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Dienstag, 8. November 2022

Die Identität der Hörigkeit

Agere sequitur esse - Das Handeln folgt dem Sein. Deshalb ist Ausgangspunkt jedes menschlichen Handelns die Identität. Und erst recht die Kraft, in der jemand handelt, von der immanenten Stärke seiner Identität abhängig.

Das hat sich in den letzten drei Jahren in atemberarubender Intensität gezeigt. Und geht natürlich nun weiter. 

Das weiß auch die Psychologie des Behaviorismus, deren sich auch die Politik bedient. Und lange schon begonnen hat, Handlungsimperative durch Schaffen einer Identitäts ins Volk zu tragen. Um sich so Verhalten zu erschleichen, das ihren Vorstellungen entspricht.

Samstag, 14. Mai 2022

Es ist eine Erfindung der Neuzeit (2)

Der Eigennutz, die Skrupellosigkeit, die Gier und der Neid erfanden (und erfinden immer wieder neu, aber in stets wechselnden Kostümen) die Mär von der Relevanz leiblicher Nachkommenschaft für Besitz, Stand und Macht zur Utopie und Ideologie - UND die des Eigennutzes als ANGEBLICHER und einziger wirlich natürlicher Motivans für persönliche Entfaltung und Wirtschaftsentwicklung, der sich dann aus dem Kapitalismus und dessen Eigentumsbrutalität zum sogenannten "Liberalismus" ausblühenden Ideologie, wie sie sich Anfang des 19. Jahrhunderts etabliert hat. (Und dann im Evolutionismus ihre quasi-metaphysische Legitimation erhielt: Der Evolutionismus hat also den Kapitalismus zur absoluten Menschheitslehre weil -wahrheit geheiligt, wo Stärke, Eigensucht und Skrupellosigkeit zur moralischen PFLICHT erhoben wurden.) Ebenfalls ist das Faktum, daß sich das Eigentumsbegriff in ein absolutes Recht verwandelt hat, ist dieser Epoche der Moderne zuzuschreiben. Es war vorher unbekannt.

Denn genau so, wie das Eigentum als Leihwerk durch Gott angesehen worden ist, und sich mit der Auffassung des Christentumg vollkommen deckte (was nicht heißt, "alles - allen", sondern daß die Verantwortung der an ein ding bindende Rahmensei, und als solcher erst als moralische Leistung qualifizierbar wird.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Von der Gewalt der Schönheit

Leider ist die in der Antike weithin und lange Jahrhunderte berühmte Statue der Phryne aus der Hand des Praxiteles, der sich wie so zahllos viele unsterblich in die Frau verliebt hatte, irgendwann zerstört worden. Von ihr weiß man also nur noch aus der Überlieferung, denn nach ihrer Entstehung im 4. Jahrhundert v. Chr. war man jahrhundertelang aus der ganzen Welt nach Athen gereist, um dieses Wunder der Schönheit zu sehen. Die angebliche Kopie, die im Vatikan steht, ist alles andere als eine solche, wie kompetente Kunsthistoriker bewiesen haben. 

Als ich dann im Netz nach hierher übertragbaren Bildern suchte, um dem Leser einen Eindruck zu vermitteln, wie diese im 4. Jahrhundert v. Chr. vielleicht berühmteste Hetäre (=Gefährtin) des antiken Griechenland ausgesehen haben könnte, mußte ich passen. 

Sonntag, 1. Mai 2022

Nur der Himmlische sieht den Himmel von innen (2)

Womit wir bei der ersten Sünde angelangt wären: Dem Neid - Wir sind hier unvermittelt auf ein real sehr wirksames historisches Wirmoment gestoßen. Denn in dem, was hier ausgeführt wird, hben wir auch den NEID vor Augen bekommen. Diese erste Sünde des Menschen ist ein Aufbegehren gegen diese Zuordnung der Sphären, die ein ontologisches Grundverfaßtsein der Welt bedeutet. Die aus der göttlichen Ordnung hervorgegangen ist (Trinität), die diese Ordnung also widerspriegelt, weil alles von sienem Schöpfer kündet: Das Geschaffene trägt die Grammatik des Hervorbringers, SOWEIT es als Geschaffenes eben seine Grenzen hat. 

Der Tisch erzählt vom Tischler, aber IST weder der Tischler, noch erzählt es ALLES über den Tischler. Von seiner Vorliebe für Flötenspiel ist nichts enthalten, höchstens in Spuren, als Aroma gewisermaßen, und für den, der einen gebildeten Geschmack hat, der also noch mehr Nuancen ausdem Tiosch erkennen kann. Wie also Gott in seiner ganzen Fülle ist, ist uns nie nachzuvollziehen, und zwr aus Prinzip nicht. Nur wo Gott Vater es dem Sohn bzw. durch diesen uns (imHeiligen Giest mit ihm geeint) mitteilt, ist es auch uns erkannt und erkennbar: Als Geoffenbartes.

Samstag, 30. April 2022

Nur der Himmlische sieht den Himmel von innen (1)

Dem Heiligen das Heilige - nur der Heilige begegnet Heiligem. "Und er tat nur wenige Wunder". Und der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Glaubt ihr denn immer noch nicht? Und würde ich noch so viele Wunder tun- ihr würdet doch nicht glauben.

Der Heilige zieht seine Welt an, und sie ordnet sich ihm unter, fügt sich somit dem Willen Gottes, der sich im Heiligen repräsentiert, anwesend, welthaft geworden ist. Aber das Nahe erstickt im Detailhaften, und hängt nicht dem Übergeordneten an. 

Es lebt somit nicht in der Welt des Geistigen. Ihm stinkt die Wundenbinde des Märtyrers, er sieht keinen Zorn des Heiligen sondern den des Griffs nach dem Ird'schen, weil ihm jemand widerspricht, und er riecht die Toilettabfälle nach dem Besuch des Gottes am Abortus. Er idealisiert dafür den (in seinen Augen) Heiligen in ein Bild, das nicht dem Unsichtbaren, also dem wirklich Wirklichen entspricht, das der Heilige wie alles Dingliche eignet, ja das seine eigentliche Wirklichkeit ist.

Freitag, 8. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (3)

Also war da dieses Rumpeln - Doch ehe wir uns noch darauf einlassen, ist es an uns, für etwas um Verzeihung zu bitten. Denn wenn ich ehrlich bin so lag es schon auf der Hand, bereits am dritten Tag dieses Vorhaben als eitel und unerfüllbar abzubrechen. In die Kniee zu gehen vor der simplen Frage, ob denn da alles das, von dem ich gemeint hatte, es wäre weil es Schmerz gewesen auch das Absterben der Sinne, wie es Juan de la Crux als erste und grundlegendste Eigenschaft anführt, von wo weg der Weg erst ein Weiterschreiten auf den Berge Karmel, also zu einer betrachtlichen Lebensführung überhaupt wäre, so glatt mit einem NEE zubeantworten wäre, daß alles weitere nur noch eitles Gegackere sein könne.
 
Denn genau das war jadieses Rumpeln, von dem ich berichtet. Dieses Erkennen, daß es noch so viel geben dürfte, an dem ich mehr hänge, als an der reinen Liebe zu Gott, daß sich doch alles weitere erübrigte. Und wie ich so das denke und denke, da ist es mir auch schon, als wollte alle Kraft versiegen. Ich ging also nieder, noch einmal, und lag beinah ausgestreckt am Boden. 

Mittwoch, 6. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (2)

Im Punkte 2 steigen wir freilich zuersten noch einmal zurück - Verharren wir also noch ein wenig im ersten Punkte, den wir bereits begonnen. Und bedenken wir eine Bemerkung von Johannes höchstselbigst, wo er da schreibt, daß es an allen möglichen Ratgebern und Seelenführern vielleicht nicht so sehr mangelt, das war im 116. Jahrhundert nicht anders als es heute, ja gerade heute ist. Es gibt ganze Buchhandlungen, die nur Bücher zu dem Thema führen. 

Aber wie viele davon richten mehr Schaden an, als Nutzen Wie viele hindern mehr, als sie fördern. Wie viele werfen einem Prügel vor die Füß, anstatt einem über Steine zu helfen. Und wie viele drücken einen an einen Stein, den man doch nie küssen sollte, weil er längst hinter einem liegt - und wie viele machen eine Selbsteinschätzung möglich, in der man manchen Steinen um Weltenalter voraus ist, während man doch noch nicht einmal ihren Sockel kennen gelernt hat. Und wie viele Menschen haben Gnadengaben, die eine so ganz andere Behandlung verlangten, als anderen zuteil werden hätte sollen, die sie aber vielleicht nie erkant haben, udn auch nie jemanden kennen lernten, der sie hätte erkennen KÖNNEN.

Samstag, 3. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (4)

Was aber, wenn es ganz anders ist? Oder: Von der Heimtücke der Schuld. - Bislang hat sich das alles wie von selbst geschrieben. Erklärung folgte auf Erklärung, und die Logik der Sprache zog acht Seiten Manuskript aus dem tiefen Bauch der Verarbeitungsmaschinerien. Aber ist es wirklich so? Sind Veganismiker und Vegetarier tatsächlich Vertreter der Wiedereinführung des Matriarchats? Oder sollten wir es nicht zumindest einmal versuchen, die Sache viel stärker von der Schuld her aufzuziehen. Denn das Matriarchat zu wählen ist ja identisch mit der Vermeidung von Schuld. 

Jetzt hat aber Schuld etwas Heimtückisches. Weil sie ein Widerspruch zum ontischen Gefüge dessen ist, was einerseits der Welt zugrunde liegt (also über die Idee durch die wollende Liebe Gottes "zum Weltwerden schiebt"), und anderseits den, der gegen diese Ordnung verstößt (weil allem Weltsein eine ideenhafte Ordnung zugrunde liegt, die jener Ort ist, an dem alleine sie bestehen kann), eine reale Spannung in sich verspürt. Die Abführung verlangt. Sei es, daß man sie in Alkohol und Drogen versenkt, sei es, daß man sie in Ersatzhandlungen abführt, WENN die Handlung, die diese Spannung auf natürliche Weise abführen würde, so tabuisiert und abgelehnt wird, daß sie nicht in Frage kommt.

Freitag, 2. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (3)

Zurück von der Pinkelpause, erschrickt der Vergewaltiger der Mutter vor sich selbst. Es wird ernst.Gott und Erde stehen also in einem Widerstreit, in dem Gott - natürlich ist er immer der Sieger! - die "Mutter Erde" zu vergewaltigen aufruft, als er den Ruf ausstößt: Macht Euch die Erde untertan! Was er nach dem Sündenfall im Fluch des Verstoßes aus dem Paradies noch einmal nachschärft. Als er der Frau das Schicksal zuspricht, daß sie vom Manne nicht nur beherrscht wird, sondern diese Herrschaft durch ein viel tiefer gehenderes Begehren herbeisehnen wird. 

Damit haben wir genug Material gesammelt, um die Aussage begreiflich zu machen, ja sie sogar zu unterstützen. Daß im Veganismus/Vegetarianismus** das Matriarchale als jener Lebensuntergrund wieder aufersteht, der ohne schöpferischen Eingriff auszukommen meint. Und dem Erlebnis des gottähnlichen Menschseins im Willen, der aus dem Vorhandenen "Neues" macht, der die Vorgänge der Natur düpiert und "ausnützt", eine Absage erteilt. Sodaß auch uns immer deutlicher wird, warum die bewußte Wahl von Pflanzen als Lebensmittel einen ganzen Kosmos an Weltanschauungen und Lebenshaltungen enthält.

Donnerstag, 1. Juli 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (2)

Mutter, wo hast Du das Tabu hingelegt?Unter diesem Gesichtspunkt wäre auch die biblische Erzählung der Schuld Kains durch die Tötung seines Bruders Abel neu zu durchdenken. Denn natürlich hatte dann Abel, der eine reiche Ernte eingefahren hat, durch seine Schuld nicht nur eine stringentere Notwendigkeit zum Sühn- und Dankesopfer als Kain erworben, der in einem neutralen Verhältnis zu Gott geblieben war. Sodaß sich auch der "Neid" Kains in die Kategorie jenes Neides eingliedert, den Jesus selbst in der Geschichte vom verlorenen und wiedergefundenen Sohn darstellt. 

Als nämlich der Sohn, der all sein Erbe durchgebracht hat, der durch Ungehorsam der Welt Gewalt angetan hat, und in Dreck und jener Verlorenheit geendet ist, in der jede menschliche Eigenmächtigkeit endet, weil sie sich außerhalb der Ordnung der Natur (!) stellt - was ja die eigentliche Beschreibung des Wortes "Sünde" ist, als also dieser Nichtsnutz und Verräter angesichts seines Elends bereut (und wer würde da nicht seine Tat bereuen?) zurückkehrt, wozu es allein schon eine Menge "Chuzpe", also Frechheit braucht, sondern wo der Vater ihn sogar mit einem Fest bewillkommnet, das die besten Früchte der harten Arbeit des verbliebenen treuen, rechtgläubigen weil gehorsam gebliebenen Sohnes im Opfer verbrennt.

Mittwoch, 30. Juni 2021

Veganismus als Schuld an der Erde (1)

Oh, singe den Zorn, oh Göttin des Peleïden Achilleus (oder auch des Hans Zurngreiter, den Buben vom Bert), darüber, wie man sich täuschen kann. Oh, wie oft leben wir in Verhältnissen, deren wahrer Hintergrund oft im selben Verhältnis anders und sogar kontradiktisch ist, als seine Deckmäntel in Wortgebilden errichtet eine stille Gegebenheit und Selbstverständlichkeit nützen, also ins Leere stoßen. Wo dann ein wortreiches Gebilde darüber gesponnen wird, das nichts weniger als eine Lüge, als der berühmte Mündungsrauch, der verhindern soll zu sehen, woher das Geschoß wirklich kommt. Genau das läßt sich über den Vegetarismus, noch deutlicher aber über das Veganertum aussagen. 

Dessen Ideologie (und kein Veganer bestreitet, daß seine Einstellung eine solche ist) nicht nur dadurch ihre matriarchalisch, matrizentrische Gründung verrät, daß sie wie ein Heißluftballon über der Erde schwebt und kein Loch in seiner Außendecke erlaubt, weil er sonst aus dem Gleichgewicht gerät, den existenznotwendigen Auftrieb verliert und abstürzt, nein - er verrät diese Herkunft durch seine Wiederspiegelung in der Mythologie.

Donnerstag, 29. April 2021

Neid und Gleichheit - eine Erfolgsgeschichte

Neid ist nicht die Folge sozialer Ungleichheit, sondern die Folge des Glaubens und Anspruches, daß der andere mir in allem gleich zu sein hat und deshalb eine andere (in gewissem Sinn immer bevorzugte) Behandlung verdient.

Seine Andersartigkeit offenbart immer einen Mangel an mir. Welchen Platz immer der andere einnimmt, entspricht in der beanspruchten Gleichheit auch dem meinen. Während ich selbst das Sein vermeide, um mir den Neid des anderen nicht zuzuziehen. Helmut Schoeck meint, daß darin das uralte Problem verborgen ist, sich nicht den "Neid der Götter" als Quelle des eigenen weil dann von den Göttern verursachtes Problem zuziehen zu wollen.

***

Kultur IST die Institutionalisierung der Ungleichheit, in deren Anerkenntnis das Soziale selbst liegt. Weil sich darin der Gerechtigkeitsgrundsatz "Jedem das Seine" verwirklicht. Das macht die Wirkung des Neides (als eigener Mangel an der Gleichheit des anderen) noch zerstörerischer. Werden also die Institutionalisierungen abgeschafft, weil alle gleich sein sollen, dann erhält niemand mehr eine Befriedigung aus seinem Sosein. Denn niemand hat noch das - siehe oben - was man Respekt nennt. In dem er erfährt, daß es jemanden gibt, der von ihm abhängt, der ihm unter- weil zugeordnet ist und ihn braucht.

Sonntag, 5. April 2020

Das Problem zu hoher Ausbildung von Staatsbürgern

Ein nächster Artikel von William M. Briggs, dem "Statistician to the stars", in der freien Übertragung durch den VdZ, mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Das Problem zu hoher Ausbildung von Staatsbürgern
von William M. Briggs, erstveröffentlicht am 14. Februar 2020

Leo K, einer unserer treuen Leser, übermittelte uns einen Link, der zu einer Arbeit von Lenore O'Boyle führt. “The Problem of an Excess of Educated Men in Western Europe, 1800 bis 1850 - Das Problem der Übersteigerung bei Ausgebildeten Bürgern in West Europa, 1800 bis 1850” Er tat dies in einem Kommentar zu unserem Artikel über überzogene Ausbildung.* Im Folgenden einige Auszüge aus dieser Arbeit. 
Der Zweck dieser Studie ist zu ermitteln, ob es tatsächlich so etwas wie eine Überproduktion von gut ausgebildeten Bürgern in England, Deutschland und Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gekommen ist. Die Annahme, daß es diese Überproduktion gab, ist auf den ersten Blick sehr stimmig und wurde auch weithin angenommen. Aber es hat nur wenige Anstrengungen gegeben, diese Behauptung auch durch Fakten zu untermauern.
Ausgebildete Bürger werden hier so verstanden, daß sie folgende Kriterien erfüllen. (a) Zugehörige zu allen Ausbildungsberufen, gleichgültig ob sie an einer Universität ausgebildet wurden oder nicht;  (b) alle übrigen Personen, die eine Universität besucht haben; (c) alle Personen, die eine höhere (älter als 14 Jahre) Schulausbildung im Rahmen der herkömmlichen, klassischen Schulwege genossen haben. 
Ich behaupte bekanntermaßen, daß es heute außer Zweifel steht, daß wir bei weitem zu viele ausgebildete bzw. "hoch gebildete" Menschen haben. 
Das Wort "Überproduktion" verlangt Erklärungen. Es ist vorerst nämlich ohne Sinn, wenn man sagt, daß es bezogen auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zu viele ausgebildete Menschen gibt. Es könnte ja auch anders sein: Die Masse der Bevölkerung könnte ja auch - als Beispiel - weit mehr Ärzte und Lehrer gefordert haben, als von den Bildungssystemen geliefert worden sind. Das einzige, was sicher gesagt werden kann, ist, daß es zu viele Männer gab, die für eine begrenzte Zahl von Stellen, die hohes Prestige und Bedeutung haben, ausgebildet wurden. So daß einige dieser Männer sich entweder mit Unterbeschäftigung abfinden mußten, oder die mit Positionen zufrieden sein mußten, die man als weit unter ihren Fähigkeiten stehend ansehen muß. Es gibt bekanntlich eine Kluft zwischen der individuellen Einschätzung des eigenen Wertes und des damit verbundenen Verdienstes, und dem Stellenwert, den eine Gesellschaft diesen Personen zumißt.
Das war auch die These von Eric Hoffer's The Ordeal of Change - Die Angst vor dem Neuen,** die man mit der Eifersucht und der Rache der Schriftgelehrten zusammenfassen könnte. Es ist ein wenig wie die Reporteritis: Reporter berichten über wichtige Ereignisse und kommen dabei leicht in die Lage, sich selbst als bedeutend zu sehen, die für die wichtigen Ereignisse selbst wichtig sind. Nur verrückte Kulturen gestatten freilich, daß das passiert.
Es ging im Endeffekt darum, Bildung als Autobahn zu Wohlstand und Macht zu sehen. Das Ausbildungsdiplom sollte das liefern, was früher die Zugehörigkeit zum Adel garantierte. Gleichzeitig blieb höhere Bildung und Ausbildung mit den klassischen und literarischen Disziplinen verbunden, die man als die angemessene Vorbereitung für die klassischen Berufe ansah. Diese Bildungsberufe haben ihr traditionelles Prestige mehr oder weniger bewahrt. Im Gegenzug wurden dadurch kaufmännische Berufe und die ganze Reihe neuer Berufe abgelehnt und wenig geschätzt, so daß der Druck in Richtung Recht, Medizin, klerikaler und militärischer sowie verwaltungstechnischer Berufe gleichblieb oder sogar anstieg ... 
Diese Situation hat Deutsche in höheren Positionen beunruhigt. Schon im Jahre 1809 hatte Wilhelm von Humboldt den König davor gewarnt, zu viele Männer auszubilden, um dann feststellen zu müssen, daß der Staat unter dem moralischen Druck steht, diese auch in seine Dienste nehmen zu müssen ...
Viele Kritiker des bestehenden Gymnasial-Curriculums meinen, daß dessen Ausrichtung auf ein Studium der Klassischen Studien deshalb wenig klug ist, weil es Graduierte produziert, die jeder praktischen Tätigkeit eine Absage erteilen. Das behindert zum einen die Entwicklung der Wirtschaft des Landes, und steigert zum anderen die Zahl derer, die sich um Positionen beim Staat bewerben. 
Deshalb hat der liberale Reformer des Bildungswesens, Ignaz Heinrich von Wessenberg, schon 1835 geschrieben: "Die Konzentration auf klassische Studien gehört ohne jeden Zweifel zu den schwersten schädlichen Faktoren, die sozialen Zustände betreffend. Denn auf der einen Hand zieht es viele Mitglieder von den produktiven Klassen ab, füllt auf der anderen die Gesellschaft mit Leuten an, die Ansprüche auf Positionen im öffentlichen Dienst erheben, die nicht ohne Nachteile für die gesamte Gesellschaft erfüllbar sind. Denn einer großen Zahl dieser Aspiranten fehlt es an der wahren Eignung für das Beamtentum." 
Die Lage heute ist durch die Einführung von Quoten gemäß rassischer, geschlechterbezogener und auf sexuelle Neigungen bezogener Kriterien bei der Erwerbung von "Bildungsdekreten" noch deutlich schlechter geworden, wo die Fähigkeiten der Quotenleute im Durchschnitt schlechter sind. Bildungsdekrete sind kaum mehr als ein Stück Papier, wie die Erfahrung zeigt, das deren Besitzer aber zeigt, daß er besser ist als es der Wirklichkeit entspricht. Wenn die Anerkennung, die den Dekretbesitzern als Anspruch zugesprochen wird, sich aber dann nicht verwirklichen, entstehen schlechte Gefühle.

Hoffer schreibt, daß nachdem die Pest eine beträchtliche Zahl der Bevölkerung hinweggerafft hatte, einschließlich der Hälfte der europäischen Priester, "eine große Gruppe von nicht-klerikalen Lehrern, Studenten, Gelehrten und Schriftstellern entstand, die nicht mehr Mitglieder einer klar als solche gekennzeichneten privilegierten Klasse waren, und deren soziale Nützlichkeit keineswegs selbstevident war."

Nach wie vor blieb die Macht in den Händen der "handlungsfähigen Männer", und der "Intellektuelle wurde wie ein armer Verwandter behandelt, der die Krumen aufzulesen hatte, die vom Tisch fielen." Selbst "wenn seine Außergewöhnlichkeit anerkannt wird, fühlt er sich dennoch nicht der Elite zugehörig." 
Jeder Stich läßt aber das Pferd ausschlagen
Das ist der Grund, warum der Intellektuelle "auf jeden Hauch eines Reformationsvorhabens angesprungen ist, und zwar bis hin zur letzten nationalistischen oder sozialistischen Bewegung." Nach einem erfolgten Aufstand werden sie aber von anderen starken Männern wieder aus diesen Bewegungen entfernt und "in der Kälte stehen gelassen", denn Intellektuelle sind selten auch Führungspersönlichkeiten.
In Asien und Afrika führte das weitreichende Vordringen der Buchgelehrsamkeit nach westlichem Vorbild zum Aufstieg einer großen Zahl einzelgängerischer Männer des Wortes. Ihre Suche nach einem bedeutenden und nützlichen Leben führte sie - genau wie bei ihren Pendants in Europa - zur Propagierung sozialistischer und nationalistischer Bewegungen.
Hoffer zeigt, wie hebräische Schriftgelehrte und Lehrer, nachdem sie nach der Babylonischen Gefangenschaft in die oberen Schichten vorgestoßen waren, "ihre Vorliebe für die Massen schlagartig aufgaben. Sie schufen sogar ein Wort für den einfachen Bürger, "am-ha-aretz" [ungefähr "Bedauernswerter", "Elender"], ein Begriff, der Spott und Verachtung zum Ausdruck bringt. Soger der an sich sehr freundliche Hillel lehrte, daß "kein am-ha-aretz fromm sein kann." Das findet sich aber nicht nur in der hebräischen Kultur, wie aktuelle Erfahrungen belegen.

Intellektuelle sehen immer das Vordringen in ihr Territorium durch die Massen als "ein Unglück." Nur richtet sich diese Abneigung heute gegen den "Populismus". Der Haß der Intellektuellen auf einfache Leute ist dabei (und wie sollte es anders sein) eine Funktion der Größe der intellektuellen Kaste.

O'Boyle schreibt, daß die Überproduktion von Graduierten unausbleiblich ein großes Reservoir an Frustration und Voreingenommenheit schafft.
Der Literaturkritiker Hermann Marggraff beschrieb 1839 die jüngere Genration als sowohl besser ausgebildet als aber auch fordernder, und in der Folge unzufrieden, denn "bei aller Zusammenballung der Jungen in Bildungsinstitutionen werden nur einige wenige eine Anstellung finden, die ihren Forderungen und Ansprüchen genügt."
Die Ausbildung an einer Universität in Deutschland war kostengünstig. Diese "Kostengünstigkeit" bedeutete, daß selbst ein mittelloser, junger Mann mit halbwegs Verstand und Energie ohne große Probleme höhere Bildung erwerben konnte. Infolgedessen wurde die Universität das allgemeine Mittel zum Aufstieg in der Welt. Das Ergebnis war, daß zu viele junge Männer eine Universität besuchten, und zu viele von ihnen beim Staat eine Anstellung zu erlangen suchten.

Um glaubwürdig zu bleiben, mußte bei vielen eine niedrigere Anstellung ohne Prestige als schmerzhaft empfunden werden. "Edwin Chadwick merkte einmal an, daß zu viele Männer auf einmal eine Universitätsausbildung in Deutschland erhielten. Diese landeten im Endeffekt entweder im Ruin oder in der Unzufriedenheit, und waren zwar für private Dienste ungeeignet, aber auch nicht in der Lage, eine Stellung im öffentlichen Dienst zu finden."
Der Überschuß an gebildeten Männern ... zwingt zu dem Schluß, daß ihre Anwesenheit in einer Gesellschaft zu sozialer und politischer Instabilität sorgen wird ... 
Das Problem könnte sogar in jeder Gesellschaft mit großer Bevölkerung und einem relativ freien Markt chronisch werden. Das Streben nach Anerkennung und des Intellektuellen eigenes Desinteresse an manueller Arbeit ist automatisch die Ursache eines permanenten Überschusses an gebildeten, aber ungebrauchten Talenten. 
Technische Übungen können gewiß einen gewissen Abbau dieses Überschusses bewirken, und diesen Menschen zu guter Letzt doch noch zu gewisser Nützlichkeit verhelfen.  Wäre da nicht auch das Problem, daß heute zu viele junge Leute STEM-Dekrete erhalten, die aber nur sehr mangelhaft den Anforderungen des aktuellen STEM (Science-Technology-Engineering-Mathematics) entsprechen. Man denke an den "Ökologie-Studiengang", oder was auch immer zwar heute den Namen "Studiengang" in sich trägt, aber alles andere als eine akademische Qualifizierung bedeutet.


*Der Leser findet Auszüge sowie Bemerkungen dazu auf den Links in diesem Blog, in Teil 1 (Richelieu) und Teil 2 (Briggs)

**Das Buch von Eric Hoffer ist auf deutsch unter dem Titel "Die Angst vor dem Neuen" in den 1960er Jahren bei Rowohlt erschienen, und antiquarisch zuweilen noch erhältlich.




Donnerstag, 1. März 2018

Neid sucht sich eine Religion

Na selbstverständlich, genau das wird passieren, weil kein Politiker den Mut hat, die Situation bei den Hörnern zu packen, die da Segregationismus hieße, weil das Problem der Zuwanderungswellen nicht anders zu bewältigen ist. 

Das deutsche Bundeskriminalamt warnt vor der Radikalisierung der Zuwanderer. Die hier eine Totalfrustration ihrer Träume vom besseren Leben erfahren und mit Gewalt reagieren werden. Denn nämlich auf seltsame Weise können sie hier nicht das vorgegaukelte Leben in Villa, BMW und Wohlstand führen. Stattdessen werden sie hier nicht nur nicht gebraucht, sondern finden sich an der untersten Leitersprosse der sozialen Hierarchie. Auch Frauen werden nur durch Gewalt beherrschbar. Die Rechtfertigung dafür liefert - die Religion.

Der VdZ hat schon vor etlichen, unter Bezug auf die erhellenden Analysen von Henry Belloc übrigens, darauf hingewiesen, daß der Islam an sich sogar, bei seiner Entstehung, Vehikel für soziale Anliegen vermeintlich Zu-kurz-Gekommener war. Als die ideale Neidreligion, sozusagen.

Und das ist kein historischer Einzelfall. Wir erleben es bis in den Klimawahn, dieser pseudoreligiösen Bewegung der Neidgetriebenen, Machtgeilen aber Impotenten, die einfach ihre Weiber nicht ins Bett kriegen.






*090218*

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Samstag, 3. September 2016

Demokratisches Volk wählt nicht die Fähigsten

Er habe die erstaunliche Entdeckung gemacht, schreibt Alexis de Tocqueville in seinen Betrachtungen über die Demokratie in Amerika, daß die Erwartung der Gleichheit aller Bürger eine Eigenschaft besonders bevorzugt: Den Neid. Wenn viele von Europa sagten (1830 war Europa weitgehend monarchisch-aristokratisch regiert) daß die unteren Klassen die oberen daran hindern wollten, daß diese regierten, so sei das in Amerika nicht anders. Er habe sogar festgestellt, daß sich in den fünf Jahrzehnten, die er das Land beobachte, die Befähigung und Qualität der Regierenden stark gefallen sei. 

Denn keineswegs würde das Volk es lieben von außergewöhnlichen und begabten Männern regiert zu werden. Nicht nur, weil es gar nicht in der Lage ist, diese Qualitäten zu beurteilen, bewirkt der formale demokratische Vorgang (der Wahlen) immer, daß die Entscheidungen durch die Bürger zu hastig und zu unüberlegt fallen. Es ist einfach nicht möglich, schreibt der Franzose, daß man die Bildung des Volkes generell auf eine Höhe bringe, die es in die Lage versetze, die Regierungsmaterien rein sachlich zu beurteilen. Keine kostenlose Bildung, keine kostenlosen Universitäten, nichts wäre dazu in der Lage, schon alleine aus Zeitgründen. Aber auch aus persönlichem Interesse. Und, so nebenbei, es gäbe dann ja nicht einmal mehr ein Volk. Aber welches Volk hätte so viel Zeit, sich in die Regierungsmaterien so einzuarbeiten, wie es auch für die besten und geistvollsten Köpfe notwendig ist, die dann dennoch auch einmal irren können?

Dafür werden immer die Männer gewählt, die es am schlauesten anstellten, die Leute von sich zu überzeugen, die am elegantesten lögen, mit einem Wort: Die Scharlatane der allerverschiedensten Sorten seien. Gleichzeitig werden die wirklich vornehmen Männer davon abgehalten, sich überhaupt um Ämter zu bewerben, weil genau die es sind, die sich am wenigsten verbiegen können, ja, deren Vornehmheit und seelischer Rang es ihnen gar verbietet, sich so billig zu machen, wie es für eine Wahl nötig wäre. Damit ist fast sichergestellt, daß NICHT die Fähigsten an die Regierungsämter gelangen.*

Und das interessanteste dabei: Das Volk will es auch gar nicht. Das Volk will gerade die ihm Überlegenen von der Macht fernhalten. Und das ist kein Bildungsproblem, sondern eines der (geheimen) Leidenschaften. Die die Demokratie aber umso mehr weckt, als sie einen Anspruch auf Gleichheit weckt, den sie aber dann doch nie erfüllen kann. Zwar haßt das amerikanische Volk seine großen Männer nicht, aber es tut doch alles, um sie von der Macht fernzuhalten. Es sieht alles, was über ihm steht, als Hindernis, als Konkurrenz. Tocqueville nennt deshalb den Neid eine "demokratische Eigenschaft".

Die allgemein Wahl in einer Demokratie hat zwar andere Vorteile, aber dazu gehört ganz sicher nicht der daß sie garantiert, daß ein Volk von guten Leuten regiert wird. 

Ja selbst wenn ein Staat in Gefahr gerät ist es oft pures Glück, wenn sein Volk (unter diesem Druck wenigstens einmal von seinen Leidenschaften Abstand nehmend) jene wählt, die es daraus befreien können.




*Es ist fast merkwürdig, daß Tocqueville seine scharfsinnigen Beobachtungen nicht auch auf die Parteien ausdehnt. Denn an anderer Stelle sieht er sehr wohl, daß die - an sich einer Demokratie notwendige und in den USA so ausgeprägte - Versammlungsfreiheit, die zu Parteien führt, in dem Moment, wo ihnen jemand beitritt, diesen gewissermaßen unter die Parteidoktrine "versklavt": Mit dem Eintritt in eine solche Vereinigung gibt er Freiheit und eigene Meinung ab.





*120716*

Samstag, 12. Dezember 2015

Der Stoff, aus dem Hysterien sind

Hierorts unten eine kleine (weitere) Zusammenstellung medialer Berichte über den "Klimawandel". Die vor falschen "Fakten" nur so wimmeln. Man glaubt es ja kaum noch, weil der Irrsinn so offensichtlich ist. Man muß einfach von glatter Lüge sprechen. Schon diese direkt unethische Mittelanwendung - bewußte Täuschung um eines "höheren Zieles" willen - sollte jeden, der noch ein bißchen Verstand hat, stutzig machen.

Aber das ist genau der Stoff, auf dem politische Katastrophen aufgesetzt und eingeleitet werden. Nachdem man die Öffentlichkeit durch schlicht und ergreifend falsche Behauptungen, die teilweise überhaupt phantasiereiche Erfindungen aus der literarischen Werkstatt sind, genug verwirrt hat. Die Politiker sind es schon lange.

Hören Sie dabei dem ersten Statement ganz genau zu, es enthält den Kern des Pudels bereits in sich, und man hört es selten so klar (wenn man es hören will): Es gibt Menschenrechte, ja, aber es gibt Menschenrechte, die diesen Menschenrechten noch zugrunde liegen bzw. diesen übergeordnet sind. Und da gilt es abzuwägen. Wenn man den Klimawandel nicht verhindert, gibt es keine Menschenrechte mehr weil es keine Basis mehr gibt, diese in Anspruch zu  nehmen.

Wie hieß es da jüngst doch einmal, begleitet von gehöriger Empörung? Es ist dassselbe Prinzip. Da meinte doch ein hochrangiger arabischer Imam, darauf angesprochen, daß es Menschenrechte im Islam sehr wohl gebe. WENN sich der Mensch nämlich zu Allah bekehrt habe.

Der einzige Satz der in dieser Videozusammenstellung wahr ist wird von Schellenhuber ausgesprochen: "Wir müssen die Weltanschauungen der Menschen ändern." Um das geht es nämlich tatsächlich.

Es ist die Taktik der Traumatisierung durch pseudologische Panik, die jedem christkatholischen ethischen Ansatz widerspricht und die Wahrnehmung der Menschen schwerstens neurotisiert, sie damit von der wirklichen Wirklichkeit noch mehr entkoppelt, und zum eigenverantworteten Urteil unfähig macht, weil die Gewissensbasis nachhaltig (und das ist das einzige, was an alledem nachhaltig ist) nach außen verlegt, gewissermaßen vor fremde Gerichte trägt, die nach einem Gesetzbuch richten, das dem Ratsuchenden unbekannt bleibt, um nach deren Schiedsspruch zu handeln.

Es ist eine Ersatzethik, eine Ersatzmoral, eine "neue" Moral des Theaters, die das Erleben moralischer Schattenspiele und -dramen auf ausgelagerter Bühne mit eigener Moral verwechselt, und zwar bewußt verwechselt. In der deshalb das Internet eine so wichtige Rolle spielt, denn es ist ausgezeichnet als Bühne geeignet, ja das ist überhaupt seine Basis. 

Als Drama der Entschuldung, dem nur noch die sakramentale Dimension fehlt. Aber auch daran wird gearbeitet ... siehe "laudato si". Um sich so die Mühe der eigenen Sittlichkeit, die eigene und eigentliche Umkehr zu ersparen, und diesmal ist es sogar mit den Mitteln der anderen möglich, übertrifft also den Ablaßhandel noch deutlich: Das Motiv NEID (als Sünde des Ortes, der abgewiesenen oder vermeintlich oder tatsächlich vorenthaltenen Verortung an einem Platz in der Ordnung der Welt) spielt deshalb in der gesamten Ökologiebewegung eine ganz entscheidende Rolle.

(Man wundere sich deshalb nicht, daß die Kirchen so auf diesen Zug aufgesprungen sind, denn Neid ist eines der Grundprobleme jeder Kleriker- oder Funktionärskaste. Genau so, wie diese ganze Debatte 'Folge einer absurden "Bildungspolitik" ist, die eine Akademikerkaste schuf, die nie gebraucht wurde, und nun energisch das Einlösen eines gesellschaftlichen Versprechens nach Relevanz fordert, das angeblich mit dem Titel einherging, das sich aber nicht erfüllt hat. Ihnen bleibt also nur die Pseudologie, die Zweitwirklichkeit, deren absolute Herren sie dann sind. Sei es durch großmütiges "Gewährenlassen", sei es durch strenge Moral, in beiden Richtungen geht es um persönliche Herrschaft über das Heil. Was historisch immer schlagend wurde, wenn die eigentliche Religion - mit der tragenden Rolle im Kult - an geistiger Auszehrung leidet und vom Volk gemieden wird.)

Die eigene Umkehr wird (und der VdZ könnte jede Menge Zitate aus "Fachpublikationen" nennen, die genau das sagen: der Einzelne ist unwichtig, irrelevant, er wird die Welt nicht verbessern) nachrangig, unwichtig, denn es geht um "Höheres", es geht ums "Ganze", es geht um "Alles". Das ganze Klimatheater, der ganze Ökologismus ist dabei nur einer nächsten Stufe einer Leiter angelangt, deren Spitze allerdings prinzipiell in den Wolken verschwimmt und nie erreichbar sein wird, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten erklommen wird.

Die Öffentlichkeit wird dabei bewußt, geplant und konzertiert getäuscht, um eine Gestimmtheit zu erreichen, die die Durchsetzung eines gesellschaftspolitischen, ja wahrscheinlich sogar nur fiskalisch erwünschten Zieles (durch Abgabenerhöhung erweiterter Spielraum der Regierungen) ermöglichen soll. Getragen von der Hybris einer neuen pseudoakademischen Elite, die sich auf diesem Weg zur Weltbeherrschung aufschwingen will, und nicht eimal begreift, daß sie nur nützliche Idioten sind. Denn das Heft des Handelns, der schöpferischen Wirklichkeitsmacht, wandert nie in die Hand der Schwachen, die durch Finte Macht usurpieren wollen. Diese Art der Macht kann nur kurzfristig handeln, und sie kann nur zerstören.

Der Unredliche geht irgendwann an der Verachtung zugrunde, die er sich selbst und anderen Menschen gegenüber aufgrund des Wissens um seine Illegitimität vor dem Sein - Gott - aufrichtet. Das ist dann die Verachtung, die er der Welt entgegenbringt, die sich zum wütenden Tun und zur despotischen Forderung nach Anerkennung steigert, bis er die Welt schließlich lieber ganz zerstört, als sich der Wahrheit zu stellen.






Und noch zum Drüberstreuen ein Zitat des größten Klimafachmannes überhaupt, Arnold Schwarzenegger.









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Samstag, 22. August 2015

Und kämpft gegen sich selbst

Die heutige Generation wehrt sich zuerst gegen den Vater, und sieht sich als Teil einer Masse des Allgemeinen Volkes, der Generation. Aber dort findest sie keine Identität, keine Individualität. Der Weg muß umgekehrt sein: Im Vater hat sich das eigene Erbgut bereits individualisiert, und muß erworben werden, damit es dann individuelle Gestalt annimmt. Als und mit Identität. Johannes, der Angst hat, vor mir nicht "er selbst bleiben zu können", muß sich nicht gegen mich wehren. Nicht ich aber bin sein Feind, der Feind seiner Individualität. Sondern die Masse draußen. So aber wenden sie sich zuerst gegen sich selbst.

Das hat auch mit der Umkehrung der Hierarchien in den Familien zu tun. Denn die Frau wird immer zur Auflösung in der Masse tendieren, wenn sie selbst die Individualisierung durch den Mann nicht aufgenommen hat. Oder den Mann instrumentalisiert, um ihr eigenes Süppchen in der Öffentlichkeit zu kochen. Meist vermischen sich ja diese Sachen. Auch der tragischeste Fall der verlassenen Frau moduliert ja seine Identität im Außen aus dem Bezug zum Mann. Als das, was ihr der Mann angetan, zugefügt hat.

Sie versuchen heute aber, zuerst den Vater kleinzuschlagen. Mit der Hilfe und Unterstützung der Mütter, der Masse. Denn das heißt ja in erster Linie Feminismus: Die Ablehnung der Individualisierung, deren Imitation durch Scheinindividualisierung, aus der Ablehnung dessen, was Identität wäre, die nur übernommen werden kann, die jeder Mensch verdankt. 

Mutternähe heißt: Unindividualisierte Eingebettetheit. Indvidualität ist dann nur noch zum Schein - im Notgriff - über vergegenständlichte Eigenheiten, in der Selbstvergewisserung und bewußten Selbstkonstruktion möglich. Also muß der Mann Vater und Mutter verlassen, um selbst Identitätsstifter - als Modus und Historizität einer übernommenen Identität - zu sein.

Denn der Mensch ist nur die Individualisierung eines Allgemeinen, des Menschseins überhaupt, zuerst, in seiner ersten Konkretisierung, der Familie. Das macht sein Personsein aus. In dem der Vater die Individualisierung der in einer Familie angelegten, immer vorhandenen Geschichte, eines Erbes ist.* Identität, Individualität wird als zuerst über den Vater angenommen, und dann in einer immer eigenen Art - anderer Zeit, anderer Ort, denn jeder Tag ist anders als der vorangegangene - interpretiert. Das muß gar nicht gemacht und bewußt intendiert werden, das passiert selbstverständlich. Und zwar in dem Maß, als ein Mensch sich  nach und nach, im Prozeß des Erwachsenwerdens, in seiner Vernünftigkeit mit dem übernommenen, vorhandenen Material (und den Aufgaben) auf sich selbst zu stellen vermag. 

Denn Persönlichkeit heißt immer, sich selbst eigenverantwortlich setzen zu können. Heißt aber nicht, sich selbst neu erfinden zu müssen. Man IST bereits erfunden. Als eigener und durchaus - in je unterschiedener Weise, im Außen, im Rahmen der Familie selbst, überall dort sind es ja zuerst die Beziehungen, die zu erfüllen sind - zu behauptender eigener Modus eines Vorhandenen. Was natürlich jeder Gesellschafts- und Staatsordnung eine gewisse Statik gibt, eine Langsamkeit der Veränderung im Modus der jeweiligen Individuen.

Hierein fügt sich die schon öfter erwähnte Merkwürdigkeit, daß es "keine Talente gibt". Denn es gibt nur einen Ort, als Schnittpunkt von Bezügen und Beziehungen, in seiner Eigenart festgelegt durch den Mann. Und dieser Ort ist es, der Individualität bedeutet, und zwar als Position einer Aufgabe gegenüber. Denn das Familienproprium ist das einer Aufgabe in der Welt, durch den Platz, durch den Ort der Familie. Talent, Veranlagung ist dann nur die immanente Art und Weise, meinetwegen: Fähigkeit, mit einer Aufgabe umzugehen. Aber jede Fähigkeit ist selbst wiederum durchtränkt mit diesen Bezügen aus der Verortung (als Grundlage wie Vorgabe zu jeder Individualisierung) - mit Identität.

Deshalb wird der Mensch auch nie aufhören, den Vater zu suchen, gerade wenn er ihn nie erlebt hat, weil er ihm unbekannt oder fern (im Sinne einer nicht vorhandenen Erzählung) war. Denn er trägt die wesentliche Aussage zu eines Selbst, zu eines Individualität: aus ihm geht der eigene Ort hervor. Das Zerschlagen der Väter führt also nicht zu mehr Individualität, im Gegenteil, es ist ein Kampf gegen die eigene Individualität, die sich anders als über ihn gar nicht finden läßt. Denn wenn das Kind noch engstens mit dem Leiblichen der Mutter verbunden ist, ist es schon im Mutterleib seine Stimme, die als "das andere" zum Auftrag ruft. Den der Heranwachsende mehr und mehr erfaßt.




*Wie verrückt so vieles heute ist, zeigt ein Artikel im Wiener Standard. Der es in typischer linker Gehirnverschmalzung als beklagenswert anprangert, daß Vermögen, Eigentum, "sozialer Aufstieg" in Österreich immer noch so eng mit Erbe verbunden ist. Das sei eine Ungerechtigkeit, lautet die Botschaft. Ganz so, als wäre das einzige gerechtfertigte Vermögen das durch Eigeneinkommen erzielte. Nur - das ist es nicht, aus seinem Wesen heraus, war es nie, und wird es nie sein. Wenn derselbe Artikel deshalb als Gegenbeispiel die Slowakei anführt, so beweist das nur das hier Gesagte. Denn die Hauptstoßrichtung des Kommunismus war die Individualisierung von Eigentum, das nur in der Familie und im Generationenzusammenhang möglich ist. Anders kann Eigentum, Kapital, gar nicht redlich entstehen, würde sich auf den Erfolg a-moralischer Cleverness reduzieren. Der VdZ erlebt es ja auch in Ungarn, wo es keine Mittelschichte mehr gibt, und damit auch kein Erbe. Und damit auch kein Kapital. Bestenfalls Schulden. Das wird sich nur ganz langsam wieder ändern.

Das ist keine Ungerechtigkeit, sondern der einzige Wesensbezug, den Eigentum überhaupt haben kann: Als Teil der Persönlichkeit, und DAMIT der Familie und Herkunft als wesentliche Basis der Persönlichkeit, die sich nur in der Selbsttranszendenz bilden kann. (Man wird zu sich selbst erst im Hinausschreiten auf das Du, im Vergessen des Ich -  man empfängt sich also immer!) Wer kein Erbe hat (oder: hätte, denn es ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich, KEIN Erbe zu haben; man kann es bestenfalls vergessen, nicht kennen, was übrigens die Tragik der Zeit ist), dem fehlt die Persönlichkeit, die (größeres) Eigentum rechtfertigen könnte. Solche Nachrichen sind deshalb pure Auswüchse des Neids. Und der Neid ist die Sünde der Ortslosigkeit, sei es eines nie erhaltenen Ortes, sei es eines von einem selbst verweigerten Ortes.

Das ist ja das Wesensmerkmal des "Linksseins". Das aus seinem Wesen heraus eine Problematik des Ortes ist. Und deshalb (!) findet sich auch die Linke in ganz bemerkenswerter Homologie (mit allen möglichen Selbstwidersprüchen, in denen die Linke durch die Ergebnisse ihres Wirkens das Gegenteil von dem bewirkt, was zu erreichen sie vorgibt) mit ... dem Islam, der als Bewegung, in seinem Ursprung, diesen Untergrund hat: Des gewaltsamen Ergreifens eines höheren Status, als ihn die Väter vorgeben, durch Niederreißen jener, die diesen tatsächlich haben oder hätten. Das Schwache macht das Starke schwach, damit seine Schwäche Stärke wird.




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Montag, 3. August 2015

Die fatale Folge der Gleichheit

Wo liegt aber der prinzipielle Fehler in dem Irrglauben, daß es Information wäre, die jeden Menschen - er müsse nur ausreichend damit versorgt sein - in die Lage versetzte, alles (Vereinzelte) zu beurteilen? Immerhin haben wir es ja hier mit den Grundlagen dessen zu tun, was viele sich als "Demokratie" vorstellen. Und die meisten Vorstellungen von Volksdemokratie, der Abstimmung von den Graswurzeln her, beziehen sich auf dasselbe.

Weil wir es im Urteilen des Menschen nur in einer gewissen Zuordnung der Pole Verstand, Denken und unbewußten Vorgängen zu tun haben. Die jeweilige Verlagerung, die Rolle des Verstandes also, hat aber nicht mit dem Menschen zu tun, so als müßte sich jeder nur ausreichen darum bemühen, sondern sie wird bestimmt vom Ort, an dem der Mensch steht. Machen wir es noch einfacher: Vom Amt, das er (als identität) innehat. Denn Urteil wird bestimmt von der Bedeutung, die jemand einer Sache, einem Sachverhalt beimißt. Daraus geht hervor, daß diese Bedeutung sich ihr Maß von der Rolle holt, von der Identität, die der einzelne zu erfüllen hat. Von seinem Namen.

Diese Namen sind es im übrigen auch, in denen sich der Mensch auf den ordo Gottes - auf die Ordnung der Ideen in Gott, die der Welt zugrundeliegen - bezieht. Und aus diesem Ort, in dem er somit per Zeugung und damit Vereinzelung aus dem Schöpfungsakt des Menschen sui generis steht, in seiner Epoche, in seinem Land, seiner Familie, etc. etc., fließt ihm sohin auch jene personale Gnade der Wahrheit zu, aus der er dann sein Urteil setzt oder setzen sollte (weil er andernfalls, im Ungehorsam sohin, im nächsten Moment das Wahrheitsmoment bereits verscheuchen würde.)

Deshalb gilt auch in einem Staat, einer Gemeinde, einem Sozialwesen egal welcher Ort, daß es Erkenntnis und Urteil nur in dem Maß überhaupt gibt (das ja weit mehr ist als rationales Rechenspiel), als dem Ort zukommt, an dem der Mensch - in seiner Rolle - steht. Deshalb ist, nehmen man politische Entscheidungsprozesse, der Einzelne auf Gemeindeebene durchaus anders gefordert, als auf Länder- oder Bundesebene. Wo er nämlich Ebenen gegenübersteht, die er eigentlich überhaupt nicht beurteilen kann. Und zwar NICHT, weil er etwa eine Sache nicht versteht. Ein kluger Unternehmer vermag etwa sehr wohl eine Budgetpolitik auf ihre sachliche Wirkung hin zu beurteilen. Sondern weil ihm jene Inspirationen gar nie zufließen, unter denen der Politiker auf Staatsebene (in dem Fall) steht, wenn er seine Rolle wahrnimmt. 

Denn jedes Aufgabe ist die Wahrhabe einer Gestalt, und in dieser wiederum ein Kreis der Gestaltbeziehungen. Nur von Gestalt zu Gestalt entscheidet sich aber Wirksamkeit. Und nur IN einer Gestalt wird jene Ganzheit eines - die Gestalt als Aufgabe aus ihrem Ort heraus betreffenden - Urteils und Handelns möglich, die der Handlung angemessen ist.

Der heute enorm weit verbreitete Irrglaube, Aufgaben wären (nur) eine Sache von Information und richtigen Rechenoperationen, geht bereits von einem irregeleiteten Weltbild aus. Einem des Materialismus, in dem das Gefüge der Welt ein von unten heraus aufsteigender Aufbau von simplen, von unten bis oben gleichen Ursache-Wirkungsbeziehungen wäre.

Daß sie das nicht ist, zeigt nicht nur die Quantenphysik seit 100 Jahren. Daß sie nicht so ist, sagt auch die menschliche Erfahrung, die sich der Welt wieder als Gefüge und Ordnung aus dem ordo Gottes zu erschließen bereit ist - und plötzlich auch wieder Dinge wahrnimmt, die ihr bislang, im Nebel des Irrtums, verborgen bleiben. Weil er den Platz ausfüllt, auf den er gestellt wurde, und in dessen Anteil und Stellung zum Licht (als dessen Bedingung) die Welt sieht.

Im Gegenbeweis läßt ein Nachdenken über den Neid - der Sünde der Ortslosigkeit - die Richtigkeit dieser Aussage erkennen. Denn der Neid zielt nie auf einen faktischen Zustand ab, das täuscht (weil er ja konkret sein muß). Er zielt zuerst auf einen beanspruchten Ort im Gesamtgefüge ab, AUS DEM sich dann Ansprüche und etwa Besitzrechte ergeben. 

Die Menschen werden am meisten mit Neid verfolgt, die aus der Ebene ausbrechen (aufsteigen) wollen, der man selbst angehört. "Der glaubt wohl, er sei etwas Besseres?!" Umgekehrt akzeptiert man lustigerweise ja sogar jene, die zwar mehr besitzen, aber sich nicht im Stand, in der Ebene, erheben. Ein - sagen wir - Papst, der Gummischlappen trägt, wird nicht angefeindet werden. Denn er ist ja nicht Papst, also über mir, er stellt keinen Gestaltanspruch, er stellt keinen Anspruch auf einen Ort, auf ein Amt. Denn das, was ein Papst zu geben hat, ist NICHT sein Gerede. Es ist seine Gestalt! So, wie Gott inkarniert ist. Er hätte ja auch eine Schriftrolle vom Himmel fallen lassen können, wie es im AT ja quasi passiert ist, oder der Arianismus resp. Islam es behauptet, für den Gott eben NICHT inkarniert ist.

Und jene werden am meisten vom Neid geplagt, die nicht sicher sind, welcher Ebene sie angehören. Denn dann könnten sie ja auch weiter nach oben gehören. Oder bzw. auch, weil man ihnen die Illusion geweckt hat, sie hätten es weiter oben verdient. 

In einer Volksgemeinschaft etwa aber, in der sich alle per Verordnung auf quasi "gleichem" Niveau befinden, wird jeder jeden verfolgen, zum einen, weil jeder weiß, daß das gar nicht stimmen kann. Und zum andern: jeder in Lethargie und Desinteresse an seinem Tun absinken, weil ihm Gerechtigkeit und gerechter Lohn immer vorenthalten bleiben, weil mangels Ort gar nicht bestimmbar sind. Vor allem aber wird generell die Fähigkeit eines Volkes, Lösungen für auftretende Probleme zu finden, verloren werden. Denn niemandem wird mehr jener Geist zufließen, der einem Bezugsganzen, einer Gestalt alleine innewohnt, der einem Problem angemessen ist. Er Egalitarismus führt also zwangsläufig in eine generelle Absenkung des Niveaus, ja zum Selbstverlust aller. Und damit zur Dummheit aller, worüber bestenfalls eine gewisse (niedrige) Cleverness hinwegzutäuschen versucht. Eine Gesellschaft, ein System, funktioniert nur in einem Band des Gehorsams, der sich aus der Hierarchie der Gestalten, der Rollen ergibt.





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Montag, 26. Januar 2015

Von der Armut, die Armut gar nicht kennt (3)

Teil 3) Hinzufügungen, Folgerungen und Ausschweifungen zur Armut



Man erkennt nur, was man selber zu Eigentum besitzt. Nicht "Daten" machen Erkenntnis. Sondern Armut. Weil sie eine sittliche Reaktion auf das Sein fordert. In der Armut erlebt der Mensch seine irdische Machtlosigkeit. 

Deshalb reden so viele von Armut und bejubeln das sozial-liebessäuselnde Geschwätz darum, deren ganzes Leben der Umschiffung eben dieser Machtlosigkeit geweiht war und ist. Ja, sie verzichten auf Besitz - weil sie ohnehin nie welchen hatten, weil nie Eigentum hatten, weil nie begriffen haben. Sodaß ihre sozialen Großtaten das Herumwerfen mit Geld ist, das ihnen nie gehörte. Selbst wenn offiziell am Konto ihr Name stand. Oder eben auch nicht. Denn im Verteilen fremder Güter zeichnen sich gerade die Armutsbekämpfer ja hervorragend aus. 

Spätestens hier ist der Punkt, die Dimension des Begriffs der Armut aus dem Allgemeingeschwätz zu lösen. Denn was oben, in den zwei Teilen zuvor, ausgeführt ist, ist natürlich viel mehr Allgemeinprinzipien, als pekuniären Aspekten gewidmet, so eng das zusammenhängt. Aber es hängt zusammen, weil es eine Ursachenquelle hat - die Seinslosigkeit. 

Sodaß die tieferen geistigen Zusammenhänge gar nicht mehr interessieren. Nein. Nun geht es allerorten, auch und gerade in der Kirche, um vordergründige Gefühle und Strebungen. Woher diese ihr Ziel, ihren Sinn beziehen sollen wird der geistige Untergrund vernachlässigt, jeweils in die Zeit hinein neu herausgearbeitet, in seine Prinzipien nämlich, diese Antwort bleibt dem geheimnisvollen und irrationalen Wuselwirkmanderl vorbehalten. Ob das derzeitige Armutsgefasel im Vatikan, ob das Klimageschwätz der IPCC und tausender NGOs weltweit, oder politische Maßnahmen der USA, was auch immer: es fällt unter denselben Wirkmechanismus. Und unter dieselben Charakteristika: Reaktionen des Elends.

Und damit sind auch die Bejubler dieser Entwicklungen, die Liebdiener dieser "Führer", sehr ausreichend charakterisiert. Allesamt gleichfalls Elende. Denen plötzlich das Konkrete vor dem Allgemeinen geht, als wäre das dann Realität. Denen es plötzlich ein Konkretes OHNE Allgemeines gibt. Die nie begriffen haben, daß sich das Allgemeine eine Welt schafft, die im Konkreten erst dann wird.  Die deshalb der Erforschung des Allgemeinen ihr Recht absprechen, weil sie meinen, sie aus dem Detail, dem Konkreten heraus viel besser erklären zu können. 

Sie haben alle Rechte verwirkt. Gehören sie doch dem Topf der Elenden an. Also pochen sie umso mehr an technische Vollzüge, an formalistische Anerkennungsprozeduren. Pochen auf die Aushebelung von Titeln und Weihen freilich dort, wo sie ihrer eigenen Anerkennung und Durchsetzung im Wege stehen.

Es wäre kräftig mißverstanden, den schon vor vielen Jahren verfaßten Artikel des VdZ dahingehend zu interpretieren, daß er verlangte, der Kirche alle Geldmittel zu nehmen. Das Mißverständnis ist sogar oft bewußt inszeniert worden. Lustigerweise haben sich oft gerade jene dagegen ausgesprochen, die heute mit Jubelpatschhändchen Aussagen des jetzigen Papstes begleiten.

Nein. In diesem Sinn hat es der VdZ nie verstanden. Er meinte NICHT, daß der Kirche alle Vermögenstitel gestrichen werden sollten. Er meinte vielmehr, daß der Kirche die Wirklichkeit fehlt, weil sie gerade im deutschsprachigen Raum zur üblichen Beamtentrottelei herabgesunken ist. Und deshalb verneint, vehement! der VdZ Aussagen, die der Kirche jede Unternehmenstätigkeit absprechen wollen. Das zeugt nur von einem völligen Mißverständnis von Wirtschaft als Wirklichkeitsaustragung.

Nein. Die Kirche soll nur aus dem Zustand der Verbeamtung - egal, wie hoch die Gehälter sind, das ist kein Kriterium für Armut! - herausgesprengt werden. Das kann sie selbst nicht mehr, das ist die Meinung des VdZ. Weil sie selbst die Armut nicht mehr versteht. Sich selbst nicht mehr versteht. Schon gar unter diesem Papst.

Nein, im Gegenteil: Rückgabe der Selbsterhaltungsfähigkeit der Kirche, so, wie alle die Zuwendungen an Gütern je gedacht waren. Auflösung der Religionsfonds in den ehemaligen Ländern des deutschen Kaisers Josef II. (der hat diese Lösung nämlich eingeführt, weil er besser zu wissen meinte, was der Kirche gut täte, und nicht einmal in allem unrecht hatte, hier aber fundamentales, von der Aufklärung vernebeltes Unverständnis offenbarte). Mit der Verbeamtung der Kirche wurde nur erreicht, was heute allgemein und so schmerzhaft zu beobachten ist: Völlige Ahnungslosigkeit der Wirklichkeit gegenüber. Was sich nicht zuletzt in so manchen regelrecht lächerlich utopistischen Sozialforderungen der Kirche zeigt.

Im Gegenteil also, im Gegenteil zu Papstaussagen: Die Kirche muß das Unternehmertum als Prinzip wieder entdecken, nicht ablehnen. (Im übrigen wären, sind, nur die letzten Reste verbliebener Ständefreiheit das Regenerationselement der Kirche, leider völlig unerkannt, leider sogar düpiert: Diese Menschen wenden sich meist sehr mit Recht von den Trotteleien ab, die sich mittlerweile in den Pfarren - Wohlstandskrüppel - entwickelt haben.) Sie muß die Arbeit, gerade in ihrem Pendant, der Entlohnung, dem Tauschwert, als Element der Wirklichkeit wieder entdecken. So, und nicht anders, ist das "Geldvermögen" der Kirche entstanden: Als Element der Selbsterhaltung durch Arbeit, nicht und niemals als Pensionsbequemlichkeit. Die Kirche, die Klöster vor allem, waren deshalb die Grundlagen der europäischen Industrie. Sie waren die ersten, die Arbeitsteiligkeit auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Entfaltung entwickelten. Eine Kirche der verbeamteten Vollfresser und Gehaltsempfänger, egal was sie tun, muß zwangsläufig scheitern.

Erst dann wird sie auch das Element der Kontemplativität wieder einschätzen zu lernen. Denn die Mystik ist aus der Kirche verschwunden, gerade zum Gegenteil zum offiziellen Gequatsche. Und kaum einer offenbart diesen Mangel stärker, als ein ständig in Spiritualitätsduktus säuselnder Papst.






*260115*

Sonntag, 25. Januar 2015

Von der Armut, die Armut gar nicht kennt (2)

Teil 2) Warum der amerikanische Traum sogar ein bißchen wahr und gut ist




Wahrer Reichtum (der engstens mit Eigentum verknüpft ist - als Zubehör zur Persönlichkeit, als deren Ausfaltung in die Welt hinein, insofern ein Schöpfungsprozeß!) ermutigt deshalb den wahren Armen, ist ihm Ansporn zur Größe, denn der wahre (arme) Reiche ist Seelenbruder des (wenige Güter besitzenden) Armen. Hier hat sogar der amerikanische Traum jenes Fünklein Wahrheit, an dem sich - mißbraucht und unverstanden - menschlicher Wahn aber so fatal entzündet hat.

Niemand aber hochfahrender als der letztere, der Elende. Letzterer wird nämlich gar nichts schätzen, ja er wird sogar jede Wertschätzung für irdische Güter, für den Reichtum der Schöpfung verlieren, und Schäbigkeit von Bescheidenheit nicht unterscheiden können. Er schätzt und liebt auch nicht, was er hat, und wird elend. Und er bleibt elend, auch wenn er 6000 Euro monatlich erhält. Denn anders als das Elend, fordert die Armut zu einem inneren aktiven Zustand der Rückbindung ans Ewige heraus. Während das Elend diese selbst zu leistende Tätigkeit - erst dann ist der Mensch in seiner Bestimmung und Würde - durch äußere Güter ersetzbar glaubt, sich also keineswegs selbst erhebt. 

Daß der Arme mutlos werden kann, und deshalb vorerst auch ins Elend fällt, oder der Elende sich eines Besseren besinnen kann, ist dabei selbstverständlicher Teil der menschlichen Vielfalt, weshalb jeder Mensch ganz gewiß immer sehr situationsbezogen zu sehen ist. Genauso bleibt dem zu (!) geringen Besitz natürlich das "Unangenehme", das Hemmende, das Kreuzhafte. Aber der Arme erkennt darin den Verweis auf eine Möglichkeit der Größe und Lebenserfüllung, die ihm immer bleibt, während der Elende diese Größe weder hat noch sucht.

Wir sprechen hier aber von ganz realen existentiellen Bedingungen. Nicht von Salonmoralisten, die gerne von geistigen Vollzügen schwadronieren, um sich jede Ernsthaftigkeit zu ersparen, bei der es ja erst um Wirkliches ginge. Während dem Armen zu helfen moralisch wertvoll ist, in jedem Fall, so ist es in den meisten Fällen sogar schädlich, dem Elenden zu helfen, es sei denn, daß er sich aus dem Elend - was meist heißt: zur Armut - zu erheben vermag. Aber diese Hilfe braucht Klugheit, Weisheit, gutes Überlegen und Sinn für pädagogisches Handeln, das heißt: Menschenkenntnis. Denn anders als die Armut, ist das Elend eine Verderbnis der Seele, und ihre Behebung hebt auch nicht die Glück- und Heilsperspektive des Betroffenen, ja im Gegenteil ist seine Besitzlosigkeit in seinem Seelenzustand verankert: der Elende wird immer auch verlieren, was er noch hat, und verspielen, schlecht gebrauchen, was er erhält.

Deshalb hat Marx die Armut gefürchtet. Denn er hat sie in einer Wirkung beobachtet, die er bösartig auf den Machtrausch der Kirche zurückführte: daß nämlich Arme für revolutionäre Gedanken alles andere als empfänglich waren. Das änderte sich erst, als man alle Verelendete. DAS sind die idealen Bedingungen, denn der Elende ist unfrei. Nicht aber der Arme.

Und deshalb sind alle revolutionären Gedanken und Bewegungen nie von den Armen ausgegangen. Das ist Geschichtsfälschung, das immer wieder und wieder, und auch heute, zu behaupten. Alle diese Bewegungen kamen von den Elenden, ob mit oder ohne Besitz, und bei beiden aus dem gleichen Motiv: Neid, als seelische Erkrankung der Platzlosigkeit und -verweigerung, des inneren Ungehorsams, und damit der Erkenntnis-Verweigerung.

Gleichzeitig bewegt sich eine solcherart im Elend gegründete bzw. existentiell unterfütterte geistige Situation immer zu einer geistigen Welt der "Blumentöpfe". Sie schafft sich künstliche Probleme, die zu lösen sie dann alles einsetzt. Nahezu der gesamte politische Apparat der Gegenwart, ob in Politik oder Kirche, ist damit bereits charakterisiert. Samt seinen Proponenten - existentiell abgesicherte, nur in der Dotierung unterschiedlich "besitzende" Elende. Deren Verachtung für den Reichtum nicht aus wohl verstandener oder gelebter Armut besteht (umso demonstrativer müssen sie diese Armut ja auch beweisen oder fordern, und zwar ständig), sondern aus der Geringschätzung des Irdischen. Und damit aus einer Häresie, einer Fehlhaltung vor Gott. 

Denn gerade die größten, schönsten Dinge dieser Welt - Kunst, Architektur, die Liebe zu Liturgie und üppigem Kult, die Wertschätzung des Schönen ... nur als Andeutungen - sind aus Situationen größter Armut entstanden, und nicht zufällig, und schon gar nicht aus Ausgepreßtheit, sondern aus der Beziehung zum Besitz der Spender, der Gebenden, die diese Dinge erbauten, ermöglichten. Und sieh da, aus dieser Armut erhob sich binnen weniger Generationen eine wahre Hochkultur. Nur wer die Relativität der Hoffnung auf irdische Güter kennt, wer sein Herz nicht (mehr) daran hängt (ohne sie zu verachten, weil auch sie ihr Sein aus Gott haben), schafft dem Geist Raum. Wer fastet, der salbe sein Haupt!

Er bezieht sein Maß nicht aus sich - er bezieht es aus dem Sein, dem er als Empfangender gegenübersteht. Kein Reicher, der nicht den Einbruch der Gnade erlebt hat, NACHDEM er sich am Ende aller seiner (irdischen) Hoffnung wußte. Und damit Raum für die Gnade ließ. So ist jeder Reichtum entstanden, ja jede hohe Stellung. Niemals aus "Belohnung von Kenntnissen" oder "erleisteten Anrechten" oder "erhaschten Titeln". Niemand ist so demütig, das sagt der VdZ aus vielfacher Erfahrung, wie Menschen, die wirklich in hohe Positionen und zu Reichtum gekommen sind (und nicht Diebe, Elende sind.) Und niemand so hochmütig wie jene, die meinen, die Güter der Welt nicht achten zu müssen, die sogar noch "Armut bekämpfen" zu sollen fordern.

Sodaß sehr begründet die Geschichte wenig von Zeiten der Elenden hören läßt, in denen ganze Völker ins Vergessen abgesunken sind (oder sich nie zur Geschichte erhoben haben), eben weil es ihnen an der Wertschätzung der Dinge, und damit an der richtigen Armut fehlte. Manchmal und nicht selten sogar gerade dort, wo sich Völker in Krieg und Eroberung gar große "Reiche und Reichtümer" angeeignet hatten. Denen aber jenes Fundament fehlte, das ein Gut überhaupt erst mit Bestand durchtränkt.

Das ist das wahre Geheimnis der weltdurchwirkenden Kraft des christlichen Abendlandes. Und das ist seine Unterscheidung von nahezu der gesamten übrigen Welt. Es würde von seiner geistigen Kraft her sogar noch für die Durchwirkung jedes politischen kontinentalen Programms reichen.  Nicht aus Nützlichkeit, sondern aus dem Wissen um das, was Kultur überhaupt wirkt.

Aber müßte man nicht schon sagen: das war sie? Wie viele reden von Elend, und nennen es Armut? Wie viele mittlerweile, bis und vor allem in höchste und allerhöchste Positionen, haben keinen blassen Dunst von Armut, obwohl sie scheinbar daraus herstammen, ja dieses der Begriffsverwirrung entstammende Äußerliche als Ausweis vorgeben, aber - in Wahrheit nur dem Elend nie entwichen sind?


Morgen (voraussichtlich) Teil 3) Hinzufügungen, Folgerungen und Ausschweifungen




*250115*