirklichen Wirklichkeit noch mehr entkoppelt, und zum eigenverantworteten Urteil unfähig macht, weil die Gewissensbasis nachhaltig (und das ist das einzige, was an alledem nachhaltig ist) nach außen verlegt, gewissermaßen vor fremde Gerichte trägt, die nach einem Gesetzbuch richten, das dem Ratsuchenden unbekannt bleibt, um nach deren Schiedsspruch zu handeln.
Es ist eine Ersatzethik, eine Ersatzmoral, eine "neue" Moral des Theaters, die das Erleben moralischer Schattenspiele und -dramen auf ausgelagerter Bühne mit eigener Moral verwechselt, und zwar bewußt verwechselt. In der deshalb das Internet eine so wichtige Rolle spielt, denn es ist ausgezeichnet als Bühne geeignet, ja das ist überhaupt seine Basis.
Als Drama der Entschuldung, dem nur noch die sakramentale Dimension fehlt. Aber auch daran wird gearbeitet ... siehe "laudato si". Um sich so die Mühe der eigenen Sittlichkeit, die eigene und eigentliche Umkehr zu ersparen, und diesmal ist es sogar mit den Mitteln der anderen möglich, übertrifft also den Ablaßhandel noch deutlich: Das Motiv NEID (als Sünde des Ortes, der abgewiesenen oder vermeintlich oder tatsächlich vorenthaltenen Verortung an einem Platz in der Ordnung der Welt) spielt deshalb in der gesamten Ökologiebewegung eine ganz entscheidende Rolle.
(Man wundere sich deshalb nicht, daß die Kirchen so auf diesen Zug aufgesprungen sind, denn Neid ist eines der Grundprobleme jeder Kleriker- oder Funktionärskaste. Genau so, wie diese ganze Debatte 'Folge einer absurden "Bildungspolitik" ist, die eine Akademikerkaste schuf, die nie gebraucht wurde, und nun energisch das Einlösen eines gesellschaftlichen Versprechens nach Relevanz fordert, das angeblich mit dem Titel einherging, das sich aber nicht erfüllt hat. Ihnen bleibt also nur die Pseudologie, die Zweitwirklichkeit, deren absolute Herren sie dann sind. Sei es durch großmütiges "Gewährenlassen", sei es durch strenge Moral, in beiden Richtungen geht es um persönliche Herrschaft über das Heil. Was historisch immer schlagend wurde, wenn die eigentliche Religion - mit der tragenden Rolle im Kult - an geistiger Auszehrung leidet und vom Volk gemieden wird.)
Die eigene Umkehr wird (und der VdZ könnte jede Menge Zitate aus "Fachpublikationen" nennen, die genau das sagen: der Einzelne ist unwichtig, irrelevant, er wird die Welt nicht verbessern) nachrangig, unwichtig, denn es geht um "Höheres", es geht ums "Ganze", es geht um "Alles". Das ganze Klimatheater, der ganze Ökologismus ist dabei nur einer nächsten Stufe einer Leiter angelangt, deren Spitze allerdings prinzipiell in den Wolken verschwimmt und nie erreichbar sein wird, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten erklommen wird.
Die Öffentlichkeit wird dabei bewußt, geplant und konzertiert getäuscht, um eine Gestimmtheit zu erreichen, die die Durchsetzung eines gesellschaftspolitischen, ja wahrscheinlich sogar nur fiskalisch erwünschten Zieles (durch Abgabenerhöhung erweiterter Spielraum der Regierungen) ermöglichen soll. Getragen von der Hybris einer neuen pseudoakademischen Elite, die sich auf diesem Weg zur Weltbeherrschung aufschwingen will, und nicht eimal begreift, daß sie nur nützliche Idioten sind. Denn das Heft des Handelns, der schöpferischen Wirklichkeitsmacht, wandert nie in die Hand der Schwachen, die durch Finte Macht usurpieren wollen. Diese Art der Macht kann nur kurzfristig handeln, und sie kann nur zerstören.
Der Unredliche geht irgendwann an der Verachtung zugrunde, die er sich selbst und anderen Menschen gegenüber aufgrund des Wissens um seine Illegitimität vor dem Sein - Gott - aufrichtet. Das ist dann die Verachtung, die er der Welt entgegenbringt, die sich zum wütenden Tun und zur despotischen Forderung nach Anerkennung steigert, bis er die Welt schließlich lieber ganz zerstört, als sich der Wahrheit zu stellen.
Samstag, 22. August 2015
Und kämpft gegen sich selbst
Das ist keine Ungerechtigkeit, sondern der einzige Wesensbezug, den Eigentum überhaupt haben kann: Als Teil der Persönlichkeit, und DAMIT der Familie und Herkunft als wesentliche Basis der Persönlichkeit, die sich nur in der Selbsttranszendenz bilden kann. (Man wird zu sich selbst erst im Hinausschreiten auf das Du, im Vergessen des Ich - man empfängt sich also immer!) Wer kein Erbe hat (oder: hätte, denn es ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich, KEIN Erbe zu haben; man kann es bestenfalls vergessen, nicht kennen, was übrigens die Tragik der Zeit ist), dem fehlt die Persönlichkeit, die (größeres) Eigentum rechtfertigen könnte. Solche Nachrichen sind deshalb pure Auswüchse des Neids. Und der Neid ist die Sünde der Ortslosigkeit, sei es eines nie erhaltenen Ortes, sei es eines von einem selbst verweigerten Ortes.
Montag, 3. August 2015
Die fatale Folge der Gleichheit
Montag, 26. Januar 2015
Von der Armut, die Armut gar nicht kennt (3)
Es wäre kräftig mißverstanden, den schon vor vielen Jahren verfaßten Artikel des VdZ dahingehend zu interpretieren, daß er verlangte, der Kirche alle Geldmittel zu nehmen. Das Mißverständnis ist sogar oft bewußt inszeniert worden. Lustigerweise haben sich oft gerade jene dagegen ausgesprochen, die heute mit Jubelpatschhändchen Aussagen des jetzigen Papstes begleiten.
Nein. In diesem Sinn hat es der VdZ nie verstanden. Er meinte NICHT, daß der Kirche alle Vermögenstitel gestrichen werden sollten. Er meinte vielmehr, daß der Kirche die Wirklichkeit fehlt, weil sie gerade im deutschsprachigen Raum zur üblichen Beamtentrottelei herabgesunken ist. Und deshalb verneint, vehement! der VdZ Aussagen, die der Kirche jede Unternehmenstätigkeit absprechen wollen. Das zeugt nur von einem völligen Mißverständnis von Wirtschaft als Wirklichkeitsaustragung.
Nein. Die Kirche soll nur aus dem Zustand der Verbeamtung - egal, wie hoch die Gehälter sind, das ist kein Kriterium für Armut! - herausgesprengt werden. Das kann sie selbst nicht mehr, das ist die Meinung des VdZ. Weil sie selbst die Armut nicht mehr versteht. Sich selbst nicht mehr versteht. Schon gar unter diesem Papst.
Nein, im Gegenteil: Rückgabe der Selbsterhaltungsfähigkeit der Kirche, so, wie alle die Zuwendungen an Gütern je gedacht waren. Auflösung der Religionsfonds in den ehemaligen Ländern des deutschen Kaisers Josef II. (der hat diese Lösung nämlich eingeführt, weil er besser zu wissen meinte, was der Kirche gut täte, und nicht einmal in allem unrecht hatte, hier aber fundamentales, von der Aufklärung vernebeltes Unverständnis offenbarte). Mit der Verbeamtung der Kirche wurde nur erreicht, was heute allgemein und so schmerzhaft zu beobachten ist: Völlige Ahnungslosigkeit der Wirklichkeit gegenüber. Was sich nicht zuletzt in so manchen regelrecht lächerlich utopistischen Sozialforderungen der Kirche zeigt.
Im Gegenteil also, im Gegenteil zu Papstaussagen: Die Kirche muß das Unternehmertum als Prinzip wieder entdecken, nicht ablehnen. (Im übrigen wären, sind, nur die letzten Reste verbliebener Ständefreiheit das Regenerationselement der Kirche, leider völlig unerkannt, leider sogar düpiert: Diese Menschen wenden sich meist sehr mit Recht von den Trotteleien ab, die sich mittlerweile in den Pfarren - Wohlstandskrüppel - entwickelt haben.) Sie muß die Arbeit, gerade in ihrem Pendant, der Entlohnung, dem Tauschwert, als Element der Wirklichkeit wieder entdecken. So, und nicht anders, ist das "Geldvermögen" der Kirche entstanden: Als Element der Selbsterhaltung durch Arbeit, nicht und niemals als Pensionsbequemlichkeit. Die Kirche, die Klöster vor allem, waren deshalb die Grundlagen der europäischen Industrie. Sie waren die ersten, die Arbeitsteiligkeit auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Entfaltung entwickelten. Eine Kirche der verbeamteten Vollfresser und Gehaltsempfänger, egal was sie tun, muß zwangsläufig scheitern.
Erst dann wird sie auch das Element der Kontemplativität wieder einschätzen zu lernen. Denn die Mystik ist aus der Kirche verschwunden, gerade zum Gegenteil zum offiziellen Gequatsche. Und kaum einer offenbart diesen Mangel stärker, als ein ständig in Spiritualitätsduktus säuselnder Papst.
Sonntag, 25. Januar 2015
Von der Armut, die Armut gar nicht kennt (2)
Er bezieht sein Maß nicht aus sich - er bezieht es aus dem Sein, dem er als Empfangender gegenübersteht. Kein Reicher, der nicht den Einbruch der Gnade erlebt hat, NACHDEM er sich am Ende aller seiner (irdischen) Hoffnung wußte. Und damit Raum für die Gnade ließ. So ist jeder Reichtum entstanden, ja jede hohe Stellung. Niemals aus "Belohnung von Kenntnissen" oder "erleisteten Anrechten" oder "erhaschten Titeln". Niemand ist so demütig, das sagt der VdZ aus vielfacher Erfahrung, wie Menschen, die wirklich in hohe Positionen und zu Reichtum gekommen sind (und nicht Diebe, Elende sind.) Und niemand so hochmütig wie jene, die meinen, die Güter der Welt nicht achten zu müssen, die sogar noch "Armut bekämpfen" zu sollen fordern.
Das ist das wahre Geheimnis der weltdurchwirkenden Kraft des christlichen Abendlandes. Und das ist seine Unterscheidung von nahezu der gesamten übrigen Welt. Es würde von seiner geistigen Kraft her sogar noch für die Durchwirkung jedes politischen kontinentalen Programms reichen. Nicht aus Nützlichkeit, sondern aus dem Wissen um das, was Kultur überhaupt wirkt.
Aber müßte man nicht schon sagen: das war sie? Wie viele reden von Elend, und nennen es Armut? Wie viele mittlerweile, bis und vor allem in höchste und allerhöchste Positionen, haben keinen blassen Dunst von Armut, obwohl sie scheinbar daraus herstammen, ja dieses der Begriffsverwirrung entstammende Äußerliche als Ausweis vorgeben, aber - in Wahrheit nur dem Elend nie entwichen sind?
