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Montag, 21. Juni 2021

Bleibt doch nur ein Elfenbeinturm

Sofern es darum geht, daß ein Leben als Dichter ein generelles Heben des Sprechens ist, dient auch jede sonstige Äußerung in Schriftform diesem Ziele: Mich durch Übung in einem permanenten Habitus des Dichtens zu versetzen, als Daseinsform, neben der es keine andere mehr gibt. So will ich leben. Und dafür muß ich arbeiten. Dies und das noch wegputzen, dies und das noch einbauen. Vor allem aber ... immer schreiben. Schreiben als Lebensform, das ist es schließlich.

Das ist der Grund, warum sich in meinen Äußerungen selbst banalster Angelegenheiten immer ein- und derselbe Formkampf abspielt. Selbst wenn ich die Bahnkarte bestelle, ringe ich um die Belebung der nackten Worte durch den Anschluß an die Sprache der Sprache, an den logos, dieses alles begründende Wort Gottes.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Geheimnis Werk

"Aus dem tiefen Geheimnis in ihm - dem Dichter - gezogen wird das Kunstwerk die Welt nicht nach den konventionellen Bildern (und Begriffen) reproduzieren, die diejenigen des Publikums sind. Es wird den Schein der Wirklichkeit zerstören, um bis zu dieser selbst vorzudringen." 

"Diese Wirklichkeit, an die nur er heran kann, indem er die festgewordene Schicht seines Ichs zerbricht, bietet sich ihm nie in ihrer ganzen Nacktheit dar."

(Pierre-Quint, "Marcel Proust")

Wo unversehens Gefühle uns erheben
bis daß der Atem dieses Körpers hier,
Und selbst das Auf und Ab des Bluts in uns
Beinahe eingelullt, wir schlafend liegen:
Im Leib fortan nur eine glühende Seele.
Indeß mit einem Aug' ganz ruhig durch
Die Allgewalt von Harmonie und Freude
Wir in das Leben selbst der Dinge schauen.


William Wordsworth

*271010*

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Auf der Suche nach der Heimat

"Im Bewußtsein jedes Künstlers spiegelt sich die Welt (wird sie ergriffen und besessen) in besonderer und einzigartiger Weise. Jeder Künstler erscheint so als Bürger einer unbekannten Heimat (Anima), die er selbst vergessen hat. Und je mehr sich der Künstler dieser Heimat nähert, eine um so höhere Stufe der Schönheit erreicht sein Werk ... 

Zu dieser Heimat, die so tief im Bewußtsein versunken ist, versucht auch Proust selbst zurückzukehre, um das Wesen seiner Impressionen wiederzufinden, damit er sie wiedergeben kann; eine Arbeit, die Im Urgrunde aller seiner Werke liegt und die wir seine Methode der Tiefenforschung genannt haben."

(Pierre-Quint, "Marcel Proust")

 
*201010*