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Dienstag, 20. Oktober 2020

Gegen den Antichrist

Aus gegebenem Anlaß eine Wiederholung eines Beitrags auf diesem Blog, der hier am 29. September 2010 gebracht worden ist.

"Ich rufe aus des Paulus zweitem Brief an die Thessalonicher den Katechon, den Aufhalter [des Antichrists, Anm.] heran - vor der eschatologischen Wiederkehr Christi die Herrschaft des Antichrists, die sich in zunehmender Bosheit vorbereitet, aber so, daß diese Zunahme von einer sie aufhaltenden Kraft gehemmt wird. 

Paulus hatte wohl das Imperium Romanum im Auge, das die Anarchie durch das Recht bändigt, und ähnlich verstanden sich die deutschen Kaiser des Mittelalters. Erst wenn der Widersacher die Autorität und Majestät des Staates beiseite getan hat, kann er frei schalten - und in dieser Obrigkeit sahen wir ja eine der mythischen Mächte, die zusammen mit anderen das Geflecht der Wirklichkeit ausmacht."

Gerhard Nebel, in "Stefan George und die entgötterte Welt"


*160920*

Montag, 21. September 2020

Gegen den Antichrist (2)

Aus gegebenem Anlaß eine Wiederholung eines Beitrags auf diesem Blog, der hier am 30. September 2010 gebracht worden ist.

"Ich verstehe den zivilisatorischen Prozeß als Aktion des Antichrists und ehre die Mächte, die in Hölderlin und George wild lustvoll, sprengend einbrechen, als Gestalten des Katechon - aber nicht nur in der strömenden Fülle, wie sie etwa der Sieger sei es des Schlachtfeldes, sei es der Arena im Augenblick des Triumphes erfährt, sondern auch in der schweigenden Gewalt der Sitte wird der Weitergang der Bosheit verhindert. Wir alle können dazu beitragen, in dem wir uns für die mythischen Gerüste opfern und indem wir aus der Öffentlichkeit, vor allem aus dem Kulturbetrieb, ausscheiden.

Ich denke an die Ordensstiftung Georges, an die Rückzüge Heideggers nach Todtnauberg, Ernst Jüngers nach Wilflingen - allein die Abseitigkeit ist heute schon ein Verdienst."

Gerhard Nebel in "Stefan George und die entgötterte Welt"


*160920*


Montag, 22. Juli 2019

Das Interessanteste ist meist auch ziemlich lustig

Florida ist dabei ein Gesetz zu erlassen, das Anti-Semitismus unter dieselben Strafen wegen "Hate Speech" stellt wie Terrorismus und Gewalt, wie sie durch ISIS oder den KuKluxKlan (KKK) begangen werden bzw. mit deren Existenz verknüpft sind. Die Gesetze, die diese Form von "Hate speech" zukünftig ahnden wird, werden bei einer eigens zur Unterstreichung der Bedeutung dieses Gesetzes einberaumten Senatssitzung in Jerusalem (sic!) ratifiziert, zu welchem Behuf der gesamte Senat symbolträchtig nach Israel fliegen wird. Nun ist es natürlich notwendig, diesen schwammigen Begriff erst einmal zu definieren. Und das hat man auch in diesem Gesetz versucht, das da verkündet:

Anti-Semitismus” ist “‘eine Art der Beurteilung des jüdischen Volkes, welche man als Haß gegenüber Juden auslegen könnte." Das geschieht durch Akte wie:
  • Der Aufruf zu, die Beihilfe zu, oder die Rechtfertigung von Gewalt gegenüber Juden
  • Die Verbreitung von Mythen über eine jüdische Weltverschwörung, oder daß Juden die Medien, die Wirtschaft, die Regierung oder andere Institutionen kontrollieren
  • Die pauschale Beschuldigung des Jüdischen Volkes, für wirkliche oder fiktive falsche Handlungen durch einzelne jüdische Menschen, Gruppen, oder den Staat Israel, oder für solche Taten durch Nicht-Juden verantwortlich zu sein
  • Die Beschuldigung des Jüdischen Volkes, den Holocaust erfunden zu haben oder dessen Bedeutung zu übertreiben
  • Die Beschuldigung jüdischer Bürger oder Länder außer Israel, gegenüber Israel loyaler zu sein als gegenüber ihren eigenen Nationen
  • Die Dämonisierung, die Behauptung einer Doppelmoral oder das Absprechen des Existenzrechts gegenüber dem Staat Israel
Der einzige Abgeordnete, Frau Senator Audrey Gibson, die im Begutachtungsprozeß zu diesem Gesetzesakt Einspruch erhoben hatte, weil sie dieses Gesetz als Maßnahme zu einer unzulässigen Beschränkung der freien Meinungsäußerung sah, änderte nach zwei Tagen ihre Meinung. Während derer sie einem konzentrierten Trommelfeuer aus Medien und sämtlichen übrigen Senatoren und Parteiorganisationen ausgesetzt war, berichtet William M. Briggs in einem Blogeintrag.

Als ein Journalist es wagte die Frage zu stellen, wie man "Dämonisierung, die Behauptung einer Doppelmoral oder das Absprechen des Existenzrechts gegenüber dem Staat Israel" genau zu verstehen habe, beschuldigte ihn ein Sprecher der ADL - die in den USA enorm einflußreiche Anti Discrimination League - ein Anti-Semit zu sein.

Als ein weiterer Journalist dem Gouverneur Floridas, Ron DeSantis, um Auskunft bat, ob man den Umstand, daß man so ein Gesetz ausgerechnet in Israel unterzeichne, nicht genau als Beweis für den großen Einfluß von Juden auf die Politik sehen könnte, nannte ihn dieser einen Anti-Semiten.

Als ein nächster Journalist die Frage stellte, ob der Beschluß eines Gesetzes, das jede kritische, politische Diskussion über Juden und Israel verbiete, wegen der Sonderstellung, die man somit Juden und Israel zubillige, ein Ansteigen der Abneigung, der Verdächtigung, ja des Hasses gegenüber Juden und Israel nach sich ziehen würde, nannte ein Sprecher der AIPAC - des American Israel Public Affairs Committee - den Reporter einen Anti-Semiten.

Natürlich waren nicht alle Senatoren Floridas so naiv. Als einige meinten, daß ein gewisser negativer Rückschlag in der Meinung der Bevölkerung zu erwarten sei, arbeiteten sie in Windeseile ein weiteres Gesetz aus, in dem zukünftig "Hate Crimes" auch gegenüber den Christen unter Strafe gestellt werden. Zur Unterzeichnung dieses Gesetzes wird der Gouverneur dann nach Rom fliegen, und dort das Gesetz mit einer Füllfeder unterschreiben, den er von Papst Franziskus persönlich erhalten hat. 

Damit steht freilich die Mitgliedschaft in oder Förderung der zur Stärkung und Verbreitung des Liberalismus 1920 gegründete ACLU - die American Civil Liberties Union - in Florida hinkünftig unter Strafe, denn sie fällt nun unter dieselbe Kategorie terroristischer Vereinigungen wie die ISIS, der KKK, oder die palästinensische BDS. Weil die programmatischen Aussagen der ACLU verstoßen gegen etliche Punkte von dem, was dieses Gesetz als "Anti-Christlich" definiert.

Anti-Christlichkeit” ist "eine Art der Beurteilung von Christen, welche man als Haß gegenüber Christen auslegen könnte." Das geschieht durch Akte wie:
  • Der Aufruf zu, die Beihilfe zu, oder die Rechtfertigung von Gewalt gegenüber Christen
  • Die Verbreitung von Mythen über eine katholisch-vatikanische Weltverschwörung, oder daß Christen die Medien, die Wirtschaft, die Regierung oder andere Institutionen kontrollieren
  • Die pauschale Beschuldigung von Christen, für wirkliche oder fiktive falsche Handlungen durch einzelne Christen, christliche Gruppen, oder den Vatikanstaat, oder für solche Taten durch Nicht-Christen verantwortlich zu sein
  • Die Beschuldigung von Christen, die Auferstehung erfunden zu haben oder deren Bedeutung zu übertreiben
  • Die Beschuldigung jüdischer Bürger oder Länder (außer Israel selbst), gegenüber Israel loyaler zu sein als gegenüber ihren eigenen Nationen
  • Die Dämonisierung, die Behauptung einer Doppelmoral oder das Absprechen des Existenzrechts gegenüber dem Staat Israel
  • Die Beschuldigung von Katholiken in Ländern außer dem Vatikan Staat, dem Vatikan gegenüber loyaler zu sein als gegenüber ihrer eigenen Nation.
  • Die Dämonisierung oder die Behauptung einer Doppelmoral oder das Absprechen des Existenzrechts gegenüber der Heiligen Römischen Kirche
Als ein Reporter der Richard Dawkins Stiftung für Vernunft und Wissenschaft anfrug, ob nicht der Beschluß so eines Gesetzes Nahrung für Verschwörungstheorien wäre, daß die Regierung damit den Einfluß von Religion auf die Amerikaner stärken wolle, nannte ihn Gouverneur DiSantis einen "Anti-Christen."

Kurz darauf meldete sich aber auch ein Sprecher der ADL, und wies den Senat von Florida darauf hin, daß die Bestrafung des Bestreitens der Auferstehung Christi ein Akt des Anti-Semitismus wäre, weil doch alle Juden dessen Auferstehung bestreiten. Daraufhin nannte ein Sprecher des Senats den Sprecher des ADL einen "Anti-Christen."

Wie man hört, schreibt Briggs weiter, überlegt derzeit der Senat von Florida, auch "Hate Speech"-Gesetze gegen Muslime, Feministen, Veganer und Briefmarkensammler zu erlassen.


P. S. Man muß es für uns Deutsche und Österreicher fast dazusagen, denn uns sind ja die Dinge aus der Presse nicht so bekannt wie Briggs: Nur ein einziger Satz, ja ein einziges Wort in diesem Artikel beschreibt (sic!) etwas, das NICHT genau so vorgefallen ist bzw. den Tatsachen entspricht. Kleiner Hinweis: Es befindet sich am ganz ganz unteren Ende.




Donnerstag, 9. Mai 2013

Kirchlicher Antichrist

Man muß zweifellos annehmen, daß die entsprechenden Schriftstellen so auszulegen sind, daß in der Endphase der Kirche die Verführung durch die falschen Propheten auf die Gläubigen selbst übergreifen wird, schreibt Yves Congar in "Das Mysterium des Tempels". 

Man muß zweifellos annehmen, daß die Unternehmungen des Widersachers, seine Verführung, seine allfälligen Erfolge, in der Kirche selbst stattfinden werden. Der Kampf für die Reinheit des Glaubens ist also ein Kampf für die Reinheit des Tempels Gottes. 

Johannes, bei dem die Rolle des falschen Propheten darin besteht, der Herrschaft des Tieres zu dienen und sie aufzurichten, und dessen Apokalypse geschrieben wurde, um die Kirchen in ihrem Kampf um die Bewahrung des Wortes Gottes ohne Verleugnung seines Namens zu stützen, verkündet im Namen des Herren: 

"Den Sieger will ich zur Säule im Tempel meines Gottes machen. Er soll von dort nicht mehr wegkommen, und ich will darauf schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel herabsteigt von meinem Gott, und auch meinen neuen Namen." (Apk 3,12)

Natürlich, schreibt Congar weiter, kann der Antichrist nicht aus dem Ideenkreis der Kirche als Tempel kommen. Es handelt sich vielmehr um eine (vielleicht persönliche) Macht, die Gott feindlich ist und ihn aus dem Glauben und der Anbetung der Menschen zu entthronen trachtet. Auch hier geht es um die Reinheit des geistigen Tempels, die dem einzigen wahren Herrn, dem lebendigen Gott, geweiht ist. 

Eines Tempels, der zugleich sichtbar wie unsichtbar ist, und dessen Steinbruch die ganze Menschheit ist. Und von dem der Heilige Augustinus schreibt: "Viele scheinen drinnen zu sein, die in Wirklichkeit draußen sind, und andere scheinen draußen zu sein, die in Wirklichkeit drinnen sind." Wer dazu gehört, weiß letztlich nur Gott - viele sind unsichtbar der Tempel, gehören freilich aber nicht vollkommen dazu, wenn sie nicht zu dieser realen, körperlichen, sichtbaren Zugehörigkeit gelangen. Fleischlich, sakramental. Denn das Wesen des Tempels ist (nicht nur, aber auch, und zwar unverzichtbar auch, eben weil Wesen) Sichtbarkeit, das ist sein Sinn - als Sinn und Ziel der ganzen Schöpfung.




*090513*

Donnerstag, 30. September 2010

Gegen den Antichrist (2)

"Ich verstehe den zivilisatorischen Prozeß als Aktion des Antichrists und ehre die Mächte, die in Hölderlin und George wild lustvoll, sprengend einbrechen, als Gestalten des Katechon - aber nicht nur in der strömenden Fülle, wie sie etwa der Sieger sei es des Schlachtfeldes, sei es der Arena im Augenblick des Triumphes erfährt, sondern auch in der schweigenden Gewalt der Sitte wird der Weitergang der Bosheit verhindert. Wir alle können dazu beitragen, in dem wir uns für die mythischen Gerüste opfern und indem wir aus der Öffentlichkeit, vor allem aus dem Kulturbetrieb, ausscheiden.

Ich denke an die Ordensstiftung Georges, an die Rückzüge Heideggers nach Todtnauberg, Ernst Jüngers nach Wilflingen - allein die Abseitigkeit ist heute schon ein Verdienst."


Gerhard Nebel, in "Stefan George und die entgötterte Welt"



*300910*

Mittwoch, 29. September 2010

Gegen den Antichrist (1)

"Ich rufe aus des Paulus zweitem Brief an die Thessalonicher den Katechon, den Aufhalter [des Antichrists, Anm.] heran - vor der eschatologischen Wiederkehr Christi die Herrschaft des Antichrists, die sich in zunehmender Bosheit vorbereitet, aber so, daß diese Zunahme von einer sie aufhaltenden Kraft gehemmt wird. 

Paulus hatte wohl das Imperium Romanum im Auge, das die Anarchie durch das Recht bändigt, und ähnlich verstanden sich die deutschen Kaiser des Mittelalters. Erst wenn der Widersacher die Autorität und Majestät des Staates beiseite getan hat, kann er frei schalten - und in dieser Obrigkeit sahen wir ja eine der mythischen Mächte, die zusammen mit anderen das Geflecht der Wirklichkeit ausmacht."


Gerhard Nebel, in "Stefan George und die entgötterte Welt"




*290910*