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Sonntag, 8. September 2019

Meinung hat nur Wert, wenn sie aus Freiheit stammt

Naja, es ist nicht alles witzig, es ist nicht alles geschmackvoll und vieles ist blöd. Aber um eine Kritik an Dieter Nuhrs Fernsehauftritt geht es da gar nicht. Sondern um einen Erkenntnisblitz, der den VdZ streifte, als er diese matte Darbietung sah - es geht um die Meinungsfreiheit.

Und da ist ein Satz anzubringen, er drängt sich auf: Meinungsfreiheit heißt nämlich NICHT, daß JEDER was immer ihm einfällt, egal wo äußern kann. Das gab es noch nie, ohne daß irgend ein Sepp vom Rüttelsbergerhof dem Meinenden eine überzog, weil er frech oder einfach deppert war.

Meinungsfreiheit heißt vielmehr, daß die Meinung, die geäußert wird, in sich frei ist. 

Und da stehen wir vor ganz anderen Herausforderungen. Was soll es bringen, wenn als heiliges Gut gehandelt wird, daß jeder Fausttrottel, der alles andere als eine "freie" Meinung hat, also gar nicht denken kann, seine Meinung "frei" äußert?

Meinung braucht nicht Zügellosigkeit, um geäußert zu werden. Sie braucht die geistige, innere Freiheit. Dann ergibt sich die Äußerungspflicht von selbst.

So nebenbei: Was das in so einer Sendung zu suchen hat, weiß keiner. Außer Dieter Nuhr, vielleicht. Da erzählt uns glatt einer in einer Einspielung, daß die Masern, ausgelebt, eingeholt, abgetragen, ein "höheres Sterberisiko" hätten als die per Impfung "bekämpften" Masern. Geht es noch gehirnleerer? Na DEM wäre der VdZ vergönnt, wäre er nicht Christ, dem Rache fern ist, ein Kind zu haben, das man impft, und dem man vorher sagt: Also mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit verhindert das eine Krankheit, die es vielleicht nie kriegt und wenn, mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit stirbt, wenn, sonst, naja, stirbt es halt mit geringerer Wahrscheinlichkeit an der Impfung.

Ist der Einzelne also ein statistischer Krankheitsfall? Ist der Eingespielte ein statistisch aufzulösender Mensch? Nicht ein Einzelschicksal? Und dann redet der "Thorsten" noch von Abtreibung. Leute, solche Blödheiten will gar niemand hören, die sind eine Belästigung für jeden intelligenten Menschen, der noch seine Brötchen durch seiner Hände Arbeit erwirbt. Abtreibung bringt der ins Spiel. Was für eine Geistesweite. Da ist ja noch die Armkanüle im Krankenhaus ein weites Feld der Zuträglichkeiten dagegen.

Trottelbrut, schert Euch ins Gumpfbrüttel. Aber hört auf, auf Steuerkosten den Äther zu verseuchen und im Fall, daß man Eure Geistesgestörtheit nicht mehr hören will, von Einschränkung der Meinungsfreiheit zu palavern.







Donnerstag, 4. Juli 2019

Als das Kabarett gestorben war

Von Wien zurück ... Besuch bei der Bühne "Stadtsaal", die sich anrechnet, den Finger am Puls der Zeit zu haben, noch vor dem allgemein werdenden Fühlen, denn das sollte ja Kunst. Kabarett? Nur noch zum Lachen. Denn entweder ist es pädagogisch angewandte Ideologie, oder belangloses Spaßmachen.

Zurück in den eigenen vier Wänden lag eine Empfehlung im Briefkasten. Dieter Nuhr, denn er habe im deutschen Massenfernsehen "Nuhr im Ersten" sogar den Klimawandel kritisiert. Und Nuhr nennt Deutschland auch eine Gesellschaft von Trotteln. Aber Nuhr ist aber kein Aufzeiger des Irrsinns, sondern selbst eines seiner Symptome. Der einzige Unterschied liegt in der subjektiv anders ausgefallenen Auswahl von Verrücktheiten. Wenn es einem in den Kram paßt, ist es "gute Kritik", oder gar "gutes Kabarett". Wenn nicht - schlecht. Was ist schlecht? Weil einem dies oder das gerade mal nicht paßt. Ansonsten sind alle gute Systemdiener der Lawine, die zu Tal geht und alles zerschmettert.

Leute, es wird langweilig. Nein. Wir stehen vor derselben Situation wie der Dadaismus 1925 oder so. Es lohnt nicht mehr, konkrete Dinge aufzuzeigen. Die Sprache ist zu einem Ende gekommen. Es gibt die Resonanzfähigkeit für Geist und Wahrheit nicht mehr. Unsere Völker haben keine Eliten mehr, die den Sprachraum klären. Sie haben nur noch ... ach, wie soll man es nennen? Sie enden so wie die, die man nicht mehr benennen kann.

Und natürlich haben es alle heute leicht. Und sie werden es noch leichter haben, der Irrsinn hat seine Großdynamik als Struktur des Ganzen angenommen. Mündet das in Wahrheit, in Erkenntnis? Eben nicht. Vereinzelter Unsinn kann in seinen praktischen Auswirkungen auch von Unsinnigen erkannt werden. Ein Unsinn grenzt sich also mittlerweile nur noch vom anderen ab, den man aber nicht zu erkennen vermag. Und das nennt man Kabarett. Was soll man da noch sagen ...

Um relevantes Kabarett - und Kabarett ist nur Kabarett, wenn es relevant ist - zu machen, bräuchte es Menschen, die aus allem ausgestiegen sind. Aus allem! Aber wir können nur noch wählen zwischen den Systemdienern dieser oder jener Gesamtheitsunterwerfung unter den Irrsinn. Es ist erschütternd. Wir haben allmählich wirklich keine Institutionen mehr, die uns aus dem Irrsinn herausholen können. Keine. Nichts re-fundiert noch in die Wahrheit, die weit mehr ist als vereinzelte Richtigkeit. Damit ist das Ende endgültig absehbar, weil es schon da ist.









Montag, 31. Dezember 2018

So irgendwie doch ein Jahresrückblick

Es hat schon so einige amüsante Punkte, was Dieter Nuhr da von sich gibt. Wahren wir die Tradition, und halten wir also einen Rückblick aufs Jahr 2018. Auch wenn es einem das eine oder andere "Najaaaa ..." hervorwürgt. Wo Nuhr die obligatorischen Dankesgaben am Altar der "Habt mich lieb, ich bin ja doch ein Guter"-Religion ablegt. Man ist schon viel mehr gewöhnt, da ist man dankbar, wenn es noch irgendwas zu lachen gibt, trotz allem. Denn Lachen hat mit Realität zu tun.






*211218*

Donnerstag, 12. November 2015

Und wie sind diese Schulden entstanden?

Nun wollen wir gar nicht auf den Umstand eingehen, daß das Definieren des Wortes "Demokratie" wie ein Ziehen und Zerren eines sehr elastischen Wortes für alles und jeden verkommen ist; daß ein Begreifen wirklicher volkswirtschaftlicher Zusammenhänge für den Durchschnittsbürger zu hohe Trauben sind. Und der Erstaunlichkeiten wären noch jede Menge zu vermerken. Wir wollen nur den Umstand vermerken, daß im Weltbild des im ORF interviewten Filmemachers Erwin Wagenhofer die Frage, warum Griechenland so hohe Schulden hatte und hat, nicht einmal vorzukommen scheint.

Wenn der Kontakt zur Wirklichkeit nicht mehr gelingt - und das hat immer sehr persönliche Gründe - und dadurch nicht wunschgemäß reagiert, wird das Weltbild zu einem simplen Kräftediagramm, in dem zweifellos "andere" die Schuld tragen, wenn die Wirklichkeit ihr Recht fordert. Man muß derzeit von einer regelrechten Renaissance des Marxismus sprechen, dessen immanente Präsenz in der täglichen Kritik, wie sie schon zum Brot des Mannes von der Straße geworden ist, den wenigsten klar ist. So in der Feststellung des Einflusses der Internationalen Finanzmächte.

Denn dieser wäre gar nicht, oder nicht in diesem Maß entstanden, wenn sich die Politik in den Staaten nicht von marxistischen (und eigentlich: rousseau'schen) Ideen eines Staates als "Versicherung gegen das Leben" hätte durchwirken lassen. In dieser seltsam wirken mögenden, aber natürlichen Allianz, die historisch der Absolutismus mit dem mechanistisch-materialistischen Weltbild einging. Und genau dort stehen wir heute: Mitten im Rousseauismus des 18. Jhds., dem wirkmächtigsten trojanischen Pferd der Neuzeit, das das Abendland auf den Kopf stellte*. Wagenhofer hat in seinem Film "Alphabet" unfreiwillig den Beweis dafür geliefert. Hier wie anderswo wird deshalb genau das gefordert, das die Leiden die man spürt, weil sich die Wirklichkeit zurückmeldet, bewirkt.





Vielleicht hätte Herr Wagenhofer einmal Dieter Nuhr zuhören sollen. Der stellt die kompetenteren Fragen. Vielleicht sollte er auch einen Dokumentarfilm machen.







*Diese ganz eigenartige Nähe zum wesentlichen Strom der sogenannten "Aufklärung" findet sich auch im neuesten Buch von Alexander Kissler. Man könnte also den seltsamen Umstand bemerken, daß heute unterschiedlichste, formal unvereinbare Seiten Kritik äußern - und nicht bemerken, daß beide dasselbe fordern! Dazu ein andermal mehr.





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