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Mittwoch, 20. November 2019

Was die große Krise auslösen könnte

Dirk Müller zuzuhören ist meist zumindest interessant. Er mag nicht der größte Denker seit Alphons Döggelin sein, diesen berühmten mittelalterlichen Erfinder der Zinkfunzel, aber man kann manch' guten Ein- und Überblick erhalten. Und wie immer kann eigenes Denken erst ansetzen, wenn ein gewisses Fundament an Gekanntem, an Gewußtem, als für gewußt Gehaltenem besteht. Diesmal nehmen wir gerne einen Einblick in die Vorgänge in Myanmar mit. Wo es zu "Aufständischen von Menschenrechtskämpfern" kam. Weil alles so schlecht war? Oder weil China an Myanmars Küste einen Tiefseehafen mit angeschlossener Sonderwirtschaftszone finanzierte, über den Ölimporte laufen?

Die Seidenstraße, die China so energisch betreibt und dabei die halbe Welt unter ihre Fittiche nimmt  (sodaß man über diesen "eurasischen Transportweg" - der ja viel mehr ist - durchaus geteilter Meinung sein kann), ist derzeit der große Drohstock, den die Amerikaner auf ihrem Rücken spüren. Sie wird China (mit allen Begleitgeräuschen, wie eben der Hafen in Myanmar, das frühere Burma) sogar aus der Ölabhängigkeit den USA gegenüber befreien. 

Aber was immer man den Amerikanern vorwerfen kann, ja muß, sie sind im Vergleich zum Rest der Welt, auch gegenüber von China, in einer relativ guten Position. Gerade wirtschaftlich darf man sie nicht unterschätzen. Und die Politik Trumps hat ihnen maßgeblich geholfen, diese Stärke wieder zu gewinnen. Müller meint sogar, daß die außenpolitische Unberechenbarkeit Trumps Teil einer äußerst klugen, logischen Taktik ist, die enorm viele Kräfte der übrigen Welt bindet, weil man nicht sicher weiß, was die USA als nächstes machen. 

Denn die Welt befindet sich in einem gigantischen Wirtschaftskrieg, und Trump ist der erste, der das erkannt hat, und der ihn bewußt führt. China ist dabei viel verwundbarer als die Amerikaner, und Trump spielt damit. Denn China braucht die USA mehr, ja weit mehr, als umgekehrt. Deshalb können die Amerikaner mit einer Krise "spielen", was für China aber eine schwere Bedrohung ist, die enorm viel Kapital und Kraft bindet. DAS ist es, was Trump mit seiner Unberechenbarkeit, die das nur scheinbar ist, bewirkt.

Ein kurzer Überblick, der die Zeit lohnt.







Mittwoch, 17. September 2014

Fehlende Millionen

Über 9 Millionen deutsche Soldaten wurden von den westlichen Alliierten 1939-45 gefangen genommen bzw. ergaben sich. Die Rote Armee vermeldet zwischen 1,7 bis 2,5 Mio Gefangene zusätzlich. Die Alliierten beschuldigten sehr bald - der Kalte Krieg zeichnete sich längst ab - die Russen, weit mehr Deutsche gefangengenommen, aber getötet oder nicht mehr zurückgelassen zu haben. Denn: in den westlichen Listen "fehlte" 1 Million.

Die Implementierung des Glaubens an einen lichtvollen "guten" Westen, noch dazu ehemaliger Feinde, der einem "Reich des Bösen", dem Kommunismus, gegenüberstand, war vordringlichstes Ziel alliierter Nachkriegspropaganda. Da kamen solche Dinge gerade recht, und eine Diskussion über alliierte Kriegsverbrechen, auch und gerade nach dem Krieg, die jedes vorstellbare (und vor allem: bekannte) Maß überstiegen - einer "Kulturwelt" hätte niemand solche Dinge zugetraut, während die Sowjets ja Nicht-Menschen waren, ein bekanntes Schema, das nach wir vor seine Anwendung findet.

Nur: Diese Million fehlt nicht, und hat nie gefehlt. Es gilt heute als historisch gesichert, daß die westlichen Alliierten in ihren Kriegsfangenenlagern diese Million schlichtweg verhungern ließ, das aber am bestern vertuscht wissen wollte. Ja, diese Million war bei weitem noch nicht "alles", worüber der Nachkriegsdeutsche aber bis heute nicht sprechen soll, ja darf. Daß der "Focus" 2013 etwa die Tatsache britischer Foltergefängnisse nach 1945 in Deutschland an die Öffentlichkeit bringt, die ja zudem in einer langen Linie britischer Foltertradition standen, ist da nur eine kleine Facette. Im namen einer realen Schuld, vor allem aber im Namen einer zu bekennenden Schuld schwiegen auch die westdeutschen Medien, die ja nach 1945 ohnehin der alliierten Zensur unterlagen, die nur den Alliierten genehme Personen gründen und betreiben konnten.

Besonders litten deutsche Soldaten in französischen Kriegsgefangenenlagern. Und hier war der Ort für Frankreich, diese verzweifelte Lage auszunützen. Denn sie hatten ihre Kolonien in Indochina verloren. Hier aber waren hunderttausende bestens ausgebildete und kampferprobte Soldaten quasi vor der Nase. Der Zeitpunkt für die Werber der Fremdenlegion war günstig. Und sie warben tatsächlich aus diesen Hungerlagern mindestens 35.000 Soldaten für den Krieg in Indochina an, den Frankreich sogleich begann. 70 % der dort kämpfenden Soldaten waren Deutsche und Österreicher, die einen enorm hohen Blutzoll bezahlten unter dem Versprechen, nach fünf Jahren Dienst französischen Paß und Freiheit zu erhalten.

Dort kämpften sie bald aber auf beiden Seiten. Der VdZ kennt sogar einen Wiener, der Berater von Ho Tchi Minh war. Denn Deutsche waren auf der Seite der Vietminh höchst willkommen, und professionalisierten als Erste den zu Anfang primitiven Widerstand.

Die Geschichte des französischen Indochina-Feldzuges aber stellt ein nächstes kaum bekanntes Kapitel menschlicher Grausamkeit ohnegleichen dar.

Zwei dieser Kapitel der jüngeren Geschichte, die kaum bekannt sein dürfte, hat Arte in einer sehenswerten Dokumentation aufbereitet. Hier der Film.







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