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| Sergeij A. Karaganow |
Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Mittwoch, 25. Januar 2023
Feierabendgespräche
Dienstag, 15. März 2022
Was in digitalien Medien zu erkennen ist
Nun ist mir klar, daß es bei der Bestimmung einzelner Personen und deren Veröffentlichungen für deren Relevanz offizielle Zahlen (wie über Nennungen, Berufungen, Verlinkungen) kaum einen Wert haben. Denn bis zu einem eigenen Text auf Blogs und Internetseiten ist noch ein weiter Weg. Bis dorthin ist jeder Hinweis längst verduftet.
Dienstag, 23. November 2021
Eine erschütternde Tragödie
Ich habe es schon oft gesagt. Die große Enttäuschung, die ich mit dem Beobachten der Heranwachsenden erlebt habe ist, daß sie nicht GEGEN das Establishment gekämpft haben. Hier war ich wesentlich radikaler und meinen früh erkannten Grundsätzen treuer, viel aufmüpfiger, viel rebellischer! Gegen Schule, gegen Beton, gegen die Einschließung und für die persönliche Freiheit. Diese Heranwachsenden aber haben sich erhoben, um FÜR die Eingliederung ins Establishment zu kämpfen. Das hat mich immer wieder fassungslos gemacht. Und dazu gehört die Identifikation mit den Müttern ebenso, wie die Aushebelung der Väter.
Mittwoch, 29. September 2021
Warum der starke Kain den schwachen Abel schlug (2)
Dienstag, 28. September 2021
Warum der starke Kain den schwachen Abel schlug (1)
Hat das nicht alles seine hinlängliche Logik? Was soll es dabei also noch weiter zu verstehen geben? Naja ... da ist zuerst einmal von Interesse, was weiter mit Kain geschieht. Er wird davongejagt und gründet eine Stadt. Warum eine Stadt? Oder ist sie nicht der Ausdruck der Unruhe des Kain?
Montag, 3. Februar 2020
Vaterschaft ist Adoption, Kindschaft Erfüllung einer Bitte
²Deshalb kann auch die Taufe (mit ihrem Hauptgeschenk, dem Glauben) nur "erbeten", nicht "gewählt" werden. Denn sie bedeutet die Aufnahme in ein neues Volk, das nur "qualitativ" in die Welt wirkt, dem also die Welthaftigkeit erst beigegeben werden muß. In der konkreten Familie, dem konkreten Ort, Volk, etc. Alles das ist wiederum insofern gleich, weil man nicht "beitreten" kann, sondern "aufgenommen werden" muß. Das auch in Richtung so mancher verworrener Vorstellung beim Thema "Integration" oder "Zuwanderung", aber auch "Patchwork-Familie" gesagt. Was immer nur eine "Bitte", nie ein "Recht" sein kann, und mit Gehorsam beantwortet werden muß.
***
Insofern ist es zwar - als Erinnerung, als Sehnsucht nach der einstigen Vollkommenheit des Existierens, insofern als Gespanntheit auf eine verlorene Größe, die wiederzuerlangen der Mensch sich sehnt, weil sie seine ursprüngliche Hingeordnetheit, seine wesensgemäße Geschaffenheit und Sinnorientierung erfüllt - häufig zu sehen, und hat auch viel Verwirrung in der Definition von Volk, Familie, Kindes- wie Vaterpflichten und -rechte angerichtet.
Unsere Alltagssprache, unser Alltagsleben ist sogar regelrecht durchtränkt von den Widersprüchlichkeiten, die sich daraus ergeben, und deformiert von dort aus unser Denken und Erkennen. Um diese Widersprüchlichkeit zu bereinigen, ist wie bei ähnlichen solchen Fällen eine Zeit der Vorsicht nötig, in der jedes Wort, das gesprochen wird, jeder Gedanke, der sich formieren will, auf diese Voraussetzungen hin von uns selbst überprüft wird. Wer einen Irrtum erkennt, den er sehr wahrscheinlich schon lange begangen hat, sollte deshalb immer eine Zeit lang schweigen.
³Die Abwesenheit dieses Ja in seiner gottgewollten, wesensgemäßen Ordnung (die mit der Ehe definitiv begründet wird) macht die Frage nach der Gültigkeit von Ehen im Zeitalter der "Gleichberechtigung" so brisant. Denn es erhebt sich nicht nur die Frage, ob solche Ehen überhaupt noch gültig sind, sondern es macht die Ehe selbst in ihren Grundfesten unsicher.
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Freitag, 26. April 2019
Warum der Deutsche keine Selbstachtung hat (3)
1 + 1 = ?
Wenn wir aber Freiheit von Schuldgefühlen haben wollen, in aller Tiefe, um uns vernünftiger Schuldbewältigung zu widmen, wenn wir mehr Selbstbewußtsein wollen, mehr Stolz auf uns selbst und unsere Eigenheit, dann müssen wir nicht im Außen suchen. Dann müssen wir zuerst bei uns anfangen. Und uns aus Schuldverstrickungen befreien, die mit Politik und fremden Interessen vorerst nichts zu tun haben, sondern von diesen aber sehr effizient instrumentalisiert werden. Selbstbewußtsein und Würde kommen aus der Sittlichkeit. Oder es gibt sie nicht, und sie bleiben Einbildung.
Das heißt nicht, daß wir vollkommen sein müssen. Das schafft kein Mensch.***** Aber das heißt, daß wir vollkommen sein wollen müssen. Das heißt, daß wir mit Schuld richtig umgehen müssen, deshalb, und nur deshalb ist das Abendland christlich: Weil es die Beichte hatte! Wer also das christliche Abendland und "seine Werte" verteidigen will, der muß zuerst einmal wieder lernen, zur Beichte zu gehen, um sich von einer Schuldgetriebenheit zu befreien, die all sein Denken und damit Sehen vernebelt.
*****Der sogenannte "Gutmensch", der also meint, daß er "gut ist, weil ...", ist nur eine Sonderform des Schuldgetriebenen. Seine von ihm selbst (und der von ihm sortierten Umgebung) attestierte "Gutheit" ist eine Form der Schuldbefreiung durch sich selber.
Donnerstag, 25. April 2019
Warum der Deutsche keine Selbstachtung hat (2)
1 + 1 = ?
Sonntag, 23. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (4/2)
Teil 4/2
In diesem Sinn kann es auch Tradition - vor allem wo sie lange schon währt, denn über kurze Frist kann auch eine Täuschung bestehen, wenn auch nur auf ihre Art - nur als Gutes geben. Denn was nicht gut ist, ist nicht wahr, und es muß deshalb vergehen. Irgendwann vergeht alles, was nicht gut, nicht schön, nicht wahr ist. Weil ihm das Sein fehlt, zu dem es die Teilhabe nicht aufrecht halten kann.
Diese Tradition wird aber nicht einfach nur durch Personen in aktuellen, heutigen Akten und Gesprächen und Ansprachen vermittelt. Sondern sie lebt in allem, was die Menschen, die einem bei der Geburt schon voraus gegangen sind, in ihrem Leben gewirklicht haben. Womit die Welt, sagen wir, vollgestellt ist, in die wir geboren werden, und die im Ergreifen dann unsere Welt wird.
Als Kultur, in der wir leben. In einem Volk als Gemeinschaft der sich ans selbe Erinnernden, also mit einer gemeinsamen Geschichte, in seinen Gewohnheiten, seiner Sprache, seinen Bräuchen und Kulten und Riten, seinen Tänzen und Liedern, kurz in allem, was das ausmacht, was man Lebensvollzug nennt. Dort liegt auch unsere Basis als Individuum, weil wir uns zu allem diesen auch verhalten. Also kommunizieren. Einzelner und Tradition haben damit etwas Unauflösbares, weil die Kommunikation wie gesagt zwei Seiten braucht, sonst fällt Sprache ins Leere, löst sich auf.
Man muß dazu auch die Seite sehen, daß ein Mensch, der ja auch leiblichen Ursprung hat, durch das ihm Mitgegebene auf diese Umgebung hin vorgeprägt ist. Der mitgegebene Leib ist das Sehwerkzeug, um es einfach zu sagen, die Raumstation, von der aus man der Welt begegnet. Der man nie entfliehen, die man bestenfalls und langsam etwas verändern kann. Über den Geist als einzige Brücke, damit ... über die Gnade, also nicht von uns alleine zu schaffen. Weil, wie gesagt, die Sprache der Sprache nicht aus uns kommt, sondern uns voraus geht. Wir haben also einen Leib, eine Basis, mit all ihrer Geschichte. Auch in negativen, verweigernden Haltungen, was immer heißt: Ein Gut ausklammernd. Aber genau so und noch weit mehr in allem, was uns überhaupt ausmacht. Was uns ... über die Sprache, über die wir verfügen, und damit erst über die Grammatik denken läßt. Was uns jenen Boden gibt, auf dem wir stehen. Von dem aus wir urteilen und planen.
Wenn es heute also Meinung ist, was man als Postmoderne bezeichnet, daß sich jeder Mensch zur Lebenserfüllung in einen Zustand der "tabula rasa" bringen muß, wo es keine vorgegebenen Gedanken und keine vorgegebene Grammatik gebe, so ist das nicht nur sinnlos und unmöglich. Es ist selbstzerstörerisch. Und daneben ist es auch müßig eine Sprache zu suchen, die keine "Macht" oder "Hierarchie" enthält. Als Wille und Absicht. Das tut sie notwendig, sonst gäbe es Sprache gar nicht, sonst gäbe es keine Grammatik als geistiges System, als Struktur von Beziehungen, und damit keine Sprache.
Der Mensch erhält die Sprache, er erhält die Erzählungen, die nicht nur "Inhalte" weitergeben, sondern die in sich jene Basis und Weltstruktur enthält, aber auch an ihrem Ursprungsende sozusagen die Grammatik des transzendenten Seins, des Wortes, der Wahrheit (die bereits die welthafte Gestalt der Sprache der Sprache ist), die zuerst einmal die Basis aller seiner weiteren Urteile und Entscheidungen bildet.
Wer die Tradition ablehnt, lehnt zuerst einmal sich, und darin seine Vorfahren ab. Er vertraut ihnen nicht, und damit sich selbst nicht. Das ist der wirkliche Grund, warum wir social media brauchen. Sie sind die ständig notwendige Selbstvergewisserung, weil wir uns nicht mehr trauen, weil wir unseren Vorfahren nicht mehr vertrauen.
Gerade zu Weihnachten erleben wir etwas Besonderes. Wir erleben, daß sich das Geheimnis der Welt in einer Erzählung kundtut. Und Erzählung heißt: Einer dargestellten Grammatik. Einer mündlichen Erzählung, die in der Schrift leichter erinnert werden kann, deren Schriftzeichen zumindest Bojen sind, die uns zu den innersten Inhalten der letztlich transzendenten oder transzendenzoffenen Sprache führen.
Und diese Offenheit hat Sprache übrigens immer. Deshalb ist es durchaus lohnenswert, auch dem Lügner genau zuzuhören. Letztlich sagt er die Wahrheit, oder eine Wahrheit, nur auf eine andere Art. Und irgendwann verrät er sich. Irgendwann führt sich die Lüge ad absurdum, und verkündet die Wahrheit, als Grund, warum sie zur Lüge umformiert wurde. Also zur Täuschungsabsicht über die Welt wurde. Aus der heraus man eine andere, neue Welt schaffen wollte. Sie ahmt damit Gott nach, will sein wie Gott. Lüge und erste Sünde liegen wie im Ehebett beieinander.
Damit kehren wir zum Anfang dieser Ausführungen zurück. Daß die Sprache in seinen Urgründen ein Eid ist. Ein Versprechen auf Weltschöpfung. Unsere Sprache ist die ikonenhafte Offenbarung jener Sprache, auf der die Welt insgesamt beruht.
Die Erzählung enthält die Grammatik der Welt, haben wir gesagt. Umso mehr trifft das auf die Erzählungen vom Anfang der Welt zu. So ist es auch bei Weihnachten, diesem neuen Anfang der Welt. Im Weihnachtsevangelium. Und wird in der Lesung am ersten Weihnachtstag, dem Prolog des Johannes Evangeliums, ausgelegt. Wo die tiefe Grammatik der Weltschöpfung, die Eidhaftigkeit des Wortes vor Augen steht: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Indem dieses Wort auf die Erde kommt, fleischlich wird - als Gestalt, in der alles enthalten ist: als fleischgewordener Gott, der zugleich in einer der drei Personen Mensch, also Sohn Gottes ist - wird die Welt tatsächlich neu geboren, weil nicht nur durch eine Ikone, sondern durch den nunmehr welthaft gewordenen, Fleisch gewordenen Urgrund neu geschaffen.
Die Welt erhält in ihrem weltlichen Kreislauf, in dem sie gewissermaßen in sich steht bzw. stehen sollte, der ohne Verbindung mit Gott, dem Sein, aber nicht sein kann, diese Bestandsquelle neu zurück. Gott wird eingeschleust gewissermaßen in diesen Kreislauf der Sinne und Beziehungen, der die Welt ist.
Es sind ja die Sinne, über die wir an jenem Außen teilhaben können, das uns grundlegt und dann immer wieder von neuem nährt, also bestehen läßt, was dem Menschen als Ebenbild Gottes zubedacht war. Die in der Ähnlichkeit enthaltene Disposition der Teilhabe an jener innergöttlichen Gnade, zu jener Liebe, in der Gott ist, und Fleisch geworden wieder unter uns weilt. Und nun wie im Paradies unter uns wandelt, und damit auf eine Weise - in der Kirche - die Welt in ein Paradies verwandelt. Jenes Paradies, von dem die Propheten gekündet haben, daß es eines Tages kommen wird - in der Fleischwerdung Gottes.
An ihn angebunden, und nur insoweit, sind wir Bewohner dieses Paradieses. Dessen Vollgestalt freilich noch nicht da ist, dazu muß das Schlechte wie bei der Ernte als Spreu ausgesondert werden. Beim Jüngsten Gericht. Aber wir Getaufte dürfen bereits in dieser geistigen Welt und Wirklichkeit leben. An der wir freilich nur im Glauben ganz teilhaben können. Aber einmal, nach dem Jüngsten Tag, werden wir nicht mehr glauben müssen, sondern werden es sehen.
Im Weihnachtsfest machen wir diesen Anfang Realität. In dem Paradies gehörigen Spiel des Ritus, des Kultes, der in den Gebräuchen deren konkrete Weltwerdung vollzieht. Uns damit zeigt, wie Geist Welt wird, so wie Gott Mensch wurde.
Lassen wir uns das deshalb nicht nehmen. Sondern begehen wir mit heiligem, ehrfürchtigem Ernst jenes Spiel, als das die Welt überhaupt nur sie selbst ist. Mit allen Traditionen, mit allen Gesten und Riten, mit allem Kult. Wie es uns übergeben wurde. So daß wir aus Weihnachten heraus, vom Eid Gottes aus, der sich uns zugesagt hat, der uns seinen Eid gegeben hat, weil er gesprochen hat, weil sein Wort in der Welt ist, in ein neues Jahr gehen, das somit im Wort begonnen zu einer Weltschöpfung wird. Die Wandel und Wechsel zur Eigenschaft hat, damit auch die Jahreszeiten braucht, weil Sein in der Welt - Freiheit - nur jeweils aktiv, im Vollzug an einem Begegnenden, überhaupt da sein kann.
Wir können von hier aus die letzte Linie ziehen. Daß nämlich diese Weltschöpfung in einer Person gründet. Und diese Person wiederum in einem Namen, dem ersten und eigentlichen Wort - Jesus. Dem Grund- und Schlußstein der Welt, in dem er sie in das Universale der göttlichen Gegenwart hebt. Zum himmlischen Jerusalem. Dem Urbild jeder Ikone, jeder Schrift, jedes Wortes, jedes Dings auf der Welt. In ihm ist alles enthalten.
Und so können wir auch unser Sprechen - unserem Hauch - spiritus, spirare, atmen - als Träger (als Träger! als Ikone! nicht als dieser Gott selbst!) des göttlichen Hauchens innerhalb der Dreifaltigkeit - als Weltzeugungsakt begreifen. Das in der Wahrhaftigkeit den Eid - zum schönen, guten, Welt werden sollenden Wort geworden - erfüllt.
Im hinausgestellten Wort ist alles eine Idee aus dem unendlichen logos, dieser nach außen drängenden, lebendigen, beziehungsvollen Grammatik des Geistes. Der sich im Wort in die Welt hebt, die im Gehörtwerden - auch in unserem eigenen Hören, denn wir hören uns selbst, ja denken ist sprechen und hören, ist nicht leise, ist nicht stumm, sondern tönt in uns - bewegt und somit Welt schafft.
Je mehr unser Sprechen zum Eid wird, und in dieser Haltung also Fenster zur Gnade wird, desto mehr schöpferische Kraft haben wir. Weil wir Gott ähnlich sind, und so an seinem inneren Leben teilhaben können.
Das wird uns in Weihnachten durch die Fleischwerdung Gottes des Sohnes wieder geschenkt.
Geburt aus dem Eid (4/1)
Worte, Sprache, die mehr ist als ratio, als Verstand, sind nur ein Aspekt davon, sondern die die Sprache als jenes Gewebe betrachten, auf dem die Welt - ja letztlich Gott - überhaupt aufruht und insofern die Welt ist. Damit stehen wir vor der Tatsache, daß die Grammatik dieses innerste Wesen des Sprechenden - also die Wahrheit - erkennbar macht. Die Gesetze der Grammatik der Welt sind somit Hinweis auf Struktur und Gesetz der Wahrheit.
Das macht begreifbar, warum in einer Zeit, in der die Wahrheit als "nicht vorhanden" bezeichnet wird, sowohl die Welt als auch die Sprache verkommen muß, und verloren geht. Beides verliert nicht nur ihren Wahrheitsgehalt, sondern mit dem Wahrheitsgehalt auch ihre kommunikative Möglichkeit. Denn ohne Wahrheitsbezug gibt es kein Sprechen. Und damit keine Welt.
Das wird auch durch die viele Schrift (fälschlich weil vorschnell als "Information" bezeichnet) nicht anders, die heute mehr und mehr das ad personam gerichtete, gesprochene Wort ersetzen soll, was ein furchtbarer Irrtum genauso ist wie ein verzweifelter Versuch, ihre Tragfähigkeit in der Welt wieder zu finden.
Weil die Schrift auf eine Symbolhaftigkeit zurückgeht, in der die ins Transzendentale, alles Welthafte, Geschöpfliche, Begründende reichende Tiefe als Sprache der Sprache (wie Heidegger es nennt) hinweisend, aber als Ganzes, Integeres, als ikonenhaftes Bild repräsentiert und damit als Fenster dorthin gegenwärtig gesetzt wird.
Das ist der Grund, warum Schrift und Bild (als Symbol, also als Kunst) auch in unserer Kultur anfänglich keine zwei Dinge, sondern eins waren. Die alte Buchmalerei, aber auch die alten Bilder oder Kirchenmalereien drücken genau das aus. Ich behaupte: das ist auch der einzige Hintergrund der Höhlenbilder. Sie sind keine "Zeichnungen", sie sind Schrift, die einmal Ikone war. So wie jedes Ding, jedes Lebewesen, einfach alles ... Schrift war und ist.
Schrift ist die Ikone der Sprache, Fenster zu einer geistigen Wirklichkeit - zu der des logos, in dem aller Grund zusammen-, mit Gott in eins fällt. Wo Sein, Wille, Handeln, Liebe nicht mehr auseinanderfällt, wie beim Menschen, dem die Göttlichkeit fehlt, weil er Gott nicht mehr in allem gleicht. Sondern in einer innergöttlichen Beziehungshaftigkeit west und nur im Aktiven, im Handeln, im Vollzug IST.
Beim Menschen ist genau dies, was bei ihm in Ähnlichkeit, also Analogie da war, in der Sünde auseinandergefallen. Weil er sich vom Einen, dem Urbild seines Ganzen, abgewandt hat. Ihm ist nun Hintereinander, Nacheinander, was in Gott eins war und ist.
Schrift ist deshalb in ihrer eigentlichen Form Abbild vom Urbild, und Fenster zum Unendlichen Geist. Und jeder, der sich viel mit Schriftsprache auseinandersetzt, wird bestätigen, daß im Schreiben die reinste Form des Denkens welthaft wird. Der Schriftsteller, der Philosoph DENKT IM SCHREIBEN, bestenfalls (weil flüchtig) noch im Gespräch. Und sonst nicht.
Damit ist auch klar, daß ein gesprochener, noch mehr aber ein geschriebener Text immer verweisenden Charakter hat, sich nie selbst genügen kann, sondern als Kommunion für Sprechenden wie Hörenden da ist. Sie ist wie ein Molekül, dessen Bindungsverlangen nach vielen Seiten ausgreift. Und in gewisser Weise auch in dieser Beidseitigkeit entsteht. Jeder Schreibende, jeder Sprechende spricht FÜR jemanden. Und wenn es nur einer ist. Und wenn es nur Gott ist.
Schrift - Bild, Ikone - ist aber auch Erinnerungshilfe, so daß ein Bild aufs andere kommen kann - Denken als Gebäude möglich wird. Sie weist mehr noch auf eine Erinnerung hin, die allen Menschen gleich ist, nur in vielem vergessen, verdrängt, abgelehnt wurde. Eine Erinnerung an die Fundamente der Welt. Die ein Bild sind. Das eine Grammatik enthält. Die Grammatik der Welt.
Die ursprünglich allen Menschen gleich war, und die innere Nähe aller Sprachen zueinander begreiflich macht, in der sich alle Menschen auch heute noch letztlich verstehen können.
Ich bin vor 12 Jahren nach Ungarn gezogen. Und habe mich bis heute geweigert, auch wenn es nicht immer leicht war, die Sprache zu lernen. Ich habe dabei von Anfang an die Erfahrung gemacht, daß das für eine Alltagskommunikation auch gar nicht notwendig war. Es gab noch so viel, das eine Kommunikation möglich machte, Geste, Tonfall, Laute, nur als Beispiele, daß ich für die alltäglichen Dinge auch so durchkam. Es genügte Aufmerksamkeit. Und Rückgriff auf menschliche Erfahrung.
Wenn eine solche Kommunikation auch nicht immer leicht ist. Weil sie ursprünglich von einer einzigen Tradition ausging, von einer einzigen Weitergabe und von dort aus immer wieder weitergegeben wurde und wird, die heute - das ist der Inhalt der Erzählung vom Turm zu Babel, die Ursache dafür liegt im Hochmut, in der Abweisung der Spache der Sprache - in viele Teileigenheiten und -traditionen zerfallen ist.
Denn es ist nicht nur in allen Sprachen eine Erinnerung enthalten, die weitergegeben wird, sondern auch in ihrer Einzeltradition ist die einem weitergegebene Sprache das Fundament der eigenen Weltsicht, des eigenen Denkens. Als Sprechen und Denken IN ewigem Raum, an einem Ort, in einer Landschaft und Kultur. Eingeschränkt, spezifisch.
Das Erinnerte bildet dann den Boden jeder Person, jedes Menschen. Wer einmal mit Alzheimer-oder Demenz-Patienten zu tun hatte, weiß, daß diese mit der Erinnerung auch ihre Persönlichkeit verlieren, nicht mehr greifbar werden, so etwas wie "verschwinden" - weil die gewirklichte Gestalt der Person, die es nur in einem In-der-Welt-sein geben kann, also mit Bezügen, nur durch Erinnerung in der Welt bleibt. Dem Demenzkranken, oder machen wir es einfacher: dem Vergeßlichen, ist es nicht möglich, Persönlichkeit zu bewahren. Und umgekehrt. Der Unsittliche zeigt auch immer ein "schlechtes Gedächtnis". Das erst heißt, alle Bezüge in sich zu tragen und zu repräsentieren. Er wird in vollem Sinn wieder zum Kind, auch in seiner Verdienstlosigkeit.
Das heißt, daß ihm das entschwindet, was ihm als Mensch und Persönlichkeit übergeben wurde und laufend wird. Durch die Eltern, aber auch und je älter jemand wird, desto mehr durch die weitere oder engere Umgebung. Weil alles Welthafte, alles Dingliche auf dem Wort beruht, sind auch alle Dinge, die Welt, Erinnerungsträger, und damit Gerüst und Stütze einer Persönlichkeit. Der Demenzkranke, der Erinnerungslose kann nur diese Dinge nicht mehr lesen. Oder ... will sie nicht mehr lesen. Wie es bei manchen sogenannten Geisteskranken oft so deutlich erkennbar ist. Die Verweigerer mehr sind als angeblich Kranke.
Damit ist es die Erinnerung, die einem Menschen in dem Maß Freiheit, also Verfügungskraft über seine Möglichkeiten zu haben - das alleine zeigt schon die Verbindung von Freiheit mit dem Guten - als die Umgebung einerseits der Sprache der Sprache wahrhaftig, gerecht wird, und auch, als er den Dingen richtig, wesensgemäß begegnungsfähig und vor allem begegnungswillig ist.
Und damit auch in dem Maß, als diese Umgebung auch wahrhaftig ist. Also in ihrer Sprache das symbolisiert, was auch dem Kind (weil allen Menschen gleichermaßen) zugrunde liegt und ihm somit Welt wie Transzendentes erschließt. Als Wahrheit. Die als Schönheit sichtbar, im Guten erfahrbar und im eigenen Tun als Ergreifen der Wahrheit lebendig wird.
Sonntag, 16. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (3)
Auch diesmal gilt unser Dank Leser B, der mit ungeheurer Geduld und Mühewaltung den Text aus dem Video in geschriebenen Text übertragen hat.
*131118*
Sonntag, 9. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (2)
Erneut gilt der Dank Leser B, der auch dieses Video "abschrieb" und den (spontan) gesprochenen Text somit dem Leser auf diese Weise zugängig macht.
Sonntag, 2. Dezember 2018
Geburt aus dem Eid (1)
Mit speziellem Dank an Leser B hier auch noch "nur der Text", vom Video übernommen. Denn es war im Wesentlichen "spontan" gesprochen, mußte also nachgeschrieben werden. Verstehe der Leser diese "Drei-Gestaltigkeit" des Inhalts als Versuch, wie diese komplexen Inhalte am besten darzustellen sind. Ausnahmsweise sei der Leser ermutigt sich unter office@eberhardwagner.com zumelden, welche Form ihm am geeignetsten erscheint.
Sonntag, 14. Oktober 2018
Splitter zum Tag (2)
***Hier liegt der leider weithin zu beobachtende Fehler begründet, wie er uns in der "Flüchtlingsfrage" heute begegnet und der Kirche jede Glaubwürdigkeit genommen hat, ja sie als Feind der eigenen Kultur verstehen läßt. Was sogar zu guten Teilen stimmt. Aber nur im Faktischen, nicht in dem, was Kirche eigentlich ist. Wenn es nämlich heißt, man müsse sich um den Armen (Flüchtling, in Not Befindlichen, was auch immer) kümmern und dabei die Unterschiedlichkeit ausblenden. Nein! Denn Liebe zielt ja nur auf Unterschiedlichkeit ab, diese ist der Ort an dem sich Liebe erfüllt! Und das kann auch heißen, den anderen aus der eigenen Gemeinschaft auszuschließen, ihn zugleich aber in seinem Eigensein zu stärken, wo dieses ihm dient, oder aber von ihm Änderung verlangen, wo es ihm dienlicher wäre, um "Mensch zu werden". Und das heißt in der Regel auch: In seiner eigenen Kultur als ihm gegebener Ort, seine Sittlichkeit zu verlebendigen. Nächstenliebe heißt aber nicht und niemals, das Eigensein über Bord zu werfen!
Daß das im ganz Persönlichen für einen "Figurlosen" (wie es Priester sind, die schon durch ihre Kleidung "neutral", also sopra-kulturell sind, wenn das auch nicht für die Liturgie gilt, die eben wiederum nur kulturelle Gestalt haben kann, weil sie Teilhabe der Menschen an einer Gestalt bedeutet, die prinzipiell immer in eine Kultur gekleidet ist) eine andere Form hat oder haben kann steht auf einem ganz anderen Blatt. Und ist doch nicht so einfach zu generalisieren, denn für einen Pfarrer, der ja das Ortsprinzip zu seinem eigenen gemacht hat, ist Kulturverflochtenheit in gewisser Hinsicht Liebes-Pflicht: Er muß den Menschen in ihrer jeweiligen Kultur begegnen, darin quasi als Neutraler "schwimmen", die ihm als Seelsorger aufgegeben sind.
Um das Gesagte vorstellbarer zu machen, möge der Leser nur an die ungeheuren und weltweiten Erfolge der Jesuiten-Mission denken, die bis ins 18. Jahrhundert andauerten, ehe man sie auf politischen Druck hin verbot, weil sie dem Kapitalismus im Wege standen. Sie haben dieses Prinzip der Kulturbezogenheit verstanden, sind aber auch sehr vorsichtig damit umgegangen. Kein Jesuit hat einfach eigenmächtig Kulturformen adaptiert, immer hat er Rücksprache mit den theologischen Konsilien gehalten. Aber an sich haben sie das Leben der Kultur gelebt, in die sie gegangen waren, dabei aber aussortiert, was in dieser Kultur NICHT zum Menschsein führte, und höhergeführt, was dort dem Sein, dem Ziel des Menschen zuarbeitete. Beliebtes Beispiel: Die Chöre der Indios in Paraguay, die nämlich auch sonst so gerne und schön sangen. Oder den fälschlich als "Sozialismus" mißdeuteten Umgang mit Kollektivgütern, weil diese Menschen einen individuell kaum ausgeprägten Begriff von Verantwortung und damit Besitz hatten. Heute sind dieselben Jesuiten freilich zu den Vorreitern einer kulturrelativistischen, auflösenden und damit häretischen, tatsächlich sozialistisch-nihilistischen Haltung geworden, die eine Gefahr darstellt und dringend zu einem Verbot der Ordensorganisation führen müßte.
Samstag, 13. Oktober 2018
Splitter zum Tag (1)
Weil aber der Mensch in diesem Wesen Vernunftmensch ist, weil er ohne Vernunft gar nicht leben, nicht Mensch in Persönlichkeit und damit Identität sein kann, gründet darin die grundlegende Suche jedes Menschen nach seinem Vater. Arm sind die dran, die ihn nicht einmal kennen, also seine Gestalt nicht in ihrer Erinnerung tragen. Noch ärmer jene, denen das bewußt vorenthalten wurde und wird. Ihnen bleibt nur die Annahme eines Ersatzvaters.
Was bei Buben in der Identifikation - in ganz jungen Tagen undifferenziert, später differenzierter, das heißt: individualisierter, weil ja auch die Welt historisch nie dieselbe ist - stattfindet, findet sich bei Mädchen in der reaktiven Zugewiesenheit durch die Gestalt des Vaters, der die Identifikation mit der Mutter in eben dieser Bewegung zur Seite steht. In eben dieser Haltung, die auch die Söhne in ihrer Reaktion auf die Mutter in ihrer Haltung zum Vater zu sich selbst kommen lassen.
Ist auch nur irgendetwas in dieser Polarität als Wesen der Beziehung gestört, kommt es im Kind zu Identitätsstörungen. Als deren Folge auch die Vernunftfähigkeit gestört wird. Die nur sekundär mit Intelligenz - als in sich blindes Werkzeug der Vernunftgrundlage, also durchaus auch in destruktiver Möglichkeit - zu tun hat. (In diesem Sinn wird an dieser Stelle immer von der Sittlichkeit als Grundlage der Vernunftfähigkeit gesprochen.)
Es ist der Sinn, der logos, die "Gerichtetheit auf" (den Vater), aus der Vernunft erst möglich wird. In den beiden Geschlechtern aber auf je andere Art und Charakteristik.
Und in dieser Hinsicht sucht tatsächlich und als Lebensschicksal jeder Mann seine Mutter, jede Frau ihren Vater. Hier wird über die Geschlechterfolge sogar die Anbindung an den aller ersten Ursprung weitergegeben. Und hier liegt die Herkunft des Menschen als Geschöpf Gottes wie eine verschlüsselte Botschaft jedem Herzen eingeschrieben.
Das ist der Sinn des 4. Gebotes, das nicht zufällig das erste der sieben weltzugewandten Gebote ist. Und mit Volltext ja alles sagt: "Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß Du lange lebest und es Dir wohlergehe auf Erden." Es verbindet in dieser Bedeutung mit den ersten drei (direkt gottbezogenen) Geboten.
Das heißt aber nicht, daß der Vater stets physisch präsent sein muß, wir haben darüber schon geschrieben. Seine Gestalt ist entscheidend, und diese wiederum ist in der Mutter (als Antwort) eingeschrieben. Der Vater ist also in der Mutter präsent (oder eben nicht), und damit erfahrbar (oder eben nicht). Denn die lauteste Botschaft einer Eigenschaft zeigt sich im Mangel, wenngleich er über den Verstand anders umgesetzt werden muß (denn der Verstand liefert nur die Anleitung, nicht das Ding selbst.) So wird z. B. seine Schutzfunktion im Erleben der Schutzbedürftigkeit erkennbar, was somit noch stärker zu ihm hin bewegt und auf ihn verweist.
Das Präsenzprinzip gilt damit aber sehr wohl für die Mutter. Denn sie ist die erste Identifikationseinheit, aus der sich das Kind erst zur Persönlichkeit - über die Gestalt des Vaters - ablöst.
Sonntag, 10. Juni 2018
Fluch der 68er
Die 68er waren eine Abwendung von der Vernunft. Hans Langbein (oder hieß der Rainer Langhans? Egal, es lohnt nicht, sich die Namen solcher Staubflockerl am Klopapier zu merken) gab es bei einer jüngst vom VdZ gesehenen TV-Diskussion offen zu, ja, der mittlerweile alte Mann meinte immer noch die große Heilsbotschaft zu verkünden, indem er verlangte, daß wir von der Vernunft abkehren sollten. Das sei ja die große, menschenrettende Botschaft auch seiner Kommune gewesen.
Heute stehen wir ein einer Situation, in der sich einfach alle verarscht fühlen. Und hilflos um sich schlagen und Schuldige suchen. Die Industrie. Die Linken. Die Rechten. Der Kapitalismus. Der Zins. Bis man merkt, daß sie ein Motiv elegant zu umschiffen versuchen. Da muß man aufmerken. Da liegt es wohl denn.
Unsittlichkeit. Und die aus ihr stammende Vernunftlosigkeit. Sie ist eine ganzpersonale Hinwendung zum Sein, zu Gott, der Person ist. Vernunft ist eine Ganzzuwendung, eine ganzpersonale Ausrichtung. Eine Weichenstellung in der Wurzel, am Beginn alles dessen, was wir mit Denken bezeichnen. Das fast immer nur ein "Wortstellen" ist, ein Ausrichten unseres Wortgebrabbels auf unsere längst gefaßten Entscheidungen. Insofern - interessanterweise - der Wahrheit nicht unähnlich, ja ähnlich, was sonst. Denn auch die ist ein Ausrichten auf den Urgrund aller Wahrheit, auf die Wahrheit selbst: auf Jesus Christus.
Achten wir also darauf, worauf sich jemand ausrichtet. Deshalb haben die meisten Dispute nicht rationales Argument zur Aufgabe, sondern Zurechtweisung ob der Zumutung, der Vergewaltigungsversuche, die das Gegenüber veranstaltet. Und sich mit Wortkaskaden tarnt.
Alles übrige, all die Diskussionen, all die Dispute - wir können sie uns sparen. Sie sind (außer für standesmäßige Beobachter) nutz- und sinnlos.
Sonntag, 5. März 2017
Als Quelle des Lebens
Alle Völker aller Zeiten wußten darum, als Analogie, als innere Schematik findet sie sich immer und überall. Kein Volk, das keine Helden kennt. Es hat absolut nichts mit Nutzen und Pragmatismus zu tun, daß jedes Volk aus einer Selbsterzählung hervorgeht und diese als heilig mit sich weiterträgt, die die Quelle - die Gründung durch den oder die Helden - immer gegenwärtig hält. Die Legenden eines Volkes sind sein Herdfeuer, das nie verlöschen darf, weil sonst alles in Dunkelheit und Nichts fällt.
Wer die Väter verachtet, fällt ins Nichts. Dem erlischt die Kraft der Lebensgestaltung, weil er das Pferd der göttlichen Vorsehung nicht mehr zu reiten vermag. Und ohne Gestaltung gibt es kein Leben.
Sonntag, 23. Oktober 2016
Unter der Drohung der Einsamkeit
Sonntag, 16. Oktober 2016
Im Anfang ist das immanent Geglaubte
"Wäre der Mensch gezwungen, sich selbst Beweise für die alltäglich gebrauchten Wahrheiten zu liefern, so würde er nie ein Ende finden. Er würde sich durch elementare Beweisführungen ausgeben, ohne weiterzukommen. Da er wegen seiner kurzen Lebenszeit und der Begrenztheit seines Geistes weder die Zeit noch die Fähigkeit hat es durchzuführen, ist er darauf angewiesen, eine Menge von Tatsachen und Meinungen für begründet zu halten, die selbst zu untersuchen und zu prüfen er weder Muße noch Kraft hatte.Sie waren entweder von Geschickteren entdeckt oder von der Menge aufgenommen worden. Auf dieser ersten Grundlage errichtet er selbst das Gebäude seiner eigenen Anschauungen. Diese Art des Vorgehens liegt nicht in seinem Willen. Das unbeugsame Gesetz seiner eigenen Daseinsbedingung zwingt ihn dazu.Es gibt keinen noch so großen Philosophen auf der Welt, der nicht zahllose Anschauungen von anderen übernimmt und der nicht viel mehr Wahrheiten voraussetzt, als er selbst aufstellt."
In Zeiten der Gleichheit, wie sie die Demokratie bewirkt, schenken die Menschen dem anderen immer weniger Vertrauen. Zugleich aber wächst die Neigung, der Masse zu vertrauen, denn wenn alle gleich aufgeklärt sind, bleibt nur noch das Gesetz der Masse. Denn während er den anderen als "gleich" erkennt, erkennt er sich selbst als klein und unbedeutend im Verhältnis zur Masse. Dieselbe Gleichheit die ihn vom anderen unabhängig macht isoliert ihn, und damit steht er dem Einwirken der großen Zahl wehrlos gegenüber. Sodaß es am Ende die öffentliche Meinung ist, die die Menschen führt. Sie wird bei demokratischen Völkern unendlich groß.
Anders als bei aristokratischen Völkern ist es nun nicht die individuelle Vernunft, die eine Überzeugung bewirkt, sondern die Öffentlichkeit, die sich aufdrängt und ihre Anschauungen mit enormem Druck - dem Druck der Massenseele (im Gewande der Allgemeinheit, und damit der Wahrheit selbst) auf den Einzelgeist - in die Gemüter treibt.
Selbst die Religion herrscht dann nicht als einzeln geglaubte, geoffenbarte Glaubenslehre, sondern als öffentliche Meinung. Denn nichts, schreibt Tocqueville an anderer Stelle, ist dem Menschen so geläufig als dem Vertrauen zu schenken, der die größere Macht über ihn hat, ja der ihn unterdrückt. Denn, fügen wir wieder hinzu, darin ist die Grundtypologie des Menschseins überhaupt abgebildet - die Verankerung in einer göttlichen Person. Und Gott ist nur, was die größte Macht hat.
Deshalb drückt sich in diesem pyramidalen Aufbau, in dem jeder in einem anderen verankert ist, DEM er glaubt, die Grundsituation des Menschen vor Gott aus. Die zugleich ontologisches Gepräge ist, und das Dasein im Einzelnen nicht anders kennzeichnet wie im großen Ganzen, nur auf je anderer Ebene.
Die Frage kann deshalb auch nie sein, OB und WAS wir unseren Eltern und Vorfahren verdanken. Schon so zu fragen, entzweit sich mit sich selbst.
Aber die Ursache liegt auch hier in der falschen Anhänglichkeit an JEMANDEN. Wo die Sicherheit in Gott durch die vermeintliche Sicherheit eines Einfügens in die öffentliche Meinung ersetzt, das Religiöse also zu einem Gott wechselt, dessen Prophet die Mehrheit ist. Und was "alle" für richtig halten, muß doch auch richtig sein.
