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Montag, 19. September 2022

Konsistente Politik

Nicht, was wir getern waren, sondern was wir morgen zusammen sein werden, vereinigt uns zum Staat.   (O. Y Gasset)

Konsistente Politik ist die erste Anforderung an staatliche Politik überhaupt. Sie ist ihrem Wesen nach vorauschauend, weil sie alle Aspekte der Wirklichkeit in freiem Denkschwung erkennt und in das Urteil einflieoßen läßt. Dann aber, ist die Entscheidung einmal getroffen, wird sie auch in Treue verfolgt, selbst wenn kurzftistige Ereignisse sich in den Weg stellen. Es ist das Wirkliche nämlich auch das Bleibende, das wirklich Wirkliche, das in sich stimmig außerhalb der Zeit steht uznd nur außerhalb der Zeit zu denken (also zu erfassen) ist. 

Das ist auch das die Zukunft Berstimmende. Auf lange Sicht betrachtet, so schreibt Ferdinand Braudel einmal, hat sich historisch auch immer die lange Sicht als das Bleibende durchgesetzt.
Wenn jemand glaubt, daß es irgend etwas in der Politik gibt, das nicht von Absichten getragen ist, dann täuscht er sich. (K. Adenauer) Ist Politik inkonsistent, widerspricht sie sich also und wird sie sprunghaft, so hinterläßt sie keine Leerstellen, sondern trägt im selben Augenblick das Gepräge unausgesprochener, aber immer dahinterstehender Interessen, denen die Widersprüche nützlich und Absicht sind. 

Freitag, 8. April 2022

Freizeitvergnügen Rüstung (2)

Und gib uns 2022 wie du uns 1938 gabst? Immerhin, eines scheint nicht gleich zu laufen. Oder sehen wir es nur noch nicht? - DAS ist es dann, das uns heute mit einem Lebensgefühl der Unsicherheit ausgestattet hat, das dem des Jahres 1938 so frappant ähnelt, wo man einen Krieg fürchtete, ja wo der durchschnittliche Deutsche insgeheim fix damit rechnete (ohne es freilich zu sagen.) Was man heute wie damals allen möglichen, ideologisch "erklärten" Ursachen zuschreibt, nur nicht der Realität: Daß wir einen immer gewaltigeren Anteil unserer Wertschöpfung der substantiellen Qualität eines Freizeitparks angeglichen haben. 
Wo es irgendwann nur noch darum geht, möglichst allen Eintrittstickets zur Verfügung zu stellen, koste es was es wolle. 
Es war etwa 1938 die Inflation, die den Menschen ihren Wohlstand madig machen wollte, es ist heute die Inflation, die sobald sie ihr Haupt erhebt, eine draufgeschlagen bekommen soll. Und damals, und heute: Koste es was es wolle.

Donnerstag, 7. April 2022

Freizeitvergnügen Rüstung (1)

Es war, schreibt Adam Tooze in "Ökonomie der Zerstörung" (über die Wirtschaft in Deutschland von 1933 bis 1945) im Herbst 1938 so vielen maßgeblichen Seiten klar, daß mit fiskalischen Maßnahmen eine Inflation nicht mehr länger aufzuhalten sein würde, daß sie den von Hitler nachweislich gewälzten Kriegsplänen für 1. Oktober 1938 nur ein schlimmes und kurzes Ende vorhersagen konnten. Die Rüstung hinkte den militärischen Plänen deutlich hinterher, und ein Kriegserfolg war damit fast sicher auszuschließen. Nur mit gemeinsamer Anstrengung schaffte sie es, Hitler davon zu überzeugen, daß er diesen Plan noch einmal (um ein Jahr) aufschob.

Dabie stellte sich als das größte Prolem dar, daß die reale Situaiton der deutschen Wirtschaft nur so schwer zu erkennen war. Durch die Gleichscahtlugn seit 1933 hatte sich einerseits die Partei bis in die letzten Winkel des Lebens vorgeschoben. Durch zahllose Interventionen und immer wieder kurzfristig notwendige Rettungsmaßnahmen, mit denen irgendetwas verhindert werden sollte, von dem man befürchtete, daß es diese oder jene für das Gesamtbild des "Erfolgsweges" schädlichen Folgen haben würde.

Freitag, 21. Mai 2021

Und es begab sich, daß sich ein Markt gebildet hatte (3)

Teil 3) Nur Gott gehört die Zukunft -
Die Zukunft gehört immer nur Gott


Auch einen Markt zu erfinden ist nicht sachgerecht. Auch Märkte sind nicht in der Griffweite menschlichen Handelns. Sie sind vielmehr abstrakte Größen, die eine Art Schatten sind, die sich aus dem jeweiligen, also millionenfachen moralischen Handeln der Menschen ergeben. Dieses Handeln durch bestimmte Verhaltensmaßregeln und Zwang und Gesetze in Teilen zu lähmen, macht keinen Markt! Es macht nur bestimmte Teilergebnisse beherrschbar. Die aber immer an unzähliche weitere, nicht beherrschbare Dinge (und diese sind IMMER unbeherrschbar) angrenzen.

Dienstag, 3. November 2020

Erste Entwürfe eines Gesamtbildes (2)

 Teil 2) Aus dem Tagebuch - Erste Entwürfe zu Grundlinien 
einer christlichen Kultur und Wirtschaft


[...] Das heißt (wenn man so will) dann auch den Einschluß von "Sozialleistungen" für jene, die noch nicht oder nicht mehr am mehr oder weniger reziproken Wertaustausch egal aus welchen Gründen teilnehmen können. Das kann man dann meinetwegen "Sozialstaat" nennen. So war er jedenfalls gemeint, auch wenn man Röpke oder Erhard liest, obwohl letzterer deutlich liberalistisch war, Röpke hingegen noch viel substantieller abendländisch dachte. 
Ich bin auf ihn sogar über Architekturkritik, die er in Istanbul verfaßt hat, gestoßen. Die ich vor etlichen Jahren (erinnerlich um viel Geld, noch dazu ist sie ein relativ dünnes Heft) bei einem Antiquar - ich weiß nicht wo - auftreiben konnte. Er hat schon vor hundert Jahren das Ende dieser Kultur wie deren Charakteristik aus der Architektur abgelesen. Dazu braucht man schon sehr tiefe geistige Fundamente. [...] 
[...] Wenn das oben Gesagte nicht gegeben ist, wenn eine Gesellschaft (und ein darauf bezogenes Gefüge wie es der Staat ist) nicht auf diesen durch Dankbarkeit und Dankbarkeitspflicht zwischenmenschlich verankerten Grundzügen aufbaut, kann man von einem intakten Sozialgefüge gar nicht mehr sprechen. 

Es ist auch nicht konstruierbar oder rekonstruierbar. Denn kein Zusammenleben läßt sich auf Gesetzen und Vorschriften aufbauen. Jedes soziale Gefüge, das sich nur oder auch nur vorrangig darauf berufen kann, bricht mit der Zeit zusammen, denn es wandelt sich von Solidar- zu Kampfverhältnissen. [...]

In einer christlichen Kultur aber will jeder die Gestalten vervollkommnen, die alle Seiten umschließen, also Dinge weil Orte (!) vollkommen machen. Und die Welt ist ein Mosaik von Orten, AUF DIE HIN jeder geschaffen wird. Das rechtfertigt dann das Vertrauen in Gottes Vorsehung, in dem sich jeder Mensch "sicher" fühlen kann, sodaß er seiner Hingabe kein Maß anlegen muß. 

Er wird nicht verletzt, um es salopp zu sagen, wenn er sich auf seinen Ort hin transzendiert, selbst übersteigt, also nicht seinem niedrigen "Wollen" folgt, sondern dem Wollen des Heiligen Geistes gehorsam ist. Dort liegt ja dann seine maximale Freiheit, in der Anähnlichung an Gott, seinen Schöpfer. 

Und wenn doch verstoßen wird (was immer heißt: Dem Eigenwillen folgen, der Welt, die einen umgibt, nicht Gerechtigkeit und Angemessenheit zutrauen), so ist das nicht Maß aller Dinge, sondern ein von allen anerkannter und zugestandener Bruch mit dem Ganzen, der sogar (wie im Verbrechen) von der Obrigkeit, vom Rechtssystem (das die inneren Gesetze der Kultur enthält, aber vor allem deren Grenzen aufzeigt) bestraft wird.

Auch gerechtes Wirtschaften entsteht somit, aus der Eigeninitiative der Einzelnen, auf das Gemeinwohl bezogen. In dem das Wohl und Heil möglichst aller gefördert - aber vor allem: nicht behindert - wird. Das jeder im letzten natürlich selbst und in Freiheit anstreben muß, ist somit nur eine Folge. Indem jeder allen Anrufen die wesensgemäßen (ortsgemäßen) Antworten gegenüberstellt. Das heißt, daß der "Kaufpreis" nichts anderes ist als eine dem Wert des erhaltenen Geschenks ("Verkaufsakt") entsprechende Wertleistung.

Wir hatten das bereits in unserer Kultur erreicht. Denn das ist die eigentliche Leistung des Abendlandes, die sich bis zur höchsten Kulturhöhe im Mittelalter, bis zum 12. Jahrhundert, steigerte. Als geschlossene, nicht von interkulturellen Wirtschafts- und sonstigen Beziehungen aufgebrochener Kulturraum. Als geschlossene Gesellschaft, in der sämtliche Obrigkeiten ihre Aufgabe darin sahen, diesen Raum nicht nur aufzubauen, sondern auch zu schützen.

Denn jedes soziale System - und man muß sogar so weit gehen, die gesamte Schöpfung, die gesamte Welt als solches zu sehen! - besteht NUR dann (weil alles ins Weltlose und Nichts abfällt, wenn es das Systemische, das Ganze aufgibt oder verläßt) wenn es auf seinem innersten Gesetz aufruht: 
GABE und GEGENGABE, getragen und getrieben von der moralischen Verpflichtung zur (über-)adäquaten Gegengabe, in die hinein der Mensch sich opfert, auf die hin er sich transzendiert. 
Das ist zugleich der einzige Sinn alles dessen, was wir als Wirtschaften bezeichnen, die Ausfluß des Lebensvollzugs ist, der ein Oszillieren einer Zweipoligkeit ist, die innerhalb eines Dritten, der Liebe, des Geistes (Freiheit, Liebe, Wahrheit, etc. etc.) west. 
Die Welt wird somit von der aus Freiheit angenommenen Verbindlichkeit getragen - und das ist letztlich die Liebe. Deshalb braucht jedes System die Kirche als der perfekten Gesamtgestalt im Geiste, die die Welt hervortreibt: Die Kirche als einzige (!) Quelle der Menschen, und das heißt der Kultur, denn der Mensch ist Welt ALS Kultur.

Das Abendland kann somit nur durch und mit einer (starken, unangetasteten) Kirche ent- und bestehen. Wo immer diese als oberste Lehrerin und oberste moralische Instanz angezweifelt und verdrängt wird, bricht die Kultur auf das, was sich in Ersatzlehren, in neuen Weltgrammatiken ausdrückt - wie dem Evolutionismus, wie dem Liberalismus, dem Kapitalismus, dem Marxismus-Kommunismus, dem (fatalistischen) Hegelianismus (als falschem Bild vom Wesen der Geschichte), etc. 

Nur im Maß auch, in dem die Welt christianisiert wird, kann eine Öffnung in die Internationalität geschehen. Eine Öffnung auf andere Kontinente zu. Wie 1492 nicht zufällig aus einem tief katholischen Spanien heraus tatsächlich geschehen ist.  

Aber dies geschah bereits zu einem Zeitpunkt, wo die entscheidenden Brüche im (europäischen) Abendland bereits geschehen sind. Die sämtlich im "langen 13. Jahrhundert" abliefen. Jener Zeit, wo das Abendland aus einem "maximal dem Paradies, dem Traum ähnlichen Zustand" in einen (allgemeinen) Kriegsmodus fiel. Der fünf Jahrhunderte später den Kontinent buchstäblich in Ruinen legte. [...]




Montag, 2. November 2020

Erste Entwürfe eines Gesamtbildes (1)

Aus dem Tagebuch - Erste Entwürfe zu Grundlinien 
einer christlichen Kultur und Wirtschaft 


[...] Wo zuletzt sogar das ein stilles Anliegen wurde, den eigentlichen Denkprozeß nur zu provozieren, aber im Leser selbst ablaufen zu lassen, als dessen eigene Leistung. [...]

Und wie es das Gesetz des Theaters ist. Weil es das Gesetz der Erkenntnis in der Welt ist. Man findet in sich die Bausteine, und setzt sie schließlich selbst zusammen. Damit ist Erkenntnis wirklich jener schöpferische Prozeß, der sie sein muß. Wo die Tangenten verlängert werden, die Richtungen aufgenommen, in die alles weist - die Linien aber dann selbst verflochten werden müssen. Oder, wie im Theater, wie in der Kunst, die Bilder selbst entstehen weil selbst gebildet werden. Aus den Wirklichkeiten, die unsichtbar hinter allen dargestellten Dingen stehen.

Diese werden angedeutet, werden freigeschaufelt, werden durch Katharsis (die ein Verbrennen der niedrigen, falschen, sündigen Beimengungen zu allen faktischen, historischen Dingen ist) freigelegt. Und dann zu einer neuen Lösung verbunden. Die wiederum deshalb artikulierbar, darstellbar, in eigenen Bildern herstellbar ist, weil sie mit bereits vorliegenden höheren, himmlischen Wirklichkeiten (die man durch das in-der-Welt-sein in sich trägt, als Anrufe der Wahrheit, des Wissens Gottes) zu jener himmlischen Wirklichkeit werden, die letztlich der Heilige Geist IN UNS herstellt und bewirkt.

Somit ist es denn der Heilige Geist, der aus uns spricht. Tatsächlich, real. Nicht "wir". Und das geschieht im Sterben, im Wegnehmen von allem, was von uns als Eigenwille in die Welt strebt. So werden wir zum Fenster und Tor des Heiligen (Geistes). [...]

Und in diesem Punkt deckt sich alles, auch das Wirtschaften. Denn im Weggeben dessen, was uns behört, öffnen wir eben dieses Tor. Damit ist alles Herstellen und "Verkaufen" ein "Verschenken", dem aber - in der moralischen Entsprechung - ein Wiederschenken begegnet. 

Das ist es, was die Verbindlichkeit menschlicher Gesellschaft(en) ausmacht. Das ist es, was eine christliche Kultur so einzigartig macht, und so bedeutend. In der die Obrigkeiten dafür zu sorgen haben, daß sie frei bleibt von fremden Einflüssen, die diese Gegebenheiten ausnützen wollen oder könnten. Weil sie auf Werten beruhen, die dieser christlichen Ethik nicht entsprechen.

[...] Nur auf dieser Grundlage, der Verbindlichkeit von Geschenk und Gegengeschenk, entsteht überhaupt (!) ein soziales, ein wirklich soziales Gefüge. Das seine Moral aus einer allgemeinen und allgemein wechselseitigen Verbindlichkeit aus persönlichen Verpflichtungs- wie Vertrauensverhältnissen bezieht. [...] 

[...] SOZIALE GEFÜGE, DIE IN SOLIDARITÄT UND VERBINDLICHKEIT mit offener Zukunft BESTEHEN WOLLEN, KÖNNEN NUR AUF DANKBARKEITSVERHÄLTNISSEN AUFGEBAUT WERDEN. 
Die Implikationen dieser Feststellung reichen dermaßen weit, daß sie auszuführen hieße, eine komplette Anthropologie, ja eine Metaphysik der Schöpfung selbst auszuführen. Denn alles ist als Dank auf Gott hin ausgerichtet. 
Weil ein Werk Eigenschaften seines Hervorbringers hat, stoßen wir damit direkt ins Herz einer Analogie zur Dreifaltigkeit. In der Gott im Heiligen Geist sich selbst ein Dank- und Sühnopfer darbringt. [...] 

 

Morgen Teil 2)


*091020*

Sonntag, 25. Oktober 2020

Das Wirken des Heiligen Geistes (3b)

  Teil 3b) Die notorisch mäandernden Anmerkungen


Auch ein nächstes Argument zählt nicht, wiewohl FRATELLI TUTTI es sogar explizit erwähnt. Nämlich jenes, daß es in einem weltweiten Verbot der Todesstrafe um das Verhindern einer in der Praxis tatsächlich (und gar nicht selten, ja zumeist sogar) mißbräuchlich verwendeten Todesstrafe geht. Weil die Todesstrafe natürlich, das muß man zugeben, weit häufiger zur Beseitigung unliebsamer Opposition eingesetzt wird denn als gerechtfertigtes, ja notwendiges (!) Mittel eines Staates, der das Wesen der Strafe einerseits, ihre Funktion im Leben eines Volkes (und Staates) anderseits erfüllen würde. 

Denn das Mittel wird auch in diesem Fall nicht durch den Zweck geheiligt. Und man kann kein Gut (in diesem Fall: Abstellen der Mißbräuche) bewirken, wenn man in sich falsche Mittel (generelles Verbot der Todesstrafe) einsetzt. 

Wobei der Papst bereits hinlänglich gezeigt hat, daß er dieses "in sich" nicht versteht, ja glatt ablehnt, wenn seinen Absichten etwas im Weg steht. Denn er weiß es schon, wenn es ihm paßt. Wenn er etwa sagt, daß die Todesstrafe "in jedem Fall" abzulehnen sei. Da gibt es also doch ein "in sich" Schlechtes? 

Was, um es mit den Worten von Sepp Breitschniedling zu sagen, "einmal schon gar nicht geht."  

Wenn es aber darum geht, ein Unrecht zu verhindern (in einer mißbräuchlich verwendeten Todesstrafe) gilt sinngemäß dasselbe Argument wie oben: Das der Sühne. Denn in der Sühne hat auch das Unrecht seinen Sinn! Für die Menschheit zum einen (in der stellvertretenden Sühne, die dem gesamten Menschheitskörper sozusagen zugute kommt), für das Individuum, das in der Seele fortbesteht und beim Endgericht wieder zum ganzen Menschen (= Seele UND - neu geschaffener - Leib) wird. Und der Sinn ist jene Dimension, um die es im Leben überhaupt geht! Denn nur im Sinn existiert die Übereinstimmung mit dem logos, dem Sinn, dem "auf-zu" der Schöpfung.

Um nicht zuletzt auf den bei Franziskus ebenfalls oft genug geschundenen Begriff der "Würde" des Menschen einzugehen. Denn es ENTSPRICHT GENAU der Würde des Menschen, ihn ernst zu nehmen, auch in seiner Tat gegen eine Gemeinschaft, und ihn damit der Sühne für fähig und damit für adäquat zur Tat straffähig - auch in der Todesstrafe - zu sehen. 

Die Ablehnung der Todesstrafe (als gerechtes Strafmittel einer Gemeinschaft) hat also keine sachliche Begründung. Sie gründet vielmehr in jener (jawohl, wir nennen es beim Namen: in der Widerlichen!) Sentimentalität, in der subjektives und völlig relatives, wesentlich irrationales "Fühlen" zum Maßstab der Ethik gemacht wird. Das fällt ebenfalls aber unter die Kategorie Sepp Breitschniedling. 

Es wird Zeit endlich mit dem substanzlosen Hollywood-Blödsinn aufzuhören, daß sentimentale Menschen auch gute Menschen seien. Sie sind nachgerade das Gegenteil.

**Was notwendig ist, will man der Schizoidität nicht zum Opfer fallen, will man sich also nicht "gaslighten" lassen. Weil der Schizoide ständig über die Wahrheit der Gestalt, des sinnlich Erfaßbaren an der Welt, hinwegzutäuschen versucht. Der Schizoide (Vorsicht, Schizophrenie ist nicht Schizoidität! Sondern noch einmal etwas anderes, wenn auch wesensverwandt) macht einem also "ein X für ein U vor", salopp formuliert, er "erklärt ein Gesehenes zu einem anderen", und kann und tut dies kraft seiner Autorität (der spezifischen durch eine formale hierarchische Linie, sowie der allgemeinen, die dem Gebot der Herzensöffnung entspringt und damit dem Begegnenden "Autorität" quasi "schenkt").

Dieser Autoritätsbezug ist das Besondere an der Schizoidität. Womit diese seinem Gegenüber die allererste anthropologische Anbindung an die Wahrheit selbst - die Sinne - aus der Hand zu schlagen versucht, um sie für die eigene Deutung (die eine Lüge ist) aufzusprengen.

***Auch die schöne Tradition, daß als Urheber eines Werkes nicht der gilt, der etwas ausführt, sondern der, der es in Auftrag gibt - sodaß also Papst Franziskus Fratelli tutti GESCHRIEBEN hat, auch wenn er selber vermutlich die Tastatur einer Schreibmaschine nicht einmal angerührt haben wird - hat hier einmal eine tiefere Aussage. 

Die wir uns vor Augen führen wollen indem wir zum einen beachten, daß es immer "der Geist" ist, der etwas bewegt, daß das Wirkliche also immer das Unsichtbare, das Geistige ist, und zum anderen sehen, daß dieses Wissen, das die Grammatik einer Haltung war (so wie immer das wirklich Gewußte die Grammatik von Haltungen ist), unserer Kultur noch bis ins 12. Jahrhundert immanent war. 

Erst im 13. Jahrhundert begann sich der Ausführende aus dem Insgesamt herauszulösen, was wir als eines der ersten und ernstzunehmenden Symptome des Zerfalls des Abendlandes begreifen können. Erst DAMIT, erst indem der Mensch sein Wirken seinem "Können", also einer immer mehr für sich stehenden und zu behandelnden Funktionalität zuschreibt, löst sich eine Gemeinschaft auf. Weil sie ihren Gehorsam verliert, und der Einzelne mehr und mehr autonom wird. Was sich dann in der Geschichte auch genauso zeigt. 

Und sei es, daß der solcherart "autonom gewordene Mensch" auch jeden Schutz der Gemeinschaft verliert (Gemeinschaft wird dann durch Gesellschaft und vor allem "Staat" und "'Verrechtung/Recht" ersetzt) und somit unsere Gesellschaften zu leichten Opfern von Interessen werden konnten, die nicht dem Gemeinwohl, sondern der Partikularität entsprungen sind bzw. dienen.   


*071020*
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Samstag, 24. Oktober 2020

Das Wirken des Heiligen Geistes (3a)

 Teil 3a) Die notorisch mäandernden Anmerkungen


*Wir wollen zuerst einmal den Unsinn aufgreifen, der in Fratelli tutti über Migration steht. Der beim völligen Unverständnis von Bezogenheit auf Land ansetzt. Keineswegs steht JEDEM ALLES LAND zur Verfügung! Vielmehr kann man Menschsein nicht denken ohne konkrete Verehelichung an ein BESTIMMTES Land, an einen bestimmten Ort. Nur so kommt der Mensch "vor". Und diesem Land gegenüber hat er insofern Verantwortung, als er nicht nur diesen, ihm überantworteten Raum als Ort, in dem der konkrete Mensch einen Platz hat, der in einem konkreten Beziehungsgeflecht (Kultur bzw. Sozialität) steht, verpflichtet ist, sondern diese Verpflichtung heißt auch, daß er diesem Raum ("Boden") seine Erhaltungsfähigkeit bewahren muß. 

Denn Boden (hier stimmen die Aussagen der Enzyklika) bzw. Eigentum ist nur insofern eine Größe, als es uns von Gott "geliehen", zur Nutznießung übergeben ist. Uns! Nicht als absolutes Eigentum, gewiß. Aber wir haben damit auch die Aufgabe - wie auch das Recht! - ihn zu nutzen. Insofern haben wir ihn als Geschenk (im Rang einer Leihgabe). Aber hier haben wir ihn auch zu schützen! Um nicht zuerst dem Bestand "der Menschheit" zu gewährleisten, solche universalen Kategorien entziehen sich unserem menschlichen Denken überhaupt, ja DÜRFEN nicht einmal angetastet werden! 

Das Allgemeine geht dem Einzelnen voraus, ja, wir haben es hier auch schon oft geschrieben. Aber das Einzelnsein ist immer ein Spezifischsein. Und insofern hat der Einzelne, in Pflicht wie Recht, auch einen Bezug zu Dingen (Boden etc.), die wir als "Eigentum" bezeichnen. Denn das ist ebenfalls Teil der Ähnlichkeit mit Gott: Dem die gesamte Schöpfung als Eigentum (zu seiner rückhaltlosen Verwendung) gehört. Wenn aber Gott Eigentum HAT, dann auch seinem Ebenbild. Bei Gott ist Eigentum absolut, beim Menschen nur in abgeleiteter Form, weil es einen absoluten Eigentümer gibt, nicht zwei geben kann. Dem Menschen ist also alles Leihe. Dieses Eigentum (in diesem nicht absoluten Rang) muß ein Staat aber ebenfalls schützen. Und deshalb hat auch ein Volk eine Eigentumsbeziehung zu einem bestimmten Boden (Raum).

Es ist Gott gegenüber sogar verpflichtet, diesen Raum zu verteidigen, nötigenfalls mit Gewalt. Keinesfalls hat deshalb (wie in Fratelli tutti allen Ernstes behauptet, jeder Mensch das Recht, sich egal wo niederzulassen! Das hängt von der Bereitschaft jener Gemeinschaft ab, die einen bestimmten Raum bewohnt und in ihre Gesamtkultur integriert, davon durchdrungen hat. 

Im übrigen trifft diese Situation nur jene Menschen, die bereits entwurzelt SIND, oder die gar keine Wurzeln (also verantwortliche Anbindung an den Boden WEIL an eine Gemeinschaft, die immer eine Kulturgemeinschaft ist) WOLLEN. Die also Boden wirklich nur NÜTZEN wollen, ohne ihn, weil einer Gemeinschaft wie einer Generationenfolge moralisch weil durch Verbindlichkeitsempfindungen als rechtlichen Grundrahmen verpflichtet sind. Und das heißt ebenfalls: Eigentum. 

Ethnologisch - man beachte etwa die umfänglichsten Studien, die P. W. Schmidt angestellt hat, um speziell diese Frage zu untersuchen - kommt es deshalb in KEINER Kultur der Erde vor, daß die Menschen OHNE EIGENTUM leben! Und zwar auch Eigentum am Boden! Daß das so ist, ist zwar nicht immer so ganz leicht zu sehen, aber es ist so. Und es ist so - man höre und staune! - wo sich die Menschen aus der Hand Gottes geschaffen sehen. 

Sämtliche sozialistischen Utopien entstammen einer romantischen, realitätsfernen Fehlinterpretation. Die der Aufklärung entstammt, und einen Neuentwurf "des Menschen" vornahm. In dem man einen "Idealzustand im noch völlig kulturlosen Urmenschen" ("edler Wilder") annahm. Was nicht nur theoretisch nicht stimmt, sondern auch praktisch nirgendwo "bei den Wilden" vorkommt.

Was hingegen dabei herauskommt, wenn Menschen KEINE Verwurzelung mit dem Boden haben, auf dem sie "leben", wo sie also nur "wohnen" (letztlich wie Nomaden, denn morgen wollen sie vielleicht weiterziehen, weil es irgendwo "besser" ist), erleben wir nicht nur jeden Tag, sondern es IST DIE EIGENTLICHE URSACHE FÜR DIE UMWELTPROBLEME, die Laudato Si und Fratelli Tutti angeblich so ernst nimmt. 

Die Lösung von Mensch und Boden durch Eigentumsverbot ist sogar der Grund, warum gerade sozialistische wie kapitalistische Gesellschaften die schwersten Umweltzerstörungen verursacht haben. Dem, der in keiner verbindlichen Beziehung zum Land steht, auf dem er lebt, ist ununterscheidbar, wo die Grenze zwischen "Kultur" und "Müll" (als der Ordnung ausgegliederte, dem Chaos zurückgegebene Materie) ist.

Und dann wollen wir (nur einmal) den Irrtum bezüglich der Todesstrafe herausgreifen, einer der Irrtümer in der Enzyklika. Von dem Papst Franziskus wohl meint, daß er mit seiner wiederholten Behauptung (und nun sogar in einer Veränderung des erst 1993 herausgegebenen Römisch-Lehramtlichen Katechismus) doch irgendwann als katholisch festnageln zu können. Was nicht geht. Denn nicht nur würde damit eine Lawine ausgelöst werden, die letztlich das gesamte Lehrgebäude einstürzen lassen würde. 

Was zwar nicht die Wahrheit selbst, sondern deren lediglich Inkarnation verdunkeln würde, aber alles andere als vertrauensbildende Maßnahme ist. Freilich, Papier ist geduldig. Und auch wenn Franziskus es noch tausendmal wiederholt - es wird nicht wahrer. Deshalb wird diese Sichtweise, die nicht ins Gefüge der katholischen Wahrheit und Lehre paßt, in der Welt keinen Bestand haben. 

Sprich: Es wird zu Situationen kommen, in der sich die Kirche (bzw. Glieder von ihr) mit realen Forderungen (nach Todesstrafe) konfrontiert sieht. In der jedoch die Wahrheit und Richtigkeit der Todesstrafe evident wird! Plötzlich gerät aber die offizielle Lehre mit dieser Wirklichkeit und Wahrheit in offensichtlichen Konflikt. So nebenbei reißt eine solche Unwahrheit - wie bei einem Dammbruch - ein immer größeres Loch. Auch das wird evident werden. Dieses Loch wird aber ein Schisma hervorrufen. Scheinbar aus "ganz anderen" Gründen. Aber in Wahrheit aus einem einzigen Grund.

Uns geht es hier also darum darauf zu verweisen, daß in diesem Unverständnis der Todesstrafe, das sich hier offenbart, ein weit tieferer und schwerer, ein grundsätzlicher Irrtum verborgen ist. Nämlich der, was denn das Wesen von Strafe (und damit von Erlösung!) überhaupt sei. Und das beginnt NICHT bei praktischen Aspekten wie dem "Selbstschutz des Staates". Sondern das beginnt bei der Sühne und deren Erlösungswirkung. 

Man muß jede Strafe nämlich zuallererst als sühnende Wiedergutmachung gegenüber jener Gemeinschaft verstehen, gegen die man durch die Tat verstoßen hat. Und hier gilt das Prinzip der Adäquatheit, sprich: Die Sühne muß der Tat entsprechen! Die Strafe ist also ein Element der Gerechtigkeit. 

Nur durch ein dem Vergehen entsprechendes, ja dieses eventuell sogar leicht übersteigendes Leiden (siehe das Leiden Christi, das in derselben Wesenserfüllung der Gerechtigkeit seinen Sinn hat!) wird ein Wiedereinstieg in diese Gemeinschaft (aus der man sich mit einem Vergehen nämlich selber ausschließt) wieder möglich. Und das kann in manchen Fällen eben bedeuten, daß der Wiedereinstieg nur mit dem Tod möglich ist. 

Ein Widerspruch ist das nur für diejenigen, die dieses irdische Leben absolut setzen. Und nicht sehen, daß diese Welt zur Gefallenheit und zum Vergehen verdammt ist (durch die Ur- bzw. damit Erbsünde des ersten Menschenpaares), wir also auf das Kommen einer zukünftigen und dann aber endgültigen Welt warten (die in der Kirche bereits ihre Inkarnation hat, in der dieses Zukünftige ins Gegenwärtige hineinragt), daß also diese heutige, irdische Welt der Menschen in einer gewaltigen Kontinuität steht. 

Die mit dem irdischen Tod nicht unterbrochen wird! Weil die Zeit (und in der Erbsünde sind wir zu dieser Zeit verurteilt, was mit dem Bruch in der Erkenntnis zusammenhängt, die von einem Schauen zu einem - möglichen - Verstehen durch den Verstand wurde) in dieser Ewigkeit nicht mehr existiert. Somit ist der Delinquent, der durch eine Todesstrafe entleibt wird, noch immer "existent", wenn auch nur noch in seiner Geist-Seele. 

Aber auf die kommt es ja an, bei der Neuschöpfung am Jüngsten Tag, wenn Gott uns aus unseren Gräbern hervorruft! Somit ist die Sühne des Delinquenten der entscheidende Moment, in dem auch seine Seele in den Himmel gehoben wird, sodaß er am Jüngsten Tag als Erlöster, als Geretteter seinen Platz in der Neuen Schöpfung erhalten wird. Wäre seine Sühne nicht ausreichend, würde er an dieser Gerettetheit (soweit wir Menschen es sagen können) gar nicht mehr teilnehmen. Und DAS begründet die Todesstrafe bzw. überhaupt das Strafwesen einer Gesellschaft.

 
  Teil 3b) Die notorisch mäandernden Anmerkungen



Freitag, 23. Oktober 2020

Das Wirken des Heiligen Geistes (2)

Teil 2) Vorwärts zum Guten zurück! 


Denn es ist praktisch vollständig vergessen! Auch wenn wir noch unzählige Relikte, sogar in unserem Alltag, sogar in den alltäglichsten Lebensgewohnheiten und Vollzügen, finden, die direkt daraus entstammen und bewahrt wurden. Wir können also sogar davon sprechen, daß im Wesen der Kirche diese Vision einer wahrhaft menschlichen Kultur mitten unter uns ist! Und wir nur danach greifen müssen, wollen wir diese wahrhaft humane - und damit göttliche, weil von Gott durchdrungene - Kultur in die Realität umsetzen. 

Denn wir haben das bereits einmal geschafft, die Geschichte beweist es. Freilich immer im Rahmen einer realistischen Welthaltung, die diese Utopie niemals zu Ideologie und Zwangsimperativ werden lassen kann. Weil genau diese Realistik, die darum weiß, daß der Mensch zur Sünde neigt und Tag für Tag in Sünde fällt, aber auch Tag für Tag daraus aufstehen muß, zu ihrem unabdingbaren Wesensbestandteil gehört.

Warum das so ist, von welcher realistischen Utopie (eine nur scheinbare contradictio in adjectio!) Fratelli tutti handelt ohne es zu wissen, und warum wir deshalb diese neue Enzyklika mit Staunen und Freude aufnehmen, werden wir in den folgenden Ausführungen begründen. Soweit kann man bereits ankündigen, daß wir durchaus mit dem Papst auch darin übereinstimmen, wenn diese Visionen dem Kapitalismus der Gegenwart ein Ende ankündigen. 

Und zwar genau deshalb, weil wir die Freiheit des Menschen als unabdingbaren Bestandteil einer Kultur überhaupt betrachten. Was zugleich dem Wesen des Katholischen entspricht, die eine Anthropologie vertritt, in der der Mensch als Ebenbild Gottes zur Freiheit (der Söhne) Gottes berufen ist. Nur dann wird er ein geglücktes Leben führen können, nur dann kann eine Kultur des Gemeinwohls entstehen. Deren Tor und Tür einen konkreten Namen hat: Bedingungsloses Schenken. Sterben. Kreuz. 

Jede Kultur der Kreuzvermeidung muß also notwendig scheitern. Und wenn man den sozialistischen Utopien, die auch die aktuellste Enzyklika aus der Schreibstube*** von Papst Franziskus Fratelli tutti sogar explizit vertritt (man lese etwa die Ausführungen zu Eigentum!). Man frage sich doch nur, warum ausgerechnet die Freimaurer, deren Ziele praktisch identisch mit denen des realen Kommunismus sind, ja die hinter dem Kommunismus stehen und standen, diese Enzyklika fast euphorisch begrüßen. 

Aber wir schließen hier keineswegs an Schreckensbotschaften an, die in den Freimaurern das verkörperte, institutionalisierte Werkzeug Satans IN DER GEGENWART sehen möchten. Weil wir meinen, daß die Freimaurerei historisch-praktisch überlebt ist. Sie ist längst durch andere, der Zeit gemäßere, somit weit effektivere Machtkonstellationen ersetzt. 

Die Reaktion der (oder: Vieler) Freimaurer auf Fratelli tutti zeigt also etwas ganz anderes an. Etwas über Papst Franziskus. In dieser Reaktion zeigt sich nämlich folgerichtig, wie wenig diese Enzyklika expressis verbis die Gegenwart aufschlüsselt. Daß sie manche Übel wörtlich anführt ist lediglich dem üblichen Vorgehen des Liberalen gleichzusetzen, der zwar nicht weiß, warum etwas nicht funktioniert, der aber oft genau und besser als viele weiß, was NICHT funktioniert. 

Erzbischof Viganò hat also zum einen Recht, wenn er diese Koinzidenz von Fratelli tutti mit freimaurerischen Anschauungen anprangert. Zum anderen ist aber der Grund, warum Viganò das tut, nicht ganz korrekt. Der derzeitige Pontifex Maximus beweist damit nämlich nur, wie wenig er diese Zeit verstanden hat. Das ist eine Tragödie, gewiß, das ist enttäuschend, ja, aber das ist nicht überraschend. Und DAS ist auch schon fast alles, was man dazu sagen kann.

Aber wenn wir uns dem DURCH Fratelli tutti aufgerissenen Acker anschauen, dann finden wir plötzlich etwas, das jenen, die mit dem Pflug enteilt sind, entgangen ist. Wir finden die Problematik dieser Kultur, die mit dem realen Leben zusammenhängt. Und dieses ist, weil wir es hier mit einem Grundproblem DER MORAL zu tun haben (richtig, der Moral, und NICHT der Wirtschafts- oder der Sozialwissenschaften), mit ein- und derselben Fliegenklappe zu erledigen.

 Morgen Teil 3a) Die notorisch mäandernden Anmerkungen


*071020*
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Donnerstag, 22. Oktober 2020

Das Wirken des Heiligen Geistes (1)

Selbst wenn man die Enzyklika FRATELLI TUTTI als nächste Unsäglichkeit dieses Papstes einstufen muß, die von Irrtümern*, Fehleinschätzungen, Widersprüchen, Wirrnissen und sogar buchstäblichen Ausflügen in den Sozialismus nur so strotzt, würde man ihre Worte 1:1 nehmen. 

Weshalb dem Verfasser jener Zeilen, die als Enzyklika hohen Stellenwert haben weil sie Denkimperative aufstellen, das heißt, man muß sie ins eigene Denken einfließen lassen, ob man will oder nicht, denn es ist immer noch der Gehorsam, der den Blutkreislauf der Gnade aufrecht hält, nicht "richtig oder falsch". Was aber nicht heißt, daß man Falsches auch so übernehmen muß. Und Falsches findet sich in Fratelli Tutti in einem derartigen Ausmaß, daß es unmöglich scheint, das alles ausreichend zu besprechen. 

Und - es lohnt auch gar nicht. Dafür sorgt schon die höchst ambivalente Sprache und Geformtheit des Dokuments, das wie eine Gummiwand alles und nichts und jedes anspricht, ohne es zu bändigen und zu ordnen. Als wollte der Verfasser gar nicht, daß man sich ernsthaft mit dem Text auseinandersetzt. Wollte er aber stattdessen, wie es der Unvernunft, aber auch der diktatorischen Gewalt gemäß ist, daß der Text einfach widerspruchslos übernommen, angenommen und "befolgt" wird? Das wollen wir mal nicht annehmen, auch wenn es naheläge, so zu denken. 

Ah ja, heißt es ja deshalb gleich zu Beginn: Es werde ja nur "geträumt". Und darum wohl auch die Sprache, in der die Enzyklika veröffentlicht wurde. Italienisch. Nicht das Latein der Kirche. Aber gut, Franziskus war ja schon bisher Meister der Verwirrung, was die Gestalt (weil Ort, Bestimmung, Rang etc.) von Dokumenten anbelangt. Und das scheint wohl seine Aufgabe zu sein: Es ist ein Aufruf selbst aufzustehen.

Also muß man viel zwischen den Zeilen suchen, um den Heiligen Geist aufzuspüren, der dann auch der wahre Geist des Gehorsams ist, in dem Fratelli tutti betrachtet werden muß. Der sich in der Tradition der Kirche scheinbar gar nicht finden läßt!

Sogar dem Papst blieb nichts anderes übrig, als pausenlos auf von ihm selbst verfaßte Schriften und von ihm selbst getätigte Aussagen Bezug zu nehmen. Wie es eben bei unkatholischen, ja antikatholischen Aussagen ist. Die nämlich nicht mit dem zweitausendjährigen Lehramt in Übereinklang zu bringen sind, weil sich zu viele Aussagen nicht weiterbauen, was "nirgendwo gesagt wurde". 
Wie soll man also dazu stehen, daß selbst Papst Franziskus "Belege" dafür nicht finden konnte, daß er mit seinen diesmaligen Aussagen (die in Laudato Si bereits angebahnt sind) im Strom der Tradition schwimmt? Wenn, dann ist es also eine Tradition, die er selbst erst begründet hat. Was natürlich eine contradictio in adjectio ist.

Aber irgendwo muß er doch sein, dieser Strom, es ist doch der Papst? Irgendwo muß doch auch bei diesem Papst das Katholische zu finden sein, wie auch Kardinal Müller meint, der es offenbar auch einfach satt hat, ständig mit unkatholischen Papstaussagen konfrontiert zu sein? 

Und sei es und sei es eben ... in der Dialektik. Zum ersten Beispiel. Was nichts anderes heißt als daß der Heilige. Geist im Widerspruch, den etliche der päpstlichen Aussagen erregen MÜSSEN, weil sie unkatholisch sind. Und das Katholische ja nicht einfach ein willkürliches dogmatisches Gebäude ist, so wie die Spielanleitung von Backgammon, sondern weil das Katholischsein seinem Wesen nach in der allgemeinen menschlichen Vernunft lebendig ist. Sodaß nicht-katholisch-sein immer auch heißt: Unvernünftig sein! 

ABER der Widerspruch hat noch eine ganz andere Eigenschaft, und auf die kommt es uns an dieser Stelle an. Im Widerspruch ist der Widersprechende GEZWUNGEN, das Wahre, das Richtige DARZUSTELLEN. Zu sagen, zu leben, zu zeigen, welche Daseinsebene auch immer. 
Was nichts anderes heißt als daß der Apologet insofern "mehr" Mensch wird, weil es (historisch, also in der Zeit) kein statisches Menschen-Dasein gibt, sondern weil Menschsein immer ein actu ist! Das heißt, daß nur der Mensch lebt (und in der Wahrheit sein kann), weil und soweit er sich selbst (!) bewegt. Sagen wir es simpel: Nie ist der Mensch so lebendig als dort, wo er widerspricht.
Das bedeutet, daß wir unter diesem Papst - und hier ist tatsächlich der Ort, wo wir vor ehrfürchtigem Staunen vor der Größe und Weisheit Gottes in Lobpreis ausbrechen müssen! - zu einem Christkatholischsein aufgerufen sind, in dem wir das Katholische pausenlos selbst suchen (und hoffentlich finden) müssen, um es dann lebendig wie noch nie in die Welt hinein zu stellen. Und das ist keineswegs zynisch (oder sarkastisch) gemeint!

Werden wir jetzt aber wieder konkret, und kommen wir zu FRATELLI TUTTI, die Papst Franziskus am Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober 2020 promulgiert (also auf die Menschheit losgelassenen) hat. Seiner somit zweieinhalbten Enzyklika. Bei der ersten, LUMEN FIDEI, herausgegeben 2013, hat noch Benedict XVI. mitgeschrieben. Offiziell zählt sie aber für diesen Papst, der 2015 noch LAUDATO SI herausgab. 

Und benützen wir dieses vom Umfang her einem Buch entsprechende Dokument genau so, wie es schon in den ersten Absätzen angeraten wird: Als Traumlandschaft und als Steinbruch. Letzteres heißt nicht mehr und nicht weniger als daß wir hergehen, und Bestandteile, Sätze, Worte, Aussagen ohne jede Rücksicht auf einen Gesamtsinn herausnehmen. Denn einen solchen Sinn hat diese Enzyklika nicht. 

Alles, was als "seine Aussage" (also "sein Sinn") bezeichnet wird, sind posthoc hinein- oder drübergeschobene Sinnkonstrukte mehr oder weniger Gutmeinender. Die hartnäckig davon ausgehen, daß es doch in einem päpstlichen Lehrschreiben doch so eine durchgängige, einzige Aussage geben muß. Der VdZ sagt es frei heraus, und das gilt für dieses gesamte Pontifikat, daß man bei diesem Papst den Sinn (logos) ganz woanders suchen muß als in seinen expliziten Aussagen und Lehrschreiben. Diesen Papst kann nur noch jemand begreifen, der bereits katholisch IST, und der bereit ist, Franziskus nur auf der Ebene dessen DASEINS als Autorität in sein Herz aufzunehmen bzw. dessen Tore zu öffnen.

Und in diesem Punkt hat der VdZ eine Überraschung für jene bereit, die meinen, der VdZ, der anfänglich Papst Franziskus schärfstens und fast verzweifelt kritisiert hat, und sogar so scharf analysiert und als hochgradig schizoid erkannt hat. Schizoidität aber bedeutet, daß ihr nur mit Wesensbezogenheit begegnet werden kann.** Und diese Überraschung hat zum einen mit dem Wesen der Schizoidität zu tun. Denn der Schizoide verwendet formal (und formell) die Wahrheit. Er setzt sie nur für seine Lüge ein. Somit ist das, was wir in dieser Enzyklika finden, nichts anderes als Folgendes, und das ist nicht nur gut, das ist er, der Heilige Geist:

In Fratelli tutti öffnet der Papst das Denken auf einen Horizont hin, der das menschliche Leben und Wirtschaften, ja das Menschsein überhaupt, wieder in einen kulturellen Kontext einordnet, der so "revolutionär" ist, weil er ein radikales RESTAURIEREN des Abendlandes bedeutet. Das nicht weniger ist als ein Zurücksteigen ins Hohe Mittelalter. 
In Fratelli tutti gelingt es dem Papst zwar NICHT, eine Vision zu entwerfen, wie er es verspricht, wenn er gleich zu Anfang von "Träumen" spricht - auch das entspricht dem Wesen des Schizoiden, daß er seine expliziten Ziele nicht nur verfehlt, sondern zum Gegenteil geraten läßt - aber wir erkennen tatsächlich dieses "Träumen". 
Und wenden uns jenen Träumen zu, die unserer (bzw. einer) Kultur nicht nur einzig sinnvolles Ziel sein können, sondern die darin an das Wesen unserer eigenen abendländischen Kultur anknüpfen weil entbergen. 
Teil 2) Vorwärts zum Guten zurück! 
 
 

Technischer Hinweis: Die mäandernden, in diesen Mäandern aber jeweils eigene Seen bildenden, also durchaus für sich stehen könnenden Anmerkungen stehen nach dem zweiten in den dritten und letzten Teilen, in zwei Tagen, zu lesen. 


*071020*
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Mittwoch, 19. August 2020

Ein Blick hinter das Wirtschaftswunder (2)

Teil 2)



Deutschland stand nach 1947 unter Gesamtbedingungen, die eigentlich den Unternehmer selbst überflüssig machten, behauptet die unten angefügte ZDF-Doku. Denn gerade das, was sie notwendig macht - ein Unternehmen auch in Unsicherheiten und Krisen zu führen - war nach dem Krieg nicht notwendig. Der weltweite Bedarf einer auf amerikanische Prinzipien aufbauenden Wirtschaft war so groß, daß die Qualität einer Entscheidung eigentlich gar nie gefordert war. Der staatlich* bzw. von alliiertem Einfluß dominierte Markt blies die Nachfrage in solche Höhen, daß wer sie halbwegs systemdienlich erfüllte, automatisch Erfolg hatte.

Der Preis war hoch. Deutschland hatte in den 1950er Jahren eine enorme Staatsverschuldung, die das Land zu erdrücken drohte. Der größte Beitrag zum Wunder war nun, daß die Alliierten auf Reparationsleistungen verzichteten, und die Hälfte der deutschen Auslandschulden von dreißig Milliarden Mark (die ca. fünfhundert Milliarden dem heutigen Euro entsprechen) mit einem Federstrich erließen. In der Hoffnung, daß zukünftig auf einem prosperierenden deutschen Markt mehr zu holen sein würde als das beträgt, auf das man nun verzichtete. Dazu gehörte auch der Verzicht auf Reparationsforderungen durch ehedem von deutschen Truppen besetzte Länder - wie Griechenland.

Die an sich interessanten Aspekte des Videos, wenn sie auch nicht ganz auf einen Punkt kommen, denn ein wenig hat man den Eindruck, daß etwas sensationalisiert werden soll, das aber keine Sensation ist, wird dort definitiv eigenartig, wo es um den Wert geht, den die Enteignung vieler jüdischer Unternehmer unter dem Hitler-Regime für die deutsche Wirtschaft selbst besaß.

Denn die Aussage, daß Deutschland seinen Wirtschaftsaufschwung auf Kosten anderer (vor allem der Juden) "zusammengestohlen" hätte, steht auf sehr wackeligen Beinen. Sie mag ihre Bedeutung in Dingen des Reichtums einzelner Personen haben, aber nicht in einer gesamtvolkswirtschaftlichen Rechnung, der es egal ist, wem ein Unternehmen gehört. Ein Thema, wie es ja viele Länder betrifft (etwa die Türkei mit den Enteignungen der Armenier). 

Viel schwerwiegender ist da sicher der Abfluß vieler Patente und Fachkräfte aus den Ostgebieten in den Westen, wie auch von Deutschland in die USA. Mehr als Aspekte, die man mitbedenken kann, bleiben also nicht. Die Sensationsankündigung im Titel ist also etwas zu viel versprochen. Was bleibt ist Ursachenkunde für den Amerikanismus und Konsumismus in Deutschland, mit einer Bevölkerung, die Politik satt hatte und nun einfach gut leben wollte, ist gezielte Hilfe beim Aufbau aus nicht ganz uneingennützigen Überlegungen, was alles zusammen das Wirtschaftswunder letztlich bewirkte, bei gar nicht so schlechten Startbedingungen, wie oft geglaubt wird.

Denn die Bilder der Zerstörung waren fast immer Bilder von Zivilbezirken. Hergestellt von Journalisten und Bildmachern, die - warum soll es damals anders gewesen sein wie heute? - immer das Sensationelle/re) suchten. "Hätte man die Kameras gedreht, wären oft die unzerstörten Vorstädte sichtbar geworden. Wo die Industriebetriebe standen, die 1945 sogar größer waren als vor dem Krieg, weil die Kriegsmaschinerie gewaltige Investitionen getätigt hatte," sagt einer der Historiker, die in der Dokumentation zu Wort kommen.

Das heißt, daß die Wirtschaftsbetriebe selbst viel weniger betroffen waren, als gemeiniglich geglaubt. Sie konnten nach dem Mai 1945 oft sofort wieder produzieren. Die Kapazität war da, und mußte nicht erst geschaffen werden. Es brauchte lediglich die Aufträge.
Das Deutsche Wirtschaftswunder ist also auch ein gutes Stück "virtuelle Konstruktion", entstanden aus den Medien. Die den Interpretationshorizont lieferten, in den die Menschen ihre subjektiven Erfahrungen einordneten. Und die waren tatsächlich so katastrophal, daß eine Regeneration des Landes als "Wunder" erscheinen mußte.
Und die schuf man mit dem Marshall-Plan, einer künstlichen Wiederbeatmung der Binnennachfrage. Zu der man sich 1947 entschlossen hatte. Damit wurden sämtliche Pläne, die deutschen Völker zu "entzivilisieren", die die amerikanische Politik seit Marrakesch 1943 beschäftigt hatten, also auf alle Zukunft zu entmachten, ja auszulöschen, verwarf. Die USA brauchten Deutschland gerade in den Zeiten unberechenbarer Atomwaffen als Puffer, weil nach außen verlegtes Kampffeld.




*Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre hat, was oft übersehen wird, die Volkswirtschaften weltweit auf staatlichen Interventionismus umgestaltet. In diesen Fußstapfen des Selbstverständnisses der Politik ging es nach dem Krieg - der ja immer vorübergehend akzeptierter Höhepunkt des Etatismus ist - unverändert weiter: Der Staat betrieb gewissermaßen "seine" Volkswirtschaft im Sinne des (militärischen) Überlebens. Die zu einem einzigen Gesamtbetrieb umgebaut wurde, damit diese seine Ausgaben und seine Politik finanzierte. Damit wurde jene Finanzkraft geschaffen, die es erlaubte, direkte ideologisch motivierte "soziale" Politik zu betreiben.


Dienstag, 18. August 2020

Ein Blick hinter das Wirtschaftswunder (1)

Untersucht man wirtschaftswissenschaftlich unterlegt die tatsächliche Situation Deutschlands nach 1945, so kommt man vielleicht zu einem völlig anderen Ergebnis: Das Wirtschaftswunder Deutschland gab es gar nicht. Es ist ein virtuelles Bild.

Zumindest war es kein Wunder, und auch nicht das Produkt eines weltweit unübertroffenen deutschen Fleißes. Der war nicht höher als anderswo. Und niemand geringerer als die Amerikaner und Briten selbst kamen zu dem Ergebnis, daß die Zerstörung der Wirtschaftskraft Deutschlands durch die gigantischen Bombardements so gut wie gar nicht beeinträchtigt worden war. Die Zivilbevölkerung war das Opfer. Nicht das vorgebliche Ziel, den Kriegsfeind wirtschaftlich in Klump und Asche zu bombardieren.

Der Witz dabei: Die Briten zumindest ("Bomber Harris") hatten das sehr bald erkannt. Und zwar auch aus den völlig wirkungslosen deutschen Bombardements.

In Wirklichkeit hatte sich also recht bald die Strategie der alliierten Bomber bewußt auf das Ausradieren von Wohnbezirken - geschlossene Innenstädte - ausgerichtet. Der Bomberkrieg war deshalb ein Kriegsverbrechen, weil er gezielt auf die Auslöschung eines Volkes ging! NICHT auf Kriegsziele. Selbst das Argument, man würde den Kampfeswillen brechen, war - und auch das wußten alle! - falsch.

Das Gegenteil war der Fall, je mehr Bomben fielen, desto entschlossener, je radikaler die alliierten Beschlüsse waren (die keine Kapitulation anerkennen wollten, sondern schon 1942 eine Zerstörung Deutschlands zum Kriegsziel erklärten) desto alternativloser-patriotisch wurde die Haltung der Bevölkerung Deutschlands.

Es ging also in den Zerstörungsakten nur um die Zivilbevölkerung. Denn die Wirtschaftsanlagen waren einfach nicht effizient durch Bomben zu bekämpfen. Die deutsche Industrie stand 1945 weitgehend noch, ja war sogar weiter ausgebaut als vor dem Krieg. Hatte das gar etwas damit zu tun, daß amerikanische Konzerne (etwa an der IG-Farben) an deutschen Industrieunternehmen maßgeblich beteiligt waren?

Ach ja, es war die völlig selbstlose Hilfe der Amerikaner durch den Marshall-Plan? Diese ZDF-Dokumentation räumt mit diesem Mythos etwas auf, und zeigt die wirklichen Hintergründe des "Wirtschaftswunders Deutschland". Tatsächlich wirkten dieselben Mechanismen wie seit den 1920er Jahren - Antikommunismus, Angst vor dem Kommunismus. Die Überlegungen der Amerikaner waren umfassend: Zum einen stand eine amerikanische Wirtschaft - durch überhitzte Kriegsproduktion nicht mehr gebraucht - kurz vor einer Stagflation.

Man mußte Geld aus dem Markt nehmen - etwa durch Investitionen oder gar Geschenke an Europa. Dann fehlten Absatzmärkte. Und nicht zuletzt war die Angst recht konkret, daß ein wirtschaftlich daniederliegendes Deutschland, ja Westeuropa, für den Kommunismus anfällig war.

Die strategische Position der Amerikaner als eigentliche Siegermacht stand also möglicherweise auf dem Spiel, blieb Europa längere Zeit "arm". Also wurde eine Gesamtstrategie entworfen, wie Westeuropa mit dem notwendigen Kern Deutschland in den Westblock dauerhaft und unausweichlich zu integrieren war.

Dazu gehörte sogar ein gezielter brain-drain von Ost- nach West-Deutschland. Gezielt versuchte man, kluge Köpfe aus der kommunistischen Zone zu holen. Audi in Ingolstadt wurde sogar weitgehend mit ostdeutschem Ingenieurswissen aufgebaut.

Dazu kamen gewaltige Transfers von Know-how aus Amerika selbst, das helfen sollte, die deutsche Wirtschaft ähnlich auf Massenprodukte umzustrukturieren, wie es in den USA bereits geschehen war. VW etwa wurde gleich einmal auf amerikanische Fließbandproduktion umgerüstet. Dann kam der Korea-Krieg, der für die deutschen Exporte als verlängerte Werkbank der Amerikaner eine "Initialzündung" wurde. 

Vorbereitet hatte sich dieses Denken bereits im Krieg, wo die deutsche Industrie allmählich lernte, Quantität vor Qualität zu stellen, lernte "in Maßen schlecht zu werden". Nicht Spitzentechnologie hat deshalb nach 1945 den Weltmarkt erobert, sondern die deutsche Umstellung auf billige Massenware. Sie fand ihre Entsprechung in einer Managergeneration, die in der NS-Zeit an den Methoden der Kriegs-Zwangsbewirtschaftung gelernt hatte. Sie trafen auf eine sehr dienstbereite Bevölkerung, die ähnliche Vorgangsweisen wie unter Kriegszwangsbedingungen leicht durchsetzbar machte und mit niedrigen Löhnen zufrieden war.

Morgen Teil 2)



*310720*

Samstag, 14. März 2020

Wenn sich alles für ein besseres Morgen aufhebt

Offenbar wird uns die Naturwidrigkeit, zu der wir bereit sind, immer weniger klar. So daß wir die Probleme, mit denen wir uns konfrontiert sehen, weil wir den Status Quo verlängern möchten, um nur ja nicht "gestört" zu werden. Und wie richtig, wie natürlich ist dieses Streben aber doch, das die Kontinuität der gepflegten Lebensweise verlangt! Weshalb man durchaus sagen kann, daß wir vielfach mit Tragischem konfrontiert sind, wo Richtiges mit Richtigem streitet, und aus sich heraus keine Lösung mehr möglich macht, greift man nicht über sie hinaus, um Prioritäten noch zu erkennen. Die unser Handeln dann lenken müssen.

Was so kompliziert erscheinen mag, wird an einem Beispiel leichter sichtbar. Im Konflikt, in dem die Rentenproblematik steckt. Die als Umlageverfahren (und anders KANN eine Rente gar nicht funktionieren!) wo die aktive Generation die nicht aktiven Generationen (die ganz Jungen, die Alten) erhält.

Dies hat seinen Anker in der Natürlichkeit des menschlichen Lebensweges, der das Aktive Leben umfaßt von dem "noch nicht" einerseits, und dem "Nicht mehr" anderseits. Es stimmt mit der körperlichen Entwicklung zusammen, in der die Kräfte sich hier aufbauen, um dort zu schwinden. 

Wenn wir also die Fehler, die dazu geführt haben, daß die Aktiven durch zu wenige Junge immer weniger werden, sodaß ihnen proportional immer mehr Alte gegenüberstehen, die es (in der Rente) zu erhalten gilt, so daß die Belastung für die Aktiven immer mehr steigen müßte, dadurch beheben wollen, daß wir den Alten ihren Lebenskreis verweigern, und ihr "nicht mehr" zu einem "und trotzdem noch" umformen wollen, verstoßen wir gegen das Ganze des menschlichen Lebens.

Deshalb ist das Hinaufsetzen des Renteneintrittsalters niemals eine gerechte Lösung, sondern allerbestenfalls die Kapitulation dem Leben gegenüber: Wo man den Alten das, was sie nun der Gesellschaft zu geben hätten, ihre Reife, ihre Erfahrung, ihr weises Wort (!) und ihr abgeklärtes Wissen ums richtige Handeln, absprechen, und ihre Energie noch bis zum letzten Tropfen ausquetschen wollen, um "das System" aufrecht zu halten. Es ist einem Handeln zu vergleichen, das das Nichts in jedem Fall bereits gewählt hat, und das System nur noch um des Systems willen, nein, um einige Merkmale willen zu erhalten, und deshalb alles und sich selbst zum Nichts verdammt.

Es ist ein Verstoß gegen die menschliche Würde selbst, die von den Alten verlangt, ihr Selbstsein aufzugeben, um weiter im Nutzungsprozeß zu verbleiben. Weil sich die Generation der Aktiven sonst ihr gewohntes Leben nicht mehr leisten kann. Und mehr ist es nicht.

Aber die Verpflichtung, die Alten zu erhalten, hat höhere Priorität als die Unbeschwertheit eines wohlständigen Lebens, wie es die Aktiven heute pflegen und gerne haben möchten. Ein Leben, das sie im Übrigen jenen Alten verdanken, deren ihrem Alter entsprechende Versorgung zu verweigern. 

Die im übrigen nicht bei allen gleich ist! Es wäre also mehr noch zu diskutieren: Ein individuelles Renteneintrittsalter! Wie es in Österreich durch die "Hacklerregelung", die "Schwerarbeiterreglung", die die Rente unabhängig vom absoluten Alter nach bestimmter Leistung zugesteht, als sehr richtiger Weg eingeführt wurde (um nun durch die aktuelle Kurz-Regierung sofort wieder abzuschaffen).

Und es ist eine wahre Schande für unsere Gesellschaften, wenn wie in Japan ein Renteneintrittsalter von gar schon 70 Jahren diskutiert und sehr wahrscheinlich eingeführt wird. Unabhängig von der Frage, was es für eine Kultur bzw. eine Gesellschaft bedeutet, wenn die Lebenserwartung generell und tatsächlich steigt. 

Was der VdZ im Übrigen ... anzweifelt. Weil es sich hier um eine statistische Größe handelt, die real ohne Relevanz bleibt. Sie entspricht lediglich dem Fetisch der "Altersverlängerung" als Ausdruck eines Strebens nach Lebensverlängerung - das wiederum dem heimlichen Wissen darum entspricht, daß man das Leben gar nicht mehr lebt, sondern das zu Tuende "auf morgen" schiebt, auf das man sich "aufzubewahren" hat.

Und das ist das wirkliche Merkmal der Generation der Aktiven. Die nun alt geworden sind. Es sind Menschen, die ihr Leben "für morgen aufbewahrt" haben. Und Junge herangezogen haben, die genau das nun tun und wollen, und mehr denn je wollen. Die davon regelrecht lebt, Hoffnung auf ein besseres Morgen zu pflegen, diesem besseren Morgen nachzujagen. Und dafür auf die Gegenwart, das Leben selbst, verzichtet. Um der Mühe auszuweichen, die jedes Leben aber bedeutet.