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Donnerstag, 7. September 2017

Sozialsysteme & Geburtenrate. Ein sehr zu differenzierender Zusammenhang (2)

Teil 2) Was vor 130 Jahren begann ist irreversibel 
- Was sich sicher sagen läßt




Das, was wir heute als "demographische Katastrophe" in Deutschland bezeichnen, hat also bereits vor 130 Jahren begonnen. Seither wird von der demographischen Forschung (die es in Deutschland seit dem späten 18. Jahrhundert gibt) ein kontinuierlicher Rückgang der Geburtenraten festgestellt, der im Hitler-Deutschland nur eine Scheinblüte erlebte. Diese Entwicklung schreitet aber in Spiralform voran. Sie verläuft progressiv. Denn gehen einmal die Kinderzahlen zurück, tun das die Kinder dieser Kinder in exponentieller Wirkung. Sind keine 4. Kinder mehr da (die jeweils wieder vier Kinder in die Welt setzen), sondern nur noch 3., fällt die absolute Geburtenrate (und damit der Anteil der Jungen Generation an der Bevölkerung) fast um die Hälfte. Haben diese weiter weniger Kinder, verläuft diese Entwicklung ganz rapide. Das bleibt lange Zeit unbemerkt, weil in absoluten Zahlen die Bevölkerung ja weiterwächst, aber eines Tages taucht diese Entwicklung auf. 

Denn sie wird von einer Grundsatzentscheidung geprägt, und die ist der wahre Kern des Problems: Kinder werden immer mehr disponibel, werden Objekt subjektiver Willkür. Der sich dann mit dem sogenannten "Pillenknick" in den späten 1960er-Jahren nur Ausdruck verschaffte; die Pille selbst aber war nicht seine (primäre) Ursache. Sondern generell war der Wunsch nach mehr Kindern (als generelle Offenheit für Empfängnis, die nicht kleinbürgerlich zählt und rechnet) bereits verdunstet, wurde Sexualität zum Selbstzweck. Was immer darüber geredet wurde war nur noch Rationalisierung, Rechtfertigung eines bereits in der Neigung eines Volkes verankerten, bereits gefällten Entscheidung. Und zwar war es eine Entscheidung, die von den Geburtenjahrgängen der späten 1930er/frühen 1940er gefällt worden war, also - von den sogenannten "Babyboomern", den Kindern aus der kurzzeitig wieder höheren Geburtenraten PRO FRAU der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Diese Kinder wiederum waren aber nicht willens, die unbedingte Offenheit für Nachwuchs zu pflegen. Sie wollten bereits weniger Kinder. Und es waren weniger, als jemals in der Geschichte Deutschlands, seit etwa 1880. Eine Geschichte die vor allem zeigt, daß die sozialistische Zielsetzung als Basis einer Gesellschaft zwangsläufig in deren Zerstörung mündet und ihrem eigenen Ansatz widerspricht weil diesen unmöglich macht.

Der Demograph Herwig Birg sagt deshalb einmal, daß die demographische Entwicklung in Deutschland zu diesem Zeitraum der Einführung eines Sozialversicherungssystems begann, und im Grunde  beziehungsweise kurz- oder mittelfristig heute irreversibel ist. Ihr katastrophisches Ausmaß aber hat nur einen Grund: Er liegt in der Unmöglichkeit, das soziale Umlageverfahren, den Generationenvertrag, auf dem jedes abstrakte Sozialsystem beruht, aufrechtzuhalten. 

Indem der in der Lebensweise erfahrbare, unbedingte und nur durch menschliche Beziehung und Solidarität gegebene Zusammenhang eines solchen Systems zerrissen wurde, ist er nicht mehr wiederherzustellen. Der heutige Mensch begreift sich bereits so als "Solitär", als Alleinstehender, Autonomer, der niemandem mehr etwas verdankt außer einem anonymen, abstrakten System, "dem Staat", daß es Generationen bräuchte, in denen sich dieser Zusammenhang (der ja auch jetzt besteht, nur wird er nicht mehr wirklich geglaubt!) in seinem realen Leben wieder artikulieren könnte. 

Und er würde es letztlich durch ... eine höhere Fertilität, durch die Offenheit der Eheleute für Kinder.

Der Zusammenhang zwischen Fertilität und sozialer Absicherung (in jeder Richtung: über Familiensolidarität hier, über anonyme Sozialnetze dort) ist weltweit auch tatsächlich evident. Während sonst gewiß viele Faktoren noch von Bedeutung sind, aber nicht exakt eingeschätzt werden können, kann es dieses Faktum sehr wohl.

Den Gegenbeweis liefern sämtliche Staaten Europas, ja der Welt. Denn die heute schon so internalisierte Reaktion, "soziale Probleme" (worunter auch die Demographie fällt) mit Geld und dem Ruf nach "Förderung" beseitigen zu wollen, ist eines ganz eindeutig nicht: Nachweisliche Stimulans für eine höhere Geburtenrate. Vielmehr sind die Ursachen vielfältig, liegen aber ganz sicher nicht einfach in "mehr Geld". Sondern brauchen eine Basis, die je nach gesellschaftlicher Situation eines Volkes oft völlig anders, ja m Einzelnen konträr (was hier scheinbar wirkt, tut es dort zum Gegenteil) aussehen kann und muß. 

Mit Sicherheit aber läßt sich sagen, daß Verwurzelung, ein System direkter, erfahrbarer wechselseitiger Gebrauchtheiten, und eine davon ausgehende existentielle Ruhe solche Bedingungen sind, die kein abstraktes Sozialsystem der Welt ersetzen kann, im Gegenteil: Diese zerstören sie sogar. Eines kann also mit absoluter Sicherheit gesagt werden: Wenn eine Politik meint, sie könne die Fertilität von Frauen dadurch "fördern", indem sie ihre Selbständigkeit stärkt, irrt sie nicht nur, sondern sie zerstört mit der einen Hand den Boden für das, was sie mit der anderen zu gießen vorgibt. Der Sozialpolitik insbesonders im Bereich "Familienförderung" muß also weithin, ja fast zur Gänze das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie familienzerstörend wirkt, und damit ganz sicher keine demographische Wende bewirken wird. Aber ganz sicher sich selbst zerstört. Denn es gibt kein Sozialsystem innerhalb einer in keinem Erlebenszusammenhang stehenden, sich als Einheit empfindende, solidarische Gesellschaft.





*180817*

Mittwoch, 6. September 2017

Sozialsysteme & Geburtenrate. Ein sehr zu differenzierender Zusammenhang (1)

Zwei Umstände springen bei der Betrachtung der demographischen Entwicklung (weltweit, aber hier speziell in deutschen Ländern) ins Auge. Da ist einmal ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Ausbaugrad eines staatlich organisierten Versicherungsstaates und der Geburtenrate. Denn anders als man meinen könnte, besteht nicht nur ein paradoxer Zusammenhang zwischen dem Anstieg des Wohlstands und einem damit einhergehenden Rückgang der Geburtenrate - Kinder sind also NICHT an höheres Einkommen gekoppelt, "damit man sie sich leisten kann", es verhält sich statistisch umgekehrt. Das alleine erklärt noch nicht demographische Entwicklungen! Der Rückgang der Geburtenrate hat vielmehr im späten 19. Jahrhundert in dem Moment eingesetzt, als die allgemeine Sozialversicherung eingeführt und zunehmend ausgebaut wurde. 

Aber auch das reicht noch nicht, um es zu verstehen. Denn anders als heute gemeint wird, hat es soziale Absicherung praktisch zu allen Zeiten gegeben. Das Hauptziel der sozialistischen Bestrebungen, soziale Absicherung einzuführen, war also keineswegs eine "soziale Absicherung", das war und ist eine Lüge. Selbst Mildtätigkeit ist eine Form der sozialen Absicherung, umso mehr aber gab es weithin sogar monetär organisierte Solidarnetze, die aber nur jeweils auf eine bestimmte Personengruppe erstreckten - eine Berufsgruppe (jede Gilde, jede Zunft etwa hatte soziale Absicherungsinstrumente), eine lokale Gesellschaft (jedes Dorf hatte soziale Versorgungsein-richtungen), ein Landstrich (durch landesherrliche Maßnahmen), oder die vielen auf ein Unternehmen beschränkten Versicherungs- und Sozialhilfeformen (noch heute gibt es in Österreich "Betriebsversicherungen", oft sogar nur als Solidargemeinschaft weniger hundert Mitglieder; der VdZ war selbst einige Zeit in einer solchen versichert). 

Aber alle diese Instrumente sozialer Absicherung hatten eine Eigenschaft: Sie waren nicht anonym! Sie waren vielmehr Ausdruck der Solidarität von Menschen, die einander mehr oder weniger kannten, die ähnliche Lebensumstände hatten, und füreinander einstanden. Dafür entrichteten sie auch nach Maßgabe ihrer Mittel Abgaben. Niemand sollte alleine bleiben, niemand sollte ohne Hilfe bleiben, wenn er sie in den Wechselfällen des Lebens benötigte. Und sogar für Randerscheinungen war ausreichend Platz. Siechenhäuser verweigerten auch "Nutzlosen" nicht den Platz. Die Rolle der Kirche und der Klöster - sowohl in direkter sozialer Tätigkeit wie in der Stärkung der sittlichen Ausrichtung und Solidarisierung der Menschen - kann da gar nicht genug gewürdigt werden.

Das begann sich erst dort und ab dem Zeitpunkt zu ändern, in hohem Maß ausgehend von England im 16. Jahrhundert ff., wo die Gesellschaften von kapitalistischen, rein auf Geldmaximierung orien-tierten Unternehmen und einem Staatswesen, das sich auf dieses Geld stützte, dominiert wurden. Hier war der Zusammenhang unter den Menschen aus verschiedensten Gründen zerrissen. Hier wurde aus einer Gesellschaft, die sich immer als Gemeinschaft verstanden hatte, "Masse" als zufällige Ansammlung Einzelner, die menschlich nichts mehr verbindlich einte, die sich zufällig bzw. durch Umstände gezwungen an ein und demselben Ort befanden. An England speziell läßt sich zeigen, wie über wenige Jahrzehnte (auf die Reformation folgend) aus einem Land allgemeinen Wohlstands (auch in sozialer Sicherheit) ein Land wurde, in dem immer größere Schichten ins Elend fielen (und eine der Ursachen von Elend ist Entsolidarisierung.) Eine Entwicklung, die in Deutschland erst ab dem 19. Jahrhundert einsetzte, aber nie in derartigem Ausmaß.

Das Hauptziel einer in die Allgemeinheit verlegten Sozialen Sicherung war aber nicht nur die verständliche Reaktion auf dieses Elend. Es war in seiner wahren Richtung vielmehr eine UNIVERSALISIERUNG dieser Absicherung, das heißt: Das Herausreißen des Einzelnen aus persönlichen Verbindlichkeiten und Beziehungen, denn diese waren NICHT MEHR ERLEBBAR NOTWENDIG*.

Wenn aber die Zusammenhänge zwischen der Quelle dieser Sicherheit und dem Nutzen für den Einzelnen nicht mehr nachvollziehbar (weil abstrakt, im Grunde hier sogar statistich-mathematisch) sind, zerreißt deren fester identitärer Halt, wird der Mensch jeder sozialen Eingebundenheiten entwurzelt. Dieses Ursache-Wirkungs-Verhältnis läßt sich im Deutschland ab den 1880er Jahren ablesen: Ab diesem Zeitpunkt begann die Fertilität der Frauen zu sinken. 


Morgen Teil 2) Was vor 130 Jahren begann ist irreversibel 
- Was sich sicher sagen läßt



*Nur die Folgen sind erlebbar, auch heute, ganz real und vollumfänglich. Aber man kennt die Ursachen nicht. Im abstrakten Umlageverfahren werden genau jene Erlebenselemente ausgeschaltet - und DIESE sind ja das politische Ziel der Linken - die die eine (schützende, aufbauende) Seite dessen sind, was als elementarer Zusammenhang in den Folgen vor allem dann erfahrbar wird, wenn er zerrissen ist.





*180817*

Mittwoch, 8. Juli 2015

Zeichen und Wunder

Einen wahrlich grandiosen Artikel zur Entwicklung unserer europäischen Gesellschaften fand der VdZ dieser Tage in der österreichischen Tageszeitung Die Presse. Verbunden mit der dringenden Aufforderung an die Leser dieses Blog, ihn sich zu Gemüte zu führen. Das Verwunderlichste ist, daß sich solch ein Artikel überhaupt in einem Massenmedium - und dann in diesem findet. Das sich ansonsten wie sämtliche übrigen Medien in diesen Landen durch political correctness auszeichnet und Journalistik mit Meinungsmache gleichsetzt.

Die Folgen davon zeigen sich übrigens auch hier in den Leserreaktionen, die dem Artikel folgen: Ist aufgrund dieser Realitätsverweigerung kein offenes Sprechen mehr möglich, kann sich auch kein kollektives Narrativ bilden, keine Abklärung der Vernunft. Und der Einzelne versinkt in diffusen "Weltbildern". Zeitungen müssen aber so etwas sein wie die antiken Foren, oder die germanischen Hallen, das Wirtshaus, oder der Kirchplatz nach der Messe, in denen Abklärungen stattfinden können, die einheitsbildend wirken weil Vernunft herausfiltern. Die immer eine Mutmaßung über den eigentlichen Weltgrund ist, die der Autorität bedarf, um zur "Sichtweise" zu werden. Denn Vernunft kann jeder nur empfangen, sie liegt dem Einzelnen voraus, und allem zugrunde. Ohne Vernunft kann deshalb kein Mensch leben, und das heißt: ohne absolute, allgemeine, allen gleich zugängige Vernunft. Die ist aber allen übergeordnet, nur dann ist sie absolut, und jedem gleich offen. In einer öffentlichen Atmosphäre der Wirklichkeitsoffenheit und -liebe kommt es so also zu einer "allgemeinen Vernünftigkeit". Und jeder Streit, jede Meinungsdifferenz ist nur der Versuch, Vernunftbeeinträchtigungen aufzuhellen.  Weil niemand Angst haben muß, daß der andere nur "seine"  (verbeulte, in seinen Nutzen oder gar Haß gestellte Version) Vernunft durchsetzen möchte, sondern um die "Vernünftigkeit selbst" ringt.

Das Vertrauen in diese Foren verlor sich aber aus erwähnten Gründen, und so zerfällt das Volk in unzählige Sonderlinge. Mit je dieser oder jener Autoritätsstelle, der er anhängt, die miteinander um Einfluß ringen, weil sie gar nicht anders können - um "alles" (und damit selbst erst "Vernunft") zu werden.

Der VdZ ist für die von Ley vertretenen, aus eigenen Analysen gewonnenen Ansichten noch vor wenigen Jahren gesteinigt worden. Aber gut, auch der Wiener Historiker und Buchautor wurde ja verschiedentlich angegriffen, im mildesten Fall zum Radikalisierer gestempelt. Allmählich aber scheint sich wenigstens in Ausnahmefällen eine vorsichtige Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit einzustellen. Und eine solche Bereitschaft zur Wirklichkeit nicht als Kampagne, die von "Hetzern, die der Dominanzgesellschaft angehören und durch das Herbeireden derartiger Szenarien zu einer mentalen Radikalisierung weiter Teile der sogenannten abendländischen Zivilisation beitragen" betrieben, verleumdet wird.

Die in dem Artikel dargelegte Analyse deckt sich in seinen Einschätzungen oft aufs Wort mit den an dieser Stelle schon seit längerem vorzufindenden Analysen. Nur in den Konsequenzen gehen die Meinungen auseinander, aber darüber kann man eben diskutieren, aber eben nur dann diskutieren, wenn einmal die Bereitschaft da ist, den Wirklichkeiten offen zu begegnen. Solange die Furcht herrscht, die Kenntnisnahme des Wirklichen wäre schon selbst die Gefahr, ist jede Gestaltungsmöglichkeit bereits blockiert.

Auch Ley meint, daß wir auf ein Auseinanderbrechen unserer Staaten zusteuern, und dieser Prozeß ist durch die Masseneinwanderung bereits irreversibel. Denn den Zugewanderten steht eine demographischen Selbstmord bereits begangen habende Gesellschaft gegenüber. Daraus werden zwangsläufige Konflikte, wie sie der deutsche Demograph Herwig Birg (auch von ihm wurde hier bereits mehrfach gehandelt) entlang von vier Bruchstellen identifiziert: als Generationenkonflikt, als Regionalkonflikt, als Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund, und als Konflikte zwischen Menschen mit Kindern und ohne Kinder. Problemzonen, die natürlich teilweise ineinander übergehen.

Im Presse-Artikel weist Ley speziell auf die irreversible Islamisierung Europas hin. Auch er kommt - wie der VdZ längst hier nachzulesen meint - zu dem Schluß, daß der Islam mit den derzeitigen europäischen Gesellschaft inkompatibel ist. Angesichts einer handlungsunfähigen, die Wirklichkeit verweigernden Politik wird es deshalb zu einem territorialen Auseinanderreißen kommen (müssen.) Mit jeweils eigenen Rechts- und Politiksystemen einerseits, aber auch als gewaltige Konfliktherde, weil sich jeweils unterschiedliche Zivilisationsniveaus vorfinden werden. 

Großartig an dem Artikel ist auch, daß Ley - endlich, möchte man sagen! - auch Kenntnisse über den Islam (und seiner Entstehungsgeschichte) zu besitzen scheint, die über das übliche und unterträgliche Geschwätz von Ökomenismus und Friedensreligion weit hinausreichen, und ihn in seiner Wurzel zumindest weitgehend verstehen. Denn extrem selten sind - gerade Ökumeniker oder Multi-Kulti-Vertreter - in der Lage weil in ausreichendem Kenntnisstand, um über das aus dem Islam selbst stammende Narrativ (das eine posthoc-Poetisierung ist, keine historisch-faktische Erzählung, die aber als solche anzuerkennen verlangt wird) hinauszugehen. 

Hier stimmt nämlich ausnahmsweise auch das Wort von der Islamophobie. (Und solche Schlagworte dienen ja meist nur einem Verbot, sich mit der Wirklichkeit zu befassen, sie nicht "schönzudeuten".) Denn der VdZ behauptet, daß der Umgang mit Muslimen in Europa tatsächlich von einer bereits immanentisierten, das Wahrnehmen und Denken lähmenden Angst vor ihnen bestimmt ist. Sodaß man gar nicht mehr wagt, ihnen mit der bloßen Vernunft zu begegnen - sondern in "ihrem Maßstab" zu werten bereit ist, um nicht Anstoß zum Konflikt zu geben.

Völlig richtig weist Ley darauf hin, daß der Islam in seiner Selbstwerdung im 9. und 10. Jhd. - und zwar aus genau dem erwähnten Grund der A-Historizität, der die Poetisierung in den Rang von Realem hob, und damit notwendigerweise eine Reflexion unterband weil unterbinden mußte, sonst würde er sich selbst ständig in Frage stellen müssen! - jede weitere geistige und kulturelle Entwicklung (bzw. seine Entwicklung zur kulturschaffenden Kraft, wie sie das Christentum bewies) unterband. Historisch (wie hier bereits abgehandelt) ist deshalb die sogenannte "goldene Zeit" des Islam keineswegs eine "islamische" Zeit, sondern eine Nachwirkung der Kultur davor, die solange bestehen blieb, wie der Islam noch NICHT die dominierende gesellschaftliche Macht hatte. Wo immer diese erlangt hat, erstarb diese Kultur binnen weniger Jahrzehnte. Spanien (oder auch Afghanistan) ist dafür beredtes Beispiel.

In den (seit jener Zeit erst definitiv) islamischen Gesellschaften stehen uns deshalb seit damals unveränderte, anachronistische Religions-, Moral- und Rechtssysteme gegenüber. In ihnen findet sich keine den späteren Entwicklungen Europas (über Renaissance und Aufklärung) vergleichbare Entwicklung. Auch wenn diese nicht immer begrüßenswert waren. Hierin, im Rationalismus-Optimismus Leys, weicht die Ansicht des VdZ von der des Wiener Historikers deutlich ab, was sich dann natürlich bis in die finalen Schlüsse weiterzieht.

Der Wiener wagt aber sogar die Aussage - in einer Zeitung! denn hier, in diesem Blog, sind wir ja quasi "unter Gleichgesinnten" und nicht von staatlicher Presseförderung abhängig - daß von islamischer Zuwanderung dominierte Gebiete diesen Zivilisationsunterschied nicht ausgleichen werden können. Ley spricht es zwar nicht aus, aber man kann es zwischen den Zeilen lesen: Das hat mit der prinzipiell zu einer schöpferischen Kulturleistung unfähigen Religion zu tun. Lesen Sie aber einfach selbst.

Und das - in einer österreichischen Tageszeitung!





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Mittwoch, 28. Juli 2010

Trendwende

Man sollte es wiederholen, es war den Medien meist nur eine Randnotiz wert - 2010 war demographisch gesehen das Jahr der Trendwende in Europa. Erstmals merkt man am Arbeitsmarkt (und in den Budgets der Staaten) das Fehlen von Jugend. Erstmals gibt es in Deutschland 50.000 Lehrstellen, die nicht mehr besetzt werden können.

Jetzt rät die Universitätsdozentin Gudrun Biffl in der Presse, für Ausländer das einzurichten, was für Inländer einzurichten nie funktioniert hat: eine Lebensumwelt, in der der heutige anspruchsvolle, wurzellose Mensch gut und glücklich leben kann. Wobei gilt: Zuwanderer zu holen, die unsere Budgetlöcher wieder stopfen, das ist nicht so einfach "steuerbar". Das "passiert". Und aus ganz anderen, indirekten Gründen.

Schlüsselkräfte sind sowieso flexibel, aber was sollten die in Österreich? Den Sozialstaat für die anderen finanzieren?

Einwürfe wie die von Sozialminister Spindelegger, daß wir Zuwanderer brauchen, um unseren Staat finanzieren zu können, sind noch ungewohnt, und regen auf. Und die Diskussionen, die daraufhin stattfinden, zeigen, daß die wahren Zusammenhänge nicht bekannt sind. Es geht nicht darum, ob Österreich 8,4 oder 8,3 Millionen Einwohner in zehn Jahren haben wird. Es geht um die Generationenverteilung. Zuwanderer einfach so holen wollen? Das, so Biffl, ist was es ist: ein Wunsch. Nicht mehr.

Nur das Argument ist keines - daß wir weniger Zuwanderung bräuchten, haben doch schon so viele Inländer keinen Arbeitsplatz. Das wird sich ändern, so gewiß wie das Amen im Gebet. Die Trendwende hat, wie gesagt, bereits stattgefunden. Sie hat sich nur ein wenig verschoben, denn diese Entwicklung war ja schon vor Jahren vorhergewußt.

Wer sich für diesen (unseren) demographischen Weg entscheidet, sagt Herwig Birg einmal sehr deutlich, muß sich dessen bewußt sein, daß er in die Armut führt. Daran führt kein Weg vorbei, und das ist auch für Europa nicht mehr zu vermeiden. Selbst massivste Gegenmaßnahmen (und die sind nicht einmal absehbar) würden in frühestens fünfzig Jahren greifen.

Wir werden uns an manches gewöhnen müssen. Die Zukunft hat schon begonnen.


*280710*

Montag, 19. Juli 2010

Eine Sprache = ein Volk

Der neue deutsche Bundespräsident Christian Wulff sprach bei seinem Antrittsbesuch am letzten Donnerstag in Wien davon, daß die Beziehung zwischen den beiden Ländern Deutschland und Österreich weltweit einzigartig zu bezeichnen sei. Die kulturellen Gemeinsamkeiten seien nicht alleine auf die gemeinsame Sprache zurückzuführen, sondern Ausdruck einer tiefen Freundschaft.

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Der bundesdeutsche Lehrer Jürgen Mirow hatte vor nun schon zwanzig Jahren einen Bestseller geschrieben: "Geschichte des deutschen Volkes". Dabei gelang ihm etwas, das von sämtlichen deutschen Zeitungen mit Hymnen bedacht wurde: ohne heikle Verstrickungen in Nationalbegriffe einzugehen, hat Mirow "Deutsches Volk" kurzerhand als die Gemeinschaft aller Deutschsprechenden definiert. Es sei, so der Autor, ohnehin unmöglich, die Geschichte in ihren Wechselfällen anders zu definieren, denn auch die Landesgrenzen seien höchst ungewisse Bestimmungen gewesen - wie ein Blick in die europäische Geschichte lehre.

Mirow hat deshalb selbstverständlich die Geschichte der ehemaligen Ostgebiete in Polen und im Baltikum genauso in sein Opus aufgenommen, wie die Österreichs, der Schweiz, sowie der Aussiedler in Osteuropa, Rußland, Rumänien etc.

Das Buch ist seit vielen Jahren ungebrochen Verkaufshit, und wird in Deutschland von allen Seiten einhellig aufgrund seiner unkomplizierten Art mit den Fragen umzugehen, seiner Ideologiefreiheit und Originalität gelobt. Es ist längst Standardwerk in Schulen und auf Universitäten.

In Österreich wurde es bisher ignoriert. Wenn ich auch sagen muß, daß ich das bisher tiefste Verständnis auch der eigenen Seele, des eigenen Werdens, einem Österreicher verdanke - der Literaturgeschichte der Deutschen Stämme und Landschaften von Josef Nadler, die er in mehreren und immer weiter umgreifenden und tiefer schürfenden Auflagen von 1914 bis 1932 verfaßt hatte. Auch wenn Nadler hierzulande schlecht beleumundet ist, weil er den Nationalsozialismus mit jenem schöpferischen Neubeginn verwechselte, den er für so notwendig hielt, und den er sich einzig aus den tiefsten Quellen des Volkstums - in einer Renaissance - erstehend vorstellen konnte. Aber in dieser Genarrtheit war er beileibe nicht der einzige. Aber Nadler hat - und Mirow soll es ähnlich versucht haben - die Geschichte als dargestellte Geistes- und Seelengeschichte verstanden und gedeutet. Und damit tatsächlich verstehbar gemacht, weil er anhand durchgängiger Linien hinter den vielen wechselnden Erscheinungen Motive bis ins Heute verfolgbar und erkennbar gemacht hat.

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Der deutsche Demographie-Papst Herwig Birg hat bei gleichbleibender demographischer Entwicklung die Größe der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe im Jahre 2200 weltweit mit etwa zehn Millionen Menschen bezeichnet. "Deutsch ist eine aussterbende Sprache," meinte der Forscher in einem Radiointerview vor drei Jahren.

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Die Sprache, titelt Hugo von Hofmannsthal seinen berühmten Vortrag in München 1919, ist der geistige Raum eines Volkes. Stirbt eine Sprache, auch nur in Teilen, wird sie nicht gepflegt, gehen geistige Aspekte des Weltbegreifens unwiederbringlich und für die ganze Menschheit verloren. Das verlangt nicht nur großen Respekt vor einer Sprache, wie sie von den Vorvorderen übernommen wird, sondern auch größte Behutsamkeit in ihrer weiteren Behandlung. 

Das wesentliche an einer Sprache geht ihr voraus - Sprache erfaßt es nur. Und sie tut es am vollkommensten in der Poesie, der (war es Herder? war es Hamann?) Muttersprache jedes Menschen. Deshalb ist geistiger Inhalt als bereits geleistetes Begreifen nur bei vollkommenem Sprachverständnis überlieferbar: geht es doch um Nacherwerb dessen, was die Vorvorderen bereits hatten.

Denn nur in der natürlichen Verknüpfung von Wort, Laut und Erfahrung, die durch die Gemeinsamkeit im Begriff identifizierbar wird, wird auch die Welt umfassend transportiert - und zum Besitz, im Geist zu dem man sich erhebt.


*190710*

Montag, 13. Juli 2009

Von Kindern profitiert, wer keine hat


Zu einer der faszinierendsten Seiten der Welterkenntnis gehört die Entsprechung von Zahlen, Berechnungen, damit: Statistik, und Geschehen, Wirtschaft, Leben, Geschichte. Deshalb wohl gehört Herwig Birg zu einer der schillerndsten Figuren des gegenwärtigen Populärwissenschafts-Zirkels. Birg, Vorstand des Deutschen Statistischen Zentralamts, fiel bereits seit vielen Jahren durch seine präzisen, nüchternen, politisch völlig neutralen Stellungnahmen zur Entwicklung der deutschen, noch mehr: europäischen Gesellschaften auf. Dabei gehört die demographische Entwicklung zu einem seiner mit größter Dringlichkeit immer wieder vorgebrachten Sorgengebiete.

Hier sei noch auf den schon Jahre alten Beitrag im Forum von ARS ACTU hingewiesen, der (sowie im anschließenden Diskussionsfaden) eine recht taugliche Faktensammlung zu diesem Thema abgibt.

Das im Titel verlinkte Interview mit Birg fand sich heute im Standard. Das Fazit? Nichts grundsätzlich Neues unter der Sonne. Nach wie vor wird nirgendwo politisch aktiv den immer schicksalshafter sich manifestierenden Entwicklungen gegengesteuert.

Hier noch einige weitere, pointierte Sichtweisen der Dinge, wie sie (dem politisch nie direkt aktiven) Birg eigen sind:

Birg: [...] Vielleicht kommt das, wenn die Menschen in Deutschland oder Österreich um 2060 merken, dass der Staat an ihrem sozialen Status nicht wirklich etwas verbessern kann und sich auf andere Dinge besinnen, so wie die Amerikaner. Die hatten noch nie die Situation, dass der Staat ihnen hilft, wenn alle Dämme brechen. Deshalb haben wir in den USA eine ganz andere Geburtenrate von zwei Kindern pro Frau. Es ist in Europa nicht zu erwarten, dass die Leute jetzt den Schluß ziehen: Der Staat kann mir nicht helfen und es gibt nur die Familie, auf die ich mich wirklich verlassen kann, alles andere ist riskant. Da muß noch viel mehr Erfahrung in der Gesellschaft angehäuft werden, damit den Leuten das dämmert.

derStandard.at: Das heißt, Familien zu stärken kann ein Ausweg sein. Sie fordern ja schon seit längerem, dass Eltern bei Jobvergabe bevorzugt behandelt werden. Bedeutet das nicht eine Diskriminierung von Kinderlosen?

Birg: Warum? Es ist niemandem verboten, Kinder zu haben. Das ganze Leben ist eine einzige Selektionsmaschine. Das ist nichts Ungerechtes, das ist das Unabwendbare. Wenn sie keine Unterschiede machen, dann ist das eher eine lebensfeindliche Einstellung, als wenn sie Unterschiede erkennen, wahrnehmen und - soweit sie erträglich sind - dann auch leben. Ich sage ja nicht, dass alle Kinderlosen schlechter dastehen sollen, als Menschen mit Kindern. Sondern nur, daß bei der Besetzung von Arbeitsplätzen unter gleich Qualifizierten diejenigen Vorrang haben sollen, die Kinder haben oder durch Pflegeleistungen Familienlasten tragen. Die Pflege von Eltern würde ich als gleichrangig mit der Erziehung von Kindern sehen.

derStandard.at: Das steht doch aber dem entgegen, was von den 68ern angestoßen und während der Siebziger Jahre durch den Ausbau des Sozialstaates ermöglicht wurde: Dass die Frage, ob man Kinder haben möchte, eine individuelle Entscheidung des Einzelnen ist und keine Notwendigkeit oder gesellschaftliche Verpflichtung.

Birg: Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist frei und soll frei bleiben. Geändert werden soll nur der Umstand, dass die Lasten der freien Entscheidung gegen Kinder von jenen getragen werden, die Kinder haben. Heute ist es so: Von Kindern profitiert, wer keine hat. Das ist alles andere als eine soziale Errungenschaft. Die sozialen Sicherungssysteme hängen ja gerade davon ab, dass Beitragszahler nachwachsen. Das ist eben der Witz: Wegen der vielen freien Entscheidungen gegen Kinder brechen die sozialen Sicherungssysteme zusammen. Das sollte inzwischen jeder verstanden haben. Die 68er waren so desinteressiert an Fakten und so fixiert auf Ideologien, dass sie das heute noch nicht kapiert haben. Ich kann das als 68er beurteilen.




*130709*