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Samstag, 7. Januar 2023

Fenserbrettvögelchen

Mich wundert die eurphorische Reaktion mancher Leute, die ich eigentlich für sehr gescheit halte, daß sie nun wieder auf Twitter zugelassen sind. Und nun nageln sie täglich drei Botschaften an deren Verteiler. Aus einer Reaktion in einem Gespräch aber sehe ich noch klarer, daß Twitter nicht ein Kanal "offenen Informationsflusses" ist, sondern WIE JEDES MEDIUM eine eigene Wirklichkeit erzeugt. An deren Gestalt dann allemöglichen Seiten ihre Kräfte verwenden, um sie ihren Vorstellungen gemäß aussehen zu lassen.

Nie, wirlich nie fand ich mich durch Twitter-nachrichten aber "besser informiert". Wa sich auf Twitter las sagte mir nur, was jemand AUF TWITTER geäußert hatte. Das sonst aber keine Bedeutung hatte. Sondern nur davon lebte 
Twitter berichtet, was auf Twitter steht. Es gründet somit einen eigenen weiteren Gesprächskreis, der dann irgendwo in der Landschaft des Lebens herumsteht. Twitter ist nicht wichtig, weil es Inhalte bietet, sondern weil es Inhalte auf Twitter bietet. Twitter hat Bedeutung, weil es Twitter ist. Twitter ist pure Tautologie, nahe am Selbstzweck. 
Twitter ist einfach ein weiteres Plaudereckchen, das selbst aber ... IRGENWO, also an einem Punkt im Raum, STEHT. Und DAS läßt eine Aussage über seine Bedeutung treffen. Ein Vorgehen also, das für diese Epoche so bezeichnend ist: In der nichts besser wurde, ERSTMALS seit Menschengedenken, dafür alles ANDERS. Wir sind heute also immer ausscließlicher mit der Lösung von Problemen befaßt, die es nur gibt, WEIL wir sie zu lösen versuchen. 
Damit wir uns recht verstehen: Nicht "weil es damit zusammenhängenge Probleme" gibt, nein. Sondern weil der (tatsächlich) wahnhafte Glaube, ein Problem zu lösen, DAS PROBLEM SELBST IST, das immer mehr Kräfte zu binden versucht, je mehr es ins Nichts steigt.  Wie ein Morot, der nichts mehr antreibt, sondern sich  selbst verzehrt, bis die Energie erschöpft weil er verschwunden, verbrannt ist. 
Wir verbrennen uns ebenfalls selbst. Auch an Orten wie Twitter.

Dienstag, 11. August 2020

Über den Umgang mit Aphorismen (2)

Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden



Dies eingedenk, sehen wir Versuche, wie sie William M. Briggs über Twitter durchführt, mit einer gehörigen Vorsicht.

Der Leser möge das oben Gesagte selbst einbedenken, wenn er Nachrichten wie die Folgenden liest, in denen Briggs wie einen Aphorismus eine Aussage (nicht nur) über den Journalismus trifft.

Deren Formproblem mehr noch als bei deren "Entstehung", wie Briggs (oder zuvor Thomas von Aquin - Briggs "reitet" auf dessen Worten, so wie alles Sprechen das Reiten auf einem geliehenen Pferd ist) zu einem geistigen Problem wird. Dessen Spuren in der seelisch-sinnlichen Welt, in der konkreten Realität sohin, nur dann erkennbar sind und werden, wenn wir im Geiste das wirklich Wirkliche und damit Umfassende Ganze - Gottes Wort und Wissen ist der einzig sinnvolle Deutungshorizont der gesamten Dinge innerhalb der Schöpfung, ist LOGOS - begriffen haben.
Schriftlichung ist als Ensemblierung von Bildern, deren Inhalt "im Unsichtbaren Dahinter" steckt, die Aneinanderreihung von Repräsentanzen von wirklichen Dingen, deren Abstraktionsgrad nur dem zugängig ist, der die Entschlüsselungsmaschine für Symbole bei sich hat und bedienen kann.
Greifen wir Briggs Twitterbotschaft also exemplarisch heraus. Stellen wir dabei die Art ins Zentrum der Betrachtung, in der er mit einer großen Wahrheit aus dem Munde des "Engelischen Lehrers", also von Thomas von Aquin, umgeht. Die wir freilich schon durch die Transponierung in dieses Format - das eines zusammenhängenden, überhaupt erst Text seienden Textes - verändert haben. Weil eben ein Text, eine Nachricht, eine Botschaft, also Sprache, Wort, nicht ohne die Art begreifbar sind, in der sie übermittelt werden. Ohne es so banal und unvollständig auszudrücken, wie Marshall McLuhan es tat: Das Medium IST die Botschaft.
Freedom of mind is absolutely necessary for perfection in virtue, for, when it is taken away, men easily become "partakers of other men's sins", either by evident consent, or by flattering praise, or at least by pretended approval. (St. Thomas Aquinas)

(Übertragung:) Freiheit des Geistes ist für die Vollkommenheit in der Tugend absolut notwendig, denn wenn sie fehlt, werden die Menschen leicht zu "Teilhabern an den Sünden anderer Menschen", entweder durch offensichtliche Zustimmung oder durch schmeichelhaftes Lob oder zumindest durch vorgetäuschte Zustimmung.
This is how journalists go bad.
(Übertragung) Genau das ist der Grund, warum Journalisten heute immer schlechter werden.
In sich ist also die Nachricht das Ausgesagte selbst! In einer Tautologie drückt der Hl. Thomas das aus, was der Ausdruck selbst ist und damit illustriert: Die Wahrheit ist ohne die innere Struktur und Charakteristik ihres Trägers nicht denkbar weil möglich. Der Duft des Gesagten ist selbst Teil des Gesagten. Und der Inhalt verändert sich in dem Maß, als das Medium wahr sein kann.
Vielleicht ahnen wir nun, warum die Wahrheit selbst ... Person ist. IST. Nicht "sagt", wie eine Lehre. Wie die Wahrheit aber nicht einfach Person, sondern ... göttliche Person ist, nämlich: Jesus Christus. Der Weg, Wahrheit und Freiheit selbst ist. IST. Als das einzige Medium, in seiner leibhaften Inkarnation, in seiner Historizität, das der Wahrheit selbst gemäß ist. Weil er also Sakrament ist.

Ahnen? Ja, ahnen. Weil Ahnen die letzte uns erreichbare Möglichkeit und Fähigkeit ist, in der wir uns Gott, der Wahrheit selbst, nähern können. Denn die Natur dieses Mediums ist uns nicht in Besitz gegeben. (Auch wenn wir in den letzten Jahrzehnten in der Illusion gewogen wurden, sie wäre uns verfügbar, unseren eigenen Händen, unserem eigenen Wollen übergeben weil "gleich".)

An ihr wirklich teilhaftig zu werden, selbst Medium der Wahrheit zu werden sohin, ist aber nur noch als Gabe Gottes denkbar, weil geschenkhafter Teil der wirklichen Wirklichkeit. Achten wir nur darauf, daß wir nicht als Twitter-Bildschirm durch die Welt laufen. Denn dann wird sie nie Platz nehmen, und Sitz und Thron der Wahrheit selbst sein.
Sodaß wir der Aussage von Briggs eine sorgenvolle Konnotation beifügen müssen. Ob nämlich nicht der Verfall des Journalismus eine Folge der Prägung der Menschen DURCH die konkrete Gestalt der Medien sind, in denen sie in die Welt gebären. Denn es ist das Format, das den Inhalt eigentlich formiert weil den Rang der Botschaft vorgibt. Dem dann jede Interpretation auf genau jener Stufe folgt, auf der sie serviert wird.  
Sodaß wir uns ernsthaft Sorgen machen müssen, wohin Briggs selbst eines Tages gewandert sein wird. Der solche Botschaften wie oben per Twitter verbreitet.


*230520*

Montag, 10. August 2020

Über den Umgang mit Aphorismen (1)

Sind Aphorismen die eigentliche Art der Mitteilung über Twitter? Immerhin verlangt das Medium Kürze, und damit Prägnanz, und damit jene Abstraktion im Geiste, die auch Aphorismen kennzeichnen. Die ja mehr sind als "kurze Mitteilungen". Die eine Wahrheit über die Welt und das Leben nicht einfach komprimieren, sondern destillieren. Und wer egal welches Ding destilliert, erhält seine Feststoffe als Rest, als Tragegerüst des Dinges selbst.

Aber ist das so? Ist das Destillat noch das Ding? Oder ist dafür nicht jenes Häkelgarn notwendig, das nicht nur die Feststoffe der Wirklichkeit bedeuten, sondern dessen Geschmack, Farbe, Ton - und damit jene sinnlichen Eigentümlichkeiten, die keine (sozusagen) Einschränkung auf "das Ding" bedeuten, sondern das Ding gar nicht anders konstituiert sein lassen als auch MITSAMT seinen Einbindungen, samt seinen Eigenschaften im Ausdruck und das heißt in der Realisierung einer Beziehung?

Ist also zum Beispiel ein Mensch "an sich" denkbar, der nicht inmitten aller seiner Beziehungen, vergangen oder gegenwärtig, steht und stand und stehen wird? Ja, letzteres vor allem wird ja meist vergessen: Der Mensch (und jedes Ding) ist in seiner Gegenwart vor allem - vor allem! - auf das Zukünftige ausgerichtet. Jenes Morgen, auf das hin zu spannen eigentlich erst Leben bedeutet. Als Widerständigkeit, durchaus als Widerständigkeit gegen das Heute. Das, wenn es ihm fehlt, seinen mehr oder weniger baldigen Tod bedeuten würde.

Um nicht zuletzt eines zu vergessen: Den Übermittler des Gesagten, Ausgedrückten, das materielle Medium selbst. Das Handy, den Bildschirm. Auch wenn wir das meist vergessen, weil es nämlich zu selbstverständlich ist (sic!), ist dieses "harte" Medium selbst Teil der Botschaft. Die zu senden ein Fehler ist, ohne daß dabei bedacht wird, in welcher Gestalt es beim Empfänger ankommen wird.

Somit stoßen wir auf einen fundamentalen Widerspruch dabei, über Twitter Aphorismen senden zu wollen. Denn das harte, konkrete Medium der Übermittlung ist ein Medium der Flüchtigkeit, der kurzfristigen Vergänglichkeit. Noch mehr, es ist ein Medium, in dem die Botschaften und "Inhalte" (also der übermittelte Text, das gesandte Bild oder das "shared" Filmchen) in die totale Verfügungsgewalt des Empfängers gestellt werden.

Durch die mit dem Medium verbundene Aufforderung, es zu manipulieren, also "irgendetwas damit zu machen". Und das heißt, daß der Empfänger in einem Zusammenhang steht, in dem er sich als Herr über das Empfangene weiß.

Und das widerspricht dem Wesen des Aphorismischen. Das durch seine Abstrahierung als Erfassen der wirklichen Wirklichkeit von sehr weit den ersten Grundzügen der Welt entsprechenden Wahrheit der Wirklichkeit des Ewigen, Unvergänglichen und Bleibenden nahekommt.

Aphorismen über Twitter zu versenden entspricht somit dem Ausliefern von Perlen an die Schweine. Nicht, weil die Empfänger Schweine sind, sondern weil es durch die Art der Übermittlung an ein zum Schweinefutter an sich wird. Das auch in diesem Rang und Stand beim Empfänger ankommt.* Damit beschädigt der Sender von Aphorismen den Rang der Ewigkeit selbst. Und reduziert die Weisheit und Wahrheit selbst zu dem eines Schweinefutters.

Wollen wir es deshalb als Notgriff sehen, als letzte Möglichkeit, überhaupt noch zu kommunizieren. Inmitten einer Sozietät, in der jeder Einzelne bereits dermaßen isoliert und vereinzelt steht, ohne verbindliche Verknüpfung zu Nächsten, daß er nur noch über eine Ebene erreichbar wird, in der es von ihm selbst abhängt, ob das, was ihm in der Welt begegnet, tiefen oder hohen Rang besitzt.

Also überlege der Sender von Twitter-Nachrichten gut, an wen er seine Botschaften richtet. Um nicht der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen, weil der Empfänger zu dieser gerechten, also gemäßen Zuteilung gar nicht in der Lage ist. Denn sogar im haptischen, also "normalen" Leben, mit physischen Kontakten, mit "langsamer" und sinnlich umfassender Welt, ist uns bekannt, daß ein Gesagtes vom Gegenüber nicht begriffen wird, und somit die Kommunikation mißlungen weil sie von Un- und Mißverstehen geprägt ist.

Twitter macht das faktisch unmöglich, weil der Empfänger meist nicht eingegrenzt - also gar nicht "adressiert" - ist. Der Twitternde baut somit Schuld auf. Nämlich die Schuld des Risikos der Beschmutzung der Wahrheit selbst - dieses Risiko einzugehen ist selbst bereits Schuld - gegenüber.

Die wir zu hüten haben wie unseren kostbarsten Augapfel. Nicht nur in unserem Bemühen, sie zu finden, sondern auch in der Art, wie wir sie wie eine stachelige, kostbare Frucht in unseren Händen halten, und dann in die Welt stellen.

Das war ja das Problem zum Zeitpunkt der Etablierung der Schrift, das aus den Bildsymbolen her, die zusammengestellt wurden (wie in einem Bild, einem gemalten Bild!), und die selbst Nachahmungen (aus der Bewegung der realen Dinge somit stammend) von "natürlichen" Gegenständen waren.

Die immer Symbol eines Wirklichen sind, also eine weit umfänglichere, unsichtbare Welt in deren wirklicher Wirklichkeit darstellen. Das also, was Dinge sind, ist nicht sichtbar, aber zugleich das dieses Ding konstituierende Geistige, also wichtiger weil wesentlicher. Somit der Rhythmus, in dem die Schöpfung schwingt, die auf dem Rücken des Wortes reitet, das da Gott war und ist.

Als wir begannen, dieses Wort auf einen Träger zu bannen - Papyrus, oder unter ungeheuren Mühen fein- und dünngeschabte Tierhäute - war das nur denkbar, wenn wir es zu einer kostbaren Gestalt formiert haben. Durch begleitende Malereien, durch Initialen, in denen die Botschaft selbst bereits enthalten war, die der weitere Text nur insofern ausgedeutet hat, als er bewußt Bezug auf die Erinnerung nahm, um so dem Gesagten sein Medium gar nie streitig zu machen: Den Geist, als den Geist der Erinnerung, als den Geist der Begegnung mit dem Unsichtbaren, der Wahrheit, dem Geiste selbst.

Wie soll das aber bei Medien möglich sein, deren Gestalt an sich auf Flüchtigkeit und Vorläufigkeit weil jederzeitige Bereitschaft, ja Aufforderung, sie zu manipulieren (also zu "gestalten"), ausgelegt ist?



Morgen Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden


*Nehmen wir zur Illustration ein Beispiel: Tiere "erkennen" nur, was in ihnen selbst "vorkommt", was also ihrer ontologischen, also geistigen (!) beziehungsweise im Geist formierten Lebenswelt (sic!) vorkommt. Das ist sogar erblich, wie unter anderem Konrad Lorenz bei seinen Forschungen bewiesen hat. 

Sie erkennen nicht die Welt und Wirklichkeit selbst - weil sei keinen Geist haben, in dem sie abstrahieren könnten. Sodaß sie deshalb nicht die Dinge in ihrem wirklichen Wesen, sondern nur in ihren direkten Bezüglichkeiten erkennen. Soweit sie ihren Lebensformen also bereits entsprechen. Man kann neben Tauben Gewehre abschießen (mit denen man die Tauben tötet), und sie werden sitzen bleiben, bis alle tot sind. Während sie die Form (!) eines Raubvogels ... ahnen. (Zum Ahnen siehe morgen und ganz am Ende des Artikels mehr, wenn es noch nicht jetzt klar ist.)

So nebenbei: Das ist der tiefe und so schöne Sinn der Verwendung von bunten Fensterfüllungen (mehr oder weniger "Glas") in gotischen Kirchen. Denn das erst noch ungeformte Irdische (die materia prima, die noch unbestimmte Materie, die unsichtbar ist) als Medium des Geistes - die unsichtbare Struktur des unseren Augen unzugänglichen, also ungeformten Dinges ist für die Brechung des Lichts entscheidend - macht die Schöpfung (= das Licht!) zu einem sinnlich erfahrbaren Ding. Dinge sind erst durch Farbe (aus dem Brechen des Sonnenlichts) erkennbar. Das ist kein Ausflug ins hier Unwesentliche. Der Sinn dieser Ergänzung wird im nächsten Teil erkennbar: Die Struktur des Irdischen entscheidet, was in ihm sichtbar wird ...


*230520*

Dienstag, 9. Juni 2020

Der Beginn des Weges zum Ende (2)

Teil 2) als Fortführung der Anmerkung - 

Warum der Beginn der wissenschaftlichen Weltanschauung 

das Ende allen Wissens ist


Das alles ist prinzipiell aber noch ein völlig normales, natürliches Geschehen! Weil Wissen, das ein geglaubtes Wahrsein ist, immer an Hierarchie und Autorität, weil an persönliche Übermittlung, an Offenbarung und Glaubwürdigkeit gebunden ist. 

Die Theorien über "Massenpsychologie" usw. usf. versagen in diesem Punkt sämtlich, weil sie einem falschen, nicht erhellten Menschenbild folgen. Zum Gegenteil, wird der Ausweis, "nicht vermasst" zu sein, sogar noch zu einem irrationalen, rein emotional verankerten (erkennbar daran, daß er benutzt wird) Wirkfaktor der Selbstabschließung, als der selbst verhängten Ausschließung der Wahrheitsfindung als Teilhabe an ihr in interpersonalen Prozessen.
Wahrheit beziehungsweise deren Findung ist immer ein Prozeß des Zeugens und Empfangens, weil jedes Begegnen von Menschen der Grammatik der Begegnung von Mann und Frau folgt. Wobei die Verteilung der Rollen in einem Gespräch in gewisser Weise auch wechseln kann, ja praktisch immer wechselt. Die Ebenen innerhalb einer allerdings die Begegnung im Ganzen umgreifenden und bestimmenden Hierarchie sind komplex und abgestuft.
Immer aber ist Wahrheit ein "Ort", den beide Dialogpartner betreten, und der die Teilnehmenden charakterisiert, sofern sie das zulassen wollen zum Guten, sofern sie es verweigern auf komplexe, aber andere, in jedem Fall reaktive Weise. Jeder Mensch steht prinzipiell der Wahrheit selbst in der Charakteristik eines Empfangendes gegenüber einem Spendenden.
Und hier wird vielleicht verstehbarer, wenn es denn heißt, daß die Wahrheit Person, und welthaft (als "in" der Welt wie "Welt schaffend") in der Person der inkarnierten Person im dreipersönlich-dreifaltigen Gott - Jesus Christus - ist. 
Aber daß die Menschen so nach Gallionsfiguren hecheln, wie wir es heute beobachten, ist nicht prinzipiell "falsch" oder "schwach". Sondern folgt prinzipiell, also dem menschlichen Wesen entsprechend, einer wahren, richtigen, natürlichen, also gottgewollten und -geschaffenen Wesensgrammatik. 

Eine Suche, die freilich unter diesen Voraussetzungen der Spaltung von offiziellem Narrativ und absoluter Wahrheit (noch dazu unter der Bedingung, daß eine "gewählte" Regierung niemals im Absoluten verankert ist, und deshalb niemals legitim ist) immer unbefriedigend endet, also rastlos wird weil werden muß.
Das ist der Beginn des Fanatismus als Generalzustand einer Gesellschaft. Denn nur noch die subjektive Anschauung, das "Gewußte", vermag im Sein zu verankern. Jeder wird zu dem, was er "weiß", das wiederum das ist, was er JEMANDEM glaubt.
Jeder bezieht sich somit zwar auf Personen als autoritative Quellen, aber es gibt keinen offiziellen (weil im absoluten verankerten) Legitimitätsausweis, es gibt keine offizielle Hierarchie der Wahrheiten hin zur einen, alles umfassenden und einenden Wahrheit. Mehr. Denn das ist immer die Aufgabe der Religion, diese Hierarchie zu schaffen.

Das zu umgehen war aber aller Sinn des Strebens, das im Wesen immer auf dem Boden der Rebellion von Menschen aufgerichtet ist, die Kirche aus dem öffentlichen Leben und hierarchischen Gefüge mehr und mehr auszuschalten. Wie es erstmals in Luther so konkrete Gestalt annahm und in der Aufklärung zum säkularisierten, zivilen Ziel wurde.
Bis zum grotesken Leitspruch einer angeblich der Wahrheit dienlichen "Trennung von Kirche und Staat." Damit hat man die Logik der Welt aber völlig aus dem göttlichen Plan herausgeschält. Und damit ist die Welt sogar aus der Erkennbarkeit herausgefallen. Der angebliche Beginn der Wissenschaft als neuer Autorität ist also in Wahrheit das Ende allen Wissens. 
Wie in einem Kartenspiel gleichen heute somit Gespräche, die an und für sich dem Herausschälen der Wahrheit in der Rhetorik und Dramatik der Begegnung von Menschen (als jeweiliges "Du") dienen sollten, oft nur noch dem Ausspielen von subjektiv hochgehaltenen Trumpfen, in der Hoffnung, daß das eigene sticht. Trumpfe, denen aber das Entscheidende fehlt: Die Legitimität, die Legitimisierung durch das Absolute, dem als Repräsentanz eine Regierung noch am nächsten kommt. Die aber nur von Gott kommen kann.

Die Menschheit ist ab dem Punkt rettungslos verloren, an dem die Präsenz Gottes im Fleisch (und das ist die Kirche) verloren geht. Ab da ist sie sich selbst und damit der völligen Ungewißheit überlassen. Mit allen Dynamiken, die oben angedeutet wurden.



*200520*

Montag, 8. Juni 2020

Der Beginn des Weges zum Ende (1)

Alexander Solschenizyn schreibt in einem Tweet aus diesen Tagen, daß lange vor Hitler Josef Stalin auf die Idee gekommen ist, jeweils von bestimmten Menschengruppen zu verlangen, daß sie aufs Amt zu kommen hätten, um sich dort registrieren zu lassen. 

Jeden Ortswechsel mußten sie fortan bei sonstiger Strafe bekanntgeben. Die Menschen taten es, denn es schien völlig harmlos. Vom Rest der Bevölkerung wurde es deshalb begrüßt, weil sie der Propaganda glaubte, daß dies der Sicherheit des sozialen Fortschritts diente. Vor manchen Gruppen mußte man der Volksüberzeugung nach "tatsächlich" Angst haben. 

Die Menschen meinten lange, daß das "nur die anderen" beträfe, und schwiegen darüber. So manchem wünschten sie es ja ohnehin. Selbst die Betroffenen hielten sich für Einzelfälle weil Angehörige einer "Risikogruppe"! Damit aber fiel niemandem auf, daß es bald alle betraf, sodaß sich niemand mehr sicher sein konnte, daß er nicht eines Tages abgeholt werden würde. Soll heißen: Nachts, in der Dunkelheit. Denn auch diese fehlende Sichtbarkeit war Bestandteil der Taktik der Verhinderung von Informiertheit und der Gewißheit von Wissen, alles blieb auf der Ebene von Gerüchten.*

Dies war aber der erste Schritt, schreibt Solschenizyn schon in "Archipel GULAG", um fortan auf Knopfdruck (also Erlaß, wozu eine handschriftliche Kurznotiz von Stalin auf einen Schmierzettel genügte) ganze Bevölkerungsgruppen verschwinden zu lassen. Indem man sie erst aus dem öffentlichen und sozialen Leben ausschloß, um sie geräuschlos im System GULAG verschwinden lassen zu können. 

Besser kann man eine Corona-App nicht charakterisieren, die alte Wünsche mit den gigantischen Möglichkeiten der Gegenwart verwirklicht. Auch da beginnt es mit der "harmlosen" (weil der "Sicherheit dienlichen") permanenten Registrierung des Ortes, an dem sich eine Person aufhält. 

Die unter dem Argument Sicherheit (=Gesundheit) von einem erschütternd hohen Prozentsatz der Bevölkerungen weltweit gutgeheißen wird. Untersuchungen gehen von über 50 Prozent Zustimmung zu einem "social credit"-System wie in China aus. Zeigen zugleich aber auch, wie wenig die Menschen davon wissen. Das Nebelwort Sicherheit als Wunsch und Verheißung genügt.



*Heute ist das die Ebene der "Verschwörungstheoretiker" und Verschwörungstheorien. Offiziell verbreitete Informationen widersprechen der Wahrnehmung des Einzelnen. Also sucht der nun nach alternativen Quellen (Medien), um sich einen Reim auf das Geschehen zu machen. Plausiblere Information hat so jedoch nie den Stempel gesicherten Wissens des offiziellen, allgemeinen Narrativs, sondern bleibt dem subjektiven Spekulieren der Menschen überlassen. Belastet mit dem offiziell verbreiteten Ruf, daß alternative Sichtweisen lächerliche Verschwörungstheorien seien, breitet sich allgemeine Verunsicherung aus.

Damit hat die "Stunde der Gurus" geschlagen. Die wie Ratten aus allen Löchern kommen und in ihrer Qualifizierung und Legitimität für die allermeisten Menschen fast ununterscheidbar werden. Ihr einziges Kriterium bleiben noch Stichwörter, und dieses "Triggering" ist die einfachste Methode des Ausweises von "Wahrheit".

Morgen Teil 2) als Fortführung der Anmerkung - 
Warum der Beginn der wissenschaftlichen Weltanschauung 
das Ende allen Wissens ist



*150520*

Montag, 4. Dezember 2017

Apokalyptik von Twitter

Hier weist E.  Michael Jones auf etwas hin, das über den Nordkorea-Konflikt weit hinausgeht. Denn es ist ein prinzipielles Problem. Jones sagt, daß der gesamte Nordkorea-Konflikt darauf zurückgeht, weil Donald Trump PER TWITTER den gesamten politischen Apparat, in dem Fall die Diplomatie, ausschaltet. Und mit seinen persönlichen Meinungen mit 30 Zeichen eine Weltkrise ausgelöst hat.

Der wahre geopolitische Hintergrund hinter der Art, wie Trump Nordkorea begegnet, zielt auf China. Denn China ist heute der entscheidende Faktor, die gesamte euro-asiatische Landmasse zu verschmelzen. Damit wird die gesamte anglo-amerikanische Politik der letzten hundert Jahre unterlaufen. Die auf die Kontrolle der Seewege ausgerichtet war. Sogar die Energiepolitik richtet sich danach aus, denn China bezieht mittlerweile einen guten Teil seines Öls aus Rußland - auch das: am Landweg. Das erinnert frappant an 1914, als Deutschland die Berlin-Bagdad-Bahn baute, deren geostrategische Bedeutung uns meist nicht bewußt wird. Seither versucht aber England (und die USA) die Macht einer euro-asiatischen Landmasse zu verhindern. Manche meinen sogar, den gesamten Verlauf der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts so erklären zu können, und es ist nicht ganz falsch, ihnen zuzustimmen.

Nun plant China ernsthaft eine neue Seidenstraße, und zwar in Form einer Bahnlinie bis nach Westeuropa. Nordkorea ist der Reptilienschwanz, den China den Amerikanern hinhält, damit sich diese damit befassen - und sie sind dumm genug, das zu tun - und von der eigentlichen Zielsetzung der Chinesen ablenkt. Und die US-Administration ist ihnen (mangels eines wirklichen außenpolitischen Planes) auf den Leim gegangen, und greift auf alte Schemata des Kalten Krieges (mit Nordkorea) zurück.

Und all das nahm seinen Ausgang ... im Twitter-Konto eines Präsidenten, Donald Trump. Was an das Wesen von Twitter erinnert, der VdZ hat sich hier schon ausreichend damit auseinandergesetzt. Aber hier zeigt sich ein praktisches Beispiel, das sich auch auf den Papst (etc.) anwenden läßt. Denn solche Figuren haben keine "private Persona", unter der sie jemals noch auftreten könnten. Das hörte mit ihrem Amtsantritt auf. Fortan sind sie Repräsentanten eines Landes, und einer übergeordneten Politik.  Indem solche Figuren nun die Dinge "direkt" übernehmen, zerstörten sie ihren eigentlichen Apparat, dem sie doch vorstehen, und nur das ist ihre Aufgabe!  

Das ist natürlich höchst widersprüchlich. Im Falle der Kirche ist es aber sogar "strukturell häretisch". Denn was heute kaum noch jemandem bewußt ist, ist, daß der Anschluß an den Papst beim Pfarrer beginnt. Und daß der Anschluß an die Geopolitik nicht im Internet, sondern beim nächsten Kommunalpolitiker geschieht. Daß der Anschluß an Gott, der Glaube, im 4. Gebot ansetzt, den Eltern, und damit bei der Tradition.









*091117*

Sonntag, 17. Januar 2016

Unbemerkte Auflösung von Gemeinschaft

Es war vorhergesagt, es ist so gekommen, und wird sich noch viel stärker zuspitzen: Eine Untersuchung der Indiana University (IU) ergab nun, daß Nutzer von social media einen zunehmend eingeschränkteren Zugang zu Informationen an den Tag legen. Die soziale "Vernetzung" bewirkt sogar das Entstehen von "sozialen Blasen", in denen die Informationsweitergabe "freiwillig" gefiltert wird. Diese Entwicklung zeigt sich besonders stark bei Nützern von  Facebook und Twitter. 

Nun ist das alleine, so der VdZ, gar kein Beinbruch. Im gegenteil. Denn das war und ist das Wesen sozialer Gemeinschaft (die es nur in GemeinschaftEN gibt). Hier eine Sensation daraus zu machen wäre also verkehrt. Es ist lediglich eine Absage an die ohnehin realitätsferne Vorstellung vom Internet als solches, daß damit auch die Informationsbreite bei den Menschen "univeral" würde. Information ohne Interpretation gibt es nicht, und damit nicht ohne persönliche Haltung. Die Persönlichkeitsstruktur selbst ist der "Filter", der überhaupt erst wahrnehmen läßt. Und weil es keine Persönlichkeit ohne soziales Umfeld und seine Bestimmtheiten gibt, ist auch bei den Internetmedien keine andere Entwicklung zu erwarten gewesen. Viel fragwürdiger nämlich müßte man das sehen, was von den Studienautoren offenbar als positiv bewertet wird: die ständig neue Suche über "google". Welche Aussage nächste Realtitätsfernen und Verkennungen des Internet erkennen läßt.

Der eigentlich bedenkliche Prozeß liegt auf einer anderen Ebene. Er liegt auf der Überbewertung der "Meinungsebene", in der sich die Menschen in "Meinungs-Pseudo-Persönlichkeitsstrukturen" festigen. Und sich in diesen bewußten (und sehr, ja äußerst eingeschränkten Rezeptionsinstrumenten) einschließen und damit überwiegen oder gar ausschließlich identifizieren. Sodaß sie sogar meinen, persönliche Gemeinschaft wäre eine Angelegenheit "derselben Meinung zu bestimmten Themen".

Der eigentliche Denkprozeß liegt aber viel tiefer. Er liebt auf einer Ebene einer gar nicht zu überblickenden Sinnesnähe der begegnenden Wirklichkeit. Damit besteht die dringende, ja gar nicht auszuschließende Gefahr, daß die wesentliche persönliche Gemeinschaft unter Menschen regelrecht ins Dunkel absinkt, gar nicht meht aktualisiert wird. Erkenntnis ist aber zutiefst ein personaler Vorgang, und er ist ein autoritativer Vorgang der Gestaltbegegnung, weil Denken, Selbstsein eine Frage der "Formdynamik" ist. Formen, die über die Sinne aufgenommen werden, und mit speziell geschriebenem Wort (das ja nur Zeichen, Symbol, Hinweis auf ein Dahinter ist) überhaupt nicht beschreibbar wird. 

Wer also meint, er könnte personale Einheit (und das ist das Wesen des Erkennens, zugleich damit das Wesen des Menschseins: Einheit in der Wahrheit, ja ein Hineinführen des Vereinzelten ins Allgemeine, einerseits, ein Individualisieren weil Besitzen, also als Form Tragen dieses Allgemeinen, anderseits; und das geht nur über Begegnung von Personen) über social media aufbauen begeht einen fatalen Fehler. Seine Erwartungen und Hoffnung werden nie (fast könnte man sagen: nicht einmal zufällig, würde man nicht immer mit dem Einbruch der Realität zu rechnen haben) erfüllt.

Simpel formuliert, um das Mitgeteilte im Beispiel greifbar zu machen: Wer Menschen begegnet wird immer feststellen (können; so er dafür überhaupt noch bereit und fähig ist),  daß die reale Begegnung völlig anderer Qualität ist als die der bloßen "Meinungsebene". Daß er auch mit Menschen unterschiedlichster Meinungen "gut kann", also Einheit da ist, und umgekehrt Menschen mit "gleicher Meinung" nicht erträgt, also Einheit fehlt.  

Ex factis, non ex dictis amici pensandi - Wähle die Taten, nicht die Worte, um deine Freunde zu wählen. 

Speziell die social media haben in rapide fortschreitendem Maß das Vermögen, die Worte eines Menschen realitätsgemäß zu gewichten, ja überhaupt Realität zu gewichten, regelrecht vernichtet. Weil die Menschen sich in diese Wortwelten der Meinungen gewissemaßen auslagern und nicht bemerken, daß sie damit jedes Gefühl für Wirklichkeitsrelevanz verlieren. Noch nie war es deshalb so leicht, zu lügen "durch Verwendung richtiger Worte", noch nie war schizoides Verhalten dermaßen verbreitet.

Das bewußte Denken als Urteilen - also das "Meinen" - ist aber nur eine Lenkfunktio des Geistigen. Gewiß von größter Bedeutung und unverzichtbar, speziell im Raum menschlicher Weltwerdung, also der Kultur, aber es IST nicht aus sich heraus "der Mensch". Wahrheit ist nicht die Frage "richtiger Meinung" (richtig - wonach?), sondern das Wesen menschlicher Ganzbegegnung. Wer den Menschen nicht besser, aus der jedem Denkprozeß um Dimensionen überlegenen, zu größten Teilen unbewußten Wirklichkeitsrezeption der Gestaltbegegnung heraus geschöpft kennt, vermag nicht einmal über bloßen Text zu kommunizieren. Und bleibt Schläger von Luftschäumen. Es gibt heute ganze Gebirge "richtiger Meinungen", an denen aber die Menschen wie wesenlose Schläuche hängen, denen also jede Wahrheit fehlt.

Social media sind also aus einem anderen Grund ein Problem als aus dem, was die erwähnte Studie als "Einengung" bezeichnet, und damit sogar suggeriert, als wäre jede Haltung schlecht, weil jede Festlegung "Einengung" bedeutet: Ohne Festlegung ist Menschsein gar nicht möglich. Wer nicht vermag, sich festzulegen und sogar daran festzuhalten, durch alle Vielfalt hindurch, wird nie etwas errichten können. (An Leser S gerichtet:) So war das hier bereits Thematisierte '"Besser sich im Falschen festzulegen, als gar nicht" gemeint. Anders kann man nicht einmal aus Fehlern lernen. Auch das übrigens eine heute weit verbreitete Fehlhaltung, die aber mit allem hier Gesagten unmittelbar zusammenhängt und für die die "Meinungseinengung" s. o. sogar Symptom ist. Denn Festlegen ist das Anheiraten an ein Sein, und das ist immer eine Zugehörigkeit weil Teilhabe im Mitsein, und nicht das Festlegen "auf eine Meinung" (sosehr das auch Teil des Festseins sein kann).

Wer sich aber selbst bereits zum Meinungs-Zombie" entwickelt hat dem kann das, was der andere repräsentiert, wofür er stellvertretend steht (denn das heißt eben Sein), von "Meinung" gar nicht mehr unterscheiden. Ihm wird - ihm gemäß! - alles zur "Meinung". Weil er selbst so strukturiert ist.

Das ist alles nicht neu, und es hat mit der Entwicklung der Medien in unserer Kultur zu tun. Aber die social media haben diese Entwicklung extrem dynamisiert und auf die Spitze getrieben. Denn sie bilden einen fast lückenlosen Vorhang, und täuschen ontische, real personale Gemeinschaft in nie gekannter Umfassendheit vor, wo es gar keine gibt. Sie sind - man könnte es eigentlich so ausdrücken - lediglich Auseinandersetzungen über das, was man in der Form von Twitter oder Facebook schreiben oder ausdrücken kann. Aber sie haben so gut wie keine substantielle inhaltliche Relevanz der Interpersonalität und damit Gemeinschaftsbildung. Und DARÜBER täuschen sich so viele. Wenn also eine Kultur, eine Gesellschaft sich so weit wie es derzeit bereits geschieht (und sogar noch weiter zu intensivieren unternommen wird) auf diese Medien auslagert, schlittert sie unausweichlich in den Zustand einer kaum noch ordenbaren Auflösung - ohne es (lange Zeit) zu merken. Umgekehrt, bilden sich so alle möglichen Ersatzformen von "Einheit" heraus - wie Kollektivierung, Vermassung, Auflösung der Person in eine andere hinein (samt der Überfrachtung der Erwartungen in direkter Liebe oder gar Ehe.)

Damit wird das Wesentliche des menschlichen Selbstseins - Vertrauen in Person(en) - ausgehöhlt und unterbunden. Die Folgen werden vor allem bei jenen Generationen dramatisch sein, die mit diesen Medien bereits aufgewachsen sind. Denn die Prägung in jungen Jahren ist vorentscheidend. Dort werden die Strukturen angelegt, unter denen dann alles Spätere eingeordnet wird. Dort werden die Grundkonstellationen erlernt, unter denen alles Spätere, alles Speziell also, als das das Leben herankommt, bewältigt werden. Der unter jungen Menschen heute seuchenartig verbreitete Irrglaube, man verdanke sich nur sich selbst (und bestenfalls noch dem "selbst Gewählten"), ist bereits eine der Auswirkungen nicht mehr ausgebildeter Begegnungs- und damit Einheitsfähigkeit. Damit aber wird die Bildung einer Gesellschaft - und wie erst ihre Kulturformen wie Staat, Volk etc. - unmöglich.




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Samstag, 10. Januar 2015

Sünde wider den Heiligen Geist

Aber wir haben es beim Problem der Pseudologie, der Zweitwirklichkeit, die sich als über dem Seinsboden schwebende Scheinwirklichkeit das gesamte menschliche Bewußtsein verseucht, entwirklicht - und nur über eine sittliche Wendung zu beheben ist - mit dem zu tun, was als "Sünde wider den Heiligen Geist" bezeichnet wird.

Hier ist mit Argumenten nichts mehr zu machen, eher sogar im Gegenteil werden Argumente zum Verhängnis. Denn hier fehlt das alles verwandelnde Bindeglied zwischen Vater und Sohn, deren Dynamik entflieht. Der Sohn, das Wort, erstarrt, stirbt, durch eine Kluft vom Vater, der Idee, getrennt. Ordnung wird zum technischen Problem. Der Geist wird - getötet, nie anwesend - durch reflexive Gefühle und vor allem Irrationalität ersetzt. Deshalb ist auch Empirie wertlos. Der Pseudologiker sieht nichts mehr, denn er kann nichts mehr auf das Sein zurückführen, im Sein bergen, er erstickt in willkürlichen Phänomenen. Und er ringt fanatisch, verbissen mit jenem Schwanz, den die Echse des Seins und Lebens längst abgestoßen hat, und längst enteilt ist. Und er versucht zu lösen, was so nie zu lösen ist, was so nur zu einem lückenloseren Dichtevorhang gerinnt. Was ihm an Seinstiefe und damit Relevanz fehlt, versucht er durch Schlagstärke zu kompensieren, mit der er versucht, den Spieß des Wirkens doch noch zum Herzen des anderen - der Wirklichkeit - zu treiben.*

Wie also sollte vergeben werden, wenn die gesamte Sprache eines Menschen seine Wirklichwerdung und Freiheit verhindert, sodaß selbst der Spruch des Vergebens ein Scheinproblem anspricht? Während das eigentliche Vergehen eine Verweigerung des Seins und Lebens ist, sodaß man zu einem Spielball des Wirklichen wird, das den Glaskasten, in dem man sich befindet, herumträgt, wohin man zu wollen gar nicht mehr entscheiden kann. Denn nichts kann das Sein wirklich verlassen. Nur liegt es woanders, als der Pseudologiker - der sich vor allem durch wasserdichte Wortvorhänge schützt, und eifrig, ja panisch versucht, diesen Wortvorhang zu schließen, so irgendwo eine Lücke auftritt - meint. Welt wird zur Propaganda, auch vor einem selbst. Die Verortung, die Verraumung, ohne die es Geist gar nicht gibt, wird durch Universalismus ersetzt.**

Deshalb ist auch die Medienkritik nicht einfach eine Sache der spezifischen heutigen Medien, auch nicht einfach der social media. Diese haben nur ein immer schon mögliches und vorhandenes Verhalten der Entwirklichung auf eine gewisse Spitze gebracht, die aber in den Charakter der geschichtlichen Zeit eingebettet ist. Bei der sich der VdZ auch gar nicht sicher ist, ob sie heute fundamental stärkere Verbreitung hat, als vor hundert, tausend oder zweitausend Jahren.



*Twitter ist übrigens ein solcher besonders geschärft sein sollender Spieß, Werkzeug verzweifelten, aber auch boshaften Zentralisierungswillens, in dem dämonische Entortung tobt. Und dieser Wille bedient sich des Werkzeugs der Schizoidität, in der genau das passiert: Wort und Gestalt auseinanderzureißen, um den Adressaten - der somit hilflos werden soll, weil seine Wahrnehmung nicht mehr in Sprache zu bergen ist, ihm also kein Vernunfthandeln (das die Herkunft aus Autorität und Allgemeinheit als Analogie zum Ganzen braucht) mehr bleibt - an das Wort zu binden.

**Der VdZ hat immer gesagt, daß er unsere europäische Kultur, unsere Welt auf eine rechte Diktatur zusteuern sieht. Er behauptet dies auch nach vielen Jahren nicht weniger. Wobei man nicht vergessen darf, warum und wie es so gesagt ist: Denn es ist eine Reaktion der Seinssehnsucht der Menschen, denen aber mangels kulturell wahrhaftiger Geprägtheit - nicht zuletzt in der Sprache (und das kann nur eine katholische Geprägtheit sein, weil nur dort die Wahrheit Fleisch wurde, also diese Seinserdung gewissermaßen hat) - der Weg zur Wahrheit fehlt. 

Also werden die Menschen die Pseudologie - sie ist es nämlich, die als Bedrückung (der aber s.o. argumentativ nicht mehr beizukommen ist) empfunden wird - abzuschütteln versuchen (die sie nicht mehr vom gesunden Denken unterscheiden können), indem sie ins Irrationale flüchten. Und ihr Ordnungssystem, ihr Gesetzessystem, mit vehementen, aber letztlich willkürlichen, weil in keinem Insgesamt zusammenlaufenden Regelungen den zu bloßen "Gefühlen" verlassenen Wahrnehmungen zur Darstellung verhelfen soll. In diesem Sinne: "rechts". Diese Reaktion aber ist im dialektischen Gang der Geschichte interessanterweise die einzig gesunde weil mögliche des Menschen. 

In "Pegida" und ähnlichen Bewegungen deutet sich diese Entwicklung an wie noch nie. Auch wenn sie im Einzelnen in ihrer wirklichen Wirklichkeit überschätzt und verkannt werden. Die Vehemenz, in der gegen sie aber aufgetreten wird, in der sich die Pseudologie aller Lager "formiert", erzählt die wirkliche Geschichte. Denen das bestehende Rechtssystem ja längst nicht genügt, sondern die einen Religionskrieg führen, der dem anderen das Menschsein abspricht, ihn außerhalb des Rechtssystems stellen möchte, wo der Zweck jedes Mittel heiligt. 

Aber hier wehrt sich die Pseudologie selbst, und versucht ihr Ende zu verhindern, indem sie sich zu noch mehr Vorhangdichte zusammenfindet. Dahinter steht blanke Todesangst. Die Gesamtbewegung, die zur politischen Relevanz kommen wird, so der VdZ, wird ungleich mehr Kraft haben, und sich "wie ein Blitz aus heiterem Himmel", scheinbar zufällig, auf jeden Fall unvorhersehbar, entwickeln. Eben als hochkritisches System. Wobei zuvor der Versuch, das zu verhindern, noch seine größte Dichte annehmen wird. Aber diese Entwicklung ist in den Augen des VdZ realistisch betrachtet nicht (mehr?) abzuwenden, weshalb Houellebecq in seinem aktuellen Roman "Die Unterwerfung" ein sehr realistisches Szenario entworfen haben könnte. (Der VdZ muß das Buch aber erst lesen.) Denn die Stimmen der Vernunft sind bereits viel zu sehr entmachtet und verleumdet, während die Kirchen sich einmal mehr - einmal aber ist es zu viel, auch hier kippt ein System eines Tages sprungartig - auf die Seite der Pseudologie und ihrer Machtverschwisterung gestellt haben.




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Montag, 14. April 2014

Verlust der Wirklichkeitsoffenheit

Gerade die Wahl des Krakauer Bischofs Karol Woityla zum Papst hat in der Kirche Polens, so schreibt Jozef Tischner, der großartige Kopf der bzw. in der polnischen Kirche in den Zeiten des Umbruchs seit den 1980er Jahren, eine Trägheit ausgelöst, die ihr zum Verhängnis wurde. Die polnische Kirche zeigte zunehmend dieselben Symptome der ehedem kommunistischen Totalitarismen. Die Theologie wurde träge, hielt die intellektuelle Wachsamkeit für nicht mehr notwendig, und verlor so den Anschluß an die eigentliche gesellschaftliche Wirklichkeit bzw. die wirkliche Situation der Menschen. Sie förderte stattdessen den "homo sovieticus", den unreifen posttotalitären Menschen, der jeder Autorität hinterherläuft, solange diese unangenehme Fragen von ihm fernhält.*

Dem Christentum in Polen drohe weder Laizismus noch Atheismus, sondern die Parodie einer Religion, schreibt er in den 1990er Jahren. "In meinem ganzen Leben als Geistlicher und Philosoph habe ich nie jemanden getroffen, der seinen Glauben über der Lektüre von Marx, Lenin und Nietzsche verloren hätte. Aber es gibt unzählige, die ihn bei der Begegnung mit dem eigenen Priester verloren haben."

Diese Offenheit der Wirklichkeit gegenüber, auch und vor allem der eigenen, sieht Tischner essentiell. Der Mensch braucht die Bereitschaft zum selbständigen Denken. "Bevor Deine Seele erlöst wird muß klar sein, wer zu erlösen ist. Du mußt dir selbst treu bleiben. Wenn du vorgibst, ein anderer zu sein, wird der andere an deiner Stelle erlöst.

Das Übel der Gegenwart ist nicht, daß die Menschen nicht mehr glauben oder anderen Weltanschauungen hinterherlaufen. Keine davon übernehmen sie wirklich, der Relativismus der Gegenwart ist im Grunde Gleichgültigkeit, Abwehr von Verbindlichkeit, Ablehnung von Konkretion, denn die würde Antwort, Haltung, Stellungnahme fordern. Das Übel ist, daß sich die Menschen ihrer eigenen Wirklichkeit gar nicht mehr stellen.



*Tischner greift damit auf einen Zentralpunkt der Kritik an der so raschen Selig- und Heiligsprechung des späteren Papstes Johannes Paul II. zurück. Denn sie wurde instrumentalisiert, indem man das Ewige historisiert - wie es hier schon mehrfach ausgeführt wurde - mit dem Zweck der Selbst-Heiligsprechung und damit selbstzufriedenen Abschließung der gegenwärtigen Kirche. Dieser Zug hat sich in den letzten Jahren sogar noch dramatisch verstärkt, und findet im jetzigen Papst einen weiteren Höhepunkt: "für den Papst" zu sein wird zum tödlichen Instrument der eigenen Wirklichkeitsferne und ideologisierten Erstarrung, über die man sich durch viele scheinbar "richtige" Worte, denen man "zustimmt", hinwegtäuscht. Diese Selbsttäuschung, die mittlerweile über die social media stattfindet (mit täglichen päpstlichen Twitterbotschaften) ist um nichts vom Übel des Zeitgeists unterschieden. Sie "tut nur so", weil sie meint, über andere Inhalte sei das Geschehen auch anders gepolt. Ein fataler Irrtum!  

Denn wie Tischner schreibt, ist das erlösende Geschehen ein immer sehr persönliches Geschehen der je aktuellen Wirklichkeitsbegegnung. Indem die Kirche nunmehr ebenfalls so tut, als sei das nicht so, treibt sie die Menschen vom Glauben weg, ja zerstört ihn. Wenn an dieser Stelle einmal (wörtlich: auf die Spitze getrieben) getitelt wurde, daß Twitter das Ende der Kirche bedeute, so liegt hierin die Begründung. Social media bringen die Menschen nicht zur Kirche, sondern IM GEGENTEIL: sie schaffen eine zweitwirkliche Schein- und Ersatzkirche, die der Trägheit der Gegenwart in höchstem Maß entspricht, und "von unangenehmen Fragen fernhält."




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Sonntag, 22. Dezember 2013

Das hatten wir echt nötig

Na endlich spricht es einer aus, darauf haben wir doch alle gewartet, und das öffnet uns so richtig die Augen - der Papst höchstselbig warnt vor dem Internet. Nicht alles ist darin gut, wußten Sie das nicht, geneigter Leser? Dachten Sie auch schon, wie der Verfasser dieser Zeilen, daß ...? Mitnichten und mitneffen. Denn da treiben sich ja auch so allerlei zwielichtige Gestalten herum, wie wir jetzt hören, und wer es noch nicht gewußt hat, dem wird es nun gesagt: mache meinen es so gar nicht ehrlich mit einem!

Ratschläge an die Lebenstände in Stadt und Erdkreis

Also, Vorsicht Mädels, Vorsicht mit dem Schließen von Freundschaften, Vorsicht, wenn Euch ein vermeintlicher Freund, der da mirnixdirnix aus dem großen weiten Meer des Internet auftaucht und mit euch so ganz lieb tratscht, schließlich seine tiefe Liebe gesteht, in die er nun verfallen ist. Dann schickt ihm nicht einfach so ein Nacktbild von Euch, da müßt Ihr schon vorsichtig sein! Und ein guter katholischer Vater prüft auch genau, wem das Dirnderl Photos ihrer [zensuriert; Anm. d. Verf.] schickt, das vorgreifend bereits an die verantwortlichen Männer unter uns gerichtet. 

Und Vorsicht Burschen, wenn Euch eine Internetseite mit schnellem Gewinn oder geilen Videospielen lockt. Man hört doch allerorten, daß Ihr da manchmal brutal abgezockt werdet! Also gebt gut acht, wem Ihr da Eure Moneten per Internetbanking zuschiebt, sucht Eure Warcraft-Spiele - und die Partner, mit denen ihr das spielt - sehr sorgfältig aus! Am besten wählt Seiten mit Vatikan-Werbebanner für den Papst-Twitter, ehrlich, dann tut Ihr zugleich auch was für Euer Seelenheil, und macht Euch selber erkennbar als Gute.

Und Vorsicht Hausfrauen aller Länder, bei welchem Versandhaus Ihr Eure Schuhe bestellt, denn da gibt es durchaus den einen oder anderen, der Euch Latschen schickt, bei deren Anblick Ihr sofort aus den Euren kippt, zumal über ebay, und wer weiß welche zarten Kinderhände an ihrer Herstellung beteiligt waren! Viele viele Halunken überall, also: Vorsicht!  Und tragt Eure alten Plastiktöffler gefälligst fünf Jahre länger, schon aus Solidarität mit den Armen in den Slums von Rio. Und auch mit deren Wurfeigenschaften könnt Ihr Euch jenen Respekt verschaffen, der Eurer leitenden Rolle für ein gedeihliche Zukunft in Kirchengremien und UNO-Ausschüssen entspricht.

Und alle Acht, Ihr Männer, wenn in Eurem Mail-Eingang ein Schreiben von einem Neffen eines afrikanischen Diktators landet, bei dem als Provision beim raschen Transfer von 20 Mio. Dollar aus garantiert rechtens erworbenen Ölquellenanteilen seiner Witwe 3 Mio am eigenen Konto landen sollen, wofür nur rasch 4500 Euro am Konto des Anwalts landen sollten, um den Transfer abzuwickeln - nichts davon ist wahr! Der Neffe ist sein Schwiegersohn, möglicherweise, die Witwe war seine Konkubine, und die Zulassung des Anwalts stinkt. Zähmet also Eure Gier, und gebet Eure Moneten nur vertrauenswürdigen Sparkassenvertretern zur Altersvorsorge, oder stopft sie in Eure Socken - immer dieses mehr, mehr, mehr, ist doch krank. Oder noch besser: spendet sie an den Hilfsfonds für die Janillo-Indianer, die zur Verhinderung eines Staudamms gegen die gottver... Kapitalistenkonzerne kämpfen, und noch nie etwas von Rente gehört haben.

Und nicht zuletzt: Achtung Ihr Kleriker und Priester! Daß Euch des Herzens Vorfreude auf das Fallen des Zölibats nicht versehentlich auf Seiten pornographischen Inhalts führe, auf denen Ihr schon mal vorkosten wollt, was Euch später - vielleicht, bitte schön, und nur, wenn Ihr schön brav seid und den zu erwartenden Weisheitsergüssen dieser Pädophiliekommmission folgt - einmal zugestanden wird. Geduld, alles zu seiner Zeit!

Und, an alle gerichtet, daß auch keiner mehr als drei, oder sagen wir vier Stunden am Stück im Netz herumsurft, ja? Außer, er liest gerade die Papstbotschaften, fromme Nachrichten oder Homilien, organisiert den nächsten Weltjugendtag, bestärkt Justin Bieber der gerade wieder bestätigt hat daß er durchaus an einen Gott glaube, oder bekehrt überhaupt mal schnell einen Atheisten im Zeitungsforum. Oder - meinetwegen - bestellt mal schnell eine Pizza Margaritha fürs Familienleben oder den Pfarrgemeinderat. Es kommt ja immer darauf an, wofür man es braucht.

Auf daß das Schlimme alles einem richtigen Katholiken nicht passiere. Der sei nur tief gläubig im Netz unterwegs. Sind doch so viele Betrüger darunter, bitteschön!

Schlußwort und Fazit

Also, geneigter Leser, mal halblang mit dieser Begeisterung fürs Internet. Nicht ALLES dort ist toll und super, denkt mal darüber nach! Und wenn Ihr twittert oder am iPod herumwischt, geschätzte Internetnutzer, gefälligst nur für das Gute. Und wenn Ihr Euch beim Tastentippen im Hin- und Hergeflirre der aufbauenden Worte eine Sehnenscheidenentzündung holt, dann nur, weil das den Tastenicons entspringende Gezwitschere ein einziger Lobpreis und Ausdruck der Gaudi am Glauben ist.

Wirklich, wahrhaftig, ein Papst aus der Zeit für die Zeit, so richtig für die Menschen, die heute leben, mit all ihren Sorgen und Nöten, an allen Brennpunkten dabei. Und dabei immer ein kleines Lächeln um seinen Mund.

Ausklang

Jeder vom Ernst tiefer Philosophie wie zuletzt so Geplagte darf nun zufrieden aufatmen, darf seinem ohnehin immer vorhandenen Impuls nachgeben, und die Wälzer ins Eck stellen, die zu lesen er sich verpflichtet fühlte, aber sich nie dazu überwinden konnte. Die Welt ist doch viel einfacher. Auf daß eingestimmt werde in den Chor der Loberanten:

Wahrlich, und in jeder Hinsicht - ein Papst für die Minderbemittelten.* Endlich endlich - ein Papst für die Doofen.

Nachsatz

Man kann ihn ja nicht IMMER kritisieren. Man ist doch kein Sedisvakantist.





*Im Österreichischen umschreibt dieses Wort auf durchaus vielfältiger anwendbare Art den Begriff "arm".




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Mittwoch, 27. November 2013

Die Mitte verloren

Nur noch 25 % des Handels mit Wertpapieren spielen sich über die (ad exemplum: New Yorker) Börse ab, berichtet pressetext.at, und zitiert darin Michael Grote. 2005 waren es immerhin noch 80 %. Der Schauplatz hat sich weltweit zu sogenannten "Dark Pools" verlagert, Handelsknoten gewissermaßen, die im wesentlichen Internet-Schnittstellen sind. 

Dabei hat sich das Volumen der gehandelten Papiere kaum verändert, allerdings die Anzahl der Transaktionen vervielfacht - gegenüber 2000 sogar verzwanzigfacht. Bei dieser Frequenz kommen Crashes natürlich öfters vor, von 18.500 solcher "extreme events" bei einzelnen Aktien im Zeitraum zwischen 2006 bis 2011 berichtete Grote. Der überwiegende Teil des Handels wird mittlerweile von Computerprogrammen abgewickelt, die binnen Millisekunden mit Käufen und Verkäufen reagieren. Wer die schnellere Verbindung hat, hat unter Umständen den entscheidenden Vorteil im Getriebe der Geldlukrierung. Die alten Börsen sind nur noch "Folklore".

Dabei gewinnen zunehmend rein computerbasierte und -automatisierte Auswertungen von Stimmungen an Bedeutung, steigt die Wirkung von Nachrichten, selbst auf Twitter. Ein Sager eines Politikers löst unter Umständen enorme Wertbewegungen aus, nach oben wie nach unten. Schafft wie vernichtet binnen Sekunden Milliardenwerte, deren Lebensdauer aber oft nur kurz ist. Wer aber sagt noch, ob Meldungen überhaupt wahr sind? Längst sind Manipulationsversuche über Nachrichten zu beobachten.

Von einem geplanten, besonnenen, realitätsbezogenen Umgang mit Wertpapieren ist also längst nicht mehr die Rede. Der Wert von Papieren bezieht sich immer weniger auf die reale wirtschaftliche Situation eines Unternehmens. Der Handel mit fiktiven Werten hat sich verselbständigt und ist zu einem Faktor geworden, der die Realwirtschaft nach mathematischen Gesetzen diktiert.* Alle Versuche, das Gesetz der Programme und Geschwindigkeit zu brechen, etwa Momente der Besonnenheit durch Verlangsamung, das Einschalten von (von physischen Menschen zu tätigenden) Zwischenschritten oder  nur der Einführung eines allgemeinen Termins für Transaktionen - wie "täglich um 15.00 Uhr" - einzubauen, sind bislang gescheitert.



*Wertpapierhändler bedienen sich schon lange der Dienste von Physikern. Die von Wirtschaft keinen blassen Schimmer haben, aber Mathematik, Wahrscheinlichkeitsrechnungen, Algorhythmen beherrschen, für die Wirtschaft ein mechanisches Modell ist.





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Montag, 13. Mai 2013

Abtrennung von der Quelle

Nur eine Andeutung soll es sein - aber weil Bewußtsein sich immer auf eigenes Fühlen bezieht, wird dieser Akt an sich als eigener empfunden, ja genau das muß er ja sogar sein, sonst wird überhaupt nichts bewußt (außer im Zwang, dem Leid.) Aus dem bloßen inneren ("technischen") Geschehen in der Erkenntnis hat man also bei jedem Wahrnehmungsakt das (in dieser Hinsicht: richtige) "Gefühl", ihn aus sich selbst generiert zu haben.

Das macht die Bedeutung des Aktes der Erfahrung selbst deutlich. Von diesem Akt hängt ab, welchen Rang das zu Erkennende hat. Ist seine Erlebnistiefe gering oder überhaupt verschwommen, kaum wahrnehmbar, wird das Erkannte, das Bewußtgewordene, auch entsprechend von seiner Quelle getrennt.

Die sittliche Leistung liegt ja auch in gewisser Hinsicht beim Rezipienten: Denn die Annahme fremden Geistes IST eine sittliche Leistung. Aber sie ist nur die eine Seite der Medaille, ja sogar nicht einmal die: sie ist nur die halbe technische Seite des Erkenntnisaktes, der aber nun ihr eigentlicher Grund fehlt, der Erkenntnis in den Geist heben könnte - und der ist personaler Natur.

Das ist der eigentliche Grund, in diesem Komplex wurzelt, warum Medien generell, aber im besonderen das Internet, die social media, zum Medium der Diebe, des nicht mehr vorhandenen Urheberrechts wurden und werden. Darin wurzelt gleichzeitig die Selbstüberschätzung als gar nicht abwendbare Folge der Internet-/social media.

Das Empfundene, sinnlich Dargebotene, wird als Eigenes empfunden, das geht nicht anders, aber seine Zusammenhänge mit dem Quell verblaßt bzw. wird überhaupt nicht mehr wahrnehmbar, es kann bestenfalls noch "dazugesagt" werden, während der Erkenntisakt selbst depersonalisiert, und damit enteigentlicht wird. Was zu schrecklichen Fehleinschätzungen, zu einer Struktur der Ungerechtigkeit sogar führt, weil menschlichen Selbstvollzug (anderer) nihiliert, einerseits. Weil es anderseits aber das Wesen des Geistigen (als Sittlichkeit) an sich verfehlt. Denn Geist kann nur der atmen, der ihn "von jemandem" aufnimmt. Dem solcherart - herkunftslos - Rezipierenden wird Geist zur bloßen technischen Information, die ihn aber in sich beläßt.

Daß sich dies in extremis (weil alles Menschsein grundlegend) dann auswirkt, wenn auch der Kult den Urheber des Geistes Gottes - Gott, im Priester, in der Liturgie - unsichtbar macht, dafür aber "seinen Geist" atmen möchte bzw. damit tatsächlich (ohne es zu wissen aber: in ganz anderer Form!) agiert, soll hier nur noch beiläufig erwähnt werden: Gottes Geist wird urheberlos bzw. ersetzt man den Urheber ...




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Donnerstag, 21. Februar 2013

Aber wer produziert?

Warum um alles in der Welt gibt Google französischen Zeitungsverlegern Geld? Warum gründet das Unternehmen einen Fonds, den es mit 60 Millionen Euro dotiert, der (vorerst) französischen Printmedien beim Umstieg ins Netz stützen soll?

Eric Schmidt und Francois Hollande (Photo: Die Welt)
Nun, fast sämtliche Unternehmen der Internetbrache samt social media befassen sich mit der Verwaltung und Distribution von Inhalten. Damit aber haben bisherige Medien ihr Geld verdient. Das auf dem eigentlichen Geschäft aufgebaut war: Der Produktion von Inhalten. Trocknen die Produzenten von Inhalten aber aus, was bleibt Google dann noch zu verwalten und zu verteilen? Twittermeldungen von Privatnützern? Privatphotos von Strandurlauben, Kinderzähnen und Kellerpartys auf Facebook?

Nichts wird schon mittelfristig so zur Mangelware werden wie Inhalte. Auf allen Ebenen. Wenn google nun in Belgien Kooperationsverträge schließt, in Deutschland Abkommen zum Leistungsschutz aushandelt, so weil dem Unternehmen gar keine andere Wahl bleibt. Denn wer produziert noch jene Inhalte, die es dann zu verwalten gilt? Facebook- und Twitternutzer, die auf ihre Bildschirme starren um nur ja nicht zu versäumen, wenn sich endlich Inhalte zeigen? Die Generation der copy&paste-Blogger?


Aber ein noch viel größeres Dilemma zeichnet sich ab. Nicht nur, wer Informationsinhalte produziert, also Geschehen interpretiert, auswertet, einordnet wird das Mangelgut der Zukunft sein. Viel mehr alle jene, die das produzieren, worüber überhaupt zu berichten möglich und sinnvoll ist. Und gar keine Zeit haben, auf google zu starren, und kein Interesse, zu twittern.

Wird also google bald Fonds gründen, um jene von den Medien abzuschirmen, die bereit sind, noch so richtig "für sich" zu leben? Denn bald schon wird google als etwas ganz anderes auftreten müssen. Es wird jeden Stein auf der Erde umdrehen, um noch originäres Leben zu finden. Und Prämien ausschreiben für jene, die die Richtung der wirklichen Wirklichkeit noch erkennen.

Man könnte nämlich durchaus die Stimmung der Gegenwart mit jener vergleichen, die im Kino vor Beginn einer Aufführung eintritt. Wo sich alle in ihren Stühlen einräkeln, ihre Popcorn-Säckchen aufreißen, und die Coladosen griffbereit einrichten. Aber nichts passiert auf den Bildschirmen, auf die alle starren. Außer Vorprogramm, endlose Werbung. Oder IST das schon der Film, wie der Herr mit Studiertenglatze, Palästinensertuch und Nickelbrille aus der vierten Reihe in den Saal ruft? Nein, meint die Dame im Nebensitz, der kommt erst. Bald. Irgendwann. Hoffentlich. Noch ein Cola?




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Sonntag, 16. Dezember 2012

Am Kern vorbei

Die Presse schreibt über den Papst-Tweed. Aus dem Artikel soll nur ein Absatz herausgegriffen werden, weil er der Schlüssel zum "Problem Papst-Tweed" ist.

Niemand hat je gezweifelt, daß der Papst nicht auch über den päpstlichen Twitterkanal - nominell - lesenswerte oder theologisch hochwertige Aussagen trifft. Nur ist das gar nie das Problem gewesen.

Das Problem ist die Eigenlogik des Mediums ALS Botschaft, ja als eigentliche Botschaft. Ein Papst, der am Schreibtisch sitzt, und dem Botschaften (auf Papier) vorgelegt werden, wird natürlich nur danach fragen, und das prüfen, was diese Inhalte anbelangt. Er hat aber mit der Verbreitung, dem Medium, in das diese Botschaft transformiert wird, wohl kaum Kontakt. Zwar wird sich das mit Sicherheit mit der Zeit ergeben, mehr oder weniger, und darin liegt nach wie vor auch das Zutrauen des Verfassers dieser Zeilen, die hier so ablehnend-kritisch lauten. Aber diese Eigenwirklichkeit, diese Wirklichkeitsdimension der Neuen Medien, der social media, wird zu wenig oder gar nicht berücksichtigt. 

Und DAS ist das Problem. Das ist auch das Problem der Wahrheit. Wenn nämlich in einem der ersten Tweeds davon die Rede ist, daß auch über diesen Kanal die Wahrheit verkündet werden könne, so steckt DARIN die potentielle Lüge. Nominell, dem Wortlaut nach - ja. Hier hat gewiß jeder Tweed hochgradige Ähnlichkeit mit nominellen Aussagen anderer Kommunikations- und Verkündigungsformen.

Aber die Lüge zeigt es ja vor. Die Lüge lügt nicht durch Faktenunwahrheit. Sie lügt durch die Kommunikationssituation selbst. Es ist Merkmal des Gegenwartswahnsinns, der sich als Technizismus ausgebreitet hat, die Welt auf das Erfüllen bestimmter Postulate festzulegen, um ihr "Gut" zu bewerten.

Der Papst prüft in seinem Bereich, am Schreibtisch, etwas ganz anderes, als jene, die diese Botschaften versenden, in seinem Namen! Er prüft die nominellen Inhalte. Der Versender - die technische Funktionalität. Niemand prüft das Insgesamt der Botschaft! Seine wirkliche Wirklichkeit! Das ist nicht nur eine, ja DIE Zeitkrankheit, das ist ja leider auch das Wesen des Versagens Roms seit Jahrzehnten, ja seit dem "Aufbruch" in den 1970er Jahren. Und die Reihe der unzweifelhaft falschen Entscheidungen ist beträchtlich, die - auch Päpste damit - getroffen wurden, und das Leben der Kirche weiter verdunkelt haben. Unfehlbarkeit bezieht sich nicht auf "kirchenpolitische Entscheidungen". Viel zu viele Päpste, die durch ihr praktisches Verhalten ganze Völker vom Glauben haben abfallen lassen, ja abgebracht haben.* Und Papismus ist, umgekehrt, nicht "Papsttreue" als Treue zur Kirche. Eher sogar das Gegenteil - eine Maske, hinter der sich gravierende Persönlichkeitsprobleme verbergen, und damit direkt "Heiligkeit" berühren weil zur Simulation verkommen lassen.

Daraus folgen offenbar auch weiterhin so manche Fehlurteile. Wie die Haltung zu den social media. Wie in Medjugorje zu erwarten ist, der Verfasser dieser Zeilen macht sich da keine Illusion. NOMINELL werden auch dort kaum Fehler in der Theologie nachzuweisen sein. Nominell werden dort kaum schlechte Dinge geschehen. Es wird gebeichtet, es wird gebetet, was auch immer. Aber alles das wird nominell getan, und eben nur nominell - pseudowirklich! Imitation des wirklichen Wirklichen, das diese Akte an sich darstellen sollten. Um ihre "Gutheit" zu prüfen, prüft man nur die technischen Abläufe. Die Ablehnung von Medjugorje - die die weltweite Bewegung als Indiz  für seinen Irrtum sieht, weil der Glaube, ganz in postkonziliarer Tradition sozusagen, nicht als Beleg seiner geistigen Strahlkraft, sondern als Beleg seiner Vernichtungskraft sieht baut auf eben etwas ganz Anderem. 

Der Verfasser dieser Zeilen ist überzeugt, daß Medjugorje gar nicht mehr in seiner wirklichen Dimension als immense Gefahr für das Glaubensleben verurteilt werden KANN. Denn man würde mit dem Unkraut enorm viel Weizen mitausreißen. Es wird aus praktischen Gründen alleine bestenfalls zu einer vorsichtigen Formulierung kommen. Man hat viel zu spät gehandelt, einerseits, und anderseits in permanentem Ungehorsam (das alleine Medjugorje schon als Indiz in völligen Widerspruch zu anerkannten Erscheinungen wie Lourdes oder Fatima stellen würde) - das Laster ist wie Wasser: es trägt nur Form, solange es mit ausreichendem Gegendruck gehalten wird -  Viel zu spät erkannt. Wenn man überhaupt erkannt hat. 

Es ist überhaupt kein Zufall und überwältigend präzise als Problem der Acedia analysierbar, warum Gruppen wie "Medjugorje", "Weltjugendtreffen" und "Neuevangelisierung (übers Internet)" und generell "Internet/social media" (fast sämtliche Erneuerungsbewegungen der letzten Jahrzehnte lassen sich ebenfalls in diese Kategorie einreihen) sich völlig decken, eins im anderen und untereinander enthalten ist - es sind dieselben Menschen, dieselben Charaktere (als Grundtypus des Kulturverfalls dieser Zeit!), und damit dieselbe Grundproblematik. Es ist die Problematik des Glaubens der Welt, und zwar: wirklich. Wo u. a. als Symptom das Wesen der Heiligkeit verkannt, ja umgedeutet wurde.

Theologie (im Papst-Tweed) ist nicht die Funktionalität gewisser Rationalismen. Diese ist lediglich posthoc festzustellen, und darf nicht fehlen, so wie Logik ein Ergebnis bringen kann, das HINWEIST auf einen fundamentaleren Inhalt, den Logik nur abbildet, den sie aber nicht IST. Er ist weit weit mehr. Bouyer u. a. zeigt sehr gut, wie untrennbar das Betreiben von Theologie mit dem Insgesamt des Theologen selbst zusammenhängt. Die Botschaft aber, die auch dieser (an sich verehrenswürdige) Papst über seinen Tweed wirklich vermittelt, ist eine ganz andere, als er in seinem Bereich zu sehen bekommt.

Darin liegt vielleicht sogar der Grund, daß der Verfasser dieser Zeilen aus dem Presse-Bericht eine gewisse Enttäuschung herauszulesen meinte. Man hatte sich sichtlich mehr erwartet. Nun war es nur eine weiter Twitter-information. Mit Inhalten, wie man sie erwarten konnte, die man ohnehin kennt (bzw. zu kennen meint.) Mehr als das Feststellen des Funktionierens des Instruments Twitter (was ja das Wesen der 'Erfahrung des Internetgebrauchs ist: man erfährt ein "Können-Können", so wie in jeder anderen Tätigkeit, hier aber auf die Technik bezogen folgerichtig "inhaltsleer") gab aber auch die Papst-Botschaft nicht her. Tausend Rosen ...



*Kirchenpolitische Fehlentscheidungen von höchster Stelle, als deren Folge der Glaubenssinn verwirrt wird, sind leider auch in unserer Zeit an der Tagesordnung. Man denke nur an die "Zulassung von Frauen zum Altardienst" - den unseligen Ministrantinnenerlaß, den der Vorgänger dieses Papstes herausgab. Dessen direkte Folge sich zeigt, wenn der Bevölkerung jedes Verständnis dafür abhandengekommen ist, warum Frauen nicht auch zu Priestern geweiht werden sollten. Was  hat man sich vorgestellt? Man kann nur noch den Kopf schütteln. 

Ein schwerer Schaden, auch wenn scheinbar keine "dogmatische Unstimmigkeit" damit verbunden war. Und doch war sie es, als Folge: die Praxis stand nicht mehr in einer Linie mit den tiefsten Geheimnissen. Wie sehr der Glaubenssinn verwirrt ist sieht man eben gerade an dieser Frage, denn die Geschlechterfrage bzw. die ums Priestertum ist direkt mit den tiefsten Fragen um Trinität, Gott, Schöpfung und Mensch verbunden, und darin mit dem Priestertum. Die argumentative Verweigerung durch Berufung auf die Einsetzung durch Jesus selbst, auf sein Tun, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine feige Ausflucht. Und wird auch von vielen Befürwortern des Frauenpriestertums gar nicht ernstgenommen. Der eigentliche Glaubenssinn dahinter ist längst zu schwer geschädigt. Und gerade in diesem Geheimnis des Mysteriums der Schöpfung in sich und zu Gott hin bzw. von diesem her sind die Auswirkungen kaum abgrenzbar. Die Auswirkungen auf die Natur der Priesterberufungen selbst - in Form einer "Denaturierung", eine rDehumanisierung - sind gar nicht abschätzbar. Die Verteidigung der Männerordination liegt heute dafür fast ausschließlich in Händen von Fanatikern, weil es gar keine jüngeren Menschen mehr gibt, deren wirkliches Werteempfinden mit der Dogmatik noch übereinstimmt, die Dogmatik voluntaristisch bleibt. 

In ganz genau dieselbe Kategorie gehört übrigens die Zulassung von Frauen zum Lektorendienst, oder als Kommunionspenderinnen. In weiterer Folge, und ebenfalls damit in direktem Zusammenhang stehend, die Ausbildung von Theologinnen. Diese Zulassung(en) heute wieder zurückzuziehen würde nun bereits so viel Aufregung nach sich ziehen, daß der Schaden in jedem Fall unermeßlich wäre - es fehlt bereits jedes Verständnis dafür, das Wertegefühl der Menschen wurde schmählich verraten, und dem Zeitgeist ausgeliefert. Dem man sich selbst beugte. Und das in Zeiten der Liturgiereform sondergleichen? Oder glaubt man gar nicht mehr, daß die Ordnung des Kults auch Quelle (und Urbild) aller Wert- und Weltordnungen ist, eine "Schule" des Wertempfindens, das ein Gefühl für den Raum und Beziehung ist. aus der heraus sich die Dinge definieren? Die Form der heutigen Kirchenbauten - allesamt: Auflösungsstätten von Raum und damit Schöpfung - ließe ja ohnehin schon darauf schließen. Dafür hängt man das, was man glauben sollte, aber nicht mehr erfährt, in großen Transparentsprüchen an die Wände.



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Dienstag, 11. Dezember 2012

Gott mit hashtag (3)

Teil 3 - Gott ist nicht nur im Internet, er wird es. Durch den Papst.



Ein Papst auf Twitter - auch wenn man abwarten muß, was passiert - ist in jedem Fall beschämend. Die Wahrheit ist keine nützliche Information, die man abruft, wenn der Festtagsbraten zu mißlingen droht. Oder noch schlimmer: Die man durchklickt, mal sehen, was heute wieder an Interessantem durch den Tweedwald geistert. Sie muß lebendig sein. Und sie ist kein Blatt das man von der Rolle abreißt und dabei zufällig auf ein Heiliges Wort stößt. Ah, sieh da, John Fiedlmann hat einen neuen Weltrekord im Dauerhusten aufgestellt - der Babscht ruft zur Bekehrung und zum Gebet auf - der iPod kostet jetzt nur 59,90; jetzt in der Pontifikalausführung, in violettem Etui mit Goldborte, voll gottesdiensttauglich.

(Übrigens: angeblich tatsächlich bereits häufiger, als man denkt. Der Verfasser dieser Zeilen ist selbst sogar schon mehrmals Opfer solcher Ergüsse geworden, wo mitten aus dem Gottesdienst ein herzhaftes "Christus lebt, er ist wahrlich auferstanden, halleluja! Frohe Ostern wünscht Deine Sonja" am Display auftaucht, lebensecht fliegenden Fingers von dieser während ihres Kommuniongangs abgesetzt. Seltsam, es hat ihn eher nicht erbaut, sondern tief verärgert, weil er gerade nach einem Bratenrezept suchte. Daran hätte auch ein Absender "Dein Papst" nichts geändert. Denn der Verfasser dieser Zeilen wartet eher nicht auf 140-Zeichen-Nachrichten, die sein Weltbild umstützen könnten, á la "Jetzt bewiesen - Der #Mensch stammt vom #Zottelbären ab, sofort unter #evolution lesen!" Und auch nicht auf eine dieser Art: "In zehn Minuten #Weltende - noch rasch #beten - #Benedict XVI" Oder wird er gar bald auch Bratenrezepte anbieten? "Gerade #Weihnachtsgans verschmaust, hervorragend. Sauce wird ganz fein, wenn man ihr einen Schuß #Cointreau zufügt! #Papst" Die obligate Werbeeinschaltung, deren Kaufpreis enorm sein wird, die Twitter-Aktionäre reiben sich schon die Hände, schenken wir uns. Man stelle sich vor, wenn auch noch der amerikanische Präsident - Follower der ersten Stunde - antwortet: "merry christmas! #american_turkey is also fine ;-) #obama" - die Tarife werden in schwindelige Höhen steigen, in jedem Fall. Auch, wenn er vielleicht ja ernsthafter twittert: "Dear pope, you say nice people come to heaven. is it really your opinion that #homosexuals will come to #hell? they are nice! #obama")

Nicht weniger beschämend, wie diese vergammelten Schulbibeln, die zu retten der Verfasser dieser Zeilen sich jedesmal aufgerufen fühlt, wenn er solcher ansichtig wird, wozu ihm aber die Mittel fehlen, denn es sind zu viele Bibeln, die weggeworfen und verachtet werden. Macht nix, ist ja nur Papier?

Das erinnert viel mehr an das "Heil Hitler!" so mancher Bischöfe und Kardinäle, das sie dann bitter bereut haben, als sie bemerkt haben, daß man den Teufel nicht mit Beelzebub austreiben kann, nur weil es nützlich sein könnte.

Was wir sehen
Aber warum das alles? Das wagt der Verfasser dieser Zeilen zu sagen: Weil eine längst wahnsinnig gewordene Subkultur von Zombies genau darin die Bestätigung ihrer abstoßenden Kreuzesscheu und Acedia sieht, sich weiter - in bösartiger Schizoidität - vormachen kann, auch in ihrem Lotterbett der Wirklichkeitsflucht, in dem sie sich wälzt, "richtig zu liegen". Die meinen, in einer glattgeschmusten Welt der Nettigkeiten mit "likes", 50.000 "friends", und nun auch noch als "Papst-Follower" Charon den Preis bezahlt zu haben, mit dem er sie dereinst überschiffe.

Internet und social media sind Lotterbetten des Lasters. Und zwar nicht durch "Pornographie" oder was immer es sonst zeigt. Das wäre eine fatale Täuschung. Seine Wirkweisen sind viel tiefgründiger und umfassender, und ihr positiver Nutzen grenzwertig klein. Doch sind sie gefährliche Phantome, fern von jeder Verschwörungstheorie, sehr real, ihre Schatten sind sichtbar wenn man sich anstrengt: sie umgeben das Herz mit einem Vorhang der Finsternis und gespenstischen Stille, sodaß das Leben, Gott der das Leben ist, nicht mehr gehört, er im Du nicht mehr gesehen, sein Wille, der immer ein Wille im Kairos, im Realen ist, nicht mehr gehört wird. Verschüttet unter den Gebirgen der Sprache der Welt.

Teil einer kulturgeschichtlichen Gesamtbewegung der Entwirklichung unserer Lebenswelt, die sich uns damit mehr und mehr entzieht: Unser Leben wird zu einem Versuch, eine unwichtige Schwanzspitze zu bändigen, während die Eidechse längst über alle Berge ist, und das Antlitz der Erde verwüstet. Wenn wir dann entdecken, daß die Schwanzspitze tot ist, ist es zu spät. Im Internet als effektvolle Scheinwelt vollzieht sich, vor unseren Augen, diese Entwirklichung. Die in heutiger Form nicht eine Frage von "na seien wir eben etwas vorsichtig" ist, sondern prinzipieller Natur.

Aber möglicherweise findet ohnehin jemand bald den Stecker, mit dem man das Netz an die göttliche Energie anbinden kann, sodaß es die reine Wahrheit ausspuckt und wir künftig - also NACH der Einführung von Quantencomputern auf jeden Fall - alles vom Ursprung her wissen, aus Algorhythmen zusammengeflickt, die evolutiv-dialektisch einmal die reine Wahrheit auf Knopfdruck ergeben. Sie lachen? Weinen Sie lieber. Es gibt eine menge Leute, die das allen Ernstes glauben. Sodaß ihnen der Beitritt von Benedict XVI. zu Twitter die logische Anerkennung dieser Wahrheit ist: Es ist die tragende Idee des Internet und der social media, die diese Idee nur abbilden. Diese Leute hat also der Papst auf jeden Fall schon im Glauben gestärkt. 

Unter Hashtag gott oder so ähnlich sind dann auch Sie, geneigter Leser, dabei, wenn es soweit ist und ER zu uns spricht, ehe er aus angeschlossenem Laserlicht loslegt die Welt nach eingespeicherten Bauplänen - bibeltreu nach seinem Geist, dem Programm, das sich in grenzenloser Kompilation von Information selbst programmiert - neu zu schaffen. Wo nunmehr geniale Information sich mit der dreieckig-kristallinen Gestalt des Urstoffs vermählt. Dann wissen wir auch, wozu der Sozialstaat eigentlich gut war: Er sollte allen ermöglichen, ihr Handy zu betreiben, um in den Himmel zu kommen. (Sie sollten weniger lachen, werter Leser, sie sollten weniger lachen, das ist so gar nicht angebracht, wenn die Rede von den Fundamenten des Zeitgeists ist.)

Noch eine Wette, ganz zum Schluß: Es wird nicht an Nachrichten fehlen, wo jemand per Tweed verkündet, der habe sich durch päpstlichen Tweed bekehrt. Der Glückliche. Der Verfasser dieser Zeilen sieht sich immer noch nicht bekehrt. Vielleicht sollte er auch twittern.




Nachtrag: Damit keine Zweifel aufkommen: der Verfasser dieser Zeilen sieht sich mit dem Papst in Christo  tief verbunden. Wenn auch nicht als "Groupie", das sich von gewissen Dynamiken wegschwemmen läßt und seine gerade als jemand der Christus angehören möchte unverzichtbare Eigenverantwortung aufgibt. Gerade heute, umgeben von enormen (vor allem psychologischen) Wirkmechanismen, ist höchste Vorsicht angebracht, das Erleben und Wahrnehmen nicht durch Außenwirkungen sich selbst entfremden zu lassen. Denn Gott, das Wort, das Leben, ist als sich selbst Zeugender dem Hörenden nur im Maß der Lauterkeit der Affekte präsent, ja im lauteren Affekt - Florenski nennt an dieser Stelle den Geist - als (menschlichem Verstand letztlich nie vorhersehbares) gottgetragenes Handeln nach seinem Willen wird. Er als Wirkender, und damit der Mensch zum Individuum aus dem Geist in der Hingabe geboren. 

Insofern ist ja das Leben immer wahr, weil es immer aus Gott kommt, und jedes Wollen und Vollbringen das Gottes ist, nie des Menschen, so sehr er das heute glaubt. Die Frage ist nur, WAS aus den Gestalten der Zeit spricht, wo (könnte man sagen) das Leben und das eigentliche Ziel eines Handelns IST, als Logos, als Sinn. Nachdenken ist damit ein Ausschmelzen faktischer Gestalten zu reinen Gestalten, welch erstere an sich also sehr wohl "falsch", irrtümlich sein können, sodaß sich dann auch etwas anderes in ihnen zeigt, als weltliches Sprechen vorgibt.

Man möge dem Verfasser also manch sarkastischen Ton in obigen Ausführungen nicht fehldeuten, den er nämlich nicht ändern wollte, den er als sehr angebracht sieht. Sarkasmus oder Ironie sind ein Auf-die-Spitze-Treiben, und insofern kathartisch, als irgendwann die Enden der Tangenten, die man an Bewegungen legt, im Nichts landen, und sich damit offenbaren. Auch, wenn er vom Geist und der persönlichen Klugheit gerade dieses Papstes, dessen Äußerungen er stets mit großer Sorgfalt liest und hochschätzt, überzeugt ist. Weshalb er sogar mit gewisser Spannung beobachten wird, sofern das auch ohne Twitter-Account möglich ist, wie die Angelegenheit sich entwickelt. Denn sie wird aus neuem Blickwinkel auch über das Netz einiges aussagen. Das nun auch in dieser Weise zu nutzen, davon ist der Verfasser dieser Zeilen überzeugt, aber wohl eher der Modernitätsbegeisterung so mancher Mitarbeiter zu verdanken ist. Aber mit großen Bedenken, weil er diesen Schritt in einer Reihe mit so vielen sieht, die die Kirche in den letzten Jahrzehnten zu einer unsäglichen Profanierung und Verdunkelung des Heiligen trieb. Und vor allem auch zur Enträumlichung, Entkonkretisierung, damit Entgeschichtlichung, wo das Internet nur noch als Weiterentwicklung z. B. von Bewegungen wie Medjugorje deutlich wird.

Die Kirche ist leider schon geraume Zeit dafür bekannt, daß es in ihr Kräfte gibt, die nie schnell genug beweisen zu können meinen, wie zeitgemäß und weltoffen sie sei. Die dabei gar nicht merken, daß sie weit zurück sind. Kirchliche Innovationen in dieser Richtung tragen deshalb fast immer ein Merkmal: sie kommen zu spät, damit zu einem Zeitpunkt, wo in der (verglichen mit Kirchenbeamten) realitätsbestimmteren Gesellschaft bereits der Kater eingesetzt hat. Das Internet in dieser heutigen Form, davon ist der Verfasser dieser Zeilen (der doch einige Interneterfahrung hat) überzeugt, hat ein gar nicht fernes Ablaufdatum, wenn auch  nicht sein muß, daß sich der tief schwelende Konflikt direkt als Ablehnung des Internet erkennbar sein muß, er könnte auch ganz andere Formen annehmen. Doch der Mensch ist eben nicht beliebig form- und veränderbar. Immerhin lebt er aus der Selbsterprobung Gottes, sein Bewegungsspielraum ist begrenzt. Entfernt er sich von seinem Wesen, meldet sich der Schmerz, der historisch bedingte Gestalt der Gegenwehr annimmt

Eine Analyse des Internet - als Werkzeug, als Maschine, die wie jedes Werkzeug auch den Anwender verändert - kann nur von diesem Wesen des Menschen ausgehen und stichhaltig sein. Ja es muß auch einem kulturellen Untergrund entsprechen - aus dem es hervorgeht, woraus es in seinen Gestalten verändernd rückwirkt. Aber diese Veränderungen haben eine Grenze - eben dort, wo der Mensch sich widerspricht. Dort wird Zeitgestalt und Zeitgeist gar zur Todesspirale. Unter diesem Gesichtspunkt hat die Selbstentfremdung durch das Internet nicht nur nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen eine Phase des Weltverlusts erreicht, wo Gegenbewegungen zu erwarten sind. Und diese zeichnen sich auch bereits ab - wenn auch noch untergründig, denn der Zug der Zeit nimmt gerade dann noch mehr Fahrt auf, wenn er seine Begrenztheit immer mehr ahnt, sodaß er immer aggressiver ums Überleben kämpft. An dieser Stelle war und wird vielfach davon die Rede.




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