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Montag, 2. Mai 2022

Worin wir irren, wenn wir irren (2)

Wenn wir in diesen Tagen und Wochen nach der Auferstehung Christi also von der Wirkung der Kirche in der Welt hören, von den vielen Heilungen und Bekehrungen hören, die nun auch durch die Apostel und die Anhänger Christi eingetreten sind, also durch den Heiligen Geist, der in der Himmelfahrt Christi dann definitiv den Geist Gottes in der nun und damit irdisch werdenden, realen, also immer DURCH PERSONEN repräsentierten (dabei mehr oder weniger verschatteten) KIRCHE verankert, wenn wir also von allen diesen Wundern hören (und Wunder sind das eigentliche Wesen der Schöfung, denn nichts "muß", nichts "ist einfach WEIL" irgendwelche physischen Dinge so uns so konstituiert sind, dann ist uns vielleicht nicht recht klar, in welche Welt diese Erlsung hineingeplatzt ist.

Uns ist nicht klar genug, in welch furchtbaren, schrecklichen Zustand die Menschen waren, und mit welcher Sehnsucht sie also nach einer neuen Schöpfung gewartet haben, die (auf geistige Weise) durch die Erlösung Christi in diese Welt gekommen ist. Und die in der Versammlung des Erdkreises, der Ökumene, die Kirche, die ecclesia ist, diese als Erdkreis (und hier ist auch das All gemeint, das in der Erde hängt, nicht umgekehrt) geschlossen aus den Getauften und der über sie (personal!) in die Neue Schöpfung hineingenommene Welt.

Samstag, 29. Januar 2022

Endlich schuldenlos werden (2)

Die zu einer gewaltigen Klimax führte - Die etwa zur Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts in einer Person ihre Repräsentanz fand, nämlich dem säkularisierten Juden Siegmund Freud. Der nichts anderes machte als die "naturwissenschaftlichen Erkenntnisse" der Zeit (allen voran die längst zum Mythos ausgebaute Evolutionslehre, die tatsächlich ja eine Metaphysik ist) in das Komplexe des Seelenlebens eines Menschen einzuflechten. Und so zu einem ganz neuen Erklärungsmodell kam, nämlich der Psychoanalyse. Die nun eiderdautz eine interessante Nebenwirkung hatte, die freilich zur Hauptwirkung wurde, nämlich die Entlastung von Schuld. Und wenn man mich fragt, dann konnte oder kann das Forschen eines Juden (schon gar in diesen Bereichen) zu gar nichts anderem führen als zu einer Methodik, zu einem Ritus der Entsühnung. 

Freud übertrug die Erkenntnis, daß das natürliche Geschehen eine Mechanik ist, die sich aus sich selbst heraus weiterentwickelt, und deren Überleben, deren Bestehenbleiben zum ersten Ziel alles Lebendigen wurde. Sodaß nunmehr dieses Ziel auch die Grammatik des Seelenlebens eines Menschen prägt, was sonst. Denn der Mensch ist nach Freud eben ein Apparat, der von bestimmten "natürlichen" Zielen bestimmt wird. 

Freitag, 28. Januar 2022

Endlich schuldenlos werden (1)

Wenn wir nur die Quintessenz der bahnbrechenden (und vielfach preisbehängten) Arbeiten von Henry Poincaré und zwanzig Jahre später Kurt Gödel hernehmen dann ist es die mathematische Ebene einer u. a. von Kant und Diltheiy vorbereiteten Denkweise, in der es voraussetzungsloses Denken über die Welt nicht gibt. Weil immer ein Mensch antwortet, antwortet er immer aus einer Position - in einer Identität - heraus, die eine Stellung zur Welt mit sich bringt.

Lassen wir hier aber die Diskussion darüber, ob es deshalb grundsätzlich KEINE Wahrheitserkenntnis (über die Welt) gibt oder nicht, was eine Diskussion über die Natur der Wahrheit und des Geistes (-igen) ist. Eine Diskussion, die direkt dami tzusammenhängt. Lassen wir auch die Konsequenzen aus einer weltsicht des Evolutionismus, in der alles, was Welt und Mensch und Leben überhaupt ist, auf ein paar Funktionen von Molekülen reduziert wird. (Übrigens: Auch das Geschehen in Atomen, das ist wenigstens schon klar, wird vom übergreifenden Feld - dem Molekül - charakterlich und damit erst meßbar bestimmt. Denn Atome sind wie alles ein "Feld".)

Mittwoch, 25. November 2020

Totalschaden der Aufklärung (4)

Teil 4) Und nun, angetan mit einer neuen Brille,
ausgestattet mit einer neuen Funzel, die das Dunkel erhellen möge
- wie nimmt der Leser nun diesen Film auf?


Gewissermaßen zur Abrundung, aber auch ein wenig zur Überprüfung dieser neuen Art, die gesamte Sache "Corona-Krise" zu sehen, möge der Leser ausprobieren, wie dieser Film auf ihn wirkt. Wie er ihn und was er sieht. Er stammt aus der Schweiz, und gehört mit zum Besten, was der VdZ bislang zum Thema gesehen hat. Und ist ein ganz respektabler Dokumentationsfilm, der viele Fragen aufwirft. Vielleicht können wir nun gemeinsam ein paar Antworten finden.

Unerhört! from Unerhört! on Vimeo.


*281020*

Dienstag, 24. November 2020

Totalschaden der Aufklärung (3)

Teil 3) Anmerkungen zur Corona-Pandemie
- Und: Vielleicht ist alles völlig anders!


*Wenn sich in einzelnen Ländern SEHR WOHL eine Übersterblichkeit feststellen läßt (u. a. Spanien, Frankreich, England), so drängt sich der Verdacht auf, daß dies mit der aggressiven medizinischen Herangehensweise an die "Bekämpfung der Erkrankung" zu tun hat. Und daß das passiert ist, ist kaum abzuleugnen. Es ist passiert, weil es nicht zuletzt von jener Panik angetrieben und initiiert war, die Politik, Lobbyisten, Interessensgruppen und Medien inszeniert haben, und mit der alle Verantwortlichen, also auch die Medizin, unter enormen Handlungsdruck gesetzt wurden.

Aber es hat mehr Antriebskräfte gegeben, und der VdZ meint: Ganz am Anfang. Denn er ist sicher, daß im Fall, daß diese alle nicht reagiert hätten, genug Kräfte am Werk gewesen wären - unter Umständen dieselben, die nun kritisieren, wer weiß ... - die massives Versagen zu orten meinten, weil die "verheerenden Wirkungen des Corona-Virus" vertuscht worden waren. Samt Behandlungsfehlern. Ist es da wirklich verwunderlich, daß man "die sichere Seite" - also das aggressive Handeln - gewählt hat?

Was wiederum manche sehr nützlich fanden ...³ Aus vielen großen, zahllosen kleinen Quellen faßte sich, durch immense Inkompetenz sachlicher wie charakterlich-menschlicher Art gesteuert und von Ebene zu Ebene der Dynamik gehoben, alles zu einem großen, riesigen Strom zusammen, einer Corona-Pandemie.

Dahinter steht aber hier kein großer, einheitlicher Plan. Sondern eine gewisse Koordiniertheit, die eher eine Koinzidenz ist, zeigt sich, und zeigt sich schlicht und ergreifend auch hier als typische "Strategie und Taktik" (als Eigenart) in den Mechanismen eines letztlich vom Bösen angeheizten, von zahllosen Widersprüchen bezeichneten Chaos. Dem nun zu seinem weiteren Betrieb nützt, daß hier wie anderswo die dafür Verantwortlichen alles tun und vor allem tun werden, um Zusammenhänge und Verantwortlichkeiten zu verschleiern. Sofern sie sie überhaupt erkennen können.

Man kann sich die Auslösung einer Corona-Pandemie als tödliche Gefahr, die jede politische Maßnahme rechtfertigt, wie jenen Moment vorstellen, zu dem man ein aus zahllosen, zuletzt dichtest gesetzten Sprengkörpern über Jahre und Jahrzehnte gezielt wie zufällig vorbereitetes Minenfeld vorstellen. Alle für sich "rational" und "begründet", meist ohne viel Aufhebens und Druck gesetzt, sehr oft aber auch durch Nachlässigkeit und Zulassung der Feldeigentümer. Bis zu dem Augenblick, bis eine Initialzündung gesetzt wurde. 

Eine Mine nach der anderen ging nun hoch, immer schneller, und teilweise bald gleichzeitig, ausgelöst durch die Explosionen im nächsten Umfeld, mit dem man eben die engste Beziehung hatte. Die meisten für sich genommen klein, oder nicht so groß, wie z. B. daß Krankenhäuser erhöhte Entschädigungen der Versicherungssysteme erhielten, sobald jemand Pandemie- und Corona-Opfer "war". 

Unbewußt aber werden sie alle, die da involviert waren, und das reicht in bestimmter Weise bis zu jener Hälfte der Bevölkerung, die dieser Panik (auch das oft genug durch Schuldverstrickung und fragwürdigen Motiven) angehangen sind, von diffuser oder erkannter Schuld angetrieben. Und Schuld ist der größte Antrieb des bewußten, positiven Willens. (Insofern ist die in Vorbereitung befindliche Klage des Dr. Fuellmich sehr spannend, weil sie sachlich den einzig richtigen Ansatz verfolgt und auf Schuldfragen abzielt.)

Was meint aber der Leser was passieren würde, wenn solche Behandlungsfehler aufkommen? Was meint der Leser, wie es den Verantwortlichen und Funktionären im kommunistischen China, in Wuhan, in der ganzen Provinz gegangen ist, als irgendjemand auf die Idee kam, es könnte - könnte! - sich hier eine nächste Pandemie entwickeln? Ist eine größere Erschütterung des Gesamtsystems, das so etwas möglich macht, denkbar? 

Und ist es da nicht viel einfacher, ja sogar bald "der geringere Schaden", eine alles niederstampfende Pandemie auszurufen und darauf zu beharren? Unsere Systeme, die sämtlich auf der vorgeblichen Rationalität der Aufklärung beruhen, würden total zusammenbrechen, es gäbe nichts mehr für die Bürger, worauf sie noch vertrauen und das mit dem herkömmlichen liberal-demokratischen System identifizierbar ist. 

Das eine interne Logik entwickelt hatte, aus der kein Entkommen mehr möglich war, und wo nur noch die Wahl zwischen diesem oder jenem Desaster bestand und besteht. 
Mit der spezifischen Rolle der Medien, die schon Tocqueville vor zweihundert Jahren als in dieser westlichen (in den USA erstmals aufgestellten) Form der Demokratie entscheidende Kraft erkannte. Was meint der Leser in diesem Fall, wie die Medien reagiert hätten? 
Hätten die nicht etwa eine Beschwichtigung durch Politiker, Funktionäre, Mediziner, es handele sich lediglich um eine in großem Maßstab gesehen harmlose (wenn auch im Einzelnen wie bei Grippeviren u. U. gefährliche) Variante der Art eines Grippevirus, ebenfalls zu Sensationsmeldungen aufgebauscht? 
Hätte es dann nicht auch geheißen, China würde eine Katastrophe vertuschen? Wären nicht dann ebenfalls Bilder aufgetaucht, auf denen auf den Straßen Menschen reihenweise umfallen und tot sind?

Sieht er, ahnt der Leser also, zu welch fatalem Komplex sich die gegenwärtige Welt und Lebensweise entwickelt hat?
Andere (neue und alte) Ängste und Dynamiken anzunehmen ist, verglichen mit den Alternativen, somit schlicht und ergreifend REALISTISCHER. Denn es basiert auf Menschen- und Weltkenntnis, die sich auch im Erfahrungshorizont des einfachen Bürgers befindet. Der sich somit nicht auf all die Vagheiten von Verschwörungstheorien berufen muß.

Solche Dynamiken anzunehmen hält der VdZ insgesamt also für realistischer als Spekulationen darüber, ob hinter der Corona-Panik eine perfide und perfekte Gesamtstrategie steht, die zentral gesteuert - geplant - umgesetzt wurde. 
Weil es sich so ausgezeichnet mit (angenommenen oder tatsächlichen) Wünschen und Plänen eigentlich gar nicht bekannter Menschen, Interessen und Gruppen handelt. 
Man überschätze doch um Gottes Willen nicht das Böse, man tue ihm doch nicht diese Ehre an, auch nur annähernd Gottes Weite im Denken und Wissen zu haben! 
Gegeben hat es solche Interessen und Absichten zwar sicher, manche haben es ja auch gesagt und vermeldet, und diese haben gewiß viele Momente und Ereignisse für ihre Zwecke zu nützen versucht, und im Einzelnen (weil immer nur im Einzelnen möglich!) angeschoben. Nach dem Motto: "Laß nie eine Krise ungenützt vorbeiziehen." 
Aber ob diese alle wirklich "die Corona-Krise gemacht" haben? 
Ist nicht vielmehr die Corona-Krise ein Ausweis eines Zustandes der gegenwärtigen Welt, der zeigt, und der sogar enorm viel mehr zeigt, wie lächerlich und fragil die Welt in der wir leben geworden ist? Wie irrelevant, wie leicht wirklichkeitsfern, wie irrational sie ist, und zwar genau zu einem Moment, in dem wir vor lauter Überzeugung, alles zu kontrollieren und zu wissen aus allen Nähten platzen? 
Und ist eine solche These anzunehmen nicht zumindest eine Überlegung wert? Ist es nicht vor allem realistischer? Anzunehmen, daß wir in die Corona-Krise genauso "gestolpert" sind wie vor hundert Jahren in den Ersten Weltkrieg, der auch in eine Pandemie überging? 
**Wenn sich also der österreichische Kanzler Sebastian Kurz auf die Mathematik beruft, die zu Maßnahmen gewissermaßen "zwinge", so lügt er. Wahrscheinlich genauso ohne es zu wissen wie die Mathematiker, auf die sich Kurz ausdrücklich beruft genauso wahrscheinlich aber auch, weil sie gewissen persönlichen Neigungen entgegenkommen. Und die ihm die Verantwortung für sein (damit keineswegs "unfreies", von politischen und persönlichen Motiven freies!) Handeln abnehmen sollen. Das Konsequenzen für die Lebenswelt der Menschen in ihren sozialen Gefügen (Gesellschaft) hat, die so umfassend und tiefgehend sind, daß sie ein Mensch im Vorhinein gar nicht erkennen kann.

***An dieser Stelle soll auf eine der vielen Merkwürdigkeiten - aber ganz anderer Art! - hingewiesen werden, in die sich auch vordergründig als "Corona-Leugner" klassifizierende Kreise begeben. Denn auch dort finden sich Interessen AN der Corona-Krise! So weist Robert Stein, der in "Tabula Rasa" erst über eine Stunde auf den Oligarchen-Aspekt der Corona-Krise hinweist, plötzlich auf die CHANCE hin, die Welt "zu verändern." Und zwar (wie, weiß wohl nur er) ausgehend von einem "Kornkreis" in der Gegend des Ammersees soll sich eine kosmische Dimension auftun, und die zu realisieren sei nun die Zeit gekommen. Da bleibt dem VdZ doch der Mund offen. Wird es nicht langsam so richtig skurril?
WENNGLEICH diese Corona-Pandemie als Kulmination eines Systems, das auf der Aufklärung aufgebaut ist, deren wahre Welttragekraft ans Tageslicht geführt hat. Damit stehen wir tatsächlich in einer interessanten Phase der jüngeren Menschheitsgeschichte. In der sich die Vorhänge auf eine Weise heben, die wie ein Blitz, von einem Ende der Erde bis zum anderen, die Menschen mit der wirklichen Wirklichkeit konfrontiert. Wenn sie es denn sehen können. Denn sehen ist vor allem Gnade, weil Licht Gnade ist. Nur "Evidenz" ist wertlos.

Morgen Teil 4) Und nun, angetan mit einer neuen Brille, 
ausgestattet mit einer neuen Funzel, die das Dunkel erhellen möge 
- wie nimmt der Leser nun diesen Film auf?



*281020*

Montag, 23. November 2020

Totalschaden der Aufklärung (2)

 Teil 2) Die Frage nach dem Warum
Was dahinter steht ist größer als Verschwörer es zu bilden vermögen
- Totalschaden der Aufklärung


Aber dennoch ist die Corona-Krise in den Augen des VdZ die vielleicht größte vorstellbare Konsequenz eines vernunftlosen Denkens, das sich seit Jahrzehnten (und progressiv beschleunigt durch das Computerwesen und zuletzt vor allem das Internet in seinen social media-Tentakeln bis zum letzten Erdenbewohner) mehr und mehr etabliert und als Autorität festgesetzt hat. 

Dieser Rationalismus führt zwangsläufig zu einem Totalzusammenbruch des Denkens, das in Irrationalität endet. Und in diesem Chaos, in dieser Irrationalität, in diesen unermeßlichen Kollateralschäden, die den Hauptschaden bei weitem übertreffen, zeigt sich die (im Letzten und im Insgesamt aber nicht widerspruchsfreien, ja unlogischen) Grammatik des Bösen. Das nur noch zum Mittel der Täuschung und Verhüllung greifen kann, in der ständigen Angst vor dem Licht, vor der Vernunft.

Wir haben über Jahrzehnte hinaus immer mehr ein Netz von Beziehungen aufgebaut, das auf Unwahrheit (weil Rationalismus) beruht. Das wiederum hat zu einer Dynamik der Beziehungen geführt, die in einem regelrechten Cluster des Wahnsinns kulminiert ist. Wo scheinbar (!) alle Einzelfaktoren "rational" oder "logisch" sind, das Gesamtbild aber dennoch irrational und unrettbar in Widersprüchen verstrickt ist. Man kann, ja man muß es sogar als höchste Konsequenz der Aufklärung bezeichnen. Wie in einer paradoxen Intention stehen wir vor der letzten, voll ausgeblühten Konsequenz des Vernunftbegriffs der Aufklärung.

Auch die Mathematik braucht und hat Paradigmen, und kommt ohne Annahmen über die Wirklichkeit nicht aus. Die nur vom Menschen festgelegt werden können. Nur die Mathematik kann somit nicht Wahrheit ergeben! Sie kann nur im Vorfeld zu dieser hinweisen, und zwar im Sinn von: Die Wahrheit (wenigstens) nicht verhindern.*

Eine Änderung dieses Gesamtzustands wäre (oder ist; denn ein Teil der Menschheit tut es) nur von außen, durch den jedem mathematisch-rationalistischen Denken zur Vernunft hin wieder rückgeholten Kontakt mit einem nur durch Glauben herstellbar. Das ist der Grund, warum sich die Menschheit tatsächlich in zwei Lager geteilt hat und immer mehr teilen wird. Wo sich durch einen unüberwindlichen Graben geteilt hier die Vernunft, dort die durch Teilrationalität gestützte Irrationalität gegenüberstehen. 

Wobei sich für beide Seiten nicht dieselben Bedingungen feststellen lassen. Die Vernunft hat immer eine Offenheit hin zum Wahren. Die Irrationalität aber nicht. Sie ist existentiell an Annahmen, an Geglaubtem festgekrallt und deshalb unerreichbar. Eine Reziprozität läßt sich also nur so definieren, daß die (letztlich immer wirklichkeitsoffen, sonst wäre sie das nicht) Vernunft von den hier definierten Gegenüberstehenden als Bedrohung wahrgenommen wird. Weil sie das auch ist. Aber nicht durch dieselben Mittel. Die Vernunft muß nicht um Existenz kämpfen, denn sie wird durch Wahrheit frei und weiß das.

Somit führt diese Zustandsfeststellung direkt zur Wahrheitsfrage. Denn Glaube ist nicht als schlichte Bewältigungsstrategie zu sehen, also psychogen, sondern das Transzendente ist die Grundlage des Denkens, ist jene erste Grammatik, die jedes Denken erst zur Vernunft macht, das darauf aufbaut. 

Deshalb ist entscheidend, WAS geglaubt wird. Denn nur, wenn dieses Geglaubte, dieser Glaubensinhalt auch mit der erfahrbaren Realität übereinstimmt und dieser nicht nur nicht widerspricht, sondern sie erst aufschließt und begreifbar - also nicht zum Widersprüchlichen, Unlogischen - macht, ist es gerechtfertigt und verantwortbar, nicht nur notwendig. Und hier kann es nur EINE WAHRHEIT geben. Sie ist somit auch die Bedingung für eine Einheit der Menschen. 

Diese Verbindung zur Transzendenz ist aber nicht aus eigener Kraft erreichbar, das ist das Entscheidende. Und das beweist die Geschichte ebenso wie nun der Corona-Wahnsinn. Die Möglichkeit, sich auf die Grammatik der Wirklichkeit ausgehend auf die Welt hin auszurichten, die nunmehr begreifbar wird, ist ein freier, ungeschuldeter Akt (Gnade) des Transzendenten selbst. Die real sein, also ein Sein an sich haben muß, das in die Welt sozusagen "hineinragt."

Welches somit personal sein muß, weil man nur zu einer Person, die der Vernunft entsprechend reagieren und diese damit sogar "schenken" kann (Vernunft ist also ein Geschenk, als Teilhabe an den Geber des Vernünftigen selbst), eine wirkliche Beziehung haben kann.

 

Teil 3) Anmerkungen zur Corona-Pandemie" - 
Vielleicht aber ist alles völlig anders!


*281020*

Sonntag, 22. November 2020

Totalschaden der Aufklärung (1)

Es gibt die Erhebung leider nur vom März/April 2020, also für den Zeitraum des "ersten Lockdowns" in unserern Ländern. Man kann sie mit einem Satz zusammenfassen: 

Alleine der Anstieg (sic!) an Selbstmorden in Deutschland übertrifft (ausgehend von den Anstiegen zur Zeit des Lockdowns März/April) wahrscheinlich die Zahl der Toten durch Covid19 im Jahr 2020.

Sterblichkeitszahlen Deutschland 2017-2020
Ein signifikanter Anstieg der Gesamtsterblichkeit im Jahre 2020 ist hingegen weltweit nicht festzustellen.* 

Der Leser sei dazu auch auf die vermutlich verläßlichsten statistischen Zahlen über Covid19- und Todeszahlen hingewiesen, die er - samt Analysen (!) und Interpretationen - im Netz finden wird. Die wissenschaftlich-mathematische Evidenz ist eindeutig: Es gibt keine in Todeszahlen oder in statistischen Daten feststellbare Corona-Pandemie. Eine solche kann sich nur auf Fehldeutungen vorhandener Daten und/oder durch hinterfragbare oder nachweislich irrig entstandene Prognosen berufen.

Screenshot des recht launigen Vortrags von Robert Stein "Tabula Rasa" 

Wenn es aber keine evidente Gesundheits- und Sterblichkeitskrise gibt, muß die Frage zulässig sein, WARUM - bis auf ganz wenige Ausnahmen weltweit - dennoch das Leben der Menschen dermaßen beschränkt und ausgelöscht wird. Der VdZ glaubt allerdings nicht an eine konzertiert und geplant verhängte Corona-Krise. Diese Intelligenz hat das Böse nicht. Aber das Böse hat etwas anderes: Es kann durch Zulassung Gottes seine Vollgestalt annehmen. Und die hat es hier getan. 

Gewiß, manche Personen, manche Interessengruppen haben Absichten verfolgt, indem sie die Gefahr durch dieses Virus verstärkt und Bewegungen nachgeholfen haben. Darüber kann, darüber muß, darüber darf auf jeden Fall spekuliert werden. Denn es gibt Interessencluster, es gibt Lobbyismus, es gibt Einfluß auf Medien, auf Politiker und Autoritäten, das heißt in diesem Fall vor allem auf Proponenten der Wissenschaft.

Morgen Teil 2) Die Frage nach dem Warum 
Was dahinter steht ist größer als Verschwörer es zu bilden vermögen
- Totalschaden der Aufklärung


*281020*

Sonntag, 9. Dezember 2018

Geburt aus dem Eid (2)


Video + Audio




Erneut gilt der Dank Leser B, der auch dieses Video "abschrieb" und den (spontan) gesprochenen Text somit dem Leser auf diese Weise zugängig macht.


Wir haben also, wenn wir davon sprechen, daß das Wort, die Sprache damit, auf einen Eid zurückgeht, auch davon gesprochen, daß damit alles Sprechen und damit alles Denken auf ein persönliches Verhältnis zurückgeht. Jetzt könnte man sagen, ja, wie kommt man dazu? Wir glauben ja heute doch etwas anderes, wir glauben, daß das Denken doch eine Art Summe aus irgendwelchen rationalen Gegebenheiten, Tatsachen ist. 


Wir kommen auf den Punkt, zu überlegen, woraus setzt sich Rationales denn überhaupt zusammen? Und werfen wir hier einen Mann ein, der sehr wenig bekannt ist, und das hat einfach damit zu tun, glaube ich, daß sein Denken sehr sehr korrekt war, aber damit eine hohe – wir greifen vor – eine hohe Sittlichkeit voraussetzt und damit eine ganz große Anstrengung bedeutet. Eine ganz große momentane Prüfung von Moment zu Moment – Prüfung – ob das, was ich denke, wirklich wahr ist, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Denn das ist ja Wahrheit, eine Adäquatio, also eine Adäquatheit des Denkens der Begriffe des menschlichen Denkens mit der Wirklichkeit, mit dem Sein. 


Wir kommen also auf einen Österreicher zurück, der Kurt Gödel geheißen hat und der seine Hauptwerke Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre im Rahmen des sogenannten Wiener Kreises, verfaßt und gedacht hat. Aber auch innerhalb des Wiener Kreises, aus dem Leute wie Karl Popper oder Kurt Wittgenstein hervorgegangen sind, nicht wirklich die große Karriere gemacht hat, dann noch nach Amerika gegangen ist, geflohen vor Hitler usw. und dort ein sehr enger Vertrauter von Albert Einstein war. Wie man den Biographen glauben kann, haben sie sich täglich auf ein mehrstündiges Gespräch getroffen und Einstein, so heißt es, war sehr beeindruckt über Gödels Gedanken. Gödel hat nämlich mit einer mathematischen Präzision nachgewiesen, daß alles Denken auf ein persönliches Verhältnis, ja, auf ein persönliches Annehmen zurückgeht. 

Er ist damit nicht der allererste, es gab schon andere, mehrere, Henry Poincaré zum Beispiel. Aber er hat gezeigt, daß das Denken aus sich selbst heraus, nicht begründbar ist, damit auch nicht die Mathematik begründbar ist, auf den sich unser heutige Wissenschaftsanspruch so gerne beruft, sondern, daß auch alle Mathematik, also die angeblich oder scheinbar oder präziseste aller möglichen Denkarten auf Persönlichem bzw. auf Annahmen beruht und eigentlich damit auf einem Glauben beruht, auf einer Annahme, wie die Welt ist, also auf eine Gesetztheit - und damit auf einen persönlichen Akt.


Ich habe, um diese Gedanken nachzuvollziehen, ich sage es ganz ehrlich, zwei Wochen gebraucht, zwei Wochen nur mich mit dem zu befassen, um das nachzuvollziehen, und ich würde heute wieder zwei Wochen brauchen, um es Ihnen oder egal wem auseinandersetzen zu können, warum das so ist.

Man muß da wirklich sehr sehr genau vorgehen. Aber dann läßt es sich nachvollziehen.



Gödel ist sehr tragisch geendet. Er ist verhungert im Grunde, in Amerika, aber nicht, weil man ihn hat verhungern lassen, sondern weil er in einen ganz seltsamen Obskurantismus gefallen ist, in Spiritismus, das heißt, er hat alles Mögliche geglaubt, geistiger Seelenspuk usw. Er hat halt kein Glaubensgebäude gefunden, indem er das Geglaubte in eine rationale Form bringen konnte. 


Wir haben hier etwas sehr Wichtiges. Glaube muß gegeben werden und damit muß auch das Denken gegeben werden. Das widerspricht unserem heutigen Anspruch, indem wir voller Stolz sagen, wir können alles selber denken, wir können auf alles selber kommen, jeder einzelne kann das alles aus sich selbst heraus. Nein. Wir verdanken uns, wir verdanken unser Denken unseren Eltern, unseren Vorfahren, unserer Umgebung, der Allgemeinheit. Und das, was wir dazu beisteuern, ist meist nur etwas ganz ganz ganz ʹwas Kleines - meistens eigentlich, ganz etwas Kleines, aber darauf kommt es auch gar nicht an.


Nächsten Sonntag 3. Teil




*131118*

Sonntag, 1. April 2018

Warum Hierarchie die Vernunft begründet (3)

Teil 3)





Daraus werden die vielen Ersatzhandlungen verstehbar, die wir heute beobachten. Man nehme nur die Vorliebe der Jugend für Phantasy-Filme, die in den letzten zehn, zwanzig oder dreißig Jahren so deutlich wurde. Sie geht Hand in Hand mit der Auflösung (die einer Entleerung entspricht, die die Verlagerung auf bewußtes Handeln mühsam und erfolglos zu ersetzen versucht, damit aber nur weltimmanente Elemente hat, wie auch sonst) des Kultes (und das hat die Liturgiereform nach 1970 direkt bewirkt, wobei sie nur vollendet hat, was seit hunderten von Jahren vorbereitet worden war). Daraus wird auch so vieles aus dem Phänomen Internet verstehbar, bis hin zur Ausbreitung von fast flohsackartig auftretenden Welterklärungstheorien und -thesen. Bis hin zu den düsteren Bildern, die die verschiedensten Szenarien der "Weltrettungsnotwendigkeit" (Waldsterben, Ölknappheit, Gesundheitswahn, Klimarettung ...) begründen.

Sie alle dienen (wenn auch auf unterschiedliche Weise) der Begründung jenes Ortes, den ein fehlender zentraler Kult, wie er die das Abendland begründende katholische Liturgie war, mangels formierender Tektonik nicht mehr zu begründen mag. Damit zerfällt aber auch das, was als Basis der Vernünftigkeit gesehen werden kann und muß. Und damit zerfällt die Vernunft überhaupt.

Nicht zufällig ist Vernunft am stärksten noch dort anzutreffen, wo Menschen an die Wirklichkeit angepreßt bleiben, das heißt: wenn schon nicht in Religiosität (die bei entleertem Kult nicht mehr hilft, was unfaßbar tragisch ist), dann doch durch ihre Lebensrealität. Wo sie also existentiell abhängig sind, und damit den Grund der Welt als unerzwungen gebend, ja als personal erfahren. Vor allem wird ihre Sittlichkeit noch als transzendentaler Akt formiert, wenn auch bereits viel Information, vor allem aber die Transzendentalität fehlt und die Vernunft sich in der Welt abschließt.

Der Spruch "Religion ist Privatsache" und "Jedem seine Religion" wird von diesen deshalb als durchaus vernünftig angesehen - klar, weiter reicht eben ihre Erfahrung des Wirklichen nicht, denn das Wirkliche eint sich erst im Wahren zur alles umfassenden Vernunft, wenn auch bei weitem nicht zum Allwissen, aber zur Fähigkeit, Widersprüche im noch-nicht-Gewußten zu erkennen, wenn es ihnen als Wissen präsentiert wird.

Deshalb vermag jeder Laie mit völliger Sicherheit zu erkennen, ob etwas, das ihm als "wissenschaftliche Tatsache" präsentiert wird, in seinen Grundzügen als wahr oder falsch zu erkennen, wenn er es auch nicht sprachlich zu begründen vermag. Umgekehrt vermag man Menschen in ihrem Vernunftgrund und damit in ihrer Sittlichkeit zu beurteilen, die klar Unvernünftiges als "Wissen" ansprechen.

Die Frage nach der Irrationalität der Gegenwart ist also nicht eine Frage mathematisch präzisen "Wissens" und "Denkens" - gerade Unvernünftige versuchen ja ihren fehlenden Vernunftansatz durch umso präziseres "Denken", durch exakte Methodik etc. quasi zur Vernunft zu taufen - sondern eine des Kultes als der Grundlegung der Vernunft selbst. Als Grundlegung in der Tektonik des Menschen, die ihm dann "ge-/informierte" Sinne herausbildet, durch die er auch die Welt in allen Ebenen erkennt. Dessen Wahrheit sich insofern beweist, als es der Welterfahrung auf allen Ebenen einmal entspricht, also nicht widerspricht, zum anderen aber diese erhellt.****

Weil aber diese (noch einmal, wenn es aus dem bereits Gesagten zu wenig deutlich wird: Von der Wahrheit ungeschuldete, also nur gnadenhaft dem Bittenden geschenkte, nicht erleistbare*****) Teilhabe an der Arche-tektonik des Wahren, die Überführung deren Grundlagen der Welt überhaupt also in die Tektonik des Einzelnen (was sich in der konkreten Gestalt äußert) eine Frage der Hierarchie ist, also der personellen Zueinanderordnung der Menschen (um nicht zu sagen: der Menschheit) ist, die im religiösen Kult nur die alle einende Spitze des Zueinander aller Weltgestalten (beginnend mit der Erfahrung von Vater und Mutter) darstellt, ist der Zerfall von gesellschaftlichen Hierarchien (die nur deren Verwischung bedeutet, s. o.) auch eine Entgründung der Welt-Erkenntnis-Fähigkeit, zerstört damit die Vernunftfähigkeit der Menschen.




****Weshalb sich wahrer Kult auch in der Darstellung des wahren Gottes - der Wahrheit - entscheidet. Und das kann nur Gott selbst sein! Zwar behauptet das jeder Kult, aber es beweist sich tatsächlich und direkt in der direkten Welterfahrung. Das katholische Christentum hat seine Überlegenheit daraus, und nur daraus bezogen! Es hat die Welt "vernünftig" gemacht, braucht also keine Fideismen, nur zu "glaubende" Irrationalitäten und schöne kosmologische Weltbilder, weil es in der Vernunft selbst gründet (und das meint: katholisch). Alle übrigen Religionen sind deshalb an irgendwelchen Punkten irrational und bleiben weltimmanent, immer zumindest durch die die Realität der Gottesbegegnung herbeiführen sollende Methodik der "Anteilhabe an Gott".

*****Das einzig Erleistbare an der Wahrheit ist das immer neue redliche (sittliche) Bemühen um jene Grundlagen, die die Wahrheit aufnehmen können. Das heißt auch das Bemühen um Logizität innerhalb menschlichen Denkens, wobei Logik selbst eine Aussage über die Bezüge innerhalb der göttlichen Vernunft sind.



*130318*

Samstag, 31. März 2018

Warum Hierarchie die Vernunft begründet (2)

Teil 2)




Das heißt aber eben nicht, daß die Welt irrational ist! Es heißt nur, daß die Vernünftigkeit des Menschen (weil die Vernunft überhaupt) nicht einfach von ihm selbst her aufgebaut werden kann. Sondern sie wird in einem Akt der Beziehung (vom hierarchisch Höheren) übernommen, wird zuerst zur "gemeinsamen" Vernunft mit der Beziehungsperson (die erst später zur individuellen Vernunft wird - im Erwachsenwerden).²

Aus diesem Blickwinkel heraus ergibt sich dann auch die Frage, wo denn diese Wahrheit personal sitze. Und damit sind wir bei der Gottesfrage angelangt. Denn nur in einem Gott, der die Wahrheit IST kann Wahrheit und damit Vernunft (sic!) überhaupt verankert werden, kann also überhaupt Vernunft SEIN. Sie wird somit zur Teilhabe, eher zur sittlichen Leistung sohin (als Wahrhaftigkeit) als zu einer der Ratio. Es ist also die Vernunft, die die Ratio informiert, nicht umgekehrt. Die Ratio (und damit auch die Mathematik) kann nur hinweisen, nur zeigen, daß alle Weltimmanenz, alle bloße Weltlichkeit auf ein Übersteigendes hin (Transzendenz) offen und nicht anders zu schließen ist.


Erst darauf kann dann menschliche Freiheit gründen. So ist damit zu verstehen, wenn man sagt, daß sie nur in Gott gründen kann. Denn nur dann wird sie zum freiheitsbegründenden Fundament des Menschen. Vernunft braucht also Sittlichkeit, und diese Sittlichkeit ist zuvornehmst eine des Hörens, des Gehorsams.** Der als Grundhaltung in der realen hierarchischen Gesellschaft aufgebaut wird, in die ein Mensch hineingeboren wird. (Mit den Eltern als ersten Bezugspunkten, weil Informationsträgern zur Verfaßtheit der Welt.)

Damit kann nur eine Gesellschaft - und der Einzelne ist ein Gesellschaftswesen, das ist weit mehr als eine psychologische Zufallstatsache von Schwachen, worauf es für die Psychologie meist hinausläuft - auch ein Klima der Vernunft aufbauen, die sich hierarchisch-strukturiert in Gott begründet. Und diese hierarchische Verfaßtheit muß ganz konkret sein, weil sie sich sonst auf den Menschen auch nicht auswirkt. Denn der Mensch erkennt über die Sinne, die ihm dann im Nach-denken die intellektuellen Inhalte zeigend liefern. Dieses verstandesmäßige Verstehen hängt wiederum in den übermittelten Deutungshorizonten verankert, die dann die Sinnesdaten zu einer Information machen, weil sie im Rahmen eines gesamten Bildes Sinn ("logos") ergeben.

Dieses Gesamtbild ist in sich noch nicht einfach "rationell", es ist nur (in expliziten Weltbildern) rational, also widerspruchsfrei zu den Sinnesdaten. Es selbst ist ein Insgesamt, einer Art Kugel zu vergleichen, die man in die Hände bekommt, die einem übermittelt wird. Und wodurch wird sie übermittelt?

Durch den Kult. Im Kult wird die Eigenschaftlichkeit Gottes samt der Bezogenheit des Menschen darauf in den Haltungen übermittelt. Der im Kult Beteiligte, der am Kult offen Teilnehmende läßt sich somit von der kultischen Archi-tektonik zu einer Art "Bewegungsgespann" formieren. Dieses Bewegungsgespann, das sämtliche Weltbeziehungen enthält, die für den Menschen vorgesehen sind, ist das jede bloße Rationalität endlos übersteigende Eine in Gott. Das zwar direkt adressiert für den Menschen unergründbar ist (denn sonst könnte man ja gar nicht von Gott sprechen), weshalb Ehrfurcht (in des Wortes buchstäblichster Bedeutung) die einzige mögliche Haltung ist, das sich aber in die Geschöpflichkeiten der Welt hinein (also mit der Ausfaltung des Menschen als handelnden Menschen) immer deutlicher auch als logisch und sogar rational präsentiert - also als widerspruchsfrei.***

Deshalb ist es auch nicht egal, welchen Kult jemand ausübt, an welchem Kult er teilhat. Es ist somit leeres Gefasel, wenn man davon spricht, daß alle Kulturen "gleich" wären. Sind sie natürlich nicht, es gibt eine qualitative Stufung, je nach der Analogie zur Wahrheit selbst nämlich. Der Kult ist es, der des Menschen gesamte rationale und handelnde Verfaßtheit bestimmt, weil (in der Teilhabe) vorprägt.

Wir haben es heute dabei nicht mit dem Umstand zu tun, daß kaum noch jemand an einem Kult teilnimmt, etwa weil nur noch zwölf Prozent der Deutschen sonntags noch zur Messe gehen, sondern wir haben es mit dem Umstand zu tun, daß wir nicht mehr sagen können, in welcher Hierarchie, an welchem Punkt jemand steht (was sich direkt in der Frage um Narzißmus - als Suche nach Ortsbestimmung - und Identität ausdrückt) und an welchem Kult er teilhat. Das ist die Folge des Auflösens der traditionellen hierarchischen Strukturen unserer Gesellschaften.


Morgen Teil 3)


²Weshalb man durchaus sagen kann, daß sogar der Gehorsam, die Folgschaft, die Geneigtheit zu folgen, die Vernunft begründet.

**Jede Unsittlichkeit ist ja nichts anderes als der Versuch, sich NICHT im Transzendenten, also nicht in Gott zu begründen, sondern innerhalb bzw. aus der Welt alleine. Unvernunft ist deshalb das sicherste Zeichen für eine Abwendung von Gott.

***Man spricht hier von "Syndeiresis", also von den ersten Prinzipien der Vernünftigkeit, die allen Menschen "seltsamerweise" gleich sind. Sie sind auch die Grunderfahrungen mit der Welt überhaupt, die ansetzen noch lange bevor so etwas wie "Rationalität" (die ja Sprache ist, weshalb nur logisch-rational denken kann, wer sprachlich präzise ist) entwickelt ist. Es sind die ersten Grundsätze der Logik überhaupt, auf denen jede weitere Logik aufbaut: Daß es etwas gibt und nicht nichts. Daß etwas es selbst ist und nicht ein anderes. Daß etwas nicht zugleich ein anderes sein kann. Diese ersten Prinzipien über die Welt sind zugleich "selbstevident", das heißt: Sie sind da ohne daß man sagen kann oder muß, warum sie das sind. Der Grund der Welt ist dem Menschen also selbsteinleuchtend! Auch wenn er auf seinem ersten Stadium noch nicht zur Sprache und zum bewußten Denken kommt, also die Offenbarung (durch andere Menschen) braucht.




*130318*

Freitag, 30. März 2018

Warum Hierarchie die Vernunft begründet (1)

Zerreißt man ein gesellschaftlich homogenes Gebilde, das immer ein hierarchisch strukturiertes Gebilde ist (so, wie es überhaupt keinen Menschen gibt, der nicht irgendwo irgendwie an einem Punkt einer Hierarchie, also einer heiligen Ordnung steht, deren Kohäsion IN DEN PERSONEN und deren Beziehung und Zueinandergehörigkeit besteht), so zerstört man vor allem ihre Vernunftfähigkeit. Personsein heißt: In Beziehung zu stehen, in konkreter Beziehung. Sonst gibt es sie ja gar nicht, sonst bleibt sie bestenfalls unerfülltes Drängen.

Und Beziehung heißt immer: In einer hierarchischen Gestuftheit, denn es gibt keine Gleichheit, wie jeder Blick beweist. Innerhalb dieser personalen Verhältnisse erfolgt das Wesentliche: Die Zustimmung, die einer Zustimmung zur Vernunft gleichkommt. Die im Falle einer nicht-katholischen "Religion" (wie auch immer sie aussieht, ein religiöses Verhältnis ist sie immer) freilich einer Spaltung gleichkommt zwischen göttlicher Vernunft und menschlicher Vernunft. Nichts desto trotz läßt sich der Satz formulieren, daß sohin Vernunft (die sich später immer mehr in Ratio, in Verstand etc. äußert und ausdifferenziert) immer auf Religion aufbaut. Die freilich nur dann zur Freiheit des Menschen führt, dazu ist er berufen (kraft der similitudio Dei, also der Ähnlichkeit mit Gott), wenn die Religion auch die Wahrheit selbst bedeutet. Erst diese Wahrheit macht den Menschen fähig, sich im Selbststand zu halten (was einem ständigen Kampf gleichkommt.)

Das ist die hervorragendste Frucht der Aufklärung, ja der Entwicklung des abendländischen Vernunftbegriffs hin zu einer mathematisch-summativen Verstandestätigkeit, worunter wiederum die bewußte Verstandestätigkeit* zu verstehen ist.

Morgen Teil 2)

*Ob Descartes sein "cogito ergo sum" tatsächlich so reduktiv gemeint hat, wagt der VdZ dabei aber sogar zu bezweifeln. Es wurde allerdings zunehmend so ausgelegt, und er verführt dazu auch durch seine Reduktion von Erkenntnis auf Mathematik. Nicht zuletzt Henry Poincaré hat aber zu Anfang des 20. Jahrhunderts nachgewiesen, daß auch die Mathematik auf Vorentscheidungen beruht, die NICHT in mathematischem Sinne rational sind, sondern aus allgemein menschlichem Hintergrund stammende Setzungen. Der bis heute - vermutlich, weil so schwer verstehbar, aber er IST verstehbar - so liegt der ignorierte Beweis von Kurt Gödel in exakt derselben Richtung: Jede Rationalität beruht auf nicht aus ihr selbst stammenden Annahmen.






*130318*

Sonntag, 5. Juni 2016

Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (3)

Teil 3) Katholizismus heißt, das Denken zu seinem Ziel 
und ohnendlichen Ende eines Zustands zu führen





Es gibt deshalb keine "katholische Philosophie" - es gibt nur Philosophen, die katholisch sind als Chance, tiefer, besser, dimensional weit umfassender, weltentgrenzter zu denken. Es gibt keine "katholische Kunst" - es gibt nur Künstler, die katholisch sind, als Chance bessere, weltentgrenztere Kunst zu sein. Es gibt keine "katholische Politik" - es gibt nur Politiker, die katholisch sind, als Chance, bessere, gerechtere, umfassender richtige Politik zu machen an deren Endstufe sogar "die Kirche" steht. Und so weiter, und so fort. Das ist nicht zu trennen! Wird es dennoch getrennt, trennt man ein "Irdisch-Immanentes" vom Transzendenten AB, wird es nicht deshalb ein rein irdisch-Konkretes-Immanentes, sondern es wird ein auch irdisch weil "seientlich" Schlechteres, was auch immer davon betroffen ist. 

Der Nicht-Katholik macht auch schlechtere Kunst, der Nicht-Schuster macht schlechtere Schuhe ... oder warum glaubt irgendjemand, daß sich die abendländische Kultur nach Jahrhunderten der Transformation der vorhandenen Kulturen DURCH DIE KIRCHE, DURCH DEN KATHOLIZISMUS als derartig überlegen erwiesen hätte? Und zwar im (scheinbar) "rein Irdischen"? Natürlich wird aus einem schlechten Künstler, Politiker, Denker, Schuster kein großartiger Künstler, wenn er katholisch wird. Aber ein guter Künstler wird durch den Katholizismus ein noch besserer Künstler! Und DARIN liegt sogar sein Ort des Katholischseins - in der gesteigerten, dimensional erweiterten Hingabe an die Kunst.

Gerade in unseren Ländern verdanken wir es den Protestantismen (aber nicht nur diesen), daß diese Zusammenhänge kaum noch begriffen, daß diese Dinge so auseinandergerissen werden. Dabei ist selbst dieses Denken des Auseinanderreißens auf eine Weise ohne Katholizismus gar nicht möglich. Aber sie sind Simplifizierungen, sie sind abgebrochene Denkwege, sie sind vor allem in persönlichen Entscheidungen verweigerte Denkwege.

Wer meint, sich Denkarbeit sparen zu können zugunsten eines irgendwie gefühlten, empfundenen, weiß der Deibel wie motivierten Moralprogramms, einer Verhaltensdressur oder Verhaltenskorrektur, und sei es die einer bestimmten Haltung "der Liebe", einer sinnlos aufgelösten "Demut" als gefühlig-suhlige Gestaltsauflösung, usw. usf., erniedrigt den Katholizismus tatsächlich - zu einer Ideologie. Denn solche willkürliche, irrationale Urteils- und Denkvoraussetzungen sind das eigentliche Wesen der Ideologie, das schreibt Alexander Grau nicht unrichtig.

Das soll nicht heißen, daß es diese Versuchung zur Ideologisierung des Katholischen im Praktischen, im Alltäglichen nicht gäbe! Bücher, ja Bibliotheken sind dazu schon geschrieben, und könnten ständig neu dazugeschrieben weil aus einer immer ihr Kostüm verändernden Gegenwart heraus erkannt und gedacht werden. 

Sehr wohl ist auch wahr, daß diesem persönlichen Verankertsein - genau das ist nämlich Ideologie: Sie ist IMMER aus einer erstarrten persönlichen Haltung geboren - sehr sehr oft nachgegeben wird. Es gibt sie vor allem dort, wo jemand angefangen hat zu denken, aber die Kraft nicht besitzt, dieses Denken zu seinem entscheidenden Punkt voranzutreiben, wo jemand auf halbem Weg stehenbleibt. Wer zu denken beginnt, der muß den Weg auch zu Ende gehen, anders geht es nicht.  

Und das ist sehr sehr mühsam, schmerzhaft, braucht Vertrauen (ins Sein), und das ist eine richtige, nicht endende Tages- und Lebensaufgabe und -anstrengung. Geschenkt gibt es da nichts, obwohl letztlich, ja letztlich doch alles geschenkt ist. Die Mühe ist das Öffnen zum Katholon, zum Allumfassenden, ist das Loslassen des Ausgewählten, des Häretischen (das griechische Wort heißt eben: Auswählen). So, wie sich der Mensch seine Existenz nicht selbst verdankt. Auch das ist eine Aussage über das Sein der Welt.

Und deshalb - wir schließen den Kreis - hat die AfD vielleicht sogar mehr als sie weiß recht, wenn sie sagt, daß der Islam eine Ideologie IST. Er ist es! Weil er eine Religion ist. Und er unterscheidet sich genau darin grundlegend vom Katholischen, und damit grundlegend vom Fundament des Abendlandes. Denn es stimmt, was Alexander Grau im Cicero schreibt: JEDE Religion ist ab und in irgendeinem Punkt Ideologie.

Aber der Katholizismus IST eben keine Religion. Ihn so zu nennen ist bereits sachlich eine grobe Verfehlung seines Wesens, meistens Ausfluß von Ungenauigkeit eines "so irgendwie doch", und immer gefährlich. Weil er die Erfüllung alles dessen ist, wozu jede Religion sich zur Ideologie formt und den Anlauf versucht, der aber immer das Entscheidende fehlt - das Sakramentale. Wo also das, was man sagt, das auch WIRKLICH UND ALS WIRKLICHKEIT IST was man sagt, sich also nie aufs bloße Sagen oder eine Lehre oder eine Ideologie beschränkt weil sich darin sogar verfehlen würde, um es vielleicht anschaulicher zu machen. Jede Religion ist also nicht eine graduelle Abstufung des Katholischen, sondern sie ist ein Hinweis, ein leider nie Erfüllung finden könnender Weg ZUM KATHOLIZISMUS, der jede Religion um die Dimensionen DES WIRKLICHEN SELBST übersteigt. 

In dieser "hinweisenden Eigenschaft" auf Gott verdient jede Religion in ihrem menschlichen Bemühen gewissen Respekt, gewiß, und eben WEIL der Katholizismus für uns Menschen nicht ausreichend positivistisch formulierbar ist, kann man auch nícht endgültig ausschließen, daß Menschen guten Willens irgendwie auch zu Gott in personaler Erlösung finden. Wie, wissen wir aber nicht. Die entsprechenden offiziellen Dokumente jüngeren Datums, wie etwa die des Zweiten Vatikanischen Konzils, sind nicht anders zu verstehen. Sie sind gewissermaßen "diplomatischer Austausch von Höflichkeiten", nicht mehr. Irgendwie ist auch in der Kerze Licht.

Aber umgekehrt ist uns auch nicht möglich, distinkt zu sagen, daß eine "Religion" als Weg des Menschen zu seinem Heil zu sehen ist. Eher müssen wir davon ausgehen, daß es nicht so ist. Und noch weniger bei jemandem, der dem Katholizismus und damit dem inkarnierten Gott (der in der Kirche unter uns Menschen weilt, gewissermaßen als "Pharmakon zur Heiligkeit", wie Mosebach es einmal ausdrückte) bereits begegnet ist. Der MUSZ sich entscheiden, der muß sich zum Anruf der Wahrheit verhalten. 

Unverwester Leichnam des Hl. Padre Pio
Und die Spuren dieser Entscheidung sind auch tatsächlich bei jedem, der genuin christlichem Kulturkreis entstammt, sich aber GEGEN den Katholizismus entscheidet, zu finden, rational zu erfassen, und als Enge und personalen Defekt - tatsächlich, ja: als ideologische Geführtheit - erkennbar. Und wer sogenanntes christliches Milieu heute kennt muß sogar oft eingestehen, daß er von enorm vielen Anhängern einer "christlichen/katholischen Ideologie" umgeben ist. Der Weg ist schmal, fragil, immer gefährdet weil immer ein actu, ein Akt, und der Schritt vom Katholizismus zur "katholischen Ideologie" rasch passiert.

Doch um das zu verstehen, müßte sich auch der Liberalismus, auch viele sogenannte "Katholiken" oder "Christen", aber jeder Mensch erst einmal von seinen Ideologien trennen; aus deren Entführungen herauskommen. Im Schritt in die Insecuritas dieser personalen Entscheidung und Begegnung. Denn zwar hat jede Ideologie, jede Religion eine Entscheidung zur Grundlage, gewiß, aber sie ist eine der Angst, der Suche nach letztlich doch innerweltlicher Sicherheit. Hier hat sogar die Religionskritik eines Feuerbach und Marx oder gar Freud eine gewisse Richtigkeit.

Heiligkeit als ganzer Mensch 
Unverwester Leichnam Hl. Bernadette v. Soubirous
Aber die Wahrheit ist ein der ganzen Welt zugrunde liegender Akt personaler (oder, im untermenschlichen Bereich, einem dem Personalen analogen, sich im Personalen des Menschen aber erst zur Ganzheit erfüllenden) Begegnung und gar Vermählung mit dem Menschen, der sich ihr öffnet. Und im Menschen eine Begegnung der ganzen Schöpfung, die aus sich selbst befreit wird - durch den Menschen, die deshalb "seufzt und stöhnt weil sich nach den Söhnen Gottes sehnt". 

Und DAS ist das Wesen des Christentums. Und die Schwierigkeit, das Bemühen jedes Getauften ist nicht, "die Lehre Christi umzusetzen". Katholizismus ist in seinem Wesen keine Lehre. Das Schwierige jedes Menschen aber ist, aus der Religion herauszufinden, die als Versuchung an jeder Ecke lauert, und eben KATHOLISCH ZU WERDEN. Das actu des Katholiken muß ein organischer Habitus der Wirklichkeitsoffenheit werden, reale, fleischliche Gestalt sein - Seinsverfaßtheit

Unverwester Leichnam des Hl. Pfarrer von Ars
Als Mensch ganz, mit Leib und Seele, in Fleisch und Geist, in Vernunft und Glaube. Denn die Erlösung des Katholizismus ist ganz real eine Erlösung des Fleisches, die vom Geist im absoluten Geist - Gott - ausgeht, mit diesem in eins steht, und zu ihm zurückweist, und damit im Ewigen Leben steht. Alles ist dann Fenster zum Wirklichen selbst, dieses wird gegenwärtig. Dann erst ist man tatsächlich ... heilig. Keine Ideologie könnte das jemals leisten.





*050616*

Samstag, 4. Juni 2016

Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (2)

Teil 2) Der Weg des Katholiken ist ein tägliches Mühen, 
der Religion zu entwachsen, die Insecuritas zu wagen, um katholisch zu werden!





Keine Sprache bleibt "in sich", nominell, das tun nur Zahlen. Sondern jedes Sprechen bezieht sich auf etwas, das dem Sprechen selbst zugrundeliegt, also einem Erfahrbaren. Deshalb ist die Erfahrung des Seins für jede Vernunft, für jedes Sprechen und deshalb für jedes Denken (denn Denken IST Sprechen) konstituierend wie notwendig. Dieses Dahinter aber ist unsichtbar, nicht sinnlich - es ist Geist. 

Nicht sinnlich heißt aber genau nicht: NICHT ERFAHRBAR. Es ist erfahrbar, als geistige Struktur der Welt, und das heißt über die sinnlich erfahrbare Welt, aber nicht im Sinnlichen aufgehend. Und insofern vom Denken, vom richtigen, offenen, wirklichkeitsoffenen Denken erfaßbar weil erfaßt, wenn auch gewiß nie erschöpfend, immer vorläufig, immer mit einem Rest Insecuritas. Auch die Annahme eines Gewissen wäre ja nicht katholisch-allumfassend und damit offen (weil im menschlichen Denken um seine Begrenztheit wissend), auch das wäre Ideologie. Die ja diese Insecuritas beseitigen möchte.

Das Merkmal des Katholischen kann das nie. Es ist deshalb tatsächlich KEINE Religion und DESHALB KEINE IDEOLOGIE. Es ist deshalb auch niemals "gleich wie alle Religionen", obwohl es Religiosität genauso braucht wie enthält bzw. voraussetzt, wie jedes Denken Religiosität voraussetzt, ob das jemand nun fassen kann, akzeptieren kann oder nicht, wie Herr Grau. Ohne eine Eingebettetheit in eine Wahrheit - ein Gedankenvorgang, kein positivistisches Religionsgebot - und ohne einen allgemeinen Bezug jedes Menschen auf eine Wahrheit ist nicht ein einziger Satz zwischen Menschen austauschbar. Niemand wüßte, wovon der andere überhaupt spricht, die Welt wäre prinzipiell unerkennbar und irrational. 

Nein. Sie ist dem Rationalen voraus, überlegen, ja, aber nicht irrational. Das Rationale geht im Sein restlos auf, das ist das für die Gegenwart so schwer zu fassende konstituive Prinzip der Welt überhaupt. So schwer zu fassen, WEIL die Gegenwart in Ideologien, in ungewußten, nur still geglaubten Voraussetzungen (die allesamt persönliche Entscheidungen und Unfreiheiten sind) und religiösen Mythen (auch Herr Grau, ohne Probleme wären ihm deren zahlreiche nachzuweisen, man denke nur an die Evolutionismen, offenen oder verborgenen Materialismen, etc. etc.) regelrecht ersäuft. 

Und zu dieser Ideologie gehört auch - ja, auch das ist Ideologie, ist ungewußte, persönlich gesetzte Denkvoraussetzung - zu meinen, es gäbe ein "voraussetzungsloses Denken", und man selber befleißige sich dessen. Wie Herr Grau es offenbar von sich annimmt. Auch das ist logisch aufweisbar.

Das Katholische ist vielmehr das Allumfassende menschlichen Dasein selbst. Es ist nicht die Überreligion, wie manche Gutmeinenden meinen. Nein. Es ist überhaupt keine Religion, weil es die Schöpfung als Seiendes bzw. am Sein Teilhabende INSGESAMT umfaßt (das meint man mit "Kirche"), also innerhalb der Schöpfung keine Kontur als es selbst hat. Und höchstens insofern enthält es alle anderen Religionen, die nie mehr als innerweltliche Vorstufen zur Katholizität sind, ähnlich der innerweltlichen Poesie. Die Distinktheit des Katholischen ist die Wahrheit selbst, und ihre Form ist die des Katholischen.  Wobei die Wahrheit Form HAT - dynamisch, personal, aber (unabbildbar, versteht man es als Festmachen in einer historischen Gestalt, und doch immer historisch konkrete) Gestalt (was nur im Sakramentskern als Erfüllung, als Ineinsfließen von Ewigem mit Zeitlichem, als Inkarnation Gottes in Jesus eben, auch weitgehend verabsolutierbar ist.) Alle ihre Moral, alle ihre "Lehren" sind darin begründet, wurzeln darin, und fließen wieder darein zurück. Einen Moralismus im Katholischen GIBT es nicht, und wo er auftritt, ist er nicht katholisch.

Es gibt deshalb im Katholizismus KEIN Moralgebot, das nicht zuerst und zutiefst im Sein der Welt erkennbar und verankert liegt. Ja, Gutsein heißt, dem Wesen der Dinge zu entsprechen! Katholische Moral ist deeshalb immer in der Vernunft verankert, niemals aus blindem Gehorsam oder gar Nutzen heraus verstehbar. Das unterscheidet den Katholizismus schon grundlegend von jeder Religion der Welt. Nur wer die Welt erkennt, kann nach Gottes Willen handeln, weil er erst so sieht, in der Vernunft, was an ihr zu tun ist. Katholisch sein, gut sein heißt "Welt vervollkommnen"! 

Das war der Grund, warum Gott in Jesus sogar inkarnierte - nur so konnte die Welt in ihre ursprüngliche Dimension und Vollkommenheit wieder (zumindest potentiell, denn die Welt als Analogie Gottes muß freie Antwort geben, erst so ist sie Gott ähnlich, Abbild, und das kann vollgerecht weil im Geiste nur der Mensch) hineingehoben werden. Aber das war auch nicht ohne Offenbarung möglich, weil das Wesen der menschlichen Vernunft so ist: Menschliches Denken geht immer und ausnahmslos (und jedes Kind zeigt es neu) von einer Offenbarung aus! Der Beginn der Vernunft überhaupt ist - Offenbarung. Logos, der am Anfang von allem steht. Denn alles ist aus logos geworden, und nach wie vor wird alles aus logos. Das zeigt das menschliche Denken auch rein innerweltlich, als Analogie seines geistigen Ursprungs, seines Ursprungs im Geist. Wenn es etwas gibt, das den Katholizismus definiert, dann genau das.

Der Katholizismus ist deshalb ein Seiendes des Denkens, der Vernunft (innerhalb derer das Denken west), der Entscheidung, des Urteils in seiner komplexen Struktur einer universalen (nicht: universalistischen!) Gesamtheit, wo sich Wort, Logik, Denken von persönlicher Haltung und Substanz nicht mehr trennen, separieren läßt, ohne deshalb eines dieser Elemente aufgeben zu müssen, sie bleiben für sich in ihrer Gesetzlichkeit. Und nur insofern ist er deskriptive Gestalt. Selbst seine unveräußerlichen Formen im Sakramentalen sind in einer Vernunftwirklichkeit weil Weltwirklichkeit gegründet.

Aber schon im Schreiben darüber, das (grosso modo; es gibt einen Punkt der Ausnahme, dazu ein andermal) nicht mehr als ein Verweisen (auf ein hinter jedem Begriff stehendes Wirkliches) sein kann, zeigt sich die Problematik des Katholizismus. Katholizität zu erklären ist ein immer ungenügendes Kreisen, ein Verweisen - ist Poesis im eigentlichsten Sinn. Seine Wirklichkeit steht im Dahinter. Der Zugang dzau ist deeshalb der "bonae voluntas" unterworfen, einer personalen Bewegung und Hinneigung. Kein schlichtes rationales Ergebnis, darin kann der Katholizismus niemals aufgehen, weil die Welt niemals im bloß rationalen Ergebnis aufgehen kann. Das Rationale ist deshalb das Verweisende, das in der Poesie der Sprache überhaupt Enthaltene, im Rationalen notwendig widerspruchsfrei an einem Schopf gepackt, aber nicht das Rationale alleine oder selbst, über ihm aber sich auftuend.


Morgen Teil 3) Katholizismus heißt, das Denken zu seinem Ziel 
und ohnendlichen Ende eines Zustands zu führen




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Freitag, 3. Juni 2016

Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (1)

Auch wenn Alexander Grau vorsorglich und vermeintlich die Tür zugeschlagen hat, indem er im Cicero schreibt, daß "ja jede Religion behauptet, keine Ideologie zu sein", muß man darauf replizieren. Denn da hat sogar die AfD "rechter" als Grau, wenn sie dem Islam zuschreibt, eine Ideologie zu sein, wenn Grau über etwas spricht, das sich mit liberalen Ansätzen (und der Cicero IST ein Organ des Liberalismus) freilich gar nicht mehr greifen läßt. Denn der kennt Distinktion eben nur als Ideologie, weiß aber nicht, daß es Denken ohne Distinktion gar nicht gibt. Nur - Distinktheit ist noch keine Ideologie! Vielmehr ist sie das Wesen der Welt, auch wenn sie zur Ideologie gemacht werden kann und im Alltag und unter Beigeruch des immer so leicht Menschelnden auch oft genug wird.

Wenn Grau schreibt, daß jede Religion eine Ideologie ist, und zugleich Moralismus als Indiz dafür ansieht, Ideologie so versteht, daß sie von Ideen ausgeht, die nicht nachprüfbar seien, so hätte er freilich auf eine Weise sehr recht. Denn tatsächlich ist jede Religion - ab irgendeinem Punkt, und zwar im entscheidenden Punkt, eine Ideologie. sie ist ab irgendeinem Punkt nicht mehr rechtfertigbar, nur noch zu akzeptieren, entzieht sich aber darin jeder realen Welterfahrung. 

Deshalb ist es schlicht eine Katastrophe, wenn selbst aus der katholischen Kirche zu hören ist, daß  der Katholizismus eine "neben allen Religionen gleichberechtigte Religion" sei, wie es der Fremde auf Petri Stuhl sogar unlängst erzählte. Und meinte, damit ein besonderes Zeichen der Nächstenliebe zu setzen - während er etwas völlig anderes tat: zu beweisen, daß er den Katholizismus selbst nicht verstanden hat. Das ist eine Katastrophe, weil es einen Zusammenhang aufzeigt, den genau dieser Fremde dort vorzelebriert, bei jeder Gelegenheit: Wenn er nämlich was in seiner Macht tut beiträgt so zu tun, als sei der Katholizismus NICHT rational durchdenkbar, als seien Ratio und Glaube zwei paar Schuh die sich durchaus auch einmal auf die Zehen steigen würden, als stünde die Wahrheit des Katholizismus NICHT auf einem Fundament des Denkens in der Wahrheit, ja als sei NICHT genau das sein Merkmal. Das ist nicht einfach eine linke Position, das ist genau die liberale Position, wie sie Alexander grau vertritt. die Anzahl der dies bzw. das einander bedingende Verhältnis von Vernunft und Glaube durchdenkenden, hier bestätigenden Dokumente der Kirche ist gar nicht erfaßbar, so groß ist sie. Denn es ist ihr Fundament.

Denn genau das, was Grau ihm in seinem Pauschalurteil jeder Religion zuschreibt, ist der Katholizismus NICHT. Er ist keine simpel fideistische Konstruktion, wie alle anderen Religionen. Die nämlich alle und ausnahmslos in einem entscheidenden Punkt passen müssen: sie sind denkerisch nicht ins Letzte hinein aufzulösen. Weil ihnen die personale Wahrheit fehlt (und lustigerweise: alle Religionen wissen - ungewußt - um diese Schwäche, udn versuchen auf die eine oder andere Art diesen Mangel zu beheben, etwas durch "Offenbarungen", "§Einsprechungen der Götter oder Engel" oder Gottesoffenbarungen vor undenklichen Zeiten wie die Veden.

Welchen Aussagen gleich hinzugefügt werden muß: Der Rationalismus aus der Aufklärung ist genau das nicht, was er vorgibt - DENKEN. Er denkt bewußt zu kurz. Und zwar aus ideologischen Gründen, weil ES SO SEIN MUSZ, daß sich Welt auch ohne einen Gott auflösen und begründen läßt. Der LIBERALISMUS, in dem Grau denkt, IST EINE IDEOLOGIE. Er ist eine Ideologie, die wie die Afuklärung den Katholizismus nachzuahmen versucht.

Daß das so ist, ist ... genau: es ist DENKERISCH zu zeigen, Grau bzw. der Liberalismus denkerisch zu widerlegen. Und weil sich also katholisch NICHT in einem Moralsystem, nicht ein einem konkreten politischen Programm äußert (wieder: Auch wenn es der Fremde am Stuhle Petri so tut, und abertausende Windelpracker hüpfen es ihm nach, weil sie genau dieselbe prinzipielle Unvernunft als katholisch sehen und sehen wollen, warum auch immer, viele Gründe haben wir an dieser Stelle bereits durchgewalkt). Weil sich das Katholische nie so verstand, daß es sich als positivistisches, konstruktivistisches, zweckorientiertes Dogmengebäude erschöpft (wobei es eine positivistische,. auch zweckhafte FUNKTION des Dogmas sehr wohl gibt, und zwar AUS dem Denken über den Menschen, aus dem Denken über die Welt. Aber das ist nicht ihr eigentlichstes Wesen, das sind sie höchstens und auf gewissen Ebenen "auch".)

Das Merkmal des Katholischen ist eben seine unbedingte Offenheit dem Sein gegenüber, und damit der Vernunft gegenüber als das, womit sich der Mensch dem Sein nähern kann. Man nennt das - Erkennen. Und weil man nur im Erkennen lieben kann, weil  man nur Erkanntes lieben kann, ist die höchste Form des Seins die unendliche Liebe im Erkennen, das unendliche Erkennen (Wissen) im Sein selbst, aus dem Liebe hervorströmt. Womit wir im Denken (als Gestaltabformung) der Dreifaltigkeit sind.

Das Merkmal des Katholischen ist eben, daß es die menschliche Vernunft immer, ausnahmslos, auch bei Geschöpfen wie Alexander Grau (der das nur nicht kennt, der also nicht einmal seine eigenen Denkvoraussetzungen kennt, wie es eben für den Liberalismus wie es aber für jede Ideologie, ja wie es leider für das Denken der Gegenwart so kennzeichnend ist), von einem Transzendenten ausgeht. Alles menschliche Denken ist somit von einer religiösen Haltung durchwirkt, durchtränkt, ob das jemand wahrhaben will oder nicht. Es ist denkerisch nachzuweisen, daß es so ist, weil das Denken in sich aus sich - und hier sei durchaus ein Denker angeführt, nämlich der Altösterreicher Gödel, der es rational-denkerisch nachgewiesen hat: JEDES Denken ist aus sich heraus nicht begründbar und begründet, JEDES Denken greift auf eine metaphysische Vorentscheidung, also auf ein Personales zurück - nicht begründbar ist, aber in seiner anthropologischen Funktion nicht einfach nur Notgriff des Menschlichen selbst ist, sondern als Struktur der Welt, in der wir vom Sein Kunde erhalten (wie sonst), vorausgesetzt wird. 

Wäre das nicht der Fall, wäre jedes Reden unter Menschen - das von Grau wie das an dieser Stelle - völlig sinnlose, ja absurde Freizeitübung. (Der Dadaismus nimmt darauf ja in gewisser Weise und die Sackgassen des Denkens der Gegenwart ironisierend Bezug.) Und auch darin aber, im Annehmen des Absurden (wie es ja manche taten und tun), eine - Denkvoraussetzung! Ein Gesetztes. Kein rational sich letzthinnig Ergebendes. 




Morgen Teil 2) Der Weg des Katholiken ist ein tägliches Mühen, 
der Religion zu entwachsen, die Insecuritas zu wagen, um katholisch zu werden!





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Freitag, 17. April 2015

Aber wir wissen wenig (2)

Teil 2) Die häretischen Ansichten eines Wissenschaftlers





Die Aussagen dazu seien seiner Ansicht nach hoffnungslos überzogen. Sodaß man nicht einmal berücksichtige, so Dyson an anderer Stelle, daß mit dem Anstieg des CO2 auch die Erde immer grüner geworden wäre. Er kennt nicht nur die Klimamodelle, mit denen gearbeitet wird, er kennt auch deren Macher. Aber diese Modelle sind nicht in der Lage die Realität abzubilden, in der wir leben, selbst wenn sie manche Teilvorgänge brauchbar abzubilden in der Lage sind. Dazu müßten aber Klimamodellexperten ihre Schreibtische verlassen, um festzustellen, wie wenig wir von den Vorgängen auf der Erde wirklich wissen. So aber enden sie als Gläubige ihrer eigenen Modelle. Ja, in Teilen der Welt ist es wärmer geworden, aber das kann man keineswegs von der gesamten Erde aussagen. Um das Kohlendioxid in der Atmosphäre wirkungsvoll zu reduzieren, wäre im Umkehrschluß ausreichend, die Biomasse der Erde (etwa durch landwirtschaftliche Maßnahmen der Verbesserung der Organizität des Bodens) um EIN INCH pro Jahrhundert zu erhöhen.*

Das Problem des Anstiegs des CO2 in der Atmosphäre ist in seinen Augen ein Problem der Bodenbewirtschaftung, und keines der Meteorologie. Zusammenhänge mit einem sehr wahrscheinlichen Rückgang der oberen Erdschichten, durch Erosion in entwaldeten Gegenden etwa, sind höchst wahrscheinlich, wenn auch kaum je meßbar.

Und er ist der Ansicht, daß das Erdöl nichts mit Biologie zu tun habe, sondern daß es weit plausibler sei, chemo-physikalische Prozesse im Erdmantel, also: anorganischen Ursprung anzunehmen. (Der VdZ erlaubt sich den Hinweis auf die Forschungen des in den USA be- wie anerkannten Thomas Gold, einem Flucht-Österreicher von 1938 übrigens, die schon vor fünf Jahrzehnten diese revolutionäre Sichtweise zum Inhalt hatten.)

Gleichermaßen sieht er in der Entwicklung Amerikas Anzeichen für eine Überdehnung, und das ist im historischen Vergleich der Anfang vom Ende einer Weltmacht. Die so lange wächst, bis ihre Strukturen zu groß werden, woraufhin sie kollabiert. Die kommenden Mächte sind seiner Ansicht nach China, Indien, oder Brasilien. Man sollte sich weniger den Kopf darüber zerbrechen, wie man in einer von Amerika dominierten Welt lebe, sondern wie man sich darauf vorbereiten könne, in einer Welt zu leben, die NICHT von Amerika dominiert wird.

Der Videovortrag von Freeman Dyson ist auch in seiner Länge (1 Stunde) durch seine freie Art, manche heutiger "Gewißheiten" auf den Kopf zu stellen, empfehlenswert. Umso erfrischender sind seine "Häresien", als Dyson als Rationalist Denkvoraussetzungen hat, denen man nicht unbedingt beitreten muß.

Was er also auch etwa über Darwin zu sagen hat, ist damit Zeugnis einer beachtlichen wissenschaftlichen Redlichkeit. Es ist, sagt er, davon auszugehen, daß der Beginn des Lebens außerhalb der Darwin'schen Postulate gesehen werden muß. Denn es muß so etwas wie einen horizontalen Gentransfer gegeben haben, noch ehe Arten entstanden. Evolution von Leben auf der Erde ist also eher als kollektiver, zusammenhängender Prozeß zu sehen. Von Spezies ist damit erst ab dem Moment zu sprechen, in dem dieser Gentransfer durch Individualisierung aufhörte, und hier erst setzt das "Darwinistische Zwischenspiel" ein, das vor 10.000 Jahren endete, als die menschliche Kulturentwicklung einsetzte, in der es um Ideen geht, die sich viel rasanter entwickeln als biologische Evolutionsprozesse es vermögen. Sie wird nicht von darwin'schen Gesetzen geprägt, sondern mündet in einer Renaissance des horizontalen Transfers - der Globalisierung, der Einmündung in eine "open source community".

Interessant auch seine Sichtweisen der Armut. Die, so Dyson, sei in den Dörfern begründet, würde aber in der Verstädterung in den Städten sichtbar. Das hat seiner Ansicht nach mit einer je unterschiedlichen Technologie zu tun - "green" und "grey". Anpacken müsse man das Problem also in den Dörfern, nicht in den Städten. Daß Dyson also die Zukunft der Menschheit in der Verlagerung auf "green technology" - dem "Erfinden" neuer Pflanzen- und Tierarten, grob gesprochen - sieht, liegt in dieser Sichtweise. Spätestens hier zeigt sich die problematische, nihilistische Anthropologie, auf der Dyson aufbaut. Es ist der Optimismus der Renaissance.

Aber ein wenig kann man von seinem Fazit durchaus mitnehmen: Daß nämlich die Entwicklung der Zukunft nicht einfach ein unveränderbarer Ablauf von schicksalhaften, über uns verhängten Komponenten ist, sondern in unserer Hand liegt. Alles, wovon wir heute so fest überzeugt sind, wird seiner Ansicht nach in 35 Jahren Schnee von gestern sein. Uns muß klar sein, daß wir (im rationalen Sinn) nur Ungewißheiten haben. Neue Wege zu finden braucht aber den Mut zur Häresie.










*Es gibt Schätzungen, daß die Organismen der oberen Erdschichten so zahlreich sind, daß ihre Masse, extrahiert, die Erde 3 Meter bedecken würde. Das würde übrigens auch erklären, warum über Wüsten, über warmen Meeresregionen, aber auch über der Arktis die CO2-Konzentration in der Atmosphäre besonders hoch ist, nicht aber über dicht besiedeltem Festland, wo sie doch besonders hoch sein müßte, wäre sie einfach menschlicher Ausstoß. In jedem Fall aber ist es, so Dyson, irreführend, CO2 über globalen Durchschnitt zu behandeln. Es hängt sehr nachvollziehbar mit den verschiedenen Klimazonen zusammen, und macht - als Treibhausgas verstanden - zwar kalte Gegenden wärmer, nicht aber warme, wo die Luft über der Landfläche weit mehr Wasserdampf enthält.

Alle Elemente aber, die relevant für den Kohlenstoff sind - fossile Brennstoffe, die Atmosphäre, die Pflanzen, die obere Erdschichte, die oberen Schichten der Meere - können nicht für sich betrachtet werden. Denn sie interagieren alle engstens, und hängen zusammen. Man muß sie deshalb als Gesamtsystem verstehen. Erhöht sich etwa das CO2 in der Luft, wachsen Pflanzen vermehrt über Wurzelbildung, um die vermehrte Aufnahme über die Blätter zu kompensieren. Damit erhöht automatisch höherer CO2-Gehalt die Biomasse in der oberen Erdeschichte. . .




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Donnerstag, 16. April 2015

Aber wir wissen wenig (1)

Er liebe mehr die Details, nicht die großen Einheitsformeln. Die "theory of everything" würde die Wissenschaft nie finden, meinte 2012 eine der großen Stimmen in der amerikanischen Wissenschaft, Freeman Dyson. Wissenschaft könne sich nur auf Details konzentrieren, und diese zu verstehen suchen. Aber hinter jedem verstandenen Detail offenbarten sich immer zwei weitere große Fragen. Man könne immer nur neu staunen, wie komplex und im Verstehen unerschöpflich das Universum sei. Das, was wir nicht verstehen, übersteigt immer das Gewußte um Dimensionen.

Befragt nach den Ursprüngen des Lebens, äußert er bestenfalls Vermutungen, aber er - der seit vielen Jahrzehnten an biologischen Fragen arbeitet - hat keine Theorie darüber. Zwischen den bekannten chemisch-physikalischen Vorgängen und dem Moment, wo Leben auftaucht, klaffe nach wie vor eine riesige Lücke der Nicht-Verstehens. Und man ist in dieser Frage seit er sie beobachte nicht viel weitergekommen. Von RNA oder Proteinen als erste Stufen zum Leben auszugehen halte er nicht für richtig. Sie spielen eine wichtige Rolle, gewiß, sind aber äußerst komplexe Geschehen. Es gebe noch viel mehr, das davor dagewesen sein müsse.

Und selbst, wenn es gelinge, stimmmige Theorien zu formulieren, hieße das noch immer nicht, daß sie auch wahr seien. Gödel, so Dyson, habe bewiesen, daß selbst die Mathematik kein geschlossenes System darstelle. Es blieben immer Fragen, die nicht aus ihr heraus beantwortet werden könnten: als Regeln, die von außen kommen und sie eigentlich bestimmen. Dasselbe gelte für Computer, wie Thuring bewiesen hat. Auch sie könnten zwar viele Aufgaben lösen, aber vieles werden sie aus prinzipiellen Gründen nie können.

Vorhersagen könnten nicht davon ausgehen, zu stimmen. Sie sind dazu geeignet, die Vorstellungskraft zu befeuern, aber sicher könne man sich ihrer nie sein. Normalerweise seien Vorhersagen falsch, auch seine. Und selbst wenn er etwa glaube, daß die Neurologie, das Verstehen des menschlichen Gehirns (mit allen Auswirkungen auf die Computertechnologie) das 21. Jhd. bestimmen werde, so glaube er, daß die Zukunft ANALOG und NICHT DIGITAL aussehen werde. Thuring hat zwar schon 1936 sein berühmtes Theorem aufgestellt, daß digitale Computer in der Lage wären, alles zu imitieren.

Aber etwa 1980, vor 30 Jahren wurde von zwei Amerikanern ein Theorem aufgestellt und veröffentlicht, das noch völlig unbekannt ist, dem er eine höhere Bedeutung beimesse: Es hat bewiesen, daß es Zeichen gibt, die man analog, nicht aber digital abbilden könne. Langfristig wird deshalb seiner Meinung nach die analoge Technik zurückkehren. Denn Dyson glaubt, daß auch Gehirne weit eher analog als digital arbeiten. Das Gehirn ist jedem Computer enorm überlegen, etwa wenn es darum geht, Gesichter zu erkennen, oder Sprache zu benützen.

Es hat die erstaunliche Eigenschaft, äußerst rasch Bilder zu vergleichen, oder Tonsequenzen zu erkennen, und das funktioniert nicht über digitale Prozesse, sondern auf geheimnisvolle Weise und in Lichtgeschwindigkeit. Das alles sieht für ihn weit eher nach einem analogen Prozeß aus. Er sieht es als Ursache dafür, daß es immer noch nicht gelingen will, künstliche Intelligenz herzustellen: Man setzt auf digitale Technik, die aber menschlichen Denkprozessen nicht gerecht wird, weil es sie nicht adäquat abbilde. Will man hier weiterkommen muß man sich von der digitalen Computertechnik verabschieden, und beginnen, analog zu denken. Aber das Gegenteil ist der Fall, man konzentriert sich nach wie vor auf diese (falsche) Technik. Facebook geht für Dyson in diese Richtung: die Welt der Informationen entwickelt sich von Symbolen (Zahlen) hin zu Bildern.

Die Bedeutung von Quantencomputern, die für Dyson ein dritter Weg wären, könne er aber nicht einschätzen, denn man verstehe sie eigentlich überhaupt nicht.

Eine weitere Zukunft sieht er - neben der Genforschung - in der Expansion des menschlichen Lebens ins Weltall, auch wenn er das eher für das nächste Jahrhundert erwartet. Übrigens vertritt Dyson die Ansicht, daß Poesie und Wissenschaft sich decken. Seine Thesen sieht er immer wieder als "erzählte Geschichten", in denen er sich als "Häretiker" heutiger Weltsichten begreift. Unnötig zu erwähnen, daß er in einem allfälligen Klimawandel weit mehr Chancen sieht, als eine drohende Katastrophe.








Morgen Teil 2) Die häretischen Ansichten eines Wissenschaftlers




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Montag, 18. März 2013

Grenzen der Optimierbarkeit

Bereits jetzt steht fest, daß "S21 - Stuttgart 21", der totale Um- und Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, nicht nur 1,1 Milliarden Euro zusätzlich verschlingen wird, sondern auch nie rentabel sein wird. Die erhofften Effekte werden den gigantischen Neubau, der einen Zentral- und Angelpunkt der Hauptstadt von Baden-Württemberg völlig neu gestalten wird, aus Kostensicht nie rechtfertigen. Das schreibt die Welt unter Berufung auf den Vorstand der Deutschen Bahn. Ein Ausstieg aber ist nicht mehr sinnvoll, er würde bereits 2 Milliarden kosten.

Nun fällt allgemein auf, daß Investitionen in die Infrastruktur - in allen Bereichen - immer gewaltigere Ausmaße angenommen haben, und zukünftig noch mehr annehmen. Immer häufiger sind Großprojekte Megaprojekte, die finanziell Ausmaße annehmen, die vor 20 Jahren undenkbar gewesen wären. Gleichzeitig sind die betriebswirtschaftlichen Effekte immer zweifelhafter.

Das erinnert an ein Gesetz aus der Betriebsorganisation und Qualitätskontrolle. Das da besagt, daß die Optimierung eines Systems nur bis zu einer gewissen Grenze (in der Qualitätskontrolle: Fehlerquote 1-2 %) überhaupt sinnvoll ist. Der Aufwand, ein System über diese Quote hinaus zu perfektionieren steigt proportional mit dem Effekt, und erreicht schließlich ein Maß, das die Funktionabilität des gesamten Systems gefährdet, ja dessen Bestand immer fragiler und anfälliger selbst für partielle, kleine Störungen macht. Mehr noch: Der Aufwand für die Optimierung selbst beginnt essentieller Teil des Wirtschaftens zu werden. Das System beginnt sich also selbst zu reproduzieren, um den Anforderungen, die aus sich selbst entstehen, noch zu genügen, es wird Selbstzweck.

Das zeigt sich auch in der Einschätzbarkeit der Kosten, die bei solche Projekten regelmäßig versagen. Hier mit Korrumpierbarkeit Einzelner zu argumentieren verschiebt die Argumentation nur nach hinten, ändert sie aber nicht. Es bleibt die Tatsache, daß Projekte je umfangreicher sie werden sich im Gesamtverhalten zunehmend dem nur noch durch Wahrscheinlichkeitsrechnung beschreibbaren Verhalten kritischer Systeme (siehe: Kybernetik) angleichen. Deren Gesamtverhalten irgendwann nicht mehr vorhersehbar ist, weil ab einer gewissen Komplexität kleine und kleinste Ursachen größte Auswirkungen aufs Ganze haben. Je größer solche Systeme (Projekte) werden, desto umfangreicher werden die Wirkfaktoren, und desto unvorhersagbarer wird ihr Gesamtverhalten, OBWOHL jeder Prozeß im Einzelnen scheinbar eindeutig nachvollziehbar und beherrschbar ist.

Zumindest ... nachträglich betrachtet. Und genau hier hebt das Problem an. Denn dadurch entsteht immer noch beim Technizisten heutigen Zuschnitts die Illusion, die Gesamtprozesse müssen steuerbar sein, wenn die Einzelprozesse es sind. Genau das aber ist eine wirklichkeitsfremde Illusion.

Betrachtet man also die Infrastrukturprojekte, aber überhaupt "Projekte" der Gegenwart (selbst das Projekt "Klimaschutz" fällt unter diese Kategorie) und unmittelbaren Zukunft, von der Energiewende (Leitungsnetze, Kraftwerksbauten, etc.) oder Megaflughäfen (Berlin) angefangen, über den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken, oder die Megatunnelprojekte in Österreich, so fällt aber diese sogar zunehmende Tendenz zu Megaprojekten ins Auge. So wie ins Auge fällt, daß sich diese riesigen Investitionen nicht nur volks- und betriebswirtschaftlich regelmäßig nicht rechnen, sondern daß diese Optimierungsversuche, die das alles ja sind, die zunehmend auf größere Ganze abzielen, letztendlich ein System - UNSER System, in dem wir leben - anzeigen könnten, das seine Grenze der technischen Optimierbarkeit bereits erreicht hat.

Sodaß sich auch hier die reale Dimension einer abstrakt ohnehin gegebenen Gewißheit offenbart: Die Politik, der Staat verliert allmählich jene Werkzeuge, mit denen schon seit über 100 Jahren, mit zunehmendem Tempo, Einfluß auf ein Volkswirtschaft genommen wird. Wo das große Ganze das Einzelne beherrscht und sich selbst aus der Hand nimmt.

Ähnlich wie in Japan, steuern wir in riesen Schritten auf ein "nichts geht mehr" zu - weil nichts mehr greift. Weil die Wirkhebel (öffentliche Investitionen, in diesem Fall) in sich gesehen mehr Wirtschaftskraft (der Menschen, sie sind es ja immer, die alles erwirtschaften müssen, durch konkrete Arbeit und Produktion) KOSTEN als generieren. Während (auch das ist gewiß und logisch nachvollziehbar, aber auch präzise vorhersagbar) nur Einzelne davon zumindest kurzfristig profitieren. Wie z. B. Unternehmen, die staatsnah agieren. Zu denen übrigens auch kleine einzelne Windrad- oder Solaranlagenbetreiber gehören.* L. v. Mises zeigt das überzeugend.

Am Ende jeder Wirtschaftsmathematik, jeder Effizienzrechnung, ja jeder Mathematik, taucht also wenig überraschend ein notwendiger Faktor auf, der mehr als Schlußstein ist. Der sich nämlich als jener Faktor erweist, der immer alles zusammenhält, nur wird er gerne vergessen: der Mensch. Jede gesamtgesellschaftliche Effizienzrechnung lebt nur von ihm und seiner Substanz. Aus sich heraus kann ein System nie tragfähig werden.

Wenn aber nun der Politik ihre bisherigen Mittel ausgehen, das kann man sich zum Schluß fragen, bleibt abzuwarten, auf welche Mittel sie sich hinkünftig stützen und stürzen wird. Denn der Zentralismus hat eine Crux, die mit oben ausgeführten Modellen hinlänglich beschreibbar sind: Auch er erhöht im Maß seines Wachstums den Aufwand, um bestehen zu können, bis er sich regelrecht selbst auffrißt. Und er begibt sich nach und nach, paradoxerweise im Maß seines Auswucherns, der Mittel, um überhaupt noch wirken zu können. Jeder Effekt also, den er noch erzielen möchte, wird salopp formuliert immer teurer.

Auf eine Weise könnte man also in Ruhe abwarten, bis sich das System selbst und endgültig schachmatt setzt. Nur leider passiert dies nicht ohne laufend enormen Schaden anzurichten. Wir werden in wenigen Jahrzehnten nicht mehr dieselben Voraussetzungen haben, wie heute.






*Volkswirtschaften mit hohem direktem Staatsfaktor kennzeichnen sich zum einen durch Zentralismus, zum anderen durch zunehmende Tendenz der unteren Ebenen, sich an diese Zentrale anzuhängen. In diesem Fall: Durch Subventionen, etc.





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Dienstag, 25. Dezember 2012

Wahnsinn als Wesen des Verstandes

Man muß die Wahrheit besitzen, um sie zu erkennen, schreibt Pawel Florenski in "Säule und Grundfeste der Wahrheit". Wer innerhalb der selbstischen Verstandeswahrheiten verbleiben zu können meint, in einer Art vernünftiger Glaube, bleibt nicht nur in sich, sondern sein Erkennen stirbt, seine Sprache wird leere Formalistik. Der bloße Verstand - das schließt an die Aussagen Gödels* an: Verstandeslogik läßt sich aus sich selbst nicht begründen, sie braucht wesensnotwendig einen Glaubenssatz, sonst erstarrt sie in Wirklichkeitsfremde, und damit Agonie - der von seinen eigenen Gesetzen ausgeht, verwirft die Unsichtbarkeit und damit Verstandesungemäßheit Gottes. Er ist in sich wahnsinnig, es fehlt ihm der Sinn.

"Der Glaube nach der Tolstoischen Formel - Ich will so begreifen, daß jede unerklärliche These sich mit als Notwendigkeit der Vernunft darstellt - ein solcher Glaube ist ein schwieliger, böser und harter Auswuchs am Herzen, der ihm den Weg zu Gott versperrt, eine Empörung gegen Gott, eine ungeheuerliche Ausgeburt des menschlichen Egoismus, der auch Gott sich unterwerfen möchte." Zwischen dem dreieinigen christlichen Gott und dem Sterben in Wahnsinn tertium non datur - gibt es kein Drittes.

Entweder muß man die prinzipielle Zufälligkeit der logischen Gesetze annehmen oder aber die Annahme der überlogischen Grundlage dieser Normen ist unvermeidlich - einer Grundlage, welche vom Standpunkt des Verstandes selbst postulativ notwendig ist, aber deshalb für den Verstand ein antinomisches Gepräge hat. Das eine wie das andere führt über den Verstand hinaus. Jenes zersetzt den Verstand, dieses stärkt ihn durch die Tat der Selbstüberwindung - im Kreuz, welches für den Verstand ein widersinniges Losreißen von sich selbst bedeutet.

Der Glaube, durch den wir gerettet werden, ist Anfang und Ende des Kreuzes und des Gekreuzigtwerdens mit Christus.




*Gödel verfaßte seine Thesen nur wenige Jahre nach Florenski.


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