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Dienstag, 20. Dezember 2022

Fest ist Kult der Erinnerung

Louzis Trenker sagt den heutigen Jugen wohl kaum nosch etwas. Und wenn doch, dnan als Produkt der Verbildung, lassen wir das. Wir, aus meiner Generation, sind freilich mit diesn Namen noch aufgewachsen. Louis Trenker ist damals noch in den Fernseh-Shows aufgetreten, und hate immer durch seine Erinnerungen, die er lebendig zu erzählen wußte, beeindruckt.

Das war zu Zeiten, als die, die sich erinnerten, schon alleine durch die Fähigkeit dazu hohen Respekt genossen haben. Es waren also nicht die Zeiten, in denen die Jungen sich verbildet und charakterlich verdreckt von den Alten abwandten, und behaupteten, daß sie denen "ncihts, rein gar nichts zu verdanken" hätten, weil sich "alles selbst erarbeitet" hätten. Und so weiter.

Nein, es waren aner Zeiten. Die Menschen waren noch nicht so dumm. Und wenn ich mich mit warmem Herzen an so manches Schjöne aus meiner Vergangenheit erinnere, so nehmen die Feste den hervorragendstgen Platz ein. Die in der Erinnerung zumindest immer eines waren: Eine Versammung der Alten, die dann erzhlten. Und wir Jungen, wir saßen da, mucksmäuschenstill und ohne Bedürfnis, um nur ja den Erzählfluß nicht zu stören, der uns da wie mit warmen Daunen zudeckte.

Freitag, 4. November 2022

Wenn Mütter gar nicht singen, werden Kindertränen zu Kritikertiraden

Da singt eine Mutter für ihr Baby, und der Sentimentalitätspapp einer spezifischen Gutmenschenart jubelt es zu irgendeinem Beweis hoch, der bewegen soll, aber nur Knöpfe aufruft, wie es sich zu fühlen hat, wenn man bewegt ist. Umso mehr, als Kindlein am Ende des kurzen Videos zu weinen beginnt. Aber das hat seinen Grund.

Wir, werter Leser, Sie und ich, wir wissen, warum es weint. Weil die Mutter so schlecht singt. Nein, gar nicht singt. Sie belkt. Und das tut einem unverfälschten (wenn auch noch nicht gebildeten, das heißt der Wahrheit der Natur zugeformten) Gehör, also noch gar nichts hört, sodern nur irgendwelche Sinnesdaten geliefert bekommt, ohne daß es sich wehren kann. (Die Sinne - Tastsinn als erster, Schmecken als zweiter, Gehör als dritter, das Riechen als vierter - sind unbedingt und leidend und deshalb besonders physiologisch prägend. Nur das Sehen kann der Mensch abschirmen, es ist also der Letztgereihte der Sinne - weil der Voraussetzungsreichste.)

Mittwoch, 14. September 2022

Der Mann, der die Medizin neu erfand (1)

Es war einmal ein Junge, der mit seinem Vater kreuiz und quer durch diedamals schon Vereinigten Staaten fuhr. Und der dabei besonders den noch recht rauhen Westen liebte. Weil der noch keine Ordnung hatte, sich darin also dem alle Chancen auftaten, der die für diesen revolutionären Traum vom selbstgeschaffenen, niemandem zu verdankenden Glück so grundlegende Eigenschaft der Skrupellosigkeit pflegte.

Aus der sich dann auch die Wertelandschaft dieser Ansammlung menschlich Entwurzelter und Haltloser so herrlich am Magnet von Erfolg und Geld (manche nannten das früher Mammon, die aber im Calvinismus zum Signum der Erwählung durch Gott selbst geworden war) ausrichtete.

Wo fand man sonst noch auf der Welt eine jungfräuliche Landschaft, in der der Aufwand, die Einheimischen zu vertreiben so gering, der Ertrag aber umso höher war. Weil es nicht nur darum ging, Erfolg zuhaben, sondern man auch die Kriterien, nach denen etwas Erfolg und Glück war, selbst bestimmen konnte. 

Dienstag, 16. August 2022

Die nicht-normative Kraft des Faktischen

Ungewöhnliche Thesen an dieser Stelle zu lesen ist der Leser ja vielleicht schon gewöhnt. Er sei vergewissert, daß dahinter keine "Methode" (vielleicht, um Interessantheit zu evozieren) steht,. Sondern sie entstammt der schlichten Tatsache, daß (wie William M. Briggs es in seinem aktuellen Buch ausdrückt) "alles, was wir heute glauben, falsch ist."

Das schicke ich der Antwort auf die Frage von Leser T voraus, der da wissen möchte, was die gegenwärtige Situation der USA mit dem Bürgerkrieg von 1861-65 zu tun haben solle, wie hier zu lesen steht. 

Guter T, so viel, daß ich mich stark beschränken muß, sonst haben wir hier den nächsten hyperlangen Artikel, und er wird kaum reichen. Weil wir dann das Prinzip des sogenannten "Amerikanismus", wenn nicht sogar das des "Universalismus" aufarbeiten müßten. 

Donnerstag, 17. März 2022

Kann man es so sehen?

Der Vorteil einer neuen Beziehung ist (oder wäre), daß man vieles, das bislang an der Identität mühsam, unbequem und unangehm war, nun über Bord geworden werden kann. Sodaß das Selbst ganz neu aufgesetzt werden kann. Eine neue Beziehung bringt eine neue Identität. Wer träumte deshalb nicht von der Möglichkeit, das alte Leben hinter sich zu lassen, und völlig neu beginnen zu können? Ohne Vergangenheit, ohne Belastungen, ohne Verbindlichkeiten.

Bleibt die Frage, ob das überhaupt möglich ist. Denn was der Mensch baut, was Welt überhaupt ist, ist seinem Wesen nach Erinnerung. Wieviele neue Beziehungen - ob zu Menschen, zu Dingen, zu Institutionen, einfach egal wozu - scheitern genau an der Illusion, man könnte eine Welt "neu aufsetzen". Und enden dort (oder würden dort enden), wo das Alte geendet hat.

In kaum etwas irrt der Mensch so wie im Glauben, er könne "sich ändern." Und ich kenne niemanden, den ich über all meine Lebenszeit kenne oder kannte, dem das je gelungen wäre. Das einzige, das sich ändert, sind die Strategien, sich und anderen etwas vorzulügen. Aber selbst die Strategien folgen alten Grundmustern.



Mittwoch, 9. Februar 2022

Weil Gott ein Gott der Lebenden ist, ist er nur im Guten Sprechen, dem BENE-DICERE (3)

Das Ziel dieser explosionsartig verbreiteten Sprechmode ist der Tod - Eine Auffassung, die gar nicht so selten ist, wie die weltweit eineinhalb Milliarden Muslime zeigen. Deren höchste bildnerische Darstellung deshalb ... das Wort selbst ist. Das Wort und - die Art, in der es auftritt. Deshalb kann es gar keinen in andere als das Urarabische des Koran "übersetzte" Heilige Schrift der Muslime geben, und deshalb muß auch der Koran auf eine bestimmte Weise gesungen werden. (Siehe Anmerkung***)  

Wenn der Leser nachdenkt wird er feststellen, wie viele der heutigen Anschauungen von dieser Grammatik geprägt sind, die sich in der Betrachtung der Entwicklung des Sprechens wiederfinden. Und zwar ursächlicher, als viele glauben wollen. Nicht nur das, herrscht sogar auch hier über alles übergreifend der fatale Irrtumm, daß diese Mängel der Rede "rhetorische Mittel" seien, die einen vorgeblichen Inhalt verstärken oder überhaupt erst darstellen sollen. Die sich als Mängel schon dadurch ausweisen, daß sie einem Nachgeben entsprechen, also keine Höherführung der Form bedeuten, die dann in einer Haltung wieder "leicht" weil selbstverständlicher Brauch - usus - werden soll. 

Dienstag, 8. Februar 2022

Und warum Gott beim Sprechen auch nicht aufstößt, rotzt und schmatzt (2)

Und warum Gott beim Sprechen auch nicht aufstößt um das klimaschädliche CO2 freizusetzen, und warum er auch nicht rotzt und schmatztHalten wir nun einmal fest, was sich in dieser Sprechweise aufführt. Und das ist vor allem eine ungeheure "Transparenz" des Mediums, des Sprechenden selbst. Der alles verrät, sei es über seine Seele (Psyche), sei es über seine Stellung im Raum (Autorität, Selbstwertgefühl, Absicht mit der Rede und Gefühle, Erwartung der Anerkennung im Auditorium, ob er sich also mit diesem überein sieht oder das erwartet, Selbstanspruch auf Wahrheit und Bedeutung, etc.) Nichts also, auf das in sich er Sprechende transzendiert, kein Kostüm, hinter dem er verschwindet. (Siehe Anmerkung**)

Nun hat das zum einen sicher mit der technischen Entwicklng zu tun. In der Mikrophone in einem wahren Quantensprung schon dem schnuckeligsten Laien um wenig Geld eine rechnische Durchgängigkeit aufdrückt, die irrtümlicherweise als Qualität angesehen wird. Weil sie eben immer rückhaltloser ALLES erfaßt und (über eine noch weiter "optimierende" Speicherstufe) auf die Wiedergabequelle überträgt. Darin zeigt sich dieselbe Verquertheit des wirklichkeitsbegriffs, der sich in so vielen Begriffen wiederfindet, die zu einer Art Katalog des Guten und Wünschenswerten zusammengefunden wurden. Mit "Natur" und "Natürlichkeit" ganz oben auf der Liste. 

Dienstag, 19. Oktober 2021

Beim Lesen von Adolf Portmann (2)

Zwischen Tod und Blüte.Noch eine für jeden Evolutionisten (der immer ein Materialist ist) unlösbare bzw. prinzipiell und notwendig falsch gelöste Vorstellung der menschlichen Gegebenheiten ist zu erwähnen, und es ist beileibe nicht die letzte oder einzige. Es geht um die Unterscheidng zwischen "Vererbung" und "Vorgegebenheit" kraft Schöpfung. 

Der Mensch hat bzw. ist im Moment seines Geschaffenwerdens eine Grammatik der Ontologie, die sich aus Beziehungsarchetypen etc. etc. zusammensetzt, die auch "Archetypen" genannt werden (können), wie etwa C. G. Jung es machte (und Portmann, natürlich, auch er hält den Begriff zumindest für vorübergehend tauglich.)

Montag, 18. Oktober 2021

Beim Lesen von Adolf Portmann (1)

Es hat etwas von Karneval, wenn man den Menschen mit Termini und Methoden der Biologie beschreibt. Betrachtet man ihn wie es Portmann tut - als nicht abgeschlossene Stufe der Evolution als naturimmanentes Entwicklungsgeschehen - dann fehlen aber für die bei ihm als hervorragendsten Phänomene beobachtbaren Wesenseigenschaften (siehe Anmerkung*) die wirklichen Wurzeln, Gründe, Motive und realen Orte der Präsenz.

Das führt zu völlig verfehlten Begriffsdeutungen, wie man am Beispiel ERINNERUNG so gut sieht. Die bei Portmann wie überhaupt bei allen Biologisten (Biologen) wie ein "Speicher" gesehen werden muß. Über dessen Ort gestritten wird, seit diese neue Anthropologie vor 100, 140 Jahren aufgekommen ist. Wo findet sich diese Erinnerung? Im Fleisch? Im Gehirn? Im Frontallappen? In einer Struktur und Verlötung von Synapsen? In immer komplexer werdenden, schließlich über mehrere Ebenen, fast schon Dimensionen - zumindest müßte man eigentlich so denken, ohne sich vorstellen zu können, wie und wo das stattfindet - Synapsenkomplexe?

Sonntag, 26. September 2021

Die drei Phasen der Weltgeschichte (3)

Die Dynamik der Welt zeigt sich in unseren nicht bewußten Antrieben. Weshalb eine Suche nach Ereignissen, die den archetypischen Topoi gleicht, sinnvoller ist als jede Alternative. Die Mythen der Welt sind (trotz der Notwendigkeit, sie von Überlagerungen zu reinigen) wahrer als unsere Geschichtswissenschaft. - Drei Phasen haben wir im Wesentlichen vor uns. Die alle unter einer einzigen Grundthematik stehen, die der tiefste Treibsatz der Menschheit und ihrer Geschichte sind. Und diese Geschichte ist das Verhältnis des Menschen zu Gott. Aber nicht nur das: Zwei dieser Phasen, wie ich sie oben in ganz ganz grobem Überflug aufreiße, haben ein Spezifikum. Es sind Menschheitsepochen, die "Satan" gehören. Er ist der Herr der Welt, er ist die Schlange, die die Menschheit (als ecclesia, als Braut Gottes) in die Ferse beißt. Was heißt, daß sie dort zubeißt, wo der Mensch es nicht bemerkt, daß er in seiner Standfestigkeit elementar getroffen wird. 

Die Tatsache, daß einem Menschen die für ihn schwersten, beeinträchtigendsten Sünden am schwersten erkennbar sind, weil sie zugleich sein rationales Erkenntnisvermögen BILDEN, wird hier bald aufgegriffen. Denn das ist mit dem Biß in die Ferse gemeint. Ohne Eingriff von außen - Gnade bzw. der Topos "der rettende Ritter", während die Menschheit (die ecclesia) und die ihr gehörende (=unter ihren Namen gestellte) Welt die jungfräuliche Prinzessin, die Braut des Retters ist - ist das Aufbrechen dieses Gefängnisses deshalb fast unmöglich. 

Ohne Gott ist der Mensch zu dem verdammt, was man nüchtern konstatieren muß: Der NORMALZUSTAND des Menschen - ALLER MENSCHEN und seit dem Sündenfall - IST DIE LÜGE. Noch im mildesten Format ausgedrückt ist es DER MANGEL AN WAHRHEIT. Das tägliche Bett, in das wir uns morgens beim Aufwachen legen, ist die Ruhestatt des verlogenen, eingebildeten Kranken, in der die Welt an uns vorbeidefiliert. Es würde mich nicht wundern, wenn Molière das auch erkannt hatte. Die Luft, die wir alltäglich atmen und zu der wir WELT sagen, ist vergiftet.

Samstag, 25. September 2021

Die drei Phasen der Weltgeschichte (2)

Die Epoche nach der Sintflut als finales Drama von Menschheit und Erde. Die Phase nach der Pause hat im vierten Akt die Peripetie der Schöpfung in der Geburt Gottes. Was wir seither erleben sind nur noch die verzweifelten Rückzugsgefechte des Herren der Welt. - Als nach der Sintflut die Wasser abliefen, und damit noch einmal enorme, aber - zur Erinnerung - der "Zeit" unterliegende Veränderungen in der Erdoberfläche - man denke an den Grand Canyon in den USA - sowie in den Meeren bzw. durch sie hervorriefen, fanden sich unter allmählicher Beruhigung der Erdoberfläche und des Lebenden, das auf ihr wieder Fuß faßte, im Gebiet der östlichen Türkei die letzten Überlebenden an Mensch und Tier. Noah und seine Familie, das heißt die drei Söhne Sem, Cham (der "Heilige"), und Japhet, die alle jeweils einen der drei großen Menschheitsströme begründet haben. Was? Drei? Auch wenn es aufs erste kaum glaublich scheint: Es ist eine statistische einfache Übung die zeigt, daß diese 4.000 Jahre reichen, um bis heute 7 Milliarden zu zählen. Beim berühmten Josefs-Groschen, der heute fünf Sonnen voller Gold wären, glauben Sie es ja auch, werter Leser.

Vom Fuße des Kaukasus aus begannen sie und die Tier- und Pflanzenwelt, diese teils durch menschliche Kultur, teils "wild", sich fortzupflanzen und über die Welt auszubreiten. Für Europa glaubt der VdZ immer mehr, daß sich ein exemplarischer Ablauf anzeigt. Ging Cham vom türkischen Hochland aus nach Westen, ging Sem nach Süden, und Japhet nach Osten. Diesen besonders merkwürdigen Ort, an dem schon Kain seine Stadt-Zivilisation der Hoffart und wurzellosen Unrast, der Schmiede, Waffen, Kriege und Macht begründete. Die in ihrer Kain-itischen Unrast dann sogar Amerika erobert hat. Und ... bis heute beherrscht.

Freitag, 24. September 2021

Der Verlust der Welt (2)

Aus dem Sehen wurde das Messen. Aus der Welt wurde ein technisches Gestell, und das Weltall begann wegzufliegen. - Diese Wahl - weg vom Naturforscher, hin zum Scientisten - wurde in ihren Grundweichenstellungen schon im 13. Jahrhundert beginnend, und endgültig in der Renaissance des 16. Jahrhunderts getroffen. Das innere Vorstellungsleben, wie es seit Descartes zum eigentlich Menschlichen erklärt wird, hat überhand genommen, während die Welt und ihre Gestalten verloren gegangen sind. Aus dem Wirklichen der Dinge, die in ihrem in-der-Welt-sein gesehen werden, das bestimmt ist von ihrer Beziehung zur Welt und zu einem selbst, wurde eine "gemessene" Größe und Einschätzung!

Aus dem unbedingten Wahrsein eines "Du bist mir nahe!" wurde ein Abstand von 82 Zentimetern, als wäre das eine Aussage von Wert. Und aus dem "Du bist mir nahe, auch wenn Du weg bist" wurden 700 Kilometer, von denen der eine dann sagt, sie seien viel, der andere also gar nicht nahe sondern fern, weil er 8 Stunden Fahrzeit rechnet (und die Welt der Orte als Beziehungsknoten in Fahrzeiten gegliedert hat), und der andere, der New York zum Wohnsitz hat, findet den Weg von Wien nach Stuttgart einen Katzensprung, zumal er mit dem Flugzeug fliegt, in dem überhaupt die Qualität von Raum und damit die Beziehung zum Zielobjekt zu einem ganz großen Teil buchstäblich verschwindet.

Ich saß in der Kirche und plötzlich wurde mein Blick in die Runde gezogen, zu den Bildnissen, Statuen, zur Muttergottes über dem Altar, der - im Bilde deutlich - aus ihrem Schoß stammt.

Die drei Phasen der Weltgeschichte (1)

Eine ganz andere Geschichte - Die Archäologie und Paläoarchäologie hat schwer damit zu kämpfen, daß sie die Schichten noch auseinanderhalten kann, auf die sie stößt, und die aus drei globalen, großen, und mehreren kleineren (dabei ebenfalls globalen) Katastrophen kosmischen Ausmaßes steht. Nachdem sie aber über kein taugliches Geschichtskonstrukt verfügt, also einer völlig falschen Erzählung folgt, mit der die entdeckten Tatsachen nur bei Ausschluß größter Evidenzen in "Übereinstimmung" zu bringen sind, wird sie daraus auch keinen Ausweg finden. Ihr Beitrag zur Selbstfindung des Menschen durch Kenntnis der eigenen Vergangenheit, die ohnehin schwer durch einen progressiv zunehmenden Verlust der Erinnerung getroffen ist, wird also immer dürftiger und nähert sich der Irrelevanz. Sprich: Was immer sie erzählen, es ist leeres Geschwätz.

Nur einige wenige Ausreißer, oft genug in der Ecke der Phantasten, und die fast alle aus dem Lager der Außenstehenden stammen, durchbluten noch das über weite Strecken ausgetrocknete, im wahrsten Sinn inspirationslose Narrativ.

Donnerstag, 23. September 2021

Der Verlust der Welt (1)

Er sagt es so sanft, wie es einem wirklichen Wissenschaftler ansteht, voller Ehrfurcht vor der Wahrheit, voller Zurückhaltung, weil man so wenig wirklich fest sagen kann, und voller Dezenz und Feingefühl, weil man niemanden ungerecht angreifen oder verletzen möchte, und am beeindruckendsten: Mit unendlich viel Respekt und Ehrfurcht vor der Natur, die so voller Geheimnisse und extrem komplexer Strukturen steckt, an deren Wahrheitsoberfläche die Wissenschaft nur ganz ganz wenig zu kratzen vermag.

Aber umso überzeugender ist das Lamento, das Adolf Portmann, dieser große Naturwissenschaftler, 1957 in seinem großartigen Buch "Biologie und Geist" wahrscheinlich ohne es zu wollen komponiert. Und in dem er den Schrecken formuliert, der ihn befällt, wenn er die Entwicklung der Naturwissenschaften als Ganzes betrachtet. Das gesamte Bild, der Rang, die Stellung des Naturwissenschaftlers hat sich nämlich seit dem 19. Jahrhundert völlig auf den Kopf gestellt. 

Bis dahin waren Leute wie Humboldt, Linné und wie sie alle hießen auch bloß "NaturFORSCHER".

Dienstag, 18. Mai 2021

Als wär's nie dagelegen

Von Leser R erreichte den VdZ dieser Tage ein herzerwärmendes Schreiben. Immer wieder einmal, so R, blättere er in diesem einer Enzyklopädie gleichkommenden Blog auch in alten Artikeln. Und während er so suche, so R, bleibe dann sein Auge irgendwo hängen. Er lese und lese ... und könne nicht mehr aufhören. Denn die Artikel seien dermaßen gut, daß es ihn umhaue. So wie dieser da, der vor ziemlich genau zehn Jahren veröffentlicht wurde. Und so schickte diese treue Leserseele auch noch eine Reihe weiterer Artikellinks mit, die seiner Meinung nach einer Relektüre immer wieder wert seien.

Naja, dachte der VdZ, warum also nicht auch Ihnen, werter Leser, erneut servieren? Ich meine, wer kann das schon alles lesen, hier liegen (immer noch) an die 10.000 Artikel bereit. Und auch der VdZ liest so manches Büchlein ja wieder und wieder, und gar nicht so selten kommt es ihm vor, daß er das, was er da sicher schon einmal gelesen hat, die Anstreichungen und Bemerkungen legen einen Eid dafür ab, zum ersten Mal vor Augen hat. 

Es ist ein schönes Zeugnis dafür, daß die Zeit jeden Menschen verändert. Einmal als Zeit alleine, nur durch die Dauer und das eigene Gewöse in der Seele, und dann durch die Verbindungen mit der Welt, dem also, was man Geschichte nennt. Und so manch eines Tages findet man also dann ein und dasselbe Ding unter völlig anderem, neuem Licht, als hätte man eine Neuentdeckung gemacht. Plötzlich liegt da etwas vor einem, das man noch nie - ich schwör's! - gesehen hat. Weil es sicher - und wie! - nicht "da" war. Und wie zeitgemäß es wirkt!

Jaja, Erinnerung und Zeitgemäßheit. Als hätte das etwas miteinander zu tun ...

Donnerstag, 10. September 2020

Dinge, die zusammengehören

Bei vielen Indianerstämmen des amerikanischen Westens, beschreibt P. Wilhelm Schmidt in seiner "Geschichte des Eigentums", wird der Besitz des Verstorbenen nach seinem Tod vernichtet, ins Grab gegeben oder an Fremde verschenkt. Nur eher selten findet sich etwas, das man mit "Erbgut" bezeichnen könnte, also nach verschiedenen Gesichtspunkten hinterlassen und weitergegeben wird. Die Begründung ist weitgehend überall gleich: Man will den Schmerz vermeiden, indem man alles vernichtet, was an den Toten erinnert. Und das ist manchmal sogar das ehemalige Familienhaus. Sein Leichnam sowieso.

Es ist interessant, daß in unseren Kulturen das Auftreten der Verbrennung von Toten nicht nur mit dem Auftreten des Atheismus als Weltanschauung, sondern gleichzeitig mit den Gedanken der Verminderung oder Umverteilung eines Erbes durch Steuern gleichzeitig auftritt.*
Etwas, das bei uns tatsächlich weil massiv in den späten 1960er, frühen 1970er Jahren durch politisch initiierte "Gesellschaftsreformen" einsetzte.
Nicht nur das, auch die Schlechtsprechung des Überkommenen, die Beladung der Tradition - auch das eine Auslöschung der Vorfahren - als Wurzel allen Übels mit Schuld, die in einem nächsten Schritt deren Beseitigung verlangt. 

Wie sie bei uns weitgehend noch in Einzelfällen, (auch wenn diese immer häufiger werden), in den USA bereits als Großbewegung stattfindet, von Denkmälern, Benennungen von Orten, und generell von Erinnerungsstellen erfolgt.  

Alles läuft auf dasselbe hinaus: Eine Auslöschung der Ahnen. Deren Folgen man bei den erwähnten Indianerstämmen exemplarisch ablesen könnte: Mit der Vernichtung und Ausschaltung des Erbes (als aktivem, präsenten Teil der jeweiligen nachfolgenden Gegenwart) hört jede Entwicklung auf.

Das ist auch dort der Fall, wo Kriege oder Seuchen oder Naturkatastrophen die physisch gewordenen Errungenschaften der Vorfahren (Häuser, Gebäude jeder Art, oder generell Einrichtungen des Erwerbes wie Staudämme, Stallungen usw.) vernichten. Was bis zum Sprichwörtlichen "Anfangen bei Null" gehen kann. 

Eine Haltung, die sich aber über kurz oder lang auch in einer Geringschätzung der jeweiligen Gegenwart äußert. Wer erfährt, daß der Mensch - also auch er selbst - nichts zu schaffen vermag, das über der Zeit steht, aus ihr herausgehoben ist, und damit ihn selbst überdauert, erfährt sich selbst, sein Leben, und somit auch das Leben seiner Nächsten als unbedeutend.

Weshalb eine Agenda zu oben genannter Gleichzeitigkeit von Erscheinungen unbedingt fehlt: Das der Verhütung von Nachwuchs einerseits, und das von seiner Auslöschung durch Abtreibung (also Eugenik) anderseits.


*Anfang der 1970er wurde auch im (wie Gesamtösterreich zum damaligen Zeitpunkt) von der SPÖ dominierten Geburtsort des VdZ (Amstetten in Niederösterreich) am Hauptfriedhof der Stadt ein "Krematorium" errichtet. So wurde der damals errichtete Neubau wenigstens kommuniziert, und das vertrat er somit für die Bevölkerung. Obwohl es noch so gut wie keine Einäscherungen gab! Die wurden damals nämlich noch als öffentliches Bekenntnis zum Atheismus gesehen, und das wollte niemand abgeben. 

(In Wahrheit wurden freilich damals wie heute Kremierungen in Niederösterreich nur in einigen zentralen Verbrennungsanstalten durchgeführt. Der Bau enthielt also - neben einer WC-Anlage - lediglich Räumlichkeiten zur Zwischenlagerung von Särgen, sowie einen angeschlossenen "neutralen" Einsegnungssaal, der wahlweise "Kapelle" oder "Verabschiedungssaal" hieß. Vom Aussehen her trug der Bau freilich schon den an einen Industriebau erinnernden Charakter eines Krematoriums, wie man es sich eben vorstellt.)



*240820*

Mittwoch, 12. August 2020

Eine geheime Leidenschaft

Zugegeben, der VdZ hat eine sehr geheime Leidenschaft, die durch dieses ihm von Leser K zugespielte Video aufgedeckt werden könnte ... Autos. Vor allem alte Autos. Aber nicht nur. Schöne Autos. Schöne Linien, elegante Innenraumgestaltung.

Welche Kategorie fast immer zugunsten alter Autos urteilen läßt, denn noch vor fünfzig Jahren hatte jede Otto-Normalverbraucher-Kutsche einen Innenraum, den die Gegenwartsautos nicht annähernd erreichen.

Genieße der Leser (sofern er diese Leidenschaft ein wenig teilt) einfach diese Bilder von einem Veteranentreffen im 21. Wiener Gemeindebezirk. Und vergesse er all das Sprachsurren, das so unsinnig ist, aber mit "Auto" verbunden wird.

Und schwelge er in Erinnerungen, wie es der VdZ tut, an Zeiten, in denen Autos einfach schön und aufregend sein durften. Und somit (wie jeder Besitz) in die Welt ragender, Welt herstellender Teil der Persönlichkeit allgemein verstanden und begriffen war. Sodaß auch Technik dann SCHÖN sein kann.
Und der Leser möge nicht kirre werden. Nach wie vor (wie denn anders!?) gilt, daß das Gute und Wahre im Schönen sichtbar wird. Daß es also keine Trennung von Gut und Schön gibt. Sondern daß der sicherste Weg zum Guten der über die Schönheit ist. Schönheit wiederum ist aber kein ästhetisierendes Irgendwie, vielleicht gar relativ niedergequatscht, sondern der Glanz, das Aufblitzen des Himmlischen auf der Erde. An dem nichts, wahrlich nichts falsch sein kann! 
So wie ein Häßliches, so wie etwas, das nicht von der Idee des Schönen AUSGEGANGEN ist, wo also nicht irgendeine Behübschung für ein vorgeblich und umso dringlicher durchzusetzendes Gutes gesucht werden mußte, niemals GUT sein kann. 
Fällt dem Leser denn nicht auch auf, daß (deshalb) Gutmenschen ausnahmslos häßlich oder in (oft lächerlich getarnten) kleinbürgerlichen Schönheitsbehauptungen erstarrt sind? 
Heutige Automarken - und ach, wie viele wunderbare Automarken sind in den letzten fünfzig Jahren verschwunden! welch' Unternehmensgeist, welch' schöpferisches Potential wurde dadurch zerstört! - können hingegen nur noch durch die Aufschriften unterschieden werden.
Welch' Tod des Unternehmertums, zugunsten eines abstrakten, technizistischen Geschäfts- und Gewinnmodells. Das mehr von Politikwünschen via Bestechung denn durch Hingabe an das eigene Tun geprägt wird.
Der VdZ hat den Verdacht, daß Automobilvereine mehr, ja weit mehr für das Durchstehen des Abendlandes tun als jede noch so durchtrieben auftretende Renovations- und Aktions-Initiative. Denn sie reformieren - im wahrsten Sinn! - die Fundamente, weil sie an der wahrlich fleischlichen, realen, konkreten Basis des Menschseins ansetzen und für dessen Durchblutung sorgen.

Oder spürt es der Leser nicht auch so seltsam warm im Bauch werden, wenn er solche Bilder sieht?




Hier noch mehr. 



*300720*

Dienstag, 11. August 2020

Über den Umgang mit Aphorismen (2)

Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden



Dies eingedenk, sehen wir Versuche, wie sie William M. Briggs über Twitter durchführt, mit einer gehörigen Vorsicht.

Der Leser möge das oben Gesagte selbst einbedenken, wenn er Nachrichten wie die Folgenden liest, in denen Briggs wie einen Aphorismus eine Aussage (nicht nur) über den Journalismus trifft.

Deren Formproblem mehr noch als bei deren "Entstehung", wie Briggs (oder zuvor Thomas von Aquin - Briggs "reitet" auf dessen Worten, so wie alles Sprechen das Reiten auf einem geliehenen Pferd ist) zu einem geistigen Problem wird. Dessen Spuren in der seelisch-sinnlichen Welt, in der konkreten Realität sohin, nur dann erkennbar sind und werden, wenn wir im Geiste das wirklich Wirkliche und damit Umfassende Ganze - Gottes Wort und Wissen ist der einzig sinnvolle Deutungshorizont der gesamten Dinge innerhalb der Schöpfung, ist LOGOS - begriffen haben.
Schriftlichung ist als Ensemblierung von Bildern, deren Inhalt "im Unsichtbaren Dahinter" steckt, die Aneinanderreihung von Repräsentanzen von wirklichen Dingen, deren Abstraktionsgrad nur dem zugängig ist, der die Entschlüsselungsmaschine für Symbole bei sich hat und bedienen kann.
Greifen wir Briggs Twitterbotschaft also exemplarisch heraus. Stellen wir dabei die Art ins Zentrum der Betrachtung, in der er mit einer großen Wahrheit aus dem Munde des "Engelischen Lehrers", also von Thomas von Aquin, umgeht. Die wir freilich schon durch die Transponierung in dieses Format - das eines zusammenhängenden, überhaupt erst Text seienden Textes - verändert haben. Weil eben ein Text, eine Nachricht, eine Botschaft, also Sprache, Wort, nicht ohne die Art begreifbar sind, in der sie übermittelt werden. Ohne es so banal und unvollständig auszudrücken, wie Marshall McLuhan es tat: Das Medium IST die Botschaft.
Freedom of mind is absolutely necessary for perfection in virtue, for, when it is taken away, men easily become "partakers of other men's sins", either by evident consent, or by flattering praise, or at least by pretended approval. (St. Thomas Aquinas)

(Übertragung:) Freiheit des Geistes ist für die Vollkommenheit in der Tugend absolut notwendig, denn wenn sie fehlt, werden die Menschen leicht zu "Teilhabern an den Sünden anderer Menschen", entweder durch offensichtliche Zustimmung oder durch schmeichelhaftes Lob oder zumindest durch vorgetäuschte Zustimmung.
This is how journalists go bad.
(Übertragung) Genau das ist der Grund, warum Journalisten heute immer schlechter werden.
In sich ist also die Nachricht das Ausgesagte selbst! In einer Tautologie drückt der Hl. Thomas das aus, was der Ausdruck selbst ist und damit illustriert: Die Wahrheit ist ohne die innere Struktur und Charakteristik ihres Trägers nicht denkbar weil möglich. Der Duft des Gesagten ist selbst Teil des Gesagten. Und der Inhalt verändert sich in dem Maß, als das Medium wahr sein kann.
Vielleicht ahnen wir nun, warum die Wahrheit selbst ... Person ist. IST. Nicht "sagt", wie eine Lehre. Wie die Wahrheit aber nicht einfach Person, sondern ... göttliche Person ist, nämlich: Jesus Christus. Der Weg, Wahrheit und Freiheit selbst ist. IST. Als das einzige Medium, in seiner leibhaften Inkarnation, in seiner Historizität, das der Wahrheit selbst gemäß ist. Weil er also Sakrament ist.

Ahnen? Ja, ahnen. Weil Ahnen die letzte uns erreichbare Möglichkeit und Fähigkeit ist, in der wir uns Gott, der Wahrheit selbst, nähern können. Denn die Natur dieses Mediums ist uns nicht in Besitz gegeben. (Auch wenn wir in den letzten Jahrzehnten in der Illusion gewogen wurden, sie wäre uns verfügbar, unseren eigenen Händen, unserem eigenen Wollen übergeben weil "gleich".)

An ihr wirklich teilhaftig zu werden, selbst Medium der Wahrheit zu werden sohin, ist aber nur noch als Gabe Gottes denkbar, weil geschenkhafter Teil der wirklichen Wirklichkeit. Achten wir nur darauf, daß wir nicht als Twitter-Bildschirm durch die Welt laufen. Denn dann wird sie nie Platz nehmen, und Sitz und Thron der Wahrheit selbst sein.
Sodaß wir der Aussage von Briggs eine sorgenvolle Konnotation beifügen müssen. Ob nämlich nicht der Verfall des Journalismus eine Folge der Prägung der Menschen DURCH die konkrete Gestalt der Medien sind, in denen sie in die Welt gebären. Denn es ist das Format, das den Inhalt eigentlich formiert weil den Rang der Botschaft vorgibt. Dem dann jede Interpretation auf genau jener Stufe folgt, auf der sie serviert wird.  
Sodaß wir uns ernsthaft Sorgen machen müssen, wohin Briggs selbst eines Tages gewandert sein wird. Der solche Botschaften wie oben per Twitter verbreitet.


*230520*

Montag, 10. August 2020

Über den Umgang mit Aphorismen (1)

Sind Aphorismen die eigentliche Art der Mitteilung über Twitter? Immerhin verlangt das Medium Kürze, und damit Prägnanz, und damit jene Abstraktion im Geiste, die auch Aphorismen kennzeichnen. Die ja mehr sind als "kurze Mitteilungen". Die eine Wahrheit über die Welt und das Leben nicht einfach komprimieren, sondern destillieren. Und wer egal welches Ding destilliert, erhält seine Feststoffe als Rest, als Tragegerüst des Dinges selbst.

Aber ist das so? Ist das Destillat noch das Ding? Oder ist dafür nicht jenes Häkelgarn notwendig, das nicht nur die Feststoffe der Wirklichkeit bedeuten, sondern dessen Geschmack, Farbe, Ton - und damit jene sinnlichen Eigentümlichkeiten, die keine (sozusagen) Einschränkung auf "das Ding" bedeuten, sondern das Ding gar nicht anders konstituiert sein lassen als auch MITSAMT seinen Einbindungen, samt seinen Eigenschaften im Ausdruck und das heißt in der Realisierung einer Beziehung?

Ist also zum Beispiel ein Mensch "an sich" denkbar, der nicht inmitten aller seiner Beziehungen, vergangen oder gegenwärtig, steht und stand und stehen wird? Ja, letzteres vor allem wird ja meist vergessen: Der Mensch (und jedes Ding) ist in seiner Gegenwart vor allem - vor allem! - auf das Zukünftige ausgerichtet. Jenes Morgen, auf das hin zu spannen eigentlich erst Leben bedeutet. Als Widerständigkeit, durchaus als Widerständigkeit gegen das Heute. Das, wenn es ihm fehlt, seinen mehr oder weniger baldigen Tod bedeuten würde.

Um nicht zuletzt eines zu vergessen: Den Übermittler des Gesagten, Ausgedrückten, das materielle Medium selbst. Das Handy, den Bildschirm. Auch wenn wir das meist vergessen, weil es nämlich zu selbstverständlich ist (sic!), ist dieses "harte" Medium selbst Teil der Botschaft. Die zu senden ein Fehler ist, ohne daß dabei bedacht wird, in welcher Gestalt es beim Empfänger ankommen wird.

Somit stoßen wir auf einen fundamentalen Widerspruch dabei, über Twitter Aphorismen senden zu wollen. Denn das harte, konkrete Medium der Übermittlung ist ein Medium der Flüchtigkeit, der kurzfristigen Vergänglichkeit. Noch mehr, es ist ein Medium, in dem die Botschaften und "Inhalte" (also der übermittelte Text, das gesandte Bild oder das "shared" Filmchen) in die totale Verfügungsgewalt des Empfängers gestellt werden.

Durch die mit dem Medium verbundene Aufforderung, es zu manipulieren, also "irgendetwas damit zu machen". Und das heißt, daß der Empfänger in einem Zusammenhang steht, in dem er sich als Herr über das Empfangene weiß.

Und das widerspricht dem Wesen des Aphorismischen. Das durch seine Abstrahierung als Erfassen der wirklichen Wirklichkeit von sehr weit den ersten Grundzügen der Welt entsprechenden Wahrheit der Wirklichkeit des Ewigen, Unvergänglichen und Bleibenden nahekommt.

Aphorismen über Twitter zu versenden entspricht somit dem Ausliefern von Perlen an die Schweine. Nicht, weil die Empfänger Schweine sind, sondern weil es durch die Art der Übermittlung an ein zum Schweinefutter an sich wird. Das auch in diesem Rang und Stand beim Empfänger ankommt.* Damit beschädigt der Sender von Aphorismen den Rang der Ewigkeit selbst. Und reduziert die Weisheit und Wahrheit selbst zu dem eines Schweinefutters.

Wollen wir es deshalb als Notgriff sehen, als letzte Möglichkeit, überhaupt noch zu kommunizieren. Inmitten einer Sozietät, in der jeder Einzelne bereits dermaßen isoliert und vereinzelt steht, ohne verbindliche Verknüpfung zu Nächsten, daß er nur noch über eine Ebene erreichbar wird, in der es von ihm selbst abhängt, ob das, was ihm in der Welt begegnet, tiefen oder hohen Rang besitzt.

Also überlege der Sender von Twitter-Nachrichten gut, an wen er seine Botschaften richtet. Um nicht der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen, weil der Empfänger zu dieser gerechten, also gemäßen Zuteilung gar nicht in der Lage ist. Denn sogar im haptischen, also "normalen" Leben, mit physischen Kontakten, mit "langsamer" und sinnlich umfassender Welt, ist uns bekannt, daß ein Gesagtes vom Gegenüber nicht begriffen wird, und somit die Kommunikation mißlungen weil sie von Un- und Mißverstehen geprägt ist.

Twitter macht das faktisch unmöglich, weil der Empfänger meist nicht eingegrenzt - also gar nicht "adressiert" - ist. Der Twitternde baut somit Schuld auf. Nämlich die Schuld des Risikos der Beschmutzung der Wahrheit selbst - dieses Risiko einzugehen ist selbst bereits Schuld - gegenüber.

Die wir zu hüten haben wie unseren kostbarsten Augapfel. Nicht nur in unserem Bemühen, sie zu finden, sondern auch in der Art, wie wir sie wie eine stachelige, kostbare Frucht in unseren Händen halten, und dann in die Welt stellen.

Das war ja das Problem zum Zeitpunkt der Etablierung der Schrift, das aus den Bildsymbolen her, die zusammengestellt wurden (wie in einem Bild, einem gemalten Bild!), und die selbst Nachahmungen (aus der Bewegung der realen Dinge somit stammend) von "natürlichen" Gegenständen waren.

Die immer Symbol eines Wirklichen sind, also eine weit umfänglichere, unsichtbare Welt in deren wirklicher Wirklichkeit darstellen. Das also, was Dinge sind, ist nicht sichtbar, aber zugleich das dieses Ding konstituierende Geistige, also wichtiger weil wesentlicher. Somit der Rhythmus, in dem die Schöpfung schwingt, die auf dem Rücken des Wortes reitet, das da Gott war und ist.

Als wir begannen, dieses Wort auf einen Träger zu bannen - Papyrus, oder unter ungeheuren Mühen fein- und dünngeschabte Tierhäute - war das nur denkbar, wenn wir es zu einer kostbaren Gestalt formiert haben. Durch begleitende Malereien, durch Initialen, in denen die Botschaft selbst bereits enthalten war, die der weitere Text nur insofern ausgedeutet hat, als er bewußt Bezug auf die Erinnerung nahm, um so dem Gesagten sein Medium gar nie streitig zu machen: Den Geist, als den Geist der Erinnerung, als den Geist der Begegnung mit dem Unsichtbaren, der Wahrheit, dem Geiste selbst.

Wie soll das aber bei Medien möglich sein, deren Gestalt an sich auf Flüchtigkeit und Vorläufigkeit weil jederzeitige Bereitschaft, ja Aufforderung, sie zu manipulieren (also zu "gestalten"), ausgelegt ist?



Morgen Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden


*Nehmen wir zur Illustration ein Beispiel: Tiere "erkennen" nur, was in ihnen selbst "vorkommt", was also ihrer ontologischen, also geistigen (!) beziehungsweise im Geist formierten Lebenswelt (sic!) vorkommt. Das ist sogar erblich, wie unter anderem Konrad Lorenz bei seinen Forschungen bewiesen hat. 

Sie erkennen nicht die Welt und Wirklichkeit selbst - weil sei keinen Geist haben, in dem sie abstrahieren könnten. Sodaß sie deshalb nicht die Dinge in ihrem wirklichen Wesen, sondern nur in ihren direkten Bezüglichkeiten erkennen. Soweit sie ihren Lebensformen also bereits entsprechen. Man kann neben Tauben Gewehre abschießen (mit denen man die Tauben tötet), und sie werden sitzen bleiben, bis alle tot sind. Während sie die Form (!) eines Raubvogels ... ahnen. (Zum Ahnen siehe morgen und ganz am Ende des Artikels mehr, wenn es noch nicht jetzt klar ist.)

So nebenbei: Das ist der tiefe und so schöne Sinn der Verwendung von bunten Fensterfüllungen (mehr oder weniger "Glas") in gotischen Kirchen. Denn das erst noch ungeformte Irdische (die materia prima, die noch unbestimmte Materie, die unsichtbar ist) als Medium des Geistes - die unsichtbare Struktur des unseren Augen unzugänglichen, also ungeformten Dinges ist für die Brechung des Lichts entscheidend - macht die Schöpfung (= das Licht!) zu einem sinnlich erfahrbaren Ding. Dinge sind erst durch Farbe (aus dem Brechen des Sonnenlichts) erkennbar. Das ist kein Ausflug ins hier Unwesentliche. Der Sinn dieser Ergänzung wird im nächsten Teil erkennbar: Die Struktur des Irdischen entscheidet, was in ihm sichtbar wird ...


*230520*

Freitag, 24. Juli 2020

Erinnerung

Manchen Leser mag das erstaunen. Diese Aufnahme zeigt die Literatengruppe WIDDERHAKEN, die der VdZ seinerzeit in Amstetten zusammen mit einer Reihe von Kollegen gegründet hatte. Sie bestand von 1982 bis 1984, und in deren Rahmen wurden Lesungen etc. durchgeführt. Die sogar erstaunliche Resonanz fanden. Damals befaßte sich der VdZ (im Bild mit dem Kind am Arm, seiner ältesten Tochter Julia) mit Lautmalereien und ganzheitlicher Sprachphilosophie, was nicht überall auf Verständnis stieß, ja sogar so manche Ablehnungsgeste hervorrief.



*220720*