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Sonntag, 29. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (6)

Teil 6)




Dann folgen noch eine Reihe von "nebensächlicheren" Kritikpunkten. Wie die, an Wochentagen in der Fastenzeit Messen zu zelebrieren.

Bedarf von Zwillingen, sich zu unterscheiden

Bemerkenswert ist, daß man so eine Liste des Ausschließenswerten gegen Muslime oder Juden nicht kennt. Es zeigt, daß der Konflikt Orthodoxie - römischer Katholizismus ein innerfamiliärer, umso vehementer geführter Kampf ist. Es beweist, daß man schwer damit zu tun hat, sich getrennt zu sehen. Umso mehr versucht man, die Eigenberechtigung zu beweisen. Zu schwer wiegen die Gemeinsamkeiten. Wie bei Zwillingen, die alles tun, um sich zu unterscheiden und bald nur noch wirken, als würden sie sich nur mit Unterscheidungen befassen.



Kein Orthodoxer würde noch eine römisch-katholische Liturgie besuchen

Den Abschluß der Ausführungen bildet eine bittere Kritik an den Traditionsbrüchen im Katholizismus. Sowohl in der Musik wie auch in der Architektur. Viel Geld wird heute für Abscheulichkeiten ausgegeben. Damit steht in Zusammenhang, daß seit den 1960er Jahren die Zahl der Mönche in der römischen-katholischen Kirche um 95 Prozent zurückgegangen ist. Weltweit gesehen, folgt vielleicht noch EIN EINZIGES Benediktinerkloster den eigentlichen Regeln des Heiligen Benedikt (auch ein orthodoxer Heiliger).  Das zeigt, wie schwierig es in Wahrheit in der Katholischen Kirche (Roms) ist, katholisch zu bleiben. Und das zeigt vor allem, wie groß wirklich die Gräben sind, die Orthodoxie und römischen Katholizismus trennen. Er ist längst spiritueller Natur.

Aber mit rein dogmatischen Einigungen wäre es nicht mehr getan. Die römische Kirche ist bereits glaubenslos.

Was würde also passieren, wenn die römische Kirche das "filioque" aufgäbe. Was würde passieren, wenn die römische Kirche alle Konzile, die sie seit dem Nizäischen Konzil als "ökumenisch" bezeichnet, obwohl die Orthodoxie nie anwesend war, aufgäbe. Wenn die Römer also alles aufgäben, was sie von der Orthodoxie erst so richtig getrennt hat. Wenn sich also die römische Kirche aufs erste Jahrtausend besinnen würde, um mit der Orthodoxie überein zu kommen. Es wäre ein reines Wunder. Es wäre phantastisch. ABER ... was kommt am nächsten Morgen?

Könnte dennoch auch nur irgendjemand aus der Orthodoxie am nächsten Morgen in eine katholische Kirche gehen? Nein, ganz eindeutig: Nein. Ein Orthodoxer in einer römisch-katholischen Messe würde nicht wissen, wo er sich befindet. Er würde sich nicht in einem gemeinsamen Glauben finden! Kein Orthodoxer würde sich im Römischen wiederfinden. Dazu müßte sich die römische Kirche komplett reformieren, sich auf ihren Glauben und ihre Tradition völlig neu besinnen. 

Eine Einigung von Orthodoxie und römischem Katholizismus kann nur eine totale Überraschung sein. Nur ein Wunder. Denn die römisch-katholische Kirche hat sich so weit von der Tradition und dem depositum fidei des Katholizismus entfernt, daß eine Wiedervereinigung der beiden Kirchen nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen scheint.







* Eine gewisse Annäherung gab es freilich in den letzten Jahrzehnten, Rom und Moskau haben wechselseitig eine Reihe von Heiligen jeweils in ihr Martyrologium aufgenommen, eigentlich ein sehr bedeutender Schritt - denn sie bestätigen damit einander, daß man in der jeweiligen Glaubenszugehörigkeit, eigentlich in der jeweiligen Liturgie heilig werden kann!

**Das hat den VdZ bei Besuchen in Orthodoxen Liturgien mit am meisten überrascht: Jedesmal (!) lange Schlangen von Pönitenten, so gut wie alle gingen jedesmal beichten, wenn sie zum Empfang der Kommunion wollten. Und oft wurden die (meist: Mehrzahl) Priester bis zur Kommunion - trotz der zeitlich so langen Liturgie - gar nicht fertig.





*170618*

Samstag, 28. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (5)

Teil 5)



Unterschiede in den diskriminierenden Listen der Orthodoxie, wo man den Römern vorwarf, "unreines" Fleisch zu essen (also mit Blut, ersticktes also, was sich nur beim "Schächten", beim "Halal-Schlachten" vermeiden ließe), sind hingegen obsolet. Sie liegen bestenfalls im unterschiedlichen Klima zwischen Mittelmeer und Europa begründet. Wo das ganz andere Auswirkungen hat. In heißeren Klimazonen stockt Blut sehr rasch. Auch ißt man in Europa Tiere, die man im Osten nicht ißt, auch aus Klimagründen. Weil sich das Fleisch nicht hält.

Im Fleischverbot ist eine weitere, gewaltvolle Geißelung des Fleisches nicht notwendig

Auch das unbedingte Fleischverbot für Mönche ist nur relativ zu sehen. Dafür gibt es im römisch-katholischen Mönchen andere Praktiken, wobei man drüber diskutieren kann, ob sich der Flagello (Peitsche) zu unterziehen, um das Fleisch zu bändigen, nicht weniger klug ist als durch Mäßigung und Verzicht gleich Nahrung, die das Fleisch stärkt - also: Fleisch - zu vermeiden. Da ist sicher ein Widerspruch.

Dann warf man den römischen Klerikern vor, als Soldaten oder Ritter in Schlachten zu dienen. Eine Militarisierung, die als Reaktion auf die militärischen Bedrohungen aus dem Orient (Muslime) zu werten ist, keine Frage In den Kreuzzügen gab es ja sogar Ordensgemeinschaften, die als Programm das Schwert ergriffen. Das widerspricht völlig der orthodoxen Mentalität und Stellung von Priestern Krieg und Kampf gegenüber. Klar, auch dort hat man Priester im Militär, aber sie sind dort nur Kapläne, Geistliche, die niemals töten würden. 

Dann wurde kritisiert, daß römische Priester mehr als eine Liturgie pro Tag feierten (was im übrigen im römischen Katholizismus nur an wenigen Tagen erlaubt ist, darunter Allerseelen, Ostern (weil es nicht vermeidbar ist), und Weihnachten. Neben pastoralen Notlagen. Aber das hat damit zu tun, daß die Liturgie "pastoral" wurde, und sich vom eigentlichen liturgischen Kairos entfernt hat. In der Orthodoxie gibt es eben Vesper etc. Und daran ist die Liturgie gebunden. Nicht an die Pastoral. 

Übrigens: So spät dieses Argument der Pastoral im Vortrag kommt, es ist in den Augen des VdZ weit weit bedeutender. Ja, es ist einer der Hauptgründe für viele Fehlentwicklungen in der römisch-katholischen Kirche. Es ist in seinen Augen sogar der Hauptgrund, warum sich die Kirche über tausend Jahre fast zwangsläufig auf den Totalkollaps zubewegte, den das 2. Vatikanum in seinen Folgen nur noch zur Darstellung brachte, das aber längst alles - auch die tridentinische Liturgie - als Fäulnis durchsetzt hatte.

Ein Priester darf keinen "sex appeal" haben

Dazu paßt dann die Kritik der "schön rasierten Priester", was als Widerspruch zum Verbot gesehen wurde, daß ein Priester keinen "sex appeal" haben dürfe. Ein uraltes Gebot für Priester, das schon Moses sehr sehr scharf vorgab. 

Man kritisierte außerdem die Begräbnisgewohnheiten, wo plötzlich die Menschen nicht mehr mit überkreuzten Armen begraben wurden. Und kritisierte, daß man in Rom Laien zum Altar hinzutreten ließ. Das widerspricht jeder Tradition und der Wirklichkeit des Heiligen, des Tremendum. Man kritisierte auch das Sitzen im Gottesdienst, das sich im 16. Jahrhundert überall etablierte. Und zwar vor allem, weil die Bedeutung von Sitzen UMGEKEHRT wurde. Tatsache ist dabei, daß Stühle in unseren Volkskulturen immer nur den Oberen vorbehalten blieben. Ja, einen Sitz zu haben war Merkmal der Führung. Noch im Mittelalter saß NIEMAND, einen Stuhl gab es nur für den Herren.  

Sitzen ist ein Merkmal von Autorität!

Wer steht zeigt, daß er sich der Autorität unterwirft. Diese Änderung ist auf die Protestanten zurückzuführen - der VdZ hat schon mehrmals gesagt, daß die liturgischen Neuerungen des Tridentinums eine kaum faßliche Reaktion auf den Protestantismus war, der SEITHER noch deutlicher Einzug in der Katholizität hielt. Er hält schon deshalb die tridentinische Messe als Formalregelung, wie es so viele heute meinen, keineswegs (mehr) für das Heilmittel des Katholizismus! Da ist viel mehr notwendig. Die "alte, tridentinische Messe Paul V." ist vielmehr eine direkte Wegbereitung für die katastrophalen Zerstörungen des 2. Vatikanums und seinen Folgen. Das macht auch "Petrusbruderschaften" oder "Piusbruderschaften" und wie sie auch heißen mögen zu Totgeburten.


Morgen Teil 6)





*170618*

Freitag, 27. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (4)

Teil 4)



Ein nächster Punkt ist die "unbefleckte Empfängnis", wie sie die katholische Kirche 1854 als Dogma verkündet hat. Demgemäß wurde Maria auf eine von uns verschiedene Weise empfangen. Frei von Erbsünde. Das wäre aber kein Grund für "Heiligkeit". Denn damit hätte Maria niemals mit den Versuchungen der Erbsünde zu kämpfen gehabt. Wenn Maria die Taufe, wenn Maria die Versuchungen des "normalen gefallenen Menschen" nicht zu überwinden hatte, wäre ihre Heiligkeit doch nicht so groß wie sie tatsächlich ist!? Dieses Dogma macht sie also kleiner! Erst das machte sie aber zu dem großen Vorbild für alle Menschen!

Änderungen an allen Sakramenten

Weiters führt Fr. Trenham Änderungen in den Sakramenten an, die die römisch-katholische Kirche durchgeführt hat. Die fast alle seit dem großen Schisma eingeführt wurden. Man nehme etwa das Kreuzzeichen. (Das aber kein Sakrament ist, sondern eine "Sakramentalie", Anm.). Es ist so alt wie die Kirche, und eines der ersten überlieferten Zeugnisse, überliefert bereits aus dem 2. Jahrhundert. Schon der Heilige Antonius bezeichnet es im Jahre 250 als mächtigste Waffe gegen das Böse. Nach Papst Innozenz III. aber wurde das Kreuz verändert - von links nach rechts, wie es die römischen Katholiken bis heute tun. Aber es war immer von rechts nach links! Das hat die Orthodoxie nie akzeptiert. Nicht, weil es nicht ein Kreuz wäre. Sondern weil es ein willkürliches Ändern einer Tradition war, dessen Wirkmächtigkeit ja oft und oft überliefert wurde. Warum ändert man das also, ohne sich darum zu kümmern, was der Osten macht?

Nächster Punkt - die Taufe. Sie wurde von Rom sowohl der Form wie in den Formularien (Prozedere) geändert. Die von Anfang an überlieferte Form ist das Eintauchen ins Wasser. Ganz. Dreimal. Im Namen des Vaters. Des Sohnes. Des Heiligen Geistes. Es begann im 10. Jahrhundert, als die römischen Katholiken nur noch einmal eingetaucht wurden. (Wir bemerken: Form und Inhalt wurden allmählich mehr und mehr auseinandergerissen. Die Dinge verloren, was sie sind - und das ist genau der Nominalismus, der später alles zersetzen sollte.)

Im Mittelalter verlor sich sogar diese Praxis, und entwickelte sich zur heutigen, völlig neuen römisch-katholischen Praxis: Man übergießt nur noch den Kopf des Säuglings. Das Sakrament wurde zum "Symbol". Man beachte dabei aber vor allem: Die Bewegung! Von - zu! Was geht von - zu? (Übrigens: Das Konzept des "logos", der ein "auf - hin" ist.) Das kommt einer Perversion, einer Umkehrung dessen gleich, was Taufe überhaupt IST.

Wer aber "tauft" überhaupt?

Dazu kam die Formel, das gesprochene Wort. Von "Der Täufling WIRD getauft" (passivum) zu "ICH TAUFE DICH" (aktivum!) (Erkennt der Leser die Zusammenhänge mit dem "Filioque"?) Damit wird genau das Falsche ausgedrückt. Der Priester IST der Gnadenspender, und nicht der Mittler der Gnade des Heiligen Geistes, der DURCH/ÜBER IHN wirkt. Johannes Chrysostomus hat diese Praxis seit dem 4. Jahrhundert bekämpft.

Gibt es drei Sorten von Christen? Vom Auseinanderreißen der Sakramente.

Das nächste, was schrecklich verändert wurde, war die Salbung mit Chrisamöl. Während die ersten Jahrhunderte die Praxis der Aufeinanderfolge von Taufe - Salbung (Firmung) - Eucharistie gleich war, brach die römische Kirche diese "Trilogie" auf. Seither wird die Firmung von der Taufe getrennt, man wird ohne Chrisamöl getauft. Eine neue Art von Christ wurde damit erfunden. Plötzlich gibt es drei Arten von Christen - die Orthodoxen kennen aber nur einen! Den Getauften, den Gefirmten, den Kommunionempfänger. Die Römer haben damit Kindheit von 6 - 7 Jahre alten Kindern getrennt. Nun gibt es getaufte, aber nicht kommuniable Christen. Und dann gibt es getaufte und kommunizierende, aber nicht gefirmte Christen. Das ist eine völlige Neuheit gewesen! Die es so nie gegeben hat. 

Das ließe eigentlich zu einer seltsamen Idee von "Exkommunikation" verleiten - da sind also Menschen exkommuniziert, nur weil sie ... kleine Kinder sind?

Dann kam die Neuerung, daß die Eucharistie, die nur in einer Form gegeben wurde, auf "ungesäuertes Brot" geändert wurde. Statt daß ein Laib verwendet wurde, der die Gesamtheit der Kirche symbolisiert hatte, wurden einzelne Hostien geprägt. Sie haben damit kein Brot "zu brechen". Das hat nur noch der Priester. Aber die normalen Gläubigen bekommen ungebrochenes Brot. Damit verbindet sich aber das Symbol "vereinzelter weil einzelstehender Teile". Das Symbol, der Gemeinschaft des "einen Laib zugehörend", verliert sich damit, wird im "einen Kelch" nicht mehr erfaßt.

Auflösung der Fastenordnung

Nächster Punkt: Das Fasten am Samstag, aber überhaupt die Fastengebote. Die Tradition kennt ein Fasten von Mittwoch und Freitag, und zwar wirkliches Fasten. Aber nicht am Samstag, nicht am Sonntag. Die heutigen Katholiken müssen schon froh sein, wenn man am Freitag kein Fleisch ißt. Die immer strengen Fastenregeln sind quasi aufgehoben, selbst in der Fastenzeit. Die Bedeutung des Fastens für die Volksfrömmigkeit ist dabei kaum zu überschätzen! (Das Fastengebot der Orthodoxie ist nach wie vor sehr sehr streng, und wird auch befolgt.)

Vom Zölibatären ist mehr verlangt, als von den Aposteln

Ein sehr wichtiger Punkt ist das klerikale Zölibat, eine wichtige Angelegenheit, weil sie das Verhältnis des Priesters zur Sexualität betrifft. Hierin unterscheiden sich Westen und Osten deutlich. Von Anfang an haben die westlichen Vertreter auf Konzilien versucht ein Gesetz durchzubringen, daß jeder, der zum Priester geweiht wurde, sich zukünftig - auch wenn er vor der Weihe verheiratet gewesen war - von sexuellen Beziehungen fernzuhalten habe. Es gab ja am Anfang viele zuvor zumindest verheiratete Priester, denn ein erwachsener Mann heiratet eben. Das Wesen des Menschen ist schlicht ehelich. 

Wer gesund ist, der ist verheiratet, so kann man das zusammenfassen. Die Argumentation der östlichen Tradition sagt nun, daß man zwar den römischen Impuls sehr zu achten habe, aber daß einen Mann zum Zölibat verpflichten zu wollen hieße, von ihm mehr Heiligkeit als von den Aposteln zu verlangen. Die ja zum Teil verheiratet gewesen waren, ehe sie sich zur Nachfolge Jesu entschlossen. Ja, von einem Kleriker ist mehr zu verlangen als von einem einfachen Laien, keine Frage, sagt Fr. Trenham. Auch mehr Heiligkeit, Keuschheit, etc. Aber was nicht der Fall sein kann ist, daß man von einem Priester mehr verlangt als von einem Apostel Paulus oder anderen Aposteln! 

Getreu den ersten Konzilien verlangt man apostolischen Rigorismus, klar, aber nicht einen "super-apostolischen" Rigorismus.  Das Priestertum VERSTÄRKT sogar die Position in einer Ehe, schwächt sie nicht (wie es die römische Kirche heute sieht.) Die Bemühungen der ersten Konzilien gingen dahin, Anstand in die persönlichen Verhältnisse zu bringen, nicht - Zölibat. Sogar zum Gegenteil. Seine Frau wegen der Weihe zu verlassen, sich des ehelichen Verkehrs zu enthalten, war ein Vergehen. Sie brauchten freilich Keuschheit, auch im Umgang mit der Frau, aber mußten sich nur dort enthalten, wo sie die Liturgie zelebrierten. 

Dazu muß man einfach zuerkennen, daß diese Lösung ... der Realität auch der römischen Kirche weit mehr entspricht. Denn die Praxis hat gezeigt, daß die römischen Anforderungen in der Praxis der orthodoxen Regelung entsprechen. Das Zölibat wird und wurde über weite Strecken nie eingehalten. Was also ist realistischer?

Morgen Teil 5)






*170618*

Donnerstag, 26. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (3)

Teil 3)




Eine weitere Folge ist, daß der Papst die dogmatische Gewalt hat, Dogmen zu verändern, selbst wenn vorangegangene Päpste sagten, daß das nicht möglich ist. Und wir erleben es bei P. Franziskus tatsächlich. Eine wirkliche Grundlage, ihm zu widersprechen, wie es traditionelle Katholiken behaupten und oft genug sehr fragwürdig und unbeholfen zu rechtfertigen suchen, gibt es nicht, ohne diesem Primatsprinzip zu widersprechen. Das "depositum fidei" als Gut der gesamten Kirche verliert so sein reales Gewicht, seine Präsenz.


Die päpstliche Unfehlbarkeit hat versagt - sie bewirkt erst die Verwirrung, die zu bekämpfen sie vorgab

Die Folgen beobachten wir in der extremen Verwirrung, die heute herrscht. Die Ergebnisse von allgemeinen Umfragen, was katholisch sei, sind erschütternd. Nicht TROTZ des Primats in der heutigen Form, sondern eben ... WEGEN.)  Wie es eben beim Credo passiert ist. Auch die Einrichtung von "Kardinälen" widerspricht der Kirche. Extremes dogmatisches Chaos ist die Folge! Und nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Es gibt heute Kardinäle, die in ihren Diözesen Theologen beschäftigen, die sogar explizit die Auferstehung leugnen. Daran zeigt sich, daß die "Unfehlbarkeit des Papstes" in Verbindung mit zentralistischer Disziplin, die garantieren sollte, daß jeder Bischof und jeder Priester nur die eine Lehre verkündet, ganz real nicht funktioniert hat!

Das hatte weitere Auswirkungen. So hat die Kirche die Lehre der Kirchenväter über Bord geworfen, was das Wirken der Gnade anbelangt. Die Definition, daß sich die Gnade als eigene Substanz von Gott selbst unterscheidet, führt zur Definition, daß der Gläubige im Gebet nicht mehr mit dem ungeschaffenen Licht selbst in Verbindung kommt. Große Kirchenväter haben aber gelehrt, daß der Einzelne zwar nicht mit Gott, aber mit der göttlichen "Energie" in Verbindung kommen kann. Sie haben gelehrt, daß der Einzelne durch Gebet mit Gott in Kommunion kommen kann und so das ungeschaffene Licht erblicken kann. So daß jeder Gläubige das Erlebnis auf dem Berg Tabor in seinem Leben haben kann. (Kann!) Das wird von der römischen Kirche explizit abgelehnt.

Gnade als eigene Wirklichkeit?

Vereinfacht sagt die Orthodoxie mit Kirchenvätern, daß der Mensch zwar nicht mit der Sonne, aber mit deren Hitze und Wärme in Kontakt kommen kann. Die zwar nicht die Sonne selbst sind, aber doch auf eine Weise, und zwar über ihre Wirkungen und Eigenschaften.  Das Tageslicht, die Wärme sind zwar nicht Gott selbst, aber doch reale Anwesenheit Gottes (im Beispiel: der Sonne). (Das führt übrigens auch zum Punkt der Wertschätzung der Weisheit, der Sophia in der Orthodoxie, als Teilhabe am Wissen und an der Vorsehung Gottes. Es wird auf jeden Fall leichter verständlich, warum römisch-katholische Theologen manchmal meinten, die Rolle der Sophia in der Orthodoxie wäre fast einer "vierten göttlichen Person" gleich. Was natürlich so nicht stimmt.) Gnade wird bei der römisch-katholischen Kirche also zur "geschaffenen" Wirklichkeit, einer eigenen Substanz, nicht zur direkten Eigenschaftlichkeit Gottes (und damit seiner Präsenz über die Anwesenheit der Gnade) selbst.

Zusammengefaßt: Das filioque wird deshalb abgelehnt, weil es zwar keine Frage ist, daß Christus der Mittler ist, der diese Möglichkeit eröffnete, über die Anähnlichung an ihn, aber die Wirklichkeit des Heiligen Geistes als Dritte Göttliche Person, der vom Vater ausgeht, ist dann an sich eine weitere, eigene Wirklichkeit.

Wer gestorben ist, ist noch lange nicht gerettet

Die weiteren Unterschiede hängen damit eng zusammen. So die Lehre über das Fegefeuer. Die römisch-katholische Kirche lehrt, daß das Fegefeuer ein Feuer der Reinigung ist, nicht das Feuer der Hölle, wie die Orthodoxie. Sie behauptet, daß die Rettung schon durch den Glauben erreicht werde, OHNE daß die Erfordernisse der Reue erfüllt seien. Diese Lehre gab es zwar schon vor dem Schisma, aber sie explodierte im Mittelalter. Wo sich das Konzept des Ablasses ausufernd steigerte. Luther habe damit Recht gehabt, als er sagte: Wenn der Papst die Vollmacht hat, diese Strafen im Fegefeuer abzukürzen oder überhaupt zu erlassen, warum macht er es nicht einfach so, aus Liebe? Warum also "Ablaßkäufe"? 

Freilich, das protestantische Konzept, daß man mit dem Tod - "ping!" - auf der Wolke des Himmels schwebt, ist genau so Unsinn. Nicht besser als das Konzept des Fegefeuers der römischen-katholischen Kirche.

So lange jemand noch im "Fegefeuer" ist, daß das Feuer der Hölle ist, ist jemand nach orthodoxer Ansicht aber noch nicht gerettet. Worauf bezieht sich so ein "Optimismus"? Die Orthodoxie hat deshalb 40tägige Riten nach dem Ableben einer Person, man muß sich um jeden Verstorbenen ernsthafte Sorgen machen. Denn der Übergang von diesem Leben zum ewigen Leben passiert nicht "plötzlich". Und schon gar nicht ist er leicht (wie er es bei der Jungfrau Maria war.) Er ist sehr sehr herausfordernd, und unsere Gebete für den Verstorbenen sind äußerst wichtig. Was die Protestanten, im speziellen noch die Calvinisten sagen, daß die Seele nach dem Tod SOFORT in den Himmel gelange, entbehrt jeder Grundlage. Wenn man auch gewisse Vorsicht bei solchen Konzepten haben sollte, denn im Neuen Testament steht nichts darüber.


Morgen Teil 4)





*170618*

Mittwoch, 25. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (2)

Teil 2)




Trotz dieser Zahlen haben aber heute die, die den Katholizismus ernst nehmen, größte Probleme einen Ort zu finden, an dem sie diesen Glauben auch leben können. Wo sie nicht mit der Fülle von Widersprüchen konfrontiert sind, die die römische Kirche heute kennzeichnen. Das Verhältnis Priester zu Gläubigen in den USA ist deshalb nicht zufällig 5.000 zu 1. Und davon sind gut 50 Prozent "Importe", aus den Philippinen etwa. Aufgrund der Erosionen in der katholischen Kirche gibt es für konservative, "anständige" Katholiken keinen Ansporn mehr, Priester zu werden. Es wird deshalb auch immer schwieriger eine Kirche zu finden, wo die Liturgie noch anständig gefeiert und keine moraltheologische Verirrung gepredigt wird. Oder wo man wie früher immer beichten gehen kann. Und nicht einmal das spärliche Beichtangebot wird noch wahrgenommen, denn Katholiken gehen heute gar nicht mehr zur Beichte.** Die Katholiken sind nicht nur protestantisiert, sie haben freiwillig angenommen, was die Protestanten angerichtet haben. Daran sind die Bischöfe selbst schuld. 

Fr. Trenham schickt seinem Sermon über die Unterschiede voraus, daß er große Wertschätzung für die römisch-katholischen Gläubigen hegt. Auch schätzt er die Zusammenarbeit mit dem Katholizismus, der der Orthodoxie oft auch hilft. 2016 ist sogar erstmals ein Statement gegen die Abtreibung herausgegeben worden, in dem katholische und orthodoxe Bischöfe gemeinsam Stellung bezogen. 

Dennoch ist seine Liste der Abgrenzungspunkte nicht weniger scharf. Und so beklagt er, daß die römische Kirche oft sehr aggressiv vorgeht. Etwa im Vorderen Orient, in Gebieten wo es gar keine Katholiken gibt, sondern nur Orthodoxe, errichten sie etwa Schulen - sie haben die Mittel dazu - und drängen die Schüler, die orthodox sind, klammheimlich in den Katholizismus, etwa im Meßbesuch (in der Memoration).  Diese "Proselytenmacherei" ist generell zu beobachten, und oft genug (siehe Ukraine) ein schwerer Anstoß zum Konflikt. (Aber hier haben wir eben das Problem der Religionsfreiheit, und warum die Orthodoxen das oft wollen, liegt auf der Hand: sie dient der Minderheit, und nur der Minderheit.)

Eine große und fragwürdige Rolle spielten die Erscheinungen von Fatima. Die Kinder erhielten dabei eine Prophetie, genau übrigens in dem Jahr, in dem Rußland durch den Bolschewismus gekreuzigt wurde. Es heißt dabei, daß sich Rußland "bekehre". Die Katholiken interpretieren das aber so, als hätte das geheißen, sie würden KATHOLISCH! Totaler Unsinn! Der orthodoxe Priester und Theologe erzählt von einem seiner Gespräche mit dem (sehr frommen, katholischen) portugiesischen König (derzeit außer Amt). Der sei mit den Seherkindern in regelmäßigem brieflichem Kontakt gestanden. Auf eine spezifische Anfrage diesbezüglich hätten diese ihm aber geantwortet, daß ihrer Auffassung nach Maria diese Botschaft so gemeint habe, daß die Russen sich ZUR ORTHODOXIE bekehren würden! (Übrigens: Manchen Berichten zufolge scheint sich das heute tatsächlich zu ereignen.)

Die Liste der Unterschiede - Am Anfang stand das Filioque

Was steht nun aber wirklich zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche? Die orthodoxe Kirche hat dazu ab dem 7./8. Jahrhundert Listen angefertigt. Und ganz an der Spitze der Unvereinbarkeiten steht das FILIOQUE als Lehre vom Ausgang des Heiligen Geistes. Das widerspricht der Lehre von der Dreifaltigkeit, und die Konsequenzen dieser Häresie sind immens. (Wir haben darüber schon einmal unsere Gedanken dargelegt, es stimmt: die Konsequenzen WAREN immens.) Es geht dabei nicht nur um die Arroganz, in der der römische Papst einseitig und eigenmächtig das in Nizäa gemeinsam erarbeitete Glaubensbekenntnis geändert hatte. Sondern man hatte damals festgelegt, daß am Credo "nicht eine Silbe" geändert werden dürfte - bei sonstigem anathema sit. Seither expliziert sich die römische Kirche auf genau diese beiden Punkte, die aber extrem scheiden: Das Filioque und die Unfehlbarkeit des Papstes (in der er das einseitig verkündete). 

Was ist der Papst?

Im päpstlichen Primat sieht die Orthodoxie die Abweichung, daß es beim Bischof von Rom in der römischen Auffassung nicht einfach um den "Nachfolger von Petrus" geht, sondern um dessen "stellvertretender Präsenz auf Erden". Daraus ist die Vorstellung erwachsen, daß der Bischof von Rom nicht einfach Jurisdiktion über SEINE Diözese (Rom) hat, sondern daß er gleichermaßen das Recht hat, sich disziplinär in die Agenden der östlichen Patriarchen einzumischen. Nicht nur gewissermaßen "im Vorrang der Ehre", sondern in Jurisdiktionsgewalt. 

Das hat sich so ausgewachsen, daß es heute keinen römisch-katholischen Bischof auf der Welt gibt, der nicht vom Papst eingesetzt wird. Die Orthodoxie lehnt diesen Zentralismus völlig ab. Die Idee, daß ein Bischof alle Rechte gegenüber allen anderen Bischöfen hat, verletzt das Territorialprinzip, das Lokalitätsprinzip der Kirche.





Morgen Teil 3)




*170618*

Dienstag, 24. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (1)

Über die Unterschiede zwischen dem römischen Katholizismus und der Orthodoxie handelt dieser Vortrag, den der amerikanische Theologe Josiah Trenham in den USA 2016 hielt. Und wir wollen gleich einmal einhaken: Trenham entstammt methodistisch (protestantischem) Hintergrund. Und konvertierte zur Orthodoxie, ja ließ sich zum Priester weihen. Das ändert nichts an der Bewertungshaltung seiner Argumente, die viel Wahres enthalten.

Aber es sollte auch nie - nie! - vergessen werden, denn es gibt Berührungen zwischen Protestantismus und Orthodoxie, gegen die sich die Orthodoxie zwar immer abzugrenzen bemühte - Bemühungen der Protestanten, eine Allianz mit der Orthodoxie zu finden, wurden aus Moskau brüsk zurückgewiesen - die sie aber dennoch sehr betreffen. Das wird der Leser im Fortlauf des Textes gewiß erkennen. Aber es bleibt ziemlich interessant, was der Theologe zu sagen hat. Und ist eine Art Kompendium, das durchaus zutreffend ist.

Der VdZ wird nie vergessen, wie ihn ein angesehener Fachtheologe und Philosophie-Dozent an einer katholisch-theologischen Hochschule einmal anrief, um ihm mitten aus seiner Arbeit an seiner ersten Dissertation mitzuteilen, daß er nach intensivem Studium des Lutherismus zur Meinung gekommen ist, daß er "auf deren Seite gewesen" wäre. Es gibt wohl kaum einen "konservativeren" Theologen als ihn.


***

Trenham beginnt mit dem Hinweis, daß das große Schisma zwischen Ost und West eine Familienaffäre war. Es geschah in Wirklichkeit nicht 1054, das Datum wird der Einfachheit halber oft genannt. Vielmehr geschah die wirkliche Trennung 1204 bei der Plünderung von Konstantinopel durch römisch-katholische Kreuzritter. Das zeigt ihre historisch-faktische Dimension.

Die Orthodoxie hat durch die Trennung verloren

In Wirklichkeit kann man ja die Kirche nicht teilen. Man kann sie nur verlassen. Und Trenham ist natürlich der Ansicht, daß die Eine Heilige Kirche in der Orthodoxen Kirche weiterbesteht, daß also der Westen die Kirche verlassen hat. Schon deshalb war das Große Schisma ein extremer Verlust für die Kirche selbst. Vor allem auch durch die Lostrennung von sehr vielen Heiligen, die der östlichen Kirche nunmehr verloren gingen.* Nunmehr konnten viele Taufnamen nicht mehr vergeben werden, weil der Osten nicht wußte, daß es Heilige mit diesem Namen gab - ein wichtiger Grund für die Entfremdung, die stattfand. Immerhin hat vor zehn Jahren eine orthodoxe Synode eine Reihe von römisch-westlichen Heiligen in ihr Heiligenverzeichnis aufgenommen.

Aber auch auf anderen Gebieten hat die Orthodoxie manches verloren, was die römische Kirche hatte. Etwa die missionarische Kraft und Fähigkeit, oder einfach Organisationsfähigkeiten. Auch in der Liturgie gab es im Osten eine gewisse Monomanisierung. Die Fülle der oft recht unterschiedlichen Liturgien des Westens ging verloren. Und natürlich verlor man viel militärische Kraft im Hintergrund. Heute hat die römische Kirche das Mehrfache an Mitgliedern, das war vor dem Schisma nicht so, da waren beide gleich groß.

Aber katholisch sind doch beide?

Schockierend war für die Orthodoxie, daß es dem Westen gelang, den Begriff "Katholizismus" für sich zu beanspruchen. Dabei versteht auch die Orthodoxie sich als "katholisch". Auffallend ist dabei, daß es im Westen ab dem 13. Jahrhundert zu einer ungeheuren Dynamik kam, in der sich Häresien entwickelten. Das ist in dieser Form in der Orthodoxie nicht passiert. So kam es über die Jahrhunderte zu einer immer größeren Entfernung beider voneinander, ausgehend von Thomas von Aquin, der einmal sagt, daß jeder, der nicht mit dem Papst in Einheit ist, verdammt sei. Erst im 20. Jahrhundert hat die römische Kirche nach und nach diese Abgrenzungen wieder aufzuweichen begonnen. Speziell Johannes Paul II. (der eine orthodoxe Mutter hatte) hat einige römische Positionen geändert und denen der Orthodoxie damit ähnlicher gemacht. So die Frage nach dem Gehorsam dem Papst gegenüber. Benedict XVI. führte das weiter. Daß er freilich den Titel "Patriarch des Westens" auch aufgab, war der Orthodoxie zu viel, denn gerade diesen Titel liebten sie. 

Was aber, so Fr. Trenham, der jetzige Papst glaubt weiß niemand. Er zumindest hat keine Ahnung.  Die römisch-katholische Kirche durchlebt seiner Einschätzung nach momentan eine unglaublich traurige Zeit.

Nun ist die Orthodoxie überall zu klein

Trenham betont, daß es auch heute noch ein großer Schmerz sei, daß diese Trennung existiert, auch für die Orthodoxie. Die (nicht nur) in den USA in der Situation einer kleinen Minderheit ist. Und als Minderheit ist vieles nicht machbar. So daß man zugeben muß, daß die engagierten Katholiken für ihr Vaterland oft sehr viel tun. Man denke nur an Schulen und Erziehungs- oder gar die Sozial- und Gesundheitseinrichtungen oder Krankenhäuser, denke an die Pro-Life-Bewegungen, ans Engagement in der Verteidigung der traditionellen Ehe, oder an die, die die Freiheit der Religionsausübung verteidigen (was wir natürlich für höchst fragwürdig halten, siehe dazu die Artikelserie von vor einigen Wochen). 71 Millionen Katholiken haben eben ein anderes Gewicht in den USA als eine Million Orthodoxe. Die größte Diözese der USA - Los Angeles - hat alleine über vier Millionen Katholiken. Es fehlt meist einfach die Grundmenge, die für eine Maßnahme oder Einrichtung nötig ist. Er selbst habe auch viele Freunde und Förderer, die römisch-katholisch sind.



Morgen Teil 2)






*170618*