Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Figuren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Figuren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 21. August 2022

Das grobe Mißverständnis (2)

Aaron Rodgers Interview
Um 180 Grad anders. Die große Angst: Der Weg zum Unglück?Nicht nur das: Dieses Beiseitetreten des Ich besteht aus konkreten Handlungen. Und diese Handlungen sind in ihrem Wesen eine Hingabe an die Gesetze der Weltidee, auf die hin sich also das Ich zu transzenieren lernen muß. Was das Ich somit verfolgt ist nicht sein Eigenwille, den es "aus sich schöpft", ist auch nicht die selbst hervorgebrachte Liebe (was immer das mehr sein soll als ein Wohligkeitsgefühl als selbst angeeignete Vorstellung vom Ewigen Glück), sondern es ist die "Erfüllung des Gesetzes", der in der Rolle liegt, die einem zugewiesen wurde. 

Und zwar ganz konkret, durch die konkrete eigene Geschichte, in allen Deformationen und Ungehörigkeiten und Falschheiten und in allem Haß, der einem durch andere auferlegt wird. 

Samstag, 20. August 2022

Das grobe Mißverständnis (1)

Betrachten wir einmal zwei Äußerungenwie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Die eine hat der US-Footballstar Aaron Rodgers gemacht. Er erzählte im Fernsehen sehr offen von seinen Erfahrungen mit Drogen, die er in Südamerika (damit unterliegt er in den USA keinen Strafgesetzen) gemacht habe. Und er gerät förmlich ins Schwärmen. 

Diese Erfahrung habe sein komplettes Verhältnis zu sich und der Welt verändert. (Ironie-Einschub: Was sonst?) Weil er unter Drogeneinfluß erstmals beginnen hatte können, sich selbst emotional ganz zu lieben. Das habe fundamental auch seine Haltung gegenüber den Mitmenschen, den Mitspielern usw. verändert. 

Und nun ziehen wir die Aussagen der mystischen Lehrer des Kahtolizismus heran. Die Reginald Garrigou-Lagrange in Passagen zusammenfaßt, die er zu den wichtigsten auf dem Weg zu Gott hält. Und die betreffen den Umstand, daß man begreifen muß, daß man vor Gott NICHTS ist. Nich tnur das, daß alle Mitmenschen in ihrem negativen Urteil über einen nur Recht haben können, ja vermutlich noch weit untertreiben.  Was immer verdemütigt ist ein wertvoller Schritt auf den Weg hin zur Vollkommenheit.

Donnerstag, 8. April 2021

Gedankensplitter (1121)

Je älter ein Mensch wird, desto weniger Bedeutung hat das, was sich in seinem Leben bislang abgespielt hat, als Einzelereignis. Vorausgesetzt, wer wird erwachsen, wird seine im Alter aktuelle Existenz zu einer Abstraktion seiner Vergangenheit. 

Aus allem, was gemeiniglich als "Erlebtes" und "Getanes" bezeichnet wird, destilliert sich dann ein Abstraktum, das selbst wiederum eine Existenz fundiert. In der dieser Mensch nun lebt und sich darstellt. 

***

Sogar Erwachsenheit selbst läßt sich somit daraus erkennen, daß ein Mensch in der Abstraktion - das heißt, daß das hinter allem Stehende Wirkliche, wirklich Verursachende, wirklich Treibende, wirklich Geschehende - zu einer immer reineren Wahrheit über sich und damit (!) über das Leben selbst gelangt. 

Was nur dann möglich ist, wenn alles Erlebte (als Begegnendes gesehen) zu einem Probefall für ein Exemplarisches wird. Das erst gesehen werden kann, wenn man sich vom Faktischen löst - der Welt also stirbt! - und die Grundzüge sucht, die allem zugrunde liegen.

So führen sich beim alten Menschen, der erwachsen wurde, sämtliche Linien zu ein und derselben Wurzel und Quelle zusammen. Ziel wie Ursprung zugleich, sind sie das ein Leben wirklich Tragende. Und das ist ... ein Name.

***

Letzthinnig kann ein Mensch jedoch nur als alter Mensch im Vollsinn erwachsen werden. Weil nur der Alte auch alle Lebensphasen durchlaufen hat; vorher gibt es zwar so etwas wie Erwachsenheit, aber nur auf die jeweilige Lebensphase bezogen. Die immer unvollständig bleibt, weil jede Lebensphase die vorausgehend in sich subsummiert, aber in einer neuen Dimension übersteigt. Dem, der jung stirbt, bleibt zwar die Möglichkeit sich zu vervollkommnen, aber nur jeweils auf seine Lebensumfänglichkeit und -phase bezogen. 

In diesem Sinn sind beim Mann im Alter von etwa 30 bis 33 Jahren (bei der Frau etwas früher, da ist es etwa im Alter von 28 bis 30 Jahre am Programm) sämtliche Potenzen seiner Welt- und Figurhaftigkeit angelegt und erreicht, weil auch sein leib-seelisches "Wachsen" sämtliche Potenzen erreicht hat. 

***

Nicht nur sind die in diesem Alter getroffenen Entscheidungen deshalb für jedes Menschenleben schicksalhaft, sondern er hält nunmehr alle Fäden in der Hand, die im Alter zusammenlaufen. Aber er erkennt nur die Fäden, und vielleicht (!) deren Richtung. Genau darum aber geht es. Ist er nicht in Vollbesitz seiner Kräfte (akmé), ist er nicht in Besitz seiner selbst - was Menschen im Laster, im Irrtum ausschließt, sie bleiben gewissermaßen dem Unverständlichen, dem Zufälligen, allen möglichen fremden Willen ausgeliefert - sieht er diese Fäden nicht in ihrer Wirklichkeit. 

***

Soweit sie seinem Lebensalter halt angemessen ist. Denn Begreifen im Sinne von Definieren, Interpretieren vermag der Mensch nur anhand jener Bilder und Gestalten, die bereits konkret in ihm vorhanden sind. Und hier haben wir es durchaus mit einer Quantitätsfrage zu tun, nicht nur mit einer der Qualität.

Und das trifft beim erwachsen werdenden Alten zu. Sodaß dieser diese Fäden in allen irdischen Ebenen nicht nur mehr und mehr sieht, sondern in ihrer Wirklichkeit erkennt, und damit (erst) das Leben in allen Äußerungen überblickt. 

Die immer auf Lebensstufen, Lebensphasen, nicht auf allfällige "kulturelle Allsonderheiten" bezogen sind. Sodaß erst der Alte sie in seiner Überblicksschau zusammenlaufen weil auf dasselbe ausgerichtet gewesen sieht, von dessen faktischer Form er sich nicht irritieren läßt.

***

Apropos Kulturen. Die Kulturen der Welt unterscheiden sich in ihren Spezifitäten, in ihren faktischen Details überhaupt nicht. Das will nur beim oberflächlichen Blick so erscheinen. Wo die Pfauenfeder "anders" erscheinen will als die des Eichelhähers. Nein, die Welt unterscheidet sich nie "inhaltlich", also in der faktischen Gestalt, sondern alles wird von ein und derselben Wirklichkeit getragen - und somit auch die Gestalten durchwest. 

Dementsprechend kennt der VdZ Menschen, die viel gereist sind, und ständig von allen möglichen Details erzählen, die sie hier und da "erlebt" haben, die nach wie vor in ihrer faktischen Wucht vor ihnen stehen. Und an die sie "glauben", auf die sie nach wie vor unabgelöst und fasziniert starren. 

Aber er kennt auch Menschen, die viel gereist sind, und kaum noch etwas erzählen. Weil sie erkannt haben, daß in allem Verschiedenen (und sie haben selbst einmal diese Verschiedenheit gesucht) das immer Selbe verborgen ist. Daß sich weder die Menschen noch das von ihnen geführte Leben wirklich unterscheidet. Nur das Material ist verschieden, nur das Material hat gewechselt, nicht aber die Wirklichkeit. Und nur um die geht es, nur die sucht der Mensch.

Deshalb ist der nicht Erwachsene nicht jemand, der nicht das Wirkliche suchte, sondern jemand, der sich vom Faktischen so beeindrucken läßt, daß es für seinen Erkenntnishorizont kein Wirklicheres gibt. Das wirklich Wirkliche aber findet er einfach nicht, auch wenn es ihn genau so bestimmt, wie jeden anderen. Sodaß der nicht Erwachsene zum wahllos Summierenden wird, ohne daß es zu einem Zuwachs an Erkenntnis kommt. Und damit zu einem Zuwachs an Selbstbesitz.

***

Nur im Erwachsenen summiert schließlich der Name seine gesamte Existenz. Die sich auf einen Punkt reduziert hat, der alles enthält - seinen Namen als Gesamtbild, als Gesamtton, als Gesamtklang. 

"Sich einen Namen machen" hat nur von dort her seinen Sinn. 

Damit wird aber auch verständlich, daß es in allen Kulturen anzutreffen ist, daß Menschen durchaus ihre Namen wechseln. Oder daß ihnen im Laufe ihres Lebens Namen zugedacht werden. Die Sitte des Ruf- oder Spitznamens hat somit durchaus einen Sinn, wenn sie aus diesem Umstand motiviert ist. 

Und nicht eine im Grunde schwere Beleidigung weil Nihilierung eines Menschen ist (werter Leser, das ist das Hauptwerkzeug des sogenannten Mobbing: Die Ignoranz, die Nicht-zur-Kenntnis-Nahme eines Menschen) und irgendeinen willkürlichen Namen heranzieht, der meist aus Bequemlichkeit den wahren Namen desjenigen nicht einmal zur Kenntnis nimmt, weil sich dessen wahrer Lautfolge gar nicht stellt. Die ... Mühe wäre. 

Solche Form von "Spitznamen" kann man zudem als Inbesitznahme durch die Gemeinschaft der "anderen" sehen. Die einem doch das Ich "zuwerfen" sollten, und das auch tun müssen, weil sonst den Menschen, der im Du sein Ich sucht, und das tut jeder, als mindestes in die Irre führen. 

In solchen Spitznamen erfolgt ein Niederzwingen in die Gemeinschaft, die in dem wesensfremden, willkürlichen, der Bequemlichkeit entstammenden Namen (der somit von einem selbst das Maß nimmt, nicht vom anderen, nicht vom "Namensträger") den anderen bestimmen und nicht in die Freiheit der Wahrheit stellen will. Denn dann bleibt der eigene Name, der Rufname, der einem selbst Grenzen setzt, ein Gefängnis, das nicht begreifbar weil eben irrational ist.

***

Solcherart kann man darüber nachdenken (und im Einzelfall ist es durchaus legitim), ob man nicht als älter Gewordener einen neuen, anderen Namen annimmt. Ob wir es in einer Zeit des Matriarchats (das immer eine Zeit der Irrationalität und Willkür weil Ordnungsfeindschaft ist) nicht sogar durchweg mit "falschen" Namen zu tun haben. Die das Wesen des neu Geborenen gar nie erfassen, sondern diesen immer nur zwingen wollen. Und zwar genau durch Fremdheit des diesem zugeworfenen "Ich" von dessen eigentlichem Wesen.


*260321*

Donnerstag, 1. Februar 2018

Es heißt, sich für eine Rolle zu entscheiden

Hier weist der kanadische Psychoanalytiker und Psychologe (und Philosoph, wie er sich andernorts auch bezeichnet, irgendwo trifft das auch zu) Jordan B. Peterson auf eine entscheidende Tatsache hin. Was es nämlich heißt, erwachsen zu werden. Anders als beim Kind bedeutet nämlich Erwachsenheit, sich auf eine Rolle zu beschränken. Den kindlichen Traum aufzugeben, "alles" sein zu können. Nur mit einer festen Rolle, die man ergreifen und letztlich "spielen" muß, läßt sich eine Welt überhaupt aufbauen.

Dies ist der Gedanke des Ortes, den der VdZ hier immer wieder vorzustellen versucht. In dem das Wesen - auch des Menschen, der ihn ergreift - vorbeschlossen ist. Und sich erschließt in dem Maß, als sich jemand auf diesen Ort hin transzendiert, also tut, was sachlich für und an diesem Ort zu tun ist. Nicht, wonach ihm gerade ist. Wie das Kind es macht.

Und wie es heute sogar als "Ideal" vorgegaukelt wird. Wo sich alle als "gute Menschen" fühlen, wenn sie dazu in der Lage sind - auch durch "Ironie" - ihre Position je nach Belieben aufzulösen, sollten sie irgendwo auf jene Probleme stoßen, die alles Schaffen mit sich bringt: Das immer ein "Hineinpressen in die Welt" ist, also durchaus etwas von Gewalt hat. (Wenngleich immer nur als "Gehorsam" aufgefaßt werden kann, als Hören auf das, was einem Ort fehlt, was ihn weiter erfüllen, ausbauen, was also einen Ort, eine Situation weiter ausfalten könnte, etc.) Ein Hineinpressen, Eindringen, das dort auf Widerspruch stößt, wo Form als Bedrohung erfahren wird - wie bei invertierten Personen, die alles, was sie aus sich herausholen könnten, ablehnen, die sich lieber in ihre Mutterbauchhöhle zurückziehen. Die nie erwachsen werden wollen. Die nie Identität annehmen können. Wo alle Berufe (weil Identitäten) zu "Jobs" werden, die man beliebig wechseln kann.*

Deshalb baut Menschsein, weil Weltsein darauf auf, daß sich alle für eine feste Rolle entscheiden. Dort erst beginnt das "Prinzip Verantwortung" - als verantwortlich sein für diesen Ort, an dem man steht. Ohne Wenn und Aber, im wesentlichen also ohne Kompromisse. Deshalb baut Menschsein auf der Bindung auf, die allem was dann entsteht, vorausgehen muß. Deshalb ist es der Ehe so anverwandt, weil ohne Bindung und der Treue dazu keine Welt möglich ist. Erst innerhalb eines solchen Bindungsgefüges kann sich Freiheit bilden. Die man auch als das "spielende Verhältnis" zu einem Ort sehen kann. (Und Spiel verlangt unbedingte Regeltreue.) Deshalb ist Welt ohne Ehe unmöglich. Sie wird nie mehr sein als ein ständig verschwimmendes Irgendetwas, das nie zu einem Etwas wird.**









*Damit setzt alles Weltsein (als späterer Erwachsener) in der Familie an. Es ist Ausdruck einer Geistesstörung zu meinen man könne ein Bildungssystem aufbauen, das damit beginnt, allen ihre Identität zu nehmen, um sie später "zu finden". So ein Bildungssystem MUSZ scheitern, macht alle krank, und nimmt einer Gesellschaft, einer Kultur ihre Lebenskraft. So nebenbei zeigt es die prinzipielle Problematik und Verfehltheit einer Volkswirtschaft, die Mann und Frau, Vater und Mutter in "Berufe" stellt. Was ist dann die Familienidentität, in der die Kinder aufwachsen?

**Was ein direkter Seitenhieb gegen die heute so verbreitete Quatscherei von "Beziehung" ist, die nichts ist, eben kein "Etwas", sondern ein "Irgendwas, an das man höchstens einige, meist der Ehe abgeschaute technische Bedingungen knüpft. Einer Ehe, die man aber denn doch scheut, weil sie Erwachsenheit bedeuten würde, Bindung, Entscheidung. Das wird deutlich, wenn man mit betroffenen Menschen über "Beziehungsprobleme" spricht. Denn worüber spricht man dann? Woran hat sich jemand zu halten, was darf er, was muß er? Das weiß niemand, es bleibt beliebig. Was also soll "daran" gelingen, wenn gar nicht klar ist, was Gelungenheit bedeutet, weil es kein Etwas gibt, das es sein soll? 

Das Problem wird umso schlimmer, wenn aus solchen Beziehungen gar Gefüge werden, die mit Kindern, Haus und Garten eheähnliche Strukturen schaffen. Wenn wie heute üblich also Menschen nicht mehr heiraten, sondern "in Beziehungen" leben. Es ist nur der Verwirrtheit der Gegenwart zuzuschreiben, der "Umwertung aller Werte", die nicht erkennen läßt, was speziell für Kinder verheerende Auswirkungen hat, die aus solchen Beziehungen hervorgehen und keine feste, natürliche Struktur mehr als Matrix erfahren. (Im übrigen ist es auch dasselbe Problem der meisten Scheidungskinder.)

Das Unfinanzierbare, Falsche an unserem heutigen "Sozialstaat" ist, daß er solche Probleme nicht nur mildert, sondern sie sogar noch fördert. Weil er die Konsequenzen aus einer Gesellschaft zu tragen versucht, in der das Ideal aller geworden ist - lebenslang Kind zu bleiben. Das kann keine Gesellschaft finanzieren.






*120118*

Dienstag, 10. Oktober 2017

Schauspielen kann jeder. Aber nicht jeder ist Schauspieler

Wir hatten dieses Video vielleicht schon einmal. Aber es ist einfach gut, es soll der Aufmerksamkeit nicht entgehen. Weil es sich so kompetent mit der Natur des Schauspiels auseinandersetzt, auch wenn es den letzten Dreh nicht versteht. Typisch Hollywood, typisch für die Verwirrungen der Filmwelt in der Gegenwart, daß das Schauspiel fast generell nicht mehr in seiner Dimension als Kunst versteht.

Aber ja, jeder ist Schauspieler. Diese simple Wahrheit animiert heute ja tausende von jungen Menschen, sich in dieses Gewerbe zu begeben. Alle in der Hoffnung, eines Tages den Oscar in Händen zu halten. Aber sie tun es eben aus nicht-künstlerischen Motiven. Sie tun es, um als Person etwas zu gelten. Der Schauspieler ist aber nur dort und dann Künstler, wenn er diese Figuralität in der Welt nicht kennt und alle Imperative daraus, "etwas zu sein", vergißt. Wenn er nämlich gar nicht "andres kann". Was ihn vom Schizoiden oder Multiphränen unterscheidet ist, daß er es immer noch beherrscht. Aus einem kleine Punkt an seinem Hinterkopf heraus.

ER leidet nicht darunter, er kann nur nicht anders. Der Schauspieler ist der, der "nicht anders kann" als eine Rolle zu suchen, um dann zu spielen. Der Kranke ist der, der seine Rollenangebote nicht ordnen und spielen kann, deshalb von ihnen überfallen wird, in all seiner Personstiefe. Der Simulant als Schauspieler, der "berühmt werden will", ist der, der diese natürliche Neigung jedes Menschen - und die wird im Filmchen hier wunderbar dargestellt: als die Verbindung von Schauspiel mit Lüge nämlich, in der JEDER, buchstäblich jeder spielt - für seine figurale Geltung "benützt". Der Schauspieler, der auch Künstler ist, ist Sieger über sein Schicksal, ist dessen Überwinder. Der Erfolg ist Zufall der geschichtlichen Situation.

Es verwundert nicht sonderlich, daß selbst eine Filmgesellschaft wie Paramount diesen Unterschied nicht mehr zu kennen scheint. Es ist Jahrzehnte her - vermutlich sogar bis zu Charlie Chaplin zurück, der aus den Veränderungen in der Filmlandschaft heraus den Film als Kunst verabschiedete - daß Hollywood von Kunst noch etwas verstand. Kein Wunder. Die Idee von Hollywood selbst ist das, was wir heute serviert bekommen. Es ist keine Kunst, es ist Business, es ist Figur.









*011017*

Samstag, 22. Dezember 2012

Klaus Peter Wolf über sein Schreiben

aus 2007) Der deutsche Drehbuchautor und Autor zahlreicher Bücher in einem SWR1-Hörfunk-Interview (sinngemäße weil geraffte Wiedergabe):

"Die Sätze im Dialog (Drehbuch) müssen aus den Figuren kommen - dann haben sie auch ihr Sprachmuster, ihre Eigenheiten etc. Zum einen muß jeder Satz die Handlung vorantreiben, zum anderen Information über die Figur geben: Ah so denkt der! ..."
"Ich brauche keine großen Handlungseffekte. Auch wenn ich es bei Drehbüchern nicht immer verhindern kann, daß dann Regisseur und Schauspieler solche Effekte einbauen. Das kommt, weil man den Figuren nicht vertraut. Es ist für mich immer wieder zu sehen, daß die Autoren mancher Drehbücher nie wirklich in die Haut der Figuren schlüpfen konnten. Dann flüchten sie in Effekte."
"Manche Schauspieler, Regisseure, aber auch Autoren glauben, mit ein wenig googeln und Lesen von Spiegel-Artikeln ein Milheu, einen Charakter erfassen zu können. Das ist tragisch."
"Manche Bücher schreibe ich zehnmal, weil sie nie halten."
"Ich habe keine Bücher, die ich gerne noch schreiben wollte, die mich plagen weil ich sie noch nicht geschrieben habe, die ich also noch vor meinem Tod zu schreiben hätte. Ich habe immer alles sofort geschrieben, damit ist auch nichts unerledigt."
"Meine Dialoge entwickle ich in den letzten Jahren immer mehr mit (einem Partner)."
"Die Freiheit im Roman ist unbegrenzt. Im Drehbuch hingegen spielen die praktischen Überlegungen eine wichtige Rolle, und da scheitert manches einfach an den Kosten - alles, was ich entwerfe, kostet ja Geld. Im Roman kommt es nie vor, daß ich etwas umschreiben muß, weil es nicht oder nur unter zu hohen Kosten realisierbar ist."


***

Samstag, 27. Oktober 2012

Ferdinand Bruckner

aus 2007) Schon der erste Blick sagt mir meist, ob es aus irgendeinem Grund lohnt, ein Buch zu kaufen. So bei Ferdinand Bruckner's "Historische Dramen", das als Ausgabe von 1948 in der Abverkaufsschütte des Antiquars lag. Wieder habe ich mich nicht getäuscht - die Figurenzeichnung ist anhaltend beeindruckend lebendig und farbig, dabei keineswegs psychologisierend.

Das noch im Zug gelesene Drama "Heroische Komödie" (über Madame Stael zur Zeit Napoleons) freilich war an sich enttäuschend. Lesevergnügen entstand nur dort, wo die Figuren einfach Menschen waren. Der Dialog zu Beginn vor allem läßt sofort eine Welt entstehen. Die dann wieder verblaßt.

Bruckner war vor 1933 in Österreich und v. a. England ("Elisabeth von England") viel gespielt, erlebte dann nach 1945 noch eine kurze Blüte durch Wiederaufnahmen, dann wurde es ruhig um ihn. Ich bilde mir ein, ein Jugendbuch über einen Wolf aus seiner Feder gelesen zu haben. Hoffentlich leiden die übrigen Stücke in dem Band nicht auch an dieser ideologischen Schlagseite, die dem gelesenen Stück eine quälende Didaktik aufdrücken, die selbst dem Autor langweilig scheint. Wo das Stück also entlang einer feststehenden Aussage aufgestellt wird - anstatt sich aus den Figuren zu entwickeln. M'me Stael's Zeichnung wird entsprechend unwahr, ein Loblied auf den Idealismus, der Selbstüberschätzung als Grundlage hat.

Ein wenig Neid freilich entstand dort, wo es um ihre Veröffentlichungen ging. Zu dieser Zeit (Übergang 18./19. Jhd.) war es noch keineswegs häufig, daß jemand ein Buch veröffentlichte. Entsprechend wurden die Autoren dann auch rezipiert (wenn schon auch damals nicht gelesen, wie Klopstock ja klagt) Mit Gedanken, die heute schlicht abgegriffen, bestenfalls als Zeitzeugnis wirken, konnte Stael noch reüssieren und ihrer Stimme ein Gewicht, sich den Ruf einer brillanten Intellektuellen verschaffen.

Heute kennt man schon alles, und ist angesichts der enormen Masse an Veröffentlichungen mißtrauisch, wenn auch das Faktum "veröffentlicht" noch immer in den Augen von Nicht-Literaten viel wiegt. Und nicht nur in deren Augen. Manche Autoren scheinen sie mit denselben Augen zu sehen und gieren somit nach etwas, das sie als Publikum ausweist.


***