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Montag, 18. Juni 2018

Polygamie ist seit 80 Jahren bei uns üblich

Die Würfel sind gefallen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat einem Syrer, der bei seinem ersten Einbürgerungsverfahren 2010 seine in Syrien bestehende "Zweitehe" verschwiegen hat, diesem das bei einem Revisionsverfahren abgeschlagene Einbürgerungsrecht (!) wieder zugesprochen. Eine Zweitehe sei kein Hinderungsgrund für Einbürgerung. Ein Präzedenzfall, denn nun kann jeder, wirklich jeder dasselbe verlangen. 

Empörung allüberall. Einerseits. Anderseits ist es Zeit klarzustellen, daß wir in Europa seit Napoleons Code Civile und aller spätestens durch die Einführung der zivilrechtlichen Ehe und Scheidung unter Hitler - alles aus subjektiven, pragmatischen Gründen entstanden - faktisch die Situation einer gesetzlich gestatteten Vielweiberei längst haben. Die sogenannte "Wiederverheiratung Geschiedener" (bzw. die Disposition dazu durch die sogenannte Scheidung) ist naturrechtlich Polygamie. Und die dominierenden Religionsgemeinschaften (Römische Katholiken, Protestanten) stehen sogar kurz davor, das nicht nur zu tolerieren ("Amoris laetitia"), sondern ebenfalls einzuführen. Das subjektive Rechtsempfinden der Bürger ist ohnehin schon längst dahingehend weichgeklopft. Der Begriff "Ehe" leer, aussageloses Gequatsche, weil contra naturam vernebelt. Keine Sau weiß noch, was darunter überhaupt erfaßt wird.

Der Syrer hat also nur aufgezeigt, wo wir seit 80 Jahren sowieso stehen. Worüber also regen sich gewisse Seiten auf? Daß jetzt und nur beim Muslimen gegen die Frauenrechte gerichtet ist, was es ohnehin IMMER war? 

Dabei hat die Scharia sogar noch einen Vorteil gegenüber unserer Rechtslage: Sie schließt die Versorgungspflicht den zweiten, dritten, vierten ... Frauen gegenüber nicht aus. Weil sie eine primitive "zivilrechtliche Scheidung" wie bei uns nicht kennt.






*010618*

Montag, 12. September 2016

Damit ist die Tür weit offen

Die Argumentation hat schon etwas Bestechendes: Claudio D'Amicis schreibt, daß die sogenannte Homo-Ehe die Tür für die Polygamie (wie sie bei Muslimen üblich und erlaubt ist) in Europa weit aufgestoßen hat. Sie ist nicht mehr wegzuargumentieren. Warum? Der entscheidende Akt lag in der Loslösung der "Ehe" von der Natur, das heißt von der nur einem Mann und einer Frau vorbehaltenen personalen Gemeinschaft. Nunmehr wurde die Ehe zu einem bloßen Willensakt von Menschen "mit Zuneigung", und das ist der entscheidende Schritt. Denn nun ist nicht mehr begründbar, warum nicht auch ein Mann zwei oder fünf Frauen heiraten können soll, zu denen er Zuneigung empfindet, und die - jeweils beide - eine Ehe eingehen wollen. Die Frau weiß ja, daß sie nicht die einzige ist.

Rechtspositivismus als Rechtsprinzip aber heißt, daß sich das formale Recht nach der Praxis, dem "Volkswillen", beliebig ändern kann, ja das sogar muß. Recht wird zu einer Regelung des Faktischen, das aber keine Verankerung in einem Sinnbild, einem logos mehr hat, bzw. hat sich dieser logos verschoben: Zum bloßen faktischen "Gefühl".

Die Vielehe verschiebt sich damit auf die Ebene eines Menschenrechts, das auf der Grundlage der gegenwärtigen Praxis, Ehe als positivistischen Akt und die Ehegesetze nicht mehr im Naturrecht verankert zu sehen, auf Dauer nicht mehr zu verbieten sein wird. Es ist nur eine Frage der Zeit. Das Verbot der Vielehe, das derzeit noch defacto in Europa besteht ist nämlich nun ebenfalls ein reiner rechtspositivistischer Akt. Ein Akt, der lediglich eine bestimmte Personengruppe (die zur Vielehe Entschlossenen) ausschließt. Das aber ist ... Diskriminierung.

Dabei ist nicht zu übersehen, daß dieses Verbot in der Praxis ohnehin bereits durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse. Denn kein Gesetz verbietet das Zusammenleben eines Mannes mit mehreren Frauen, oder die Haltung mehrerer Geliebter. So firmiert dies dann vor den Augen unserer Gesetze. Die Vielehe ist unter Muslimen aber auch bei uns üblich. Sie hat lediglich den formalen Makel, daß sie rechtlich nicht anerkannt ist, wird aber vor der muslimischen Kulturgemeinde nach deren Rechtsbegriffen (und: Rechtspraxis, den diese Gemeinden haben auch exekutive Elemente) gültig geschlossen. Was die staatlichen Sozialleistungen anbelangt, ist eine solche Vielehe sogar begünstigt, weil "alleinstehende", also nicht verheiratete Frauen, die Kinder gebären (und als solche gelten die weiteren Frauen eines muslimischen Mannes), vom Sozialsystem privilegiert alimentiert werden.




*090816*

Dienstag, 6. Oktober 2015

Alltägliche Polygamie

Solche Scheindiskussionen, auf denen die vermeintliche "Auseinandersetzung mit dem Islam" stattfindet, zeigen die Aussichtslosigkeit und Hilflosigkeit, mit denen der Westen Europas im Islam mit ganz anderen Fragen, mit grundsätzlichen ontologischen Fragen nämlich, konfrontiert ist, aber diese Tatsache hysterisch zu vermeiden sucht. 

Und sich dann wie hier auf die Polygamie konzentriert. Daß die landläufige Praxis von Scheidungen und Wieder-Liierungen nichts anderes ist, nur zeitlich anders gestaffelt, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Während man also hier gegen den angeblich bösen Islam kämpft, der Polygamie erlaubt, kämpft man auf der andere Seite FÜR eben diese Polygamie, die auf jeder Ebene als Alltag akzeptiert werden soll. Von der Praxis der Seitensprünge und des Geliebtenwesens gar nicht zu reden.

Oder: Man argumentiert gegen den Islam, indem man sich oft auf eine Gleichheit der Geschlechter bezieht, die dieselben Menschen im Anti-Gendering bekämpfen. Und wundert sich, warum dieser Kampf so wenig bewirkt - weil man die Gegner selbst stärkt, dem man argumentativ gar nicht gewachsen ist, weil man seine Prämissen eigentlich akzeptiert, nur ein wenig mehr Lebensromantik möchte.

Es ist schon so, wie Martin Mosebach einmal gesagt hat: Der anti-islamische Affekt des Westens ist in Wahrheit ein anti-religiöser Affekt aus fehlender Religiosität heraus. Sodaß es nicht verwundert, daß in diesem Sendungsausschnitt der Muslim vernünftiger, realistischer, verständiger wirkt, als die, die auszogen, um ihn zu entlarven. Und so eine nächste Werbesendung für den Islam abführen. Das wenigstens sollte bedenklich stimmen. Denn der Westen ist aus Substanzlosigkeit dem Islam argumentativ nicht (mehr) gewachsen. Das betrifft auch, ja vor allem das Christentum, das sich selbst nicht mehr kennt.







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