Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Montag, 26. Dezember 2022
Transeamus usque Bethlehem! (2)
Sonntag, 25. Dezember 2022
Transeamus usque Bethlehem! (1)
Freitag, 9. April 2021
Beim Lesen von Gerhart Hauptmann
Kein Millimeter, der nicht voll der Welt und Wirklichkeit wäre, keine Betrachtung, in der sich nicht die ganze Welt öffnete, keine Wendung, die nicht im Spiel des Wirklichen die Freude der Wahrheit atmet, die sich im Text auftut, als stünden alle Fenster offen. Ach, könnte man es doch auch ...
Wie dumm dagegen jene erscheinen, die meinen, es gäbe einen methodischen Weg, "gut schreiben" zu lernen. Das Handwerkzeug der Beherrschung der Sprache steht jedem zur Aneignung offen. Und mir graut sogar gerade vor jenen, die so "gut schreiben", die so geschickt mit Worten und Wendungen umzugehen wissen. Die aber nicht einen Augenblick lang die Sprache hinter der Sprache mit sich führen, um die es aber ausschließlich geht. Selbst das Ungelenke, gar nicht so Geschmeidige vermag da noch mehr an Bedeutung zu haben, also alle diese Texte. Die einen heute in Massen umgeben.
Die Arbeit des Schriftstellers ist aber nicht die "am Text". Dort wird sie zu einer solchen nur - da muß sie aber auch stattfinden - als es beim Schleifen des Textes darum geht, ihn "gehorsamer" zu machen. Ihn dem wirklich Wirklichen, das er mit sich führen und ans Licht bringen soll, anzuschmiegen wie der Hand den Handschuh, dem Bein den Nylonstrumpf, dem Fisch das Wasser.
Nur insofern hat das Material (die buchstäbliche, werkzeugliche Sprache) seine Bedeutung, weil jeder Bildhauer weiß, daß die Gestalt einer Figur durch Weglassen, nicht durch Hinzufügen entsteht. Und daß sie im Material enthalten ist, sodaß das Schöpferische zur aufmerksamen Suche wird, wo die Wesenslinien des Materials liegen.
Die Arbeit des Schriftstellers ist die an seiner Haltung. An seiner Moral. An seiner Sittlichkeit. An seinem Selbstbesitz. Damit alles, was er in der Sprache an Material in Händen hat, dem von der innersten Seele ausgehenden Strahl des Wirklichen ins Wahre zu leiten vermag.
Wieviel Geschmeidiges, Geschicktes, "gut formuliertes", das von vorne bis hinten eine Lüge ist. Das ein einziges Täuschungsmanöver sein soll, um die Abgründe der eigenen Seele zu verbergen. Und eine Figur in die Welt stellen soll, die nur in jenen Scheinwerfern zu glänzen beginnt, an deren Positionierung und Funktion das einzige ist, woran der Schreibende wirklich gearbeitet hat.
Mittwoch, 5. Juni 2013
Vom Wesen des Schizoiden (2)
Nur: Kreuz gibt es nur konkret! Es gibt kein "Kreuz an sich", an dem jemand leiden könnte, um so seine spirituelle Aufgabe an der Gemeinde, in der Kirche zu erfüllen. Genauso wenig wie es Freude oder Leid an sich gibt. Es ist immer konkret, so wie die Welt konkret ist, so wie Jesus konkret war und ist.
Und deshalb gibt es auch einen stufenmäßigen Zusammenhang der hierarchischen Ebenen in der Kirche. Deshalb gibt es so etwas wie ein "Papstamt", das mit der Person so überhaupt nichts zu tun hat - außer daß unbedingt einer da sein muß, bereit sein muß, hinter diesem Modus des Priestertums zu verschwinden. Na selbstverständlich, wie ein Schauspieler, der nicht als Erwin Schuppnig den Graf von Montechristo spielt, sondern ganz auf diese Figur hin durchscheinend werden muß.
Sie sind als würden sie über der Welt schweben. Wer als Entschwebter aber auf Widerstand stößt, erleidet kein Martyrium, auf das der Autor (und alles in richtiger Weise) hinweist, für Christus, sondern die völlig richtige Ablehnung, die die Menschen einem Narren ( der "Narr in Christo" von Hauptmann zeigt ein sehr wahres Bild) entgegenbringen. Wenn heute die Priester so oft nicht mehr ernstgenommen werden, nicht mehr gehört werden, dann doch genau aus diesem Grund! Nicht Franz Pürsteleder zelebriert da vorne, sondern Christus selbst, in dem sich der Himmel mit der Erde verbindet und sichtbar und real anwesend wird.
Könnte man - so manches zusammenschauend - nicht durchaus zu dem Schluß kommen, daß das, was dem ganzen Buch auf eigentümliche Weise fehlt, nicht expressiv, sondern implizit, die konkrete Aufgabenanalyse des Priesters in dieser Zeit, auch das eigentliche Problem des ... Papstes selbst war und ist? Gewiß, weit hinausgelehnt, aber deshalb weniger plausibel? All seine Art sich "als Papst" zu geben, der Verzicht auf jede "Formalität", könnte der Versuch sein, das gefühlt mangelnde Konkrete durch expliziertes "Inneres" zu kompensieren. Das klingt dann noch so gut. Da werden Kommissionen eingesetzt, die beraten sollen, denn jetzt wird reformiert, wir werden aber erst sehen wie, wonach. Wie will man reformieren, wenn das Bild, die Form noch nicht da ist, auf die hin reformiert werden soll?
Und das ist uns Zweiflern doch aus so vielem als Zug der Gegenwart mehr als bekannt? Diese Explizierung des dem Konkreten eigentlich bloß Immanenten!? Wie "liebt" man - unkonkret? Wie "nimmt man das Kreuz an" - unkonkret? Wie übt man Solidarität mit den Leidenden - durch Aufgabe der eigenen Form? Heißt "werden wie sie" Knöpfelpuschen und schludrige Verschleißhemden anzuziehen? Könnte man nicht versucht sein zu denken, daß hinter dem Schlagwort der "Mitbestimmung" (durch Kommissionen) nicht mehr steckt als die feige Flucht vor der Verantwortung, die nur "der Chef" persönlich tragen kann?
Machen wir es - ganz frech - noch konkreter: Man erzählt doch landauf landab von der Volkstümlichkeit des damaligen Kardinals in Buenos Aires. Der sich mitten im Volk befand. Lassen wir da mal die inhaltlichen Vorwürfe über den Verrat von Priestern an die Militärjunta beiseite. Das war ja nicht so, wie es heißt. Aber es erhielte die Grundbewegung einen neuen Sinn ... Wäre es nicht Aufgabe des Bischofs, seine Priester zum einen dazu zu bringen, sich unter die Leute zu mischen, zum anderen, als IHR Vater, sie zu erbauen und zu stärken? Sie in Gottesdiensten, die die Quelle aller Quellen sind, neu zu befruchten, immer wieder am Vollkommeneren, zu dem ihre Pfarre die Möglichkeiten nicht bietet, dieses Gold auch in ihre - armseligen - Gottesdienste auf Campingtischen und Vereinsstühlen weiterglänzen zu lassen, weil nicht mehr möglich ist, so gut es eben geht also, immer mit der inneren Qual der Inadäquatheit, weil für Gott nichts gut genug sein kann? Ist es wirklich die Aufgabe des Bischofs von Rom, diese Campingtische in die Sixtinische Kapelle zu holen, und den Leuten Vereinsstühle anzubieten?
Teil 3 morgen) Braucht die Kirche einen frommen Papst?
Teil 1) Der Ausgangspunkt
Teil 2) Von Früchten, Scheinfrüchten und Früchtchen
Teil 3) Braucht die Kirche einen frommen Papst?
Teil 4) Wahrheit ist eine Frage des Lichts, das auf etwas fällt. Zitate, und wie man sie auch deuten könnte.
Teil 5) Komm sie jetzt, die tiefe Nacht des Verstandes?