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Donnerstag, 18. November 2021

Suche im leeren Raum (1)

In den Videos, die sich auf dem von "KenFM" Jebsen gegründeten Portal APOLUT finden, läuft ein Vor- wie Abspann, der so lautet: "apolut - So denke ich auch". Als ein Motiv, diese Plattform zu gründen, die zugleich sein "Abschiedsgeschenk" werden sollte (dessen er sich jedoch, wie er auch sagt, zu gegebener Zeit wieder bedienen werde; NACH Beendigung seiner Auszeit, die sich auch darin ausdrückt, daß er seine Sprechgeschwindigkeit wenigstens etwas verringert hat, von Gebirgsfluß auf Mühlenkanal sozusagen) nannte Jebsen, daß er über die Wirksamkeit seiner Videos enttäuscht sei. Denn er sei draufgekommen, daß es eine kleine Gruppe sei, die quasi "alles" in diesem Bereich der "Systemkritik" konsumiere, die in sich aber geschlossen bleibe, und kaum an Zahl und Verbreitung zunehme.
QR apolut.net

Immer dieselben also konsumieren immer die gleichen Kanäle, die somit immer ein und dasselbe Publikum ansprechen. Damit hat er zweifellos recht! Aber warum dann so denke ich auch als Wahl- und Leitspruch?

Vielleicht aus einem anderen Grund als den der "Kritik". Vielleicht aus demselben Motiv, aus dem das gesamte Internet (diesem Begriff ordne ich immer auch die social media bei), dessen immer noch am meisten Staunen machendes Merkmal die unglaubliche Geschwindigkeit der Verbreitung ist. Binnen weniger Jahre - und ich kann mich noch gut erinnern, wie es in den Jahren 2000/2001 bei uns in Österreich begann, mit diesen (verglichen mit heute) unglaublich umständlichen Post-ISGN-Modems und -Anschlüssen, und einem Gefühl, als sei das Reich des Gratislebens angebrochen, in dem jedem alles zur Verfügung steht, und jeder alles kostenlos zur Verfügung stellt. (Siehe Anmerkung*)

Freitag, 23. Juli 2021

Als wäre das eine Lösung (2)

QR AUF1-TV
Aber wir sind nicht allein! Nur wir sind nicht allein! Die anderen, die sind es. Auf ewig. Die, die die Nicht-Ideen haben. - Das dachte der VdZ auch, als er ein Gespräch auf AUF1-TV sah. (Einem neuen Fernsehsender, der so professionell auftritt, daß der VdZ den Verdacht hat, daß sich dahinter "mehr Geld" verbirgt, und vor allem ein klarer Businessplan; sieh da: Wir sehen eine Idee, die so strukturiert ist, wie wir sie nur von Personen kennen, und sofort vermuten wir ...). Wo eine Psychologin auftrat und die psychologische Struktur hinter all diesem Corona-Geschehen zu sehen vorgab: Sie weise auf totalitäre Ziele hin. 

Das Corona-Geschehen weise auf Personen hin (was sie zwar nicht explizit ausspricht, aber implizit klar meint) die Interessen verfolgen. Es ist zu geplant, zu strukturiert, zu "geordnet". Und Ordnung kommt nur - eiderdautz! auch solche Wahrheiten sind zuhauf erkennbar! Dabei verlangte doch die Evolution als treibender Faktor der Geschichte das genaue Gegenteil, den Zufall, also die "Nicht-Person"! - von Personen. 

Dienstag, 20. April 2021

Warum der Subjektivist immer lügt (2)

2) Nur in Gemeinschaft Ausbruch aus der Kerkerhaft -
Gemeinschaft aber nur in der Wahrheit

QR DDr. M. Spitzer

Es gibt so mache Theorien, warum beobachtbar das intersubjektive Vertrauen heute so sinkt. Warum die Menschen einander nicht mehr vertrauen, zumindest nicht, wenn sie einander nicht gut kennen. Warum das Verlangen der Menschen nach von außen garantierter Sicherheit (!) so groß ist, weil die Menschen der Ordnung rundherum nicht vertrauen. Warum das Verlangen nach einer starken (als jederzeit interventionsbereit) Ordnungsmacht in Zeiten einer Auflösung des Gemeinschaftlichen so wächst. (Wie virulent das Problem der Vereinzelung, des Verlusts des Sozialen heute ist, zeigen u. a. durchaus interessanten Auslassungen des Neurologen und Psychiaters DDr. Manfred Spitzer. Zahlreiche Studien belegen den für jeden mit Hausverstand beobachtbaren Verlust der Empathiefähigkeit des westlichen Menschen.)

Der Mensch hat in sich ein Bild eingegossen, in dem er sich als Ebenbild Gottes weiß. In dem deshalb auch ein Weltbild besteht, das aus seiner inneren Grammatik auf jene Wahrheit ausgerichtet ist, die in Selbstüberschreitung der einzige Weg ist, um Gemeinschaft herzustellen, also den Solipsismus, dieses furchtbare Gefängnis der Abgeschlossenheit, der Gefangenheit in sich, zu überwinden. 

Über eine Teilhabe an einem Ort, den auch andere betreten haben. Sodaß Leben überhaupt nur heißt, einen Ort betreten zu haben, an dem sich Wahrheit konstituiert. Dieses elementare Wissen trägt jeder untrüglich in sich. So untrüglich, daß es immense Anstrengungen braucht, um dieses innere Gefühl so zum Verstummen zu bringen, daß es nicht mehr "gehört" wird. Weil die übergelagerten, habituellen Strukturen dieser inneren Struktur widersprechen. 

Im Fall der Sommer-/Winterzeit ist es das Wesen des Kulturellen, das mit der verordneten Ordnung der Willkür in Konflikt gerät. Es ist nun nicht so, daß es ein so prinzipielles Problem wäre, daß es nicht nach einigen Wochen (jeweils!) zu den Übergangszeiten behebbar wäre. Weil sich der Habitus (mit einigem Aufwand) wieder verändert hat. Und Menschen, die nach dem Sonnenlauf leben können, um dann ihren inneren Ablauf mit dem äußeren kaum koordinieren zu können, gibt es (leider) nur noch wenige. Das gilt auch für Landwirte. 

Im Fall anderer Themen aber gilt es nicht. Das gilt für den gesamten Bereich der Sexualität, es gilt für Haltungen gegenüber Alten, es gilt für Erziehungsfragen, für Bildungsfragen, für Fragen des Wirtschaftens, es gilt einfach für sämtliche Bereiche unserer Lebenswelt. In diesen wäre das Subjektive, wenn es richtig verstanden ist, sehr wohl Maßstab wie Lieferant von Rückmeldungen auf Übereinstimmung mit dem Wahren, Guten, Schönen. Sodaß man davon ausgehen muß (und in Vorzeiten sehr wohl davon ausgegangen ist!) daß der Mensch in seinem Innersten die Wahrheit kennt, fühlt, und deshalb auch fühlt, wenn ein Außen, ein Lebensvollzug, eine Aussage damit übereinstimmt, oder nicht. So, wie jedes Tier, jede Pflanze nie etwas tut, das außerhalb ihrer natürlichen Ordnung steht. 

Wohl ist der Mensch ein Geist-Leib-Wesen. Aber das Prinzip ist dasselbe, auch wenn die Wahrheit erst erarbeitet werden muß Aber die Grundwahrheiten über die Welt sind bei allen Menschen gleich, also das, was man "Synderesis" nennt: Widerspruchslosigkeit, daß ein Ding nicht ein anderes sein kann, und so weiter. Also die ersten und wichtigsten Fundamente sämtlicher weiterer Strukturen im Menschen. 

Wenn aber jemand daherkommt - und das tun heute fast alle, sozusagen! was die Sache noch dramatischer macht - und behauptet, er würde Revolution fordern, WEIL er innerlich deren Richtigkeit spürt, er würde den Verstoß gegen diese allgemeinen Ordnungsprinzipien verlangen, WEIL er eine andere Ordnungsstruktur subjektiv sehe oder fühle, dann wisse, werter Leser, daß er mit Sicherheit lügt.

Denn nur der, der sich auf die Wahrheit hin ausrichtet, nur der fühlt auch "richtig", nur der weiß überhaupt noch, was seine Natur ist. Und dieser Sicherheit, werter Leser, darf auch er gewiß sein. Umso mehr freilich muß er damit rechnen, daß die Reaktion des anderen, des Lügners, umso heftiger ausfallen kann, als er immer und jederzeit um seine Lüge weiß. In der er sich, werter Leser, Ihnen gegenüber ins Unrecht der Ortlosigkeit stellt, die ihn ins Nichts wirft, dem die Unsicherheit und Gewillkürtheit des Verhaltens folgt.


*Erkenntnishindernisse? Der Leser stelle sich ein Weltbild vor, das bestimmte Dinge und Erscheinungen als schlecht definiert, andere als gesollt und wünschenswert und damit als gestattet. Damit hat diese Anschauung ein Wertegerüst inhärent, das entweder der Natur entspricht (wie das Katholische), oder ihr widerspricht. Wie mehr oder weniger alle (!) anderen, nicht-katholischen (=allumfassenden) Weltanschauungen und Religionen, und vor allem wie ausnahmslos alle Ideologien. 

Die in sich Ordnungsveränderungsaufträge sind. Diese Veränderungsaufträge, dieses Gesollte und Nicht-Gesollte, das in den Bereichen des Lasters (als Haltung aus dem Ordnungsverstoß heraus) blockieren auch das Aufsteigen von Gedanken, die mit dem sinnlich Eindringenden übereinstimmen. Die diese Sinnesbewegungen "beruhigen", zur Ruhe mit dem innersten Wesenskern bringen, der aus sich heraus (!) auf Wahrheit ausgerichtet ist. Amorph in seinem Beginn, aber in seinen Inhalten nach Wahrheit ausgerichtet. Jedes sündliche Verhalten ist also ein Verstoß gegen diese innere Ordnung, die in einem selbst vorhanden ist, aber unbeantwortet, also ungeformt bleibt.

**Untersucht wurde das freilich nie. Wie die meisten der vorgeblichen Einsparmaßnahmen nie auf ihre ursprüngliche Zielsetzung untersucht werden, man denke an die Zentralisierungsbestrebungen von Behörden. Wo sie im Ganzen gesehen untersucht werden (wie bei den Gemeindezusammenlegungen in der Steiermark) hat sich ein gegenteiliger, hier: ein kosten- und energieverbrauchs-steigernder Effekt bewiesen.


*310321*

Mittwoch, 9. September 2020

Könnte vorkommen

Der Faden, der in der Wahrheit verankert sein läßt, ist oft sehr dünn, manchmal kaum wahrgenommen und wahrnehmbar. Vor allem, wenn die innere Kultur etwas vernachlässigt wurde, gewinnt die äußere Welt eine Bestimmungsmacht, die von der eigentlichen Lebensgrundlage, der Wahrheit, entfernt. 

Geist erstarrt in diesem Außen aber zu Bildern, die wie Krücken eine Welt konstruieren und bewahren sollen, die der Existenz Halt und damit Sein gibt. Dieses Sein aber ist ein Dasein, das nur in unserer Hand liegt, und damit keine Quelle des Lebens sein kann, sondern nur eine Imitation des Lebens, bewertet, beurteilt weil verglichen mit vorhandenen Bildern samt deren Platz im Autoritätsgefüge der Gesellschaft, in der man sich befindet beziehungsweise befinden will, zuläßt.  

Wir haben verlernt, und aus unserem vermeintlich "Gewußten" läßt es sich auch nicht (mehr) ableiten, daß der Mensch, der immer Person ist, letztlich immer einsam und "allein" ist. Erwachsenwerden als der notwendige Weg jedes Menschen zu sich heißt nichts anderes als diese Einsamkeit zu akzeptieren und ertragen zu lernen. Heißt um den einzigen Sinn der Nahrung zu wissen, die darin besteht, sich in diese Welt hinein zu erheben. 

Und das ist immer ein Akt des Alleinseins, weil jeder Mensch in einer Einzigartigkeit lebt, die nur von ihm zu bewältigen ist, und die nur von ihm zur Geschichte zu erheben ist, die Sein hat, und nicht Epigonalität, Plagiat und Imitat ist.

Es kann nie darum gehen, diese Einsamkeit zu überwinden. Alle Angebote, die das versprechen, sind häßliche Fratzen der Versuchung, Gold gegen Blech zu tauschen. Es muß vielmehr darum gehen, in dieser Einzigartigkeit den Ort mit Leben und Farbe zu erfüllen, an dem man steht. Was anderseits wiederum heißt, das diesen Ort Charakterisierende - das das Wesen eines Beziehungspunktes hat, an dem sämtliche Fäden der vielen horizontalen wie vertikalen Ebenen der Welt, in der man steht, zusammenlaufen - durch alle einzigartigen Umstände, die mit jedem Tag auftauchen und einem begegnen, durchzutragen. 

Sodaß die immer selben Figuren (weil Orte) in nur je anderen Kostümen auf der Weltbühne auftreten, leben, und das Geschehen, die Handlung ausmachen. Die selbst wiederum ein immer Gleiches in nur je anderem Gewand ist.

Lassen wir uns also in zweifacher Hinsicht nicht täuschen. In der Natur dessen, was "Neu" und "Originär" ist ebenso, wie in der Tatsache, daß dieses Neue das immer Gleiche des Ewigen im Vorsehungsplan Gottes ist, dessen Originalität darin besteht, in jeden Augenblick je neu hineingeborgen zu werden. Auf daß sich Geschichte überhaupt erst bilden kann. Was immer heißt: Einzig zu sein, und damit: Einsam.

Denn genau darum geht es heute, in einer Zeit, die sich um genau diese Punkte herum ordnet: Im Versuch, für diese beiden Momente Surrogate zu erfinden. Sodaß das Neue das Willkürliche wird, dem aber jedes Sein fehlt, das nur in der Hoffnung auf eine kollektive, allumfassende Illusion und Täuschung überhaupt Sein hat, also "existiert", und in der Versuchung, die Einsamkeit durch Aufgehen in der Masse (oder im Nichts, beides dieselben Fluchten der Angst vor dem Wagnis des Lebens, beide mit demselben Ausgang) scheinbar besiegen zu können.

Im Mut zum Hinausschreiten ins Ungewisse, das erst das Tor zur Fleischwerdung des Ewigen (dem überhaupt erst Entelechie zugeschrieben werden kann; hierin irrte also Aristoteles, der diese Entelechie, dieses "Ausfalten auch sich, gemäß dem eigenen Wesensbild", dem materialen Seienden selbst zuschrieb) bedeutet, erfüllt sich erst dieser von jedem Menschen gewußte, gefühlte, geahnte Anspruch, der Leben bedeutet: Im Schöpferischen, liegt dann das Neue ebenso, wie das Originale, das Genie. 

Aber nicht nur! Denn hier, in diesem mutig aufgenommenen Wagnis der Einsamkeit, liegt tatsächlich der Punkt der Nicht-Einsamkeit - in der Einigung mit Gott, der personalen Wahrheit, dem Sein, aus dem alles entspringt, durch teilhabende Einheit in der Wahrheit. Von hier aus ist dann auch Einheit unter Menschen nicht nur möglich, sondern Realität.




*140820*

Donnerstag, 16. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (4)

 Teil 4) Auch von den Bischöfen verlassen

Aber die deutschen Völker waren auch von der Kirche verlassen, und das heißt: Von ihren Bischöfen verlassen. Spätestens seit der Renaissance, die der Kirchenhistoriker und Theologe Georg May einem flächendeckenden "Versagen der Bischöfe" zuschreibt. Die ihre Herde nicht schützten, sondern den Potentaten auslieferten. Und dem Volk damit jede Kraft zum (wenigstens inneren) Widerstand gegen die Einbrüche durch die Wölfe versagte.

Nur die Kirche aber hätte die Kraft und geistige Potenz, teilweise auch die Macht gehabt, diesen Entwicklungen zu trotzen. Und sie könnte es bis heute sogar noch, würden die Bischöfe es wahrnehmen. Stattdessen liefern sie nach wie vor das Volk aus, nützen seine Bereitschaft zum Glauben aus, um ihre persönlichen Eitelkeiten und Schwächen und Niedrigkeiten zu verdecken. Bis ihnen absolut niemand mehr glauben wird.

Irland 2019
War es aber - zurück zum Videogespräch, das E. Michael Jones mit The Irish Patriot führt - in Irland anders? War es nicht dort genauso die Kirche, die Bischöfe sohin, die das Volk verließen, mißbrauchten, und auslieferten? Sind nicht sie die Schuldigen, wenn das tiefe Bedürfnis der irischen Menschen nach Religion, Kult und Gott in einem nie gesehenen Wiederaufleben alter heidnischer Religionen und Kulte aufblüht, wie das heute der Fall ist? Vielleicht kein Land Europas hat derzeit eine derart massive Welle an Heidentum zu verkraften wie Irland. Dies reicht in höchste politische Kreise. (Siehe dazu "Armageddon in the Auld Sod" von Geraldine Comiskey.)

Heidentum, weil gleichwertig mit der Katholischen Kirche? Natürlich nicht. Das Neuheidentum (das in Irland noch dazu auf eine uralte Tradition zurückgreift, das Land ist noch voll mit archäologischen Relikten) ist vielmehr eine billige Alternative, weil es "Religion" am Etikett ermöglicht, ohne daß wirklich religiöse Haltung notwendig ist. Der Mensch der Moderne, der Narziß, kann also zu Gott selbst werden beziehungsweise dieser bleiben, weil er sich selbst die Religion gibt. Die dann auf der sicheren Ebene der beherrschten Zweitwirklichkeit läuft. Neuheidentum ist eine lächerliche Farce, und das zeigt sich umso mehr, als es irrational ist.

Seit Jahrzehnten aber wird Irland von einer ähnlichen Welle des social engineering heimgesucht wie Deutschland nach dem Krieg. Das hat die persönlichen Grundlagen zerstört, und damit die Vernunftkraft. Die Folgen in beiden Ländern sind ähnlich, ja noch dramatischer, vor allem nach dem finanziellen Kollaps 2008. In dem der Irische Staat, selbst mit niedriger Verschuldung, die notleidenden Banken herausgekauft hat - und seither so pleite ist, wie es nur sein kann, mit gravierenden Folgen für die irischen Bürger. Aber Schlag um Schlag wurde das katholische Fundament dieses Volkes zerschlagen. Verhütung, Sexualerziehung, "Ehe für alle", Anti-Diskriminierungsgesetze, Abtreibung. Mundtot gemacht durch die medial zelebrierte Bekanntwerdung schwerer Mißbrauchsfälle, gab es keinen Bischof, der das Volk gestützt hätte. Es hätte ihre Wohlversorgtheit gefährdet.

Ja, gewiß, es gibt Kräfte, die diese Degeneration eines Volkes möchten, weil sich ein solcherart wehrloses Volk (und das ist ein demoralisiertes Volk) perfekt zum Sklaven eignet beziehungsweise Sklave ist. Und die Leidenschaften zum Herren machen ist eine Form der Sklaverei, in der der Versklavte die Fesseln sogar selber anlegt. Ja, gewiß, es gibt die Kräfte, die konkret daran arbeiten, ein Volk zu zerstören, zu versuchen, seine geistige Landschaft, seine soziale Ordnung zu zersetzen, damit es dann beherrscht werden könne. Aber die Überwindung eines Volkes ist nur möglich, wenn seine religiösen Führer es im Stich lassen und ausliefern. Am besten, indem diese selbst die Autonomie der Aufklärung verkünden, und das, was jeder Mensch von Klerus und Bischöfen braucht, als unwürdigen Akt der Unfreiheit denunzieren. (Dem VdZ ist ein relevanter Kleriker bekannt, der diese Forderung nach kirchlicher Autorität als "faschistoide Persönlichkeitsschwäche" bezeichnete.)







*Der VdZ hat sogar den Verdacht, daß sich hinter diesen Restriktionsmaßnahmen die bei Kindern oft zu beobachtende Haltung steht, den anderen "nicht mitspielen zu lassen", nötigenfalls durch Zerbrechen des eigenen Spielzeugs, wenn er sich nicht ausdrücklich dem eigenen Willen fügt. Als Erlebnis von Macht, die dem Kind sonst im Leben ja noch fehlt. Er glaubt nämlich, daß wir es bei enorm vielen Menschen, gerade unter denjenigen, die "oben" stehen, mit Menschen im Reifestadium von Kindern zu tun haben.




Mittwoch, 15. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (3)

Teil 3) Ein Plan der Zerstörung eines unwürdigen Volkes



Denn Hitler hat zu einem schreckenden Grad spätestens ab 1943, angesichts der auch ihm längst klaren Niederlage, noch dazu angesichts der von den Alliierten gefaßten Beschlüsse, auf keinen Fall mit Deutschland (nicht "nicht mit Hitler", sondern "nicht mit Deutschland"!) Frieden zu schließen, sondern bis zu dessen bedingungsloser Kapitulation zu kämpfen, mit nur diabolisch zu nennender psychischer Gestimmtheit selbst die Zerstörung Deutschlands beschlossen. Auf diese Gemütsverfassung kann und muß geschlossen werden, befaßt man sich mit historischen Quellen. Jenes Volkes, das ihm nicht vollkommen bedingungslos in den Sieg gefolgt ist, diesen also nicht verdient hat. 

Einen anderen Grund für die Niederlage konnte es für den Narzißten und Fanatiker Hitler nicht geben. Erst hier kam auch der endgültige Vorsatz, die Juden systematisch und restlos zu vernichten, zum Range eines Ersatzzieles. Wenn das eine nicht möglich war, dann wenigstens das andere. So zerstörte Hitler auch noch die Selbstsicherheit der Menschen, die ihm gefolgt waren (und die er genau deshalb verachtete, wie jeder Narzißt!), gewissermaßen "auf alle Zukunft", indem er sie mit einer Schuld belastete, die offen vor den Augen der Welt da lag. Durch die "Täter", die Werkzeuge der Macht, die Ausführenden. 

Es gibt bis heute in Deutschland (und Österreich, soweit nicht als "deutsches Land" ohnehin im ersten Begriff enthalten) die Besonderheit, daß die Schuldfrage sich auf die Ausführenden konzentriert, ist das dem Leser schon aufgefallen? Man beachte einmal die Aufarbeitung von (Kriegs-)Schuld in anderen Ländern, wo sie sehr klar auf Strukturen (es ist der "Ort", der das Wesen vorgibt beziehungsweise zum Wesenskonflikt führt) bezogen wird, nicht auf die Einzelnen. Nicht so in Deutschland.

Angesichts dieser gewissermaßen beschlossenen Selbstzerstörung begannen die Vorbereitungen für das Ende. Begann damit jene Vorzeichnung des Schicksals, das dann nach 1945 die Alliierten über Deutschland verhängt haben. Die völlige Vernichtung der biologischen Grundlagen stellte sich im aufkommenden Kalten Krieg als strategischer Fehler heraus, man brauchte ein Gefechtsfeld, man brauchte einen Puffer gegenüber dem Kommunismus. Also schob man einerseits im Marshall-Plan Geld ins Land, ermöglichte die Währungsreform, und versetzte das Land in die Lage, zu konsumieren. Was aber physisch nicht gelingen konnte, und nicht sinnvoll war, wurde auf seelischem Gebiet vollzogen.

Man wollte die moralischen Grundlagen des Volkes zerstören, indem man es umerzog. Kein Theaterstück, keine Zeitung, kein Film, nichts, das nicht der Bewilligung der alliierten Kommission bedurfte. Dazu kamen eine Reihe von Zeitungsgründungen, sämtlich mit amerikanischem Geld.  Das Land wurde mit neuartigen Illustrierten überschwemmt, die - wie Quick oder Stern - die Sexualisierung des Alltags begannen. Ein Feldzug der Rache von Juden, so muß man es bezeichnen. Denn die maßgeblichen Figuren in dieser Zersetzungskampagne waren Juden.

Auch in der Form von neuen "Theorien", wie sie Wilhelm Reich, ein gebürtiger österreichischer Jude, in den USA entwickelten. Und über massiven Einfluß auf die Universitäten (weil "belastet", wurden viele Lehrstellen mit Juden besetzt, die "einzigen", die "politisch zuverlässig" waren) die die sexuelle Entspannung, den Orgasmus, die Masturbation als Fundament einer "gedeihlichen Persönlichkeitsentwicklung" - siehe sein Buch "Der faschistische Charakter", die die Normalität zum Verbrechen erklärte, weil sie unweigerlich zum Holocaust führt - sowie die Zerstörung der väterlichen Autorität (Frankfurter Schule) als deren Schutzwall verbreiteten. Schon in den 1960ern und 1970ern war die Jugend Zielgruppe, und mit Schundblättern wie "Bravo" wurde nicht nur die amerikanische Popkultur (an sich eine Unkultur der Entspannung und Ungeformtheit) früh etabliert, sondern auch die Masturbation als ultimo ratio eines erfüllten Lebens (in Kolumnen wie "Fragt Dr. Sommer") propagiert. Jede Scham, jede Moral wurde so von unten heraus ausgehöhlt, bis sie nicht mehr da war. Bis die deutschen Menschen diese neuen Richtlinien der Weltanschauung tief verinnerlicht hatten.

Den normalen deutschen Menschen ist wohl bis heute nicht bewußt, in welchem Ausmaß er seit hundert und mehr Jahren der Zerstörung durch die Macht ausgesetzt war und ist. Eine Charakteristik, die bis heute vollumfänglich gültig ist. Deutschland, die deutschen Völker scheinen wie die ausgelieferten Lämmer, die von jeder Macht über sie mißbraucht und geschunden werden können. Deutschland gehört zu jenen Ländern, die mit Anführern geschlagen sind, die in einer tiefen, unendlich tiefen Kluft vom Volk getrennt dieses als Objekt der Willkür und psychicher Perversion sehen und mißbrauchen.

 Morgen Teil 4) Auch von den Bischöfen verlassen




Dienstag, 14. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (2)

Teil 2) Aber Jones irrt leider



E. Michael Jones sieht das, und er sieht es völlig klar und befreiend. Damit wäre er zu einer Art "Mahner" gerufen, und diese Rolle muß man ihm sogar zuschreiben. Dankbar zuschreiben! Aber er irrt leider in einem Punkt, nämlich der Einschätzung der social media und des Internet als Instrument der Befreiung durch Gespräch. Diese Aufgabe KANN zwar das Internet leisten, aber das geschieht nur in wenigen Fällen. In vielen Fällen ist sogar gerade die erleuchtete Sicht, wie sie Jones bieten kann, eine Gefahr. Weil sie die Illusion nähren kann, und das tut sie in vielen Fällen, daß es ausreicht, sich Tag und Nacht mit dem Globalnetz der Globalquatscherei zu verbinden. Anstatt hinauszugehen, hinaus in die Welt, und alles zu vergessen, was soeben noch zu hören war, und alles, wirklich alles auf diese Realwelt aufzubauen. Mit höchstem Risiko. 

Stattdessen wird auch das Wahre, auf die Form des Internet heruntergebrochen, zu einer "Information", die - Information muß im Grunde schon gekannt sein, um zu erkennen, daß sie überhaupt Information und nicht nur Datenrauschen ist - gesucht und gefunden wird. Um sich dann wie in einer Echokammer, eingeschlossen in seinen Bunker, ständig, täglich, stündlich die Bestätigung zu holen, daß man zu den Erleuchteten gehört, die man am Bildschirm und in den Ohrhörern vor (und in Wahrheit: IN) sich hat.

Daß das Internet zunehmend zensiert wird, ist nicht der Beweis, daß die Oligarchie sich davor fürchtet. Wenn sie das tut, so kann man sie nur noch mehr bedauern, weil sie dieses Gespenst selbst nicht kennen und sich vor einem Phantom fürchten. In Wahrheit muß der Oligarchie alles daran gelegen sein, diese Verbunkerung der Menschen mit möglichst vielen "Freiheitsgraden" auszustatten! Auf daß sie sogar glauben, daß wenn sie im Internet Wahres "lesen", auch schon daran teilhaben, diese also Teil von ihnen ist. Worauf es letztlich ja ankommt. 

Erst dann, mit diesen Freiheitsgraden ausgestattet, festigen die sozialen Medien die Illusion des Einzelnen, des Vereinsamenden, des Vereinsamten, sich in einem sozialen Umfeld, ja sogar im Umfeld der Wahrheit zu befinden. Facebook oder Google-Youtube oder Twitter sind, wenn sie beschränken, deshalb regelrecht "kindisch", unreif, lächerlich.* Sie riskieren sogar etwas: Sie riskieren, daß die social media ein Zurückstoßen in die wirkliche Wirklichkeit auslösen, das beim Betroffenen, Zensierten ein neues Umarmen der Realität - übers Kreuz des Erlittenen - bewirkt. 

Da haben wir dann das, was Jones immer wieder "cunning of reason" - List der Vernunft - nennt, in einer ebenso gefährlichen Gleichsetzung von Hegel mit der göttlichen Vorsehung, in der Gott auch aus dem Schlechten, Bösen, letzthinnig Gutes macht (siehe u. a. Goethes Faust I). Die "rationality", auf die sich Jones bezieht, ist nicht Rationalität aus sich heraus, wie ein Mechanismus, sondern ist erst dann Vernunft, die auf dem logos beruht, wenn sie die Sprache hinter der Sprache, die Logik hinter der Rationalität kennt. Und das ist eine Frage der Kommunikation, der Beziehung zum logos selbst, der Jesus Christus ist. Nur insofern kann "Rationalität" etwas bewirken, als sie auf diesen logos verweist, der als Gegenüber, als Du, letztlich jedem Menschen gegenübersteht. Aber selbst die stringenteste rationale Logik braucht dieses Gegenüber, braucht eine persönliche Haltung und Entscheidung.

Und die beschädigt die Bunkersituation, in der die Menschen leben, in die sie sich zurückziehen. Es sind nicht zufällig dieselben Menschen und Gruppen, die hinter den Restriktionen von "Haß-Sprache" (hate speech) etc. stehen, die auch hinter der Pornographie und "sexuellen Befreiung" stehen. Sie begeben sich hier in tiefe Widersprüche, und man kann die kommenden Entwicklungen mit gewissem Amüsement beobachten. Das Böse hat aber eben das unausweichliche Schicksal an seinen Widersprüchen - das Böse, das Schlechte kann nie ein wirklich konsistentes Denken und Handeln herstellen, das kann nur Erdung im logos, im von Gott der Welt zugrunde gelegten, diesem evolvierenden Sinn - irgendwann zugrunde zu gehen. ("Lügen haben kurze Beine" - es meint dasselbe. Irgendwann widerspricht die Lüge sich selbst.) 

Diese Gruppen überschätzen deshalb auch um Dimensionen die Bedeutung des Diskurses, soweit er im Internet stattfindet beziehungsweise sich dorthin zurückgezogen hat. Wo sich nur Bunker gegenüberstehen, deren Welt in einer Vorstellung von Welt endet. Kein Wunder, daß dieselben Gruppen auch engstens mit konstruktivistischen Weltbildern geschlagen sind, denen gemäß also es keine reale Welt gibt, sondern die Welt des Menschen immer ein Konstrukt ist. Denn für sie ist es scheinbar tatsächlich so! Aber sie rechnen eben nicht mit der wirklichen Wirklichkeit, die eine ontologische Tatsache ist, der alles unterliegt, was ist.

Dennoch kann man Jones nur zustimmen in seiner Analyse der Wirkung von Pornographie. Weshalb auch seine Thesen sehr plausibel sind, daß die Verbreitung von Pornographie eine Form der Verdeckten Kriegsführung ist. Denn sie schwächt ein Volk und ein Land, zerbricht die sozialen Bindungen durch Zurückwerfen der Menschen auf sich und die Lust, die sie sich selbst geben können - in der Masturbation. Vor diesem Hintergrund wird die Bunkerlandschaft der Hitlerzeit noch signifikanter als Symbol der Zukunft.


Morgen Teil 3) Ein Plan der Zerstörung eines unwürdigen Volkes



Montag, 13. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (1)

Berchtesgaden, Obersalzberg - Der Führerbunker
Wer die Geschichte des Dritten Reiches betrachtet, dem wird (wenn er es denn sehen will oder kann) auffallen, daß sich seine Geschichte je länger es dauerte umso mehr in Bunker zurückzog. Das ist kein Zufall, wie schon Paulo Virilio meinte, es ist vielmehr symptomatisch für den Rückzug aus der Wirklichkeit, der dem gesamten Regime von Anfang an als Schicksal auferlegt, gegen sein Ende zu aber notwendig zu vollziehen wurde. Bunker, die - wie im Fall des Führerbunkers in Berchtesgaden bis heute besichtigt werden können - bestens aufmagaziniert und mit Fernmeldeeinrichtungen ausgestattet waren, und eine Behandlung der Welt gestatteten, die alles auf rationale, vorgestellte Abläufe reduzierte. Tiefe Einsamkeit, völlige Depravierung von direkten, persönlichen Kontakten ist ihre Ursache. Der Hitlerismus ist genau darauf angelegt, und gerade in seiner Berufung auf Propaganda zeigt er ein prophetisches Bild der Zukunft.

Denn wir steuern heute genau darauf zu. Auf die Situation, in der die Menschen in ihren Bunkern leben (oft genug fast wörtlich: als Merkmal einer Generation, die in den Kellern der Eltern, wie E. Michael Jones es in diesem Gespräch über Irland auf die Spitze bringt) und nur noch über social media und Internet mit der "Außenwelt" kommunizieren. Die in Wahrheit eine Separatwelt ist, eine Zweitwirklichkeit, die selbst schon jeden Kontakt mit der wirklichen Wirklichkeit verloren hat.

Wozu sie ihre existentielle Situation auch befähigt. In der Form einer Dotierung durch Eltern, die in der Regel sogar einer Versklavung der Familienernährer gleichkommt, spezifische Förderungsmechanismen, auch von nicht staatlicher Seite, und nicht zuletzt den Sozialstaat. Man muß heute zu den meisten Ämtern nicht einmal mehr persönlich gehen, man kann alle Amtsgänge über Internet erledigen, was als Fortschritt gefeiert wird.*

Masturbation als Einbunkerung des Menschen

Wir leben zunehmend in Bunkern, wie in den letzten Tagen des Dritten Reiches. Das auch hier den modernen Menschen, die moderne Gesellschaft vorwegnahm.

Aber Jones weist noch auf etwas hin. Indem er an eine Aufklärungsbroschüre anknüpft, die in Irland nun als für Schulen verpflichtend eingeführt wurde. Zu der man sagen muß, daß sie den Menschen völlig verkennt. Und wenn sogar dem VdZ das eine oder andere Mal (übrigens: wie der Kirche) vorgeworfen wird, er sei zu sehr auf das Thema "Sexualität" fixiert, so muß er dagegenhalten, daß das in der Intensität bei weitem nicht der Realität gleichkommt. Diese übertrifft selbst die kühnsten Vorstellungen, und das zeigt sich in der Sexualerziehung an den Erziehungseinrichtungen der Gegenwart, nicht nur in Irland, auch in Österreich und Deutschland.

Dieser vom Staat verordnete systematische Mißbrauch schon der Kinder und Jüngsten bringt nämlich eine extreme Fixierung auf Sexualität mit sich. Er bindet die Menschen an Leidenschaften und Begierden, die sie zu Sklaven ihrer eigenen "Bedürfnisse" machen, denen auch tatsächlich die leitende Kraft (siehe Liberalismus, Evolutionismus, die gesamte heutige materialistische Anthropologie) in ihrem Leben überantwortet wird, ja werden muß. Denn diese Programme, die den schlimmsten Umerziehungsprogrammen der Geschichte gleichkommen, sind längst verpflichtend.

Die Folgen sind vor allem im Sozialverhalten der Menschen erkennbar. Und hier sind sie auch heute schon deutlich sichtbar. Und zwar wie im Dritten Reich - durch Verbunkerung der Existenz. Die Menschen werden immer unfähiger, noch reale zwischenmenschliche Begegnungen aufrechtzuhalten. Jede Frucht, die aus dieser realen Begegnung erwachsen könnte, wird "selbst" (scheinbar) hervorrufbar. Und sie tut es in diesem Fall durch die Anleitung zur Masturbation als "natürliches Sexualverhalten", das in den Augen vieler sogar zu einer "gesunden Persönlichkeitsentwicklung" dazugehört.

Aber die Masturbation (noch dazu gestützt von Pornographie, die heute jedem mit einem Handy zugängig ist, in den meisten Fällen damit auch schon Kindern) vereinsamt. Es wirkt gerade beim Heranwachsenden katastrophal, weil es bereits im Entstehen von Haltungen prägend wirkt. So wie es jedes Sexualverhalten tut, das nicht auf das Insgesamt des Menschen als Vernunftwesen - und alles ist und will so sein, wie seine höchste Möglichkeit es zeigt - ausgerichtet ist. Und bewirkt nicht, wie es eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung (die gerade in der Pubertät, konfrontiert von einem erst in die Vernunft, in die Persönlichkeit zu integrierenden physischen Angetriebensein, das nach Form, nach Informierung lechzt), die Offenheit zu sozialen Kontakten, sondern eine Einbunkerung des Menschen. Diese Bunkerwelt wird für ihn sogar zur ausreichenden sozialen Welt, "bereichert" noch durch Videospiele, die immer "realitätsnäher" werden, und das, was jeden Jugendlichen auszeichnet - Abenteuerlust, Entdeckungsfreude - auf Schein- und Ersatzwelten lenkt. 

Das Bild, das unsere ehemalige "Kultur" (die uns nur noch wie Kulissen, wie ein Ruinenfeld umgibt) bietet, könnte nicht erschütternder sein. Es sind Bunkerräume, dicht abgeschottet, mit installierten Kameras, in denen jene, die diese Bunkerwelten bauten, mit verführerischen Lockkäsen und Genußvorräten ausstatteten (die Bunker in Berchtesgadens Berghof hatten riesige Vorräte an Champagner und sonstigen Luxuslebensmitteln gelagert), und nun beherrschen, haben jede lästige Menschheit von sich ferngehalten. Und bedienen sie wie Rattenverliese, die sie bis zum letzten Blutstropfen ausbeuten, um sie dann achtlos wegzuwerfen. Dazu haben sie ganze Geographien der Bunkerlandschaft konstruiert.

Morgen Teil 2) Aber Jones irrt leider




*Die Querverbindungen zu den immer wieder auftauchenden Fällen von Menschen, die eine auf die eine oder andere Weise durchgezogene Isolation durch Rückzug in Keller/Bunker, kann der Leser gewiß aus eigener Überlegung herstellen. Man muß kein Prophet sein um vorherzusagen, daß diese Fälle immer häufiger auftreten beziehungsweise ans Tageslicht kommen werden. Wobei es keine buchstäblichen Bunker sei müssen, die Wohnungszellen selbst, in die wir zunehmend eingeschlossen sind, sind längst dieser Funktion gewidmet. Die Wohnung, das Heim wird heute nicht mehr zur Burg, die im Grunde ein Kommunikationsort mit dem unbekannten, unberechenbaren Außen war, sondern zum Bunker.




Donnerstag, 1. November 2018

Wehe, wenn alle Außenseiter sind

Der Mensch ist darauf ausgerichtet, sich an der Allgemeinheit zu orientieren. Hier tut man ihm oft Unrecht, indem man alle diese Ausgerichtetheit auf die Allgemeinheit als "Massenverhalten" abtut. Eine Schlinge mehr um den Hals dessen, was sich seit hundert Jahren als "Psychologie" ausgibt.

Es ist der historischen Situation aber geschuldet, daß aus genau diesem Grund Veränderungen, Neuerungen, Entwicklungsimpulse (und in gewisser Hinsicht kann man bei der Menschheit sehr wohl von Entwicklung sprechen, wenn das auch nie darwinistisch gemeint sein kann; und doch steckt genau diese absolute Wahrheit als Wahrheitsfunke auch im Darwinismus, sonst gäbe es ihn ja gar nicht) ... also: daß aus genau diesem Grund Veränderungen und Neuerungen immer von der Peripherie her kommen. Von den Ausgestoßenen, den Alleinigen, den Einsamen, den "Nicht-Soziablen". 

Das begründet die Bedeutung der Dichter, der Philosophen, der Mönche und Heiligen. Sie haben ausgelitten, woran der Haupt-Corpus leidet, ohne damit umgehen zu können. Weil der "normale Mensch" (der an sich nicht mehr oder weniger normal ist als der Periphere) mit sich und seiner Erhaltung im Gefüge der Figuren, dem Welttheater also, beschäftigt ist und das auch sein muß.

Nur darf er nie aufhören, an der Bedeutung der Ausgestoßenen, der Wenigen, der Ausgenommenen festzuhalten. Tut er das, hört seine Lebenskraft auf, versiegt sein Lebensquell, weil er in sich "harmonisiert" erstickt. Denn mehr als alle anderen, hat der Ausgestoßene, der Außenseiter die Chance (die sich nicht automatisch ergibt, sondern die er in mutigem Kampf mit dem Sein zu erringen hat, und viele, viele versagen dabei auch) Gott zu schauen.

Das Wehe gilt also nicht einer Gesellschaft, in der der Außenseiter - Künstler, Poet, Priester, König - geächtet, als Fremder betrachtet wird. Das muß sogar so sein. 

Das Wehe gilt auch nicht den immer Vielen, die in die "Masse" (als Allgemeinheit) fügsam eingehen, die damit Masse (weil Allgemeinheit) sind. Das ist der große Irrtum der letzten 100 Jahre, der die Allgemeinheit zu verweigern begann, und genau damit alles auflöste, ohne Gegengewicht zu schaffen. Das nur Allgemeinheit sein kann!

Das Wehe gilt nämlich einer Gesellschaft, wo immer mehr ihrer Mitglieder glauben, sie seien Außenseiter, weil sie sich keiner Allgemeinheit mehr einfügen und diese damit aufhört, zu existieren. Sodaß das Außenstehende zur Allgemeinheit wird, was nur Chaos - Un-Ordnung - bedeuten kann und damit sicher dem menschlichen Wesen zuwiderläuft. Das Allgemeinheit unbedingt braucht.

In einem solchen Fall sind die einem Idealbilde nach Eingefügten die Außenseiter. Die Rebellen hingegen - die dumpfe Masse.






*101018*

Donnerstag, 29. März 2018

Nur noch Konformisten

Zu diesem (nur als Audio verfügbaren) Vortrag von Norbert Bolz über die Freiheit des Geistes, die Freiheit der Meinung, muß man nichts mehr sagen. Sie ist sehr präzise, sie ist sehr gut. Bolz, der Universitäts-Dozent ist, prangert ungemein präzise den Verfall der Universitäten an. In der heutigen Form sind sie wertlose Institutionen der Gehirnwäsche geworden.

Wir haben es nicht einmal mehr mit öffentlicher Meinung zu tun, sondern mit dem, was alle meine, daß öffentliche Meinung sei. Alle reden von Diversität und Selberverwirklichung - und alle denken dasselbe. Wir haben es heute mit einem Konformismus zu tun, den es in der Geschichte wohl noch nie gab. Der Druck, so zu sein, wie jeder ist, ist gigantisch, und maskiert sich laufend neu. Dabei gibt es doch nur einen Weg, zu einer eigenen Meinung zu gelangen: Die Tradition zu lieben.

Stattdessen haben wir es mit der "Arroganz der Schwachheit" zu tun. Wo aber Kritik keinen Mut mehr verlangt, ist sie korrupt. Heute werden Störenfriede sogar noch hofiert. Der Mut wäre heute aber dort notwendig, wo es um die Erkenntnis der Tradition als Grundlegung des Denkens überhaupt geht. Stattdessen haben wir es heute nur noch mit Geschwätz zu tun. Gerade weil alle unorthodox sein wollen, auch Kirchenvertreter, wird alles nur noch leeres Geplappere, das vor allem die Vergemeinung sucht, dabei nur noch Kostüme sucht. Das bewirkt den völligen Niedergang einer Kultur, weil ihr der Geist ausgeht: Denn Geist gibt es nur um den Preis der Einsamkeit, Freimut, Eigensinn, Redlichkeit.

Aber wir leben in einem beklemmenden Klima der Repression. Fast nur eine Hoffnung gibt es noch: Die der Frechheit des Alters. Wo die Illusionen und Hoffnung ausreichend enttäuscht sind, nichts mehr zu erwarten ist.












*100318*

Sonntag, 23. Oktober 2016

Unter der Drohung der Einsamkeit

"Je stärker die gesellschaftlichen Bedingungen (der Bevölkerungen in Demokratien, Anm.) sich einander angleichen, desto größer wird die Zahl der Individuen, die zwar nicht mehr reich und mächtig genug sind, um einen großen Einfluß auf das Schicksal ihrer Mitbürger ausüben zu können, die aber hinreichend Bildung und Güter erworben oder behalten haben, um sich selbst zu genügen. Sie sind niemandem etwas schuldig und erwarten sozusagen von niemandem etwas; sie gewöhnen sich daran, sich immer nur in ihrer Isolierung zu betrachten, und stellen sich gern vor, daß ihr Schicksal nur von ihnen abhänge.

So sorgt die Demokratei nicht nur dafür, daß ein jeder seine Ahnen vergißt, sondern sie verbirgt ihm auch die Nachfolger und entfremdet ihn auch seinen Zeitgenommen; ständig wirft sie ihn auf sich selbst zurück und droht, ihn gänzlich in die Einsamkeit seines eigenen Herzens einzusperren."

Alexis de Tocqueville, "Demokratie in Amerika" (ca. 1830)


Was Tocqueville hier für den Staat schreibt, gilt analog uneingeschränkt für jeden sozialen Organismus, dem seine hierarchische Struktur genommen wird. Nicht zuletzt, ja vor allem - von der Familie, die der sozialistische Sozialstaat als verfeinertes Instrument des Demokratismus als Tyrannei der Mehrheit direkt und nachhaltig zerstört hat.




*310816*

Sonntag, 28. Februar 2016

Aus einem Brief an X (3)

Teil 3) Der bei Briefen des VdZ übliche Nachtrag - 
Unausbleiblichkeiten, und daraus folgend die wahrscheinlichen, 
aber wenig erfreulichen Perspektiven als Deutungshorizonte der Gegenwart





(Nachtrag) Wenn die Abschottung und Abwehr [Europas; Anm.] nicht von einer Reform/Regeneration in dem Sinn, wie ich ausgeführt habe, begleitet ist, kommt es zu einer Ideologisierung dessen, was vermeintlich - zum Ding werdend - den Bestand des eigenen bewirkt. Das passiert derzeit, wenn über geschlossene Grenzen, Polizeiverstärkung, Überwachungsintensivierung etc. etc. gesprochen wird. Was aber sollen die schützen? Den status quo der Kulturleere? Zäune und Mauern baut man nur, um Weltordnugn gegen Chaos abzugrenzen. Wo aber ist nun was?
Also wird Europa als nächstes, im dialektischen Prozeß, diese Leere bewußt werden. Ihr wird eine Rückwendung zu "Werten" folgen. Das wird sehr stark von den jungen Menschen ausgehen, die ja begreifen, daß sie ein institutionelles Gerüst brauchen, weil sie überhaupt keinen Halt mehr finden. Denn das sogenannte "Rechte" (in aller Definitionsschwierigkeit, denn das Wort ist mittlerweile ein symbolisches bzw. zum Symbol aufgeladenes Totschlagwort für alles und jeden geworden) ist eine dialektische Reaktion auf die Macht der in jedem Fall zerstörerischen weil anti-substantiellen Linken. Deshalb der oft "fliegende Wechsel" von Linken auf rechts.

Lustigerweise und dabei typischerweise wird also ein solcherart in der Notwendigkeit feststeckendes, nicht wirklich erneuertes Europa dann dem Islam GENAU DASSELBE entgegenstellen, was ihm im Islam als Bestandsbedrohung entgegentritt. (Houillebecq hat das übrigens auch recht richtig beschrieben.) Über weite Teile wird es sich sogar inhaltlich absolut gleichen: Kollektivismus, Familienfetischisierung, Religion bzw. Kult als Rationalisierung und Psychogenisierung ... Spätestens dann, also nach einer gewissen Zeit, werden diese beiden Richtungen (die sich natürlich nur mehrheitlich in Europa bilden werden, nicht bei allen gleichermaßen) ineinanderfallen.
Und dann? Dann wird es vermutlich zu einer wirklichen Katholikenverfolgung kommen, so wenige Katholiken es dann noch geben wird. Es kann nie zu wenige geben. Denn es geh um die Kirche. Sie wird immer das eigentliche feindliche Ziel der Weltimmanenz sein. Denn der Katholizismus als Gestaltpräsenz des Wahren, als Gestaltreligion, ist der Ideologie, dem Selbstvoluntarismus tödlich. (Er wäre das, was der Islam genauso macht: Eine Selbstkritik ist per se schon bestandsgefährdend; also muß sie strikt verboten werden.) Weltimmanenz aber kann sich nur in Ideologie manifestieren weil zur "Gestalt" abschließen.





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Samstag, 27. Februar 2016

Aus einem Brief an X (2)

Teil 2) Europas Kultur wurde zu einer Laien-Kirche - 
Die heillose Entstehungs- und Wirklogik einer Laien-Kirche



Abgesehen davon, daß man Menschen nicht "machen" kann, das liegt, wie Du selber schreibst, letztlich nicht in unserer Hand. Aber wir können oder müssen sogar "offen" sein. Der Leib IST nicht Geist, aber er ist Bedingung für Geist. Genau so ist es für die Psyche, das Selbst des Menschen. Wo wir uns nicht öffnen, und das tun wir nur in der Selbstvergessenheit, in der Selbstübersteigung in die von uns nie gewußte Dunkelheit der "insecuritas" hinein, dem "bittenvollen Andockpunkt" an Gott, verfehlen wir uns auf jeden Fall selbst.
Dieses Abschließen aber, dieses Rückbeziehen auf sich selbst (wo aber "nichts ist", als nichts, das erkennbar wäre, weil es eben noch genau kein Bild ist, das ist ja erst im Leib wirklich), das notwendig die Selbstüberhöhung (heute haben alle "Sonderbegabungen", sind "Genies", etc.) bringt, hat die weitere notwendige Folge, daß eine Kulturgemeinschaft nach und nach stehenbleibt, und sich dann "gnadenlos" rückentwickelt. Goethe schreibt dem entgegen einmal sogar, daß der entscheidende Punkt für ihn war zu erkennen, daß er ein ganz normaler Mensch war.

Genau deshalb kann man heute feststellen. Wir sind viel viel blöder als vor 50 Jahren (und glauben das Gegenteil so sehr, daß wir nicht einmal hören wollen, was die Väter sagten, nicht mehr sehen wollen, wie die Mütter, die Eltern lebten; das 4. Gebot sagt deshalb so weise, daß die Eltern-Achtung Fundament für irdisches Wohlergehen ist). Und wenn ich mir naturwissenschaftliche Erkenntnisse" anschaue, wie sie heute kolportiert werden, habe ich überhaupt den Eindruck "im falschen Film" zu sein: Sehen die nicht, daß die Wissenschaft etwa vor 100 Jahren schon weiter war? Daß sie nur noch fast wertlosen Abklatsch einstiger vollkräftiger Erkenntnisse produzieren, die sie nicht einmal mehr verstehen - denen gegenüber aber sie sich so überlegen vorkommen. So beginnt eine Kultur erst zum Stillstand zu kommen, um dann rückschrittlich zu werden. Diese Zeiten waren historisch deshalb immer jene Zeiten, in denen vitalere Völker in einen entleerten Kulturraum einströmten.
Auch die Reaktion ist immer dieselbe: Erst wird versucht, dieses Phänomen abzuwehren. In dem die eigenen Gespenster als Menetekel auftauchen. Aber eine Regeneration, die eine Abschließung wenigstens für eine gewisse Zeit rechtfertigte, passiert nicht. Und hier geht es um den einzigen Andockpunkt, aus dem regenerative Kraft folgen könnte: um die Frage nach Gott und der Wahrheit der Religion. Es ist die Frage nach der Inkarnation Gottes.
Wenn, dann könnte deshalb nur eine irgendwie noch christ-katholische Kultur diese Wende schaffen. Konkretisierbar sogar - in der Liturgie, im Kult. Dem Ort des Himmel und Erde vereinenden Tanzes der Schöpfung und ihrer Grundkräfte, der Musik, der Dichtung, in denen diese Urbilder wirkmächtig und real (also nicht als psychogene Folgen, wie es im Protestantismus z. B., aber auch z. B. im Islam geschieht, beide sind einander in vielem ähnlich) in die Geschichte eintreten. Diese Frage nach der geschichtlichen Realität ist die Kernfrage nach "Religion". Und das ist mit dem Verstand zu unterscheiden, weil im psychischen Geschehen sehr wohl zu differenzieren.
Ich sehe immer deutlicher, daß sich seit der Renaissance - als starker Kulturstrang aus ihr heraus (sie selbst ist ja auch vielschichtig) - diese Regeneration mehr und mehr in die Weltimmanenz und ins Psychogenische verschoben hat: Die Kirche wurde verdrängt, auch durch vielfaches Versagen ihrer Gestaltträger, und die Laien haben ihr die Instrumente aus der Hand genommen und eine eigene Kirche gegründet. (Political correctness ist eine ihrer Früchte.) Genau deshalb hat sich uch der Begriff von "Geist" verflüchtigt, der sich bildhaftem (weltimmanentem) Begreifen nämlich entzieht.

Die Folgen sind deutlich erkennbar: In sich kreisend, hat unsere Kultur sich zur Gesellschaft einer Laien-Kirche verwandelt, mit allen kirchlichen Elementen (bis hin zu Solidaritäts- und Haftungsfragen - jeder fühlt sich für alles verantwortlich, etc. etc.) der das Anbindeelement an Gott aber fehlt. Sie ist dadurch impotent geworden, und hat ihre Ordnung (kein Organismus kann ohne Ordnung leben) verloren, die nur in Gott, dem Wissen Gottes (das heute zum funktionalistischen Informationsbegriff wurde) sein kann. [...]
[In der Wachau] konnte man aber immer diese Ganzheit einer Kultur noch zumindest erahnen. Unvergeßliche Momente habe ich dort erlebt, darunter jenen Sonntag im Juli 2000, ich weiß es noch als wäre es heute, wo ich vom Parkplatz kommend zum Stift Melk ging, und vorher doch zum "Paradiesesgarten" abbog, als der mir diese Gartenanlage (sie befindet sich seitlich, rechts, steht man vor dem Kloster) rasch erschien. (Heißt sie nicht auch so?) Denn es war als rührte mich dort Gottes Vorsehung (und Wissen) selber an, als ich in diese Schönheit und Harmonie eintrat. Als wäre der sanfte Wind, der die Bäume bewegte, Anhauch des persönlichen Heiligen Geistes. Menschen, die das zu gestalten in der Lage sind, müssen schon sehr viel "Fenster", ja "Tür" sein.


Morgen Teil 3) Der bei Briefen des VdZ übliche Nachtrag - 
Unausbleiblichkeiten, und daraus folgend die wahrscheinlichen, 
aber wenig erfreulichen Perspektiven als Deutungshorizonte der Gegenwart




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Freitag, 26. Februar 2016

Aus einem Brief an X (1)

[...] was den Pessimismus regelrecht gefährlich macht ist, daß er als Grundstimmung jene Bilder formt, nach denen wir handeln, ob wir das bewußt machen oder nicht. Die Grundmatrix unseres Handelns wird von uns bestimmt. Sehen wir Dinge pessimistisch, so formen wir ihr Ende vor. Damit kann es passieren, daß wir Dingen ihr Gut absprechen, das sie immer noch hätten, und aus dem sie sich sogar wieder - in der Polarität Bild/Idee und Materia (Mann-Frau) -  zur Schönheit als Gestalt erheben könnten.
Die apokalyptischen Bilder, die uns seit Jahrzehnten mehr und mehr beherrschen, bringen deshalb auch ein schlechtes Ende mit sich. Ich meine, das im Blog immer wieder behandelt zu haben. Sie stammen auch nicht aus ehrlicher Sorge, sondern aus dem Willen zum Ende - aus Flucht vor der Lebensmühe, also aus der Acedia (als Grundhaltung) entstammend. Das drückt sich auch in der Zwangsläufigkeit aus, die uns zu vermitteln versucht wird. Schöpfungsimpotente Muttersöhnchen (um das in einem Pauschalbild irgenwie zu umreißen) agieren eben so.
[...] Der Humor (als Heiterkeit, nicht als Zynismus oder Spott; meist tritt er heute nämlich in dieser Bitterlichkeit auf) spielt eine wichtige Rolle, denn in ihm distanzieren wir uns, spielen mit den Dingen.
[... ] Auch ich hatte zur Wachau, noch mehr aber zum Nibelungengau, immer eine sehr enge Beziehung, und ich war früher sehr oft dort. Sie atmet für mich so etwas wie die Grundlagen von Österreich als Hochkulturland. An der Wachau also könnte sogar Österreich genesen. [...] Da muß halt jeder seine "Töne" finden, in denen er schwingt, um es so zu sagen.
[...] Mit "Normalität" meine ich die Notwendigkeit, kein "Sonderlingstum" zu züchten. Viele junge Menschen heute sind genau deshalb so verstört, ja krank, weil man sie überall bewußt zu Besonderheiten hochquetscht. Wer sich aber für etwas Besonderes hält, als übergeschobenes Selbstbild, ist erkenntnis- weil wirklichkeitsunfähig.
Die "Ausgesondertheit" ist hingegen etwas, das man gar nicht machen kann. Weil sie sich ihr Recht und ihr Gewicht von selber sucht und auch ontisch begründet und entstanden ist, nicht bewußt-willentlich (dann ist sie schon Krankheit, wenn sie zum direkten Ziel wird). Ich kenne auch niemanden, den ich als Ausgesonderten bezeichnen könnte, der nicht darunter im Grunde leidet und sich erst nach langem Sterbens- und Leidensweg zu dieser Form der Einsamkeit (mehr resigniert als gerne) Die als ein letztes Fazit eben dann zu ziehen ist. Ja, die meisten kämpfen lange damit, dieses Leiden zu akzeptieren, dem sie aber doch nicht auskommen. Zur Identität kann sie erst nach langen Jahren und Jahrzehnten werden, wenn überhaupt. A. P. v. Gütersloh hat dazu viel Richtiges geschrieben.
Aber diese wirkliche Ausgesondertheit ist ganz sicher sehr selten, und sie ist immer in Bezug auf die Normalität (ob die nun gesund oder krank ist) der übrigen Gesellschaft geworfen. Auch der Eremit ist "Eremit FÜR" die anderen. Kein Mensch lebt für sich. Deshalb kennt auch ihre Stellung in den Augen der Gesellschaft nur die beiden Pole "Ablehnung total" und "ikonenhafte Verehrung". Der Mensch ist immer Teil einer Grunddynamik (von eidetischen, bildhaften, definierenden Beziehungen), die sich niemand selbst ausgesucht hat, die ihm vorausgeht und in der der Grund seiner Existenz liegt. Er ist immer Fenster des Ewigen in eine gewisse Zeit hinein. 
Der Grund für den Geburtenrückgang ab den späten 1960ern liegt nicht "in der Pille", die war nur Ausdruck, sondern in der Verweigerung, Fenster zu sein. Diese Haltung nahm damals enorm an Fahrt auf, ja sie war sogar Kern der 68er-Revolte. Nicht zufällig war eines der Hauptthemata der 1970er Jahre, wie ich sie als Jugendlicher dann erlebt habe, "Selbstverwirklichung". Alle sprachen nur noch davon. Sie haben das nunmehr Verfehlte geahnt ... 


Morgen Teil 2) Europas Kultur wurde zu einer Laien-Kirche - 
Die heillose Entstehungs- und Wirklogik einer Laien-Kirche




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Mittwoch, 27. Januar 2016

Wer alles selbst macht wird weniger

Wir vergessen meist, daß alle praktischen Verhältnisse einer sich höher entwickelnden Kultur Verhältnisse höher steigender Arbeitsteilung sind. Wird das allgemein vergessen, so entsteht eine Sehnsucht danach, die Dinge im Ganzen wiederzuentdecken. Trifft diese Sehnsucht nach dem Ganzen - die eigentlich eine Sehnsucht nach dem Einen ist, nach Gott, dem Allen - auf den Hochmut, der eine Form der Verneinung des Geistes ist, dieses Ganze damit auch neu entdeckt, ja geschaffen zu haben, wird eine Kultur sehr rasch auf einen Stand zurückgestutzt, der die Seinsreinheit der Dinge, ihre Vollkommenheit, die sie in der Arbeitsteiligkeit erreichen können, aufgibt, und das Leben in eine Gebundenheit einer niedrigen Stufe zurückführt, die dem Geist keinen Raum mehr läßt sondern alle Kraft für die Vereinzelung der Dinge verbraucht. 

Ein Zurückschrauben der Lebensweise ist bestenfalls dort sinnvoll, wo es auch in einem Dingverzicht gründet. Arbeitsteiligkeit ist umgekehrt nicht nur die feste Schmiede einer Gemeinschaft, sondern  nirgendwo braucht einer den anderen so, wie in der Arbeitsteiligkeit. Sie führt deshalb auch den Einzelnen zu höherer Selbstwerdung und Freiheit, und zwar in der Angewiesenheit. Aber sie fordert auch viel an Willen zum Geist. Eine autonomistische Gesellschaft muß sich hingegen zivilisatorisch selbst zerstören, weil der Einzelne weniger er selbst wird.

Jeder normale Mensch kann im Grunde "alles". Alles, was (technisch gesehen) überhaupt Menschen können. Eine Gesellschaft aber, die die identitäre Spezifizierung - durch Abbau der Institutionalisierungen ihrer hierarchischen Gliederung - aufgibt, entläßt Generationen in die Welt, die meinen, alles zu können und zu sein, aber nicht zu jenem Ort finden, an dem sie ETWAS sind und NUR dieses Etwas erfüllen. Was sie am besten könnten, weil es ihre identitär-institutionalisierte, übergebene Aufgabe wäre, was immer heißt: Verzicht auf vieles. Nicht ein irgendwie zu findendes Talent bestimmt das Tun. Talente sind neutral, und jeder hat ungefähr gleich viel - alle. Sondern die Aufgabe der Identität formt sich zum einen ein bestimmtes Talent, und zum anderen liegt die Erfüllung nicht im Talent (weil kein Talent so weit vom anderen entfernt liegt, also allen gleichermaßen zur Verfügung steht), sondern in der identitären Aufgabe. 

Während heute oft sogar gemeint wird, diese Unbestimmtheit in der Identität, dieses Herumschwimmen im möglichen Selbstsein, heute in diesem, morgen in jenem, würde gar "kreative Anlage" sein. Ohne feste Identität gibt es aber keine Kreativität, die kennen muß was sie verbindet, sondern nur unstabile Willkür.









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Sonntag, 1. November 2015

Heiligenverehrung ist Namensehre

(In Anknüpfung an das gestern Geäußerte:) Deshalb ist dem Menschen nie ein anderes Zeichen seiner Selbstwirklichung gegeben, als jener Name, in den er hineingeboren wurde. Dieser Name des Vaters, des Hauses nämlich, er ist es, den es mit weiterem Glanz zu füllen gilt, der vielleicht aber auch aus manchen Untiefen herausgeholt, zu Glanz gebracht werden muß. 

Was freilich nie anders als in personal-persönlicher Achtung dem Vor-Träger gegenüber geschehen kann, weil sonst das Mögliche - und das ist das Aufträgliche - in diesem Namen (das ja dagewesen sein muß, sonst ist es kein Mögliches) verloren, die menschliche Sendung ins Nichts geschleudert wird.

Denn die Teilhabe am Ewigen ist untrennbar personaler Natur, sie ist keine der "Eigenschaften" oder "Fähigkeiten". Die Menschheit hängt in ihrer Existenz an der Gestalt (!) von Menschen, aus denen sie hervorgingen, auf die sie zugehen. 

Wo dieses Zugehen sich verliert, oder wo es seine Bestimmung vollends erlangt hat - die in ihrer Zeitdauer nicht von Menschen absehbar oder machbar ist; sie ist in der Vorsehung Gottes, seinem ordo beschlossen -, erlischt deshalb ein Name, ein Geschlecht, eine Familie.

Nur den Herausgenommenen, den Einsiedlern, Mönchen, Künstlern, den Königen wie Päpsten ist es deshalb möglich, sie neigen genau deshalb auch dazu, einen neuen Namen (der aber keineswegs einfach Willkür ist, sondern ihre Universalität unter einem passenden Namen zusammenfaßt weil damit in der Welt für die Welt überhöht) anzunehmen. Man kann sich ihnen deshalb nur in der Haltung der Verehrung nähern. 

Weshalb es ein sehr richtiger Impuls der Menschen ist - unausrottbar zum Ärger mancher Katecheten, die die inhaltlichen Feinheiten der Kirchenfeste zu wenig bekannt wähnen; sie sind es aber gar nicht; wenn, sind gerade die Feste Allerheiligen/Allerseelen den Menschen besser bekannt, als den Theologen - am Tag Allerheiligen auch die Gräber zu besuchen.




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Sonntag, 24. August 2014

Was Musik kann

Nichts an dem Lied(text) ist logisch, oder von nichts könnte man wirklich sagen: Ja, so wäre es. Es bleibt eine Art assoziative Lautmalerei, fragmentarische Aussage, und insofern "trotz Text" weitgehend instrumental. Und doch hat Hubert von Goisern etwas getroffen, was eben nur Stimmung ist - und sie hält diese Fragmente zur (nonverbalen, immanenten, poetischen) Wahrheit zusammen. Wahr auch als Anhalte für Handeln. Man möge von ihm nur keine relevante philosophische Analyse erwarten. Aber es ist vor allem die Musik, die alles enthält, die weiß, ohne es zu "wissen".

Man überfordert deshalb gerne Musiker, die mit ihrer Musik die richtige Aussage treffen, aber sie niemals analytisch formulieren können, ja in ihren Gedankengebäuden, darauf hingedrückt, lächerlich inkonsistent sind. Sie artikulieren es eben in Stimmungen, und das ist ihre mächtig wirkende Leistung, denn der Mensch denkt und handelt aus Gestimmtheiten (die von unfreier Laune zu scheiden freilich nur wenigen gelingt), sein Sein ist Rhythmus, damit klangliches Gestaltbild. Musiker werden gar oft sogar peinlich, wenn sie diese Autorisierung in ihrer Begrenzung nicht akzeptieren, und ihr Denken die Höhe ihrer Musikalität nicht erreicht. Was oft der Fall ist.

Denn in diesem ihrem Werkmedium werden sie, die Musikschaffenden, eben frei. Indem sie sich zu dem, was in ihnen klanglich-rhythmisch chthonisch wirkt, verhalten, es im Werk herausstellen, sich damit erst selbst erkennen.

Musik ist deshalb oft viel wahrer - aber auch gefährlicher, weil leicht irreführend, denn für eine Gesamtlösung des Menschseins in der Welt reicht sie im Normalfall nicht hin - als das Denken der sie Schaffenden. Und diese sind oft viel reifer in ihren Werken, als dort, wo man sie zur Vollfigur alltäglicher Obliegenheiten zwingt. Wo sie dann rasch einmal nur unbeholfen herumtappen, weil ihnen das Medium der Alltäglichkeit - und diese soll keineswegs geringgeschätzt werden, ja sie ist der Grund und Bezugspunkt für den Künstler selbst, ohne die er sich gar nicht fände - immer fremd bleibt.

Hier scheidet sich sogar der Lyriker vom Schriftsteller, der Künstler vom Intellektuellen oder Philosophen, trotz überschneidender Mengen. Denn letztlich, letztlich ist doch alles Poesie. Was immer der Mensch weiß, ist ein poetisches Bild. Ja, nur das weiß er wirklich. Denn alles Wissen ist ja nur der Glaube, daß das "artikuliert Gewußte" auch gewußt wird. Das zu zeigen, als Fundament des Wirklichen, auch im Alltag, ist künstlerische Aufgabe, egal in welchem Medium, in dem es sich enthält und aus Formkraft Gestalt nimmt.

Gleichzeitig zeigt eine Zeit die die Gegenwart, in der allerorten und jederzeit Musik zu hören ist, Wortgeräusch, eine gefährliche Tendenz zur Irrationalität an. Als Verweigerung der Mühe der Wahrheit, die eine sittliche Forderung der Wahrhaftigkeit des geführten Lebens, nicht nur der Kritik, darstellt. Denn nur wer wahrhaftig lebt, kann auch wahrhaftig denken. Nicht nur "richtig". Nur dessen Lebenswerk ist damit auch von den wirklichen Wirklichkeiten durchtränkt und geformt. Wer falsch lebt, denkt auch irgendwann falsch. Wer sich in falscher Architektur bewegt, wird zu sich selbst gespalten. Denn er macht sich selbst taub, und spielt auf falscher Tastatur. Die man zwar zu beherrschen lernen kann, aber nur "in gewissen Hinsichten". Der Künstler und der (nur) Virtuose sind also zwei völlig unterschiedliche Charaktere und werden bedauerlicherweise oft zu wenig auseinandergehalten.

So ist der entscheidende Reifepunkt der künstlerischen Existenz ausnahmslos das Abstreifen jener Verhangenheiten, die ihn von seinem Medium, dem Wasser in dem der Fisch alleine schwimmen kann, entfremden. Sie machen sein Werk sogar verlogen oder eitel. Denn er ist nur dem Werk verpflichtet, nicht dem Publikum. Sein Kriterium darf nie der Nutzen sein. Wer mit den Augen des Publikums denkt, das zwangsläufig und richtig in seinem Lebensvollzug im Nutzengeflecht des alltäglichen Lebens steckt, hat bereits verloren. Und zwar ... sich. Das macht ihn zur exemplarischen Existenz, denn Reife beginnt immer im Ergreifen der letzthinnigen Einsamkeit in der Welt.

Wie es ein mit dem VdZ befreundeter Maler unlängst ausdrückte: "Es kommt für uns darauf an, wie man lebt. Das Werk ist dann ein Zweites, und seine Entstehung, seine Gestalt unterliegt ganz anderen, historischen Bedingungen." Seine Daseinsberechtigung erfließt aus der bewußt unnützen (als: nicht der Nützlichkeit eingeordneten) Lebensform alleine. Wie beim Mönch, wie beim Eremiten, wie beim Philosophen, wie beim Priester.







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Donnerstag, 1. November 2012

Einsamkeit als Wesenserfüllung

Einsamkeit hat mit „Alleinsein“ nur indirekt zu tun. Indem man als „Einsamer“ auch das „Alleinsein“ anders trägt. Sie ist vielmehr eine Haltung, in der erst die Persönlichkeit in sich zu stehen kommt! Es ist deshalb keine Resignation angebracht, in der man sagt: Im letzten ist jeder allein. Es ist der Ausgangspunkt, in dem sich der Mensch erst im Selbst rundet, selbsttragend wird. Und das ist sein Wesen, in dessen Erfüllung er zu seinem Vollsein (und damit der Eingefügtheit ins Sein selbst) kommt.

Die angsterfüllte Suche nach Kollektiv, nach Gemeinschaft, gründet nicht im faktischen Alleinsein des heutigen Menschen. Sie gründet in seiner Flucht vor sich selbst, das mit den gegenwärtigen Konzepten der Welterklärung diese Unruhe nicht stillen kann. 

Wenn deshalb beim Internet von neu entstehender Einsamkeit geredet wird, so ist damit nur gemeint, daß die Virtualisierung des Lebens den Einzelnen aus seinen humanen Verbindungen löst. Wobei das Wesen der humanen Verbindungen, sofern sie wirklich in Selbstüberschreitung und Liebe gelebt werden, eben diese Einsamkeit ist.

Die Frustration des Internet, das in der abstrakten Imitation humaner Verbindungen eine menschliche Erfüllung bietet, preßt ihn vielmehr an seine Grundfrage: der, sich zu entscheiden, seine Einsamkeit zu tragen. Weicht er dieser Entscheidung aus, wird sein Agieren im Netz bzw. in den social media immer hektischer, belebt von der Hoffnung, daß es doch einen Ausweg gäbe. Social media im besonderen leben also von der Hoffnung, von der Erwartung, von der Zukunft. Deshalb wird am Ende aller Möglichkeiten - Wut stehen. Die sich auf das Grundproblem zurückwenden wird.

Aber selbst die eheliche Partnerschaft unterliegt häufig diesem Mißverständnis, soll von dieser Grundeinsamkeit befreien. Und enttäuscht darin zwangsläufig, wirft darin nämlich noch mehr auf diese unbeantwortete Grundforderung des Daseins zurück.*

Das Internet "macht" gleichsam nicht einsam. Es hat nur die Geschwindigkeit erhöht, in der erkannt wird, daß es gilt, sein Menschsein als Einsamkeit zu begreifen. In diesem Maß erst wächst neue, im Vollsinn wirkliche Gemeinschaftlichkeit der Brüder und Schwestern. Als Söhne und Töchter derselben Quelle. Denn nur über dieses Sein selbst, in ihm, hängt alles Einzelne zusammen, und von dort her hat alles seine Gefügtheit und Ordnung. Abgrenzung zur Individualität ist nur noch scheinbar möglich, durch "Extraordinarität", selbst durch "kritischen Geist", der meist nur diese Funktion erfüllt: In der Masse doch noch Einzelner zu bleiben.**

Abwendung von Gott - Gott, das Sein - drückt sich also direkt im Kollektivismus aus, jener weist auf dieses. Denn das Kollektiv bezieht seine Magie aus der Verlockung, in einem größeren Ganzen aufzugehen, dem alles verdankt wird, in dem Gemeinschaft (scheinbar) möglich wird. Von dorther bezieht er alles - sein Selbstsein, sein Sein in der Welt. Aber der Preis ist der Selbstverlust. Das ist das Wesen der Vermassung.

Im Bewußtsein aber, direkt dem Sein gegenüberzustehen, im Aufgeben der Fluchttendenzen, die immer mit einer Vernebelung der innersten Wahrnehmung einhergeht, wird auch jede Propaganda wirkungslos.



*Während doch nur die Einsamkeit zu wahrer Gemeinschaft befähigt. Viele Ehe- und Partnerschaftsprobleme sind sogar darauf zurückzuführen, daß einer der Partner aufhört, die Ehe oder Partnerschaft zu mißbrauchen. In einer paradoxen Umkehrung wird oft gerade dieser dann beschuldigt, das "Gemeinsame" zu brechen. Wo er doch nur aufgehört hat, ihm seine Scheinhaftigkeit weiter zu belassen. Indem der andere fordert, diese ursprüngliche Selbsttäuschung weiter aufrechtzuhalten.

**Kein diktatorisches System schließt sich deshalb auf völlige Homogenität ein. Vielmehr schaffen gerade kluge diktatorische Systeme Möglichkeiten der Opposition. Selbst im Sowjetkommunismus gab es ein "Krokodil". Diktatorische Systeme, die ihrem Wesen nach Strukturen der Macht sind, denen es also nie wirklich um "Inhalte" geht (so sehr sie auch aus Inhalten stammen mögen), müssen nur eines fürchten: daß die Menschen ihre Einsamkeit zu tragen lernen. Dorthin gelangen sie nicht mehr.




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