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Mittwoch, 19. Juni 2019

Aber wen interessiert das?

Der Harvard-Mediziner Dylan Griswold weist auf eines der zahllosen Lügengespinste hin, das sich um die Abtreibung rankt. Einer der folgenschwersten davon ist die, daß Abtreibung eine Vorbeugebehandlung gegen die Sterblichkeit von Müttern/Frauen ist. Deshalb (und das hört man oft) sei eine "sichere, hygienische, medizinisch fachmännisch" durchgeführte Abtreibung ein probates Mittel. Immerhin war die angeblich so hohe Dunkelziffer der früher elegant "Engelmacher" genannten, nur unter der Hand gehandelten Abtreibungsspezialisten eines der Hauptargumente für die Straffreistellung der Abtreibung. Die offiziell ja in unseren Ländern nach wie vor als "Mord" eingestuft, aber eben von allen strafrechtlichen Folgen freigestellt wird.

Griswold weist darauf hin, daß auch hier (wie praktisch immer) die Statistik als Argumentationsgrundlage völlig versagt. Weil Statistik aus sich heraus nie etwas beweisen kann. Sie kann bestenfalls belegen, stützen, nicht Ursachen- und Wirkungszusammenhänge beweisen. 

Deshalb ist der Ansatz, den Griswold hernimmt, auch zielführend. Er kritisiert, daß die offiziellen Statistiken der USA, die diese "medizinisch gebotene Prävention" (Sarkasmus not off) legitimieren, völlig irre sind. Sie vergleichen nämlich den Prozentsatz von Müttern, die bei der Geburt ihrer Kinder sterben (derzeit 1,6 Prozent) - ohne den Zusammenhang mit den lebenden Kindern herzustellen - mit dem Prozentsatz von Frauen, die bei der Abtreibung sterben (0,6 Prozent), wo es im übrigen ja immer einen Toten gibt. Das ist aber buchstäblich der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Eine konkrete chirurgische Maßnahme, die behauptet, daß sie "sicher" und "besser" sei, wird mit einem natürlichen Vorgang verglichen.

Ach ja. Das hatte der Leser wie der VdZ wohl auch nicht im Visier, daß überhaupt Frauen bei der Abtreibung sterben? Von den schweren psychischen Folgen für die Frau in fast allen dieser Fälle wollen wir dabei noch gar nicht reden. Er wird dann aber noch weiter überrascht sein, daß diese Zahl bei weitem untertrieben ist. Warum? Weil Frauen mit Post-Abtreibungs-Tod so gut wie gar nicht in den offiziellen Abtreibungsstatistiken aufscheinen. Denn die meisten sind bei Komplikationen (Sepsis, Verbluten, Embolien etc.) bereits zu Hause, und treten Schwierigkeiten auf, werden sie in Notaufnahmen und Ambulanzen von Spitälern eingeliefert. Und dort wird dieser Zusammenhang gar nicht hergestellt oder statistisch erfaßt. Oder die Frauen verschweigen ihn, oder sehen ihn möglicherweise nicht einmal. Nur 26 US-Staaten (von 51) versuchen wenigstens, solche Zusammenhänge statistisch zu erfassen, aber die Daten sind auch dort mangelhaft.

Wie aber eine Langzeituntersuchung in Chile, wo man zwei lange Perioden zum Vergleich hat - 1957 bis 1988 (legalisiert) und 1989 bis 2007 (unter Strafe gestellt) - ergab, wirkt sich die Freigabe der Abtreibung aber überhaupt nicht auf eine niedrigere Frauen- bzw. (man würgt bei dem Wort in diesem Zusammenhang) Müttersterblichkeit aus. In Chile hat man beide Perioden verglichen, und wirklich gründlich untersucht, welche Frau in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt wie und warum starb. Das Ergebnis? Es gibt keinen Unterschied. Ob die Abtreibung legalisiert ist oder nicht - die Sterblichkeit ist gleich hoch. 

Die Freigabe der Abtreibung aber hat auch die Müttersterblichkeit um rein gar nichts gesenkt. Der einzige Unterschied ist ganz anderer Art: Ob es medizinisch und durch sachgerechte Information der Mütter eine gute Versorgung gibt, um damit Komplikationen bei Schwangerschaften zu begegnen. Nur so sinkt die Müttersterblichkeit. Die Freigabe und Organisierung der Abtreibung (bei der die Todesrate für einen der beteiligten Menschen 100 Prozent beträgt) hat damit nichts zu tun.

Nur - wen interessiert das? Es geht und ging bei der Abtreibung doch immer um etwas ganz Anderes. Und schon gar nicht um Tatsachen. Sondern um ins Diabolische abgeglittene, psychologisch gegründete, und lediglich mit einem dünnen Schleier umgarnte Bösartigkeit, die in der Annihilierung des Menschen ihr Ziel haben. Abtreibung ist ein ideologisches Symbol, sonst nichts. Und dafür wurde und wird gelogen, daß sich die Balken biegen. 

Und die Höllenöfen anheizen.

Übrigens: Die nunmehr von Trump (sic!) befeuerten, vom angeblich katholischen Oberstrichter Kavanaugh mit initiierten Abtreibungsgesetz der USA machen nicht nur die immerhin noch bestehenden Abtreibungsverbote in einzelnen US-Staaten obsolet, sondern sie öffnen die Tür für eine Groteske: Sie öffnen die Tür für ... "private", also nicht einmal medizinisch fachgerecht ausgebildete Engelmacher. Nicht, daß die schlechter oder besser wären. Sie zeigen nur, wie dämonisch die Abtreibungsbefürworter in ihrem Wesen sind. Für Abtreibungsärzte aber kann es nur die Todesstrafe als schuldausgleichendes, reintegrierendes und mit dem logos versöhnendes Sühnemaß der Gerechtigkeit geben.





Mittwoch, 4. April 2018

Alle Begegnung braucht Adaptionszeit

Auf einen Artikel von Klaus T. Gärtner weist der VdZ gerne hin. Er schlägt in dieselbe Kerbe wie an dieser Stelle lange schon angerissen wurde. Und wendet sich gegen die primitive Schwarz-Weiß-Malerei der Ökologiebewegten, die pausenlos mit Meldungen daherkommen, was nun alles wieder giftig und gefährlich sei. Und die Welt in Gifte und Nicht-Gifte einteilen, in Wahrheit aber, so Gärtner, einfach keine Ahnung haben. Also macht man es sich einfach. Da gibt es dann eine gute Welt hier, und eine böse Welt dort.

Aber kann es das überhaupt geben? Kann es etwas geben, das Gott geschaffen hat, das NICHT gut ist? Nein.* Und es stimmt, was Paracelsus einmal sagte: Alles (!) ist Gift (oder nichts ist Gift). Es kommt nur auf die Dosis an. Mehr noch, müßte man ergänzen: Es kommt darauf an, daß alles in eine vernünftige Ordnung gestellt wird. Gefährlich kann kurzfristig nur werden, wenn die Anforderung zur Anpassung zu rasch und zu groß ist. Die Dinge brauchen meistens einfach nur Zeit, um sich aufeinander bzw. auf Veränderungen einzustellen.

Gärtner zeigt als Beispiel jüngster Forschungsergebnisse (der Leser mag die Details nachlesen), was damit gemeint ist. In der Wüste von Atacama (Chile) haben sich nämlich Forscher damit auseinandergesetzt, wie es das geben kann, daß die dortigen Indios Wasser trinken, das nach herkömmlicher Meinung so schwer arsenverseucht ist, daß es jeden Elephanten umhauen würde. Wie kann es das geben, daß diese Menschen dieses Wasser seit je und je trinken, und nicht daran sterben? Kann man sich an Arsen gewöhnen, und plötzlich wird es nicht mehr toxisch?

Genau so ist es. Die Forscher fanden im Körper der Indios Anpassungsmechanismen, die uns bislang unbekannt waren, die aber jeder Mensch hat. Es kommt zu einer Konstellation von Enzymen und zellularen Vorgängen, die Arsen problemlos verarbeiten können. Warum das ein Vorgang sein soll, der "Evolution" bestätigt, ist dem VdZ zwar schleierhaft (und auch Gärtner sieht das nicht), denn Anpassungsprozesse sind sogar das Wesen des Menschen, ja der gesamten Schöpfung - sie ist eben ein ungeheures Mosaik der Zueinanderpassung - aber das kann man ja überlesen. Manchmal wird eben aus Schlechtem auch Gutes.

Natürlich, müßte man ergänzen, hat die Anpassungsfähigkeit eine gewisse Bandbreite. Die sich aus dem Wesen der Dinge, der Lebewesen ergibt, die in Begegnungen stehen. Aber speziell beim Menschen, diesem Wesen halb Engel - halb Tier, begabt mit Geist und Vernunftfähigkeit, ist diese Bandbreite im Sinne des Sein-Wollens aller Dinge (als vornehmstem Daseinsgrund) enorm.** Auch hierin zeigt sich die essentielle Bedeutung der Verwurzelung in einen Raum, in eine lokale Gesellschaft für den Menschen. Adaptieren kann sich nur, was überhaupt einmal etwas ist, und "ist" ist dynamisch, heißt damit "sein wollen".

Dieses ganze Ökogeschrei ist zu allergrößten Teilen, wenn nicht an sich, das widerliche Greinen von Kindern, die sich gegen das Erwachsenwerden wehren, und ihre habituelle Unsittlichkeit über einen falschen Objekt-Begriff rationalisieren wollen.




*Deshalb ist auch die Frage der "Umweltzerstörung" schlichtweg grotesk. Man kann gewisse Bereiche außerhalb einer bestimmten menschlich gewollten Ordnung stellen, ja, aber was daran schlecht sein soll ist nicht nachvollziehbar. Es läuft nur nicht innerhalb des menschlichen Gestaltungsauftrages, der die Welt nach und nach restlos ordnen sollte.

**Was bei solcher Aussage immer notwendig ergänzt werden muß ist, daß das Menschsein auch und vor allem ein Dasein ALS Kulturwesen ist. Denn sonst ist solche Aussage sofort mißbraucht dazu, daß sein Dasein quasi beliebig bestimmbar wäre. Also auch mit jeder Kulturverfremdung kompatibel ist. Genau das ist es eben nicht. Der Mensch braucht - weil er dazu bestimmt ist - eine BESTIMMTE Kultur. Auf die zu, in die hinein, aus der heraus er Mensch wird und wurde. Insofern gehört es zum Menschsein, SEINE Kultur (die im Dialog mit der konkreten Lokalität entstand und entsteht) zu bewahren und sogar zu verteidigen.






*240318*

Freitag, 9. Februar 2018

Was für eine Verhuntzung!

Herrschaften, was soll das denn? Da verkaufen die Chilenen doch glatt den Radetzkymarsch als Preußischen Militärglanz! Geht es noch verrückter, noch naturwidriger? Da muß doch jedem Flötisten der Zeigefinger abbrechen. Was für eine kulturlose, kulturfremde - wohl ideologisch verdrehte - Verhuntzung! Das Österreichische war dem Preußischen so wenig verwandt wie das Chilenische dem Abendland. Den Radetzkymarsch (sogar noch mit Schellenbaum und Stechschritt!) zu preußisieren ist eine Schandtat an der Kultur überhaupt. Wer die Kultur nicht in sich hat, muß sie eben voluntaristisch draufschnalzen. Der Österreicher schlendert bei diesem seinem Marsch, und ist doch präzise. Er braucht keine Diktate. Er bleibt immer im Spiel, dem Wesen der Kultur. Das Preußentum war (spätestens seit Bismarck) primitive Kultursimulation.

Dies hier ist aber überhaupt erbärmlich. Nein. Beleidigend lächerlich.










*250118*

Samstag, 3. September 2016

Totalitarismus geht immer erst auf die Familie (2)


Teil 2) So wird der Mensch hilflos, so wird Sexualität zur Perversion
- Der Trailer





So hat er je die Männer und die Frauen auf eine andere Art hilflos gemacht, jeweils verstärkt durch einen jeweiligen Männer- und Frauenkult. Damit errang wie bewahrte er die totale Macht über sie, weil sich diese Menschen nicht als Personen - als für-sich-Stehende, als freie Menschen - finden konnten. So hat er sie zur Alltagserfahrung der Verwundbarkeit gebracht, die ihre gesamte existentielle Stärke nur noch aus dem Führer als dem Ursprung alles Gesollten bezogen. Eine Dynamik, die sich dann natürlich zu einer realen Macht unter den Mitgliedern gefügt hat, die ihm alle "freiwillig" folgten und alles taten, um ihn zu stärken und zu schützen. Alle? Bis ... auf die "Klugen". Schäfer wußte, daß jene seine wahren Feinde waren, die immer noch genug Kraft hatten, um selbst und nach eigenem Werthalten zu urteilen.

Die sexuelle (und notwendig perverse, weil mangels entsprechendem Personalrahmen nie natürlich sein könnende) Note, die solch eine Konstellation fast unausbleiblich erhält, denn es ist der Eros, der überhaupt zur Welt drängt (alles Tun und Handeln des Menschen kann als erotischer Akt gesehen werden, in gewisser Hinsicht hat Freud das nicht falsch gesehen), ist dann nur noch folgerichtiges Beiwerk.* 

Und was der Film nicht zeigt, hier aber wichtig wäre um das Ganze dieser (bzw. einer) Sekte zu begreifen (und darin dann noch mehr zu sehen, daß die Argumentation hier recht zutreffend ist), ist die sexuell-perverse Dimension, die dieses ganze Projekt in der historischen Realität hatte. Denn beim Mißbrauch der Knaben durch den dort gottgleich gestellten Schäfer ist es ja bei weitem nicht geblieben, aber das spart der Film (vielleicht nicht ganz zu Unrecht) aus, man muß es sich dazudenken, man sollte es wissen. (Dann erhält etwa das Bellen und drängende Drohen der Hunde eine ganz andere, nämlich die wirkliche Note, die es hatte.)

In dem in den Kindern bereits ausreichend unselbständige, hilflose Wesen heranwuchsen, denen die Familie als jener Boden fehlte, auf dem sie sich in die Welt bewegen konnten weil wagten. Denn auch ihnen ist die Familie jener intime Raum des Höchstpersönlichen, Intimen, ohne den der Mensch gar nicht zum Menschen werden kann, also unerfüllte (wenn auch nie ganz zum Ruhen zu bringen, weil ontisch verankerte) Anlage bleibt.

Noch ein Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben, er ist nämlich in all diesen Überlegungen entscheidend:  Die Proponenten (und auch an der Figur Ursula zeigt es sich) überstehen die Zeit in der Colonial Dignidad nur deshalb, weil sie zum einen ihr Zueinander haben, noch mehr aber: Ein Ziel, das NICHT in der Colonia als solche bleibt, sich NICHT (alleine oder primär) darauf bezieht. Dieser entscheidende Aspekt wird auch bei Familien heute schon viel zu oft schon übersehen. Denn man kann sogar sagen: Das Wohl und Wehe einer Familie gründet darin, daß sie ein Ziel hat, das IN DER WELT liegt. Es ist erst diese Aufgabe, die Identität wirklich begründet, und damit den Rahmen für die Freiheit der Person darstellt. Auch, ja gerade Familie ist kein Selbstzweck! Sie hat in ihrer Organizität die erste und eigentliche Welt- und Kulturaufgabe! Es ist deshalb der Beruf des Mannes, der eine Familie gründet, hält und leben läßt - oder die Familie degeneriert selbst dort, wo sie scheinbar "intakt" erscheint. Von dieser Aufgabe her ergeben sich dann die konkreten Forderungen, Lebens- und Erziehungsrahmen in einer Familie.



Der Trailer zum Film "Colonial Dignidad"






*Natürlich kann die auch politisch-praktische Instrumentalisierung, die die Colonial Dignidad hatte, all die unaussprechlichen Schrecklichkeiten die sich dort abspielten, auch um zukommende Menschen zu brechen, nicht zur Gänze hier erörtert werden. Nur so viel: Wesentliches Beiwerk solchen Brechens ist das Auseinanderreißen individuellen Willens, also subjektiven Gewissens, und gesollten Tuns. 

Und hier haben wir die ganze Aktualität dieses Totalitarismus - in einer Zeit, in der das "Gesollte" vom Einzelnen nicht mehr beurteilbar wird, die "allgemeine Meinung" (Medien!) von seiner subjektiven Gewissensbasis abweicht, und sich das zu Tuende somit seiner Beurteilungsfähigkeit (angeblich oder wirklich) entzieht, aber durch ausreichend vollgepackte Verwerfungsvisionen (Apokalypse bei Klimawandel ist nur ein Beispiel dafür) zum Totalen priorisiert wird. Auch das ist nur möglich, wenn die familiäre bzw. eheliche Integrität zerstört, nicht mehr heilig gehalten ist.

Dazu doch noch eine kleine Andeutung: Dieser Einbruch in die Intimität und Werte- wie Urteilsbasis der Familie wird heute von bzw. in den einzelnen Familienmitgliedern bereits aufgebrochen, vor allem in Frauen und Kindern. Ein schweres politisches und gewolltes Verbrechen, in dem die Mitglieder der Familie als zuerst der Allgemeinheit gegenüber vereinzelt geprägt werden. (Deshalb hat keine Schule, nichts das Recht, GEGEN elterlichen Willen zu agieren.) Damit treiben sie entpersönlichte Allgemeinheit in die Intimität, sprengen diese auf, und berauben jedes einzelne Familienmitglied der notwendigen Unantastbarkeit des Familiären. 

Der Mensch findet sich - wie bei Schäfers Colonial Dignidad -  immer und in jedem Moment in einem Außenverhältnis. (Konkret hat hier etwa die gängige "Psychologie" als Verhaltensmaßstab, zu dem sie geworden ist, Jahrhundertverbrechen zu verantworten.) Versucht er dies durch Abschließung (etwa einer "Exclusivität" einer Gottesbeziehung) aufs letzte Minimum zu reduzieren, geht er entweder den höchsten und schwierigsten Weg der Heiligkeit (in einem opferschweren Totalverzicht auf Welthaftigkeit), oder er wird unweigerlich verrückt. In dieser Hinsicht kann man sogar sagen, daß unsere Gesellschaften einer Colonial Dignidad bereits erschreckend ähneln.





*260716*

Freitag, 2. September 2016

Totalitarismus geht immer erst auf die Familie (1)

Recht zufällig bekam der VdZ dieser Tage den Film "Colonial Dignidad" zu sehen. (Ein Trailer ist unten angefügt.) Anhand des Schicksals eines jungen Liebespaares, wo der Mann im Chile der Putschereignisse des Jahres 1973 verhaftet und gefoltert wird, und sich seine Freundin dazu entschließt, freiwillig in diese "Colonial Dignidad" einzutreten, um ihn herauszuholen.

Aus einer Sekte, die von einem Deutschen namens Paul Schäfer gegründet und jahrzehntelang sogar als vielgerühmte "pädagogische Vorzeigeinstitution" betrieben wurde. Der sogar die deutsche Regierung ihre Anerkennung aussprach! Was ihr horrorfilmartiges Treiben 40 Jahre mit quasi offiziellem Segen (und von General Pinochet gerne genutzten praktischen Seiten) umso leichter möglich machte.

Die Geschichte der Entwicklung solcher so gut wie immer ursprünglich protestantischen Sekten ähnelt sich überall, und ihr Hintergrund, ihre Genese, ihre psychogenen Wurzeln wird in Literatur wie "When Men become Gods" (die spektakuläre Geschichte von Warren Jeffs in den USA; auch dazu gibt es einen Film, auch er hat ähnliche Schwächen wie "Colonial Dignidad") und vor allem "Emanuel Quint" von Gerhart Hauptmann gut angerissen. Will man sich nicht von der theoretischen Seite nähern. Was zumindest in gewissem Rahmen notwendig sein könnte, denn der VdZ ist nicht sicher, ob sich die tatsächliche Problematik aus diesen Filmen und Büchern ausreichend erschließt, wenn man die Sache nicht schon theoretisch kennt.

Aber dazu ist hier ja auch schon einiges geschrieben worden. Aus erwähntem Film (mit guten Daniel Brühl und Emma Watson in den Hauptrollen als erwähntes Paar) soll nur ein Aspekt herausgegriffen werden, der der Schlüssel zu solchen Vorgängen ist. Er wird im Film zumindest erwähnt, dargestellt leider zu wenig, daran scheitert er und beschränkt sich auf einen sehr spannenden, technisch geschickt zugespitzten Plot, der einen phasenweise mitzittern macht.

Aber eine solche Terrorherrschaft ist nur möglich, wenn bis aus Einzelfiguren alle auch mittun. Das ist hier nicht zu übersehen. Nun kann man fragen, wie es denn kommen kann, daß Menschen sich so weit verlieren, daß sie so einen Wahnsinn freiwillig (!) mitmachen? Im Film sagt es Schäfer: Es geht nur, wenn man die Menschen aus ihren familiären Bindungen herauslöst. Denn dann stehen sie im Nichts. Vor allem Männer und Frauen, die nicht in ehelichen Gemeinschaften gebunden sind, sind in dieser Unvollständigkeit leichte Beute. 

Nur im Zueinander als Ehepaar erhält der (einzelne!) Mensch jene Ganzheit, in der er auch der Welt in Freiheit gegenüberstehen kann. Fehlt diese Gebundenheit, fehlt die Integrität und Intimität dieser Ganzheit, kippt der Mensch in eine Richtung, die man als "Extrem" der jeweiligen Mann-Frau-Polarität bezeichnen könnte. Der Mann wird autoritatistisch (nicht: autoritär; Autorität hat er ja gerade nicht!), er wird brutal und grenzenlos in seiner Gewalt. Während die Frau extrem unterwürfig und wesenlos wird. Beiden fehlt also das, was überhaupt "Personsein" ausmacht. Das eben die Ehelichkeit überhaupt erst bringt - der Mensch wird als Ehepaar erst (Einzel-)Person! 

Das zeigt sich auch in übergreifenden seelischen Strömungen, die das jeweils Fehlende eben ersetzen. Dann wird die Frau zur voluntaristisch-brutalen Sadistin, genau so wie der Mann (in seiner Weichheit) in die Homosexualität zurückfällt, sich darin auflöst. Die Frau braucht eben das Wort des Mannes, der Mann die bergende, aufgelöste Seite der Frau. Nur in dieser vertrauenden Ergänzung werden sie jeweils zum Menschen, wenn auch je mit anderer Gewichtung, und darin zur ersten und realistischen weil realen Welt- und Gotteserfahrung eines ihnen allfällig geborenen Kindes. 

Was die Nebenfigur der Stationsschwester "Ursula" als Figur fast noch interessanter macht. Denn sie ist bereist als Kind mit ihren Eltern dieser Kolonie beigetreten, von diesen damit im Stich gelassen und der Sekte ausgeliefert worden. Ihre Wende, ihre "Rückbesinnung" auf sie selbst wird dadurch plausibel, weil sie sich mit einem Folteropfer einließ, das sie zu retten versuchte, und von diesem schwanger wurde. Damit wurden ihre Selbstkräfte neu aktiviert - in der Liebe und Sorge UM jemanden.

Der Mensch wird damit aber eben kein vereinheitlichendes oder vereinheitlichtes Gemisch, sodaß beide "gleich" würden (diese bedauerliche Fehlentwicklung ist leider heute auch und gerade bei gutmeinenden Polaritätsdenkeren häufig zu finden), sondern von je einer anderen Spitze her gehalten und durchdrungen, also mit je anderem Geschmack, und mit je anderer Gesamtgestalt. 

Erst im ontologischen Verhältnis (als Beziehungsfeld) dieser Spitzen ist dann auch das begründet, was man "Hierarchie der Geschlechter" nennt. Denn der Mann ist logos-zentriert, die Frau materia-zentriert, und nur insoweit bzw. darin sind sie aufeinander ausgerichtet. Denn diese jeweiligen Pole können nicht für sich bleiben, sie müssen in der Vereinigung zusammenschmelzen, ohne aber das jeweilige Eigensein aufzugeben. Als Organismus ist es damit der Mann, der der Welt - als Gestaltpanorama und Realisat des logos - begegnet, und von der Intimität der Familie fernhält, diese tatsächlich beschützt.

Deshalb hat Schäfer auch klar die Geschlechter separiert und einander ferngehalten. Männer und Frauen durften nicht frei und nach subjektiven Urteilen und Gefühlen miteinander verkehren. Subjektive Gefühle waren ohnehin ein Hauptgegner, und die in dieser Gemeinschaft erlebten Realität ohne Relevanz, außer daß sie dem Gesollten hinderlich sein konnten.


 Morgen Teil 2) So wird der Mensch hilflos, 
so wird Sexualität zur Perversion
 - Der Trailer




*260716*

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Emotionale Momente

Ich erlaube mir, ohne weiteren Kommentar aus dem Bericht aus dem Kurier einige Passagen zu übernehmen:

Der siebenjährige Sohn des ersten Geretteten brach in Tränen aus, als die Sirene die Ankunft von Avalos ankündigte. Chiles First Lady Cecilia Morel umarmte und tröstete ihn, bis er den lange vermissten Vater endlich in die Arme schließen konnte.

Mario Sepulveda, der als zweiter gerettet wurde, umarmte seine Frau, dann alle Umstehenden, verschenkte aus dem Stollen mitgebrachte Steine und führte dann seinen inzwischen legendär gewordenen Freudentanz auf.

Der einzige Bolivianer unter den Kumpels, der 23-jährige Carlos Mamani, wirkte dagegen nach dem Ausstieg aus dem Lift eher verschüchtert. Präsident Pinera hielt - eine diplomatische Meisterleistung - zu seiner Begrüßung ein bolivianisches Fähnchen in der Hand.

Mario Gomez, mit 63 Jahren der älteste Kumpel, fiel nach seiner Bergung zunächst seiner Frau Liliane in die Arme und dann auf die Knie. Er betete inbrünstig und dankte Gott für seine Rettung.

Lobos Ramírez, der 53-jährige ehemalige Fußballstar bekam von seiner Tochter einen Fußball geschenkt und begann gleich nach seiner Rettung ein kurzes Spiel mit den Rettungshelfern.

Besonders emotional auch der Moment als Ticona Yañez aus dem Bohrloch geborgen wurde. Er hatte ungeduldig wie kein anderer auf seine Rettung gewartet, nachdem er erfahren hatte, dass seine Tochter zur Welt gekommen war. Er hatte seine Frau gebeten, sie auf den Namen Esperanza (Hoffnung) zu taufen.

Als letzter Kumpel entstieg der Schichtführer und "Boss" genannte Bergarbeiter Luis Urzua Iribarren der Phönix-Rettungskapsel. Er hatte in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beigetragen. Urzua wollte erst alle Männer gerettet wissen, bevor er sich selbst auf den Weg nach oben machte. Er wurde mit frenetischem Jubel empfangen und vom sichtlich ergriffenen Präsidenten Sebastian Pinera umarmt. "Sie haben Ihre Aufgabe erfüllt", sagte Pinera. "Ich gratuliere Ihnen, Sie sind ein guter Kapitän."

***

 Neulich in London, im Büro von "Harper's Invest Fund - Highest rates ever" 

Die Stimme des Traders klang rauh, angeschlagen, eine heiße Nacht lag hinter ihm. Und schon häckselte das Handy den nächsten Anrufer durch den Äther.

Yeah?!
John, it''s Hans, Hans Weikheim, from Deutsche Bank, You remember...?!
Oh, Häns, how ...
John, to make it short, I haven't much time. It will be not possible for us to hold some more stocks of ..
Yeah, I know, it was too emotional, just wait for some days, it will calm down, and stock rates will go up again, just calm down, John, You don't understand. Here, in Germany, tenthousands of simple workers have invested in our funds, and they expect that their montly rents will be secure, and not be secure, just to rise, they founded their life plans on Your fund, You understand? They have a right for earning highest possible interests on their money.But You can be sure, rates will go high again! In some months the item is gone and forgotten, and copper will rise and rise and rise, just now!, be assured, ...
John, sorry, but we must withdraw our money.
All 200 Millions?
All.

But ... but ...

AND, John, there are ethic reasons, You understand? We cannot invest our German money, from thousands of honest workers, in copper mines in Chile again, not for some years, You understand.
And - where?
We'll will go to Bolivia. Uranium, You know? The rate is about 8 per cent a year, constant for years, and all analysits are sure that there nothing will happen in their mines, adequat to this horror-accident in Chile!
Kay, kay ... understood.
See You? 
See You.

*141010*