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Montag, 2. Mai 2022

Worin wir irren, wenn wir irren (2)

Wenn wir in diesen Tagen und Wochen nach der Auferstehung Christi also von der Wirkung der Kirche in der Welt hören, von den vielen Heilungen und Bekehrungen hören, die nun auch durch die Apostel und die Anhänger Christi eingetreten sind, also durch den Heiligen Geist, der in der Himmelfahrt Christi dann definitiv den Geist Gottes in der nun und damit irdisch werdenden, realen, also immer DURCH PERSONEN repräsentierten (dabei mehr oder weniger verschatteten) KIRCHE verankert, wenn wir also von allen diesen Wundern hören (und Wunder sind das eigentliche Wesen der Schöfung, denn nichts "muß", nichts "ist einfach WEIL" irgendwelche physischen Dinge so uns so konstituiert sind, dann ist uns vielleicht nicht recht klar, in welche Welt diese Erlsung hineingeplatzt ist.

Uns ist nicht klar genug, in welch furchtbaren, schrecklichen Zustand die Menschen waren, und mit welcher Sehnsucht sie also nach einer neuen Schöpfung gewartet haben, die (auf geistige Weise) durch die Erlösung Christi in diese Welt gekommen ist. Und die in der Versammlung des Erdkreises, der Ökumene, die Kirche, die ecclesia ist, diese als Erdkreis (und hier ist auch das All gemeint, das in der Erde hängt, nicht umgekehrt) geschlossen aus den Getauften und der über sie (personal!) in die Neue Schöpfung hineingenommene Welt.

Sonntag, 1. Mai 2022

Worin wir irren, wenn wir irren (1)

Niemals gelangt der Mensch zu Wissen aus eigenem Erkennen heraus. Wobei wir bereits an diesem Satz, an den Begriffen, so festhängen könnten, daß wir an deren Klärung Bibliotheken füllen könnten, es wäre alles enthalten, um bestimmter Gründe willen aber es vorerst mit der Schwammigkeit belassen wollen, in der sie im Gebraucht stehen. Als wahre "black boxes" oder Trojanische Pferde, wie auch immer man sie dann sehen möchte.  

Doch von dieser Seite bleibt etwas Konkretes, an dem wir ein Gespräch weiterbauen können. Wenn wir uns darauf konzentriere, daß Wissen immer auf einem Glauben VON ETWAS basiert, das wir nur glauben (als für wahr und damit Weltwirklichkeit halten, letzlich also "wissen"), weil wir JEMANDEM glauben. Jeder Mensch ist also auf einem ihm übergestellten (und von ihm als übergestellt anerkannten) Menschen aufgehangen, während auch an ihm wiederum andere ihm zu- und also untergeordnete Menschen anhangen.

Die Frau dem Mann, die Kinder den einheitsbildenden Eltern, der gesamte menschliche soziale Bau, den wir dann als Gesellschaft usw. bezeichnen, und der ijmmer ein vielfältiges Spiel aus hierarchischen Über-, Zu- und Unterordnungen ist. Diese Verankerung ist aber auch mehr als die jeweilige Teilhabe am wissen des Übergeordneten durch ein Zu- und Untergeordnetes, es ist immer und zuerst sogar die Zuordnung zu einer Identität, also zu einem Sosein in der Welt.

Samstag, 10. Juli 2021

Zu uns nur durchs Allgemeine (2)

In dem Wunsche, dazuzugehören, der wenn er ungesättigt oder verwirrt bleibt (wie bei einer Frau, die viele Männer hatte, die somit den einen nicht mehr erinnert, dessen Spuren sich verwischt haben weil von anderen, jeweils aktuell intensiver als in der Erinnerung präsent erfahrenen, überlagert wurden) dies aus Mangel an der Identifikationsfigur tut, drückt sich der Wunsch nach der Einheit des Menschengeschlechts überhaupt aus. 

Das somit als die richtige Ordnung erkennbar werden kann, wo sich das Einzelne aus dem Allgemeinen, das Individuum (das zugleich der Akt der Seinsergreifung überhaupt aber ist, der Weg des Allgemeinen ist also der des Individuums, der des Individuums aber der über das Allgemeine) aus der Zugehörigkeit zum Menschsein ergibt, jeweils als Bedingung. Diese Einheit aber kann nur über das personale Gegenüber hergestellt werden, weil sie eine Identifikation, die Wahrheit somit das Ausatmen, das Verströmen, das Auswehen des Trägers der Wahrheit ist. 

Sonntag, 25. April 2021

Gedankensplitter (1156)

Wenn wir aber schon von Wissenschaft als Kunst reden, wenn wir das also soweit bereits erkannt haben, dann stehen wir unmittelbar vor dem Wesen von Wissenschaft. Das als "Manipulation" abscheulich fehlgedeutet worden ist. So sehr, daß der heutige Mensch überhaupt schon glaubt, daß das der Sinn von Wissenschaft sei: Technik. Lernen, die Welt zu manipulieren.

Sonntag, 8. März 2020

Noch ein Wort dazu (2)

Teil 2) Die Juden der europäischen Wurzeln gibt es nicht mehr



Nur insofern ist es anderseits somit durchaus legitim, von jüdischen "Wurzeln" im Christentum zu sprechen. Die aber "für sich betrachtet" nicht mehr bestehen, weil sie sich auch im Kult endgültig in Jesus Christus, in der Fleischwerdung Gottes in seinem Sohn, erfüllt haben. Mit dieser Erfüllung ging auch eine völlige Umbildung dieses Glaubens einher. Aus einer Gesetzesreligion, der mangels Fleischwerdung Gottes nicht mehr als Lehre und Gesetz hatte, wurde nunmehr eine Seinshaltung, eine direkte Anbindung (nicht nur über die Gnade, sondern auch über die Sinne sogar wörtlich zu nehmen) an Gott, dem "ich bin der ich bin", das Sein alsohin. Von "jüdischen Wurzeln" läßt sich dabei nur mit den Augen eines Historikers sprechen, eines Analytikers. Eine reale, eine politische Dimension hat es nicht. Schon gar nicht eine, die es mit dem heutigen Judentum verbinden würde.

Das gleiche gilt für den Begriff des "Volkes Gottes", das sich insofern gar nicht "geändert" hat, das aber nur für jene gilt, die im wahrsten Sinn "Söhne" Gottes wurden, weil sie im Glauben Abrahams treu Jesus Christus als Messias und Erfüller annahmen und anerkannten. Nur diese sind nunmehr Volk Gottes, die Beschneidung und jedes Merkmal, das vor Christus galt, haben diesbezüglich ihren Sinn verloren. Die durch Christus auf die Erde gekommene Gnade hat auch den Sohnes- und Blutsbegriff in seine wahre (geistige) Höhe gehoben, und die Sohn-Vater-Beziehung als einen geistigen Akt erkennbar gemacht.

Weil wir aber heute von einem Judentum sprechen, von Juden sprechen, und jene meinen, die HEUTE sich als solche bezeichnen (und wer hier nur etwas genauer hinsieht, sieht sehr rasch die Unschärfen, die Unsicherheiten, die Differenzen, die Schwierigkeiten, die heutige "Juden" mit dieser Selbstidentifizierung haben, wo die einen "Juden" die "anderen Juden" gar nicht als "Juden" bezeichnen, ohne daß dieser Streit befriedbar wäre, weil ihn niemand Irdischer entscheiden kann,) wer also diese "Juden" meint, kann nicht von "jüdisch-christlichen" Wurzeln des Abendlandes" sprechen. Die existieren nicht, sondern das Abendland hat sich sogar GEGEN das Judentum entwickelt und abgegrenzt, und ist in dieser Abgrenzung als Volk Gottes - als Kirche als innere Grammatik somit! - geworden und groß geworden.

Wenn neuerdings und zunehmend selbstverständlicher sogar "rechte" Kreise von einem angeblichen "judäo-christlich fundierten Abendland" sprechen, so kann dies nur als Kotau des Schwächelns angesehen werden. Indem sachliche Stellungnahme von einer Schuldneurose durchtränkt wird, die als politisch opportuner oder leichter verträglich einerseits angesehen wird, die anderseits aber sehr wahrscheinlich auch von viel Unkenntnis der Sache selbst geprägt ist. 

Die so nebenbei wie jede Wahrheit auch befreiende Wirkung gerade im Umgang mit dem, was sich heute als "Juden" präsentiert, haben könnte. Ansonsten ist zu befürchten, daß gerade die oft verzweifelten Versuche, heute noch so etwas wie eine abendländische Identität zu festigen oder auszumachen, von der Wurzel her bereits zum Sterben verurteilt ist, weil es auf falschen Prämissen aufbaut.

Die vor allem aber ein Problem hat, das dramatisch wirkt und todgefährlich ist: Weil damit der Versuch gemacht wird, das "Gift" des Abendlandes sogar zu seinem Quellen zu machen. Denn es greift bei weitem zu kurz, das, was sich heute als Judentum bezeichnet, in seinen "Werten" als mit dem Abendland vereinbar zu halten. Alles andere ist wahr! Das zu begreifen ist aber erst dem und dann möglich, wenn das heutige Judentum als anti-christliche Bewegung begriffen wird. Und deshalb auch als Bewegung, die sich von allem Anfang an gegen ein christlich konstituiertes Abendland richtete. Deckungsgleichheiten, die angeblich die Identität beider ausweisen sollen, finden sich nämlich mit so gut wie allen Religionen der Welt.

Aber sie sind, wenn man so will "zufällig" und Restbestände eines allen Menschen natürlichen Suchens nach Gott. Das aber nie nur nirgendwo zur Erfüllung kam. Denn Jesus Christus ist KEIN Prophet. Er ist der fleischgewordene Gott, der sich erst begreifen läßt, wenn man diese Selbstoffenbarung Gottes sieht und annimmt. Die jede der heutigen "Religionen" obsolet macht, die erst durch die Taufe eine Brücke zu Gott haben, ansonsten aber notwendig im Götzendienst verbleiben.




*Selbst dessen Bezugspunkt, der Koran, ist in wesentlichen Teilen eine Übernahme des bereits arianisch geprägten, im syro-aramäischen Raum sehr populären Verkündigungsbuches des "Querein". Das läßt sich aus linguistischen Analysen heraus sehr eindeutig feststellen, und wurde bereits seit mehr als hundert Jahren, als diese Analysen erstmals angefertigt wurden, darunter von so großen Liebhabern des Islam wie Ignaz Goldziher, so identifiziert.

**Denn nachhaltige, substantielle Identität kann sich nur aus positivem Seiendem, also aus Sein, das in diesem Seienden durchscheint, bilden, niemals aus einer Ausgrenzung.





Samstag, 7. März 2020

Noch ein Wort dazu (1)

Nachdem ein Artikel von Caroline Sommerfeld in der "Sezession" zwar bemüht, aber unzulänglich auf die Unzutreffendheit hinweist, die die Rede von der vorgeblichen "jüdisch-christlichen Tradition des Abendlandes" enthält, möchte der VdZ noch ein paar Worte dazu sagen. Sie können hoffentlich die Unschärfe aufklären, die Sommerfelds Ausführungen noch enthalten. 

Denn es ist einerseits grundsätzlich falsch, von "jüdisch-christlicher Tradition des Abendlandes" zu sprechen, wenn damit das Judentum gemeint ist, wie es SEIT Jesus Christus, also auch heute, besteht. Im Gegenteil muß man sogar davon sprechen, daß sich das Abendland IN DER AUSEINANDERSETZUNG, im Gegensatz zum Judentum dieser neuen Prägung (man muß hier von einer "neuen Religion" sprechen, die sogar jünger ist als das Christentum) gebildet und durchgesetzt hat. 

Was war das Merkmal dieser Religion, die sich heute "Judentum" nennt? Es ist die Ablehnung von Jesus Christus als den Messias, als den Erlöser. Eine Ablehnung, die sich im Vorderen Orient weitgehend durchsetzte und dies mit Sicherheit unter starkem jüdischem Einfluß. Die Bildung eines "Islam" mit seinem Leitspruch "Es gibt nur einen Gott, und sein Gesandter ist ein Prophet (und nicht Gott)" knüpft exakt an die als christliche Häresien bezeichneten, sehr starken Strömungen des Arianismus bzw. Nestorianismus an, und sinterten sich im erst ab dem 7., 8. Jahrhundert zur dann "Islam" genannten Religionströmung* aus. 

Er hat damit die fundierende Argumentation der (heute so bezeichneten) "Juden" präzise übernommen, und wurde erst spät mit "Mohamed" (was ebenfalls "Gesandter" bedeutet, ein Ehrentitel wie der in den frühesten Inschriften - etwa in der Goldenen Moschee am Tempelberg - verkündet zur plakativen Abgrenzung gegen das byzantinische Christentum, mit dem die Stämme und Völker dieses geographischen Raumes nach dem Rückzug der Byzantiner im 5. Jahrhundert eine eigene Identität (auch in der Religion) festhielten. Daß hier der Einfluß des Judentums enorm war, ist eindeutig. Wie weit er gegangen ist, wäre wirklich interessanter Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung, die seltsamerweise bis heute nach Kenntnis des VdZ nicht stattgefunden haben.  

Das heutige Judentum hat also nicht nur immense, sublime, aber fundamentale Gemeinsamkeiten mit dem Islam (und die Gegnerschaft, die hier angeblich besteht, ist also vergleichbar mit der Unausweichlichkeit eines Bruderstreits unter Abweichlern aus demselben Nest, die sich im Gegensatz zum logos, also der wirklichen Wirklichkeit der Welt wissen, und beide dasselbe Abgrenzungs- weil Identitätsproblem haben*), sondern es ist aus dieser Anti-Christlichen Bewegung heraus entstanden, und nur aus dieser Haltung heraus verstehbar. Eine Religion, die sich im Wesentlichen auf die Torah einerseits (also den Korpus des bei den Christen "Altes Testament" genannten Heiligen Schrift), und die nach Christus hinzugefügten Schriften wie den Talmud berufen. Der wie die Kabalah teilweise als zumindst in Teilen als bereits "vor Christus" entstanden bezeichnet wird, aber auch in diesem Fall bereits eine Häresie des Judentums, also eine Abweichung oder gar ein Abfall gewesen ist.

Denn was bis zu Jesus Christus Judentum war, ist im Christentum aufgegangen! Es wurde durch die Inkarnation Gottes in Jesus Christus erfüllt, und findet sich deshalb in dem, was sehr bald als "Christentum" bezeichnet wurde.* In diesem Sinn ist es legitim davon zu sprechen, daß es aufgehört hat, als eigene Religion zu existieren, aber auch zu sagen, daß es im Christentum immanent ist, aber auch dann nicht mehr als "jüdische Religion" weiter besteht. Das, worauf sich diese berief, den Glauben der Väter, den Glauben Abrahams und Isaaks, alle sämtlichen weiteren Bücher des Alten Testaments (also der Torah) ergeben ihren Sinn erst, wenn sie als auf die Erscheinung Jesu als Gott hingeordnet erkannt werden.

Deshalb hat auch bereits das Neue Testament (insbesonders das Evangelium des Apostels Johannes), haben sich die Briefe (auch hier sei besonders aus dem johanneischen 1. Brief hingewiesen) mit diesem Thema ausführlich auseinandergesetzt. Und die Frage auf die klare Definition eingedampft, 

daß jeder, der früher, also vor Christus, Jude war, jeder, der diesen von Abraham herabgekommenen Glauben hatte, der dieser Tradition zugehörte, auch (fast) "automatisch" Jesus Christus als Messias erkannt haben MUSZ. Christus abzulehnen war damit ein moralisch negativer Akt, eine Gegenwehr gegen die Wahrheit.
Nur also, wer nicht glaubte, somit in diesem Sinne auch gar kein "Jude" im traditionellen Sinn war, hat Jesus Christus abgelehnt. Genau das war dann der Korpus dessen, was sich nach Christus als "Judentum", wie wir es seither kennen, neu gebildet hat. Ein Judentum, das das aus dem Geist des Christentums entstandene Abendland, dem es als Minderheit gegenüberstand, sogar als Gegner, ja als Todfeind (siehe Talmud!) angesehen hat.

Morgen Teil 2) 
Die Juden der europäischen Wurzeln gibt es nicht mehr



*Dieser - man könnte sagen: nahtlose - Übergang vom Judentum zum Christentum war bis zu den Liturgiereformen 1969/70 sogar im Kult, also in der katholischen Eucharistiefeier und allen Einrichtungen, die dem katholischen Kult dienen (bis zur Architektur der Kirchen), noch deutlich zu sehen. Bei den Orthodoxen Riten ist er noch viel deutlicher zu erkennen.





Sonntag, 2. Februar 2014

Apokalypsen der Geschichte

Das Gefühl des Apokalyptischen wächst in einer Kultur dann und dort, wo die Gewißheit, daß wir uns ontologisch nicht selbst fundieren können, wächst. Es ist deshalb ständiger Begleiter jedes Zustands der Menschen, und als Aussage relativ neutral. Denn es ergibt sich immer aus der Grunderfahrung der Diskrepanz aus zivilisatorischem Zustand und ontologischer Grunderfahrung - daß wir unser Sein jemandem verdanken, und daß wir in unserem Dasein dieses Sein nur in zerbrechlichem Gefäß tragen. Immer. Und niemand ist sich dieser Brüchigkeit mehr bewußt als Heilige. Und niemand mehr als Unheilige.

Vielleicht kann man sogar daraus schließen, daß Zeiten, in denen die apokalyptische Grundahnung (die es nämlich ist) als Grundverfaßtheit der Welt besonders ans Tageslicht kommt, besonders "zelebriert" wird, Zeiten zweier Extreme sein können: Die besonderer Heiligkeit wie die eines drohenden Gesamtzusammenbruchs der kulturellen Situation.

Mit einer Unterscheidung: Der Heilige weiß darum, und wirft sich umso mehr auf Gott. Der Unheilige weiß darum, und schreit - vor Angst, in der er sich seine Rettung selbst zu schaffen sucht.

Der Heilige weiß, daß dort, wo die Nacht am tiefsten ist, die Rettung am nächsten kommt, der Moment des Eintritts des Lichtes ist. Eine Rettung, die dem Unheiligen zum Verdammungsurteil wird, weil sein Streben dieses "Hinzukommende", diese Erlösung, dieses Licht ausschließen, ja vermeiden will. 

Darauf beruhen alle Weltrettungsmissionen der Ideologien und sogar der Religionen der Geschichte, und es ist der Schlüssel zum Verständnis der Geschichte überhaupt. Und das macht alle diese Weltrettungsversuche so ... lächerlich, wenn sie etwa von einer Welt ohne Menschen ausgeht. Weil Weltschicksal vom Menschenschicksal nicht zu trennen ist, es aber mit Gewißheit nicht in unsere Hand liegt, die Zeit zu beenden. Oder mit falschen Mitteln das richtige Ziel - Welterhaltung - zu erreichen. Der Bestand der Welt liegt in einer völlig anderen Dimension, im Übernatürlichen gegründet, an der der Heilige bereits teilhat.

Deshalb ist es uns auch nicht möglich (und sie war es nicht einmal dem Sohn Gottes), sie historisch zu verorten. Denn die Apokalypse steht immer quer zur Zeit der Welt, und ihre Erscheinungen, wie sie die Offenbarung des Johannes beschreibt, sind immer gleich da und gegenwärtig. Immer gleich da als geistige Wirklichkeit, die sich ihre teilartige weil auf jeden Menschen bezogene historische Wahrheit immer bildet. Die Apokalypse des Johannes ist also auf zwei Arten gültig und zu lesen: als "Schema" jedes Lebensschicksals, wie als (zeitloses) und ebenso unausweichliches Gesamtschicksal der Welt, in dem sich ihre Geschichte erfüllt.

Diesen Zeitenlauf zu beenden, zu dem dann diese Abläufe absolut und einmalig historisch werden, ist damit ein für sich stehender Akt, der alles, die gesamte Schöpfung (als Welt) umfassen muß, als Reinform zahlloser "Teilapokalypsen" freilich noch einmal gesteigert, weil ja alles in der Welt mit allem, zur großen Gesamtordnung gefügt, zusammenhängt. Als Ende der Geschichte, wie wir sie kennen. 

Das der, der um die apokalyptische Dimension seines eigenen Lebens ohnehin weiß, nicht zu fürchten braucht. Ja, der sogar mit besonderer Verheißung beladen ist. Wenn er denn glaubt.

Denn nur der Glaube ist dieser von jedem zu setzende persönliche Akt, nur er schließt die personale Ebene ab. Keine "Religiosität", keine Philosophie, keine Lehre vermag das je zu leisten, ihr fehlt dieser personale Anschluß an Gott selbst. Deshalb ist der Zentral- und Angelpunkt des Christentums der Glaube an Jesus Christus als Person, als Gott selbst, und er ist durch keine Religion sonst zu ersetzen. 

Wie immer Gott Andersgläubige einmal anschauen mag. Denen diese so überaus reale Dimension aber fehlt.





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Donnerstag, 9. Mai 2013

Kirchlicher Antichrist

Man muß zweifellos annehmen, daß die entsprechenden Schriftstellen so auszulegen sind, daß in der Endphase der Kirche die Verführung durch die falschen Propheten auf die Gläubigen selbst übergreifen wird, schreibt Yves Congar in "Das Mysterium des Tempels". 

Man muß zweifellos annehmen, daß die Unternehmungen des Widersachers, seine Verführung, seine allfälligen Erfolge, in der Kirche selbst stattfinden werden. Der Kampf für die Reinheit des Glaubens ist also ein Kampf für die Reinheit des Tempels Gottes. 

Johannes, bei dem die Rolle des falschen Propheten darin besteht, der Herrschaft des Tieres zu dienen und sie aufzurichten, und dessen Apokalypse geschrieben wurde, um die Kirchen in ihrem Kampf um die Bewahrung des Wortes Gottes ohne Verleugnung seines Namens zu stützen, verkündet im Namen des Herren: 

"Den Sieger will ich zur Säule im Tempel meines Gottes machen. Er soll von dort nicht mehr wegkommen, und ich will darauf schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel herabsteigt von meinem Gott, und auch meinen neuen Namen." (Apk 3,12)

Natürlich, schreibt Congar weiter, kann der Antichrist nicht aus dem Ideenkreis der Kirche als Tempel kommen. Es handelt sich vielmehr um eine (vielleicht persönliche) Macht, die Gott feindlich ist und ihn aus dem Glauben und der Anbetung der Menschen zu entthronen trachtet. Auch hier geht es um die Reinheit des geistigen Tempels, die dem einzigen wahren Herrn, dem lebendigen Gott, geweiht ist. 

Eines Tempels, der zugleich sichtbar wie unsichtbar ist, und dessen Steinbruch die ganze Menschheit ist. Und von dem der Heilige Augustinus schreibt: "Viele scheinen drinnen zu sein, die in Wirklichkeit draußen sind, und andere scheinen draußen zu sein, die in Wirklichkeit drinnen sind." Wer dazu gehört, weiß letztlich nur Gott - viele sind unsichtbar der Tempel, gehören freilich aber nicht vollkommen dazu, wenn sie nicht zu dieser realen, körperlichen, sichtbaren Zugehörigkeit gelangen. Fleischlich, sakramental. Denn das Wesen des Tempels ist (nicht nur, aber auch, und zwar unverzichtbar auch, eben weil Wesen) Sichtbarkeit, das ist sein Sinn - als Sinn und Ziel der ganzen Schöpfung.




*090513*