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Dienstag, 17. Mai 2022

Als es fast so war, wie es sein sollte (3)

Es wurde Abend, es wurde Morgen, nächster Tag: Wie es dazu gekommen ist. Wozu? Zu allem - Und das alles hat sich in der Hochphase dieses so bewundernswerten allgemeinen Wohlstands in England abgespielt. Der DURCH die Kirche maßgeblich angestoßen worden war. 

Warum? Weil die Kirche in England v. a. über die Klöster an die fünfzig Prozent des Landbesitzes in ihren Händen hatte. Kirchengut ist aber auch Gemeingut, das wird heute regelmäßig vergessen. So hat sich in England dasselbe ereignet, wie auch bei uns: Die Klöster haben ihre Ländereien ja nicht selbst bewirtschaftet, sondern waren die Zentrale, ind er die Arbeitsteilung als wesentlichstes Merkmal des wirtschaftlichen Wohlergehens eines Volkes einzurichten war. 

Die Ländereien wurden an die Bevölkerung verpachtet. Der Zehent hatte dabei nicht nur den Vorteil eines praktisch biblisch verankerten Pachtentgelts, das noch dazu in Arbeitsleistung (Frondienst, also mit dem eigenen Körper zuu erbringende Dienste) zu erbringen war, also kein "Geld" benötigte. Sondern er war an die Ertragskraft des Pachtgutes gekoppelt. Das heißt, daß in Zeiten von Mißernten (und eine solche hatte man damals noch bei jeder vierten Ernte erwartet, sei es aus Wetterbedingugnen, sei es auch Ungezieferplagen oder Kriegsverwüstungen) nicht nru durch Lagerhaltung das Überleben der Bevölkerung so halbwegs abgesichert war, sondern daß auch die Pachtentgelte entsprechend ausfielen. 

Montag, 16. Mai 2022

Als es fast so war, wie es sein sollte (2)

Zweiter Teil der Vorarbeiten zum großen Finale - In England war die Entwicklung des Wohlstands, der das Land im 15. Jahrhundert europaweit (ähnlich wie Böhmen) in den Ruf eines halben Paradieses gebracht hatte, eimal mehr der Kirche zu verdanken. Denn die Könige waren notorisch finanzschwach, waren bereits füh in den Teufelskreis geraten, der sich in Detuschland etwa erst zwei Jahrhunderte später in Gang bringen wollte, wo dem König ein ungeeintes, in Streit und Hader zerklüftetes Land gegenüberstand, in dem die einzelnen Landherren regional große Macht hatten, und eine Zentralmacht immer ablehnten, die ihre Befugnisse beschränken hätte können. Also waren die Könige genötigt, viele Rechte und Privilegien zu vergeben, um die Loyalität und den kriegerischen Beistand einzelner Fürsten und Freien auf sich zu vereinen. 

Eine Entwicklung, die aus bestimmten Gründen nur in Frankreich anders verlaufen war, wo der König seit je ein starkes Herz des Landes bildete, und eine Verbindung mit dem Volk - bei gleichzeitiger Schwächung des um die Macht konkurrierenden Adels - aufbauen konnte, die ohne Beispiel in Europa war.

Aber ein König, der noch dazu traditionell auch so etwas wie der Herr der Kirche bzw. der Religion war, denn das oberste Priestertum ist in der Menschheitsgeschichte nur eine der Facetten des Königtums - brauchte Macht, auch wenn man es wohlwollend auslegt. Denn er mußte ja in Subsidiarität Aufgaben erledigen (wollen), die von den einzelnen Herren und Gemeinden eben icht erledigt werden konnten. 

Montag, 9. Mai 2022

Nur noch von Giftpfeilen umgeben

In der Betrachtung dieser unserer Zeit, die sich natürlich so wie alle Zeiten in Medien ausdrückt - Medium, das ist Mittler, das ist Träger, Vermittler von Idee als Forma der Materia - wächst mein Entschluß von Tag zu Tag mehr, sämtliche Inhalte, die mir begegnen, sei es in Gesprächen, in Medienberichten, in Druckwerken (speziell in Druckwerken: ich habe sogar aufgehört, "zeitgenössische" Bücher zu lesen, sie lohnen bis auf wenige Ausnahmen oder Teilgebiete mit Teilerntemöglichkeiten überhaupt nicht mehr, sind reine Zeitvergeudung) als Scheinmanöver, als Verschleierung und Täuschungspraktik zu sehen.

Sodaß es mir grotesk erscheint die Forderung zu hören, daß es uns in den letzten Jahren im speziellen an der Bereitschaft gemangelt habe und ermangele, DEN ANDEREN ZUZUHÖREN. Um nichts geht es doch weniger! Und der Kern des Problems fehlender Einheit ist ganz woanders zu lokalisieren, als in inhaltichen Differenzen, die doch um Gottes Willen mit ein bißchen Bemühen auszudiskutieren seien.

Ruine bedeutet einen vorhergehenden Ruin - Nicht einmal darauf möchte ich noch weiter eingehen. Sondern darauf, daß sich die Ruinenhaftigeit dieser Zeit darin erkennen läßt, daß - wie ebenin Ruinen! - der Ausdrucksgehalt (also die Idee) mit der faktischen Materialität zu einhundert Prozent DECKT. 
Man könnte also von Sakramentalität sprechen, die Ruinen kennzeichnen.

Mittwoch, 23. März 2022

Die Geschichte ist voll davon (3)

Da zeigte sich die Vollgestalt eines Schemas des Schreckens. Oh mein Gott - so also nehmen die Dinge ihren Lauf!? Dinge, die uns so wohl bekannt sind, und vor 150, 120 Jahren einen Sub-Kontinent in Chaos und Verwirrung stürzten. Hat das aber gar etwas mit uns zu tun? Jetzt meine ich, jetzt gerade? Trösten wir uns mit Schönem aus der Schatzkiste eines meiner größten Vorbilder - Also: Das kolumbianische Parlament hatte den dummen Einfall, diesen Vertrag mit den USA, den man nun doch als die staatliche Souveränität regelrecht zertrümmernd einschätzte, sodaß man nicht mehr Herr im eigenen Haus sein durfte, doch nicht zu ratifizieren. 

Man wollte diesen Kanal nun doch nicht, besann sich, daß er fürs eigene Land gar nicht viel bringen würde, ja es könnten sich in der Zukunft sogar Nachteile zeigen, die man jetzt noch gar nicht sehen konnte. Um dabei aber Risiken einzugehen, dazu traute man den Amis viel zu wenig über den Weg. Die sich mit so einem einbindenden Vertrag doch recht kräftig in heimische Angelegenheiten einmischen könnten. Sodaß es im schlhimmsten Fall  überhaupt keine innerstaatlichen Angelegenheiten mehr geben könnte, die die USA nicht zu ihren machten, WEIL diese nun praktisch immer US-INTERESSEN berühren könnten. NO, sagte also das kolumbianische Parlament, NADA.

Dienstag, 22. März 2022

Die Geschichte ist voll davon (2)

Wie sie die Beschränkung auf ihr Haus verstanden. Was sie wollten, was sie bewirkten, was dann wirklich passierte, und wie sich das mit heute gleicht. Bis auf den Verlierer. Was? Na mit der U.....e?! Zum Trost gibt es dafür das Finale mit dem Grußwort eines Vorbilds - Naja, und bald zeigte sich ja überall, wie die Amerikaner ihre "Monroe-Doktrin" wirklich verstanden wissen wollten. Überall verfielen die (neuen) Staaten in Beziehungen zu den USA, die einer völligen Entmündigung gleichkamen. Überall hatten die Amerikaner - und ihre "Vertreter", die Unternehmen, die großen Konzernvertreter, denn alles wurde ja nun dem strengen Gesetz der "offenen Grenzen", der "liberalen Gesellschaften" unterworfen, in dem angeblich alleine alle von ganz alleine glücklich werden mußten. Siehe - die USA!

Plötzlich war auch überall Korruption, plötzlich kamen überall Politiker ans Steuerruder, die so offensichtlich amerikanisches Geld und amerikanische Politik vertraten und hinter sich stehen hatten. Na und eines was sowieso überall selbstverständlich, eines stand überall ganz oben auf der Liste der Umbauten, die die Staaten nun vorzunehmen hatten, und zu welchen ihnen die supertollen Kerle aus dem Norden die Gebrauchsanweisung in Stapeln mitbrachten: Die Trennung von Kirche und Staat. Na klar, die Kirche war schon wichtig, keine Frage. Aber was der Staat für Gesetze beschloß, das hatte bitte die Kirche nicht sanzugehen, damit wir uns gleich verstehen, gelle!? Das ist doch selbstverständlich! Bitte schön, bitte gleich, gern geschehen.

Montag, 21. März 2022

Die Geschichte ist voll davon (1)

So vielfältig auch aussehen mag, was täglich auf uns einströmt, so unendlich die Möglichkeiten wirken, die unser Handeln zu haben scheint - reduziert auf ihre wirklichen Motive und Bewegungen sind es kaum mehr als eine Handvoll. 

Deshalb ist es wichtig jemanden zu haben, der aus all dem Tageslärm auszusteigen vermag. Der Muße und Ruhe hat zu unterscheiden, ob sich etwas als "Anliegen" tarnt, aber sich nur in den Vordergrund drängen will ), und ob nicht das, was als soeimalig zu geschehen scheint, daß wir eien völig neue Lösung erfinden müssen, um es in friedvolle Bahnen zu lenken, in Wahrheit nur der 86. Aufgjiß eines wieder und wieder vorkommenden Ereignisses ist.

Manche Geschehnisse freilich sind dermaßen gleich, obwohl Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dazwischen liegen, daß wir uns nicht nur wundern könnten, sondern die Frage erlaubt sein muß, ob sich in der Geschichte der Menschheit überhaupt je etwas geändert hat - oder ob nicht alles das ständige Drehen eines an einer Achse befestigten Rades, auf dem wir Platz nehmen, sodaß dann an uns die angebliche Geschichte als ein sich ständig wiederholendes Panoptikum vorbeizieht. Und irgendjemand sagte, was dann alle nachsagten: Das ist sie, die Zeit, schon gesehen? Da war das gestern! Da ist das heute!

Samstag, 23. Januar 2021

Die ganz und gar legitime Vormundschaft

"Auf dem Festland essen sie Menschenfleisch. Sie sind mehr als irgendein anderes Volk unzüchtig. Gerechtigkeit gibt es bei ihnen nicht. Sie gehen ganz nackt, haben keine Achtung vor wahrer Liebe und Jungfräulichkeit und sind dumm und leichtfertig. Wahrheitsliebe kennen sie nicht, außer wenn sie ihnen selbst nützt. Sie sind unbeständig, glauben nicht an die Vorsehung, sind undankbar und umstürzlerisch. [...]

Sie sind gewalttätig und verschlimmern dadurch noch die ihnen angeborenen Fehler. Bei ihnen gibt es keinen Gehorsam, keine Zuvorkommenheit der Jungen gegenüber den Alten, der Söhne gegenüber den Vätern. Lehren wollen sie nicht annehmen. Bestrafungen nutzen bei ihnen nichts. [...]

Zu ihren Speisen gehören Läuse, Spinnen und Würmer, die sie ungekocht essen, wo sie sie nur finden. Wenn man sie die Geheimnisse der wahren Religion lehrt, erklären sie, diese Dinge paßten für die Spanier, aber für sie bedeuteten sie nichts, und sie seien nicht bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern. [...]

Ein je höheres Alter diese Menschen erreichen, desto böser werden sie. Wenn sie zehn oder zwölf Jahre alt sind, glaubt man noch, sie besäßen einige Höflichkeit und etwas Tugend, aber später entarten sie wahrhaft zu rohen Tieren. Ich kann versichern, daß Gott kein Volk je erschaffen hat, das mehr mit scheußlichen Lastern behaftet ist als dieses, ohne irgendeine Beigabe von Güte und Gesittung. [...]

Nein, das ist keine zeitgenössische Kritik und Anklage, und es stammt auch nicht aus den späten Tagen der Antike. Es ist einem Schreiben des Dominikanerpaters Tomas Ortiz entnommen, in dem er Mitte des 16. Jahrhunderts von dem Indianerrat in Madrid berichtet.

Die Diskussion im 16. Jahrhundert hat zwei elementare Seiten. Die eine ist, daß den Indianern auf Drängen der Kirche (Spanien hat in Philipp II. und seinem Vater Karl V. sehr fromme Könige) jedes Menschenrecht zugestanden wird. Eine Sichtweise, die vor allem gegenüber den stets sehr individuellen Charakterdefiziten der Soldaten mit unerhörter Strenge angediehen wird, so wenig sie denen auch gilt. Sie verfahren furchtbar mit den Menschen, denen sie überlegen sind. Meist unter enormem Schuldendruck, aber das rechtfertigt nicht den oft genug unfaßbaren Wahnsinn, der angerichtet wird. Die meisten sind aber, sobald sie in der Neuen Welt angekommen, bis über beide Ohren verschuldet, und wollen weil müssen aus den neuen sozialen Umfeldern herauspressen, was sie herauspressen können. Der Traum vom Reichtum ist für die allermeisten schon ausgeträumt, da haben sie noch kaum den Fuß auf den Strand der Neuen Welt gesetzt.

Aber da ist auch eine Sichtweise, die sich durchsetzt, und die tiefere Verankerung und Legitimation hat: Die Betrachtung der Indianer als Kinder, denen gegenüber man als Vormund handeln muß. Der Dominikaner Vitorio, der an sich nicht nur als Vater des Völkerrechts angesehen wird, sondern der auch als "Retter der Indianer" eingestuft werden kann, schreibt dazu: 

"Obwohl diese Barbaren nicht gänzlich ohne Urteilskraft sind, unterscheiden sie sich doch sehr wenig von den Schwachsinnigen. [...] Es scheint, daß für diese Barbaren dasselbe gilt wie für die Schwachsinnigen, denn sie können sich selbst nicht oder kaum besser regieren als einfältige Idioten. Sie sind nicht einmal besser als Vieh und wilde Tiere, denn sie nehmen weder feinere noch kaum bessere Nahrung als diese zu sich." [Ihre Dummheit] "ist viel größer als die der Kinder und Schwachsinnigen anderer Völker." 

Somit, schließt Francisco de Vitoria, ist es rechtens, in diesen (neuen) Ländern zu intervenieren. Denn damit kann eine Vormundschaft ausgeübt werden, die im Sinne des Gemeinwohls dieser Menschen, dieser Völker und dieser Welt notwendig ist. 

Der VdZ schreibt dies alles und an dieser Stelle nicht ohne Grund. Denn er sieht dies als nüchterne Bestandsaufnahme der Gegenwart, und damit auch als Menetekel dessen, was uns Abendländern dräut. Wir werden von stärkeren Mächten übermannt werden, so einfach muß man das sehen. Und das läßt unsere Zeit mit der des Spanien des 16. Jahrhunderts so ähnlich sein. 

Zumalen auch die Mächte, die uns überwinden (und darin ist alles nur noch eine Frage der Sichtbarkeit, nicht der Wirklichkeit) mit demselben Argument ihre Legitimation holen wie haben: Sie stehen Kindern gegenüber, die keine Tugend mehr haben, und sich zum Bösen entwickeln. 

Wir leben (dazu könnte man es komprimieren) inmitten einer sozialen Umgebung, in der der Nächste, ja wo jeder jeden der ein "anderer" ist, der also noch das hat, was man "Geheimnis" nennen könnte, der in jedem Fall aber "nicht ist wie wir", so betrachten, wie die Spanier des 16. Jahrhunderts die Indianer der Neuen Welt. 

Der springende Punkt ist aber der: Nicht, daß das etwas Neues wäre. Das gehört vielmehr zum Menschsein dazu, daß der Mensch das Menschsein von sich ausgehend ableitet. So wie Erkenntnis immer von sich ausgehen muß, sonst kann sie gar nichts erkennen. 

Der springende Punkt ist, daß es keine Gemeinsamkeiten als Gemeinschaft mangels einheitsbildender Macht der Wahrheit mehr gibt. Damit ... keine Freiheit mehr gibt. Daß somit alles, was sich heute als Gemeinschaft ausgibt, als Einheit, nur noch positivistisches, selbst- bzw. psyche-generierte Willenshaltung, Vorstellung, verpflichtende und verpflichtete Selbsttäuschung ist.

Diese Sichtweise, daß der andere "Wilder", "Indianer" ist, die - man schaue doch einfach genau hin! - so allgemein ist, daß man nicht weit suchen muß, weil sie hinter jeder Straßenecke hervorlugt - ist der wahre Grund für die Bevormundung, die wir in Medien, Politik, ja von so vielen und noch vieleren Stellen an uns getan wird. 

In einer Zeit gesagt, in der bald jeder jeden zu erziehen sich ankleidet, worin die Aussage doch mehr als deutlich wird, daß der GENERELLE Zustand der Menschen als so roh und barbarisch gesehen wird, wie die Spanier den Zustand der Indianer in der Neuen Welt beurteilt haben. Was bis zur Beurteilung der Nahrung geht, die wir zu uns nehmen.


*220121*

Freitag, 26. Juli 2019

Stierkampf und Flamenco, aber ein mieser Film

Szenenzusammenschnitt aus dem Film "Das Narrenschiff" (1965) mit dem legendären Flamencotänzer José Greco. Als holte man einen Stier, Symbol von Fruchtbarkeit ebenso wie alles verschlingender Lust, aus den Tiefen der chthonischen Höhlen der kretisch-mykenischen, karthagischen Erde, um mit ihm in der Manege ein Spiel zu treiben. Das einerseits lockt, andererseits in diesem winzigen Bruchteil eines letzten Moments vor dem Ausbruch doch wieder zurückweist. Stiefkampf und Flamenco sind somit Geschwister. Sie gehen an die dünnste, gerade noch mögliche Grenze des Übergangs von Ordnung zu Chaos, von Chaos zu Ordnung, von Niederlage und Sieg der Kultur - also von ihrem Ursprung, der der Ursprung des Menschseins überhaupt ist.

Ihr Tanz ist ein Spiel mit der Schöpfung. Mit Kräften, die in ihrer Spannung aus Dämonie und Schönheit, aus alles verschlingender Ektase und totaler Beherrschung, in das Geheimnis der Freiheit des Menschen vor Gott Einblick gewährt. Und damit an die Tragödie des Menschen erinnert, deshalb immer ein wenig von Trauer, von Melancholie umweht ist, und doch das Leben feiert. Aber in diesem Kampf erfährt der Mensch seine Begrenztheit und hätte er diese nicht, würde er untergehen weil das Menschsein verlieren. Er ist Gott ähnlich, aber er ist nicht Gott. Fällt er der Versuchung anheim, sich wie dieser zu wähnen, zerfleischt ihn der viel mächtigere Stier. Und der Flamenco wird vulgär, der Stierkampf sinnlos brutal.

Das zeigt sehr gut die zweite Tanzszene aus dem Film, die zum Vergleich (zumindest dient es uns als solcher) dazu geschnitten ist. Was die Freundin (gespielt von Elizabeth Ashley) des Malers (George Segal) nun zeigt, ist ein zügelloses Überschreiten dieser Grenze. Es ist nicht mehr Flamenco, sondern kippt in die vulgäre Sexualität.





Die Reaktion ihres Freundes ist damit eine der wenigen stimmigen Handlungsmomente.

Denn nicht nur das Wesen des Flamencos wird in diesem Film fehlgedeutet. Es ist nur eine von sehr vielen Fehldeutungen dieses preisgekrönten Werks voller großartiger Schauspieler, aber mit einer überhaupt nicht stimmigen Fabel. In "Das Narrenschiff" ist auch dieser Tanz willkürlich als dramaturgisches Mittel mißbraucht, um etwas zu zeigen, das sich eigentlich gar nicht erzählt. Der VdZ kann sich deshalb diesem seltsamen Urteil der Filmgeschichte gar nicht anschließen, daß er ein Meisterwerk sei.

Wenn man ihn so gerne sieht (und das tut auch der VdZ), dann durch seine zahlreichen, einzelnen Facetten, und vor allem durch die Liebe zu so vielen überwältigenden Schauspielern, die hier in ungeheurer Dichte auftreten und die man einfach gerne sieht. Der Zuseher (und auch der VdZ) WILL einfach diese Schauspieler als "phantastisch spielend" sehen, und die "Aussage" des Films drückt ihn regelrecht an dieses Gesollte. Und den Zuschauer soll er durch die Massivität von "Qualitätsnimbus" (wo niemand zu widersprechen wagt: Was, Oscar Werner einmal "schlecht"? Simone Signoret oder Heinz Rühmann oder Lee Marvin oder Vivian Leigh oder oder oder ...) erdrücken. Er wagt es auch nicht mehr zu sehen, was sich hier abspielt. Man verläßt den Film mit einer leeren, gelähmten, grauen Birne, sozusagen, und läßt die Moralsachwalter, die diese Moral aufoktroyiert haben, hinkünftig tun und lassen, was sie wollen.

In Wahrheit aber muß man sich sogar fragen, WAS all diese großen Künstler in so einer Produktion zu suchen haben. Außer, natürlich, außer daß sie alle zugegeben haben, daß das alles zweitrangig war angesichts der Perspektive, mit so vielen Legenden in einem Atemzug aufzutreten, sodaß der Kultstatus des Films mit Ansage geschaffen wurde. Wer will da nicht dabei sein? Und die Gage wird auch kein Taschengeld gewesen sein. (Gedreht wurde ja alles im Studio, nicht einer der Akteure hat auch nur einen Fuß bei den Dreharbeiten auf ein Schiff gesetzt.) Darf man raten? Es war die moralische Pflicht, die seit 1945 Gesetz war, eine neue Moral zu dogmatisieren. Und dem hat auch dieser Film gedient. Kein Mensch wagt, ihn zu kritisieren, zu sagen: Das ist rein ALS FILM ein schlechter Film!

Erschlagen von großartigen Einzelszenen - wie diese Tanzszene - nimmt man zur Kenntnis, daß das Urteil von höherer Autorität ist als man selber hat. Und so agiert Hollywood seit vielen vielen Jahrzehnten: So mies die Botschaft auch war, so mies der Film auch gewesen sein könnte - wenn er einen verfolgten Juden oder ein KZ (und neuerdings auch Homosexuelle, oder Transsexuelle etc.) zeigt, MUSZ er gut sein. Mischt man noch brillante Einzelmittel (technische Brillanz, großartige Schauspieler, phantastische Aktionen ...) dazu, verstummt endgültig jede Kritik. Was? Der Film ist schlecht? Dann muß der Kritiker ein Anti-Semit sein, nein, er ist ein Nazi, ganz sicher!*

Alles an "Das Narrenschiff" ist eine reine Aneinanderreihung von Einzelbildern zu einem willkürlichen Panoptikum, in dem ein Bild mit dem anderen aber nichts zu tun hat. Der Film ist ein Machwerk, und die Preise, die er eingeheimst hat, sind (diesen Verdacht darf man ruhig hegen, er bestätigt sich immer wieder neu) der moralischen Aussage geschuldet, sonst nichts. Warum? Weil der Film für eine ideologische, im Grunde primitive Aussage mißbraucht wurde, ja nur deshalb gemacht und darauf zugeschneidert wurde. In der sich die immer üblicher gewordene, lächerliche Simplifizierung der Ereignisse und Akteure in Hitler-Deutschland austobt. Vor so einer dummen (weil egal aus welchen Gründen "gesollten") Motivlage KANN sich gar keine organische Dramaturgie und damit auch kein wirklich gutes Schauspiel entwickeln. 

Und dieser Primitivität gemäß wurde auch der Flamenco so schändlich fehlgedeutet.






*"Das Narrenschiff" ist im selben Jahr (1965) entstanden wie "The Pawnbroker". Es war das Jahr des Dammbruchs. Damals brach Hollywood erstmals den "Production Code", mit dem Obszönität durch den Einfluß der Kirche vom Film seit den 1930er Jahren ferngehalten worden war. In letzterem Film wandte man genau die hier beschriebene Taktik an: Er bringt eine KZ-Geschichte und handelt von Judenverfolgung und bösen Nazis ... und brachte erstmals blanke Brüste ins Kino. DAS war seine eigentliche Intention. Damit war der Bann gebrochen. Niemand wagte zu opponieren, auch nicht die Kirche, und wer doch, war sofort ein ausgewiesener Anti-Semit und Nazi. Fortan wurde die Welt mit immer offener pornographischen Filmen überschwemmt.




Mittwoch, 27. März 2019

Spanien begreifen

Es ist, als begriffe man Spanien erst durch seine Gitarren. "Concertio de Aranjuez", komponiert 1939 von Joaquin Rodrigo. Das müssen dann wohl auch Spanier interpretieren.





Hier noch eine völlig andere, interessanterweise ruhigere, aber um nichts weniger spannende Interpretation, mit dem Gitarristen Paco de Lucia. Eine Aufnahme, die auf Youtube bereits sagenhafte 20 Millionen Mal angeklickt wurde. Da können sich offenbar manche damit identifizieren. So nebenbei: Nach Englisch (im übrigen eine Dialektentwicklung aus dem Sächsischen) und Chinesisch ist Spanisch die drittmeist gesprochene Sprache auf der Erde. Man sollte das daraus geborene, davon getragene Denken nicht unterschätzen.









*120119*

Freitag, 18. Januar 2019

Menschsein gibt es nur im Nationalen

Einen sehr klugen Aufsatz gab es in diesen Wochen in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Der Romanist Hans Ulrich Gumbrecht bringt darin seine Erfahrungen zu Papier, die er rund ums Jahr 1970 mit zwei sogenannten "faschistischen" Diktaturen auf der iberischen Halbinsel gemacht hat, wo er sich jeweils als Student aufhielt.  Die eine war Portugal mit Salazar, die andere Spanien mit Franco. Dabei ist ihm aufgefallen, daß es deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden Völkern gab, die formell gerne über einen Kamm geschert werden. 

Und diese Unterschiede, die er als nationale Kultur wahrnahm, drückten sich nicht in den großen Sprüchen und Programmen aus. Im normalen Alltag war da nichts von einem expliziten "Faschismus" zu sehen. Sondern diese Unterschiede (als jeweilige Eigenheiten) waren Tatsachen aus dem alltäglichsten Leben. Die Art des Umgangs miteinander, der in Portugal deutlich auf der "Diskretheit" beruhte, während die Spanier weit "großzügiger", formloser, eigentlich muß man sagen: funktionalistischer waren. Die Art die Häuser zu streichen, öffentliche Räume zu gestalten, das Miteinander zu zelebrieren. Von einer großen faschistischen Diktatur nahm man nur darin etwas war, daß in beiden Ländern Kommunisten streng verfolgt waren.  

Naja, und nicht ohne Grund, will der VdZ da einschieben. Der Kommunismus ist eben tatsächlich eine Subversionsideologie. Er macht alle Menschen "gleich" (wobei das nicht einmal im Kommunismus stimmt, wie die Geschichte zeigt), indem er ihre Spezifika auslöscht, den Menschen in eine Liste technischer Funktionen herunterbricht, und dem Individuum damit sein Gesicht nimmt. Aber damit wird das Menschsein überhaupt ausgelöscht. Denn erst und nur (sic!) im Konkreten, im Spezifischen kann der Mensch sich überhaupt wirklichen. Das heißt somit, daß es ohne regionale, ohne damit auch nationale Kultur gar keinen Menschen gibt, buchstäblich. Menschen in solchen gleichmacherischen Regimen werden tagtäglich um ihr Dasein ringen, um ihre Selbstbehauptung, um ihre Unterscheidung, um ihre Individualisierung. 

Das zeigt sich in den psychischen Strukturen und natürlich in der Art zu denken. Der Kommunismus wendet sich dabei nicht alleine auf die großen Strukturen, sondern er greift eben in diese alltäglichste Kultur des Miteinander ein. Damit wirkt er wirklich kulturzerstörend. Selbst wenn sich auch in den kommunistischen Diktaturen, die Europa im 20. Jahrhundert erlebt hat, überall eine "Bückwaren-Kultur" entwickelt, hat, ein eigentliches Leben neben dem öffentlichen Leben, das eben als Privates, eigentlich Menschliches gar nie zu unterdrücken ist. 

Die Portugiesen, so Gumbholz, gingen dabei mit der Salazar-Diktatur auf eine Weise um, die die offiziellen Abläufe deshalb ungemein komplizierte. Denn jeder, bis hin zum einfachen Grenzbeamten, versuchte, seine persönliche Art, seine portugiesische Art zu bewahren, ohne dabei offizielle Vorschriften zu verletzen. Das machte viele Prozeduren umständlich und langwierig, selbst die einfache Einreise war eine solche langwierige Prozedur. Ganz anders die Spanier, die sich schon der Touristen wegen, die ihnen Devisen brachten, sehr formlos und unkompliziert verhielten. Selbst auf offene Provokationen reagierte die Polizei recht zurückhaltend.

Das für Gumbholz aber so frappierende war eben die Entdeckung, daß selbst in einem vermeintlich einheitlichen Raum - Iberien - so unterschiedliche Kulturen bestehen konnten, die tatsächlich durch eine Landesgrenze getrennt waren. Und wo sich innerhalb weniger Meter eine ganz andere menschliche Alltäglichkeit zeigte. Die sich tatsächlich mit dem einen selbst definierenden Begriff "Portugiese" und "Spanier" änderte. Hat es also mit dem Nationalen doch mehr auf sich als leere Begrifflichkeit, die mühelos zu entsorgen wäre?

Und ist es nicht das, was den Kosmopoliten ausmacht? Nicht, daß das Nationale wegfällt kennzeichnet nämlich diesen. Sondern daß er zu allem Nationalen, auch zu dem eigenen, eine innere Distanz wahrt. Die ihn erst in die Lage versetzt, das "andere" auch zu respektieren, zu achten - und damit sogar zu genießen. Umgekehrt, findet sich auch in den Bewohnern eines solcherart national definierten Staates der Respekt dem "anderen" gegenüber, der eben "anders" ist.

Es braucht Grenzen, schreibt auch Navid Kermani einmal. Es braucht diese Initiation des Übergangs vom Eigenen ins Fremde. Zwar müssen diese Grenzen offen. also überschreitbar sein. Aber es muß sie geben, damit das Andere anders. und somit (sic!) das Eigene eigen bleibt. Erst so macht ein solches Anderssein die Erfahrung des Eigenen möglich. Um das man dann keine Angst mehr hat, weil man fürchtet, es sei verschwunden weil nicht erfahrbar, vor allem aber aus dem Blick. So, wie nämlich immer und überall das Allernächste, das Eigene nicht sichtbar, nicht fühlbar ist - als erst im Gegensatz des anderen.

Was den Kosmopoliten und Anti-Nationalen ganz deutlich vom heutigen "Universalisten" unterscheidet. Der nämlich, in egal welches Land er kommt dort verlangt, daß man sich wie er benimmt - formlos, respektlos, und in überall gleichen Umgangsformen und Indiskretheiten. Der noch dazu von allen die Aufgabe aller Eigenheiten verlangt, im Namen einer globalen Gleichheit. Ja, der selbst gar keine Eigenheiten an sich selber mehr sieht, sondern sie als universal und damit allein rechtens voraussetzt. Der zwar nirgends aneckt (oder das für sich reklamiert), der aber jeden Unterschied neutralisiert und damit den Menschen auflöst, weil er ihn aus den ihn bestimmenden Universalia - die ganz konkret sind: Volk, Nation, Region, Familie etc. - herauslösen möchte.





*011218*

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Wir sollen nichts davon erfahren

In einer nächsten Filmreportage (nach 2015, 2016 und 2017) geht die Junge Freiheit den "Flüchtlingslügen" auch im Jahre 2018 nach. Und das heißt in erster Linie, daß es einem Vorgehen der Politik nachspürt, die offenbar ganz genau weiß, daß sie auf massiven Widerstand in der Bevölkerung stößt - und deshalb vor uns verbirgt, was sich wirklich abspielt. Diesmal geht es vor allem um Spanien, wo ein junger sozialistischer Ministerpräsident an die Regierung kam, der die seit 2006 so restriktive spanische Handhabung der Migration - denn um "Flüchtlinge" geht es ja nicht, ist es nie gegangen, es geht um den Bevölkerungsaustausch - verändern möchte. 

Das geschieht heute durch die offizielle "Salvamente Maritime", der spanischen Seenotrettung. Die von den Schleppern in Afrika mißbraucht wird und jene Funktion übernimmt, die die NGOs mit ihren Schlepperschiffen bislang erfüllt haben: Ein wirklicher Pull-Faktor für die Zuwanderung von jungen männlichen Afrikanern zu sein. Sie sind damit direkt die Ursache von vielen Ertrunkenen. Weil viele sich erst durch diese Gewißheit der Rettung ermutigt fühlen, aberwitzige Risiken einzugehen, um nach Europa zu gelangen. Wo sie keine Arbeit finden, das kann man so gut wie sicher sagen. Was wiederum heißt, daß sie hier zuerst einmal von den europäischen Sozialsystemen und auf lange Frist erhalten werden müssen. Zumindest, so lange diese das noch können. Daß sie dann aber in einen nächsten und unabwendbaren Schritt zu anderen Mitteln greifen werden, um ihre Ziele zu erreichen. Und das heißt in vielen Fällen: Kriminalität.

Das alles läuft aber so, daß es recht heimlich abläuft, vor uns allen verborgen werden soll. Bis wir eines Tages ganz einfach vor vollendeten Tatsachen stehen.  So lange sollen wir glauben gemacht werden, daß es sich bei der Zuwanderung nach Europa (aus Afrika) um eine Art "Naturereignis" handelt, gegen das kein Kraut gewachsen ist. Stattdessen haben gerade Spanien und Marokko im letzten Jahrzehnt bewiesen, daß man sehr wohl etwas gegen die Massenzuwanderung unternehmen kann. Wenn man denn will.

So nebenbei: Wie aus dem Bericht hervorgeht, war das Wetter in Nordafrika und Spanien im heurigen Jahr ganz besonders kühl und feucht.






Aber diese Verlogenheit ist es, die den Pegel der Wut immer weiter steigen läßt. Wir werden im Verbund aus Politik und Medien absichtlich getäuscht. Denn was sich mit dem sogenannten "UN-Migrationspakt" vorbereitet, der am 11. Dezember d. J. von 192 Staaten (nur die USA, Dänemark (sic!) und Ungarn treten ihm nicht bei, weil er die staatliche Souveränität verletzt) ist ein weiterer Anschlag auf unsere Länder und Völker. Er verpflichtet seinen Inhalten gemäß gerade unsere Länder, Migranten in unkontrolliertem Ausmaß aufzunehmen und zu versorgen. Nirgendwo wird offen über diesen Pakt gesprochen. Er wird still und heimlich von unseren Regierungen unterzeichnet werden. Der Leser informiere sich bei der Basler Zeitung, die die darin zum Vorschein kommende politische Heimtücke dieses jedem Naturrecht hohnsprechenden "Paktes zur Förderung der Migration" sehr pointiert beschreibt.

Nicolaus Fest beschreibt knapp und treffend, was da beschlosssen werden soll. Der größte Skandal dabei ist, daß DAS die Kirchen mittragen, die es besser wissen muß. Denn die Auflösung des Volksbegriffs widerspricht jedem schöpfungsbezogenen Naturrecht.






Nachtrag: Mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Stimmen der Empörung zu diesem geplanten Migrationspakt. Wir weisen deshalb z. B. auf den Beitrag auf Tichys Einblick hin.






*190918*

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Was steckt hinter Kataloniens Separationswunsch? (2)


Teil 2) Madrid war zu schwach
- Das Kurzvideo





Aber noch ein Element spielt eine Rolle in den Separationsbestrebungen Kataloniens, ein Element der Unzufriedenheit - und das hat mit den Migranten zu tun. Spanien hat sieben Jahrhunderte gebraucht, um die Muslime aus dem Land zu werfen. Die ins Land gekommen waren, weil sie von einzelnen Fürsten dazu eingeladen worden waren, die sich innenpolitische Vorteile davon versprachen. Diese Muslime haben dann aber sogar weite Teile der Halbinsel übernommen. Nun erleben viele Spanier - und hier vor allem die Katalanen, weil sie noch dazu etwas zu verlieren haben - daß die Zentralregierung in Madrid (aus ebensolchen Gründen vermeintlicher innenpolitischer Vorteile) neuerlich fremde Völker (und Religionen) ins Land geholt hat und von Süden her weiter hereinläßt und natürlich auch nach Katalonien weiterschiebt. Das ist speziell in Spanien eine große historische Wunde, die viele Katalanen als gezielte Unterhöhlung ihrer Eigenheit sehen.

Denn die ist in den Jahren der Republik seit 1978 gewachsen. Madrid hatte viele Probleme mit Terrorismus und Separatismus (man denke nur an die ETA im Baskenland). Deshalb hat Madrid auch Katalonien viele Privilegien eingeräumt, froh, dafür das katalanische Steuergeld zu bekommen. Madrid hat sich also den "Frieden" in Katalonien auch durch politische Zugeständnisse gekauft, aber auf umgekehrte Weise. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die (als schwach erlebte) Madrider Politik stetig gefallen. Man erlebt Madrid heute als unfähig, mit den Problemen fertigzuwerden. Jahr für Jahr steigen nur die Schulden der Zentralregierung.

Durch die Pyrenäen getrennt, ist Spanien den meisten von uns eine terra incognita. Diese Filmchen können im Schnellverfahren ein wenig in den Konflikt Madrid - Katalonien und seine wirtschaftlichen wie historischen Wurzeln einführen. Sie sind heute umso schwerer, unterschwellig machtvoller, als diese immer sehr eigene, industriell hoch entwickelte Provinz mit ihren 7,7 Millionen Einwohnern mittlerweile 20 % des gesamten spanischen BIP erwirtschaftet und Zugpferd des spanischen Exports ist. Gerade in den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Madrid-Spaniens seit vielen Jahren (speziell seit 2008), die Madrid immer wieder an den Rand des Staatsbankrottes brachten, empfinden sich viele Katalanen ausgenützt und als Zugpferde, ja als unfreie Sklaven eines unrettbaren Gesamtkarrens Spanien.









*Der VdZ kann hier wieder nur auf die hervorragenden Romane von Jose Gironella hinweisen, die begreifen lassen, worum es hier überhaupt ging - und geht.





*081017*

Dienstag, 24. Oktober 2017

Was steckt hinter Kataloniens Separationswunsch? (1)

Katalonien ist erst seit dem 15. Jahrhundert durch Heirat (Isabella von Spanien) zu "Spanien" gekommen, wie wir es heute kennen. Es hat eine eigene Sprache (die sich aus einer lateinisch-römischen Umgangssprache entwickelt hat), und eine eigene, hochentwickelte, gegenüber dem Restspanien aus verschiedenen historischen Gründen überlegen empfundene Kultur. Es hat ein eigenes Parlament, und eine eigene Polizei. Die Separationsbestrebungen sind deshalb nie ganz zum Erliegen gekommen, und waren sogar einer der (zumindest der offiziellen) Anlässe für den spanischen Bürgerkrieg 1936-1939, der freilich von ideologischen Konflikten überlagert wurde. 

Die kommunistisch-revolutionären Bestrebungen zur Weltrevolution, die prinzipiell zwar auf Zentralismus setzten, aber sich wie hier regionale Unabhängigkeitsbestrebungen (so wie jede Bewegung, die auf Zerstörung des status quo der Macht abzielt) zunutze machten, welche Furcht vor Revolution damals in ganz Europa umging, weckten eine faschisto-konservative Gegenbewegung (an deren Spitze sich bald der General Franco setzte) auf. Gestützt von einem dezidierten Krieg gegen die Katholische Kirche durch die Kommunisten. Das führte zu einer unseligen Allianz der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen mit kommunistischen Bewegungen, die sich unter Franco unselig auswirkten. Neuerlich wurde Katalonien von Madrid "unterworfen", konnte sich nur einige Sonderrechte bewahren. Aber sogar die Sprache war damals verboten, wenngleich dieses Verbot vielfach unterlaufen wurde.

Der Sieg Madrids, eines Gesamt-Spaniens also, wird vielfach von Katalanen bis heute als "Besetzung" gewertet.* Und aus linken Kreisen wird Madrid sogar als "faschistische Herrschaft" bezeichnet, sodaß der derzeitige Aufruhr sogar das Mäntelchen der "Antifa" hat. Immerhin wäre es eben nicht das erste mal, daß Madrid Truppen entsendet, um die 12.000 km² große Provinz an die Kandarre zu nehmen. Mehrmals in der 530jährigen Geschichte Spaniens wurde Barcelona belagert und eingenommen.

Historisch dabei interessant: Die Katalanen (Teil des Königreichs Aragon) waren stets für einen Verbleib unter der Habsburger Krone, also der des Heiligen Römischen Reichs. Endgültig wachte eine Separationsbewegung auf, als Napoleon versuchte, die spanische Krone zu besetzen. So, wie er es in halb Europa gemacht hatte. Denn die Katalanen (als Teil des Königreichs Aragon) sehen ihren Moment der Volksgründung in der Legitimität der Karolinger begründet, die in Karl d. Großen ja das Hl. Römische Reich erneuerten, DAS Einigungs-, aber auch DAS Föderalprinzip Europas. Die Einsetzung von französischen Bourbonen als Folge des von Habsburg verlorenen Erbfolgekriegs seit 1702 hat die Legitimität eines Madrider Königs von "Ganzspanien" in ihren Augen zerstört.

Dazu kommen aber andere Strömungen, deren Relevanz wohl nicht unterschätzt werden darf. Es ist eine Tatsache, daß das Weltimperium Spaniens wirtschaftlich in weit überproportionalem Anteil von Katalanien getragen wurde. Das auch davon am meisten profitiert hat. Denn dort wurden die Exportgüter hergestellt, die die Absatzmärkte in den Kolonien brauchten, umgekehrt haben katalanische Familien eben dort die Rohstoffe importiert. Sodaß sie mit Spaniens Niedergang (der sich im Krieg mit den USA 1898 vollendete, wo Spanien nach den Philippinen auch noch Kuba verlor) als Imperialmacht hohe wirtschaftliche Einbußen zu tragen hatten. Eine Wurzel großer Unzufriedenheit. Auf Kuba spielten reiche katalanische Familien noch lange eine große Rolle, und standen sogar in Konflikten mit der übrigen spanischen Bevölkerung.

Katalanien wird in den Augen vieler als von ca. 300 reichen Familien - Oligarchen - beherrscht gesehen. Das führt auch in Katalanien selbst zu widersprüchlichen Stimmungen. Einerseits will das Volk Freiheit und Unabhängigkeit, anderseits lehnen viele die oligarchische Struktur des Landes ab. Denn diese Familien haben enormen Einfluß auf die Regionalpolitik, und es ist deshalb keine Frage, wer die derzeitige Unabhängigkeitsbewegung massiv unterstützt, ja vielleicht sogar die treibende Kraft dahinter ist. Mit diesen Familien sind auch Gesetzesstrukturen verbunden, die vielen Katalanen ein Dorn im Auge sind weil sie meinen, daß diese konservativen Kräfte eine Standeszementierung möchten - anders als v. a. die städtische Bevölkerung Katalaniens, die sich von der Aufklärung nicht trennen will. Barcelona ist regelrecht multikulturell, also links oder linksliberal. So bevorzugen die Erbgesetze den ersten Sohn. Eine Regelung, die klar den Interessen der konservativen Strukturen entspricht.



 Morgen Teil 2)  Madrid war zu schwach
- Das Kurzvideo



*201017*

Sonntag, 30. Juli 2017

Macht endlich Eure Gesichter hart

Hauptsache, wir sind in Fragen der Flüchtlinge, Migration, und vor allem der sexuellen Befreiung durch Homosexuellen-Ehe ("Gay marriage") und eine angeblich nahende Klimakatastrophe (die uns mittlerweile kein Wetter mehr als normal einfach erleben, sondern judiziell beurteilen, also aus jedem normalen Erlebnishorizont herausreißen läßt) verwickelt. Dann merken wir nicht die Dinge, die uns über Jahrzehnte, Jahrhunderte, Generationen zwingen werden.

Was hat die Politik so gezwungen? Was hat sie so "alternativlos" gemacht? Was bestimmt unsere Lebensbedingungen bis ins Detail? Keines dieser genannten Themen. Die sind nur Vorwand. Es sind die finanziellen Gebaren der Staaten. Und hier überrollt uns eine Lawine, die nicht einmal mehr die desaströse Elite und Politik zu überschauen vermag. Die sind ahnungslos und wie gelähmt. Und mit ihnen die in die totale Lächerlichkeit (für eine Demokratie, nach eigenem Verständnis der "Demokraten") abgesunkenen Medien, mit den Tausendschaften an abschaumhaften Massenhörigen, den sogenannten Journalisten. Ahnungslos und hörig, das ist alles, was zu ihnen zu sagen ist. Umso mehr mit Macht ausgestattet, denn sie dienen dem außer Rand und Band geratenen Scheinrationalismus, der uns beherrscht, kraft einer alten Gewohnheit, aber als den Geist der Dämonie.

So fand auch kaum Niederschlag im öffentlichen Disput, was sich in den jüngsten Monaten abspielte. Nicht nur, daß nächste dutzende Milliarden an Griechenland abgeführt werden, das gehört schon zum Alltag (dafür gibt es dann Meldungen, daß Deutschland angeblich sogar daran "verdient", was im übrigen sogar moralisch empörend wäre: ein Land, das so am Boden liegt, auch noch über Zinsen auszuplündern) - vorhersehbar wie alles sonst, nur nicht für die vernebelten Geister, die da nach oben gespült wurden, die nur noch in Ablaufmechanismen denken können, ohne Sinn auch nur im Entferntesten zu begreifen.

So ganz nebenbei laufen nächste Bankenrettungsaktionen in Europa ab, die kaum jemand bemerkt, weil kaum darüber berichtet wird, und sie ohnehin kaum noch jemand versteht. Denn wenn man das Falsche ständig aufrechthält, wird der Sinn vernebelt. Wer sich ins Einzelne verliert, kann das Ganze nicht mehr sehen. Also wird die Bevölkerung mit Einzelnachrichten traktiert, ohne daß sich das Ganze je ändert, bis sie müde wird.

Wenn dabei die Kronen Zeitung in einer kleinen Nachricht davon berichtet, daß in Italien zwei (bzw. drei) Banken in einer 17 Milliarden (liebe Österreicher, das sind 200 Milliarden Schilling!) teuren Aktion "rettet", so wird damit eines noch deutlicher klar: KAPITLAISMUS IST STAATSGESPONSERTER WUCHER. Der Kapitalismus, den sich hirnvernebelte Liberale immer noch als "Wunschtraum der Freiheit" vorträumen,  beginnt beim Raub, und er endet beim Raub. Er beraubt jene, die Leistung, Geld  wirklich schaffen - Arbeit, Mensch. Wert gibt es nur DURCH den Menschen. Nicht durch Konten, nicht durch Gold, nicht durch Geld. 

Auf den dann die ach so cleveren Kapitalisten zu spekulieren anheben, bis sie sie an den logischen Systemskrankheiten des Sepekulieren aus dem Nichts scheitern, und händeringend mit tausenderleie Lügen - Arbeitsplätze seien in Gefahr, das Gesamtsystem würde kollabieren - den Staat anrufen, den sie nur dann ablehnen, wenn er ihre Ungezügeltheit und Sittenlosigkeit beschränken möchte. Und die Riege der von jeder Wirklichkeit unbeleckten Berufspolitiker reagiert wie brave Hündchen. Und schleudern die nächsten Steuermilliarden, die nur Arbeiter, Menschen erwirtschaften könne, die deren Wert überhaupt erst begründen, in den Rachen verantwortungs- und vor allem ahnungsloser Finanzspekulanten. 

Und "retten" Banken. Nicht nur in Italien! Nein. Denn die Politik hat natürlich etwas gelernt, aus 2008. Das Peinliche damals war ja nur, daß so viel bekannt wurde, weil alles noch so irgendwie neu und überraschend war. Für die Politik. Nein. Sie haben gelernt, und die Medien sowieso, diese notgeilen Hundsfotte an der Füterhand, udn bewrichten gar nicht mehr, oder höchst dezent, sodaß man sich kaum noch ein Bild machen kann. Denn da sind auch in Spanien nächste Banken "gerettet" worden, nur "dezenter" als in Italien. Man hörte kaum etwas.







*260617*

Samstag, 7. Januar 2017

Als Spanien durch Gold arm wurde

Als Karl V. die Schlacht von Pavia 1525 gewonnen hatte, fiel ihm auch der französische König Franz I. als Gefangener in die Hände. Das Lösegeld, das er von den Franzosen verlangte, war für damalige Verhältnisse gigantisch: 1,2 Millionen Goldkronen. Die französischen Noblen mußten das ganze Land regelrecht durchkämme, um diese Summe zusammenzubringen. Die Spanier brauchen 4 Monate, um diese Menge an Münzen nur zu zählen!

Die Folgen waren katastrophal, und zwar nicht für die Franzosen, sondern für ... die Spanier! Bei denen die Goldlieferungen aus Südamerika noch nicht wirklich begonnen hatten. Zuerst einmal stiegen in ganz Spanien gewaltig die Preise. Schon drei Jahre später erhielt man für die gleiche Summe Goldes nur noch die Hälfte Ware. Die Folge war, daß man überall begann, Waren aus Frankreich zu importieren. Damit (und in Zusammenhang mit dem Abfluß von jungen Männer, die nach Südamerika gingen, um ihr Glück zu suchen; man schätzt, daß 15 % der spanischen Bevölkerung von vielleicht 8 bis 9 Millionen Menschen - und gerade die produktivsten Teile davon - auswanderten) versiegte in Spanien die Produktion, während der Importsog immer stärker wurde.  Vom spanischen Gold wurden die andren reich. Die Niederlande, Frankreich, und bald die Engländer.

Dazu kamen die ständigen Kriege, die die wachsenden und bald riesigen Goldimporte (speziell nach den Funden in Peru) verschlangen, sodaß sich das Land trotz der enormen Geldzuflüsse immer mehr ver- und bald  nur noch überschuldete und alle 5-15 Jahre in Konkurs ging. Die Schuldzinsen (Niederlande!) überstiegen bald alles, was der Goldstrom ins Land schiffte, waren ein Faß ohne Boden. Nichts von dem Gold wurde nachhaltig in Produktion investiert, anders als in den genannten europäischen Ländern. Das Gold hatte dazu verführt, an sich als Vermögen angesehen zu werden. Ein schwerer Fehler. Denn niemand wollte noch arbeiten, und keiner sah, daß alles Gold ständig aus dem Land floß, keiner begriff, daß jede Form von Geld - auch Gold - nur Wert durch Arbeit hat. Die ersten diesbezüglichen Theorien entstanden in ... Frankreich.

Der Zustrom von Waren aus Europa und aus Südamerika deckte bald den gesamten Inlandsbedarf. Weite Teile Spaniens verödeten sogar, Wüsten entstanden oder wuchsen, weil das Land nicht mehr bebaut wurde. 10 % der Bevölkerung gingen überhaupt gleich ins Kloster, deren geistiges Niveau ständig fiel, sodaß sich Figuren wie Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz zu radikalen Reformen gezwungen sahen. Nur die Dichtung blühte, auch die niedrigsten Niveaus (gegen die sich ja Cervantes so spitzfindig wandte), weil der Bedarf nach Theater und (oberflächlicher) Vergnügung groß war.

Während des 16. Jhds. wurde die Wirtschaft Spaniens so nachhaltig ruiniert, daß dieser Scheingewinn von 1525 als Startschuß für eine Entwicklung gesehen werden muß, von der sich das Land jahrhundertelang, ja vielleicht bis heute nicht mehr erholte. Während die Wirtschaft Frankreichs vor allem durch die Exporte nach Spanien aufblühte und jene Basis schuf, auf der das Land in den kommenden 150 Jahren zur mächtigsten europäischen Großmacht aufsteigen konnte, dessen Kultur den Kontinent tief prägte.

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Aber man muß historisch gerecht sagen, daß ganz Europa von der Mitte des 15. Jhds. an von einer bis heute nicht ganz erklärbaren Preissteigerung gezeichnet war. Die Bevölkerung wuchs stark, damit das Warenangebot weil die Arbeitsleistung, meinen die einen. Aber alles erklärt die Inflation nicht wirklich. Denn Geld war im Gegensatz dazu ein knappes Gut! Das würde also eher auf Deflation hinweisen. Warum aber stiegen dennoch ab 1460 überall die Preise? Weil die Münzverfälschung (durch Senkung des Edelmetallgehalts) immer häufiger wurde? Heinrich VIII. in England 100 Jahre später konnte sich phasenweise überhaupt nur durch diese Form der Enteignung der Bevölkerung über Wasser halten.

Häufig machte man die entstandenen Großkonzerne - Handelshäuser wie die Fugger, die Hochstetter, oder die Welser - dafür verantwortlich. Denn die Tauschwirtschaft, die zuvor wenigstens den regionalen Wirtschaftsbereich getragen hatte, wurde durch den über den Handeln Europa überschwemmenden Waren aus aller Welt in eine Geldwirtschaft umgewandelt. Der Tod des Feudalwesens, der Tod des alten Landadels war unausbleiblich, die ihre "Einkommen" aus den Lehen seit je in Arbeitstagen und Warenlieferungen bestritten hatten. Alle diese Importwaren konnten aber nur durch Geld erworben werden. Der Geldumlauf stieg überall rasant.

Diese Nachfrage nach Geld (das es nach wie vor nur in Form von Edelmetall gab) machte den Gold- und Silberbergbau enorm profitabel. Aber er war gleichermaßen in den Händen dieser Handelshäuser. Nur die hatten das Investitionskapital. Und die Beziehungen zum Kaiser. Die ersten Arbeiterstreiks brachen 1524 aus, als die Minenarbeiter in der Slowakei und in Tirol (Hall), die ihre Stunde gekommen sahen, höhere Löhne verlangten. Dazu muß man wissen, daß der Bergbau alleine im Reich Karls V. hunderttausend Menschen alleine in Deutschland beschäftigte, deren Familien ernährte. Damit stiegen die Preise weiter, auch für die Waren die die Minenarbeiter kauften. Zugleich kam es lokal zu Aufständen der einfachen Bevölkerung, wie in Südtirol, die ein Vorgehen der Obrigkeiten gegen die Monopolisten verlangten, damit auch sie an diesem Reichtum teilhaben konnten. Und zwar OHNE - wieder: bei Banken, die genau diesen Häusern gehörten! - Kredite aufnehmen zu müssen. 

Nur mit teilweisem Erfolg. 1525 bekräftigte Karl V. im Edikt von Madrid die Politik der Monopole, zumindest gegenüber den Fuggern, diesem Weltkonzern, und einigen anderen deutschen Häusern. Denn die Türken standen in Ungarn, der Papst brauchte ebenfalls Geld um die Ungarn im Abwehrkampf zu stützen, und dieser Bedarf nach Krediten machte die Argmentation der Fugger, daß nur Monopole die hohen und risikobehafteten Investitionen in Minen möglich weil in Summe rentabel machten, ziemlich überzeugend. Aber Karl schätzte überhaupt den Wert der Fuggerschen Bergbauaktivitäten (Gold, Silber, Blei, Quecksilber, Eisen, Kupfer, Zinn, etc.) als Rückgrat der gesamten deutschen Wirtschaft - und seiner Politik! - ein, und damit auch für seine Steuereinnahmen im Land. Die Stimmungslage unter der deutschen Bevölkerung aber wurde immer angespannter.




*151116*

Freitag, 4. November 2016

Selber schuld

Afrikanische (in Spanien darf man sie politically correct nur "Subsaharianer" nennen) Flüchtlinge drangen in Katalonien (Spanien) in Privathäuser ein. Daraufhin schritt die Polizei ein, und es kam zu einem noch ungeklärten Vorfall - ein Neger fiel aus einem Fenster und kam zu Tode. Daraufhin rotteten sich zahlreiche Subsaharianer zusammen, und es entwickelte sich ein regelrechter Krieg mit der Polizei. 

Das hat man eben davon, wenn man zu hilfsbedürftigen Flüchtlingen nicht freundlich und herzlich ist. Wir haben es ja immer gesagt.











*200916*

Donnerstag, 16. Juni 2016

Kampf sehr starker Naturen

Papst Sixtus V. (1521-1590)
Die Abneigung, ja der Haß des Papstes Sixtus V. gegen den spanischen König Philipp II. generell, und gegen dessen Botschafter im Vatikan, Graf Don Enrigo speziell, war legendär und bekannt. Angeblich hat der Ärger über den spanischen Botschafter Don Enrige den Papst sogar ins Grab gebracht, aber das ist wohl übertrieben. Beigetragen hat er aber sicher.

Beide Männer des späten 16. Jhd. waren dabei sowieso höchst unduldsame, reizbare und unnachgiebige, herrische Charaktere. Deshalb schlug die Großmannssucht und Arroganz, die die Spanier an den Tag legten, dem Papst schwer aufs Gemüt, denn er konnte kaum etwas dagegen sagen. Immerhin war das Spanien des Philipps II., in dem er seinem Vater Karl V. als König gefolgt war, so groß und reich und mächtig, daß der Papst schon deshalb stets einen auskömmlichen Weg suchen mußte. Weil er von den Spaniern ja lebte. Aber es fiel ihm nicht leicht ...

In einer in Madrid aufbewahrten Handschrift finden sich etliche Anekdoten, die daraus erstanden und die der spätere Staatskanzler Olivares - eine der wichtigsten europäischen Figuren des 17. Jhd. -, niederschreiben hatte lassen. Und die den Anspruch der Spanier, den sie aus ihrer politischen Macht ableiteten, recht deutlich machen. 

So sei bei Banketten im Vatikan üblich gewesen, daß Botschafter Don Enrige ständig mit der Tischglocke nach Dienern läutete, wenn er etwas wünschte, und ihnen Aufträge erteilte. Das war nicht nur ein Affront gegen die Gastlichkeit, sondern dem offiziellen Protokoll nach war die Tischglocke überhaupt nur den Kardinälen und dem Papst vorbehalten.

Also schickte Sixtus V. einen Diener zu dem Spanier, der ihm die erst noch höfliche Bitte überbrachte, er möge doch fürderhin das Läuten der Glocke unterlassen, es sei Angelegenheit der Kardinäle und Gastgeber, sich um sein Wohl zu kümmern. Dieser höflichen Bitte entsprach der Spanier natürlich nicht. Also schloß sich der französische Botschafter mit einer Petition an (der den Spaniern sowieso nicht wohlgesonnen war). Als auch das nichts nutzte, und um noch eins draufzusetzen, gab der Papst schließlich ein Breve heraus, in dem er Don Enrigo kirchliche Strafen, im Extremfall sogar die Exkommunikation androhte - wenn dieser die Tischklingel nicht in Ruhe lasse.

Der Spanier war empört, und insgesamt dreimal lief er in höchstem Zorn zum Papst, um die Rücknahme dieser Ungehörigkeit zu verlangen. Immerhin sei er der Botschafter des größten Herrschers des Erdenrunds, und der spanische Anteil an den Einnahmen der Kurie betrage mehr als alle übrigen Einnahmen zusammen. Dabei hatte der wütende Spanier sogar noch die wenig charmante Art, sich ständig zu "versprechen", indem der den Papst nicht mit "Eure Heiligkeit" sondern "Eure Undankbarkeit" ansprach. Aber der Papst gab nicht nach, der Spanier durfte fürderhin die Tischglocke nicht mehr angreifen. 

Aber der gab sich keineswegs geschlagen. Denn nun gab er jedesmal, wenn er einen Wunsch an die Dienerschaft hatte, einen Pistolenschuß ab, was nicht nur die Tischgesellschaft in Schrecken und Verwirrung, sondern auch die Nachbarschaft in Rom regelmäßig in hellste Aufregung versetzte. 

Schließlich gab sich der Papst geschlagen. Er sandte neuerlich einen Diener zum Botschafter Phillips II., nachts. Um diesem mitzuteilen, daß der Papst bereit sei, das Privileg der Tischglocke wieder zu gewähren, wenn Don Enrige sich verpflichte, dieses Herumgeschieße mit der Pistole zu unterlassen. 

Seitdem besaßen die spanischen Botschafter beim Heiligen Stuhl das Privileg, die Tischglocke zu bedienen.




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Freitag, 15. Mai 2015

Der erste Genozid des 20. Jahrhunderts

And the winner is ... Nein, werte Leser, nicht die Türkei mit ihrer brutalen Armenierlösung. Nicht einmal England mit seiner Burenlösung, die Buren sind ja kein Volk, es gab ja nur zehntausende Tote. Es ist ... die USA. Nein, auch nicht mit ihrer Endlösung für die Indianer, in der sie ein Volk, dem sie ihr Land abgenommen hatten, jeder Lebensgrundlage beraubten - Land, Bestreitung des Lebens, Sprachverbot, die in den letzten Vollendungszügen lag. Diese Episode unterlag in der Wahl zum "First genocide of century" knapp, weil sie schon vor vielen vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten begonnen hatte. Es ist auch nicht Bulgarien und Serbien mit ihrer Türken- und Makedonienlösung geworden, das war erst 1912. Japan mit seinem Wüten in China. Und Italien mit seiner Äthiopienlösung war überhaupt erst 1935, da könnte man ja gleich mit Hitlerdeutschland und den Juden, oder der Sowjetunion und den Ukrainern kommen, obwohl beide mit 5-6 Millionen die Rotlisten des 20. Jhds. quantitativ anführen, aber erst weit weit nach dem China MaoDseDongs.

Es ist [Trommelwirbel] die USA mit ihrer Philippinenlösung geworden.

Als 1898 der amerikanisch-spanische Krieg mit einem Sieg der USA endete, damit Spanien seine letzten überseeischen Kolonien, die letzten Reste des Reiches Karls V., in dem die Sonne nicht unterging, verlor, hatte sich zuvor die philippinische Befreiungsbewegung, hinter der die Bevölkerung der Philippinen stand, mit den USA verbündet. Dafür war ihnen Unabhängigkeit versprochen worden.

Aber es kam anders. In einer Nacht des Ringens um den Willen Gottes, so wird es beschrieben, hatte der amerikanische Präsident eine Erleuchtung: Er sah die wirtschaftlichen Interessen er USA direkt mit dem amerikanischen Christianisierungsauftrag einer Dank Gott überlegenen Zivilisation verbunden, und da waren die Philippinen das ideale Tor nach China. Ein Land, das zivilisatorisch weit weit unter "Gods own country" lag. Udn damit ist für Puritaner bzw. Calvinisten sowieso jedes Gottesurteil gesprochen. 

Also war Schluß mit lustig, und die ehedem recht nützlichen Freunde waren über Nacht die Feinde des Willens Gottes. Ja, schon, man hatte Bedenken, da und dort, aber die waren ob der Vorteile bald beiseite geschoben.

Also begannen die USA rege militärische Aktivitäten auf den Philippinen zu entwickeln, und die mündeten recht rasch in einen handfesten Krieg, den philippinisch-amerikanischen Krieg von 1899-1902. Und dort machten die USA die nächsten jener Erfahrungen, die dann ihr ganzes 20. Jahrhundert sowieso versalzen sollten: Mit Soldaten, die in Guerillataktik kämpfen, ist nie gut Kirchen essen, sie sind einfach nicht zu besiegen! Und genau das passierte ihnen erstmals (im 20. Jhd.) auf den Philippinen. Das Land war trotz technisch-militärischer Totalüberlegenheit einfach nicht unter Kontrolle zu bringen.

Also erinnerte man sich der Erfolgstaktik aus dem Sezessionskrieg - pardon: dem Humanitätsvollzug zur Wahrung der Rechte der Schwarzen Bevökerung - gegen die Südstaaten 1861-65. Der sich da "verbrannte Erde" nannte: einen materiell unterlegenen Feind, der aber mit hoher Kampfmoral und lokaler Verwurzelung nicht zu besiegen war, konnte man nur niederringen, indem man das ganze Land, seine Güter und vor allem seine Menschen, alle seine Wurzeln also, wenn nötig: das ganze Volk, mit Stumpf und Stiel ausrottete, und alles vernichtete. So wurden damals dank unendlicher materieller und logistischer Überlegenheit die Südstaaten "besiegt".

Und nun die Philippinen. Nach ersten offiziellen Kämpfen erkannten die Philippinen, daß sie der Überlegenheit der USA nicht gewachsen waren. Also ging man zum Guerillakrieg über. Und damit wurden ise nicht mehr faßbar. Wie aber so einen Feind besiegen? Ach, da war doch was ... so ging es.

Systematisch wurde also auch dieses Land plattgewalzt. Man forderte systematisch die Bevölkerung Insel für Insel auf, sich in dafür vorgesehene Camps (!) zu sammeln, und erklärte jeden, der das nicht tat, zum Feind. Dann ging man daran, Felder, Ernten, Wälder, Dörfer, einfach alles niederzubrennen, und jeden zu massakrieren, der sich noch auf freiem Fuß zeigte. Man schätzt, daß etwa 1.000.000 Philippinen, fast ausschließlich Zivilisten jeden Geschlechts und jeden Alters, ein Fünftel der damaligen Gesamtbevölkerung, Opfer dieser Massaker wurden. Die sogar in den USA wegen der Brutalität, mit der sie durchgeführt wurden, gewisses Unwohlsein in den Mägen der Heiligen in Gottes besonderer Sendung hervorrief, als Nachrichten darüber die Morgenzeitungen verunzierten. Auch die Folter, das Waterboarding hat den Traditionssinn der Amerikaner weiter gefestigt.

Schließlich haben die USA auch dieses Ziel erreicht. Die ausgebluteten Philippinen kapitulierten stillschweigend, wenn es auch vereinzelt noch zehn Jahre lang Widerstand gab. (Wie ist uns das doch alles bekannt!) In einem Krieg, der nie ein solcher war - ach, ganz was Neues! - und der deshalb auch nicht in einem Friedensschluß "endete", sondern einfach in vollendeten Tatsachen auslief. Die USA erklärten den nie erklärten Krieg 1902 für beendet, die Philippinen zum Teil ihres Reiches.

Ein Friedensvolk führt keine Kriege. Kriege sind inhuman. Es erfüllt göttliche Missionen. Die sind human.

An Soldaten, an regulären Kämpfern waren in den drei Jahren insgesamt nur etwa 25.000 Opfer zu beklagen, aufgeteilt im Verhältnis 4 : 1 zuungunsten der ehemals spanischen Kolonie. Der militärische Erfolg war also dürftig, aber es reichte durch den Gesamteindruck den sie hinterließen, daß sich die USA 1902 die Philippinen als Kolonie einverleiben konnten. Gerade die USA, die als Land der Freiheit von kolonialer Bedrückung keine 130 Jahre zuvor gestartet waren, angeblich, hatten also Kolonien. Die natürlich anders genannt wurden. Und das blieb im Fall der Philippinen bis 1946 so.

Aber vor allem hatten sie sich ausgezeichnet, den ersten Genozid, die erste Völkervernichtung des 20. Jhds. durchzuführen. Der darauf abzielt, einem Volk nicht nur in seinen Vertretern, Personen nach dem Leben zu trachten, sondern ihm auch jede Existenzmöglichkeit zu nehmen. Die Amerikaner aber haben damit ihre Visitenkarte abgegeben, und sind das gesamte 20. Jhd. ihrer damit proklamierten Sendung treugeblieben. Manche meinen, daß das im 21. Jhd. auch so sein soll.





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Samstag, 28. Februar 2015

Geschichte der Geschichte von der Inquisition (2)

Teil 2) Propaganda ändert den Geschichtslauf eines Kontinents + Der BBC-Film




Dieses katholische Spanien war eben die globale Supermacht des 16. und 17. Jhds., ein Riesenreich, mit finanziell schier unbegrenzten Mitteln, die es den Strömen von Gold und Silber und riesigen Gewinnen aus dem Handel verdankte, die den überseeischen Besitzungen zu verdanken waren. Der Bankrott Spaniens im 17. Jhd. führt sich sogar auf diese inflationären Goldmengen zurück, der keine Produktivität mehr gegenüberstand, weil niemand mehr arbeiten mußte. 10 % der Bevölkerung war überhaupt ins Kloster gegangen, und wer etwas durch Leistung erreichen wollte, ging nach Übersee, wo jeder Mann gebraucht wurde und es an Aufgaben nicht mangelte.

Eine Macht, die es zu zerstören galt, deren Feinde - und damit Unterstützer jeder Form von Bekämpfung, also auch der Verleumdung - zahlreich waren und vor keinem Mittel zurückschreckten. Bis hin zu Lügenlegenden wie jene des von König Philipp II. angeblich ermordeten eigenen Sohnes Don Carlos, die sich über Bühnenwerke bis in unsere Tage (Filme!) als brauchbares Vehikel eines recht neuzeitlichen (quasi sogar "demokratischen") Revolutionsgeistes so verbreitet hat. Wie ja überhaupt unser Bild von der Vergangenheit extrem von einer jede historische Wahrheit völlig auf den Kopf stellenden Propaganda revolutionärer Bewegungen der Neuzeit geprägt ist. Wie sehr, ist uns überhaupt nicht bewußt, denn wer ist schon an einer historischen Wahrheit interessiert, die die Wohltaten der Gegenwart als Selbstbelügung entlarven würde? Diese Gegenwart lebt nachgerade von einer dämonisierten Vergangenheit, woraus sie ja die Legitimation für "Neuerungen" schöpft. 

Den größten politischen Coup landete die Gegenpropaganda freilich, als sie im 16. Jhd. durch Flublätter die Lüge verbreitete, Spaniens Inquisition würde gar die Vernichtung aller häretischen Bevölkerungen Europas betreiben. Damit wurde die Haltung ganzer Länder Spanien gegenüber maßgeblich beeinflußt.

Aber Inqusitionsbeamte waren universitär ausgebildete Rechtsexperten, oft nicht einmal Priester! Sie als fanatische, dunkle Kleriker darzustellen, denen es nur um grenzenlos sadistische Folter ging, die jeden staatlichen Henker um Längen übertraf, war eine bewußte Verleumdung, die sich in einer Art Verschwörungstheorie versiegelte. Aufgrund der Probleme des Riesenreiches entwickelte sich die spanische Rechtswissenschaft seit dem 16. Jhd. so, daß sie dem Rest von Europa um Jahrhunderte vorauseilte. Nicht zuletzt wurde in Spanien ein Völkerrecht entwickelt, das in seinen Grundzügen bis heute als maßgebend angesehen wird, und noch 200 Jahre später französisch-englische koloniale Rechtsfindung in den Schatten stellte.
Daß die Inquisition also sogar einen enormen Rechtsfortschritt markierte, und ihre Motive keineswegs im Dunkel bösartiger Priestermacht liegen, beweist alleine die penible schriftliche Dokumentation, die für jeden Fall angelegt wurde, und eine Aufarbeitung auch heute möglich macht.*   

Tatsächlich wurde, wie historische Forschung ergibt, die Folter nur sehr selten eingesetzt. Alleine von den 7.000 Úntersuchungsfällen in Valencia (über all die 350 Jahre) wurden nur knapp 2 % auch der Tortur unterworfen, die nie länger als 15 Minuten dauerte, die nur bei der Hälfte auch wiederholt wurde. Keinen einzigen Fall gab es, wo sie aber öfter als zweimal eingesetzt wurde. Im übrigen war Follter ein in ganz Europa bis ins 18. Jhd. übliches Befragungsmittel, das sich weit exzessiveren Gebrauchs erfreute, als durch die Inquisition. Die Aktenlage ergibt eindeutig, daß die Inquisition die Tortur deutlich weniger einsetzte, als jede staatliche Rechtssprechung, die sich gerne uns heute unfaßbar grausamer Mittel aus nichtigsten Anlässen bediente.

Dazu kommt, daß schon die rein personell dürftige sowie die damals mangelhafte technische Ausstattung (Reisemittel, oder das schlechte Straßennetz der damaligen Zeit), dazu das komplexe Geflecht von Privilegien und gesellschaftlichen Sonderrechten unter der städtischen Bevölkerung, Macht und Einfluß der Inquisition sehr beschränkt hielten. Außerdem traf sie (nicht zuletzt durch die Gerüchte und Verleumdungen) immer mehr auf eine "Mauer des Schweigens" in der Bevölkerung. Die heutige Vorstellung, sie hätte die gesamte spanische Gesellschaft in der Hand gehabt, ist völlig unhaltbar: ihr fehlten Mittel, Machtstellung und Möglichkeiten. Schon gar nicht konnte sie Herrscher beherrschen.

In Spanien gab es weniger Verurteilungen wegen Häresie, als im gesamten übrigen Europa, und außerhalb von Spanien gab es überhaupt nur ganz wenige Verurteilungen aus diesem Grund. Nirgendwo hatten Verdächtige rechtlich derartig "saubere", redliche Verfahren zu erwarten. Alleine in England oder Frankreich gab es je das Vielfache an Todesurteilen wegen Glaubensabweichungen.

Die spanische Inqusition war regelrecht "human", und lehnte die meisten der in Europa öffentlich üblichen Methoden strikt ab. Sie regelte in Instruktionen peinlich genau, welches Mittel wie eingesetzt werden durfte. Selbst die Gefängnisse der Inquisition waren die "besten" von ganz Spanien, ja sie weigerte sich oft sogar, staatliche Gefängnisse weden der dortigen furchtbaren Haftbedingungen zu nutzen, wenn sie keine eigenen hatte. Es gab Fälle, so die BBC-Dokumentation, in denen Häftlinge in öffentlichen Gefängnissen absichtlich Blasphemien äußerten, um in die Gefängnisse der Inquisition überstellt zu werden. Während umgekehrt nicht wenige Inquisitionsbeamte die Sinnhaftigkeit von Folter überhaupt anzweifelten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Vorwürfen der Hexerei, die im Volk eine große Rolle spielten, stand sie sogar grundsätzlich sehr kritisch, ja ablehnend gegenüber, war auf jeden Fall ihrer Rechtsbildung gemäß beweisorientiert. Und lehnte Hexenglauben dann grundsätzlich als Wahn und Aberglauben ab.

Bis spätestens im 18. Jhd. die Inquisition völlig nebensächlich wurde, und sich um Dinge wie Alkoholismus oder "Schwören in einer Kirche" befaßte. Die gesellschaftlichen Veränderungen Europas hatten auch in Spanien längst zugeschlagen. Als die Propaganda ihren Höhepunkt erreichte, im Frankreich der Revolution des 18. Jhds., war die Inquisition schon völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, bis sie im 19. Jhd. offiziell aufgelöst wurde. Aber der Mythos der Inquisition wurde wieder und wieder bemüht, als Symbol für Unterdrückung und Despotie, die durch ein moderneres, aufgeklärteres Europa besiegt werden mußte. Bis sie, bis dieser Mythos in den Systemen des Kommunismus sowie im Amerika der 1950er Jahre erstmals jene furchtbare Gestalt annahm, die man zuvor als instrumentalisierbaren Inbegriff des Schreckens ... erfunden hatte.







*Niemand Geringerer als Heimito von Doderer, ein Historiker im buchstäblichen Sinn, übrigens, nicht nur im metaphorischen als Schriftsteller, meint, daß aus seiner Beschäftigung damit allfällige Mißbräuche vor allem dort auftragen, wo persönliche Süppchen gekocht wurden, mit nicht seltem sexuellem Hintergrund.
**Internet, Twitter, social media sind deshalb als weitere Zuspitzung dieser Frage keineswegs "neutrale Möglichkeiten", sondern bewirken einen neuen, gewaltigen Protestantisierungsschub. Und zwar wie der Buchdruck durch die Natur ihres Selbstseins, keineswegs einfach durch "verbalisierte Inhalte". Darüber wurde hier schon eingehend gehandelt. Aber noch mehr als beim Buchdruck, wird dies - ein schweres Versäumnis, nicht nur der Kirche! - nicht gesehen oder ausreichend rezipiert.
***Auch die Geschichte von der sogenannten "Päpstin Johanna" entstand in diesem Umkreis. Übrigens mit einer Motivation, die heutige Motive, diese Geschichte aufzugriffen, grotesk erscheinen läßt: Diese erfundene Geschichte sollte nämlich die Kirche deshalb desavouieren, unglaubwürdig machen, weil sie zeigen sollte, daß die Kirche so schlecht war, daß sogar Frauen den Papstthron erlangen konnten.
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Freitag, 27. Februar 2015

Geschichte der Geschichte der Inquisition (1)

Nach wie vor sind im britischen Raum historische Einblicke ihrer Objektivität und oft vor allem ihrer globalen Betrachtungsweise von auffallend höherer Qualität als solche aus dem hiesigen Sprachraum. Zumal heute. Dieser BBC-Bericht aus der Reihe "Timewatch" behandelt die spanische Inquisition, die im Volksmythos zum Inbegriff des Bösen in der Kirche, ja DER Kirche geworden ist. Nichts ist aber ferner von der historischen Wahrheit. Und es ist empfehlenswert, diese nüchternere, faktenorientierte Aufarbeitung des Themas zu sehen, das die geläufigen Meinungen zu dem Thema als Unsinn entlarvt. Sodaß selbst die hier angegebenen 3-5000 Opfer in Spanien während ihrer Dauer über 350 Jahre als Schätzung zu hoch gegriffen sein dürfte. Fazit des Films: Nirgendwo in Europa brannten WENIGER Scheiterhaufen mit Ketzern (darunter nur wenige, schließlich ja gar keine Hexen mehr), als in Spanien, und nirgendwo war die Stellung von Abweichlern im Glauben eines Landes rechtlich besser. Und das ist ein Verdienst ... der Inquisition. 

Und dennoch hat sie ein unausrottbares Image als Inbegriff von religiösem Fanatismus und grausamer Bösartigkeit. Während über die weit schlimmeren Zustände im restlichen Europa, das über denselben Zeitraum gerechnet an die 150.000 Glaubensabweicher (und Hexen) verbrannte bzw. exekutierte, niemand mehr spricht. Die historische Wahrheit scheint nach wie vor niemanden zu interessieren, nach wie vor werden Filme etwa produziert, an deren Machern historische Fakten spurlos vorbeigegangen sind, die lediglich den völlig falschen und vielfach instrumentalisierten Mythos davon aber perpetuieren. Wie kam es dazu?

1469 erfolgte erstmals seit der Zeit der Römer die Einigung Spaniens durch Heirat Ferdinands von Aragon mit Isabella von Kastilien. Aber es war damals allen klar, daß es eine politische Union auf Dauer nur geben könne, wenn auch die Religion des Volkes einheitlich war. Deshalb wurde 1480 eine Institution geschaffen, die diese Klärung auf einen Glauben, das Christentum, beobachten sollte - die Inquisitionsbehörde. Ganz Europa gratulierte Spanien zu dieser modernen Einrichtung, denn ganz Europa war derselben Ansicht wie Praxis, aber nirgendwo war das Vorgehen gegen Ketzer so fortschrittlich-human geregelt.

Daß sich auch viele Juden (denen anders die Ausweisung drohte) recht pragmatisch arrangiert hatten, weil sie anders wenig Aussicht auf gesellschaftliche hohe Positionen hatten, wurde mit zunehmendem (und gewiß nicht einfach unberechtigtem) Mißtrauen beobachtet. Mit dem Aufkommen des Protestantismus aber drohte eine dramatische Spaltung, wie sich an Deutschland sehen ließ, die auch dort direkte politische Auswirkungen hatte, welcher Umstand ja der Verbreitung des Protestantismus durch Hilfe der Fürsten nicht unbedingt hinderlich war. Sieht man von den beträchtlichen materiellen Gewinnen ab, die die durch die Ausschaltung der Kirche mögliche Konfiskation von Kirchengütern (die der Kirche aus genau umgekehrten Gründen ja dereinst zugewachsen waren: weil nur durch die Kirche eine Verwaltung, eine Kulturisierung des Landes möglich war, wozu sie auch ihren materiellen Unterhalt leisten können mußte, also teilten die Fürsten und Könige ihr Land und Vermögen zu) den Landesherren einbrachte.

Es war zudem die von allen, vom Volk wie von der Kirche, erwartete Aufgabe als "Verteidiger des Glaubens", die die habsburgischen Kaiser, allen voran Karl V., dazu zwang, Maßnahmen gegen die Zersplitterung der Kirche zu setzen. Aber die Reformatoren waren höchst effizient in ihrer Protestantisierungskampagne - sie nutzen erstmals höchst effektiv das neu aufkommende Medium des Buchdrucks, das nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Buchdruck und Protestantismus bedingen einander regelrecht.** Erstmals waren ganz neue, höchst effiziente Methoden der Propaganda zur Beeinflussung von Meinungen im Volk möglich. Im Grunde also: ein heimtückischer Weg einer indirekten, heimlichen Auseinandersetzung über Ideen, der das damaligen Empfinden von Ritterlichkeit, als Ethik der Auseinandersetzhung mit offenem Visier, aushebelte, und sei es mit Verleumdung. So verhielt sich kein Mensch mit Ehre und Ritterlichkeit.

Der Protestantismus, der sich vor allem in deutschen Gefielden rasend schnell ausbreitete, erkannte Spanien und die Habsburger als Bollwerk gegen seine Ausbreitung. Was eignete sich da besser als Spanien, seine Inquisition und den Katholizismus gleich mit zu dämonisieren? Mythen wurden in die Welt gesetzt, die klare Verleumdungen waren.*** Auch über die Inquisition, wie 1567 von unbekannter Hand unter dem Pseudonym Montanus. Auf diese rasch und weltweit verbreitete Schrift geht das heutige Bild der spanischen Inquisition, aber auch das Bild des Spanien seit der beginnenden Neuzeit zurück. Als Hort der Gier, des Neides, der Intoleranz, ja des Terrors und der Grausamkeit.



Morgen Teil 2) Propaganda ändert den Geschichtslauf eines Kontinents + Der BBC-Film




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