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Mittwoch, 5. Dezember 2012

Der Sozialstaat schafft ungebrauchte Menschen

aus 2009) Selbstverständlich ist der Schritt - Pareto (und Eisermann) folgend - folgerichtig und nahezu zwingend logisch, daß die Umverteilung an sich eine Verschiebung der Nachfragestruktur mit sich bringt. Zweifellos hängt damit auch eine kulturelle "Simplifizierung", also das Gegenteil einer Diversifikation, zusammen. Weil die Bedürfnisse, die mit diesem umverteilten Geld gestillt werden, andere sind, weil von anderen Bevölkerungsschichten getragen werden.

Klartext: mit dem Austrocknen der klassischen Bildungs- und Mittelvermögensschichte, dem Mittelstand, verschwindet auch die Nachfrage nach jenen Produkten, die diese nachgefragt haben. (Sehr gut erkennbar: am Aussterben des Handwerkers als Bedürfnisbefriediger, weil er nicht mehr leistbar ist, bzw. sich strukturelle ebenfalls anpaßt: und zum Luxuslieferanten mutiert.)

Stattdessen schafft sich die Inflation durch Schulden (und das ist auch historisch immer ihr Hintergrund) den Zwang zum Erhalt des Status quo, und das heißt: zum weiteren Schuldenmachen. Das ist in der Tat mit einem "Junkie" vergleichbar, der die Nadel braucht ... Schon gar, wenn die "Umverteilung" auf Schulden lief (und damit Wirtschaftsstrukturen schuf, die ohne diese Umverteilung gar nicht mehr funktionieren können), wie in Österreich seit rund 4 Jahrzehnten geschieht, denn diese Schulden sind mittlerweile gar nicht mehr realistisch in menschlicher Zeitdimension abbaubar, das hat ja noch gar niemand angesprochen (man müßte ja über Jahrhunderte rechnen, weil solche Einschnitte an der Geldmenge weil unverkraftbar und destabilisierend dramatische Auswirkungen haben, und in jedem Fall Systemstürze wahrscheinlich machen)

Die Nachfrage verlagert sich also hin zu zwei Polen, in jedem Fall aber vom Zentrum "Kultiviertheit/Kulturträger" weg. Das ist wichtig,w eil es auch die innere Qualität der Nachfrage bestimmt.

Auf der einen Seite bleibt dann der Proletarier (als Begriff für den funktionalisierten "Arbeiter", den man sich nicht nach traditionellem "Schmutzkluftschema" vorstellen darf, diese Konventionalisierung entspricht lediglich dem ersten Auftauchen dieses "Typus" von Mensch (soziologisch betrachtet) mit wenig Einkommen - auf der anderen Seite der Proletarier mit hohem Einnkommen. (Stichwort "Funktionselite", also Absolventen eines Funktionsstudiums ebenso wie der trickreiche Spekulant; also der "Neureiche" etc.) Diese Polarisierung funktioniert ja nur dort, wenn die Entwurzelung - in der Verdunstung der Mittelschicht als Kulturträger und Kleinvermögensverwalter - stattfindet.

Damit ist auch klar, daß sich speziell in Österreich strukturelle "Kröpfe" (künstliche Gebilde) formiert haben, die lediglich auf die ideologisch motivierte Geldverteilung per Druckerpresse zurückzuführen sind. In jedem Fall paßt sich - das ist so sicher die das Amen im Gebet - mittelfristig der wirkliche Geldwert dem wirklich bereits vorhandenen, geschaffenen Wert an. Somit bewirkt jede Umverteilung per Druckerpresse (Schulden des Staates) zwar einen kurz- oder gar mittelfristigen "Nachfrageboom", langfristig aber gibt es ein erschreckliches Erwachen: nicht nur, daß sich die Wirtschaftssituation auf den Status ante quo - also den Ausgajngspunkt) zurückrealisiert, sondern auch noch die Strukturen sind mittlerweile so verändert, daß eine Regeneration aus sich heraus für einen Volkswirtschaftskörper (der die "natürlichen" Strukturen gar nicht mehr erhalten hat) sehr schwierig wird.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Produktion von schlechten Beamten II

aus 2009) War im ersten Teil noch die Rede davon, daß der Sozialstaat heutiger Prägung zu einer allmählichen Verbeamtung eines gesamten Gesellschaftskörpers führt, so ist nun der Platz, um dieser Entwicklung eine metaphysische Dimension nachzuschieben.

Und zwar auf den Grundsatz abzielend, daß alles was möglich ist, auch möglich sein WILL. Seine Tägigkeit (als lebendiger Organismus) ist unweigerlich auf eine Ausdehnung in jeden Winkel, jede Verästelung seines Möglichen ausgerichtet.

Die Verbeamtung des Staates führt also zu einer immer weitgehenderen Erfassung und mechanistischer Auflösung sämtlicher Lebensvorgänge. (Die sogenannte "Sexuelle Aufklärung", ist ja auch nichts anders als - in dem Fall zudem motiviert durch vielerlei persönliche Motive, von Gier bis Geilheit, durch die österreichische Art der Neurotisierung noch zusätzlich befeuert - die technizistische Auflösung selbst solcher persönlicher, aber einen Gesellschaftskörper in den Auswirkungen natürlich massiv betreffender Vorgänge, sogar dort, wo sie unbeholfen genug "Gefühle" einzubinden vorgibt - was nichts weniger ist als eine funktionale Auflösung auch dieses Bereiches, das Gerede von "ganzheitlich" ist also glatte Lüge, weil es "no-go's" ohne Zahl gibt (z. B. Ausgrenzung von Scham und Tabu), was den ideologischen Gehalt aufweist)

Die "herrschende Klasse und ihre Prätorianer" (Originalzitat: Pareto) schafft sich über ihre eigenen Bedürfnisse einen Staat, der in seinen Begehren nach Staatsauf- und ausgaben "unendlich" (weil sich selbst fortzeugend) ist.

"Ein Staat," so Pareto, "verlangt den Bürgern immer so viel ab, als überhaupt nur möglich ist." Die herrschende, Strukturen schaffende Schichte ist nämlich sein Maß - nicht das zu verwaltende, zu strukturierende Volk. Inflation ist dabei nichts anders als eine gegenwertlose Enteignung der mittelständischen Besitzenden (denn Gewinner sind nur die ganz Reichen, und die Besitzlosen), und ein Vermögenstransfer von den Gläubigern zum Schuldner. Deren größter und damit am meisten begünstigter ... der Staat (und die herrschende Klasse, der Beamte und der Politiker) ist!

Hier sei noch auf eine Arbeit von Max Weber hingewiesen, der in "Politiker als Beruf" genau dieses Problemfeld anschneidet. Denn der (demokratische) Politiker (und sein Apparat) trägt als hauptberuflicher Politiker die Konsequenz in sich, sich seine Aufgaben (und: Ausgaben) selbst Tag für Tag zu schaffen. (Hinweis: bis zum heutigen Tag hat die Schweiz, die nun sogar der EU gegenüber eine Stärke hat, die kaum faßbar, ja in v. a. wirtschaftlichen, monetären Bereichen dieser ebenbürtig ist, nicht einmal einen hauptberuflichen Bundespräsidenten ...)

Warum schreibe ich all das? Zur Erinnerung: Österreich, und die gesamte EU, weiters fast der gesamte Westen, ja die Welt, hat die "Krise" der letzten Monate defacto durch fast grenzenlose Geldvermehrung "überstanden" ...

Montag, 3. Dezember 2012

Produktion von schlechten Beamten I

aus 2009) Eisermann beschreibt in "Geldentwertung als Sozialverbrechen" sehr nachvollziehbar die Mechanismen, die dazu führen, daß Geldentwertung (und der Sozialstaat als Geldvermehrer) eine unweigerliche Verschlechterung der inneren Qualität der Beamten mit sich bringt.

Weil jener Charakter, der etwas schaffen und Verantwortung übernehmen will, fast zwangsweise den von der Entwertung weit mehr betroffenen "stabilen" (und verwurzelten) Einkommen und damit auch den Beamtenbezügen ausweicht, weil sie ihn notwendigerweise frustrieren, und in die Privatwirtschaft geht, bleiben jene sozialen Schichten übrig, die das Leistungsvermögen, das dem privaten Verantwortungsträger vergleichbar wäre, gar nicht aufbringen.

Damit gerät eine Spirale aus Abstoßung und Anziehung in Bewegung, die immer rascher zu Qualitätsverlust und Proletarisierung (in der Definition: Funktionalisierung der menschlichen Arbeit, Portionierung in Nutzfaktoren, also überwiegende Utilitarisierung und Desintegration von Persönlichkeitsbestandteilen, damit selbst im Elitenbereich Verlagerung auf Funktionselite) der (prinzipiell) der gesamten Beamtenschaft führt.

Was wiederum gravierende Auswirkungen auf einen hoch entwickelten Sozialstaat (wie Österreich) hat: denn hier hat das öffentliche Leben in immer höherem Grad den Charakter eines Mechanismus (einer Maschine) UND (weil) greift in immer mehr Lebensbereiche ein (das ist ja das Wesen des Sozialstaates) - diese alle gleichermaßen mechanisierend.

Womit Mechanismen einer allmählichen Vergiftung des gesamten Charakters mit gerade den der Verschlechterung des Beamtenstandes begegnen sollenden Maßnahmen (Mechanisierung, Entmenschlichung aller Vorgänge durch Auflösung in Techniken) unvermeidbar sind: und zu einer "Verbeamtung" (im schlechtesten Sinn!) sämtlicher Lebensvorgänge führen.

Mit dem markantesten weil alle Lebensvorgänge nach und nach erstickenden Problem - der Vermeidung von Lebensrisiko und Selbstverantwortung. Dieses Phänomen wächst sich zugleich und unweigerlich (wenn man nicht existentiell gegensteuert, also durch rauhe Winde der Wirklichkeit "lüftet") zu einer eine gesamte Gesellschaft durchsäuernden und damit einen Kulturkörper prägenden Grundhaltung, die alle Lebensbereiche umfaßt, aus.


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Freitag, 9. November 2012

Der trickreiche Spekulantentypus

aus 2009) In Abschätzung der soziologischen Folgen von Inflation sagt Gottfried Eisermann bereits Mitte der 1970er Jahre voraus, daß der "Rentner-"Typus (der aus Zins und Rente lebt) immer mehr zugunsten des trickreichen "Spekulanten-Typs" (V. Pareto), die staatstragende Mittelschicht zugunsten der ganz oberen Reichsten (Inflation hat nachweislich die Folge von Reichtumskonzentration) hier, der Proletarier dort, verschwinden wird.

"Rentner" ist hier ein Begriff für Stabilität, Orts- und Gesellschaftsbezug der auf Dauer ausgelegt ist. Einerseits wird er durch die Inflation schleichend enteignet, anderseits beginnt er, seinen "Wert" spekulativ (in Erwartung kommender Geldentwertung) zu taxieren. So verändern sich soziologische Strukturen.

Schon alleine die Geldentwertung bewirkt, daß mit dem Maßstab allmählich Wertbezug generell - für den Geld Ausdruck ist - verloren geht.

Um keine Irrtümer aufkommen zu lassen: Inflation ist nicht begrenzt auf das, was offizielle Teuerungsstatistiken ausweisen. Was am Ostblock, wo es offiziell niemals Inflation gab, darstellbar ist: auch Schattenwirtschaft, Korruption, Warteschlangen, Steuerhinterziehung ... sind Formen und Anzeichen güterinnerer, wirklicher Inflation.


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Donnerstag, 19. November 2009

Tabus heutiger Tabulosigkeit

Bereits vor Jahren habe ich in Zusammenhang mit meinen Stücken "Keiner hört auf Harvey", "Wer gewinnt" und "Frauenwahl" von den neuen Tabus der heutigen Tabulosigkeit geschrieben. Und dasselbe meine ich, wenn ich immer wieder von immanentisierter Zensur als neuer Form zeitgemäßen Totalitarismus spreche. Dem insbesonders die Pädagogik heute (schon gar wo sie institutionalisiert ist) so fatal den Boden bereitet, damit gegen alle Beteuerungen, ja dort umso mehr, den heute so subtilen Totalitarismus erst ermöglicht - durch eine Form der Erziehung, die die rationalen Urteilsforen, den Aufbau der Persönlichkeit, insbesonders über Ausschalten der Synderesis ("common sense") zur Schizoidität hin umgeht, und Ideologien über Todesangst (dem Stoßen ins Nichts der realen Existenz über Hörigkeiten dem Sozialstaat gegenüber; man kann es hier nur andeuten) verankert zu auf Tabuisierungen aufbauenden Verhaltensdressuren mutiert.

In exakt dieselbe Kerbe schlägt Gerd-Klaus Kaltenbrunner, in dessen bereits 1978 erschienenen Schrift "Der innere Zensor" ich nun las:

"Enttabuierung erweist sich dem aufmerksamen Beobachter als eine vortreffliche Methode, neue Tabus an die Stelle alter zu setzen. Die Zensur, heißt es, findet nicht statt. Doch möglicherweise bleibt ihr Ausmaß durchaus konstant; es wechseln nur die Mächte, die sie ausüben und die Themen, auf die ihr Schatten fällt."

Und Vilfredo Pareto schreibt um das Jahr 1920: "Es gibt heute eine humanitäre Religion, die den Gedankenausdruck der Menschen reguliert, und wenn sich zufällig einer dem entzieht, dann erscheint er als Ungeheuer, wie jemand im Mittelalter als Ungeheuer erschienen wäre, der die Göttlichkeit Jesu geleugnet hätte."


*191109*