Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 20. Dezember 2022
Fest ist Kult der Erinnerung
Freitag, 4. November 2022
Wenn Mütter gar nicht singen, werden Kindertränen zu Kritikertiraden
Mittwoch, 14. September 2022
Der Mann, der die Medizin neu erfand (1)
Dienstag, 16. August 2022
Die nicht-normative Kraft des Faktischen
Ungewöhnliche Thesen an dieser Stelle zu lesen ist der Leser ja vielleicht schon gewöhnt. Er sei vergewissert, daß dahinter keine "Methode" (vielleicht, um Interessantheit zu evozieren) steht,. Sondern sie entstammt der schlichten Tatsache, daß (wie William M. Briggs es in seinem aktuellen Buch ausdrückt) "alles, was wir heute glauben, falsch ist."
Das schicke ich der Antwort auf die Frage von Leser T voraus, der da wissen möchte, was die gegenwärtige Situation der USA mit dem Bürgerkrieg von 1861-65 zu tun haben solle, wie hier zu lesen steht.
Guter T, so viel, daß ich mich stark beschränken muß, sonst haben wir hier den nächsten hyperlangen Artikel, und er wird kaum reichen. Weil wir dann das Prinzip des sogenannten "Amerikanismus", wenn nicht sogar das des "Universalismus" aufarbeiten müßten.
Donnerstag, 17. März 2022
Kann man es so sehen?
Mittwoch, 9. Februar 2022
Weil Gott ein Gott der Lebenden ist, ist er nur im Guten Sprechen, dem BENE-DICERE (3)
Dienstag, 8. Februar 2022
Und warum Gott beim Sprechen auch nicht aufstößt, rotzt und schmatzt (2)
Dienstag, 19. Oktober 2021
Beim Lesen von Adolf Portmann (2)
Montag, 18. Oktober 2021
Beim Lesen von Adolf Portmann (1)
Das führt zu völlig verfehlten Begriffsdeutungen, wie man am Beispiel ERINNERUNG so gut sieht. Die bei Portmann wie überhaupt bei allen Biologisten (Biologen) wie ein "Speicher" gesehen werden muß. Über dessen Ort gestritten wird, seit diese neue Anthropologie vor 100, 140 Jahren aufgekommen ist. Wo findet sich diese Erinnerung? Im Fleisch? Im Gehirn? Im Frontallappen? In einer Struktur und Verlötung von Synapsen? In immer komplexer werdenden, schließlich über mehrere Ebenen, fast schon Dimensionen - zumindest müßte man eigentlich so denken, ohne sich vorstellen zu können, wie und wo das stattfindet - Synapsenkomplexe?
Sonntag, 26. September 2021
Die drei Phasen der Weltgeschichte (3)
Die Dynamik der Welt zeigt sich in unseren nicht bewußten Antrieben. Weshalb eine Suche nach Ereignissen, die den archetypischen Topoi gleicht, sinnvoller ist als jede Alternative. Die Mythen der Welt sind (trotz der Notwendigkeit, sie von Überlagerungen zu reinigen) wahrer als unsere Geschichtswissenschaft. - Drei Phasen haben wir im Wesentlichen vor uns. Die alle unter einer einzigen Grundthematik stehen, die der tiefste Treibsatz der Menschheit und ihrer Geschichte sind. Und diese Geschichte ist das Verhältnis des Menschen zu Gott. Aber nicht nur das: Zwei dieser Phasen, wie ich sie oben in ganz ganz grobem Überflug aufreiße, haben ein Spezifikum. Es sind Menschheitsepochen, die "Satan" gehören. Er ist der Herr der Welt, er ist die Schlange, die die Menschheit (als ecclesia, als Braut Gottes) in die Ferse beißt. Was heißt, daß sie dort zubeißt, wo der Mensch es nicht bemerkt, daß er in seiner Standfestigkeit elementar getroffen wird.
Die Tatsache, daß einem Menschen die für ihn schwersten, beeinträchtigendsten Sünden am schwersten erkennbar sind, weil sie zugleich sein rationales Erkenntnisvermögen BILDEN, wird hier bald aufgegriffen. Denn das ist mit dem Biß in die Ferse gemeint. Ohne Eingriff von außen - Gnade bzw. der Topos "der rettende Ritter", während die Menschheit (die ecclesia) und die ihr gehörende (=unter ihren Namen gestellte) Welt die jungfräuliche Prinzessin, die Braut des Retters ist - ist das Aufbrechen dieses Gefängnisses deshalb fast unmöglich.
Ohne Gott ist der Mensch zu dem verdammt, was man nüchtern konstatieren muß: Der NORMALZUSTAND des Menschen - ALLER MENSCHEN und seit dem Sündenfall - IST DIE LÜGE. Noch im mildesten Format ausgedrückt ist es DER MANGEL AN WAHRHEIT. Das tägliche Bett, in das wir uns morgens beim Aufwachen legen, ist die Ruhestatt des verlogenen, eingebildeten Kranken, in der die Welt an uns vorbeidefiliert. Es würde mich nicht wundern, wenn Molière das auch erkannt hatte. Die Luft, die wir alltäglich atmen und zu der wir WELT sagen, ist vergiftet.
Samstag, 25. September 2021
Die drei Phasen der Weltgeschichte (2)
Vom Fuße des Kaukasus aus begannen sie und die Tier- und Pflanzenwelt, diese teils durch menschliche Kultur, teils "wild", sich fortzupflanzen und über die Welt auszubreiten. Für Europa glaubt der VdZ immer mehr, daß sich ein exemplarischer Ablauf anzeigt. Ging Cham vom türkischen Hochland aus nach Westen, ging Sem nach Süden, und Japhet nach Osten. Diesen besonders merkwürdigen Ort, an dem schon Kain seine Stadt-Zivilisation der Hoffart und wurzellosen Unrast, der Schmiede, Waffen, Kriege und Macht begründete. Die in ihrer Kain-itischen Unrast dann sogar Amerika erobert hat. Und ... bis heute beherrscht.
Freitag, 24. September 2021
Der Verlust der Welt (2)
Aus dem unbedingten Wahrsein eines "Du bist mir nahe!" wurde ein Abstand von 82 Zentimetern, als wäre das eine Aussage von Wert. Und aus dem "Du bist mir nahe, auch wenn Du weg bist" wurden 700 Kilometer, von denen der eine dann sagt, sie seien viel, der andere also gar nicht nahe sondern fern, weil er 8 Stunden Fahrzeit rechnet (und die Welt der Orte als Beziehungsknoten in Fahrzeiten gegliedert hat), und der andere, der New York zum Wohnsitz hat, findet den Weg von Wien nach Stuttgart einen Katzensprung, zumal er mit dem Flugzeug fliegt, in dem überhaupt die Qualität von Raum und damit die Beziehung zum Zielobjekt zu einem ganz großen Teil buchstäblich verschwindet.
Ich saß in der Kirche und plötzlich wurde mein Blick in die Runde gezogen, zu den Bildnissen, Statuen, zur Muttergottes über dem Altar, der - im Bilde deutlich - aus ihrem Schoß stammt.
Die drei Phasen der Weltgeschichte (1)
Eine ganz andere Geschichte - Die Archäologie und Paläoarchäologie hat schwer damit zu kämpfen, daß sie die Schichten noch auseinanderhalten kann, auf die sie stößt, und die aus drei globalen, großen, und mehreren kleineren (dabei ebenfalls globalen) Katastrophen kosmischen Ausmaßes steht. Nachdem sie aber über kein taugliches Geschichtskonstrukt verfügt, also einer völlig falschen Erzählung folgt, mit der die entdeckten Tatsachen nur bei Ausschluß größter Evidenzen in "Übereinstimmung" zu bringen sind, wird sie daraus auch keinen Ausweg finden. Ihr Beitrag zur Selbstfindung des Menschen durch Kenntnis der eigenen Vergangenheit, die ohnehin schwer durch einen progressiv zunehmenden Verlust der Erinnerung getroffen ist, wird also immer dürftiger und nähert sich der Irrelevanz. Sprich: Was immer sie erzählen, es ist leeres Geschwätz.
Nur einige wenige Ausreißer, oft genug in der Ecke der Phantasten, und die fast alle aus dem Lager der Außenstehenden stammen, durchbluten noch das über weite Strecken ausgetrocknete, im wahrsten Sinn inspirationslose Narrativ.
Donnerstag, 23. September 2021
Der Verlust der Welt (1)
Aber umso überzeugender ist das Lamento, das Adolf Portmann, dieser große Naturwissenschaftler, 1957 in seinem großartigen Buch "Biologie und Geist" wahrscheinlich ohne es zu wollen komponiert. Und in dem er den Schrecken formuliert, der ihn befällt, wenn er die Entwicklung der Naturwissenschaften als Ganzes betrachtet. Das gesamte Bild, der Rang, die Stellung des Naturwissenschaftlers hat sich nämlich seit dem 19. Jahrhundert völlig auf den Kopf gestellt.
Bis dahin waren Leute wie Humboldt, Linné und wie sie alle hießen auch bloß "NaturFORSCHER".
Dienstag, 18. Mai 2021
Als wär's nie dagelegen
Donnerstag, 10. September 2020
Dinge, die zusammengehören
Etwas, das bei uns tatsächlich weil massiv in den späten 1960er, frühen 1970er Jahren durch politisch initiierte "Gesellschaftsreformen" einsetzte.
Mittwoch, 12. August 2020
Eine geheime Leidenschaft
Und der Leser möge nicht kirre werden. Nach wie vor (wie denn anders!?) gilt, daß das Gute und Wahre im Schönen sichtbar wird. Daß es also keine Trennung von Gut und Schön gibt. Sondern daß der sicherste Weg zum Guten der über die Schönheit ist. Schönheit wiederum ist aber kein ästhetisierendes Irgendwie, vielleicht gar relativ niedergequatscht, sondern der Glanz, das Aufblitzen des Himmlischen auf der Erde. An dem nichts, wahrlich nichts falsch sein kann!
So wie ein Häßliches, so wie etwas, das nicht von der Idee des Schönen AUSGEGANGEN ist, wo also nicht irgendeine Behübschung für ein vorgeblich und umso dringlicher durchzusetzendes Gutes gesucht werden mußte, niemals GUT sein kann.
Fällt dem Leser denn nicht auch auf, daß (deshalb) Gutmenschen ausnahmslos häßlich oder in (oft lächerlich getarnten) kleinbürgerlichen Schönheitsbehauptungen erstarrt sind?
Welch' Tod des Unternehmertums, zugunsten eines abstrakten, technizistischen Geschäfts- und Gewinnmodells. Das mehr von Politikwünschen via Bestechung denn durch Hingabe an das eigene Tun geprägt wird.Der VdZ hat den Verdacht, daß Automobilvereine mehr, ja weit mehr für das Durchstehen des Abendlandes tun als jede noch so durchtrieben auftretende Renovations- und Aktions-Initiative. Denn sie reformieren - im wahrsten Sinn! - die Fundamente, weil sie an der wahrlich fleischlichen, realen, konkreten Basis des Menschseins ansetzen und für dessen Durchblutung sorgen.
Oder spürt es der Leser nicht auch so seltsam warm im Bauch werden, wenn er solche Bilder sieht?
Dienstag, 11. August 2020
Über den Umgang mit Aphorismen (2)
Schriftlichung ist als Ensemblierung von Bildern, deren Inhalt "im Unsichtbaren Dahinter" steckt, die Aneinanderreihung von Repräsentanzen von wirklichen Dingen, deren Abstraktionsgrad nur dem zugängig ist, der die Entschlüsselungsmaschine für Symbole bei sich hat und bedienen kann.
Freedom of mind is absolutely necessary for perfection in virtue, for, when it is taken away, men easily become "partakers of other men's sins", either by evident consent, or by flattering praise, or at least by pretended approval. (St. Thomas Aquinas)
(Übertragung:) Freiheit des Geistes ist für die Vollkommenheit in der Tugend absolut notwendig, denn wenn sie fehlt, werden die Menschen leicht zu "Teilhabern an den Sünden anderer Menschen", entweder durch offensichtliche Zustimmung oder durch schmeichelhaftes Lob oder zumindest durch vorgetäuschte Zustimmung.
This is how journalists go bad.
(Übertragung) Genau das ist der Grund, warum Journalisten heute immer schlechter werden.
Ahnen? Ja, ahnen. Weil Ahnen die letzte uns erreichbare Möglichkeit und Fähigkeit ist, in der wir uns Gott, der Wahrheit selbst, nähern können. Denn die Natur dieses Mediums ist uns nicht in Besitz gegeben. (Auch wenn wir in den letzten Jahrzehnten in der Illusion gewogen wurden, sie wäre uns verfügbar, unseren eigenen Händen, unserem eigenen Wollen übergeben weil "gleich".)
An ihr wirklich teilhaftig zu werden, selbst Medium der Wahrheit zu werden sohin, ist aber nur noch als Gabe Gottes denkbar, weil geschenkhafter Teil der wirklichen Wirklichkeit. Achten wir nur darauf, daß wir nicht als Twitter-Bildschirm durch die Welt laufen. Denn dann wird sie nie Platz nehmen, und Sitz und Thron der Wahrheit selbst sein.
Sodaß wir der Aussage von Briggs eine sorgenvolle Konnotation beifügen müssen. Ob nämlich nicht der Verfall des Journalismus eine Folge der Prägung der Menschen DURCH die konkrete Gestalt der Medien sind, in denen sie in die Welt gebären. Denn es ist das Format, das den Inhalt eigentlich formiert weil den Rang der Botschaft vorgibt. Dem dann jede Interpretation auf genau jener Stufe folgt, auf der sie serviert wird.
Sodaß wir uns ernsthaft Sorgen machen müssen, wohin Briggs selbst eines Tages gewandert sein wird. Der solche Botschaften wie oben per Twitter verbreitet.
Montag, 10. August 2020
Über den Umgang mit Aphorismen (1)
Aber ist das so? Ist das Destillat noch das Ding? Oder ist dafür nicht jenes Häkelgarn notwendig, das nicht nur die Feststoffe der Wirklichkeit bedeuten, sondern dessen Geschmack, Farbe, Ton - und damit jene sinnlichen Eigentümlichkeiten, die keine (sozusagen) Einschränkung auf "das Ding" bedeuten, sondern das Ding gar nicht anders konstituiert sein lassen als auch MITSAMT seinen Einbindungen, samt seinen Eigenschaften im Ausdruck und das heißt in der Realisierung einer Beziehung?
Ist also zum Beispiel ein Mensch "an sich" denkbar, der nicht inmitten aller seiner Beziehungen, vergangen oder gegenwärtig, steht und stand und stehen wird? Ja, letzteres vor allem wird ja meist vergessen: Der Mensch (und jedes Ding) ist in seiner Gegenwart vor allem - vor allem! - auf das Zukünftige ausgerichtet. Jenes Morgen, auf das hin zu spannen eigentlich erst Leben bedeutet. Als Widerständigkeit, durchaus als Widerständigkeit gegen das Heute. Das, wenn es ihm fehlt, seinen mehr oder weniger baldigen Tod bedeuten würde.
Um nicht zuletzt eines zu vergessen: Den Übermittler des Gesagten, Ausgedrückten, das materielle Medium selbst. Das Handy, den Bildschirm. Auch wenn wir das meist vergessen, weil es nämlich zu selbstverständlich ist (sic!), ist dieses "harte" Medium selbst Teil der Botschaft. Die zu senden ein Fehler ist, ohne daß dabei bedacht wird, in welcher Gestalt es beim Empfänger ankommen wird.
Somit stoßen wir auf einen fundamentalen Widerspruch dabei, über Twitter Aphorismen senden zu wollen. Denn das harte, konkrete Medium der Übermittlung ist ein Medium der Flüchtigkeit, der kurzfristigen Vergänglichkeit. Noch mehr, es ist ein Medium, in dem die Botschaften und "Inhalte" (also der übermittelte Text, das gesandte Bild oder das "shared" Filmchen) in die totale Verfügungsgewalt des Empfängers gestellt werden.
Durch die mit dem Medium verbundene Aufforderung, es zu manipulieren, also "irgendetwas damit zu machen". Und das heißt, daß der Empfänger in einem Zusammenhang steht, in dem er sich als Herr über das Empfangene weiß.
Und das widerspricht dem Wesen des Aphorismischen. Das durch seine Abstrahierung als Erfassen der wirklichen Wirklichkeit von sehr weit den ersten Grundzügen der Welt entsprechenden Wahrheit der Wirklichkeit des Ewigen, Unvergänglichen und Bleibenden nahekommt.
Aphorismen über Twitter zu versenden entspricht somit dem Ausliefern von Perlen an die Schweine. Nicht, weil die Empfänger Schweine sind, sondern weil es durch die Art der Übermittlung an ein zum Schweinefutter an sich wird. Das auch in diesem Rang und Stand beim Empfänger ankommt.* Damit beschädigt der Sender von Aphorismen den Rang der Ewigkeit selbst. Und reduziert die Weisheit und Wahrheit selbst zu dem eines Schweinefutters.
Wollen wir es deshalb als Notgriff sehen, als letzte Möglichkeit, überhaupt noch zu kommunizieren. Inmitten einer Sozietät, in der jeder Einzelne bereits dermaßen isoliert und vereinzelt steht, ohne verbindliche Verknüpfung zu Nächsten, daß er nur noch über eine Ebene erreichbar wird, in der es von ihm selbst abhängt, ob das, was ihm in der Welt begegnet, tiefen oder hohen Rang besitzt.
Also überlege der Sender von Twitter-Nachrichten gut, an wen er seine Botschaften richtet. Um nicht der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen, weil der Empfänger zu dieser gerechten, also gemäßen Zuteilung gar nicht in der Lage ist. Denn sogar im haptischen, also "normalen" Leben, mit physischen Kontakten, mit "langsamer" und sinnlich umfassender Welt, ist uns bekannt, daß ein Gesagtes vom Gegenüber nicht begriffen wird, und somit die Kommunikation mißlungen weil sie von Un- und Mißverstehen geprägt ist.
Twitter macht das faktisch unmöglich, weil der Empfänger meist nicht eingegrenzt - also gar nicht "adressiert" - ist. Der Twitternde baut somit Schuld auf. Nämlich die Schuld des Risikos der Beschmutzung der Wahrheit selbst - dieses Risiko einzugehen ist selbst bereits Schuld - gegenüber.
Die wir zu hüten haben wie unseren kostbarsten Augapfel. Nicht nur in unserem Bemühen, sie zu finden, sondern auch in der Art, wie wir sie wie eine stachelige, kostbare Frucht in unseren Händen halten, und dann in die Welt stellen.
Das war ja das Problem zum Zeitpunkt der Etablierung der Schrift, das aus den Bildsymbolen her, die zusammengestellt wurden (wie in einem Bild, einem gemalten Bild!), und die selbst Nachahmungen (aus der Bewegung der realen Dinge somit stammend) von "natürlichen" Gegenständen waren.
Die immer Symbol eines Wirklichen sind, also eine weit umfänglichere, unsichtbare Welt in deren wirklicher Wirklichkeit darstellen. Das also, was Dinge sind, ist nicht sichtbar, aber zugleich das dieses Ding konstituierende Geistige, also wichtiger weil wesentlicher. Somit der Rhythmus, in dem die Schöpfung schwingt, die auf dem Rücken des Wortes reitet, das da Gott war und ist.
Als wir begannen, dieses Wort auf einen Träger zu bannen - Papyrus, oder unter ungeheuren Mühen fein- und dünngeschabte Tierhäute - war das nur denkbar, wenn wir es zu einer kostbaren Gestalt formiert haben. Durch begleitende Malereien, durch Initialen, in denen die Botschaft selbst bereits enthalten war, die der weitere Text nur insofern ausgedeutet hat, als er bewußt Bezug auf die Erinnerung nahm, um so dem Gesagten sein Medium gar nie streitig zu machen: Den Geist, als den Geist der Erinnerung, als den Geist der Begegnung mit dem Unsichtbaren, der Wahrheit, dem Geiste selbst.
Wie soll das aber bei Medien möglich sein, deren Gestalt an sich auf Flüchtigkeit und Vorläufigkeit weil jederzeitige Bereitschaft, ja Aufforderung, sie zu manipulieren (also zu "gestalten"), ausgelegt ist?
Morgen Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden
So nebenbei: Das ist der tiefe und so schöne Sinn der Verwendung von bunten Fensterfüllungen (mehr oder weniger "Glas") in gotischen Kirchen. Denn das erst noch ungeformte Irdische (die materia prima, die noch unbestimmte Materie, die unsichtbar ist) als Medium des Geistes - die unsichtbare Struktur des unseren Augen unzugänglichen, also ungeformten Dinges ist für die Brechung des Lichts entscheidend - macht die Schöpfung (= das Licht!) zu einem sinnlich erfahrbaren Ding. Dinge sind erst durch Farbe (aus dem Brechen des Sonnenlichts) erkennbar. Das ist kein Ausflug ins hier Unwesentliche. Der Sinn dieser Ergänzung wird im nächsten Teil erkennbar: Die Struktur des Irdischen entscheidet, was in ihm sichtbar wird ...
