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Montag, 12. Oktober 2026

Als das Leben ein Spaziergang im Paradies war

  Beim Lesen von Texten aus dem Mittelalter - wohlgemerkt: UNSEREM Mittelalter, also dem Raum, den UNSERE Vorfahren nahmen weil prägen konnten (so wie Raum immer nach Volk ruft, so wie Leere nach Macht) - gleitet mein Geist immer und völlig ohne Absicht in den Zustand des Betens. Denn das Naturrecht zu studieren, das vor 1000 Jahren noch völlig unwidersprochen als ALLGEMEINES RECHT gesehen wurde, dem zu gehorchen war. 

Nämlich NICHT den bloß verhandelten Gesetzen und Regeln. Die GALTEN ohnehin nur, wenn sie diesem Naturrecht entsprachen, und eine Gerichtsverhandlung war eine Art gemeinsame Suche nach diesen ungeschriebenen, aber umso stärker ALLEN präsenten Gesetzen.

Und diese Gesetze sind völlig (und zwar wirklich vollständig) der katholischen Theologie DECKUNGSGLEICH. Hier im besonderen natürlich der AUS der Metaphysik, die immer und bei allen Völkern der Geschichte die Frage nach dem Wesen des Seins IST. Insofern ist also alles Fragen nach dem Handeln ein Fragen nach dem Wesen des allem Faktischen zugrundeliegenden Rühren, das personal ist. 

Es waren Österreicher, allen voran Wilhelm Schmidt, Theologen, Priester, Mönche, die vor 100 Jahren sie sogar (von der Wikipedia schreibt, daß sie heute als überholt angesehen werde) so benannte "Österreichische Schule der Völkerkunde", die das Studium der Natur des Menschen völlig neu aufsetzte und an den Universitäten begründeten. Und genau diese Tatsache entdeckten. 

Am Anfang stand also nirgendwo Vielgötterglaube und Magie, sondern überall und bei alle Völkern ein Ein-Gott-Glaube. Die dann dort, wo sie nicht katholische Grundlage gewinnen konnte, ausnahmslos defiziös wurden. Damit bieten diese Degenerationen erst das Material, das die später entwickelten Schulen und Lehren zum eigentlichen Erst- und Urzustand erklärten. 

In dem (also im dekadenten Material) fanden sie dann JENE Gesetze und Weisheiten, die EBENFALLS ein Österreicher, Siegmund Freud, zur Lehre des Urzustands des Menschen erklärte. Und rasch Jünger, ja bald dann einen Gutteil der Menschen fand. 

All die Psychologismen, all die marxistischen, all die evolutionistischen Theorien und Lehren sind jedoch nichts anderes (und ich meine das auch wirklich so: NICHTS anderes) als Ableitungen aus jenen Zuständen, in die die Menschen nach der Ursünde gefallen waren. Das ist so, als würde man Aussagen über reines Eisen machen, indem man die Abraumhalden von Bergwerken zu ebendiesem Eisen, die Eigenschaften all der Mineralien und Gesteine, die im Erz vorkommen, zu Eigenschaften des Eisens erklärte. Die natürlich vorkommen, und sogar "in der Natur" vorkommen, man muß den Berg nur angraben. 

Ohne das Gott schauende Herz (das erst durch die Sakramente wenigstens punktweise, in der MÖGLICHKEIT, direkt an die göttliche Sphäre anzuschließen, wieder gewinnbar ist) bleibt alles Faktische, alles was wir scheinbar materiell und den Sinnen EVIDENT vorfinden, bestenfalls zufällig wahr. Sodaß dann ein Denken gebildet werden kann, das auch der Wirklichkeit entspricht. Das in seinem Wesen sittliche Leistung ist, und somit tatsächlich den GEIST in der Welt darzustellen vermag. Ja, auf eine Art dieser Geist IST. 

So findet sich tatsächlich in jedem Material unserer Welt jenes Erz, jener Geist, der alleine es ist, der diese Welt aufbaut, trägt und sogar bewegt. Während das rein faktische Geschehen, dem die Welt ausgesetzt ist bzw. das sie bewegt, der Kampf um die Reinheit seiner Urzustände ist. In dem (ausgehend vom Menschen) die Welt zur Ruhe kommt. 

Und das WILL alles, was wollen kann. Wenn auch nur der Mensch es auch penken, vorsehen, planen, bewußt und sachlich (objektiv) ansreben kann. Will auch der Hund, der Delphin oder der schwarze Rabe vor dem Haus die Befindlichkeit, zu der er eigentlich berufen wäre (wäre nicht der Mensch dazwischengekommen), so kann er eben nicht mehr als diese Zustände des Wohlbefindens zu wollen. 

Die Zusammenhänge, warum er immer wieder aus dem Urglück herausfällt, bleiben ihm fremd.  Wobei die sogenannte "tierische Intelligenz", die teilweise ja beträchtlich groß ist, gewisse mechanische Zusammenhänge in beachtlicher Komplexität erkennen und  "entwickeln" kann. 

Darin unterscheidet sich der faktische Mensch also tatsächlich kaum von der Tier- und sogar Pflanzenwelt.  Und insofern ist die Entstehung von Theorien, die diese materialistisch-mechanistischen Anteile, Anteile die menschliche Freiheit nicht durchdrungen und angeeignet hat, beschreibt und - ohne Gott, ohne Glauben, ohne Gnade - für das Ganze des Menschseins hält.

Noch dazu, wo menschliche Kulturen mit der Zeit immer die Tendenz haben, die Gnade Gottes zu verspielen. Zu verlieren wie ein Sack durch ein Loch nach und nach seine Inhalte verliert, und somit wird das, was übrigbleibt, immer mehr nur noch loses, unzusammenhängendes Material, das als Stützstruktur dient. Eine Ordnung, der der Geist entflieht, wird dann zu einem aussagelosen Gebilde, zu einem zufälligen Wurf, und es gibt keinen Grund, Aussagen, die diese Gebilde zu haben scheinen, auch nur irgendwie ernstzunehmen.

So wie ein Haus aus Steinen besteht, doch der Geist, der diese Steine zu einem Gebäude ordnet, entweicht, wird durch den Zufall ersetzt. Der einzig möglichen Erklärung, die dann noch bleibt, sieht man von unerklärbaren Geistern und okkulten, gewaltsamen Eingriffen ab. Damit liefern die Dinge, die wir in der Welt vorfinden, die "der Fall sind" (wie es ein nächster Österreicher, Ludwig Wittgenstein, zum Kern jener Philosophie machte, die dem faktischen, scheinbaren Zustand der Welt entsprIcht.)  Und ab hier versinkt die Welt dann endgültig zu einem Gebilde der Rätsel. Was so weit geht, daß diese Irrationalität, die sich wie ein Nebel über die Welt legt, in der aber alle Macht verschwunden bzw. geborgen IST, zu einer Mystik der Modernität verdunstet. In der dann sogar TATSÄCHLICH eine Eigenschaft Gottes erfahrbar wird - seine Unergründbarkeit, Tiefe und berührende Geheimnishaftigkeit.

Wo dann jeder Versuch, Gott und eine zutiefst vernünftige, also nicht nur rationale, sondern in allen Abläufen von "menschlichen Qualitäten" durchzogene, "herzvolle", ja LIEBENDE Vorsehung, seinen von ihm gewollter Weg mit den Menschen (als "seinem Volk", als seinem Leib sogar)  als des Rätsels Lösung naheliegt (und in der Tat wird gerade heute das Ergreifen von Gottes Hand fast primitiv EINFACH und LEICHT) entrüstet abgewiesen wird. Denn was höchste, rein menschliche Intelligenz (so wenig sie zu einer alles umfassenden, wirklich überzeugenden, widerspruchsfreien Gesamtlösung zu kommen vermochte und vermag) nicht schafft - wie sollte es eine Lösung schaffen, in der das SEIN der Welt als Schöpfung die geistige Struktur entspricht, die Welt also auch definitiv-absolut von Gottes Geist erzählt, wie es primitive Menschheit behauptet? Eine Menschheit, die NICHT so intelligent und sophistisch begabt ist wie die heutige Elite?  Eine Menschheit, deren Naturzustand dann sogar die geistigen Strukturen Gottes als des SEINS (sohin mit einer Person als Grammatik der Wirklichkeit) erzählen würde?

Oh nein, sagt der Mensch der Gegenwart, so einfach kann doch die Welt nicht sein! So simpel kann das Spiel doch nicht sein, daß Gott selbst uns erzählt hat und erzählen wollte, so wie ein Vater seine Kinder voller Liebe und Güte belehrt und zur Erfüllung alles führt, das sie nur je wollen könnten, sofern dieses Willensziel auch wirkliche Erfüllung bietet und nicht Täuschung und Wahn ist. Denn das will ein liebender Vater doch nicht. 

Aber ja, aber doch, so "simpel" ist es. Nicht nur der Getaufte, der Gläubige ist es dabei, der von der Last befreit leben kann, das Zuinnerste der Wirklichkeit gewissermaßen erfinden, konstruieren zu müssen, sondern der Welterfahrene, der Wirklichkeitssatte, dem diese Einfachheit mit der Zeit das Herz ruhig macht. Sodaß das Älterwerden immer mehr die Annäherung an einen Naturzustand wird, der zugleich ein Zustand der Freude an der Welt wird. In der aber auch die Liebe zum Schöpfer wächst oder enthalten ist, der diese Natur der Geschichte geschaffen hat, weil er uns Menschen liebt. 

Der Mensch des Mittelalters muß GENAU DAS besessen haben. Eine ganze Kultur - unsere Kultur, der wir ja entstammen, der wir angehören, die wir sogar besitzen, die unser Gut ist - war damals ganz offenbar in einem Zustand der Natürlichkeit und Offenheit, der das Studium ihrer Geschichte zu einem theologischen Studium macht. Wo ganz offensichtlich wird, was heute "pastoral" so wenig zu vermitteln scheint, daß sich die Kirchen leeren und die katholische Religion (gerade die!) abgelehnt, ja gehaßt wird. Das vor 1.000 Jahren so allgemein und präsent war, daß das ganze private wie öffentliche Leben wie eine Heilige Legende erscheint. 

Freilich, und man darf das nicht übersehen: Wo die beginnende Verschriftlichung, also der Beginn der Verschriftlichung, dann dokumentierte, was dem Leben in winzigen, hauhdünnen Schichten schon abhanden zu kommen begann. Auch wenn es den Menschen, ob Bäckern oder Königen, noch zum Greifen nah weil einfach da, in ihren Herzen war.  

Damit wurde ihr Leben und mit ihm das, was wir als "Geschichte" bezeichnen, zu einer Predigt von Gott, wurde ihr Leben, die damalige Realität zu einem Tanz des Gotteslobs. Den wir in ihren überlieferten Schriften betrachten können. Und der uns wieder und wieder den Schleier des Gedruckten auf den Papierseiten in unseren Händen auseinanderschieben läßt, auf daß wir in ein Land eintreten, in dem wir sogar uns selbst entschwinden.

Später dann, wenn wir die Augen wieder öffnen und wie aus diesem Traum vom Paradies aufgewacht sind, wo es keinen Zwist und Hader gab und alles so leicht war, festigen sich unsere Gedanken wieeder. Und wir schütteln den Kopf, wie wunderbar es für die damaligen Menschen gewesen ein muß, zu leben. 

Weil ihr ganzes Leben so weitgehend den Gedanken Gottes entsprach, ein Dialog mit ihm, und die Geschichte wahrhaftig ein Akt des Lebens war. Dem gar keine anderen Werke als die Kathedralen entspringen KONNTEN.