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Samstag, 6. April 2019

Zur Illustration - Nordirland heute (2)

Teil 2)



Knocknarea im County Sligo, Irland
Wer Iren kennt weiß, daß in ihnen diese Geschichte lebendig ist, und noch heute überall mitschwingt. Die Landschaft, lange Jahrtausende das absolute Ende der bekannten Welt, oder die irische Musik, oder der Tanz, in diesem Schwanken zwischen lebensbejahender, ausgelassener Ekstase und verinnerlichter Trauer, trägt diese Grundstimmung regelrecht als ewiges Signum der Heiligen Bestimmung.

Der VdZ war tief erschüttert, als er vor einigen Jahren im County Sligo vor dem "Berg" Knocknarea stand. Auf dem Maeve, die legendäre Königin dieses uralten Volkes, der Überlieferung nach unter einem 40.000-Tonnen-Steinhaufen begraben liegt. Der mit 3000 v. Chr. datiert wird. Hier soll sie, der Überlieferung nach, mit voller Rüstung, gegen ihren Feind in Ulster gerichtet, gen Norden, begraben sein. Bis heute hat es niemand gewagt, ihre Grabesruhe zu stören. Der Berg ist den Iren heilig. Die Überlieferung ist den Iren heilig. Den Iren jedenfalls, die noch Iren sind. Und nicht verblödete weil ihrer selbst beraubte Wohlstandssklaven.

Es ist bis heute das einzige Mal, daß der VdZ sich - irrational, gewiß - mit einer "Königin", die mehr ist als die Frau und Statthalterin des Königs, anfreunden konnte. Erklären könnte er es freilich bis heute nicht. Aber der Raum, in dem er sich fand, war zu beeindruckend. Oder war es nur ein Liebesdenkmal des Königs, wie das Taj Mahal? Heute weiß er, daß sich ein anderes Ahnen in diese Ergriffenheit mischte, die er am Fuße des Hügels (für die Iren mit 350 Metern Höhe freilich der höchste "Berg" im Norden) empfand. Ob diese Legende, die wie immer die Selbstdefinition des Heute-Seins ist, den Iren nicht furchtbar geschadet weil etwas Weltuntaugliches etabliert haben könnte.

Das empfand er noch deutlicher, als er vor dem nicht weit davon entfernt befindlichen Grabmal von Yeats stand. Das ihn so wegfegte, daß der Bus des ungarischen Chores, mit dem er dort war (um den Hauptpreis in einem internationalen Gesangswettbewerb in der Kategorie "Geistliche Musik" zu ersingen), zehn Minuten warten mußte, weil der VdZ nicht auffindbar war. Er war vor dem von einer beeindruckenden Skulptur bezeichneten Grabmal von Yeats zusammengesunken.

Der ganze Berg aber - eine Grabstätte. Das ist Kultur. Denn das ist Gestaltung weil Ordnung der Welt. (Umweltverschmutzung hat der VdZ in Irland nie festgestellt.) Es ist bis heute nicht zu klären, ob die Iren überhaupt jemals "eingewandert" sind, sondern es deutet viel mehr darauf hin, daß sie "schon immer" auf der Insel waren. Auch die Mythen sagen es. Und viele reale, archäologische Indizien sprechen dafür. Wie immer man das mit unserem heutigen verwirrten Geist erklären (oder nicht) möge. Der in seinem stinkprimitiven Evolutionismus den Menschen zum reinen Pruntzprodukt macht, ihn seiner göttlichen Abkunft völlig entkleidet, um ihn dann auch entsprechend auszubeuten, anzuspucken, vergewaltigen zu können. Denn der Evolutionismus ist ein verabscheuenswürdiges Ausscheideergebnis einer verabscheuenswürdigen Haltung des Bösen, des technizistischen Kapitalismus, dieser Aftergeburt der okkulten Alchemie.

Diese Fundierung macht die Iren zu einem bevorzugten Haßobjekt der Oligarchen. Und leider haben die Iren, ihres Volkskönigtums beraubt, ihrer intellektuellen Größe in ihrer Sprache beraubt, nicht die geistige Substanz, um dem substantiell zu wehren. Die gräßliche Volksabstimmung zur Abtreibung 2017 war da ein erschütternder Beweis, wie Geld und unverdientes Fressen die Menschen weil ihre Kultur zerstört.

Und deshalb werden vor allem die irischen Freiheitsbewegungen, allen voran die IRA, etwas dagegen haben. Die all das noch ahnen, wenigstens. Daran festhalten, wenigstens, auch wenn sie es nicht mehr verstehen. Für deren manche Splittergruppen die Karfreitagsvereinbarungen von 1998, die die Sinn Fein stellvertretend ausgehandelt hatte, ohnehin viel zu weit gegangen waren. Die noch dazu in ihren Augen die Teilung der Insel zementiert, und das eigentliche Problem nicht gelöst, sondern noch weiter verkompliziert hat. Die Bewegung Saoradh (sprich: "Siruuh") spricht bei dem Abkommen überhaupt von "dem großen Betrug."

Sie haben wohl alle auch nicht ganz unrecht.* Mit einer lustigen Komponente dabei. Die Terror-Manie, die seit 9/11 die Welt beherrscht, macht die IRA und sämtliche Gruppen ähnlicher Intentionen zu bloßem "Terror". Noch heute übrigens schätzt man den aktiven Kern der IRA auf mehrere hundert Mann ein.

Und wen sollte das wundern, außer die gezielt verblödeten Mitteleuropäer? Nicht einmal die vordergründigen Argumente der Sinn Fein, dem Abkommen durch Kompromisse zuzustimmen, weil die Vorteile den Preis der Selbstaufgabe aufwögen - Aufblühen der Wirtschaft, Steigerung des Wohlstands, Verringerung der Arbeitslosigkeit in Nordirland ... - haben sich verwirklicht. Und dieses Lied kennen wir doch alle, oder nicht, werter Leser? Jedenfalls ist derzeit ein enormer Ernüchterungsprozeß im Gange. Die irischen Gruppen wie die IRA haben erkannt, daß die Scheineinigung innerhalb der EU das eigentliche Anliegen keinen Schritt weitergebracht, ja sogar hintertrieben hat.

Als der VdZ 2015 das vorerst letzte Mal in Nordwestirland (nicht in Nord-Irland!) war, war er jedenfalls von der resignativen Stimmung dort eigenartig berührt. Das hat nichts mit der sowieso bekannten und so gebliebenen melancholischen Kultivierung der historischen Niederlagen der Iren zu tun, die er von früher kannte, und von denen die meisten ihrer Lieder erzählen. Das war echte, psychische Depression.

Was den Iren fehlt, woran sie nicht glauben? Sie möchten Gerechtigkeit! Nicht eine Schein-Kalmierung nach dem Motto "Na sind wir halt alle wieder gut!" Was England Irland angetan hat, über fünfhundert Jahre, ist nicht mit ein bißchen Friedensgetue zu erledigen. Während die gewinnbringenden englischen Großunternehmen in Belfast weiterdampfen, dank der niedrigeren Löhne in Irland. Nur zu Illustration: Von 1996 bis 1998 waren insgesamt 300.000 britische Soldaten in Nordirland eingesetzt.

Nicht viel weniger als zur angeblichen "Kartoffelbleiche" 1845-52, der fünf Millionen Iren zum Opfer fielen, die Hälfte der damaligen Bevölkerung. Denn Katholiken vermehren sich eben "wie die Karnickel" (was für ein derzeitiger Papst ... es wird auch einem Katholiken nur noch schlecht) und waren protestantischen Gesellschaften (wie in den USA) eine demographische Gefahr. Wo das Londoner Parlament (unter Zustimmung des per materieller Wohlversorgung und Titelüberschüttung gekauften irischen Episkopats) den Beschluß faßte, daß das Eigentumsrecht der britischen Landlords und Investoren über das Versorgungsrecht der Iren zu stellen sei. Sodaß das Militär ausgeschickt wurde, um die in Irland dringend benötigen Lebensmittel außer Landes zu schiffen, weil sie ja "den Landlords" gehörten. Gin in London war wichtiger - und vor allem einträchtiger - als Nahrung für Iren. Warum? Weil die britischen Landlords in Irland, eingesetzt von London, so verschuldet waren, daß sie ihre Ernten im Voraus belehnt hatten. Bei Bankhäusern der Londoner City. Fast generell Juden.

Der Film erzählt sowieso mehr dazu als wohl beabsichtigt war. Da rumort es in aller Tiefe. In aller historisch bedingten Tiefe. Der Bericht zeigt fast unfreiwillig, wie fragil, ja wie faul der Friede in Irland ist und war. Die Reportage endet mit einer eindrücklichen Momentaufnahme aus den Straßen von Belfast. Während der Reporter in einem Pub mit den Britisch-Iren sprach, ist direkt gegenüber die Polizei mit einer Spezialeinheit für Bombenentschärfung aufmarschiert.

Auflösung der gewachsenen Identität war eben nie ein Friedenskonzept. Sie ist ein reines Herrschaftskonzept.









*Die für das Karfreitagabkommen Verantwortlichen sprechen von "notwendigen Kompromissen". Der VdZ meint, daß es kaum ein unsinnigeres Gequatsche gibt als die Rede davon, daß Demokratie eben "lehre" oder "bedeute" zu "begreifen", daß man Kompromisse machen müsse. Kompromisse sind nur möglich, wenn die Grundlagen dieselben sind, also eine Grundeinheit bereits besteht! Unvereinbare Positionen lassen sich niemals mit "Kompromissen" einen. Wer so redet, hat zum einen noch nie begriffen, was Verantwortung bedeutet (deshalb sollte man Leute, die so reden, meiden wie die Pest), oder er hat zum anderen böse Absichten. Dann sollte man ihn erst recht meiden. Wenn es so ist, wie manche meinen, daß Demokratie die "Kunst der Kompromisse" sei, dann dürfte man sie nicht einmal annähernd als Staatsform erwägen. Dann wäre sie in sich bereits Sünde. Die meisten der heutigen echten Mißstände führen sich auf diese lächerliche, strunzdumme Interpretation zurück, übrigens. Wer sich dann sogar noch Christ oder Katholik nennt, ist ein verabscheuungswürdiger Lügner. Oder für jede höhere Position ungeeignet.





*260119*

Freitag, 5. April 2019

Zur Illustration - Nordirland heute (1)

Man muß es als seltsam und Treppenwitz der Geschichte sehen, daß ausgerechnet Nordirland 2016 mit 56 Prozent gegen den Brexit stimmte. Denn damit stellten sich sogar die mehrheitlich protestantischen Briten, die dort seit etwa zwei-, dreihundert Jahren leben, gegen jenes Mutterland, das ihnen ihre kulturelle Identität gibt, aber mit insgesamt 52 Prozent für einen Austritt aus der EU stimmte. 

Dieser Bericht aus dem heutigen Nordirland (Dezember 2018) belegt einiges von dem, was in den letzten Tagen hier zu lesen stand: Da stehen sich zwei unterschiedliche Kulturen, zwei Identitäten gegenüber. Die britischen Protestanten und die irischen Katholiken. Und im Bericht sieht man auch, wie ein "friedliches" Miteinander dieser unterschiedlichen Kulturen unter einer Regierung möglich war - durch Mauern (wie in Belfast zu sehen), durch Segregation also.

Beide Gruppen stehen sich nach wie vor sehr identitär gesinnt gegenüber, und beide Gruppen sind nach wie vor bereit, für ihre Identitäten und Zugehörigkeiten - England/Irland - zu kämpfen. Die Jahre seit 1998, dem berühmten "Karfreitagsfrieden", waren zwar ruhig verlaufen, die Anschläge und Blutbäder endeten. Aber für die Iren entstand etwas wie eine Illusion, ein Lebensgefühl, daß Irland wieder "vereint" sei. Wenn nicht auf dem Papier, so doch durch die alltägliche Lebensweise. Denn die Grenzen verschwanden ebenso wie die zuvor als Okkupation empfundene britische Armee aus dem Bewußtsein. Außerdem sind die Währungen mehr oder weniger ineinander verschwommen, Euro (Irland) und Pfund (England) waren parallele Zahlungsmittel in Nordirland gewesen.

Wenn auch das Selbstbewußtsein - Iren als Teil einer einigen irischen Republik - nie verschwand, eher sogar gestärkt wurde. Wirklich von "Frieden" zu sprechen ist also verfehlt. Die beiden Gruppen blieben einander fremd, ja feindlich, und getrennt. Und speziell manche irische Gebiete sind für die nordirische Polizei (= britische Okkupationsmacht für überzeugte Iren) sogar No-Go-Areas geblieben, denen man lieber fern bleibt, zumindest um nicht zu provozieren. 

Vielfach hat sich deshalb eine Paralleljustiz aufgebaut, in der verschiedenste Gruppen ein Rechtsgefühl durchsetzten, wie es auch irischen Bevölkerungsteilen entspricht, die englische Gesetze nie akzeptierten. Weil die Autoritäten ihrer Ansicht nach illegitim sind und britischer Okkupation entspringen. So entsteht ein Rechtsvakuum, und das füllen diese paramilitärischen Gruppen aus. Die "anti-soziales Verhalten" (also Kriminalität) ahnden.*

Daneben kommt ein weiterer Aspekt zum Tragen, der meist zu wenig beachtet wird. Daß nämlich speziell die IRA ihren Kampf gegen England auch immer als Kampf gegen die Moderne ansah. Und das heißt - gegen den englischen Kapitalismus, in dessen Folge sich die traditionellen sozialen Gefüge auflösen (wie bei uns). Mit allen negativen Folgen, wie wir sie kennen, nicht zuletzt dem Drogenmißbrauch und Drogenhandel. Wobei die Gerüchte nicht verstummen wollen, daß sich diese paramilitärischen "Ordnungskräfte" selbst mit Drogenhandel finanzieren. Aber das könnten auch gezielte Verleumdungen sein.

Es geht und ging seit je also auch um einen Kulturkampf, und beide Seiten wissen das und sehen es so. Sowohl die Iren wie die britischen Nordiren sind jederzeit bereit, für ihre Zugehörigkeit zu Irland/England zu kämpfen. Alle sagen, daß Irland und das britische Nordirland zwei verschiedene Länder weil Kulturen sind. Das ist mehr als ein Gefühl. Auch die Nordiren bestätigten somit: Gelöst wurde das Nordirlandproblem nie. Alle Risse wurden nur oberflächlich zugeschmiert, in der irrationalen Hoffnung, die Zeit und der Sozialstaat (sic!), an den sich vor allem die Nordiren so gerne gewöhnt haben, also Brot und Spiele, würden schon alle Identitäten auswaschen. Das haben sie ja immer getan.

Nun, mit dem Brexit, müßten aber die alten Grenzen zu Irland wieder aufgerichtet werden. England "kann" nicht anders handeln, es hätte sonst seine Hintertür weit offen, und darüber würde jeder Eigenkurs ins Schlingern gebracht. Außer es würde sein historisches Unrecht - die Okkupation von Irland, die Besiedelung mit protestantischen Briten - eingestehen und zumindest die Okkupation rückgängig machen. Um dann, zum Beispiel, mit der gesamtirischen Regierung ein Abkommen aushandeln, das den britischen Nordiren Autonomie (etwa wie in Südtirol) zugesteht. Sie auszusiedeln würde hingegen nur neues Unrecht bedeuten. Werden die Briten das aber machen? Sicher nicht. Werden die britischen Nordiren das zulassen? Sicher nicht.

Also müssen Grenzen errichtet werden. Und da werden die Iren etwas dagegen haben, denn eine "harte" Grenze durchfurchte lange genug ihr Land und teilte (oft grotesk: es gibt z. B. einen Grenzabschnitt, wo man innerhalb von sechs Meilen auf derselben Straße fünfmal die Grenze wechseln mußte) ihr Volk.

Die Iren haben über so viele Jahrhunderte genug unter der oft unglaublich brutalen britischen Herrschaft gelitten, in der das Land bis aufs Blut - wörtlich - ausgesaugt wurde. Und wo dem Londoner Parlament oft genug der Spruch auskam, daß es nur darum gehe, diese irischen Bastarde auszulöschen. Aber auch wir Mittelländler sollten nicht vergessen, daß dieser Kampf gegen dieses Volk vor allem ein Kampf gegen den Katholizismus, gegen die metaphysische Substanz einer Gemeinschaft von Menschen war und ist. Dem Resteuropa im Grunde alles - alles! - zu verdanken hat. Denn es waren die Iren (neben den Schotten), die Europa nach der Völkerwanderung bis nach Polen und Ungarn remissioniert und damit - damit! - wieder aufgebaut haben. Und der VdZ ist sogar ein Anhänger jener Theorien, die sagen, daß der Höhepunkt dieser Kultur, die Gotik, das Aufblühen dieses irischen Geistes und seines Formgefühls war.


Morgen Teil 2)



*Das weist auf etwas ganz Wichtiges hin. Nämlich darauf, daß jedes Volk, jede Kultur auch die ihr gemäße Justiz (und Exekutive) unbedingt braucht. Somit sollte man noch einmal gründlich darüber nachdenken, was es bedeutet, daß in unseren Ländern Paralleljustizsysteme durch und in Migrantenkreisen auftritt. Die Art, wie das (auch oder gerade von der sogenannten "Rechten", aber noch mehr natürlich von dem unsäglichen Establishment, das uns bestimmt) skandalisiert und abgelehnt oder als Beispiel für verfehlte Migrationspolitik gewertet wird, hat etwas ziemlich Geistloses, ja Verblödetes. Paralleljustiz gibt es überall, auch in Irland. Na warum wohl? Wie entsteht so etwas wohl?

Das Problem reicht sogar hinein bis in die medial so hervorgestrichenen Gewaltausbrüche gegen Frauen. Wenn das Rechtssystem nicht mehr dem individuellen Rechtsempfinden entspricht, was macht ein Mensch mit Verantwortung dann? Na? Und ist damit ER schuld? Oder hat das nicht ganz andere Implikationen? Und wer ist dann "schuld"? Trottelgesocks, mit dem wir es heute zu tun haben, leere Quatscher, überall.

Der VdZ zögert nicht länger um so manche angeblich wunderbare Volksbewegung - wie die, beim Mord an einem Mädchen in Wiener Neustadt nach schärferen Gesetzen zu schreien - als Greinen luftig-verwöhnter Kindleins einzuschätzen, die den Ernst des Lebens nur nach Kriterien des Internetpornokonsums einschätzen. Lauter irrelevante Hysteriker und Träumer, überall und allerorten. Ihr Lufthammer trifft einen Luftnagel. Zu hart? Nein. Denn gerade oft das aufgebrachteste auftretende "politische Engagement" ist direkt mit dem zu vergleichen, was im Internetpornokonsum passiert. Leer. Wertlos. Wirklichkeitsfern.

Jawohl, Herr Sellner, damit sind (auch) Sie gemeint. Der VdZ hat Sie eine Zeit mit gewisser väterlicher, fast nostalgischer Sympathie begleitet. Aber immer mehr stellt er fest, daß sich in Ihrem politischen Wirken (das sich auf reine Virtualität beschränkt, ohne die alles überhaupt in Nichts aufginge) alles nur noch nach Kriterien der Ablaufoptimierung vollzieht. Aber auf welcher Basis!? Von ein bißchen Heidegger-Lektüre? Kein Wunder, daß Sie der Wirklichkeit immer ferner werden. Sehen Sie das nicht alleine an der Verfehltheit ihrer Prognosen, alleine im vergangenen Jahr? Mehr als Teenager-Gekreische ist das nicht. Wäre der VdZ (der Sie kennt, da haben Sie noch nicht einmal die Tischplatte mit ihrem Scheitel erreicht) Ihr Vater, würde er sie zuerst einmal gehörig abwatschen. Und vier Tage in den Karzer sperren. Dann wird man weitersehen. Von einem über 30jährigen würde er mehr erwarten als ewige Konservierung der Pubertät.






*260119*

Donnerstag, 4. April 2019

Was wir von Nordirland lernen könnten (2)

Teil 2)



Und so muß es über kurz oder lang zu einer Lösung in Nordirland kommen. Das zeigt sich sogar im derzeitigen Brexit, wo Nordirland (das in der EU bleiben möchte) eine rein englische Lösung (ebenso wie das besetzte Schottland) unmöglich macht. Es sei denn, das Vereinigte Königreich Großbritannien wird aufgelöst, und aus einem Staat entstehen drei*. Möglicherweise ist aber das die einzige Lösung, die in einer Wiedervereinigung der beiden Irlands münden würde, davon kann man fast sicher ausgehen. Wo sich eben im Norden bestimmte relativ autonome Gebiete bilden, die nach protestantischem Status (sozusagen) leben, während der Rest katholisch ist.

Alles begann - sieht man von der Eroberung Irlands ab, die natürlich die erste Todsünde war, die aber noch weitere Folgen (etwa indem man ein autonomes Irland unter der englischen Krone in einem Reich vereint hätte) vermeiden hätte können. Wenn die Engländer nicht begonnen hätten, Irland als Ausbeutungsterritorium zu betrachten und begonnen hätten, die Iren langfristig durch englische Protestanten zu verdrängen. Indem man bewußt die Migranten "integrativ" mitten in katholische Gebiete verpflanzte. So kam es zu einer Durchmischung der Siedlungsräume, deren Menschen aber immer auf einen geschlossenen Siedlungs- weil Kulturraum drängen und hinarbeiten werden. 

Es hätte aber selbst dafür ein Rezept gegeben. Wenn man nämlich die auf die Insel wandernden bzw. ausgeschickten Siedler in geschlossenen, abgegrenzten Territorien angesiedelt hätte. Das wäre aufs erste zwar konfliktträchtiger gewesen, weil der Okkupationsgedanke, der hinter jeder (!) Migration (erst recht bei der Wanderung von Massen) steht, offensichtlicher gewesen wäre. Aber einfach nur ehrlicher. Und er hätte über die Jahrhunderte betrachtet immerhin die Basis dafür gelegt, daß zwei unterschiedliche Kulturen in Eintracht zwar nicht unbedingt mit-, aber doch nebeneinander leben können, ohne einander gefährlich und bedrohlich zu werden. Denn die Menschen, die einfachen Menschen, wollen keinen Krieg. Sie wollen nur auf ihre hergebrachte Weise leben.

Und das ist es, was wir daraus lernen könnten, wenn wir wollten. Migration hat immer nur dann funktioniert, wenn Zuwandernde geschlossene kulturelle Räume weil klar abgegrenzte Gebiete besiedelt haben. Man denke nur an die Wolgadeutschen. Und jede Migration funktioniert nach demselben Prinzip, auch wenn wir das nicht sehen wollen. Selbst Türken (um ein Beispiel zu nennen) wollen, wenn sie in Wien ankommen und den Bussen entsteigen, in Bezirke siedeln, in denen sie neben anderen Türken wohnen und leben und ihre Religion ausüben, ja nach ihrem Rechtsempfinden handeln können.**

Ohne weiteres Zutun kommt es dann mit der Zeit ohnehin zu Berührungs-, ja zu Mischzonen. Aber das muß man den Menschen selbst überlassen. Die gezielte Mischung, wie sie heute geschieht, und die man tückisch "Integrationspolitik" nennt, ist in Wahrheit ein brutaler totalitärer Auswuchs einer Politik, die sich als "social engineering" versteht und tatsächlich meint, sie könne die Menschen nach ihrem Bilde und Bedarf formen. Die Folgen sind unlösbare Situationen, wenn nicht gleich, dann in einigen Jahren und Jahrzehnten. Die dann zu lösen, wenn es nicht mehr anders geht, nur durch brutale Eingriffe in die Rechte der Menschen möglich wird. So, wie in Nordirland.







*Wobei man eines sagen muß: Wenn das Vereinigte Königreich zerfällt, wäre es eine Gerechtigkeit der Geschichte fast hegelianisch-dialektischen Zuschnitts. Keine Macht der Welt kann das Sein nichten. Nur unterdrücken. Und wenn man den erbärmlichen Zustand der Personen betrachtet, die als nächste Generation das Königtum übernehmen und weitertragen sollen, wäre der Zeitpunkt wohl auch von dieser Seite her auf genau dieses Ergebnis zugelaufen. Interessanterweise hat das englische Königtum diese Tendenz zur Selbstauflösung (durch subjektivistische Personen) längst gezeigt. Eine Facette der Spielweite des Protestantismus, übrigens! Auch hier führt also die Geschichte auf ihr folgerichtiges, seinsgemäßes Ergebnis. 

Und zwar auf doppelte Weise: In der englischen "Reformation" unter Heinrich VIII. hat sich die Krone mehr und mehr in die Hand des Kapitals begeben. Wenn man davon sprechen will, wer bislang als großer Sieger dasteht, dann ist es also sowieso nicht die Krone, sondern die Moderne! Und die Moderne ist ein Synonym für das Großkapital.

**Man muß es aussprechen: Ein Volk kann das Recht auf ein Land auch verwirken. Und das haben wir in Europa über weite Bereiche! Denn wir haben die Menschen verhütet, abgetrieben, verhindert, die unseren Völkern den Anspruch auf das althergebrachte Land gesichert hätten. Das ist eine sehr sehr unangenehme Wahrheit, der wir endlich ins Auge schauen müssen, so komplex die Folgen sind. Ein Zurück gibt es da nicht mehr. Wir können uns gerne dieser Sicht verweigern. Aber dann werden wir von den Folgen überschwemmt werden. Jetzt können wir handeln, agieren, gestalten. In ein paar Jahrzehnten können wir aber, wenn wir nicht handeln, nur noch reagieren, und uns mit über uns Verhängtem abfinden. Das alles unabhängig von Schuld und vielen sonstigen Fragen. Unsere Geschichte der Zukunft ist jedoch bereits geschrieben!





*260119*

Mittwoch, 3. April 2019

Was wir von Nordirland lernen könnten (1)

Es gäbe einiges aus der Situation in Nordirland für uns zu lernen. Denn die Situation dort entspricht unserer und ist in manchem ein Ausblick in unsere eigene Zukunft. Das ursprünglich geschlossen katholisch-irische Land war durch die Engländer ab dem späten 17. Jahrhundert mit protestantisch-englischen Siedlern bevölkert worden. Die eine andere - englische - Alltagskultur pflegten, und auch durch verwandtschaftliche Bande mit England verbunden blieben. Dies war die Saat zu unausgesetzten Spannungen. Die kulturelle Wurzeln hatten. Die uns stumpf gewordenen Menschen so marginal erscheinen, daß wir es gar nicht verstehen können, woraus hier Konflikte erwachsen sollen.

Aber der Westizismus, der Konsumismus, in dem wir leben, ist eben keine Kultur. Er ist nur ein primitives Versorgungssystem, das einen seelisch taub, eigentlich leblos gewordenen Menschen schafft und voraussetzt. Wir haben das Rundumversorgungssystem mit dem Verlust unserer Kultur bezahlt. Wenn dies aber Menschen passiert, die noch mehr verwurzelt sind, die ihre Kultur als Fluidum verstehen, das sie erst leben macht, werden sie sich zur Wehr setzen. Auf eine gewisse Weise erleben wir genau das ja im arabischen Raum.

Natürlich waren die Engländer als Eroberer gekommen und stellten bis zur Herstellung der ersten Republik Irland 1923 die Oberschicht, waren die herrschende Klasse. Aber in Nordirland hatte man Fakten geschaffen, die eine saubere Trennung des Problems bereits unmöglich machten. Die nach Religionen sortierte Landkarte von Nordirland, der früher irischen Provinz Ulster, zeigt einen wilden Flickenteppich von protestantisch-englischen und katholisch-irischen Bevölkerungsgruppen, die sich jeweils um Kristallisationspunkte formiert haben. (Siehe dazu im Video morgen das Bild bei 1 h 11 min.)

In diesem Neben- und Ineinander von unterschiedlichen Lebensweisen (die immer auf der Religion aufruhen), kann es nur um eines gehen: Um die Dominanz der einen Gruppe über die andere. Es sei denn beide Gruppen geben sich selbst auf, das heißt, lassen sich vom Konsumismus in eine amorphe Masse von "einfach hier lebenden Menschen" umformen.

Aber selbst das ist nicht so einfach. Denn diese Lebensweise, die aus dem Kapitalismus und Materialismus hervorgeht, ist nicht ein gemeinsamer Nenner, der alle verbindet. Er ist einer Gruppe eigen, der der Engländer, der der Protestanten sohin, und bedeutet nicht eine parallele, andere Lebensweise, sondern eine, die den traditionsverbundenen Iren feindlich ist, deren Kultur also auflösen, zerstören möchte. Einfach aus sich heraus, gar nicht dezidiert als "Programm". 

Obwohl auch das eine Absicht der Engländer war, die sich mehrmals und zuletzt in der großen Hungersnot der 1845-54, in einer ausdrücklichen "Depopularisierung" des katholischen Irland geäußert hat. (Die erwähnte Hungersnot war ein Völkermord, keine "Hungersnot".) Noch dazu, wo sie über die letzten Jahrhunderte den Norden Irlands kapitalistisch gemacht und industrialisiert haben. Während der Süden, die heutige Republik Irland, bewußt agrarisch-rückständig gehalten wurde.

Aber wie soll das heute lösbar sein? Durch Umsiedlungsprogramme, wie sie übrigens die Sowjetunion unter Stalin in großem Ausmaß betrieben hatte, der ethnische Spannungen genauso lösen wollte?  Tatsache ist ja, daß heute auch die protestantischen Engländer (als "Nordiren") gewisse Verwurzelung aufgebaut haben. Es wäre mittlerweile auch ihnen gegenüber Unrecht, sie von ihrem Boden zu trennen. Ein großes Durchgemische aber ist nicht möglich, es geht immer auf Kosten der Kultur und damit des eigentlichen Lebens der Menschen, somit des Gemeinwohls.

Niemand weiß heute dafür eine Lösung. Bürgerkrieg? Nicht einmal die IRA hat sich gegen die protestantische Bevölkerung gewandt, sondern ihr Ziel war ausdrücklich das der Besatzer, England, und dessen Besatzungsinstrumente, die Armee, die Polizei. Ihre Taktik war, den Preis für die Besetzung der irischen Provinz so hoch wie möglich zu treiben, durch eine Taktik der Nadelstiche. Kein britischer Besatzer sollte sich sicherfühlen. Während sie selbst auch durch große Unterstützung unter den katholischen Iren fast ungreifbar blieb. 

Aber das Ziel der IRA war nicht, die Bevölkerung auszurotten oder zu vertreiben. Und die einfachen Menschen wollen auch in keinen Bürgerkrieg hineingezogen werden. Sie wollen in Ruhe leben, feiern, arbeiten, ihre Verwandten besuchen, ins Kino gehen, ihre Kinder gebären und im eigenen Bett sterben.

Nur sollte man sich nur nicht täuschen - denn auf der Grundlage der heutigen europäischen, konsumistisch-westizistischen Lebensweise, die eine Lebensweise der aufgelösten Identitäten ist und diese voraussetzt wie hervorbringt, läßt sich keine Gemeinschaft bilden. Gemeinschaft im Niedrigen, im Amorphen ist nie Gemeinschaft! Sie ist bestenfalls Vergemeinung, die aber nie zur Ruhe kommen wird. Weil sich aus dem Wesen des Menschen immer und ewig, auch wenn es lange im Schlummer gehalten werden kann, neue Kontur erheben wird weil immer möchte. Das kann nie ganz ausgelöscht werden, darin täuschen sich heute praktisch alle, die die westizistische Lebensweise propagieren.*

Morgen Teil 2)


*Wobei sich zum Problem Protestanten - Katholiken mittlerweile ein neues Problem ankündigt, über das wir hier noch gar nicht gesprochen haben. Nämlich das der Massenzuwanderung völlig kulturfremder Menschen, aus Afrika, aus den ehemaligen Kolonien, aus dem islamischen Raum.





*260119*