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Mittwoch, 14. April 2021

Mit einem Blick erkannt

Es sind nicht die Merkmale, von denen eine Wesenserkenntnis abhängt, sondern es ist umgekehrt. Und die Merkmale wiederum können nicht nur als Defizit (oder vollkommener Ausdruck) wahrgenommen werden, sondern sie werden wahrgenommen, weil die intuitive Erkenntnis, die auf das Personsganze geht, der Teilerkenntnis nicht nur quantitativ, sondern in der Dimension weit vorausgeht. Das schreibt Hans-Eduard Hengstenberg dazu in seinem Aufsatz "Erkenntnis als Urphänomen". Worin er zeigt, daß der Erkenntnis jene Unhinterfragbarkeit vorausgeht, die auch anderes kennzeichnet, wie - die Wahrheit. Sie ist "einfach da", und jeder bezieht sich darauf. Sie kann nicht einmal "weggefragt" werden, sondern sie umschließt das menschliche Sein von seiner Wurzel her. 

Aber mehr noch, fußt das Erkennen in einem Sinnganzen, das selbst wieder im intuitiven Akt vom Erkennenden erfaßt wird, und diesem in den Dingen der Welt begegnet. Jeder intellektuelle Akt wiederum wird von diesem Vorrationalen durchdrungen. 
Der zwar eine gewisse Analogie mit dem hat, was man als "Fühlen" bezeichnet, aber NICHT IDENTISCH damit ist. Vielmehr muß er dann durch den Intellekt geprüft, und braucht einem gereinigten Willen als Analogie zur Seinsstärke.

Dies sei auch zum leidigen Thema "Masken" gesagt. Die der VdZ auch lästig und oppressiv und ekelig und was weiß der Deibel noch alles findet. Aber sie mit dramatischen Worten zu einem "Tod der Kommunikation" hochzustilisieren, wie es hiesige Küchenpsychologie gerne macht, ist weit übers Ziel geschossen. Wir haben schon vor Monaten darüber gehandelt. 

Jetzt haben wir in Hengstenberg aber diesen Aufsatz gefunden, der wie die Faust aufs Auge zu diesem Thema paßt. Und die Ausführungen des VdZ bestätigt. Die Welt ist nicht deshalb zu einem anonymen Maskenetwas geworden, weil wir diese Dreckfetzen im Gesicht tragen, die eh nix bewirken.* 

Die wunderbare Passage über den intuitiven geistigen Akt als Laudatio aber wollen wir dem Leser auch im Original nicht vorenthalten, er wird selbst erkennen, warum.

Im intuitiven geistigen Akt wird das Seiende um seiner selbst willen bejaht. Im Vollzug dieses Aktes liegt Freude dafür, daß das Seiende ist, was es ist, und so ist, wie es ist - ohne alle Vorbehalte. 

Dem widerspricht nicht, daß der intuitive Akt vorrational vollzogen wird. Im Gegenteil, dieser vorrationale - nicht irrationale - Charakter verhindert von vorneherein alle Verzwecklichung und garantiert die Selbstlosigkeit des Schauens.

Das Seiende um seiner selbst willen zur Offenbarkeit bringen. Etwas davon hat Heidegger tief gesehen in seinem Begriff des "Seinlassens", nur hat er es wieder verdorben durch seinen Impersonalismus beziehungsweise Anipersonalismus.

Das Seiende zur Offenbarkeit bringen und ihm eine Laudatio spenden, beides ist das Zusammengehörige im intuitiven Akt. Darin liegt der tiefste Sinn der Erkenntnis und der intuitiven Erkenntnis im besonderen. Hier leuchtet die Zweckentbundenheit aller tieferen Erkenntnis auf. Insofern der Mensch im Vollzug intuitiver Akte steht, kann er nicht lügen, verdrehen oder hassen, auch nicht "verbergen" im Sinne Heideggers. 

Zugleich ist es eine Laudatio des Schöpfers durch die Laudatio der Geschöpfe hindurch. 

Der intuitive geistige Akt hat eine Nähe zu dem, was in der patristischen Philosophie das "innere Wort" (verbum mentis) genannt wurde. Zur Vollendung kommt diese Laudatio, wenn das innere Wort des Aktintuitus Ausdruck im Sprachwort gewinnt. 

Hier liegt die tiefste Wurzel der menschlichen Sprache, das Wort ist nicht primär "Zeichen" zum Zwecke der Bezeichnung von etwas, wie die zeitgenössische Sprachwissenschaftstheorie meint. 

Die Lehre vom intuitiven geistigen Akt ermöglicht eine Rehabilitation und Belebung der echten Meditation. Damit die alberne Nachäffung der östlichen Meditation, deren Eigenwert nicht verkannt werden soll, betreffend Nirwana, Re-inkarnation und dergleichen endlich aufhört.

Noch etwas. Von unserer Sicht aus erscheint der Gesang der Singvögel, der nicht auf biologische Zwecke wie Weibchenwerbung oder Warnung des Konkurrenten im Nachbarrevier einzuengen ist, als Analogie zum Aktintuitus und dessen Ausdruck im Wort. 

Und damit ergibt sich eine weitere Nähe, nämlich zum Heiligen Franziskus, der seine Mitgeschöpfe als seine Brüder und Schwestern ansprach. Hätte man mehr auf Franz von Assisi gehört, der in der Geschichte der Heiligen im Hinblick auf Naturmeditation eine Sonderstellung innehat, dann wäre in der Kirche manches anders verlaufen. [...]

Die Laudatio im intuitiven Akt ist schon Antwort auf den Anspruch, den die Seienden aufgrund ihres Seins, ihrer Wesenheit und ihres ontologischen Sinnes an den Menschen ergehen lassen. Nur als Angesprochener kann der Mensch antworten und überhaupt sprechen.

Es ist nicht so, als wäre der intuitive geistige Akt von Haus aus eine neutrale Kenntnisnahme, und als wenn sich daran erst eine Antwort anschlösse. Sondern der intuitive Akt ist Antwort und nur als solche existent. 

Der Mensch ist wesentlich ein die Dinge und den Schöpfer lobender. Unabhängig von allem "Nutzen für etwas". Das ist die Abundanz des Aktsinnes gegenüber dem ontologischen Sinn, den die nichtpersonalen Seienden in sich auf Grund ihres Seins- und Sinnentwurfs besitzen.


*Wieder gibt es eine (übrigens: leicht zu lesende) US-Studie zum

QR Maskenstudie

Tragen von Masken in Zeiten von Corona. Und diesmal ist es sogar eine Metastudie, die dutzende andere, weltweit verfaßte Studien ver- und auswertet. 

Und erneut zu dem Ergebnis kommt, daß Masken völlig wirkungslos beim Versuch sind, eine Seuche zu verhindern oder auch nur einzudämmen, weil eine interpersonale Übertragung verhindern. 
Das tun sie nicht nur nicht, sondern Masken sind in einem Punkt vor allem sogar SEHR wirkungsvoll: Dabei, eine ganze Menge weiterer und schwerer Krankheiten auszubrüten, zu begünstigen oder ganz gewaltig zu verschärfen.
Aber dieses Thema ist im Grunde so banal und häßlich, daß es dem VdZ wie eine Beleidigung dieses Blog als geistigen Raum erscheinen will, sich damit überhaupt noch zu befassen. So viel kann man diese Sache fast nicht überhöhen, damit sie wieder der Bearbeitung wert wird. Schon gar nicht, wenn man grantig deswegen ist. Grantig auch deswegen, weil niemanden interessiert, was die Wissenschaft sagt, und zwar gerade die nicht, die am meisten vorgeben, sich darauf zu beziehen. 

Der Unterschied? Der Unterschied ist wohl, daß sich gar so viele auf WissenschaftLER beziehen, also auf Personen, und dabei wiederum auf Wissenschaftler, die ihr Gebiet maßlos überschreiten, um persönlichen Gewinn, Ansehen, Macht, Autorität aus ihrem rein weltlichen, nicht-fachlichen Beziehungen zu schöpfen. Und sich in Aussagen versteigen, die sie kraft ihres Berufes in eine Aura von Wissenschaft tauchen, die aber lediglich persönliche Intentionen tragen. Und genau darin werden sie von der Politik sehr geschätzt, weil sie dieser sogar die Entscheidungen abnehmen, ohne dafür Verantwortung zu tragen. Denn dann, dann "war es die Wissenschaft."

QR Merkur und Masken

Nachtrag: Wir sind solche Anblicke schon gewöhnt. Aus einem Artikel im Münchner Merkur, der ursprünglich (lt. RPP) ebenfalls Masken (für Kinder) kritisch sah, wurde ... das. (Erkennbar bei Anklicken.) Ist natürlich ein Problem, wenn der journalistische Standard nicht erreicht wird. Naja, kann vorkommen.


*130421*

Montag, 2. Dezember 2019

Beziehung vor Einzelung

Man darf sich die Schöpfung nicht so vorstellen, daß Gott "Dinge" (Lebewesen etc.) schuf, und dann traten diese in Beziehung. Es war umgekehrt. Erst war die Art der Beziehung, und dann schuf er ein Wesen, das im Sein blieb und bleibt, INDEM es in dieser Beziehung wesensgemäß antwortet. 

Diese Antwort der bejahenden Beziehung ist wiederum auf die Art und Gattung gerichtet, in der die Idee in Gott besteht, und von der her sie kommt. Das heißt, daß im "Hundsein", im "Menschsein" der Zielort der Selbsttranszendierung liegt, weil von dort her auch die Fülle der Wesensentfaltung (immer in der Geschichte) kommt, als auch die Beziehung zu Gott am vollkommensten erfüllt und bejaht wird. 

Deshalb ist der Mensch auch von der Empfängnis an auf das Umgebende, das Beziehungsganze (Ehe, Familie) gerichtet und nur von dort her zu verstehen. 

Und deshalb ist das Ja-Wort die Stiftung jenes Ganzen, in dem Mann und Frau je zu sich selbst werden. 

Denn das Ganze geht dem Einzelnen nicht nur voraus (wiewohl es aus Einzelnen besteht), sondern es bildet sich nie posthoc oder summarisch aus Einzelnen. Während es sich in dem Maß einzelt, als es den Ort in einer Beziehung in voller Hingabe ausfüllt. Denn es ist der Ort, der als geschichtlichen Ort und Punkt in der endlichen Zeit individualisiert. Wo diese Hingabe fehlt, fällt der Mensch ins Allgemeine, ins Artliche zurück, weil er die Antwort nicht gibt, und damit die Idee Gottes (erst Beziehung, dann Geschaffenes als Ding etc.) ablehnt.

So ist die Antwort Mariens "Mir geschehe nach Deinem Worte" als Antwort der Menschheit zu verstehen, in die hinein Gott im Hl. Geist dann inkarnierte, als Bedingung, weil die Beziehung Mensch-Gott, Natur-Übernatur damit hergestellt war.

Sie ist ein Actu, ein aktives Geschehen, und nur insofern zeitlos in der Zeit, und in der erinnernden Gegenwärtigsetzung als Zeitloses in der Zeit präsent. Im Schaffen schuf Gott die Welt als in der Schöpfung seiender Gegenwärtigkeit seines Liebens und Tuns, nicht identisch mit dem Geschaffenen, aber abbildhaft, und im Maß der Vollkommenheit der Abbildhaftigkeit ihm ähnlich.

Als Gott deshalb die Welt schuf, war das Band das allem vorangehende. In dem ihm dann die Schöpfung ALS Antwortende entgegentrat, weil Gott dieses Hineinholen eines Gegenüber wollte, ohne dessen zu bedürfen. Während das Geschaffene dieser Antwort bedarf, weil es sonst aus der Beziehung und damit in Nichts und Tod fällt.

Ein wenig kann man sich das so vorstellen wie den Körper eines Menschen. Der einem als die und die Persönlichkeit gegenübertritt, die zwar "die" Leber braucht, und jede Zelle an ihrem Ort, aber nicht exakt DIE Zelle (die sich erneuert und ständig neu wird, also auch eine andere sein kann), oder DIE Leber (die binnen weniger Monate ebenfalls aus völlig anderen, neuen Zellen besteht.) Und doch tritt uns immer diese eine Person und Persönlichkeit gegenüber - als Ganzes. Diese ist somit der Zeit enthoben, wenn auch in der Zeit.

Der Unterschied darf natürlich nie übersehen werden, daß Gott nicht wie der menschliche Körper die Organe "braucht", also ohne sie nicht existieren könnte (was dann Pantheismus wäre), sondern aus freiem Willen und unnotwendig dieses Band, dieses Ganze Gott - Schöpfung schuf. Die Zelle ist nicht von den einzelnen Atomen abhängig, diese sind ersetzbar, und sie ist, weil als bereits hervorgegangene Idee geschaffen, also wesentlich von ihrem Schöpfer verschieden.

Gegenwärtigkeit heißt also, daß das Ganze vom konkreten Einzelnen nicht abhängig ist. Aber es heißt auch, das Einzelne sich einzuverleiben, zum Teil zu machen. Damit ist endliche Gegenwärtigkeit die Überlegenheit einer Ganzheit über die Zeit auf Grundlage ihrer Überlegenheit über die Teile, wie Hans-Eduard Hengstenberg es in "Der Leib und die letzten Dinge" ausdrückt. Diese Existenz ist als Hypostase zu verstehen: Zeit und Zeitlosigkeit verschmelzen.

Daß wir diese Idee "von uns" nicht selbst haben, sondern in einer Aktivität (bzw. actu) empfangen müssen (wenn wir sie "haben" wollen, entzieht sie sich sofort), belegt, daß wir geschaffen sind, und uns der uns Schaffende uns an diesem Sein (das uns nie "gehört") teilhaben läßt.




Samstag, 23. November 2019

Das Umfassende geht dem Einzelnen voraus

Zu den Objekten der Natur, um die sich besonders leicht Katastrophenphantasien konstruieren lassen, gehören Korallen. Sie sind fest ortsgebunden, und sie haben aus sich heraus nur eine sehr geringe Fähigkeit, sich an verändernde Umweltbedingungen anzupassen, schon gar nicht rasch. Es besteht aber dennoch kein Grund zur Panik, und ihre Fähigkeit zur Regeneration selbst bei größeren Änderungen, die vorerst ihre biologische Tätigkeit beeinträchtigen, ist überall zu beobachten. 

Denn wie jüngere Studien zeigen, sind es nicht die Korallen selbst, die sich anpassen können, zumindest nicht rasch, sondern es sind die Symbiosen, die sie mit Bakterien eingehen. Diese sind es dann, die im Zusammenspiel mit den Korallen Veränderungen bewirken. Sodaß sie auch bei starken (menschlichen) Eingriffen in ihre Biosysteme (wie im Roten Meer) sich recht rasch adaptieren können. Zumindest trifft das Beobachtungen zufolge auf die meisten Korallenarten zu.

Aber vielleicht sollte unsereiner davon gar nicht überrascht sein. Denn wir wissen ja, daß jedes Lebewesen immer in einem umfassenderen biologischen Raum gesehen werden muß, nie nur für sich betrachtet werden kann. Es sind immer Biozönosen, Lebensräume, die ein Lebewesen definieren und in seinen Eigenschaften prägen. Es ist der Ort, und die Fülle aller Wesen rund um das, was sich als mehr oder weniger geschlossenes System präsentiert, in dem etwas Lebendes steht, das es zu sich kommen läßt. Kein Wesen ist deshalb nur für sich denkbar. Es ist immer und notwendig auf seine Umgebung bezogen, und diese auf es.

Ja, man kann und muß sogar sagen, daß es das Ganze eines stets in vielfältigen Schichtungen und Hierarchien definierten Raumes ist, das das Individuum hervorbringt. Wo man zwar nicht naiv von "Harmonie" sprechen kann, aber von Aufeinandergestimmtheit jedes lebenden Wesens sprechen muß. Wo das andere nicht verzichtbar und für sich stehend halt einen Raum ausfüllt, sondern immer aus dem Raum erst begreifbar und in einem unendlich komplexen Zusammenspiel dem Individuellen zum Leben hilft. Das betrifft den Menschen nicht weniger als die Korallen. Auch der Mensch braucht ja Bakterien, andere, fremde Wesen, um überleben zu können, man denke nur an die Verdauung. Der sterile, nur für sich stehende Mensch wäre nicht überlebensfähig. Denn er könnte mit der Welt nicht kommunizieren.

Das Konstituens (Ding) ist nicht ohne das Konstituierte (Raum und Zeit) - Ein Körper kann sich nicht konstituieren, ohne daß er mitseiende Körper hat, die ihm Maß geben.

Hans-Eduard Hengstenberg geht (mit anderen) deshalb so weit, daß er sagt, daß es ohne "Menschheit" keinen "Menschen" gäbe, ohne daß beides je existentiell trennbar wäre. Es braucht die Einheit vor der Individualität! Letztere geht aus der Ersteren hervor, und strebt permanent zu ihr zurück, weil es sonst nicht leben kann. Ja, dieses Streben ist das, was man Leben nennt. Ohne Wahrheit könnte kein Mensch bestehen. Auch wenn die Rückbindung an sie einen geistigen Akt braucht, denn das geht aus der menschlichen Natur (als hierarchisch gegliederte Geist-Seele-Leib-Einheit) hervor.

Denn das Allgemeine, das Universale, das Umfassende geht dem Individuellen ontologisch voraus. Letzteres ist dann lediglich die spezifische Ausprägung des Allgemeinen, die beim Menschen erst und nur über die Individualisierung stattfindet. Die selbst aber wiederum ohne allgemeinen Raum, ohne "Menschheit", gar nicht möglich ist, weil sich konstitutiv darauf bezieht.

Der Autonomismus, in dem der Mensch heute gerne gedacht wird, hat also gravierende, prinzipielle Fehler. Denn es gibt ihn in der vorgestellten (und propagierten) Form gar nicht. Und wo der Mensch entwurzelt, auf sich zurückgeworfen ist, geht er zugrunde. Wie jedes Lebewesen, auch die Koralle. Zum Bestehen als Individuum gehört notwendig das, was das umgebende Lebensfeld (als historischer Raum) zum Einzelnen selbst beitragen kann, soll und muß. Um wiederum es selbst zu sein. Die Welt ist also ein gigantisches Zueinander, das nur "als Welt" besteht, und nur "als Welt" dem Einzelnen Leben ermöglicht.

Doch mache man nicht den Fehler, das nicht nur zu abstrahieren, um es zu sehen, sondern dieses Abstraktum zum eigentlichen Handlungsobjekt des Einzelnen zu machen. Das wäre grundfalsch, weil eine Verdinglichung von etwas Geistigem und damit ein Kategorienfehler. Denn das Allgemeine "ist" nur durch das konkrete Einzelne, es ist also nicht Masse oder Vergemeinung. Es besteht nur real, durch seinen Ort und die Verwurzelung darin, in der sich Indivdualisierung erst möglich macht.

Aber wenn man einmal an diesem Gedanken Blut geleckt hat - die heutige Moral kapriziert sich nur noch auf Zusätzliches, also auf eine Erhöhung der Quanten, in allen Bereichen (man höre alleine eine gendergerechte Ansprache, lese einen gendergerechten Text, der schon durch die ständigen "-innen"-Zufügungen immer länger und alleine dadurch langweiliger wird - sieht ihn recht rasch hinter jedem Basch, äh, Busch.




Samstag, 2. November 2019

Warum wir den Leichnam ehren

Beim Menschen als Person sind in seiner Ganzheit, die er ist, Leibliches, Körperhaftes und Geistiges nicht zu trennen. Sie gehören also immer zusammen, und sind ohne einander nicht denkbar. Der Leib ist dabei zwar die Bedingung, aber nicht die Ursache der im Geist stehenden Seele als Leibform.

Das zeigt sich in seiner Fähigkeit zu geistigen Akten, die das eigentlich Menschliche sind. In der die Person fern aller körperlichen und psychischen Zustände zu einer Entscheidung stehen kann. Damit steht er zwar immer innerhalb der Zeit, aber er hebt sich aus ihr heraus. Der Geist, dessen Akte über allen körperlichen und psychischen Vorgängen stehen, ist somit des Menschen höchster Bereich.

Somit besteht die Lebensaufgabe darin, alle unteren Ebenen dieser Hierarchie, in der der Mensch in sich steht, in die Geistigkeit seiner Akte einzugliedern. In der fehlenden Dauer der geistigen Akte, die sobald sie gesetzt sind, zeitlos und damit auch ewig sind, hebt er sich in dieser Eingliederung seines Leiblichen/Psychischen in die Über-Zeitlichkeit, ins Ewige. Und so in einen Sinn (den logos).

Die Körperlichkeit des Menschen ist damit die Darstellung seiner selbst, und Ausdruck seines Grades an Vollkommenheit. Nicht durch dessen Zustände, sondern durch die Geformtheit weil Eingebettetheit in Sinn und Ordnung durch geistige Akte, wie bei der Treue sichtbar wird.

Anders als beim Tier, ist das Sterben des Menschen damit ein Akt. Denn im Sterben kann der Mensch sich ganz an Gott, seinen Ursprung, zurückgeben. An jenen Gott, jenes Sein, von dem er kommt, der ihn geschaffen und ihm Sein mitgeteilt hat. (Deshalb ist, deshalb war er.)

Mit diesem geistigen Akt untergreift die Person endgültig und ganz auch das Körperliche. Dieses stirbt somit, weil nicht nur sein formender Untergrund an Gott übergeben ist, sondern der ganze Mensch. Der Körper zerfällt dann in Formlosigkeit ("zu Staub"), weil der Mensch geistig den Akt des Sterbens gesetzt hat, in dem Leib und Seele auseinandergehen.* Sterben im eigentlichen Sinn kann also nur der Mensch, nicht das Tier oder die Pflanze, das immer seine körperliche Zuständlichkeit ganz IST, sich nicht herausheben kann, nicht über sie hinausgreift. Und das Sterben ist auch des Menschen letzte Aufgabe.

Der zurückgelassene tote Leib (der Leichnam) ist damit das Zeugnis, die Zurücklassenschaft ("Reliquie") des (aktiv) gestorbenen Menschen. Darin gründet die Ehrfurcht vor dem Leichnam, darin gründet die Ganzkörperbestattung, die in der Christenheit üblich ist. Es ist nicht einfach abgefallener Staub, sondern gehört auf gewisse Weise dem Toten als Person an. Es ist seine Reliquie, seine Darstellung und Zurücklassenschaft als seine letzte Tat. (Der Begriff der Reliquie ist nicht unbegründet hier gewählt.)

Der Leichnam ist die letzte, akthafte Darstellung des Verstorbenen. Und bleibt auch bei Veränderung der Zustände in diesen letzten Akt eingegliedert, der von den körperlichen Zuständen unabhängig, aber vom Leiblichen nicht trennbar ist.

Fassen wir mit anderen Worten zusammen: Zwischen Körper und "Mensch" wurde seit je und ist nicht wirklich zu unterscheiden. Mensch ist Mensch! Wo hört das auf, wo beginnt es? Die Aktualisierung ist vom Menschsein unabhängig, das ist auch der Schlüssel für Abtreibung oder Organspendung. Und zwar weil wir wissen, daß sogar das Leben eine Akzidentie ist, eine Eigenschaft, nicht konstitutiv für das Menschsein selbst. Der Mensch "lebt" in gewisser Wiese nicht, er nimmt durch sein Aktivsein, durch sein Existieren (als Akt) am Leben teil. Existiert er falsch, stirbt er, verliert er den Anteil am Leben.**

Aber er selbst? Er bleibt, nur anders. Er bleibt über die Wirkung seiner Taten, über die Nachfahren sogar in der Welt präsent, und die Abrechnung mit seiner Lebensfrucht erfolgt erst am Ende der Welt überhaupt, nicht schon nach dem Tod.

Deshalb wurde und wird der Tote so geehrt, als wäre er "existent", nur in einem anderen Zustand: Dem der getrennten Seele. Mit diesem Handwerkszeug, geneigter Leser, möge er nun auf den Friedhof gehen.

Und dann, am Abend, vielleicht auch die archäologischen Befunde neu ansehen. Vielleicht erzählen sie ihm, vielleicht erzählt ihm die Religion der Altvorderen, die sich in den Relikten der Begräbnissitten zeigen, genau diese Geschichte.




*Wenn er diesen Akt nicht gesetzt hat oder setzen will, wenn er die Kraft nicht hat in diesem letzten Akt seinen Körper zu umfangen, stirbt er zwar auch, weil er in dem Maß, als sein Körper aus dem Geistigen herausfällt, die Bedingung seines Menschseins verliert, womit Ausdehnung im Körperlichen wegfällt, aber er stirbt nicht in Gott hinein, sondern in die nicht vollzogene Hinwendung zu ihm.

**Speziell für Leser N gesagt: Nicht dafür muß man etwas "imaginieren", daß man davon ausgeht, daß der vor einem liegende Leichnam der vormals lebende Mensch "irgendwie noch ist", sondern dafür, daß er das "nicht mehr sein soll". Der, wenn man so will, unnatürlichere Schritt liegt also darin, die physische Präsenz von der Person zu trennen. Das kann man unter anderem daran erkennen, daß man aus der Unbeweglichkeit eines Körpers erst durch Vergewisserung schließen kann, daß er "nicht mehr lebt", also nicht mehr ganz als Person und Mensch "da" ist. Im Tod trennt sich ja nur die Geist-Seele, endgültig, was im Laufe des Lebens mehr oder weniger aber ohnehin schon der Fall ist. Die Seele allein ist aber ebenfalls nicht "der Mensch" (Seele ist nur das Prinzip, warum etwas lebt), sondern nur beides zusammen.





Montag, 23. Dezember 2013

MIT einander und miteinander

(Fragment) Es hat etwas Seltsames, und ist (denkt man es durch) irrational, wenn wir der Kommunikation Richtung "auf den anderen" beilegen, sie damit verzwecken wollen. Diese Verzweckung muß immer scheitern. Denn Zweck ist zwar eine ihrer Wirkungen, aber nur indirekt, ja sogar nur indirekt erreichbar. Er ist nicht Ursache der Kommunikation.

In ihr nämlich wollen wir, als Grundrichtung unseres Menschseins, selbst das Ewige in uns darstellen, das Gültige, an dem WIR teilhaben. (Selbst, wenn wir simple Tatsachen "mitteilen", etwa auf der Pirsch dem anderen zeigen, daß der Wind ungünstig steht Denn unsere Leiblichkeit IST eine Darstellung jenes Geistes, an dem wir teilhaben, der durch uns wirkt, und das ist auch unsere Wirklichkeit.

In einer Zeit, die sich dieses Geistes unsicher geworden ist, deren Theorien und Anschauungen ihn gar verleugnen, ist das Unterstellen der Kommunikation unter einen Zweck deshalb logisches Reaktion auf diese Unsicherheit der Selbstgewißheit. Aber das, was wir heute "an den anderen richten", ist in der Regel ein Versuch, seine Rezeptionsfähigkeit zu beeinflussen, zu manipulieren, warum auch immer.*

Sinn und Wesen der Kommunikation ist aber einerseits die Darstellung des wahren Geistes (als ANALOGIE, als Ähnlichkeit in Angleichung und Gehorsam - Gehorsam als erste Grundhaltung des Erkennens - zu verstehen, NICHT als "identitäre Gegenwart eines anderen Geistes"! Die sakramentale Wirklichkeit als Sonderfall lassen wir hier einmal weg²) durch mich, und im Ganzen die Präsenz dieses Geistes durch die Menschen selber. Kommunikation gelingt dann, wenn beide Seiten, die sich sagen wir in einem Gespräch begegnen, sich auf diesen selben Geist hinwenden (nicht: EINANDER zuwenden!)

Die Zuwendung "zum anderen" ist immer eine Zuwendung zu seinem (den von ihm repräsentierten, durch ihn durchleuchtenden) Geist, der sich in die Welt neigt. Und in der Liebe eine Hilfe, die Trübung dieser Darstellung zu beheben. Kommt es zu einer Übereinstimmung im Wort, in der Sympathie, so deshalb, weil beide Seiten am selben Geist teilhaben und ihn darstellen. Die Liebe sieht den anderen genau als dieses Durchscheinende, und nicht als Bezweckenden.**

Deshalb kann sich die Wahl des Kommunikationsmittels, des Mediums etwa, in dem man etwas sagt, nicht daran orientieren, ob ein (letztlich: irrationaler) Zweck erreicht wird oder nicht. Er kann sich nur daran orientieren, ob in diesem Medium, durch diese oder jene Geste oder Situation, der Geist der Wahrheit darstellbar - und DADURCH mitgeteilt wird. Mitgeteilt, weil der andere IN MIR (und in dem von mir gestalteten Mittel, das eine gewissermaßen "ausgelagerte" Weise des Selbstseins ist) und meiner Gestalt an diesem Geist teilnehmen kann. Ich bin ihm Verweis, Hinweis, Tangente in das Transzendente, das allem Dinglichen, das immer ein solcher Verweis ist, zugrundeliegt.



*Was wir heute als Zuwendung, als Liebe etc. bezeichnen, ist häufig nur noch ein Versuch, die Rezeptionsfähigkeit des anderen - man überlege etwa nur den Sinn des Satzes, der andere solle "sich geborgen fühlen", worauf wir da nämlich abzielen - zu manipulieren.

**Füge ich einem anderen körperlich Übles zu, so zerstöre ich wie bei einem Spiegel das Glas, nie das Bild. Nur kann das Bild bei zerbrochenem Glas (Tod) nicht mehr erscheinen. Wobei zwischen dem physikalisch vermeßbaren "Körper" (der Masse) und dem Leib (der ein Ausdruck ist) zu unterscheiden ist. Das größere Übel ist deshalb, den Geist des anderen zu trüben. Denn damit ergreife ich ihn ganz. Dieser Hinweis kann oder muß als klare Absage an die heutige Pädagogik verstanden werden.

²Vorsicht dabei, diesen Gedanken weiterzuführen - Leib und Geist stehen sich nur auf eine Weise gegenüber; beide sind GEEINT in der Persönlichkeit. IN ihr. Der Leib ist damit nicht "weniger" als der menschliche Geist, er ist ihm auf eine Weise gleichberechtigt. In Leib und Geist drückt sich das Wesen der Persönlichkeit als Einheitsprinzip aus. Sehr gut dargestellt findet sich diese Thematik u. a. in H.-E. Hengstenberg, "Der Leib und die letzten Dinge"



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Dienstag, 10. Dezember 2013

Wie Geist sich ausdrückt

Ausdruck ist Offenbarung. Im Endlichen besagt er immer, daß ein Höheres sein Wesen auswirkt, indem es sich eines Niederen bedient, ohne die Eigenwirkung des letzteren anzutasten. Beispiel sei uns wieder das menschliche Wort. Es gelten physikalische Gesetze in dem rein physikalischen Sein der Klänge, innerhalb des "Wortleibes"; diese physikalischen Geschehnisse haben ihre eigene strenge Gesetzlichkeit Und doch tritt in ebendiesen ungestörten physikalischen Geschehnissen die höhere Wirkung des Geistes nach außen. 

Was im Geiste geschieht, gibt letztlich den physikalischen Geschehnissen den Sinn. Ohne diese zu stören und kausal zu beeinflussen! (Und ohne daß Sinn schlichtweg "hinzugedacht" wird, weil er sonst keine Realität hätte; Sinn ist im physikalischen Geschehen vorhanden, umgreift es, stellt es in eine geistige Ordnung; Anm.) 

Denn die physikalischen Gesetze sind ebensogut erfüllt bei einer sinnlosen wie bei einer sinnvollen Klangfolge. Das geistige Geschehen läßt das physikalische Geschehen (kausal) unangetastet; und gerade in dieser Symbiose bekommt das Geistige die Weise seines Wirkens, seines "Aus-sich-Heraustretens" - seinen Ausdruck, der also mit dem "Erzeugen" der physikalischen Geschehnisse durch geistige Akte nichts zu tun hat. 

Man kann sagen: Ausdruck besteht, wo ein höheres Sein dergestalt in einem niederen lebt, daß das "Niedere" die Weise bestimmt, nach welcher das "Höhere" sein Wesen nach a8ußen auswirkt. Das Wirken des Geistes tritt mit dem Wirken des Physikalischen im Worte nach außen. Ausdruck: Aufprägung des Lebensgesetzes des Höheren auf ein unter im Seiendes, ohne daß die spezifische Eigentätigkeit des letzteren angetastet wird.


Hans-Eduard Hengstenberg in "Der Leib und die letzten Dinge"



Geist ordnet also physikalisches Geschehen, er gibt ihm das Sinngefüge, das etwa einer Bewegungsenergie auf einen Körper gewandt seine Richtung gibt. Keinerlei Eigengesetzlichkeit ist dabei verletzt - aber das Sinngefüge, in dem sie sich wirken, ist bestimmt, und somit das Niedere "in Dienst genommen." Aber noch mehr: Dadurch wird die Materie "entkörperlicht", d. h. dem rein "innerweltlich körperlichen" entrissen. Sie kommt zum Strahlen (und nun nicht nur im mikrophysikalischen Sinn!) - wie das Wort strahlt, wenn es einem Edlen, Hohen Ausdruck gibt! Im Dienen vollendet sich das Dienende zu sich selbst.*

Das ist gemeint, wenn von "Selbstbesitz" des Menschen gesprochen wird: Er meint das Eingliedern aller "materialen" Elemente und Teile in eine ich-bestimmte Ordnung. Solange der Mensch dem zufällig Begegnenden unterworfen ist, kann er sein innerstes Ich (in der Antwort auf das Begegnende) nicht im eigenen Leib zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig ist diese Ausdruckhaftigkeit (etwa im Handeln, und insofern handelt der Mensch immer) nicht ohne Begegnung zu denken, weil es kein Atom gibt, das sich nicht "in Bezug auf" etwas anderes definiert. Aber beherrscht das Eintreffende, Begegnende den Leib, so ist der "Ausdruck" Folge fremden Sinns. Wo wir in Abhängigkeitsbeziehungen stehen, also nicht Sinn setzen, sind wir des Ausdrucks beraubt - in eben dem Maße als die Abhängigkeit uns beherrscht.** (Im Antworten auf den Sinnbezug ist menschliche Willens-Willkür ausgegrenzt.)

Der Mensch ist Ich im freien (geistbestimmten) Antworten auf das immer vorgängige Du. Es sind nicht die autonomen einzelnen Teile, die die Sinn-Richtung vorgeben, während der Sinn die physisch-physikalische Natur der einzelnen Teile zu ihrer höchsten Möglichkeit im Dienst am Sinn führt. Es ist die zentrale Antwort auf dieses Du.



*Nicht das Material ist Ausdruck des Künstlers, sondern Medium seines Sinn-Ausdrucks im gesamten Kunstwerk. Das Material kann er in seiner Eigengesetzlichkeit nur verwenden. Der Sänger schafft nicht den Ton, sondern bedient sich des hervorgebrachten, damit verwendeten Tones, der durch das Sinngefüge, in dem er steht, sinnlich strahlt.

**Das unterscheidet auch die Hörigkeit vom Gehorsam, der ein freier Akt gegenüber der Ordnung im Sinn ist. Beide "folgen", aber nur einer gehorcht. Der Hörige fügt sich (übrigens: aus fehlgeleiteter Zwecküberlegung), aber er gehorcht nicht. Anders der Wahnsinnige, der einem fehlgeleiteten Sinn gehorcht.



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Donnerstag, 28. November 2013

Neulich im Stiegenhaus

"Es ist," meinte Frau G, "weil unsere Generation keinen Krieg mehr erlebt hat. Unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern - sie alle haben erlebt was es heißt, nichts zu haben. Nur so können sie schätzen, was Dinge wert sind, über alles Geld hinaus."

Sie trifft einen Kern der Sache. An dem jüngste Zeitungsberichte vorbeigehen, in denen zu lesen war, daß die Jugend der Gegenwart sich wenig aus Dingen mache. Ganz so, so stünden wir vor einem neuen Zeitalter der Askese. Gleichgültigkeit den Dingen gegenüber, die im verwaschenen Horizont der Selbstverständlichkeit untergehen, ist nicht Askese. Es ist Weltverlust, sehr real im Verschwinden des Raumes festzustellen. Es ist Weltverlust, weil die Dinge in ihrem Entstehen keine Beziehung mehr aufbauen, zu bloßen abstrakten Faktoren in einem abstrakten Funktionsmodell werden. Schon von Kindesbeinen an wird ein Wirklichkeitsumfeld geschaffen, in dem immer jemand oder etwas verantwortlich dafür ist, daß die Dinge, mit denen wir umgehen, vorhanden sind. Steht etwas nicht zum bloßen Gebrauch bereit, springen zahllose Mechanismen ein, die seine Verursachung erzwingen wollen.* Und nur in diesen Beziehungen sind sie überhaupt erst geschichtlich und wirksam, denn nur Beziehung bedeutet Wirkung, Wirkung ist Beziehung - Wirklichkeit.

Was ist, jedes "Ding", ist es selbst durch und in seinen Beziehungen zur Mitwelt. In der alles miteinander verhangen ist. So wird Raum geschaffen, aus dem abstrakten, allem vorgängigen "Raum an sich" (den man sich genau nicht konkret vorstellen kann), der jeder konkreten Räumlichkeit vorhergehen muß, heraus. Raum ist die Bedingung wie das Ergebnis alles Seienden. Und damit Beziehung. Die nur besteht, wenn die Entstehensvorgänge der Dinge sinnlich erfahren werden. Die Abstrahierung dieser Vorgänge ist Folge (als geistiger Akt) aus der Sinnlichkeit (die der Geistigkeit zwar als Bedingung, nicht aber ursächlich abhängt!), und insofern eine Frage der Persönlichkeitsreife, die nur auf dem Boden einer wirklichkeitsgesättigten weil sinnlichen Raum- und Dingerfahrung gedeihen kann.**

"Es geht uns zu gut," meinte G dann. "Alles steht einfach zur Verfügung. Das ist nicht gut." Sie hatte Schweres durchzustehen, und hat es noch. Das merkt man. Die Mühe der Entstehung, die so vielen schon fehlt und damit ein Grundklima geschaffen hat, in dem niemand mehr eine Ahnung hat, wie etwas überhaupt wird, das Leid das sie erfahren hat, das erst macht den Wert der Dinge (und Menschen) erfahrbar. Man kann staunen, wieviel Weisheit und Weltkenntnis einfachste Menschen sammeln, wenn sie die Chance dazu haben.




*Das bedeutet auch ganz klar, daß der Förderwahn der Gegenwart das Wesentliche am Erreichen der Dinge in der Selbstwirklichung genau verfehlt. Es geht nämlich nicht um die "Dinge an sich", es geht um die Beziehung, in denen sie stehen. Und diesem Werterfahren fehlt damit die Historizität. Geförderte Erfolge sind gar keine Erfolge. Sie sind Schimären. Allem aus solchen Bedingungen Entstandene fehlt ihr Wesentliches: die Beziehung zu seinem Sein, die eine Beziehung zu seinem Entstehen ist. Jede "Idee", die solchen Charakterformungen und Haltungen entspringt, hat deshalb vor allem eines: fehlenden Sinn für die Möglichkeit. Sie schreit nach jenen künstlichen Laborbedingungen, die es in diesem begrenzten Rahmen hervorbringen. Aber damit eine ganz andere Wirklichkeit schaffen, auch und gerade mit diesen solcherart hervorgebrachten Dingen.

**Der Mensch ist von Raum und Zeit abhängig. Vom Raum wegen der Inhaltsfolge, aus der heraus alleine Eigenschaftlichkeit abstrahierbar ist, und von der Zeit wegen der Zustandsfolge. Selbst, wenn der Geist selbst nicht raumzeitlich ist, ist er an Raum und Zeit gebunden. (Siehe u. a. die sehr klare Darstellung des Problems bei Hans-Eduard Hengstenberg, "Der Leib und die letzten Dinge") Abstraktivem Denken ohne diese Raum-Zeit-Erfahrung fehlt die Wirklichkeitsdimension, die kein abstraktiver Faktor ist, sondern Bedingung des Denkens überhaupt.




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Mittwoch, 27. November 2013

Freiheit, Masse und Gemeinschaft

In der Masse ist der Einzelne seinsmäßig nicht unersetzlich, sondern lediglich unentbehrlich. Er ist nur in seiner Zuverlässigkeit aufgerufen, auf diese einesteils reduziert, und andernteils durch deren Inhalte definiert. Er gewinnt in der Masse neue Eigenschaften dazu, die er als Einzelner nicht hätte. Die "Massengesellschaft" verleiht also dem Einzelnen ihre Eigenschaften. Sie hat einen eigenen Ausdruck, den sie dem Teilen aufprägt. diese besitzen Ausdruck und Verhalten nur in der Masse und als Teil der Masse, gewinnen gleichsam ein zweites, ein Massen-Ich, wie Hans-Eduard Hengstenberg schreibt. Im Namen der Masse kann man etwas tun, was man selbst nie verantworten würde.

Masse hat keine Konstitution wie die Gemeinschaft, sondern nur eine Komposition. Auch im Organischen unterscheiden wir eine bloße Zell-Assoziation (z. B. bei manchen Algen-Arten) von einem eigentlichen Zellorganismus (z. B. der höher entwickelten Pflanze). Masse verleiht auch nicht eigenlich die Masseneigenschaft, sondern "zwingt sie auf", ohne Ansehen der Person

Der Einzelne ist nicht in seiner Individualität und Unersetzlichkeit für das Gesamt aufgerufen, sondern nur in den übereinstimmenden und Masseneigenschaft, deshalb ist hier anderseits der Dienst am Übergeordneten ein unvollkommenerer als bei den Gliedern einer Gemeinschaft. Der Einzelne ist nicht in der Spannung seiner Verschiedenheit zusammengeordnet, sondern nur in der Gemeinsamkeit. So werden die Teile lediglich SUMMIERT. Der Geltungsbereich der Masse ist nur das Gemeinsame, nur daraus lebt Masse, die auch nichts Anderes zulassen kann. Sie ist EINPOLIG, ein Gegenkollektiv ist ihre Bedingung, sie braucht diesen anderen Pol. 

Während die Gemeinschaft ein fruchtbares Gegeneinander in sich selber trägt, also in sich zweipolig ist, muß Masse notwendig einpolar sein. Sie ist daher in sich unvollkommen, abhängig und setzt ein Außersich, einen Gegenpol voraus. Masse MUSZ KÄMPFEN. 

Es ist eine Zweckgebundenheit wirksam, die nach außen drängt. Masse ist, was sie ist, nur durch eine bestimmte Verbindung der Teile. Diese Verbindung ist die "Und-Verbindung".

Wie bei einem Felsen, der eine Summe seiner Teile ist. Kein Körper, sondern nur Masse.

Gemeinschaft hingegen hat eine Konstitution. Der Einzelne schwingt sich in seinem Einzelwesen voll aus. Wesentlich ist, daß gerade DIESER Einzelne mit SEINER Tätigkeit zum ebenso individuell geprägten Anderen (und nicht einem x-beliebigen Anderen) mit seiner Tätigkeit gegenübersteht. Die Gemeinschaft hat zwar einen Gesamtcharakter, aber sie wirkt nach außen unter Weitergeltung jedes Einzelnen (der gleichsam sein "Urheberrecht" behält) nach seiner Eigenart und Individualität.

Der Einzelne dient nach seiner Individualität und Einzigartigkeit und damit Unersetzlichkeit. Und das ist entscheidend für die Struktur der Gemeinschaft: daß jeder aufgerufen ist, von sich aus, nach Individualität und Unersetzlichkeit zu dienen. Gerade dadurch wird er "hörig" (im Sinne von "hörend"), nimmt so das Lebensprinzip der Gemeinschaft auf und verwirklicht es, auf seine Art. Der Freie leistet somit einen höheren weil hörenderen Gehorsamsdienst als der Sklave. Er wird in der Gemeinschaft zum Körper. Nicht zur Masse.

Körperliche Masse kommt ohne Gleichgewichtszustand nicht aus. Kollektivwirkung erzeugt immer Kollektivwirkung, und braucht Gegenmasse, die sie anzieht. Körper der Masse wird somit nur zum "Umfang des Wirkungsbereichs" von Teilen auf ein anderes Konglomerat an (gleichen) Teilen. Und was immer Masse ist, braucht die strenge Symmetrie - weshalb alles streng symmetrische auch ästhetisch tot, unlebendig, geistlos wirkt: es wirkt zu "körperlich".

Was sich aber wirklich Körper(schaft) nennt, ist letztlich damit aus unkörperlichen Ursprüngen entstanden. Nicht aus einem einzelnen Quant (durch Spaltung etwa) kann Raum und Zeit entstehen, sondern aus der Beziehung von mehreren/vielen Quanten zueinander. Die Beziehungen gehen also voraus, Raum und Zeit gehen dem Einzelnen voraus.* Von einem "Uratom" auszugehen, das durch extreme Komprimierung etc. etc. den gesamten Kosmos aus sich selbst heraustrieb, ist theoretisch undenkbar! Einen materialistisch-mechanistischen "Urknall" in vorzufindend vielfach kolportierter Form kann es verstandesmäßig durchdacht, kann es auch quantenphysikalisch belegbar gar nicht geben.



*Jawohl, hier ist der Ort, um darauf hinzuweisen, daß die Einstein'sche Relativität von Raum und Zeit eine der Meßbarkeitsdimension ist, keine absolute Dimension hat, diese aber voraussetzt. Wird diese Dimension übersehen und überschritten, wird die Physik seinsloses Gedankenspiel. Wir werden an dieser Stelle gewiß noch darauf eingehen, daß die bereits anfänglich bestehende massive Kritik an den Einstein'schen Thesen keineswegs im Laufe der Jahrzehnte "widerlegt" wurde, sondern einer eigenen Massen- und Mediendynamik zum Opfer fiel. Sie war vielfach berechtigt, und von größten Köpfen sehr fundiert begründet. Masseinbindung liegt nicht im Wesen der Materie an sich, das Masse-Körperliche ist Folge der Raum-Zeitlichkeit. Die absolute Einheit, schreibt Lemaitre, KANN keine Räumlichkeit haben, kann NOCH keine Größe haben. Erst die Vielheit schafft "Größe". Das vielzitierte "Uratom" kann es also gar nicht geben, weil es keine Raum-Zeit-Dimension hat. Mit unseren Begriffen können wir das, was im "Urzustand" geschah, also gar nicht beschreiben, weil Messung immer Relation voraussetzt. Und wenn wir die "Blackbox" noch so sehr zurückschieben und mit Begriffen wie "unendlich" vernebeln. Im Konkreten gibt es diese Unendlichkeit nicht, sie bleibt immer konkret-endlich. Wenn wir aber zurückgehen, so Lemaitre, auf ein "masseloses" Uratom, befinden wir uns außerhalb jeder Sphäre der Physik. Wir kommen zurück auf eine bloße "Fähigkeit, Quanten zu erzeugen". Masse ist etwas aus "Unmassigem" Abgeleitetes, Quantität ist erst aus der Zusammenfügung von Nichtquantitativem abzuleiten.

Noch einmal: Ein einzelnes Atom (wie immer konstituiert man es sich denkt) kann es nicht geben und nicht gegeben haben. Alles Seiende ist auf ein Hier und Jetzt in Raum und Zeit, daher auf Mitseiendes angewiesen. Teilbarkeit selbst setzt bereits Raum und Zeit voraus, weil es Kompositivität voraussetzt. Aus EINEM Atom kann kein Universum werden, weil Masse GEGENMASSE voraussetzt. Massenhaftigkeit ist also etwas Abgeleitetes, nicht mit dem Wesen der Materie an sich verbunden. Wobei man die seinsmäßige Ableitung nicht mit einer geschichtlich-zeitlichen verwechselt werden darf. Masse setzt Raum und Zeit voraus, schafft sie nicht, macht sie nicht aus sich quantifizierbar.

Wer Zeit und Raum NACH - als Folge, gewissermaßen - von Masse ansetzt, ENTWIRKLICHT die Welt. Die unerhörte Tragweite zeigt sich heute, gerade heute. So komplex diese Argumentation uns Heutigen also scheinen mag, so klar und rational ist sie. Also keine Frage von "Glaubenssystemen" oder "interessanter esoterischer Phantasie", als die eine (im Literaturbetrieb Österreichs "hochrangige") Literatin einmal in Werken dargestellte entsprechende Thesen des Verfassers dieser Zeilen bezeichnete, die sie einfach nicht verstand. 

Aber die These von der Entstehung der Welt aus "Masse" heraus, wie sie in den Urknallthesen fast schon alltäglich geglaubter Mythos ist, bringt eine völlige Entwirklichung der Welt mit sich, hat also dramatische Auswirkungen. Und aus ihr folgt zwangsläufig ein mechanistisch-deistisches Weltbild, das Gott bestenfalls auf einen Moment der Schöpfung reduziert, Raum und Zeit der Schöpfung überhaupt entzieht, und die Welt vor allem von "unmassig zu massig" - Materialismus als Ziel der Schöpfung - entwickeln läßt. Das weist auch auf den massiven Denkfehler eines Teilhard de Chardin, der bis heute eine "Scheinversöhnung" zwischen Evolutionismus und Christentum verkündet, die einfach "falsch gedacht" ist.
 




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