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Dienstag, 27. Oktober 2020

Die Zwillinge Sozialstaat und Kapitalismus brauchen nur Geld (2)

Teil 2) Wirtschaft und Politik brauchen nur noch eines: Geld


Arbeitskräfte braucht man dafür nur noch wenige. Selbst das Wasser "brauchen" die wenigen Standorte dieser Branche nur noch zum Ablassen der Chemieabfälle. Denn das Hauptgeschäft wird mehr und mehr Beschichtung und Verarbeitung, das gut ausgebildete und vernünftige Arbeiter braucht, die es hier gibt. Dafür aber mit Materialien umgeht, die (gelinde gesagt) "heikel" sind.

Nicht mal das hiesige Holz, das es hier im Überfluß gibt, brauchen solche Papierkonzerne noch. (Und das ist der Grund, warum die Waldfläche in Österreich alleine in den letzten Jahrzehnten um zehn Prozent zugenommen hat.) Aber die Zellulose für das europäische Papier wird in gigantischen Mengen aus Südafrika und Südamerika (gewonnen aus schnellwüchsigem Bambus!) geholt. Das Land und Boden auslaugt, der natürlich ebenfalls diesen Konzernen gehört

Trotz der langen Transportwege ist das noch immer um die Hälfte billiger. Denn Globalismus hat eine Achillesferse, hat eine Grundbedingung, und das ist der Transport. Rockefeller wurde ja gar nicht reich "durch das Öl". Er wurde reich und Monopolist, weil er die Transportwege kontrollierte. Gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet ist der Transport aber nur deshalb "billig" (und Globalisierung möglich), weil er den Hauptanteil seiner Kosten (als direkte und konkrete Belastung) auf die soziale Mitwelt umwälzt. 

Kostenwahrheit würde also ein Ende des Globalismus bedeuten! Weil es den Transport extrem verteuern würde. Und das hat mit Öl oder "fossilen Brennstoffen" nur wenig zu tun. Und das ändert sich mit "nachhaltigen Energieformen" nicht nur nicht, sondern wird noch schlimmer. 
Sagen Sie aber das einmal einem "Wirtschafts-", sagen sie das einmal einem "Ökologie-Experten." Daß eine Gesundung unserer "Umwelt" und eine Reform der Art unseres Wirtschaftens schon alleine dadurch, ja fast kann man sagen: Nur! dadurch in die Wege geleitet wird, wenn man umfassende Kostenwahrheit beim Transport einführen würde.

Aber wir wollten es so. Zumindest die Politik wollte - und will! - das alles so. Warum? Weil sie große Einmütigkeit mit dieser globalisierten Industrie hat. Denn beide brauchen nur eines: GELD. Geld und funktionierende Menschen.

Warum machen solche "Erfolgsgeschichten" so traurig? Wobei das Maß der Traurigkeit ganz gewiß weit höher ist, weil viel mehr Menschen diese Traurigkeit teilen, ob bewußt oder (wie meist) unbewußt, weil ihre Sicht der Welt die Gründe für diese berechtigte, richtige, echte Trauer gar nicht erfaßt, sondern diese Traurigkeit sogar in gezielter Lüge ("Depressionen", "Burn out" usw. usf.) zu etwas "anderem" erklärt.

Wußten Sie, geneigter Leser, daß das, was die meisten Menschen (vermutlich auch Sie) glauben, daß nämlich Diamanten "selten" sind, und daß sie deshalb (!) so wertvoll und teuer sind, überhaupt nicht stimmt? Wußten Sie, daß es weltweit so viele Diamanten (bzw. -fundorte) gibt, daß dieser Stein, der nicht einmal besonders "schön" ist (weil so gut wie keine ästhetischen Eigenschaften, die werden per Schliff und Lichtbrechungsmythen dazuphantasiert), spottbillig sein müßte? WENN es nicht ganz besondere Umstände gibt ... die auf die Cleverness von Leuten wie Cecil Rhodes und Nathan Rothschild zurückgehen. Die nämlich in Südafrika und Rhodesien Rohstoffe suchten, aber nur wenig fanden. Außer fruchtbares Land und ein äußerst förderliches Klima. Aber im Boden waren (neben Kohle usw., doch auch die war damals bzw. ist heute eher nur lokal von Bedeutung, weshalb man sie ja aus dem Rennen stoßen will) ... diese durchsichtigen Steine, dieser gepreßte Kohlenstoff. 

Da kam ihnen die Idee, eine ganz neue Form des Geschäftemachens zu etablieren. Eine, in der man nicht Angebot und Nachfrage, sondern einen ganzen Markt in der Hand hatte. Und der erste Schritt dazu war, aus dem Diamanten einen Mythos zu machen, also gewissermaßen seine umfassende Wertschätzung (das eigentliche Kriterium des Preises) selbst zu schaffen. Wozu natürlich gehörte, "den Diamanten" - also die weltweite Diamantenproduktion (die für industrielle Zwecke weit wichtiger ist als für Schmuck) - in die Hand zu bekommen. Warum mußte man diesen Mythos schaffen? 

Eben, weil man auf diesen Stein weltweit gar nicht so viel Wert legte. (Oder weiß der Leser auch nur EIN wertvolles Stück aus der Zeit VOR dem 19. Jahrhundert, das überhaupt Diamanten einsetzt? Eben! Diamanten galten unseren Vorvätern als vulgär! Es gab ihn ja überall, und er war ästhetisch nahezu eigenschafts- und damit wertlos. Gerade der Einsatz als Schmuckstein, als Inbegriff des Edlen und Teuren, der damit einherging, war somit neu. Und dazu mußte man den Diamanten "machen," um seinen Wert in die Höhe zu treiben. Durch Propaganda (Nachfrageseite) wie durch die Macht, den gesamten Markt (also auch die Angebotsseite) zu kontrollieren. Indem man sie buchstäblich besaß.

Das niederländische Diamantenkonsortium De Beers kontrolliert auch heute gut neunzig Prozent des weltweiten Diamantenmarktes. Aber darauf war dann die Marketingstrategie ausgerichtet. In der man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann, den Diamanten als "das Besondere" aufzubauen, den jeder "haben mußte". Was natürlich bei der Ehe beginnt.

Also wie so viele Marketingstrategien. Der Leser würde nicht glauben, wie nüchtern Marketing und Verkauf die Welt oft sehen. Wie gut dieser Bereich, der es sich nicht leisten kann, an der Wirklichkeit vorbei zu agieren, die Realitäten zur Kenntnis nimmt. Und wie berechnend er damit umgeht. In diesem Fall mit der Bedeutung der dauerhaften Zweisamkeit - und die gibt es nur in der Ehe - für den Menschen. Samt der in Wirklichkeit nach wie trotz aller Ideologien.

Gewissermaßen als "Bückware", wir haben darüber schon geschrieben: Daß unsere Wirtschaft in dem Maß heimlich, "unter dem Ladentisch", also als "Bückware" agiert, in dem die Politik den Menschen Ideologie in die Gehirne drückt wird am Marketing klar. Das völlig unbeeindruckt von Ideologie eine Linie der traditionellen Rolle des Mannes gegenüber der Frau fährt, denn Marketing für den Endverbraucher muß erfolgreich sein.

Wußten Sie auch, geschätzter Leser, daß dieses Diamanten(fast)monopol von De Beers (und einigen wenigen derer Kooperationspartner) einer der Gründe ist, warum es in machen Landstrichen Afrikas nicht und nicht Frieden gibt? Es geht um Diamanten. Und das ist mit dem Begriff Blutdiamanten gar nicht wirklich beschrieben. 

Das ist nicht nur ein kleines Detail, sondern es ist Teil einer perfide gesteuerten Ablenkungsstrategie, die getreu der Gesamtstrategie den GESAMTEN Markt beherrscht, also auch die "Kritik". DARAUF zielt seit Jahrzehnten wirklich "gute" Public Relations, wirklich "gutes" Marketing, und wirkliche Strategie von Machtakkumulation in jedem, also auch und vor allem sogar dem politischen Bereich ab: 
Sie beeinflußt oder besitzt nicht nur die Kritik, sondern sie schafft sie sich. Selber. Unaufgefordert. Pro-Aktiv. Damit keiner die wirkliche Dimension des eigenen Handelns entdeckt.

Denn daß es um Diamanten in ganz anderer Hinsicht geht, darf nicht offiziell werden, sonst sind die in hundertfünfzig Jahren aufgebauten strategischen Positionen beim Teufel. Die zu bewahren und weiter auszubauen global agierende Oligarchennetzwerke vor nichts zurückscheuen. 

Auch nicht davor, jedes Land, in dem wieder einmal Diamanten gefunden werden, zu destabilisieren, um genau diese Diamanten ebenfalls unter ihre Hand zu bekommen. Und sei es, daß diese Funde niemandem anderen (!) nutzen. Was nicht einmal ganz unberechtigt ist, nimmt man kapitalistische Maßstäbe. Denn den Mythos, daß Diamanten wertvoll, selten und deshalb so teuer sind, haben diese Männer künstlich geschaffen. 

Ein Mythos, den niemand zerstören will und wird. Warum? Weil so viele daran sehr sehr gut verdienen. Weil vor allem die Politik "der Demokratie" davon profitiert, wenn sich das Kapital konzentriert. Denn Kapitalismus ist "state sponsored usury", ist staatsgestützter und -geförderter Wucher. 
Und Wucher ist die von Wert losgelöste Taktik, die Arbeitskraft des anderen, diese einzig wertschaffende Kraft, in eines Hände zu bekommen, das heißt: Den anderen skrupel- und morallos zu versklaven. Und das heißt: Den arbeitenden Menschen jedweder Selbstverfügungskraft zu berauben. Und das heißt: Die Freiheit des Menschen - und damit Kultur an sich! - zu eliminieren. 
Eine geldzentrierte Wirtschaft, ein geldzentrierter Lebensvollzug heißt nämlich, atmet man die Begriffe von Simone Weil, das Leben auszulöschen, und den Menschen zu töten.


*081020*

Montag, 26. Oktober 2020

Die Zwillinge Sozialstaat und Kapitalismus brauchen nur Geld (1)


Markt St. Gallen in der Obersteiermark
Markt Sankt Gallen (Obersteiermark)
Eine der täglichen Nachrichten über Unternehmenskonkurse und/oder Entlassungen (pardon, "Freistellungen", oder "Kurzarbeit") in den Zeitungen machte den VdZ betroffen. Denn hier geht es um einen kleinen Ort, der von einer großartigen Burg dominiert wird, um Sankt Gallen in der Obersteiermark. Zwei, drei Kilometer vor dem Ort, wenn man vom Ennstal kommend ins Tal der Laussa einfädelt (buchstäblich, es geht zwischen zwei Bergrücken durch ein Nadelöhr), befand sich diese Fabrik, die nun geschlossen wird. Und genau vor der befindet sich die Abzweigung hin zu jener Alm, zu der man sich vom Tal aus auf einer schmalen, aber stets erstaunlich gut asphaltierten Straße in die Höhe schraubte. 

St. Gallen (Stmk.) - Hauptplatz
Vor siebzig Jahren stand auf genau diesen Gründen sogar mal eine richtige Papierfabrik. Die Gebäude hat man in den späten 1980ern dem Erdboden gleich gemacht, und auf diesen Gründen hat man eine neue Fabrik gebaut. Die als Zweigbetrieb eines Verpackungsunternehmens (also gewissermaßen branchengleich) geführt wurde. Ich meine mich erinnern zu können, daß viel Subventionsgeld geflossen ist, weil es in dieser Gegend nicht nur kaum Firmen gab, also keine Arbeitsplätze, sondern weil man die enorme Abwanderung stoppen zu wollen begann. 

Eisenerz ist ja auch nicht weit. Diese alte Stadt, die ich in der Kindheit noch als "große", vor allem wichtige und prosperierende Stadt der "Erzfurche" erlebt hatte, die über den Alpenpaß zu den Eisenstädten Leoben und Kapfenberg verlief. Eisenerz hatte damals fünfzehntausend Einwohner. Und ist heute, nachdem der Eisenabbau durch Maschinen erledigt wird, auf fünftausend geschrumpft ist. 

Wir hatten sogar einen der Dachstühle der alten, wunderbar atmosphärischen Gebäude der Papierfabrik - alte Gewerbebetriebe haben einen ganz eigenen Flair - abmontiert und mit Traktor auf die Alm geschleppt. Als Bauholz wer weiß wofür. Naja, was nimmt man nicht alles geschenkt.

Ehem. Vogtei v. Stift Admont - Ruine Gallenstein
Und nun das Ende dieser Fabrik, die zu einem Verpackungsunternehmen gehörte. Unrentabel. Vermutlich hat man aber ohnehin schon lange gekämpft, weil der Nutzen dieser Produktionsstätte nur nach anderen (aber für eine Kultur, für einen Staat, für das Gemeinwohl weit substantielleren) Kriterien zu bewerten war, nicht nur in Geld. Nicht zuletzt vermutlich wegen Corona, das ja - ei, wie nützlich! - "Zombieunternehmen" geräuschlos (mit)ausputzt.

Was für das soziale Gefüge dieser kleinen Marktgemeinde, deren Bestand seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen ist, enorme Auswirkungen haben muß. Sankt Gallen hat heute nur noch knapp tausendsiebenhundert Einwohner. 

Sankt Gallen ist eben eines der Opfer der "Rentabilitätssteigerung" der Stahlproduktion in der steirischen Erzfurche, die Jahrtausende (!) von Holz und Eisenerz gelebt hat. Auch dieser uralte Ort hat seit den 1960er Jahren nahezu die Hälfte seiner Bevölkerung verloren. Die Metallverarbeitung ist weg, Holz spielt immer weniger Rolle, und nun auch Papier, das wenigstens noch weiterverarbeitet worden ist. Weil aber die gesamte übrige Wirtschaft im Grunde von der Grundproduktion abhängt, gibt es kaum noch schöpferische Arbeitsplätze. Soweit überhaupt noch geboren, sind die Jungen in die Ballungszentren, Graz, Wien, Linz abgewandert. 

Auch der Tourismus ist eher eine Phantasie von Politikern in Wahlreden denn Realität. Touristen haben ein todsicheres Gespür für Orte, über denen Leichengeruch hängt, und meiden sie. Hundert entlassene Leute machen aber gut vier- bis fünfhundert Betroffene. Das sind zwanzig bis dreißig Prozent der Bewohner des Ortes, die für unbestimmte Zeit das Brot des wahren Betriebsmittels der heutigen Sozialstaaten essen werden. Das aus der einzigen Produktion stammt, die in Krisenzeiten sogar besser denn je floriert: Die Produktion von Geld. Aber Geld hält keine sozialen Gefüge! Das tut nur Einheit im Lebensvollzug.

Und die gab es früher, in jedem Tal, in jedem Kleinraum, und damit im gesamten Alpenvorland, das eine verwurzelte Bevölkerung aufwies. Die Rede ist von jenem Landstrich am nördlichen Rand der Alpen, wo das Flachland ins Gebirgige übergeht. Also nicht Fisch, nicht Fleisch, sozusagen, aber entzückend in den Kleinigkeiten und Details. In so gut wie jedem jedem der zur Donau entwässernden Flüsse, in deren Tälern bestanden viele Jahrhunderte lang blühende Sozio- und Biotope, und unter anderem gab es Papierfabriken. Neben dem Eisen eine der Lokomotivenbranchen, die einen ganzen Zug an Waggons einer Folge- und Zulieferwirtschaft angehängt hatten. Und einen je ganz eigenen Menschenschlag hervorbrachte, den man sogar an der Dialektfärbung erkennen konnte. 

Es gab ja alles, als Gottesgeschenk. Denn Gott schenkt dem Menschen immer und überall alles. Er setzt ihn immer in ein Gewebe der wechselseitigen Ernährung, wie es der Schöpfung eben entspricht. Sodaß er immer an seinem Geburtsort findet, was er zum Überleben braucht. Auch wenn es nicht immer ganz leicht zu finden ist. Aber alles, selbst das Schwierige hat ja auch seinen Sinn.

So fanden die Menschen auch im Laussatal, wo Sankt Gallen liegt, was sie zum Überleben brauchten. Holz, Wasser, damit mechanischen Antrieb und später Elektrizität. Für Eisenhämmer und Pressen, für Schleifmühlen, Walzen und Kalander, für Rüttelsiebe für die Büttenpapiere, und die Reißwölfe des jahrhunddertelang hervorragend funktionierende Recyclingsystem, das der Altextilien und des daraus gefertigten Lumpenpapiers. 

Geschaffen wurde immer viel. Denn vor allem gab es hier arbeitsfreudige weil sozial verwobene, mit dem Land und seiner Topographie verwurzelte weil davon geprägte, darauf zu geformte Menschen. Die ihr Tagewerk nicht "wegen des Geldes" erledigen, sondern weil sie dort leben, ihre Kinder großziehen und ihr Haus bauen wollen, wie es jeder Mensch eben will. Und dazu gehört Arbeit und die Aufgabe, die man vorfindet. Auf jeder Ebene des Daseins geht es ums Ewige, sozusagen, und dessen irdischem Schatten, der Nachhaltigkeit, von der heute so viel geredet wird. Wen wundert es da, daß man in diesen Tälern sogar heute noch viel Frömmigkeit antrifft?

Ein Heute, in dem man staunend sieht, wie viele solche kleinen "Industrie"betriebe es noch bis vor siebzig, neunzig Jahren hier gegeben hat. Sodaß man noch eine Vorstellung davon erhalten kann, wie eng Arbeit, Sinn, Verwurzelung, Innovation und Produktivität zusammenhängen. An diesen und um diese Betriebe hat sich das Gemeinwohl unserer Heimat aufgerichtet, von dem wir heute zehren. Aber eben - NUR noch zehren. 

So weit weg ist diese Aura des Aufbauens, der wirklichen Produktivität, so weit entfernt stehen wir zum wirklich Sozialen, so entfernt ist jeder Bezug zu Substanz, daß der Normalbürger sich heute eine solche kleinteilige und verwurzelte Wirtschaft gar nicht mehr vorstellen kann. 
Er kann sie nur noch "erträumen". Und in utopistischen und ideologisierten Phantasien "ausmalen". Aber dieses Ausmalen ist schon verräterisch. Es verrät sich in Zusätzen wie "jaaa, früher schon, aaaber ...", in denen man auswählt. Denn wir wissen es heute ja besser. Alles wissen wir besser, denn wir sind so mündig geworden. Eben. Mündig. Losgetrennt von den Pfründen, aus denen Wissen stammt - das übernommen werden muß, will es überhaupt Wissen sein. 
Aber in diesem sinnentleerten Gerede, in dem wir uns heute bewegen, in dem wir "denken", "meinen", alles "frei", fällt nicht auf, daß genau das, was Gemeinwohl gedeihen und solche Soziotope, ja "Heimat" entstehen läßt längst abgelehnt wird. 
Die wesentlich ein Gewebe aus zwischenmenschlichen, persönlichen Verbindlichkeiten und einer darauf wie daraus bezogenen Verhaltensregel, also Moral sind. Denn der Preis dafür ist den heutigen Menschen zu hoch: Hingebende Bindung, die wiederum Gehorsam bedeutet. Mit "Wasch mich, aber mach mich nicht naß!" läßt sich aber nichts aufbauen. Nur formlos phantasieren.

Das Papiergeschäft erledigen heute (und da ist diese Branche nur symptomatisch, gleich wie alle übrigen) ganz wenige, dafür riesige, globale Konzerne. In Europa sind es zwei oder drei, die die Branche abdecken. Die aber nicht nur so groß sind, daß sie Staatsbedeutung haben, sondern selbst wiederum riesigen globalen Finanztrusts gehören, die über der Erde schweben weil nirgendwo mehr zu Hause sind. 

Alle sie gehören wiederum Gold- und Diamantenriesen, wie de Beers* einer ist. Dem (über den Mondi-Konzern) auch die Neusiedler gehört, in deren einer Tochtergesellschaft der VdZ vor siebenundzwanzig Jahren als Quality Assurance Manager und Controller gearbeitet hatte. Die selber der Grund dafür war, daß eine der kleinen Papierfabriken nach der anderen mangels Rentabilität (die irgendwann nur noch als spezifische Geldproduktion gesehen wurde) aufgegeben werden mußte.

Man kann aber nicht zwei Herren dienen, Gott UND dem Mammon. Man muß sich für einen von den beiden entscheiden, sie sind nicht vereinbar. Und wir haben uns entschieden.

 

Teil 2) Wirtschaft und Politik brauchen nur noch eines: Geld


*Der VdZ meint sich an eine Zeitungsnotiz zu erinnern, daß sich das schon wieder geändert, Neusiedler schon weitergewanderet ist. Aber was spielt "Eigentum an bestimmten Unternehmen", was spielt Arbeit, Verwurzelung, Sinn in der Sphäre der Giganto-Finanzen noch für eine Rolle, außer daß es ... alles letztlich denn doch trägt. Und die Welt der Hochfinanz unermüdlich an jenem Ast sägt, auf dem sie sitzt. Warum kann sie das? Weil sie ohnehin von den Staaten, nein, von der Politik getragen wird.



*081020*

Mittwoch, 30. August 2017

Das Wesen der Nachhaltigkeit

Sie werden immer weniger, aber es gibt sie noch - Unternehmen, die Zeugnis von jenem Wirtschaftsethos geben, der das Abendland als Kultur so großgemacht hat, weil es seine Lebensbasis, und über den Ethos die charakterliche Prägung der Menschen schuf. Einige davon gibt es in der Heimat des VdZ, dem Ybbstal in niederösterreichischen Mostviertel. Und eines der herausragendsten Beispiel ist die Firma Riess, bekannt durch die Emaille-Töpfe. Riess-Töpfe gibt es seit fast 500 Jahren, und das Unternehmen ist mittlerweile schon in der neunten Generation in Besitz ein und derselben Familie. 

Den meisten Verführungen der Moderne hat man widerstanden, widersteht bis heute, mit Klugheit, Umsicht, aber auch Prinzipienstärke. Und das ist das einzige Rezept der Nachhaltigkeit, auf das jedes Wirtschaften ausgerichtet sein müßte, als Basis jedes Volkes, jeder Kultur, jedes Landes. Dieses zu schützen wäre eine Aufgabe der Politik der letzten Jahrzehnte gewesen. Das regionale, lokale Potential zu sehen und zu bewahren helfen war ihre Pflicht. Stattdessen hat man sich in Vorstellungen von Wirtschaft und Geld verstiegen, die in unmenschlicher Kälte sogar wagt, von "Wettbewerb" und "Bereinigungsprozessen" zu sprechen, als wären nicht Menschen die einzigen Faktoren, die überhaupt Werte schaffen. Hier wird also von den Obrigkeiten schändlich weiterhin versagt, und so unser aller Alltagsleben entwurzelt und entleert und auf Funktionen entmenscht. Riess-Emaille hat sich nicht wegen, sondern GEGEN die Politik Österreichs bewahrt.

Aber hier ist das in Personen präsente und von Menschen mit väterlicher Verantwortung und Liebe zur Heimat geführte Unternehmen in der Region als Lebensraum eingebunden, in guten wie schlechten Zeiten verflochten mit dem Schicksal vieler vieler Menschen, die seit Jahrhunderten dort unter auskömmlichen Löhnen arbeiten und unter der mittlerweile neunten Vatergeneration eine Lebensgrundlage haben. Wenn man heute so gerne von "Nachhaltigkeit" spricht - hier ist sie vorexerziert, hier zeigt sich, was sie ausmacht.

Die Presse bringt einen Bericht, der ein wenig Einblick in eine wahrlich österreichische Unternehmenskultur gibt. Erst hier kann man von so einer sprechen: Kultur wird auch gegen moderne Einflüsterer durchgetragen, denn Kultur ist nur, was von im Prinzip "ewigem Logos" durchformt ist! Die Lektüre lohnt, wenigstens als Geschmacksorientierung. Auch wenn der Redakteur sichtlich nicht ganz wußte, worauf er da besonders zu achten habe. Man ist so etwas nicht mehr gewohnt, ja man kennt es gar nicht. Sein nächster Bericht wird wahrscheinlich enthusiastisch von den Erfolgen eines Start-ups in einem Gründerzentrum berichten, wo ein 15jähriger binnen weniger Monate "aus dem Nichts" hundert Millionen "Börsenwert" (und noch mehr Schulden) kumulierte ...






*140817*

Montag, 3. März 2014

Maßgerechte Wirtschaftsorganismen

Sterben der Lokalbahnen. Je größer die Sorgenkreise, desto geringer die Lösungskraft im konkreten Kleinen. Großdampfwalzen haben größere Gesamtkraft, aber es läßt sich kein Feldweg damit anlegen.

1. Schritt zu einer wiedererstarkten Pinzgaubahn: Zurück zu lokalen Betreibergesellschaften. Und plötzlich wird die Anpassung an Kundenwünsche zu einem Element im Kreis von Sein, vielem Brauchen, und Geben.






***

Freitag, 17. Januar 2014

Pars pro toto

Vom Ruin der Gemeindekasse in Rosenau-Sonntagberg durch ausufernde Finanzgeschäfte, die Finanzierungsgeschäfte waren, bis die Kredite nicht mehr bedienbar waren, weil sämtliche (reale) Substanz verspielt war, war hier bereits die Rede. Dort regierte (Stahlwerke) seit je die SPÖ. Kaum 15 km entfernt liegt, wie sie bezeichnet wird, die Wiege Österreichs, Neuhofen an der Ybbs. Dort regiert (Bauern) seit je die ÖVP. 

Und nun wird bekannt, daß der zu den Kleinen unter den über 2.300 Gemeinden Österreichs gehörende Marktflecken, die tiefere Heimat des Verfassers dieser Zeilen, gleichfalls 2007 von der Idee geritten war, an internationalen Finanzmärkten ihr Haushaltsbudget aufzubessern*, und 1 Mio Euro eingesetzt hatte.

Das Geschäft ging negativ aus, berichtet jetzt (erst) die NÖN, die ohnehin ein einziger Verrat am Journalismus ist**, und nun liegt die Gemeinde (wie etwa in der um Dimensionen größeren Städten Linz, Salzburg und Wien) mit der örtlichen Raiffeisenbank im Streit. Denn sie weigert sich diese Schulden, die ursprünglich keine sein sollten, zu bezahlen. Sie hat das Geld auch gar nicht, denn der Schuldenstand ist ohnehin groß genug.

2.300 Gemeinden, von 1000 Einwohnern bis zu 1,7 Millionen. Kaum eine hat NICHT spekuliert, ja die Landesregierungen haben über eigene Berater sogar dazu geraten. Man hört nur selten und krasse, oder nicht mehr zu verheimlichende Fälle über die Medien. Milliarden und Aber-Milliarden, die hier an Börsen über Wetten und Spekulationen Hebelwirkungen erzielten, und damit die Krise, an der die Träume von Volksbeglückung und ewig währender Geldflüsse besonders cleverer Politiker, die sich in immer komplexeren Geldbeschaffungsmethoden übten, zusammenfielen, direkt ausgelöst haben. Etwas anderes zu sagen wäre einfach nicht sachgerecht.

Wen will man hier bestrafen, wen einschränken, wenn man von Beschränkungen der Kapitalmärkte spricht? Populistisch verbreitet sind es ja die Reichen, die aus Langeweile und Gewinngier ihre Milliarden verschieben. Wen träfe man damit aber real am schlimmsten?

Tatsächlich ist es nämlich zu ZWEI DRITTELN die Politik, die auf den Finanzmärkten als Agitateur aufgetreten ist. Etwas, das sie nie hätte tun dürfen, aber seit tausenden von Jahren tut. Nun muß - wie immer - die übriggebliebene freie und verantwortliche Bevölkerung, längst auf 40 % reduziert, die Zeche dafür zahlen. Denn wer sonst sollte diese Gelder je erarbeiten? Beamte? Staatshörige? 

Nichts hat sich geändert, die Geschichte zeigt es. Zentralismus braucht Geld. Und zwar NUR Geld. Und er rechnet es sich froh.

Auf wen waren diese Spekulationen abgezielt, von Anfang an, wenn nicht auf die Werkschaffenskraft der realen Menschen? Wer glaubt, daß Geld etwas "für sich" wäre, und macht es damit zu so einem Ding? Sicher nicht der seine Existenz in direkter Verantwortung bewältigende Mensch. Es ist vielmehr die bereits zur Mehrheit gewordene Schichte der Bevölkerungen, die sich als Elite fühlt (90 % der Österreicher fühlen sich als Mittelschicht!), aber absolut keine Ahnung mehr hat, weil es ihr an sittlichender Erfahrung mit der Wirklichkeit der Dinge fehlt, wie etwas von realem Wert aufgebaut wird. Diese Hohlheit des Selbstgefühls der Menschen ist die wahre Gefahr, an der wir auch zusammenbrechen werden, daran gibt es keinen Zweifel mehr.





*Diese Tatsache ist insofern bemerkenswert, als der Vater des Verfassers dieser Zeilen 1945/46 Bürgermeister dieser Gemeinde war. Und er war abgewählt worden, weil seine Gemeindevorhaben - Investitionen in Gemeindebetriebe (Ziegelwerk, überregionales Freibad), die den Ort finanziell weitgehend autark machen sollten - den Bauern zu fortschrittlich waren. Heute wählen die Bauern der Landschaft Politiker, die Geld auf internationalen Finanzmärkten lukrieren wollen. Das erzählt viel über die Veränderungen in der Mentalität.

**Die Niederösterreichischen  Nachrichten (NÖN), zu deren Ursprüngen nach 1945 die Zeitung des Vaters des Verfassers dieser Zeilen gehörte, der (mit seinem Sekretär) in seinem "Amstettner Boten" ein Wochenblatt sehr anderen, freiheitsbetonten Typs gründete, gehören der Kirche. Es gibt kaum eine Zeitung in Österreich, deren Verpflichtung zur Wahrheit so deutlich erkennbar zugunsten einer ideengelenkten, pädagogisierenden "Verbesserung der Menschen" (und das heißt heute vor allem: politically correct) ausgeschaltet ist. Die Lächerlichkeit und nichtige Kleingeistigkeit der regelmäßigen Kolumnen der Chefredakteure sämtlicher Kirchenpublikationen ist ja kaum noch zu überbieten. (Man denke in Deutschland, wo nichts anders ist, an das Schicksal des "Rheinmerkur". Einst einer hervorragenden Zeitung, die gemäß der theologie nouvelle, der Taktgeberin des 2. Vaticanum, zu Tode "gegutet" wurde - bis sie keiner mehr las.) Aber der Verfasser dieser Zeilen weiß aus eigener Erfahrung, daß dies dem wahren Charakter der Kirchenfunktionäre entspricht. Wie meinte einmal Konstantin Wecker? "Nur ned auffallen, dann kannst ned reinfallen."




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Montag, 30. September 2013

Veränderter Lebensraum

Hier dieses interessante Video: Es zeigt die nunmehr rekonstruierten Veränderungen, die die Donau auf verschiedenen Abschnitten in Niederösterreich mit Wien über die letzten 500 Jahre durchgemacht hat, und die an ihr vorgenommen wurden. Ein Lebensraum wurde verändert. Welche Rolle die Donau einst gespielt, was sie für die Menschen bedeutet hat, wird so erst begreifbar.







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Freitag, 19. Juli 2013

Vom Handeln in der Politik (2)

Teil 2) Die Politik bricht Lebensweisen um, 
als würde sie Konfekt zum Tee wählen





Wir wollen all das nicht näher untersuchen. Tatsache bleibt, daß in einem nächsten Schlag den unzähligen Fleischhauern, die es gab, den Garaus machte. Durch Hygieneverordnungen. In all den Jahrzehnten war zwar dem Verfasser dieser Zeilen nicht ein Fall untergekommen, wo ein bei einem dieser zahllosen kleinen Fleischer gekauftes Stückchen Scheinfilet schlecht gewesen wäre, noch wurde ihm solches davon. Und hätte es derartiges gegeben, wäre man am nächsten Tag in den Laden gestapft und hätte sich beschwert, und ein Ersatzstück nach Hause getragen. Aber dafür kann Brüssel nunmehr bei Gammelfleisch und Pferdelasagne in großem Stil sowie in tausenden Konsumentenschutzverordnungen seine Handlungsfähigkeit beweisen.

Und angeblich, um artgerechtes Schlachten zu fördern. Zuvor brachten durchaus die Bauern auf ihren Anhängern das zu schlagende Vieh in den nächsten Ort, wo es seine Verwendung fand. Heute durchziehen, durch hunderte Verordnungen geregelt, Viehtransporte die europäischen Transversalen, um in Zentralschlachthöfen durch Massenvernichtungsarten modernsten Zuschnitts kostengünstige Filets auf die Tische zu bringen, die beim Auspacken aus den Kunststoffverpackungen, für die außerordentlich ökologische Wiederverwertungswege samt Vorschriften entworfen wurden, schon nach einem Tag seltsame Gerüche von sich geben, wenn man nicht schärfstens auf die gesetzlich vorgeschriebenen Ablaufdaten achtet.

Was für Schlagworte, was für Senf am Deckel. Binnen weniger Jahre - der Verfasser dieser Zeilen hat es hautnah im Ybbstal erlebt, in dem er sich lange Jahrzehnte lebenderweise aufhielt - blieben von den zahlreichen Fleischhauern ... einzelne. Ganz ganz wenige. Dafür wuchsen die Fleischtheken in den Supermärkten um Meter pro Monat. Die Gewohnheit auch des Verfassers dieser Zeilen, fast alles bei kleinen Betrieben zu kaufen, was man so zum Leben brauchte, wurde regelrecht abgewürgt. Es war nicht mehr möglich. Nun BRAUCHTE man ein Auto zum Einkauf, und die zurückzulegenden Strecken verlängerten sich und verlängerten sich.

Mit weiteren Konsequenzen, die sich als Knotenpunkt vieler weiterer solcher Maßnahmen der Zentralisierung und Vermassung der Arbeit wie der Produktionsstätten, mit weiterer Ausdünnung der kleinbetrieblichen Strukturen, darstellen. Man verlänger dieses Geschenen in der Lebensmittelbranche einfach auf alle übrigen Branchen. 

Wo früher eine - freilich, als uralter Verkehrsweg immer schon wichtige - zweispurige Bundesstraße durch die Ortschaften lief, wurde nach und nach eine begradigte, und ebendort prangt heute eine mehrspurige Autobahn, vulgo Schnellstraße. Das wiederum beschleunigte die Zentralisierung. Betriebe siedelten sich an, die genauso gut in Krakau oder Kunjewac stehen könnten, denen das Land gleichgültig ist, die nur bestimmte Bedingungen brauchen. Die Politik läßt sich natürlich jedes Jahr erneut feiern, wenn sie ein weiteres Teilstück eröffnet, wenn ein weiterer Produzent von Hutzelblechen in Endlosformat weitere 25 Arbeitsplätze in die "Region" bringt. 

Das machte auch längst einen weiteren Anschluß an die Autobahn notwendig, weil die ursprünglichen Anschlüsse bei Amstetten überlastet waren. Autobahnen, die man durch bildhübsche Lärmschutzwände abschottet, wo sie Wohngebiet durchqueren, das nur als Nebenbemerkung. Ein Ort, übrigens, wo sich ja genau dasselbe, nur noch konzentrierter abspielte. Auch der Pendelverkehr der Arbeiter wuchs mittlerweile um ein Vielfaches. Etwa durch jene Bauern, die ihre Höfe im unteren Waldviertel aufgegeben hatten, und nun in einem der Vorzeigeindustriebetriebe Muffen stanzten, Ösen durch elegantes Betätigen von Maschinenhebeln plätteten, und PVC-Folien um Paletten schweißten, die in die weite Welt geliefert werden.

Die nicht auf das Züchten von Känguruhs (mit Ab-Hof-Verkauf selbst geräucherter Springbockkeulen) oder Straußenfarmen ausgewichen waren, oder nicht Steaks von thailändischen Yaks anbieten, die in Waldviertler Auen gehalten regelmäßig ihre Nackenmuskulatur massiert erhalten. Bis zum Ausbruch einer seltsamen, durch den mukoadoleszenten Doppelfibrilvirus verursachten Krankheit, der zwar keinem Strauß schadet, aber den Hühnern des gesamten Landstrichs den Garaus macht, woraufhin im Expreßverfahren europaweite Maßnahmen eingeleitet werden, die zu neuen Abpackvorschriften für Hühnerkeulen führen.

Aber durch die Ansiedelung großer Betriebe wurden weitere Maßnahmen notwendig. Denn die Gefahr auf Verseuchung des Grundwassers war damit unkalkulierbar, ja wahrscheinlich. Neben dem Problem der Gülleausbringung, das mit der Massentierhaltung einhergeht. Also wurde die in der gesamten Region übliche Art der Wasserversorgung durch Hausbrunnen per Verordnung untersagt, und ein Wasser- und Kanalnetz im Zwangsanschlußverfahren verlegt, das - wenn man schon dabei war - ein Einwohnergebiet von mittlerweile 50.000 Einwohnern verbindet. Gespeist von Gebirgsquellen, denn das Grundwasser war längst überall als Problemzone eingestuft.

Dafür brüstet man sich in achtseitigen Broschüren mit aus Steuergeldern finanzierten Gründerzentren, in denen "high tec" als Zukunft ausgegeben wird, wo findige HTL-Abgänger ganz tolle Ideen haben, wie man in Zusammenarbeit mit einem südafrikanischen Freak (über 12.000 km Entfernung; nächstes Jahr fliegt man auch runter) neue Internetplattformen aufbaut, die ganz tolle Möglichkeiten hätten, wenn sie endlich jemand brauchte. (Aber dafür wird schon dann die Politik sorgen, keine Sorge.) Denn Internet, da ist ja auch die Zukunft. Bald zumindest. Die Versorgung mit Glasfaserkabeln ist ja mittlerweile auch im Ybbstal perfektioniert, man muß ja voraussehen, wie sich "die Dinge entwickeln".

Warum das alles? Das ganze Leben in der Region hat sich verändert. Stück für Stück, und hier nur in wenigen, um eine bestimmte Linie gruppierten Ausschnitten beschrieben. Mit Getriebenheit um Getriebenheit, in der eine "Lösung" die nächsten notwendig machte. Denn die Politik sagt, daß das die Veränderungen in der Welt seien, auf die wir uns eben einstellen müßten. Aber sie macht sie.

Wir sagen: Es ist die Politik, die diese Veränderungen will und auslöst, meist sogar ohne zu wissen was sie macht. Denn damit ist sie mit Garantie beschäftigt. Wenigstens sie hat damit also jenen Sinn erkämpft, den zu schaffen sie seit langem eifrigst bemüht, der ihr drückendstes Problem war. Weshalb sie ja so eifrig in alle Ebenen eingriff, die überhaupt nie ihr Gebiet hätten sein dürfen. Noch heute bilden solche Eingriffsversprechen sogar entscheidende Teile von Wahlprogrammen.

Aber sie macht längst alles zu Wüsten, wo früher noch vielfältiges Leben war herrscht heute die abstrakte Art der Politik selbst, die keine Lebensgestalt mehr hat, nur noch Funktionen kennt. Denn Politik an sich ist leer. Und macht dabei ganze Bevölkerungen hilflos, indem sie die ihr zubehörigen Ebenen, ihre Art die Dinge zu tun, ausschaltet. Damit unfähig macht, die Probleme ihres schon einfachsten Lebens selbst zu lösen, und angewiesen auf holde Grußbezeugungen von Abgeordneten und Regierung. So werden aus kleinen Problemen große. Aus kleinen täglichen Hindernissen, mit denen man lebt, unüberwindliche, die ganze Lebensformen umzwingen. Genau das aber, was die Politik vorgibt - zu gestalten - genau das tut sie schon lange nicht mehr. Denn diese Art zu leben will ja niemand. Sie ist nur zu einem Zwischenzustand geworden, den wir ertragen müssen auf dem Weg zu einem irgendwann wirklich guten Leben im Wohlstand.

Ja, gewiß, der Verfasser dieser Zeilen simplifiziert. Alles war natürlich in Wahrheit viel komplizierter und vor allem "alternativlos". Nur warum, warum glaubt das der Verfasser dieser Zeilen, der selbst in vielfachem Engagement samt Führungstätigkeit mit Wirtschaft und Politik (und natürlich, dem simplen Leben in allen Höhen und Tiefen) zu tun hatte, ehe er sich daraus zurückzog, deshalb aber weiß was Handeln und was Realität ist, ganz einfach nicht? Warum glaubt er nach wie vor, daß alles auch ganz anders hätte ablaufen können? Nur weil er heute noch überzeugt ist, daß man schöpferisch handeln kann, trotz aller immer komplexeren Faktoren, dazu aber Treue und die Bereitschaft braucht, auch einmal nicht geliebt zu werden, auch einmal zu bluten? Wenn argumentiert wird, daß es die implizite Form der Politik ist, die gute Politik unmöglich macht - dann muß man die Form ändern.





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Donnerstag, 18. Juli 2013

Vom Handeln in der Politik (1)

Wie sich Politik jene Aufgaben, die zu lösen sie vorgibt, selber geschaffen hat, zeigt ein Beispiel, das in diesen Wochen den Medien zu entnehmen ist. Mit einer speziellen Logik: man löst ein Problem, und es tauchen neue Probleme, aber auf höherer Ebene wieder auf. Die nun tatsächlich nur noch von der Politik zu lösen sein werden.

Darin zeigt sich eine Wahrheit des Seins. Denn alles Sein schafft seiner Art nach. Und alles Tätigsein ist nur als Ausfaltung des Seins im Seienden zu verstehen. Alles Seiende, alle Dinge gewissermaßen, begegnen einander aber immer nur innerhalb ihrer Seinsebene, ihrer Hierarchiestufe, sie erkennten einander nicht einmal, würden diese Stufen durcheinanderpurzeln. Alles erkennt sich nur auf seiner Ebene.

Darin liegt die Erklärung für die Eigenart des Menschen, was immer ihm in der  Natur begegnet, mir menschlichen Gefühlen und Eigenarten zu belegen, das sogenannte "anthropomorphe" Streben (aus dem manche sogar meinen, die Religion sei anthropogen, also menschenverursacht, weil auch das Transzendentale nur mit menschlichem Maß begreiflich dargestellt werden kann). Genauso ist es mit Dingen des Tier- und Pflanzenreichs, wo etwa der Mensch den Blick eines Hundes oder das Krümmen eines Wurms mit menschlichen Gefühlen unterlegt. Ja, daraus erwächst auch die beliebte Vorstellung von einem beseelten Weltall. Alle diese Ähnlichkeiten sind jedoch nur Analogien, sie entziehen sich deshalb der einfachen begrifflichen Sprachebene. Vereinfacht: gewisse Bewegtheiten sind gleich, aber ihre Bedeutungsebene je anders. Etwa in dieser Art kann man sich den Aufbau des Universums vorstellen. Da würde wohl auch kein Astrophysiker im Cern bei Genf widersprechen.

Aber wir wollen darein vorerst nicht mehr weiter eindringen, es soll nur (unbeholfen) illustriert, in unsere Vorstellungswelt transformiert werden, was abstrakt gesagt wurde. Und hier auf die Politik angewandt wird. Auch hier wollen wir den abstrakten Vorgang ins Konkrete transformieren, um die Hauptaussage des ersten Absatzes begreiflich zu machen.*

Der Reihe nach, und im Konkreten: Hier geht es um "billiges Schweinefleisch". Das schon seit längerer Zeit von Deutschland aus nach Österreich kommt, und am besten Weg ist, den lokalen Fleischmarkt zu ruinieren. Und zwar bei den Produzenten. Die Probleme sind mittlerweile europaweit bekannt. Ursache sind deutsche Schlachthöfe, deren größte wöchentlich 100.000 Schweine schlachten. Und sie tun es mit einem durch die EU-Eigenart völlig legalen Trick: Sie verpachten ihre Schlachthallen an ... z. B. polnische oder tschechische Schlachtergemeinschaften. Diese, die natürlich zu weit niedrigeren Löhnen arbeiten, die für ihre Heimat aber dennoch überdurchschnittlich sind, oder überhaupt Arbeit bedeuten, weil es zuhause keine gibt, pachten diese Einrichtungen, und schlachten und zerlegen die Tiere zu Preisen, die dem deutschen wie österreichischen Markt weit überlegen - also günstiger - sind.**

Dieses Fleisch exportiert Deutschland, nach Österreich, nach Frankreich, nach Belgien. Und ruiniert die dortige Schlachterlandschaft nachhaltig. Denn die können nicht dagegen konkurrieren, es sei den, sie würden sich derselben Methoden bedienen. Vielleicht sollte man dazu ergänzend erwähnen, daß der deutsche Markt für Schweinefleisch durch die Massen-Überproduktion der Niederlande (die aufgrund der Lage des Landes am Meer - Futtermittel, Verklappen der Gülle, ein riesiges Problem der Massentierhaltung - weit günstiger Massentierhaltung durchführen können) gehörig unter Druck steht, die selbst wiederum den binnendeutschen Schweinemarkt schwer deformiert hat. Weil als Herkunftsland eines Produkts in der EU jenes gilt, das 50 % der Wertschöpfung an einem Produkt erbringt, gehen diese Zusammenhänge am Konsumenten fast spurlos vorüber. Die Schlachtung und das Zerteilen von Schweinefleisch macht etwa 60 % des Warenwertes aus, ist also ein entscheidender Preisfaktor.

Nunmehr starten besagte Länder eine Initiative bei der EU-Kommission. DIE soll etwas dagegen unternehmen. Denn bilateral, also quasi unter Nachbarn, wagt es keine (angesichts der gesammelten Aspekte deutscher Wirtschaftsgebarung) dieser Nationen, eine Lösung zu suchen. Man hofft auf eine EU-Regelung.

In Österreich werden wöchentlich 100.000 Schweine geschlachtet. Das leisten die größten Schlachthöfe Deutschlands, und deren gibt es mehrere, alleine. Der größte Schlachtbetrieb hierzulande bringt es auf ganze 20.000 Stück. Wobei es in ganz Österreich noch ganze 200 Schlachterbetriebe gibt. Treuherzig schreibt die Presse davon, daß auch die "Fleischhauer um die Ecke" dabei sind.

Die gibt es gar nicht mehr. Nicht mehr seit dem EU-Beitritt, den die heimische Politik mit der Brechstange durchgedrückt hat. Der Verfasser dieser Zeilen war im Rahmen seiner damaligen Tätigkeit als Referent für die Kirche Zeuge, mit welchem Aufwand besonders die Bauern umgarnt wurden. Ihnen wurden "neue Chancen" vorgestellt. Und die Bauern haben es geglaubt. Sie haben geglaubt, daß die nur in einem Nebensätzchen erwähnte notwendige "Umstrukturierung" für sie Vorteile hätte. 

Die nämlich hieß, daß in einer "Strukturbereinigung" Bauernhöfe unter 70 Hektar unrentabel wurden. Und sie waren anders zu bewirtschaften. Schluß mit der mühsamen Feldarbeit, dem arbeitsintensiven Stall. Man mußte industrieller werden. Wörtlich. Alles wörtlich. Zukünftig würden aber österreichische Bauern, die gelernt hätten, daß norditalienische Schinkenproduzenten lastwagenweise Schweinestelzen, deren Maßabweichungen nur innerhalb eines Zentimeters liegen dürften, benötigen würden. Neben dem Schlagwort vom "Feinkostladen Europas - Österreich", den man den Bauern vorhängte, wie dem Esel die Karotte. Das war nicht mehr Schlagwort wie jenes von den Werten, die man nach Brüssel tragen wollte. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Wörtlich sprach man von einer "Schweine-Mais-Furche", die vom Innviertel die Donau entlang bis vor die Tore Wiens reichen würde. Also wurden mit billigen Krediten Stallumbauten und Investitionen in Maschinen finanziert, während die althergebrachte kleinbetriebliche Struktur - aufgrund der Topographie, die Gebirgigkeit, gab es in Österreich deutlich kleinere Höfe als etwa in Deutschland - auf ein Drittel Höfeanzahl reduziert werden würde. Zu klein, zu unrentabel, zu ... ja was auch immer, zu bäuerlich wahrscheinlich. Der Bauer der Zukunft fährt mit dem Supersteyr mit Vollstereo und elektronisierter Anbaumechanik über seine ebenen Felder.

Für den Rest wird - wörtlich, alles noch wörtlich - der Bauer zum Landschaftspfleger, und Brüssel würde ihn dafür bezahlen. All die vielen kleinen Wiesen und Wäldchen müßten ja für den Fremdenverkehr erhalten bleiben und adrett aussehen. Was für ein wichtiger Dienst an der Gesellschaft, meine Herren, man braucht Euch! Wörtlich.



Teil 2 morgen) Die Politik bricht Lebensweisen um, 
als würde sie Konfekt zum Tee wählen



*Es wird damit vielleicht so nebenher begreiflich, wie sehr die abstraktesten Vorgänge kein Zuckerstreusel in intellektuellen Zirkeln sind, sondern konkrete Überlegungen über die wirklichen Wirklichkeiten von Vorgängen, die sich in jeweiligen Ebenen je anders konkret äußern. Sodaß aus der Vielfalt der Welt letztlich ... EIN Vorgang ablesbar wäre, ginge man diese Wege zu Ende. Philosophie ist kein Zeitvertreib in den Salons bornierter Ästhetikfurzer und verstiegener Logizisten, sondern ganz reale Wirklichkeit. Sie ist das Bestreben, alles was im konkreten Alltag wie eine unendliche Vielfalt aussieht, was sich als "Vereinzeltes" ausgibt, zu verstehen.

**Ganz nebenbei liefert diese Geschichte auch einen Beitrag zur Migrationsproblematik - mit welcher Haltung nämlich Gastarbeiter ins Land kommen bzw. kamen. Würden nämlich die Polen und was auch immer hier leben, nicht einfach in abgewohnten Mietscontainern hausen, ihr schmuckes Häusle bauen und ihren BMW in die Garage stellen, würden diese Löhne ja nicht mehr reichen.




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Sonntag, 10. März 2013

Wie es halt so zugeht

Es gehört zu den wohl gepflegten Übungen der Wächter der Demokratie, auf die faire Durchführung von Wahlen in Ländern "mit Nachholbedarf im demokratischen Gebahren" zu achten. Dann geistern Aufschreie durch die Gegend, weil in einem Dorf im hinteren Kasachstan Stimmen gefälscht, deren Abgabe behindert oder was auch immer worden sei.

Wer im Glashaus sitzt, sollte aber nicht mit Steinen werfen. Denn wenn die Demokratie hierzulande eine seltsame Form von Vertrauen genießt - nämlich sehr wenig - dann hat das seine konkreten Gründe in Seltsamkeiten, die sich hier bei uns abspielen. Nicht vereinzelt, sondern als Gepflogenheit. 

Über eine davon (und es ist nur eine aus zahlreichen) berichtet die Kronen Zeitung. Der Sprecher des "Team Stronach" schreit auf, weil er entdeckt habe, daß es bei den jeweiligen Großparteien üblich sei, Nichtwähler am Wahltag "zu motivieren". Das heißt: abzuholen, zu besuchen, gar herbeizuschaffen. Die Krone nennt das "Wahlschlepper".

Das verstößt gegen zwei Gesetze, und wird als Offizialdelikt nach dem Strafgesetzbuch bemessen. Das eine ist die Nichtwahrung der Verschwiegenheitspflicht durch die Wahlbeisitzer, das andere der Druck, der auf andere Personen ausgeübt wird, zu wählen. So wenig man dagegen sagen könnte, daß der eine den anderen anspricht, ob er auch - und wen - und wie wähle. Und es ist gewiß auch nicht verboten, aus Nächstenliebe die alte Frau Gnacking von nebenan, ja, die mit ihren Gichtbeinen, anzubieten, sie im Auto zur Wahl mitzunehmen. Aber dieses rein zwischenmenschlich Selbstverständliche hat eben Grenzen.

Das Seltsamste ist dabei nur, daß erst jetzt darüber berichtet wird, daß diese Grenzen nicht immer gewahrt wurden. Denn jeder wußte das - es ist immer schon so üblich gewesen. Schon vor 25 Jahren etwa war der Verfasser dieser Zeilen als Wahlbeisitzer einer Partei bestellt, der er sich damals nahe fühlte, und mußte natürlich auch eine entsprechende Erklärung unterschreiben, sich auf Verschwiegenheit etc. zu verpflichten. 

Nun ist es so, daß in kleinen Wahlsprengeln nicht jede der bundes- bzw. landesweit kandidierenden Parteien auch Vertreter stellen kann. Und wenn dann manchmal nicht mehr zu jeder Stunde. Jeder muß einmal zu dringlicheren Geschäften fort, und nicht immer verfügt er über einen Vertreter. Also war es auch an jenem Ort, zu jener Zeit. Bis schließlich für einige Stunden ausschließlich Vertreter der auch dem Verfasser dieser Zeilen damals zusprechenden Partei im Lokal das Geschehen überwachten. Überwachen sollten.

Denn nicht nur war bei anderen Beisitzern die laufende Informationsweitergabe an offenbar mobile Einheiten selbstverständlich, sachlich untermauert von fortlaufend geführten Strichlisten, wer noch "zu motivieren" sei, sondern mit einem male tauchte auch jemand auf, begleitet von einer Reihe von Parteifunktionären, der für seinen Vater wählen wollte, dessen Wahlkarte in der Hand.

Der Verfasser dieser Zeilen verweigerte die Stimmannahme. 

Was heftige Proteste auslöste, samt Vorwürfen, er handele nicht loyal, außerdem wisse er doch, welcher Gesinnung der Vater des Wählenden sei. Ja, man sprach ihm überhaupt die rechte Gesinnung ab. Ein heftiger Streit entbrannte, in dem besagter Sohn einen recht kläglichen Eindruck machte. Sich so gar nicht wohl in seiner Haut fühlte, und unausgesetzt in verzweifeltem Tone ausstieß, daß er seinen Motivateuren doch gleich gesagt habe, daß das nicht gehe. Was aber im Lärm der Debatte unterging.

Der geneigte Leser darf sich die Frage selbst beantworten, wieviele "Freunde" aus dieser Gesinnungsgemeinschaft dem Verfasser dieser Zeilen damals noch blieben, und ob er jemals wieder zu einer offiziellen Funktion eingeladen wurde.  Aber das mochte auch damit zu tun haben, daß er kurz nach diesem Ereignis das Parteibuch zurücksandte.

Er hat übrigens auch keine Spesen verrechnet. Vielleicht war das sein einziger Fehler bei der Sache. Auch ein Fall für die OECD? Ach, man kennt sie ja, die Pappenheimer, mit ihrer Demokratie.



Sie meinen, geneigter Leser, daß diese einzelnen Stimmen, um die es sich vielleicht jeweils handelt, keine Rolle spielen? Auf Gemeinderatsebene geht es oft wenige Einzelstimmen. Und gerade in den letzten Jahren gab es mehrere Fälle, wo sich landes- und bundespolitisch Entscheidungen um Mandate, ja Kanzleranspruch, oder um die Vertretung in Parlamenten, um unglaublich wenige Stimmen entschieden.




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Freitag, 8. März 2013

Wirklichkeiten

Immer ging die Bürokratisierung - als Wesensmerkmal der Zentralisierung - einher mit einem Ausbau der Verkehrslinien. Als Voraussetzung wie als Folge. Mit den neuen breiten Straßen aber ging die Souveränität der zwischen Einzelnem und Staatszentrum liegenden Ebenen in Relation zu diesem Tempo, das diese Wege ermöglichten, verloren. 

Warum, so kann man fragen, hat nicht das neue Reich der Germanen bzw. Franken, das sich ab dem 8. Jhd. formierte, das außerordentliche Straßennetz der Römer einfach benützt? 

Rom hat nie Straßen gebaut, um das Land zu beleben, das sie durchquerten. Im Gegenteil, diese Straßen waren "gerade", und die Bautechniker beseitigten rücksichtslos, was sie an Landschaftseigenheit vorfanden. Durch Brücken, Einebnungen und Aufschüttungen. Das Bauen von Straßen mit "Damm" wurde von ihnen erfunden - als künstliche Ebene, die sich über alles legte und weitgehend unabhängig vom Ort, ja sogar von der Witterung wurde. Roms Straßen hatten nur einen Zweck: das Land an Rom anzubinden, den Weg NACH Rom zu beschleunigen.

Die Menschen im Mittelalter aber waren Individualisten. Ihre Dörfer und Siedlungen richteten sich nach ihren Bedürfnissen, nicht nach Straßen, ihre Wirtschaft war kleinstrukturiert und raumbezogen. Und so war das römische Straßennetz zum überwiegenden Teil unbrauchbar. Man ließ es verfallen,. sanierte es nicht einmal. Vielfach finden sich dort, wo früher Transversalen des römischen Reiches waren, heute nicht einmal mehr Feldwege.

Erst im 17., 18. Jhd., mit dem Aufkommen des zentralistischen Staates, und damit einhergehend: mit dem Verfall des Reichssinns, begann man diese Straßenbautechniken wieder aufzugreifen. Und ironischerweise waren es vor allem die kleinsten Staaten Deutschlands, die diese Straßenbauweise zuerst aufgriffen. Womit sie sich selbst das Wasser abgruben, und in die Bedeutungslosigkeit und Auflösung versanken.

Napoleon hat diesen römischen Gedanken aufgegriffen und umgesetzt. Und der nächste Schritt der Technisierung war durch die Verwendung von Pappeln als Alleebäume ausgedrückt, es zählte  nur die zentralisierende Funktion: schnellwüchsige, weiche, minderwertige Hölzer ersetzten die Linden und Eichen, mit denen Verkehrswege zuvor gesäumt waren. Pappeln als Symbole. Die man auch heute zu kaum mehr als zu Verpackungsholz, oder für den Bau von Paletten verwendet, oder gar zu Zellulose für die Papierherstellung verschleift.

Wenn die EU also mit der linken Hand das "Europa der Vaterländer" proklamiert, so ist das leeres Gerede.* Weil sie mit der anderen Hand als ihr vorrangigstes Ziel den Ausbau von Transversalen anstrebt, sehr real, sehr geldkräftig. Das erzählt, worauf Europa sehr real zustrebt.





*Also kann man sich  nur an den Kopf greifen, und milde das Schildbürgertum lächeln, das sich z. B. in Niederösterreich abspielt. Wo mit Milliardenaufwand alles getan wird, um die Anbindung an Wien noch breiter, noch beschleunigter auszubauen. Während man gleichzeitig auf die Eigenständigkeit des Landes pocht. Bald wird dort aber der Landeskaiser auf einer leeren Hülle sitzen, das läßt sich mit Gewißheit vorhersagen. Das Leben wird nach Wien abfließen. Denn jede Großstadt lebt vom Land, wie ein Marder vom Blut seiner Beutetiere. Die Folgen lassen sich bereits heute an jedem Quadratkilometer des einst so stolzen Bauernlandes ablesen. Die Zerstörung der niederösterreichischen Kleinstädte und Dörfer ist beispiellos. Darüber können die mit vielen Steuermillionen aufgehübschten, künstlich "beleben" Fassaden nicht hinwegtäuschen.

Ähnliches gilt von Kärnten, das - von sich heraus! - alles beitrug, um die Anbindungen an Graz und nach dem Süden zu beschleunigen. Heute ist Kärnten das einzige Bundesland, das trotz Zuwanderung sogar an Bevölkerung verliert. Während das nördliche Graz (und Wien) ungebremst wächst. Auch dort also weiß die eine Hand der Politik nicht, was die andere tut. 



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Dienstag, 12. April 2011

Heimat

Das Mostviertel in Niederösterreich - zur Zeit der Mostbaumblüte ein Paradies



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Dienstag, 23. November 2010

Menschenleben

VON STEFAN HACKL (NÖN vom 23.11.2010) - Der Tod des vierfachen Familienvaters und Landwirts Thomas Schnabel aus St. Georgen am Reith erschüttert das Ybbstal.
Copyright NÖN
Am vergangenen Dienstag führte er Zimmermannsarbeiten beim im Bau befindlichen Schafstall durch, als er gegen 12.15 Uhr bei der Befestigung eines Eisenwinkels offenbar das Gleichgewicht verlor. Er stürzte sechseinhalb Meter in die Tiefe und erlitt massive Schädelverletzungen. Einer seiner Söhne fand ihn bewusstlos in der Künette zwischen Stall und Weg liegend auf, und holte sofort Hilfe. 

Der Göstlinger Arzt Dr. Putz sowie das Notarztteam aus Waidhofen, die herbeigeeilt waren, konnten aber nur mehr den zwischenzeitlich eingetretenen Tod des ehemaligen Gemeinderats feststellen.

Thomas Schnabel hinterlässt neben seiner Gattin noch vier Kinder im Alter zwischen 12 und 19 Jahren. „Er war ein ganz hilfsbereiter Kollege, ein prima Kerl. Thomas konnte wunderbar erzählen. Und er war sehr konsequent.“ Der 45-Jährige wollte zuletzt seinen Betrieb auf Schafhaltung umstellen, die Lämmer dafür hatte er schon auf seinem Bergbauernhof untergebracht. Und auch wegen weiterer baulicher Änderungen hatte er erst vor Kurzem am Gemeindeamt vorgesprochen.

Die Bauernschaft greift der Familie nun bei der Fertigstellung und Einrichtung des Stallgebäudes sowie bei der Umstellung des Betriebs auf Schafhaltung unter die Arme. Am Wochenende organisierte man bei einer Ortsbauernratssitzung die Hilfe für die nächsten Wochen und teilte Schichten ein. Die Nachbarn möchten unbedingt noch vor dem ersten Schnee den Stall überdachen. Auch bei Hof- und Waldarbeiten werden die Landwirte der Familie helfen. Zudem haben Firmen aus der Region, wie das Bauunternehmen Spreitzer, ihre Unterstützung zugesagt. Die Gemeinde hat noch am Freitag ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet.

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Montag, 15. November 2010

Oh Heimat, dich zu lieben

Getreu in Glück und Not, im Herzen steht's geschrieben, als innerstes Gebot.


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